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^ftENTRALBLATT
für
Bakteriologie und Parasitenkunde.
X. Band.
£ WTRALBIATT
für
Bakteriologie uod Parasitenkunde.
In Verbindung mit
Geh. Hofrath Professor Dr. Leuckart
in Leipzig
and
Professor Dr. Loeffler
in Greifswald
herausgegeben yon
Dr. Oscar UMworm in Cassel.
X, Band.
Mit 1 Tafel und 9 Abbildungen im Texte.
Jena,
Verlag von Gustav Fischer.
1891.
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
Geb. Hott. Prot Dr. Lenckart im Pnfisnr Dr. Loefter
m Letpxif In ürelfrvsM
herausgegeben von
Dr. O. TJUworm in CasseL
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
X. Band, -o- Jen», den a Juli 189 1. -o- No. 1.
Prell Ar den Band (S6 Humen) 14 Mark.
Jährlich erscheinen twti Binde.
— »| Zu bestehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten, f«—
Die Redaktion des „CentraMatts für Bakteriologie und Parasiten'
künde" richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wünsche um Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Auf-
sätze entweder bei der Einsendung der Abhandlungen an die
Redaktion auf das Manuskript sehreiben zu wollen oder spä-
testens nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an
den Verleger, Herrn Gustav Fischer in Jena, gelangen zu
lassen* Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
eingehende Wünsche berücksichtigen zu können.
Original -Mittheilungen.
Zur Frage der Scharlaohdiphtheritis.
Von
Dr. F. Tangl,
Assistent am pathologischen Institute der Universität Tubingen.
Die viel umstrittene Frage, ob die Scharlachdiphtheritis mit der
genuinen Diphtherie ihrem Ursprünge nach identisch sei oder nicht,
wurde in letzter Zeit der H en och -Heu bner* sehen Ansicht ent-
sprechend von den meisten Klinikern dahin beantwortet, dass diese
Affektionen ätiologisch von einander zu trennen seien. So beweis-
kräftig auch die verschiedenen klinischen Symptome und theilweise
X.M. 1
2878
2 Tangl,
auch die pathologisch-anatomischen für diese. Ansicht sprechen, so
bleibt es doch unleugbar, dass man denselben den Werth eines ent-
scheidenden Argumentes nicht beimessen kann, was ja wohl auch
schon aus dem Umstände hervorgeht, dass die gegenteilige Ansicht
auch jetzt noch besonders zwischen den französischen Klinikern zahl-
reiche Anhänger hat.
Da es bei dieser Frage wesentlich darauf ankommt, ob bei
beiden Prozessen dasselbe pathogene Agens gegenwärtig ist oder
nicht, so liegt es auch in der Natur der Sache, dass weder die
pathologisch -anatomischen, noch die klinischen Beobachtungen zur
endgiltigen Entscheidung führen konnten. Diese kann man nur von
direkt auf die Aetiologie gerichteten Untersuchungen erwarten.
Wenn auch die Aetiologie des Scharlachs eine völlig unbekannte
ist, da wir Ober das Scharlachkontagium zur Zeit gar nichts wissen,
so haben die bakteriologischen Forschungen bezüglich der Aetiologie
der genuinen Diphtherie zu solchen Ergebnissen geführt, dass man,
auf sie gestützt, an die Entscheidung der uns beschäftigenden Fragen
herantreten kann. Dazu genügt es ja, dass man wenigstens von
einer der zwei fraglichen Infektionskrankheiten den Erreger kennt,
und da können wir nunmehr von der genuinen Diphtherie f a*t mit
Gewissheit behaupten, dass ihr Erreger derKlebs-Loeffler' sehe
Diphtheriebacillus ist. Ich wenigstens muss das nach meinen
Untersuchungen, die ich im Laufe des vergangenen Jahres hier im
Institute ausgeführt habe und die demnächst ausführlich publizirt
werden sollen, annehmen, und schliesse mich also ohne weiteres Den-
jenigen an, die diesen Bacillus als den Erreger der Diphtherie
betrachten.
Auf Grund dieser Auffassung ist es selbstverständlich, dass wir
nun die definitive Entscheidung der Identität resp. Nichtidentität der
Scharlachdiphtheritis und der genuinen Diphtherie von bakteriolo-
gischen Untersuchungen erwarten müssen, deren erste Aufgabe nun-
mehr die ist, festzustellen, ob in allen Fällen typischer Scharlach-
diphtheritis (nekrotisirende Scharlachangina) der Klebs-Loeffler-
sche Diphtheriebacillus in der Mund- resp. Rachenhöhle vor-
handen ist oder nicht.
Soweit ich aus der mir vorliegenden Litteratur ersehen kann,
sind, trotzdem schon von verschiedenen Forschern daraufhin gerich-
tete Untersuchungen ausgeführt wurden, noch immer nicht so viele
Fälle geprüft, dass man aus den bekannt gemachten Resultaten einen
zwingenden Sehluss ziehen müsste. Deshalb dürfte es vielleicht ge-
rechtfertigt erscheinen, wenn ich ebenfalls mit dem Untersuchungs-
resultate einiger Fälle einen kleinen Beitrag zu dieser Frage zu lie-
fern trachte.
In Loeffler's1) erster Arbeit finden wir 5 Fälle von Schar-
lachdiphtheritis angeführt, von welchen er bei vieren den Diph-
theriebacillus nicht fand; beim fünften, der am 18. Krankheits-
tage zur Sektion kam und abweichend von den übrigen 4 Fällen
1) Loeffler, Mittheilungen au« d*m kaiaerl. GetwidhttteAiiite. Bd. II. p. 439.
fear Frage dar Scharlachdiphtheritis. 3
ausgedehnten Kroap des Larynx und der Trachea zeigte, fand er in
den mikroskopischen Schnitten die Stäbehen.
Babes1) gibt an, dass er den Diphtheriebacill us nur
bei „konsekutiven, sekundären, nach Scharlach auftretenden wahren
diphtheritischen und kroupösen Prozessen" gefunden bat und nicht
bei der gewöhnlichen, mit Scharlach einhergehenden diphtheritischen
Angina.
Hof man v. Welle nhof *) hat von 19 Fällen von Scarlatina
mit ganz unbedeutender Rachemtffektion bis zu tiefgreifender Zer-
störung im Pharynx nur in 6 Fällen Kulturen des „morphologisch
so zu bezeichnenden14 Loeffl er 'sehen Bacillus gefunden, welche
sämmtlich nicht virulent waren.
Kolisko und Palt auf*) geben an, dass sie bei der gewöhn-
lichen, mit dem Scharlach einhergehenden diphtheritischen Angina die
Loeffl er' sehen Bacillen konstant vermissten.
Escherich hat, wie dies Holzin ger4) in seiner Dissertation
anführt, 7 Fälle von Scharlachdiphtheritis auf Loe ff ler 'sehe
Bacillen untersucht Von diesen 7 Fällen konnte er in 2 den
Diphth eriebacillus nachweisen; in 3 Fällen wurden mit den
angeblichen Diphtheriebacillen keine Thicrexperimente ausgeführt.
He üb n er*) vermisste in 5 Fällen .von Scharlachdiphtheritis
den Loe ff ler' sehen Bacillus, während er ihn bei der primären
Diphtherie fast ausnahmslos nachweisen konnte.
Wurtz und Bourges6) haben 11 Fälle von pseudomembra-
nöser Scharlachangina auf die Klebs- Loe ff ler' sehen Bacillen
geprüft In 9 Fällen, wo die Angina frühzeitig auftrat, konnten sie
den Bacillus niemals finden. In 2 Fällen hingegen, wo die An-
gina am 7. resp. am 36. Tage mit dem Erscheinen des Exanthemes
auftrat, fanden sie den Diphtheriebacillus, dessen Identität sie
aber nur morphologisch und kulturell nachwiesen.
Wie aus den angeführten Arbeiten hervorgeht, finden wir nur
bei Escherich und Wurtz und Bourges in einzelnen Fällen
Angaben von positivem Befund, an den ich jedoch weiter unten einige
Bemerkungen knüpfen möchte.
Meine Untersuchungen erstreckten sich auf 7 Fälle von Schar-
lachdiphtheritis. 5 dieser Fälle habe ich durch die Güte des Herrn
Prof. Jürgensen aus der Poliklinik in Tübingen zur Untersuchung
bekommen ; 2 Fälle habe ich an der inneren Abtheilung des städti-
schen Krankenhauses am Urban in Berlin mit der liebenswürdigen .
Erlaubniss des Direktors, Herrn Prof. A. Fraenkel, untersucht.
In allen diesen Fällen war auf einer oder beiden Tonsillen, in
einigen auch auf den Gaumenbögen, ein deutlicher, grauweisser,
1) Babes, Wiener klio. Wochenschr. 1889. No. 14.
i) Hof m ad, Wiener medic. Wocheoschr. 18SS. No. 8 u. 4.
8) Kolisko u. Pal tauf, Wiener kiin. Wochenschr. 1889. No. 8.
4) Hol tinger t Znr Frage der Scharlachdiphtherie. Inaug-Diasert. München 1889.
5) Heuboer, Jahrbuch f. Kinderhellkunde. Bd. XXXI. 1890. Heft 1 u. 9.
6) Wart» et Bourges, Recherche« bacteriologiques sur rangine pseudo-diphthä-
nqu« de la seariatine. (Arch. de medec. experim. etc. 1890. No. 8.)
1*
4 Tangl,
pseudomembranöser Belag sichtbar, der der Schleimbaut fest aufsass.
In einem Falle, der zur Sektion kam» waren auf der Rachenschleim-
haut zahlreiche, theilweise zusammenfliessende Geschwüre mit schmu-
tzig grauem Grunde.
In jedem dieser 7 Fälle nahm ich die Abimpfung direkt von den
Belägen an den Tonsillen vor. Sechsmal geschah diese Abimpfung
vom Lebenden; in einem Falle bei der Autopsie. Die ausgeglühte
Platinnadel wurde jedesmal fest auf den Belag gedruckt und, wenn
es ging, etwas von diesem abgezogen. Mit der so infizirten Nadel
bestrich ich die Oberfläche von 2—3 Glycerinagarröhrchen and
stellte dieselben dann in den Brutschrank. Es ist dasselbe Ver-
fahren, welches ich bei meinen Fällen von genuiner Diphtherie
immer anwandte und welches ich als ganz zuverlässlich er-
kannt habe.
Was nun das Resultat dieser bakteriologischen Untersuchung
betrifft, so kann ich mich ganz kurz fassen, da alle 7 Fälle ein ganz
einstimmiges Resultat ergaben, welches mit den Angaben der meisten
Untersucher übereinstimmt. Es wuchsen nämlich in keinem einzigen
derselben die Klebs-Loeffl er' sehen Bacillen, während ich, wie
bereits erwähnt, mit demselben Kulturverfahren in 17 Fällen von
genuiner Diphtherie die Bacillen stets nachweisen konnte. In den
Kulturen wuchsen aber in jedem Falle ausser den mehr oder minder
zahlreichen saprophytischen Bacillen und Kokken ziemlich viel Kolo-
nieen von Streptokokken. Ueber diesen Befund erlaube ich mir
weiter unten noch einige Bemerkungen zu machen.
Vorerst habe ich noch dem Gesagten einige ergänzende Worte
hinzuzufügen.
Ich habe bereits erwähnt, dass meine Fälle alle typische
Fälle von Seh arlachdip htheritis waren. Ich muss das
betonen, da es bekannterweise eine unerlässliche Forderung ist, bei
Untersuchungen über die ätiologische Bedeutung eines Mikroorganismus
vorerst nur typische Fälle heranzuziehen. Soweit ich klinischer-
seits unterrichtet bin, trat bei allen die pseudomembranöse Entzündung
im Rachen in der ersten Krankheitswoche auf, wie denn auch der
weitere Verlauf ein der Scharlachangina charakteristischer war, in
Heilung ausging, ohne dass sich Kroup der Luftwege dazu gesellt und
ohne dass später Lähmungen aufgetreten wären. (Es liegt ausser-
halb des Rahmens dieser Mittheilung, die klinischen wie pathologisch-
anatomischen Charakteristika alle anzuführen, und begnüge ich mich des-
halb mit den erwähnten.) Nur ein schwerer Fall, wo aber die Ver-
änderungen im Rachen nicht besonders tiefgehende waren, endete tödt-
lich. Hier waren im Kehlkopfe und Luftröhre auch keine pseudo-
membranösen Prozesse zu sehen. Es dürften also meine Fälle zu
jenen pseudomembranösen Scharlachanginen gehören, die Wurtz
und Bourges als „angines pseudo-membraneuses pröcoces" be-
zeichnen, im Gegensatze zu jenen, wo die Beläge spät nach dem Er-
scheinen des Exanthems auftreten.
Noch einen Punkt möchte ich hervorheben. In zweien meiner
Fälle (aus der Tübinger Poliklinik) habe ich gleich am ersten
Aar fragt der ScharUchdipntheritis. 5
Tage, an demBeläge an den Tonsillen sichtbar waren,
die Abimpfung vorgenommen. Ich hebe das deshalb hervor,
weil Baumgarten gegen die negativen Befunde von Diphtherie-
bacillen bei Scharlachdiphtheritis den wohlberechtigten Einwand er-
hob, dass die Diphtheriebacillen, trotzdem sie anfangs dagewesen
waren, vielleicht nur deshalb fehlen, weil sie „durch eine besonders
kräftige Aktion des mitvorhandenen Streptococcus schneller ver-
schwunden sind, als in anderen Fällen/' Thatsächlich finden wir auch
fast bei keinem der angeführten Autoren eine nähere Zeitangabe
darüber, wie spät sie nach den ersten Symptomen der Angina die
bakteriologische Untersuchung vornahmen. Wurtz und Bourges
geben genau die Zeit an. Sie impften fast in allen Fällen in den
ersten Tagen nach dem Auftreten der Angina. Diese Fälle, sowie
meine beiden erwähnten dürften also wenigstens einigermaassen dem
Einwände Baumgarten's begegnen1). Freilich müssen noch zahl-
reichere ähnliche Fälle untersucht und das Augenmerk speciell darauf
gerichtet werden, ob nicht etwa zu jener Zeit, wo noch keine Beläge
im Rachen vorhanden sind, sondern nur eine entzündliche Röthe, vi-
rulente Diphtheriebacillen in kleiner Zahl vorhanden sind.
In jedem meiner Fälle wuchsen in den angelegten Kulturen
ziemlich zahlreiche Streptokokkenkolonieen, wie das auch die meisten
Forscher angeben. Die in einigen Fällen reingezüchteten Strepto-
kokken boten weder ein morphologisches noch kulturelles Unter-
scheidungsmerkmal von den Streptokokken des Erysipels, so dass ich
diese beiden für identisch halte, da auch ihr pathogenes Verhalten
ein identisches war. Wurtz und Bourges halten den von ihnen
reingezüchteten Streptococcus für einen nahen Verwandten des
Erysipelcoccus, aber nicht für identisch mit demselben. Die von
ihnen angeführten morphologischen und kulturellen, wie auch pathoge-
netischen Unterschiede sind aber so unwesentlich, dass unserer An-
sicht nach dieselben nicht ausreichen, beide Kokkenarten von einander
zu trennen, ebenso wenig wie die angeblichen Unterschiede zwischen
den pyogenen Streptokokken und den Erysipelkokken ausreichen, die
Identität derselben zu widerlegen. Ueber die Bedeutung der Strepto-
kokken bei Scharlach können wir heute noch kein endgiltiges Ur-
theil fällen, da wir über das Scharlachkontagium gar nichts wissen.
Wenn wir aber auch über das Verhältniss der Streptokokken zum
Scharlach noch nichts sicheres wissen, so ist es doch nach den Untersu-
chungen von Baumgarten*), Loeffler, Heubner*), A. Fraen-
kel und Freudenberg4), Babes und Raskin5) etc. wahr-
scheinlich, dass die Streptokokken beim Zustandekommen der diphthe-
rischen i. e. nekrotisirenden Entzündung des Rachens eine wesent-
liche Rolle spielen, obzwar es vorderhand nicht festzustellen ist, welche
Rolle dabei dem spezifischen Scharlachgifte zukommt.
1) Biom garten, Jahresbericht ftir 18S9. p. 315. Anmerkung.
2) Baumgarten, Lehrb. d. pathol. Mykologie. Bd. I.
3) Heubner, Volkmann's, klln. Vorträge. No. 833.
4) A. Praenkel and Freudenberg, Ctbl. f. klin. Med. 1SS6. Mr. 46.
6) Baskin, Ctbl. f. Bakt. Bd. V.
ß Tangl, Zar Frage der Seharlachdiphtheritls.
Das Resultat der bakteriologischen Untersuchung meiner 7 Fälle
zwingt mich also, mich der Henoch-Heubner'schen Ansicht
anzusch 1 i essen und anzunehmen, dass die genuine
Diphtherie und die Scharlachdiphtheritis ätiologisch
verschieden sind. Derselben Ansicht schlössen sich auch bisher
fast alle Forscher an, die diese Frage von der bakteriologischen Seite
in Angriff nahmen. Trotzdem dürfen wir aber nicht vergessen, dass
für die Richtigkeit dieser Ansicht der end gilt ige Beweis noch
nicht erbracht ist. Dazu sind im Ganzen noch viel zu wenig
Fälle untersucht, auch geht es aus den bisherigen Untersuchungen,
wie bereits erwähnt wurde, noch nicht sicher hervor, dass die Diph-
theriebacillen auch beim frühesten Anfange der Angina schon fehlen
und nicht nur später von anderen Mikroben überwuchert werden.
(Baumgarten.)
Sollten nun die künftigen Untersuchungen ergeben, wie es auch
höchst wahrscheinlich ist, dass thatsächlich in allen Fällen von typi-
scher Scharlach d iphtheri tis d. h. nek rot isiren der Scharlach -
angina der Diphth criebacillus immer fehlt — so wäre damit
noch immer nicht die Möglichkeit widerlegt, dass in einzelnen Fällen
sich die Diphtherie als sekundäre Komplikation zu einem bereits
bestehenden Scharlach hinzugesellen kann. Für diese Möglichkeit
sprechen bereits einige positive Angaben.
So führt Holzinger die von Escherich ausgeführte bakte-
riologische Untersuchung von 7 Fällen von Scharlachdiphtheritis an.
In 2 Fällen war das Resultat negativ, in 3 Fällen wurden die an-
geblichen Diphtheriebacillen nicht durch Thierversuche geprüft und
somit auch ihre Echtheit nicht bewiesen. Nur in 2 Fällen bestätigte
auch das herangezogene Thierexperiment, dass die reinkultivirten Ba-
cillen echte Diphtheriebacillen waren. In einem Falle wurden aber
die virulenten Diphtheriebacillen erst am 26. Tage nach dem Er-
scheinen des Exanthems aus den Belägen neben zahlreichen Strepto-
kokken herausgezüchtet In dem zweiten Falle wurden am 9. Krank-
heitstage die echten Diphtheriebacillen in den Belägen gefunden.
Loeffler hatte einen Fall, wo er am 18. Krankheitstage in den
Pseudomembranen des Rachens und der Luftwege die Bacillen (aller-
dings nur mikroskopisch) nachweisen konnte. Dieser Fall unter-
scheidet sich also von seinen anderen 4 Fällen schon dadurch, dass
Kroup der Luftwege auch vorhanden war. Auch W u r t z und Bour-
ges haben 2 Fälle — die sie als „angines pseudomembraneuses
tardives" von der typischen Scharlachdiphtheritis trennen —
wo sie angeblich Diphtheriebacillen fanden. Es ist jedoch
fraglich, ob das die echten virulenten Bacillen waren, da sie keine
Thierexperimente anstellten. — Alle diese Fälle mit positivem Be-
funde sind mehr oder minder von den typischen Fällen der Schar-
lachdiphtheritis verschieden, die meisten sogar in solchem Grade,
dass es die Autoren selbst hervorheben und diese Fälle von den
übrgen trennen. So geben auch Kolisko und Paltauf und Babes
an, dass sie den Diphtheriebacillus bei Diphtherie und Kroup, die
als Komplikation zu Scarlatina hinzugetreten waren, fanden, während
Von frodor, fear Prag« der Immunisation durch AlkaJiaation. 7
sie ihn bei der gewöhnlichen mit dem Scharlach einbergehenden
diphtheritischen Angina konstant vermissten.
Allerdings sind bisher nur sehr wenig Fälle mit unbezweifelbaren
positiven Bacillenbefunden bekannt. Sollten aber weitere Untersu-
chungen tbatsächlich ergeben, dass alle Fälle mit Diphtheriebacillen
atypische Fälle von Scharlachdiphtheritis sind, so müssten diese ätio-
logisch als Komplikation von Scharlach mit Diphtherie, von der ge-
wöhnlichen, häufigeren Scharlachdiphtheritis — ohne Diphtherie-
bacillen — unbedingt zu trennen sein. Den Aufschluss über diese
nicht nur wissenschaftliche, sondern auch eminent praktische Interessen
bietenden Frage zu bringen, wird die weitere Aufgabe nicht nur
bakteriologischer, sondern eingehender klinischer und pathologisch-
anatomischer Untersuchungen sein.
Zar Frage der Immunisation durch Alkalisation.
Von
Prof. von Fodor
in
Budapest.
Herr Dr. S. Chor wiederholte im Pasteur-Institute meine Ver-
suche Ober Immunisation mittelst Alkalisation *). Seine Ergebnisse
stehen im Widerspruche mit meinen Versuchsresultaten1). Chor
folgert nun, dass die Alkalisation des Organismus mit Natrium-
bydrocarbonat keine „therapeutische Wirkung11 gegen Milzbrand besitzt.
Chor beruft sich auch auf Behring, welcher in einer kürzlich
veröffentlichten Abhandlung s) kurz erwähnt , dass seine Versuche
mit Alkalisation negativ ausgefallen.
Ich kann auf Behring* s Aeusserung nicht weiter eingehen,
solange keine näheren Angaben Ober seine Versuche vorliegen.
Auch gegen die Versuche Chor's habe ich nichts einzuwenden.
Dieselben wurden unter der ausgezeichneten Leitung Metschui-
koff's und in derselben Weise ausgeführt, wie ich meine Versuche
anstellte. Gegen die Schlussfolgerung Chor's muss ich jedoch
entschieden Verwahrung einlegen. Gegenüber seinen negativen Re-
sultaten stehen meine positiven, und es kann nicht ignorirt werden,
dass, während meine nicht alkalisirten Kontrollkaninchen sämmtlich
an Milzbrand zu Grunde gingen, von den alkalisirten 37 % am Leben
blieben.
Viel richtiger verfährt Chor, wenn er aufzuklären sucht, warum
meine Ergebnisse mit den seinigen nicht im Einklänge stehen. Seine
1) Ctntralblatt f. Bakteriologie Bd. VIL No. 24.
5) Annalas de lliutitut Pastenr. 1891. No. 5.
|) Ztltochr. f. Hjgfen«. 1890. p. 463.
Vermuthungen sind jedoch so sehr unbegründet und hinfällig, dass
dieselben gar nichts zur Aufklärung beitragen können.
Eine zufriedenstellende Erklärung dar widersprechenden Ergeb-
nisse ist derzeit wohl nicht zu geben. Auf eine mögliche Ursache
aber kann ich nicht umhin, schon jetzt hinzuweisen. Chor experi-
mentirte mit besonders heftig wirkenden Milzbrandkultaren, während
meine Kulturen im Allgemeinen von schwächerer Wirkung waren.
Chor' s Infektionen tödteten im Allgemeinen in 48, ja sogar schon
in 24 Stunden, während meine Versuchstiere (die nicht alkalisirten
Kontrollthiere) im Allgemeinen am 3. bis 5. Tage eingingen.
Aus meinen Versuchsreihen ist sogar klar ersichtlich, dass bei
solchen Impfungen, die mit virulenteren, schon nach 24—30 Stunden
tödtenden Anthrazkulturen angestellt wurden, die Alkalisation einen
viel geringeren (oder gar keinen) Erfolg hatte (Versuchsreihe 3, 5, 6),
als bei Impfungen mit milderen Anthraxkulturen (Tod nach 3 — ö
Tagen; Versuchsreihe 4, 1, 2).
Meine Versuche über Immunisation , welche ich auch nach
meiner oben citirten Publikation fortsetze, belehren mich, dass es
noch zahlreicher und umsichtiger Untersuchungen bedürfe, ehe man
über die Wirkung der Alkalisation oder Acidisation des Organismus
ein klares und vollständiges Bild gewinnen wird. Einige lehrreiche
Daten in dieser Beziehung hofie ich in kurzer Zeit veröffentlichen
zu können.
Budapest, 12. Juni 1891.
Eine bewährte Methode zur Reinigung gebrauchter
Objektträger und Deckglaschen.
Von
Dr. med. Friedrieh Knauer,
Assistenten an der bakteriologisch-hygienischen Abtheilang des Schmitt' sehen
Laboratoriums an Wiesbaden.
Eine Notiz in No. 32 des laufenden Jahrganges der „Pharma-
zeutischen Zeitung44 von Dr. Max Holz: „Das Reinigen von Deck-
und Objektgläschen für bakteriologische Untersuchungen44 veranlasst
mich, nachstehend eine Methode bekannt zu geben, nach welcher in
neuerer Zeit im Schmitt1 sehen Laboratorium zu Wiesbaden mit
ausgezeichnetem Erfolge die zu bakteriologischen Untersuchungen
benutzten Objektträger und Deckglftschen zum Wiedergebrauche prä-
parirt werden.
Der Hergang ist folgender:
Man legt die zu reinigenden Objektträger und Deckgläschen in
einen auf dem Arbeitstische stehenden emaillirten Blechtopf oder
glasirten irdenen Topf, welcher etwa */, Liter einer 10°/0 Ljrsol-
lösung enthält Haben sich circa 60 bis 80 Präparate darin ange-
sammelt, so stellt man das Oefäss auf eine halbe Stunde in strö-
Ein« bewährt« Methode x. tteimgung gebrauchter Objektträger o. Deckgläschen. 9
menden Dampf oder kocht 20 bis 30 Minuten Aber einer offenen
Flamme, wobei man zweckmässig einigemale umschwenkt oder mit
einem Glasstabe umrührt.
Nach dieser Zeit braust man sofort, ohne abzukühlen oder die
Lysollösung abzugiessen, unter der Wasserleitung mit starkem
Strahle so lange ab, bis nur noch klares Wasser in dem Gefässe
steht, and trocknet dann die einzeln herausgenommenen Gläschen mit
einem weichen, reinen, fettfreien Tuche sorgfältig ab.
Durch diese Behandlung sind Objektträger und Deckgläschen
wie neu, und man hat nicht zu befürchten, durch etwa daran haften
gebliebene Ueberreste früherer Präparate in seinen Untersuchungen
irre geleitet zu werden.
Nach vorstehender Methode habe ich mehrere hundert Deck-
glaspräparate behandelt mit stets gleich gutem Erfolge. Von 52
Stück über 2 Jahre alten Präparaten, welche zu Klumpen von 6 bis
8 Stück so fest mit einander verklebt waren, dass eine mechanische
Trennung, ohne die Gläser zu zerbrechen, nicht möglich war, und
welche deshalb in diesem zusammengebackenen Zustande in die 10 °/0
Lysollösung gebracht und 30 Minuten gekocht wurden, waren 49
Stück tadellos rein und nur 3 Stück mussten als unbrauchbar aus-
geschieden werden.
Die Fälle, wo solche 2 und mehr Jahre alte Präparate zur Rei-
nigung kommen, werden in der bakteriologischen Praxis wohl zur
Seltenheit gehören, und man wird es in der Regel mit Präparaten
zu thun haben, deren Alter nach Wochen, höchstens nach Monaten
zahlt.
Bei frischeren, bis 14 Tagen alten Präparaten erzielte ich schon
durch 15 Minuten langes Kochen in nur 5 °/0 Lysollösung eine voll-
kommene Reinigung der Gläschen.
Um das beim Reinigen häufig vorkommende Zerbrechen der
dünnen Deckgläschen möglichst zu vermeiden, ist es empfehlenswert!),
dieselben von den Objektträgern abzuheben (dies gelingt sehr leicht,
wenn man letztere über einer Flamme etwas erwärmt) und in einem
besonderen, entsprechend kleineren Gefässe zu kochen. Beim Kochen
hat man darauf zu achten , dass die Gläschen von der Flüssigkeit
stets ganz bedeckt sind.
Die Vorzüge der oben beschriebenen neuen Methode lassen sich
kurz in folgende drei Sätze zusammenfassen:
1) Die Präparate werden absolut sicher desinfizirt.
2) Aetzende Substanzen, wie Schwefelsäure u. derg'L, kommen
nicht zur Verwendung.
3) Die Reinigung der Deckgläschen und Objektträger ist eine
vollkommene.
Wiesbaden, 27. Mai 1891.
10 Ludwig,
Der Milch- and Rothfluss der Bäume and ihre Urheber.
Vorläufige Mittheilung
von
Prof. Dr. F. Ludwig1).
Merkwürdigerweise hat mau bis vor kurzer Zeit von botanischer
Seite den Schleimflüssen der Bäume durchaus keine Aufmerksamkeit
gewidmet. So konnte Verf. die pathogenen Schleimflüsse als neu
für die Botaniker schildern, von denen der weisse Schlei m-
fluss der Eichen, Birken, Salicineen etc. durch einen Spaltpilz,
Leuconostoc Lagerheimii Ludw., dem nächsten Verwandten
des Urhebers der Dextningährung der Rübenmelasse, verursacht,
unter den genannten Bäumen grossen Schaden anrichtet, zumal ihm
die Alkoholgährung erzeugenden Pilze Endomyces Magnusii
Ludw. und die von Hansen Saccharomyces Ludwigii ge-
nannte Hefe beigesellt sind, von denen der eine bei der Begründung
des Bre fei <T sehen Pilzsystems eine Hauptrolle spielt, der andere
zu der Entstehung der Heferassen nach den Untersuchungen E. C h r.
Hansen 's neue Aufschlösse gebracht hat Der andere, der
braune Schleimfluss der Apfelbäume, Birken, Pappeln, Ross-
kastanien etc. , welcher unter den Obst- und Chausseebäumen nicht
unbedeutende Verheerungen anrichtet, wird erzeugt durch Spaltpilze
(Micrococcus dendroporthos Ludw.), denen gleichfalls ein
Hyphomycet Torula monilioides Corda in einer Rinden- und
einer submersen (hyalinen) Form beigesellt ist Es ist wahrscheinlich,
dass die genannten Pilze ursprünglich als saprophyte Bewohner der
ausfliessenden Baumsäfte aufgetreten und erst nachträglich zu fakul-
tativen Parasiten geworden sind. Es hatte daher ein besonderes In-
teresse, die in den ausfliessenden Baumsäften auftretenden Pilze ge-
nauer zu studiren. Ich habe darin zunächst im Spätsommer des
vorigen Jahres auf den Stümpfen alter, gesunder B uchen, die beim
Bau einer Eisenbahn bei Schmalkalden gefällt worden waren, einen
rothen Schleim beobachtet, welcher aus fädige» Bakterien (Beggia-
toa oder Leptothrix) und aus einem dem Fusarium
moschatum Kitasato identischen oder nahe verwandten Pilz (mit
sichelförmigen Sporen) zusammengesetzt war. Brefeld und sein
Assistent Dr. L i n d a u haben bei Münster unter gleichen Verhältnissen
einen ausserordentlich interessanten, zu den Hemiasci gehörigen
Pilz, Ascoidea rubescens, aufgefunden, welcher Conidien und
Sporangien bildet, und Sorokin hatte kurz zuvor einen weiss-
lichen Baumschleim gefunden, welcher aus einer gleich interessanten
Spaltpilzart, Spirillum endoparagogicum Sorok., bestand und
fast in Reinkultur diesen Schleim bildete.
In diesem Frühjahr hatte ich nun Gelegenheit, weitere hierher
gehörige Erscheinungen so auffälliger Natur zu beobachten, dass ich
2) Zuerst mitgetheilt im Ver. d. Naturfreunde au Greis.
D«r Milch- und Rothflnss der BAume und ihre Urheber. \\
kaum glauben möchte, dass dieselben bisher dem Auge der Natur-
forscher und Forstleute nur entgangen seien, vielmehr es für wahr-
scheinlich halte, dass dieselben erst in der Neuzeit in so auffälliger
Weise aufgetreten sind.
Am Ende des Februar und Anfang März dieses Jahres wurden
um Greiz in verschiedenen Forstabcheilungen zahlreiche Birken ge-
fällt und Hainbuchen abgeästet In dem hierdurch bedingten Saft-
fluss fand ich bereits in den kalten Tagen um Mitte April bei
Schneegestöber und Graupelwetter weissliche Pilzschleimmassen,
welche die Oberfläche der Birkenstümpfe bedeckten. Als dann mit
Anfang Mai sehr warmes Wetter eintrat, erreichte die Entwickelung
des weissen, wässrigen, zuletzt zähen, auswurfähnlichen Schleimes
ihre Höhe. Jetzt war von den im ganzen Greizer Wald
zerstreuten neuen Birkenstöcken, deren Zahl wohl über
100 betrug, kein einziger, welcher den Pilzschleim nicht
in reichlichstem Maasse entwickelte. Anfangs auf der
saftigen Schnittfläche nur kleine weissliche Raschen darstellend,
bildete derselbe jetzt eine rahmähnliche, mehrere cm dicke
Masse, welche von den Birkenstöcken, welche nun weithin
durch den Wald leuchteten, in enormen Mengen zu Boden
floss. Ein gleich auffälliges Bild boten die Hainbuchen. Von
den geästeten Hainbuchen waren nur etwa 10— 20°/0 von den
Pilzen befallen; bei ihnen floss aber und tropfte von allen Ast-
wunden bis zu dem Gipfel hinauf stockwerkhoch die weisse
Pilzmasse herab. Bei manchen der mächtigen Hainbuchen
hatten sich mehrere Stromrichtungen am Stamme herab gebildet und
es sah aus, als ob sich mächtige Ströme von Milch aus
allen Aststümpfen ergössen. Bei einzelnen Hainbuchen er-
goss sich anstatt des milchähnlichen Flusses eiu rosenrother
Strom am Stamme herab, und auch bei manchen Birken
färbten sich einzelne Partieen des Schleimes rosenroth.
Daneben traten hier zuweilen auch bräunliche Stellen auf.
Die Untersuchung der Schleimmassen von zahlreichen Bäumen
ergab zwar eine ganze Anzahl von Beimengungen verschiedenster
Pilze, auf den Birkenstöcken auch zahlreiche Hefeconidien, welche
in den wärmeren Tagen draussen, regelmässig aber im Zimmer leb-
hafte Alkoholgährung des Birkensaftes erzeugten, Bakterien, besonders
saprophyte Bacillen, die häufig den Schleim rasch in stinkende Fäul-
nis versetzen, in der Hauptsache bestand aber der weisse
Schleim des Milchflusses aus einer neuen Art von
Endomyces, von der anfänglich Ascus anlagen von ähnlicher
Art wie bei Endomyces deeipiens Tul. gefunden, später
aber nur die Oi dien form und Chlamydosporen beob-
achtet wurden. Die Oidien bilden rundliche oder längliche Zellen,
wie die von E. deeipiens, sie stimmen mit letzteren aber nicht
überein, während die Chlamydosporen beider Arten gleiches
Aussehen und ähnliche Grössenverhältnisse haben. Der Endo-
myces deeipiens tritt bekanntlich im Herbst auf den Frucht-
körpern des Hallimasch auf, auf welchem er viersporige Asken,
Oidien und Chlamydosporen bildet.
>
12 Ludwig,
Der durch mächtiges Mycel charakteristischer Verzweigung,
Asken-, Sporenbildung etc. wesentlich ausgezeichnete Endomyces
M a g n u s i i Lud w. der gährenden Eichen tritt mit phänologischer Pünkt-
lichkeit um die Blütezeit des schwarzen Holländers und des Roggens im
Sommer auf und verschwindet im August Der neue Endomyces
des Milchflusses der B&ume tritt bereits im Nachwinter auf und
scheint im Mai das Ende seiner Entwickelung gefunden zu haben.
Wir wollen ihn daher vorläufig als Endomyces vernalis n. sp.
bezeichnen. Seine Mycelfäden, die meist nur 3—4 /* dick sind, er-
scheinen wenig verzweigt Auf Milch bildeten dieselben ebenso wie
die der beiden anderen Endomyces arten Oidien. Einige im
Schleim versteckte Asken, welche reife Sporen zu enthalten schienen,
waren 13 — 14 n lang und 13 /* breit, doch konnte deren Zusammen-
hang mit dem Mycel nicht sicher ermittelt werden. Die verzweigten
Hefenester, welche die Alkobolg&hrung erzeugen, schienen dagegen
mit den Endomycesfäden stellenweise fest zusammenzuhängen.
Dass die Baumflüsse, sowohl die pathogenen wie die saprogenen,
eine Fundgrube merkwürdiger Pilze sind, habe ich schon früher hervor-
gehoben und ist auch neuerdings von Brefeld betont worden. Es
hat dies ein besonderes Interesse, seitdem Brefeld in überzeugendster
Weise die verschiedenen Pilzfruchtformen aus denen der Phycomyceteo
abgeleitet und den Ursprung der Ascomyceten und Basidiomyceten
bei den letzteren dargethan hat. Es haben sich von den aus den
Wasseralgen hervorgegangenen Pilzen, deren uiederste Abtheilungen
noch ein (sexuelles) Wasserleben führen, in den Saftflössen der
B&ume ganz besonders jene Mittelformen und niedere
Ascomycetenformen erhalten, die heute als Binde-
glieder zwischen den Phy comyceten und höherenMy-
comyceten zu betrachten sind. Es gilt das von der As-
coidea rubescens Bref, welche selbst zu den Mesomyceten ge-
hört, wie auch von den niedersten Ascomyceten Endomyces Mag-
nusii und E. vernalis. Auch bei dem parasitischen E. decipiens
ist die Entwickelung aus Formen der Baumflüsse nicht unwahrschein-
lich, da ja der Hallimasch selbst Parasit der Bäume ist und da
nach Brefeld das E. decipiens nicht erst in den Lamellen des
Agaricus melleus sich ansiedelt, sondern bereits in den Frucht-
körperanlagen vorhanden ist Gleiches gilt auch für den von Fayod
als E n d o m y c e 8 beschriebenen Parasiten des A g. r u t i 1 u s , wahrend
der bisher als Flechtenpilz (Ephebella Hegetschweileri Itzigs.)
beschriebene mit einer Alge, Scytonema vergesellschaftete Pilz,
der neuerdings von Zukal Endomyces Scytonematis benannt
wurde, auf Scytonema schmarotzt. Ob es sich hier wirklich um
einen Endomyces handelt, bleibt noch näher zu untersuchen.
Der rosenrothe Schleim, welcher mit dem Endomyces häufig
zusammen vorkommt, besteht aus perlschnurartig zusammenhängenden
oder ästige Hefesprossungen bildenden oder freien elliptischen, 8—10//
langen, 6—7 /ti breiten Zellen mit, wie es scheint, feinkörniger Mem-
bran und erinnert mehrfach (besonders an die Figuren 8 z. Th., 9, 10,
3 — hantelähnliche Bildungen finden sich öfter — ) an den von v.
Wettstein beschriebenen pathogenen Rhodomyces Kochii v.
Per Milch- and Rotbflass der Bäume and ihre Urheber. 13
Wettet (Sitzber. d. kais. Akad. d. Wiss. Bd. XCL Abt. I. Febr.-Heft.
1885). Die Form sei einstweilen als Rhodomyces (?) dendro-
rbous bezeichnet
Wie bereits erwähnt, sind es mehrere Pilze, deren einzelne Fäden
oder Zellen kaum Färbung zeigen, die aber einen rothfarbenen Schleim
bilden, Ascoidea, Fusarium, Rhodomyces. Es sei hier auch
erwähnt, dass ich aus gewöhnlicher obergähriger Bierhefe einen röth-
lichen Alkoholauszug erhielt, (ranz alte Kulturen von Endomyces
M a g n u s i i zeigten bei mir früher gelbbraune Färbung. Ob auch auf
den Birkenstöcken die gelbbraunen Schleimstellen einem Endomyces
angehören — es fanden sich in ihnen gelbbraune Ghlamydosporen etc.
z. Th., wieder farblose Hyphen aussendend, konnte nicht entschieden
werden.
Jedenfalls kann zunächst nur fleissiges Durchmikroskopiren der
verschiedenen Schleimsorten und können danach erst Reinkulturen
von den höchsten Sporenformen aus den ganzen Entwicke-
lungsgasg der betheiligten Pilze enthüllen, da Kulturen von Oidien,
Conidien etc. nieist nur endlose Generationen niederer Fruchtformen
ergeben.
Sind nun der besprochene Milch- und Rothfluss, da wo sie an
lebenden Bäumen auftreten, schädlich? Meine bisherigen Beobach-
tungen dürften die Frage bejahen. Einmal zeigte ein Vergleich aller
beschnittenen Bäume, dass solche, deren Astwunden mit Pilz-
schleim bedeckt waren, weit länger bluteten, als andere. Hierdurch
müssen die Bäume schliesslich entkräftet werden und es treten an
den feuchten Wundstellen leicht allerlei Saprophyten auf. Dann findet
ein langsameres und unvollständigeres Vernarben der Wunden statt,
als unter normalen Verhältnissen. Einige Hainbuchen an dem Ort
des üppigsten Auftretens des Milch- und Rothflusses zeigten so ab-
norme Vernarbungswülste, dass ich nicht umhin konnte, anzunehmen,
dass auch sie früher an diesen Flüssen litten.
Die weite Verbreitung der Blutungspilze der Bäume scheint auf
eine Infektion durch Vermittelung des Windes hinzudeuten; doch
tragen mehr oder weniger regelmässig sicherlich auch die Insekten
zur Verbreitung der Pilzkeime bei. Insekten — namentlich Fliegen
und Mücken — traf ich allenthalben auch schon um Mitte April, als
ich die Erscheinung zuerst beobachtete. An einzelnen Bäumen waren
aoch Coccinellen in Menge vorhanden. Bei der Infektion der Wurzel-
stöcke der Birken, die so rasch und fast ausnahmslos erfolgt, wäre
auch noch an eine Infektion vom Boden aus zu denken, der beim
Verschleppen der gefällten Bäume und des Reisigs aufgewühlt und
aufgewirbelt und direkt auf die Stöcke verzerrt wird. Es bedarf noch
besonderer Untersuchungen, ob die Sporenformen der Flusspilze im
Boden, dem sie an manchen Stellen literweise zufliessen, eine weitere
Entwickelung durchmachen und ob welche derselben hier eine längere
Keimfähigkeit behalten.
Greiz, am 10. Mai 1891.
14 TeUoUV
Referate.
Yalllard et Vincent, Sur le poison tätanique. (La Semaine
m6d. 1890. No. 51. p. 425.)
Id der Sitzung der Soci6te de biologie zu Paris vom 15. No-
vember 1890 berichtete Vaillard über die gemeinschaftlich mit
Vincent ausgeführten Untersuchungen über die chemische Natur
des Tetanusgiftes.
Eine 20 Minuten lang andauernde Einwirkung einer Temperatur
von 60° C schwächt das Tetanustoxin ab, und dieselbe Zeit bei
65 ° C gehalten, verliert es seine Wirksamkeit vollständig. Sehr
rasch wird es auch unter dem Einflüsse von Luft und Licht abge-
schwächt Bei Luftzutritt und einer 32 stündigen Insolationsdauer
verliert die Flüssigkeit ihr toxisches Vermögen gänzlich, sie behalt
es hingegen unverändert bei, wenn die Insolation bei Sauerstoffab-
schluss erfolgt Das Ansäuern des Filtrats ändert nichts au dessen
toxischen Eigenschaften. Absoluter Alkohol fällt das Toxin theil-
weise aus und das Präzipitat bringt bei Thieren tetanische Erschei-
nungen hervor. Das Tetanusgift wird vou gewissen Niederschlägen,
wie Kalk- oder Thonerdephosphat, aus der Lösung zum Theile mit-
gerissen. Wenn man einen solchen sorgfältig mit sterilisirtem Wasser
ausgewaschenen Niederschlag noch feucht in stecknadelkopfgrossen
Dosen an Meerschweinchen verimpft, erzeugt er intensiven und tödt-
lichen Tetanus. Der im Vakuum getrocknete und bei freiem Luft-
zutritt einen Monat lang aufbewahrte Niederschlag löste in der
kleinen Menge von 0,5 mg bei einem Meerschweinchen typischen
Tetanus aus und führte in 5 Tagen zum Tode des Versuchstieres.
Die in dem Präzipitate enthaltene wirksame Substanz dialysirt lang-
sam, aber vollständig.
Das Tetanusgift ist demnach kein Alkalofd, es steht den Dia-
stasen und dem Schlangengifte nahe. Es verhält sich wie diese un-
wirksam, wenn es, selbst in grossen Dosen, in den Magen gebracht
wird. Dagegen entfaltet es wie die Diastasen im Kreislaufe in mini-
malsten Dosen — 0,5 mg des Kalkphosphatpräzipitats enthält
0,05 mg organischer Substanz — eine energische Wirkung.
Kräl (Prag).
Pia, E. F., De los adelantos que en la patogenia de)
titanos ha realizado la teoria parasitaria. (Crönica
mädico-quirürgica de la Habana. 1891. No. 3.)
Ein in der Gesellschaft für klinische Studien am 10. Februar
dieses Jahres gehaltener Vortrag, worin Verf. unter Vorzeigung von
Präparaten die Geschichte des Nicolai er9 sehen Bacillus und
dessen ursächliches Verhältniss zum Starrkrampf auseinandersetzt
und die noch immer dagegen erhobenen Einwände widerlegt.
Sentinon (Barcelona).
Tetanus. — Lepr« 15
Brusehettlni, A.9 Sulla diffusione nelT organismo del
veleno del tetano. (La Ritorma med. 1890. No. 225.
p. 1346.)
Um kennen zu lernen, wie das Tetanusgift von der Stelle aus,
wo es gebildet wird, sich im Körper verbreitet, ob es eiue bestimmte
elektive Wirkung für gewisse Organe und Gewebe besitzt und auf
welchen Wegen es vom Organismus eliminirt wird, unternahm Verf.
eiue Reihe von Versuchen, bei welchen er das Blut, Aufschwemmun-
gen vom centralen Nervensystem, von den Nieren, Nebennieren und
der Leber aus solchen Kaninchen, die mit dem von Tizzoni und
Cattani isolirten Tetanusgift oder mit filtrirten und als steril be-
fundenen Kulturen tetanisirt worden waren, an frische Thiere sub-
kutan verimpfte.
Bei diesem Vorgange zeigte sich das Blut der chemisch tetani-
sirt en Kaninchen in der Mehrzahl der Fälle sehr toxisch und tödtete
die Versuchstiere am 4. Tage. Nach subkutaner Injektion wirkte
in 2 Fällen von 4 die Intumescentia lumbalis toxisch, in 2 Fällen
brachte die Emulsion vom Bulbus und von der Intumescentia cervicalis
bei Thieren keine tetanischen Erscheinungen hervor. Nach Injektionen
in den Ischiadicus war die Int. lumbalis immer (8 Fälle) giftig,
3 Versuche mit der Emulsion vom Bulbus und von der Int. cervicalis
blieben resultatlos. Nach subduraler Injektion war in der Mehrzahl
der Fälle Gehirn und Bulbus toxisch, die Injektion mit der Emulsion
der Int. lumbalis hingegen blieb immer erfolglos. Konstant negative
Resultate ergaben ferner Injektionen mit Aufschwemmungen von
lieber und Nebennieren. Im Gegensätze hierzu erwiesen sich die
Nieren immer eminent toxisch.
Das Tetanusgift verbreitet sich demnach in einer dem Wuthgifte
analogen Weise entlang dem Nervensystem und durch das Blut.
Die Diffusion findet im auf- und im absteigenden Sinne statt und
ebensowohl bei direkter Einführung des Giftes in das Nervensystem,
als auch wenn es in das subkutane Bindegewebe injizirt wird. Das
langsame Fortschreiten der Diffusion im Nervensystem schliesst die
Annahme aus, dass die Giftigkeit des letzteren nur einfach von jener
bereits im Blute beobachteten abhänge. Das Tetanusgift wird, wenn
es in das Blut gelangt ist, vom Organismus durch die Nieren aus-
geschieden. Kr dl (Prag).
Boinet, Edouard, La L&pre ä Hanoi (Tonkin). (Revue de M6d.
X. 1890. No. 8. p. 609.)
In dem wenig bewohnten Hochlande und in den Gebirgen von
Tonkin ist Lepra selten, im Delta hingegen häufig anzutreffen. Es
sind in der Nähe der dichten Bevölkerungscentren des Landes mehrere
Leproserien vorhanden, von welchen das Lepradorf von Hanoi', etwa
2 Kilometer von der gleichnamigen französischen Niederlassung ent-
fernt, eines der merkwürdigsten Lepraasyle darstellt. Hier leben die
Kranken in einer von undurchdringlichen Bambushecken umschlossenen
and von Pfützen durchzogenen Niederung in engen Strohhütten unter
den denkbar schlechtesten hygienischen Verhältnissen, den Friedhof
mit den nachlässig mit Erde bedeckten leprösen Kadavern in un-
16 Lepra. — Aktinomykvst.
mittelbarer Nähe ihrer Wohnstätten. Verf. führt zwei Fälle an,
bei welchen die Uebertragung der Lepra vom Kadaver auf den ge-
sunden Menschen stattgefunden hatte. Die Lepra erscheint nur aus-
nahmsweise vor dem 3. und entwickelt sich selten mehr nach dem
40. Lebensjahre. Nach den Angaben der Dorfvorstände und der Le-
prösen sollen 80—90°/« der Kinder von Leprösen wieder leprös
werden. Indes konnte Verf. bei 80 genau beobachteten Fällen 61-
mal die Abwesenheit der Erblichkeit sicherstellen und auch bei den
übrigen 19 Fällen war eine andere Uebertragungsart nicht ausge-
schlossen, wofür das späte Auftreten der Lepra bei Kindern und ihre
relative Immunität, wenn sie rechtzeitig von ihren leprösen Eltern
entfernt werden, spricht Fälle von kongenitaler, konzeptioneller oder
tardiver hereditärer Lepra kamen in Hanoi nicht zur Beobachtung.
Obzwar viele gesunde Individuen eine Reihe von Jahren (ö Fälle
durch 8—10 Jahre) in engster Intimität mit Leprösen zusammen-
lebten, ohne die Krankheit zu acquiriren, geht andererseits am einigen
mitgetheilten Fällen eigener Beobachtung hervor, dass Lepra Ober-
tragbar ist. Die Ansteckung kann erfolgen 1) bei verlängertem
Aufenthalte in einer Strohhütte, die mit Leprabacillen aus den einge-
trockneten Sputa, aus Epidermisschuppen, etc. imprägnirt ist; 2) durch
intimen Verkehr; 3) durch den Gebrauch der annamitischen Pfeife,
welche von Mund zu Mund geht, ohne gereinigt zu werden; 4) durch
die Gewohuheit annamitischer Mütter, den Reis zu kauen und direkt
in den Mund ihrer Säuglinge zu schieben; 5) durch die Benützung
der Utensilien von Leprösen und 6) vielleicht auch durch den Ge-
nuas des von Leprösen verunreinigten Wassers.
Uebertragungsversuche auf Affen, Hunde und Ziegen durch Ver-
impf ung von Blut, Eiter und Reinkulturen gaben negative Resultate.
Im Blute Lepröser konnte der Leprabacillus häufig gefunden werden,
besonders im Blute aus Knoten, weniger häufig im Blute aus der
normalen Fingerpulpa. .Reinkulturen des Leprabacillus auf Agar
entwickelten sich bei der ziemlich konstanten natürlichen Temperatur
von 30—32° C in circa 6 Tagen. Die mikroskopische Untersuchung
derselben Hess die verschiedenen Evolutionsformen des Mikroorganis-
mus sehen.
Eine ausführliche Darstellung der verschiedenen Lepraformen,
wie sie in Tonkin vorkommen, ferner Vorschläge von, den Lokalver-
hält uissen angepassten, prophylaktischen Maassnahmen bilden den
Schluss der Arbeit. Kräl (Prag.)
Fischer, W., Beitrag zur Aetiologie der Aktinomykose.
(Centralbl. f. Chirurg. 1890. No. 22. p. 413.)
Ein ländlicher Arbeiter stach sich beim Kauen eines Gersten-
kornes die Granne desselben in die Zunge ein. Letztere schwoll nach
8 Tagen an der verletzten Stelle an, die Geschwulst erreichte nach
14 Tagen Haselnussgrösse und wurde nach 18 Tagen gespalten. Der
in diskreter Menge vorhandene Eiter und die Granulationen enthielten
unzählige gelbe Körnchen, welche sich mikroskopisch als typische
Strahlenpilze erwiesen. Das mitentfernte Grannenfragment war vom
Pilze durchwachsen und auch die Grannenstacheln mit Pilzdrüseu be-
Purpura haemorrhagica. ]7
deckt Mit Recht empfiehlt Verf. die Untersuchung des aktin onko-
tischen Eiters auf etwa vorhandene Pflanzentheile, um die Aetiologie
der Erkrankung klar zu stellen. Kral (Prag).
Kolb, M., Zur Aetiologie der idiopathischen Blut-
fleckenkrankheit (Purpura haemorrhagica, Morbus
maculosus Werlhofii). (Arbeiten a. d. Kaiserl. Gesundheits-
amte. Bd. VII. S. 60.)
Kolb hatte Gelegenheit, 5 Fälle der genannten Krankheit zu
untersuchen, von welchen 3 tödtlich endigten. Im Blute der Lebenden
waren keine Bakterien zu finden, dagegen Hess sich in den Organen
der 3—4 Stunden nach dem Tode obduzirten Verstorbenen durch
Färbung, Kultur und Thierversuch eine bestimmte, nach den beweisen-
den Untersuchungen des Autors als die Ursache der Krankheit anzu-
sehende Bakterienart ermitteln.
Sie besteht in ovalen, etwas plumpen Stäbchen mit abgerundeten
Enden, ohne Eigenbewegung, meist in Form von Diplobacillen an-
einanderhängend und ab und zu Scheinfaden bildend. Im Thierkörper
erscheinen sie etwas grösser und haben hier manchmal auch eine
schwer färbbare Kapsel, welche in Kulturen stets fehlt. Sie wachsen
auf den gebräuchlichen Nährboden bei Zimmer- und Körpertemperatur.
Das Optimum liegt bei 30-36° ; unter + 3° und über 43° C findet
keine Entwickelung mehr statt; bei 56,5° C gehen sie zu Grunde;
Sporen werden nicht gebildet. Die Aufnahme der Anilinfarben erfolgt
etwas langsam, das Gram1 sehe Verfahren ist nicht anwendbar.
Der Bacillus, ein fakultativer Aerobe, bevorzugt alkalische Nähr-
medien und bildet auf Gelatine den Typhusbakterienkolonieen ähn-
liche, leicht abhebbare Ansiedelungen mit gebuchteten und gezackten
Randern. Diese Lappung tritt auf Blutserum und Agar zurück. Auf
Kartoffeln entsteht ein weisser, feucht glänzender, leicht abhebbarer
Streifen. Flüssiges Blutserum und Bouillon trüben sich bald ; letztere
wird in der Folge unter Abscheidung eines Bodensatzes wieder klar.
Thierversuche machte Verf. im Ganzen 405. Bei den empfäng-
lichen Thieren erfolgte Blutaustritt in die verschiedensten Organe.
Zu jenen gehören Hunde, weisse und Feld-Mäuse und namentlich Ka-
ninchen, während Meerschweinchen fast und Tauben ganz refraktär
sich verhalten. 1 Tropfen Bouillonkultur tödtet Mäuse nach 2—3
Tagen; im Blute und in den Organen, besonders in der Milz und
Leber, dagegen selten in den Lungen werden die Bacillen in grosser
Menge gefunden. Kaninchen erkranken nach intraabdomineller In-
jektion von '/* — 1 <Hm und sterben von mehr als 1 cem Bouillon-
kultur binnen 1—3 Tagen mit charakteristischen Blutaustritten.
Hunde bekommen auf 0,3—1 cem hämorrhagische Infektion und er-
liegen derselben nach Einverleibung von 2 cem der Kulturen. Ihre
Virulenz scheint vom 10. Tage an allmählich abzunehmen, sie kann
jedoch durch Impfung auf Feldmäuse ihren ursprünglichen Grad, ja
noch in gesteigertem Maasse erreichen.
Auch Injektionen von Kulturen, welche durch Erwärmen auf
57,5° C oder Filtriren durch Thonzellen keimfrei gemacht sind, tödten
in einer Dosis von 0,3—0,5 cem Mäuse und von 3 cem Kaninchen
Z.B4. %
Ig Pemphigus — Fanu.
unter den gleichen pathologisch-anatomischen Erscheinungen wie
keimhaltige.
13 gut gelungene photographische Abbildungen des hämorrhagisch
erkrankten Hautorgans zweier Versuchsthiere, von Ausstrich- und
Schnittpräparaten, sowie von 2 Platten- und 1 Strichkultur vervoll-
ständigen die Arbeit. Das Photogramm der letzteren zeichnet sich
durch das Fehlen aller störenden Reflexe, die oft nicht leicht zu ver-
meiden sind, aus. Heim (Würzburg).
Faber, Knud, üeber den akuten kontagiösen Pemphigus.
(Monatshefte f. prakt Dermatologie. Bd. X. 1890. S. 253.)
Faber hatte Gelegenheit, eine kleine Endemie des Pemphigus
acutus neonatorum in Kopenhagen zu beobachten, welche da-
durch interessant war, dass als Infektionsquelle eine erwachsene Person
cruirt werden konnte. Die Mutter des zuerst angegriffenen Kindes
hatte drei Tage vor der Erkrankung desselben einen Ausschlag auf
einer Wage bekommen, der als Impetigo contagiosa diagnosti-
zirt wurde. Ausser ihrem eigenen Kinde hatte sie auch das zweite,
ebenfalls zuerst auf dem Kinn angegriffene, kurz vor dessen Erkran-
kung gesäugt und das dritte Kind lag im Bett nebenan. Der Zu-
sammenhang zwischen der Krankheit der Mutter und der Kinder
wurde noch klarer, als das zweite Kind, nachem es zu seiner eigenen
Mutter zurückgekommen war, bei dieser gleichfalls eine Impetigo
contagiosa hervorrief. Verf. kommt daher zu dem Schluss, dass
der Unterschied, der zwischen dem Pemphigus neonatorum und
der Impetigo contagiosa gemacht wird, unberechtigt ist; „es ist
dieselbe Krankheit, die nur in den verschiedenen A eiteren mit verschie-
denem Habitus auftritt.14 Die bakteriologische Untersuchung des In-
halts einer noch ganz frischen Blase ergab den Staphylococcus
pyogen es aureus und eine andere, bedeutend kleinere, für Mause
nicht pathogene Staphylokokkenart, die auch auf den Menschen über-
tragen, keine Reaktion hervorrief. Beide Bakterienarten sind selbst-
verständlich, wie Verf. hervorhebt, für die Aetiologie des Prozesses
bedeutungslos, so dass also für den Augenblick die Ursache des an-
steckenden Pemphigus noch nicht nachgewiesen ist
Ledermann (Breslau).
Morris, Malcolm, An extensive case of favus. (The Brit
Journ. of dermatology. 1891. April.)
Morris berichtet ausführlich über einen Fall von ausgedehntem
Favus, bei welchem der zum grossen Theil der Haare beraubte Kopf,
der Rücken, die Hand- und Fussnägel mit den charakteristischen
Scutulis besetzt waren. Die Kranke starb an Phthisis. Auffallend
ist erstens die hochgradige Nagelerkrankung, die zu völligem
Schwund der Hornsubstanz geführt hatte, sodann die schnelle Aus-
breitung des seit 14 Jahren bemerkten, jedoch ziemlich stabil ge-
bliebenen Prozesses in den letzten zwei Monaten zugleich mit dem Ein-
setzen der akuten Phthise. Zum Schluss macht Verf. auf das seltene
Vorkommen von Favus in London aufmerksam und zählt die in den
letzten Jahren dort beobachteten Fälle auf. Ledermann (Breslau).
öhrerkimDkuogtn und Diphtherie. 19
Moos, S., Histologische and bakteriologische Unter-
suchungen über Mittelohrerkrankungen bei den
verschiedenen Formen der Diphtherie. (S.-A. a. d.
Zeitschr. f. Obrenheilknnde. Bd. XX.) 8°. 30 S. 8 Tafeln. Wies-
baden 1890.
Verf. führt aus, dass die primäre Bachendiphtherie seltener mit
Affektionen des Mittelohrs komplizirt ist, als die Scharlachdiphtherie;
dass ferner bei letzterer die Mittelohraffektionen häufiger doppelsei-
tig, bei der primären Rachendiphtherie häufiger einseitig sind; end-
lich, dass Parotitis bei der primären Rachendiphtherie höchst selten
vorkommt Nach den Beobachtungen des Verf.'s kann diphtherische
Mittelohraffektion längere Zeit bestehen ohne manifeste Symptome,
ohne Eiterung, ohne Perforation u. s. w. Die Dauer der Krankheit
aber beträgt in den mit Tod endenden Fällen durchschnittlich 6,1 Tage.
Bei den angedeuteten Verschiedenheiten im Verlaufe der genui-
nen und der Scharlachdiphtherie bezüglich der Ohrerkrankungen
suchte M. festzustellen, ob und welcher anatomischer Unterschied
zwischen beiden bestände, und ob dieselben durch verschiedene Mikro-
organismen hervorgerufen würden. Er machte 6 Sektionen an Diph-
therie mit Ohraffektionen zu Grunde gegangener Kinder, von denen
je 3 an Diphtherie bezw. Scharlach gelitten hatten. Von den 3 Diph-
therischen waren 2 5 Jahre, 1 3 Jahre 5 Monate alt; sie waren 2,
6 bezw. 8 Tage krank gewesen; von den 3 Scharlachkranken waren
2 1 Jahr 10 Monate, das dritte 7 Jahre alt, sie waren 5, 18 bezw.
38 Tage krank gewesen.
Der äussere Gehörgang war in allen Fällen frei, das Trommel-
fell nicht perforirt, jedoch serös durchfeuchtet, glanzlos, die Schleim-
haut desselben in 3 Fällen injizirt. Der Binnenraum der Pauken-
höhle enthielt in 2 Fällen eine gelbgrünliche, trübe Flüssigkeit,
welche abgestossenes Epithel und Körnchenzellen enthielt. In einem
Fall von nekrotischer Scharlachangina bestand Nekrose der knorplig-
häutigen Tuba. In der Schleimhaut der Labyrinthwand sah M. schon
vom 2. Tage an die Blutgefässe grossentheils strotzend mit Blut ge-
fallt, hier und da durch Einwirkung der in allen Fällen vorhandenen
Mikrokokken nekrotisch und in Folge dessen kleinere und grössere
Blutungen. Die ganze Dicke der Schleimhaut war durchsetzt von
einem Netz von Fibrin, dessen Maschen infiltrirt waren mit Leuko-
cyten. Diese verwandeln sich des Weiteren in Körnchenkugeln, zer-
fallen theil weise oder verfallen der hyalinen Degeneration. Eine
Pseudomembran auf der Schleimhaut der Labyrinthwand fand sich
nur in einem von den 6 Fällen. Dagegen zeigten die knöchernen
Theile der letzteren und die Binnenmuskeln des Ohrs tiefgreifende
Veränderungen.
An Mikroorganismen fand M. mikroskopisch — von Züchtungs-
versuchen erwähnt er nichts — keine Bacillen, sondern nur „Mikro-
kokken und Streptokokken14, und zwar ganz gleichartig bei genuiner
wie bei Scharlachdiphtherie. Bei septischer Diphtherie waren die-
selben nur in grösserer Verbreitung vorhanden.
Bei der sogenannten Scharlachdiphtherie wird uns das nicht
wundern, da ja diese überhaupt durch Streptokokken erzeugt wird.
8*
20 UntersttcbttngsmeJli.Mlen, Iu»tram«at6 etc.
Das gleiche Verhalten bei genuiner Diphtherie erklärt M . wohl mit
Recht durch die Erfahrung, dass die spezifischen Bacillen sich im
Organismus von der Infektionsstelle aus nicht weiter verbreiten,
während die sekuudär eingewanderten Mikrokokken dies thun.
Kine historische Uebersicht über die Veröffentlichungen, be-
t reffend den Diphtheriebacillus, ein Litteraturverzeichniss und
12 vorzügliche Lithographieen, die M/s mikroskopische Befunde er*
läutern, vervollständigen die lesenswerthe Studie.
M. Kirchner (Hannover).
Untersuchungsmethoden, Instrumente etc.
Hlppins, Ein Apparat zum Sterilisiren der Milch im
Hause. (Berlin, klinische Wochenschrift. 1890. No. 45.)
Der Wunsch, die mit der Handhabung des Soxblet' sehen Appa-
rates verbundene Unbequemlichkeit und Arbeit zu vermeiden, hat den
Verf. zur Konstruktion eines Milchsterilisirungsapparates geführt, die
auf dem gleichen Prinzip beruht, wie der vom Ref. angegebene. Die
Milch befindet sich in einem 1 Liter fassenden bitnförmigen Gefäss aus
Glas, das unten einen mit Glashahn verschliessbaren Aüsfluss, oben
eine weite Oeffnung besitzt Dieselbe ist durch einen luftdicht scblies-
senden Deckel verschlossen, der in einem abwärts gekrümmten Glas-
rohr ein Wattefilter trägt Der ganze Apparat steht in einem Blech-
gestell und ist ausserdem nur mit 2 Saugflaschen und 4 Saugern
ausgerüstet. Die Sterilisirung soll nicht im Wasserbad, sondern über
freiem Feuer geschehen, wobei durch Einsetzen eines Soltmann-
schen Rückflusskühlers das Ueberkochen der Milch verhindert werden
soll. Das Ganze macht den Eindruck eines kostspieligen und kom-
plizirten Laboratoriumversuches, dürfte aber für die Sterilisirung im
Hause, abgesehen von anderen Mängeln, viel zu kostspielig und zu
zerbrechlich sein. Escherich (Graz).
Litten, M.9 Die Centrifuge im Dienste der klinischen
Medicin. (Deutsche med. Wochenschrift 1891. No. 23.)
Litten berichtet über die Resultate, welche unter Anwendung
einer von Stenbeck konstruirten Handcentrifuge bei der Unter-
suchung verschiedener, besonders pathologischer Körperflüssigkeiten
erzielt wurden. In bakteriologischer Hinsicht erwähnt er, dass diese
Methode für die Auffindung vereinzelter Tuberkelbacillen im Urin etc.
mit V ortheil zu verwenden sei. Für die Untersuchung des Harns
auf anderweitige Bakterien hat das Verfahren noch den besonderen
Vorzug, dass man eine Vermehrung etwaiger nachträglich in den
Urin gelangter Mikroben, welche sich sonst im stehenden (sedimen-
tirenden) Urin reichlich entwickeln, vermeidet, da meist schon ein
fiehutnmpftiDg, kftnsti. Infektionskrankheiten, fentwickelungsheknmüng etc. 21
einmaliges Centifugiren von 3 Minuten Dauer genügt, um sämmtliche
körperliche Elemente auszufällen. In Urinen, welche mittelst vorher
ausgeglühten Katheters entleert wurden, konnte L. öfters durch mikro-
skopische Untersuchung des mittelst der Centrifuge erhaltenen Sedi-
mentes Mikroorganismen in reichlicher Menge nachweisen. Speziellere
Thatsachen sollen später mitgetheilt werden. Die Angabe von
Bizzozero, dass sich in frisch gelassenem Harn nicht selten Sac-
charomyces finde, konnte L. nicht bestätigen. Auch ttir die
Untersuchung von pleuritischen Exsudaten — namentlich der fibrin-
reichen, rasch erstarrenden, aus welchen man durch Centrifugiren die
corpusculären Elemente noch vor der Gerinnung ausfällen kann —
von Cystenflössigkeiten u. s. w. empfiehlt Verf. das von ihm ge-
schilderte Verfahren. R. Stern (Breslau).
Schutzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten, Entwick-
lungshemmung und Vernichtung der Bakterien etc.
Horwitz, Orville, Apparent antagonism between the
Streptococci of Erysipelas and Syphilis. (Philadelphia
Med. News. No. 949. 1891. p. 324.)
Verf. berichtet über 2 Fälle von Syphilis, die der spezifischen
Behandlung eine längere Zeit widerstanden, dann aber nach dem
Auftreten eines zufällig acquirirten Erysipels rasch der Heilung zuge-
führt wurden. Bei dieser Heilung oder zum mindesten Virulenz-
modifikation der Syphilis durch die Invasion mit Erysipel scheint
ein gewisser ähnlicher Antagonismus zwischen den Mikroben der
beiden Krankheiten zu bestehen, wie er zwischen dem Fried I an-
der1 sehen Pneumobacillus und dem An thraxbacillus
und zwischen anderen Mikroorganismen vorhanden ist
Kr41 (Prag).
Bombieci, CL, Sulla resistenza alla putrefazione del
virus tetanico. (La Riforma med. 1890. No. 227. p. 1360.)
Die Ergebnisse seiner Untersuchungen über die Widerstands-
fähigkeit des tetanischen Virus gegen Fäulnissprozesse führen Verf.
zu den nachfolgenden Schlüssen.
Der Tetanusbacillus widersteht der Fäulniss sehr lange,
mag sie an der Luft, im Wasser oder in der Erde vor sich gehen.
Die Widerstandsfähigkeit ist bei einer etwas höheren und konstanten
Temperatur grösser; sie war geringer, wenn am Beginne des Ver-
suches eine sehr niedrige Temperatur herrschte. Zunächst findet im
Fäulnissherde eine Vermehrung der Tetanusbacillen statt, die später
sistirt; dann werden nur mehr Sporen gefunden und schliesslich lässt
sich das Vorhandensein des Mikroorganismus durch kein Mittel mehr
nachweisen. Daneben geht gleichzeitig eine graduelle Abschwächung
und der endliche Verlust der Virulenz des Tetanusbacillus
einher. Bei der Fäulniss unter der Erde gelangen die Bacillen,
22 dchotsimpfang, kBnttt. Infektionskrankheiten, £ntwickelang»Deaunitng etc.
wenn sie im Fäulnissherde verschwunden sind, in das benachbarte
Erdreich, was mit vieler Wahrscheinlichkeit eher einer Vermehrung
der Tetanusbacillen daselbst, als einem Transporte durch Filtrations-
wässer zugeschrieben werden könnte. Dieser (Jebertritt der Tetanus-
bacillen aus dem Fäulnissherde in die Nachbarschaft wurde unter
Sand nie beobachtet. Die Infektion des Bodens liesse sich demnach
durch das Begraben tetanischer Kadaver im Sand wesentlich be-
schränken. Kräl (Prag).
BombiccI, L., Della disinfezione degli ambienti infetti
da virus tetanico. (La Biforma med. 1890. No. 234. p. 1400.)
Tetanussporen werden von Kalkmilch nicht abgetödtet und
schwefelige Säure bewirkt nur eine Abschwächung derselben. Da-
gegen üben Chlorgas, käuflicher Chlorkalk und Steinkohlentheer eine
kräftige desinfizirende Wirkung auf Tetanussporen aus. Chlorkalk
verliert durch Versetzen mit Kalkmilch nichts von seinem desinfizi-
renden Vermögen.
Verf. empfiehlt daher zur Desinfektion von mit Tetanusvirus in-
fizirten Räumen und zwar für die atmosphärische Luft nascireudes
Chlorgas, für Mauerwände Chlorkalk 10, Wasser 100; oder besser
Chlorkalk 10, Aetzkalk 25, Wasser 100, da diese Mischung gleich-
zeitig als Dcsinfektions- und als Tünchmittel dienen kann, und
schliesslich für Holzwände den Steinkohlentheer. Kräl (Prag).
CantanI, A», Süll' antisepsi intestinale. (Giorn. intern,
deile scienze med. 1890. Fase. 19. p. 741.)
Die im Darmkanal des lebenden Organismus angesiedelten patho-
genen Mikroorganismen können daselbst wohl nur in den seltensten
Fällen durch chemische Agentien abgetödtet werden, es dürfte indes
genügen, sie an ihrer Vermehrung zu hindern oder sie abzuschwächen.
Dies wurde durch Einführung verschiedener Antiseptika per os und
per anum zu erreichen versucht. Auf ersterein Wege konnten nur
solche Stoffe eingeführt werden, die im Magen keine Verände-
rungen erleiden, aber auch wegen ihrer Unlöslichkeit auf die Darm-
wandungen und die Mucosa keine desinfizirende Wirkung ausüben,
während die flüssigen absorbirbaren Desinfektionsmittel ihrer Giftig-
keit halber bloss in kleinsten Mengen anwendbar sind und kaum un-
zersetzt dorthin gelangen, wo sie wirken sollen. Der letztere Weg
ist der nächste und kürzeste. Mittelst Enteroklyse kann, entsprechend
der Höhe der Flüssigkeitssäule, das Desinfiziens bis in den Magen
getrieben werden und in allen Theilen des Darmkanals seine volle
Wirksamkeit entfalten. Es stellte sich heraus, dass neben anderen
mehr oder weniger wirksamen Stoffen die Gerb- und die Phenyl-
säure die zweckentsprechendsten Desinfektionsmittel sind. Insbe-
sondere die Gerbsäure kann in solchen Mengen und Konzentrations-
graden angewendet werden, wie es per os unthunlich wäre. Sie hebt
die vegetative Thätigkeit der Bakterien auf und macht gleichzeitig
die von ihnen erzeugten Gifte unschädlich. Kommabacillen in Fleisch-
brühe bei 37° werden von einer 0,5 ü/0 Gerbsäurelösung in der Eut-
wickelung gehindert und der grösste Theil derselben binnen 6 Stunden
Sdrataimpfang, kttnatl. Infektionskrankheiten, Entwickelung&heintnting etc. 23
abgetödtet, von einer 1,50|0 Lösung schon nach 1 V2 Stunden. Eine
sterilisirte Kommabacillenbouillonkultur bringt beim Hunde, intraperi-
toneal injizirt, Vergiftungserscheinungen hervor. Das Thier bleibt ge-
sund, wenn die Kultur mit 0,6% Gerbsäure versetzt worden war.
Wahrscheinlich gehen die Gifte unschädliche Tanninverbindungen ein.
Gegen Darmkatarrhe mit Diarrhöe und gegen Dysenterie bildet
die Tanninenteroklyse ein vorzügliches Mittel. Sie scheint im Initial-
stadium bei Ileotyphus ähnlich wie die Salzsäure- und die Phenyl-
säureenteroklyse abortiv zu wirken. Kr 41 (Prag).
Linossier, 6L, Action de l'acide sulfureux sur quelques
Champignons införieurs et en particulier surles le-
vüres alcooliques. (Annales de l'lnstitut Pasteur. Tome V.
1891. No. 3. p. 171.)
Die Giftigkeit der schwefligen Säure ist sehr verschieden, nicht
nur den verschiedenen Organismen gegenüber, sondern auch bei der-
selben Spezies nach der Zeitdauer der Einwirkung, der Temperatur,
der chemischen Zusammensetzung des Substrates, in welchem die
Einwirkung stattfindet; sie variirt mit dem Alter des betreffenden
Organismus, mit der individuellen Widerstandsfähigkeit jeder einzelnen
Zelle, und diese Widerstandfohigkeit ist oft sogar bei Zellen derselben
Züchtung eine sehr verschiedene. Doch gibt es für jede Art, unter
gleichen Versuchsbedingungen, Dosen, welche nie tödten, solche, welche
manchmal tödten, und solche, welche immer tödten; die letzteren
wurden vom Verf. bestimmt.
Er benutzte Lösungen von schwefliger Säure in destillirtem
Wasser, welche im Liter 600, 200, 100, 40, 20, 10, 4 und 2 ccm
Gas enthielten. Auf 100 ccm jeder dieser Lösungen gab er 1 ccm
einer Reinkultur des zu untersuchenden Pilzes. Nach verschiedeneu
Zeiträumen wurden Tropfen herausgenommen und in eine der Art
des betreffenden Pilzes zusagenden Nährlösung gegeben, um hier das
etwaige Wachsthum zu beobachten. Die Versuche wurden mit den
folgenden Pilzen angestellt:
Eine Bierunterhefe, zwei Hefen von Trauben, drei Hefen von Erd-
beermost, eine Hefe, welche von Duclaux Mycolevüre genannt ist, zwei
Varietäten vonMycoderma viui, der Soorpilz und Aspergillusniger.
Er erhielt die folgenden Resultate:
Eine Lösung, die ein Fünftel ihres Volums an schwefliger Säure
enthält, tödtet die obengenannten Arten innerhalb einer Viertelstunde,
mit Ausnahme des Soorpilzes; bei diesem bedarf man nämlich dazu
500 ccm im Liter.
Eine zehnstündige Einwirkung wirkt auf alle die angeführten
Arten tödtlich, wenn die Lösung im Liter 100 ccm schweflige Säure
enthält
Wenn die Einwirkung 24 Stunden dauert, sind nur noch 40 ccm
der Säure auf den Liter nöthig, um die Arten zu tödten, mit Aus-
nahme einer der Varietäten von Mycoderma vini, das 100 ccm be-
darf. Wie Verf. selbst hervorhebt, gelten die angeführten Zahlen
nur für die angegebenen Versuchsbedingungen.
Emil Chr. Hansen (Kopenhagen).
24 8cbutslmpfung, kttnsti. Infektionskrankheit«^ Entwieketnngsnei&iDiliig etc«
Billings, Frank S.9 Preventive inoculation. (The Times
and Register. Vol. XXL 1890. No. 9.)
Der Aufsatz zerfällt in zwei Theile: experimentelle Impfung
und Schutzimpfung. Der zweite Theil fasst die bisherigen Ergeb-
nisse der verschiedenen Schutzimpfungen zusammen und bietet nichts
wesentlich Neues. Der erste Theil dagegen zeugt von einer so eigen-
tümlichen Auffassung der Bakteriologie, dass man entweder an-
nehmen muss, der Verfasser habe sich nicht eingehend mit Bak-
teriologie beschäftigt, oder dass seine Thierexperimente nicht recht
geglückt seien und ihn dies zu solchen Behauptungen geführt
habe. Wenn der Verf. das Wort kontagiös so erklärt, „dass das-
selbe logisch gesprochen nur das In - Berührung - Kommen mit einem
ansteckenden Element ohne Rücksicht auf dessen Ursprung be-
deutet", so dürfte er mit seiner Definition ziemlich allein stehen.
Der Verfasser nimmt einen ganz eigentümlichen Standpunkt ein,
wenn er schreibt: „Ein moderner Schriftsteller sagt, dass der
ausschlaggebende Beweis der Kontagiosität der Tuberculose erst
erhalten wurde, als die Erfolge der Impfung von Kaninchen
und Meerschweinchen bekannt wurden. Unsinn 1 Der ausschlag-
gebende Beweis ist der Erfolg der Berührung zwischen gesunden
und kranken Individuen der Art, bei welcher die Krankheit natür-
licherweise auftritt oder auf natürlichem Wege durch Zufall über-
tragen wird. Nach diesen absurd unlogischen Beobachtern patho-
logischer Erscheinungen würde die Syphilis nicht kontagiös sein,
weil sie nicht durch Impfung auf Hausthiere übertragbar ist"
Ebenso merkwürdig ist die Ansicht, „dass eine exogene Krankheit
eine solche ist, welche beständig den Ort ihres ersten Ursprungs
nicht in, sondern ausserhalb eines thierischen Organismus fin-
det, also in der Erde etc." Eine Krankheit, die in der Erde
beginnt und dann sich auf Thiere überträgt, dürfte wohl noch un-
bekannt sein. Migula (Karlsruhe).
Stepp, Ueber die Chloroformbehandlung des Typhus.
(Münchner med. Wochensch. 1890. No. 46.)
Verf. hat 18 Fälle von Typhus durch innerliche Dareichung des
Chloroforms (1,0 : 150,0 in 3 Theilen täglich) behandelt und glaubt
dadurch jedesmal die Krankheit günstig beeinflusst zu haben. Er
erreichte Abnahme der Somnolenz und Delirien, Reinigung der Zunge,
Besserung des Allgemeinbefindens und Abkürzung des Fieberstadiums,
dessen Dauer bei dieser Behandlung in dem schwersten Fall 19, in
dem günstigsten nur 8 Tage betrug. Unangenehme Nebenwirkungen
des Mittels hat Verf. niemals gesehen, wie ja auch die verabreichte
Dose zu klein war, um Schaden anzurichten.
Verf. nimmt an, dass das Chloroform den Körper unzersetzt
passirt und auf seinem Wege in demselben Gelegenheit findet, die
Typhusbacillen vermöge seiner antibakteriellen Eigenschaften un-
mittelbar zu schädigen. Kubier (Oldenburg).
fektoriol. Tom St. intertutftonaitii medidoUehtn ttongretM tu Berlin. 25
Originalberichte Ober Kongresse.
Bakteriologisches vom X. internationalen medicinischen
Kongresse zn Berlin, 4.-9. August 1890.
(SchlllM.)
Ans den Abtheüungs-Sitzungen.
VIU. Abtheilung: ftebartohfllfe and Gynäkologie
Herr Sein (Kiew), Asepsis oder Antisepsis bei Lapara-
tomieen?
Die Hauptaufgabe der moderneu Prophylaxe besteht darin, die
Sterilität der Wunde zu erreichen. Ebenso müssen alle Gegenstände,
welche mit der Wunde in Berührung kommen, sterilisirt werden, wozu
sich am besten gespannter Dampf von 110—120° C eignet Sterili-
sirtes Wasser ist in den Krankenhäusern mit centraler Wasser-
heizüng vorhanden und kann direkt den Leitungsröhren entnommen
werdeu, überdies wird es an der Klinik des Vortr. noch durch ein
Paste ur-Chamberl an d'sches Filter filtrirt. Durch lang an-
dauerndes Waschen der Luft des Operationszimmers mit stark zer-
streutem Strahl aus der Wasserleitung kann der Keimgehalt der
Luft beträchtlich vermindert werden. Einmal wurden auf den während
einer halben Stunde vor der Operation exponirten Platten gar keine
und auf den während der Operation exponirten nur eine einzige
Kolonie erhalten. Die in letzter Zeit vorgenommene systematische
Durchspülung des Operationsraumes scheint die Luft fast sicher von
Bakterien zu befreien.
Mit solchen Maassregeln können sterile Wunden erzielt werden.
Aus den exzidirten Gewebsstücken wurden Röhrchen- und Platten-
kulturen auf den verschiedenen Nährböden, meistenteils nach Be-
endigung der Operation angelegt, wobei begreiflicherweise nicht immer
alle bakteriologischen Kautelen beobachtet werden konnten. Trotzdem
erwiesen sich in 4 von 7 Fällen die Gewebe aus der Bauchwunde
als vollkommen steril. Blut und Blutgerinnsel, die mit dem Schwämme
aus dem Grunde des Douglas9 sehen Raumes herausgeholt wurden,
zeigten sich in 5 von 10 Fällen ebenfalls steril. Ausserdem unter-
suchte Vortr. noch Ascitesflüssigkeit, Thromben aus dem torquirten
Theile der Cyste etc., schliesslich auch Stückchen, die von der Schnitt-
flache des Stieles stammten und sich in 6 von 9 Fällen steril er-
lesen. (Vortr. demonstrirt verschiedene bisher steril gebliebene Ge-
webe aus der Bauchwunde und der Bauchhöhle.)
Den bakteriologischen Resultaten entsprechen die klinischen Be-
obachtungen an 87 nach diesen Prinzipien ausgeführten Laparotomien :
Mortalität 2,2°/o» Morbidität (d. h. Fieber über 38°) 22,7 •/, .
2(J Bakteriol. vom X. JDt«r»a|ioiiAl«n nM4iciniac)i6ii &oagrttn tu ttartb.
Die rationellste Prophylaxe der Wunde sollte demnach eigentlich
weder als aseptische noch als antiseptische Methode angesehen werden,
sondern wäre besser als Sterilisationsmethode der Wund-
behandlung zu bezeichnen. Weil aber sterile Luft bisher nicht
sicher beschaffbar ist, darf wohl in der Qberwiegenden Mehrzahl der
Fälle von der Einführung massiger Quantitäten von Desinfektions-
mitteln in die Wunde noch nicht völlig Abstand genommen werden.
XVII. Abtheilung: Gerichtliche Medieln.
Herr Kratter (Innsbruck), Ueber die Bedeutung der
Ptomalne für die gerichtliche Medicin.
Vortr. prüfte das Verhalten von Strychnin gegen Kadaverextrakte
(Selmi'sche Ptomalne) und faud, dass der Strychninnachweis durch
dieselben nicht gestört wird. Es konnte aus Leichenteilen von nach
3 Monaten exhumirten Kadavern, mit denen es vermengt wurde, rein
abgeschieden werden.
Die bahnbrechenden Arbeiten Brieger's haben der Lehre von
den Ptomalnen eine ganz neue Richtung gegeben. Während die
Selmi 'sehen Ptomalne Körper von unbekannter Zusammensetzung
sind, hat er chemische Individuen aus Leichen abgeschieden und
deren Eigenschaften festgestellt Vortr. konnte aus 1625 g 4 Monate
lang gefaulten Organtheilen eines an Sublimatvergiftung verstorbenen
Mannes unter peinlicher Einhaltung quantitativer Kautelen ausser
Methylamin und Trimethylamin folgende B rieger 'sehe Ptomalne
analysenrein abscheiden: Kadaverin, Putrescin und Mydin, und da-
durch den Nachweis erbringen, dass diese Körper auch in geringen
Mengen fauler Organe auffindbar seien und dass die Anwesenheit
von Sublimat in Mengen, welche den Menschen tödten, im Körper
die Bildung von PtomaYnen nicht zu stören vermöge. Der Umstand,
dass die Brieger 'sehen Ptomalne nicht gleichzeitig, sondern nach
einander auftreten und theilweise wieder verschwinden, während
andere sich neu bilden, ist forensisch wichtig. In den ersten 2 Tagen
ist nur Cholin vorhanden, dann entsteht Neuridiu, während das Cbolin
allmählich verschwindet, dafür erscheint jetzt Trimethylamin. Das
Neuridin ist nach 14 Tagen völlig verschwunden. Erst aus den Pro-
dukten späterer Fäulnissstadien wird Kadaverin, Putrescin und Saprin
gewonnen. Diese ungiftigen Ptomalne treten früher auf, als die
giftigen Kadaverdiamine, die. erst nach 2— 3 wöchentlicher Fäulniss
oder sogar erst nach Monaten gebildet werden. Es scheint nicht
ausgeschlossen, dass für die Bestimmung der Zeit, wie lange eine
Leiche im Wasser, in der Erde, im Boden gelegen sei, aus einer ge-
nauen Kenntniss der Aufeinanderfolge und des Verschwindens der
Ptomalne eine exakte wissenschaftliche Grundlage geschaffen werden
kann.
VI Abtheilung: Kinderheilkunde.
Herr Escherich (Qraz), Ueber Milchsterilisirung zum
Zweck der Säuglingsernähruag mit Demonstration
eines neuen Apparates.
Nachdem es sich als undurchführbar herausgestellt hat, den
ftaktoriol. Tum X. intornatioDaien medicinischen ftongfeiM fcu ttartin. 27
Kontakt der Milch mit der Luft gänzlich zu vermeiden, stehen wir
vor der Aufgabe, die in die Milch gelangten Keime möglichst bald
zu tödten und die Milch in diesem sterilen Zustande zu erhalten.
Das Erstere wird allgemein durch Erhitzen im Wasserbade oder im
strömenden Dampf in einer für die Zwecke der S&uglingsernährung
genügenden Weise erreicht Die schwierigere zweite Aufgabe ist
durch den S o x h 1 e t ' sehen Apparat zum ersten Male und in glänzender
Weise gelöst worden. Allein die Verbreitung desselben blieb doch
nur auf den kleinsten Bruchtheil der Bevölkerung beschränkt, der
über die Mittel, den Zeitaufwand und den Grad von Intelligenz ver-
fügt, wie er zur Anschaffung und zur Handhabung desselben nöthig
ist So einfach das demselben zu Grunde liegende Prinzip in der
Theorie erscheint, so wenig einfach gestaltet es sich in der Praxis
wegen der damit verbundenen Vervielfältigung der Flaschen und
Saugapparate, der grossen Zahl und raschen Abnützung der einzelnen
Bestandteile. Besonders bemerkbar machen sich diese Nachtheile
da, wo es sich um Versorgung einer grösseren Zahl von Kindern
handelt, also in Säuglingsspitälern, Kleinkinderbewahranstalten etc.
Der Vortr. demonstrirt einen von ihm angegebenen, auf anderem
Prinzip beruhenden Apparat, der von Th. Pi m pe in Magdeburg her-
gestellt ist Der zur Aufbewahrung der Milch dienende cylindrische
Blechtopf trägt am Boden den Ausflusshahn für die Milch; er ist
durch einen Deckel luftdicht verschlossen, an welchem ein Sicher-
heitsventil und ein Luftfilter angebracht ist, durch das die Luft nach
Oeffnung eines gewöhnlich geschlossenen Ventils unter Zurücklassung
der Keime in das Innere des Topfes eindringen kann. Ist dies der
Fall, so kann durch Drehung des Hahnes jederzeit eine beliebige*
Milchmenge entnommen werden, während der im Innern enthaltene
Rest, ebenso wie iu den Sox hl et1 sehen Flaschen, frei von Keimen
und somit zum Genuas des Säuglings brauchbar bleibt. Die in dem
Topf enthaltene Milch wird in der gewöhnlichen Weise durch */*-
stündiges Erhitzen im Wasserbade sterilisirt. Dem Apparate sind
ausserdem noch eine Saugflasche, auf welche die von dem Vortr.
modifizirten Ernährungsvorschriften für Tagesmenge, Zahl und Grösse
der Mahlzeiten in schwarzer Schrift eingebrannt sind, ein Wärmebecher
und 2 Säuger beigegeben. Von dem Grade der Sterilität, der in dem
Apparat erreicht wird, sowie davon, dass auch bei wochenlanger
Aufbewahrung eine Infektion von aussen nicht hinzutritt, hat sich
der Vortr. in zahlreichen Versuchen und auch praktisch überzeugt.
Die Vorzüge des Apparates liegen in der Einfachheit der Bestandteile
und der Technik, Unzerbrecblichkeit und der Billigkeit des Preises.
Dieselben lassen ihn besonders geeignet erscheinen zur Verwendung
bei der Sterilisirung in Centralstellen, insbesondere in Molkereien.
Nur dadurch, dass die sterilisirte Milch zu einem billigen Preise in
der für den Säugling nöthigen Zubereitung und in einer Form ge-
reicht wird, die sie vor jeder Verunreinigung schützt, erscheint die
Versorgung breiterer Volksschichten mit diesem für die Säuglingswelt
unersetzlichen Nahrungsmittel möglich.
28 Hau« Lttteratuf.
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aar Reinigung gebrauchter Objektträger
and Deckgllschen. (Orig.), p. 8.
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Bäume und ihre Urheber. (Orig ), p. 10.
Tangl, F., Zar Frage der Scharlacbdiph-
therilU. (Orig.), p. 1.
La Lepre k Hanoi
idouard
(Tonkin)f p. 15.
Bruschettüii, A., Sulla diffusione nell* or-
ganiemo del Teleno del tetano, p. 16
Faber, Xaud, üeber den akuten konta-
gi6»en Pemphigus, p. 18.
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Aktinomykose, p. 18.
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Bltttfleckenkrankheit (Purpura haemor-
rhagica, Morbus maculosus Werlhofli),
p. 17.
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krankungen bei den verschiedenen For-
men der Diphtherie, p. 19.
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6<&utaimpfuag
krankheiten, Sa
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Horwiti, Orrille, Apparent antagonum
betweeu the Streptococci of Erysipel"
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LiaoasJar, O., Action de l'acide salfnreu
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en particulier sur les lerures afeootiques,
p. 88.
Stepp, Ueber die Chloroformbebandlung
des Typhus, p. 84.
Origiaalaariaats aber l
Bakteriologisches rom X. inter-
nationalen mediciniscaen
Kongresse au Berlin,
4—9. August 1880. (8chlaat.)
Xscherioh, Ueber MUehsterilisirung sum
Zweck der Säuglingsernährang mit De-
monstration eines neuen Apparates, p. S8.
Kratter, Ueber die Bedeutung der Pto-
maine für die gerichtliche Medkin, p. 86.
Bada, Asepsis oder Antisepsis bei Lapara-
tomieen? p. 86.
Heue Uttaratar, p. 98.
» aecMmeku«! (Bwaui rohl«) Im Jm*.
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
Gel Hofr. Prot Dr. Leackart m Profewr Dr. Loeffler
In Ulpdf te Gralfewild
herausgegeben von
Dr. O. TJTilworm in Cassel.
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
X. Band. -»- Jena, den 38. Juli 1891. -»- No. 8/8.
Preis Ar den Band (M Hummern) 14 Mark.
Jlhrlich erscheinen iwei Bände.
~-»J[ Zu beliehen durch alle Buchhandlungen und Pottanstalten. %*—
Die Redaktion des „CentraMatts für Bakteriologie und Parasiten-
kunde*' richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wünsche um Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Auf-
sätze entweder bei der Binsendung der Abhandlungen an die
Redaktion auf das Manuskript schreiben zu wollen oder spä-
testens nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an
den Verleger, Herrn Gustav Fischer in Jena, gelangen zu
lassen* Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
eingehende Wünsche berücksichtigen zu können.
Original- Mittheilungen.
Fernere Untersuchungen über das Tetanus- Antitoxin ')•
Vorgetragen vor der TL Accademia dei Lincei in der Sitzung vom
10. Mai 1891
▼on
Prof. Guido Tlzzoni und Dr. med. ftluseppina Cattanl.
Um unsere Untersuchungen Qber die Tetanus - Immunität zu
vervollständigen, blieb uns noch die Lösung einiger Fragen übrig,
1) Vtrgl. Centralblatt für Bakteriol. und Paratitsnk. Bd. IX. 1891. 8. 686.
X.M. 3
34 Tiiaoni und Cattani,
nämlich ob das Tetanus- Antitoxin sich wie ein Serin, oder wie
ein Globulin verh<, ob es sich nicht nur in dem Blut, sondern auch
in den Muskeln und Eingeweiden der gegen Tetanus immunen Thiere
befindet, endlich ob diese Substanz nach ihrer bolirung in trocknem
und relativ reinem Zustand fähig ist, gleich dem natürlichen Blut-
serum eine antitoxische Wirkung auf den Tetanus auszuüben, und
zwar nicht nur im Glas, was wir schon durch frühere Untersuchun-
gen ' ) festgestellt hatten, sondern auch im Thierkörper selbst.
Um die erste Frage zu beantworten, versuchten wir, in dem
Blutserum des immunen Hundes die Globuline von den Sero-Albu-
minen zu trennen, um getrennt mit jedem von beiden zu experi-
mentiren. Unter den verschiedenen Verfahrungsweisen , welche die
Chemie uns zu dieser Trennung darbot, Hessen wir diejenige zur
Seite liegen, bei welcher die Fällung der Globuline dadurch be-
wirkt wird, dass man einen Strom von Kohlensäure eine gewisse Zeit
lang durch das mit Wasser verdünnte Blutserum streichen lässt,
weil dieses Verfahren unsicher ist, indem sich möglicherweise ein
Theil der Globuline in einem Ueberschuss des Fällungsmittels wieder
auflöst.
Von den übrigen Prozessen zur Niederschlagung der Globuline
entsprach unsern Wünschen weder die Neutralisation des Blutserums
mit Essigsäure und darauf folgende Verdünnung mit Wasser, noch
die Dialyse, und zwar wegen der Schwierigkeit, durch die darauf
folgende Filtrirung den sehr feinen, leichten Niederschlag, der bei
dieser Behandlung sich bildet, vollkommen abzuscheiden.
In unserm Falle aber war eine vollkommene Trennung der Sero-
Albumine von den Globulinen unbedingt nothwendig wegen der schon
von uns festgestellten Thatsache*), dass das Tetanus -Antitoxin
schon in sehr geringer Menge genügt, um das Tetanusgift zu zer-
setzen.
Um den durch die beiden genannten Verfahrungsweisen erhaltenen
Niederschlag vollkommen abzutrennen, nahmen wir zuletzt unsere
Zuflucht zur Filtrirung durch kleine Chamberl and' sehe Filter.
Auf diese Weise war es uns in der That gelungen, ein vollkommen
klares Filtrat zu erhalten, welches auf das Tetanusgift keine Wirkung
ausübte. Da es uns ausserdem bekannt war, dass diese Filter im
Anfang der Filtration nicht nur feste Substanzen zurückhalten, sondern
auch einige in der Flüssigkeit aufgelöste, und da wir ausserdem bei
den verschiedenen anzustellenden Versuchen nur über kleine Mengen
von Serum für jeden einzelnen verfügen konnten, so haben wir
untersucht, ob eine kleine Menge Blutserum des immunen Hundes,
durch das Chamberl and' sehe Filter filtrirt, ihre Wirkung auf das
Tetanusgift beibehalte, oder nicht, um festzustellen, ob die von uns
mit den durch Porzellan filtrirten Flüssigkeiten angestellten Versuche
beachtbar seien. Da wir nun gefunden haben, dass die kleinen
1) Tiizoni e Cattani, Sul modo di conferir* ad aleuni animali 1' immonita
contro il tetano. Nota letta all' Accademia delle Scieoaa di Bologna oella seduta del
11 Oennaio 1891. (Riforma med. No. 10. Goonaio 1891. Centralblatt für Bakteriol.
u. i. w. Bd IX. 1891.)
2) Tissoni e Cattani, 1. c.
Fernere Untersuchungen über da» Tetanus-Antitoxin. 35
Mengen von Serum beim Durchgang durch das Porzellanfilter von
ihrer antitoxischen Kraft verlieren, so haben wir keine Rücksicht auf
die Resultate nehmen können, welche wir durch Filtrirung von Serum
erhalten hatten, in welchem die Globuline nach den beiden angegebenen
Methoden niedergeschlagen worden waren.
Ausserdem hat uns einer der verschiedenen von uns versuchten
Prozesse reine, positive Resultate gegeben und uns erlaubt, daraus
Folgerungen in Beziehung auf die erste uns vorgelegte Frage zu
ziehen: dies war die Methode von Hammarsten, die Fällung
der Globuline durch Magnesiumsulfat.
Dm diesen Prozess auszuführen, nahmen wir 1 ccm Blutserum
des immunen Hundes und fügten dazu Krystalle von Magnesium-
sulfat, bis ein Theil derselben bei 30 °C in der Wärmekammer
auf dem Boden des Gefösses ungelöst zurückblieb. Als die zur
Trennung des Niederschlags nöthige Zeit vorüber war, filtrirten wir
bei derselben Temperatur, wuschen lange Zeit mit gesättigter Auf-
lösung von Ifagnesiumsulfat aus, und endlich brachten wir sowohl
das Filtrat, wie den Niederschlag (diesen in ein wenig destillir-
ten, sterilisirten Wassers suspendirt), um die Salze abzuscheiden,
bei 35* G in zwei kleine Dialysatoren gegen vieles Wasser, wobei
wir uns immer steriler Gefässe und Flüssigkeiten bedienten. Zu-
letzt wurde sowohl das Filtrat, als auch den Niederschlag, worin
die Globuline nach der Dialyse durch Hinzufügung eines Tropfens
einer Lösung von kohlensaurem Natron gelöst worden waren, zwei
Stunden lang in Berührung mit V* ccm filtrirter Tetanuskultur gelassen
und dann unter die Schenkelhaut zweier, ungefähr gleich schwerer
Kaninchen injizirt. Von diesen Thieren starb das mit dem Filtrat
injizirte nach 30 Stunden unter allen Symptomen des akutesten
Tetanus, als wäre ihm einfach filtrirte Kultur eingespritzt worden;
dasjenige dagegen, welches die Injektion des Niederschlages erhielt,
zeigte kein einziges Symptom von Tetanus, nicht einmal Abmage-
rung.
Diese Thatsache Hess uns folgern, dass das Tetanus- Antitoxin
nicht ein Serin ist, sondern ein Globulin, oder eine andere Substanz,
welche aber vom Globulin-Niederschlage mitgerissen wird.
Um nun den Widerspruch zu erklären, welcher zwischen dieser
Thatsache und der andren, früher von uns festgestellten1) besteht,
dass das Blutserum des immunen Hundes seine antitoxische Eigen-
schaft auch dann noch behält, wenn es gegen grosse Wassermassen
und lange Zeit hindurch dialysirt worden ist, bis es vollkommen
neutral reagirte, braucht man sich nur zu erinnern, dass bei unseren
Untersuchungen die durch Dialyse niedergeschlagenen Globuline sich
in filtrirter Tetanuskultur wieder auflösten, mit welcher man das
Serum zusammenbrachte, um seine antitoxische Wirkung zu prüfen,
und welche alkalisch reagirte.
Dies erklärt auch den Unterschied zwischen unseren Resultaten
l)TizzonieC*ttani, Stüle proprieta dell' antitoasina del tetano. (R. Aecad.
dei Line«i, seduta del 19 Aprüe 1891.)
3»
36 Tinoni and Cattani,
und denen Buchner's1) und Hankin's*), welche gefanden haben,
dass das durch die Dialyse aller seiner Salze beraubte Blut seine
keimtödtende Kraft verliert, was der letztere dieser Beobachter eben
der Fällung der Globuline zuschreibt
Die von uns in Betreff des Tetanus -Antitoxins erhaltenen
Resultate, worüber oben berichtet worden ist, haben keine Beziehung
zu anderen, da sich bis jetzt Niemand damit beschäftigt hat, aus
dem Blut natürlich oder künstlich immuner Thiere in trockenem
Zustande die gegen ein bestimmtes Bakteriengift wirksame Substanz
rein darzustellen.
Nur Hankin3) hat in trockenem Zustande aus der Milz und
dem Blute von Mus decumanus eine Substanz erhalten, welche
den Milzbrandbacillus eine keimtödtende Wirkung ausübt; aber da
die Infektion, in welcher diese Thatsache erforscht wurde, von dem
Tetanus ganz verschieden ist, und da wir mehr die antitoxische
als die keimtödtende Eigenschaft dieser Substanz in Betracht gezogen
haben, so können wir zwischen unserer Substanz und der von H a n k i n
isolirten nur eine sehr entfernte Vergleichung anstellen.
Doch finden sich zwischen den beiden Substanzen Aehnlichkeiten
und Unterschiede. Die Aehnlichkeit besteht nur darin, dass beide
Stoffe sich wie Globuline verhalten, und in beiden Fällen wie Globu-
line, welche durch das Niederschlagen mit Alkohol nicht auf die
Dauer unlöslich gemacht werden.
Unter den mehrfachen Unterschieden besteht vor Allem der,
dass das Tetanus - Antitoxin sich nicht, wie die keimtödtende
Substanz des Milzbrands, durch seine alkalische Reaktion von den
anderen Globulinen unterscheidet. In der That haben wir beobach-
tet, dass, wenn man dem Blutserum des immunen Hundes durch
Dialyse alle seine Salze entzieht, bis es vollkommen neutral reagirt,
und dadurch seine Globuline gefällt werden, diese Reaktion sich nicht
ändert, also nicht nach und nach alkalisch wird, wie es bei den
Untersuchungen Hankin 's mit der keimtödtenden Substanz des
Milzbrands geschah, wenn die Globuline durch HinzufQgung einer Neu-
tralsalzlösung sich wieder auflösen. Zweitens hat die von Hank in
i&olirte keimtödtende Substanz nicht ganz dieselbe Wirksamkeit, wie
das Serum der Ratte, dem sie entnommen wurde, weswegen Versuche,
die an Thieren gegen die Milzbrandaffektion mit der enteren unter-
nommen wurden, viel weniger befriedigend ausfielen, als die mit der
zweiten angestellten, abweichend von dem, was mit dem Tetanus-
Antitoxin geschieht, wie wir weiter unten zeigen werden.
Als letzten Unterschied finden wir endlich, dass bei der Berei-
tung des Tetanus-Antitoxins diejenigen Methoden nicht anwendbar
sind, deren sich Hankin4) vorzugsweise bedient hat, um die keim-
1) Büchner, Ueber die nähere Natur der bakterientödtenden Substanz im Blut-
serum. (Centralbl. f. Bakteriologie u. a. w. Bd. VI. No. 21. Not. 1889.)
2) Hankin, Ueber den schattenden Eiweisskörper der Ratte. (Centralbl. für
Bakteriologie u. s. w. Bd. IX. No. 10. 13. Man 1891.)
8) Hank in 1. c.
4) Hankin L c
Fernere Untersuchungen ober das Tetanus-Antitoxin. 37
tödtende Substanz des Milzbrandes zu isoliren und zu reinigen. In
der That haben wir gefunden, dass die Wirkung des Tetanus-Anti-
toxins ganz, oder fast ganz zerstört wird, wenn sein alkoholischer
Niederschlag durch eine Lösung von Natronsulfat (ein Theil ge-
sättigter Lösung auf 9 Theile Wasser) extrahirt und das Extrakt
nach 24 Stunden von neuem mit Alkohol gefällt wird. So wie
wir gefunden haben, dass die blosse Wirkung der schwefelsauem
Natronlösuug in der angegebenen Stärke und Dauer, sowie auch
eine blosse zweite Niederschlagung durch Alkohol die Kraft des Te-
tanus-Antitoxins durchaus nicht verändert, so gewiss ist es auch,
dass dieses Resultat von der Verbindung der beiden chemischen Ein-
wirkungen abhängt Wir wissen nicht, wie diese Thatsache zu er-
klären sei, welche schon für sich die leichte Veränderlichkeit des
Tetanus- Antitoxins anzeigt; vielleicht könnte es davon abhängen, dass
das Antitoxin nach längerem Aufenthalt in der schwefelsauren Natron-
lösung sich nicht mehr durch Alkohol niederschlagen liesse, aber wir
haben keine hinreichenden Beweise dafür, um es mit Sicherheit be-
haupten zu können.
Aus dem Gesagten folgt also, dass das Tetanus -Antitoxin
und die keimtödtende Substanz des Bacillus anthracis sich
beide wie Globuline verhalten, aber das Eine ist von dem Andern
durchaus verschieden und weicht von ihm in mehreren wesentlichen
Eigenschaften ab.
In Bezug auf die zweite Frage, die wir uns vorgelegt hatten,
haben wir Untersuchungen ausser am Blute auch an Muskeln, Milz
und Leber angestellt.
Was das Blut betrifft, so hat sich herausgestellt, dass dieses
direkt aus der Carotis unter Alkohol aufgesammelt, gegen das Tetanus-
gift sehr wirksam ist, ebenso sehr, als das vom Blute getrennte
Serum desselben Thieres, wenn nicht mehr. Dagegen ist das Koagulum,
welches nach vollkommener Abtrennung des Serums zurückblieb,
nachdem man es im luftleeren Räume über Schwefelsäure getrocknet
hatte, ganz wirkungslos.
Um an den Organen und Geweben Versuche anzustellen, haben
wir von dem gegen Tetanus immun gemachten, durch Verblutung
getödteten Hunde, die grossen Muskelmassen, die Leber und die
Milz entnommen, sie in kleine Stückchen zertheilt und bei niedriger
Temperatur zwölf Stunden lang mit Wasser ausgezogen, zuletzt
einen Theil davon durch das Chamberl and 'sehe Filtrum filtrirt.
Beim Experimentiren mit diesen drei filtrirten wässerigen Extrakten
ist es uns nie gelungen, die Wirkung des Tetanusgiftes ganz ver-
nichtet zu sehen. Dasselbe war der Fall bei Anwendung des trockenen,
alkoholischen Niederschlags dieser Extrakte, mochten sie filtrirt sein
oder nicht; ebensowenig wenn der Niederschlag in Wasser, als wenn
er, um die Globuline besser zu lösen, in O,75prozentiger Chlornatrium-
lösung aufgenommen wurde. Dasjenige von diesen Extrakten, welches
die geringsten antitoxischen Eigenschaften besass, war das der Leber,
dann folgte das der Muskeln und zuletzt das der Milz. Bei Ver-
suchen mit dem aus der Leber und den Muskeln erhaltenen Materiale
traten Tetanusf&lle ein, welche in 30—48 Stunden mit dem Tode
38 Tissoni and Cattani,
endigten, wie wenn bloss filtrirte Tetanuskultur injizirt worden wäre;
einen kleinen Vortheil zu Gunsten der Muskeln erhielten wir mit
dem einfachen filtrirten wässerigen Extrakte« denn das Thier, welchem
dieses Extrakt zugleich mit filtrirter Tetanuskultur, mit der es Tier
Stunden lang in Berührung gewesen war, injizirt wurde, zeigte nur
örtliche tetanische Erscheinungen und vorübergehende Abmagerung.
Man kann die Ansicht ausschliefen, als hinge dieses Resultat von
einer Veränderung der Giftigkeit der Tetanuskultur ab, welche durch
die saure Reaktion des wässerigen Muskelextraktes hervorgerufen
wurde, denn dieses Extrakt wurde alkalisch gemacht, bevor man
seine antitoxische Wirkung untersuchte. Mit der Milz erhielten wir
bei den meisten Versuchen nur örtliche tetanische Erscheinungen und
Abmagerung des Thieres. Es war nun natürlich, dass wir die schwach
antitoxische Wirkung einiger unserer Extrakte, welche, wie gesagt,
die Giftigkeit der filtrirten Tetanuskulturen in verschiedenem Maasse
zu vermindern, aber niemals ganz zu zerstören vermochte, der ge-
ringen, in den Gefftssen des durch Verblutung getödteten Thieres
gebliebenen Blutmenge zuschrieben. Dies erklärt ohne Zweifel die
stärkere antitoxische Wirkung, die wir in der Milz fanden, gegenüber
der Leber und den Muskeln, da das erstere dieser Organe unvergleich-
lich blutreicher ist, als das andere untersuchte Organ und die Muskeln.
Dasselbe negative Resultat bezüglich der Gegenwart des Anti-
toxins erhielten wir bei der Taube mit dem wässerigen Extrakte der
Muskeln und Organe (Leber, Herz, Milz).
Aus den zur Lösung unserer zweiten Frage angestellten Ver-
suchen konnte man den Schluss ziehen, dass das Tetanus-Antitoxin
weder in den Geweben (Muskeln) noch in den Organen (Leber, Milz)
vorhanden ist, und dass es sich im Blute vorzüglich im Serum vor-
findet.
Diese unsere Folgerung unterscheidet sich also wesentlich von den
von Andern für andere Infektionen gezogenen. So hat Foä1) kürzlich
aus Muskeln und Eingeweiden von Kaninchen, welche mit dem Pneu-
monococcus von Fraenkel infizirt waren, eine Substanz erhalten,
welche fähig ist, andere Kaninchen gegen diese Infektion immun zu
machen, und V a 8 s a 1 e und Montanari*) haben denselben Zweck mit
dem Glyzerinextrakt aus hepatisirter Menschenlunge erreicht. End-
lich hat Hankin8) aus der Milz der Ratte eine Substanz von dem-
selben Charakter isolirt, wie diejenige, welche, aus dem Blutserum
desselben Thieres bereitet, ebenfalls keimtödtende Kraft besitzt und
gegen Milzbrand immun macht
Um die letzte der uns gestellten Fragen zu beantworten, haben
wir zahlreiche Experimente an Kaninchen und Mäusen mit dem
trockenen alkoholischen Niederschlage aus dem Blutserum des gegen
Tetanus immunen Hundes angestellt.
1) Pok, SnlU immunita veno il diplococco pn«umonico. (L' Obaervatore , Gas.
med. di Törin o, 25 dicembre 1890.)
2) V a s » a I « , F. , e Montanari, F. , Sali' immunita contra il diplococco
pneumonico, conferita coli' estratto glicerinioo di polmone epatiazato. (Gas. degli OspiUli.
3) Hankin 1. c.
fernere UnterBnchungeo Über das Tetanus-Antitoxin. 39
Wir erinnern vor Allem daran, dass die Toxizität der von uns
bei diesen Untersuchungen gebrauchten Tetanuskulturen so bedeutend
war, dass Kaninchen von mittlerer Grösse, ungefähr 1300—1500 g
schwer, nach Unterhautinjektion von 1/10 Tropfen dieser Kultur schon
nach 20 Stunden örtliche tetanische Symptome zeigten; nach 30
Stunden erschien das vollständige Bild des experimentellen Tetanus,
uüter welchem sie 70 Stunden nach der Injektion starben.
Dieselbe Menge von Kultur, wenn sie einem grossen, weissen Mus
decumanus unter die Haut gespritzt wurde, tödtete denselben
Dach 18—20 Stunden unter sehr heftigen tetanischen Erscheinungen,
und 500 Tropfen derselben Kultur, einer weissen Maus subkutan in-
jizirt, genügte, um bei diesem Thiere nach 19 Stunden die ersten
Symptome, nach 48 Stunden das vollständige Bild des Tetanus und
nach 55 Stunden den Tod hervorzubringen.
Nach Feststellung dieser Thatsachen untersuchten wir, ob es
durch vorhergehende, gleichzeitige oder nachfolgende Injektion starker
Dosen von Tetanus- Antitoxin, mit Alkohol gefällt, in wenig Wasser
gelöst, möglich wäre, die bei Kaninchen durch einen einzigen Tropfen
filtrirter Tetanuskultur hervorgebrachten Symptome zu verhüten, zu
verzögern oder nur weniger heftig zu machen. Aber soviel wir
auch die Zeitzwischenräume zwischen der Injektion des Tetanusgiftes
und der des Antitoxins wechseln Hessen, so verschiedene Wege wir
auch zur Einführung des letzteren in den Organismus wählten, so
gelang es uns doch bei dem Kaninchen niemals, weder die Entwicke-
lung der tetanischen Erscheinungen zu verhüten, noch sie zu heilen
oder nur ihre Heftigkeit zu vermindern, wenn sie sich einmal ent-
wickelt hatten. Bei diesen Experimenten wurde das Antitoxin unter
die Haut an derselben Stelle injizirt, wo die Einspritzung des Teta-
nusgiftes gemacht worden war oder gemacht werden sollte, in ein
Blutgefäss, unter die Dura mater und sogar in den Nervenstrang
des inokulirten Gliedes ; in einigen Fällen wurde die Injektion mehr-
mals wiederholt, aber immer ohne Wirkung.
Dagegen ist es uns bei Mus decumanus albinus gelungen,
durch das Tetanus-Antitoxin in getrocknetem Zustande Immunität ge-
gen Tetanus hervorzubringen, wie durch das Blutserum des immunen
Hundes. 2 bis 3 cg, und vielleicht noch weniger, von in Wasser ge-
löstem und in die Bauchhöhle injizirtem Antitoxin genügen, um eine
Ratte gegen Tetanus immun zu machen. Diese Immunität jedoch
hat, wie auch die direkt durch Blutserum hervorgebrachte, gewisse
Grenzen, sowohl in Bezug auf die Menge des Tetanusgiftes, welche
das Thier ertragen kann, als auch in Bezug auf ihre Dauer.
Was den ersten Punkt betrifft, so haben wir gefunden, dass man
einer immunen Ratte, ohne dass das Thier im Geringsten darunter
leidet, bis zu 0,2 ccm, soviel als 6 Tropfen, der filtrirten Kultur in-
jiziren kann: eine, absolut betrachtet, ziemlich geringe Menge, die
aber sehr gross erscheint, wenn man sie mit derjenigen vergleicht,
welche bei nicht immunisirten Thieren in kurzer Zeit Tetanus und
Tod hervorbringt
In Beziehung auf den zweiten Punkt haben wir gefunden, dass
bei einem Mus decumanus albinus 6 Tage nach Beibringung des
40 «Jansoö,
Tetanusantitoxins und 5 Tage nachdem das Thier sich gegen eine
Injektion von Tetanusgift immun gezeigt hatte, eine zweite Injektioo
desselben Giftes in derselben Dosis schon leichte örtliche Symptome
hervorrief, welche keine Neigung hatten, allgemein zu werden, die
aber genügten, um uns zu beweisen, dass die der Ratte durch
Antitoxin übertragene Immunität gegen das Tetanusgift schon nach
so kurzer Zeit anfängt, schwächer zu werden. Wir hielten es daher
für unnöthig, die Injektion von Tetanusgift mehrmals zu wiederholen,
um zu sehen, wann diese Immunität vollständig erschöpft wäre, denn
einige kürzlich an Kaninchen beobachtete Thatsachen haben uns die
Möglichkeit bewiesen, dass auch bei Thieren, welche gegen Tetanus
sehr empfindlich sind, das Ueberwinden einer oder mehrerer leichter
Tetanusvergiftungen im Stande ist, wenigstens innerhalb gewisser
Grenzen, Immunität gegen diese Infektion hervorzubringen.
Endlich, nachdem die Möglichkeit bewiesen war, dem Mus de-
cumanus durch Injektion des Antitoxins in getrocknetem Zustand
Immunität gegen Tetanus zu verschaffen, wollten wir versuchen, ob
man durch diese Substanz bei diesem Thiere auch den schon ent-
wickelten Tetanus heilen könne, was wir schon früher1) durch Injek-
tion von Blutserum des immunen Hundes vergeblich zu erreichen
versucht hatten.
Aber in dieser Beziehung haben wir sowohl bei Mus de cu-
manus als bei Mus musculus albinus dieselben negativen
Resultate erhalten wie beim Kaninchen.
Auch durch Injektion starker Dosen von Antitoxin, welche beim
ersten Anfang der tetanischen Symptome und in einigen Fällen mehr-
fach wiederholt wurden, ist es uns niemals gelungen, irgendwie den
Verlauf des Tetanus zu beeinflussen, auch wenn wir versuchten,
durch Injektion sehr kleiner Mengen des Giftes einen möglichst
langsamen Verlauf der tetanischen Vergiftung hervorzubringen.
Bologna, Mitte Mai 1891.
Versuche zur Erlangung künstlicher Immunitat bei
Variola vaccina.
Vortrag, gehalten in der Gesellschaft der schwedischen Aerzte
den 12. Mai 1891
von
Dr. Carl Janson
in
Stockholm.
Im Mai 1888 hielt ich in der Gesellschaft der schwedischen
Aerzte einen Vortrag über Schutzimpfung und Immunität*), in dem
ich hervorhob, dass die Immunität für eine Infektionskrankheit wahr-
1) Tizsoni « Cattanf, Sul modo di oonferire ad alcuni animali rimmuniU
contra il totano, 1. c.
2) Hygiea. Oktober 1888.
Versuche »ur Erlangung künstlicher Immunität bei Variola Vaccine. 4l
scheinlich durch die von den Mikroben gebildeten Stoffwechselpro-
dukte hervorgerufen würde '). Ich glaubte auch, dass es dieselben
Stoffe wären, welche es machten, dass die Krankheit zur Gesundheit
führte und dass man eine Infektionskrankheit dadurch heilen könnte,
dass man diese Stoffe in angemessenen Dosen in den Organismus ein-
verleibte. Für meine Ansicht über die Immunität hatte ich eine Stütze
in der Autorität verschiedener Personen — ich nenne nur Chau-
veau, welcher, soviel ich weiss, als erster von alleu, bereits 1880
diese Ansicht aussprach, und überdies sprachen ein paar Experimente
dafür. Beumer hatte durch dasselbe Bakterienprodukt bei Ratten
Immunität für Typhotoxin erlangt, d. h. Immunität für eine Intoxi-
kation, nicht für eine Infektion; das aber sind doch Dinge, welche
einander sehr nahe stehen, und vor allem hatten Salmon und
Smith Tauben gegen Schweinepest (Hog-cholera) durch sterilisirte
Bakterienkulturen immunisirt. Diese letzteren Experimente sind dann
von Seiander in Annales de Mnstitut Pasteur 1890 mit Recht
scharf kritisirt worden; damals aber hielt man sie für gut. Se-
iander hat unter anderem gezeigt, dass man die von Natur refrak-
tären Tauben nicht auf diese Weise immun machen kann. Die ameri-
kanischen Verfasser sind von der natürlichen Immunität der Thiere
und dem niedrigen Virulenzgrade ihrer Kulturen getäuscht worden.
Mit Kaninchen dagegen gelingt der Versuch. Später haben Roux
und Chamberland, Charrin u.a. diese Sache bewiesen; damals
aber hatte ich mich nur auf Vorstehendes zu stützen. Für die Heilung
einer Infektionskrankheit durch Bakterienprodukte sprachen dagegen
nur einige theoretische Raisonnements ; ich jedoch war lebhaft davon
überzeugt, dass dem so war. — Um diese Sachen zu beweisen, stellte
ich verschiedene Versuche an, die ich im Juni 1888 begann, und ich
wählte Variola vaccina als die zum Experimentiren geeignete Krank-
heit Man kannte deren Mikrobe allerdings nicht, doch zweifelte wohl
Niemand daran, dass die Krankheit durch eine solche hervorgerufen
wurde; man konnte sie zu jeder Zeit auf Menschen und gewissen
Thieren reproduziren ; sie war ungefährlich, und eine natürliche
Immunität für dieselbe kam selten vor. Vielleicht hätte ich zuerst
an Thieren Versuche anstellen sollen, die geeignetsten jedoch, näm-
lich Kälber, waren indessen ihrer Kosten wegen schwer zu beschaffen
und zu unterhalten, weshalb ich — mit gütiger Erlaubniss des Ober-
arztes, Professor Medin — meine Experimente an Kindern im allge-
meinen Kinderhause (Findelbause) zu Stockholm begann und darnach
vielleicht mit Thieren Experimente zu machen gedachte. Ich beab-
sichtigte meine Experimente so anzustellen, dass ich soviel wie mög-
lich Vaccine sammeln, dieselbe sterilisiren und sie subkutan nicht
geimpften Kindern einspritzen wollte, wonach deren Immunität durch
Impfung geprüft werden sollte. Ich wollte auch Experimente mit
anderen Flüssigkeiten von Geimpften anstellen, und zwar mit Blut
und Milch. Ferner wollte ich zu verschiedenen Zeitpunkten nach der
Inokulation sehen, ob ich durch Einspritzung dieser Flüssigkeiten
dem Vaccinationsprozesse Einhalt thun könnte. Ich gestatte mir,
1) In Uebereinstimmuog mit der sog. Gegengifttheorie.
42 «Uftsotk,
hier anzudeuten, dass dies die ersten chemischen Immunisirangsver-
suche an Menschen sind und so viel ich weiss die ersten Experimente,
welche geplant und ausgeführt worden sind, um eine Infektionskrank-
heit durch Bakterienprodukte zu heilen.
Mitte Juni 1888 begann ich meine Experimente mit Kindern,
wobei ich Vaccine vom 8. — 10. Impfungstage sammelte, dieselbe
mit physiologischer Kochsalzlösung verdünnte, durch diskonti-
nuirliche Sterilisation einige Tage lang sterilisirte und Kontroll-
kinder damit impfte, um zu sehen, ob sie steril war, wonach ich
sie ungeimpften Kindern subkutan einspritzte, welche ich dann in
1 — 7 Tagen vaccinirte. Ich hatte Schwierigkeit, Vaccine in grosse-
rer Menge zu sammeln, doch gelang es mir einmal, 1 ccm zu erhal-
ten. In keinem dieser Fälle habe ich Immunit&t erlangen können,
mehrmals aber veränderte sich der Verlauf so, dass am Einstiche
zu Anfang des dritten Tages Papeln auftraten, anstatt zu Anfang
des vierten, und dass die Vesikeln früher als gewöhnlich eintrock-
neten. In einem Falle, wo ich den 20., 21., 22. und 23. September
*L ccm Vaccine eingespritzt und den 25. vaccinirt hatte, zeigten
sich Tags darauf Papeln und den 28. Vesikeln, welche den 2. Oktober
mit Kruste versehen waren und also einen beschleunigten Verlauf
zeigten, wie man ihn bei der Revaccination oft beobachtet Einen solchen
Verlauf hatte ich noch einige andere Male zu sehen Gelegenheit
Als ich einige Kinder auf diese Weise behandelt hatte, hielt ich dafür,
dass man untersuchen sollte, welchen Tag Immunität bei der Impfung
einträte, um zu wissen, von welchem Tage die Lymphe anzuwenden sei.
Als ich in den gewöhnlichen Handbüchern nachsah, war diese Sache
mit keinem Worte darin erwähnt, weshalb ich versuchte, selbst diese
Sache zu ergründen. Am 22. Juli impfte ich ein Kind, welches auf
jedem Arme eine Je nn er' sehe Blase hatte und am 14. Juli geimpft
war. Am folgenden Tage hatte ich Papeln, diese gingen indessen
herab, und es kamen keine Vesikeln. Am 9. Tage war also nahezu
Immunität eingetreten. Am 8. Tage bekam ich auch Papeln, des-
gleichen am 7.; in einem Fall mit nur einer Vesikel schlugen auch
3 Impfstiche, geimpft am 7. Tage, an. Am 6. Tage schlug die Vaccine
in allen Fällen an. Um zu sehen, wie sich die Vesikeln entwickelten,
vaccinirte ich nun dieselben Kinder Tag für Tag, bis ich Reaktion
erhielt; zusammen genommen vaccinirte ich 14 Kinder auf diese
Weise. Die Impfstiche am l., 2. und 3. Tage entwickeln sich wie
gewöhnlich, die aber am 4. ö. und 6. Tage zeigen schon am Tage
nach der Impfung Papeln und Tags darauf Vesikeln; es sieht so aus,
als hätten sie Eile, ihre Vorgänger zu erreichen. Sie trocknen alle
gleichzeitig, sind da aber von verschiedener Grösse, die zuletzt ge-
impften kleiner als die ersten, und zwar z. B. 3—4 mm gegen 1 cm
im Durchmesser. Vom 7. — 10. Vaccinationstage erhält man bei der
Impfung bloss Papeln, welche immer kleiner werden; am 11. und
12. Tage aber entstehen nicht einmal Papeln. Hieraus sieht man,
dass die Immunität allmählich und nicht plötzlich auftritt, dass sie
sozusagen mit der Vesikelbildung beginnt und am 11. und 12. Tage
komplett ist, dass der 6. Tag der bedeutungsvollste ist und fast voll-
ständige Immunität mit sich bringt. Ich habe über diese Verhält-
Versuche nr Erlangung künstlicher Immunität bei Variola vacclni. 43
nisse etwas ausführlicher berichtet, obgleich in dieser Hinsicht schon
Untersuchungen — welche ich gleich nennen werde — gemacht
worden sind ; ich habe mich jedoch darüber geäussert, weil die ge-
wöhnlichen Handbücher nichts davon erwähnen und man diese Sache
im Allgemeinen vergessen zu haben scheint, obgleich sie nicht allein
in theoretischer Beziehung von ausserordentlich grosser Bedeutung
ist, sondern auch zur Lösung der Frage, wann der Vaccinirte vor
Variola geschützt ist Bereits Sacco machte zu Anfang dieses
Jahrhunderts diesbezügliche Untersuchungen, indem er Vaccinirten
Variola einimpfte.
Bei der Impfung während der ersten 5 Tage bekam er fast
immer gutarige Variola, am 6. und 7. Tage trat nur Lokalerup-
tion ein, welche bei der Impfung am 8.— IL Tage immer unbe-
deutender wurde, und am 11. — 13. Tage ward das Impfungsresultat
negativ. Dies stimmt ja mit unsern Untersuchungen ganz ge-
nau überein. Ztfhrer in den 30er Jahren, Kuhn in den 40er und
Vetter in den 60er Jahren haben ungefähr dasselbe Resultat er-
halten l), haben aber über den 6. Tag hinaus nie Vesikeln bekommen;
in einem Falle erhielt ich solche am 7. Tage. Dagegen will ich
gegen eine Aeusserung von Paulsen in Medicinisk Aarskrift (med.
Jahresschrift) 1891 Einspruch thun, dass nämlich am 8. Tage nach
gelungener Vaccinirung die wiederholte Vaccinirung anschlägt; dann
aber schlägt sie niemals an. Während ich hier von meinem eigent-
lichen Gegenstande abweiche, will ich erwähnen, dass ich nie Pusteln
an der Vaccine gesehen habe. In den meisten Beschreibungen über
Vaccine, die ich gesehen habe, steht ungefähr so, dass am 8., nach
andern am 10. Tage sich der Inhalt der Vesikeln „trübt" und eiterig
wird. Dies geschieht bestimmt nur ausnahmsweise, z. B. wenn man
eine Eiterinfektion mit bekommen hat Der Inhalt der Vesikeln ist
z. B. am 10. Tage rein serös; die Vesikeln haben allerdings das
Aussehen von Pusteln, sind es aber nicht
Bezüglich der Zeit für das Eintreten der Immunität wandte ich zu
meinen Versuchen Lymphe vom 6. und auch von den folgenden Tagen
an, ohne zu einem anderen Resultate als dem im Vorstehenden bereits
geschilderten zu kommen. Da ich dafür hielt, dass die immunisirenden
Stoffe in allen Flüssigkeiten des Körpers enthalten sind, wandte ich
sterilisirtes Blutserum von einem vaccinirten Kalbe an, welches am
6. Tage geschlachtet worden war, doch in keiner grösseren Dosis als
5 g und ohne Resultat Ich vaccinirte mehrere Ammen, und wenn
ich nach 1 — 2 Wochen deren Brustkinder vaccinirte, schlug die Vac-
cine stets an und entwickelte sich normal Ich machte jedoch niemals
eine subkutane Injektion von Milch.
Ferner spritzte ich auch vaccinirten Kindern sterile Lymphe zu
verschiedenen Zeitpunkten nach der Inokulation ein, erreichte aber
nichts anderes, als einen, wie es schien, beschleunigten Verlauf der
Vaccine. Nachdem ich mit diesen auf verschiedene Weise variirten
Versuchen ungefähr 1 Jahr lang angehalten hatte, hörte ich mit
dem Vorsatze auf, dieselben bei Gelegenheit von neuem wieder auf-
zunehmen.
1) H. B o h n , Handbuch der Vaccinatiön,
44 Jansoii, Versuch« sur ferlaagiing kunttl. Immunität bei Variola vaoeU*.
Aus verschiedenen Gründen dauerte dies bis zum November
vorigen Jahres, bis ich meine Experimente wieder aufnahm, dieses
Mal an Kälbern. Durch das freundliche Entgegenkommen des ersteo
Stadtarztes Dr. Linroth durfte ich meine Kälber im Stall der
unter der Gesundheitsbehörde stehenden Vaccinationsanstalt halten,
und ausserdem stand mir der Vorsteher derselben, Dr. Kjerrulf,
in der zuvorkommendsten Weise mit Rath und That bei.
Ich benutzte drei bis vier Monate alte Kälber, spritzte ihnen
unter die Bauchhaut anfangs durch Erwärmung sterilisirte Kalb-
Vaccine ein, worauf ich sie nach 1—3 Tagen vaccinirte. Stets über-
zeugte ich mich durch Kontrollimpfung auf Kinder davon , dass die
erwärmte Vaccine impfsteril war, wie ich auch die virulente durch
Kontrollimpfung prüfte. Die eingespritzte Menge betrug 4, 5 und
8 g. Das erste Kalb musste zu Anfang des Versuches wegen ein-
getretener Diarrhöe geschlachtet werden, bei den beiden anderen
entwickelte sich die Vaccine normal.
Ich ging nun zu Immunisirungsversuchen mit Blutserum von
vaccinirten Kälbern über. Um dies zu erhalten, sammelte ich d&s
Blut aus der Vena jugularis beim Schlachten, Hess es 2 Tage auf
Eis stehen, mischte das Serum mit etwas Sodalösung, um der Koa-
gulation bei der 10—15 Minuten langen Erwärmung bis 65— 70°C
zuvorzukommen, welche letztere nun erfolgte. Diese Erwärmung ist
nothwendig, denn es ist bewiesen, dass das Blut, vom 8. Tage an
wenigstens, das Vaccinekontagium enthält, und Reiter vergleicht
das Blut mit Lymphe in 1200 fach er Verdünnung. Es hatte sich bei
Versuchen, welche ich mit Vaccine gemacht hatte, gezeigt, dass eine
solche Erhitzung genügend ist, das Kontagium zu tftdten ').
Ich brauche wohl kaum anzudeuten, dass meine Versuche mit
impfsteriler Vaccine und sterilem Blute ganz anderer Natur sind, ab
die, welche an Pferden und Kälbern mit subkutaner und intravenöser
Injektion von virulenter Vaccine von Chauveau oder mit Trans-
fusion von unsterilisirtem Blute von Reynaud und von L
Pfeiffer in Weimar an Kälbern gemacht worden sind.
AnfangB wandte ich kleine Quantitäten Serum, 12—15 g, sd,
ging aber bald zu grösseren über. Es sah nun aus, als ob ich auf
gutem Wege sei, zum Ziele zu kommen. Kalb XIII bekam 40 g auf
obengenannte Weise sterilisirten Blutserums subkutan, genommen am
6. Vaccinationstage, und Kalb XIV erhielt 50 g von demselben
Serum. Das erstere Kalb wurde unmittelbar darnach vaccinirt, das
letztere nach 6 Tagen. Bei dem ersteren entwickelte sich die Vac-
cine schlecht und ging kaum weiter, als bis zur Papelbildung, und
bei dem anderen trockneten die Vesikeln schnell und erreichten nur
die Grösse eines Hanfkornes oder einer Erbse. Voller Hoffnung in-
jizirte ich nun 90, 100, 60 und 70 g Blutserum, genommen vom 5.
und 9. Vaccinationstage, und die Kälber wurden theils gleich, theils
Tags darauf oder am 4. und 9. Tage darnach vaccinirt; in diesen
Fällen aber entwickelte sich die Vaccine normal. Ich brach nun
1) Braidwood und Vicher geben an, dass das KonUuriam bei «fii° C uud
darüber in einigen Minuten getödtet wird. *v°n»giam bei 6ö,S u
WysaokowieB, Zur Frage von der LokftJfatton des Tollwnthvirus ete. 45
meine Versuche ab, nachdem ich 18 Kälber dazu verwandt hatte,
und zwar hauptsächlich darum, weil ich nicht glaubte, dass ich
ohne allzu viele Experimente an das gesteckte Ziel kommen würde,
und überdies waren die Versuchsthiere recht theuer.
Sollte ich Gelegenheit haben, damit fortzufahren, würde ich viel-
leicht das Blut nicht früher nehmen, als nach dem 12. Vaccinations-
tage und bedeutend grössere Mengen als bisher verwenden.
Zur Frage von der Lokalisation des Tollwuthvirus
im Organismus der Thiere.
[Aus der bakteriologischen Station der medizinischen Gesellschaft
zu Charkow.]
Von
Dr. W. Wyssokowiez.
Seitdem Pasteur's Schutzimpfungen gegen die Hundetollwuth
praktisch angewandt werden, unterscheiden wir zwei Grade starken
angeschwächten Giftes. Das Gift der Strassentollwuth und Virus fixe
oder das Gift der Kaninchentollwutb. Wird einem Kaninchen durch
Trepanation eine Emulsion aus dem Rückenmark eines in Folge natür-
licher Tollwuth gefallenen Hundes oder eines anderen Thiere« (Wolf,
Katze, Esel u. A.) in der Quantit&t von 0,1—0,2 ccm unmittelbar
unter die Dura mater eingeimpft, so erkrankt gewöhnlich das Kanin-
chen am 14.— 15.— 16. Tage und geht 2 oder 3 Tage darauf zu Grunde.
Dies ist die Strassentollwuth. Das Rückenmark eines an Tollwuth
krepirten Kaninchens einem anderen folgerecht übertragend, be-
merkte Pas teur , dass die Inkubationsperiode allmählich abnahm, bis
sie 7 Tage erreichte, auf welchem Punkte sie stehen blieb und sich
selbst nach tausend Unterimpfungen nicht weiter verändert Bei uns
dauert diese Inkubationsperiode wegen einer kleineren Kaninchen-
rasse gewöhnlich 5,5 Tage; aber auch bei uns blieb sie nach drei-
jähriger Praxis, in welcher Zeit über tausend Kaninchen geimpft
wurden, dieselbe. In seltenen Fällen kann man den Anfang der Er-
krankung nach 6—7 Tagen beobachten, als Regel aber erst am 6.
Tage. Dabei gehen aber die nach 5,5 Tagen erkrankten Kaninchen
gewöhnlich nach 3 und 4 Tagen zu Grunde, während die später er-
krankten oft vor dem 3. und 4. Tage sterben, so dass im Allgemeinen
die Zeit vom Anfang der Impfung bis zum Tode der Thiere bei allen
sich mehr oder weniger ausgleicht Dies ist die Laboratoriums-
kamnchentollwuth.
Der so grosse Unterschied in der Virulenz des Laboratoriums —
Virus fixe — tritt auch bei den Impfungen der Hunde hervor. Diese
erkranken gewöhnlich, nachdem ihnen die Laboratoriums-virus fixe
unter die Dura mater eingeimpft ist, spätestens nach 7—8 Tagen und
krepiren dann in 2—3 Tagen.
46 Wyssokowle»,
Erscheint aber in diesen Fällen die Inkubationsperiode so kurz,
so geschieht es nur nach Impfung in's Gehirn. Nach Impflingen in
andere Theile des Körpers, wie auch nach Verwundungen durch tolle
Thiere verlängert sich die Inkubationsperiode bedeutend (bis zu einem
Monat) und kann sogar ein halbes Jahr und noch mehr erreichen.
Da das Bild der Erkrankung hauptsächlich auf eine Verletzung des
Centralnervensystems hinweist, so konnte man auch glauben, dass beim
Einfahren des Giftes in weitabgelegene Theile des Körpers es viel
mehr Zeit brauchen muss, um allmählich sich verfliesseud und
aus einer Lymphdrüse in die andere übergehend, endlich das
Blutsystem zu erreichen und dann erst mit dem Blutstrom in das
Nervensystem hineingebracht zu werden. Doch vor Pasteur hatten
wir nur eine sehr unbestimmte Vorstellung sowohl von der Eigen-
schaft des Giftes, als auch von der Art seiner Verbreitung, und erst
Pasteur klärte einigermaassen diese Frage auf. Indem er die
Giftigkeit verschiedener Gewebe und Organe an Tollwuth gefallener
Thiere experimentell an Thieren prüfte, fand er1), dass sie haupt-
sächlich im Gehirn und Rückenmark konzentrirt, am meisten aber
im verlängerten Marke, dessen Veränderungen die Grundlage der
wichtigsten Symptome dieser Erkrankung bilden, centralisirt ist. Von
den anderen Organen erwiesen sich nur die Speicheldrüsen am meisteo
virulent. Aber zu gleicher Zeit glaubte er, dass das Gift der Toll-
wuth sich auch im Blute (also auch in anderen Organen?) befinde,
wenn auch nicht in so starkem Grade (resp. nicht so konzentrirt),
und dass das Gift sich im Organismus verbreite und bis zum Nerven-
system längs den Blutadern gelange. Ohne in seinen späteren Er-
forschungen die Verbreitung des Giftes längs den Nerven zu ver-
neinen, bewies Pasteur durch seine Experimente die Möglichkeit
des Ansteckens der Kaninchen nach den Injektionen des Giftes gerade
ins Blut
Nicht ganz gleiche Resultate erzielten andere Forscher. Di
Vestea und Zagari') und später Bardach3), de Blasi und
Rus80 Travali4) und Andere bewiesen, dass das Gift nach dem
Bisse nicht mit dem Blute, sondern längs den Nerven das Central-,
nervensystem erreicht; dass die Nerven der gebissenen Extremität
mehr Gift enthalten, als der entsprechenden Ungebissenen. Obgleich
diese Beobachtungen von Roux6) (aus dem Laboratorium von
Pasteur) in allen von ihm geprüften Fällen nicht bekräftigt wurden,
so kann ihre Richtigkeit doch nicht verneint werden. Weiter gab
Galtier6) an, dass Einführung starken Giftes unmittelbar ins Blut
nicht nur grosse Thiere (Schafe und Ziegen) nicht ansteckt, sondern
sie dabei sogar für spätere Ansteckung von starkem Gifte durch Tre- 1
panation unempfänglich macht; auf diese Weise kann man seiner
Meinung nach die von tollen Thieren Gebissenen mit Erfolg kuriren,
1) Le traitement de la rag«. M. Pasteur. (Ext de la Revue Seientif. 1886.)
2) Bakter. Jahresber. v. Baumgarten. 1886 u. 1887. i
8) Annale» de rinatitnt Pasteur. 1888. 8. 18. '
4) Centralbl. f. Bakter. Bd. VI. S. 27.
5) Annal. de linst Pasteur. 1888. 8. 18.
6) Centr. f. Bakter. Bd. V. 1889. S. 825. i
Zar Prag« ron d. Lokalisation d. Tollwathviras im Organismus d. Thiere. 47
Diese Beobachtungen wurden vonRoux und Nocard1) theils auch
ton Protopopow*) bestätigt.
Sehr interessant waren in dieser Hinsicht Hei mann 's*) Be-
obachtungen über die Einführung starken Giftes in das subkutane
Zellengewebe, ohne jedoch dabei die Muskeln zu verletzen — Thiere
bleiben nicht nur unangesteckt, Bondern Hunde, Affen und sogar Ka-
ninchen gewinnen Immunität. Diese Beobachtungen benutzend, fing
Ferra n 4) an, sogar Menschen, die von tollen Thieren gebissen waren,
zn kuriren, ihnen grosse Dosen Virus fixe (bis 40 ccm) in mehreren
Malen unter die Haut einspritzend. Duclaux6), der diese Arbeit
referirte und ebenfalls Baumgarten billigten diese Methode, als
eine sehr gefährliche, nicht, da auch im Laboratorium von Pasteur,
w eben solche Experimente vorgenommen wurden, gefunden war,
dass, wenn viele Hunde nach der unmittelbaren Einimpfung des Virus
fixe in das subkutane Zellgewebe auch am Leben blieben, manche
unter ihnen dennoch an Tollwuth zu Grunde gingen. Hierher
können noch die Experimente von A. Celli hinzugefügt werden, die
gezeigt haben, dass das Einführen des Rückenmarks toller Thiere in
die Höhlung des Bauches der Kaninchen immer bei ihnen nach 10—
20 Tagen Tollwuth hervorruft
Womit kann man aber solche verschiedene Meinungen erklären?
Bevor wir zur Behandlung dieser Frage übergehen, wollen wir zu-
erst nachsehen, was uns die letzten Arbeiten über das Befinden des
Giftes der Tollwuth in anderen Organen lehren.
Bujwid*), der Erste, der in Russland (Warschau) die Im-
pfungen der Tollwuth angefangen hatte, fand, dass ausser Rückenmark,
Nerven und Speicheldrüsen ebenfalls auch das Blut der an Tollwuth
erkrankten Thiere Gift enthält, obgleich weniger, als das Rückenmark.
Widersprechende Resultalte in Bezug der Ansteckungskraft des Blutes
erklärt er dadurch, dass das Blut seine Ansteckungsfähigkeit nur so
lange erhält, als das Thier am Leben ist und dass schon 12 Stunden
nach dem Tode das Oift aus dem Blute verschwindet und es nicht
mehr ansteckend wirkt
Nach Nuttal's7) und Buchner's*) Forschungen, die be-
wiesen haben, dass das Blutserum resp. Blut recht starke Bakterien
vernichtende Eigenschaften besitzt, könnte man, wenn auch etwas
zögernd, annehmen, dass das Oift möglicher Weise auch ins Blut
wie zur Zeit der Ansteckung, so auch während der folgenden Krank-
heit geräth, dass es aber meistenteils deshalb in ihm nicht aufzufin-
den ist, weil es im Blute schnell vernichtet wird; Experimente sprechen
aber nicht für diese Erklärung. Dr. Tscherewkow's For-
schungen zeigen wenigstens, dass das aus den Adern frischgelassene,
1) Annalw de l'Institot Pasteur. 1888. 8. 341.
2) Centralbl. f. Bakt Bd. V. 8. 721.
3) Centralbl. f. Bakter. Bd. V. 1889. 8. 583.
4) Baumgart. Jahresber. 1888. S. 99.
5) Annales de l'Iastitnt Pasteur. 1888. 8. 97.
6) Metoda Pasteur'a. Warssawa 1887.
7) Zeitschrift für Hygiene. Bd. IV.
S) Centralb. f. Bakter. Bd. IV. No. 21.
48 Wyasokowlc*,
defibrinirte und mit einer Rückenmarkemulsion etwa im VerhAltniss von
10 : 2 vermischte Blut ein Kaninchen mit normaler Inkubationsperiode
ansteckte und zwar nach Verlauf bis zu 7 Stunden, d. h. der Zeit,
in welcher nach N u 1 1 a l's schon erwähnten Beobachtungen die Wirkung
des Serums auf die Bakterien gewöhnlich aufhört, die lebendigen
Eigenschaften des Blutes verschwinden und mit ihnen auch die Mög-
lichheit des Vernichtens der Bakterien. Also kann uns auch diese
Eigenschaft des lebendigen Blutes die verschiedenartigen Resultate
hinsichtlich der Ansteckungsfahigkeit des Blutes nicht erklären. Ver-
schiedene Organe, wie Leber, Milz, Nieren u. A. enthalten nach
Bujwid auch kein Gift. Weiter fanden Perroncito und Carita1),
dass das Qift der Tollwuthauch in die Milch übergeht. Bar dach3)
best&rkte dieses durch Verimpfung der Milch einer später an Toll-
wuth zu Grunde gegangenen Frau auf ein Kaninchen; Roux3)
dagegen verneint dieses und hält das Uebertragen der Ansteckung
in die Milch nur in besonderen Fällen für möglich. Für die Ver-
breitung der Krankheit hat dieser umstand jedenfalls keine Bedeu-
tung, da nach Nocard's und Roux's Aussage durch das Futter
das Gift der Tollwuth nicht ansteckt Bei Noca rd 4) frass ein Fuchs
mehrere Rückenmarke an Tollwuth krepirter Füchse und Hunde und
erkrankte dennoch nicht; dabei gewann er aber auch keine Immunität,
denn von starkem Gilfte angesteckt, krepirte er zu gewöhnlicher
Zeit an der Tollwuth. Celli und de Blasi 5) fanden auch die Milch
toller Thiere nicht ansteckungsfähig und konnten auch im Blute toller
Thiere das Gift der Tollwuth nicht entdecken. Ebenfalls kann man
ungeachtet der verschiedenen Meinungen von Peroncito und Carito
einerseits, Celli, de Blasi, Zagari"), Roux andererseits zur
Ueberzeugung kommen, dass die Tollwuth von der Mutter auf den
Fötus nicht übergehen kann.
Nach den bis jetzt erwähnten Beobachtungen ergibt es sich also,
dass das Gift der Tollwuth stets im Centralnervensystem , in den
grossen Nerven, die von ihm ausgehen, und von den Organen nur
in den Speicheldrüsen sich befindet; und zwar kann das Gift nach
Roux's7) Beobachtung im Speichel zuweilen sogar 3 Tage vor dem
Anfange der Erkrankung erscheinen.
Gleich der Milchdrüse gibt es schon Vermuthungen über den
Uebergang des Giftes der Tollwuth auch in die Pankreas, doch hat
dieses noch wenig Glaubwürdigkeit.
Von den anderen Theilen bietet die Rückenmarksflüssigkeit be-
sonderes Interesse. Hier gerade, könnte man glauben, muss das Gift
der Tollwuth lokalisirt sein ; in der Wirklichkeit ergibt sich aber das
Entgegengesetzte.
Es ist bekannt, dass die Versuche der Forscher einen pathogenen
1) Annal. de l'Instltut Pastour. 1887. 8. 177.
S) Ib. 8. 180.
8) Ib. S. 181.
4) Ibidem.
5) Centr. f. Baktor. Bd. VL S. 411.
6) Centr. f. Baktor. Bd. V.
7) Annales de l'Institut Putenr. 1890. No. 8.
Zar Frage von d. Lokalisation d. ToUwuthyirus im Organismus d. Thiere. 49
Mikroorganismus im Rückenmark toller Thiere zu finden, bis
jetzt ohne Erfolg blieben, obgleich Niemand an der Anwesenheit eines
organisirten Erregers im Rückenmark zweifelte. Die Untersuchung des
Rückenmarkgewebes auf Mikroorganismen ist seiner fetten, die Prä-
parate beschmierenden Eigenschaft wegen in gewissem Grade schwierig.
Daher schien es a priori gelegen, ihn in der reinen und klaren
Flüssigkeit der subarachnoidalen Räume der tollen Thiere oder des
Menschen zu suchen. Zu diesem Zwecke benutzte ich mehrere Autop-
sieen und konnte bei der Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit
ausser einer geringen Zahl etwas veränderter Leukocyten und endote-
lialer Zellen nichts Besonderes auffinden. Die zu gleicher Zeit vor-
genommenen Impfungen an Kaninchen ergaben, dass nicht nur die
Kückenmarksflüssigkeit, sondern auch die Flüssigkeit der Seitenven-
trikel kein Gift enthält.
Ich beobachtete folgende Fälle:
I. Alexandrow, 40 Jahre alt, stark zerbissen von einem Wolfe
am Gesicht (siehe die Ber. der bakter. Station fürs Jahr 1889. No. 4).
Erkrankt an Rabies am 2. Oktober, gestorben am 23., Autopsie am
24. Bei der Autopsie wurde im Rückenmark eine venöse Hyperämie
und ein recht bedeutendes Oedem der Gehirnhäute konstatirt. In
sterilisirte Gläschen wurde von verschiedenen Stellen die Oedem-
flüssigkeit aufgesammelt, ebenfalls ein Stückchen des verlängerten Ge-
hirns und an demselben Tage wurden mehrere Kaninchen geimpft.
Dem Kaninchen No. 1 wurde unter die Dura mater 0,3 ccm klare
Oedemflüssigkeit, die von der Basis des Gehirns beim Eintritt in die
Rückgratsöffnung genommen war, eingeimpft.
Kaninchen No. 2 bekam 0,3 ccm ebenfalls klarer Oedemflüssigkeit
unter die Pia mater. No. 3 — 0,3 ccm der Flüssigkeit der
Seitengehimventrikel. No. 4 — 0,2 ccm Rückenmarksemulsion. Ka-
ninchen No. 4 erkrankte am 15., krepirte am 17. Tage, die übrigen
drei blieben am Leben.
IL W. Saweljew, 27 Jahre alt, ist von einem Hunde an bei-
den Händen gebissen (siehe No. 8) ; erkrankte am 23. Dezember, starb
am 25., Autopsie am 27. Von ihm wurden 4 Kaninchen geimpft.
No. 1 bekam 0,4 ccm etwas trüber Oedemflüssigkeit.
No. 2 0,3 ccm Flüssigkeit der Seitengehimventrikel.
No. 3 und No. 4 Rückenmarksemulsion.
No. 3 erkrankte am 15., krepirte am 17. Tage.
No. 4 erkrankte am 27., krepirte am 29. Tage.
No. 2 erkrankte am 30., krepirte am 32. Tage.
No. 5, vom Rückenmark des letzten Kaninchens angesteckt, er-
krankte am 15., krepirte am 17. Tage.
No. 1 blieb am Leben.
HL Mit dem Rückenmark eines an der Tollwuth am 13. Mai
auf der Semigradschen Strasse umgekommenen Hundes wurde ein
Kaninchen geimpft und mit der Gerebrospinalflüssigkeit ein anderes.
Inzwischen ist zu bemerken, dass ganz klare und blutlose Flüs-
sigkeit in für ein Experiment hinreichender Menge beim Hunde sehr
leicht zu bekommen ist, wenn man seinen Kopf etwas nach vorne
X.B4. £
50 Wyisokoirict,
beugt und zwischen den ersten Wirbeln in den Zwischenraum ein*
dringt.
Das erste Kaninchen erkrankte am 12., krepirte am 14. Tage;
das zweite, mit Gerebrospinalflüssigkeit geimpft, blieb am Leben.
IV. und V. Zwei Hunde wurden durch Trepanation unter die Dan
mater mit dem Virus fixe geimpft. Der eine erkrankte am 8., kre-
pirte am 9. Tage; der zweite erkrankte am 7., krepirte am 12. Tage.
Von beiden wurde die Rückenmarksflüssigkeit und Stückchen vom
Rückenmark aufbewahrt
Kaninchen, die mit der Rückenmarksemulsion geimpft wurden,
erkrankten nach 5,5 und krepirten am 7. und 8. Tage; Kaninchen,
mit der Rückenmarksflüssigkeit geimpft, blieben am Leben. (Seitdem
sind 6 Monate vergangen.)
Obgleich die Zahl meiner Beobachtungen nicht gross ist, so
fand ich es doch überflüssig, noch weitere Experimente in dieser
Richtung vorzunehmen, da nicht nur die Rückenmarksflüssigkeit, die
das Rückenmark von aussen bespült, sondern auch die Flüssigkeit
der Seitenventrikel im ersten Falle sich als unansteckungsfähig er-
wies und nicht nur nach der gewöhnlichen Impfung, sondern auch
nach dem Einführen des Giftes direkt unter die Dura mater (Fall 4
und 5).
Erst sp&ter, als ich die Litteratur dieser Krankheit genauer
studirte, fand ich bei Pasteur1) eine Hindeutung darauf, dass
er beobachtet habe, dass die cerebrospinale Flüssigkeit sich zuweilen
als unansteckend, ein anderes Mal wieder ansteckend erweist, und
dass manchmal diese Flüssigkeit, wenn sie klar ist, Gift enthält,
ein andermal, obgleich trübe, während sie nicht giftig ist
Ausführlich beschreibt er leider seine Experimente in dieser
Richtung nicht, daher wird es schwer, zu urtheilen, inwiefern sein
Hinweis für bewiesen gehalten werden kann.
Auf Grund meiner Beobachtungen, die mit allen Vorsichtsmaass-
regeln, die für ein richtiges Resultat nöthig sind, ausgeführt wurden,
halte ich es für möglich, zu behaupten, dass die Cerebrospinalflüssig-
keit das Gift der Tollwuth nicht enthält. So kommen auch in Be-
zug auf die Frage, ob das Gift im Blute vorhanden sei, die meisten
Forscher (unter ihnen auch manche Schüler von Pasteur, z. B.
Roux*) hat sich schon längst in diesem Sinne geäussert) zu
demselben Resultate.
Wie können nun, frage ich nochmals, die widersprechenden Re-
sultate über das Verhältniss des Blutes zum Gifte erklärt werden?
Vor allem müssen die Eigenschaften des Giftes aufgeklärt werdeo.
Schwerlich kann Jemand noch zweifeln, dass das Gift der Toll-
wuth, welches in den Organismus geräth und dort unzweifelhaft
wächst, nicht als einfache chemische Substanz, sondern als organi-
sirter niedriger Organismus betrachtet werden muss. Da es weder
in dem unter der Haut befindlichen Zellengewebe, noch im Blute
Ansteckungsfähigkeit besitzt und sich immer im Gehirn und Rücken-
1) L. c. s. 5.
2) Annales de 1' Institut Pasteur. 1887. S. U4.
Zur Frage von d. Lokaltation d. Toll wath virus im Organismus d. Thiere. 51
mark befindet, von wo es gewöhnlich auch auf die peripherischen
Nerven und zwar nur auf die grossen übergeht, und da es in die
Rückenmarksflüssigkeit, sogar auch in die der Gehirnventrikel nicht
übergeht, so erscheint es sehr naheliegend, sich die infizirende Ursache
vielleicht als Plasmodium von protoplasmatischer Bildung vorzustel-
len, welches die Fähigkeit zum allmählichen Weiterwachsen und zur
Verbreitung, und zwar nur längs der Nerven, da es nur in der
Nervensubstanz die nöthigen Bedingungen für seine weitere Ent-
wickelung findet, besitzt.
Um aber die Möglichkeit der Infektion durch das Impfmaterial,
das ins Blut geräth, sich zu erklären, muss man sich an die Forschun-
gen wenden , die das Schicksal der fremdartigen Substanzen, welche
überhaupt auf diese oder jene Weise ins Blut gerathen, und der
Bakterien insbesondere, aufklären. Die von mir in dieser Richtung
angestellten Untersuchungen, welche die im Jahre 1886 in der Zeit-
schrift für Hygiene publizirten Beobachtungen ergänzen, zeigen, dass
fremdartige Substanzen, unter ihnen also auch die Bakterien, im
Blute nicht lange zirkuliren, sondern sogar in sehr grossen Massen
(40 Millionen bei einem Kaninchen) schnell, nach 2—3—4 Stunden,
in verschiedene Organe, besonders in die Leber, Milz und Rückenmark,
eliminirt werden. Theils gehen die lebendigen Organismen viel-
leicht schon im Blute, hauptsächlich aber in diesen Organen, je nach
der Gattung der Bakterien, schneller oder langsamer zu Grunde.
Was andere Organe und Gewebe betrifft, so haben sehr sorgsam
ausgeführte Experimente mit solchen niedrigen Organismen, die be-
kanntlich sehr resistent sind und lange (ganze Monate) in den Ge-
weben des Thieres nicht umkommen, wie z. B. die Sporen des He u-
bacillus, bewiesen, dass, wenn sie nach einer Injektion ins Blut in
einem erbsengrossen Stückchen Gewebe aus der Leber, Milz oder
Knochenmark in der Zahl von mehreren Zehntausend gefunden werden,
in den Nieren und der Lunge nur Hunderte vorhanden sind, während in
den Muskeln und im Gehirn in einem ebenso grossen Stückchen nur
ein oder zwei Keime, und sogar nicht immer, aufgefunden werden.
Es ergibt sich also, dass das Gehirn ein solches Organ ist, in welches
aus dem Blute fremdartige Substanzen nur in sehr geringer Menge,
und sogar nicht immer, eindringen. Findet man aber beim Kanin-
chen beim Einführen einer sehr grossen Menge Sporen des Heuba-
cillus ins Blut diese letzteren nicht immer im Gehirn, so ist es
auch begreiflich, dass bei grösseren Thieren, bei denen im Vergleich
weniger fremdartige Substanzen ins Blut gerathen, die Chancen für
ihre Ablagerung in das Gehirn sehr gering sind. Auf diese Weise
wird es auch begreiflich, warum die Forscher beim Einführen des
Giftes ins Blut oft keine Ansteckung des Thieres an Tollwuth be-
kamen. Die Rolle des Blutes muss also bei der Infektion für sehr
gering gehalten werden. Wenn die den Herd der Infektion un-
mittelbar bespülende Flüssigkeit, d. h. die Cerebrospinalflüssigkeit,
kein Gift enthält, so erscheint die Möglichkeit der Existenz im
Blute der an Tollwuth erkrankten Thiere sehr zweifelhaft. Freilich
sind zur Aufklärung des unmittelbaren Verhältnisses des Blutes und
anderer Organe eines gesunden Thieres zum Gifte der Tollwuth
4*
52 Schalt!,
noch weitere experimentelle Erforschungen noth wendig; sie sind auch
schon bei uns auf der Station von Dr. Tscher ewkow angefangen;
jedenfalls muss aber auf Grund des eben Dargelegten die Haupt-
rolle in Bezug auf die Symptome der Erkrankung und auch die Ver-
breitung des Giftes im Organismus dem Nervensystem zugeschrieben
werden.
Von allen Erscheinungen dieser Erkrankung ist besonders der
Umstand interessant, dass entgegen allen übrigen Organen die
Speicheldrüsen immer Gift enthalten und seine Anwesenheit im
Sekret oft schon sehr früh offenbaren (siehe Roux L c).
Der nächste Grund dieser besonderen Eigenschaft, der helles
Licht auf die physiologischen Verhältnisse dieser Organe zum Ner-
vensystem werfen kann, wenn er aufgeklärt sein wird, bleibt aber
jetzt noch für uns dunkel.
Charkow, 2./14. Mai 1891.
Zur Frage von der Bereitung einiger Nährsubstrate.
[Aus dem klinisch-bakteriologischen Laboratorium des Herrn Professor
Afanasiew im klinischen Institute der Grossfürstin Helena Pawlowna
zu St. Petersburg.]
Von
Dr. med. N. K. Schultz
in
St. Petersburg.
Seit 1885 als Assistentin am bakteriologischen Laboratorium von
Prof. Afanasiew thätig, habe ich vollauf Gelegenheit gehabt, die Zu-
bereitung von Nährsubstraten für die Mikrobenkultur praktisch kennen
zu lernen. Es ist diese Arbeit eine zeitraubende, mühsame, bean-
sprucht grosse Genauigkeit und führt häufig zu Misserfolgen. Die
von Koch so zweckmässig in die Bakteriologie eingeführten gallert-
artigen Nährsubstrate müssen folgenden Ansprüchen genügen:
1) reichliches Emporblühen der Kulturen;
2) Durchsichtigkeit behufs genauerer Kontrolle des Wachs-
thums und der zufälligen Verunreinigungen.
Diese beiden Eigenschaften zu erzielen gelang mir anfänglich
nicht; ich versuchte die Hauptbestandteile unserer Nährsubstrate
kennen zu lernen, stellte allerlei Proben und die Nährsubstrate auf
verschiedene Weise her, und hoffte ich so die Bedingungen für sichere
Herstellung guter Nährböden zu finden. Man sollte glauben, dass
diese Frage seit 1881, wo Koch (1) die gallertartigen Nährböden in
die Bakteriologie eingeführt, vollkommen erledigt sei. Es ist die Be-
reitung derselben schon in verschiedenen Abhandlungen und Lehr-
büchern beschrieben worden; die Schwierigkeiten aber, die sich der
praktischen Ausführung entgegenstellen, sind noch nicht beseitigt und
wage ich es deshalb, auch meine Erfahrungen auf diesem Gebiete zu
Zar Frag« von dar Bereitung einiger Nährsubstrate. 53
veröffentlichen. Ich behandle in Folgendem: Die Bereitung von
Bouillon, Nährgelatine und Nähragar, ihre Klärung und Filtration,
und bringe eine genauere Methode der Neutralisation in Vorschlag.
Dann bespreche ich eingehender den Einfluss der Reaktion auf die Be-
reitung der Nährböden.
Das Klären mit Ei weiss. In der Kochkunst ist das Klären
von gallertartigen Flüssigkeiten mit Eiweiss schon längst bekannt.
Zur Erleichterung des langsamen und mühsamen Filtrirens solcher
ist es auch in der Bakteriologie eingeführt, in vielen Handbüchern
bereits empfohlen und genau von Proust (2) beschrieben. Zweck
des Klärens ist, die Filtration zu erleichtern, indem an Stelle der
Trübung sich grosse feste Flocken absetzen.
* Ueber das Klären selbst möchte ich einige Worte sagen.
P$ Das Weisse von 1—2 Eiern wird gerührt, mit der 2— 3fachen
Menge kalten Wassers versetzt und zum Nährsubstrat hinzugegeben.
Die Temperatur des Nährsubstrats darf hierbei nicht höher als
40—50° sein, da bei 60° die Eiweissstoffe bereits gerinnen und wir
dahin streben, vor Beginn der Gerinnung eine innige Vermischung
zu erzielen. Nur unter dieser Bedingung kann das Eiweiss jede
Trübung beseitigen. Bierauf muss die Mischung gut gerührt und
10—15 Minuten lang auf offenem Feuer stark gekocht werden, damit
sich harte Flocken bilden; geschieht das Kochen nicht lange und stark
genug, so bleiben die Gerinnsel schleimig und beim Filtriren ver-
kleben sie das Filter. Hierbei möchte ich erwähnen, dass wir aus
praktischen Gründen beim Kochen auf offenem Feuer stets einen
gusseisernen emaillirten Kessel (mit Deckel) verwenden.
> -In unserem Laboratorium wird Nährgelatine stets mit Eiweiss
geklärt; bei Nähragar wirkt es wenig und gute Bouillon kann man
ganz ohne Klären bereiten ; das Eiweiss setzt man nach Belieben zu.
Die Reaktion. Die Reaktion muss eine zweckentsprechende
sein, sonst wachsen die Mikroben nur kümmerlich, und kann das
Wachsthum mitunter sogar ganz ausbleiben. So hat Loeffler (3)
beobachtet, dass der Bacillus diphthericus auf Nährgelatine
nicht immer gedeiht und glaubt er die Ursache davon in der Reaktion
des Nährbodens suchen zu müssen. Ausserdem hat aber die Reaktion
eine nicht geringe Bedeutung bei der Zubereitung der Nährsubstrate.
Schwer wurde es mir, künstliche Nährböden richtig zu neutra-
lisiren. Die Reaktion wird gewöhnlich mit Lackmuspapier bestimmt,
doch ist dies, meiner Ansicht nach, gar nicht genau genug. In
Handbüchern für Chemie wird gut bereitetes Lackmus sehr empfohlen
— aber bekommen wir häufig solches? Misserfolge bei Bereitung der
Nährböden konnte ich häufig nicht anders, als durch ungenaue Neu-
tralisation erklären, und versuchte ich daher durch Titriren bessere
Resultate zu erzielen. In der That überzeugte ich mich bald von
den grossen Vorzügen des Titrirens. Die geringe Mühe, welche das
Titriren verursacht, wird durch die Genauigkeit und Sicherheit der
Resultate reichlich aufgewogen. Ich kann es nicht genug empfehlen.
Betrachten wir jetzt :
1) Welche Flüssigkeiten einer Neutralisation bedürfen.
2) Die Indikatoren.
54 fichnltz,
3) Den Vorgang der Neutralisation und die Flüssigkeiten, die
man dazu braucht.
1) Bei der Neutralisation von Bouillon bildet sieb ein Nieder-
schlag, welcher vor dem Zusatz von Gelatine oder Agar-Agar durch
Filtration zu entfernen ist, weil eben Bouillon viel leichter zu filtriren
ist als Nähragar und Nährgelatine. Deshalb muss die Bouillon gleich
nach dem Kochen (und der Beseitigung der dabei gebildeten Eiweiss-
flocken durch Filtration) neutralisirt werden. Wir erhalten so eine
klare Flüssigkeit, in der die Gallerte gelöst wird.
2) Nach wiederholten Versuchen mit verschiedenen Indikatoren:
Phenolphtalein, Rosolsäure, Methylorange und Lackrousstinktur, bin
ich zur Ueberzeugung gekommen, dass Phenolphtalein am zweckent-
sprechendsten ist. Es ist ein grau-gelbes Pulver, das im Weingeist
(1:300) gelöst wird; die Lösung ist fast farblos, wird durch Zusatz
von Alkali intensiv roth. Phenolphtalein ist ein sehr empfindlicher
Indikator, nach Lück sollen Spuren von Alkali genügen, die Färbung
noch wahrnehmbar zu machen (1 : 100000 Wasser). Ich benutze jetzt
stets PhenolphtaleTn , einmal seiner grossen Empfindlichkeit wegen,
dann aber auch weil es so sehr genau den Uebergang von saurer zu
alkalischer Reaktion zeigt. Bei saurer Reaktion ist die Losung farb-
los, bei alkalischer — schwachrosa bis intensiv roth, je nachdem wie
viel freies Alkali in Lösung ist Die anderen, von mir benutzten
Indikatoren geben bei Veränderungen der Reaktion nur ganz allmählich
eine andere Färbung, ohne dass die Grenze eine scharfe war. Ich
musste also, um genau zu arbeiten, stets eine Probe des zu ge-
brauchenden Indikators, sowohl in saurer als auch in alkalischer Lö-
sung zum Vergleiche vor Augen haben.
3) Unsere Nährböden werden meist mit Soda neutralisirt, wobei
freie Kohlensäure entsteht. Diese freie Kohlensäure beeinflusst die
Farbe einiger Indikatoren (4) (Phenolphtalein, Rosolsäure, Lackmus-
tinktur) dermaa8scn, dass man noch mit sauren Flüssigkeiten zu thun
zu haben glaubt, wenn dieselben schon neutral oder sogar alkalisch
geworden sind, weshalb ich jetzt zur Neutralisation immer eine Lösung
von Aetznatron benutze. Zu meinen ersten Versuchen nahm ich eine
Normallösung von Aetznatron und bereitete mir aus derselben genau
mit der Bürette '/io Lösung. Meist aber genügt eine einfache 4°/0
Lösung desselben, aus der man sich 0,4 °/0 Lösung herstellt.
Die Titration führe ich folgendermaassen aus: Mit graduirter
Pipette wird 1 cem Bouillon genau abgemessen, in ein Bechergläseben
gegossen und ein Tropfen Phenolphtalein zugesetzt (das Gläschen
steht auf weissem Papier, was die Färbung viel deutlicher macht).
Jetzt wird 0,4 °/0 Aetznatronlösung tropfenweise zugegossen, bis eine
schwachrosa Färbung erscheint. Sowohl vor Beginn der Titration
wie auch nach Beendigung derselben wird der Stand des Niveaus
notirt. Dieses Titriren wird, der Genauigkeit des Resultats wegen,
dreimal gemacht und gibt die mittlere Zahl der Bürettentheilstriche
an, wie viel Alkali erforderlich ist, um die beabsichtigte Reaktion in
1 cem Bouillon hervorzubringen. Die erhaltene Zahl wird mit der
Zahl der cem der gesammten zu neutralisirenden Bouillon multipli-
zirt und das Produkt durch 10 dividirt, weil eben die Neutralisation
Zur Frage you der Bereitung einiger NSfarsiibstrate. 55
des Gesammtquantums der Bouillon mit der starken 4 °/0 Aetznatron-
lösuog geschieht. Ist z. B. zur Neutralisation eines ccm Bouillon
0,25 ccm 0,4 °/0 Losung nöthig, so braucht man fdr 1000 ccm Bouillon
250 ccm 0,4 °/0 Lösung oder 25 ccm 4 °/ö Aetznatronlösung. Auf
diese einfache Weise ist es möglich, eine beliebige Reaktion der
Bouillon zu bekommen und wenn man alles zur Titration Nöthige
fertigstellt, geht, nach etwas Uebung, die Sache sehr rasch. Die
rothe Färbung durch Phenolphtaleün bedeutet, dass schon freies Al-
kali in der Lösung enthalten ist, dieselbe also alkalisch ist. Wenn
die rothe Färbung nicht wahrnehmbar, aber nach Zusatz von einem
Tropfen (ca. 0,05 ccm) sich zeigt, so halte ich die Lösung für neu-
tral. Dieselbe Reaktion zeigt Wasser. Welche Reaktion bei Berei-
tung der einzelnen Nährböden die zweckentsprechendste ist, werde
ich bei Beschreibung der Herstellung angeben.
Bouillon. Bouillon kann auf verschiedene Art bereitet werden.
Nach Miquel (5) kocht man ein Stück Fleisch mehrere Stunden
lang; nach Loeffler (6) wird feingehacktes Fleisch mehrere Stun-
den lang in Wasser digerirt und sodann nach Entfernung des Flei-
sches das Fleischwasser allein gekocht. Fraenkel (8) und Hei-
denreich (7) wollen das gehackte Fleisch direkt in Wasser kochen.
Bei uns wird die Bouillon gewöhnlich nach Loeffler bereitet und
ist sie mir am geläufigsten. Nie jedoch habe ich verstehen können,
weshalb Loeffler (6), Hueppe (10) und Andere mehr verlangen,
dass man das Fleisch wasser 1—2 Stunden lang kochen soll. Gibt
Miquel (5) an, dass ein Stück Fleisch stundenlang kochen soll, so
ist es sehr begreiflich, dass in kürzerer Zeit nicht alle löslichen
nahrhaften Bestandtheile dem unzerkleinerten. Fleisch entzogen wer-
den können. Verfährt man aber nach Loeffler 's Angabe, so
werden diese Bestandtheile des feingehackten Fleisches bereits vom
Wasser ausgezogen und wir kochen also später nur die schon ge-
lösten Nährstoffe.
Beim Zubereiten von Bouillon bilden sich zwei ganz verschiedene
Niederschläge, die, um reine Bouillon zu erbalten, eliminirt werden
müssen. Der eine entsteht beim Kochen des Fleischwassers und
besteht aus geronnenen Eiweissstoffen, die in kaltem Wasser löslich
sind (die durch Hitze gerinnbaren Substanzen Baumgarten' s) (9).
Der andere Niederschlag bildet sich beim Neutralisiren der sauren
Bouillon und beim nachträglichen Kochen derselben; es sind Trü-
bungen und Flocken (Neutralisationsniederschläge Baumgar-
ten's) (9).
Meist findet man die Angabe, das Fleischwasser gleich vor der
Ausscheidung der Eiweissstofie zu neutralisiren, und erhält dann
beim Kochen ein Gemisch beider Niederschläge. Beim Arbeiten
aber mit solchen zusammengesetzten Flüssigkeiten, wie es, vom che-
mischen Standpunkte angesehen, Bouillon und überhaupt alle unsere
Nährsubstrate sind, ist es viel bequemer, die einzelnen Niederschläge
nach einander zu entfernen und sich dabei nach deren Eigenschaften
zu richten.
In unserem Falle können die gelösten Eiweissstoffe der Bouillon
schon vor der Neutralisation durch starkes, 10—15 Minuten währen-
56 Schnitz,
des Eocben auf freiem Feuer and nachfolgender Filtration vollstän-
dig entfernt werden. Die eiweissfreie Bouillon ist ganz durchsichtig
und wird erst bei Neutralisation wieder trübe. Diesen zweiten Nie-
derschlag fällt man durch abermaliges, etwa 5 Minuten langes,
starkes Kochen auf freiem Feuer und darauf folgendes heisses
Filtriren.
Viele Autoren, wie Loeffler (6), Heidenreich (7), Miquel
(5), Hueppe (10), v. Ermengen (11), C. Fraenkel (8), Du-
b i e f f (12) und Andere mehr erwähnen, dass eine neue Ausscheidung
in Form von Flocken und Trübungen auch nach der Filtration und
Sterilisation noch zu Stande kommen kann. Auch mir ist das früher
sehr häufig vorgekommen. In diesem Falle wird abermaliges Kochen,
Filtriren und behutsames Neutralismen empfohlen. Ob nicht das
von Vielen empfohlene anhaltende Kochen die Beseitigung dieser
Trübung zum Zweck hat?
Durch das Gerinnen der löslichen, im Fleischwasser befindlichen
Eiweissstoffe wird die Bouillon einigermaassen geklärt ; um die Wir-
kung zu verstärken, kann man dem Fleischwasser noch das Weisse
von 2 Eiern zusetzen.
Die Bereitung der Bouillon. Zur Herstellung eines
Liters Bouillon sind 500 g Fleisch, 1000+300 ccm destillirten
Wassers, 10 g Pepton und 5 g Kochsalz erforderlich. (300 ccm
Wasser füge ich hinzu, um den Verlust während des Kochens aus-
zugleichen.) 500 g Fleisch bester Qualität, ohne Fett und Sehnen,
werden gehackt, in ein gläsernes Oefäss mit Deckel gelegt und mit
1000 + 300 ccm destillirtem Wasser übergössen und bis zum näch-
sten Tage an einem kühlen Orte aufbewahrt. Um das Fleischwasser
vom Fleische zu befreien, filtrirt man es durch vierfache Marly, und
um nichts zu verlieren, drückt man es mit den Händen aus. Das
so gewonnene Fleischwasser wird in einen Kessel gegossen, 10 g Pep-
ton, sie, 5 g Kochsalz und 2 Eiweiss hinzugefügt und auf der Gas-
flamme während 15 Minuten gekocht. Dann wird die klare Bouillon
neutralisirt und zwar auf folgende Weise: Zuerst wird durch Filtriren
bestimmt, wieviel von der schwachen (0,4 °/0) Lösung zur Neutra-
lisation von 1 ccm Bouillon erforderlich, und danach berechnet, wie-
viel starke (4 °/0) Lösung man braucht, um die ganze Menge der
vorhandenen Bouillon zu neutralisiren. Ich neutralisire meist bis zu
schwach alkalischer Reaktion, d. h. bis Spuren einer rosa Verfärbung
durch Phenolphtalein wahrnehmbar sind. Die jetzt wieder trübe
Bouillon wird in den Eisenkessel zurückgegossen, 100 ccm Aqua dest.
zugegeben, 5 Minuten lang stark gekocht und kochend filtrirt.
(Wer sehr genau arbeiten will, kann die jetzt ganz klare Flüssigkeit
abkühlen lassen und nochmals filtriren, man entfernt auf diese Weise
sowohl die Trübungen, welche in heisser, als auch die, welche viel-
leicht in kalter Bouillon entstehen.) Kocht man die Bouillon nur
eben 5 Minuten lang, so bleibt die Reaktion unverändert, bei zu
langem Kochen wird sie sauer. (G. Fraenkel).
So wird Bouillon bereitet, welche als Nährbouillon dienen soll,
und solche, welche zur weiteren Bereitung von Nährgelatine und
Nähragar bestimmt ist. Nur bei letzterer kann man das zweite
Zur Frage tob dar Bereitung einiger Nährsubstrate. 57
Kochen (nach der Neutralisation) auslassen, weil in diesem Fall die
Neutralisationsniederscbläge nicht hinderlich sind.
Nähragar. Agar-Agar wird ans Algen, die in Japan und an
der Küste des indischen Oceans vorkommen, bereitet. Die Gewin-
nung der Gallerte aus der Pflanze geschieht nach dem französischen
Chemiker Payen (13) auf folgende Weise: Die Pflanze wird in eine
schwache, kalte Lösung von Salzsäure gebracht, die später durch
Abspülen mit Wasser entfernt wird; dann legt man dieselbe in eine
schwache, kalte Lösung von Ammoniak, worauf abermals Abspülen
mit kaltem Wasser folgt. Während dieser Prozedur verlieren die
Algen 53°/0 ihres Gewichtes an Mineralsalzen, Farbstoffen und or-
ganischen Bestandteilen. Der Rest wird in Wasser gekocht, die
Gallerte löst sich in demselben und wird dann vom unbrauchbaren
Bodensatz abgegossen. Payen erhielt so reine Gallerte.
Wie der bei uns käufliche Agar-Agar hergestellt wird, konnte
ich nicht in Erfahrung bringen.
Elementarbestandtheile des Agar-Agar. Der von
Payen (13) aus Gelidium corneum extrahirte Agar-Agar besteht
nach seiner Analyse aus Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff;
dasselbe fand Parumbaru (bei Greenisch citirt), der mit japa-
nischem Agar-Agar arbeitete. Apotheker Greenisch gibt an, dass
der Fucus amylaceus aus Kohlenstoff und Wasserstoff besteht,
Haeppe (10) hält die Gallerte auch für ein Kohlenwasserstoffpro-
dukt. Hieraus ist ersichtlich, dass die Elementarbestandtheile des
Agar-Agar qualitativ noch nicht bestimmt sind.
Eigenschaften des Agar-Agar. Der Agar-Agar ist eine
Gallerte, die in kaltem Wasser quillt und sich in heissem Wasser
nach langem Kochen löst. PhenolphtaleYn wird durch die wässrige
Losung der Gallerte nicht gefärbt, doch genügt der Zusatz eines
Tropfens der schwachen (0,4 °/0) Aetznatronlösung, um die Farbe
wahrnehmbar zu machen. Die Lösung zeigt also wie Wasser neu-
trale Reaktion. Längere Zeit dauernde hohe Temperatur beeinträch-
tigt die Gallerteigenschaften nicht. Payen schätzt Agar-Agar als
Gallerte zehnmal höher als die beste Gelatine; als Zusatz zur Bouil-
lon wird daher auch viel weniger gebraucht. Nach Graham 's (15)
Beobachtungen geht die Diffusion einer Lösung von Krystallen in
japanischem Agar-Agar ebenso rasch wie in Wasser vor sich, was
nach seiner Angabe mit gefärbten Krystallen, wie saures chrom-
saores Kali, sehr schön demonstrirbar ist.
Die Bereitung von Nähragar I. Bis vor Kurzem haben
wir das Nähragar gewöhnlich auf folgende Weise bereitet: Wir ver-
fertigten uns 1 Liter neutraler oder schwach alkalischer Bouillon.
Die Bouillon wird in einen Kolben gegossen und 15 g Agar-Agar
hinzugethan, worauf es auf 12—15 Stunden in den Dampfkochtopf
gestellt wird. Zuerst muss es mehrmals stark geschüttelt werden,
weil sich sonst das Agar-Agar absetzt und nicht löst. Nach voll-
ständiger Lösung wird das Nähragar in den heissen Trichter ge-
gpBsen und filtrirt. Die Bereitung des Näbragars erfordert mehr als
einen Tag, doch ist es, nachdem es mehrere Stunden siedend im
Dampfkochtopf gestanden, so vollständig [sterilisirt, dass die Zube-
58 Schalt*,
reitung unterbrochen und zu gelegener Zeit wieder aufgenommen
werden kann.
Die lange Dauer des Lösens und die Schwierigkeiten bei der
Filtration veranlassten mich, nach der Ursache dieser Uebel zu suchen,
um sie eventuell zu beseitigen.
Verhältniss von Agar-Agar zu Säuren und Alka-
lien. Nach vielfachen Versuchen gelangte ich zu der Ueberzeugung,
dass die Lösung von Agar-Agar ganz verschiedene Eigenschaften
zeigt, je nach der Reaktion der Flüssigkeit, in der Agar-Agar gelöst
wurde. Beim Lösen desselben in schwach alkalischer Bouillon er-
halten wir eine dicke klebrige Flüssigkeit, die schnell erstarrt. Ge-
schieht das Lösen in saurer Flüssigkeit (0,1 % Schwefelsäure genügt),
so ist das Resultat eine durchsichtige, beim Erkalten nicht erstarrende
Flüssigkeit Hieraus folgt, dass eine schwach alkalische
Reaktion den Werth des Agar-Agar als Gallerte
steigert, eine saure kann ihn ganz aufheben. Setzt man
der schwach alkalischen Lösung eine genügende Menge Säure zu, so
erstarrt dieselbe beim Erkalten nicht, neutralisirt man aber eine
saure Lösung, so erstarrt dieselbe auch nicht mehr. Der Werth
der Gallerte kann also durch Säuren verringert wer-
den, ohne dass nachträgliches Neutralisiren ihn wie-
der herstellt
Lassen wir jetzt die durch die Reaktion veranlassten grossen
Schwankungen bei Seite und wenden wir uns den geringen Abwei-
chungen zu, die bei den gewöhnlichen bakteriologischen Arbeiten vor-
kommen, so sehen wir, dass sogar bei ihnen das Nähragar ver-
schiedene Eigenschaften zeigt, je nachdem die zur Lösung ver-
wandte Bouillon neutralisirt war oder nicht Bemerkt muss noch
werden, dass die Reaktion nicht nur den Werth der Gallerte beein-
flusst, sondern auch auf Löslichkeit, Festigkeit, Farbe, Durchsichtig-
keit, Filtrationsvermögen und die Menge des ausgeschiedenen Konden-
sationswassers wirkt Wir unterscheiden scharf bei Zubereitung von
Nähragar: 1) Nähragar, der mit säuerlicher Bouillon und nachträg-
liche Neutralisation bereitet ward und 2) solchen, der direkt mit
neutralisirter Bouillon bereitet ward.
1) Agar-Agar, in nicht neutralisirter Bouillon gekocht, löst sich
und filtrirt verhältnissmässig rasch; der gewonnnene Nähragar ist
schwach gelblich, ziemlich durchsichtig, schlüpferig, wässerig und
scheidet viel Kondensationswasser aus. Er erstarrt unter 40° ; hält,
in schräge Lage gebracht, nicht fest und ist zu Plattenkulturen nicht
zweckmässig.
2) In neutralisirter Bouillon gekochter Agar-Agar ist langsamer
löslich und filtrirt schlecht Der gewonnene Nähragar hat eine roth-
bräunliche Farbe und ist wenig durchsichtig. Er scheidet wenig
Kondensationswasser aus, ist fest, trocken ; beim Erstarren in schräger
Lage hält er recht gut, ist zur Plattenkultur geeignet und erstarrt
bei 40° sehr schnell.
Aus Obigem gebt hervor, dass Nähragar leichter aus säuerlicher
Bouillon zu bereiten ist, weil er sich schneller löst, besser filtrirt
Die zur Bereitung des Nähragar vorgeschlagenen neuen Methoden
2nr Frage too der Bereitung einiger NXhrsnbttrato. 59
basiren häufig auf dem Einfluss der Säuren auf den Agar. So weicht
Scbottelius (16) seinen Agar-Agar 5 Minuten lang in Salzsäure
(2°/0 Losung), spült ihn ab und kocht ihn in nicht neutralisirter
Bouillon. Richter (17) kocht Agar-Agar, grösserer Löslichkeit
wegen, in Moselwein, der nach König (18)0,79°/,» freie Säure ent-
hält. Er nimmt 2°/0 Agar-Agar und fügt ihm noch 2°/0 Gelatine
hinzu. Tisch Utk in (19) weicht ihn in eine 5°/ö Essigsäurelösung
und kocht ihn, nach erfolgter Abspülung in Wasser, in nicht neutra-
lisirter Bouillon. Wie schon erwähnt, kann man das Lösen des Agar-
Agar ohne Zusatz von Säuren etwas beschleunigen, wenn man ihn in
nicht neutralisirter Bouillon kocht, weil Bouillon immer etwas sauer
ist. So verfahren Hu eppe (19), Freudenreich (20), Baum-
garten u. A. m. Ehe ich die Eigenschaften des Agar-Agar ge-
nauer kennen gelernt, machte ich es ebenso (21). Man gewinnt
eigentlich nichts beim Kochen des Agar-Agar in säuerlicher Bouillon,
da, wie schon angeführt, der dadurch verringerte Werth der Gallerte
nicht wieder restaurirt werden kann.
Das Kochen des Agar-Agar in nichtneutral isirter Bouillon sowohl
als auch in neutraler ist entschieden mangelhaft, und sind beim
Vergleichen der Lösungen untereinander die Mängel ganz verschieden.
Es schien mir daher nicht unmöglich, eine solche Reaktion zu be-
wirken, die die Vortheile des einen und des anderen Verfahrens, wenn
auch abgeschwächt, aufweist. Bouillon ist stets sauer, die Intensität
ihrer Säure aber schwankt in gewissen Grenzen. Um 1000 ccm
Bouillon vollständig zu neutralisiren, braucht man gewöhnlich 20—
35 ccm 4 °/0 Lösung von Aetznatron ; es galt daher eine solche Re-
aktion zu finden, die bei Anwendung von 0 ccm bis 20—35 ccm der
4% Lösung die besten Resultate gibt.
Zu diesem Zwecke nun habe ich viele Versuche angestellt: habe
die Bouillon ganz neutralisirt; beim nächsten Versuche 5 ccm weniger
zugesetzt ( — 5); beim nächsten Versuch 6 ccm weniger (—6) u. s. f.
Neutralisiren wir nun mit 8—10 ccm 4% Lösung weniger,
als zur völligen Neutralisation nöthig, so erhalten wir, bei obenge-
nannter Bereitungsweise, sehr schönen Nähragar, der nicht zu stark
gefärbt und doch ganz fest ist Ein solcher Nähragar, in schräger
Lage erstarrt, kann sofort benutzt werden ; die Kulturen lassen sich
beim Deberimpfen gut einreiben; er bat genügendes Kondensations-
wasser, hält im Thermostaten ohne jeden Nachtheil eine Temperatur
von 50° C aus und hat einen Schmelzpunkt von 97 D C. Sehr viele
Mikroben wachsen auf solchem Nähragar vortrefflich, doch gibt es
auch solche, die eine vollständige Neutralisation verlangen; deshalb
empfiehlt es sich, nachträglich Partieen Nähragars durch Zusatz von
0,8 ccm 4 °/0 Lösung auf jede 100 ccm Nähragar definitiv zu neu-
tralisiren. Beim Erhitzen bildet sich von Neuem ein Niederschlag,
der durch Filtration entfernt wird.
Löslichkeit Agar-Agar ist sehr schwer löslich und werden
deshalb auch verschiedene Arten der Lösung empfohlen. Gekocht
wird er im Damfkochtopf, im Autoklaven, auf freiem Feuer und im
Wasserbade. Auch die Angaben über die dazu erforderliche Zeit
sind Behr verschieden : C. F r ae n k e 1 (8) stellt ihn auf mehrere Stunden
60 8ch«lt«,
in den Dampftopf; Flügge (22) kocht ihn 10—12 Stunden mit
kleiner Gasflamme; Dubieff (12) ebenso, doch nar 4 — 5 Standen
lang; Hueppe(lO) kocht ihn viele Stunden im Wasserbade; Richter
(17) löst ihn rasch in Moselwein; van Puteren(23)7 — 10 Minuten
lang in Molken; Tischutkin 3—5 Minuten in Bouillon, nachdem
er ihn mit Essigsäure bearbeitet.
Die Dauer des Prozesses der Lösung hängt von dreierlei ab:
1) von der Reaktion der Flüssigkeit, in der Agar-Agar gekocht wurde;
2) vom Prozentgehalt des Agar-Agar in der Flüssigkeit und 3) davon,
wie er gelöst wird. Diese drei Unterschiede erklären die scheinbaren
Widersprüche der Autoren zur Genüge.
1) Ueber den Einfluss der Reaktion habe ich schon gesprochen.
2) Dass l°/0 Agar-Agar unter sonst gleichen Umständen sich
leichter löst, als bei höherem Prozentgehalte, habe ich mehrfach be-
obachtet.
3) Was die Art des Kochens betrifft, so kann ich nur von der
im Dampfkochtopfe und der auf freiem Feuer sprechen — die anderen
Methoden konnte ich nicht untersuchen. Stellen wir einen Kolben
mit Bouillon und ungelöstem Agar-Agar in den Dampfkochtopf, so
sinkt der Agar-Agar unter und mischt sich nur bei häufigem Schütteln.
Auf freiem Feuer wirft die Bouillon im Sieden den Agar-Agar umher
und mischen sich die Stoffe also innig und beständig von selbst Zu
letztem Verfahren gehört viel weniger Zeit, ob es aber nur die Be-
wegung der Flüssigkeit ist, die den Unterschied veranlasst oder ob
noch andere Umstände in Betracht kommen, kann ich nicht entscheiden.
Das Kochen des Agar-Agar im Autoklaven wird von Freuden-
reich und Gi lieb au (20) sehr empfohlen, sie geben an, rasch
sehr durchsichtiges Nähragar erhalten zu haben. Roux soll auch
dieses Verfahren mit Erfolg benutzen. Doch kann kaum der Auto-
klave ein allgemein verbreiteter Apparat werden.
Bei ungenügendem Kochen sieht man nach der Filtration und
Sterilisation des Nähragar eine Flockenbildung in vorher ganz klarer
Flüssigkeit entstehen.
Woran aber erkennen wir, ob der Agar-Agar genügend gelöst
war? Ich beobachtete folgende Kennzeichen: der gelöste Agar-Agar
muss ganz klar oder gleichmässig trüb sein, darf durchaus keine
Flocken oder Stücke enthalten. Die Niederschläge müssen deutlich
und fest am Boden liegen, so dass die klare Flüssigkeit leicht abzu-
heben ist
Das Klären von Nähragar. Klären mitEiweiss ist zweck-
los. Die Hauptbedingung, auf die Acht zu geben, um klares Nähr-
agar zu erhalten, ist die vollständige Lösung und das völlige Nieder-
schlagen des Bodensatzes.
Die Bereitung von Nähragar II. Basirend auf der
Erfahrung, dass Nähragar sich auf freiem Feuer rascher löst (wie
oben angeführt), gehe ich zur Bereitung unseres Nähragar II über.
In einen emaillirten gusseisernen Kessel giesst man 3—4 Liter
destillirten Wassers und bringt dasselbe zum Kochen ; dann fügt man
20 g feingeschnittenen Agar-Agars hinzu und kocht ca. 2 Stunden.
Der Kesseldeckel wird fast ganz geschlossen, um stärkeres Sieden zu
fcttr Wage von der Bereitaa; einiger NährsntstraU. ßi
erlangen. Nach Ablauf der 2 Stunden wird 1 Liter schwach alka-
lischer Bouillon zugegossen und dann weiter gekocht, so lange, bis
nur 1 Liter Nähragar nachbleibt, was im Ganzen ungefähr 3 Stunden
beansprucht Agar-Agar brennt gar nicht bei emaillirtem Kessel-
boden an, und man braucht nicht, beim lang anhaltenden Kochen,
iortwährend dabei zu stehen und zu rühren. Die trübe Flüssigkeit
wird dann direkt im heissen Trichter filtrirt. Auf diese Weise er-
hält man sehr guten Nähragar von blasser Färbung, genügender
Festigkeit, der recht durchsichtig ist. Die ganze Zubereitung ist in
einigen Stunden beendet
Diese Art der Losung von Agar-Agar wirkt, wie es scheint, etwas
verringernd auf den Werth des Agar-Agars als Gallerte, wenigstens
erhält man bei gleicher Dosirung festeren Nähragar nach I, als nach
II. Vielleicht hat die Art des Kochens auf das Sauerwerden der
Bouillon Einfluss. Wie es auch sei, kann man diese kleine Differenz
beseitigen durch Hinzugeben von 20 g Agar-Agar statt 15 g, und
durch vollständige Neutralisation der Bouillon.
Zur Sterilisation werden die Probirgläser mit Nähragar 3 Tage
nach einander auf eine Stunde in den Dampfkochtopf gestellt und
ist ihr Inhalt dann absolut keimfrei. Ein so langes Stehen in hoher
Temperatur verdirbt den Nähragar nicht, es wird sogar dadurch
durchsichtiger. Falls der Nähragar etwas weich .oder wässerig ist,
was besonders nach Zusatz von Glycerin geschehen kann, so stellt
man die Probirgläschen an einem warmen und trockenen Ort Hier
trocknen sie sehr rasch ein und der Nähragar wird ganz fest Der
Zusatz von Glycerin oder Zucker wird nach der Filtration zuge-
geben.
Nährgelatine. Darstellung und Eigenschaften der-
selben. Bekanntlich wird Gelatine durch langes Kochen aus thie-
rischen Sehnen und Knochen gewonnen und übernimmt die Technik
das Umsetzen der thierischen Bestandteile in reine, durchsichtige,
leicht lösliche Gallerte.
Kocht man Gelatine zu lange, so erstarrt sie nicht mehr beim
Erkalten, sondern bleibt flüssig ; dasselbe bewirken verdünnte Säuren.
Gelatine besteht aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und
Stickstoff und gehört nach Drechsel (24) unter die Eiweissstoffe,
in die Gruppe der Glutinoide.
Gelatine reagirt schwach sauer, weshalb man bei Neutralisation
der Bouillon, in welcher Gelatine gekocht werden soll, Alkali bis zu
schwach rother Färbung des PhenolphtaleXn zusetzt Dieser kleine
Deberschuss von Alkali genügt zur Neutralisation der Gelatine —
die Mikroben gedeihen gut.
Die Zubereitung der Nährgelatine ist viel leichter, als die des
Nähragar, weil eben Gelatine viel leichter löslich ist Bisweilen
kommen auch unangenehme Zufälle vor. Es geschieht, dass viele
Mikroben entweder gar nicht oder nur kümmerlich wachsen — dann
trägt gewöhnlich die Reaktion die Schuld daran. Obgleich man
meist durchsichtige Gelatine bekommt, so geschieht es doch zuweilen,
dass dieselbe nach Filtration und Sterilisation trübe wird.
C2 Schalt!,
C. Fraenkel (8) erwähnt dessen auch in seinem Lehrbach und
nimmt als Ursache einen Ueberschuss von Alkali an; eine Ansicht,
der ich mich durchaus anschliesse.
Bei der Bereitung von Nährgelatine gibt es dreierlei Nieder-
schläge: die zwei bei der Bouillon schon besprochenen und endlich
noch eine feine Trübung, welche in jeder Lösung von Gelatine vor-
handen ist und leicht durch Klärung mit Eiweiss und Filtration zu
beseitigen ist
In mehreren Lehrbüchern wird vorgeschlagen, die Nährgelatine
längere Zeit hindurch zu kochen. Zur Losung ist das unnütz, da
dieselbe in heisser Bouillon momentan geschieht. Waren die Nieder-
schläge der Bouillon schon früher entfernt, so genügt zum Besei-
tigen der Trübungen in der Gelatine, mit Hilfe von Eiweiss, ein
16 Minuten langes Kochen.
Die Bereitung der Nährgelatine. In 1 Liter schwach
alkalischer, heisser Bouillon zum zweiten Mal gekocht und heiss
filtrirt, wird 50—100 g Gelatine gelöst und dann 200 cm destillirttu
Wassers zugegossen, die erhaltene Lösung bis auf 40° abgekühlt
und 2 Eiweiss (die vorher mit der 2— 3 fachen Menge Wasser ver-
rührt wurden) zugegeben und während 10—15 Minuten stark gekocht
Dabei wandelt sich die vorher trübe Flüssigkeit in eine klare, hell-
gelbe, in der harte Flocken geronnenen Ei weisses vertheilt sind.
Man filtrirt sie durch vierfach gefaltete Marly und dann durch heisse
Trichter. Die Nährgelatine wird zum Schlüsse noch 3 Tage nach
einander täglich auf eine halbe Stunde in den Dampfkochtopf ste-
rilisirt
Das Filtriren der Nährsubstrate. Das Filtriren der
Nährsubstrate erfordert recht viel Geduld. Ein rasches Filtriren ist
gewöhnlich unmöglich, eine dicke Gallerte kann nicht anders als lang-
sam durchlaufen; doch kann auch dieses etwas erleichtert werden.
1) Enthält die zu filtrirende Flüssigkeit Ei weissstoffe , welche
zu eliminiren sind, so muss sie stark gekocht werden, damit die schlei-
migen Eiweissstoffe den Filter nicht etwa verkleben.
2) Zeigt die Flüssigkeit eine feine Trübung, die durch den Filter
nicht beseitigt wird oder denselben verunreinigt, so muss mit Eiweiss
geklärt werden.
3) Es empfiehlt sich, die Gallerte durch beisse Wassertrichter
zu lassen, damit sie flüssiger bleibt.
4) Falls das Filtriren sehr langsam geht, muss der Trichter
zugedeckt werden, da sonst durch das Verdunsten des Wassers die
Gallerte immer zäher wird; die Filtration kann sogar zum Stillstand
kommen.
Um ganz klare Flüssigkeit zu erhalten, thut man wohl, den
ersten Theil des Filtrats in den Trichter zurückzugiessen, resp. ein
zweites Mal zu filtriren.
Bei Befolgung obiger Regeln filtrirt die Bouillon sehr gut
Das Filtriren von Nährgelatine geht nicht immer gleicherweise
vor sich : nicht ganz neutrale filtrirt rasch und von Anfang an klar;
bei alkalischer geht es rasch, aber trübe, und wird die Lösung nur
bei langsam tröpfelnder Filtration vollkommen klar; also mit 2—3-
fcnr Frage von der Bereitung einiger tf&hrsubstrate. §$
fächern Filter und nicht allzu heissen Trichtern wird am besten
filtrirt.
Am schwierigsten ist gewöhnlich das Filtriren des Nähragars,
weshalb es auch verschiedene Angaben gibt, um diese Arbeit zu er-
leichtern. Manche filtriren es gar nicht, sondern bringen es nur an
einen warmen Ort und lassen die Niederschläge sich absetzen.
A. Fraenkel (25) nimmt die klare Flüssigkeit mit der Pipette ab ;
Freudenreich (20) giesst sie ab; Flügge (22) lässt die Flüssig-
keit im Cylinder erstarren und schneidet das Unreine herunter.
Jakobi (26) filtrirt durch Watte unter erhöhtem Druck, Freu-
denreich (20) im Autoklaven, van Puteren (23) in verdünnter
Luft u. s. w.
Es ist, wie ersichtlich, in Bezug auf diese Frage schon viel ge-
arbeitet worden, ohne dass jedoch eine der vorgeschlagenen Methoden
allgemein geworden wäre.
Es ist mir nicht gelungen, das Nähragar durch Abgiessen von
den Niederschlägen so klar zu bekommen, wie das filtrirte; eine
Kombination beider Mittel kann aber manchmal das sicherste Resul-
tat geben.
Bei der Bereitung von Nähragar I verfahren wir folgender-
maassen : Nachdem das Agar-Agar 10 Stunden im Dampfkochtopf ge-
standen bat, wird geschüttelt und das Nähragar in grosse Probir-
gläser oder in cylindrische Gefässe gegossen (zur Erleichterung des
Abgiessens), wieder in den Dampfkochtopf gebracht und dort bis
zum vollständigen Absetzen des Niederschlages gelassen. Gewöhn-
lich erhält man eine klare Flüssigkeit, die verhältnissmässig leicht
filtrirt, wenn vorher nur bis zu ( — 8) oder (— 10) neutralisirt war.
Bei der Bereitung des Nähragar II ist eine Absetzung der Nie-
derschläge unnütz; solches Nähragar filtrirt gut und braucht dazu
ungefähr eine Stunde.
Im Interesse der Filtration ist eine vollständige Lösung des
Agar-Agar und eine nicht allzu grosse Zähigkeit der Gallerte erfor-
derlich ; je zäher die Gallerte ist, desto schwerer geht die Filtration.
Eine gewisse Zähigkeit ist wohl für unsere Arbeit unbedingt nöthig,
ein Deberfluss aber sehr zeitraubend, wie bei der Lösung von Agar-
Agar, so auch bei der Filtration. Eben diesen Grad der Zähigkeit
habe ich lange gesucht.
Aus dem Gesagten ziehe ich folgende Schlüsse:
1) Es empfiehlt sich, die bei der Bereitung der Nährsubstrate
sich bildenden Niederschläge einzeln zu entfernen, weil jeder Nieder-
schlag seine besonderen Eigenschaften hat.
2) Bei der Neutralisation ist Lackmuspapier nicht zuverlässig
und die Reaktion durch Titriren festzustellen.
3) Phenolphtaleln ist ein sehr genauer Indikator.
4) Die Bouillon muss vor dem Zusatz von Agar-Agar oder Ge-
latine neutralisirt werden.
5) Agar-Agar erfordert zu vollständiger Lösung langdauerndes
Kochen.
6) Nährgelatine muss nur wenig gekocht werden.
ß4 So hnlti) £ur Fragt von dar Bereitung einiger ftährsubstrat*.
Dieses befolgend, habe ich wirklich sehr gute Bouillon, Nahragar
und Nährgelatine bereitet. Erst allmählich, in dem Maasse, als ich
die Eigenschaften unserer Nährsubstrate näher kennen gelernt, wurde
es mir klar, woran das häufige Misslingen bei ihrer Zubereitung lag,
und wurde es mir dann auch möglich, die Mängel der Bereitung
wenigstens theilweise abzustellen. Viel Spielraum aber ist noch zur
Arbeit auf diesem Gebiete vorhanden !
Zum Schluss fühle ich mich verpflichtet, meinen innigsten Dank
Herrn Prof. Afanasiew für die Leitung, welche er bei meinen
bakteriologischen Studien mir angedeihen liess, auszusprechen.
Litteratur.
1) Koch, lfittheilangen aus dem Gesundheitsamt«. Bd. I. 1881.
2) Proast, Revue d'hygiene et de police sanitaire. T. VI. 1884. p. 917.
3) Loeffler, Centralblatt für Bakteriologie und Paratitenknnde. Bd. VII.
1890. p. 629.
4) Böckmann, Chemisch - technische Untersuchungsmethoden. 2. Aufl. Bd. I
p. 96—109.
6) lfiquel, Les organismes vivants de l'atmosphere. 1888. p. 161.
6} Loeffler, Mittheilungen aus dem Gesnudbeitsamte. Bd. II.
7) Heide li reich, Methoden der Untersuehung der Mikroorganismen. [Russisch.
8) C. Fraenkel, Grund riss der Bakterien künde. J887 und 1890.
9) Baumgarten, Lehrbuch der pathologischen Mykologie. 1. Hälfte. 1886
10) Hueppe, Die Methoden der Bakterien forsch ung. 1889.
11) v. Ermengen, Manuel technique de microbiologie. p. 240.
12) Dubieff, Manuel pratique de microbiologie. p. 246.
18) Payen, Comptes rendus. T. XLIX. 1869.
14) Qreenisch, Pharmazeutische Zeitschrift Russlands. Bd. XX. p. 601.
16) Graham, Philosophical Transactions. 1861.
16) Schottelius, Centrmlblatt für Bakteriologie und Parasitenkunde. Bd. II.
1887. p. 97.
17) Richter, Berliner klinische Wochenschrift. 1887. No. 82. p. 600.
18) König, Zusammensetzung der menschlichen Nahrung»- und GennssmitteJ. 1889
19) Tischutkin, Wratoch. 1890. No. 8.
20) Freudenreich, Centnilblatt für Bakteriologie und Parasitenkunde. Bd. 111.
p. 797.
21) M. J. Afanasiew, Kalender för Aerzte. 1888. Artikel: „Ueber die Fort-
schritte der Bakteriologie.14 [Russisch.]
22) Flügge, Die Mikroorganismen, p. 660.
28) Van Puteren, Wratsch. 1888. No. 16.
24) E. Drechsel, Ladenburg's Handwörterbuch der Chemie. Artikel :
„Ueber Eiweisskörper."
25) A. Fraenkel, Zeitschrift für klinische Medicin. Bd. X. 1886.
26) Jacobi, Centralblatt für Bakteriologie und Parasitenkunde. Bd. III. No. 17
St. Petersburg, 30. April 1891.
Kaufmann, Ueber einen nenen Nährboden für Bakterien, f>5
Ueber einen neuen Nährboden für Bakterien.
[Aas der zoologischen Station zu Neapel]
Von
Dr. P. Kaufinann
z. Z. in Alexandrien.
ZüchtnngsverBuche, die ich mit dem sogenannten Jequirity-
bacillus und dem wahrscheinlich identischen Megaterium in
Jequirityinfus anstellte, fahrten mich dazu, das Letztere genauer in
Bezug auf seine Verwendbarkeit als Bakteriennäbrboden zu prüfen.
Das Resultat war ein günstiges und ich erlaube mir deshalb, das-
selbe hier in Kürze mitzutheilen.
Ich stellte mir meine Nährflüssigkeit in folgender Weise her:
10 gr Jequiritysamen *) wurden durch Zerstampfen im Mörser ent-
schält und die entschälten Samen , deren Tlcwicht jetzt nur noch ca.
8 gr betrug, mit 100 ccm Wasser während 2 Stunden im Dampf-
sterilisator gekocht; das Ganze wurde kalt (es bildet sich beim Ab-
kühlen ein Niederschlag) filtrirt. Die resultirende Flüssigkeit von
hellgelber Farbe reagirte neutral bis ganz schwach alkalisch und
war für die Mehrzahl der von mir benutzten Bakterien ohne Weite-
res als Nährboden zu verwerthen. Die Flüssigkeit, welche ich der
Kürze halber Jequiritylösung nennen will , brauchte nur noch in
Reagenzgläser gefüllt und in der üblichen Weise sterilisirt zu werden.
Bezüglich ihres Verhaltens zur Jequiritylösung konnte ich die
Bakterien in 3 Kategorieen theilen:
1) in solche, welche die Farbe der Lösung unverändert liessen ;
es waren dies mit wenigen Ausnahmen diejenigen, welche gar nicht
oder nur schlecht wuchsen und dementsprechend nur geringe Trübung
oder geringen Bodensatz bildeten ;
2) solche, welche eine Entfärbung und
3) solche, welche eine Grünfärbung hervorriefen.
Es ergaben sich also 3 Farbennuancen. Eine nähere Prüfung
zeigte, dass die grünen Kulturen alkalisch reagirten, dass die Ent-
färbung dagegen auf Säurebildung beruhte. Dies wurde durch das
chemische Experiment bestätigt. Alkalisirt man nämlich die Lösung,
so erfolgt Grünfärbung, setzt man dagegen zu der grüngefärbten
oder der gewöhnlichen Jequiritylösung Säure hinzu, so tritt Ent-
färbung ein *).
Wir besitzen also in der Jequiritylösung ein Nährmittel, das
uns in den Stand setzt, ohne Weiteres die Alkalibildner von den
1) Die Samen sind bei Merk (0,60 Mk. pro Kilo) erhältlich. Beim Manipullren
mit denselben ist mit Vorsicht su verfahren, de Jequiritvstaub, anf Schleimhäute ge-
lingt, daselbst Entsendung hervorrufen kann.
2) Durch Imprägnation von Flltrirpapier mit einer stark konsentrirten Lösung ver-
mochte ich ein namentlich für Untersuchung auf Alkali ziemlich brauchbares Reagens-
P»pier]herzustelleu.
*.*«. 5
66 Kaufmann,
Säurebildnern in zwar etwas weniger vollkommener, dafür aber in
einfacherer und weniger umständlicher Weise als nach der Pe-
trus chky 'sehen Methode zu trennen. Was die Farbenreaktion be-
sonders werthvoll machte, war der Umstand, dass sich durch die-
selbe nicht nur einige in Bouillon und den anderen Nährböden
wenig oder garnicht different wachsende, im Uebrigen verschiedene,
sondern auch scheinbar identische Arten 9 wie Typhusbacillus
und Bacillus coli mobilis (Messea) sehr schön unterscheiden
Hessen. Der Letztere bildet nämlich Säure und entfärbt demgemäss,
während der Typhusbacillus die Lösung etwas alkalisch macht
und demnach eine Grünfärbung bewirkt1). Dieser Unterschied tritt
übrigens auf einem durch Zusatz von Agar zur Lösung gebildeten
Nährboden noch viel deutlicher zu Tage. Ich komme darauf weiter
unten zurück.
Für Bakterien, welche nur schwach, wie Dennecke's Diph-
theritisbacillus etc., oder garnicht wachsen, wie Vibrio
Proteus (Finkler), Cholera asiatica, Vibrio Metscb-
nikoff, Sarcina aurantiaca, rosea etc., stellte ich in der
Folge eine alkalische Lösung dar (etwa 6 Tropfen konzentrirter
Sodalösung auf 100 cem Jequiritylösung) und zwar, wie aus der
Tabelle ersichtlich ist, mit gutem Erfolge.
Setzte ich zur Jequiritylösung 15 °|0 Gelatine hinzu, so trat ge-
wöhnlich schwach saure Reaktion ein, so dass ein Bakterienwachs-
thum im Allgemeinen nicht stattfand. Nur Staphylococcus
pyogenes aureus gedieh gut; auch Spirillum tyrogenum
(Den necke), blaue Milch und grüner Eiter wuchsen langsam unter
Bildung von braunem Farbstoff. Bessere Resultate lieferte eine al-
kalische Jequiritygelatine.
Bei Zusatz von lf/t — 2 °/o Agar-Agar zur Lösung erhielt ich
einen Nährboden, auf dem die meisten Bakterien gut wuchsen. Die
Farbendifferenz, welche bei der Jequiritylösung, der neutralen sowohl
wie der alkalischen, zuweilen in recht frappanter Weise in die Er-
scheinung trat, war in Gelatine und Agar weniger deutlich ausge-
sprochen. Nur bei einzelnen Arten kamen sehr deutliche Unter-
schiede zustande. So z.B. entstand bei Kultivirung von Bacillus
typhi abdominalis auf neutralem Agar schwache Grünfärbung,
wobei die Transparenz des Agar erhalten blieb, während coli mo-
bilis eine weissliche Trübung des Agar verursachte.
In der folgenden Tabelle habe ich meine Versuchsresultate kurz
zusammengestellt. Die Temperatur, unter der ich die Kultivirung
vornahm, war, abgesehen von den Gelatinekulturen und gewissen,
nur bei niederen Graden gut gedeihenden Arten, Brüttemperatur2).
1) Dies« in scheinbarem Gegensats ran Petruschk y' sehen Befand stehende
Thatsache lässt sich ungeswungen ans der yon Th. Smith neuerdings betonten Fähig-
keit der Bakterien erklären, je nach dem Medium, in weichem sie sich befinden, bald
Saure, bald Alkali su bilden.
%) Die Originalkulturen sind mir liebenswürdiger Weise von Herrn Dr. Kruse
sur Verfügung gestellt worden, die Kulturen Ton Typhus abdominalis und typhuslhn-
Jichen Bakterien verdanke ich Herrn Dr. Maurea,
Üeber •inen neuen Nährboden Ar Bakterien.
67
Tabelle I.
Zeichenerklärung : — m nicht gewachsen. 1 ■«■ schlecht gewachsen. 2 « ziemlich gut
gewachsen. 8 » gut gewachsen.
Bakterienart
r
eqolritylösong
Sardna anrant. . .
Sarcina roaem . . .
Stapbyl. pyog. aureus
Staphyl. pyog. albus
Staphyl. pyog. ritrens
B. prodigiosus • . .
B. pyocyaneus . . .
B. subtilia ....
B. lactis cyanogenus
B. acidi lactis ...
B. anthrada
Pneomobadllua (P r i e d I
B. mallei ....
B. toberculosls . .
B. typhi abdom. . .
B. coli mobilia (Messe»)
Tjphusfihnl. a. Leberab-
scess
B. neapolit (Emmerich)
B. caricida (B r i e g e r)
8p. Cholera aaiat. . .
Vibrio Proteus (Fink*
ler-Prior) . . .
8P- tyrogenum (Den-
necke)
Vibrio Metschnikoff . .
B. diphtherit
Hog-Chotara (Billings)
Svinepest (8elander)
Frettchenaeuehe . . .
1
Alkal. Jequir.
Gelatine
2
1—2
3'
1—2
Neutr. Jequir.
Agar
2—3
1
8
3
2—3
8
2—3
8
2
8
2—3
8
2—3
2
8
3
2—3
8
2
1—2
3
Färbung der
Jequir. -
Lösung
Entfärbung.
Grttnfärbung.
Entfärbung.
Schwache
Grfinftrbung.
Entfärbung
Grflnflrbung.
8tarke
Giüofirbung.
Grflnflürbnng
wie Typhus.
Entfärbung.
, Grttnfltrbung.
t»
I Starke
| GrÜnfärbang.
Das schwache Wachsthum einzelner Arten in alkalischer Jequi-
ritylösung kann seinen Grund in der zu geringen oder zu starken
Alkalescenz der Lösung haben; dafür spricht wenigstens die Beob-
achtung, dass Tuberkelbacillen in schwach alkalischer Jequiritylösung
nicht gut gedeihen, in stark alkalischer dagegen vorzüglich (8 Tro-
pfen koozentrirter Sodalösung auf 100 ccm Jequiritylösung). Selbst-
verständlich kommt hier auch noch der Virulenzzustand der Bak-
terien in Betracht; es kann z. B. bereits ein hoher Grad von Ab-
schwftchung in der Originalkultur bestehen. Insofern darf die von
nur aufgestellte Tabelle, so weit es sich um Unterschiede wie „ziem-
lich gutes" und „gutes Wachsthum44 handelt, keinen Anspruch auf
absolute Richtigkeit machen. Bezüglich des auffallend guten Ge-
68
Kaufmann, Ueber einen neuen Nährboden flr Bakterie«.
deibens von Tuberkelbacillen auf gewissen Jequiritynährböden ist
mir bereits der Einwand gemacht worden, dass die Bacillen in ein
saprophytischeres Stadium getreten sein, d. h. dass sie an Patho-
genität verloren haben könnten ; ich kann dem vorläufig nicht wider-
sprechen. Nur ganz genaue vergleichende Untersuchungen können
hierüber Gewissheit verschaffen.
Einigen alkalischen Lösungen setzte ich Pepton zu, anderen
Glycerin, wieder anderen Pepton und Glycerin, sowie Pepton und
Salz. Versuche mit solchen Nährböden haben, wie aus Tabelle II
ersichtlich, zu theilweise sehr guten Resultaten geführt.
Tabelle IL
Bakterienart
B. laetis cyanogenns
B. acidi laetis . . .
Pneamobacillns (P r i e d 1
B. tnberculosfo . .
8p. cbolerae aaiat.
B. dipbtherit. . . .
B. anthracJs . . .
Vibrio Metschnikoff .
B. mallei ....
Sarc. aarantiaca . .
Sarc. rosea ....
Alkal. Jeqair.-
Losnng -f- 20/0
Pepton
Alkal. Jequir-
Ldsung + 6«/o
Glycerin
Alkal. Jeqair.
Lösnng 4 *%
Pepton + 6 <ft
Glycerin
3
1—2
8
*— 3
2—3
2
Alkal. Jeqair. -
Losung + t«ft
Pepton +
0,6% SeJs
Ich möchte hervorheben, dass Tuberkelbacillen in alkalischer
Peptonjequiritylösung schon innerhalb 3 Tagen eine starke Vermeh-
rung zeigten, so dass deutliche Trübung der Nährflüssigkeit eintrat
Weniger günstig erwies sich für Tuberkel- und Diphtheritisbacillen
eine Jequiritygelatine, der Pepton zugesetzt war, während Mikro-
organismen, wie Pneumobacillus (Friedländer) und Vibrio
Metschnikoff ganz vorzüglich in derselben gediehen. Für
anaörobe Arten dürften sich Versuche mit Zusatz von Zucker etc.
empfehlen; einige fakultativ anaerobe Bakterien wie Milchsäure
Hessen sich sehr gut in hoher Schicht von alkalischer Jequiritygela-
tine züchten.
Behandelte ich ältere Kulturen mit Salpetersäure, so entstand
zuweilen Rosa- bis Rothfärbung. In einer Kultur wie Bacillus
prodigiosus in neutraler Jequiritylösung trat schwache Rosafar-
bung ein; dasselbe zeigte sich bei Pneumobacillus (Fried-
länder) in alkalischer Glycerinjequiritylösung, sowie bei Hogcholera
und Swinepest (Seiander) in neutraler Jequiritylösung. Starke
Rosafärbung zeigten Bacillus neapolitanus (Emmerich),
Frettchenseuche und typhusähnlicher aus Leberabscess in neutraler
Jequiritylösung.
Starke Rothfärbung trat bei einer Kultur von Cholera asiatica
in alkalischer Peptonsalzjequiritylösung ein. Ob es sich hier um
L n fc »/ s*c h , Bemerkungen ktt lt. Stern's fte/erat. ß§
einen der Indolreaktion analogen Vorgang oder gar um denselben
handelt — es könnten sich ja Nitrite in der Jequiritylösung gebildet
haben — wage ich nicht zu entscheiden. Meine Befunde regen
jedenfalls zu mancherlei Versuchen an. Wie verhalten sich die Kul-
turen zur Kitas ato* sehen Indolmethode? Wie verhalten sie sich
den verschiedenen anderen Reagentien gegenüber? Lassen sich noch
andere Sameninfuse als Nährböden mit Erfolg benutzen ? Das sind
Fragen, deren Erledigung vielleicht zu manchen werthvollen Befun-
den fahren könnte. Ich möchte hier übrigens noch erwähnen, dass
bei Säureüberschuss einzelne Kulturen eine braune Färbung, einzelne,
wie Hogcholera, merkwürdiger Weise und in scheinbarem Wider-
spiuch zu meinen obigen Angaben starke Grünfärbung annahmen.
Zum Schluss möchte ich es nicht unterlassen, gewisser Nach-
theile zu gedenken, welche die Benutzung des Jequiritynährbodens
mit sich führt. Es scheint nämlich, dass bei einigen beweglichen
Arten, wie coli mobilis, in der Lösung sehr schnell eine Ver-
langsamung resp. ein Aufhören der Beweglichkeit eintritt und dass
dementsprechend bei diesen wie bei einzelnen anderen eine Weiter-
kultivirung durch mehr als 3—4 Generationen nicht möglich ist.
Des Weiteren fand ich, dass bei Färbungen mit Methylenblau und
anderen Farbstoffen eine Mitfärbung der Jequiritylösung das Bild
undeutlich machte. Es gelang mir indessen schliesslich, diesen
Fehler zu eliminiren, wenn ich die Deckgläschen vor der Färbung in
einer Säurelösung (1— 5°/0) und sodann in Wasser abspülte. Fär-
bungen nach Gram resp. nach der W e i g e r t * sehen Fibrinfärbungs-
methode ergaben brauchbare Bilder.
Der Werth der Jequiritynährböden, speziell der Jequiritylösung
scheint mir in dreierlei zu bestehen:
1) ist die Darstellung des Nährmediums eine äusserst einfache;
2) vermag man mit derselben einzelne bisher schwer trennbare
Arten besser zu unterscheiden;
3) wird das Wachsthum gewisser Bakterien, wie Bacillus
pyoeyaneus, mehr begünstigt, als in irgend einem der anderen
Nährböden.
Neapel, 21. Mai 1891.
Bemerkungen zu E. Stern 's Referat über meine
»Untersuchungen über die Ursachen der angeborenen
und erworbenen Immunität."
Yen
Dr. 0. Lubarsch,
Priyatdocent und L Assistent am pathologischen Institute in Zürich.
In Nr. 15 des IX. Bandes dieses Centralblattes befindet sich
ein Referat von B. Stern über meine oben genannte Arbeit, welches
mich zu meinen grossen Bedauern zu einigen Bemerkungen zwingt
Nicht, weil ich mich der Hoffnung hingäbe, dass durch derartige
90 Lubarsct),
wissenschaftliche Polemiken zur Klärung der schwebenden Streit-
fragen etwas Wesentliches beigetragen werden könnte. Soweit über-
haupt die Angriffe des Herrn Referenten sachlicher Natur sind, könnte
ich Gelegenheit nehmen , dieselben an einem anderen Orte zu be-
rücksichtigen. Da aber der grösste Theil des Referats in dem Ver-
suche gipfelt, mir eine Reihe von Widersprüchen und unlogisches
Auseinandersetzungen nachzuweisen und auch das fachwissensch&ft-
liche Publikum naturgemäss abgeneigt ist, sich durch eigene Lektüre
einer so umfangreichen Abhandlung ein selbständiges Urtheil zu
bilden, so bin ich zu dieser Erwiderung gezwungen. Nicht um den
Herrn Referenten von seinem Unrecht zu überzeugen, wohl aber üb
zu verhindern, dass bei dem Publikum einer der verbreitetsten bak-
teriologischen Fachschriften die Anschauung erweckt wird, meine
Arbeit bestände nur aus einer Sammlung mehr oder weniger durch-
sichtiger Widersprüche, schreibe ich diese Entgegnung.
Den ersten Widerspruch sieht der Herr Referent in meiner Stellung
zur Retentionstheorie. Nachdem ich auf S. 47 erklärt habe, dass die
Retentionshypothese „unter allen Umständen den Todesstoss empfängt
soll ich damit noch nicht „mein letztes Wort gesprochen habend
und auf S. 152 die Entdeckung von Behring und Kitasato ab
eine fundamentale Thatsache bezeichnen, welche die Retentionshjpo-
these zum entscheidenden Siege zu führen scheint Ich will keinen
Werth darauf legen, dass der Herr Referent anstatt der von mir
gebrauchten Wendung „Behring' 8 und Kitasato's Nachweis «N
scheint als eine fundamentale Thatsache u. s. w " mich positiver
sprechen lässt; allein ich bedaure, dass er den darauf folgenden
Satz nicht mitgetheilt hat. Derselbe lautet: „Allein sie (die von
Behring gefundene Thatsache) ist auch mit der Anschauung ver-
einbar, dass die immunisirenden Stoffe eine Abänderung des oku-
lären Stoffwechsels bewirken; denn noch ist der Nachweis nicht
geführt, dass das übertragene Blut die immunisirenden Stoffe in der-
selben Menge enthält, wie in dem zuerst immunisirten Thier.u Aas
diesem Satz geht wohl unzweifelhaft hervor, dass nach meiner An-
schauung auch die Entdeckungen Behring's und Kitasato's
nicht geeignet sind, die Reotentionshypothese zu beweisen. Im
Uebrigen gebe ich dem Herrn Referenten gern zu, dass ich in diesen
Dingen mein letztes Wort noch nicht gesprochen habe. Wer heute
die Vermessenheit begehen wollte, in der Immunitätsfrage ein letztes
Wort zu sprechen, würde sich damit die völlige Sicherheit ver-
schaffen, etwas Unrichtiges zu behaupten oder — er mQsste ein
Genie sein, dem die Natur es vergönnt, auch ohne logische Beweis-
führung intuitiv das Richtige zu treffen.
Im Weiteren bemängelt der Herr Referent meine Definition der
Immunität und bezeichnet dieselbe als „offenbar unzureichend/1 Der
Begriff der Immunität sei nicht nur, wie ich meinte, ein klinischer
gewesen, sondern er s e i es n o c h. Der Herr Referent hat wiederum
ein kleines Wort übersehen. Ich habe nicht gesagt, dass der Im-
munitätsbegriff nur ursprünglich ein klinischer gewesen sei, son-
dern dass er ursprünglich ein rein klinischer war, d. h. er ist auch
heute noch ein klinischer, aber glücklicherweise nicht mehr ausschliess-
lich ein klinischer, sondern ebenso ein allgemein pathologischer,
Bemerkungen in ft. Starn's fcUferfct ^(
Wäre er auch heute noch nur ein klinischer Begriff, so wäre er jetzt noch
ebenso unklar wie vor 2000 Jahren. Den besten Beweis dafür liefert
der Herr Referent selbst Er versteht unter einem immunen Orga-
nismus einen solchen, der nach dem Eindringen pathogener Organis-
men nicht erkrankt Aus jedem Handbuch der Logik würde der
Herr Referent ersehen können, dass es ein wesentliches Erforderniss
für jede Definition ist, nur objektive Merkmale zu enthalten; der
grösste Fehler ist es sicher, in eine Begriffsbestimmung Merkmale
aufzunehmen, die selbst erst wieder einer Erklärung bedürfen. Der
Begriff der Erkrankung ist nun aber ein derartiger, dass er heute
wissenschaftlich überhaupt noch nicht allgemein festgestellt werden
kann. Ob eine Ratte, welche nach Impfung mit Milzbrand ledig-
lich eine ausgebreitete Entzündung und Nekrose an der Impfstelle
erleidet, als „krank44 betrachtet werden soll oder nicht, das steht
mehr oder weniger in der subjektiven Entscheidung des Beobachters
und kann auch mit Zuhilfenahme sämmtlicher klinischer Untersuchungs-
methoden nicht objektiv entschieden werden. Ob sich aber die
eingedrungenen Bakterien vermehren oder nicht, ist ein objektives
Merkmal, welches mit Sicherheit mittelst der bakteriologischen Metho-
den entschieden werden kann. Zudem ist es ein Merkmal, welches
selbst in voller Uebereinstimmung steht mit den bei Menschen oder
Thieren beobachteten Tbatsachen. Es gibt keine Infektionskrankheit
ohne eine zum mindesten lokale Vermehrung der eingedrungenen
Bakterien und es gibt umgekehrt keinen Fall von absoluter Immuni-
tät, bei welcher die Mikroorganismen eine Vermehrung erlitten.
Wenn endlich ein Widerspruch darin bestehen soll, dass ich
auf S. 119 vier Möglichkeiten für die Immunität gegen Milzbrand
aufstelle, so hat der Hr. Referent wiederum übersehen, dass die Auf-
stellung a priori d. h. ohne Berücksichtigung der thatsächlichen
Verhaltnisse rein theoretisch gemacht ist und ausserdem für die ge-
sammte Immunität (absolute und relative) gilt.
Ich komme nun zu einem Punkt, dessen Besprechung mir be-
sonders peinlich ist, weil hier Prioritätsfragen ins Spiel kommen, auf
die ich allerdings keinen Werth zu legen pflege. Der Hr. Referent
schreibt: „Flügge hat bekanntlich nachgewiesen, dass das Blut eines
mit Milzbrand infizirten Kaninchens bereits zu einer Zeit seine bak-
terientddtende Eigenschaft verliert, zu welcher in den grossen Ge-
lassen Bacillen noch nicht nachweisbar sind. L. hat diesen Versuch
mehrmals und stets mit dem gleichen Resultat wiederholt.44 Der
Hr. Referent pflegt bekanntlich, wenn ich über eine Frage sechs bis
acht eindeutige Versuche p u b 1 i c i r e , dieselben einfach damit abzu-
thuD, dass sie zu gering an Zahl sind. Es wird daher Niemand
zweifeln, dass bei der grossen Skepsis des Herrn Referenten der „be-
kanntliche Nachweis von Flügge durch zahlreiche, durchaus ein-
wandsfreie Versuche erbracht ist. Allein so sehr ich auch die Litte-
ratur durchforscht habe, so ist es mir bis heute unmöglich gewesen,
auch nur einen einzigen beweisenden Versuch von Flügge
zu entdecken. Alles, was überhaupt in dieser Beziehung von F 1 ü g g e
veröffentlicht ist, befindet sich im 4. Bd. der Zeitsch. f. Hygiene.
& 229. Hier führt Flügge einen Versuch an, dass das defibrinirte
Blut eines mit Milzbrand geimpften und bereits deutlich kranken
72 Lubtticlt,
Kaninchens, obgleich sich in den grösseren Gefassen keine Milzbrand-
bacillen nachweisen Hessen, nur noch sehr geringe baktenenUxltenüe
Eigenschaften gegenüber dem Milzbrand besass. Flügge deutet
diesen Versuch allerdings ähnlich wie Stern; nachdem aber durcn
die Untersuchungen von Nissen, mir und Behring und Nissen
gezeigt worden ist, dass es Kaninchen gibt, deren Bluteeram gar
keine oder nur sehr wenig Milzbrandbacillen tödtet, wird wohl flügge
selbst diesen einen Versuch kaum noch als beweisend ansehen, hs
konnte die vorliegende Frage eben nur durch Versuche an ein und
demselben Thier entschieden werden. Dass diese Art des Lxpen-
mentirens an einem und demselben Individuum selbständig von mir ;
ein- und durchgeführt worden ist, wird wohl selbst der Hr. Referent
nicht bestreiten können, wenn er es auch in seinem Referat sorgfäl-
tig verschwiegen hat. Nur auf diese Weise habe ich zeigen können, j
dass das Blut eines Kaninchens, welches vor der Impfung circa
1400 Milzbrandbacillen vernichtete, bereits 8 Std. nach subkutaner ;
Milzbrandimpfuug jede tödtende Eigenschaft eingebüsst hatte. Aber
auch darin unterscheiden Bich meine Versuche, dass dieser Verlust
der bakterientödtenden Eigenschaft bereits eintritt zu einer Zeit , wo
das Thier noch nicht die geringsten Krankheitserscheinungen darbietet,
wo ferner überhaupt noch keine Bacillen in den Kreislauf einge-
drungen sind; denn wie ich an anderen Orten (dieses Ceutralblatt.
Bd. VI und Virch. Archiv. Bd. CXXIV) mitgetheilt habe, findet
der Uebergang der Milzbrandbacillen von der Impfstelle ins Blut
erst sehr spät BtatU Ob man demnach meine Versuche als Wieder-
holungen des Flügge' sehen Versuchs betrachten rauss, das über-
lasse ich gern dem Urtheil meiner Leser.
Endlich wiederholt der Hr. Referent seinen Wiederspruch gegen
meine Anschauung, dass das extravaskuläre Blut von Kaninchen und
Katzen bedeutend mehr Milzbrandbacillen vernichten könoe, als das
in den Gefassen kreisende Blut Mir ist dieser Widerspruch besonders
nach meinen diesbezüglichen Ausführungen in der referirten Arbeit
so völlig unbegreiflich, dass ich nochmals den Versuch einer Klar-
legung machen muss. Ich hatte unter anderem nachgewiesen, dass
ein Kaninchen, von dem 1 cem extravaskuläres Blut 21/^ Millionen
Milzbrandbacillen vernichtete, nach direkter intravenöser Einspritzung
von 16000 Milzbrandbacillen prompt an Milzbrand starb. Wenn
dieser und ähnlichen Thatsachen gegenüber der Hr. Referent es noch
für möglich hält, dass auch das zirkulirende Blut dieses Kaninchens
die Fähigkeit besessen hätte, 21/* Mill. Bacillen zu vernichten, so
ist dies nur verständlich, unter der Voraussetzung, dass die einge-
spritzten 16000 Milzbrandbacillen der Berührung mit dem Blute voll-
kommen entzogen wurden, und dann nach einer bestimmten Ver-
mehrung die Widerstände des Blutes brachen. Der Hr. Ref. führt
ja auch zur Stütze dieser Anschauung die Versuche von Wyssoko-
wiez an; allein durch diese Versuche ist lediglich nachgewiesen,
dass die in die Blutbahn eingeführten Bacillen in den engen Kapillaren
von Milz, Leber und Knochenmark zurückbehalten und theilweise
von Endothelzellen aufgenommen werden. Selbst dies ist aber nur
dann nachzuweisen, wenn man grössere Mengen von Bacillen ein-
spritzt; nimmt man wenig, so ist es auch noch nach 6 bis 8 Std,
Bemerkungen in R. Stern's Referat* 73
schwierig, beim Kaninchen diese Bacillen [wieder aufzufinden; man
erhält vielmehr den Eindruck, als ob in der That eine Anzahl,
aber nicht alle Bacillen vernichtet wären. Wo man sie aber fin-
det, liegen sie durchaus frei in den Blutgefässen und nicht in
Zellen. Da also diese eingeführten Bacillen stets sämmtlich oder
theilweise mit dem sich immer erneuernden Blute in Berührung
bleiben, so begreife ich nicht, wie das betreffende Thier an Milzbrand
sterben könnte, wenn das cirkulirende Blut die Fähigkeit besässe,
ebenso wie ausserhalb des Körpers 2l/2 Mill. Bacillen zu vernichten,
und ich glaube allerdings, dass daraus der Schluss, dass die bak-
terientödtende Eigenschaft des intravaskulären Blutes geringer ist,
als die des extravaskulären mit zwingender Notwendigkeit vernünf-
tiger Weise gezogen werden muss.
Zum Schluss des Referates wird mir dann noch vorgeworfen,
dass ich völlig widersprechende Ansichten über die Bedeutung der
bakterientödtenden Eigenschaften des Blutes in meinen verschiedenen
Arbeiten äussere. Zum Beweise dafür werden vier verschiedene
Stellen angeführt, an denen ich zweimal die Existenz der bakterien-
tödtenden Eigenschaften des Blutes zugeben und zweimal leugnen
soll. Allein in der einen angezogenen Arbeit „über die Ursachen der
Immunität14 (Fortschritte der Med. 1890. No. 17) dürfte es selbst der
Referirkunst des Herrn Stern nicht gelingen, auch nur ein Wort
ausfindig zu machen, mit dem ich bestritte, dass auch dem zirku-
lirenden Blute die Fähigkeit zukommt, Bakterien abzutödten. Der
2. angeführte Passus aus der referirten Arbeit kann allerdings aus
dem Zusammenhang gerissen so aufgefasst werden, wie der
Hr. Ref. seine Leser glauben machen will.
Im Zusammenhang aber wird die Bedeutung des Satzes
„und diese bakterientödtende Eigenschaft des cirkulirenden, nun
gar zellfreien Blutes ist bis jetzt durch nichts bewiesen", sofort klar.
Derselbe richtet sich gegen die Anschauung des Referenten, dass
das zirkulirende Blut genau ebenso viel Bacillen abtödten könne, als
das aas den Gefässen entnommene defibrinirte Blut „Und diese
Eigenschaft", sage ich darauf, „ist bis jetzt durch nichts bewiesen.4'
Im Uebrigen habe ich in dieser Frage^von Anfang an, den Stand-
punkt vertreten, dass auch das zirkulirende Blut gewisser Thiere
Bakterien abtödten kann. Ich habe mich aber dagegen gerichtet, dass
diese von mir nie geleugnete Eigenschaft lediglich den flüssigen und
nicht den cellulären Bestandteilen des Blutes zukäme. Es würde
zu weit führen, hier die grosse Anzahl von experimentellen Be-
weisen aufzuzählen, welche von mir und unfreiwillig unter andern
auch vom Herrn Referenten für diese Anschauung beigebracht sind.
Ich kann diese Ausführungen nur mit dem nochmaligen Aus-
druck meines Bedauerns schliessen, die Spalten dieses Blattes für
derartige Dinge in Anspruch nehmen zu müssen; ich kann aber
schon jetzt die Versicherung geben, dass für mich die ganze Ange-
legenheit hiermit erledigt ist und bleiben wird, auch wenn der Ref.,
woran ich nicht zweifle, dabei beharrt, meine Arbeiten missgünstig
zu beurtheilen.
Zürich, den 13. Mai 1891.
74 Btara, Brwidaraagi
Erwiderung
▼on
Dr. Richard Stern,
Assistenzarzt an der mediciaischcn Kliiük zu Breslau.
Herr Lubarsch versucht, in vorstehenden „Bemerkungen"
nein in dieser Zeitschrift erschienenes Referat Ober seine Arbeit:
„Untersuchungen über die Ursachen der angeborenen und erworbenen
Immunität" zu bemängeln; er benützt hierzu zwei verschiedene
Methoden :
1) behauptet er, die von mir gegen seine Versuche und Folge*
rungen erhobenen Einwände seien nicht genügend begründet und die
ihm von mir durch wörtliche Citate aus seinen Arbeiten nach-
gewiesenen Widersprüche seien nur scheinbar vorhanden. Hierbei
sucht Herr Lubarsch theils seinen eigenen Worten durch nach-
trägliche Erläuterungen eine Deutung zu geben, die vorher Niemand
aus ihnen herauslesen konnte; theils schreibt er mir Behauptungen
und Ansichten zu, die ich niemals ausgesprochen habe. Wollte ich
auf Einzelheiten eingehen, so müsste ich für meine Erwiderung
ebensoviel Raum beanspruchen, wie Herr L. für seine „Bemerkungen1;
dies scheint mir jedoch nicht im Interesse der Leser dieser Zeit-
schrift zu liegen, und deshalb verzichte ich darauf.
2) spricht Herr Lubarsch wiederholt davon, ich suchte und
„pflegte" seine Arbeiten zu diskreditiren. Dies könnte bei dem
Leser den Glauben hervorrufen, dass ich es mir zu einer ständi-
gen Aufgabe gemacht hätte, Lubarsch' sehe Publikationen in
absprechendem Sinne zu referiren. Demgegenüber möchte ich er-
wähnen, dass ich ausser einer Anmerkung in einer früheren Ar-
beit („Ueber die Wirkung des menschlichen Blutes und anderer
Körperflüssigkeiten auf pathogene Mikroorganismen.44 Zeitschrift f.
klin. Med. Bd. XVIII. p. 66) und dem hier in Rede stehenden
Referat über Herrn Lubarsch und seine Arbeiten nichts ge-
schrieben habe. Beide Male habe ich in rein sachlicher Weise die
Einwände, welche sich mir gegenüber den von Herrn L. aufgestellten
Behauptungen aufdrängten, geltend gemacht; beide Male hat Herr
L. gegen mich den durch nichts begründeten Vorwurf erhoben, ich
suchte seine Versuche und Arbeiten zu „diskreditiren"; beide Male
hat er die Mängel seiner Beweisführung durch persönliche Invektiven
zu verdecken gesucht
Schon früher hat sich Herr Lubarsch in einer wissenschaft-
lichen Polemik einer unpassenden Form bedient, wie er dies nach-
träglich mit Bedauern selbst zugestanden hat (vgl. Sep.-Abdr. der
„Untersuchungen" etc. p. 97. Anm.) Es ist daher die Hoffnung
nicht ganz ungerechtfertigt, dass sich auch in diesem Falle später
bei ihm Selbsterkenntniss und Bedauern einstellen werden.
Algen und Bakterien. 75
Referate.
Beyerinek, M. W., Kulturversuche mit Zoochlorellen,
Liehen engoüidien und anderen niederen Algen.
(Bot. Ztg. 1890. No. 46—48.)
Die Arbeit enthält eine Reihe von Beobachtungen und Ver-
suchen, die auch in dieser Zeitschrift besprochen zu werden ver-
dienen. Es ist dem Verfasser gelungen, durch die Gelatinemethode
eine Anzahl von Algen zu isoliren und zu kultiviren, die zu den
Pepton-Kohlenstoffmikroben gehören. (In seiner Arbeit über Licht-
Dahrung und plastische Nahrung der Lichtbakterien unterscheidet
Verf. nach der Natur der Körper, denen die Mikroben den Ernäh-
rungsstickstoff entlehnen können : 1) Peptonkohlenstoffmikroben,
2) Peptonmikroben, 3) Amidmikroben, 4) Nitrat- und Ammonmi-
kroben.) Es sind diese Algen, die als Stickstoffquelle ein Pepton,
als Kohlenstoffquelle freie Kohlensäure oder bei deren Mangel eine
Zuckerart etc. nöthig haben, Chlorella vulgaris n. sp., eine
sich ausschliesslich durch fortgesetzte Zweitheilung vermehrende
Alge, welche in Gräben und stagnirenden Gewässern sehr häufig
ist, die Grünfärbung des Wassers (mit der zweiten Art gemeinschaft-
lich) bewirken kann und nach den Reinkulturen der Hydrazoochlo-
rellen mit der Zoochlorella conduetrix Brandt, dem Chloro-
phyll der Hydra viridis, von Stentor polymorphus etc.
identisch ist (die Zoochlorellen von Spongilla fluviatilis,
Zoochlorella parasitica Brandt gehören dagegen allem An-
schein nach zu einer anderen, im Wasser verbreiteten Alge, Chlo-
rella infusionum n. sp., die mit Chlorococcum infusio-
num Rabenhorst identisch sein dürfte); ferner Scenedesmus
acutus, deren spitze Zellen bei hohem Nährgehalt der Gelatine
sich abrunden und auch bei den Tochterzellen kuglig bleiben, Chlo-
rosphaera limicola n. sp., welche auch in den Gelatinekulturen
Schwärmsporen bildet, und die nur vereinzelte Schwärmer liefernden
(iooidien der Physcia parietina. Den Doppelparasitismus der
letzteren stellt sich Verf. nach seinen Kulturergebnissen so vor, dass
die Alge Cystococcus humicola von dem farblosen Ascomy-
ceten Peptone erhält und diesem dafür Zucker zurückgibt. Der
Ascomycet ist ein Ammonzuckerpilz. Zucker und Ammonsalz er-
zeugen neben dem Pilzprotoplasma und innerhalb des letzteren Pep-
tone, welche nach aussen diffundiren und zusammen mit der Kohlen-
saure das Wachsthum und die Zuckerbildung von Cystococcus
humicola ermöglichen.
Bei den Kulturen der Chlorella vulgaris hat Verf. einen
eigentümlichen Fall eines nur in den Laboratorien
herstellbaren symbiotischen Verhältnisses zwischen
niederen Algen und den „kochfesten44 Bakterien nach-
gewiesen. Die Arten der bei Kochhitze resistenten Bakterien sind
noch nicht näher bearbeitet worden. Verf. hat im Laufe der
76 Algen nnd fcaktorien. — Nitrifikation.
Zeit wenigstens zehn wohl erkennbare Formen zu Gesicht bekommen.
Nur eine davon, Bacterium fabaceum n. sp. aus fauligen Boh-
neninfusen, verflüssigt die Nährgelatine nicht, alle übrigen thun dies
unter bestimmten Umständen mehr oder weniger deutlich, in sehr
hohem Maasse z. B. die bekannten Heu- und Kartoffelbacillen und
die Bakterien der Darmfäulniss (Bacillus putrefaciens coli).
Während nun die Chlorellakulturen durch andere Bakterien sehr
bald zu Grunde gerichtet werden, machte Verf. die merkwürdige
Entdeckung, dass die letzteren kochfesten Bakterien, die
ausserordentlich häufig im Erdboden, im Humus, auf Pflanzenblät-
tern etc. vorkommen, mit diesen Algenkulturen im Verhält-
niss gegenseitiger Förderung stehen, da, wo Eiweiss-
körper oder Gelatine in der Nahrung gegenwärtig sind, daher das
Eiweiss zerlegende Enzym der kochfesten Bakterien zur Wirkung
kommen konnte. Bei der Einwirkung des Trypsins ent-
stehen zwei Peptonarten. Aller Wahrscheinlichkeit
nach kommt hiervon die eine Art den kochfesten Bak-
terien zu gute, während die andere oder alle beide
Arten von Peptonen für die grünen Algen assimilir-
bar sind.
Für die Ubiquität der Bakterien auch in lebenden
Organismen liefern beiläufige Beobachtungen des Verf/s einen
weiteren Beitrag. Die sauber abgespülten Hydrakörper enthielten
(neben Algen und anderen Organismen) zahlreiche Bakterienarten
die sich in den Gelatinekulturen weiter entwickelten, so sehr häufig
ein gelbes, ein braunes, ein grünliches, ein rothes und ein sehr in-
teressantes violettes Pigmentbacterium, lauter Arten, die Verf.
auch bei Wasseruntersuchungen antraf. Auch die äusserlich sterili-
sirten Thalluslappen der Physcia parietina enthielten so zahl-
reiche Bakterienkolonieen, dass es nur durch besondere Vorkehrungen
möglich war, die Gonidien dieser Flechte für die Gelatinekultur zu
isoliren. Ludwig (Greiz).
Wortmann, J., Ueber die neuesten Untersuchungen be-
züglich der Organismen der Nitrifikation und ihre
physiologischeBedeutung. (Landwirthschaftliche Jahrbücher.
Bd. XX. 1891. p. 175—184.)
In der vorliegenden Abhandlung wird zunächst aus einander ge-
setzt, dass die kürzlich erfolgte definitive Lösung der Frage hinsicht-
lich der Nitrifikationsvorgänge zum nicht geringsten Theil auf den
früheren von negativen Erfolgen begleiteten Versuchen beruht. Der
Verf. erwähnt zunächst kurz die Resultate der auf diesen Gegen-
stand bezughabenden Arbeiten von Seh lö sing und Müntz, He-
raeus, A. B. Frank, Celli und Marino Zucco, Adametz,
Landolt, Plath, Baumann, Warington, Percy undGrace
Frankland, welche alle insgesammt kein sicheres, positives und
unzweideutiges Resultat bezüglich der Ursachen der Nitrifikation er-
geben hatten, indem es nicht gelungen war, den wirklichen nitrifizi-
renden Organismus aufzufinden und zu isoliren.
Nitrifikation. 77
Auf den Untersuchungen der früheren Forscher, besonders von
Schlösing und Müntz fassend, meinte nun S. Winogradsky,
dass wie die Schwefel- und Eisenbakterien Schwefelwasserstoff und
Eisensalze zu oxydiren vermögen, so müsste es auch eine ganz be-
sondere Art von Mikroorganismen geben, welche die Ammoniaksalze
in Nitrite und Nitrate fiberführen; dass diese Bakterien bisher noch
nicht hätten isolirt werden können, beruhe wahrscheinlich, ebenso wie
bei den Schwefel- und Eisenbakterien, darauf, dass dieselben auf der
sonst zu diesen Zwecken verwendeten Nährgelatine sich nicht züchten
lassen. Winogradsky glaubte daher zur Isolirung der Nitri-
fikationsorganismen im Allgemeinen nach folgendem Plane vorgehen
zu mössen:
Zunächst werden die Kulturbedingungen in Nährflüssigkeiten,
welche ausgesprochen günstig für die Nitrifikations- und ungünstig
für die Reduktionsvorgänge sind, untersucht; darauf werden unter
diesen konstanten Bedingungen so lange Kulturen gemacht, bis alle
die in den Kulturen enthaltenen Bakterienarten, welche den günstigen
Nitrifikationsbedingungen nicht angepasst waren, zu Grunde gegangen
sind. Sind auf diese Weise konstante Kulturen mit intensiver Nitri-
fikation erzielt, so werden die vorhandenen Arten zu isoliren ver-
sucht, um dieselben dann auf ihr Nitrifikationsvermögen einzeln zu
prüfen.
Nach Winogradsky 's Versuchen fand nun die Nitrifikation
am energischsten statt 9 wenn er dazu ausschliesslich Lösungen an-
organischer Salze in sehr reinem natürlichen Wasser (Züricher See-
wasser) benutzte. Als besonders günstig erwies sich folgende Nähr-
100 g Züricher Seewasser.
1 g Ammoniumsulfat.
1 g Kaliumphosphat.
Ferner erhielt jedes Kulturgefäss auf 100 ccm Flüssigkeit 0,5—
1 g basisch-kohlensaure Magnesia.
Wurde nach dem Sterilisiren dieser Nährlösung darin eine Spur
schon nitrifizirter Flüssigkeit eingeimpft, so trat schon am 4 Tage
eine gute Reaktion mit Diphenylamin ein, am 15. Tage war jede Spur
von Ammoniak verschwunden.
Angesetzte Gelatineplattenkulturen wiesen zwar noch ver-
schiedene Organismen in den vorerwähnten Kulturen auf, auch solche,
welche die Gelatine rasch verflüssigten, doch verloren sich letztere
bei zunehmendem Alter der Kulturen; nach 3 Monaten war die Be-
völkerung konstant geworden und wurde nunmehr auf ihr Nitrifika-
tionsvermögen geprüft.
Aus den Kulturen wurden 3 Bakterienarten, ein Oidium und
ein sprosspilzartiger Organismus isolirt
Die in der dünnen Oberflächenhaut der Nitrifikationskulturen
befindlichen Organismen, insbesondere das Oidium, ergaben
Dach dem Isoliren bei der Prüfung keine Nitrifikation. Die
Flüssigkeit selbst war klar und nur zur Zeit der heftigsten Nitri-
fikation schwach opaleszirend » eine Erscheinung, die jedoch bald
78 Nitrifikation.
vorüberging und von einem lebhaft beweglichen, ovalen Organismus
herrührte.
Der Zusatz einer abgemessenen Quantität Ammoasulfat zn der
schon nitrifizirten Kulturflüssigkeit behufs Verlängerung des Pro-
zesses bewirkte auch die Vermehrung eines Pilzes, der äs grau-ge-
latinöse Masse den Bodensatz von Magnesiumkarbonat bedeckte.
Diese Flocken bestanden aus demselben ovalen Bakterium, welches
anfangs eine Trübung in der Flüssigkeit hervorgebracht hatte. Diese
Zoogiften schienen aktiv sich an das Karbonat zu begeben und es
eingehüllt zu haben.
Es wurden nun auch in Nährlösungen, die völlig frei von orga-
nischen Substanzen waren, von diesen Flocken Kulturen gemacht
Hierbei verschwanden die übrigen Formen, weil ihnen die organische
Substanz fehlte, schon nach der zweiten Aussaat, nur der spross-
pilzähnliche Organismus hielt noch an und Hess sich auch durch
weitere Kulturen nicht unterdrücken. Diese Flüssigkeit brachte nur
regelmässig Nitrifikation zu Stande. Aus solchen Kulturen wurde auf
Gelatine nur der Sprosspilz in reinem Zustande erhalten, das Bak-
terium vermehrte sich nicht Von dem isolirten Sprosspilze wurden
sodann spezielle Nitrifikationskulturen angestellt, in welchen er sich
aber nur ganz unmerklich vermehrte. Er hatte also mit der Nitri-
fikation nichts zu thun.
Jetzt musste vielmehr dem anderen Organismus, dem ovalen
und sich in den Kulturen stark vermehrenden Bakterium, die nitri-
fizirende Kraft allein innewohnen.
Dm nun das Bakterium von dem Sprosspilze zu befreien, wur-
den mit Kapillarröhren genommene Tropfen mit Gruppen von
Kalciumkarbonatkry8tallen, welche durch Bakterienzooglöen zu deut-
lich sichtbaren Klumpen zusammengeballt waren, auf Gelatine gebracht.
Manche derselben ergaben Kolonieen, in diesen war der Sprosspilz
mit vorhanden; manche blieben unverändert, in diesen war der Spross-
pilz nicht; letztere wurden deshalb zur Reinkultur genommen. In
allen Fällen trat Nitrifikation ein, wenn auch erst nach Verlauf von
3 Wochen, was wohl an der zu geringen Menge des Aussaatmaterials
liegen oder vielleicht auch die Folge eines durch die vielfache Behand-
lung entstandenen Zustandes der Zellen sein konnte. Nach einem
Monat hatten sich schliesslich in 3 Kolben messbare Mengen Salpeter-
säure gebildet, und mit Ausnahme eines einzigen enthielten alle
Kolben Reinkulturen, welche auf Gelatine ausgesäet, fortdauernd
steril blieben.
Der so isolirte, nitrifizirende Organismus ist von kleinen Dimen-
sionen, mehr oder weniger gestreckt, ellipsoidisch, etwa 0,9—1,0 u
breit und 1,1—1,8 /u lang. Er vermehrt sich durch Theilung; die
Zellen sind im Ruhezustande zu Zooglöen vereinigt, zeitweise aber
auch beweglich. Nach der Theilung der Zellen , welche nur senk-
recht zur Längsaxe geschieht, findet eine baldige Trennung der-
selben statt. Fadenbildung und Sporen wurden nicht beobachtet
Winogradsky zählt daher den Organismus nicht der Gattung B a c i 1 •
1 u 8 zu, sondern bringt ihn in eine neue und nennt ihn N i tr om onas.
Der stete Kontakt der Nitromonadenzellen mit den am Boden des
Nitrifikation. — Gfthrong. 79
Kalturge&sses befindlichen Kalkkrystallen ist nach Winogradsky
eine aktive Erscheinung derselben, und ist deshalb von Bedeutung,
weil wahrscheinlich dieser Organismus auch die Aufgabe habe, die
Erdkarbonate zu zersetzen, wodurch er also den Kreislauf des Kohlen-
stoffes auf der Erde regele, indem er verhindere, dass sich die
Kohlensaure als Erdkarbonat festsetze.
Die Ernährungsftbigkeit ohne jede Spur von organischer Sub-
stanz bei Salpeterorganismen hatte schon H e r a e u s erkannt H u e p p e
erblickt darin eine „Chlorophyllwirkung ohne Chlorophyll11 und nimmt
an, dass die Kohlensäure, indem sie dem Pilze den Kohlenstoß lie-
fert, den Sauerstoff zur Nitrifikation des Ammoniaks hergibt In
solchem Falle mfisste aber auch, was in der That nicht geschieht,
Nitrifikation ohne freien Sauerstoff stattfinden. Winogradsky
hat nun konstatirt, dass in Nährlösungen, die völlig frei von jeder
Spar organischer Substanz waren, die Nitromonas sich auch ohne
Licht vermehrte. Er bestimmte den Kohlenstoff der von dem Nitri-
fikationsorgaoismus gebildeten organischen Substanz quantitativ nach
der von ihm etwas abgeänderten Methode von Wolf, Degner und
Herzfeld (Zersetzung der organischen Substanz mittelst Schwefel-
säure und Kaliumbichromat und Bestimmung des Kohlenstoffes aus
der entweichenden Kohlensäure). In vier Kulturen wurde je 10,2,
7,1,4,8 und 4,6 mg assimilirten Kohlenstoffes gefunden, wobei je
928, 604 und in der vierten 83,5 mg Salpetersäure gebildet waren.
Nach Winogradsky's Ansicht wird der Sauerstoff der aufge-
nommenen Kohlensäure nicht zur Oxydation des Ammoniaks verwendet
und die aufgenommene Kohlensäure nicht zersetzt Es entsteht viel-
mehr wahrscheinlich aus Kohlensäure und Ammoniak ein Amid,
vielleicht Harnstoff, welcher aus jenen beiden Verbindungen auch im
thierißchen Körper sich bildet und auch künstlich so dargestellt
werden kann. Da nun gewisse Bakterien den Harnstoff zur Ernäh-
rung benutzen können, so würden die Nitromanoden nur das vor
anderen Bakterien voraushaben, dass sie sich ihren Harnstoff selbst
zu bilden vermögen.
Diese Untersuchungen von Winogradsky haben, wie Wort-
mann am Schluss seiner Abhandlung hervorhebt, unter Anderem „zu
dem ganz überraschenden, aber sicher bewiesenen Resultate geführt,
dass einer der geltenden Hauptsätze der Pflanzenphysiologie, dass
nur die chlorophyllhaltigen Zellen im Stande sind , Kohlensäure zu
assimiüren, mit einem Schlage sich verändert44. Ebenso haben diese
Untersuchungen auch ein klares Licht geworfen in die verwickelten
Beziehungen der kleinsten Lebewesen zu den höheren Organismen
und der gesammten Natur. Otto (Berlin).
Raum, Johannas, Zur Morphologie und Biologie der
Sprosspilze. (Zeitschr. f. Hyg. Bd. X. 1891. Heft 1.)
Verf. berichtet zunächst ausführlich über seine Studien, die er an
10 Hefearten angestellt, um gewisse Angaben, die sich in der Litte-
ritur über Kerne, kernartige Gebilde, Vakuolen, Sporen- und Spross-
bildoog der Hefen finden, einer Nachprüfung zu unterziehen. Um
guz reines Material zu haben, ging er von Ein-Zellkulturen aus.
3A &tirang.
Infolge dieser Untersuchungen ist R. zu behaupten geneigt, „dass
die [Hefezellen keine Kerne im eigentlichen Sinne des Wortes be-
sitzen*4, obwohl er zugibt, dass mitunter in Hefezellen „in der That
Dinge angetroffen werden, die an den Kern erinnern". Sehr häufig
finden sich in den Hefezellen gewisse Granula, welche mit Loeff 1 er-
schein Methylenblau und Bismarckbraunnachfiürbung (Ernst) einen
gesättigt schwarzen oder dunkelbraunen Ton annehmen, bei Doppel-
färbung mit Eosin resp. Rose-Bengale + Methylenblau aber dunkel-
violett gefärbt werden; sie sind den „sporogenen Körnern" resp.
Granulis der Bakterien gleichzustellen. Sie fanden sich 1) bei sammt-
lichen 10 untersuchten Hefearten ; 2) aber nicht als konstantes Attribut
jeder einzelnen Hefezelle, 3) sie variiren nach Grösse, Form, Zahl
und Lagerung auf das Mannigfaltigste; 4) doch lässt sich für jede
Hefeart eine gewisse typische Form herausfinden ; 5} sie sind augen-
scheinlich ohne Membran und strukturlos; 6) von halbflüssiger Kon-
sistenz und „vermögen unter temporärem Verlust ihrer sphärischen
Form von einer Stelle nach einer anderen überzuwandern44; 7) über
ihre chemische Zusammensetzung lässt sich vorläufig noch nichts
näheres sagen; 8) ihnen fällt nicht allein in den ruhenden, sondern
auch in den sprossenden und sporenbildenden Hefezellen eine Rolle
zu. Einzelheiten müssen im Original eingesehen werden.
Was die Vakuolen in den Hefezellen anlangt, so hebt R. hervor,
„dass ihre Charakteristik wesentlich eine negative ist44 ; von allen ähn-
lichen Gebilden sind sie scharf durch ihr refraktäres Verhalten gegen
Färbemittel unterschieden (doch gelang es R. mittelst Ueberosmium-
säure und Methylenblau bei S. glutinis „auch die Vakuolen (?) als
electiv tingirbare Gebilde zu differenziren)". Verf. wirft daher die
Frage auf, ob wir auch den Ausdruck Vakuolen stets nur auf iden-
tische Gebilde anwenden? Vakuolen wurden nur bei einer einzigen
Hefeart (aus Kephir) von R. vermisst Er hatte den Eindruck, als
ob sie sich besonders bei unter ungünstigen Bedingungen gehaltenen
Hefezellen fanden. Sie liegen central oder exzentrisch, mitunter
grössere und kleinere in einer Zelle, auch wohl umgeben von Granulis.
In Bezug auf Spross- und Sporulationsvorgänge spricht er ihnen
eine direkte und konstante Theilnahme vollkommen ab. Was die
Frage ihrer Herkunft anlangt, so hält er sie für „spezifisch ver-
änderte protoplasmatische Körner, welche allmählich emporgewachsen,
resp. bis zu dieser oder jener Grenze aufgequollen sind44.
Die Bildung der Granula und Vakuolen sei also als Ausdruck
dieser oder jener Modifikation der Ernährungsvorgänge in den Hefe-
zellen anzusehen. Was die Fortpflanzung der Hefezellen anlangt,
so hat R. die Sprossung bei allen 10 untersuchten Hefearten kon-
statirt, während er die Sporenbildung in einigen Fällen vennisste.
Meist finden sich bei jeder Mutterzelle nur eine, bei der Rosahefe
aber 3, 5 und mehr, und zwar mitunter gl eich grosse! Sprossen.
Diese sitzen gewöhnlich am schmäleren Ende der Mutterzelle, mit-
unter als direkte Fortsetzung, aber auch im Winkel aufgesetzt, die
Form der Mutterzelle möglichst wiederholend. Sie finden sich sehr
zahlreich bei Ueberfluss an Nährmaterial, fehlen aber selbst in alten
Kulturen nicht ganz. Die Sprossung erfolgt auf 4 fache Weise:
Gflfcraof. 81
1) ohne Antheil von Granula und Vakuolen ; 2) unter Mitwirkung der
Granula allein; 3) unter alleiniger Theilnahme von Vakuolen; 4) unter
Mithülfe sowohl der Granula als auch der Vakuolen. Von der sonst
vielfach behaupteten primären Betheiligung der Zellmembran und
sekundären des Plasmas in den ersten Phasen der Sprossung hat
sich R nicht überzeugen können. Die jüngsten Sprossen sah er stets
als winzige aufgesetzte Sphären, welche sich gleich dem Leibe der
Mutterzelle mit Bismarckbraun färben. Eine distinkt gefärbte Zell-
membran hat Verf. nie wahrgenommen, auch nicht doppelte Kon-
toaren ; vielleicht, wie er meint, infolge der angewandten Methode.
Die wichtigste Rolle bei der Sprossung falle dem Zellprotoplasma zu.
„Von der Zelle schnürt sich ein verhältnissmässig geringer Theil ihrer
Substanz ab, welcher von der Mutterzelle gewissen Vorrath an schwarzen
Granula erhalten kann. Im Laufe weiterer Entwicklung nimmt das
Tochterelement an Grösse zu, wird der Mutterzelle ähnlich und er-
leidet, diesen oder jenen äusseren Bedingungen entsprechend, dem
Matterelemente gleich, entweder die granuläre oder vakuoläre Meta-
morphose."
Auch die Sporenbildung ist unabhängig von der Bildung von
Granalis und Vakuolen. So fehlt sie z. B. bei S. glutinis, bei
welcher Art sich sowohl Granula als auch Vakuolen finden.
Andererseits sind häufig auch sporentragende Hefezellen frei von
Granulis und Vakuolen. Bei der Färbung mit Methylenblau und
Bismarckbraun erscheinen die Sporen blau in braunem Protoplasma,
meist kugelig oder von der Gestalt eines Hühnereies ohne jede Vor-
spränge. Einen kernkörperchenhaltigen Kern konnte R. darin nicht
nachweisen. Bei seiner kleinen weissen Hefe fand er nur eine
Spore in jeder Zelle, bei anderen Arten bis 4. Mitunter finden sich
in ein und derselben Zelle neben ausgebildeten Sporen noch eigen-
tümliche Körper, strukturlose Sphären oder Ellipsoide, welche sich
mit Bismarckbraun färben und vielleicht als unreife Sporen aufzu-
fassen sind. In länglichen Zellen pflegten die Sporen in Reihen
hinter einander, in mehr sphärischen Zellen dagegen in Haufen grup-
pirt zu sein. Den Vorgang der Sporenbildung legt sich R., wie folgt,
zurecht: „Zuvörderst grenzt sich im Zellplasma ein sphärischer, nicht
allzukleiner Theil desselben ab, welcher die Fähigkeit, sich mehr
oder minder intensiv mit Bismarckbraun zu färben, behält; allmählich
wachst diese Sphäre an, indem sie die Fähigkeit, Bismarckbraun auf-
zunehmen, einbOsst, die Affinität zu Methylenblau aber erwirbt; in
dem Maasse, als die Sporen reifer werden, wird auch ihre blaue Farbe
succesBive immer gesättigter. Doch nicht alle Abschnitte des Zell-
plasmas machen den ganzen Entwickelungscyklus gleich schnell durch :
zur Zeit, wo einige von ihnen die höchste Stufe ihrer Entfaltung er-
reicht haben, befinden sich die anderen noch in früheren Phasen.
Ke schwarzen Granula, welche eventuell in den Hefezellen während
ihrer Sporulation vorhanden sind, gruppiren sich meistentheils an der
Peripherie der Anlagen resp. der Sporen selbst"
In einem zweiten Theile seiner Arbeit behandelt R. Impfversuche
n»t Hefen bei Kaninchen (17 Versuche bei 10 Thieren).
Die Hauptresultate sind folgende:
x.M. 6
82 G&hrung. — Chemische Verginge tm Dann.
Nach intravenöser Injektion von Hefekultursuspension kann die
Temperatur annähernd um l1// C ansteigen und zwar oft sehr bald
nach der Injektion und ohne nachweisbare Athemnoth. Bei anderen
Thieren trat aber sehr schnell hochgradige Dyspnoe auf unter Sinken
der Temperatur. Das erwähnte Fieber ging meist in Genesung aus,
während die Dyspnoe gewöhnlich mit tödtlichem Kollaps endete. Das
Fieber trat auf meist bei Injektiou kleinerer Dosen (ca. 1 ccm) ; die
Dyspnoe mit Kollaps nach grossen Dosen (2 ccm). Blutstropfen bei
dyspnoetischen Thieren aus der Nase entnommen, erwiesen sich steril.
R. schliesst daraus, dass die eingespritzte Hefe gar nicht in den
grossen Kreislauf gelangte. Die Unterschiede im Krankheitsbilde bei
verschieden grossen Mengen der eingespritzten Hefe glaubt R. am
besten durch die grössere oder geringere Zahl von Embolieen im Lun-
genkreislauf zu erklären. Diese sind naturgemäss um so zahlreicher,
je grösser die eingespritzte Menge war; sie kommen um so leichter
zu Stande, je grösser die Einzelzellen der betreffenden Hefeart sind.
R. meint hierdurch die stärker ausgesprochenen Symptome bei In-
jektion von Hefen mit grösseren Einzelzellen erklären zu müssen.
An weniger hochgradige Embolieen vermöge sich das Thier gewisser-
maassen zu accommodiren. Dann hätten die Hefezellen Zeit, ihre
pyrogene Thätigkeit zu entfalten. Bei ausgedehnten Embolieen treten
die Störungen des Lungenkreislaufs mit allen ihren Konsequenzen
naturgemäss viel schärfer hervor. Pathologisch-anatomisch war bei
den im Kollaps zu Grunde gegangenen Thieren ausser „Obstruktion
der Lungengefässe mit Hefezellen und konsekutiver Dilatation der Ge-
fasse und Ueberfüllung derselben mit geformten Blutelementen11 nichts
nachzuweisen. Innere Organe meist normal, ausser bei einem nach
Sooreinspritzung zu Grunde gegangenen Versuchstiere, bei dem auch
kleine Herde in Nieren und Leber beobachtet wurden. In den Lungen-
schnitten Hessen sich die Hefezellen mit Em st9 scher Färbung nicht
gut nachweisen, sehr gut dagegen (nach Sublimatfixation) mit Hänia-
toxylin mit Safranin. Das Protoplasma der Hefezelle war hier roth-
gelb, die Granula dunkelblauviolett
Erwähnenswerth erscheint mir noch die nebenbei vom Verf.
gemachte Beobachtung, dass, wenn bei verunglückten intravenösen
Injektionen die Suspension fälschlich ins subkutane Gewebe des Ohres
injizirt wurde, sich kleine Anschwellungen bildeten, welche nach 2—
3 Wochen eröffnet einen weisslichen, käsigen Brei enthielten. In
diesem Hessen sich zahlreiche gut färbbare Hefezellen nachweisen;
auch gelang es, die Hefeart daraus wieder herauszuzüchten. Bei
Ausschluss der unmittelbaren Einwirkung des Blutes können also
die Hefezellen längere Zeit im Thierkörper ihre Lebensfähigkeit be-
wahren. Gzaplewski (Görbersdorf i. Schi.).
Macfadyen, A., Nencki, M. und Sieber, N., Untersuchungen
über die chemischen Vorgänge im menschlichen
Dünndarm. (Arch. f. exper. Pathol. u. Pharmakol. Bd. XXVIII.)
Die Verff. stellten ihre Versuche an einer Frau an, welche auf
der Koch er 'sehen Klinik in Bern wegen einer incarcerirten Her-
nie operirt worden war, wobei wegen Gangrän des eingeklemmten
Chemische Vorginge im Darm. 83
Dannstückes letzteres entfernt and ein Anas praeternaturalis ange-
legt werden mnsste. Das excidirte Darmstück war gerade das in
das Coecum einmündende Ende des Ileum. Es bot sieb also hier —
wohl zum ersten Male beim Menschen — die Gelegenheit, den
Speisebrei nach Einwirkung der ganzen Dünndarmverdauung zu un-
tersuchen. Die Patientin erhielt eine abgewogene, von ihr selbst ge-
wählte Kost, welche aus Fleisch, Brot, Milch, Bouillon, Eiern, Gries-
brei etc. bestand. Bei dieser Nahrung waren die sich aus der Fistel
entleerenden Massen dünnbreiig ; wurde vegetabilische Kost — Erb-
senmuss — gegeben, so wurde der Darminhalt sogleich konsistenter.
Von den zahlreichen interessanten Beobachtungen der Verff.
können hier nur diejenigen hervorgehoben werden, welche in bakte-
riologischer Hinsicht von Wichtigkeit sind. Bei der oben angegebenen,
vorwiegend aus Eiweiss bestehenden Kost war der aus der Fistel
fliessende Darminhalt in der Regel fast geruchlos, von etwas brenz-
lichem und an flüchtige Fettsäuren erinnerndem, seltener von
schwach fauligem Geruch. Die Reaktion desselben war gewöhnlich
sauer; die Acidität, auf Essigsäure bezogen, betrug durchschnittlich
0,1 % ; nur einmal, nach Ernährung mit Erbsenmuss, wurde neutrale
Reaktion gefunden. Der von den morphotischen und ungelösten Be-
standteilen abfiltrirte Darminhalt enthielt in der Hitze koagulirendes
Eiweiss, Mucin, Peptone, Dextrin, Zucker, Gährungs- und Paramilch-
säure, geringe Mengen flüchtiger Fettsäuren, hauptsächlich Essig-
säure, ferner Gallensäuren und Bilirubin, welch letzteres an der
Luft in Biliverdin überging.
Der nur schwache und nicht immer faulige Geruch des Darmin-
halts sprach bereits gegen eine intensivere Zersetzung durch Bak-
terien. Die nähere Untersuchung zeigte denn auch, dass die End-
produkte der Eiweissfäulniss entweder gänzlich fehlten oder nur in
Spuren vorhanden waren. Spuren von Indol konnten allerdings im
Danninhalt nachgewiesen werden; auch enthielt der Harn Indoxyl-
schwefelsäure. Die Versuche, Leucin und Tyrosin im Darminhalt
nachzuweisen, fielen negativ aus. Eiweisszersetzung durch Bakterien
kann also im Dünndarm höchstens in sehr geringem Umfange vor
sich gehen.
Die mikroskopische Untersuchung des Darminhalts zeigte, dass
Spaltpilze darin in grosser Menge vorhanden waren. Vereinzelte
Bakterien Hessen sich schlecht oder gar nicht färben. Bei der Un-
tersuchung im hängenden Tropfen ergab sich, dass einzelne Bakterien
Eigenbewegung besassen, die meisten waren unbeweglich.
Kulturen auf Agar-Agar und Gelatine wurden im Ganzen zwei-
mal nach Fleischkost und einmal nach Ernährung mit Erbsenmuss
angelegt; auch anaerobiotische Kulturen wurden hergestellt.
Nach Fleischkost fanden die Verff. u. A. 3 Arten, welche durch
ihr konstantes Auftreten bemerkenswert waren:
1) einen die Gelatine rasch verflüssigenden Bacillus: „Bacil-
lus liquefaciens ilei";
2) einen dem Bacterium coli commune ähnlichen Ba-
cillus;
3) ein ovales, Gelatine nicht verflüssigendes Bacterium.
84 Chemisehe Vorgingt im Darm.
Ausserdem wurden noch vereinzelte Kolonieen von 5 anderen
Arten von Mikroorganismen (darunter eine Hefeart und ein Schim-
melpilz) gefunden. Obligat anaerobe Arten waren nicht vorhanden.
Nach Ernährung mit Erbsenmuss wurden 7 Mikrobenarten iso-
lirt: ein Gelatine verflüssigender Streptococcus, 3 BacillenarteD,
davon eine dem Bacterium coli commune sehr ähnlich, 2
Diplokokken und Hefearten. Von den bei Fleischkost erhaltenen
Arten wurde hier nur das dem Bacterium coli commune ähn-
liche Kurzstäbchen wiedergefunden. Als Patientin später wieder
Fleischkost erhielt, wurden zum Theil andere Arten isolirt, als das
erste Mal; es wurden auch Versuche mit Zucker- und Glycerin-
gelatine angestellt
Von den isolirten Arten wurden 7, die sich am häufigsten fan-
den, näher untersucht1), namentlich auch bezüglich ihrer chemische
Wirkungen :
1) Das „Bacterium Bischleri", dem Bacterium coli
commune sehr ähnlich, zersetzt Traubenzucker unter Bildung von
Aethylalkohol, inaktiver Milchsäure und Essigsäure. (Das Bacte-
rium coli commune bildet dagegen optisch aktive Milchsäure.)
Auf Eiweissstoffe wirkt dieser Bacillus nicht ein.
2) Der „Streptococcus liquefaciens ilei s. acidi lac-
tici" zersetzt Zucker unter Bildung inaktiver Milchsäure. Die Wir-
kung auf Eiweiss wurde nicht ausreichend untersucht
3) Das „Bacterium ilei Frey44 zersetzt Zucker unter Bildung
von Bernsteinsäure und aktiver Paramilchsäure, verändert Eiweiss
nicht.
4) Der „Bacillus liquefaciens ilei44 zersetzt Traubenzucker
nur in geringem Umfange, dagegen Eiweiss in stärkerem Maasse.
Die Zersetzungsprodukte des Eiweiss sollen näher untersucht werden.
6) Das „Bacterium ovale ilei** wirkt nicht auf Eiweiss, zer-
setzt Zucker unter Bildung von Paramilchsäure.
6) „Der schlanke Bacillus des Henmu verhält sich bezüglich
seiner chemischen Wirkung im Wesentlichen wie der vorige.
7) „Das mit dem Bacterium lactis aörogenes (Esche-
rieh) wahrscheinlich identische Kurzstäbchen44 zersetzt Zucker unter
Produktion von Alkohol, Essigsäure, Bernsteinsäure, aktiver Milch*
säure.
Auch die Bakterien im Dickdarm wurden, nachdem Patientin
2 Monate lang keine Def&kation gehabt hatte, untersucht Der Dick-
darm wurde mit steriler Kochsalzlösung vom Rectum aus ausgespült
und nach einigen Minuten Proben der aus dem oberen Ende des
Dickdarms herausfliessenden Flüssigkeit entnommen; es fanden sich
Streptokokken, Kurzstäbchen und feine Bacillen. Alle Kulturen des
Dickdarminhalts hatten einen widrigen Fäulnissgeruch.
Die im Dünndarm vorkommenden Mikroorganismen scheinen
schon in gesundem Zustande je nach den Nahrungsstoffen und ihrer
Zubereitung zu wechseln. Charakteristisch für dieselben scheint es
1) Besnglieh der näheren Angaben Aber die Beschaffenheit der Knitaren etc. mm
auf die Arbeit selbst verwiesen werden.
ftaerfUre Infektion 4«s Fötus (MUsbrand). 86
zu sein, dass sie vorzugsweise Dicht Eiweiss, sondern Kohlehydrate
zersetzen. Die Menge der aus dem Zucker entstandenen organischen
Sauren ist so beträchtlich, dass weder die Galle und das Pankreas-
sekret noch das von der ganzen Dünndannschleimhaut abgesonderte
Alkali hinreicht, um den Ghymus zu neutralisiren ; diese Säuren ver-
hindern die Eiweissgährung und schränken auch die Zersetzung der
Kohlehydrate ein. Wurde Bouillon , welche 0,1 °/0 Milch- oder
Essigsäure rathielt, mit den aus dem Dünndarm isolirten Bakterien
iofizirt, so wurden letztere zwar nicht abgetödtet, aber doch in ihrer
Entwicklung gehemmt —
Auf Grund ihrer Beobachtungen beantworten die Verff. eine vor
mehreren Jahren von Pasteur angeregte Frage über die Notwen-
digkeit der Spaltpilze bei der Zersetzung der Nahrungsstoffe im
Darmkanal für den Menschen in verneinendem Sinne. Pasteur
hatte den interessanten Versuch vorgeschlagen, einem Thiere von
der Geburt an lediglich sterilisirte Nahrung zu reichen; er hielt
es für wahrscheinlich, dass unter diesen Bedingungen das Leben un-
möglich wäre. Indes hat die Frau, an welcher die Verff. ihre Be-
obachtungen anstellten, volle 6 Monate mit Ausschluss der Dick-
darmverdauung gelebt und sogar Eiweiss angesetzt. (Nach dieser
Zeit wurde durch Kocher der Dünndarm mit dem Dickdarm wieder
vereinigt.) Da nun eine erhebliche Zersetzung des Speisebreies durch
Mikroorganismen erst im Dickdarm stattfindet, so scheint in der
Tbat die Wirkung der Bakterien nicht unbedingt nothwendig für die
Verdauung zu sein. Ja noch mehr: die im Dickdarm entstehenden
Zersetzungsprodukte des Eiweiss, wie das Indol, Skatol, Phenol u. s. w.,
die verschiedenen hier entstehenden Gase sind sämmtlich keine Nah-
roogsstoffe; „der Organismus bedarf ihrer nicht, sie sind ihm im
Gegentheil, sobald sie in grosserer Menge im Darm entstehen, schäd-
lich and lästig". R. Stern (Breslau).
Blrch-Hlrschfeld, Ueber die Pforten der placentaren In-
fektion des Fötus. (Ziegler's Beiträge zur pathologischen
Anatomie und zur allgemeinen Pathologie. Band IX. Heft 3.)
Die bisherigen experimentellen Untersuchungen geben keinen
Aafschluss darüber, ob die Uebertragung einer Infektion von der
Matter zum Fötus in der Placenta stattfinden kann, und darüber, auf
welchen Bahnen und unter welchen Bedingungen ein solcher Uebergang
etwa erfolgt. Aus den bisherigen Erfahrungen beim Menschen ergibt
sich die Möglichkeit des U eberganges der Infektion auf den Fötus;
keineswegs aber erfolgt derselbe regelmässig.
Verf. hat es versucht, auf Grund fremder und eigener Versuche
einen Einblick in die Art des Ueberganges pathogener Bakterien aus
dem mütterlichen Blute auf den Fötus zu gewinnen.
Zu seinen Versuchen verwendete Verf. Milzbrandbacillen, hebt
dabei hervor, dass sich die für den Milzbrand gewonnenen Erfah-
rungen nicht ohne weiteres auf andere Erreger von Infektionskrank-
heiten übertragen lassen.
Birch-Hirschfeld richtete seine Aufmerksamkeit besonders
uf die mikroskopische Untersuchung der Placenta, da nur auf diese
gg PlacenUre Infektion des Fötus (M ilsbrud).
Weise ein Einblick in die Bedingungen und Wege der placentaren
Infektion des Fötus gewonnen werden konnte.
Die vom Verf. benutzten Milzbrandkulturen waren ausserordent-
lich wirksam.
Die Versuche, welche Verf. angestellt hat, ergaben folgende Re-
sultate : Von 2 mit Milzbrand geimpften trächtigen Ziegen mit je
2 Föten ergab die Untersuchung in beiden Fällen einen positiven
Nachweis der Milzbrandbacillen im fötalen Körper. — Von 3 mit
Milzbrand geimpften trächtigen Kaninchen mit zusammen 11 Föten
fiel ein Fall mit 6 Früchten negativ aus, während 2 Fälle mit 3 und
2 Föten ein positives Resultat ergaben. — Eine mit Milzbrand ge-
impfte trächtige Hündin erlag der Infektion, doch waren die in der
Nacht vor dem Tode geworfenen 3 Jungen frei von Milzbrand. —
Von 4 durch Milzbrand getödteten trächtigen weissen Mäusen ergaben
3 mit zusammen 19 Föten negative Resultate; in einem Falle wurde
aus der Leber von 2 Föten durch Kulturen Milzbrand nachgewiesen.
Die zur mikroskopischen Untersuchung gelangten Schnitte wurden
in der Regel durch Uteruswand, Placenta und Eihäute gelegt, bei den
Mäusen und bei einem Kaninchen mit Embryonen einer früheren
Entwicklungszeit gleichzeitig durch den im Zusammenhang mit Pla-
centa und Eihäuten eingebetteten Embryo.
Von besonderem Werthe sind die Angaben des Verf.'s über den
Bau der Placenta bei den verschiedenen Arten der Versuchsthiere
und die Erläuterung der Bacillenbefunde an der Hand der betreffen-
den Erfahrungen.
Bei der einen Ziege hatte ein Durchtritt von Milzbrandstäbchen
aus den (bluthaltigen) intervillösen Räumen in die Zotten stattge-
funden. Eine genaue histologische Untersuchung der betreffenden
Placenten ergab, dass hier der Eintritt von Bacillen in das Zotten-
gewebe durch Unterbrechungen des Zottenepithels erleichtert worden
war. Trotzdem hatte eine reichliche Invasion der Placenta foetalis
nicht stattgefunden. In einer anderen Placenta, in welcher Epithel-
läsionen nicht erkennbar waren, wurden Bacillen in den fötalen Zotten
nicht aufgefunden. Auf Grund des Zusammenfallen der Epithel-
läsionen mit der besonderen Reichlichkeit der Bacillen in den Blut-
räumen des mütterlichen Theiles hält es Verf. für wahrscheinlich,
dass die Läsion des Zottenepithels durch die reichliche Wucherung
von Milzbrandbacillen an ihrer Oberfläche hervorgerufen werde, wie
denn auch ein Durchwachsen der Bacillen in das Zottengewebe durch
die Entwickelung eines förmlichen Bacillenrasens an des Epithelüber-
zuges beraubten Stellen ihrer Oberfläche begünstigt wird.
Bei der zweiten Ziege fanden sich in den mütterlichen Blut-
räumen der Placenta überall einzelne oder in kleinen Gruppen liegende
Milzbrandbacillen. Läsionen des Zottenepithels waren nicht nachzu-
weisen und innerhalb der fötalen Placentargeftose waren Bacillen
nicht aufzufinden.
In der Kaninchenplacenta zeigt sich eine nahe räumliche Be-
ziehung zwischen mütterlichen und fötalen Bluträumen. Die Ver-
breitung der Milzbrandbacillen war in sämmtlichen untersuchten Pla-
centen eine reichliche; immerhin zeigten sich Differenzen hinsichtlich
Placentae Infektion des Fötus (Milsbrand). £7
der Dichtigkeit der Bacillenlager. Es hatte hier eine Invasion der
Eihäute von der Placenta aus stattgefunden. Diese Invasion erklärt
sich aus dem Durchwachsen der in den feinen Bluträumen der Spon-
giosa stecken gebliebenen und gewucherten Bacillen in das epithel-
lose Gewebe der Uaftwurzeln. Im Choriongewebe und an den Ei-
häuten mussten* die Bacillen, wie ihre Entwickelung in Form dichter
Rasen zeigten, besonders günstige Verhältnisse gefunden haben und
hier bot sich dann Gelegenheit zum Eindringen in die Chorion-
An vielen Bacillen fand man Degenerationserscheinungen, welche
an bestimmte Bezirke gebunden waren. Die in die intervillösen
Räume und in die Venenlakunen gelangten Bacillen hatten sich wahr-
scheinlich innerhalb derselben noch vermehrt, wofür ihr Auftreten
in Haufen und das Vorkommen längerer fadenartiger Formen spricht.
Offenbar war jedoch bald eine Degeneration der Bacillen eingetreten.
Es liegt die Annahme nahe, dass der verminderte Sauerstoffgehalt
in diesen Räumen, in denen das Blut offenbar ohnehin langsam strömt,
schädigend auf die Bacillen einwirkte.
In der Placenta der Maus ist die Abgrenzung zwischen dem
uterinen und embryonalen Antheil scharf ausgesprochen. Dem ent-
sprechend fand man denn auch bei den an Milzbrand verendeten
Mäusen reichliche Bacillen in den Bluträumen der mütterlichen Pla-
centa, niemals aber Bacillen in den fötalen Gefässen. Nur einmal
wies eine Kulturprobe den Uebergang auf den Fötus nach.
Auch die Verbreitung der Bacillen im Fötus zeigte bei den einzelnen
Versuchsthieren erhebliche Unterschiede. Ueberall war die intra-
vasculäre Lage der Milzbrandbacillen deutlich erkennbar. Alle Be-
funde deuteten darauf hin, dass die Invasion in erster Linie die
Fötusleber trifft und dass in dieser auch die Stätte für die Vermeh-
rung der eingedrungenen Bacillen liegt.
Auf den Uebergang der Infektion auf den Fötus können von
Einfluss sein die ungleiche Empfänglichkeit der Versuchstiere, die
Krankheitsdauer, Ungleichheiten im Baue der Placenta der einzelnen
Thiergattungen, die Methode, namentlich Ungleichheiten in der Art
der Impfung und hier wieder Unterschiede in der Menge der infek-
tiösen Substanz und betreffs der Topographie der Infektionsstelle,
ferner der Termin der Infektion der Placenta, der Grad der Virulenz
der verwendeten Kulturen, wobei nicht nur die Vermehrungsfähigkeit
der Bacillen, sondern auch die Konzentration der von den letzteren
gebildeten schädlichen Stoffe in Betracht kommt.
Verf. ist der Ansicht, dass die gesunde Placenta weder für fein
vertheilte, nicht vermehrungsfähige Fremdkörper, noch für Mikro-
organismen ohne weiteres den Durchtritt in die fötalen Blutwege ge-
stattet. Dass die physiologische Placenta sonach ein vollkommenes
Filter abgibt, gibt Verf. zu ; nur hebt er hervor, dass dieses Filter
durch den Einfluss in die Placenta eingeschwemmter, pathogener Mi-
kroorganismen durchlässig werden kann. Nach seiner Ansicht kann
bei reichlicher Entwickelung von Milzbrandbacillen in der Placenta
tta förmliches Durchwachsen der Bakterien in den fötalen Theil hineii*
88 TuWcnlose und tttai*.
stattfinden. Gerade in letzterem Falle können dem Uebergange an
sich nicht günstige Einrichtungen überwanden werden.
Die menschliche Placenta weist für das Zustandekommen des
Ueberganges pathogener Mikroorganismen günstige Verhältnisse auf.
Dittrich (Prag).
Schmorl und Birch-Hlrschfeld, üebergang von Tuberkel -
bacillen aus dem mütterlichen Blute auf die Frucht.
[Beobachtung aus dem pathologischen Institut zu Leipzig.] (Z i e g 1 e r 's
Beiträge zur pathologischen Anatomie und zur allgemeinen Patho-
logie. Bd. IX. Heft 3.)
Eine 23-jährige Frauensperson, welche im 7. Monate ihrer ersten
Schwangerschaft sich befand, starb an Tuberculose (chronische und
universelle Miliartuberculose). Unmittelbar nach dem Tode der Mutter
wurde das todte Kind durch Sectio caesarea aus dem Mutterleibe
entfernt Zur Miliartuberculose war es bei der Mutter durch Durch-
bruch einer verkästen Lymphdrüse in den Ductus thoracicus ge-
kommen.
Stückchen von Leber, Milz und Nieren des Fötus wurden 2 Meer-
schweinchen und 1 Kaninchen in die Bauchhöhle eingeführt Tuberkel-
knötchen konnte man in diesen Organen, sowie in den Lungen nicht
nachweisen. Bei allen 3 Thieren entwickelte sich Tuberculose. Die
Placenta zeigte an ihrer uterinen Fläche vereinzelte kleine Blutungen.
Auf dem Durchschnitte zeigten sich im Placentargewebe kleine
Knötchen, von denen eines Tuberkelbacillen enthielt. Die histologische
Untersuchung anderer solcher Knötchen erwies dieselben jedoch nicht
als Tuberkel, sondern als sogenannte „weisse Infarkte". Dieselben
enthielten keine Tuberkelbacillen.
Im Blute der Nabelvene fand man einmal spärliche Tuberkel-
bacillen, dagegen nicht in dem dem Fötus entnommenen Leber- und
Milzsafte.
In der Placenta fand man häufig Tuberkelbacillen in den inter-
villösen Räumen, ferner vereinzelte Bacillen zuweilen im Lumen durch-
schnittener Choriongeftsse zwischen den rothen Blutkörperchen.
Weder im Placentargewebe, noch am oder im Chorion konnte man
Hämorrhagieen wahrnehmen.
Das Gewebe der Nabelschnur zeigte nichts Abnormes; in den
Nabelgeftssen fand man keine Tuberkelbacillen.
Die fötalen Lungen zeigten normale Verhältnisse, in keinem Schnitt-
präparate sah man Tuberkelbacillen. Die Fötalleber enthielt auch
keine Tuberkel, dagegen, wenn auch nicht reichliche, Tuberkelbacillen.
In der Niere fand man weder Tuberkel noch Tuberkelbacillen.
Es hatte hier somit offenbar erst in der allerletzten Zeit ein
Üebergang von Tuberkelbacillen von der Mutter auf den Fötus statt-
gefunden. Wie derselbe erfolgt war, Hess sich nicht mit Sicherheit
feststellen. Wahrscheinlich waren die Bacillen aus den intervillösen
Räumen in die Geftsse der Zotten gelangt an Stellen, an denen
der Epithelüberzug der letzteren unterbrochen war.
Dittrich (Prag),
iSiberenloM. — Syphilis. g9
Lnbliner, L., Piec przypadköw gruz'licy po obrzezaniu.
[Fünf neue Fälle der Tuberculose nach Circum-
cision.] (Gazeta Lekarska. 1890. S. 502.) [Polnisch].
Lnbliner ist es gelungen, in seiner Abtheilung fOnf neue
Fälle der Impftuberculose nach Circumcision zu konstatiren. Bei
den Neugeborenen bildeten sich 1—4 Wochen nach der Operation
die Geschwüre, und die Drüsen schwollen an. In den ausgeschnittenen
Hautpartikelchen hat L. mehr oder weniger zahlreiche Tuberkel-
bacillen gefunden. Bujwid (Warschau).
JBaymond, M. P., Une Observation de Syphilis concep-
tio nelle. (Soc. de denn, et syphiligr. S6ance de 12 ftvrier.
Annal. de denn, et syph. 25 febr. 1891.)
Der interessante Fall Raymond' s verdient eine ausführlichere
Wiedergabe, weil er einen bemerkenswerten Beitrag zu der Lehre
tod der Vererbung einer der praktisch wichtigsten Infektionskrank-
heiten, der Syphilis, gibt. Ein Patient wird im Jahre 1874 syphi-
litisch infizirt; die Krankheit verläuft leicht, der Kranke steht unter
sorgfältiger Behandlung. Im Juni 1878, nachdem seit länger als
einem Jahr keine syphilitischen Symptome aufgetreten sind, verhei-
ratet er sich. Im März 1879 Geburt eines ausgetragenen gesunden
Kindes, das jetzt noch lebt Am Ende des Jahres 1880 Geburt eines
elenden Kindes im 8. Fötalmonat, das ein Exanthem zeigt und nach
5 Wochen stirbt. Im April 1882 Geburt eines dritten elenden Kindes
im 8. Fötalmonat, das nur mit äusserster Sorgfalt am Leben gehalten
wurde und im Alter von 4 Jahren an Diphtherie starb. Raymond
erinnert an der Hand dieses Falles an die schon oft betonte That-
sache, dass Kinder syphilitischer Herkunft, selbst wenn sie frei von
Erscheinungen der hereditären Syphilis sind, häufig eine Schwäche
und einen Mangel an Widerstandskraft besitzen, der sie fähiger
macht, andere besonders zur Zeit herrschende Krankheiten sich zu-
zuziehen. Die Mutter der Kinder, welche zehn Jahre hindurch kein
Zeichen einer syphilitischen Infektion dargeboten hatte, zeigte schliess-
lich ein trockenes, tuberöses Syphilid, welches schnell unter spezi-
fischer Behandlung heilte. Diese Tertiärerscheinung, welche ohne
ein vorausgegangenes Symptom sich einstellte, ist nach Raymond
der Beweis dafür, dass bei der Frau eine konzeptionelle Syphilis vor-
liegt Der Fall beweist ferner von Neuem, dass ein syphilitischer
Vater gesunde Kinder erzeugen kann, wenn er in einem der Behandlung
nicht zu entfernten Stadium sich befindet, dann ein syphilitisches
Kind, wenn er allmählich die Wohlthat der Behandlung einbüsst,
und endlich ein gesundes Kind, wenn er von Neuem behandelt wird
oder bei ihm die Krankheit erlischt Besnier weist in der Dis-
kussion gleichfalls auf die Empfänglichkeit syphilitischer Kinder
Krankheiten gegenüber hin. Das Gleiche scheint bei Erwachsenen
vorzukommen. Er hat in 2 oder 3 Fällen syphilitische Väter schwere
diphtherische Anginen bei der Pflege ihrer kranken Kinder acquiriren
sehen. Es scheint, dass die Syphilis, sei es durch die lokalen Er-
scheinungen, die sie nach sich zieht, sei es durch die alleinige That-
sache ihrer Existenz eine prädisponirende Ursache für Krankheiten
90 8yphüis. — ladieannri*.
abgibt. Fournier betont besouders, dass hier daß Gegentheil von
der gewöhnlichen Erscheinung vorliegt, daas nämlich die ersten
Graviditäten mit Aborten endigen, nachher syphilitische und später
gesunde Kinder geboren werden. Dies ist ein Punkt von besonderer
praktischer Wichtigkeit, weil Syphilitische die Neigung haben, sich
für vollkommen gesund zu halten, wenn ihnen ein gesundes Kind
geboren ist
[Der Vortrag enthält 3 Punkte von ganz besonderer Wichtigkeit!
Erstens die ungemein lange Persistenz der Vererbungsfähigkeit der Lud
trotz sorgfältiger Behandlung. Dadurch wird die von den meisteij
Autoren aufgestellte und in die Praxis abertragene These widerlegt
dass man Syphilitischen 4 Jahre nach erfolgter Infektion anstandst
das Heiraten gestatten darf. Zweitens, worauf Fournier in dei
Diskussion hinweist, das abwechselnde Erscheinen von gesunden uod
kranken Kindern, welches z. Th. auf vorausgegangene Behandlung
zu schieben ist, aber auch sonst beobachtet wird. Drittens die Ad
nähme einer Syphilis par conception bei der Mutter, der man immei
entgegenhalten kann, dass die Primärerscheinungen , wie so häufig
bei Frauen, unbemerkt vorübergegangen sind. Ref.]
Ledermann (Breslau).
Hoehsinger, C, Ueber Indicanurie im Säuglingsalter
(Wiener medic. Presse. 1890. No. 40 u. 4L)
Die Arbeit ist, obgleich vorwiegend klinischen Inhaltes, doct
auch für den Bakteriologen von Interesse, da bekanntermaassen dei
Indigonachweis im Harn als Anzeichen und Maassstab der B
weisszersetzung im Darmkanale benutzt werden kann. Gerade fäJ
das Säuglingsalter waren diese Verhältnisse von besonderer ßedeu
tung, nachdem einerseits Ref. aus den biologischen Eigenschaft^
der obligaten Milchkothbakterien den Schluss gezogen, dass dit
Eiweissfäulni8S im Darmkanal des Säuglings fehle, andererseits Ba
ginsky das Vorkommen von Produkten der Eiweissfäulniss in det
Stühlen verdauungskranker Säuglinge nachgewiesen hatte. H. resu-
mirt die Resultate aus etwa 150 untersuchten Fällen wie folgt:
1) Der Harn des Neugeborenen ist indicanfrei.
2) Während der ganzen Säuglingsperiode lassen sich bei normal
verdauenden Kindern, gleichviel, ob natürlich ob künstlich genährt
durch die bekannten qualitativen Methoden höchstens Spuren von
Indican im Harn nachweisen. In der weitaus überwiegenden Mehr-
zahl der Fälle und insbesondere bei Brustkindern bleibt die Indican-
reaktion vollkommen negativ.
3) Unter den Verdauungskrankheiten des Säuglingsalters liefern
nur die echten Brechdurchfälle, insbesondere aber die Cholera infan-
tum, eine pathologische Vermehrung von indigobildender Substanz im
Harn. Einfache Dyspepsieen und Diarrhöen verlaufen ohne Indica-
nurie, desgleichen die habituelle Obstipation der Säuglinge und
jüngeren Kinder.
4) Bei Ausschluss primärer intestinaler oder anderweitiger Faul-
nissvorgänge im kindlichen Körper weisen pathologische Mengen voa
Harnindikan auf schwere Störungen der Dannfunktion durch Al)ge~
Milzbrand. 91
meinleiden insbesondere aber auf den Bestand einer tuberculösen Er-
krankung hin.
5) Aeltere normale Kinder verhalten sich in Bezug auf die In-
dicanausscheidung ähnlich wie erwachsene Menschen. Der Indican-
gebalt des Harnes richtet sich nach der Art der Ernährung, ist jedoch
gewöhnlich nur ein ganz geringfügiger. Escherich (Graz).
Tnrrf, IL, Contribucion ad estudio de la esporulacion
del bacillus anthracis. (Gaceta medica catalana. 1891.
No. 3-4)
In der Absicht, die innersten Ursachen der Sporenbildung des
Milzbrandbacillus zu ergründen, hat Verf. Plattenkulturen auf flachen
Tellern gemacht, indem er auf die Oberfläche von 3% agarhaltiger
Rindfleischbrtihe eine in gleicher Brühe bereitete Verdünnung von
Bacillen und Sporen aussäte. Nun beobachtete er, dass unter diesen
umständen die Entwickelung der Kolonieen viel besser und die
Sporenbildung viel früher stattfindet, als bei dem gewöhnlichen Ver-
fahren, die Saat in die Tiefe des Nährbodens einzubringen, und dass
bei diesen Oberflächenkolonieen wiederum die Sporenbildung von der
obersten Schicht ausgeht und dann allmählich in die tieferen vordringt,
bis sie auf dem Boden der Kolonie ankommt, wo man noch Bacillen
vorfindet, wenn alles übrige schon in eine einzige Sporenmasse ver-
wandelt ist. Da nun die Mycelbildung in der Kolonie nicht in regel-
rechten Schichten, sondern in allen möglichen Richtungen vor sich
geht, je nachdem die Fäden Sporen am Ende oder in der Mitte
tragen, während das übrige Protoplasma gleichartig bleibt, so muss
man wohl die Erscheinung der grösseren Durchlüftung an der Ober-
fläche zuschreiben und annehmen, dass unter gleichen Durch-
lüftungsbedingungen die Sporenbildung überall gleichförmig und
gleichzeitig stattfinden würde. Wenn man auf ein Deckgläschen
einen Tropfen Agar und darauf Kolonieen aufträgt und dann auf
die Zelle eines Objektträgers bringt, so bilden nur die Bänder eine
einzige, unter gleichen Durchlüftungsbedingungen stehende Ba-
cillengchicht. In dieser beobachtet man nun nach 24- stündigem
Stehen bei einer Temperatur von 34—36°, dass das Bandmycel in
seiner ganzen Ausdehnung Endosporen trägt, während in dem aus
Bacillenbündeln bestehenden Centrum der Kolonie die Sporenbildung
ungleichmässig ist, wie man dieselbe bei den gewöhnlichen Kulturen
beobachtet. Man kann also annehmen, dass die Efscheinung zunächst
von dem Einflüsse der Luft auf das Mycel abhängt. Dennoch bildet
der Bacillus seine Sporen unter der Einwirkung des Sauerstoffs nur
dann, wenn ihm der Nährboden durch die Diffusion der Zersetzungs-
produkte seines Wachsthums unfruchtbar geworden ist; ohne diese
unumgängliche Bedingung wächst er ruhig weiter. Um das zu be-
weisen, vertheilte Turrö die von einem Teller mit Kolonieen abge-
schabte Agar-Agarplatte auf 6 Böhrchen, von denen er zwei mit
de&tillirtem Wasser (1 : 4) verdünnte, zwei mit Natriumkarbonat al-
kalisch machte und die zwei anderen zur Kontrolle unverändert
liess. Nach Sterihsirung im Autoklaven bei 120° Besäung mit einer
Reinkultur. In den Kontrollröhrchen kam kein Wachsthum zu
92 Milsbrand. — Bakterien in der Gallenblase.
Stande; in den alkalisch gemachten entwickelten sich Kolonieen, die
so langsam Sporen bildeten, wie die gewöhnlichen Kaltaren ; dagegen
war das Wachsthum in den mit Wasser verdünnten Kaltaren sehr
rasch, ebenso wie die Sporenbildung. Das beweist nur, dass der das
Wachsthum hindernde Hemmstoff die Wirkung ausübt, dass der ad
das Mycelprotoplasma einwirkende Sauerstoff in demselben eine Reihe
von Oxydirungen, Verbrennungen oder Zersetzungen hervorruft, durch
welche die Kohlenwasserstoffverbindungen verzehrt werden, während
als Rest die Stickstoffverbindungen übrig bleiben, die den Haupt-
bestandteil der Sporen bilden. Diese Erscheinungen sollen nun,
nach der Ansicht des VerTs, das Wesentliche bei dem Vorgang der
Sporenbildung sein. Nicht wegen Erschöpfung seines Nährbodens.
sondern weil er sich mit den Stoffwechselprodukten seines Wachs-
thums vergiftet, treibt der Milzbrandbacillus keine Sporen ; bei dieser
Vorbedingung erzeugt der Sauerstoff in dem Protoplasma eines ani
ungünstigem Boden vegetirenden Mycels eine Reibe chemischer Cm-
Wandelungen, die dessen Respirationselemente erschöpfen und als End-
ergebniss die Bildung der Sporen bedingen, welche demgemäss, unter
sonst gleichen Verhältnissen, um so rascher vor sich gehen wird, je
lebhafter und direkter jene Einwirkung ist S e n t i n o n (Barcelona).
Naunyn, Ueber das Vorkommen von Spaltpilzen in der
Gallenblase. [Sitzung des naturwiss.-medicin. Vereins in Stras-
burg vom 16. L 1891.1 (Deutsche medicin. Wochenschr. 1891
No. 5.)
Die Galle zweier normaler Hunde, intra vitam entnommen, er-
wies sich als steril. Ebenso die in zwei Fällen (von Phthisis pal-
mon.) aus menschlichen Leichen 1—5 Stunden nach dem Tode aas
der Gallenblase entnommene Galle; in einem dritten Falle (Kom-
pressionsmyelitis mit Septikämie) wuchs auf Agar-Agar ein grosser
Goccus, der einen gelben, dicken Rasen bildete; dieser Mikro-
organismus wurde nicht weiter untersucht
In drei Fallen von Cholelithiasis wurde der bei Lebzeiten
mittelst Probepunktion entleerte Gallenblaseninhalt bakteriologisch
untersucht; in zweien davon war die gewonnene Flüssigkeit steril.
Im dritten Fall wurde aus der fast wasserhellen, wenig getrübten
Flüssigkeit ein Bacillus in Reinkultur gewonnen, welcher einerseits
mit dem Bacterium coli commune Escherich's, anderer-
seits mit dem Friedländer'schen Diplobacillus Aehnlich-
keit zeigte. Die mikroskopische Untersuchung zeigte kurze, dicke,
ziemlich lebhaft bewegliche Stäbchen, meist zu Diplobacillen angeord-
net, selten in Verbänden von 4—6 Gliedern. Der Bacillus wächst
schon bei Zimmertemperatur auf allen gebräuchlichen Nährmedien,
bei 37° wächst er sehr rasch; die Gelatine verflüssigt er nicht; ä
ist fakultativ anaerob. Thierversuche: Zwei Hunden wurde nach Unter-
bindung des Choledochus eine Reinkultur des Bacillus in die Gallen-
blase injizirt; beide starben, der eine nach 36 Std. an Peritonitis
der andere nach 74 Stunden ; im Peritonealexsudat, GallenblaaeniDbaX
und im Herzblut fand sich bei beiden nur der Bacillus, ferner fanfl
sich bei der Sektion starke Angiocholitis, Schwellung und Hyperäm»
Bakterien in der Gellenbtae. — Diphtherie. 93
der Leber; bei dem nach 74 Std. verstorbenen Hunde fanden sich in
der Leber zahlreiche nekrotische Herde.
Ton dem Bacillus Escherich's unterscheidet sich der von
Naunyn gefundene vor Allem dadurch, dass letzterer für Mäuse
pathogen ist (dieselben sterben in 12—24 Stunden; im Blut und in
der vergrösserten Milz finden sich massenhaft Bacillen); ferner auch da-
durch, dass er auf Kartoffeln einen grauen (nicht gelben) Rasen
bildet; auch istdasBacterium coli commune schlanker. Vom
Friedländer' sehen Bacillus unterscheidet sich der hier beschrie-
bene dadurch, dass er keine Nagelkulturen bildet und bei der 6 ram-
schen Färbung nicht entfärbt wird.
Naunyn bemerkt, dass bereits von Gilbert und Girode
(s. das Referat in diesem Centralblatt. Bd. IX. S. 413), sowie von
Bouchard aus dem Inhalt der Gallen wege ein Bacillus gezüchtet ist,
der mit dem von ihm gefundenen identisch sein dürfte. [Ref. möchte noch
auf die etwa gleichzeitig mit der hier besprochenen Mittheilung erschie-
nene Veröffentlichung von V e i 1 1 o n und J a y 1 e aufmerksam machen ;
diese Autoren fanden das Bacterium coli commune im Eiter eines
dysenterischen Leberäbscesses ; wahrscheinlich handelte es sich hier
um eine sekundäre Einwanderung des Bacillus. (Vgl. d. Ref. in diesem
Centralblatt Bd. IX. & 382.) — Bei einem Fall von multiplen Leber-
abscessen nach Perityphlitis, welcher im Oktober vorigen Jahres auf
der hiesigen medizinischen Klinik starb, hat Ref. in dem — aller-
dings erst bei der Sektion entnommenen — Eiter ebenfalls das
Bacterium coli commune in Reinkultur gefunden.]
R. Stern (Breslau).
Barbier,!., De la transmissibilitä de la diphtbörie avi-
aire ä l'homme. (Annales de la Soci&ä medico-chirurgicale
de Ltege. 1891. Avril.)
Nach kurzer Uebersicht über die bisherigen Theorieen über die
Identität der thierischen und menschlichen Diphtherie berichtet Verf.
über die beträchtliche Sterblichkeit durch diese Krankheit. In der
Soci6t6 de m&lecine publique de Belgique ist von Dr. Schrevens
vorgeschlagen worden, dass jeder Arzt die Resultate seiner eigenen
Praxis mittheilen sollte, welche für oder gegen den thierischen Ur-
sprung der Diphtherie sprechen. Als Antwort auf diesen Aufruf ver-
öffentlicht Verf. den folgenden höchst interessanten Fall:
Eine 67- jährige Frau, welche viele italienische Hühner besass,
hatte bei denselben manchesmal Diphtheriefälle bemerkt, für welche
Krankheit diese Hühnerrasse höchst empfänglich ist: Daher fasste
sie den Entschluss, den Hühnerstall zu reinigen und zu desinfiziren ;
sie selbst hatte die Arbeitenden dirigirt, und war dazu verschiedene
Male in den Stall eingetreten. Am zweiten Tage erkrankte die Frau,
und am drittem Tage bot sie das Bild einer ausgesprochenen Diph-
therie.
Hervorzuheben ist, dass die Frau seit drei Wochen nicht aus
dem Hause herausgekommen war und dass kein anderer Fall in der
Gegend existirte. Das Alter der Frau ist auch eine Grundlage für die
wahrscheinliche thierische Infektion. R. Verhoogen (Brüssel).
94 Py«ioB«pfaritb.
Höflich, C, Die Pyelonephritis bacillosa des Rindes.
(Monatshefte für prakt. Thierheiikunde. Bd. II. Heft 5.)
Enderlen, E., Primäre infektiöse Pyelonephritis beim
Rind. (Deutsche Zeitschrift f. Thiermedicin. Bd. XVII. 1891.
Heft 4)
Die bisher kurzweg unter dem Namen Pyelonephritis wohlbe-
kannte Entzündungsform der Nieren des Rindes ist eines der aller-
häufigsten Leiden dieses Hausthieres, ein chronisch destruirender
Prozess, dessen Unteilbarkeit und Folgen eine frühzeitige Wertbmiu-
derung, eine vorauszusehende Kachexie und die Nothlage der Schlach-
tung bedeutet und welche damit für Viehhandel und Viehzucht eine
besondere Wichtigkeit besitzt
Auf Schlachthäusern und Sektionstischen ist der Fund derartig
kranker Harnorgane ein ganz gewöhnliches Ereigniss, das pathologisch
anatomische Bild seit langem in allen Entwickelungsphasen der Ano-
malie gut bekannt; in vorgeschrittenen Stadien, zumal bei Miter-
griffensein der harnleitenden Wege verfügt auch die klinische Dia-
gnostik über gute Erkennunggmerkmale, die Anfangs- und mittleren
Stadien der Pyelonephritis indes entzogen sich vielfach der Diagnose
am lebenden Thier. Hier greifen nun namentlich die bakteriologischeil
Nachweise obiger Autoren helfend ein und gestalten die Krankheits-
form auch ätiologisch zu einer wohlumschriebenen.
Die Pyelonephritis des Rindes wird, soviel Ref. aus eigenen Sek-
tioneu und Mittheilungen von Thierärzten weiss, meist beiderseitig
angetroffen und ist sehr häufig begleitet von chronischer mit Ektasie
verknüpfter Entzündung der Harnleiter und der Blase. In vollende-
ter Ausbildung sind die Nieren bis zum doppelten Volumen in toto
vergrössert, die Gewichtszunahme einer Niere ebenso auf 900 — 1500 g
vorgeschritten (normal 400—500), der Längendurchmesser auf
30—34 cm, Breitendurchmesser auf 18, Tiefendurchmesser auf 8—10 cm
gestiegen. Es pflegen die sämmtlichen Lappen der Rindsniere von
der Entzündung ergriffen, zu sein und zwar multipel herdförmig,
selbst disseminirt oder diffus, doch begegnet man auch partiell loba-
ren Veränderungen.
Nach Entfernung der Fettkapsel, welche häufig im Zustande
kollateralen Oedems gefunden wird, gewahrt man als auffällig eine
durch die Propria schimmernde fleckige Verfärbung der Nierenober-
fläche, die Propria ist bei vorgeschrittener Pyelonephritis oft partiell
mit der Oberfläche verwachsen, im Uebrigen leicht ablösbar, oft unter
derselben ein seröses Exsudat, welches der Nierenoberfläche saftigeu
Glanz verleiht. Die fleckige Beschaffenheit ergibt sich durch eiue
bellgelbbraune, grauweisse, graugelbe und gelblichweisse Färbung
der erkrankten Partieen, von welchen die Reste normalen oder re-
lativ normalen Nierengewebes durch rothbraunes Kolorit sich abheben.
Die lichten Flecke sind von unregelmässiger Gestalt und Ausbreitung,
bald punktförmig bis hirsekorngross, bald linsen-, erbsengross und
darüber hinaus. Die so verfärbten Partieen sind, solange das Ge-
webe als zellig infiltrirt und von jungem Keimgewebe besetzt gelten
muss, im Niveau der Niere oder darüber etwas vorragend, bei altem
Bestände aber, wo sie fibrös gewordene Herde veranschaulichen, re-
Pyelonephritis. 95
trahirt, so dass alsdann die Reste normal brauner Nierenrinde über
die vertieften Flecke prominiren. Auf Nierendurchschnitten sieht
man die Oberflächenflecke sich kegelförmig und radiär als gelbgraue
bis weisse Streifen in das Parenchym fortziehen, so dass zwischen
den Streifen noch Züge normalen oder atrophischen Nierenrindenge-
webes in roth-, grau-, gelblichbrauner Farbe alternirend . verbleiben.
Innerhalb der ins Helle gehenden Flecke sowie der braunen Partieen
sind meist besondere gelblich- und gelbgraue Herde als Stecknadel-
kopf- bis erbsengrosse prominente Einlagerungen ins Auge fallend,
welche gewöhnlich umsäumt von Blutungspunkten, zerstreuten hyper-
ämiachen Flecken, auch blutiger Imbibition, sehr abstechen, schon
von der Oberfläche her, ebenso auf der Schnittfläche zu treffen sind
und puriforme Erweichung zeigen. Der Grenzsaum der Markschicht
and diese selbst bieten mehr oder weniger Hyperämie und sind durch-
brochen von den aus der Rinde hereinziehenden weissen bis gelb-
grauen Streifen.
Auf&nig und charakteristisch sind stets das Nierenbecken und
dessen Fortsetzungen, die Nierenkelche, verändert. Diese sonst dünn-
rährigen und dünnwandigen Zuflüsse des Harnleiters sind erheblich
erweitert, vorgewölbt, verdickt, so dass beim Aufschneiden die Wände
sich als derb fibrös und auf das 8— 5 fache, oft bis zu Fingersdicke
gehende, verdickt erweisen. Bei ihrer Eröffnung kommt schmutzig-
grauer, graugelber, gelbbrauner, auch schmutzig rother, wolkig flocki-
ger Inhalt von schleimig-eitriger, stark fadenziehender Beschaffenheit
zum Vorschein. Neben der Harnbeimengung zu diesem Inhalte können
auch Blutgerinnsel und Harnsedimente, letztere als fühlbare, knir-
schende Körner, rundliche und eckige, bräunliche Konkremente ver-
schiedener Grösse vorliegen. Die Schleimhaut ist entweder bloss ge-
quollen, eine gering verdickte Zone auf dem Wandquerschnitt bildend,
und stellenweise ramifizirt geröthet, oder sie ist stark verdickt, von
rauher, filziger Beschaffenheit, mit schieferigen Pigmentirungen,
frischen und älteren Blutungspunkten, selbst Ulcerationen besetzt.
Durch die Anwesenheit dieses Inhaltes ist das Nierenbecken meist
in einen flnktuirenden Sack umgewandelt und der Harnleiter stellt
gleichermaassen einen ektasirten dickwandigen, bis zu zwei Finger
breiten Schlauch dar. Die in den Nierenkelchen angehäuften Massen
des Harnexsudatgemenges lagern um die Nierenwärzchen und be-
decken dieselben. In vorgeschrittenen Fällen sind die Nierenwärzchen
entweder durch Ulceration oder durch den Druck jener Massen un-
tergegangen, an ihrer Stelle ist ein Hohlraum, mündend in den ver-
größerten Nierenkelch, welcher ganz mit dem eitrigen, griesig-sandi-
gen Harnbrei angefüllt ist. Indem die anfangs verbreiterte, ge-
schwellte Nierenrinde durch das Umsichgreifen der Entzündung mehr
und mehr in Bindegewebe umgewandelt wird und der absondernde
Theil der Niere sowohl durch diese interstitielle Entzündung degene-
rirt, wie die Markmasse durch die Anhäufungen in den Nierenkelchen
zum Schwunde kommt, trifft man gegen Ende des Prozesses das
Nierenparenchym auf eine bindegewebige, oft nur ein paar Millimeter
dünne Aussenschicht reduzirt und den einzelnen Nierenlappen in eine
Btercyste umgewandelt Es ist von aussen schon durch die Fluk-
96 PjrdoAephritU.
tuation and die grauweisse Farbe des Renculus dies erkenntlich
und kann die Anomalie lobulär sein. Meist aber ist die Veränderung
von multipel lobulärer Ausbreitung und nicht selten werden alle
Lappen so verändert angetroffen, dass die ganze Niere einen volumi-
nösen Eitersack darstellt, an dem durch die Beste bindegewebig
gewordener Rindenschicht die ehemalige Lappung noch angedeutet
ist, die einzelnen Fächer der früher lobären Eitercysten aber mit dem
Nierenbecken zusammenlaufen und der Gesammthohlraum bis zu einem
Liter Eiter enthalten kann (Pyonephrose).
Schon von Siedamgrotzki, Pflug, Dammann liegen aus
den sechziger Jahren treffende Beschreibungen des vorwttrfigen Lei-
dens vor. Während Pflug den Fund von Bakterien bei Pyelone-
phritis negirend glossirte, ist Dam mann durch den Nachweis von
Mikrokokken in den gelben Herden der Nieren beeinflusst worden.
Beiner Abhandlung den Titel Nephritis bacteritica (?) zu geben.
Nächstdem haben Zschokke, Hess und Mazzanti die
Anwesenheit von Kokken und Bacillen bei einigen Fällen von Pyelo-
nephritis notirt, theilweiBe auch Kulturversuche angefangen, ohne in-
des die Betheiligung von Mikroorganismen zu einem Charakteristikum
zu erheben. Mazzanti, welcher die bakteriologische Prüfuug
etwas eingehender behandelt, wies Kokkenformen auch mit Gram*
scher Färbung nach.
Seitdem vor etwa 2 Jahren W. G. Johns ton (Montreal) bei
gelegentlichen mikroskopischen Untersuchungen von Pyelonephritis-
fällen, deren Material aus dem Schlachthause und diversen Einsen-
dungen stets reichlich an die tierärztliche Hochschule zu München
kam, mittelst Gram1 scher Färbung im Schnitte sehr typische
Bilder einer Bacillenansiedlung in den Harnkanälchen vorzeigte,
wurden die meisten der einkommenden Präparate zu bezüglicher
Nachsuche verwerthet Hierbei konstatirte C. Höflich die kon-
stante Wiederkehr einer bestimmten Bacillensorte : 2—3 p lange,
0,7 fi breite, zum Theil etwas gekrümmte, an den Enden abgerundete,
sich gleichmässig färbende, besonders gut nach Gram tingible Stab-
chen in den erkrankten Nieren und dem Harnexsudatgemenge der
Nierenbecken und Harnleiter.
£. Enderlen, welcher in gleicher Periode ähnliche Unter-
suchungen ausführte, fand, unabhängig von den beiden Vorgenannten,
in Deckglasausstrichen und bei Schnittfärbungen nach Gram und
Weigert die Stäbchen, deren Länge er auf 2,1—2,8 ^ deren
Breite er ebenfalls auf 0,7 (x und die übrigen Merkmale überein-
stimmend mit H ö f 1 i c h angibt. Enderlen beschrieb des Nähe-
ren 6 Fälle, welche bakteriologisch geprüft wurden, Höflich eine
Auswahl von 8 Fällen. Die nach Obigem gut charakterisirten Ba-
cillen, welche sich auch dadurch auszeichnen, dass sie in grösseren
oder kleineren Haufen bei einander liegend angetroffen werden, sind
in einigen frischen Fällen, anscheinend wie in Reinkultur, im eitrigen
Harn, sowie im Nierengewebe von beiden Autoren vorgefunden wor-
den, andere Male gemengt mit verschiedenen Bakteriensorten. Be-
sonders wichtig dürfte erscheinen, dass Höflich bei einer an
Pyelonephritis leidenden lebenden Kuh in dem aufgefangenen Harn,
Pyelonephritis. 97
welcher frisch einen Bodensatz aas rothen and weissen Blutzellen,
Harnkan&Ichenepithel und Plattenepithel, sowie Tripelphosphat be-
sass, Haufen jener Bacillensorte mit Gram9 scher Färbung nachwies
und damit die klinische Diagnose Pyelonephritis fixirte. Die Sektion be-
stätigte diese Diagnose vollauf, wie in der überschriebenen Abhandlung
des Genaueren erörtert. Die mikroskopische Erkennung des Leidens,
an das Auftreten jener Zellenelemente und namentlich des Tripel-
phosphats im frischen Harn geknüpft, ist sonach um ein ausschlag-
gebendes Hülfemittel bereichert An mikroskopischen Schnitten durch
die erkrankten Nieren (Cathcart's Gefriermikrotom oder Paraffin-
einbettong) fanden beide Autoren die Bacillen stets und hauptsäch-
lich in den geraden Harnkanftlchen aufgestapelt, in Ausnahmefällen
in den Glomerulis.
Die Strukturänderungen sind die einer Bindegewebszuwucherung
der Interstitien, häufig herdweise unterbrochen von zelliger Infiltra-
tion, namentlich fleckweise allenthalben in der Rinde, manchmal
gegen das Mark Tordringend, ferner Wandverdickung der Gefässe,
Erweiterung der Harnkanälchen, letztere gefüllt mit gequollenen, ge-
trübten, der Kerne verlustigen Epithelien, zwischendurch normales
Kanalwerk, partiell Schrumpfung und Verödung der Glomeruli und
Kanäle. Die Reinkultur des Bacillus (Bacillus pyelonephri-
tidis boum)1) gelang Enderlen in 4, Höflich in 2 Fällen,
die Kultur hatte im Allgemeinen ihre Schwierigkeiten, weil das Ma-
terial häufig Bakteriengemische bot und die WachsthumBenergie auf
künstlichen Nährböden überhaupt eine geringe zu sein scheint. Nach
Enderlen gedeiht der Bacillus am besten bei 37° G, spärlich bei
Zimmertemperatur, bildet auf Agarplatten kleine, graue, punktförmige
Kolonieen, wobei die Ränder der jüngeren scharf, der älteren buchtig
sind; auf Agarstichkultur ist das Oberflächenwachsthum gering, längs
des Stichs fein bandförmig, feine Kügelchen am Rande. Auf Blut-
serum sind die Kolonieen ähnlich, nur etwas grösser, im Kondensa-
tionswasser ein feiner Niederschlag am Boden. In Bouillon ein fein-
körniger Bodensatz, darüber ungetrübte Flüssigkeit. Auf Kartoffeln,
Gelatine, in Milch konnte Enderlen keine Entwicklung wahrnehmen,
ebenso nicht bei Anaerobkultur (Buchner's Pyrogallolmethode).
Höflich sah den Bacillus nur in jenen Gläsern sich zur Ver-
mehrung anschicken, welche bei 37° aufgestellt waren, die Kulturen
gelangen auf Fleischwasser-Agar-Agar, etwas stärker, wenn diesem
Glycerin zugesetzt war. Im Allgemeinen sind die Kulturmerkmale
gleich den von Enderlen beschriebenen, die geringen Unterschiede
einer mehr üppigen Entfaltung der Kolonieen mögen der Kultur auf
dem glycerinhaltigen Substrate und dem Umstände zuzuschreiben
sein, dass Höflich auf stets frisch bereiteten Nährsubstraten das
Wachsthum Terfolgte, indem er erkannte, dass die Nährböden, wenn
einige Zeit aufbewahrt, matte Kulturen lieferten ; häufig blieb beim
Besten von Nährlösungen, die schon vor einigen Wochen hergestellt
waren, jegliches Wachsthum aus, während beim Ueberimpfen derselben
1) In einer Nachtragsnotiz, welche BoUinger su Enderlen's Arbeit gab,
*cblue Erstem den Namen Bacillus renalis vor.
X.UL 7
98 Pyelonephritis.
Reinkultur auf neu bereitete Nährböden das frühere starke Gedeihen
wieder bemerkbar wurde.
Nach Höflich1 s Beschreibung haben die Kolonieen, welche in
4 — 6 Tagen zuweilen bis zu V« — 1 mm hohen, glänzend grauweissen
Belägen im Streifen, oder in Punkten zu hirsekorn- und halblinsen-
grossen Köpfchen gedeihen, eine charakteristische Bchleimig-faden-
ziehende Beschaffenheit, er konnte sie auch anagrob nach Büchner' s
Methode kultiviren. Aussehen, Haufenbildung und Färbbarkeit der
kultivirten Bacillen ist gleich denen der Niere; von Höflich und
Enderlen ist Sporenbildung negtrt worden. Die Prüfung auf
pathogene Effekte wurde, von Höflich und Enderlen zu-
nächst durch Einbringung von Kulturmaterial in die Blase mittelst
Kathederisirens bei Kühen versucht Eine typische Erkrankung der
Harnorgane trat nicht ein, nur in einem Fidle (Höflich) hielten
sich die Bacillen offenbar in der Harnblase in Vermehrung, denn auf
mehrere Wochen gab die Kuh einen Harn, welcher frisch regelmäss1
kleine Grieskörnchen beherbergte, die nur aus den Bacillenhaufen ge-
formt waren. In diesen Körnchen, welche bis zu Hirsegrösse und bis zu
50 an Zahl im aufgefangenen sonst normalen Harn anzutreffen waren,
schienen die Bacillen wie durch eine Kalkmasse zusammengehalten.
Ausserdem zeigte die Kuh Erscheinungen, welche auf eine Nieren*
oder Blasenerkrankung hätten deuten können; bei der Schlachtung
war zwar der Befund von 2 Nierencysten damit in Einklang, indes
ein sicherer Zusammenhang mit der Impfung Mangels typischer Ano-
malieen der Harnwege nicht konstatirbar. Die Blaseninjektion, welche
Enderlen bei Meerschweinchen, dann mit Laparotomie und Blasen-
eröflhung an Kaninchen vornahm, lieferte ebenfalls keine Urocystitis
und Pyelonephritis. Bei intravenöser einfacher Injektion, welche
Enderlen beim Kaninchen, Höflich beim Rinde vornahm, kam
weder in der Lunge, noch in den Nieren eine Anomalie. Als dagegen
Enderlen durch Unterbindung des Ureters vorerst eine
Harnstauung und damit eine Erkrankungsdisposition einer Niere schuf,
hatte die intravenöse Injektion die Folge, dass in der geschä-
digten Niere bei einem Kaninchen sich die Bacillen vom Blute her
ansiedelten (Nekrose der Nierenpapille, enorme Anhäufung der
Stäbchen im Nierengewebe und Nierenbecken [Weigert '8 Fibrin-
färbung]).
Bei subkutanen Impfungen (Mäuse, Meerschweinchen) erzielte
Enderlen theilweise Eiterung, theil weise verlief die Injektion ohne
Alteration, letzteres traf auch bei intraperitonealer und intrapulmo-
naler Injektion (Meerschweinchen) ein. Impfung in die Vorderaugen-
kammer hatte eine Iritis, welche wieder abheilte, im Gefolge.
Zu der Arbeit Enderlen's gab Bollinger in einem Nach-
trage einige erläuternde Bemerkungen, woselbst er erwähnt, dass Bol-
linger schon 1890 die Resultate der Enderlen 'sehen Forschungen
in einer Sitzung der Naturforscher zu Bremen besprach, wie denn
auch in Höfliches Arbeit der privatim von Enderlen erfahrene
Bacillenfund vorauf citirt wurde. Bollinger1 s Ansicht, dass die
betreffende Pyelonephritis meist einseitig vorkommt, dürfte Wider-
spruch erfahren.
Pyelonephriti». — Mikroorganismen auf Trauben. 99
Die Annahme hamatogener Natur, wie sie von Bollinger ver-
muthet, durch den E n d e r le n ' scheu Versuch nahegelegt, durch die
Fände jener Formen, welche das Gepräge der Embolie haben (Fall 4
v. Höflich), veranschaulicht ist, passt mehr noch auf doppelseitige
Xierenaffektionen. Die ebenfalls von Bollinger erwähnte urogene
Infektion hat von jeher in den Beobachtungen Stütze gefunden, dass
nach dem Geburtsvorgange die Pyelonephritis bei Kühen sich ein-
stellte, durch Metritis, Vaginitis, Nachgeburtsausfaulen hierbei viel-
leicht in die weite, ventral gelegene weibliche Harnröhre und Blase
Mikrophyten, namentlich Eiterbakterien eingelangen, im Harn sich
vermehren und aufsteigend eine Blasen-Harnleiter-Nierenentzündung
ervorrufen. Die Miterkrankung der harnleitenden abführenden Wege
ist in der That meist eine so starke, dass die Nephritis als sekundär
imponirt, da indes auch die Nierenanomalie isolirt getroffen wird, so
ist die Art der Invasion wohl doppelt möglich und bedarf noch
weiterer Untersuchungen. Es mag gerade, wie Enderlen anführt,
das begünstigende Moment der Trächtigkeit in der Schaffung von
Harnstauungen liegen. Bei Stieren und Ochsen scheint die Pyelo-
nephritis selten, aber ebenfalls doppelseitig beobachtet
Zu den besprochenen Arbeiten, welche beide in der Ueberein-
stimmoDg der von einander unabhängigen Funde deutlich die Richtig-
keit der Beobachtungen und Schlüsse dokumentiren und sich aufs
Schönste ergänzen, lieferte Enderlen kolorirte Bilder der erkrankten
Niere und der Infektionserreger, Höflich die Druckkopie eines
Photogramms des Bacillus pyelonephritidis.
Kitt (München).
Xartinand, V. et Bletsch, M., Des micro-organismes que
Ton rencontre sur les raisins mürs et de leur d6ve-
loppement pendant la fermentation. (Comptes rendus
de l'Acadämie des sciences de Paris. Tome CXII. p. 736 ff.)
Dm ein Urtheil über das Wesen und die Zahl der Mikroorga-
nismen an der Oberfläche der Trauben zu gewinnen, wandten Verff.
zunächst die von Pasteur (fitudes sur la bi&re) angegebene Methode
ai. Sie brachten einzelne Beeren in Probirgläser mit sterilisirter
zuckerhaltiger Flüssigkeit und beobachteten sie mehrere Tage lang.
Bei Benutzung der Trauben von Fleurie, Pouilly blanc, Volney,
Montrachet, Alexe, Corton, Clos-Vougeot, Ghambertis, Folie blanche
de Saujon und einer im Midi gemeinen Art füllten sich sämmtlkhe
Gläser mit Schimmel, ohne zu gähren. Bei drei (von 10) im Süden
Frankreichs und Algiers verbreiteten Arten, 3 Proben von den Cötes
röties, bei solchen von la Chapelle de Guinchay, Ghenas, Thorins,
Bordeaux, Cabernet-Sauvignon hatten dagegen alle Gläser gegohren.
Bei noch anderen Proben variirten die Gläser mit Schimmel und
ohne Gährung im Verhältnis von 20—80 auf 100, während die
übrigen Gährung zeigten. Endlich blieben im Ganzen 6% der
Gläser klar.
Die gährende, zuckerhaltige Flüssigkeit wurde auf Platten aus-
gösset, und von diesen wurden in jedem Falle mehrere Kolonieen auf
Agar geimpft und einem weiteren Studium unterworfen. Dabei fand
7*
100 MUurootiguiiaiBtn auf Trauben.
es sich, dass 5 Gläser, deren Organismen von den verbreitetsten
Trauben genommen worden waren, nur Saccharomyces apicu-
latus enthielten. Dasselbe Resultat ergaben die Trauben von Cotes
röties, Aloxe und Bordeaux. Die Gläser von verbreiteten Trauben
enthielten 20% Saccharomyces ellipsoideus, sonst Myco-
dermen und Saccharomyces apiculatus.
Um annähernd die Zahl der entwickelungsfähigen Mikroorga-
nismen zu bestimmen, welche auf der Traubenoberfläche sitzen, wurde
ein Stück Traube genau abgewogen, wiederholt in sterilisirtem Wasser
mittelst sterilisirter Pipette abgewaschen und von dem Wasser 1 oder
einige ccm auf Platten mit Malzgelatine ausgesät. Beim Zählen der
Kolonieen kamen für die Algerischen Trauben auf das Gramm Traube
430000 Kolonieen , sämmtlich zu Saccharomyces apiculatus
gehörig. Eine Traube von Cdtes röties ergab 280000 Schimmelkolo-
nieen und 192000 Saccharomyces apiculatus, der Pouilly
1300 Schimmel- und 170 andere Kolonieen verschiedener Art, der
Corton-bressende 640000 Schimmel- und 1440000 diverse Kolonieen,
der Bordeaux 90000 Schimmel- und 20000 diverse Kolonieen, eine
Traube vom Marseiller Markte 4000 Schimmel- und 190000 Hefe-
und Mycodermenkolonieen, eine andere derselben Herkunft 68000
Schimmel- und nur 200 andere Kolonieen, die Folle-blanche 128000
Schimmel- und keine anderen Kolonieen.
Verschiedene Proben von gedrückten Trauben überliess man der
Gährung, und nach 24 Stunden wurden mit der Flüssigkeit Platten-
kulturen hergestellt. Bei 20 Proben von verschiedenen Gewächsen
des Beaujolais, der Bourgogne, des Bordelais, der Charente, der Cotes
röties wurden die Kolonieen auf der Gelatine nur von Schimmelformen
und Saccharomyces apiculatus gebildet, und erst nach wieder-
holten Aussaaten glückte es, den Saccharomyces ellipsoideus
zu finden.
Weiter wurde an 4 anderen Proben der Verlauf der Gährung
während mehrerer Tage verfolgt, indem man nach je 24 Stunden
Plattenkulturen herstellte. Nach 72 Stunden gab die Probe von
Meursault nur Saccharomyces apiculatus, nach 96 Stunden
nahm eine besondere My codermaform beinahe alle Plätze ein; nach
120 Stunden herrschte von Neuem Saccharomyces apiculatus
vor, nach 148 und 178 Stunden hatte Saccharomyces ellip-
soideus die Oberhand gewonnen. Für die Proben der ßomante-
Gonti war das Ergebniss dasselbe. Nach 72 Stunden erschien Sac-
charomyces ellipsoideus neben Saccharomyces apicu-
latus, aber letzterer blieb bis zum Ende der Gährung in der
Mehrzahl. Eine Probe von Belmont gab nach 72 Stunden Saccha-
romyces apiculatus, und dieser hielt sich bis zum Ende;
daneben erschien nach 96 Stunden Saccharomyces ellipsoi-
deus. Die vierte Probe vom Marseiller Markte lieferte während der
ganzen Gährung und selbst nach einem Monate nur Saccharomy-
ces apiculatus (der Wein war sehr süss und wenig alkalisch).
Dieselbe Behandlung erfuhr noch der Hefeabsatz 40 — 50 Tage
nach der Gährung. Platten, die von la Chapelle de Guinchay ange-
legt waren, wurden von Schimmelformen bedeckt, ebenso die von
N
\
Ifikroorgmnisinen auf Timnbeiw — PtUnsenkrankheiten. 101
Pierry (Champagne), die einen starken Essiggenich wahrnehmen
Hessen. Denselben Geruch zeigten die Platten von Verrenay and
Romont (Champagne) und Moulin-a-Vent ; aber die Abwesenheit der
Schimmelformen gestattete hier die Unterscheidung zahlreicher Ba-
cillenkolonieen. Auf den Platten von Vollrath, Markobrunn (Rhein)
fanden sich mindestens 80% Kolonieen von Saccharomyces
apiculatus, auf denen von Johannisberg 25%. Dieselbe Hefe
trat noch in etwas geringerem Verhältniss auf den Platten von de
Moussy, Bouzy, Chouilly, Ay, Haute-villiers (Champagne) auf.
Nach 2 Monaten hatten die Hefeabsätze eine bessere Zusammen-
setzung. Die Schimmelformen, Essigfermente und Saccharomyces
apiculatus waren in geringerer Menge vorhanden in den Hefeab-
sätzen von Charentes, Ribeauvilte (Alsace) und dem der rheinischen
Gewächse. Zwei von Burgund, 9 Monate nach der Weinlese unter-
sucht, enthielten nur eine geringe Zahl lebender Mikroben und wur-
den besonders von Saccharomyces ellipsoideus und etwas
Essigferment gebildet Eine sterilisirte Maceration getrockneter
Trauben, welche mit dem Bodensatz besät wurde, wandelte sich in
Essig um.
Demnach existiren die Mikroben, welche sich in sauren Mitteln
zu entwickeln vermögen (und diese sind nur allein für die Weinbereitung
von Interesse), in sehr verschiedener Zahl an der Oberfläche der
Trauben. Die Schimmelformen und Saccharomyces apicula-
tus sind verbreiteter, als Saccharomyces ellipsoideus; die
Essig- und Kahmhäute fabrizirenden Bacillen sind nicht selten. Die
spätere Traubengährung wird während der ersten 48 Stunden ge-
wöhnlich durch Saccharomyces apiculatus hervorgebracht,
an seine Stelle tritt allmählich Saccharomyces ellipsoideus,
ohne dass ersterer vollständig verdrängt wird. Die Bakterien und die
Kahmhäute sind nicht bloss am Ende der Gährung vorhanden, son-
dern auch in den Hefeabsätzen, was vermuthen lässt, dass die Ursache
der Weinkrankheiten eher auf der Oberhaut der Beeren, als in einer
späteren Verunreinigung durch Luft oder Gef&sse zu suchen ist.
O. E. R. Zimmermann (Chemnitz).
Xagnin, Ant», Sur la castration parasitaire de l'Ane-
mone ranunculoides par l'Aecidium leucospermum.
(Comptes rendus de l'Acad&nie des sciences de Paris. Tome CX.
1890. p. 913 ff.)
Aeltere Beobachtungen, dass an den mit Aecidium leuco-
spermum DC. behafteten Stöcken von Anemone ranuncu-
loides immer die Blüthen fehlen, hatten zu der Hypothese ge-
führt, dass die Sterilität der betreffenden Pflanzen in dem Vorhan-
densein der Parasiten ihre Ursache habe. Neuere Untersuchungen,
die Verf. in Folge der durch Giard's Arbeiten gegebenen An-
regungen unternommen, brachten ihm die Bestätigung, dass es sich
hier um eine parasitäre Kastration handele. Im Frühling 1889
waren unter 100 Stöcken von Anemone ranunculoides,
welche das betreffende Aecidium aufzuweisen hatten, 2 blühend,
die andern steril gefunden worden , das Resultat erschien demnach
102 PäanseBkrmiiktieitem
noch ansicher. Die Untersuchungen 1890, die mit minutiösester
Sorgfalt ausgeführt worden, zeigten jedoch: 1) dass die befallenen
Pflanzen häufiger, als die ersten Beobachtungen es annehmen
lassen, BlOthen hervorbringen, 2) dass diese Blüthen aber immer
Alterationen von der verschiedensten Stärke zeigen, Alterationen,
welche bis zur Atrophie der einzelnen Blüthenkreise , besonders der
Karpelle fortschreiten können. Von 3000 Stöcken, die an einer
bestimmten, zur Untersuchung geeigneten Lokalität wuchsen, waren
306 von Aecidium befallen und unter diesen wieder 256 völlig
steril. Von den übrigen Stöcken hatten 19 ganz rudimentäre
Blüthenknospen , 31 aber entwickelte Blüthen , an denen jedoch der
eine oder andere Theil Verkümmerungen wahrnehmen liess. Zu-
nächst besitzt die befallene Pflanze, welche blüht, immer nur eine
Endblüthe, während doch sonst neben der Endblüthe oft noch ein
oder zwei seitliche erscheinen. Diese seitlichen Blüthen verkümmern
stets und werden nun durch eine oder zwei kleine Knospen an-
gedeutet, die mit den ihnen eigenthümlichen Deckblättern ver-
sehen sind. Ein einziges Mal traf Verf. an einem rostigen Stock
eine seitliche Blüthe, aber ganz atrophisch, sitzend und nur aus
häutigen Perigonblättern und Staubgefässen bestehend. Die Ver-
kümmerung der endständigen Blüthe steht im Verhältniss zu dem
Grade des Befallenseins der Pflanze.
I. An den wenig befallenen Pflanzen, d. h. an solchen, deren
Hüllblatt wenig Peridien trägt, oder wo nur ein Theil der Blätter
solche aufweist, differirt die Terminalblüthe von den gesunden
Pflanzen nur durch die weniger langen und breiten Perigonblätter
(11 Stöcke).
IL Auf einer höheren Stufe ist die Blüthe noch ziemlich lang
gestielt, aber die Perigonblätter sind kleiner, ungleicher geworden
und an den Bändern entfärbt (7 Stöcke).
III. Bei noch weiterer Verkümmerung verkürzt sich der Blüthen-
süel auf ein Minimum, die Perigonblätter werden immer mehr redu-
zirt, ungleicher, zuweilen auch zungenförmig oder selbst hornförmig
und durch Verdoppelung oder Petaladie der äusseren Staubgefasse
zahlreicher. (8 Stöcke, davon 3 mit grünen, zungenförmigen Fetalen
und besetzt mit Spermogonien).
IV. Bei 4 Pflanzen war die Blüthe im Gentrum des Involucrums
absolut sitzend, die Perigonblätter waren zu kleinen häutigen, weiss-
lichen oder röthlichen Schuppen reduzirt, die Karpelle völlig ver-
kümmert, die Staubgefasse atrophisch, obwohl sie normal ausge-
bildete Pollenkörner einschlössen.
V. Die letzte Stufe der Atrophie bestand in kleinen, von 4 bis
5 häutigen Perigonblättern gebildeten Knospen, welche zahlreiche
Staubgefasse ohne Pollen einschlössen, aber auch der Karpelle
ermangelten (19 Stöcke).
Bei den übrigen 206 Pflanzen fanden sich gar keine Blüthen-
knospen.
An dem vegetativen Apparat, dem Stamme und den Hüll-
blättern wird keine Atrophie bemerkbar, im Gregentheil machen
sich die rostigen Stöcke inmitten der gesunden durch stärkeren
X
fHkasenkraiikti«toii. jQg
Wuchs und stärkere Entwickelung bemerklich. Die Hüllblätter
sind breiter, dicker, straffer und gleichsam fleischig. Der|Parasit
beschränkt also seinen atrophirenden Eiufluss auf den Reproduk-
tionsapparat; er wirkt zunächst auf die Hüllblätter und den Blüthen-
stiel, dann auf die Karpelle und endlich auf die Staubgefässe ein.
Es ist dies ein neues Beispiel von gonotomer, besonders aber
thylytomer Kontraktion. Sehr häufig wird durch die Parasiten die
Endblüthe zu einer männlichen (23mal an 50 rostigen, blühenden
Stocken), ein Umstand, der an gesunden Stöcken ziemlich selten und
nur an seitlichen Blüten auftritt.
O. E. B. Zimmermann (Chemnitz).
Magnus, P., Verzeichniss der am 15. Mai und 1. Juni 1890
bei Freienwalde a. O. beobachteten Pilze. (Verh. d.
Bot Vereins d. Prov. Brandenburg. XXXII. p. XIII— XVI.)
49 Arten von Pilzen, die Verl gelegentlich der Frühjahrs- Haupt-
Versammlung des Bot. V. d. Pr. Brdbg. bei Freienwalde fand, darunter
Frankia Alni (Wor.) P. Magn. Verf. hat sioh auch an den
Freien waldener Exemplaren in Uebereinstimmung mit Woronin und
Brunohorst davon überzeugt, dass der Pilz zu den Hyphomyoeten
gehört. Da Woronin den Pilz 1866 Schinzia Alni, Brunohorst
1886 Frankia s u b t i 1 i s benannt hat, der Name Sohinzia aber einer
Ustiiagineengattung zukommt, ist obige Benennung zu nehmen.
BamulariaAdoxae(Babenh.) Karst, B. Geranii (Westdp.)
Fckl.
Cercospora Impatientis Bäumler auf Impatiens Noli
tangere. Der früher nur aus Ungarn bekannte Püi ist nooh bei
Kladow in der Mark, am Bielathale in der sächsischen Sohweiz und bei
Baden-Baden gefunden. Die C. Campi Silii Speg. im Süden seheint
davon verschieden zu sein.
Septoria Ghelidonii Desm., 8. sp. auf Ghaerophyllum
temulum.
Peronospora oalotheca De By., P. conglomerata Fckl.,
P. Arenariae Berk., P. Alsinearum Casp., P. parasitica
(Per s.) TuL auf Alliaria und Turritis, P. pygmaea Ung.,
P. Urticae Lib.
Bntyloma Banunouli (Bon.) 8ehröt., Ustilago perennans
Rostr. auf Arrhenaterum elatius.
Pueoinia Oreoselini (Strauss) Korn., P. Adoxae Hedw.,
Aecidium Magelhaenioum Berk., spärlioh neben dem Aecidium
der Pueoinia graminis.
Clitocybe sinopioa (Fr.), Pholiota praecox (Pers.).
Asoospora Silenes (Niessl) Wint auf Visoaria visoosa,
Stigmatea Kobertiani Fr. Ludwig (Greiz).
EDis,J. B«, and Anderson, F. W., A new Ustilago from Flo-
rida. (Journ. <rf Mycology. VI. 1890. p. 116—117).
Die Verff. beschreiben einen Brandpilz, Ustilago Neallii
n.sp.9 welcher die Infiorescenz von Heteropogon melanocarpa
in Florida bef&Ilt. Ludwig (Greiz).
1Q4 Masunkrankheiteil.
Ellis, J. B. and Ererhart, B. M., New species of Uredineae
and Ustilagineae. (Journ. of Myc Washington. Vol. VI. 1890.
No* 3. p. 118—121.)
Sohröteria annulata n. sp. in den Oyarien tob Andro-
pogon annulatus. Indien.
Sohizonella subtrifida n. sp. in den Blütenköpfen von Cir-
sium oohrooen trum. Mountain Valley, Colo.
Ustilago diplospora n. sp. in den Ovarien von Panicum
sanguinale. Holly Springs, Miss.
U. Montan ensis n. sp. in der Inflorescen* von Mahlen-
bergia glomerata. Sand Coulee, Mont.
Aeoidium miorop unotum n. sp. an Gastilleia. Pine Bidge,
Nebr.
Ae. Eurotiae n. sp. auf Eurotia lanata, Helena, Mont
Uromyees soaber n. sp. auf Gräsern. Swift Creok', Caster
County, Colo.
Pucoinia arabieola n. sp. auf Arabis sp. Ottowa, Canada. L
111 — von P. Thlaspeos Schub, und P. aberrans verschieden.
P. Araliae n. sp. an Panax trifolium. Massachusetts UL
P. xanthiifolia n. sp. auf den Blättern von Iva xanthiifo-
1 i a. Manhattan, Kansas. III. Früher irrthümlich au P. intermixta
Pk. gestellt.
P. consimilis auf Blättern von Sisym brium linifo li um.
Helena, Mont. I. III. Ludwig (Greiz).
Polrault, Georges, LesUr£din6es et leurs plantes nourri-
ci&res. (Extrait du Journal de Botanique. 1890.) 21 p. Paris
1890.
Eine ähnliche Zusammenstellung wie „P.Dieters Verzeichniss
sämmtlicher Rostpilze nach Nährpflanzen geordnet", die sich aber in
der Hauptsache auf die in Frankreich vorkommenden Rostpilze be-
schränkt (bisher dort nicht gefundene europäische Arten sind durch
ein f gekennzeichnet, T\ und T2 bezeichnet das Vorkommen von
sofort oder erst nach einer Ruhepause keimfähigen Teleutosporen).
Die Arbeit enthält bereits die neuerdings bekannt gewordenen Fälle
von Generationswechsel wie bei
Puooinia extensicola Plowr. auf Aster Tripolium —
Carex extensa.
P. arenariicola Plowr. auf Centaurea nigra — Carex
arenaria.
P. paludosa Plowr. auf Pedioularis — Carex.
P. perplexans Plowr. auf Ranunculus acris — Alope-
o u r u s.
P. persistans Plowr. auf Thaliotrum — Triticum repeos.
P. Trailii Plowr. auf Rumex Acetosa — Pragmites
communis; es fehlen hier
P. Digraphidis Soppit auf Convallaria — Digraphis
arundinaca.
BeimtximpJiiiig, kftnstl. Wektionskranktttkten, fcntwickttaiigtiiemaittiig etc. 106
P. Soirpi BC auf Njmphiea und Nuphar — Soirpui
laeustris und
Uromyoes lineolatus Deam. auf Hippuris und Sium
laiifolium — Junoua maritimns. Ludwig (Greiz).
Schutzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten, Entwick-
lungshemmung und Vernichtung der Bakterien etc.
Btrd, Les selles des f äbricitants au point de vue bac-
täriologrque. (Lyon M6dicaL 22. fevrier 1891.)
Verf. hat die Stühle eines Phthisikers untersucht, der seit mehreren
Wochen eine Temperatur von 39° gezeigt hatte. Als Untersuchungs-
resultat ergab sich, dassnur der Bacillus coli communis in den
Stühlen vorkam, dessen erste Kultur reine Kolonieen ergab. Diese
Bacillen halten einen höheren Temperaturgrad sehr gut aus; Verf.
bat drei Tage lang normale Stühle unter 39° behandelt, wonach
die andern Bacillenarten ganz verschwunden waren. Soll vielleicht
das Fieber die Ursache des Verschwindens der verschiedenen Darm-
bacillen sein? R. Verhoogen (Brüssel).
de Tos, Ueber den diagnostischen Werth des Impfver-
suchs bei Tuberculose und ein neues Verfahren zum
mikroskopischen Nachweis von Tuberkelbacillen im
Harn. (Inaugural- Dissertation.) Rostock 1891.
Um mit Sicherheit die tuberculose Natur einer Nierenerkrankung
feststellen zu können, bedarf es fast immer des Nachweises von
Tuberkelbacillen. Dieser Nachweis ist häufig durch den Uebergang
von Tuberkelbacillen in den Harn möglich. Wegen der relativ ge-
ringen Menge von Tuberkelbacillen im Harn ist aber deren Nachweis
schwierig.
Verf. hat experimentelle Untersuchungen über den Werth des
Impfversuches bei tuberculösen Erkrankungen des uropoetischen
Systems angestellt und geht bei dieser Gelegenheit auf die Beur-
teilung der Anwendbarkelt des Impfversuchs zu diagnostischen
Zwecken bei der Tuberculose verdächtigen Fällen ein.
Der Ansicht, dass die Impftuberculose unter allen Umständen
die erfolgreichere Methode ist, schließet sich Verf. nicht an, da bei
etwaigen Mischinfektionen die Wirkung der Tuberkelbacillen nicht zum
Vorschein zu kommen braucht
Wo bei Stehenlassen des Harns durch 24 Stunden ein Sediment
auftrat, fand Verf. in demselben die Tuberkelbacillen in entsprechen-
den Fällen immer. [Rasch wird man in dieser Richtung beispielsweise
mit einem Sedimentator zum Ziele gelangen, bei dessen An-
wendung es gelingt, aus Flüssigkeiten binnen kürzester Zeit ein Se-
diment zu erhalten. Ref.]
lOÖ ^cfcuUimpfiiog, ktinstl. infektionskrAnkheiten, Entwickelangshemmang etc.
Bei Anwendung der Impfung wären dort, wo eine Mischinfektion
zu befürchten ist, Kaninchen vorzuziehen, in den anderen Fällen
aber wegen der rascheren Entwickelung der Impftuberculose Meer-
schweinchen. Der Impfversuch wird hauptsächlich dann zu ver-
wenden sein, wenn relativ wenig Tuberkelbacülen in der zur Unter-
suchung bestimmten Substanz vorhanden sind. Besonders wenn es
sich um zu verimpfende Flüssigkeiten handelt, ist die Bauchhöhle
der beste Ort zur Erzeugung von Impftuberculose.
Die Menge der verimpften Tuberkelbacülen scheint nicht gleich-
gültig zu sein für den Erfolg. Verf. meint, dass, wenn ganz geringe
Mengen von Tuberkelbacülen verimpft werden, Impftuberculose bisweilen
ausbleiben kann. Sicher führt die Impfung nur dort zum Ziele, wo
es sich um tuberculöse Massen handelt, in denen die Tuberkelbacülen
in nicht zu geringer Menge vorhanden sind. Bevor man zur Impfung,
als einem diagnostischen Hülfsmittel, greift, ist es angezeigt, immer
es erst mit der mikroskopischen Untersuchung zu versuchen.
Verf. gibt eine Methode an, mittelst welcher es gelingen soll,
in Flüssigkeiten, speziell im Harn, ziemlich sicher Tuberkelbacülen
auch dort nachzuweisen, wo sie nur in geringer Menge vorhanden
sind. Dieselbe besteht in dem Hinzufügen von Hühnereiweiss, wel-
ches ein Herabziehen der Tuberkelbacülen bewirken sollte. Es wurde
reines Eiweiss mit dem vierfachen Quantum destillirten Wassers
versetzt, wobei sich eine grossflockige Masse (Globuline) am Boden
des Gefässes absetzte. Von dem darüberstehenden opaleszirenden
verdünnten Eiweiss wurden bis zu 10 ccm dem Urin zugesetzt, das
Ganze gut durchgeschüttelt und bis zur Gerinnung des Eiweisses im
Wasserbade erhitzt, zuweilen auch bis zum Aufkochen. Je nach
der Menge des hinzugefügten Eiweisses bildete sich in kurzer Zeit
ein grösseres oder geringeres Quantum eines feinflockigen Sedimentes,
welches dann auf Tuberkelbacülen untersucht wurde.
Bei dieser Behandlung geht die Färbung der Bacillen etwas
schwerer vor sich als gewöhnlich. Di tt rieh (Prag).
Stone, K. Arthur, Why the sputa of tuberculous patients
should be destroyed. (American Journal of Medical Science.
1891. March.)
Iqa Laufe des Winters 1886—87 hatte Verf. während drei Mo-
naten den Auswurf verschiedener Phthisiker bewahrt und nach diesem
Zeitraum bakteriologisch untersucht. Er fand, dass die Anzahl der
Koch 'sehen Bacillen überall vergrössert war; es waren selbst diese
Bacillen in einem Sputum anwesend, wo man bei der ersten Unter-
suchung keine gefunden hatte. In einer zweiten Reihe von Unter-
suchungen hat Verf. die Sputa 3 Jahre lang getrocknet behalten
und wieder alsdann in Wasser eingerührt. Ueberall waren die Tuberkel-
bacülen anwesend, während die andern Bacillenarten ganz verschwun-
den waren. Mit dieser Flüssigkeit wurden 6 Meerschweinchen unter
die Haut geimpft. 3 starben an Schwindsucht, die 3 andern wurden
noch einmal, jetzt aber in die Peritonealhöhle, geimpft und event
1V2 Monat später getödtet, erwies sich bei der Obduktion eine aus-
gesprochene Tuberculöse. R. Verhoogen (Brüssel).
Schutzimpfung, künstl. Infektionskr; nkheiteh, tentwicMnngahetomuiig etc. iö7
Borgherlni, A., Die ersten Resultate der Koch'schen
Behandlungsmethode bei tuberculösen Erkrankun-
gen innerer Organe. (Wien. med. Woehenschr. 1891. No. 5.
p. 195.)
Verf. erhielt in Gemeinschaft mit Biondi bei 14 Fällen Lungen-,
Kehlkopf- und Darmtuberculose und bei 2 Lupusfällen immer eine
starke lokale und allgemeine Reaktion, wenn bis zur Dosis von 0,009
Koch9 scher Lymphe herauf gegangen wurde. Puls und Respiration
schienen in der Regel wenig beeinflusst zu werden, ihre Veränderungen
laufen meist parallel mit der Temperatursteigerung. In allen Fällen
trat nach den Injektionen eine Herabsetzung des Arteriendruckes
ein. Die Reaktion in den Lungen, besonders in Fällen, wo sich die
Läsion auf die eine Lungenspitze beschränkte, entsprach einem
Symptomenkomplex, der an eine Hepatisation des Lungengewebes an
der Stelle des primären Herdes erinnerte. In einigen Fällen wurde
Röthung der Wange der der Lungenläsion entsprechenden Seite be-
obachtet. Vollständige Heilung wurde bei einem sehr leichten Falle
konstatirt, leider entzog sich der Rekonvalescent der weiteren Be-
obachtung. Die Bacillen im Sputum vermindern sich nicht wesent-
lich, weisen aber die bekannten Formveränderungen auf und lassen
sich nicht mehr gleichmässig färben.
Im Aligemeinen konnte bei ganz leichten Lungenaffektionen eine
Besserung der physikalischen Veränderungen in der Lunge festge-
stellt werden, bei chronisch verlaufenden Phthisen blieb der lokale
Befund unverändert. Kr dl (Prag).
Krynski, L., Beitrag zur Kenntniss des Verhaltens der
Tuberkelbacillen bei Lupus unter dem Einflüsse
der Koch'schen Lymphe. (Przeglad lekarski. 1891. No. 10.)
[Polnisch.l
Ein in der chirurgischen Klinik zu Krakau (Prof. Rydygier)
mit Koch 'scher Lymphe behandelter Lupuskranker (Lupus faciei)
gab dem Verf. Gelegenheit zu folgender Beobachtung.
Wie bekannt, sind bei Lupus die Bacillen eine ziemlich seltene
Erscheinung ; bei sorgfältigster Durchmusterung zahlreicher Präparate
(Schnitte von in Gelloidin eingebetteten Borkenstückchen, von wel-
chen die ezulcerirten lupösen Partieen bedeckt waren), fand auch der
Verf. vor den Injektionen keinen einzigen Tuberkelbacillus. Des-
gleichen 24 Stunden nach der ersten Injektion der Lymphe, auf
welche Patient allgemein, wie lokal stark reagirte. Nach der zweiten
Injektion gelang es ihm, in einem Schnitte zwei Bacillen aufzufinden.
Ganz anders war das Bild nach der dritten Injektion. Dieses
Mal brauchte er die Bacillen nicht mehr zu suchen: sie fielen in
jedem Schnitte in Tausenden und Abertausenden von Exemplaren
auf. Am zahlreichsten waren sie jedoch in den tiefsten Schichten
der Borken beim Uebergange in das lebende Gewebe.
Morphologisch charakterisirten sich die Bacillen nicht selten
durch Verdickungen an beiden Enden; auch hatte es oft den An-
schein, als ob sie vielfach durch unfärbbare Partieen unterbrochen
wären. Ausserdem beobachtete Verf. die Formen, auf welche Gutt-
16g Neue Littorakr.
mann im Sputum nach Injektionen bei Lungentuberculose aufmerk-
sam gemacht hat: kurze Stäbchen, selbst Kokken, welche jedoch in
aller Schärfe die charakteristische Tinktion aufwiesen. Nach den
folgenden Injektionen fand Verf. dergleichen Bilder in den Borken
nicht mehr; die Bacillen sind wieder äusserst selten geworden, wie
vor den Injektionen. Steinhaus (Warschau).
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112
Neue Litteratur.
Beri«hticur.
Auf Seite 758 in Bd. No. 33 IX dieses Centralblattes, Zeile 5 tob oben ist dsxes
ein falsch gesetstes Komma der Sinn entstellt; das Komma gebort nach dem Worte
„Schimmelpils", nicht Tor dasselbe. — Ferner ist beim Coplren des Originalmsne-
skripts auf Seite 759 Zeile 9 von oben ausgelassen worden „ausser Kohlensäure und
Wasser41. Die meisten Leser werden wohl von selbst diese beiden kleinen Versehes
korrigirt haben. O. Loew.
Inhalt
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künstlicher Immunität bei Variola vac-
dna. (Orig.), p. 40.
Kaufmann, ?., Ueber einen neuen Nähr-
boden für Bakterien. (Orlg.), p. 65.
Lubarseh, 0.» Bemerkungen in R. Stern's
Referat Aber meine „Untersuchungen Ober
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worbenen Immunität'4. (Orlg.), p. 69.
Stern, Richard, Erwiderung. (Orig.), p. 74.
Schulte, H. K. t Zur Frage von der Be-
reitung einiger Nährsubstrate. (Orig.),
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Tinoni, Guido, und Cattani, (Hnjappina,
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toxin des Tetanus. (Orig.), p. 38.
Wyssokowies, W., Zur Frage von der Lo-
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diphtherie arlaire k l*homme, p. 98.
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Nachweis tou Tuberkdbaeillen im Hsj-b,
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Herne Litteratur, p> 108.
«h« Boahdrocktrti (H«
»F»kl*)lmJ«aa>
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
Bei Hofr. Prot Dr. Leocbit m Profecor Dr. Miss
u LeJpdf ni GnifrwaM
herausgegeben ron
Dr. O. TThlvorm in Cassel.
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
X* Band. -°~ Jen», den u. August 1891. -o- No. 4.
PMit ftr den Band (96 Hummern) 14 Mark.
Jährlich erscheinen zwei Bände.
Zn beliehen durch eile Buchhandlungen and PosUnstelten.
Die Redaktion des „CentraMatts für Bakteriologie und Parasiten-
kunde" richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
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testens nach Empfang der ersten Korrekturabzuge direkt an
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lassen. Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
eingehende Wunsche berücksichtigen zu können.
Original - Mittheilungen.
lieber die Natur des Fischgiftes. ~
Vorläufige Mittheilung
▼on
Dr. H. Arastamoff
in
Astrachan.
Seit dem November des verflossenen Jahres hatte ich Gelegen-
heit, in Astrachan 11 Fälle von Vergiftungen zu beobachten, welche
sich Menschen nach dem Genüsse von Fischen zugezogen hatten. Fünf
Falle endigten mit dem Tode, in sechs Fällen trat Genesung ein.
114 Amstamoff,
Zwei Vergiftungen erfolgten nach dem Genuss von Lachs, drei nach
dem Genuss von Hausen, russisch Beluga genannt, einer nach Stör
und fünf Fälle nach dem Genuss von Ssewrjuga, einer Störsorte
Die nach dem Essen von Lachs Erkrankten genasen, von den vom
Hausen Erkrankten starb einer, von den durch Ssewrjuga Vergif-
teten starben drei, ebenso einer nach dem Genuss von Stör. Diel
übrigen genasen nach einer mehr oder weniger lange andauernden i
Krankheit. Ausserdem wurden mir von der Gouvernemente-Medizi-i
nalbehörde parenchymatöse Organe eines durch Stör Vergifteten j
zugeschickt. Sonach hatte ich Gelegenheit, das klinische Bild der
Vergiftung an 11 Personen zu beobachten, die ineren Organe da-
gegen von sechs Leichen zu untersuchen. Leider konnte nicht in
allen Fällen das Fischfleisch, nach dessen Genuss die Vergiftung ein-
getreten war, untersucht werden, da dasselbe sich trotz aller Mühe
nicht ermitteln lieas. Untersucht wurde nur der Lachs, an dem sich
zwei Fischhändler vergiftet hatten, und die Ssewrjuga, die fünf Ver-
giftungen mit drei tödtlichen Ausgängen ergeben hatte. Dass die
übrigen Fische Beluga und Stör waren, musste ich nach den Aussagen!
der Erkrankten und deren Angehörigen annehmen. i
Meine Untersuchungen und Beobachtungen werde ich hier je
aller Kürze wiedergeben, ich hoffe, dieselben bald zu ergänzen und!
ausführlicher zu beschreiben.
I. Der Fisch, nach dessen Genuss die Vergiftung
eintrat.
In allen von mir beobachteten Vergiftungs&llen war die Ursache
der Vergiftung der Genuss von gesalzenen Störsorten und Lachs im
rohen Zustande.
Allgemein wird angenommen, dass der giftige Fisch im gekochten
Zustande keine Vergiftung hervorruft, obwohl ich hin und wieder zu
hören bekomme, dass auch der gekochte Fisch vergiftend wirkt
Jedenfalls ist letzteres noch eine offene Frage.
Die von mir untersuchten Fische, Lachs und Ssewrjuga, mussten
den äuseren Eigenschaften nach als gut bezeichnet werden, nur die
mehr weiche Konsistenz derselben fiel auf. Die Fische waren sorg-
fältig der Eingeweide entledigt und gehörig, wenn auch nicht sehr
stark, gesalzen. Weder auf der Haut, noch an der Färbung des
Fleisches auf den Schnittflächen konnte etwas Verdächtiges bemerkt
werden; nirgends Hessen sich im Körper der Fische irgend welche
Spuren eines Fäulnissprozesses konstatirenu Ungeachtet eines vier-
monatlichen Aufbewahren der Fische trat keine Fäulniss ein. Nach
den Angaben der Erkrankten war der Geschmack beider Fische ein
vorzüglicher. Bei der mikroskopischen Untersuchung der giftigen
Fische fanden wir beinahe den ganzen Fischkörper durch und durch
von einer unzähligen Menge lebender Mikroorganismen durchsetzt,
die sich bei den Kulturen alle als zu einer einzigen Gattung gehörend
erwiesen.
Schnitte, aus verschiedenen Stellen des Fischkörpers angefertigt,
zeigen auf jedem Gesichtsfelde eine kolossale Menge von Mikroben.
Uebcr dl« Natur de« Ftahgift«. 115
Von verschiedenen Theilen des Lachses und der Ssewrjuga wurden
anter strenger Beobachtung der erforderlichen Vorsichtsmaass-
regeln mit durchglühten Messern kleine Stückchen Fleisch aus der
Tiefe genommen und Plattenkulturen mit Agar-Agar veranstaltet,
welcher mit Fleich- und Fischbouillon zubereitet war. Die Platten
wurden bei Zimmertemperatur gehalten — am zweiten Tage waren
sie rein, ohne Kolonieen ; am dritten Tage erschienen mitten im Agar-
Agar mit unbewaffnetem Auge kaum sichtbare feine Punkte in un-
zähliger Menge, die schon am 4. bis 6. Tage so gross wurden,
dass sie leicht mit der Nadel abgenommen werden konnten. Diese
Kolonieen werden später eingehender beschrieben werden, jetzt führe
ich nur an, dass sie alle gleichartig waren und der Form und Ge-
stalt nach an die Kolonieen der Bacillen des Unterleibstyphus er-
innern. Aehnlich den letzteren befinden sie sich auch Anfangs in
der Tiefe des Agar-Agar und entwickeln sich, nachdem sie die Ober-
fläche erreicht, sehr stark auf derselben. Ich erhielt Kolonieen in
grosser Menge aus Theilen, die näher zum Rückgrat und dem Kopfe
des Fisches lagen, doch kann ich zur Zeit nicht angeben, welche
TbeUe des Fisches ganz frei von Mikroben waren. Die Plattenkul-
turen der Mikroben von Lachs und Ssewrjuga Bind dem Aeussern
nach einander sehr ähnlich; daher glaubte ich auch Anfangs, dass
in beiden Fischsorten als vergiftendes Agens ein und derselbe Mi-
krobe wirke, was freilich unsere Untersuchungen sehr erleichtern
würde. Doch haben leider weitere Beobachtungen gezeigt, dass die
Mikroben zu ganz verschiedenen Gattungen gehören. Bei Stich-
kulturen der Lachsmikroben im Reagensglas mit Agar wachsen die-
selben sowohl dem Stichkanal nach, als auch auf der Oberfläche,
indem sie dabei einen graulichen schleimigen Ueberzug bilden, der
bald die ganze Oberfläche im Reagensglase einnimmt.
Die Sswerjugamikroben wachsen auch dem Stichkanal entlang und
aal der Oberfläche, bilden aber dabei einen mehr trockenen Ueber-
m von grau weisser Farbe, welcher sich aber selten bis zu den
Wandungen des Röhrchens erstreckt.
Werden die Lachsmikroben in Probirröhrchen mit Gelatine ge-
bracht, so verflüssigen, sie dieselbe allmählich und bilden dabei auf
der Oberfläche keine Häutchen. Die Ssewrjugamikroben dagegen
verflüssigen die Gelatine nicht und bilden eine Art flachen „Nagel-
kopfes.14 Die Kulturen beider Mikroben trüben Bouillon, setzen sich
bnge nicht im Gläschen zu Boden, bilden auf der Oberfläche keine
Häotchen und sind einander sehr ähnlich. Die Kulturen beider Mi-
krobengattungen haben keinen Fäulnissgeruch, zum Unterschiede von
den Behr stinkenden Kulturen der Fäulnissorganismen, die wir aus
faulendem Fisch erhielten.
Unter dem Mikroskop erscheinen die Mikroben der giftigen
^wjuga als kleine bewegliche Bakterien von ungefähr 8/* /* Dicke
und l1/*— 2 n Länge. Die Mikroben des giftigen Lachses bestehen
Wh aus beweglichen Bakterien, welche nur ein wenig dicker und
N*r sind. Sie sind ungefähr 1 /* dick und 2— 21/» /* lang- Die
"werten des Lachses sowohl wie die der Ssewrjuga vereinigen sich
"wt selten zu zweien und mehr und rufen bei heftiger Bewegung
8»
Hg ArusUmolf,
den Eindruck beweglicher Bacillen hervor. Durch Anilinfarben werden
sie schwach gefärbt und nach der Gram' sehen Methode der Doppel-
färbung entfärben sie sich.
II. Das klinische Bild der Fischvergiftung.
Bevor ich zur Untersuchung der Organe der an Fischvergiftung
Gestorbenen übergehe, fühle ich mich veranlasst, einige Worte über
das klinische Bild der Fischvergiftung zu sagen, um deren Erschei-
nungen mit den Resultaten zu vergleichen, die ich bei den Versuchen
mit Injektionen von Mikroben an Thieren erhalten habe. Leider ist
das klinische Bild der Fischvergiftung in der einschlägigen Litteratur
stark verwirrt, und zwar hauptsächlich deswegen, weil die Autoren,
da sie selbst kein Beobachtungsmaterial besassen, kritiklos die Be-
obachtungen ihrer Vorgänger anführen, und weil die Aerzte, die
Gelegenheit hatten, eine grössere Anzahl fischvergifteter Kranker zu
behandeln, ihre Beobachtungen bis jetzt nicht publizirt haben.
Professor Anrep, der persönlich einige Vergiftungen in Char-
kow beobachtete, hat dieselben annähernd so beschrieben, wie ich sie
bei den 11 in Astrachan Vergifteten gesehen habe. Das weiter unten
beschriebene Bild der Vergiftung gleicht vollständig demjenigen,
welches die hiesigen Aerzte, die ein reiches einschlägiges Material
besitzen, mehrfach beobachtet haben.
Gewöhnlich treten die Erscheinungen der Vergiftung 10 — 28
Stunden nach dem Genuss des rohen Fisches ein (was an eine ge-
wisse Inkubationszeit erinnert).
Die Intoxikationserscheinungen sind Anfangs schwach, steigern
sich dann aber beständig bis zum tödtlichen Ausgange. Die Steige-
rung der Intoxikationserscheinungen dauert auch dann fort, wenn aas
dem Magendarmkanal alle Fischreste entfernt sind. So scheint es, als
ob ausser dem Darmkanal noch ein anderer Ursprung neuer Güt-
mengen existire. Die Menge des genossenen Fisches hat auf die
Symptome der Vergiftung und auf den schnellen Eintritt des letalen
Ausganges augenscheinlich keinen Einfluss. Nicht selten tritt der
Tod ein nach dem Genuss einer kleinen Menge vergifteten Fisches,
während häufig nach der Aufnahme einer grossen Quantität Genesung
erfolgt. Freilich kann man diesen Umstand durch die Anhäufung
des giftigen Agens in verschiedenen Fischtheilen erklären, anderer-
seits kann aber die Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden, dass
das Fischgift ein organisirtes Element ist, das geeignet erscheint,
den menschlichen Organismus zu infiziren sowohl beim Genuss kleiner,
als auch grosser Mengen des vergifteten Fisches.
In den ersten 24 Stunden nach der Aufnahme des vergifteten
Fisches erfolgte der Tod in keinem einzigen Falle. Der letale Aus-
gang tritt in allen Fällen nach einigen Tagen ein; eine Erscheinung,
die sich schwer mit der chemischen Natur des Fischgiftes vereinigen
lässt, hauptsächlich aber, dass der Tod nur dann eintritt, wenn
roher Fisch genossen war. Dieser letzte Umstand spricht sehr für
die organisirte Natur des Giftes.
Die Haupterscheinungen der Fischvergiftung sind folgende:
1) Allgemeine Schwäche, dumpfe Schmerzen im Leibe, erschwertes
Ueber die Natur des Fischgifte». 117
Athmeo. 2) Erweiterung der Pupillen, beeinträchtigtes Sehvermögen,
„Nebel vor den Augen44, nicht selten Diplopie und Schwindel. 3) Ein
paratischer Zustand der Sekretionsorgane, vollständige Trockenheit
der Mundschleimhaut und der Zunge, Unmöglichkeit zu schlingen
— Verlust der Stimme bis zur Aphonie. 4) Eine so starke Stuhl-
verhaltung, dass Abführmittel und Klystire nicht im Stande sind, den
Darmkanal zu entleeren — besonders in den letzten Tagen der Ver-
giftung; den Harn muss man häufig mit dem Katheder entfernen.
5) Die Temperatur des Körpers steigt selbst bis zum Tode nicht,
fällt im Gegentheil um einen Grad und mehr unter die Norm, Ga-
stritis oder Gastroenteritis kann dabei vorhanden sein oder nicht,
so dass dieselbe meiner Meinung nach kein nothwendiges Zeichen
der Fischvergiftung darstellt. Häufig existirt am ersten Tage kein
Erbrechen und Durchfall, Erbrechen tritt aber oft später auf und
ist scheinbar centralen Ursprungs.
IH. Untersuchungen an den Leichen.
Die pathologisch-anatomischen Ergebnisse wiesen nichts Spezi-
fisches auf, sogar nichts Bemerkenswerthes ; sie weisen alle auf die
Folgen des Todes an Asphyxie hin.
Dagegen ergaben bei der mikroskopischen und bakteriologischen
Untersuchung sich sehr werthvolle Resultate. Auf den Präparaten
aus den Parenchymflüssigkeiten und an den Schnitten der Leber, der
Milz und der Nieren der vergifteten Individuen sind ebensolche Mi-
kroorganismen zu sehen, mit denen das Fleisch der vergifteten Fische
wie vollgepfropft war. Bei der Bakterioskopie erscheinen diese Mi-
kroorganismen lebensfähig (und alle von ein und derselben Art in
jeder Leiche). Aus der Leber, der Milz und den Nieren von drei
Leichen von an Ssewrjuga vergifteten Individuen gelang es mir,
eine Reinkultur von ein und derselben Art von Mikroben darzu-
stellen. Dieser Mikrobe ist seinen morphologischen sowie biologischen
Eigenschaften nach identisch mit dem Mikroorganismus, den ich in
der giftigen Ssewrjuga fand und oben ausführlicher beschrieb. Aus
den Organen der Leiche eines Menschen, der nach dem Genüsse von
giftigem Hausen gestorben war, wurde eine Art von Bakterien
gewonnen, während aus den Organen zweier Menschen, die sich zu
verschiedenen Zeiten mit Stör vergiftet hatten, eine andere Art von
Bakterien erhalten wurde. Aller Wahrscheinlichkeit nach würden wir,
wenn es gelungen wäre, einen vergifteten Hausen oder Stör zu unter-
suchen, dieselben Mikroben in ihnen gefunden haben, wie in den
Organen der an Hausen- oder Störvergiftung Gestorbenen, ganz nach
Analogie dessen, was sich bei den Befunden nach Vergiftung mit
Ssewrjuga ergab. Der Kürze wegen werde ich die einen Hausen-
Mikroben , die anderen Störmikroben nennen. Die Plattenkulturen
der Hausen- und Störmikroben sind sehr ähnlich denen der Ssewr-
iQga. im Reagensglase wachsen beide Arten ebenso wie die
^wrjugamikroben. Gelatine verflüssigen sie nicht, sie trüben Bouil-
to, setzen sich sehr langsam auf den Boden der Röhre, bilden
atf der Oberflächen keine Häutchen u. s. w. Der Grösse nach
1^3 Arnstamoff, Ueber die Natur de« FSschgiftea.
sind die Störbakterien ein wenig grösser, als die Ssewrjug&bakterien,
die Hausenbakterien dagegen fast zweimal dicker und länger, als die
ersteren. Eine eingehendere Beschreibung werde ich folgen lassen,
wenn es mir wird gelungen sein, einen giftigen Hausen oder Stör zu
untersuchen. Gehirn, verlängertes Mark und Rückenmark ergaben bei
wiederholten Kulturen keine Kolonieen.
IV. Versuche an Thieren.
Ueber den zweifellosen Zusammenhang der erwähnten Mikroben
mit dem giftigen Agens der Fische urtbeile ich auf Grundlage ge-
nügend zahlreicher Versuche, die ich an Thieren vornahm. Rein-
kulturen von Mikroben, welche sowohl aus giftigem Lachs und Ssewr-
juga, als auch aus den Organen der an Fischvergiftung Gestorbenen
dargestellt waren, wurden Thieren unter die Haut injizirt und nach
deren Tode wurden die inneren Organe derselben mikroskopisch uod
bakteriologisch untersucht. Solche Versuche wurden an 19 Kaninchen,
2 Hunden und 2 Katzen angestellt. Alle Kaninchen, denen Mikroben
von Fischen und aus den inneren Organen von Leichen injizirt wurden,
starben mehr oder weniger rasch nach der Injektion. Hunde und
Katzen erkrankten sehr schwer, genasen aber nach einigen Tagen.
Die Symptome der Erkrankung sind fast in allen Fällen dieselben,
und zwar folgende: Eine oder 2 Standen nach der Injektion steigt
die Temperatur des Körpers der Versuchstiere ein wenig, geht dann
zur Norm zurück und fällt allmählich 1 — 3 Grad unter die Norm.
£3 entwickelt sich eine so bedeutende Schwäche, dass die Thiere
nicht im Stande sind, auf den Füssen zu stehen, die Athmung wird
erschwert, es stellen sich ein : Schläfrigkeit, leichte Pupillenerweiterung,
die Augenlider fallen schwer herab, gleichsam gegen den Willen der
Versuchstiere, es besteht Durst, Urin- und Kothverhaltung und bei
Hunden und Katzen starkes Erbrechen. Bei der Sektion findet sich
fast immer eine überfüllte Harnblase und eine Blutüberfüllung der
Gefässe aller Parenchymorgane. Bei Untersuchung von Schnitten
dieser Organe ergiebt sich, dass letztere mit ebensolchen Mikroben
vollgepfropft sind, die injizirt wurden.
Aus den genannten Organen der Versuchstiere wurden von Neuem
ebensolche Reinkulturen hergestellt Soweit ich mich überzeugen
konnte, hört die Giftigkeit der Mikroben bei fortgesetzten Reinkulturen
auch in den folgenden Generationen nicht auf. Ich besitze augen-
blicklich Reinkulturen der Bakterien aus den Organen aller an Fisch-
vergiftung Gestorbenen, vom Lachs, von der Ssewrjuga und aus den
Organen aller Versuchstiere.
Die Kulturen der vier erwähnten Bakterienarten sind in den
ersten Tagen der Kultur weniger giftig, als in den folgenden. So
tödten z. B. zwei- oder dreitägige Kulturen die Kaninchen im Ver-
lauf von einem oder zwei Tagen, 10— lötägige dagegen in l1/«— ^
Stunden. Ohne Zweifel spielen hier die Ptomaine, die sich dabei ent-
wickeln, eine grosse Rolle. Die chemische Untersuchung derselben
ist zur Zeit noch nicht beendigt, die Resultate werden später ver-
öffentlicht ; augenblicklich kann ich nur mittheilen, dass Kulturen, die
Fat rat und Chris tmann , Ein« einfache Methode zur Gewinnung etc. \"[Q
lange Zeit dem Kochen ausgesetzt wurden, ihre Giftigkeit nicht ver-
lieren and die Kaninchen tödten, wenn auch langsamer.
Zum Schlüsse möchte ich die Frage beantworten: was das für
Mikroorganismen seien und weswegen sich nur äusserst selten Exem-
plare von Fischen als giftig erweisen, obgleich einige 10000 Stück
Fische unter gleichen Bedingungen gefangen und zur Konservirung
gesalzen werden. Weiter oben kostatirten wir, dass die von uns er-
haltenen Mikroben mit den Mikroorganismen der Fäulniss nichts ge-
mein haben. Wenn man annimmt, dass diese Mikroben die spezifischen
Krankheitserreger sind von Krankheiten, denen jede der oben an-
geführten Fiscbgattungen unterworfen sind, dann lassen sich viele
dunkle Seiten der Frage über die Fischvergiftung mit Leichtigkeit er-
klären.
Höchst wahrscheinlich finden sich in den Symptomen der Fisch-
vergiftung nach dem Genuss von den verschiedenen Fischgattungen
mehr oder weniger delikate Eigenthümlichkeiten, die bisher unsern Be-
obachtungen sich entzogen haben. Es ist schwer, anzunehmen, dass nach
dem Genuss von giftigem Lachs ganz genau dieselben Symptome auf-
treten, wie nach der Aufnahme von giftiger Ssewrjuga und Stör.
Ohne Zweifel wird die Differenzialdiagnose der Fischvergiftungen in
der Zukunft festgestellt werden, ganz ebenso, wie es mit den ver-
schiedenen Typhusformen und den akuten Exanthemen war.
Vorliegende Mittheilung wurde in der Gesellschaft der Astrachan-
schen Aerzte am 17. April verlesen unter gleichzeitiger Demon-
stration verschiedener Schnitte der giftigen Fische, der Organe von
an Fischvergiftung Gestorbenen und von Reinkulturen der Mikroben
in verschiedenen Ernährungsmitteln.
Astrachan, den 17./29. April 1891.
Heber eine einfache Methode zur Gewinnung bacillen-
reichen Lepramaterials zn Versuchszwecken.
Von
Dr. A. Favrat und Dr. F. Christmann
(Madeira) (Zornhof-Zabern i. E.).
Ausser den beiden Angaben von Bordoni-Uff red uzzi1)
und von 6 i an tu reo*) über erfolgreiche Züchtung des Lepraba-
cillus liegen bekanntlich nur negative Berichte vor. Der Hauptgrund
dafür wird gewiss in der exquisit parasitären Natur des Lepraba-
tillus zu suchen sein, daneben schien uns indessen als begünstigendes
Moment der Umstand in Betracht zu kommen, dass fast ausschliesslich
▼on festem Gewebe als Infektionsmaterial ausgegangen worden ist. Für
Thierversuche mag diese Methode allerdings gewisse Vortheile bieten
1) Ueber die Kultur der Leprabacillen. (Zeitschrift f. Hygiene. Bd. III. 1S87.
Heft L p. 178. B. Jahresbericht. III p. 226.)
2) Gi an tu reo, Bicercbe istologiche e batteriologiche nella lebbra. Napoli 1889,
p. Jahresbericht V. p. 242.)
120 Fayrat and Christmann9
durch den Schutz, den es den Leprabacillen vor den Zellen and
Säften des betreffenden Thieres gewährt, aber für die Anlage von
Reinkulturen muss dieses Eingeschlossensein der Bacillen entschieden
nachtheilig wirken. Je grösser die Zahl der freiliegenden
Bacillen ist, um so grösser wird die Aussicht auf Er-
folg sein. Schon Bordoni-Uffreduzzi hat die Ursache seines
positiven Erfolges darin gesehen, dass in dem Knochenmark die
Zahl der freiliegenden Bacillen eine weit grössere ist, als in den
übrigen Geweben. In natura finden sich nun am lebenden Menschen
solche Verhältnisse in dem Pemphigusblaseninhalt1) und in dem Eiter
von Geschwüren. Erstere sind aber eine äusserst seltene Erscheinung
— uns selbst ist sie innerhalb der letzten Jahre überhaupt nie zu
Gesicht gekommen — und die Verwendung des letzteren verbietet
sich natürlich von selbst. In Folge dessen haben wir versucht, uns
auf künstlichem Wege entsprechendes, aber bis auf den Gehalt an
Leprabacillen aseptisches Material zu verschaffen.
Das Auflegen von Blasenpflaster auf lepröse Hautknoten schlug
fehl, wohl hauptsächlich darum, weil die Patienten die Blase bis
spätestens am 3. Tage aufgerieben hatten. In dem Inhalte fanden
sich nur ganz vereinzelte Bacillen, und zwar erst nach Durchstechung
des Knotens in die Blase hinein vermittelst einer gekrümmten Nadel.
Dies stimmt mit den Angaben Golds chmi dt' s*) überein, der bei
einer ausgedehnten blasenförmigen Eruption, die gelegentlich der
Tuberculinbehandlung bei einem Leprösen auftrat, ebenfalls keine
Bacillen nachweisen konnte.
Erfolgreicher erwies sich die Injektion von 0,3 Ol. Tereb. rectif.
in einen Knoten am Vorderarme eines hochgradig leprösen Mannes.
Es bildete sich zunächst rasch unter erheblichen Schmerzen eine
starke Schwellung des ganzen Armes ohne Betheiligung der Achsel-
drüsen aus. Dieselbe fühlte sich bretthart an und nahm erst vom
3. Tage an ab. Gleichzeitig wurden dann auch die Schmerzen ge-
ringer. Am 8. Tage fing ein Tumor an sich abzugrenzen, der von
der Einstichstelle ab etwa 12 cm aufwärts und 3 cm in die Breite
reichte. Deutliche Fluktuation war indessen erst am 12. Tage nach-
weisbar. An dem Tage eröffneten wir dann den Abscess durch einen
kleinen Einstich und entleerten ca. 40 ccm rahmigen, schwach nach
Terpentin riechenden Eiters. Ueber den weiteren Verlauf sei nur
kurz erwähnt, dass die Absonderung am 3. Tage einen rein serösen
Charakter angenommen hatte und dass am 6. die Heilung eine voll-
ständige war. Die mikroskopische Untersuchung ergab in jedem
Präparat etwa 10—20 Haufen von Bacillen, ein Ergebniss, das um
so weniger befriedigen konnte, als auch jeglicher therapeutische Er-
folg, auf den wir gehofft hatten, ausblieb.
Ganz ausgezeichnete Resultate lieferte uns hingegen die Kaute-
risation eines Lepraknotens vermittelst des rothglühenden Paquelin-
brenners, und da dieselbe auch einen hervorragenden kosmetischen
1) Anm. b. d. Corr. Im Juni d. J. hat Dr. Favrat Gelegenheit gehabt, einen
Fall von Pemphiguseruption bei einer hochgradig leprösen Frau zu beobachten. Bacillen
haben sich in dem Blaseninhalte nicht nachweisen lassen I
2} Goldschmidt, Bericht etc. (Berl. klin. Wochenschr. XXVIII. 2. 1891.)
Eine einfache Methode znr Gewinnung bacillenreichen Lepramaterials. 121
Effekt hat, so zwar, dass namentlich jüngere Patientinnen die Wieder-
holung der Prozedur wiederholt dringend verlangten, so glauben wir
dieselbe der Beachtung der Kollegen angelegentlichst empfehlen zu
dürfen.
Das Verfahren ist kurz folgendes:
Reinigung der Haut mit Seife, Sublimat lD/00i Alkohol, Aether;
Kauterisation des oder der Knoten (wir haben wiederholt in einer
Sitzung 10—12 Knoten gebrannt);
Kollodiumüberzug ;
Aseptischer Verband.
Nach 3 — 4 Tagen (nicht später!) wird der Verband entfernt,
nochmals mit Alkohol abgespült, der Brandschorf mit einem ge-
glühten scharfen Löffel aufgehoben und die darunter befindliche
Eiterschicht abgekratzt oder direkt auf die betreffenden Kulturmedien
verimpft. Die Heilung erfolgte stets per primam, ohne eine Spur des
Knotens zu hinterlassen und war sogar oft bei oberflächlichem
Brennen bei Eröffnung des Verbandes bereits vollendet
Die mikroskopische Untersuchung ergab ausnahmslos eine gerade-
zu enorme Menge von Bacillen nebst zahlreichen Eiterkörpereben und
spärlichen Detritusmassen. Die ersteren liegen zumeist ungeordnet,
nur verhältnissmässig selten in Haufen und nie in Zellen einge-
schlossen. Bei der Fuchsinmethylenblaufärbung verdecken sie oft
vollständig die blaue Grundfarbe des Präparates.
Es fragt sich nun natürlich, ob diese Bacillen wenigstens in der
Mehrzahl lebend sind und woher sie stammen.
Gornil1) hat bekanntlich die Vermuthung ausgesprochen, dass
die grössere Zahl der in den leprösen Geweben befindlichen Bacillen
abgestorben ist, und es ist uns leider nicht möglich, für diesen Fall
den Beweis des Gegentheils zu liefern, da unsere Thierversuche noch
nicht abgeschlossen sind und die Zahl unserer Kulturversuche (auf
Glycerinagar), die übrigens negativ ausgefallen sind, äusserer Ver-
hältnisse halber eine so geringe geblieben ist, dass sie zu irgend
einem Urtheil nicht verwerthet werden können. Wir möchten aber als
für die erhaltene Vitalität sprechend einmal die Färbbarkeit der
Bacillen hervorheben, die sich in keiner Weise irgendwie beein-
trächtigt zeigte, und ferner die enorme Zahl derselben, die man doch
nur zum Theil auf den Zerfall leprösen Gewebes wird zurückführen
dürfen. Man wird vielmehr hier entweder an eine Einwanderung
auf demselben Wege, wie die Eiterkörperchen, nicht aber durch diese,
da sie sich nie innerhalb derselben vorfinden, denken müssen, oder
aber an eine Vermehrung der Bacillen in situ.
Ausser zur Anlage von Kulturen eignet sich dieses Material
natürlich auch bei Thierversuchen nach vorheriger Verdünnung zur
Injektion in die Blutgefässe u. s. w., sowie auch zur direkten Be-
obachtung im hängenden Tropfen.
Zum Schluss möchten wir noch die Aufmerksamkeit auf eine
eigenthümliche Beobachtung lenken, die wir gelegentlich solcher Kau-
l) C o r n i 1 , La contagion de la lepre. (Extr. du Bulletin de l'Academie de me*-
fabe. Seutce da 19. Juin 1888. Banmgarten's Jahresbericht. IV. p. 219.)
122 Marpmami,
terisationen gemacht haben. Dieselben wurden in der erster Zeit an
Leprösen gemacht, die Dr. G o 1 d s c h m i d t mit dem Koch 'sehen Mittel
behandelte und die er uns in der zuvorkommendsten Weise zur Ver-
fügung stellte, wofür wir ihm auch an dieser Stelle unsern besten
Dank aussprechen möchten. Bei diesen nun wurde an der Kauteri-
sationsstelle nie eine besondere Wirkung des Tuberculins beobachtet
Später bebandelte der eine von uns (Favrat) eine Anzahl Lepröser
mit dem Lieb reich' sehen Mittel und bei diesen trat unter dem
Brandschorfe eine erhebliche Transsudation auf, als Zeichen einer
lokalen Reaktion. Für die Verschiedenheit in der Wirkungsweise
der beiden Mittel ist dies jedenfalls bemerkenswerth.
10. Juni 1891.
Mittheilungen ans der Praxis.
Von
Marpmann
in
Leipzig.
1. Ersatz für Agar.
Seit längerer Zeit wurden in meinem Laboratorium Versuche an-
gestellt, um an Stelle des opalisirenden Agars einen glashellen Nähr-
boden von den Eigenschaften des Agars herzustellen. Die physika-
lischen Eigenschaften der Gelose finden sich nur in dem Pflanzen-
schleim der Algen und in dem Lichenin der Flechten, sowie in künst-
lichen organischen Verbindungen, wie Laevulan, Arabinsäure, Parara-
binose etc.
Das Laevulan, Anhydrit der Laevulose, gibt noch zu l/* °/0 mit
Wasser eine steife Gallerte, doch verliert diese Substanz ebenso wie
Lichenin beim längeren Kochen sowie beim Erwärmen mit verdünnten
Säuren das Erstarrungsvermögen. Man kann diese Verbindungen
daher nur sehr beschränkt in der Bakteriologie benutzen. Dagegen
ist Gelose sehr widerstandsfähig gegen längeres Erwärmen, wird durch
verdünnte Säuren schwer saccharifizirt und liefert Arabinose, die nicht
gährungsfähig ist, während Lichenin in gährungsfähigen Zucker um-
gewandelt wird. Lichenin ist leicht löslich in Schweizers Reagens,
Gelose ist darin unlöslich, beide sind löslich in 20°/0 Kalilauge, aus
welcher sie als Kaliverbindung gefällt werden.
Um aus dem käuflichen Agar eine durchsichtige Lösung herzu-
stellen, hat man durch Behandeln- mit HCl eine Reinigung versucht.
Thatsächlich kommt in dem Algenschleim eine stärkeähnliche Ver-
bindung vor, welche in verdünnter Salzsäure leicht löslich ist, jedoch
hat sehr häufig diese Reinigung nicht den praktischen Erfolg, dass
der Nährboden durchsichtiger wird. Es wurden verschiedene Arten
von Agar versucht, doch stellte sich heraus, dass diese Substanzen
je nach Alter und Darstellungsweise sowie nach Ursprung recht ver-
Mittheilungen aas der Praxis. 123
schiedene Lösungen lieferten und dass man nie bestimmen konnte,
ob ein käuflicher Agar brauchbar oder unbrauchbar sei. Daher wurde
ganz von der Anwendung des Agars abgesehen und auf die Mutter-
substanzen des Agars zurückgegriffen.
Es sind namentlich Algen aus der Gruppe der Florideen, welche
zur Agarbereitung benutzt werden. Im grossen Ganzen werden die
Algen frisch gesammelt, ausgekocht, kolirt und wie die Kolaten
eingedickt Je länger diese Kolatur der Einwirkung von Licht und
Luft ausgesetzt bleibt, desto mehr wird dieselbe durch Gährung
und Fäulniss verunreinigt. Daher liegt es nahe, dass man den besten
Agar sich selbst aus den Algen bereiten wird. Von den verschiedenen
Algen, als Fucus amylaceus, Fucus lichenoides, Euch-
eumaspec. des Handels, wurden speziell die Sphaerococcus-
Arten des Mittelmeeres zu Versuchen benutzt
Der Sphaero coccu8 confervoides des Mittelmeeres gibt
nach folgender Vorschrift eine sehr schöne Gallerte:
30 Theile Sphaeroc. conferv. werden mit 2 Theilen Salz-
säure und 1 1 Wasser 2 Stunden mazerirt, dann mit Wasser ausge-
waschen, bis blaues Lackmuspapier nicht mehr geröthet wird.
Nach dem Abgiessen des Rückstandes setzt man zu
700 Theilen Wasser
40 „ Glycerin
20 „ Pepton liquid. Koch.
2 „ geschlagenes Eiweiss.
Die Mischung wird 20 Minuten im Dampfcylinder gekocht, dann
neatralisirt und durch ein Syrupfilter filtrirt Diese Apparate be-
stehen aus einem Glasballon mit einer Filterlage aus Wildleder,
Filtrirpapier und Filz; durch eine luftdicht aufgesetzte Druckbirne
wird die Flüssigkeit schnell durchfiltrirt.
2. Ersatz für Gelatine.
Von den thierischen Leimsubstanzen hat man bis jetzt nur den
Knochenleim, „Glutin", zu Nährböden benutzt. Ghondrin wurde nicht
angewandt
Aus verschiedenen Gründen eignet sich das Ghondrin ausge-
zeichnet für gelatinirende Nährböden und ist der Gelatine vorzu-
ziehen. Man erhält Chondrin leicht, wenn man Rippenknorpel oder
Ohrmuscheln mit Wasser auskocht, das Perichondrium entfernt, die
Knorpelstficke recht fein zerkleinert und dieselben mit Wasser bei 2
Atmosphären Druck im P a p i n 'sehen Topfe kocht, oder bei kleineren
Mengen in Druckflaschen, welche in 100% Lösung von Natr. sulfuric.
cryst stehen.
Das Chondrin filtrirt dann heiss leicht durch ein Papierfilter
und gesteht beim Erkalten gallertartig. Vor Gelatine haben diese
Chondrinlösungen eine grössere Festigkeit und ein langsameres Zer-
fressen durch peptonisirende Spaltpilze, sowie Festbleiben bis über
+ 30° C voraus. Längeres Kochen zersetzt die Chondrinlösung
nicht so wie die Gelatine, das Erstarrungsvermögen wird erst beim
124 Äother Sprosspils in Host.
Ueberhitzen mit Wasser auf 140° G zerstört Die Chondrinlösunge^
werden durch Alaun gefällt, im Gegensatz zu Glutin, sie eignen sich
vorzüglich zu Dauerpräparaten von Plattenkolonieen.
Leipzig, den 3. Juni 1891.
Referate.
Krämer, E., Ueber einen rothgefärbten, bei der Ver-
gährung des Mostes mitwirkenden Sprosspilz. (Oester-
reicbiscbes landwirtschaftliches Centralblatt. I. 1891. p. 30— 45. >
Die Isolirung eines im bei der Vergährung des Weinmostes
gebildeten Bodensatze aufgefundenen Vertreters der sogenannten
Rosahefen wurde nach der Hanse n'schen Methode erreicht, mit den
erhaltenen Reinkulturen dann die Untersuchung nach den gebräuch-
lichen Kulturmethoden auf dextrosehaltiger Nährgelatine fortgeführt.
Nach 48 Stunden schon bildet die Hefe in Gelatine kleine punkt-
förmige, weissgefärbte Kolonieen, die, langsam heranwachsend, nach
etwa 14 Tagen röthliche Färbung annehmen. Strichkulturen verhielten
sich ähnlich.
Die Zellen der Hefe sind rund bis oval, häufig aber auch von
etwas gestreckter Gestalt Die überwiegende Mehrzahl der runden
bis ovalen Zellen hat einen Durchmesser von 2,7 bis 3,5 /u , selten i
sind Extreme von 1,5 oder 2,5 /u Durchmesser. Die gestreckten
Formen dagegen zeigen bei einer Dicke von 1,5 bis 2,5 p Längen
von 6 bis 10 /i. Verbände von mehr als 3 Zellen sind selten. Auf
festen Nährböden sind die Kolonieen anscheinend durch eine gela-
tinöse, in Wasser aber leicht lösliche Ausscheidung zu KlQmpchen
verbunden ; dieser Kitt ist indess wohl zu unterscheiden von dem von
Hansen bei echten Saccharomyceten aufgefundenen gelatinösen
Netzwerk.
Die Einzelzellen besitzen ziemlich starke Membranen sowie je
einen charakteristischen, runden und stark lichtbrechenden Inhalts-
körper mit den Reaktionen eines Fetttröpfchens gegenüber Alkohol,
Aether und Ueberosmiumsäure.
Durch den Mangel der Sporenbildung, die auch in längerer
Kultur auf Gypsblöckchen bei 25 ° C nicht eintrat, erweist sich der
Pilz als kein echter Sprosspilz der Gattung Saccharomyces.
Der rothe Farbstoff, der nur in älteren Kulturen auftritt, ist leicht
löslich in Wasser, er verschwindet sofort bei der Einwirkung von
Säuren und Alkalien.
In Dextroselösung ruft diese Rosahefe lebhafte alkoholische
Gährung hervor; sie scheint zu den obergährigen Hefen zu gehören.
Die Alkoholbildung ist eine recht bedeutende: So konnten nach acht-
tägiger Gährung bei 25° in 10°/0 Dextroselösung 4,5 Vol. °/0 Al-
kohol nachgewiesen werden, wobei die Lösung einen angenehmen
Mostgeruch angenommen hatte. In saurer Lösung ist die Vergährung
Bakteriologie u. Gesundheitspflege. — Bakterien in beerdigten Leichen. 125
lebhafter, als in alkalischer, selbst ein Zusatz von 1,5 ö/0 Wein-
säure wirkt eher begünstigend, als hindernd auf die Gährthätigkeit
and die ganze Entwickelung des Pilzes. Ueber das Verhalten des
Pilzes gegen andere Zuckerarten wurde ermittelt, dass Saccharose
vor der Vergährung zunächst invertirt, Maltose dagegen direkt und
Laktose überhaupt nicht vergährt wird. Behrens (Karlsruhe).
Kirchner, IL, Die Bedeutung der Bakteriologie für die
öffentliche Gesundheitspflege. (Berliner Klinik. Heft 33.)
Berlin 1891.
Verf. gibt in diesem populären Vortrage eine Uebersicht über
diejgrossen Fortschritte, welche die Erkenntniss und Prophylaxe der
Infektionskrankheiten durch die moderne bakteriologische Forschung
gemacht hat Dieses Thema hat K. in klarer, anziehender und ge-
meinverständlicher Darstellung behandelt Der Umstand, dass die
kleine Schrift in einer Sammlung klinischer Vorträge erschienen ist,
könnte zu der Ansicht führen, dass dieselbe lediglich für Aerzte
bestimmt sei; indes» wird sie besonders auch gebildeten Laien, die
sich über das hier behandelte Kapitel der modernen Hygiene unter-
richten wollen, von Nutzen sein. R. Stern (Breslau).
Petri (als Berichterstatter), Versuche über das Verhalten
der Bakterien des Milzbrands, der Cholera, des Ty-
phus und der Tuberculose in beerdigten Thierlei-
chen. (Arbeiten a. d. kais. Ges.-Amt. Bd. VII. Heft 1. p. 1.)
In der vorliegenden umfangreichen Abhandlung stattet Regie-
ningsrath Dr. Petri Bericht ab über die Resultate von Versuchen,
welche auf Anordnung des Direktors, Herrn Dr. Koehler, im Labo-
ratorium des kaiserl. Gesundheitsamtes und auf der fiskalischen Ab-
deckerei Berlins unter wechselnder Leitung von Wolffhügel, später
Gaffky, zuletzt Petri (und unter Assistenz der Herren DrDr. Paak,
Riedel, Berckholtz, Jaeger, Scheurlen) vom Februar 1885
bis Januar 1891 ausgeführt wurden, in der Hoffnung, experimentell
gesicherte Anhaltspunkte zu gewinnen für die Beantwortung gewisser
die Einrichtung und Regelung menschlicher Begräbnissstätten betref-
fender Fragen von allgemeinstem Interesse.
Zu Vorversuchen wurden an Milzbrand eingegangene Mäuse ge-
wählt, welche (grossentheils unsecirt) unter verschiedensten Versuchs-
bediogungen: in feuchter oder trockener Erde, resp. Sand, mehr oder
veniger tief vergraben, in sterilem Wasser, oder auch in einer nicht
guz fest verschlossenen Flasche bei verschiedenen Temperaturen
aufbewahrt wurden. Nach 1 Monat 20 Tage langer Aufbewahrung
u steriler, mit Wasser befeuchteter Erde wurde noch ein positives
Resultat erhalten durch Verimpfung von Organstücken auf Mäuse,
darüber hinaus nicht mehr (mit einer Ausnahme, bei der noch nach
5 Jahr 1 Monat 11 Tagen bei Verimpfung auf 3 Mäuse und 3 Meer-
schweinchen 1 Maus an Milzbrand einging).
Da mit diesen Versuchen zumal bei ihrem negativen Ausfall
wenig für die Lösung der Kirchhofsfrage gewonnen war und auch
die üebertragung der gefundenen Resultate auf Verhältnisse bei
126 Bakterien in beerdigten Leichen.
Menschen und grösseren Thieren bei der Kleinheit der Mäusekadaver
wenig statthaft erschien, so suchte man bei den weiteren Versuchen
die Kirchhofsverhältnisse möglichst nachzuahmen. Die Kadaver von
mit Milzbrand resp. Cholera infizirten Meerschweinchen wurden theils
in vernagelten Holzsärgen, theils in luftdicht verlötheten Zinksärgen
in einer grossen mit Erde gefüllten Holzkiste 15 — 20 cm oberhalb
des Bodens derselben beigesetzt. Diese Holzkiste stand in einem
Kellerraume, dessen Temperatur je nach der Jahreszeit zwischen
+ 0,5 und + 19 °C. schwankte, und zwar in einem mit Wasser
versehenen Blechbecken. Ausserdem wurde der erdige Inhalt der
Kiste zur Nachahmung der atmosphärischen Niederschläge von Zeit
zu Zeit mittelst einer Giesskanne begossen.
Die Ausgrabung erfolgte in bestimmten Zeiträumen (je ein Holz-
und ein Zinksarg gleichzeitig). Die Särge selbst wurden genau ma-
kroskopisch auch auf vorhandene Gase (Geruch, Reaktion gegen Ammo-
niak und Bleipapier), das anhaftende und umgebende Erdreich,
ebenso der Sarginhalt genauestens auf die virulenten eingeführten
Keime, mittelst Plattenverfahrens, Thierimpfung, wo angänglich, auch
mikroskopisch untersucht. Die Kadaver zeigten sich in den Zink-!
sargen im Vergleich viel besser erhalten, als die gleichaltrigen Ka-
daver in Holzsärgen.
Bei den Versuchen mit Milzbrandmeerschweinchen wurden unter
16 Versuchen nur 3 positive Ergebnisse erhalten. Zunächst 1 mal
nach 3 Monaten in einem Holzsarg durch Impfung bei 2 Mäusen!
unter 3 geimpften Mäusen und 3 Meerschweinchen, während s&mmt-
liche Platten negativ ausfielen. In dem gleichaltrigen Zinksarg Hess
sich kein Milzbrand nachweisen. Ganz auffällig war der positive
Ausfall bei einem Zinksarg nach 6 Monaten 12 Tagen (durch das
Plattenverfahren [4Kolonieen] erwiesen, während die Thierimpfungen
kein Resultat ergaben); es wurde durch dem Kadaver anhaftende,
Sporen zu erklären versucht. Noch viel befremdender musste es
aber erscheinen, dass aus einem Holzsarg noch nach 46 Monaten!
(der korrespondirende Zinksarg war vollständig vausgefaultu und!
ergab überhaupt keine aeroben Keime mehr) die beiden geimpftem
Meerschweinchen an Milzbrand vergingen (die 2 geimpften Mäuse
blieben am Leben ; auf Platten kein Milzbrand). Dieser Befund nach
46 Monaten wurde ebenso wie für die oben erwähnte Maus (5 Jahr
1 Monat 10 Tage) dadurch zu erklären versucht, dass zeitweise der
Sauerstoff der Luft Zutritt gehabt, wodurch Gelegenheit för eine
eventuelle Sporenbildung ermöglicht war.
Ebenso wie. die Milzbrandmeerschweinchen wurden auch Cholera-
meerschweinchen (aber theilweise erst, nachdem bei der Sektion reich-
lich Cholerabacillen nachgewiesen waren) zu Versuchen verwandt
Sie waren meist mittelst Sonde mit Cholerabouillonkultur nach vor-
heriger Einführung von Sodalösung und nachfolgender intraperito-
nealer Opiumtinkturinjektion injizirt Der Nachweis der Cholera-
bacillen nach der Ausgrabung wurde durch das Plattenverfahren
ev. mit vorhergehender Bebrütung von infizirter Bouillon zu führen
gesucht. Als äusserster Termin für das Gelingen des Cholerabacillen-
nachweises wurde für Holzsärge 19 (vom 12. Tage ab Ausfall bereits
Bakterien in beerdigten Leichen. 127
unsicher), für Zinksärge 12 Tage gefunden. Bei einigen in feuchtem
Erdreich ohne Sarg vergrabenen Cholerameerschweinchen fiel nach
2 Monaten 5 Tagen, resp. nach 7 Tagen und 3 Monaten 19 Tagen
jedesmal die Probe negativ aus. Im ersten Fall wurde auch das
zugehörige Grundwasser der Kiste mit negativem Erfolge untersucht.
Bei 2 direkt in Wasser versenkten Cholerameerschweinchen war
das Untersuchungsresultat nach 18 Tagen resp. 2 Monaten 10 Tagen
ebenfalls negativ.
In weiterer Verfolgung der in Angriff genommenen Versuche
wurden 12 Kaninchen getödtet und denselben durch die freigelegte
Aorta 50—60 ccm einer 2 Tage alten Bouillonkultur von Typhus-
bacillen (im Brutschrank gezüchtet) eingespritzt Die Kadaver
worden dann zugenäht, in Leinwand gehüllt und in entsprechend
grösseren Holz- resp. Zinksärgen (26X15X15 cm) in einer 3 m
langen, 2 m breiten, l1/» m tiefen Grube in 2 Reihen hintereinander
auf der fiskalischen Abdeckerei Berlins beigesetzt Die Auffindung
der Särge war durch einen Führungsdraht gesichert Der Nachweis
der Tjphusbacillen nach der Ausgrabung wurde durch das Platten-
verfahren zu führen gesucht. Schon die erste Ausgrabung (nach
17 Tagen) fiel negativ aus hinsichtlich des Auffindens der Tjphus-
bacillen. Mit zunehmendem Alter der vergrabenen Kadaver nahm der
Bakteriengehalt (Anaörobe wurden nicht berücksichtigt) in dem Zink-
särgen ab, die Gelatine verflüssigenden Arten erfuhren gegenüber
den nicht verflüssigenden eine Zunahme. Auch aus dem Erdreiche
der Umgebung gelang es nicht, die Tjphusbacillen zu isoliren.
In ähnlicher Weise wie die Typhuskaninchen wurden 10 mit
Stückchen einer tuberculösen Lunge subkutan infizirte Kaninchen,
deren Tuberculose nach 64 Tagen durch die Sektion und auch mi-
kroskopisch nachgewiesen war, auf dem Gebiete der Abdeckerei in
Holz- resp. Zinksärgen beerdigt. Der Nachweis der Tuberkelbacillen
wurde durch Verimpfung von Probepartikeln auf Meerschweinchen zu
erbringen gesucht Im Holzsarg erhielt P. nur nach 1 Monat
5 Tagen, im Zinksarg noch nach 3 Monaten 6 Tagen positiven Impf-
erfolg. Proben von dem mit Leichenflüssigkeit durchtränkten Leichen-
tuch sowie von dem Boden des Holzsarges lieferten dagegen nur noch
nach 22 Tagen und 1 Monat 5 Tagen positive Ergebnisse, später
nicht mehr. Viele Thiere gingen vorzeitig an malignem Oedem ein.
In einem Zinksarge konnten trotz negativen Ausfalles der
Thierimpfungen mikroskopisch noch gut färbbare Tuberkelba-
cillen nachgewiesen werden.
Hinsichtlich des interessanten Details der einzelnen Versuche
muss auf das Original verwiesen werden.
Der Herr Berichterstatter spricht zum Schlüsse die Ueberzeugung
aus, dass es gestattet sei, mit der nöthigen Vorsicht, Schlüsse auch
auf die bei der Beerdigung menschlicher Leichen stattfindenden Ver-
hältnisse zu ziehen. In erster Linie zu berücksichtigen sei die
Überlegenheit der menschlichen Leichen hinsichtlich der Grösse,
doch dürften sich die Prozesse an menschlichen Leichen wohl in
ähnlicher Weise abspielen. Vielleicht dürfte man erwarten, dass ge-
wisse pathogene Bakterien, wie z. B. Tuberkelbacillen, sich in solchen
128 Citguiinfektion.
grösseren Leichen noch länger halten würden. Dieß falle für die
Hygiene des Begräbnisswesens aber weniger ins Gewicht, als der Um-
stand, dass in den beschriebenen Versuchen die eingeführten und
durch Leichenflüssigkeiten in das umgebende Erdreich etwa hinein-
gelangten pathogenen Keime in diesem nicht mehr nachgewiesen
werden konnten. Dieser Umstand könne durch die Grösse der Leiche
wohl kaum beeinflusst werden, so dass das bei den Thierversuchen
Gefundene auch für die Verhältnisse auf unsern Kirchhöfen Geltung
behalte. In der Anstellung exakter Versuche an Menschenleichen
und auch unter anderen Bodenverhältnissen (in den vorliegenden
Versuchen stand grossentheils nur Sandboden zu Gebote) sieht P.
eine willkommene Ergänzung der erhaltenen Resultate.
Czaplewski (Görbersdorf).
Klemm, Paul, Ueber Gatgutinfektion bei trockner Wund-
behandlung. (Archiv für klinische Chirurgie. Bd. XLI. 1891.
Heft 4)
Bis zum Jahre 1889 wurde in der Dorpater Universitätsklinik
als Naht- und Unterbindungsmaterial ausschliesslich Seide benutzt,
deren Sterilisirung durch Auskochen in 5°/0iger Garbollösung er-
folgte. Als 1889 statt der bis dahin üblichen antiseptischen Wund-
irrigation die aseptische Wundbehandlung eingeführt wurde und man
in Folge dessen höheren Werth auf exakteste Blutstillung und tiefe
Nähte legte, ging man zur Anwendung des Catgut über. Man
fürchtete die grosse Anzahl von Unterbindungen und versenkten
Suturen aus einem nicht resorbirbaren Stoffe zu wählen. Seit dieser
Zeit kamen ausserordentlich häufig Störungen in der WundheiluDg
vor und zwar meist erst nach Tagen, nachdem die mit Seide ver-
einigte Hautwunde bereits verklebt war. Es bildeten sich Abscesse,
ausnahmslos in der Tiefe der Wunde, dort wo die Catgutnaht appli-
zirt worden war. Das verwandte Catgut war nach der Methode v.
Bergmann 's durch wochenlanges Einlegen in 5 °/0 Sublimatalkohol
und nachherigem Aufheben in gewöhnlichem Alkohol präparirt. Ein-
gehende bakteriologische Untersuchungen erwiesen dieses Catgut als
vollkommen keimfrei. Verf. glaubt ebenso, dass eine Infektion bei
der Zureichung ausgeschlossen gewesen sei. Trotzdem glaubt Verf.,
dass an der Infektion der Wunden das Catgut Schuld gewesen sei,
denn einmal liess sich keine Lücke in dem sonstigen antiseptiscben
Apparat bei genauer Revision finden und dann hörten die Störungen
in der Wundheilung auf, als man wieder zu der früher gebrauchten
Seide zurückgriff.
Die Beziehungen des verwandten Catgut zur Infektion der Wunde
denkt Verf. sich so, dass das Catgut nicht selbst die Wunde infizire —
es erwies sich ja als keimfrei — dass es aber dann bei einem chirur-
gischen Eingriff unvermeidlich in die Wunde gelangenden vereinzelten
Keimen als resorbirbares Material den Boden zur Infektion prä-
parire, während die Seide dies nicht thue. 3 Versuche an Katzen
und 1 an einem Kaninchen scheinen ihm diese Auffassung zu stützen.
Bei jedem Thier wurde in die Oberschenkelmuskulatur auf der einen
Seite ein Catgut, auf der anderen ein ebenso grosser Seidenfaden
Gononhöe. Favus. 129
eingeheilt Nach kürzerer oder längerer Zeit wurde untersucht, und
jedesmal war die Oberschenkelwunde, in welcher die Seide lag, reak-
tionslos, während der Catgutfaden sich von einem entzündeten und
infiltrirten Gewebe umgeben fand. Der Catgutfaden ergab in Gelatine-
platten zahllose Keime, die Seide nur geringe Mengen. Es hatte bei
der Operation eine Infektion stattgefunden, aber während diese um
das Catgut als einem geeigneten Nährmaterial zu einer heftigen Stö-
rung der Wundheilung führte, blieb sie bei der indifferenten Seide
belanglos. Schimmelbusch (Berlin).
Tan Dort, Broes T., Gonokokken infectie bij een twee-
jaarigmeisje. ( Weekblad van het Nederlandsch Ty dschrif t voor
Geneeskunde. 1891. 14 Maart.)
Verf. war ein Fall von Blennorrhagie bei einem Dienstmädchen
zur Behandlung gekommen. Zwei Wochen später beobachtete er bei
einem 2-jährigen Kind einen Fall von Vulvovaginitis mit eitriger
Urethritis und hämorrhagischer Cystitis, bei welchem die mikroskopische
Untersuchung einen reichlichen Gonokokkenbefund ergab. Aus der
Anamnese erklärte sich, dass die erste Patientin das Kind besorgte
und die Infektionsursache höchstwahrscheinlich war.
R. Yerhoogen (Brüssel).
BosinsH, Ueber gonorrhöische Erkrankung der Mund-
höhle Neugeborener. (Deutsche medic. Wochenschr. 1891.)
Eine Frau gebar auf der Strasse ein Kind, wurde mit demselben
sofort auf die Klinik gebracht (Königsberg), woselbst dem Kinde so-
fort 2°/0ige Ag-NO. Lösung in die Augen getropft wurde. Nach
5 Tagen trat dennoch Blennorrhoe des linken Auges auf. Nach wei-
teren 3 Tagen trat eine eigenthümliche Affektion der Mundschleim-
haut auf; es handelte sich um eine auf mehrere Stellen beschränkte
oberflächliche Infiltration der Schleimhaut. Im Mundsekret fand Verf.
in Epithel- oder Eiterzellen eingeschlossene Gonokokken, die auch
von Prof. G. Fraenkel als solche anerkannt wurden. Nach etwa
4 Tagen fingen die Veränderungen an zurückzugehen und der Pro-
zess heilte ohne Zurücklassung einer Narbe. Die Mutter dieses
Kindes litt bei ihrer Aufnahme an Gonorrhöe mit spitzen Kondylomen
und eiterigem Drethralflusse. Verf. hatte einen zweiten ganz ähn-
lichen Fall mit der typischen Erkrankung der Mundschleimhaut bei
einem 13 Tage alten Kinde. Die Mutter dieses Kindes acquirirte
ihre Gonorrhöe im 3. Monate der Schwangerschaft. Auch dieser
Fall heilte ohne jegliches Zuthun ohne Narbenbildung innerhalb
11 Tagen. T a n g 1 (Tübingen).
Wickham, Louis, A rare case of favus of the limbs —
enormous patches of favus covering almost the
whole of the lower limbs. (Letters from l'Höpital St Louis
Paris. — The Journ. of Dermatol. 1890. S. 149.)
Der 42 jährige Favuskranke, über den W ick harn berichtet,
wurde in seinem 13. Lebensjahre von seiner Erkrankung befallen,
<ue 29 Jahre hindurch auf die Kopfhaut beschränkt blieb. Erst
X.W, Q
130 Trichomycosis nodosa. — Keratosis follicularis.
vor einem halben Jahre wurden beide Unterextremitäten Sitz der
Affektion, die daselbst in verhältnissmässig kurzer Zeit ausserordent-
liche Dimensionen annahm. Es erübrigt, an dieser Stelle die kli-
nischen, übrigens schon im Titel angedeuteten Erscheinungsformen
des Näheren zu präzisiren, zumal sie abgesehen von ihrer unge-
wöhnlichen Ausdehnung und mehrfachen Narben zu differential-dia-
gnostischen Erörterungen keinen Anlass geben. Auffallend aber ist
der Umstand, dass der seit 5 Jahren verheirathete Patient während
dieser Zeit die Affektion nicht auf seine Frau trotz unausgesetzten
ehelichen Verkehrs übertragen hat Die Behandlung bestand in der
Applikation des „Emplastrum mercuriale de Vigo" nach vorheriger
Entfernung der Krusten. Ledermann (Breslau).
Patteson, B. Glasgow, Trichomycosis nodosa: A correc-
tion and a note. (The Brit Journ. of Denn. 1890. ApriL
S. 101.)
Patteson betont zuerst, dass die von ihm schon früher kurz be-
schriebene, auf bacillärer Grundlage beruhende Trichomycosisno-
d o s a nicht zu identifiziren ist mit der von Kaposi beschriebenen Tri-
chorhexis nodosa, sondern dass sie eine wohlcharakteri-
sirte, zuerst von Paton beschriebene, besondere Erkrankungsform
der Haare darstellt Sie scheint auch mit der von Behrend beschrie-
benen Haaraffektion, bei der niemals Bacillen, stets Kokken in den Knöt-
chen gefunden wurden, nicht identisch zu sein. Verf., der Gelegenheit
hatte, 10 hierher gehörige Fälle zu untersuchen, hat stets dieselben
Bacillenhaufen in den charakteristischen Knoten gefunden, so dass ihm
die Annahme eines gewissen Zusammenhangs zwischen den Bacillen und
der Affektion gerechtfertigt erscheint, obgleich bei der Abwesenheit er-
folgreicher Kulturen und Impfungen der kausale Zusammenhang bislang
noch nicht sicher erwiesen ist In 2 Fällen zeigten die Knoten ein
deutlich röthliches Aussehen bei Beobachtung mit reflektirtem Lichte,
obgleich weder in den Knoten noch in der Form der Bacillen
eine tinktorielle Differenz ersichtlich war. Möglicherweise lag hier
nach Verf. eine Mischinfektion mit dem Bacillus prodigiosus
vor (?!). In einem Fall fand sich ein reichliches Wachsthum von
Penicilliumglaucum. Die eingeleitete Behandlung war eine
vorwiegend antibakterielle: Sublimatumschläge (1 : 2000) und Resor-
cin-Zink-Lanolinsalbe. Ledermann (Breslau).
White, James C, Keratosis follicularis. Psorosper-
mose folliculaire v6g6tante. (Journ. of cutan. and genito-
urinary diseases. 1890. Januar.)
White theilt eine neue Beobachtung der von Darier zuerst
als Psorospermose folliculaire v6g£tante, von White als Keratosis
follicularis bezeichneten seltenen Hautaffektion mit, die durch die
Anwesenheit von Epithelzellenansammlungen, welche von den Talg-
drüsenausführungsgängen ausgehen, charakterisirt ist Eigentüm-
licher Weise betrafen die beiden von White beschriebenen Fälle
Unterftuchungsmethodeo, Iuätrumente etc. 131
Vater und Tochter, so dass zunächst an eine Uebertragung gedacht
werden konnte, eine Annahme, die sich aber wegen der vieljährigen
Abwesenheit der Tochter vom Elternhause kaum aufrecht halten
lftsst Bei der von Bowen ausgeführten mikroskopischen Unter-
suchung wurden Psorospermien gefunden. Kulturen auf Agar-Agar
in Wasser und in Bouillon blieben steril; ebenso hatten Thierin-
okolationen ein negatives Resultat. Bowen rechnet diese Körperchen
zu den Goccidien. Definitive Schlüsse über die Natur und Lebens-
äosserungen dieser erst jüngst in den Vordergrund des Interesses
getretenen Lebewesen, sowie über die von ihnen erzeugten Derma-
tosen lassen sich nach White vorläufig noch nicht ziehen.
Ledermann (Breslau).
Untersuchungsmethoden, Instrumente etc.
Petrin E., J., Ein neuer Apparat zum Sterilisiren mit
strömendem Wasserdampf von Atmosphärendruck.
(Arbeiten a. d. Kaiserl. Gesundheitsamte. Bd. VI. S. 498.)
Bei dem zunächst für den Laboratoriumsgebrauch hergestellten
Apparat ist das Prinzip der Einleitung des Dampfes von oben her zur
Anwendung gebracht. Der cylindrische, an der Längswand und oben ,
mit Tubulaturen zur Einführung von Thermometern versehene Des-
infektionsraum ist durch eine plane, mittelst Rahmen von geraden
Wänden in einen Ausschnitt des Cylinders eingesetzte, gut schlies-
sende Thüre von der Seite her zugänglich gemacht, so dass man den
Innenraum leicht übersehen und die zu sterilisirenden Gegenstände
bequem hinein und herausbringen kann. Der Dampf wird in einem
zweiten, in der Höhe des oberen Drittels des Cylinders und neben
ihm befindlichen Gefäss erzeugt. Er tritt durch ein Verbindungsrohr
in den ersteren ein und durch ein am Boden angebrachtes Abzugs-
rohr aus ihm ins Freie, wo das abfliessende Kondenswasser in einem
Topf aufgefangen wird. Auf dem Scheitel des Verbindungsrohres be-
findet sich ein konisches Ausströmungsrohr. Nach Abnahme der das-
selbe verschliessenden Kappe nimmt der Wrasen hier seinen Weg
direkt nach aussen, und man kann den Apparat entleeren, ohne von
jenem belästigt zu werden. Stellt man den Verschluss mit der Kappe
wieder her, so wird im Desinfektionsraum die erforderliche Hitze
bald wieder erreicht, weil das Wasser nicht aus dem Sieden kam. Ver-
suchen zufolge entsprach der Sterilisator hinsichtlich seiner Leistungs-
fähigkeit den wissenschaftlichen Anforderungen. Der ganze Apparat
ist mit mehrfachen Lagen verschiedener schlechter Wärmeleiter um-
geben und ruht auf 2 Holzgestellen. Zur Heizung bedarf man
eines Bunsenbrennerkranzes mit 6—10 Flammen.
Heim (Würzburg).
9*
132 Schutzimpfung, k&natL Infektioukraakheiteii, KstwirkfJnnfbwninBng etc.
Ognlannlkow, J. , Ein modifizirter d'Arson val'scher
Thermostat mit Benzinheizung. (Wracz. 189Q. pag. 725
—726.) [Russisch.]
Der d'Arsonval'sche Thermostat hat für medizinisch-bak-
teriologische Untersuchungen eine hervorragende Bedeutung; sein
Nachtheil besteht aber darin, dass er zu seiner Heizung Gas er-
fordert, über welches sehr viele ausserhalb der grösseren Städte
wohnende Aerzte nicht verfügen. Der Verf. bat deshalb den Apparat
so modifizirt, dass derselbe mittelst einer Benzinlampe besonderer
Konstruktion geheizt werden kann. Der modifizirte Apparat ist in
der Mittheilung eingebend beschrieben und abgebildet. Bei annähern-
der Konstanz der Zimmertemperatur ist die Temperatur im Thermo-
staten bis auf 0,1—0,2°, bei starken Schwankungen der Zimmertem-
peratur bis auf 0,2—0,4° konstant Rothert (Kazan).
Schlitzimpfling , künstliche Infektionskrankheiten, Entwick-
lungshemmung und Vernichtung der Bakterien etc.
Buffer, M. Armand, Notes on the destruction of micro-
organisms by amoeboid cells.* (Brit* Med. Journ. No. 1548.
1890. p. 491.)
Die vom Verf. an den Pey er* sehen Plaques von normalen
Kaninchen studirten phagocytären Vorgänge, welche im Originale aus-
führlicher mitgetheilt werden, führten zu den folgenden Resultaten:
1) Die Wanderzellen des Lymphgewebes des Digestionstraktus
haben das Vermögen, an die freie Oberfläche desselben zu gelangen
und daselbst Mikroorganismen und andere Fremdkörper (Kohletheil-
chen etc.) in sich aufzunehmen.
2) Es gibt 2 Arten von Wanderzellen in den Lymphgeweben
des Digestions traktus: a) Mikrophagen (kleine ein- oder mehrkernige
Zellen; b) Makrophagen (grosse Zellen mit einem Kern).
3) Die Makrophagen entstehen aus den kleinen einkernigen
Lymphocyten.
4) Die Makrophagen sind im Stande, die Mikrophagen (Leuko-
cyten) in sich aufzunehmen, sie zu vernichten und zu verdauen.
5) Die Mikroorganismen werden im Innern der Mikro- und der
Makrophagen sehr rasch vernichtet
6) Die Mikroorganismen werden nie freiliegend zwischen den
Zellen oder in den Blutgefässen und den Lymphbahnen angetroffen.
7) Die Zerstörung der Mikroorganismen durch die normalen
Lymphgewebe des Digestionstraktus vollzieht sich in allen Ein-
zelheiten ähnlich jenem Vernichtungsprozesse, welcher der Ver-
impfung von pathogenen Mikroorganismen an refraktäre Thiere nach-
folgt
Schutzimpfung, kftnstl. Infektionskrankheiten, Entwicklungshemmung etc. J33
Wie aus einigen weiteren vom Verf. angeführten Beobachtungen
und Versuchen hervorgeht, besitzen die epitheloiden Zellen anderer
Lymphgewebe und von pathologischen Neubildungen ebenfalls eine
amöboide Bewegung. Dies ist bei grossen einkernigen Zellen der
Milz der Fall, deren Entwickelung in analoger Weise wie die jener
im Lymphgewebe der Pey er 'sehen Plaques vor sich geht. Es
konnte der direkte experimentelle Nachweis erbracht werden, dass
die Makrophagen der Milz anorganische Fremdkörper in sich aufzu-
nehmen vermögen, ferner verschlingen sie rothe und weisse Blutkör-
perchen und lebende Mikroorganismen, so dass sie als wahre Pha-
gocyten anzusehen sind. Aehnlich verhalten sich die Staubzellen
der Lungen und die epitheloYden Zellen der Lymphdrüsen, die
Riesenzellen des Tuberkels und bei Aktinomykose. Bezüglich der
Tuberkelriesenzellen stimmt Verf. der Mets ch nik off sehen An-
schauung bei, dass es sich nicht um ein etwa abgeschwächtes oder
krankhaftes Gebilde handle, sondern im Gegentheile um einen sehr
aktiven Körper, um wirkliche Kampfzellen, wie aus ihren amöboiden
Funktionen und ihrem Inhalte geschlossen werden kann. Verf. ist
daher der Meinung, dass der aus einer Anzahl amöboider Zellen
bestehende Tuberkelknoten die Bedeutung einer Schutzvorrichtung
gegen die Invasion des ganzen Organismus durch den spezifischen
Bacillus habe und dass die in dem Knoten stattfindenden Prozesse,
so lange als die ihn bildenden anatomischen Elemente am Leben
sind, einem nützlichen Zwecke dienen. Kr dl (Prag).
(ramalefa, H», De l'iminunitä pour le vibrion de Metsch-
nikoff. (Le Bulletin m6d. 1890. p. 1108).
Verf. hatte bereits früher festgestellt, dass die gegen eine In-
fektion mit dem Metschniko ff sehen Vibrio natürlich immunen
Thierarten sich auch resistent gegen das Toxin des Vibrio erwiesen,
und er versuchte nun, die Ursache dieses refraktären Verhaltens zu
ergründen. Im Harn von Kaninchen, welche grosse Mengen sterili-
sirter Vibriokulturen erhalten hatten, war das Vibriotoxin nicht
nachweisbar. Es schien demnach, dass die Unschädlichmachung des
Bakteriengiftes bei refraktären Thieren durch die Gewebe bewerk-
stelligt werden müsse und nicht wie bei den empfänglichen Thieren
mittelst Ausscheidung durch den Harn vor sich gehe. Die toxische
Flüssigkeit verliert, wenn sie mit der Milz von lebenden Kaninchen
verrieben und die Mischung bei Körpertemperatur gehalten wird,
nach 2—4 Stunden alle giftigen Eigenschaften, während diese bei
einem Kontrollversuche, als die Mischung der Einwirkung einer Tem-
peratur von 60—80° C eine gleich lange Zeit hindurch ausgesetzt
wurde, erhalten blieben. Das Blutserum vom Kaninchen besitzt
gleichfalls ein antitoxisches Vermögen, allerdings in schwächerem
Maasse, als die Milz. Wenn die entmilzten Thiere sich von der Ope-
ration erholt haben, erliegen sie der Intoxikation bei genau denselben
Dosen wie die normalen, wodurch die Annahme, dass die anderen
lebenden Gewebe bei der Zerstörung des Vibriotoxins mitbetheiligt
sind, ihre Bestätigung findet. Kräl (Prag),
1 34 Schntorimpfang, ktrast). Infektionskrankheiten, Entwickelnngshemmwng etc.
Preindesberger, Zur Kenntnis s der Bakterien des Unter-
nagelraumes und zur Desinfektion der Hände. Wien
(Alfred Holder) 1891.
Verf. untersuchte den Unternagelraum, den freien Raum zwischen
der unteren Fläche des Nagels und der Fingerbeere auf seinen In-
halt an Bakterien. Schon Für bringer und dann Wittmann
hatten auf den grossen Keimgehalt gerade dieser Körperstelle hinge-
wiesen und die Berücksichtigung derselben bei der praktisch so wich-
tigen Händedesinfektion als besonders nöthig hingestellt Die Zahl
der Bakterienarten, welche Verf. auf verschiedenen Nährböden ein-
gehender zu charakterisiren versuchte, ist auch eine recht erhebliche.
Es weist eine Tabelle 30 verschiedene nicht pathogene Arten auf,
von welchen 19 mit bereits bekannten und beschriebenen Orga-
nismen identifizirt werden. Aus den letzteren seien Micrococcus
cereus albus und flavus (Passet), Micrococcus candi-
cans (Hueppe), Diplococcus citreus liquefaciens
(Unna), Micrococcus albus liquefaciens (Besser), weisse
und gelbe Sarcine und weisse Hefe genannt Zweimal wurden patho-
gene Keime, und zwar einmal der Staphy locoecus pyogenes
aureus und dann der Streptococcus pyogenes gefunden.
Der Staphylococ cus pyogenes erschien aus dem Nagelschmatz
eines Patienten mit Fraktur des Femur ohne Wunde nach mehr-
tägigem Spitalsaufenthalt, der Streptococcus stammte von einem
Patienten, an welchem die Nekrotomie des Femur wegen osteomye-
litischer Nekrose ausgeführt worden war. Die pathogenen Eigen-
schaften wurden durch Impfungen an Kaninchen und Mäusen erwiesen.
Der zweite Theil der Arbeit beschäftigt sich mit der Desinfektion
der Hände und enthält eine eingehendere Nachprüfung der verschie-
denen von Fürbringer, Oeppert, Mikulicz u. a. vorgeschla-
genen Methoden. Nur in einigen Fällen sind die Hände mit Rein-
kulturen zum Zwecke der Desinfektion infizirt worden, meist wurden
Epidermisschuppen und der Nagelschmutz in den natürlichen Ver-
hältnissen untersucht. Auf Grund seiner Ergebnisse hält Verf. die
Methode von Fürbringer (Seife und Wasser, Alkohol, Sublimat)
für nicht ganz sicher. Ebenso hat er mit den von Geppert vorge-
schlagenen Prozeduren (Desinfektion mit Chlor bei Anwendung von
Chlorkalk und Salzsäure) unzuverlässige Erfolge zu verzeichnen ge-
habt Als die beste Methode erscheint ihm die durch Boll bak-
teriologisch begründete, welche auf der Klinik von Mikulicz in
Anwendung ist: 3 Minuten langes Waschen in warmem Wasser und
Kaliseife, Eintauchen */* Minute in 3% Karbolsäure, dann */s Mi-
nute in l/»°/oo Sublimatlösung, darauf Ausreiben der Nagelfalze mit
Jodoformgaze, welche in ö°/0 Karbolsäure getaucht ist Verf. will
nur statt Kali, Natronseife und im letzten Akt statt der 5°/0 Kar-
bollösung entweder die 3°/ö Karbol- oder Vs°/0o Sublimatlösung
gebrauchen. Schimmelbusch (Berlin).
Cantani, Cura de Ha difteria. (Bolletino delle cliniche. 1891.
Gennaio.)
Zuerst sind die Kräfte des Patienten aufrecht zu halten mit
Schutzimpfung, kfinstl. Infektionskrankheiten, Entwickelangshemmnng etc. J36
Wein, Aether, Chinin, Kaffee, Stropbantos u. s. w. Pilocarpin ist kein
gutes Mittel.
Dann muss man Rachen und Gaumen desinfiziren. Zu diesem
Zwecke braucht man keinen Höllenstein ; viel besser sind konzentrirter
Alkohol, Essigsäure, Kalkwasser, Kalipermanganat und auch Wasser-
dampf. Gewöhnlich pinselt Verl den Rachen mit einer 2 prozentigen
Sublimat- oder Karbolsäurelösung, was auch auf die Schleimhaut eine
geringe Aetzwirkung hat R. Verhoogen (Brüssel).
Petri, B. J., üeber die Widerstandsfähigkeit der Bak-
terien des Schweinerothlaufs in Reinkulturen und
im Fleisch rothlaufkranker Schweine gegen Kochen,
Schmoren, Braten, Salzen, Einpökeln und Räuchern.
(Arbeiten a. <L Kaiserl. Gesundheitsamte. Bd. VI. S. 266.)
Der grösste Theil der vorliegenden Arbeit wurde vom Ref. aus-
geführt, welcher sie unter Gaff ky's Leitung i. J. 1888 begann und
1889 unter Beihülfe von P r ö 1 s fortsetzte. P r öl s und K o 1 b be-
endigten dieselbe nach Ablauf des Kommandos des Ref. zum Kais.
Ges. Amt unter Petri' 8 Leitung, welcher sie unter Anfügung
einiger eigener Untersuchungen der Oeffentlichkeit übergab.
Die Bakterien des Schweinerothlaufs gehen, wie Erhitzungsver-
suche von Bouillonreinkulturen in sog. Lymphröhrchen ergaben, schon
bei 52° C binnen 15 Minuten zu Grunde. Aber ihre Vernichtung
durch Kochen, Schmoren und Braten gelingt nicht mit
Sicherheit, wenn sie sich unter natürlichen Verhältnissen im Innern
eines grösseren Fleischstückes oder Knochens befinden, selbst wenn
daselbst Temperaturen erreicht werden, welche, wie Petri mit Hülfe
von eigens dazu angefertigten Thermometern fand, jene Grenze ziem-
lich weit überschreiten. Dieser Unterschied rührt vielleicht daher,
dass die Thermometer in Folge des Wärme gutleitenden Metalles,
mit welchem sie umgeben waren, eine höhere Temperatur erkennen
üessen, als in dem die Wärme schlechter leitenden Gewebe that-
sächlich vorhanden war. Auch scheinen nach Petri 's Ermittelungen
Bakterien aus gewissen Kulturen, z. B. anaerobisch gezüchtete, etwas
höhere Wärmegrade vertragen zu können. Nur das Kochen, wobei
die Fleichstücke im Wasser untergetaucht sind, vernichtet, falls es
etwa 21/* Stunden währt und die Stücke nicht viel schwerer, als
1 Kilo sind, die Stäbchen ziemlich sicher.
Auch durch das Pökeln werden sie nicht in Wünschenswerther
Weise unschädlich gemacht. An Seidenfäden haftende virulente Kul-
turen erlitten beim Einlegen in eine 14°/0ige Kochsalzlösung mit
Zusatz von 0,7% Zucker und 0,4% Salpeter binnen 26 Tagen aller-
dings eine Abschwächung, wurden aber keineswegs vernichtet ; dieses
Ziel wurde erst erreicht, wenn sie ebenso lange in 23,5 °/0 iger Koch-
salzlösung mit demselben Gebalt an Zucker und Salpeter verweilt
hatten; eine Abschwächung der Virulenz war schon am 11. Tage
zu bemerken. Auch hier erwiesen sich die mit Reinkulturen ge-
wonnenen Ergebnisse für die Verhältnisse im Fleich der Thiere nicht
massgebend. Schinken und Speckseiten von rothlaufkranken Schweinen,
welche in die stärkere der beiden Laken eingelegt worden waren,
136 Schutzimpfung, künstl. Infektionskrankheiten, Entwickelon|r*hemtnnng ete.
behielten noch lange Zeit ihre Virulenz, n. z. die Rothlaufstäbchen in
den Muskeln bis 170, im Speck bis 40 Tage; jedoch waren sie ent-
sprechend ihrer im Speck von Haus aus geringeren Menge und der
oberflächlicheren Lage in ihm nach 70 Tagen abgestorben. Für die
Praxis geht daraus hervor, dass gepökeltes rotblaufkrankes Fleisch
hinsichtlich der Verschleppung der Seuche nahezu ebenso gefährlich
ist, wie das frische.
Auch das Einsalzen hatte keine nennenswerthe Einwirkung
auf die im Fleisch von rothlaufkranken Thieren enthaltenen Bakterien
Die Zeit, welche man in der Wirklichkeit auf diesen Prozess ver-
wendet, reicht nicht hin, um die Gefährlichkeit solchen Materials
aufzuheben. Schinken und Speckseiten, welche mit einer Mischung
von Kochsalz und Salpeter (aufs Pfund Salz 16 g Salp.) einge-
rieben und mit Steinen beschwert in einem Holzbottich gelegt worden
waren, enthielten noch nach 30 Tagen soviel Bakterien, dass von 18
daraus geimpften Mäusen 13 an Rothlauf starben.
Die Notwendigkeit, derartige Versuche stets in möglichster
Uebereinstimmung mit den in der Praxis obwaltendenden Verhält-
nissen anzustellen, zeigt ein Vorversuch, bei dem in Ermangelung
eiues Fleisches von rothlaufkranken Thieren Bouillonkulturen in ge-
sunde Fleischstücke in grosser Menge und in verschiedene Tiefen
injizirt worden waren; hier hatten die Bacillen schon nach 28 tagiger
Einwirkung des Salzgemenges ihre Lebensfähigkeit verloren.
Zwei Schinken und Speckseiten, welche 30 Tage im Salz gelegen
hatten, wurden schliesslich geräuchert. Als sie nach 14 Tagen
aus der Räucherkammer kamen, gingen von 18 mit Partikelchen
aus ihnen geimpften Mäusen noch 11 an Rothlauf ein, einige etwas
verspätet. Dieselben Stücke wurden dann weiterhin an der Decke
eines Kellerraumes hängend aufbewahrt. Es gelang noch 28 Tage
später, im Ganzen 72 Tage nach dem Einlegen ins Salz, mit 2 von
5 Theilchen aus dem Mark des aufgesägten Oberschenkelknochens
Mäuse zu infiziren, und selbst nach 75 bezw. 119 Tagen mit 1 von
8 Proben. Erst 167 Tage nach Beginn des Versuches waren die
Rothlauf bacillen nicht mehr nachzuweisen. Es scheint, dass derge-
stalt behandeltes rotblaufkrankes Schweinefleisch nach rund etwa
V* Jahr keine Gefahr mehr in sich birgt.
Eine solche Gefahr droht natürlich nur den für die Krankheit
empfänglichen Thieren, und ist besonders wichtig beim Schwein, wel-
ches auch leicht mit Abfällen kranker oder verendeter Tbiere in Be-
rührung kommt Auf welchem Wege aber die Infektion erfolgt, ist
noch nicht genügend aufgeklärt Fütterungsversuche, welche
Petri zunächst an Mäusen vornahm, ergaben, dass ein Theil der
Thiere mit frischem rothlaufkranken Speck infizirt werden konnte,
nicht aber mit solchem geräucherten, auch wenn er sich subkutan
noch infektionstüchtig erwies. Dagegen hatten 4 Experimente mit
3 Schweinen der sog. englischen, bekanntlich für die Krankheit em-
pfänglichen Rasse im Ganzen einen negativen Erfolg. Ein Schwein,
welches l1/* Tag gehungert und eine geringe Menge rothlaufkranker
Organe gefressen hatte, wurde zwar krank, erholte sich _ aber wieder,
die beiden anderen Thiere blieben gesund, obwohl sie täglich mit
Bakteriolog. r. XX Kongr. d. deutsch. G«Mllschaft f. Chirurgie b. Berlin. 137
1 Kilo Rothlauffleisch (vermischt mit ebensoviel Steinkohlen oder
Coaks) gefüttert worden waren and eins derselben in einem letzten
Versuche noch 15 Stück an Rothlauf eingegangene Mäuse verzehrt
hatte. Heim (Würzburg).
Originalberichte Ober Kongresse.
Bakteriologisches vom XX. Eongress der deutschen
Gesellschaft für Chirurgie, abgehalten vom 1.— 4. April
1891 zu Berlin.
Der erste Sitzungstag und die Hälfte des zweiten worden einge-
nommen durch eine Diskussion über die Anwendung des Koch 'sehen
Mittels. In einem einleitenden Vortrage stellte von Bergmann
3 Thesen auf. In der ersten These behauptete er, dass das Koc ti-
sche Mittel eine örtliche Reaktion nur auf tuberculösen Geweben
zeige, die zweite These behandelte die Frage nach den ungün-
stigen, die dritte jene nach den günstigen Wirkungen des Mittels.
König und Schede haben lokale Reaktionen auch nur bei Tuber-
culosen nach Anwendung des Mittels gesehen, während Küster
Lokalreaktion bei Lupus erythematodes und in einem Fall von diffusem,
weichem Lipom am Oberschenkel gesehen hat Allgemeine fieber-
hafte Reaktionen haben Bergmann bei Aktinomykose und Sar-
komen, König bei Aktinomykose, Küster bei akuter Osteomyelitis
beobachtet
Ueber die günstigen und ungünstigen Wirkungen des Mittels
sind die Ansichten noch sehr getheilt, und allgemein wird zugegeben,
dass die Kürze der Beobachtung definitive Drtheile abzugeben nicht
gestattet v. Bergmann betont in dem einleitenden Vortrage die
Schwierigkeit der Frage, ob das Mittel in gewissen Fällen dessimi-
nirend auf die Bacillen wirke und neue Tuberkeleruptionen ev. Mi-
liartuberculose hervorrufe. Auf Grund mehrerer Beobachtungen
kommt er aber zu dem Schlüsse, dass die Behandlung mit dem Koch-
sehen Mittel nicht vor dem Auftreten neuer Tuberculose trotz an-
dauernder Fortsetzung schützt. Heilungen hat er nicht beobachtet,
bei Gelenk- und Knochen- sowie Hodentuberculose eher Verschlechte-
rungen als Besserungen und bei Lupus noch während der Behand-
lung Recidive. Auch König hat Weiterverbreitungen der Tuber-
culose nach Anwendung des Mittels gesehen und es unterliegt für
ihn keinem Zweifel, dass das Tuberculin in einer Anzahl von Fällen
die tuberculösen Prozesse derart aufrühre, dass eine allgemeine In-
fektion zu Stande kommen könne, gleichwie man das ab und zu nach
Operationen sieht König hat wirkliche Heilungen weder bei Lupus
noch bei Gelenkerkrankungen gesehen, bei Lupus der Mundschleim-
haut bewirkt das Mittel aber oft erstaunliche Besserung. Dies letztere
wird von Thlerseh bestätigt. Schede und Lauenstein berichten
138 feakteriolog. ▼. IX. Kongr. d. deutsch GeselUehftft t Chirurgie s. Berlin.
über sehr günstige Erfahrungen bei allen Formen der Tnbercalos*
Schede hält das Tuberculin für eine „unschätzbare Waffe in dei
Kampfe gegen die Tuberculose". y. Eiseisberg und Schede be
richten jeder über einen Fall, in welchem das Kittel sehr gönsti
auf Aktinomykose eingewirkt hat
Im weiteren Verlaufe der Debatte werden zahlreiche mit Tuber
culin behandelte Fälle vorgestellt, von denen jedoch keiner ge
h ei 1 1 ist, mehrere Besserung, die meisten jedoch (Lupusfälle) schwer
Recidive zeigen.
Demonstrationen über die mikroskopischen Veränderungen de
tuberculösen Herde nach Anwendung des Mittels, sowie bakteriologi
sehe Untersuchungen bringen Karg (Leipziger Klinik) und Referen
(v. Bergmannes Klinik). Die Befunde gehen übereinstimmen
dahin, dass das Mittel keine Nekrose, sondern eine vorwiegend ei
sudative Entzündung der Tuberkel bewirkt, und zwar zu einer Ge
websschrumpfung, aber keiner Heilung in mehrmonatlicher Anwendung
führt. Die Bacillen werden weder ausges tossen , noch abgetödte«
sondern finden sich nach zahlreichen Tuberkulininjektionen noch u&
versehrt in Form und Virulenz vor. Impfungen auf Meerschweinchen
und Kaninchen mit Material aus Lupus, Gelenk- und Drüsentuber,
culose nach mehrmonatlicher Behandlung, fielen sowohl Kargwi
dem Ref. positiv aus.
Im Weiteren sprach
Braatz (Heidelberg), Ueber das Verhältniss der klinil
sehen Chirurgie zur chirurgischen Bakteriologie und
die Bedeutung der Anaerobiose für beide.
Redner betont in seinem dem Zeitmangel entsprechend gekürz
ten Vortrage die Bedeutung der Anaärobiose für die Wundinfektion
Noch zu wenig werde in den neueren Untersuchungen über Wund-
infektion dem Umstände Beachtung beigelegt, dass innerhalb d«
Körpers die Organismen anaärobiotisch zu leben gezwungen seien,
Im Blut sei fast aller Sauerstoff an die rothen Blutkörperchen ge"
bunden und das Serum enthalte kaum V, °/0 davon ; in allen Ex-
sudaten und Transsudaten, im Eiter, in der Lymphe, der Galle und
dem Harn fänden sich höchstens Spuren von Sauerstoff. Führe mafi
den geschlossenen Wunden Luft zu, so würden die Bakterien in ihrer
üblichen Wachsthumsweise gestört und gehemmt, und es erkläre sieb
hieraus die günstige Einwirkung der Wunddrainage und der lockeren
Tamponade. Besonders in Betracht würde die Anaerobiose bei ge-
wissen Formen von Gangrän kommen, da wir als Erreger von bran-
digen Infektionprozessen Bakterien bereits kennen, welche bei Sauer-
stoffzutritt überhaupt nicht gedeihen.
WolfT, Max (Berlin), Ueber Aktinomykose. Mit Demonstra-
tionen.
Wolff hat seine auf dem vorjährigen Kongresse mitgeteilten
Versuche der Züchtung des Actinomyces ausserhalb des Körpers
fortgesetzt. Unter anaeroben Bedingungen wuchs der Pilz stets besser,
als unter aeroben. Das Wachsthumsoptimum liegt bei 35—37°.
feakteriolog. ▼. XX. Kongr. <L detiUcb. Gttdlschaft f. Chirurg!* *. Berlin. l$Q
Als Nährboden eignen sich Agar-Agar und Hübner- sowie Tauben-
eier. Die Entwicklungsfähigkeit der Pilze war in der Kultur nach
9 Monaten noch unverändert. Anf den künstlichen N&hrsubstraten
geht der Actinomyces in Gestalt von Kurzst&bchen und längeren
Fäden anf, niemals wurden Drusen mit keulenartigen Gebilden be-
obachtet Kurzstäbchen kommen vorwiegend auf Agar, Fäden in
Hühnereiern zur Entwickelung. Die kokkenartigen Gebilde, welche
sich in den Kulturen ebenso wie in den Herden bei der menschlichen
Aktinoraykose finden, spricht Wolff nicht als Sporen an, da sie sich
u. A. schon durch die leichte Färbbarkeit mit Gentianaviolett von
jenen unterscheiden. Die fortgesetzten Impfversuche mit Kulturen
sind fast stets positiv ausgefallen. Fast immer hat sich nach der
peritonealen Impfung eine Anzahl von Knoten auf dem Peritoneum,
dem Netz resp. den Därmen entwickelt, welche typische Drusen ent-
hielten. Redner demonstrirt das 23. Thier, welches vor 4 Wochen
mit der 13. Kulturgeneration geimpft wurde und die deutlichsten
Krankheitserscheinungen darbot. Es ist demnach Wolff gelungen,
eine der natürlich vorkommenden Aktinomykose durchaus analoge
Erkrankung durch Impfung von Reinkulturen des Actinomyces zu
erzeugen. In Bezug auf die Therapie erwähnt der Vortragende, dass
er den Versuch gemacht hat, analog dem Tuberculin ein Glycerin-
extrakt aus Actinomyces kulturen herzustellen. Die Injektion
dieses Extraktes hat Reaktionen aber nicht hervorgerufen.
Reiche!, P«, (Würzburg), Ueber Immunität gegen das
Virus von Eiterkokken.
Die mitgetheilten Beobachtungen beziehen sich auf Staphylo-
coecus pyogenes aureus; die betreffenden Versuche sind an
Hunden angestellt. Reichel injizirte intraabdominal Hunden in
Zwischenräumen von 2—5 Tagen Reinkulturen von Staphylo-
coecus in Dosen, welche von kleinen allmählich zu grösseren stiegen.
Durch diese successiven Impfungen werden die Thiere schliesslich
immun und vertragen grosse Mengen virulenter Kulturen, in Folge
von welchen nicht vorgeimpfte Thiere sehr schnell an einer hämor-
rhagischen Peritonitis zu Grunde gehen. In ganz gleicher Weise
lassen sich Hunde durch Injektion sterilisirter Kulturen gegen die
Stoffwechselprodukte der Eiterkokken immun machen. Von 6 vor-
geimpften Hunden zeigte keiner am Tage nach der Einspritzung der
Eterkokkentoxine krankhafte Erscheinungen, während 6 Kontrollhunde
sämmtüch schwer krank wurden und zwei sogar starben. Schliess-
lich wies Reichel nach, dass successive Impfung mit den Stoff-
*echselprodukten in steigenden Dosen auch Immunität gegen virulente
Staphylokokkenkulturen erzeugte. Während nicht vorgeimpfte Thiere
nach der Infektion mit Eiterkokken stets eine schwere hämorrhagische
Peritonitis aufweisen, ist an geimpften Thieren nach der Injektion oft
keine Veränderung des Peritoneums nachzuweisen; oft ist nur ein
ganz geringes Exsudat da.
Bei Versuchen mit subkutaner Injektion vorgeimpfter Hunde
zeigte sich die Immunität als keine so vollständige, wie bei der pe-
ritonealen Infektion. Von 10 Einspritzungen waren 4 von Abscesg-
140 Neae Litteratur.
bildung gefolgt. Doch war auch hier eine Herabsetzung der Em-
pfänglichkeit ganz evident , denn unter denselben Umstanden, bei
welchen es bei nicht vaccinirten Thieren zu ausgedehnten Phlegmonen
kam, entstanden bei vaccinirten nur geringfügige Abscesse und In-
filtrate. Jedenfalls zeigte die differente Reaktion von Peritoneum
und Zellgewebe, dass durchaus nicht das Peritoneum als das reiz-
barste und in Bezug auf Infektion empfänglichste angesehen werden
darf.
Die Dauer der erzeugten Immunität gegen die Eiterkokken
dauert nach einigen Versuchen Reich eTs nur wenige Wochen, doch
sind seine Beobachtungen hierüber noch nicht abgeschlossen.
(Schluss folgt)
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eine einfache Methode aar Gewinnung
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Marpmann, Mittheilnngen ans der Praxis.
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mj een tweejaarig meisje, p. 129.
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trockner Wundbehandlung, p. 128.
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der Vergährung des Mostes mitwirkenden
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der Mundhöhle Neugeborener, p. 129.
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Bakteriologisches rom XX. Kon-
gress der deutsehen Gesellschaft
für Chirurgie, abgehalten vom
1. — 4. April 1891 au Berlin.
Braata, Ueber das Verhältniss der klini-
schen Chirurgie zur chirurgischen Bak-
teriologie und die Bedeutung der Anaero-
biose für beide, p. 188.
Beiohel, F. , Ueber Immunität gegen da»
Virus von Eiterkokken, p. 189.
Wolff; Max, Ueber Aktinomykose, p. 138.
Vene Uttermtw, p. 140.
Fron
nasche Buckdruckerat (Herm&nn Pöble) In Jen«.
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
Geb. Hort. Prot Dr. Lenckart m Professor Dr. Loelüer
ta Leipzig In üntifswild
herausgegeben von
Dr. O. TThlworm in Cassel.
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
X. Band. -*- Jen», den 17. August 1891. -*>- No. 5.
Preia für den Band (86 Hummern) 14 Mark.
Jährlich erscheinen zwei Bände.
— »f Zu bestehen durch alle Buchhandlangen und PosUnstalten. )§«•-
Die Redaktion des „Centratiblatts für Bakteriologie und Parasiten-
künde" richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wünsche um Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Auf-
sätze entweder bei der Einsendung der Abhandlungen an die
Redaktion auf das Manuskript sehreiben zu wollen oder spä-
testen* nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an
den Verleger, Herrn Gustav Fischer in Jena, gelangen zu
lassen. Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
eingehende Wünsche berücksichtigen zu können.
Original - Mittheilungen.
Ueber einen Fall von Taenia inermis fenestrata.
VOD
Dr. Arnaldo Maggiora
in
Turin.
Die gefensterton Taenia formen sind ziemlich selten. In den
Monographieen und wissenschaftlichen Zeitschriften sind nur wenige
ftlle beschrieben, und in mehreren, wenn auch helminthologischen
Sammlungen, die ich zu sehen Gelegenheit hatte , sah ich kein ein-
iges Exemplar davon.
X.B4. 10
146 Maggiora,
Der Erste, welcher die fensterförmige Perforation an den Band-
würmern beobachtete, war der Arzt Andry, Professor am College
de France1); der Erste, der jenen beschrieb, war Masars de
Cazeles, Arzt zu B6darrieux (H6rault)s), in der zweiten Hüfte
des verflossenen Jahrhunderts. Nachdem er nämlich einer 69 Jahre
alten Patientin, die seit vielen Monaten an Darmkolik und anderen
Störungen litt, ein Decoctum anthelminthicum et purgans verordnete,
erbrach dieselbe einen Knäuel von platten Würmern, die Masars
de Cazeles auf folgende Weise beschreibt:
„A la premifere d6jection la garde 6tonu6e me fit voir dans le
bassin une espöce de Corps graisseux, en forme de peloton; je le fis
laver, et je me hätai de le d6vider, ce fut deux portions de ver so-
litaire, plates, blanches, d'une contexture si d&icate, qu'cn les 61evant
elles ätaient pr&es k se d&hirer par leur propre poids ; elles avaient
autour de quatre ou cinq lignes de largeur k l'une de leurs exträ-
mitfe, tandis que l'exträroitg opposäe devenait successivement plus
ätroite ; en sorte que vers les derniöres articulations, eile avait 4 peine
deux lignes.
L'une de ces portions 6tait k petites articulations, marqu6es par
des lignes transversales, profondes, k des trte-petites distances les
unes des autres, ressemblant en quelque sorte k un ruban de velour
cannelä ; l'autre 6tait k grandes articulations et repr&entait une auite
de graines de melon, mousses k leurs extr£mit6s et unies comme par
juxtaposition.
Le corps des articulations de cette nouvelle espöce de taenia,
6tait marquä de plusieures lignes transversales, superficielles, en ma-
niöre de rides, et 6tait perc6 d'un seul trou oblong:, plus ou moin
grand, suivant la grandeur des articulations. Parmi ces trous, les
uns 6taient sans dentelures ext&ieurement, et les autres inägalement
frangta. Du c6t6 marginal externe de ces piöces, qui avaient cinq
ou 8ix pans de longueur chaeune, s^levaient par intervalles irr6gu-
liers, de ces petites 6min ences appeläes mamelons par M. Andry, et
que le cel&bre Mr. Koenig nous repräsente comme autant de bouches,
au moyen des qnelles chaque articulation de ranimal peut pourvoir
k sa Bubsistance particuliere."
In den folgenden Tagen erbrach die Pat. andere nicht mehr ge-
fensterte Stücken des Bandwurmes. Nach einer Rede Ober die
Anthelmintica, in welcher de Cazeles die Arcana nachdrücklich
bestreitet, schreibt er:
„II resulte de ces observations, qu'outre les diffärentes Spaces dö
ver solitaire dont parlent les auteurs, il manquoit k l'histoire de ce
reptile Celle du taenia percä k jour dont M. Andry dans le cours
d'une longue pratique, que la c616brit£ de son remede avoit rendu
fertile en dteouvertes, n'a vu qu'ne trte-petite portion ; ce qui fesoit
pr&umer que c'6toit plutöt un jeu de la nature, ou le produit de
quelque maladie, qu'une marque distictive de ranimal"
Masars de Cazeles war also überzeugt, dass es sich um eine
neue Art von Bandwurm handelte; er gab auch eine sonderbare
1) De la geneVation des Vers dans le corps de l'homme. Paris 1741. p. 294.
2) Sur le taenia ou Ver solitaire et plus particulierement sur un taenia percl a
jour. (Rom Journal de Mäd , Chirurg, etc. T. XXIX 1768. p. 26)
Ueber einen Fall tod Taenia Inermit fenestrata. 147
Figur des Wurmes, den er an einem Baume aufgehängt darstellte;
man siebt der Figur an, dass es sich entweder um eine Taenia so-
lium oder mediocanellata, und zwar wahrscheinlich um die
erste handelte.
Göze, dessen Arbeiten zwischen 1777 und 1803 publizirt
worden, beobachtete durchlöcherte Glieder in einer Taenia cras-
sicollis1).
Rudolph i*), indem er von dem durch Masars de Cazeles
beschriebenen Bandwurm spricht, sagt: „Taenia solium cujus arti-
culorum mediae partes cum ovariis ezciderant Portioni vero ita
defignratae nimis longae et regulari maceratio aut artificium forsan
accesserunt. Rudolphi») beobachtete ebenfalls zwei Fälle von
Taenia armata: dieselbe Beobachtung wurde von Bremser4) ge-
macht, der darauf besteht, dass die Taenia fen est rata keine
eigene Art, sondern nur eine Formveränderung repräsentirt.
Stefano delleChiaie stellt in seiner Elmintografia umana 5)
ein Stück einer 27 Glieder besitzenden Taenia solium dar mit
kleinen, länglichen und median gelegenen Löchern.
Colin6) beschrieb einen Fall von Taenia inermiß fene-
strata, und Cesare Taruffi7) zwei Fälle von Taenia solium
fenestrata.
Leuckart sagt in seinem klassischen Werke Aber die Parasiten,
dass im zoologischen Museum von Leipzig zwei Exemplare von
Taenia perforata existiren.
Ferner beschrieben Fälle von gefensterten Taenien Pouch et8),
Blanc»), Notta10), Marfan11), Grobben1») und Danysz").
Der Arbeit des Letzteren, welche im zoologisch-histologischen
Laboratorium des naturgeschichtlichen Museums von Paris gemacht
*urde, bietet ein besonderes Interesse, weil die ganze Serie der mehr
oder weniger veränderten und der anscheinend normalen Glieder des
Wurmes histologisch untersucht wurde.
Die in Rede stehende Formveränderung wurde ausser an
Taenia solium und mediocanellata, auch an anderen Arten
beobachtet; so z. B. hat, abgesehen von dem oben erwähnten, durch
1) Citirt tod Leuckart, Dia Parasiten des Menschen. Leipzig 1881. Bd. I.
Lief 2. 8. 579.
I) Eotosoonim sive yennium intestinal! um historia naturalis. Amstelodami 1810.
v°l L T. L p. 105.
3) Srnops. pag. 582 Citirt vonDaTaine, TraUe* das Entosoaires. Paris 1877.
H- 77.
4) Traite* soologlque et physiologiqne snr les vers intestinalis de l'homme. Tra-
cetten frencaise von Grundier. Paris 1824. p. 197.
N Nipoli 1844. Tav 12. Fig. 8a.
6) Etsdes cliniqoes de medecine militaire. Paris 1864. 8. 296.
7) Compendio di anatomia patologica generale. Bologna 1870. p. 526.
8) Semaine meMicale 1886. S. 65.
*.' Aussog im zoolog Jahresber. für 1888. Vermes. 8 21.
W Union mtdicale. T. 40. 1885. p. 678.
U) Comptes rendns hebdom. de la Soeift* de Biologie 1886. p. 68. Der von
"»rftii nntersnebte Fall ist derselbe, welchen Notta beschrieben bat.
II) Verhandl. d. Zool. Bot. Gesellsch. an Wien. Bd. 87. 1887. pag. 679.
U) Journal d'anat et de phyeiol. pnblie par Cb. Bob in. Fase V. 1888. p. 518.
10 •
148 Maggiora,
Göze beschriebenen Fall von Taenia crassicollis, Neumano1)
bei einem Hunde, der im Dünndärme nebst anderen Würmern einen
Haufen von 767 Stücken von Taenia canina Linn6 hatte, 15 mit
einigen durchlöcherten Ringen angetroffen. Bremser, Davaine,
Fievet, Blanc und andere Autoren2) hatten mehrere Exemplare
von Bothriocephalus latus fenestr. beschrieben, mit denen ich
mich jedoch nicht beschäftigen werde.
Am Schlüsse des vergangenen Jahres konsultirte mich mein
Freund, Herr 6., Hauptmann bei der Infanterie, der mehr als ein
Jahr bei der Besatzung in Massaua war. Er klagte über gewisse
Störungen, die auf Bandwurmerkrankung hinwiesen. Und obgleich
Herr O. angab, dass er nie Glieder entleerte, so wurde ich doch in
meiner Annahme durch die Aussage des Pat., dass er gern Salat von
rohem Rindfleisch und von Grünzeug ass, und ferner dadurch be-
stärkt, dass in Massaua finnenhaltiges Rindfleisch nicht selten ist.
Ich rieth deshalb dem Herrn Gn sich einer anthelminthischen Kur
zu unterziehen, und empfahl ihm gleichzeitig, seine F&ces aufmerk-
sam zu untersuchen, dieselben mit Wasser zu verdünnen, um kon-
statiren zu können, ob sich in denselben Taenien oder andere Würmer
befänden, und mir dieselben eventuell in's Laboratorium zu bringen.
Nach einigen Tagen kam Herr G. wieder und brachte in einem
Fl&schchen ein Stück einer aus reifen Gliedern bestehenden Taenia,
das er selbst als von den gewöhnlichen Bandwürmern verschieden
erkannte. Ich frug ihn, ob er nicht andere Theile und namentlich
den Kopf des Wurms entleert habe; er bejahte dies, leider aber
wurden dieselben irrthümlicher Weise sammt den F&ces wegge-
worfen, ehe er die Stücke herausheben konnte. Jenes Stück des
Bandwurmes, das ich erhielt, wurde am vorhergegangenen Abende
entleert und zeigte gar keine Bewegungen; auf die Frage, ob sich
die Ringe nach der Entleerung bewegt haben oder nicht, konnte Pat.
keine positive Antwort geben. Das Stück war 68 cm lang und hatte
52 Glieder, welche nach der makro- und mikroskopischen Prüfung
und bei Vergleich mit anderen Exemplaren, die mir im Laboratorium
zur Verfügung standen, mit Rücksicht auf ihren Bau und Dimension,
auf die unregelmässig alternirende und laterale Stellung der Samen-
öffnungen, auf das Verhalten des Uterus, der ungefähr 20 Zweige
mit dichotomischen Theilungen auf jeder Seite hatte, und schliesslich
mit Rücksicht auf die ovale Form und den Diameter der reifen Eier,
leicht als der Taenia mediocanellata angehörig erkannt werden;
konnten.
Aus der Breite der Glieder und dem vollkommen entwickelten
Zustande des Uterus, aus dem Reifegrade der Eier war es leicht za
konstatiren, dass das entleerte Wurmstück wahrscheinlich das letzte
oder eines der letzten Stücke des Wurmes repräsentirte.
Von den Gliedern waren ungefähr 20 vollständig normal, wenn
auch etwas schwach entwickelt, die anderen zeigten die charakteristi-
schen Veränderungen der Taenia fenestrata. Man sah nämlich,
1) Sodltl d*histoire naturelle de Toulouse. Compte renda de la seanc« dt
25. April 1891.
2) Loc. citatis ; Bull. Soc. Vaud. de Lausanne. Vol. XXIV. p. 9 ; Zoolog. Jahresb.
1SS6 und 1S87.
Ueber einen Fall von Taenia intrmU fenestrata. 149
einige Glieder, die auf einer oder auf beiden Seiten, häufiger in der
Medianlinie, eine oder mehrere punktförmige, ganz geringe Substanz-
verluste zeigten, die bloss die erste Schicht des Wurmes betrafen;
an den folgenden Gliedern gestaltete sich der Substanzverlust, und
zwar in unregelmässiger Weise, immer breiter und tiefer, bis schliess-
lich eine Perforation zum Vorscheine kam, deren Dimension stetig
zunahm, in der Weise, dass die letzten 15 Glieder auf einen ein-
fachen unregelmässigen Saum reduzirt waren, welcher von dem am
meisten peripherisch gelegenen Theile des Gliedes gebildet wurde.
Das Gesammtbild dieser letzten Ringe stellte eine Figur dar, welche
einer tragbaren Leiter glich. Die Umrandung der Löcher war im
Beginne unregelmässig und einem Risse vergleichbar, weiterhin aber
war sie regelmässiger. Der Substanzverlust erstreckte sich nicht
kontinuirlich auf zwei oder mehrere Glieder, wie dies beiBothrio-
cephalus fenestratus vorzukommen pflegt
Bei Beobachtung des Wurmes mit einer guten Linse, nachdem
er einige Zeit in Glycerin lag, bemerkte ich auf einigen Ringen, die
anscheinend normal waren, kleine Hervorragungen oder opake, weiss-
liche Flecken, die den von Danysz1) beschriebenen analog waren und
auf dem mehr durchscheinenden Grunde hervorstachen; sie wurden
nicht durch Uterinal- Verzweigungen verursacht. Auch habe ich, wie
schon Danysz in seinem Falle bemerkte, beobachten können, dass
die Erosionen, obwohl sie häufiger auf den beiden Flächen waren,
doch nicht vollkommen an den Rändern fehlten und hier hauptsäch-
lich an der Stelle lokalisirt waren, wo die quergerichteten Kanäle in
die längsgerichteten einmünden. Um festzustellen, wodurch im vor-
liegenden Falle die Perforation der Taenia verursacht wurde, unter-
suchte ich histologisch einige Schnittserien von Gliedern ; hierbei ging
ich von den anscheinend gesunden aus und prüfte successive die mehr
oder weniger veränderten unter ihnen.
Die Autoren, welche sich mit der in Rede stehenden Erscheinungs-
form der Taenia beschäftigten, sind über die Ursache des Zustande-
kommens derselben nicht einig.
Die Einen meinen, dass es sich hierbei um Entwickelungsanomalieen
handle; es genügt jedoch, nur einen Blick auf einige der Quer-
schnitte der Glieder — die verschiedengradig verändert sind — zu
werfen, und dieselben mit analogen Schnitten durch eine normale
Taenia zu vergleichen, um auf Grund der histologischen Charaktere
und der Dicke der verschiedenen Schichten sich von dem Gegen-
theil, resp. davon überzeugen zu können, dass die Gewebe sich normal
entwickelt und erst nachträglich sich verändert haben.
Andere meinen, dass die Veränderung davon abhängig ist, dass
der Wurm vom Darmsafte verdaut wird; und da die widerstands-
fähige und unverdauliche Cuticula die tieferen Schichten gegen die
Aktion des Verdauungssaftes schützt, so nehmen sie an, dass ein
fremder Körper an irgend einem Punkte die Cuticula zerstört hat,
oder (M ar f a n und Neumunn) dass der Kopf der T a e n i a sich von
der Darmwand losgelöst, sich an einem Ringe festgesetzt und hier eine
kleine Erosion verursacht habe.
1) Loc. cit 8. 521.
150 Maggiora, Ueber einen Fall von Taenia inarmis fenestrata.
Es ist jedoch iiicht wahrscheinlich, dass im Darmkanal eines
erwachsenen Menschen sich harte Körper befinden und dass hier
durch mechanische Bedingungen auf die resistente Cuticula der
Glieder ein Druck ausgeübt werden könnte, der an der Cuticula die
erwähnten Veränderungen hervorzubringen vermöchte. Ich habe im
gegenwärtigen Falle den Pat. hierauf befragt, und, wie zu erwarten
war, erhielt ich zur Antwort, dass er mit Aufmerksamkeit das Ver-
schlucken harter Körper vermeide, und dass dies gewiss seit vielen
Jahren bei ihm nicht vorgekommen sei.
Dass sich der Kopf der Taenia an einem Oliede festsetze, ist
möglich. Für den Fall von N eu m a n n , wo ein Knäuel von sehr zahl-
reichen, mit Haken versehenen kurzen Tänien vorhanden war, gebe
ich sehr gerne zu, wie dies auch erwähnter Autor anführt, dass der
erste Schaden an den Gliedern durch die mit Haken versehenen
Köpfe verursacht wurde, die wegen Raummangel gezwungen waren,
sich an die Ringe anzuklammern, uinsomehr, als Neu mann im Be-
ginne der Veränderungen der Ringe nachwies, dass die Perforation
von aussen nach innen vorschritt.
In meinem Falle handelt es sich nun aber um eine Taenia in-
ermis, und es ist deshalb schwer zu verstehen, wie der Kopf der sehr
resistenten Cuticula der Glieder einen Schaden zufügen könnte. Und
wenn dies auch möglich wäre, so müsste man noch nachweisen
können, dass nach einer kleinen Läsion an einem Gliede in den
nächsten die ganze lange Serie der erwähnten Veränderungen nach-
folgen könne, da man doch schwerlich annehmen kann, dass ein und
derselbe Kopf sich mit Exaktheit successive an ein jedes Glied ansetzt.
Leuckart ist der Meinung, dass es sich nicht so sehr um eine
Entwickelungsanomalie oder um einen Verdauungsprozess, sondern
eher um einen krankhaften Vorgang handle. Diese Annahme scheint
mir am besten auch für meinen Fall zu passen. Und zwar meinen
Blanchard und Andere1), dass die Alterationen von einer Ruptur
des mit Eiern überfüllten Uterus abhängig seien. Ohne im Allge-
meinen die Richtigkeit dieser Annahme bestreiten zu wollen, glaube
ich, dass dieselbe von den an meinem Exemplare beobachteten That-
sachen nicht unterstützt werden kann. Denn wenn dies der Fall
wäre, so müsste man an den Schnitten durch die Glieder im Beginne
der Erkrankung eine absolute oder relative Vergrösserung des Uterus
sehen, und zwar müsste dies auf Kosten der Schichten zu Stande
kommen, die denselben bedecken, eine Erscheinung, die ich an keinem
der verschiedenartig alterirten Schnitte beobachten konnte; die Di-
mensionen der Uterusverzweigungen waren nie grösser, als die eines
Gliedes von derselben Dicke von einem normalen Bandwurme, auch
waren die dies bedeckenden Schichten nie vermindert.
Blanc nimmt eine pathologische Ent Wickelung der Cuticula an,
und Danysz glaubt, dass die Alterationen einer Erkrankung des
Wurmes zuzuschreiben sind, in deren Folge sich unmittelbar unter
der Cuticula kleine Degenerationsherde bilden, welche jenen oben
erwähnten Hervorragungen und Flecken von weisser Farbe ent-
sprechen, die man an den scheinbar noch normalen Gliedern an-
1) Tratte* de Zoologie mödicale. Paria (Baillier) 1889 T. I. S. 865.
Gabritschewsky, Zur Frage d. Immnnit. a. d. Heilang ▼. lnfektionskrankh. 251
trifft Die erwähnten Degenerationsherde würden das Abfallen der
Cuticola in jenen Punkten bedingen, und es würde hiernach der Darin-
saß den Destmktionsprozess fortsetzen.
Die von mir beobachteten Thatsachen scheinen die Anschauung
von Danysz zu bekräftigen. Auch in meinem Falle konnte man
an den Schnitten der scheinbar normalen Glieder, und zwar öfters
im Niveau der erwähnten weisslichen Flecken kleine Herde fettiger
Degeneration unter der Haut beobachten, und man sah, dass der De-
stmktionsprozess sich an den Gliedern, deren Haut angegriffen und
allmählich sich mehr und mehr veränderte, wahrscheinlich in Folge
der Einwirkung des Darmsaftes von den oberflächlichen auf die tiefen
Schichten und auch lateralwärts fortsetzte.
Ich untersuchte, ob in diesen kleinen Krankheitsherden oder
um dieselben herum und überhaupt auf den Gliedern Mikroorganismen
vorhanden seien, und dies um so mehr, als Alterationen der Cuticula
durch Einwirkung von vegetabilischen Parasiten schon an anderen
Würmern beobachtet wurden, z. B. bei Gordius (Vi Hot), allein
meine diesbezüglichen Untersuchungen ergaben kein positives Resultat
Turin, den 9. Juni 1891.
Ein Beitrag zur Frage der Immunität und der
Heilung von Infektionskrankheiten.
[Aus dem hygienischen Institut in München.]
Von
Dr. CK Gabritschewsky,
Privatdosenten an der Universität zu Moskau.
Anschliessend an die Schutz- und Heilimpfungsversuche, die in
der letzten Zeit von Prof. Dr. Emmerich mit sehr interessantem
Erfolg angestellt worden sind, erlaube ich mir hier einige Versuche
mit Milzbrand mitzutheilen. Es wurden nämlich folgende Fragen
aufgestellt: 1) Ob es möglich ist, durch wiederholte Impfungen mit
stark verdünnten virulenten Kulturen von Milzbrandbacillen die Thiere
immun zu machen, und 2) ob das Blut und der Saft der künstlich
immunisirten Thiere nach subkutaner Anwendung bei den für Milz-
brand empfänglichen Thieren eine Immunität bedingen kann.
A. Bei den Versuchen mit verdünnten Milzbrandkulturen wurden
fär Kaninchen virulente Kulturen gebraucht und im Laufe der Unter-
suchung stets frische Kulturen von an Milzbrand gestorbenen Ka-
ninchen- angelegt Von solchen eintägigen, bei 24° C in Fleisch-
bouillon gezüchteten Kulturen wurden mittelst graduirten Kapillarpi-
petten *) kleine Quantitäten von 0,001 bis 0,1 g auf ein gewisses Quan-
tum steriles Wasser übertragen und auf diese Weise beliebige Ver-
dünnungen hergestellt Zugleich wurde die Zahl der Bakterien in
1) Die Beschreibung dieser von mir konstruirten Pipetten folgt in den nächsten
Hummern dieser Zeitschrift.
. 152 Gabritschewsky,
jedem 0,1 g jeder Verdünnung bestimmt, indem als maassgebend die
Zahl der Kolonieen war, welche auf Gelatineplatten von einem 0,1
verdünnter Kultur in 2 Tagen sich entwickelten. Es stellte sich da-
bei heraus, dass eine Verdünnung 1 : 10000 in jedem 0,1 g noch
2—10 Bacillen enthält.
Die Versuche mit verdünnten Kulturen sind folgende:
I. Zwei grosse Kaninchen wurden mit je 0,1 von einer Kultur
1 : 20 subkutan geimpft. Am dritten Tage erlagen die Kaninchen
an Milzbrand.
II. Zwei grosse Kaninchen haben ebensoviel von einer Verdünnung
1 : 200 bekommen. Das eine von ihnen ist in zwei, das andere in
drei Tagen an Milzbrand gestorben.
III. Drei Kaninchen (No. 13 von 1790 g, No. 14 von 1690 g and
No. 15 von 1650 g Gewicht) wurden am 27. April mit 0,25 g, U,5
und 1,0 g einer verdünnten Kultur 1 : 500 geimpft, dabei hat jedes
Kaninchen 30, 70 und 140 Bacillen subkutan bekommen. Die Kaninchen
waren kurze Zeit krank, blieben aber am Lieben: die Temperatur
39,0—39,2 (vor dem Versuch) fing an zu steigen und erreichte ihre
Höhe am 5.-6. Mai 39,7—40,7°. Erst nach 5 Tagen war sie
wieder normal (unter 39,5). Es wurde dann die Impfung wiederholt
und dieses Mal mit 0,1, 0,2 und 0,3 von einer Verdünnung der Kultur
1:100. Nach 3-tägigem starkem Fieber (40—41° C) erlagen die
Kaninchen No. 13 und No. 15 an Milzbrand. Das Kaninchen No. 14,
welches auf die erste Impfung am stärksten reagirte (Temperatur bis
40,7° G) blieb nach der letzten Impfung fieberlos. Es schien also,
dass dieses Kaninchen nach Ueberstehen des ersten Milzbrandfiebers
relativ immun geworden war, aber nur relativ, denn als das Thier
am 25. Mai, 11 Tage nach der letzten Injektion, eine neue Impfung
von 0,1 g einer Verdünnung 1 : 10 bekommen hatte, erkrankte es doch
(Temperatur bis 40,2°) und erlag in 3 Tagen (28. Mai) an Milzbrand.
Diese Versuchsreihe ist in zwei Beziehungen interessant, erstens
beweist sie, dass eine einmalige Ueberstehung des Milzbrandfiebers
noch keine absolute Immunität gegen Milzbrand verleiht, und zweitens,
dass die Kaninchen ziemlich grosse Mengen von Bacillen (30—140)
einer virulenten tfultur subkutan ertragen können, ohne davon zu
Grunde zu gehen. Ich muss aber dabei bemerken , dass der Be-
griff der Kulturvirulenz und der Bacillenvirulenz sich nicht voll-
ständig deckt, denn eine virulente Kultur (in grösseren Mengen) kann
doch abgeschwächte, für Kaninchen nicht virulente Bakterien ent-
halten, was vielleicht auch in diesem Versuch der Fall war, da eine
stärkere Verdünnung einer neuen frischen Kultur doch eines von
den zwei folgenden Kaninchen tödtete.
IV. Zwei Kaninchen von 3330 g und 1720 g Gewicht wurden
am 15. Mai subkutan mit einer verdünnten Kultur 1 : 10000 geimpft.
Das erste Kaninchen bekam 0,5 g dieser verdünnten Kultur mit ca.
10 Bacillen, das zweite 0,1 g mit ca. 2 Bacillen. Am dritten
Tage (18. Mai) starb das grosse Kaninchen an Milzbrand, mit dem
kleinen ist der Versuch noch nicht abgeschlossen. Wenn es auch
nicht ausgeschlossen ist, dass die Kaninchen bei subkutaner Impfung
2 — 3 virulente Milzbrandbacillen ertragen können, so steht andererseits
die Thatsache fest, dass für Meerschweinchen und Mäuse jeder (für Ka-
Zur Frag« der Immunität und der Heilung von Infektionskrankheiten. 153
niochen) virulente Milzbrandbacillus absolut tödtlicb ist. So starben
z. B. zwei grosse Meerschweinchen, welche mit derselben verdünnten
Milzbrandkultur (der IV. Versuchsreihe) zu je 0,1 und 0,3 g geimpft
wurden, in 3 Tagen.
Bekanntlich hat diesen Weg der Immunisirung gegen Infektions-
krankheiten (Rauschbrand) zuerst Arloing eingeschlagen1). Die
Methode aber blieb ohne weitere wissenschaftliche Bearbeitung,
bis in ganz letzter Zeit Prof. Emmerich und Dr. Mastbaum2)
die Kaninchen gegen Schweinerothlauf und Dr. Favitzkz gegen
Diplococcus pneumoniae mit verdünnten virulenten Kulturen
immunisirt hatten.
Was die Details der Immunisirung gegen eben genannte Krank-
heiten anbelangt, so verweise ich auf die Originalarbeiten. Die erste
ist schon erschienen, die zweite erscheint in der nächsten Zeit. Ich
mochte nur bemerken, dass, obgleich diese Forscher starke Verdünnungen
bis 1 : 50 gebraucht haben, doch die Zahl der verimpften Mikrobeu
auf etliche Huuderte und Tausende gerechnet werdeu muss, und so-
mit wäre die Virulenz der Kulturen keine absolute in dem Sinne, wie
es bei virulenten Milzbrandbacillen der Fall ist, wo zwei, drei, höchstens
10 Bacillen genügen, um sicher ein Kaninchen zu tödten. In diesem
Unterschied der Virulenz der Bakterien liegt auch der Grund für
den Unterschied in den Resultaten der Schutzimpfung, indem ineine
Versuche negativ ausfielen. Sehr wahrscheinlich erscheint uns des-
halb die Annahme, dass bei absoluter Virulenz der Bakterien (wie
bei Milzbrand) eine Gewöhnung der Thiere an diese Iufektion mit
Uebergang in Immunität unmöglich ist. Jedoch sind hierüber noch
weitere Versuche nöthig.
ß. Was die zweite von uns aufgestellte Frage anbelangt, so sind
ober diesen Gegenstand vor Kurzem im Laufe unserer Versuche 2
Arbeiten von Prof. Ogata und Jasuhara9) veröffentlicht, welche
den Beweis zu liefern schienen, dass das Blut von für Milzbrand und
Mäuseseptikämie immunen Thieren bei subkutaner Impfung sogar in
sehr kleinen Quantitäten (es genügen 1 — 2 Tropfen) als sicheres
prophylaktisches und therapeutisches Mittel wirkt. Prof. Ogata gibt
ao, dass es ihm auch gelungen wäre, diese immunisirende Substanz
aus dem Blute zu isoliren. Es soll nämlich ein Ferment sein, das
nicht nur Milzbrand und Mäuseseptikämiebacillen tödtet, sondern auch
die Entwicklung der Cholerabacillen und Typhusbacillen verhindert
Die Tragweite dieser Entdeckung ist nicht zu verkennen ; um so mehr
war die Nachprüfung der Versuche von Ogata von hohem wissen-
schaftlichem Interesse.
In meinen Versuchen habe ich nur künstlich immunisirte Thiere
gebraucht und zwar aus dem Grunde, weil, wie es, wenigstens in vielen
1) Citirt bei Prof. Naunyn, Zum derzeitigen Standpunkt der Lehre von den
Schutzimpfungen. Leipsig 3 886.
V Die Ursache der Immunität, die Heilung von Infektionskrankheiten, speziell des
Kotblaufs der Schweine und ein neues Schutaimpfungsverfahren gegen diese Krankheiten.
(Arch. f. Hygiene. Bd. XII. 1891.)
3) Ogata und Jasuhara, Ueber die bakterien feindliche Substanz des Blutes.
(Centrslbl. f. Bakt. und Paras. Bd. IX. No. 18, 19. S. 597.;
154 Gabritechewaky,
Fällen, scheint, die künstliche Immunität eine vollständigere ist, als
die natürliche.
Bei zwei Hunden, die gegen Milzbrand als refraktäre Thiere be-
trachtet werden, ist nach der subkutanen Impfung, wie das folgende
Versuchsprotokoll beweist, eine ausgesprochene Erkrankung einge-
treten.
V. Ein kleiner, aber erwachsener Hund von 6350 g Gewicht wurde
den 15. Mai mit 0,5 g reiner Kultur geimpft. Die Temperatur, welche
vor dem Versuche 38,2° G in recto war, stieg den 16. Mai auf 39,4,
den 17. Mai auf 40,8, den 18. Mai auf 40,0, den 19. Mai auf 39,2 und
fiel bis zur Norm den 24 Mai auf 38,3. Zugleich mit dem Fieber erschien
an der Injektionsstelle eine handtellergroße ödematöse Geschwulst,
wie sie ja bei Milzbrandinfektion gewöhnlich vorkommt In ca. 8
Tagen war der Hund wieder gesund und am 25. Mai konnte man
2,0 g reiner Kultur und am 30. Mai ebenso viel intravenös einspritzen,
ohne dass der Hund irgendwie reagirte.
Einen vollständig gleichen Verlauf nahm die Impfung auch bei dem
anderen Hunde (von 5150 g Gewicht), bei welchem aber entsprechend
den kleineren Quantitäten der eingespritzten Kultur (0,1 g) auch die
Reaktion und die Erhöhung der Temperatur (bis 39,5°) nicht so gross
war, wie bei dem ersten Hunde.
Ausserdem hatte ich 4 immune Kaninchen, deren zwei (No. 10
2955 g und No. 11 1980 g) nach der von Roux und Chamber-
land1) beschriebenen Methode immunisirt wurden. Damit aber die
Immunität eine vollständigere ist, wurden nachträglich in aufsteigenden
Dosen subkutane und endlich intravenöse (bis 0,5 g) Injektionen von
reiner virulenter Kultur gemacht. Nach 2 Monaten, vom Beginne des
Versuchs, wurden die Kaninchen getödtet und ihr Saft als „Heil-
flüssigkeit'4 verwendet.
Das dritte Kaninchen (No. 16, 1100 g) wurde zum Zwecke der
Gewinnung einer voll virulenten Kultur mit 1,0 g virulenter, aber in
3 Generationen gezüchteter Kultur geimpft. Das Kaninchen blieb
am Leben, alsdann wurden grössere Quantitäten eingespritzt und nach
einigen Tagen bekam es intraperitoneal 20 ccm virulenter Kultur
und schliesslich 1,0 intravenös. Auf welchem Wege die Immunität
bei diesem Kaninchen entstanden ist, war unklar.
Das vierte Kaninchen (No. 5, 2040 g) wurde aus anderen Gründen
mit einer Mischung (1,5 g) der Bouillonkultur von Bac. pyoc. und
Streptococcus pyog. (1:10) geimpft. Das Kaninchen fieberte
einige Tage und als es nach Verlauf eines Monats mit Milzbrand ge-
impft wurde, konnte Immunität für Milzbrandinfektion konstatirt
werden. Auch bei diesem Kaninchen wurde nach wiederholten auf-
steigenden Impfungen endlich 0,5 g reiner virulenter Kultur in die
Ohrvene injizirt.
Mit dem Safte und Blute dieser sechs immunen Thiere wurden
folgende Versuche angestellt:
VI. Die zwei nach der französischen Methode immunisirten Ka-
1) Vaccination des lapins contra la charbon. (Annalea da l'Institnt Pasten
S87. No. 11. p. 511—517.)
Zur Frage der Immunität und der Heilung von Infektionskrankheiten. 156
Dinchen wurden getödtet, mit l°/0 Sublimatlösung und Wasser ab-
gewaschen, das Fell abgezogen, aus den Muskeln und inneren Or-
ganen (ausgeschlossen der Tractus gastrointestinalis) mit Hülfe einer
starken Presse der Gewebssaft ausgedrückt und schliesslich durch
ein Chamb erland'sches Filter filtrirt. Dieser Saft wurde den
drei Kaninchen (No. 23 f 2320 g, No. 24, 2420 g und No. 25,
2970 g) subkutan injizirt, und zwar den ersten zwei 10,0 g und
dem dritten 16,0 g, und unmittelbar darauf wurden alle, sowie
auch das Kontrollkaninchen (No. 26, 2575 g) mit einer verdünnten
Kultur (1 : ICO), und zwar No. 23 mit 0,3 g, No. 24 mit 0,5 g, No. 25
mit 1,0 g und No. 26 mit 0,3 g geimpft. Alle Kaninchen erkrankten zu
gleicher Zeit mit hohem Fieber (bis 40,6°). Nach 3 Tagen war das
Kaninchen No. 24 gestorben und am folgenden Tage früh wurden
die anderen drei im Käfig todt gefunden. Die Sektion ergab, dass
alle Kaninchen an Milzbrand erlagen.
VII. Zwei weisse Mäuse (No. 27 und 28) haben zu gleicher Zeit
eine subkutane Injektion, die eine von 2,0 g, die andere von 3,0 g
desselben Gewebssaftes bekommen und wurden mit derselben ver-
dünnten Kultur zu 0,2 g geimpft (auch die Kontrollmaus No. 29). Am
Dächsten Tage um 12 Uhr starb die Maus No. 27, um 5>/t Uhr
Nachm. die Maus No. 29 und während der Nacht auch die letzte
Haus. In allen Fällen ergab die Sektion etc. Milzbrand.
VIII. Dieser Versuch wurde wiederholt mit dem Safte des Ka-
ninchens No. 16. Zwei Kaninchen (No. 47, 2520 g und No. 48,
2060 g) bekamen am 1. Juni von diesem Gewebssaft subkutan in-
jizirt, das erste 10,0, das andere 8,0 g. Alle Kaninchen, auch das
Kontrollkaninchen (No. 49, 3130 g) wurden unmittelbar darauf
mit je 0,3 g einer verdünnten Kultur (1 : 100) geimpft. Am 2. Juni
starb No. 48, am 3. Juni das Kontrollkaninchen und am 5. Juni
No. 47.
IX. Gleichzeitig und mit demselben Safte wurde auch an Mäusen
ein Versuch angestellt Die Mäuse No. 41 und No. 42 erhielten eine
subkutane Injektion von 1,0 und 2,0 g des Saftes und jede, auch die
Kontrollmaus, 0,1 derselben verdünnten Kultur. Am nächsten Tag
starben alle Mäuse an Milzbrand.
Die letzten zwei Versuchsreihen sind mit dem frischen, direkt
aus der Ohrvene (mittelst der Pravaz' sehen Spritze) entnommenen
Blute angestellt.
X. Zwei weisse Mäuse (No. 50 und No. 51) haben 1,0 und zwei
Meerschweinchen (No. 52 und No. 53) 2,0 g reines Hundeblut bekommen
und nachher wurden sammt den Kontrollieren die Mäuse mit 0,1,
die Meerschweinchen mit 0,2 g von der verdünnten Kultur (1 : 100)
geimpft Die Kontrollmaus starb in 24 Stunden, eine geimpfte bis
3 Stunden, die Andere 25 Stunden später, als die Kontrollmaus.
Die beiden mit Blut geimpften Meerschweinchen sind 24 Stunden
später gestorben, als das Kontrollthier. Alle Thiere sind an Milz-
brand gestorben.
XL Auch die Versuche mit Blut von einem immunisirten Ka-
ninchen (No. 5) fielen negativ aus, obgleich die Quantität des ver-
wendeten Blutes in den letzten zwei Versuchsreihen bedeutend grösser
156 Gabritschewsky, Zur Frage d. Immunit u. d. Heilung ▼. Infektionskrankh*
war, als diejenige, welche von Prof. Ogata angewendet wurde. Aus
der Ohrvene des immunen Kaninchens (No. 5) wurde das Blut mit
einer Spritze entnommen, welche auf '/* mit steriler Kochsalzlösung
(0,6%) gefüllt war, um einer raschen Koagulation vorzubeugen. Es
bekamen zwei weisse Mäuse 0,5 ccm reines Blut und nachher mit
der Kontrollmaus von der verdünnten Kultur (1 : 100) 0,1 ccm. Die
Mäuse sind am nächsten Tage beinah zu gleicher Zeit an Milzbrand
gestorben.
Die 2 Meerschweinchen, welche 2,5 reines Blut und darauf 0,3 g
der verdünnten Kultur subkutan bekommen haben (auch das Kontroll-
tbier), starben gleichzeitig nach 3 Tagen an Milzbrand.
Aus den oben angeführten Versuchen ersehen wir, dass der Saft
und das Blut von gegen Milzbrand immunen Kaninchen und Hunden
weder als prophylaktisches noch therapeutisches Mittel gegen Milzbraud
für nicht refraktäre Thiere betrachtet werden kann. Nur in den
Versuchen mit Hundeblut (X) überlebten die geimpften Thiere einige
Stunden oder höchstens einen Tag die Kontrollthiere. Dies ist der
einzige Versuch, bei welchem man eine therapeutische Wirkung im
Sinue Ogata' s, wenn auch in äusserst geringem Grade, annehmen
könnte. Bei den Kaninchen zeigte sich nicht einmal eine derartige
geringe Wirkung, sie starben alle gleichzeitig mit dem Kontrollthier,
Diese negativen Resultate Hessen es selbstverständlich als über-
flüssig erscheinen, die Isolirung der immunisirenden Substanz (Her-
stellung des Glycerinextraktes) auf dem von Ogata betretenen Wege
zu versuchen.
Diese auffallende Differenz in den Resultaten meiner Versuche
und denen von Prof. Ogata und Jasuhara habe ich mir durch
die Annahme erklärt, dass die Milzbrandkulturen bei den Versuchen
der japanischen Forscher weniger virulent, als die meinigen waren.
Auch gibt Prof. Ogata an1), dass er stets Milzbrandbacillen aus
den Organen von durch Milzbrand gestorbenen Mäusen benutzt habe.
Deshalb habe ich neue Versuche angestellt und Milzbrandkulturen
von gewissem Grade der Abschwächung (die zweite Vaccine Pasteur)
angewendet.
XII. Es wurden 2 weisse Mäuse und 2 Meerschweinchen, die
ersten mit 0,2 g, die letzteren mit 0,5 g reinen Hundeblutes (aus der
Ohrvene entnommen) geimpft, und darauf erhielten alle Thiere, auch
die Kontrollthiere (eine Maus und ein Meerschweinchen) subkutane
Injektionen der zweiten Vaccine, und zwar die Mäuse 0,1 g, die
Meerschweinchen doppelt soviel. Es erlagen in 48 Stunden nach der
Impfung alle Thiere an Milzbrand, nur eine mit Blut geimpfte Maus
blieb 3 Stunden länger am Leben, als das Kontrollthier.
Die schönen Untersuchungen von Ogata und Jasuhara,
welche der Forschung eine weite Perspektive zu eröffnen schienen
und die Hoffnung erweckten, dass es gelingen werde, auf dem be-
tretenen Wege zu Heilmitteln für Infektionskrankheiten zu gelangen,
haben sich also bei unseren Versuchen in keiner Weise bestätigt.
Sollten die japanischen Thiere (Hunde etc.) einen höheren (vielleicht
1) 1. c. p. 598.
Saccharomyces «picalatus. 157
vollständigen) Grad oder eine andere Art der Immunität besitzen ?
Es wird Aufgabe der japanischen Autoren sein, die Widersprüche
aufzuklären. Jedenfalls scheint uns Prof. Emmerich im Rechte
zu sein, welcher sagt: „Es wird immer zweckmässiger sein, die Heil-
flüssigkeit aus künstlich immunisirten Thieren herzustellen und nicht
ans solchen mit natürlicher Immunität Denn im Thierkörper, der
natürliche Immunität gegen eine bestimmte Infektionskrankheit be-
sitzt, gehen die in denselben eingeführten Krankheitserreger nicht so
rasch zu Grunde, wie im künstlich immunisirten. Hier im künstlich
immunisirten Körper ist eben die Immunität eine komplete, d. h.
sie kann durch geeignete Schutzimpfung zu einer vollständigen ge-
macht werden. In einem von Natur aus refraktären Organismus ist
jedoch die Immunität meist nur eine relative und nur selten komplett
Emmerich bezeichnet es zur Erzielung einer kompletcn Immunität
für nöthig, die erste Schutzimpfung durch intravenöse Injektion
der vollvirulenten, hochgradig verdünnten Kultur vorzunehmen. Seine
Heilungsmethode wird daher nur bei solchen Infektionskrankheiten
Anwendung finden können, bei welchen eine derartige Schutzimpfungs-
methode möglich ist, d. h. von den Thieren vertragen wird.
Meine Arbeit wurde im hygienischen Institut in München unter
Leitung des Herrn Prof. Emmerich ausgeführt, dem ich hiermit
meinen besten Dank ausspreche.
München, den 23. Juni 1891.
Referate.
Amthor, Carl, Beobachtungen über den Saccharomyces
apiculatus. (Chemiker-Ztg. 1891. No. 38. p. 670.)
Bau hat, einem Vorschlag Delbrücks folgend, nicht nur den
Saccharomyces cerevisiae, sondern auch andere Hefearten
in die Reihe der analytischen Reagentien einzuführen, den Saccha-
romyces apiculatus zur Bestimmung des Dextrosegehaltes von
Bierwürzen verwendet, äussert dabei jedoch Zweifel, ob derselbe
die Dextrose vollständig vergährt. — Ueber die scheinbare Zunahme
des Dextringehaltes in Bierwürzen während der Gährung, sowie über
die Bestimmung der Dextrose und des Dextrins in ihnen. (Wochen-
schrift f. Brauerei 1890. No. 42. p. 1069) — Hierzu bemerkt Verf.,
dass es nach seinen (Zeitschr. f. phys. Chem. XII. p. 558) und den
Beobachtungen von Boutroux eine bekannte Thatsache sei, dass
der S. apiculatus noch grössere Mengen von Dextrose, wie solche
im Bier vorkommen, und auch von Invertzucker (in Weinmosten
6f/t— 9V, Proz.) zu vergähren vermag.
Uebrigens hat Verf. schon 2 Jahre vor Bau den S. apicula-
tus zur Bestimmung der Dextrose in Würze empfohlen.
Nach neueren mit Bierwürze angestellten Gährversuchen waren
bis znr Erzeugung des Alkoholmaximums von 1,49 Volum.-Proz. fast
158 Sacchuromjrcts apicnUtsi. — Plasmolyse der Bakterien.
2 Jahre nöthig, weshalb die Bestimmung der Dextrose aus dem durch
S. apiculatus erzeugten Alkohol in der Praxis nicht zu verwer-
then ist.
Auffällig war, dass sich ziemlich beträchtliche Säuremengen ge-
bildet hatten, und zwar betrug der Werth an Oesammtsäure das
3,4 fache desjenigen der ursprünglichen Würze, wobei die flüchtige
Säure überwiegend war.
Ein zweiter Versuch wurde in der Weise ausgeführt, dass eine
sterilisirte Nährlösung, welche Ammoniaksalze, Dextrose und Invert-
zucker enthielt, mit S. apiculatus geimpft wurde.
Der höchste Alkoholgehalt, 4,12 Yoluro.-Proz. , wurde hier erst
nach einem Jahre erreicht Der abdestillirte Alkohol enthielt kein
Fuselöl. Die flüchtige Säure bestand aus Ameisensäure, Essigsäure
und einer geringen Menge einer bei 120 — 125 ° C siedenden Säure.
Die nichtflüchtige Säure enthielt Bernsteinsäure und Milchsäure. Die
Thatsache, dass der S. apiculatus ziemlich rasch, in 16 Tagen,
0,79 Volum.-Proz. Alkohol in Bierwürze erzeugt, während von da
ab fast l1/« Jahre noth wendig waren, um nicht ganz das Doppelte
dieses Alkoholgehaltes zu erzeugen, beweist, dass ausser der rasch
vergährenden Dextrose noch andere Zucker vorhanden sein müssen,
welche nur ganz langsam vergohren werden. H. Will (München).
Fischer, A«, Die Plasmolyse der Bakterien. (Ber. d. K.
sächs. Gesellsch. d. Wissenscb. Mathem.-phys. Kl. Sitz. a. 2. März
1891. p. 52—74 m. 1 Taf.)
Unter Plasmolyse versteht man bekanntlich die Erscheinung,
dass sich das Plasma unter der Einwirkung wasserentziehender Mittel
von der Zell wand abhebt und sich in der Mitte kontrahirt; je wasser-
reicher eine Zelle ist, um so auffallender tritt die Plasmolyse hervor.
An den Bakterien, deren Zellen man ja für sehr plasmareich und
wasserarm hielt, hatte bisher noch Niemand anf jene Erscheinung
geachtet, bis Verf., auf Veränderungen in Bakterien, die er für plas-
molytische erkannte, aufmerksam gemacht, die Sache näher unter-
suchte und zu sehr beachtenswerthen Resultaten kam. In der vor-
liegenden Schrift erläutert er zunächst die Plasmolyse und bespricht
sodann die künstliche Plasmolyse der Bakterien. Um sie hervorzu-
rufen genügt für fast alle Bakterien 1- oder f $ige Kochsalzlösung,
doch empfiehlt sich die Anwendung von 5 giger Lösung. Dann kon-
trahirt .sich das Plasma in 1 oder 2 kuglige Parthien, die durch ihr
anderes Lichtbrechungsvermögen an Sporen erinnern. Diese Zustände
lassen sich fixiren und färben. Wahrscheinlich treten sie oft schon
beim Eintrocknen auf dem Deckglas auf und sind dann mit Sporen-
bildung verwechselt worden.
Verf. zählt die von ihm plasmolysirten Bakterien auf, welche sehr
verschiedene Formen, grosse und kleine, sogar Mikrokokken, repräsen-
tiren. Besondere Beachtung verdient der Typhusbacillus, B u c h n e r 's
„Polkörner" in demselben sind nach Verf. nicht Degenerations-
erscheinungen, sondern durch Plasmolyse verursachte Kontraktions-
zustände, die aber wenigstens unter Umständen als Gemmenbildung
aufzufassen wären.
Plasmolyse der Baktorieo. 159
Ein zweites Kapitel handelt von der natürlichen Plasmolyse der
Bakterien im erkrankten Organismus and in Kulturen. Dass dieselbe
eintreten kann, ist bei der leichten Plasmolysirbarkeit der Bakterien
von vornherein wahrscheinlich, und manche von den Bakteriologen
beschriebene Abnormitäten sind offenbar auf sie zurückzuführen.
Unter diesen Gesichtspunkten bespricht Verf. die von Bostroem bei
Actinomyces beobachteten Erscheinungen: Die Sporen oder Schein-
sporen dieses Pilzes sind wahrscheinlich nur durch Plasmolyse kon-
trahirte Plasmamassen. Sicher nachgewiesen werden konnte die
Plasmolyse pathogener Bakterien im erkrankten Organismus an der
Kaninchen 8 treptoth rix. Dieselbe Form lieferte auch den Beweis,
dass in Kulturen, wenn die Nährflüssigkeiten allmählich ihr Wasser ver-
dampfen, Bedingungen zum Eintritt der Plasmolyse geboten werden.
Welche Folgerungen für Inhalt und Membran der Bakterienzelle
aus den Beobachtungen zu ziehen sind, zeigt das dritte Kapitel.
Sehr wichtig ist der Nachweis, dass der Inhalt der Bakterienzelle
durchaus nicht so unveränderlich ist, wie ihn die bisherigen Prä-
parationsmethoden voraussetzen, dass er im Gegentheil schon durch
schwache Salzlösungen angegriffen wird und offenbar auch beim Eintrock-
nenlassen leicht Kontraktionserscheinungen zeigt. Man kann aber nun
an dem Eintreten und Wiederverschwinden der Plasmolyse erkennen,
ob Bakterien noch lebendig sind, denn bei todten ist dies natürlich
nicht mehr zu beobachten. Ferner wird, wie schon Eingangs ange-
deutet, die Anschauung, dass der Inhalt der Bakterienzelle ein dichtes,
homogenes Plasma sei, dadurch unhaltbar; sie war auch noch von
Er ns t , der die Kerne der Bakterien nachzuweisen suchte, vertreten wor-
den. Dass die von diesem als Kerne angesprochenen Gebilde solche seien,
bestreitet Verf. nicht geradezu, umsomehr aber tritt er den Behaup-
tungen Bütschli'a entgegen. Schon theoretisch sei es sehr unwahr-
scheinlich, dass die niedersten Pflanzen die relativ grössten Kerne
hätten, da ja von den höheren zu den niederen Pflanzen, soweit bis
jetzt bekannt , die Kerne immer an Grösse abnehmen. Was B. als
den grossen Kern in der Bakterienzelle ansieht; ist offenbar nur das
plasmolytisch zusammengezogene Plasma, das noch durch einzelne
Fäden mit der Membran in Verbindung steht, was die Wabenstruktur
des äusseren Plasmas im Sinne B.'s erscheinen lässt. Es würde sich
nach den Anschauungen des Verf. auch erklären, warum die Bakterien-
zelle mit dem Alter an Färbbarkeit verliert: es tritt dann das Plasma
an Menge immer mehr hinter der Vakuolenflüssigkeit zurück, was
sich an der starken Plasmolyse zu erkennen gibt. Das Vorhanden-
sem der Membran wird durch diese Untersuchungen natürlich nur
bestätigt, aber auch über ihre physikalischen Eigenschaften, speziell
ihre diosmotischen Leistungen lässt sich einiges daraus entnehmen.
Vor allem ergibt sich die geringe Durchlässigkeit der Bakterien-
Membran für tödtende Substanzen, z. B. Jod; dasselbe dringt lang-
samer ein, als Kochsalzlösung und fixirt somit den Inhalt nicht vor
der Plasmolyse. Milchsäure und Buttersäure dagegen dringen sehr
schnell ein. Aber gerade über diese Erscheinungen sowie über die
Versuche, durch Konzentrationserhöhung der Kulturflüssigkeit Sporen-
bildung hervorzurufen, sind noch weitere Untersuchungen nöthig und
160 Peritoneale Infektion.
vom Verf. in Aussicht gestellt. Hoffentlich wird dann auch im übrigen
Verhalten Manches, was bisher nur vermuthet wurde, als sicher er-
wiesen werden. Möbius (Heidelberg).
Fraenkel, A«, Ueber peritoneale Infektion. [Aus dem Insti-
tute für pathologische Histologie und Bakteriologie der Universität.}
(Wiener klinische Wochenschrift. 1891. No. 13—15.)
Verf. legt sich zunächst die Frage vor: „Sind die menschlichen
Eiterkokken an und für sich befähigt, ohne lokale prädisponirende
Momente im Sinne Grawitz's auch in relativ geringer Menge die
Peritonealhöhle zu infiziren, und, wenn dies der Fall ist, in welcher
Form erfolgt dies?1" Ueber diese Frage sind 51 Versuche an Ka-
ninchen und Hunden angestellt, und zwar so, dass Staphylococ-
cus und Streptococcus pyogenes in Kultur und im mensch-
lichen Eiter mit Pravaz'scher Spritze in Quantitäten von 0,5 bis
2,0 ccm in die Bauchhöhle eingespritzt wurden. Ob man bei den
gezüchteten Reinkulturen Fleischbrühe, verflüssigte Gelatine oder
physiologische Kochsalzlösung als flüssiges Medium anwandte, erwies
sich für den Erfolg als gleichgültig. In den 51 Versuchen über-
standen 24mal die Thiere den Eingriff. Einige Thiere zeigten nach
der Einspritzung keine Zeichen von Gesundheitsstörung, andere hin-
gegen wurden vorübergebend mehr oder minder schwer krank. Von
den Todesfällen kommen auf
Streptokokkenreinkulturen 9 von 23 Versuchen,
Staphylokokkenkultnren 9 „ 16 „
Staphylokokkeneiter 3 „ 4 „
Streptokokkeneiter 5 „ 7 „
Anatomisch erwiesen sich die Todesursachen als sehr verschie-
dene. Eine Anzahl Thiere lässt nach dem Tode durchaus keine Ver-
änderungen erkennen und selbst mikroskopisch sind in der Bauch-
höhle Mikroorganismen nicht nachzuweisen. Hier handelt es sich um
akute septische Intoxikation. In den Fällen, in welchen
eine wirkliche Infektion stattfand, war der Befund auch wieder ver-
schieden. Erlagen die Thiere in 24 bis 36 Stunden, so fand sich
bei der Obduktion spärliche fibrinöse Exsudation im Abdomen
bei reichlicher Anwesenheit der Mikroben im Bauchfell und im Blute;
erlagen sie erst in 3 — 4 Tagen, so fand sich das Bild akuter
eiteriger Peritonitis. Ueberlebten die Thiere den Versuch um
2—3 Wochen, so zeigten sich in der Bauchhöhle multiple abge-
sackte eiterige Herde in der Bauchhöhle. Es erweisen dem-
nach diese Ergebnisse, dass es entgegen den Behauptungen von
Grawitz gelingt, ohne weitere prädisponirende Momente
lediglich durch die Wirkung der pathogenen Mikroben
Peritonitiden zu erzeugen, welche den klinischen Be-
obachtungen sehr analog verlaufen.
Als zweite Frage stellte sich der Verf.: „Welche Mikroorga-
nismen sind es, die der Peritonitis, wie wir sie am Menschen in
mannigfacher Erscheinungsweise beobachten, als pathogenes Moment
Peritoneale Infektion. Jßl
zu Grunde liegen?4 Es wurden im Ganzen 31 Fälle von mensch-
licher Peritonitis untersucht und mikroskopische Untersuchung, die
Kultur und das Thierexperiment, soweit es die Charakterisirung der
gefundenen Organismen verlangte, dabei in Anwendung gezogen. In
20 Beobachtungen fanden sich Reinkulturen, und zwar:
1) Streptococcus 7mal,
2) Bacterium coli commune 9mal,
3) Bacterium lactis aörogenes 2mal,
4) Diplococcus pneumoniae lmal,
5) Staphylococc us p. aureus lmal.
Stäbchen verschiedener Grösse und Dicke, wo im Plattenkultur-
verfahren aber in überwiegender Menge Bacterium coli aufging,
fanden sich 3mal. lmal war Diplococcus pneumoniae mit
Bacterium lactis a€rogenes zusammen, lmal eine noch nicht
beschriebene, dem Bacterium lactis nahestehende Art da, 3mal
Bakteriengemenge. 4 Fälle wurden mit bakteriologisch völlig nega-
tivem Erfolge notirt.
Wir sehen hier als den häufigsten Befund das Bacterium coli
commune und mehrfach das ihm nahe stehende Bacterium lac-
tis aerogenes verzeichnet, also zwei Bakterien, die Escherich
als konstante Bewohner des menschlichen Darmes uns kennen gelehrt
hat. Um ihre hier tbatsächlich pathogene Rolle zu erweisen, musste
zuerst der Einwand entkräftet werden, dass dieselben nicht. als Fäul-
nisserreger post mortem aus dem Darme in die Peritonealhöhle über-
gewandert seien. Untersuchungen frischer und älterer Leichen er-
gaben, dass eine Durchwanderung der Organismen durch die Darm-
wand nicht stattfindet, dass vielmehr die Fäulniss nicht eher in der
Bauchhöhle eintritt, als sonst in der Leiche und dass dann die ge-
wöhnlichen Erreger stinkender Fäulniss gefunden werden. Die Ab-
wesenheit des Bacterium coli bei den anderen Obduktionsbefunden
der Peritonitis musste schon gegen die Auffassung desselben als
eines saprophyten Pilzes sprechen. Durch Reinkulturen des Bacte-
rium coli gelingt es aber auch, bei Thieren typische Peritonitis zu
erzeugen, und zwar in denselben Formen, welche mit Streptokokken
und Staphylokokken erzeugt werden. Brachte der Verf. ferner bei
Thieren Peritonitis durch Darmocclusion oder Darmperforation zu
Stande, so fand sich in der Bauchhöhle in Reinkultur das Bacte-
rium coli commune.
Verf. beantwortet auf Grund seiner Resultate die dritte Frage,
welche er sich stellt — ob aus den Bakterienbefunden sich ein Ur-
theil über die Art und Weise der peritonealen Infektion bilden lasse
— zunächst dahin, dass der alte Satz sein Recht behalte, D arm-
inhalt erzeuge Peritonitis. Verf. macht dann mit Recht auf
die Wichtigkeit der Erkenntniss des Bacterium coli commune
als pathogenen Organismus aufmerksam und hebt die Bedeutung der
Intoxikation und der verschiedengestaltigen Infektion für das Ver-
ständniss peritonitischer Prozesse hervor.
Schimmelbusch (Berlin).
162 Malaria.
IM Mattet, E., Contributo allo studio dell1 infezione
malarica sperimentale nell1 uomo e negli auimali.
(La Riforma med. 1891. No. 121.)
Die vorliegende Arbeit stellt einen wichtigen Beitrag zur defi-
nitiven Lösung der Frage Aber das Wesen und die Debertragbarkeit
der Malaria dar. Dieselbe umfasst zwei Reihen experimenteller Unter-
suchungen, von welchen die erstere die Debertragbarkeit der Malaria
vom Menschen auf Menschen, die zweite das Studium des Verhaltens
der Tauben gegen künstliche Infektion mit malarischem Tauben- und
Menschenblute und umgekehrt zum Gegenstande hatte.
Die erste Reihe besteht aus folgenden zwei Einzel versuchen:
1. Einem 22-jährigen, mit Quartanfieber behafteten Individuum,
dessen Blut bei täglicher, methodischer Untersuchung (Grassi, Fe-
iet ti und Verf.) nie andere Parasiten aufwies, als die des Quarten-
fiebere, wurden 2 cctn Blut, entnommen einem malarischen Individuum,
welches ausschliesslich Laveranien enthielt, intravenös injizirt
Schon einige Tage darauf konnte man das Auftreten pigment-
loser Plasmodien beobachten und am 25. Tage nach der Injektion
fingen auch Halbmonde zu erscheinen an, welche noch lange im Blute
nachweisbar waren; das Fieber, welches vor der Injektion spontan
aufgehört hatte, entwickelte ßich am 16. Tage und hielt sich mit un-
regelmässigem Typus durch längere Zeit.
2. Einem Individuum mit Laveranien wird Quartanfieberblut in-
jizirt. Vierzehn Tage nach der Injektion fingen die Laveranien an,
allmählich zu verschwinden, die Häroatozoen des Quartanfiebers hin-
gegen aufzutreten. Fieber trat am 15. Tage mit Quartantypus auf
und hält sich, da Pat. jede Behandlung ablehnt, noch heute, trotzdem
seit der Injektion schon fünfzehn Monate verflossen sind, unter dem-
selben Typus.
Die Versuche an Tauben bestanden hauptsächlich
1) in Verimpfüng von Blut infizirter auf gesunde Tauben ;
2) in einigen therapeutischen Versuchen (Tom a seil i);
3) in Verimpfüng von malarischem Menschenblut auf gesunde
Tauben
und vice versa.
Das Resultat dieser an 82 Tauben und 3 erwachsenen Individuen
ausgeführten Versuche war ein durchwegs negatives, indem es nie
gelang, im Blute der künstlich infizirten Thiere und Menschen eine Ver-
mehrung der verimpften Parasiten und Auftreten von Fieber, wie ge-
naue, bei Tauben per rectum ausgeführte Messungen dargethan haben,
zu beobachten. Was die therapeutischen, an mehreren mit Malaria be-
hafteten Tauben vorgenommenen Versuche anbelangt, so hat sich sowohl
Chininuro bisulfuricum subkutan (0,005—0,015 g pro dosi) und intra-
venös (0,01 g p. d.) als auch das Sublimat subkutan (0,0001 g) an-
gewendet, als wirkungslos erwiesen.
Das wichtigste Ergebniss der Versuche M/s ist somit zweifellos
jenes, dass durch Uebertraqung von plasmodienhaltigem Blute vom
Menschen auf Menschen nicht nur die Malarianinfektion, sondern
auch die Reproduktion derselben Parasitenart mit dem für die letztere
charakteristischen Fiebertypus zu Stande gebracht werden kann.
Kamen (Czernowitz).
Malaria. — Krankheit der Engerlinge. 163
ftomanowsky, D., Zur Frage über den Bau der Malaria-
parasiten. (Wracz. 1890. pag. 1171 ff.) [Russisch.]
Die Frage, ob die Malariaparasiten einen Kern enthalten oder
sieht, ist sowohl theoretisch als praktisch von Wichtigkeit. Zwar
haben bereits Celli und Guarneri, sodann 6 ras si undFeletti
über positive Ergebnisse in dieser Hinsiebt berichtet, da aber die
Richtigkeit der Angaben dieser Forscher angezweifelt worden ist und
denselben zahlreiche negative Resultate entgegenstehen, so war eine
Neunntersuchung erwünscht.
Verf. untersuchte das Blut Malariakranker bei 3tägigem Fieber.
Ein Bluttropfen, in sehr dünner Schicht aufs Deckglas ausgebreitet,
wird momentan über der Flamme fixirt und darauf noch 45—60
Minuten bei 105—110° getrocknet. Zur Färbung benutzte Verf.
folgende Mischung: 2 Volumtheile gesättigtes wässriges Methylenblau
und 5 Volumtheile l°/0 wässriges Eosin. Das Präparat wird 1—24
Stunden auf dieser Flüssigkeit schwimmen gelassen, dann abgewaschen
und am besten noch mit starkem Alkohol abgespült Es kann in
Wasser untersucht oder in Kanadabalsam eingeschlossen werden.
Das Protoplasma der Malariaparasiten ist alsdann hellblau gefärbt,
in demselben deutlich ein purpurvioletter, von einem hellen Hof
umgebener Kern zu erkennen ; er hat verschiedene Gestalt und liegt,
wie auch die italienischen Forscher angeben, meist sehr stark ex-
zentrisch. (Auf die meist abweichende Färbung der verschiedenen
Blutkörperchen braucht hier nicht eingegangen zu werden.) In den
Sporulationsformen hat der Kern einen mehr blauvioietten Ton; er
ist hier relativ bedeutend grösser.
Während des Fieberanfalls erweisen sich die erwachsenen Para-
siten grösstenteils als offenbar todt. Neben den jungen, kernhaltigen
ßtadien sieht man die erwachsenen Stadien tingirt, vakuolig und
entweder ganz ohne erkennbaren Kern, oder aber sie enthalten an-
statt eines stark tingirten, kompakten Kerns mehrere getrennte,
schwach gefärbte, winzige Körnchen, — ebenso wie dies bei der
Atrophie der Zellen bei den höheren Thieren der Fall ist.
Rothert (Kazan).
1* lotlt, Le parasite du hanneton. (Comptes rendus de
l'Acad. d. sc. de Paris. T. CXIL No. 19. p. 1081-1083.)
PrilUeux et Delacrolx, Le Champignon parasite de Ia
larye du hanneton. (Compt. rend. T. CXIL No. 19. p. 1079
-1081.)
Le Moult hat zuerst Ende des vorigen Jahres über eine
Krankheit der Maikäferengerlinge berichtet, welche auf
einer Wiese der Domäne de la Pierre in C6auc6 (Orne) die Enger-
linge in auffälliger Weise befallen hatte. Ein Versuch, die Krank-
tet weiter zu verbreiten , gelang. Es wurden die bepilzten Larven
*tf einer Rasenfläche, die von gesunden Engerlingen verwüstet
*wde, in verschiedenen Zwischenräumen eingegraben und mit
Erde bedeckt. Im März bereits fanden sich unter dem Rasen da,
wo 3-4 bepilzte Larven ausgelegt waren , etwa ein halbes Schock
tttankter Engerlinge, obwohl bis dahin grosse Kälte der raschen
11 •
l64 Krankheit der Engerlinge. — Nassftole der RartoffelknoUen.
Verbreitung des parasitischen Pilzes hinderlich war. Kurze Zei
darauf beobachtete Verf., dass beim Pflügen eines Feldes, welche
von dem ersten Fundort 140 m entfernt war und im November nocl
keine kranken Engerlinge enthielt, zahlreiche mumifizirte Larven &
die Oberfläche gebracht wurden, eo dass das Feld wie mit Kalk be
streut erschien. Der Wind verbreitete die Sporen rasch, und gegen
wärtig ist der Pilzparasit bereits auf den ganzen Ländereien voi
C£auc6 vorhanden, auch in der 10 km entfernten Gemeinde Domfron
findet er sich jetzt, wird aber seltener, je weiter man sich von C&
auc6 entfernt, so dass dies ohne Zweifel als der eigentliche Ver
breitungsherd der Krankheit zu betrachten. Die Hauptentwickeluoj
des Pilzes geht im Frühjahr vor sich, und besorgt die Natur durcl
Verbreitung der Sporen sehr rasch die Ausbreitung des Pilzes um
der Krankheit der Maikäferlarven. Le Moult empfiehlt auf Grun<
seiner Versuche, um auch in vom Infektionsherd entfernten Gegendei
die Krankheit zu verbreiten, bepilzte Engerlinge überall da eiozu
führen, wo der Maikäfer in grösseren Mengen auftritt — falls es nick
gelingen sollte, die Pilze in Nährsubstraten im Grossen zu kultivi
ren. — Diese Kultur ist aber inzwischen gelungen.
Als Urheber der Engerlingskrankheit ist von Prillieux irod
Delacroix ein Pilz gefunden worden, welcher mit dem von Bre-
sadola um Trient auf dem Maikäfer gefundenen übereinstimmte
Botrytis tenella Sacc. Derselbe fand sich bei allen von der
Verfassern aus den Departements Orne, Mayenne, Seine-Införieuri
bezogenen erkrankten Engerlingslarven. Die Kultur des Pilzes von
der Spore aus ist den Verff. gelungen. Auf Kartoffeln und in zucker-
haltigen Nährlösungen erzeugte der Pilz reichlich Sporen, dagegen
wenig Mycelium, auf stickstoflreicheren Nährböden, wie auf Gelatine
mit oder ohne Zuckerlösung etc. findet umgekehrt eine üppige Mycel-
bildung statt. Ein geringer Glycerinzusatz schien die Sporenbildung
zu beschleunigen. Von den Kartoffelkulturen aus wurden die Sporen
in Wasser vertheilt und wurde mit diesem Erde begossen, in der
pilzfreie Engerlinge gehalten wurden. Schon nach 14 Tagen waren
diese sämmtlich todt und von dem charakteristischen Schimmel be-
deckt; der Pflanzenwuchs wurde durch den Pilz in keiner Weise
geschädigt. Die Versuche bewiesen, dass es wirklich die Botrytis
tenella Sacc. ist, welche im Freien die Engerlinge des Maikäfers
tödtet und nicht etwa ein anderer Pilz. Giard hatte eine Isaria
als den Urheber der Maikäferkrankheit betrachtet. Thatsächlicb
findet sich eine Isaria häufiger, sie soll aber nach Prillieux
und Delacroix die Conidien form einer Sphaeriacee, der Melano-
spora parasitica sein, welche parasitisch auf der Botrytis
Bassiana und verwandten Pilzen gefunden wurde.
Ludwig (Greiz).
Kramer, E., Bakteriologische Un tersuchungen über die
Nassfäule der Kartoffelknollen. (Oesterreichisches l&nd-
wirthschaftliches Centralblatt. I. 1891. p. 11 — 26.)
Der Verf. isolirte zunächst den Verursacher der Nassfäule, gegen
dessen angenommene Identität mit Clostridium butyricuffl
Nassfäule der Kartoffelknolleu. 165
Prazm. (Bacillus amylobacter) sich schon früher einzelne
Stimmen erhoben hatten, mit den bekannten bakteriologischen Hilfs-
mitteln. Im Gegensatz zu dem durchaus anaäroben Clostridium
haben wir es bei dem Erreger der Nassfäule mit einem aeroben
Bacterium zu thun, das Gelatine ausserordentlich rasch verflüssigt;
es bildet Stabchen von 2,5 bis 4 p Länge und 0,7 bis 0,8 <u Breite.
Ketten- und Fadenbildung tritt häufig auf den künstlichen Nährböden
auf. Die beiderends abgerundeten Stäbchen zeigen Eigenbewegung.
In älteren Kulturen treten auch dickere, ellipsoidische Formen mit
stark entwickelter Membran auf. Hier wurde auch die Sporenbildung
beobachtet, welche nach dem gewöhnlichen Typus verläuft und mit
einer durch auftretende stärkere Lichtbrechung sich bemerklich
machenden Differenzirung des Plasmas beginnt. Die fertigen Sporen
fallen das ganze Lumen der Zelle aus.
Auf Gelatine und Agar bildet das Bacterium kleine, schmutzig-
weisse, schleimige Tropfen mit scharf begrenzten Räudern ; auf ersterer
bildet sich durch Verflüssigung schnell ein Trichter, auf dessen
Grande die Kolonie liegt. Charakteristisch sind die Strichkultureu
auf Gelatine. Schon nach 12 Stunden wird im Impfstrich die Kultur
als 8chmutzig-weisse, erhabene Linie sichtbar, seitlich beginnt die
Ausbreitung, welche am Rande gebuchtet erscheint, so dass das
Ganze die Gestalt eines Blattes bekommt, mit Mittelrippe und ge-
buchteten Randern. Mit Lackmus und Karmin gefärbte Gelatine wird
durch den Mikroorganismus der Nassfäule bald entfärbt. In dextrose-
haltiger Nährlösung entwickelt er sich kräftig unter Bildung von
Kohlendioxyd und Buttersäure. Ebenso gedeiht er in mit Ammon-
tartrat und sonstigen Nährsalzen versehenem Stärkekleister, löst aber
die Stärke Dur in sehr geringem Grade und bildet Buttersäure darin
überhaupt nicht. Ebenso gering ist sein Lösungsvermögen gegenüber
Cellulose.
Infektionsvcrsucbe mit Reinkulturen des aufgefundenen B a c t e r i -
ums in einem wässrigen, mit 1 — 2ü/0 Dextrose versetzten Kartoffel-
breiauszug angestellt, bestätigen durchaus die Auffassung desselben als
alleinigen Erregers der Nassfäule. Die Art und Weise der Infektionen
war folgende: Gesunde Kartoffeln wurden zunächst von anhaften-
der Erde und dergl. mechanisch gereinigt, oberflächlich mit Sublimat-
lösung sterilisirt, dann mit sterilisirtem Wasser abgespült und je eine
in die sterilisirte Nährlösung gebracht. Diese wurde dann mit dem
Nassfäuleerreger geimpft, und wenn auch natürlich bei der Komplizirt-
heit der Versuchsanstellung nicht immer, so doch in einer Anzahl
von Fällen, entwickelte sich in den so beschickten Apparaten eine Rein-
kultur des Impfmaterials. Von Zeit zu Zeit wurden einzelne Gefässe
geöffnet und die in ihnen liegenden Kartoffeln untersucht: dieselben
zeigten auch in den Gefässen, wo die Reinkultur gelungen war, alle
Erscheinungen der Nassfäule, womit der Beweis geliefert ist, dass der
beschriebene Mikroorganismus und nur dieser der Erreger der Nass-
fäule ist Die Eintrittswege für ihn in das Innere der gesunden
Knolle bilden da, wo keine zufälligen Verletzungen vorhanden sind,
die Lenticellen, die bei reichlicher Feuchtigkeit üppig wuchern.
Die in die Knolle eingedrungenen Bakterien zersetzen zunächst
166 Untere ochuogtmttlodea, Ioitrumenft* etc.
die vorhandenen löslichen Kohlehydrate (Zucker) unter Bildung von
Kohlensäure und Buttersäure, dann lösen sie die Intercellularaubstanz
auf und greifen auch die Zellmembranen an: Stadium der sauren
Reaktion des Knolleninhalts. Die Stärke wird nicht verändert Die
Eiweissstoffe erleiden durch denselben Organismus eine faulige Zer-
setzung, die unter Entbindung von Ammoniak (das mit Nessler's
Reagens nachgewiesen wurde), Methyl- und Trimethylamin (durch
Bildung des Platinchlorür- resp. Platinchloriddoppelsalzes nachge-
wiesen) einhergeht. Diese Basen neutralisiren zunächst die zuerst
gebildete Buttersäure und bringen im Ueberschuss die alkalische
Reaktion des zweiten Stadiums der Nassfäule hervor. Ganz dem
Gange des durch das gefundene Nassfäulebacterium in den Knollen
hervorgerufenen Zersetzungsprozesses entsprechend, werden stärke-
reiche, dagegen zuckerarme Knollen viel weniger angegriffen, als
zuckerreiche.
Die Gährungßvorgänge , welche das Bacterium in künstlichen
Nährlösungen hervorruft, sind identisch mit denen in der Kartoffel
Buttersäuregährung in dextrosehaltigen, faulige in pepton- oder eiweiss-
baltigen Flüssigkeiten. Die Vermuthung, dass dasselbe identisch sei
mit dem Hueppe'schen Bacillus butyricus, erwies sich als
irrthümlich bei Kultur des Nassfäulebacillus in sterilisirter Milch,
in der selbst nach 3 Wochen keine weitere Veränderung als Gerinnung
des Gaseins hervorgebracht war, keine faulige Zersetzung, wie sie
der Bacillus butyricus einleitet Behrens (Karlsruhe).
Untersuchungsmethoden, Instrumente etc.
Bakteriologisches von der medizinisch-wissenschaftlichen
Ausstellung des X. internationalen medizinischen
Kongresses zu Berlin, 4 — 9. August 1890.
Die anlässlich des X. internationalen medizinischen Kongresses zu
Berlin, 4.-9. August 1890, veranstaltete medizinisch* wissenschaftliche
Ausstellung gestaltete sich in quantitativer und qualitativer Beziehung
zu einer der reichhaltigst beschickten Fachausstellungen. Sie brachte
denn auch auf dem heute so umfassenden Gebiete der Bakteriologie
manches Neue und viel des Interessanten. Es liegt nicht in unserer
Absicht, über alle hervorragenden Ausstellungsobjekte des erwähnten
Gebietes berichten zu wollen, wir werden uns vielmehr auf das Her-
vorheben einiger ein spezifisch bakteriologisches Interesse bean-
spruchenden Gegenstände beschränken müssen.
Das kaiserliche Gesundheitsamt (Berlin) führte die ex-
perimentellen Resultate der Arbeiten über die Aetiologie des Schar-
lach (Reinkulturen des pathogenen Streptococcus conglome-
ratus Kurth), der Influenza (Streptococcus Friedrich) und
Umennchaogsmethodeo, Instrumente etc. 167
der Purpura haemorrhagica (von Kolb isolirter Bacillus) vor.
Die von Petri, Maassen und Säger zum Theil synthetisch
dargestellten Ptomalne und Toxine, darunter auch das aus Cholera-
kulturen gewonnene und für Versuchsthiere sehr giftige „Toxopepton"
nahmen das Interesse des Fachmannes in hohem Grade in Anspruch.
Eine von Heyroth zusammengestellte Ausrüstung mit den nöthigen
Apparaten und Geräthen zur Entnahme und sofortigen bakteriologi-
schen Untersuchung von Wasser an Ort und Stelle zeichnet sich da-
durch aus, dass sie trotz ihrer Vollständigung kompendiös und be-
quem transportabel ist. Hieran schliesst sich ferner ein verbesserter
Dampfsterilisator von Petri und eine Heiz Vorrichtung für das Mi-
kroskop von Friedrich.
Weyl und Kitasato (Hygienisches Institut zu Berlin) stellen
Kulturen von Tetanus, Rauschbrand und malignem Oedem aus und
zeigen, dass durch Zusatz reduzirender Stoffe (ameisensaures Natrium,
Resorcin u. s. w.) zum Agar das Wachsthum obligater Anaöroben in
bemerkenswerter Weise begünstigt wird. Aehnlich wirkt indigblau-
suliosaures Natrium, das durch die genannten Anaöroben entfärbt
(reduzirt) wird. Das entstandene Indig weiss fäugt den O ab und
färbt sich daher an der Oberfläche der Kultur blau, während die
tieferen Schichten des Nährbodens farblos erscheinen. Derart gelingt
die Kultur der Anaeroben auch in niedriger (2—3 cm hoher) Schicht,
so dass die Anwendung der neuen Nährböden eine Ersparniss an
Nährmaterial involvirt. Weiter werden Kulturen der erwähnten
Asaeroben in einer mit 0,1 °/0 Na9S versetzten Fleischbrühe ausge-
stellt und hierdurch bewiesen, dass nascirender Schwefelwasserstoff
das Wachsthum dieser Mikroorganismen auch ohne Bedeckung von
Wasserstoff ermöglicht.
Die in stattlicher Zahl vorgeführten mikrophotographischen Ar-
beiten lassen uns deutlich die Höhe sehen, bis zu welcher die Mikro-
photographie bei ihrer Verwendung für die Bakteriologie in der jüngsten
Zeit gediehen ist. Wenden wir uns zunächst zu den vorzüglichen
Programmen von
Loeffler (Hygienisches Institut zu Greifswald). 57 derselben be-
treffen die Bewegungsorgane von Infusorien, Algenschwätmern und Bak-
terien, welche nach der neuen, von ihm angegebenen Methode gebeizt und
gefärbt sind ; 3 stellen Reinkulturen von Diphtheriebacillen dar. Eine
Anzahl der Photogramme ist bereits aus den Publikationen L.'s bekannt,
so die Photogramme mehrerer Infusorien mit Wimpernkleid, eines Infu-
sors mit gefiederten Geissein, des SpirillumUndula mit Geissei-
zöpfen an den Enden, eines grossen Bacillus mit langen korkzieher-
artig gewundenen Geissein, eines kleinen Bacillus aus einem Heuinfus
mit zierlich gewundener Geissei, der Cholerabakterien mit einfacher,
der Typhusbacillen und eines diesen ähnlichen Bacillus mit mul-
tiplen, von deu verschiedensten Punkten des Bacillenleibes ausgehenden
Geisseln, die Bacillen der blauen Milch mit mehreren endständfgen
Gei88eln und die eigentümlichen Haarzöpfe aus Rauschbrandbacillen-
inltaren. Neu sind die Photogramme mehrerer Algenschwärmer einer
grösseren und einer kleineren Art mit einem oder auch zwei kräftigen
Gei83el&den. Die einfachen Geissein der kleineren Art sind, wie ein
16g (Jnter&uchungftineihoden, Instrumente etc.
Photogramm lehrt, aus einer grösseren Anzahl feiner Fädchen zusam-
mengesetzt. Neu sind ferner Photogramme einer grossen Vibrio-
art mit mehreren endstäudigen Geissein, welche meist auch zu einem
Zopf zusammengedreht sind, die Photogramme eines grossen, nicht
näher bezeichneten Bacillus mit piuselartigen Büscheln kurzer bor-
stiger Geissein an den Enden, die Photogramme von Spirillum
rubrum mit mehreren kurzen, einfach gebogenen Geissein wie bei
Spirillum Undula und von Spirillum concentricum mit
mehreren langen, wellig gebogenen Geissein an den Enden. Auf einer
Anzahl von Photogrammen sieht man grosse, nicht näher bezeichnete
Bacillen mit zahlreichen, seitlich entspringenden, langen Geissein;
ferner die Bacillen des malignen Oedems mit einer mindestens ebenso
grossen Zahl von den verschiedensten Punkten des ßacillenleibes
ausgehenden Geissein, wie die Typhusbacillen. 2 Photogramme stellen
den Micrococcus agilis mit seinen langen Geissein dar. lu
4 Photogrammen sind die verschiedenen Entwickelungszustände de*
V i b r i o (?) s p e r m a t o z o i* d e s zur Darstellung gebracht. Das erste
zeigt Kommaformen, zum Theil mit ganz kurzen, stumpfartigeo Fort-
sätzen, das zweite deutliche Gabelungen, die weitereu spirillenartige
Formen mit langen Schwänzen. Merkwürdig ist ein riesiger Bacillus,
welcher von kurzen feinen Wimperu rings umhüllt erscheint. Auf
einem Photogramm sieht man die Oberhaut von Oscillarien, welche
eine breite Querstreifung darbietet. Das Präparat ist in der Weise
gewonuen, dass die Oscillarien wie Bakterien am Deckglase ange-
trocknet, gebeizt, gefärbt und alsdann mit einem kräftigen Wasser-
strahl abgespült werden. Es bleibt dann die eigentümliche, auf dem
Photogramme dargestellte Oberhaut haften. Der Anblick des Photo-
grammes legt den Gedanken nahe, dass die Fortbewegung der Os-
cillarien durch Kontraktionen dieser eigen th Ural ichen Oberhaut vor
sich geht. Die drei Photogramme der Diphtheriebacillen illustriren
die ausserordentlich wechselnde proteusartige Form dieser Mikro-
organismen.
Gaffky (Hygienisches Institut, Giessen) stellte eine Sammlung
von Mikrophotogrammen aus, die eine grosse Zahl neuer Bakterieu-
arteu und -Formen umfassen und sich als Diapositive zur objek-
tiven Darstellung besonders gut für didaktische Zwecke eignen. Aehu-
liche Mikrophotogramme, theils mit langer Expositionsdauer bei Pe-
troleumlicht, theils als Momentaufnahmen bei Blitzlicht angefertigt,
brachten Nenhauss (Berlin), BOhmann (Breslau) u. A., Photo-
gramme der Mikroorganismen des Newawassers Poehl (St. Petersburg).
Eine ganz eigenartige Stellung nehmen die Photographieen ein,
welche Fischer (Hygienisches Institut, Kiel) ausstellte. Die aufge-
nommenen Objekte sind zumeist Kulturen lichtentwickelnder Bakterien,
im eigenen Lichte photographirt, oder Gegenstände, die von Leucht-
bakterienkulturen belichtet wurden. Das Phosphorescenzlicht solcher
Kulturen kann so kräftig sein, dass man z. B. im Dunkeln eine in
die Nähe gebrachte Taschenuhr oder gewöhnliche Druckschrift abzu-
lesen vermag. Die mittelst eines Stein heil1 sehen Aplanaten bei
Verwendung sehr empfindlicher Trocken platten im dunkeln Raum bei
24— 48 stündiger Expositionsdauer erhaltenen photographischen Bilder
zeigen Einzelkolonieen, Stich- und Strichkulturen, leuchtende Fische,
UntersuchungsmethodeD, In»trumente etc. J QQ
die belichteten Kulturgefässe, Taschenuhren, Druckschrift etc. Als
Lichtspeoder fungirten das Bacterium phosphorescens von
Ostseefiscben und aus Nordseewasser, der westindische Leuchtbacillus
und der verflüssigende Leuchtbacillus von den Azoren.
Flügge (Hygienisches Institut, Breslau) stellt Milchkochapparate
aas, die als weitere Vereinfachung des Soxhlet 'sehen Apparates
sich vor allem durch ihre Billigkeit und daher durch eine erhöhte
ZugäDglichkeit für die ärmeren Volksschichten auszeichnen. Eine
wirkliche Sterilisirung der Milch, ein Abtödten aller in derselben vor-
handenen Keime, also auch der widerstandsfähigeren und für den
kindlichen Organismus unschädlichen Milchbakterien, wird nicht an-
gestrebt; es sollen bloss die in der käuflichen Milch etwa vorhandenen
Krankheitskeime und die Gährungserreger vernichtet werden, was
mit den Apparaten vollständig erreicht wird. Denselben Zweck ver-
folgt der von Flügge konstruirte Pasteurisirapparat zum Pasteuri-
siren grösserer Mengen von Marktmilch bei 68 ° , wobei die rohe
Milch in Farbe, Geruch und Geschmack unverändert bleibt. Ein
Modell des T hu rsfield 'sehen Desinfektors ist für Milchsterilisation
im Grossen eingerichtet.
Babes (Bakteriologisches Institut, Bukarest) hatte eine Anzahl
modifizirter oder neuer Apparate, Photographieen, Zeichnungen und
Präparate ausgestellt. Unter den Apparaten sind die elektrischen
Thermoregulatoren bemerkenswert^ welche, wenn wir nicht irren,
Babes zuerst für Kulturzwecke eingeführt hat. Besonders nützlich
dürfte der Apparat zur elektrischen Regulirung von Temperaturen,
welche niedriger sind, als die Aussen temperatur, sein. Die ausge-
stellten Thermostaten und elektrischen beizbaren Objekttische sind
schon in diesem Blatte (Bd. IV. p. 19) beschrieben worden. Die
Pe tri' sehen Schalen sind nunmehr so gestaltet, dass der Deckel
nicht hervorsteht, sondern in den verjüngten oberen Theil des unteren
Gefässes hineinpasst. Doppelschalen für Gasdurchleitung haben zwei
Tubulaturen, solche für Anaärobiose eine Tubulatur. Jene zur direkten
Luftuntersuchung besitzen einen doppelten Deckel, deren unterer der-
art durchlöchert ist, dass die durchgesaugten Luftkeime gleichmässig
auf die Gelatinefläche fallen. Ein Kulturapparat für Anaörobien
vereinigt die Vortheile der Anwendung der Pyrogallussäure mit
jenem der Luftverdünnung. Erwähnenswerth sind ferner sterilisir-
bare Reagenzgläschen , in welchen die Flüssigkeit graduirt werden
kann, dann ein im Ganzen oder auch in seinen Theilen sterilisir-
barer, mit einem Regulator gegen Ueberhitzung versehener Instru-
mentenkasten. Ein Atlas von über 100 Photogrammen neuer Bak-
terienarten oder Varietäten ist geeignet, besonders die Varietäten
des Typhusbacillus in der Typhusleiche, jene des Pneumoniebacteriums,
der Streptokokken und des Diphtheriebacillus zur Anschauung zu
bringen. Die zahlreichen noch nicht publizirten Abbildungen patho-
togisch-histologischer Befunde nehmen 2 grosse Bände ein. Von den
unter dem Mikroskop ausgestellten Präparaten sind unter anderen
jene hervorzuheben, welche ein beim Menschen (eine Art Petechial-
fieber) gefundenes septisches Bacterium darstellen, das die Eigen-
schaft besitzt, bei Thieren autfallende hyaline Entartung der Gefäss-
172 Bakteriolog. t. XX. Kongr. d. deutsch. Gesellschaft f. Chirwgie i. Berlin.
Bakteriologisches vom XX, Kcragress der deutschen
Gesellschaft für Chirurgie, abgehalten vom L — 4. April
1891 zu Berlin.
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Jordan (Heidelberg), Ueber die Aetioiogie des Ery-
sipels.
J. ist der Ansicht , dass ausser dem eigentlichen Erysipel-
Streptococcus nicht bloss der Streptococcus pyogenes
Erysipel hervorrufen könne, sondern auch andere Eitererreger, wie
der Staphylococcus pyogenes. Diese Auffassung, welche also
die Annahme einer spezifischen Natur des Erysipels aufgiebt, stützt
er auf 2 Krankheitsfälle, in welchen nach Phlegmonen Erysipel auf-
trat und in den erysipelkranken Hautparthien ebenso wie in der
ursprünglichen Phlegmone und auch im Blut Staphylokokken aufzu-
finden waren.
Fischer (Strassbur g), Bakteriologische und anatomi-
sche Untersuchungen über die Lymphangitis der
Extremitäten.
Fischer hat von Kranken mit schweren Eiterungen und gleich-
zeitiger Lymphangitis lymphangitische Abscesse, sowie auch kleine
exzidirte Stücke der entzündeten Lymphgefässe bakteriologisch unter-
sucht Das Resultat der Untersuchung war in 8 Fällen von exzi-
dirten entzündeten Lymphgefässen, 3mal Staphylococcus pyo-
genes albus, lmal Staphylococcus pyogenes aureus,
2 mal Staphylococcus cereus albus, lmal Bacillus
coli communis, lmal Mischinfektion von Staphylococ-
cus pyogenes albus und aureus, bei 2 Fällen von typi-
scher Lymphangitis reticularis Staphylococcus pyogenes al-
bus. In 8 lymphangitischen Absccssen wurde gefunden: 4 mal
Staphylococcus pyogenes albus, 3 mal Mischinfektion von
Staphylococcus pyogenes albus und aureus, lmal Misch-
infektion von Staphylococcus pyogenes albus und Strepto-
coccus pyogenes, 2mal Streptococcus pyogenes.
Durch den Transport der Eitererreger in das Lymphge&ss ent-
steht in demselben ein Thrombus, in welchem dieselben Mikroorga-
nismen, wie im ursprünglichen Eiterherd nachzuweisen sind. Der
Thrombus verschliesst aber das Lumen des entzündeten Lymph-
gefässes nicht vollständig, und das Endothel des Lymphgefässes ist
erhalten, obwohl dessen Wand verdickt und mit Rundzellen infil-
trirt ist.
Brunner, Conrad (Zürich), Ueber Ausscheidung patho-
gener Mikroorganismen durch den Scbweiss.
B runner beobachtete eine Hausepidemie von Karbunkel, welche
Vater und Sohn, sowie einen Dienstknaben betrafen. Einer der Pa-
Neue Litteratur. 173
tienten ging an einer Pyämie in Folge des Karbunkels zu Grunde.
Nicht nur im Blut, sondern auch im Seh weisse des Pyämischeo
konnte Brunner die pyogenen Staphylokokken nachweisen. Thier-
vereoche ergaben weitere Beweise für die Ausscheidung pathogener
im Blut kreisender Bakterien durch den Schweiss. So konnte B.
durch das Kulturverfahren bei Schweinen im Speichel und Schweiss
nach Verabfolgung von Pilocarpininjektionen pathogene Bakterien,
welche vorher in das Blut infundirt waren, nachweisen. Ebenso ge-
lang es bei milzbrandkranken Katzen durch Reizung des N. Ischia-
dicos Milzbrandbacillen im auftretenden Schweisse der Zehenballen
aufzufinden.
In der Diskussion berichtet t. Eiseisberg, dass auch ihm es ge-
lungen sei, bei einem Fall von schwerer Pyämie sowohl im Blute als auch
im Schweisse Staphylococcus pyogenes aureus nachzuweisen.
Schimmelbusch (Berlin).
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AYommannsche Buchdruckern (Hermann Pöble) in Jens.
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
Bei. Hofir. Prot Dr. Leockart nd Profisair Dr. Loeffler
In Lelfrff In Omffindd
herausgegeben von
Dr. O. Uhlworm in Cassel.
Verlag von Gustav Fischer In Jena.
X* Band« -°- Jena, den 22. August 1891. -0- No. 6*
Preis ftr den Band (96 Hummern) 14 Mark.
Jährlich erscheinen swei Binde.
-*g Zu beziehen durch alle Bachhandlangen and Postanstalten. |V-
Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Parasiten-
kunde" richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wunsche um Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Auf'
Ȋtze entweder bei der Einsendung der Abhandlungen an die
Redaktion auf das Manuskript sehreiben zu "wollen oder spä-
testens nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an
den Verleger, Herrn Gustav Bischer in Jena, gelangen zu
lassen. Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
eingehende Wünsche berücksichtigen zu können*
Original -Mittheilungen.
Kleine bakteriologische Mitteilungen.
[Aus dem bakteriologischen Laboratorium des Bureau of Animal
Industry, Dept Agriculture, Washington, ü. S. A.]
Von
Dr. Theobald Smith,
Vorstand.
Mit 8 Figuren.
1. Eine Modifikation der Koch'schen Injektions-
spritze.
In dieser modifizirten Spritze wird, wie aus der umstehenden
Figur (Fig. 1) zu sehen ist, der Gummiballon durch eine gewöhnliche!
X.M. 13
178
8m!th,
¥
**- i- (X 7.0
kurze und daher etwas
breite Stempelspritze
ersetzt. Die Koch-
sche Spritze wird an
diese angeschraubt und
nimmt die Stelle der
Nadel ein. Die Stem-
pelspritze kann daher
auch ohne den Koch-
schen Theil gebraucht
werden. Der Hahn ist
nicht noth wendig, wenn
bei dem Handhaben
der Spritze Acht ge-
geben wird. Es ist
daher nur eine Hand
nöthig. Der Koch-
scbe Theil kann ent-
weder trocken oder im
Dampfe sterilisirt und
eine Anzahl davon in
sterilenBeagenzgläsern
vorräthig gehalten wer-
den. Die Stempelspritze
soll öfters in 5% Kar-
bolsäure gelegt werden,
da die äusseren Theile
leicht durch die Hände
infizirt werden können.
Dieses ist besonders
der Fall, wenn der
Koch'sche Theil ge-
legentlich das Austre-
ten der Flüssigkeit zwi-
schen Nadel und Glas
zulässt.
2. Eine einfache Vorrichtung zum Filtriren kleiner
Quantitäten Kulturflüssigkeit.
Diese Vorrichtung, die durch die beigegebene Figur (Fig. 2)
leicht verständlich wird, habe ich schon ein halbes Jahr im Gebrauch.
Die Idee, die ihr zu Grunde liegt, ist daher nicht den vielen anderen
Vorrichtungen entsprungen, die seither veröffentlicht worden und die
zumeist für das Filtriren grösserer Mengen bestimmt sind.
Eine Chamberlandbougie1) wird umgekehrt in ein grosses
Reagenzglas geschoben und letzteres am Rande mit etwas Watte
versehen. Diese Kombination wird nun trocken sterilisirt. Die
1) 81« war die elntige Qualität, die mir iu Gebote »Und.
Klon« bakteriologisch« Mittheilongtn. (79
Kulturflüssigkeit wird mittelst einer Pipette in die Filterzelle laufen
lassen und diese durch einen Gummischlauch mit irgend einem Luft-
druckapparate verbanden. Ich benutzte zur Zeit eine kleine Luft-
druckpumpe, die mit dem Fusse bearbeitet wird. Bei einem Druck
tob */3 Atmosphäre geht das Filtriren schon ziemlich schnell vor
sieb. Es geben immer 15 bis 20 ccm Flüssigkeit, wahrscheinlich
durch Füllung der Poren der Zelle, verloren. Da es mir fast immer
nur um 5 bis 10 ccm zu tbun war, entsprach diese Vorrichtung der
Anforderung sehr gut. Nach dem Filtriren wird die Filterzelle her*
ausgehoben und die Flüssigkeit kann bis zum Gebrauche in dem
Reagenzglase bleiben, vorausgesetzt, dass letzteres mit steriler Watte
verschlossen wird.
Ich halte gewöhnlich eine Anzahl solcher sterilisirter Vorrich-
tungen auf Vorrath, da sie nur einmal gebraucht werden können,
ehe man sie wieder auswascht und frisch sterilisirt
3. üeber einen neuen Kommabacillus.
Anfangs 1889 fand ich im Dickdarm von einigen Schweinen
Kommabacillen, die von den bisher beschriebenen abweichen, indem
sie die Gelatine nicht verflüssigen. Diese Vibrionen lebten im
weichen, nekrotischen Grunde kleiner Geschwüre und waren in Deck-
glaspräparaten oft massenhaft und fast ausschliesslich anzutreffen.
Der besondere Fundort veranlasste mich, sie etwas näher zu unter-
suchen. Nach einigen vergeblichen Plattenkulturen gelang es, eine
Reinkultur zu erhalten.
Die Kolonieen in N&hrgelatine erscheinen in 86 bis 48 Stunden
th kleine, kreisrunde, feingranulirte Scheiben mit bräunlicher Farbe.
Die oberflächlichen Kolonieen sind zu dieser Zeit kleine, runde Auf-
lagerungen, deren Begrenzung nicht ganz regelmässig ist In Roll-
kultaren, wenn die Kolonieen nicht gedrängt stehen, können die
tiefen einen Durchmesser von 0,3—0,5 mm erreichen. Sie besitzen
nach einigen Tagen einige konzentrische Schichten. Nach mehreren
Wochen haben sie ein Aussehen, welches ich am besten mit der
Fläche eines durchgesägten Baumstammes vergleichen kann, auf dem
sehr viele konzentrische Hinge nur schwach angedeutet sind. Unter
nicht naher zu bestimmenden Einflüssen, zu denen vielleicht schwan-
kende Temperatur und theilweises Austrocknen gehören, erscheinen
uf der Peripherie mancher tiefen Kolonieen kurze, dichtgedrängte
Fortsätze, die der Kolonie das Ausseben einer Himbeere geben. Die
oberflächlichen Kolonieen können einen Durchmesser von 3—5 mm
erreichen, wenn das Austrocknen der Gelatine möglichst verhindert
*ird. Sie behalten dabei ihre runde, flache Form und nehmen eine
schwach gelbliche Farbe an.
Auf Agarplatten werden die tiefen Kolonieen 0,5—0,7 mm im
Durchmesser. Die oberflächlichen sind flache, kreisrunde Scheiben
y°Q grauer Farbe und glattem Aussehen. Sie können einen Durch-
besser von 5 mm erreichen. Die Agarkolonieen sind überhaupt
nicht zu unterscheiden von denjenigen vieler gleich schnell wachsen-
*en Bakterien.
12*
180 Smith,
In neutralisirter Bouillon, enthaltend l/A — 1% Pepton, wachsen
diese Organismen sehr gut. In einigen Tagen, bei 36° C, ist die
Flüssigkeit stark getrübt. Im hängenden Tropfen untersucht, er-
scheinen diese lebhaft beweglichen Vibrionen etwas grösser, als Cho-
leravibrionen, in derselben Nährflüssigkeit gezüchtet. Dieses kann
jedoch nicht als ein Unterscheidungsmerkmal dienen, da der Unter-
schied zu klein und schwankend ist. Die Formen sind überwiegend
Kommas. Es gibt auch Spirillen von 1 */i zu 2, manchmal bis zu
10 Windungen. In nicht neutralisirter Bouillon wachsen sie fast
noch besser x). Die Reaktion der ausgewachsenen Kulturen ist schwach
alkalisch. Kürzlich impfte ich auch Gährungskölbchen, enthaltend
Peptonbouillon und 2% Traubenzucker. In der geschlossenen Bohre
fand in keinem Falle Wachsthum statt. Zwei parallele Kultaren mit
Vibrio Cbolerae und Finkler und Prior geimpft, zeigten
immer Trübung der Flüssigkeit in der geschlossenen Röhre. Diese
Vibrionen sind daher strikt aörob und vergähren Zucker ebensowenig
wie die anderen Mitglieder dieser Gruppe.
Milch wird makroskopisch nicht verändert
Auf Kartoffeln erscheint nach einigen Tagen im Thermostaten
eine dünne, gelbliche Auflagerung.
Die Färbung der Geissein gelingt ziemlich leicht nach der
Loeffl er* sehen Methode. Ein Zusatz von Säure zur Ferrotannat-
lösung ist nicht nöthig. Die Geissein scheinen in allen Beziehungen!
denjenigen zu gleichen, dieLoeffler*), Frank el und Pfeiffer9)
für die Choleravibrionen beschrieben haben.
Auf eine Untersuchung der pathogenen Wirkung dieser Komma-
bacillen bin ich nicht näher eingegangen. Einige Tauben, welche
V* cem Bouillonkultur in die Flügelvene erhielten, erkrankten nicht
Auch ein beinahe ausgewachsenes Meerschweinchen, dem 1 Vf cem
einer dreitägigen Bouillonkultur in die Bauchhöhle gespritzt wurde,
blieb gesund. Schliesslich wurde ein hungerndes Schwein mit
300 cem Bouillonkultur gefüttert, welches irgend welche Krankheits-
symptome nachher nicht zeigte.
4. Ueber einige den Friedländer'schen Bacillen nahe-
stehende Kapselbakterien aus dem Darme des Schwei-
nes, zugleich ein Beitrag zur Differenzirung nahe
verwandter Bakterienarten.
Im Laufe der Untersuchungen über Schweinekrankheiten schien
es angezeigt, die Bakterien des Darminhalts verschiedener Thiere
einer oberflächlichen Untersuchung zu unterwerfen. Auf den Gela-
tineplatten von dem Dickdarminhalt von Schweinen befand sich neben
den Kolonieen des fast ausschliesslich vorkommenden Bacillus
1) Diese Thatsachen worden vor zwei Jahren konstatirt. Eunuch prüfte ich sie
alle noch einmal. In saurer Bouillon wuchsen diese Bakterien jetzt nicht. Auch be-
merkte ich eine ziemlich ausgesprochene Neigung zur Hautbildung. Die Haut ist weid-
lich, sehr dünn und brüchig und besteht aus sehr langen, zum Theil trag« beweglichen
Schraubenformen.
Diese Zeitschrift. VI. S. 219.
Mikrophotographischer Atlas d. Bakterienkunde. Tafel XL VII.
3
Kleine bakteriologische Mittheilangen. 131
coli manchmal eine etwas mehr undurchsichtige Kolonie, die sich
kaum von ereteren unterschied. Unter dem Mikroskop fand ich sie
aus kurzen, unbeweglichen Bakterien zusammengesetzt, die unter
Umständen Kapseln zeigten. Bei etwas eingehender Prüfung dieser
Bakterien, aus drei verschiedenen Fällen isolirt, stiess ich auf kleine
Unterschiede und wurde dadurch in eine mehr ausgedehnte, ver-
gleichende Untersuchung hineingezogen, die ich hier in Kürze
wiedergebe.
Besondere war ich geneigt, die Kapseln etwas näher ins Auge
zu fassen, doch stellte es sich bald heraus, dass sie sehr unbeständig
sind1). Ich ging dann zu einer Vergleichung dieser Bakterien, die,
durch andere Arbeit unterbrochen, einige Male wiederholt wurde.
Bei jeder Wiederholung wurden frische Roll- und Plattenkulturen
angefertigt und von Kolonieen geimpft. Zuletzt zog ich in den Ver-
gleich den Friedländ er' sehen Bacillus, der in vielen Beziehungen
diesen nahesteht. Diese Kultur verdanke ich der Liebenswürdigkeit
des Herrn Prof. Dr. Welch in Baltimore. In folgender kurzen
Ueberaicht sind die Darmbakterien und der Friedländer'sche
Bacillus mit den Buchstaben a, b, c und Fr. bezeichnet.
Morphologisch stehen sich diese Bacillen einander sehr nahe.
Es sind aber kleine Unterschiede vorhanden, die nur dann positiv
zum Vorschein kommen, wenn alle unter denselben Umständen unter-
sucht werden. Ich benutzte dazu Peptonbouillonkulturen, ungefähr
24 Stunden alt.
a. Im hängenden Tropfen, am Rande untersucht, zeigen eich plumpe
Bacillen, an den Polen dankler, alt ob hier die Membran verdickt wäre.
Kapseln nicht «u sehen. Gefärbt nnd in Wasser untersucht, waren sie
ungefähr 1,2 p lang und 0,8 — 0,9 p breit
b. Frisch untersucht, enthielt die Kultur kurze Stäbchen, meistens
za zweien vereint. Beide Enden etwas verdickt, wie bei a. Kapseln
am Rande deutlich zu sehen. Im gefärbten Zustande waren sie 1,6 — 1,8 p
lang und 0,8 — 0,9 p breit. Manohe Bacillen etwas länger.
c. Die Bacillen sind etwas plumper, als bei b. Kapseln nicht
sichtbar.
Fr. Diese Bacillen sind o sehr ähnlich. Kapseln undeutlioh, nach
48 Stunden sehr schön zu sehen. Gefärbt, sind die Bacillen 1 — 2 p
lang nnd 1 p breit.
Am zweiten Tage noch einmal untersucht, zeigen Bacillen a, b und
Fr. keinen Unterschied. Bacillen o sind kürzer geblieben. Nach der
Gram 'sehen Methode färben sie sich nicht.
1) Um Kapseln voo Bakterien aus Kulturen sichtbar zu machen, kann ich folgende
einfache Methode empfehlen, die ich schon seit einigen Jahren anwende. Man vertheilt
in einem Tropfen Wasser eine Spur von einer ganz frischen Kultur und untersucht ihn
»U „hingenden Tropfen4'. Stellt man auf den Rand des Tropfens ein, so bemerkt
man, dass die Bakterien, die sich langsam daselbst ansammeln, sich nicht dicht zusam-
men'egen, sondern es bleiben Abstände, die fiberall dieselbe Weite besitzen. Ein ge-
naues Einstellen lässt in vielen Fallen die Kapseln deutlich hervortreten. Diese einfache
Methode setzt uns in den Stand, Kapseln zu sehen, die durch Eintrocknen und Färben
sparlos verschwinden. Bei Bouillonkulturen ist eine Verdünnung nicht nothwendig.
Nicht selten werden bei Bakterienhaufen aus Agarkulturen die Kapseln schon durch die
regelmässigen Abstände zwischen den einzelnen Bakterien angezeigt
182 Smith,
Kulturen auf verschiedenen Substraten wurden öfters auf Kap-
seln untersucht. Ihre Gegenwart scheint an Umstände geknüpft, die
sich nicht bestimmen lassen ; b und F r. sind jedoch mehr ausgesprochene
Kapselbildner als die zwei übrigen Arten. Die Färbung habe ich
ohne Erfolg versucht. Man braucht aber nur den Rand des hängen-
den Tropfens längere Zeit zu beobachten, um sich zu überzeugen, wie
schnell diese Hüllen bei dem Antrocknen verschwinden. Die Bakterien
stehen eine Zeitlang von einander ab, um sich schliesslich dicht an
einander zu legen.
Die Kolonieen, auf Gelatine in Rollkulturen vor dem Austrocknen
geschützt, zeigen bemerkenswerte Unterschiede, wenn sie weit genug
(1—2 cm) von einander abstehen und lange genug beobachtet werden.
Sie betreffen zumeist die oberflächlichen Kolonieen, da die tiefen
nicht von einander zu unterscheiden sind, Fr. ausgenommen. Diese
besitzen einige periphere konzentrische Ringe. Folgende Beschreibung
schliesst daher nur die oberflächlichen ein:
a. Die Kolonieen nähern sich denjenigen von Baoillus colL Sie
breiten sich in einer dünnen Lage aus, von welcher die äussere Zone
sehr dünn ist nnd bei durchfallendem Lichte bläulich erscheint. Der
Rand ist unregelmässig gebuchtet. Später wird die Ausbreitung dicker,
undurchsichtig weiss, und et können gelappte Fortsätze erscheinen, die
den ursprünglichen Durchmesser der Kolonie von 4—5 mm verdoppeln.
In der Mitte der Ausbreitung sitzt eine kleine! knopfformige Erhaben-
heit, die die erste Anlage der Kolonie vorstellt.
b. Kolonieen anfänglich dioker, undurchsichtiger, als bei a. Sie
breiten sich bis zu 4 mm aus und werden allmählich dunner gegen den
Rand zu, der unregelmässig gebuchtet ist Auch hier ein kleiner, meist
zentral gelegener Knopf vorhanden.
o. Die Kolonieen unterscheiden sioh von den vorigen durch grössere
Dicke der Auflagerung, die kreisrund, glattrandig, nicht gebuchtet ist
und bis zu 5 mm breit wird. Der zentrale Knopf auffallend gross, die
ausgewachsene Kolonie daher einem Deckel sehr ähnlich.
Fr. Die Kolonieen sind gewölbte, kreisrunde, glattrandige Auflage-
rungen, 2 — 21/a mm im Durchmesser, mit einem etwas durchscheinenden,
gallertigen Aussehen. Später fliessen diese Kolonieen etwas, wenn die
Rollkultur aufrecht steht. Dieses Herabfliessen der Kolonieen habe ich
einmal anoh bei o beobachtet.
Unter diesen 4 Arten haben wir daher eine Art üebergang von
dem dünnen, ausgebreiteten Waohsthum des Baoillus coli zur hoch-
gewölbten Nagelform des Fr. Baoillus.
In Peptonbouillon bei 36° C sind Kulturen von a, b und c schon
5 Stunden nach der Impfung stark getrübt, während bei Fr. die Flüssig-
keit erst am folgenden Tage schwache Trübung zeigt. Nach einer
Woche findet man bei a die Bouillon stark getrübt, mit Bodensatz
und ohne Decke. Bei b ist neben starker Trübung und Bodensatz
eine dicke gelatinöse Decke vorhanden. Bei c ist die stark getrübte
Flüssigkeit mit einer dünnen Haut bedeckt. Bei Fr. ist die Bouillon
nur schwach getrübt. Auf der Oberfläche schwimmen einige kleine
Membranstückchen.
Kleine bakteriologisch« Mittheünngeo. X83
Eine weitere Veränderung der Bouillon, die bei oberflächlicher
ntersuchung leicht übersehen wird, liegt in der Schleimbildung,
•ei b ist nicht nur die Decke, sondern die ganze Flüssigkeit stark
idenziehend. Die Fädchen lassen sich ein bis zwei Fuss lang ziehen.
»ei a wird die Flüssigkeit etwas später und nie so stark fadenziehend.
lei c ist meist nur die dünne Decke in diesem Zustande, während ich
ei Fr. niemals eine fadenziehende Beschaffenheit angetroffen habe.
Sollten wir nun diese Bakterien nach dem schleimbildenden Ver-
logen ordnen, so würde die Reihe F r., c, a, b sein. Es ist bemerkens-
wert^ dass gerade die erste und die letzte Art dieser Serie die
upselo am deutlichsten zeigte. Dass diese Hüllen mit der Schleim-
»ildung in direkter Beziehung stehen, ist durch diese Thatsache nicht
lasgeschlossen. Sie könnte vielmehr durch zwei Faktoren erklärt
rerden: 1) Die relative Löslichkeit der gebildeten Kapselsubstanz in
ler Bouillon und 2) die Schnelligkeit der Kapselbildung. Nach dieser
Annahme würde die Kapselsubstanz bei F r. sehr spärlich gebildet und
schwer löslich sein, bei b aber sehr reichlich vorhanden und leicht
löslich sein, welches genau der Fall ist.
Die Kidtaren reagiren alkalisch. Diejenigen von a, b und c geben
oach einiger Zeit einen unangenehmen Geruch aus.
Sterile Milch im Thermostaten ist bei a in einer Woche sehr
dickflüssig, noch nicht fest geronnen, bei b schon nach zwei Tagen
dickflüssig, nach 4 Tagen fest geronnen. Bei c ist in einigen Tagen
die untere Hälfte der Milch fest, nach einer Woche die ganze Milch
in einen festen Kuchen verwandelt. Milch mit Fr. geimpft, bleibt
unverändert.
Werden diese sauer reagirenden Milchkulturen wieder zwei Wochen
Bach der Impfung untersucht, so findet man folgende Veränderungen:
a. Fest geronnen. Anf der Oberfläche des Kuchens etwas faden-
riehendes Serum. Biecht wie Sauerteig.
b. Der ganze Kuchen fadensiehend. Die Fttdohen mit Käsebröckeln
bewtit. Riecht wie a.
c Fest geronnen. Etwas Serum auf der Oberfläche des Kuchens,
rieht f&denziehend. Riecht nach Käse.
um die Gährthätigkeit dieser vier Arten unten einander ver-
pichen zu können, wurden Gährungskölbchen mit Bouillon, ent-
haltend */4 o/ö Pepton und 2 °/0 einer Zuckerart, gefüllt und sterilisirt.
Die Kölbchen wurden nach der Impfung gewöhnlich 3 oder 4 Tage im
Brutschrank stehen gelassen, bis alles Wachstbum in der geschlossenen
Rohre aufgehört hatte, welches sich durch das Aufhellen der Flüssig-
*eit kundgab. Die Länge der geschlossenen Röhre in den Kölbchen
^wankte zwischen 12 und 12 7, cm. In folgender Tabelle bedeuten
<ue Zahlen die Röbrenlänge in cm , die durch Gase in Beschlag
genommen wurde. Z. B. bei c war in dem Glykosekölbchen 10/lf
fcr Bahre mit Gas gefüllt. Von diesem worde durch KHO Vf «*-
Hrbirt Ein Theil des CO, rührt wohl von dem kohlensauren Kalium
■*i mit welchem die Bouillon alkalisch gemacht worden war. Die
^Wen sind dessenungeachtet relativ korrekt, da die Kölbchen alle
w derselben Zeit bereitet worden waren.
184
Smitb,
R
b
c
Fr.
Gm
durch
KHO ab-
sorbirt
Gas
durch
KHOab-
sorbirt
Gas
10
11
7,S
durch
KHO ab-
sorbirt
durch
Gas iRBOab-
1 sorbirt
a,s
3,1
6,6
1.1
1,0
1,4
6,8
1
6,4
*,7
»,6
6,3
6,5
3,6
5,3
5,6
S.3
2,3
2,3
0,5
Glykose
Saccharose
Laktose
Es ergibt sich aus diesen Versuchen, dass alle vier Arten fakul-
tative Anaeroben sind, die einige Zuckerarten zu vergähren ver-
mögen. Das gebildete Gas besteht aus CO, und einem explosiven
Gas, wahrscheinlich Wasserstoff. Eine genauere Vergleicbung der
Zahlen zeigt die st&rkste Gasbildung bei c. Bei Fr. ist die Gasbildung
bei Anwesenheit von Milchzucker relativ schwach. Eine weitere in-
teressante Thatsache ist die Unfähigkeit des Bacillus b, Saccharose
zu vergähren. Dieselben Resultate wurden in drei verschiedenen
Versuchen gewonnen. Ueber die Reaktion der Flüssigkeit habe ich
keine genaue Prüfung gemacht. Es würde natürlich nöthig sein, die
Reaktion in beiden Schenkeln der Röhre gesondert zu prüfen.
Die Kartoffelkulturen waren in einigen Beziehungen bemerkens-
wert!). Bei a und b entwickelte sich auf der Kartoffeloberfläche eine
grau durchscheinende, spiegelnde, ziemlich dünne Auflagerung. Das
Wasser, in welches das Kartoffelstück zum Theil tauchte, nur leicht
getrübt Bei c und F r. war die Oberfläche mit einer dicken, rahmig-
weisslichen Auflagerung bedeckt. Das Wasser auf dem Boden des
Reagenzglases war milchig getrübt und oben mit einer Schaumschiebt
bedeckt. Es schien, als ob hier eine Gährung stattfände. Um dieses
nun weiter zu prüfen, wurden Kartoffeln fein zerrieben, bei 60° C
einige Stunden mit Wasser vermengt stehen gelassen, die trübe, flockige
Flüssigkeit in Gährungskölbchen gefüllt und durch viermaliges Er-
hitzen im strömenden Dampf sterilisirt Nach dem Impfen wurden
sie in Thermostaten gestellt. Bei a und b wurde kein Gas gebildet.
Bei c und Fr. war nach einigen Tagen 1/9 resp. V* der geschlossenen
Röhre mit Gas gefüllt, welches bei c aus ungefähr gleichen Theilen
CO, und H, bei Fr. aus ungefähr 1 Theil C02 und zwei Theilen H
bestand1 ).
Auf Agar wachsen die vier Bacillen ziemlich gleich. Nach zwei
Tagen im Thermostaten ist die Agarfläche mit einem ziemlich dicken,
grauen, etwas durchscheinenden Belage bedeckt. Nach zwei Wochen
ist er bei a und b stark fadenziehend. Bei c ist er nur schwach
fadenziehend. Bei Fr. fehlt diese Eigenschaft gänzlich.
Auf eine eingehende Prüfung der Eigenschaften dieser Bakterien
Versuchsthieren gegenüber bin ich nicht eingegangen, da solche Ver-
suche aussichtslos schienen und mir die Zeit fehlte. Mäuse und Ka-
1) Kürslich haben Frankland, Stanley and Frew die Gihrangen dareb
den Friedländ er 'sehen Bacillus chemisch genau stadirt (Referat im Chemischen
Centralblatt. 1890. S. 704). Bei der Gährung von Glykose and Mannit entstehen
Aethylalkohol, Essigsäure, wenig Ameisensäure, eine Spur Bernsteinsäure , ferner CO,
nnd Wasserstoff.
Klein« bakteriologische MittheUangen. Ig5
niochen subkutan geimpft, zeigten keine Störung der Gesundheit.
Einige Kaninchen, intravenös geimpft, blieben auch gesund.
Die Bakterien a, b und c sind, wenn wir uns nach den vorher-
gehenden Thatsachen richten, nahe verwandt, vielleicht als Spielarten
einer einzigen Art zu betrachten« Morphologisch sind sie kaum von
einander zu unterscheiden. Sie sind alle unbewegliche Kurzstäbchen,
die öfters Kapseln zeigen und die Gelatine nicht verflüssigen. Sie
sind fakultative Anaöroben, die Zucker vergähren, mit Bildung von
CO* und H (?) und einer Säure, die Milch zur Gerinnung bringt.
Alle bilden eine fadenziehende Substanz, die bei b sehr reichlich ist
und Milch schleimig macht Unter den kleinen Unterschieden haben
wir etwas abweichendes Kolonieenwachsthum auf Gelatine, welches
dann nur erkannt wird, wenn die Kolonieen, von einander entfernt,
sich ungestört ausbreiten können. Unter den Gährungserscheinungen
finden sich konstante Unterschiede, so z. B. bei c die stärkere Gas-
bildung und die Fähigkeit, auf Kaitoffel Gährung zu erregen und bei
b die Unfähigkeit, Saccharose zu vergähren.
Eine weitere Verwandtschaft dieser Bakterien mit dem Fried-
lau der' sehen Bacillus ist nicht zu verkennen und die verschiedenen
Abstufungen der geprüften Eigenschaften scheinen von c auf Fr. zu
leiten. Besonders möchte ich die gemeinsame Eigenschaft dieser zwei
Arten, auf Kartoffel Gährung zu erregen, hervorheben. Während a
auf der einen Seite auf Bacillus coli hinführt, leitet c auf Fr.
Ein genaueres Studium der pathogenen Bakterien mit stark sa-
prophytischen Eigenschaften deutet auf eine bemerkeuswerthe Varia-
bilität der Arten, die wahrscheinlich durch die verschiedenen Existenz-
bedingungen der Aussenwelt erzeugt wird. Die Variabilität ist zu-
nächst rein biologischer Art Ich besitze z. B. vier Spielarten des
Hog-cholera-Bacillus, die verschiedene Virulenzgrade und verschiedene
Wachsthumsenergieen besitzen 1).
Diese Variabilität drängt auf die Noth wendigkeit besserer Diffe-
renzirungsmittel bei solchen Bakterien, wie ich es z. B. mit dem
Gährungskölbchen anschaulich machen konnte. Selbst bei den ge-
bräuchlichen Methoden ist eine genauere Präzisirung nothwendig.
Das Kolonieenwachsthum auf Gelatine und Agar wird sehr stark durch
Austrocknen beeinflusst und verhält sich daher nicht immer gleich,
besonders nicht, wenn eine mehr empfindliche Bakterienart einmal
auf Platten und ein andermal in Esmarchkulturen untersucht wird.
Das Austrocknen macht die Kolonieen manchmal polymorph, indem
durch eine sehr dünne Schicht trockener Gelatine die darunter liegenden
Kolonieen am Durchbrechen verhindert werden und sich dann knopf-
förmig erheben, statt sich auszubreiten. Um das Austrocknen auch
in Rollkultureii zu verhindern, habe ich seit Jahren die Pfropfe zum
Theil in steriles Paraffin tauchen lassen.
Ich habe vorsätzlich alle Vergleiche mit schon beschriebenen
ähnlichen Kapselbakterien ausgeschlossen, da solche Vergleiche ohne
Untersuchung der Kulturen wohl wenig bezwecken würden und es mir
1) Siebe auch diese Zeitschrift. IX. 1891. No. 10.
186 Klein,
nur auf die Differenzirung der vorhandenen Bakterien ankam. Diese
können vielleicht mit Bact lactis aerogenes von Escherich
identifizirt werden.
Washington, 25. Mai 1891.
Ein neuer Bacillus des malignen Oedems.
Von
Professor E. Klein
in
London1).
Um den Koch' sehen Bacillus des malignen Oedems in Kultur
zu erhalten, wurde nach der üblichen Methode eine Messerspitze voll
von frisch gedüngter Gartenerde einem Meerschweinchen in eine
Hauttasche der Leiste eingebracht. Das Thier hatte am nächsten
Tage ausgedehntes Oedem in der Leiste, Bauch und Thorax, war
sehr schwach und starb ehe noch 36 Stunden abgelaufen waren. Bei
der Sektion zeigte es die typischen Symptome des malignen Oedems,
die genugsam bekannt sind, also hier nicht näher beschrieben zu
werden brauchen. Die übelriechende blutige Oedemflüssigkeit war
dicht erfüllt mit kleinen Stäbchen, viele derselben beweglich, unter
denen auch etwas längere Glieder und selbst fadenförmige Ketten
sich befanden. Auch die letzteren zeigten Beweglichkeit Das Bild,
das man in frischen, ungefärbten und in getrockneten und gefärbten
Deckglaspräparaten erhielt, war dem, das von dem klassischen malignen
Oedem bekannt ist, nicht unähnlich, nur waren in unseren Präparaten
die Fäden und längeren zylindrischen Bacillen viel spärlicher, die
kurzen Stäbchen bei Weitem in der Mehrzahl.
Im Herzblute waren die Mikroben nur sehr spärlich in Deck-
glasaufstrichpräparaten zu finden, und dann nur als kurze Stäbchen.
In der Milz waren sie auch spärlich vorhanden, doch etwas
reichlicher, als im Herzblute, aber nur als Stäbchen, niemals als Fäden.
Es ist hieraus ganz klar, dass schon in der Morphologie der
Bakterien im Thierkörper bestimmte Unterschiede zwischen den klas-
sischen Oedembacillen (Koch) und unseren Stäbchen obwalten. Noch
viel deutlicher geht dies aus dem Kulturverfahren hervor, denn
unsere Bacillen sind ausgesprochene Agroben und verflüssigen die
Gelatine niemals, auch wachsen sie sehr üppig auf normaler Nähr-
gelatine.
In Plattenkulturen erkennt man schon nach 24 Stunden (bei
20° G) die Kolonieen als kleinste, graue, runde Pünktchen, nach
48 Stunden sind die oberflächlich gelegenen zu flachen, grauen, durch-
scheinenden Plaques ausgewachsen, deren Ränder verdünnt und unregel-
mässig gekerbt sind, nach mehreren Tagen ist das Maximum des
1) Dr. W. A. Wood aas Melbourne hat mich in diesen Unterrachvngen uterttfitst.
Ein neuer Bacillus des malignen Oedems. JQ7
Wachsthums erreicht, die Plaques sind mehrere Millimeter breit ; die
in der Tiefe gelegenen bleiben runde, graue Pünktchen, die grössten
von dem Durchmesser eines Stecknadelkopfes, und sind im durch-
fallenden Lichte bräunlich gefärbt. Die Kolonieen sind immer grösser,
wo sie vereinzelt und spärlich liegen, sehr klein, wo sie reichlich und
gedrängt sind.
Im Strich auf der Gelatine bilden sie eine durchscheinende, flache,
graue, bandförmige Ausbreitung mit verdünntem, unregelmässigem
Bande, dabei ist das Band trocken. In der Stichkultur bildet sich
im Impfstich eine weissliche Linie, gegen das untere Ende zu erkennt
man die einzelnen punktförmigen Kolonieen, die den Stich zusammen-
setzen, am oberen freien Ende des Impfstiches findet sich eine flache,
dünne, graue, durchscheinende Platte mit gezacktem Rande. Auf
dem Agar bildet sich im Impfstriche eine schmierige, grau weise,
bandförmige Ausbreitung. Alkalische Bouillon bei 37° C wird schon
in 24 Stunden sehr trübe, bei weiterem Wachsthum bilden sich
reichlich kleinere und grössere Flocken, aber kein Häutchen auf der
Oberfläche der Bouillon. Die Bouillon, anfangs leicht alkalisch, wird
nach 24 Stunden bereits stark alkalisch. Auf der im Dampfkessel
sterilisirten Kartoffel bildet sich im Impfstrich ein leicht gelb gefärbtes
viseides Band. Lakmusgelatine wird durch die Bacillen (in tiefer
Aassaat) entfärbt, die Entfärbung beginnt in der Tiefe und schreitet
allmählich gegen die Oberfläche fort.
Auch in Traubenzuckergelatine wachsen unsere Bacillen, aber
nicht besser, als in normaler Nährgelatine. Wird ein Tröpfchen der
Oedemflüssigkeit mit steriler Salzlösung stark verdünnt (1 Tropfen
auf 10 cem Salzlösung) und dann mit einem Tropfen davon eine
Eprouvette Gelatine inokulirt, diese im warmem Wasser verflüssigt,
geschüttelt und dann erkalten gelassen, so zeigt sich bei nachberiger
Bebrütung bei 20° G die Gelatine in allen Schichten von Kolonieen
unserer Bacillen durchsetzt, die an der Oberfläche gelegenen als
Plaques, die in der Gelatine als Pünktchen. Schon nach 24 Stunden,
spätestens nach 48 Stunden, zeigen sich in den unteren Schichten
der Gelatine im Zusammenhange mit den Kolonieen Gasblasen, jede
Kolonie an einer Gasblase haftend; wo die Kolonieen dicht liegen,
sind auch die Gasblasen zahlreich, bei wenigen Kolonieen sind die
Gasblasen gross und flach. Das Aussehen solcher Kulturröhrchen
ist äusserst charakteristisch ; die obersten Schiebten bleiben frei von
Gasblasen. Auch in Stichkulturen in der Gelatine erscheinen Gas-
blasen in den tieferen Schichten. Die Gasblasen verschwinden in
Uteren Kulturen, und lässt sich ein allmähliches Entweichen derselben
durch die oberflächlichen Schichten ganz bestimmt konstatiren. Aber
in Rücksicht auf die Bildung von Gasblasen in den tieferen Schichten
besteht eine Analogie zwischen unserem Bacillus und dem klassischen
Oedembacillus, doch, wie oben erwähnt, tritt bei unserem Bacillus zu
keiner Zeit Verflüssigung der Gelatine ein.
Die frische Oedemflüssigkeit sowie Kulturen unseres Bacillus
sind auf Meerschweinchen, Kaninchen und weisse Mäuse sehr viru-
lent; die Thiere sind vor Ablauf von 12 Stunden sehr krank und
todt, ehe noch 24 Stunden abgelaufen sind. Werden kleinere Mengen
188 Klein,
von Kultur in Meerschweinchen inokulirt, so kann der Tod bis auf
2 oder 3 Tage hinausgeschoben werden, bei Impfung mit kleinen
Mengen von Gelatinekulturaufscbwemmung oder ein Paar Tropfen
Bouillonkultur zeigen die Thiere wohl eine ödematöse Schwellung an
der Inokulationsstelle, die auch zuweilen ganz ausgebreitet ist, doch
wenn das Thier am Leben bleibt, so entwickelt sich an der Stelle
des Oedems eine harte, strangförmige Geschwulst, die nur allmählich
sich verkleinert und nach 10— 14 Tagen oder später ganz verschwindet
Ein solches Resultat : nämlich ausgebreitetes Oedem, Festwerden der
Geschwulst und allmähliches Verschwinden des Tumors kann experi-
mentell erzeugt werden, wenn man Meerschweinchen zuerst mit kleinen
Dosen (ein Paar Tropfen einer Bouillonkultur oder einer Aufschwemm-
ung einer Gelatinekultur) inokulirt; die Thiere zeigen leichtes Oedem,
sind auch ruhig, fressen nicht, erholen sich aber bald und bleiben
am Leben ; nach Ablauf von 14 Tagen bis 3 Wochen werden sie wieder
inokulirt, diesmal aber mit grossen letalen Dosen (wie durch Kontroll-
thiere beweisbar), doch bleiben sie jetzt am Leben, obgleich sie schon
nach 24 Stunden ausgebreitetes, gut entwickeltes Oedem zeigen.
Nach mehreren Tagen ist statt der weichen Schwellung eine harte
Geschwulst wahrnehmbar, dieselbe verkleinert sich dann allmählich
mit oder ohne Nekrotisirung der darQberliegenden Haut
So wie in dem klassischen malignen Oedem sind auch in unserem
Falle von der Kultur grössere Mengen (V4 — V* ccm einer Bouillon-
kultur) nöthig, um ein letales Resultat hervorzubringen, von der
frischen Oedemflüssigkeit genügt auch in unserem Falle ein Tropfen.
Bei Meerschweinchen ist das ausgebreitete Oedem des subkutanen
und muskulösen Gewebes, die kleine, zuweilen nur leicht vergrösserte
Milz; bei Kaninchen das leichte Oedem und die kleine Milz; bei
Mäusen kein Oedem an der Inokulationsstelle und leicht geschwellte
Milz konstante Erscheinungen, also auch hierin stimmt unser Bacillus
mit dem klassischen Oedembacillus überein. Bei Mäusen enthält das
Herzblut und die Milz die Bacillen etwas reichlicher, als beim Meer-
schweinchen. Interessant ist, wenn man hohe Gelatine mit Oedem-
flüssigkeit des Meerschweinchens, Oedemflüssigkeit des Kaninchens,
Herzblut oder Milzgewebe der Maus inokulirt, so zeigen sich die
Gasblasen in den ersten (Meerschweinchen), spärlich in den letzten
(Maus) und gar nicht beim Kaninchen. Abimpfungen in hoher Gelatine
von allen Kulturen, gleichwohl von welchem Thier, von tiefen oder
oberflächlichen Kulturen herrührend, zeigen stets die Gasblasen in
den tieferen Schichten der Kulturröhrchen.
Messungen an unseren Bacillen in getrockneten und gefärbten
Deckgläspräparaten angestellt, zeigen folgendes:
In der Oedemflüssigkeit des Meerschweinchens:
die kürzesten Stäbchen sind 0,8—1,2 /u lang,
die mittleren „ „ 1,6—2,4 „ „
die längsten „ „ bis 24
die Dicke der Stäbchen 0,7
In der Bouillon und Agarkultur sind die Bacillen viel gleich-
förmiger, was ihre Länge anlangt, 1,6—2,4 /*, ihre Dicke ist 0,7 ,«.
M
Ein neuer Bacillus dee malignen Oedems. 139
In der Gelatine sind sie jedoch im Allgemeinen kurz, 0,8 /<.
Sporenbildung wurde nicht beobachtet, Eintrocknen und Erhitzen
auf 70° 0 tödtet die Bacillen.
Die den Kulturen entnommenen Bacillen im hängenden Tropfen
untersucht, zeigen sich in vielen Exemplaren beweglich, sie schwirren
durch das Gesichtsfeld oder rotiren mit grosser Geschwindigkeit,
manche zeigen nur leichte Beweglichkeit, viele haben nur die zitternde
Molekularbewegung.
Die Bacillen der OedemflQssigkeit, der Milz oder den Kulturen
entnommen, färben sich gut in den gewöhnlichen Anilinfarben, nicht gut
nach Gram. Schnitte durch die gehärtete Haut des subkutanen mus-
kulösen Gewebes der Meerschweinchen mit den gewöhnlichen Anilin-
farben behandelt, zeigen das Gewebe der Cutis bis in die oberfläch-
lichsten Schichten durchsetzt von den Bacillen, ebenso ist das sub-
kutane Gewebe mit denselben erfüllt, entweder gleichmässig vertheilt
oder in grösseren und kleineren Klumpen zusammenliegend; das
letztere ist namentlich der Fall im muskulösen Gewebe, in dem die
Lymphspalten mit den Bacillen dicht erfüllt erscheinen. Die schönsten
Bilder erhält man durch Färbung der Schnitte mit Rubin (mehrere
Stunden), dann wäscht man in Wasser gut aus und färbt nachträg-
lich durch wenige (5—7) Minuten in Methylblauanilinwasser.
Nach Gram färben sich die Bacillen nicht gut Ganz inte-
ressant ist das Vorhandensein von Lymphzellen in dem subkutanen
Gewebe bei den akut verstorbenen Meerschweinchen, die in ihrem
Protoplasma die Bacillen einzeln oder zu mehreren Exemplaren ein-
Bchliessen, doch ist, wie gesagt, das Gewebe der Haut und das sub-
kutane Gewebe überall mit den freien Bacillen durchsetzt Noch
interessanter ist das vollständige Fehlen von Zellen, welche die Ba-
cillen einschliessen, in den Fällen, wo die Krankheit chronisch verläuft
und wo das Oedem einer festen Geschwulst Platz macht. Thiere, die
in dieser Periode sterben oder getödtet werden, zeigen wohl Unmassen
von lebenden Bacillen in dem Gewebe des festen Tumors, auch zahl-
reiche Rundzellen in den Randzonen der Geschwulst, von einem Ein-
schlüsse der Bacillen in solchen Zellen ist aber nirgends eine Spur zu
finden. Wir haben also hier einen weiteren Fall, wo Lymphzellen
Bacillen einschliessen (Phagocytosis), und dieses auch von keinem
Werthe für das Wesen und den Gang der Krankheit ist, denn in den
akuten Fällen — Tod, noch ehe 24 Stunden vorüber sind — wo das
Gewebe der Cutis und das subkutane Gewebe mit Bacillen dicht er-
fällt ist, ist es doch ganz einerlei, ob Phagocyten da sind oder
sieht. Andererseits fehlen die Phagocyten in den chronischen
Fällen, in denen man dieselben hätte nach der Metschnikoff-
schen Anschauung erwarten sollen und wo dieselben doch von Wich-
tigkeit und Werth wären. Der Kontrast in dieser Beziehung, näm-
lich die Gegenwart reichlicher, Bacillen einschlicssender Zellen in den
ainiten, ihre vollkommene Abwesenheit in den chronischen Fällen
ist sehr frappant.
In derselben Gartenerde, mit welcher obige Resultate erhalten
furden, wurde auch die Gegenwart des klassischen Oedembacillus
«onstatirt, und zwar dadurch, dass ich die Gartenerde mit etwas
190 Cohn,
steriler Kochsalzlösung vermischt einer Temperatur von 75° C durch
mehrere Minuten aussetzte. Hierbei wird unser Bacillus getödtet,
während der durch Sporenbildung ausgezeichnete klassische Oedem-
bacillus diese Temperatur überlebt. So erhitzte Gartenerde wurde
in Meerschweinchen inokuürt, und nun enthielt die resultirende Oedem-
flQssigkeit nur den klassischen Oedembacillus.
London, den 18. Juni 1891.
Zur Geschichte der Leguminosenknöllchen.
Von
Ferdinand Cohn
in
Breslau.
Bei den Erörterungen über die Knöllchen der Legumioosen-
wurzeln, die gegenwärtig nach so vielen Richtungen unser Interesse
in Anspruch nehmen, ist eine Untersuchung unberücksichtigt ge-
blieben, welche nicht nur als die erste, umfassende Würdigung
dieser Gebilde in anatomischer, entwickelungsgeschichtlicher und
physiologischer Beziehung unsere Beachtung beansprucht, sondern
auch wegen mehrerer noch jetzt zu prüfender Beobachtungen
verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden. Da diese grund-
legende Arbeit in einer schwer zugänglichen Zeitschrift nieder-
gelegt ist, so sei mir gestattet, ihren wesentlichen Inhalt hier zu re-
feriren.
Im Jahre 1858 erschien in den „Landwirtschaftlichen Mittheilangen,
Zeitschrift der landwirtschaftlichen Lehranstalt zu Poppeisdorf, her-
ausgegeben von Dr. Hartstein. Heft I. S. 34—52" eine Abhand-
lung von Dr. med. J. Lach mann *), „Ueber Knollen an den Wurzeln
der Leguminosen". Hier wurde zum ersten Male das bis dahin über-
sehene fast allgemeine Vorkommen dieser Knöllchen nachge-
wiesen, die von den Physiologen nicht beachtet oder als krankhafte
Auswüchse angesehen worden waren. Linn6 hatte die Knöllchen
bei Lathyrus tuberös us, wo sie die Grösse einer Erbse über-
treffen, bei der Benennung der Spezies benutzt ; aber auch die übrigen
Lathyrus arten besitzen ähnliche, wenn auch meist kleinere Knöllchen.
Lachmann giebt ein Verzeichniss von 40— 50 Arten von Papilio-
naceen, an denen er Knöllchen beobachtete, auch bei Mimosaceen
(Acacia stricta, hispidissima, Lophantha, latifolia)
hat er sie gefunden.
1) Johannes Lachmann(l SSt — 1861) war einer der begabtesten Schüler des
grossen Berliner Physiologen Johannes Müller; er arbeitete vorzugsweise auf zoolo-
gischem Gebiet und hat sich ein dauerndes Denkmal gestiftet durch das Ton ihm in Ge-
meinschaft mit seinem Freunde Eduard Claparede verfasste grosse Werk „Etodes
sur les infusoires et les rhizopodes. Geneve 1868" ; beide Forscher wurden durch einen
frühzeitigen Tod hin weggerafft. Die Kenntniss von Lacbmann's Arbeit über die
Leguminosenknöllchen verdanke ich meinem verehrten Kollegen Prof. W. v. Funke.
Zur Geschichte der Leguminosenknöllchen. 191
„Bei einjährigen Lupinen sitzen die Knölichen nur an der Haupt-
wurzel in geringer Zahl (1—10), bei perennirenden Lupinen ausser-
dem auch sehr zahlreich an den Seitenwurzeln; bei Robinien bilden
sie sich an den dünnen, bei Akazien selbst an haarfeinen Wurzel-
zweigen, beim Klee zumeist oberflächlich, bei anderen selbst in mehreren
Fuss Tiefe. Bald sind sie mit breiter Basis aufsitzend (Lupinus,
Faba), meist aber sehr kurz gestielt, oft handförmig gelappt (Saro-
thamn us u. a.); ihre Grösse variirt von der des Hirsekorns bis zu der
einer Erbse. An den Wurzeln von Lupinus luteus entwickelten
sich die Knölichen in den verschiedensten Bodenarten; nur bei den
in Torf und Heideerde gezüchteten fehlten die Knölichen 1).
Die Anatomie ist bei allen Knölichen wesentlich gleich: Auf
eine Epidermis mit Wurzelbaaren folgt ein aus 5—8 tafelförmigen
Zellenreihen gebildetes, oft Stärke führendes Rindenparenchym.
Dieses umschliesst als Hauptmasse ein Gentralgewebe aus rundlichen
Zellen, die nach innen grösser werden. Zwischen beiden verlaufen
wenige (5?) Gefässbündel aus sehr engen Netz- und Treppengef&ssen
und zartwandigem Prosenchym gebildet, die sich von den Gefäss-
bündeln der Wurzel abzweigen, jedoch nicht bis zur Spitze des Knöll-
ehens reichen. Die Centralzellen enthalten an ihrer inneren Wand-
fläche eine dickflüssige, trübe Protoplasmaschicht, die bald die ganze
Zelle ausfüllt; der Zellkern erscheint homogen, nicht granulös und
dehnt sich zu einer grossen wasserhaltigen Blase aus. Die Trübung
dieser Zellen beruht auf unzähligen kleinen, länglichen, stabförmigen
Körperchen, die aus zwei bis drei Gliederchen bestehen und Vibrionen
gleichen; sie werden durch Jod braun, wie Proteinsubstanz, und
zeigen im Wasser lebhafte Molekular* und zum Tbeil Vibrionenbe-
wegung.
In Uebereinstimmung mit der Anatomie zeigt die Entwickelung,
dass die Knölichen Wurzelzweigen analog sind, die schon sehr früh
*n den Wurzelspitzen im Innern derselben an den Gefässbündeln
(des Centralcylinders) angelegt werden und die Wurzelrinde in einem
deutlichen Spalt durchbrechen ; sie unterscheiden sich von den Wurzel*
zweigen hauptsächlich nur dadurch, dass sich zwischen die Gefäss-
bündel das parenehymatische Gentralgewebe eindrängt. Zwischen
Knollchen und Wurzel bildet sich eine scharfe Abgrenzung aus 2 — 3
Schichten von Rinden(Kork)zellen. Die Knölichen finden sich schon
an unverzweigten Keimwurzeln ; an älteren verholzten Wurzeln sind
«ie nicht mehr vorhanden.
Die Knölichen sind vergänglich, sie überdauern selten ein Jahr ;
sie werden durch einen eigentümlichen Auflös ungsprozess zerstört,
während sich beständig in den jungen Wurzelzweigen neue Knölichen
bilden. Beim Zerfall dehnt sich an den Centralzellen der Zellkern zu
einer wasserhellen Blase mit grossem, homogenem Kernkörperchen aus,
oder der Kern wird selbst zu einem ebenso grossen homogenen
Körperchen ; dieses erscheint sodann gleichsam geschwänzt, indem es
an einem Ende zu einem Faden auswächst, der bis zur Wand der
1) Diese Beobachtung, die Lach mann anerklärlich war, ist jetzt sehr begreiflich,
Kit wir die Entstehung der Knölichen durch Einwanderang von Bakterien aas dem Boden
kennen; offenbar sind in Torf* and Heideerde keine Infektionskeime vorhanden.
192 Mycoderma cftKTisiae.
Zelle reicht, diese durchbohrt und selbst durch 2—6 Zellen hindurch-
wächst, auch sich verzweigt, oft unter netzförmiger Verbindung der
Auszweigungungen ; er gleicht einem Schmarotzerpilz, doch ist die
Pilznatur nicht erwiesen. Gleichzeitig bilden sich im Gentralgewebe,
von der Anheftungsstelle des Knötchens ausgehend, Intercellulargange
aus, die sich zu einer oder mehreren (schizogenen) Höhlen erweitern,
oder die Höhlen entstehen auch durch Auflösung der Centralzellen
(lysigen). Die Höhlen erweitern sich dermassen, dass das ganze
Knöllchen zu einem kollabirten, runzlichen Schlauch wird, der nur
von der Rinde begrenzt und von der durch zahllose Vibrionen ge-
trübten Flüssigkeit erfüllt ist; vielleicht ist die Entwickelung der
vibrionenartigen Körperchen schon ein Schritt zur Zersetzung des
Knöllchens. Bei den Lupinen bleiben die Knöllchen bis zum Ab-
sterben der Wurzel bestehen, obwohl sie sehr früh schon den Zerfall
zeigen ; beim Klee findet man meist frisch gebildete Knöllchen neben
zerfallenen, besonders zahlreich nach Regen.
Lachmann erklärt die Knöllchen nicht für pathologische,
sondern für physiologische Organe. Dass sie die Funktion von
Wurzelschwämmchen haben, d. h. Wasser aufsaugende und der Pflanze
Wasser zuführende Organe seien, bestreitet er; vermuthlich stehen sie
in Beziehung zu der von den Landwirthen allgemein angenommenen Be-
hauptung, dass Blattpflanzen und ganz besonders Papilionaceen (Klee,
Lupine) den Stickstoff der Luft aufnehmen können. In Wahrheit
aber nutzen vermuthlich die Papilionaceen den in Ammoniak und
salpetersauren Salzen gebundenen Bodenstickstoff nur besser, als
andere Pflanzen vermöge ihrer Wurzelknöllchen aus, indem diese als
Speicher zur Ansammlung von Proteinstoffen dienen, die dann später
beim Zerfall den Pflanzen zu gute kommen. Nach Regen, der die
ammoniak- und salpetersauren Salze in die Tiefe spült, haben andere
Pflanzen keine Stickstoffquelle, während die Papilionaceen eine solche
in den Proteinsubstanzen der zerfallenden Knöllchen besitzen. Wenn
die Papilionaceen den Boden mit N bereichern, wie die Landwirthe
behaupten, so hängt dies vermuthlich ebenfalls mit dem Reiehtbom
ihrer Wurzeln und insbesondere der Knöllchen an N- Verbindungen
zusammen; diese sind gewissermaassen Reservoire, die den in gün-
stiger Jahreszeit in Ueberschuss gebotenen Nahrungsstoff und insbe-
sondere den Stickstoff aufspeichern, um ihn in weniger günstiger
Zeit den Pflanzen oder auch dem Boden zurückzuerstatten/1
Breslau, im Juni 1891.
Referate.
Lascht, A., Die Mycoderma und die Praxis. (Der Brau-
meister, Chicago 1891. 20. April. No. 10.)
Der Verfasser hat eine grössere Anzahl von Bierproben, to
welchen Mycoderma cerevisiae beobachtet wurde, einer cbe-
Mycoderma certTisia«. — Bakterien und Milch. 193
mischen Analyse unterworfen und fand, dass diese Mikroorganismen
sich in NährflQssigkeiten der verschiedensten Zusammensetzungen
entwickeln können, woraus er richtig schliesst, dass die chemische
Beschaffenheit der Biere keinen Einfluss auf die stärkere oder geringere
Entwickelung der Mycoderma ausübe.
Ferner weist er durch Experimente nach, dass gewisse Arten
vonMycodermen Geschmacks- und Geruchsveränderungen im Biere
hervorrufen können.
Genauer werden vier Arten beschrieben, welche er Mycoderma
cerevisiae I, II, III und IV nennt.
Sie bilden auf der Oberfläche von Flüssigkeiten eine dünne oder
dicke, glatte oder runzelige Haut von hellgrauer oder weisslich-gelber
Farbe und mattem Aussehen.
Diese Erscheinung tritt gewöhnlich bei einer Temperatur von
20° C binnen 24—48 Stunden ein.
Gestalt und Grössenverhältnisse sind unbestimmt bei Myco-
derma cerevisiae I und III; Mycoderma cerevisiae II und
IV dagegen zeigen ein gleichmässiges Bild.
Die Fortpflanzung erfolgt durch Sprossung (bei sehr langen
Mycel-Formen wurde mitunter Scheidewand-Bildung beobachtet).
In keinem Falle ist es bis jetzt gelungen, Sporenbildung zu
beobachten, und wir müssen bis jetzt annehmen, dass sie sich hierin
von den echten Saccharomyceten verschieden verhalten.
In Bier-Würze gezüchtet, bilden sie Spuren von Alkohol.
Keine der bis jetzt bekannten vier Spezies verflüssigt
10°/o Gelatine (Pepton oder Würzegelatine).
bind diese Bedingungen günstig, so bilden sie auf Gelatine
Mycelien-Erscheinungen.
Die Kolonie auf der Oberfläche der Gelatine ist von weisslich-
gelber Farbe, plattenförmig ausgebreitet oder schalen-
förmig vertieft.
Von Brauereihefe und Hansen 's wilder Hefe unterscheiden
sich die Mycod er ma- Arten auch dadurch, dass die Kolonieen von
weiss lieh er Farbe und matt aussehend und in keinem Falle grau
und glänzend sind.
Als fakultative Anaöroben kann man Mycoderma cere-
visiae II, III und IV bezeichnen, während Mycoderma cere-
visiae I unbedingt freien Sauerstoffs zum Leben bedarf.
Alfred Jörgen sen (Kopenhagen).
Renk, Ueber Marktmilch in Halle. (Münchner medicinische
Wochenschrift. 1891. No. 6 u. 7.)
Der auffallend reichliche schwarze Bodensatz, der sich in der
in seiner Haushaltung verwendeten Milch konstant vorfand, ver-
anlasste R. zu den folgenden Untersuchungen.
Der Bodensatz bestand, wie schon die mikroskopische Unter-
suchung ergab, aus Kuhexkrementen, wie dies schon von Soxhlet
hervorgehoben worden war. R. versuchte die Menge desselben zu
bestimmen. Da Filtration sich als unbrauchbar erwies, so bediente
er sich folgender Methode : ein Liter Milch bleibt in einem schmalen
X.M. 13
J94 Bakterien und Milch. — LimftnschUmm.
Messgefäss durch 2 Stunden ruhig stehen. Alsdann wird die Milch
bis auf 30 cm abgehebert. Der Rückstand wird mit filtrirtem Brunnen-
wasser verdünnt, eine Stunde stehen gelassen, abgehebert und diese
Prozedur so oft wiederholt, bis sich die ganze Schmutzmenge inr einem
Wasser befindet. Jetzt kann sie durch ein gewogenes Filter filtrirt,
getrocknet und gewogen werden. Es fand sich im Durchschnitt aus
30 Proben 14,92 mg Trockensubstanz per Liter, was, den Wasserge-
halt des Kuhkothes zu 80% angenommen, etwa 0,015 gr der feuchten
Masse entspricht. Andere Orte zeigen geringere Verunreinigung der
Milch; Berlin im Durchschnitt 10,3 mg, München 9,0 mg. Das Maxi-
mum der in Halle gefundenen Verunreinigung war 72,5 mg, was einer
Menge von 0,3625 gr frischen Kuhkothes entspricht Die nach
Photogrammen der Filter hergestellten Abbildungen geben eine Vor-
stellung von dem Aussehen und der Menge des mit solcher Milch
konsumirten Schmutzes. Den Grund für die besonders starke Ver-
unreinigung der Marktmilch in Halle liegt in der ungenügenden
Marktpolizei, der Rübenfütterung und der dort üblichen Torfstreu.
Auch der Zahl der in dem Cubikcentimeter Milch enthaltenen
Bakterien nach nimmt die dortige Milch die höchste Stufe ein, indem
R. die Menge cntwickelungsfähiger Keime zwischen 6—30,7 Millionen
im cem bestimmte. Lehmann in Würzburg fand 1,9—7,2 Millionen,
und Ref., dessen in München angestellte Untersuchungen Verf. nicht
berücksichtigt (vgl. d. Centralbl. Bd. VI. S. 553), 1—4 Millionen.
Die Reinhaltung der Kuhmilch ist nicht nur vom Standpunkte der
Appetitlichkeit aus nothwendig, sondern auch insofern, als eine stark
verunreinigte Kuhmilch sich weit rascher zersetzt und selbst durch
die nachherige Sterilisirung nicht mehr zu einer tauglichen Nahrung
für Säuglinge gemacht werden kann. Verf. empfiehlt deshalb strenge
Kontrolle der zum Markt gebrachten Milch und gibt als Maassstab
für den notwendigen Grad der Reinheit folgende Regel: Die Kuh-
milch muss in solchem Zustande der Reinheit nach dem Markt
gebracht werden, dass bei zweistündigem Stehen eines Liters Milch
in einem Gefäss mit durchsichtigem Boden ein Bodensatz nicht
beobachtet werden kann. Escherich (Graz).
Brusllowski, E., Zur Frage über die Rolle der Mikro-
organismen bei der Bildung des Limanschlammes.
(Wracz, Jahrg. 1890. pag. 717 ff., 791 ff., 819 ff.) (Russisch.]
In der Nähe von Odessa befinden sich bekanntlich mehrere so-
genannte Limane, d. i. Seen mit salzigem Wasser, die nur durch eine
schmale Landenge vom Meere getrennt sind. Der Boden dieser Seen
besteht aus einem zähen, plastischen, schwarzen Schlamm, welcher zu
Heilbädern verwandt wird.
Ueber diesen Schlamm hat Prof. Werigo Untersuchungen an-
gesellt, die ihn zu folgenden Ergebnissen führten : Wird der Schlamm
der Luft ausgesetzt, so absorbirt er gierig Sauerstoff und verwandelt
sich in eine pulverige, graue Masse, was vornehmlich auf der Oxy-
dation des Eisensulfids zu Eisenoxydhydrat beruht. Wird diese graue
Masse mit einer Schicht Limanwasser bedeckt, so erscheinen auf ihr
schwarze Flecke, die sich allmählich vergrössern und nach einiger
Limanschlamm. 195
Zeit nimmt der Schlamm seine frühere Beschaffenheit wieder an.
Dieser Reduktionsprozess, bei dem ein Verbrauch von Energie statt-
findet, wird nach Prof. Werigo durch Bakterien bewirkt Sterili-
sirter Schlamm bleibt unbegrenzte Zeit unverändert, nach Impfung
mit normalem Schlamm beginnt aber alsbald die Reduktion.
Verf. unternahm es, diese Schlüsse zu vervollständigen durch
Isolirung und Untersuchung derjenigen Bakterien, welche die Re-
daktion des Limanschlammes bewirken ; und er gelangt zu interessanten
und beachtenswerten Resultaten. Er untersuchte auf Bakterien: 1)
den Limanscblamm, 2) das Limanwasser, 3) starke Lauge (25 ° Beau-
m£) aus den Bassins, in welchen aus dem Limanwasser Salz ge-
wonnen wird, 4) dieses Salz selbst. Ueberall fanden sich dieselben
Bakterien, jedoch in von 1) bis 4) abnehmender Formenzahl; aus
dem Salz wurde nur 1 Form gewonnen. Jede einzelne der isolirten
Bakterienformen wurde, durch Zusatz von Reinkulturen zu oxydirtem
und 8terilisirtem Schlamm in sterilisirtem Limanwasser, auf ihre Wirk-
samkeit bei der Reduktion des Limanschlammes untersucht. Aus
dem Schlamm wurden im Ganzen 13 Bakterien isolirt, von denen 9
völlig unwirksam und so zu sagen als zufällige Verunreinigung des
Schlammes zu betrachten sind; die 4 übrigen Formen erwiesen sich
hingegen als mehr oder weniger wirksam. Im Limanwasser befinden
sich diese 4 letzteren Formen in nahezu reinem Zustand.
Von den Bakterien, welche bei der Reduktion des Schlammes
eine Rolle spielen, stehen namentlich die 3 ersten einander sehr nahe,
sowohl in morphologischer, als auch in physiologischer Hinsicht Es
sind sämmtlich bewegliche, kommaförmige Stäbchen ; bei Kultur auf
Gelatine entwickeln sie flüchtige Stoffe (Aminbasen ?), deren Geruch
an denjenigen des Limanschlammes erinnert; der Gelatine und dem
Bouillon ertheilen ihre Kulturen eine alkalische Reaktion, wie sie auch
dem Schlamme eigen ist ; sie sind an salzhaltige Medien angepasst und
bevorzugen in auffallender Weise Kultursubstrate mit hohem Salzge-
halt; sie sind sämmtlich fakultative Anaerobionten und haben endlich
die reduzirenden Eigenschaften mit einander gemein.
Das Stäbchen No. I hat die Form isolirter, gekrümmter Stäb-
chen, welche unter günstigen Bedingungen zu längeren, geraden Fäden
auswachsen können. Im Uebrigen variirt die Form stark, je nach dem
Kulturmedium. Das beste Medium ist Fleischpeptongelatine mit 2—
5% NaCl1); solche Gelatine wird energisch peptonisirt unter Ent-
wicklung flüchtiger, riechender Stoffe. Die Stäbchen werden hier am
grössten (6 — 8 /u); sie bewegen sich überaus lebhaft und lange nach
Uebertragung in einen Tropfen salzhaltigen Limanwassers, in Süss-
wasser dagegen hören die Bewegungen bald auf. — Auf gewöhnlicher
Gelatine werden die Stäbchen kürzer und dicker, dem Prior-Fink-
ler' sehen Kommabacillus sehr ähnlich; auf Agar-Agar und nament-
lich auf Kartoffel bilden sich sehr dünne, zarte, viel schwächer be-
wegliche Stäbchen. — Die Kolonieen, welche sich bei Plattenkulturen
sowohl in der Gelatine, als auch auf der Oberfläche derselben bilden,
1) Das Optimum des Salzgehaltes der Kulturmedien beträgt 5— 7<>/0 (was ungefthr
dem Salzgehalt des Limanwassers entspricht).
13*
196 Limanschl Ainm .
haben ein sehr charakteristisches Aussehen. Die in der Tiefe der
Gelatine befindlichen Eolonieen erscheinen dem blossen Auge zunächst
gelblich, dann gold-orange; nach 3—4 Tagen bildet sich um dieselben
eine rosa Aureole; besonders charakteristisch ist die Auscheidung
dieses diffundirenden Pigments — die Fähigkeit dazu wird aber bei
andauernder künstlicher Kultur allmählich schwächer. — Die ober-
flächlichen Kolonieen bilden zunächst einen zarten bläulichen Anflug,
bald werden sie aber undurchsichtig, gelb und beginnen die Gelatine
zu verflüssigen. Bei Kultnr im luftleeren Raum behalten sie hingegen
ihr erstes Aussehen, während die tiefen Kolonieen unter diesen Be-
dingungen sich ganz normal entwickeln. — Auf die Stich- und Strich-
kulturen, sowie auf die Beschreibung der Kulturen auf anderen Sub-
straten braucht hier nicht eingegangen zu werden.
Das Stäbchen No. II bildet hellere Kolonieen, welche die Ge-
latine meist nicht verflüssigen und kein diffundirendes Pigment aus-
scheiden. Im Uebrigen ist es dem Stäbchen No. I dermaassen ähn-
lich, dass Verf. es nur für eine Varietät dieses hält
Das Stäbchen No. III bildet hingegen graue Kolonieen von
recht abweichendem Aussehen, welche die Gelatine sehr energisch
verflüssigen. Säet man etwas Schlamm in peptonisirte Fleischpepton-
gelatine, so überflügelt es alle übrigen Bakterien, und man erhält fast
reine Kulturen dieses Stäbchens.
Das Stäbchen No. IV endlich hat ein abweichendes Aussehen:
es ist kurz, dick und gerade, lebhaft beweglich; es bildet weisslicbe,
die Gelatine verflüssigende Kolonieen.
Die reduzirenden Eigenschaften dieser 4 Formen sind ungleich.
Am stärksten sind sie bei dem Stäbchen I. Wird oxydirter und mit
Limanwasser bedeckter Schlamm im Reagenzglas sterilisirt und mit
einem geringen Quantum Reinkultur dieser Bakterie infizirt, so bildet
sich im Thermostaten bei 30° bald (manchmal schon nach einigen
Stunden) auf der Oberfläche des Schlammes ein schwarzer Ring,
welcher sich allmählich vergrössert; wenn jedoch ungefähr die Hälfte
des Schlammes reduzirt ist, so hört der Prozess auf. Das Stäbchen I
ist allein nicht im Stande, denselben zu Ende zu führen. In Kontroll-
versuchen, in denen ebensolche Reagenzgläser mit etwas frischem
Schlamm infizirt wurden, begann die Reduktion erst nach 48 Standen,
aber der Prozess dauerte ununterbrochen fort bis zur Reduktion des
gesammten Schlammes. — Die Stäbchen II und III reduziren allein
noch schwächer, als I. Wird aber der Schlamm mit einer von ihnen
und mit dem Stäbchen I gleichzeitig infizirt, so wird die Redaktion
zu Ende geführt. Am energischsten verläuft sie jedoch bei Infektion
mit allen 3 Stäbchen gleichzeitig; alsdann begann die Redaktion
wenige Stunden nach der Infektion und war nach 16 — 48 Standen
vollendet (in Kontrollversuchen erst nach 7—8 Tagen). — Das Stab-
chen IV reduzirt allein den Schlamm überhaupt nicht; wird es aber
zu einer oder namentlich zu zweien den anderen Bakterien hinzuge-
fügt, so beschleunigt es ebenfalls den Red uktions prozess.
Im luftleeren Raum geht die Reduktion des Schlammes durch
die Bakterien resp. die Bakteriengemische nicht minder energisch,
anscheinend sogar energischer vor sich, als bei Luftzutritt.
LimauachUmm. — ■ Bakterien und Wasser. 297
Steht infizirter und reduzirter Schlamm 2—3 Monate in nur mit
Wattepfropf verschlossenem Reagenzglas, so bildet sich auf seiner Ober-
fläche, obgleich er mit Wasser bedeckt ist, ein sich allmählich ver-
grössernder, grauer Ring, der Schlamm beginnt sich also wieder zu
oxydiren (vermuthlich, weil die Nährstoffe desselben erschöpft sind
uod die reduzirenden Bakterieu ihre Thätigkeit einstellen. Ref.).
In zugeschmolzenen Röhren findet dies nicht statt.
Auf die praktisch-medizinischen Konsequenzen, welche der Verf. aus
seinen Beobachtungen zieht, braucht hier nicht eingegangen zu werden.
Vom wissenschaftlichen Standpunkt scheinen dem Ref. folgeude
2 Resultate von Interesse zu sein : 1) Die Feststellung der Existenz
einer Gruppe von so zu sagen Salzwasserbakterien, welche in auf-
fallender Weise an besondere biologische Bedingungen (hohen Salzge-
halt des Mediums) angepasst sind und einander auch morphologisch
offenbar recht nahe stehen. 2) Das Zusammenwirken mehrerer Bak-
terien bei dem Prozess der Reduktion des Schlammes, welcher durch
jede einzelne derselben nur unvollständig ausgeführt wird (der Verf.
äussert sich nicht näher über die Ursache dieser Erscheinung; Ref.
möchte die Vermuthung aussprechen, dass keine der fraglichen Bak-
terien an und für sich in dem Limanschlamme völlig günstige Lebens-
bedingungen findet, und dass die verschiedenen Arten durch ihren
theilweise verschiedenen Chemismus einander beständig diese Lebens-
bedingungen schaffen). In Rücksicht auf beide Punkte wäre eine
nähere Untersuchung der physiologischen Eigenschaften dieser Bak-
terien (welche in der vorliegenden Arbeit nur eben gestreift sind)
sehr zu wünschen. Rother t (Kazan).
Malyoz, E., Quelques r6sultats d'analyses microbiolo-
giques d'eaux de Li&ge. (Ann. de la Soc. m6d.-chir. de
Lüge. 1890. No. 8 et 9.)
Verf. erläutert die Gesichtspunkte, von welchen aus eine bak-
teriologische Wasseruntersuchung vorgenommen werden soll, bespricht
dann die Wege, auf welchen dem Grundwasser pathogene Mikro-
organismen zugeführt werden können, sowie jene im Boden am
häufigsten vorkommenden Verhältnisse, welche den Bakterientransport
begünstigen oder hindern.
Wenn es sich um die Beurtheilung der Eigenschaften eines
Genasswassers handelt, genügt es nicht, festzustellen, ob das Wasser
zur Zeit ohne Gefahr genossen werden kann, vielmehr soll es sich
unter solchen Bedingungen vorfinden, dass auch in Zukunft eine Ver-
unreinigung desselben nicht zu befürchten ist. Man hat sowohl das
Vorhandensein oder das Fehlen pathogener Mikroorganismen, als
auch die Anzahl sämmtlicher Keime und die Menge organischer
Stoffe zu bestimmen. Ein gewisser Gebalt an letzteren weist, selbst
bei der Abwesenheit von Mikroorganismen, auf eine mögliche In-
fektion des Wassers hin. Enthält das Wasser keine pathogenen
Mikroorganismen und keine verdächtigen chemischen Stoffe, so hängt
es noch von der Anzahl der vorhandenen saprophytischen Bakterien
ab, ob das Wasser als gut geschützt gegen die verschiedenen Ver-
unreinigungswege angesehen werden darf, denn auf diesen können
198 Bakterien und Wasser. — Spirochaeten in Blutegeln.
zu gewissen Zeiten auch pathogene Mikroorganismen in das Wasser
gelangen. Bei zeitlich variablem Keimgehalt kann man auf eine
permanente , ebenfalls verschiedenen Schwankungen unterworfene
Verunreinigungsquelle schliessen.
Verf. hat das Genusswasser der Stadt Lüttich seit einem Jahre
regelmässig von 14 zu 14 Tagen untersucht und mit Ausnahme
einer von Ende Juni bis Mitte August andauernden Periode hohen
Keimgehaltes bloss 20—50 Keime pro ccm gefunden. Das Grund-
wasser aus 10 in den verschiedenen Stadttheilen situirten Pump-
brunnen enthielt 40 — 36000 Keime pro ccm. Typhusbacillen konnten
darin nicht nachgewiesen werden. Ein sog. abyssinischer Brunnen
lieferte keimfreies Grundwasser, trotzdem er sich unter den gleichen
geologischen Verhältnissen und in demselben Stadttheile befand,
wie jene gemauerten Brunnen, deren Wasser den höchsten Keim-
gehalt aufwies. Unterhalb der Ausmündungen des Hauptkanals
hatte das Flusswasser (Meuse) 6000—9000, innerhalb der Stadt
über 1 Million Keime pro ccm. Kräl (Prag).
Pasternacki, Th., Eine neue Methode der Erhaltung und
Kultur der Obermeyer'schen Spirochaeten in Blut-
egeln (Hirudo medicinalis). (Wracz. 1890. pag. 297 ff.)
[Russisch.]
Aus früheren Untersuchungen ist bekannt, dass Spirochaete
Obermeieri bei Temperaturen unter 0° längere Zeit lebensfähig
bleibt. Es fragte sich, wie sie sich im Körper kaltblütiger Thiere
verhält, welche ebenfalls niedrige Temperaturen vertragen. Ein ge-
eignetes Versuchsthier bietet sich im Blutegel dar, welcher, wie sich
Verf. durch vorläufige Versuche überzeugte, bei 0° und selbst beim
Einfrieren in Eis zwar regungslos wird, aber nach dem Aufthauen
und nach Uebertragung in Wasser geeigneter Temperatur (5 — 10°)
wieder auflebt; desgleichen überlebt der Blutegel ein 9 -stündiges
Erwärmen auf 80° (im Thermostaten), nicht aber ein solches
auf 40°.
Zu seinen Versuchen benutzte Verf. Blutegel, welche sich mit
an Spirochaeten reichem Blut von Rückfalltyphuskranken während
des Accesses massig voll gesaugt hatten. Bluttropfen aus dem Darm
derselben wurden für die mikroskopische Untersuchung gewonnen,
indem auf das hintere Körperende einige Körnchen Kochsalz gelegt
wurden, worauf der Egel aus dem Rüssel ein Bluttröpfchen auf ein
vorgelegtes Deckglas ausschied. — Im Ganzen führte Verf. 14 Be-
obachtungen aus.
I. Unmittelbar nach dem Vollsaugen des Blutegels. Spiro-
chaeten in Menge, fast ausschliesslich freie Individuen, Form und
Beweglichkeit ebenso wie in direkt vom Patienten entnommenem Blute.
II — III. Die Blutegel wurden (mittels Kältemischung) in Eis-
stücken eingefroren und dann aufgethaut.
3 Vs Stunden eingefroren: Spirochaeten in Menge, sehr deut-
lich, meist zu Knäueln verflochten; unbeweglich oder nur mit pen-
delnder Bewegung, nur die seltenen freien Individuen in fortschrei-
tender Bewegung.
Spirochaeten in Blutegeln. — Malariaplasmodien in Blutegeln. X99
2 Tage eingefroren (Blutegel todt): Spirochaeten in Menge,
blass und schwer erkennbar; schwache pendelnde und rotirende Be-
wegung, fortschreitende Bewegung fehlt
IV — VIII. Die Blutegel wurden zwischen langsam schmelzenden
Eisstücken , also bei einer konstanten Temperatur von 0 ° gehalten.
1—2 Tage bei 0°: Spirochaeten in Menge, meist freie In-
dividuen, mit lebhafter, fortschreitender und rotirender Bewegung.
3 — 10 Tage bei 0°: Ebenso, nur Spirochaeten grossentheils
zu Knoten und Häufchen verbunden; in diesen fehlt die fortschrei-
tende Bewegung, bei den freien Individuen ist sie schwächer, als oben.
IX — X. Die Blutegel wurden in Wasser bei Zimmertemperatur
(16-17 °) gehalten.
2 Tage bei Zimmertemperatur : Spirochaeten dicker geworden,
spiralige Form deutlich, fortschreitende Bewegung geschwächt.
Nach 4 Tagen: Spiralige Form weniger deutlich geworden; alle
unbeweglich.
XI— XIV. Die Blutegel wurden in Wasser im Thermostaten bei
höherer Temperatur gehalten.
9 Stunden bei 30°: Spiralige Form undeutlich, nur wenige In-
dividuen mit schwacher pendelnder Bewegung. Nachdem das Prä-
parat 3/4 Stunden bei gewöhnlicher Temperatur gestanden hatte,
nahmen viele Spirochaeten ihre gewöhnliche Form und Bewegung
wieder an.
2 Tage bei 25°: Spirochaeten in Menge, aber meist nur
mit Mühe erkennbar und unbeweglich; nur wenige freie Individuen
deutlich spiralig und mit fortschreitender Bewegung.
2 Tage bei 27 ° (der Blutegel stirbt 1 Stunde nach der Ent-
nahme aus dem Thermostaten): Nur wenige Spirochaeten, un-
beweglich und in Reihen gelblicher Körner verwandelt.
1 Tag bei 40,5° (2 Blutegel, beide todt) : ziemlich viele deutlich
spiralige Spirochaeten, meist unbeweglich, nur wenige mit schwa-
cher pendelnder Bewegung.
Als Hauptresultat ergibt sich, dass bei Abkühlung der Blutegel
auf 0° die Spirochaeten sich in denselben längere Zeit lebend
erhalten, und dass im Körper von Blutegeln Spirochaeten resi-
stenter gegen niedere Temperaturen sind, als etwa in Glaskapillaren.
Die Arbeit ist eine vorläufige Mittheilung; nähere Untersuchungen
sind im Gange. Rothert (Kazan).
Sacharow, N., Erhaltung der Malaria-Pias m odien in
lebendem Zustande in Blutegeln. (Wracz. 1890. pag. 644
—645.) [Russisch.]
Im Anschluss an die vorstehend referirte Arbeit von Paster-
nacki theiltVerf. kurz mit, dass auch die Malaria- Plasmodien (vor-
laufig hat Verf. nur mit Plasmodien der Sommerfieber experimentirt)
in derselben Weise konservirt werden können. In Blutegeln, welche,
in ein Stück Eis eingefroren, 1 Woche im Eiskeller gehalten wurden,
fanden sich die Plasmodien in unveränderter Menge ; ihre Beweglich-
keit war sogar grösser, als in direkt vom Patienten entnommenem
Blute; ihre Form war etwas verändert und ihre Grösse verringert.
Rothert (Kazan).
200 Gi/üger Boggen.
PriUleux, Le Seigle enivrant. (Comptes rendus de l'Acad&nie
des scieuces de Paris. Tome CXII. 1891. p. 894 ff.)
In einigen Gemeinden im Departement der Dordogne in der Nähe
der Grenzen der Haute- Vienne , namentlich in den Gebietet) voa
Firbeix, Mialet und Saint- Saud, zeigte der Roggen der letzten Ernte
besondere und sehr scharf markirte toxische Eigenschaften. In einem
Dorfe bei Mialet hatte sich ein Pächter des Dr. Millet, General-
rathes der Dordogne, beeilt, bald nach der Ernte einen Sack Roggen
mahleu uud Brot daraus backen zu lassen. Ungefähr 2 Stunden
nach dem Genüsse dieses Brotes erkrankten alle Personen des Hauses.
Sie wurdeu von einer allgemeinen Abgeschlagenheit befallen and
waren 24 Stunden lang nicht im Stande, irgend eine Arbeit zu ver-
richten, sondern mussten sich niederlegen. In gleicher Weise er-
krankten auch in den Nachbardörfern Leute, welche Brot aus Roggen
derselben Ernte genossen hatten. Leute, welche nach dem Frühstück
auf die Feldarbeit gegangen, wurden in einem Zustande der Bewusst-
losigkeit und des Uebelbefindens aufgefuuden, dass man sie nach
Hause führen musste, da sie allein zurückzukehren unfähig waren.
Thiere, wie Hunde, Schweine, Hühner, denen man von demselben
Brot gegeben, zeigten sich abgeschlagen, wie betäubt und frassen und
tranken 24 Stunden lang nicht. Die durch das giftige Korn hervor-
gerufenen Erscheinungen glichen nicht der durch das Mutterkorn er-
zeugten, sondern denen, welche der Taumellolch hervorruft, waren
aber intensiver und traten rapider auf.
Aehnliche Thatsachen wurden neuerdings auch von den äussersten
Grenzen des russischen Reichs jenseits der Mandschurei aus dem
südlichen Dssurien nahe bei Wladiwostock gemeldet, und Woronin,
welcher Proben von dem Betäubung erzeugenden Roggen zur Unter-
suchung erhielt, fand denselben von einer grossen Zahl der ver-
schiedensten Pilze befallen; aber da gleichzeitig mehrere gekeimte
Körner darunter vorhanden waren, glaubt er die Ursache der Alte-
ration zunächst in den ungünstigen Verhältnissen suchen zu müssen,
unter denen die Ernte erfolgt war. Nichtsdestoweniger legt er der
Pilzvegetation, die sich entwickelt hatte, toxische Eigenschaften bei,
ohne aber die Pilzspezies näher zu bestimmen, die diese toxischen
Eigenschaften besitzt. Vor allem bezeichnet er 4 Formen als be-
sonders verdächtig: Fusarium roseum, Giberella Saubi-
netii, Helminthosporium sp. und Cladospori um her-
barum *).
Die Untersuchung der von Dr. Millet erhaltenen Roggenkörner
gestattete dem Verf. nicht, eine der von W o r o n i n bezeichneten Pilz-
arten als Ursache der toxischen Wirkuug jener Körner anzusehen.
Die Körner waren klein, leicht und zusammengeschrumpft, zeigten aber
an ihrer Oberfläche nicht die zahlreichen Pilze, die Wo ronin ge-
funden. Dafür aber war in ihrem Innern ein mikroskopischer Püz
enthalten, und zwar immer derselbe. Seiu Mycel durchzog die äussere
Schicht des Sameneiweisses. Er bildete an Stelle der verdrängten Schicht
eine aus zahlreichen Fäden bestehende, mehr oder weniger dicke
1) Ausführliches Referat hierüber in einer späteren Nummer.
Untersuchangsmethoden, Instrumente etc. 201
Platte innerhalb der Tegumente rings um das Sameneiweiss. In den
Zellen, welche Kleber and Stärkekörner enthielten, waren die letztern
beiden an ihrer Oberfläche merklich korrodirt, wahrscheinlich in Folge
eines vom Pilze abgeschiedenen diastatischen Fermentes. Hier und
da drangen auch die von der äussern Oberfläche des Stromas aus-
gehenden Filamente in die Tegumente des Kernes. Um den Pilz
zum Fruktifiziren zu bringen, wurden Körner von dem betäubenden
Roggen in die feuchte Luft eines Keimkastens auf die den Boden
desselben bedeckende feuchte lockere Erde gebracht. Bei einer Tem-
peratur von 15—18° hatten sich nach 14 Tagen an der Oberfläche
derselben kleine, weisslich gefärbte, abgerundete und an der Spitze
etwas niedergedrückte Polster gebildet, die aus dicht gedrängten Büscheln
verästelter Fäden bestanden, deren Aeste an der Oberfläche des
Polsters an ihrer Spitze Sporen erzeugten. Dem Verf. scheint der
Pilz dem Bo norden 'sehen Genus Dendrodochi um nahe zu
stehen. Doch zeige er eine besondere Anordnung der Sporen, welche
bei keiner anderen Spezies beobachtet worden sei und die überhaupt
selten vorkomme. Nur de Seynes habe sie bei einer Schimmel-
form von der Ananas gefunden, bei einem Sporochisma para-
doxum. Die Sporen werden nicht wie gewöhnlich äusserlich am
Ende der fruchttragenden Aeste hervorgebracht, sondern im Innern
derselben. Das Plasma, welches den letzten Theil des Astes erfüllt,
differenzirt sich an der Spitze und wird zu einer Spore, welche sich
vollständig isolirt und schliesslich durch eine Oeffnung an der Spitze
des Pilzschlauchs hervortritt. Die Oeffnung schliesst sich nach dem
Hervortreten nicht wieder; es bildet sich vielmehr auf dem Grunde
des offenen Cylinders eine zweite Spore, die sich ebenfalls abtrennt
und aus der Oeffnung hervorgedrängt wird. Derselbe Vorgang wieder-
holt sich noch ein oder mehrere Male, sodass mindestens 3 — 4 Sporen
gebildet werden. In Folge dieser besonderen Art der Sporenbildung
hält sich Verf. für berechtigt, auf die gefundene Form ein neues
Genus zu gründen. O. E. R. Zimmermann (Chemnitz).
Untersuchungsmethoden, Instrumente etc.
Bakteriologisches von der medizinisch-wissenschaftlichen
Ausstellung des X. internationalen medizinischen
Kongresses zu Berlin, 4. — 9. August 1890.
(Schlau.)
Das von Kräl (Bakteriologisches Laboratorium, Prag) ausge-
stellte bakteriologische Museum umfasst 250 Dauerpräparate lebender
Bakterienkulturen, und zwar Gelatine- und Agar-Stich-, Strich- und
Plattenkulturen, Kulturen auf Kartoffel- und Reisscheiben und auf
Rübenkeilen, zum grösseren Theile in zugeschmolzenen, der mikro-
202 Untersnchungsinethoden, Instrumente etc.
atopischen Untersuchung zugänglichen flachen Reagenzröhrchen und
Plattendosen, theils in mittelst Paraffin dicht verschlossenen Glas-
dosen. Von den Kulturen, die durch Aussaat einer sehr geringen
Anzahl von Keimen auf grossen Substratflächen zu einer ausserordent-
lich üppigen und typischen Entwickelung gebracht worden sind, wären
insbesondere die Gelatinestich-, die A garplatten- und die Rüben-
keilkulturen hervorzuheben. Wir erblicken hier in der That so
charakteristische Kulturbilder, dass für die makroskopische Diffe-
renzialdiagnose eine wesentlich sicherere Basis geschaffen zu sein
scheint. Von den durch eine bisher nicht gesehene Ueppigkeit sich
auszeichnenden Rübenkulturen seien erwähnt die Actinomyces-
kultur, eine einer zerklüfteten Gebirgskette ähnliche, 1 cm hohe und
mehrere cm lange schwefelgelbe Auflagerung, der dunkelgrüne,
metallisch schillernde Rasen des Bacillus pyocyaneus, die
mächtigen Rasen der Saccharomyceten, darunter jene der braunen und
schwarzen Hefe mit Luftmycel bedeckt, typische Typhuskulturen auf
Kartoffelscheiben, die bis mehrere cm grossen Einzelkolonieen der
meisten pathogenen Mikroorganismen auf Agarplatten u. a. m.
Neben den vorzüglichen Apochromaten von Zeiss (Jena) and
der Abbe' sehen Zeichenkamera waren auch Reichert (Wien),
Hartnack (Potsdam) und Sei b er t (Wetzlar) apochromatische Ob-
jektive vorhanden, wie überhaupt das Mikroskop und dessen Neben-
apparate reichlich und gut vertreten waren. Von Klönne und
Müller (Berlin) sehen wir unter anderem die von Neuhauss an-
gegebene mikrophotographische Kamera für Petroleumlicht und das
Schulze9 sehe Horizontalmikroskop. Dass die Vervollkommnung
der von Bakteriologen benützten Apparate und Geräthe mit den Fort-
schritten der Bakteriologie gleichen Schritt hält, ja mit selben in ge-
wisser Wechselbeziehung steht, bezeugen die reichhaltigen Ausstellungen
der Berliner Firmen Muencke, Rohrbeck, Lautenschl&ger
und Warmbrunn, Quilitz u. Comp. Besonders sei auf die bak-
teriologischen Normalarbeitsplätze hingewiesen, bei deren Zusammen-
stellung Bedürfhiss mit vollständiger Raumausnützung in Einklang
gebracht wurden. Dann sind noch bemerkenswerth eine Anzahl neuerer
Konstruktionen von Dampf- und Heissluft-Sterilisationsapparaten, der
von Muencke ausgestellte H e y r o t h ' sehe Zählapparat für Doppel-
schälchen, der von Lautenschläger vorgeführte Brieger'sche
Vacuumapparat zur Darstellung leicht zersetzlicher chemischer Krank-
heitsgifte und desselben Autors Dialysator, ferner Kitasato's Bak-
terienfilter. Rohrbeck brachte auch seine zweckmässigen ovalen
Thermostaten für konstante niedrige Temperaturen, He nn ig (Er-
langen) einen Mikrobrenner mit nicht leuchtender und nicht ver-
löschender Flamme, Kagenaar (Utrecht) die Don der s und
van Overbeek de Meyer'sche feuchte Kammer für Beobach-
tungen unter 1—14 Atmosphärendruck. Nährmedien für bakterio-
logische Zwecke waren nur ganz vereinzelt vorhanden. Hingegen
hatten Grübler (Leipzig) eine Reihe gebrauchsfertiger Farbstoff-
lösungen und Präparationsmateriale, Schuchardt (Görlitz) eben-
falls Farbstoffe und eine vollständige Sammlung von Präparaten für
Mikroskopie ausgestellt Kräl (Prag).
üntewnchungsmethoden, Instrumente etc. 203
Soxhlet, Ein verbessertes Verfahren der Milchsterili-
sirung. (MüDchener med. Wochenschr. 1891. No. 19 u. 20.)
Die Umständlichkeit des Verschlusses der Saugflaschen beim
Soxhlet' sehen Milchsterilisirungsverfahren hat zu zahlreichen Ver-
besserungsvorschlägen geführt, ohne dass etwas Befriedigendes in
dieser Beziehung bis jetzt erreicht worden wäre. Meist wurde auf
einen eigentlichen Verschluss ganz verzichtet, wie bei den Flügge-
schen Glashütchen, bei Israel9 s nach abwärts gebogener U-Röhre,
bei Escherichia perforirten Saughütchen u.a. m. Allerdings hält
sich in solchen Flaschen die Milch bei ruhigem Stehen einige Tage
geniessbar, sowie sie aber umgeschüttelt wird und die Bakterien die
Rahmdecke durchdrungen haben, wird sie in kurzer Zeit sauer. Dass
beim umfallen der Flaschen die Milch herausläuft und dieselben auf
Reisen und Ausflüge nicht mitgenommen werden können, fällt ausser-
dem noch diesen „Verschlüssen14 zur Last
Nach langem Suchen hat nunmehr S. eine befriedigende Lösung
dieser Frage gefunden. Die grösste Sicherheit verbindet dieses wirk-
lich geniale Verfahren mit der grössten Einfachheit. „Man füllt die
Flaschen wie bisher, setzt sie in den Flaschenhalter, legt auf die
Mündung jeder Flasche ein glattes Gummischeibchen, schützt es vor
dem Herabfallen oder Verschieben durch ein kurzes Rohrstück aus
verzinntem Eisenblech, welches man über den Flaschenhals stülpt,
stellt den Einsatz in den Kochtopf, erhitzt wie bisher 46 Minuten
und hebt dann den Einsatz sammt Flaschen aus dem Kochtopf her-
aas. Während des Erhitzens wird die in den Flaschen mit einge-
schlossene Luft durch ihre eigene Ausdehnung, dann durch die Aus-
dehnung der Flüssigkeit, sowie durch austretende Wasserdämpfe zu
etwa 6/7 ausgetrieben, hierbei funktionirt die Gummischeibe als Druck-
ventil, welches der Luft ungehinderten Austritt gestattet. Bei der
geringsten Abkühlung der Flaschen schliesst sich dieses Ventil in
Folge eintretender Druckverminderung im Flascheninnern sofort von
selbst, bei weiterer Abkühlung wird die Gummischeibe durch
den äusseren Luftdruck immer tiefer eingestülpt, so einen pneu-
matischen, festsitzenden, luftdichten Verschluss bildend. In der er-
kalteten Flasche herrscht ein negativer Druck von 100 mm Queck-
silber, wodurch die Gummiplatte mit einem Gewicht von 1,2 kg
auf die Flaschenmündung gepresst wird und selbst durch heftiges
Schütteln nicht abgeschleudert werden kann. Für das Zustande-
kommen des luftdichten Verschlusses genügt schon die geringe Ab-
kühlung, die beim Abheben des. Deckels eintritt. Will man die er-
kaltete Flasche öffnen, so braucht man nur an den Rand der Gummi-
scheibe zu drücken und so Luft eintreten lassen/'
Die Mündung der Flasche ist etwas trichterförmig erweitert und
oben abgeschliffen. Selbst durch 200 maliges Kochen blieben die
Gummiplatten unverändert.
Die leichte Reinigungsfähigkeit, der absolute bakteriendichte Ver-
schluss und die einfache Kontrolle über sichere Sterilisirung durch
das Abspringen der Gummiplatte bei zufälligem oder muthwilligem
Eröffnen oder eintretender Gährung sind unschätzbare Vorzüge dieses
Verfahrens. Dasselbe ist seit einem Jahre bereits in verschiedenen
204 Neue Literatur.
Münchener Familien zur grossen allseitigen Zufriedenheit im Ge-
brauch.
Betreffs der Praxis der Sterilisirung und der S&uglingsernahrang
kam S. durch Versuche zu weiteren wichtigen Ergebnissen. Er fand,
dass es Milchsorten gibt, die leicht und solche, die schwer zu steri-
lisiren sind. In der Regel zeigte die Milch eines Stalles Gleich-
mässigkeit hinsichtlich dieses Verhaltens. Die schwer sterilisirbare
Milch gerinnt, 1 Std. lang sterilisirt, innerhalb 3—4 Tagen im Brut-
ofen, bei Zimmertemperatur dagegen bleibt auch sie Monate lang un-
zersetzt. Diese Gerinnung war nicht durch Säurebildung erfolgt,
sondern durch Labferment, das Buttersäure abspaltende Bakterien
gebildet hatten. Die Säurebildung selbst war dabei viel zu gering,
um Gerinnung hervorzurufen. Ungekochte Milch dagegen gerinnt
durch Milchsäurebildung. Dies ergibt, dass eine ungenügende Steri-
lisation die Gährungsvorgänge verschlechtert, da dieselben den Cha-
rakter der Buttersäuregährung annehmen.
Alle gekochte Milch hat aber den Nachtheil, dass sie in Folge
Verminderung der löslichen Kalksalze durch das Labferment des
Magens nicht mehr zum Gerinnen gebracht werden kann. Erst Hin-
zutreten von Säure oder löslichen Kalksalzen im Magen des Kindes
macht sie wieder gerinnungsfähig; dabei scheinen in der Wirklich-
keit, d. h. im Magen des Kindes, die Kalksalze die Hauptrolle zu spielen.
Ein Erhitzen auf höhere Temperatur als 100° ist nicht zweck-
mässig; vor allem findet dabei ein Ausschmelzen von Fett und Bil-
dung von Butter statt, und der so wichtige Emulsionszustand geht
verloren.
Die Sterilisirung der Milch hat also auch ihre Nachtheile, die
aber durch die Vortheile reichlich aufgewogen werden.
Da S. die Schwersterilisirbarkeit der Milch durch Zusatz von
Kuhmist erzeugen konnte, so erachtet er die Produktion einer reinen,
leicht sterilisirbaren Milch als Sache der Technik und unbedingtes
Erforderniss ; er versteht mithin unter Kindermilch eine frische, nor-
mal zusammengesetzte Milch, welche sich durch 3/4—l stündiges Er-
hitzen auf den Siedepunkt des Wassers vollständig oder doch soweit
sterilisiren lässt, dass sie sich bei Brutwärme — 35° — aufbewahrt,
mindestens einen Monat lang unzersetzt hält
Scheurlen (Stuttgart).
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Neue Litteratur, p. 204.
Froaunamwche Buchdruckerei (Hermann Pohl«) in Jena.
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
Geb. M Prot Dr. Leockart m Professor Dr. Loeffler
la Ldpzir tn (irelfmM
herausgegeben von
Dr. O. TThlworm in Cassel.
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
X. Band« -°- Jena, den 29. August 1891. -*- No. 7.
Preis fflr den Band (28 Hummern) 14 stark.
Jährlich erscheinen zwei Bünde.
—^4 Zu beziehen durch alle Buchhandlungen and Postanstalten. |f»
Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Parasiten-
künde" richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wünsche um Lieferung von besonderen Abdrucken ihrer Auf-
sätze entweder bei der Einsendung der Abhandlungen an die
Redaktion auf das Manuskript schreiben zu wollen oder spä-
testens nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an
den Verleger , Herrn Gustav Fischer in Jena, gelangen zu
lassen. Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
eingehende Wünsche berücksichtigen zu können*
Original -Mittheilungen.
Die Kieselsäuregallerte als Nährsubstrat.
Von
P. Sleskln
ans
Moskau.
Die Anwendung der Kieselsäuregallerte als festes Substrat in
der Bakteriologie ist ein neues Verfahren, welches eine grosse
Zukunft haben dürfte für die Kultur vieler Organismen, welche auf
den üblichen, an organischen Stoffen sehr reichen Gelatinenähr-
gemischen nicht zum Wachsen zu bringen sind.
X.Bd. 14
210 Sleskin,
Es scheint mir daher wünschenswert!*, einige Erfahrungen hier
zu beschreiben, die ich bei Gelegenheit von Kulturversuchen mit
nitrifizirenden Bakterien gemacht habe und aus denen sich genauere
Vorschriften Qber die Bereitung und den Gebrauch der Kieselsäure-
nährsubstrate ableiten lassen.
Die ersten Versuche auf Grund der von Kühne1) und Wino-
gradsky*) gegebenen Vorschriften, die Kieselsäurelöaung zu be-
reiten, misslangen min
Dann habe ich eine Lösung nach den genauen Vorschriften
von Kühne vorbereitet, d. h. aus 3 Vol. verdünntem Wasserglas
von 1,08 spez. Gewicht und 1 Vol. verdünnter Salzsäure (aus 1 VoL
Salzsäure von 1,17 sp. Gew. und 1 VoL Wasser). Die Salzsäure
wurde allm&hlich in das Wasserglas unter Rühren eingegossen.
Dieses Gemisch wurde in einem grossen, flachen Dialysator
(19 cm im Querschnitt) in einer Schicht von 4—5 cm Dicke in Messen-
dem Regenwasser dialysirt. Nach 11 Tagen zeigte die Flüssigkeit
nur noch eine Spur von Chlorreaktioo.
Das spez. Gewicht der Kieselsäurelösung nach der Dialyse war
in zwei Fällen 1,009 und 1,005 und die Flüssigkeit zeigte eine
schwache Opalescenz, welche beim Aufbewahren in 14 Tagen etwas
deutlicher hervortrat. Doch war die Lösung ganz dünnflüssig uod
durchsichtig.
Diese Lösung wurde gleich in einem Kolben sterilisirt and unter
einem Watteverschluss aufbewahrt.
Ein anderer Versuch, die Flüssigkeit in einer Schweinsblase zu
dialysiren, misslang, da die Kieselsäure viel früher, als der Inhalt
yon NaCl frei wurde, darin gelatinisirte. Es scheint demnach un-
entbehrlich zu sein, dass der zu dialysirenden Flüssigkeit eine
möglichst grosse Oberfläche gegeben wird, da in diesem Falle die
Ezosmose von NaCl viel schneller geht und das Salz die vorzeitige
Gelatinisirung der Kieselsäure nicht verursachen kann; in dem be-
schriebenen Versuch mit der Schweinsblase hatte aber im Gegentheil
die Flüssigkeit eine möglichst kleine Oberfläche und die Dialyse
ging daher zu langsam vor sich.
Nach den Vorschriften von Kühne kann die Kieselsäurelösung
bis zum spezif. Gewicht 1,02 abgedampft werden und enthält dm
3,4 °/0 Kieselsäure; diese Lösung ist nach diesem Autor dünnflüssig,
hat eine zweifelhafte saure Reaktion und ändert sich nicht beim
Aufbewahren. Weiter aber sagt er, dass auch die reinste MsuDg
beim langen Autbewahren erstarren kann. Ich habe für besser
gehalten, die vom Dialysator direkt genommene dünnflüssige, schwach
saure Lösung sterilisirt aufzubewahren. Um aus dieser Lösung
einen festen Nährboden zu bereiten, muss man dieselbe bis zu eioe»
gewissen Grade abdampfen und mit der Mährsalzlösung mischen.
Für die Kultur der Nitromonas muss man nach Winograds-
ky's Angaben ausschliesslich Mineralsalze zugeben. Meine ersten Ver-
1) Zeitschrift f. Biologie. Band ZZVll. 1890. p. 172.
2) Annale« de l'Institnt Pastear. T. IV. 1891. Mo. I.
Die KieMUftnregalkrtt als Nftfanubitrat 211
sache, aas diesen und Kieselsäure feste Nährsubstrate zu bereiten,
waren auch erfolglos. Zuerst habe ich probirt die ursprüngliche
Kieselsäurelösung bis zur Hälfte und noch mehr abzudampfen, gerade
bis zu dem Momente, wo sie mit anderen. Lösungen sich eben noch
mischt. Auf diese Weise habe ich eine dickflüssige, ölähnliche Flüssig-
keit bekommen, in welcher einzelne, fast gelatinisirte Inselchen von
Kieselsäare erschienen. Diese dicke Lösung wurde mit V»— Va der
von Winogradsky angegebenen Salzlösung gemischt und bei
Zimmertemperatur tüchtig zusammengerührt. Niemals aber habe
ich auf diese Weise eine spontan gerinnende und später erstarrende
Mischung erhalten.
Später habe ich dann weniger abgedampfte Kieselsäurelösung
verwendet und mit verschiedenen Mengen von Salzlösung gemischt,
aber grössere Mengen dieser Gemische blieben flüssig und zagten
keine Neigung zur Erstarrung. Dagegen gelatinisirten aber 2—3 Tropfen
der abgedampften Lösung, mit 1 Tropfen der Salzlösung auf einem
Objektträger zusammengerührt, nach einiger Zeit ganz genügend, um
sie für die Kultur zu gebrauchen. Um nun aber eine grössere Menge
des festen Gemisches in Pe tri 'sehen Schälchen zubekommen, musste
ich immer das flüssige Gemisch aus Kieselsäure und Nährsalzlösung
in diesen Schälchen auf einem Wasserbade abdampfen. Die Er-
starrung ist in diesem Falle das Resultat der direkten Wirkung der
Wärme auf die Kieselsäure einerseits und andererseits der Kon-
zentrirung der Salzlösung durch das Abdampfen. Letzteres setzte
ich so lange fort, bis ich mich mittels einer Platinnadel überzeugte,
dass die Oberfläche des Substrats fest genug geworden war.
Der auf diese Weise zur Erstarrung gebrachte Inhalt des
Sch&lchens ist homogen und durchsichtig, enthält nur Luftbläschen
und einige Flocken des Salzniederschlages. Die Nitromonas ent-
wickelt sich sehr gut darauf.
Um möglichst homogene und homogen erstarrende Gemische
auf diese Weise zu erzielen, ist Aufmerksamkeit beim Abdampfen
der Kieselsäurelösung vor Allem wichtig. Nach den Angaben von
Kühne ist es am besten, den Prozess in einer Platinschale auf
freier Flamme auszuführen, da in diesem Falle keine so voluminösen
Niederschläge an den Wänden sich absetzen, wie zum Beispiel in
«ner Porzellanschale. Kühne hält das Erscheinen des Häutchens
*n der Oberfläche der Flüssigkeit für das Merkmal der genügenden
Abdampfung. Ich habe während der Abdampfung von Zeit zu Zeit
<j*s spezif. Gewicht bestimmt und gefunden, dass das Häutchen viel
früher erscheint, als die Lösung zum Gebrauch fertig ist. Nach
Kühne muss eine solche Flüssigkeit das spez. Gewicht von 1,02
haben, in meinen Versuchen war es zur Zeit des Erscheinens des
Häutchens fast unverändert wie im Anfang. Als ich aber das spez.
Gewicht der empirisch genügend abgedampften Lösung bestimmen
*oMte, fand ich sie nicht homogen. In diesem empirisch gefundenen
Jtod für die Mischung genügend abgedampften Zustande hat die Flüssig-
keit ungefähr die Haltte des ursprünglichen Volumens, ist ziemlich
dickflüssig und in verschiedener Tiefe sieht man nadeiförmige Kry-
stülchen schwimmen. Wenn man die Flüssigkeit aus der Schale in
14«
212 Sleskin,
ein Probirgläschen ausgegossen bat, so sammeln sich die Kryställcben
in der unteren Schicht. Die Bestimmung des spezif. Gewichtes hat
gezeigt, dass die untere Schicht 1,01 — 1,02 hat, die obere aber nur
1,005, wie am Anfang die ganze Flüssigkeit.
Da für das Erstarren der Mischung einer solchen Lösung mit
der verdünnten Salzlösung die nachträgliche Abdampfung unentbehrlich
ist, kann dieses Substrat nur im erstarrten Zustande infizirt werden.
Für die Zwecke der Isolirung von Bakterien war es aber sehr
wünschenswerth, letztere in das noch flüssige Kieselsäuregemisch ein-
säen, um dieses dann schnell bei Zimmertemperatur erstarren lassen zu
können. Bei dem bisher beschriebenen Verfahren wurde die Kiesel-
säure erst abgedampft, dann mit der Salzlösung verdünnt und dann
abermals das überschüssige Wasser verdunstet Zur Vermeidung
dieses zweiten Abdampfens lag es nahe, stark konzentrirte Salzlösungen
zu verwenden; diese habe ich dann mit nicht ganz so stark einge-
engter Kieselsäure gemischt
Wenn die Kieseläure, wie Kühne angibt, in einer Platinschale
abgedampft wird, so ist es schwer, eine Verunreinigung der Lösung
durch aus der Luft hineinfallende Keime zu verhindern. Man thut
daher besser, das Eindampfen in einem Glaskölbchen unter Watte
verschluss vorzunehmen. Es ist zweckmässig, an der Wand des
Kölbchens ein Zeichen zu machen, bis zu welchem Volumen wir
die von dem oben erwähnten sterilisirten Vorrath genommene Menge
abzudampfen beabsichtigen. Dann bringen wir z. B. 100 ccm Flüssig-
keit, die auf ungefähr */6 — */« ihres Volumens abgedampft wird, in
das sterilisirte Kölbchen und kochen massig, bis das durch das Zeichen
angegebene Niveau erreicht ist. An dieser Grenze geht das Kochen
schon unter ziemlich heftigen, wiederholten Stössen vorsieh; von Zeit
zu Zeit muss man dabei den durchsichtigen Inhalt ansehen, ob die
oben beschriebenen Kryställchen zu sehen sind. Dann ist die Flüssig-
keit fertig. Wenn die Abdampfung schon zu weit vorgeschritten ist,
verliert der Inhalt seine Durchsichtigkeit, trübt sich und wird zur
Mischung unbrauchbar. Die fertige abgedampfte Lösung wird natür-
lich in kaltem Zustande benutzt.
Die Zusammensetzung der Nährsalzlösung habe ich nach der
Angabe von Winogradsky genommen, d. h.
Ammoniumsulfat 0,4
Magnesiumsulfat 0,06
Kaliumphosphat 0,1
Calciumchlorat Spur
Natriumkarbonat 0,6—0,9
Destillirtes Wasser — 100.
Während aber Winogradsky zu dieser Lösung direkt Kiesel-
säure setzte, zog ich es vor, statt 100 Theile destillirtes Wasser
die bis zu dem oben erwähnten Grade abgedampfte Kieselsäure zu-
zufügen.
Die abgewogenen Quantitäten der Nährsalze werden dazu in ver-
schiedenen Probirgläschen getrennt auf folgende Weise in möglichst
wenig Wasser gelöst: 1) Alle Sulfate; 2) Kaliumphosphat und Soda.
Die Ktodaftorcgaltarte ab NEhraabstrat 213
Diese konzentrirten Lösungen und ausserdem verdünnte Chlor-
caJciumlösung müssen dann auch getrennt sterilisirt und aufbewahrt
werden.
Bei der Zusammenmischung dieser konzentrirten Lösungen, ebenso
wie der verdünnten, entsteht immer ein Niederschlag von Natrium-
magnesiumphosphat, vielleicht auch Calciumsulfat und das Gemisch riecht
nach Ammoniak. Es ist wahrscheinlich, dass auf diese Weise die vor
Zusatz der Kieselsäure gemischten Nährlösungen zu salzarm für das
Wachsthum der Bakterien und ausserdem auch die gelöst gebliebenen
Salze zu schwach sind, um die Gerinnung der Kieselsäure zu verursachen.
Am besten ist es, die Nährsalze nur mit der Kieselsäure zu mischen.
Wenn die Kieselsäure abgedampft worden ist, werden in das Kölb-
chen dann zwei Probirgläschen mit Salzlösungen nach einander ent-
leert und jedesmal gut zusammengemischt; einige Tropfen der ver-
dünnten Chlorcalciunüösung werden zuletzt zugegeben und wieder ge-
mischt, bis der Inhalt dickflüssig wird und eine ausgesprochene
Opalescenz zeigt. Im Gemisch werden Flocken der ausgefeilten Salze
sichtbar, welche aber der Durchsichtigkeit nicht viel schaden. Ammo-
niakgeruch kann man auch spüren. Die ölähnliche Mischung kann
dann in ein Petri'sches Schälchen gegossen werden und wird darin
dann bei Zimmertemperatur langsam und spontan dickflüssiger und
nimmt nach einigen Stunden eine dicke Konsistenz an, ohne dass
nachträgliche Erwärmung und Abdampfung noth wendig würde. Dieses
Gemisch kann daher im flüssigen Zustande infizirt werden und dabei
werden die eingesäeten Bakterien möglichst einzeln darin vertheilt.
Das so vorbereitete Nährsubstrat ist ganz homogen, nur in der
untersten Schicht sind die Flocken der Mineralsalze sichtbar.
Wenn die Kieselsäurelösung etwas weniger konzentrirt wird, dann
bleibt das Gemisch nach 2—3 Tagen noch im Zustande der leicht
zitternden Gallerte, die täglich etwas Wasser ausscheidet. Dieses
Wasser kann dadurch entfernt werden, dass mit einem sterilisirten
Messer ein Stück der Gallerte herausgenommen und das in dieser
Rinne sich sammelnde Wasser mit einem Kapillarrohr entfernt wird.
Für die meisten Versuche habe ich die Kieselsäure mit 1,15—
1,45 °/0 Mineralsalzen versetzt ; bei der Anwendung von 2—3 °/0 geht
die Erstarrung viel schneller vor sich. Ob diese erhöhte Konzentration
für das Bakterienwachsthum ebenso günstig ist, müssen spezielle Ver-
suche entscheiden.
Göttingen, Pflanzenphysiologisches Institut, den 25. Juli 1891.
214 Ludwig, Ueber das Vorkommen d«s M oschusptUet im 8«Mus d. Binmt.
Ueber das Vorkommen des Moschuspilzes im Saftfluss
der Bäume.
Von
Prof. Dr. F. Ludwig.
Indem Blutungssaft der Linden im Fürst). Park zu Greiz
tritt in diesem Jahre seit Kursem ein Pilzschleim auf, der bei schmutiig-
weisslichem bis gelblichem Aussehen gallertig knorpelartige Kon-
sistenz besitzt und längs der Bäume hcrabläuft Wie die Urheber des
weissen und rothen Schleimflusses, Endomyces vernalis und
Rhodomyces dendrorhous, unterhält der Pilzschleim den Saft-
fluss der Bäume während langer Zeit und wird hierdurch dem Baume
schädlich. Mikroskopische Untersuchung des Pilzschleimes ergab,
dass an den Linden des Parkes alle übrigen Organismen überwog ein
Leptothrix ähnlicher Spaltpilz und ein Fusarium, wie ich es auch
anderwärts in Schleimflüssen getroffen (gleichfalls mit einem Lepto-
thrix oder einer Beggiatoa zusammen sehr üppig auf einem
frischen Stumpf einer mächtigen, vorher gesunden Buche, die des Bahn-
baues wegen bei Schmalkalden gefällt worden war, hier aber in lebhaft
tiefrother Färbung ; vereinzelt auch im Birkenfluss). Die Abhandlung von
G. von Lagerheim über Fusarium aquaeductuum Lagerheim
machte es mir wahrscheinlich, dass der Pilz des Lind enschleim-
flusses des Greizer Parkes gleichfalls zu dieser Art gehöre,
da er morphologisch völlig damit übereinstimmt und dem Linden-
schleim einen starken charakteristischen Geruch (zuweilen safranartig,
zuweilen an Karbolsäure erinnernd) verleiht. Kultur des Fusa-
riums in Peptonnährgelatine bestätigte dies. Schon nach 2 Tagen
machte sich ein penetranter Moschusgeruch bemerkbar und während
der Lindenschleim nichts Röthliches hatte, waren die durch Coremiam-
bildung igelähnlichen Pilzrasen, welche von der Gelatine in die Luft
hinein wuchsen, röthlich gefärbt Es ist also der im Schleimfluss der
Linden und Buchen, vermuthlich auch anderer Bäume, vorkommende
Mycomycetmit viertheiligen Sichelsporen, der durch seinen charakte-
ristischen Geruch diese Schleimflüsse von anderen sofort unterscheiden
lässt, kein anderer, als der von Kitasato als Moschuspilz, Fusi-
sporium moschatum Kitasato, beschriebene Pilz, der jedoch
nach den Untersuchungen von G. von Lagerheim (vgl. Centralbl.
für Bakteriol. Bd. IX. 1891. No. 20. p. 655 ff.) mit dem in Wasser
leitungen und dem Nutzwasser der Mühlen gefürchteten Fusarium
aquaeductuum v. Lagerh. (Selenosporium aquaeductuum
Rabh. et Radlkof.) identisch ist und wahrscheinlich in den Ent-
wickelungskreis eines * Hypomyces- ähnlichen Ascomyceten
gehört.
Greiz, den 2. Juni 1891.
Braun, Die sogenanato „freischwimmende 8porocysteu. 215
Die sogenannte „freischwimmende Sporocyste".
Von
H. Braun,
Direktor des aoolog. Museums in Königsberg i. Pr.
üoter der Bezeichnung „free swimming sporocyst" hat E. Ram-
«ay Wright (American Naturalist Vol. XIX. 1885. p. 310-311)
ein eigentümliches Entwickelungsstadium eines Distomum be-
schrieben, das er freischwimmend im süssen Wasser angetroffen hat.
Da mir die Originalmittheilung z. Z. nicht zugänglich ist, erwähne
ich kurz das, was die Jahresberichte angeben: der Neapler Bericht
(1885. Vernies. p. 22) bemerkt nur: „Wright will eine Sporocyste
mit einer Cercarie darin im Süßwasser aktiv schwimmend gefunden
haben44 1 Li n stow schreibt in dem im Archiv für Naturgeschichte
erscheinenden Bericht (51. Jahrg. 1885. Bd. IL Bericht über Hel-
minthen pro 1885. p. 25), dass diese sich sehr lebhaft bewegende
Sporocyste in einem Süsswasseraquarium beobachtet worden ist;
sie erinnert in ihrer Gestalt an eine Cercarie mit gegabeltem Schwanz
nnd enthält eine einzige, schwanzlose Cercarie. Die Aussenfläche
der Sporocyste ist mit Tastpapillen besetzt, Muskulatur und Gefäss-
8ystem sind gut entwickelt.
Ausführlicher berichtet Leuckart (Die Parasiten des Menschen
etc. 2. Aufl. Bd. IL p. 102—103) nach Untersuchung des einzigen,
von R. Wright in Toronto zwischen Wasserpflanzen und Mollusken
gefundenen Exemplares, das in Querschnitte zerlegt war. „Der
Warm — schreibt Leuckart — hat einen cylindrischen Körper
von nahezu 1 mm Länge, besitzt aber, abweichend von dem sonstigen
Verhalten der Sporocysten, m eine fast durchsichtige Beschaffenheit
und trägt am hinteren abgeplatteten Leibesende zwei flügelartige,
flache Flossen, die während des Lebens in beständig klappender
Bewegung begriffen sind und von Ramsay Wright mit dem
Spaltschwanze gewisser Cercarien verglichen werden, andererseits
Aber auch durch ihre Beziehung zu dem Wurmkörper an die Fusa-
stummel der Redien erinnern. Im Innern der Sporocyste ist ein
einziges, verhältnissmässig grosses und schwanzloses Distomum ent-
halten." Es folgen dann Angaben über die kräftig entwickelte Längs-
und Ringmuskulatur, die Cuticula, Tastwärzchen und das Parenchym.
Leuckart weist auch auf die ebenfalls aus ihren Wirtben
(S u c c i n e a) auswandernden Leucochloridium schlauche hin,
welche kriechend wie fusslose Insektenlarven sich bewegen und wie
die Wright 'sehe Sporocyste schwanzlose Cercarien enthalten, die
in jungen Vögeln zu Distomum macrostomum auswachsen
(vgl. d. CentralbL Bd. VI. 1889. p. 357).
Der Form nach ganz denselben Entwickelungszustand eines
Distomum habe ich in einem meiner Aquarien beobachtet, in
welches ich aus dem auch in ornithologischer Beziehung interessanten
216 Braun,
Bruch bei Rossitten (auf der kurischen Nehrung) stammende Schnecken
eingesetzt hatte; ich war in hohem Grade überrascht, am Morgen
des 29. Juni in diesem Behälter neben Gercarien verschiedener Treina-
toden auch freischwebende oder sich wie Mückenlarven lebhaft
bewegende, fast durchsichtige Wesen zu finden, die mir sofort die
Leuckart'sche Abbildung (1. c. p. 102. Fig. 65) der „freischwimmen-
den Sporocyste" ins Gedächtniss riefen. Es handelt sich um 6 mm
lange T-lörmige Körper von bandförmigem Querschnitt, deren uu-
paarer Schenkel nach unten zu kolbig verdickt ist, während er in
der Mitte verjüngt erscheint und nach oben in zwei blattartige,
bewegliche Anhänge von etwa 1,5 mm Länge übergeht Die ver-
jüngte Mitte wie das kolbige Ende sind mit relativ grossen „Tast-
wärzchen11 besetzt, die an letzterem in 4—5 Ringen stehen. Mit
blossem Auge bemerkt man in dem kolbigen Ende einen etwa steck-
nadelkopfgrossen, undurchsichtigen, gelben Körper, der bei Unter-
suchung mit dem Mikroskop leicht als ein Distomum erkannt wird.
Dieses liegt meist gekrümmt d. h. bauch wärts eingeknickt, in einem
durch eine Membran abgegrenzten Hohlraum; nach längerem Druck des
Deckglases streckt sich das Distomum und lässt ausser dem Darm,
der einen gelben, körnigen Inhalt führt, und den beiden Saugnäpfen
noch die Anlagen der beiden Hoden und des Keimstockes erkennen,
welche hinter dem Bauchsaugnapf liegen; letzterer ist grösser, als
der Mundsaugnapf. Der T-förmige Körper des Thieres ist fast
völlig durchsichtig, doch ist der kolbige Theil sowie die beiden
Flügel oder Schwanzklappen und der daran sich ansetzende Theil
des unpaaren Schenkels an den Rändern gelb gefärbt, was schon
mit unbewaffnetem Auge gesehen wird. Das gelbe Pigment ist
in feinsten Körnchen vorhanden, die in netzartigen Zügen ange-
ordnet sind. Reich entwickelt sind besonders die Längsmuskelo,
namentlich am Uebergange des unpaaren Schenkels in die Schwanz-
klappen, wie auch in diesen selbst. Wie schon Leuckart angibt,
findet man in dem freien Ende des unpaaren Schenkels ein „gross-
blasiges Bindegewebe11, das nach den Flügeln und in diesen selbst
in ein reticuläres Gewebe übergeht. In der Mittellinie des unpaaren
Schenkels erkennt man zwei Längskanäle, deren Verhalten an dem
kolbigen Ende ich nicht genügend sicher eruiren konnte; sie nehmen
gelegentlich sich verzweigende Seitenästchen auf und treten dann zu
je einem in die Mittellinie der beiden Flügel ein, an deren freiem Ende
sie ausmünden. Auch in den Flügeln erhalten sie Seitenzweige;
grosse birnförmige Zellen, die man überall im Körper oberflächlich
liegen sieht, scheinen mit dem Gefässsystem , das zweifellos den
Exkretionsgefässen der Trematoden entspricht, in Verbindung zu
stehen; sie würden demnach die Terminalzellen (Wimpertrichter)
darstellen. Eine Wimperung hahe ich nirgends gesehen, doch ge-
legentlich eine Erweiterung und Verengerung der beiden, eine klare
Flüssigkeit enthaltenden Hauptstämme, die auch auf konservirten Ob-
jekten deutlich zu erkennen sind.
Die Oberfläche wird von einer cuticulaartigen Membran gebildet,
die sich bei längerem Verweilen des Thieres unter dem Deckglas in
grösseren Blasen abhebt; kernartige Bildungen, die Leuckart
erwähnt, habe ich in der Membran noch nicht finden können.
Die sogenannte „freischwimmende Sporocjste**. 217
Offenbar liegen hier dieselben Zustände vor, die Rarasay
Wright in einem Exemplar entdeckt hat und gleich Leuckart
als freischwimmende Sporocysten anspricht, doch handelt es sich sicher
um eine andere Art. In der Ruhe liegen diese Thiere entweder auf
einer Flachseite und mit geschlossenen Flügeln auf dem Boden, oder
sie schweben, mit dem kolbigen Ende nach unten und mit ausge-
breiteten Flügeln im Wasser, um ganz spontan lebhafte Schwimm-
bewegungen zu vollführen, wobei das Schwanzende mit den Flügeln
rasch nach der einen und dann nach der andern Seite geschlagen
wird. Durch diese Krümmungen des Körpers, die durch das ab-
wechselnde Zusammenziehen der Längsmuskulatur der entsprechen-
den Körperhälften bewirkt werden, schwimmen sie wie die Mücken-
larven im Wasser umher, um dann wieder entweder schwebend zu
ruhen, oder auf den Boden des Gefässes zu sinken, von dem sie sich
durch die gleichen Bewegungen gelegentlich wieder erheben — meist
alle auf einmal.
Zunächst kam es mir darauf an, zu konstatiren, aus* welchen
Schnecken diese scheinbaren „Sporocysten14 ausgeschlüpft waren;
ich trennte demnach die in demselben Behälter befindlichen Schnecken
nach den Arten (Planorbis corneus, Limnaeus stagnalis
und Limnaeus palustris var. corvus), und fand am nächsten
Morgen in dem Gefäss, in welchem allein die letztgenannte Art sich
befand, noch ein Dutzend der „Sporocysten1', bei den anderen Arten
aber keine einzige. Damit war sichergestellt, dass die „Sporocysten44
in Limnaeus palustris var. corvus gross werden müssen.
Da ich jüngere Stadien derselben zu finden hoffte, so tödtete ich die
14 Exemplare, die ich von dieser Art aus dem Bruch bei Rossitten
mitgebracht hatte; neun erwiesen sich ganz frei von Entwickelungs-
stadien von Treroatoden, vier besassen zahlreiche, kleine Redien mit
kleinen Cercarien und in einem einzigen fand ich 1,5 — 2 cm
lange, etwa 0,75 — 1,0 mm dicke, hellgelbe, durchscheinende Schläuche
in grösserer Anzahl, die mit dem einen Ende theils am Dach der
Lungenhöhle, theils aber auch zwischen der Leber festsassen und
mit dem anderen frei in die Leibeshöhle hereinhingen.
Nach kurzer mikroskopischer Untersuchung dieser Schläuche,
die sich als Sporocysten erwiesen, konnte ich bald erkennen, dass
in ihnen unsere „freischwimmenden Sporocysten44 entstehen — aber
als Cercarien! Es liessen sich alle Stadien von ovalen Keim-
körpern bis zu ausgebildeten Cercarien mitunter in demselben Schlauche
auffinden. Während anfangs der Vorderkörper wie gewöhnlich den
Schwanz an Grösse bedeutend übertrifft, gewinnt bald der letztere
das Uebergewicht; er bekommt dann die Gabelung am Hinterende,
sein Vorderende wird kolbig aufgetrieben und erhält bald ebenso wie
das verjüngte Mittelstück die Papillenringe — kurz der Schwanz
dieser grossen, in Sporocysten sich entwickelnden Cercarien gewinnt
bald die gleiche Organisation, wie die „freischwimmende Sporocyste44;
nur enthält letztere ihr Distomum in dem vorderen Abschnitte
des Schwanzes, während dasselbe bei ersterer in genau der gleichen
Aasbildung dem Schwänze anhängt und den Vorderkörper einer
Cercarie mit Gabelschwanz vorstellt.
218 Braun, IN« sogenannte „frrisehwinnMnd« Sporoeytte".
Innerhalb der Sporocysten aus Limnaeus palustris habe
ich immer nur den normalen Cercarienzustand gefunden und ausser-
halb der Schnecke, im Wasser den Zustand der „freischwimmenden
Sporocyste", bei dem das Distomum im kolbigen Vordertheü des
Schwanzes lag. Es liegt nun nahe, anzunehmen, dass, nachdem diese
Oabelscbwanzcercarien ihre Mutterschläuche verlassen haben und m>
umgebende Wasser gelangt sind, sie den Vorderkörper in den A&-
fangstheil des Schwanzes einziehen.
Direkt beobachtet habe ich diesen Vorgang allerdings nicht, da
ich erst durch Untersuchung der ahgetödteten Mutterschlaoche znrl
Kenntniss des Sachverhaltes gekommen bin, ich kann aber anführen
dass das Einscblüpfen des Vorderkörpers der Cercarie, das künftige
Distomum, in den Schwanz noch dadurch wahrscheinlich gemach;
wird, dass der kolbige Schwanztbeil während des CercarienzusUnded
d. h. so lange er in der Sporocyste sich befindet, einen deutlich und
leicht nachweisbaren Hohlraum erkennen l&sst, und dass ein Strang
von Fasern in das Hinterende des Vorderleibes tritt Schon Leu"
ckart erw&hnt vorn an der „freischwimmenden Sporocyste" eineubr-
glasartige Vertiefung — sie ist nichts Anderes, als die bestehen
bleibenden Kommunikation des Hohlraumes, in welchen das Disto-
mum eingeschlüpft ist, mit der Aussen weit.
Wir haben es demnach in den sogenannten „freischwimmende*
Sporocysten44 nicht mit solchen, sondern mit Cercarieo n
thun, deren Vorderleib (das Distomum) in den eignen Schwanztheil
hineinkriecht und dort verharrt. Wie bei den gewöhnlichen Orcanrn
ist auch hier der Schwanz das Lokomotionsorgan ; die Gabelung des
Schwanzes kommt ja bekanntlich auch bei anderen Cercarien vor
ob bei diesen auch die Exkretionsorgane, welche bis an die Enden
der Schwanzklappen reichen, daselbst ausmünden, ist nicht bekannt
Hat der Fall somit nach der einen Seite an Interesse verlort«
da man es mit einer Cercarie und nicht mit einer freischwimmender
Sporocyste zu thun hat, so hat er doch auch nach der anderen Seitt
gewonnen, obgleich er in dieser Beziehung nicht ohne Analogie *ti
ich habe hier auf die Cercaria cystophora Wagener's (Müll
Arch. f. Anat u. Phys. 18<>6. pg. 145—150- Taf. VI) hinzuweisen, bei
welcher sich aus dem vorderen Theile des Schwanzes ein Becbei
bildet, in welchen der Vorderkörper, das Distomum, mitsamt
dem übrigen Schwänze, der nach vorn gerichtet ist, sich volMändig
zurückziehen kann. Nach Leu ckart (I. c. pg. 146) wird flbri^
der Schwanz von C. cystophora kaum jemals zum Schwimmen
benutzt. Noch ähnlicher verhält sich C. macrocerca, bei wel-
cher sich das vordere verdickte Ende des ungewöhnlich grossen
Schwanzes (Leuckart 1. c. pg. 147. Anm.) becherförmig erhebt und
zu einem gehäuseartigen Cuticulargebilde wird, in welches der Wurm-
körper sich beim Schwimmen einsenkt. An diese Formen, namentlich
an die letztere, schliefst also unsere Cercarie, die einstweilen *'s
Cercaria mirabilis gehen mag, an.
Zu welcher Distomumart gehört nun unsere Cercarie? ^
diese Frage kann ich leider keine Antwort geben, da die Versuche,
das Distomum gross zu ziehen, fehl geschlagen sind. D*
Lehrbücher. 219
der Vorderkörper dieser Cercarien, das künftige D i s t o m o m, die Ge-
schlechtsorgane schon angelegt hat, dasselbe auch bereits einge-
kapselt ist, und da die ganze Bewegung der Thiere darauf berechnet
erscheint, Aufmerksamkeit zu erregen, um verschluckt zu werden, so
schien es mir wahrscheinlich, dass hier, wie bei Distomum ma-
crostomum (Leucochloridium paradoxum aus Succinea.
amphibia) ein zweiter Zwischen wirth und eine Einkapselung in
demselben weggefallen ist; ich nahm daher an, dass direkte Ueber-
tragung in im Wasser lebende Thiere das gewissermaassen schon
eingekapselte Distomum reifen lassen wird. Um dies zu erzielen,
setzte ich zu drei Goldfischen — andere lebende Fische waren nicht
zu beschaffen — etwa 15 Cercarien, die auch durch ihre Bewegungen
und die lebhaft gelbe Farbe sofort die Aufmerksamkeit erregten und
Dach wenigen Minuten von zwei Fischen verschluckt waren. Zwei
Tage nach der Fütterung untersuchte ich den Darm, die Muskulatur
und die Augen der Fische — aber ganz vergeblich. Trotzdem halte
ich den Weg — direkte Uebertragung — für den richtigen, werde
aber andere Fische wählen, wenn es gelingt, geeignetere Vorrich-
tungen fOr derartige Versuche im Königsberger zoologischen Museum
zu beschaffen. Eine Untersuchung an Ort und Stelle, die vielleicht
ebenfalls Aufschluss geben wird, kann erst in den Ferien stattfinden,
wird aber vielleicht zu spät sein.
Königsberg i. Pr., den 4. Juli 1871.
Referate.
Holst, A., Uebersicht über die Bakteriologie für Aerzte
und Studirende. Autorisirte Uebersetzung au3 dem Norwegi-
schen von Oscar Beiher. Basel (Salemann u. Bonacker) 1891.
Das ungeheuere Anwachsen der bakteriologischen Litteratur in
den letzten Jahren macht es selbst dem engeren Fachmann nahezu
unmöglich, auf der Höhe der Situation zu bleiben und das nunmehr
so enorm verbreitete Gebiet der Bakteriologie vollständig zu über-
sehen. Allerdings besitzen wir in Baum gar ten's Jahresberichten
ein orientirendes Werk ersten Ranges; es ist aber eben nur für Fach-
männer geschrieben und setzt natürlich eine gründliche sachliche
Kenntniss voraas.
Hol st 's Werk hat nicht diese hoch wissenschaftliche Bedeutung,
da es, wie schon der Titel besagt, einen anderen Zweck erfüllt, in-
dem es dem Bedürfnisse nach Kenntniss der bisherigen Errungen-
schaften auf dem Gebiete der Bakteriologie entgegenkommt, wie es
heutzutage jeder strebsame Arzt und Student empfindet.
Diesem Bedürfnisse kommt aber H. in seinem Werke in einer
Weise nach, die nicht nur tiefes Wi>s<>n, sondern auch ein hohes
Maass von Eignung verräth, sein Wissen auch zum Gemeingute
anderer, auch solcher zu machen, die der Lehre über die pathogeuen
220 Indolbildnng der Bakterien. — Diphtherie.
Mikroorganismen als Laien gegenüberstehen, und wir können dem
Uebersetzer nur Dank wissen dafür, dass er uns ein Werk zugäng-
lich gemacht hat, welches, sowohl was dessen Inhalt, als auch An-
ordnung des Stoffes anbelangt, anstandslos zur Grundlage von Vor-
trägen zu Unterrichtszwecken gemacht werden kann. Die Ausstattung
des Buches ist dessen Inhalte ebenbürtig. Kamen (Czernowitz).
Lewandowsky, Ueber Indol- und Phenolbildung durch
Bakterien. (Dtsch. med. Wochenschr. 1890. No. 51.)
Nachdem bereits E. Baumann das Phenol unter den Fäulniss-
produkten der Eiweisskörper nachgewiesen hat, und nachdem Kita-
sat o und W ey 1 gezeigt haben, dass der auf K o c h 'scher Fleischbrühe
gezüchtete Tetanusbacillus Indol und Phenol bildet, prüfte der Verf.
unter der Leitung Weyl's im Berliner hygienischen Institut eine
Reihe von Bakterien auf ihre Fähigkeit, die beiden Stoffe zu er-
zeugen. Phenol galt als nachgewiesen, wenn das Destillat der zu
20°/0 mit starker Salzsäure versetzten Bakterienkultur unter Brom-
wasserzusatz einen flockigen Niederschlag lieferte. Das Vorhanden-
sein von Indol bewies eine Rothfärbung der Kultur bei Zusatz von
40°/p einer verdünnten Schwefelsäure (1 :3) und von einigen Tropfen
Natriumnitrit.
Nach den Versuchen des Verf.'s bilden weder Indol noch
Phenol: Typhus, Milzbrand, Bact Zopfii, subtilis, Wurzel-
bacillus, Schweinepest, Schweinerothlauf, Mäuseseptikämie, Diphtherie,
Tetragenus, Staphylococcus aureus und albus, Oldium
lactis.
Nur Indol, kein Phenol bilden: Cholera, Metschnikow,
Finkler, Deneke, Emmerich, Brieger.
Indol und Phenol bilden: Schweineseuche, Hühnercholera,
Kaninchenseptikämie, Wildseuche, Frettchenseuche, Rotz, Kartoffelba-
cillus, Proteus, Milchsäurebacillus.
Verf. hebt hervor, dass Schweinerothlauf und Schweinepest weder
Indol noch Phenol erzeugen und sich durch diese Eigenschaft besser,
als bisher von Schweineseuche, Hühnercholera u. s. w. unterscheiden
lassen. Kubier (Berlin).
Oertel, Deber das diphtherische Gift und seine Wir-
kungsweise. (Dtsch. med. Wochenschr. 1890. No. 45.)
Auf Grund eigener früherer Forschungen und neuer mikrosko-
pischer Untersuchungen, sowie mit Bezug auf die Arbeiten von
Loeffler, Roux-Yersin, Brieger u. A. spricht Verf. seine An-
schauungen über die Diphtherie ungefähr in der folgenden Weise aus:
Die Loeffl er' sehen Bacillen finden sich im Allgemeinen nie-
mals in der Blutbahn oder in inneren Organen, sondern nur in
frischen diphtherischen Auflagerungen ; bei länger bestehender Krank-
heit gehen sie in der allgemeinen Nekrose zu Grunde. Das von
ihnen erzeugte Gift, welches bereits von Loeffler wie von Roux
und Yersin isolirt, zuletzt von Brieger, als schneeweisse, amorphe,
krümelige und sehr leichte Masse ganz rein dargestellt und analysirt
wurde, entsteht aus dem Gewebseiweiss durch Umlagerung und Ver-
Diphtherie. 221
änderung der Atomgruppen und besitzt höchstwahrscheinlich die
Eigentümlichkeit, dass es in Ferment ähnlicher Weise beim Zutritt
an intakte Eiweisskörper auch diese umzuwandeln im Stande ist,
bis der lebende Organismus durch eigene Kraft auf bisher unbe-
kanntem Wege diesen in ihm vorgehenden chemischen Prozessen ein
Ziel steckt Die Wirkung des diphtherischen Giftes auf die Zellen
und organisirten Elemente des Körpers richtet sich nach der Quan-
tität, in welcher es vorhanden ist. Bei grosser Konzentration und
Menge des Giftes kommt es rasch zu einer nekrobiotiscben Er-
weichung der Zellen, welche mit Veränderungen des Zellkerns ein-
setzt. Gleichzeitig erfährt das Bindegewebe und die Muskelsubstanz
eine Umwandlung in Hyalin. Diese Umwandlungsprodukte ergiessen
sich aus den grösseren und kleineren Erweichungsherden der ober-
flachlichen und tiefen Schichten, um dann die Pseudomembranen zu
bilden.
Auf solche Weise äussert sich die Wirkung des Giftes nicht nur
ap den Eingangspforten der Krankheit, sondern auch in den Cer-
vikal- und Bronchialdrüsen, in der Milz und im Gefässapparat,
wenngleich in dem letzteren die hyaline Degeneration häufig ohne Ne-
krobiose eintritt. Dagegen hat Verf. diese Art der diphtherischen
Erkrankung in den anderen Organen vermisst. Hier kommt es ge-
wöhnlich zu einer — sonst der geringeren Wirkung des Giftes ent-
sprechenden — entzündlichen Reaktion, welche sich je nach der Art
des betroffenen Organes verschieden äussert, häufig und zwar be-
sonders in und unter den serösen Häuten zu kleinen Hämorrhagieen,
deren Ursache bei dem Fehlen von fettiger Entartung oder von an-
deren histologischen Veränderungen in der Wand der kleinsten Ge-
fässe und Kapillaren lediglich in der leichten Zerreisslichkeit der
Gefässwandungen durch Ablösung der einzelnen Zellen von einander
in Folge der Einwirkung des diphtherischen Giftes zu suchen ist.
Für die Therapie der Krankheit ist es wichtig, zu beherzigen,
dass einerseits Immunisirungsversuche bisher ganz erfolglos blieben,
(der Aufsatz ist noch vor der Veröffentlichung der Behring-Kita-
sato 'sehen Untersuchungen über Diphtherie-Immunität erschienen),
und dass andererseits die Bildungsstätte des diphtherischen Giftes
in und unter den Pseudomembranen, d. h. der Ansiedelungsstätte
der Bacillen, zu suchen ist. Es wird daher trotz aller entmutigenden
Fehlergebnisse immer wieder die Desinfektion der Auflagerungen an-
gestrebt werden müssen, und hält der Verf. in Uebereinstimmung mit
Roux und Y er sin zu diesem Zweke die 1 — 2 stündliche, 2—3 Mi-
nuten währende Anwendung der 5°/0 Karbolsäure in Dampfform
für das geeignetste Mittel.
Ref. möchte hierzu bemerken, dass er von der Anwendung der
0,3 °/*o Thymollösung in der von Gros vorgeschlagenen Weise (alle
4-10 Minuten 10 Tropfen unverdünnt einzunehmen; vgl. Referat in
dieser Zeitschrift. Band VIII. No. 14) sehr gute Erfolge gesehen
hat und eine Bestätigung dieser Beobachtung in der hervorragend
desinfizirenden Wirkung der Thymollösung auf Diphtheriebacillen
findet, welche Loeffler kürzlich festgestellt hat. (Vgl. Dtsch. med.
Zeitschr. 1891. No. 10. S. 356.) Kubier (Berlin).
222 Pneumoniecoccus als Gihrungserreger.
Frankland, Percy, F., Stanley, Arthur and Frew, WM Fermen-
tationsinducedbythePneumococcusofFriedländer.
(Transactions of the Chemical Society of London. 1891.)
Deber die Gährung, welche der Friedl&n der 'sehe Pneumonie-
coecus in Trauben- und Rohrzuckerlösungen hervorruft, hat B rieger
früher berichtet 1). Dieser Forscher konstatirte die Bildung von Al-
kohol und Essigsäure. Die Verfasser haben nun diese Gährung ge-
nauer verfolgt, quantitativ die Produkte bestimmt und auch die Gäh-
rung des Mannits durch jenen Pilz studirt. Von einer Reinkultur
wurde eine Spur ausgesät in folgende Nährlösung:
Glukose 60 g i
Pepton 6 g > in 2 1 Wasser,
Fleischextrakt 2 gJ
zu welcher noch 20 g Kalciumkarbonat gesetzt waren.
Der Kolben sammt Inhalt wurde vor der Infektion zwei Stunden
lang an 3 aufeinanderfolgenden Tagen dem strömenden Wasser-
dampf ausgesetzt. Nach Infektion wurde der Kolben bei 39 • C im
Brutofen stehen gelassen, wobei sich schon nach 24 Stunden lebhafte
Gährung beobachten liess. Als nach 6 Tagen die Gährung ganz
aufzuhören schien, wurde die Flüssigkeit in bekannter Weise der Unter-
suchung unterworfen. Es wurden erhalten:
Aethylakohol 0,5897 g
Essigsäure 1,4451 g
Ameisensäure 0,1832 g
Bernsteinsäure 0,0280 g.
Viel Glukose war unzersetzt geblieben '). In gleicher Weise
wurde dieMannitgährung durchgeführt, die Kolben aber 40 Tage
im Brutofen bei 39° C belassen. Die Hauptprodukte waren auch
hier Aethylalkohol und Essigsäure, doch war auch noch etwas von einer
höheren Fettsäure, wahrscheinlich Propionsäure, vorhanden. Aach
diese Gährung war sehr unvollständig. Der Pneumoniecoccus liefert
also mit Mannit dieselben Produkte, wie der Bacillus aethaceti-
cus, doch ist die Gährung mit letzterem vollständigen Auch kann
dieser G 1 y c e r i n vergähren, der Pneumoniecoccus aber nicht Dul-
cit wird von keiner der beiden Pilzarten vergohren.
Verfasser haben auch ausführlich ihre Gasanalysen mitgetheilt;
bei Glukose sowohl als Mannit bestanden die Gase aus Wasserstoff!
und Kohlensäure, ohne Beimengung von Methan. Für die Mannit«
gährung wird folgende Gleichung angegeben:
6 (C6H14Ofl) + HaO— 9 CfHflO+ 4C,H408 + 10CO.+8H,
Die Menge der durch Gährung entstandenen Kohlensäure wird
natürlich durch diejenige vermehrt, welche die gebildete Essigsaar«
aus dem kohlensauren Kalk austreibt. Loew (München).
1) Zeitschr. f. physiol. Chem VIII, p. 306 und IX. p. 1.
2) Vielleicht wirkte die entstehende Ameisensäure hier antiseptisch, weil d»
Neutralisation durch den am Boden liegenden kohlensauren Kalk su langsam erfolgt
[d Ref.].
Pneumonie. 223
Foi, P. e Carbone, T., Studi buI processo pneumonico.
(Gazzetta med. di Torino. LXII. Fase. 15.)
Id Fortsetzung ihrer Immunisirungsversuche bereiteten sich die
Veiff. auch ein Präcipitat aus filtrirten Kulturen mittelst absoluten
Alkohols, fanden jedoch, dass dasselbe nur in grösseren Dosen und
bei längerer Anwendung dieselbe immunisirende Wirkung äussere,
wie das mittelst Ammoniumsulfat gewonnene. Das alkoholische, in
wässriger Lösung angewendete Präcipitat büsst durch's Kochen seine
immunisirende Wirkung ein.
Die immunisirende Substanz scheint auch die Urheberin der
pneumonischen Oedeme zu sein , indem Kaninchen, welche jedesmal,
so oft sie eine massige Dosis des pneumonischen Giftes erhielten,
kurz darauf mit sehr wirksamem Virus geimpft werden, eingehen,
unter rascher Bildung ausgebreiteter Oedeme.
Die Verfi. dehnten nun ihre Untersuchungen auf die Erforschung
jener Bedingungen aus, unter welchen statt der Oedeme eine reich-
liche Fibrinausscheidung zu Stande kommt. Die hierüber angestellten
Versuche brachten ihnen eine neue Bestätigung ihrer schon in frühe-
ren Arbeiten verfochtenen Ansicht, dass der Pneumococcus Oedem,
der Meningococcus hingegen eine allgemeine Fibrinausscheidung
hervorrufe; eine Substanz aber, welche allein den Tod der Versuchs-
tiere unter allgemeiner Fibrinausscheidung hervorbringen würde, zu
isoliren, gelang den Verff. bis jetzt nicht.
Bei diesen Versuchen kam es einigemal vor, dass wenn man
einem Kaninchen ein vom Leichname entnommenes pneumonisches
Exsudat verimpfte, das Thier nicht unter den gewöhnlichen Erschei-
nungen und zum gewohnten Zeitpunkte, sondern später, zwischen dem
8.-15. Tage, unter den Erscheinungen von Marasmus einging mit in
Bezug auf Mikroorganismen negativem Befunde im Blute und in den
Geweben. Es schien daher, duss die Diplokokken abgestorben waren,
nur das von ihnen produzirte Gift zurücklassend. In der Tbat ge-
lang es auch, aus Bouillonkultur ohne Zuckerzusatz durch aufeinander-
folgende Fällung mittelst Ammonium-, Magnesiumsulfat und Alkohol
ein Präcipitat zu gewinnen, welches, einem Kaninchen injizirt, dessen
Tod binnen 6 Tagen unter Erscheinungen von Marasmus bewirkte.
Zum Schlüsse waren die Verff. bemüht, zu erforschen, ob mit
dem pneumonischen Gifte oder dem Blute immunisirter Thiere eine
therapeutische Wirkung erzielt werden könnte. Die hierüber ange-
stellten Versuche hatten nur bei Mäusen ein positives Resultat, in-
sofern als drei dieser Thiere, welche unmittelbar nach subkutaner In-
jektion von 2—4 Tropfen Blutserum, welches von einem imrounisirten
Kaninchen durch einen zweiten, am 24. Tage nach der Immunisirung
gemachten Aderlass gewonnen wurde, mit sehr wirksamem pneumo-
nischen Virus infizirt wurden, die Infektion überlebten, wogegen die
Kontrollthiere eingingen.
Ob diese therapeutische Wirkung auch dem Blutserum gegen
die pneumonische Infektion natürlich immuner Thiere innewohnt,
werden weitere Versuche ergeben. Kamen (Gzernowitz).
224 misbrmod.
Martlnottl und Bartaeel, Ueber die Physiopathologie des
Milzbrandes. ( Fortach r. d. Medicin. Bd. IX. 1891. No. 9—11.)
In der vorliegenden Arbeit suchen die Verff. durch zahlreiche
Tbierexperhnente und eingehende mikroskopische Untersuchung die
Stellung der blutbereitenden Organe, vor allen Dingen der Milz, dann
des Knochenmarks und der Lymphdrüsen in der Pathologie des Milz-
brandes zu bestimmen. Zunächst exatirpirten sie Thieren — Meer-
schweinchen und Kaninchen — die Milz, infizirten sie mit Milzbrand
nach Heilung der Operationswunde — 26 bis 366 Tage p. op. -
und verglichen die Ergebnisse der weiteren Untersuchung mit nicht
entmilzten milzbrandigen Thieren.
In der Zeitdauer zwischen Infektion und Tod war ein Unter-
schied nicht zu erkennen, da sowohl entmilzte als nicht entmilzte
Thiere innerhalb derselben Zeitgrenzen starben, diese sich aber über-
haupt beim Milzbrand normaler Weise ziemlich weit erwiesen. Die
Temperaturkurve verlief bei beiden Arten gleich, und zwar konsta-
tirten die Verff., dass bei Ausschluss einer lokalen Reaktion kein
Fieber auftrat, dagegen fanden sie gegen das Ende stets einen Tero-
peraturabfall bis auf 32 °. Auch betreffs des ersten Auftretens der
Bacillen im Blut war kein deutlicher Unterschied, dasselbe schwankt«
bei beiden Thiersorten sehr stark; bei dem einen Thier waren sie
schon nach 21 Stunden, bei dem anderen erst nach 57 zu bemerken.
Die Alteration des Blutes selbst, welche längst bekannt fct,
fanden auch die VerflL: eine ausgedehnte Leukocytose, d. h. reich-
lichen Zerfall der rothen Zellen und starke Vermehrung der weissen
Blutkörperchen.
Die mikroskopisch wahrnehmbaren Veränderungen in der Milz
wurden an einer grossen Zahl von Mäusen untersucht, indem in drei
Versuchsreihen nach der Infektion alle 2—3 Stunden eine getödtet
wurde. Die Härtung der Milz geschah in Alkohol, die Färbung nach
den vershciedensten im Original einzusehenden Methoden. Das sehr
bemerkenswerthe Resultat war, dass erst spät, wenn die Bacillen be-
reits im Blut zu finden sind, die ersten pathologischen Veränderungen
in der Milz auftraten. Dieselbe verliert zunächst ihre normale Trans-
parenz, und zwar beginnt diese Trübung in der Umgebung der Mal*
pighi' sehen Körperchen, die selbst aber unverändert bleiben; die
Pulpazellen werden granulirt, die Kerne färben sich nur noch schwach,
die Intercellularräume sind dilatirt und enthalten eine glasige Sub-
stanz. Dieser Prozess schreitet allmählich weiter, während feinem,
körniges, gelbes Pigment zwischen den Milzzellen auftritt — R**^
bereits zu Grunde gegangener rother Blutkörperchen; dort sammeln
sich auch zahlreiche nicht zerstörte rothe Blutkörperchen an, die aber
meist in ihrer Form schon schwer geschädigt sind. Weiter zeige»
sich auch blutkörperchenhaltige und pigmentführende Zellen. Endlich
treten auch Bacillen auf, also in einem bereits stark veränderten,
krankhaft affizirten Gewebe, die aber nie in den Zellen, sondern nur
in den freien Intercellularräumen gefunden werden.
Von jetzt an nehmen die Veränderungen rasch zu, die Maschefi
werden durch Blut auseinandergedrängt, die Bacillen vermehren si<*
stark, das Pigment tritt massenhaft auf, die Pulpazellen selbst ver-
MUsbrand. 225
fallen der Koagulationsnekrose, so dass schliesslich die Pulpa wie
eine einzige Masse erscheint, bestehend aus nekrotischen Pulpazellen,
umgeben von geronnenem, stark verändertem, eine Unmenge Bacillen
enthaltendem Blut; es besteht mit einem Wort: Milzbrand.
Die Follikel dagegen bleiben vollkommen frei von Bacillen; sie
sind durch Karyokinese etwas geschwollen, und können die Verff. von
den sich findenden Mitosen nur soviel angeben , dass sie zum Theil
sicher den fixen Zellen angehören.
Die Veränderungen in den Lymphdrüsen hatten mit denen in
der Milz grosse Aehnlichkeit; auch hierbei war ein unterschied
zwischen den entmilzten und nichtentmilzten Thieren nicht zu be-
merken. Die ersten Erscheinungen, Stase und Thrombose, traten im
Marke speziell in dem Sinus der Marksubstanz auf, gefolgt von Ne-
krose und Hämorrhagie mit Bacillenaustritt, während die Follikel wie
die Mal p ig hi' sehen Körperchen der Milz Mitosen aufwiesen und
frei von Bacillen blieben. Aehnlicb, aber viel stürmischer und mehr
mit Nekrose verbunden, verlief dieser Prozess in den Lymphdrüsen,
welche zunächst der Injektionsstelle liegen, was offenbar durch die
Verschiedenheit der Infektionswege, hier die Lymphbahnen, dort das
Blut, bedingt war. Ueberall fanden die Verff., dass ein Austritt von
Bacillen und Blutkörperchen aus den Blutgefässen auch ohne Zer-
reißung derselben, zum wenigsten in der letzten Periode der In-
fektion konstant stattfand, die Wandungen der Kapillaren also keinen
unüberwindlichen Wall darboten.
Im Knochenmark fanden die Verff., ähnlich wie in den Follikeln,
aasgesprochene aktive Vorgänge. Die Mitosen in den rothen Blut-
körperchen wie in den Leukocyten wurden sehr zahlreich und die
Menge der Riesenzellen nahm im Verlauf der Krankheit, und zwar
in höherem Grade bei den entmilzten, als den normalen Thieren zu.
Im letzten Stadium der Krankheit kam es auch hier zu Hämorrha-
gieen und Extravasaten von Bacillen und Blut.
Diese gesteigerte Thätigkeit der lymphatischen Organe erklärt
zur Genüge die beim Milzbrand auftretende Leukocytose. Da die
Keimcentren, in welchen die Mitosen auftreten, von Bacillen frei blei-
ben und ihre Thätigkeit lange vor Auftreten der Bacillen im Blute
beginnen, so müssen es lösliche chemische Substanzen sein, welche
sie verursachen. Scheurlen (Stuttgart).
Latis, Ueber den Uebergang des Milzbrandes von der
Matter auf den Fötus und über die Veränderungen
in den Gefässen, welche der Milzbrand hervorbringt.
[Aus dem pathol.-anat. Institute der königl. Universität Modena.]
(Ziegler 's Beiträge zur pathologischen Anatomie und zur allge-
meinen Pathologie. Bd. X. Seite 148).
Die erste Versuchsreihe des Verf.'s bezieht sich auf 15 Experi-
mente, bei denen er Meerschweinchen in verschiedenen Epochen der
Trächtigkeit zu inokuliren suchte. Verf. erhielt von ihnen 37 Foeten.
Die Infektion der Mutterthiere erfolgte am Rücken. Nach dem
Tode derselben wurde der Uterus an seinen Enden unterbunden,
herausgenommen und in 90°/oigen Alkohol gebracht. Nach einigen
IB*- 15
226 Milzbrand.
Stunden wurde der Uterus und der Fruchtsack eröffnet und Amnion-
flüssigkeit zur Untersuchung herausgenommen.
In anderen Fällen trachtete Verf. eine Vermehrung der eventuell
spärlich im Fötuskörper enthaltenen Bacillen in der Wärme zu ver-
anlassen. Zu diesem Behufe wurde der mütterliche Uterus nach der
Herausnahme in 2%ige Sublimatlösung eingetaucht und das Uteras-
gewebe mit einer glühenden Messerklinge bis auf den Sack verbrannt
und mit einer sterilisirten gläsernen Pipette die Amnionflüssigkeit
aspirirt. Der Fötus wurde in eine feuchte Kammer in einen Ther-
mostaten von 30° C gebracht und in dieselbe Wärmkammer eine
Tropfenkultur von dem mütterlichen Blute gestellt. Sobald sich
letztere entwickelt hatte, wurde der Fötus, nachdem vorher von
Stücken verschiedener Organe desselben Kulturen angelegt worden
waren, in 90°/0igen Alkohol gebracht
Mikroskopisch wurden sodann Leber, Herz, Milz, Nabelvenen
und Nabelstrang untersucht Ebenso wurde die Placenta histologisch
und bakteriologisch untersucht
Von den 15 Fällen hatte in 8 Fällen ein Uebergang des Virus
von der Mutter auf den Fötus sicher stattgefunden. Einen Einfluss
der Dauer der Infektion auf den Uebergang des Virus konnte Verf.
nicht konstatiren. Im mütterlichen Blute wurden die Milzbrandba-
cillen immer erst 4—5 Stunden vor dem Tode des Thieres zahlreich.
Unter den 8 Versuchen mit positivem Resultate fand Verf. nur zwei-
mal Bacillen in der Nabelvene.
Hämorrhagieen beobachtete Verf. in der Placenta niemals. An
gewissen Stellen der letzteren fand er Anhäufungen von Bacillen
in kleinen Blutgefässen, zuweilen Bacillen, welche quer durch die
Gefässwände gingen, endlich Bacillen zwischen den Zellen der De-
eidua.
Verf. vermuthete, dass der Austritt der Milzbrandbacillen aus den
Gefässen durch Diapedesis erfolgte.
Diesbezügliche Untersuchungen wurden am Mesenterium von
Meerschweinchen angestellt. Es wurden 10 Meerschweinchen mit
Milzbrandvirus geimpft und deren Blut von Zeit zu Zeit untersucht
und die Thiere in verschiedenen Stadien der Infektion getödtet und
deren Mesenterium untersucht. Verf. gewann dabei den Eindruck,
dass, wenn nur sehr wenige Bacillen im Blute vorhanden sind, nichts
Abnormes in den Gefässen vor sich geht; wenn sich ihrer aber viele
vorfinden, so findet ein massiger Austritt von weissen und von
einigen rothen Blutkörperchen aus. den Gefässen statt, und dieser
Austritt ist in einigen Fällen um so bedeutender, je mehr die Schwere
der Infektion zunimmt. In den letzten Stadien findet man ausser-
halb der Gefässe nicht nur weisse und rothe Blutkörperchen, sondern
auch Bacillen. Auch hier wurden niemals Zerreissungen der Gefäss-
wände wahrgenommen.
Aus diesem Befunde am Mesenterium zieht Verf. einen Rück-
schluss für die Placenta, und hält dafür, dass es sich beim Ueber-
gange von Milzbrandvirus von der Mutter auf den Fötus auch um
Diapedese handelt, nachdem eine Alteration der Gefässwände durch
die Bacillen stattgefunden hat. Di tt rieh (Prag).
HospiUlbrand. — Dyssenterie. 227
Herff, von, Eid Fall von Hospitalbrand an der Vulva
nebst Bemerkungen über die Behandlung dieser
Krankheit (Dtsch. med. Wochenschr. 1890. No. 43.)
Verf. hat nicht nur einen Fall von Hospitalbrand, wie nach
der Ueberschrift seines Aufsatzes geschlossen werden müsste, sondern
mehrere Kranke dieser Art beobachtet bez. behandelt und dabei in
Uebereinstimmung mit Prof. Böse in Giessen festgestellt, dass gegen-
über der Wirkungslosigkeit vieler gebräuchlicher Antiseptika die
Saücyls&ure einen entschieden günstigen Einfluss für die Heilung der
Nosocomialgangr&n ausübt. Verf. rieb die Geschwürsflächen täglich
mehrmals mit 10% alkoholischer Salicylsäurelösung gründlich ab
und behandelte dieselben dann fernerhin mit 2 stündlichen Pinselungen
oder Umschlägen von 2 °/0 Salicylglycerin. Er erreichte hierdurch in
wenigen Stunden Nachlass der Infiltration, in wenigen Tagen Reinigung
der Geschwüre, Aufhören des Fiebers und Besserung des Allgemeinbe-
findens, während sich allerdings die Vernarbung der Defekte noch
über Wochen hinzog.
Verf. glaubt, im Gegensatz zu Rosenbach, den Hospitalbrand
scharf von der Wunddiphtherie trennen zu müssen. Jene Krankheit
unterscheidet sich nach seinen Beobachtungen von dieser durch das
lochförmige Aussehen der Geschwüre und durch das rasche Tiefer-
greifen der Defekte.
Untersuchungen in ätiologischer Beziehung hat Verf. nicht an-
gestellt. Kubier (Berlin).
Doek, George, Observation s on the Amoeba coli in dys-
sentery and abscess oftheliver. (D an iel's Texas Me-
dical Journal. 1891.)
Die Dock 'sehe Arbeit ist im Wesentlichen eine Bestätigung
der Befunde früherer Untersucher.
Verfasser gibt einen geschichtlichen Ueberblick über die Ent-
wickelung der Lehre von den Dyssenterieamöben. Der erste Ent-
decker der Dyssenterieamöben war Lösch (Virch. Arch. Bd. LXV),
der die von ihm sogenannte Amoebacoli 1873 bei einem Patienten mit
chronischer Dyssenterie fand und dem auch ein Impfversuch bei einem
Hunde gelang.
Sonsino (Gairo) sah im Darm eines Kindes Amöben, Grassi
und Perroncito (Gazz. ital. Lomb. 1879) beobachteten dieselben
ebenfalls im Stuhl.
Koch fand während seines Gholerauntersuchungen gewidmeten
Aufenthaltes in Aegypten die Amöben in mehreren Fällen von Dys-
senterie. [Koch fand die Amöben auch in Schnitten dyssenteriseber
Darmgeschwüre und in den Kapillaren der Leber. Ref.].
Kartulis (Alexandrien) beschäftigte sich seit 1885 ununter-
brochen mit der interessanten Frage [er war der erste genaue Be-
schreit** der Amöben. Ref.]. Kartulis stand bis zum Jahre 1889
ein Material von 500 Fällen zur Verfügung; er fand in diesen die
Amöben stets, vermisste sie aber bei anderen ulcerativen Prozessen.
Impfungen auf Meerschweinchen, Kaninchen, Hunde und Affen fielen
negativ aus; ebenso misslang die Kultur. [Inzwischen ist Kart, die
15*
228 Dystentorie.
Kultivirung der Amöben gelungen. Ref., dem es vergönnt war, die
von Kart beschriebenen Amöben in den Stühlen und Darmge-
schwüren mehrerer Dyssenterischen zu finden, konnte sich persön-
lich von dem Wachsthum der Amöben in Heuinfus überzeugen; frei-
lich ist es K. bisher nicht möglich gewesen, eine Trennung von den
mitwachsenden Bakterien zu erzielen. Ref.] Kartulis fand die
Amöben auch in Leberabscessen, die er als dyssenterische von den
idiopathischen trennt; er nimmt dabei an, dass die Amöben durch
die Kapillaren der Submucosa zur Portalvene und in die Leber ge-
langen ; aus dem Umstand, dass Typhus- und Tuberkelgeschwüre des
Darms nicht zu Leberabscessen führen, schliesst er, dass bei der Ent-
stehung der dyssenterischen Leberabscesse die Amöben eine Haupt-
rolle spielen, allerdings nur indirekt, indem sie durch Läsionen etc.
den Boden für die mitgeschleppten Bakterien vorbereiten.
Massiutin (Centralbl. f. Bakt. 1889) fand Amöben in 5 Fällen,
von denen nur einer dyssenterische Symptome gezeigt haben soll
[? Ref.].
Ost er (John Hopkins Hospital Bulletin. May u. November 1890),
Stengel (Med. News. Novemb. 1890) und J. H. Musser (Univer-
sity medical magazine. December 1890) beobachteten Amöben in
mehreren Dyssenteriefällen.
Verfasser kommt nun zu seinen eigenen UnterBuchungen. Er
gibt zunächst die genauen Krankengeschichten von 12 Fällen. Aas
denselben ist hervorzuheben, dass, so sehr die Krankheitsbilder auch
unter einander abweichen, stets im Dickdarm Geschwüre und im Stuhl
(resp. wenn Leberabscess bestand, in diesem) Amöben vorhanden
waren, während sie bei anderen Darmerkrankungen fehlten; aller-
dings fehlten auch in 4 von den beschriebenen Fällen dyssenterische
Symptome während des Lebens. Bei den tropischen Leberabscessen
beobachtete Verfasser, dass nekrotische Erweichung häufig über
Eiterung überwiegt, und er möchte das den Amöben zuschreiben; in
einem Fall von Abscess fand Verf. keine Amöben, und er schliesst
sich deshalb der von Kartulis aufgestellten Eintheilung an.
Verfasser wendet sich sodann zur Untersuchungstechnik, Am
besten ist es, den Stuhl so frisch wie möglich und bei Körpertem-
peratur zu untersuchen, indessen bleiben die Organismen bei warmem
Wetter noch 24 Stunden beweglich, während bei kaltem Wetter eine
leichte Erwärmung des Stuhls genügt, um sie am Leben zu erhalten.
Die Amöben finden sich am zahlreichsten in kleinen Eiterpartikeln
oder blutigem Schleim; die Untersuchung soll bei massig starker
Vergrösserung (etwa 400 fachet) vorgenommen werden. Die unbe-
weglichen Formen können leicht mit degenerirten Zellen verwechselt
werden. An Grösse variiren die Amöben sehr. Verf. fand Formen von
13—37 /Li im Durchmesser. Bei allen Amöben konnte Verf. deutlich das
granulirte Endosark vom homogenen Ektosark unterscheiden. In etwa
der Hallte aller Fälle enthielten die Amöben einen runden, stark
lichtbrechenden Kern innerhalb eines hellen Bläschens; ausserdem
fanden sich hier und da eine bis viele Vakuolen. Der Einschluss
von rothen Blutkörperchen, Leukocyten, Bakterien und Detritus ist
häufig und kann oft unter dem Mikroskop verfolgt werden.
Djssenteria. — Psorotpennose. 229
In ihrem Verhalten gegenüber Säuren, Alkalien, Jod etc. unter-
scheiden sich die Amöben nicht von anderen Protozoen. Färbungen
sind nicht sehr erfolgreich. Kultivirungsversuche in Hammelbrühe,
Reissappe und flüssigem Stuhl schlugen fehl. [Verf. scheint die runden
homogenen Formen nicht beobachtet zu haben. Ref.] Bezüglich
der Abkunft der Amöben glaubt Verf. dem Umstände, dass ver-
schiedene seiner Patienten ihre Krankheit in Oalveston acquirirten,
dessen Wasserversorgung in hygienischer Beziehung eine mangelhafte
ist, eine gewisse Bedeutung beilegen zu müssen. Wasseruntersu-
chungen fielen negativ aus.
Aas seinen Beobachtungen glaubt Verf. folgende Schlüsse ziehen
zu dürfen :
1) Die Amoeba coli ist ein Parasit, der wahrscheinlich sehr
weit verbreitet ist.
2) Es handelt sich wahrscheinlich um eine echte Amöbe.
3) Dieselbe findet sich bei gewissen Formen von ulcerativen
Processen des Dickdarms.
4) Sie findet sich in Leberabscessen, die sich im Anschluss an
jene Erkrankungen entwickeln.
5) Wir haben keine Veranlassung, dem Parasiten pathogene Kraft
zuzuschreiben.
6) Der Fund des Parasiten hat wahrscheinlich einigen Werth
for die Diagnose und für die Feststellung der Wirksamkeit der Be-
handlung. P. Kaufmann (Alexandrien).
Lustgarten, Sigmund, On Psorospermosis follicularis.
(Journal of cutaneous and genito-urinary diseases. Vol. IX. No. 1.
pg. 7-14.)
Der Verf. gibt in seiner Abhandlung, die ein Abdruck seines
Vortrages auf dem X. intern. Gongress darstellt, Nachricht von einer
eigenartigen Hauterkrankung, deren Entstehung er auf Anwesenheit
▼on Parasiten zurückführt, zugehörig zu den Protozoen.
Eine detaillirte Krankengeschichte des Falles bildet den Anfang
der Arbeit Besonders betont wird das für die Affektion charakteri-
stische Auftreten von hirse- bis hanfkorngrossen, Gomedo-ähnlichen
Gebilden auf der stark trichterförmigen Erweiterung der Follikel-
mündungen, zwischen denen der abgeheilte Prozess Hautatrophieen
zurückgelassen.
L. geht kurz auf die Differenz zwischen der beschriebenen und
anderen Hauterkrankungen, vor allem den Lichenformen, ein.
Erkrankt sind: 1) die Follikel, 2) die Retezapfeu. Talg- und
Schweissdrüsen wurden immer normal befunden.
Aus den Follikeln lassen sich Gomedo - ähnliche Gebilde aus-
drücken, die besonders in ihrem unteren Theile zahlreiche, in Zellen
•»gerade „Psorospermien" zeigen. Der Zellkern ist, wenn noch vorhanden,
verdrängt Die Parasiten sind kenntlich durch das starke Lacht-
wechungsvermögen, haben einen granulirten Kern, der oft exzentrisch
llegt. Der obere Theil des Comedogebildes oder „Pflockes4' hat nur
J.emg intracellul&re Parasiten aufzuweisen, viele freiliegende, welche
die Farbe besser aufnehmen, als die intracellul&ren (Dicke der Hülle).
230 Pftorospermote. — Engerlingsseach«.
An Schnitten untersucht, zeigte sich, dass die pathologisches
Vorgänge vornehmlich in der Epidermis ihren Sitz haben, und dass
die Ausführungsgänge der Talgdrüsen und Haarfollikel trichterförmig
erweitert, mit glänzenden, hornähnlichen Massen erfüllt sind. Psoro-
spermien lagen in den tieferen Theilen derselben oft in Gruppen. Die
Epidermiszellen sind flach, mit Ansammlung von viel Eeratohy&lio.
Die Retezapfen scheinen verlängert, verbreitert und anregelmässig
und zeigen in verschiedenen Tiefen durch ihre optische Eigenschaft
deutliche Psorospermien. Der Papillarkörper weist kleinzellige Infiltra-
tion auf und viele Pigmentzellen. In der Cutis fanden sich keine
Psorospermien.
Züchtungsversuche, Impfungen etc. waren negativ. Gleichwohl
glaubt Verf., mit Hinweis auf analoge Erkrankungen, wie Mollusc con-
tag., Paget' 8 Krankheit, Damier's Dermatose, Epitheliom, seine
Befunde als Psorospermien deuten zu sollen. Wolters (Bonn).
Glard, Alfred, L'Isaria, parasite de la larve du hanneton.
(Compt rend. de 1' Acad. de Paris. T. CXII. 1891. No. 22. p. 1270—1273).
Nachdem Verf. bereits früher den Urheber der Engerlingseuche
von C6auc6 untersucht und vorläufig als Isaria beschrieben hatte,
auch seine Kultur in künstlichen Nährmitteln und von da auf Enger-
lingen und Mehlwürmern (Tenebrio molitor) erörtert hatU\
haben sich Prillieux und Delacroix1) mit dem gleichen Parasiten
beschäftigt, aber den Urheber mit Botrytis tenella Sacc. identi-
fizirt und gemeint, die von Giard beobachtete Isaria gehöre zu
der auf der Botrytis schmarotzenden Melanospora para-
sitica. In der vorliegenden Arbeit weist nun Verf. daraufhin, dass
dies ein Irrthum sei. Botrytis und Isaria gehören zusammen
und in anderen Fällen weiter zu einem Cordyceps. Auf künst-
lichen Nährmitteln und auf schwachen Engerlingsklerotien entwickelt
sich von dem Engerlingpilz vorwiegend die Botrytis form, die bei
C6auc6 gesammelten Engerlinge dagegen zeigten in der Mehrzahl
sehr schöne Typen der Isaria, deren Hyphasmen eine Länge von
mehreren Centimetern erreichten. Die Botrytis tenella Sacc.
gehört zu einer Isaria tenella Giard. Beide Namen sind nur
provisorische, da vermuthlich diese Fruchtformen zu einem bereits
als Cordyceps beschriebenen Pilz gehören. 1769 hatte schon
Fougeroux de Bondaroy einen Pilz auf den Engerlingen in
Pennsylvanien beschrieben und Tu las ne hatte später den Pilz Cor-
dyceps Melolonthae genannt. Dieser Pilz wurde weiter studirt
von Burill, Kirtland, Mitchili, Walsh, Zabriskie etc.;
1875 hat ihn Rlley von neuem beschrieben als Torrubia elon-
g a t a. Derselbe ist jedoch bisher nicht, wie K r a s s i 1 s t s c h i k u. A.
angeben, auf Melolont ha vulgaris Fab., sondern auf dem ame-
rikanischen Engerling (white grub), Lachnosterna fusca, be-
obachtet worden.
Ferner haben Berkely und Curtis den Cordyceps R*~
venelii als Parasiten der Larven eines anderen Rhizotrogiden
(Ancylonycha Dej., Phyllophaga Harris) aus Carolina, Texas
1) Vgl. Centralbl. f. Bakter. n. Para«. Bd. X. 1891. p. 163.
Engerlingsseuche. — Giftige» Getreide 231
und Alabama beschrieben. Roumegu&re und Ch. Fourcade
haben in Frankreich den Cordyceps entomorrhiza Dicks. auf
dem Junikäfer, Rhizotrogus sols titialis Fab., gefunden.
Ronmego&re und Briard haben weiter in Frankreich auf dem
gemeinen Maikäfer selbst den Cordyceps militarisL. mit der
Isaria farinosa gefunden. Bail hatte schon 1869 eine Isaria
auf Engerling und Maikäfer in Preussen (Mewe), de B a r y gleich-
zeitig auf den Engerlingen um Halle eine Botrytis aufgefunden, die
er zu Botrytis Bassiana stellt Auf Larven der Maikäfer und
anderen Lamellicornen sind sodann die ungenügend beschriebenen
Arten Cordyceps Miquelii Tul., C. sobolifera Hill., C.
Barnesii Thv. gefunden worden. Leidy hat 1851 einen Pilz-
parasiten auf den Larven der Lamellicornia, Metschnikoff
die Isaria destructor auf Anisoplia austriaca, Grognot
die Isaria eleu thera torum Nces auf Lucanus cervus
beobachtet. Alle diese Pilze sind noch nicht in allen ihren Entwicke-
lungszuständen bekannt geworden.
Im Gegensatz zu Prillieux und Delacroix hat der Verf.
gefunden, dass die Reinkulturen des Pilzes auf Kartoffeln eine viel
geringere Ausbeute an Sporen geben, als die auf stickstoffreichen
Nährböden (Fleischbrühe etc.), was leicht verständlich ist, da die
Engerlinge gegen 3,5 °/0 Stickstoff enthalten. Eine gewisse Menge
von Phosphaten fördert die Kulturen des Engerlingpilzes und schliess-
lich muss das Nährmittel schwach sauer reagiren. Ludwig (Greiz).
Woronln, M., Ueber das „Taumelgetreide" in Süd-Us-
surien1). (Botan. Ztg. 1891. pag. 81—93.)
Im Süd-Ussuri-Lande (Ost-Sibirien, zwischen dem Amur, dem
stillen Ocean und der chinesischen Grenze) tritt häufig sogenanntes
„Taumelgetreide4' auf (Roggen, Weizen, Hafer und andere dort kul-
tivirte Gräser ; auch Hanf mit denselben Eigenschaften kommt vor),
dessen Genuss Schwindel, Erbrechen etc. hervorruft, sowohl beim
Menschen als auch bei verschiedenen Hausthieren. „Taumelroggen"
Mit ganz ähnlichen Eigenschaften ist auch in Schweden beobachtet
und von Eriksson beschrieben worden, nach dessen Angabe die
fraglichen Roggenkörner mit GonidicLketten von Cladosporium
herbarum bedeckt sind.
Verf. erhielt aus Süd-Ussurien Proben des Taumelgetreides nebst
Beschreibungen der Herren Palczewski und Epow, welche
die Erscheinung an Ort und Stelle untersucht haben. Verf. fand bei
näherer Untersuchung eine Reihe von Pilzen und zählt dieselben
in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit und vermuthlichen Schädlich-
keit auf.
1) Fusarium roseum Link und
2) die zugehörige Perithecienform Gibberella Saubinetii
Suc. (Mich.), die an denselben Stellen wie voriges, nur etwas später
auftritt.
3) Cladosporium herbarum Link findet sich sowohl auf
den Halmen, als auch auf Hüll- und Deckspelzen, sowie auf den
0 Vergl. «. Centrmlbl. f. BukUr. u Paras Bd. X. 1S91. 8. 200.
232 Giftig«! Gttreid«.
Getreidekörnern selbst, namentlich die Spitze derselben beschä-
digend.
4) Helm in thospori um sp.?, eine Form, die Verf. zwar nicht
für neu hält, die er aber nicht sicher bestimmen konnte. Fast ebenso
häufig wie das vorige.
5) Epicoccum neglectum Desm.
6) Trichothecium roseum Link.
Die folgenden Pilze wurden nur auf einzelnen Aehren gefunden:
7) Eurotium herb ariorum Link mit der zugehörigen Goni-
dienform (Aspergillus glaucus).
8) Einzelne, durch ihre rosarothe Farbe auffallende Weizenkörner
waren der durch Prillieux beschriebenen Bacteriosis anheimge-
fallen: ihr Endosperm war durch einen Micrococcus zerstört.
9) Ein unansehnlicher Hyphomycet, den Verf. für HymenuU
gl um ar um Gooke et Horke hält.
10) Kleine Perithecien, die anscheinend zu einer der Gattungen
Sphaerella oder Didymella gehören.
11) Dunkelbraune Pycniden, die fast immer in Begleitung des
oben genannten Helminthosporium auftreten und vielleicht in
genetischer Beziehung zu ihm stehen.
12) Ein unbestimmter Hyphomycet, dessen farblose Träger eine
gewöhnlich dunkelbraune, verkehrteiförmige Spore abschnüren.
13) Cladochytrium graminis Büsg., selten in Blättern und
Halmen.
14) Puccinia graminis, nur in einem Falle, so dass dieser
verbreitete Parasit in Süd-Ussurien eine seltene Erscheinung zu sein
scheint.
In einzelnen Proben fand Verf. überdies mikroskopische Würmer
aas der Gattung A n g u i 1 1 u 1 a , die bekanntlich nicht selten auf ver-
schiedenen Gramineen ein parasitisches Leben führen.
Alle genannten Pilze (ausser 13 und 14) sind Saprophyten und
siedeln sich auf den Getreidekörnern jedenfalls erst in Folge des
theilweisen Absterbens der Gewebe derselben an. Die Ursache der
Pilzansiedelung ist in dem feuchten Klima des Süd-Ussuri-Landes zu
suchen, in Folge dessen die auf den Feldern angehäuften Garben
nicht gehörig austrocknen und die Körner oft in den Aehren auszu-
keimen beginnen. In trockeneren Sommern wird das Taumelgetreide
viel seltener, und in einzelnen trockeneren Landstrichen tritt es über-
haupt nie auf. Verf. gibt daher den Rath, das Getreide nicht auf
den Feldern liegen zu lassen, sondern dem Beispiel der Chinesen und
Koreaner folgend, dasselbe zum Trocknen auf hohe Stangen oder
Stricke aufzuhängen, am besten unter leichter Bedachung ; ausserdem
ist sorgfältige Reinigung des Saatkorns von geschwärzten -und rothen
Körnern zu empfehlen.
Welcher Saprophyt es ist, der die berauschenden Eigenschaften
des Taumelgetreides hervorruft, ist nicht ohne weiteres zu entscheiden.
Wahrscheinlich dürfte es aber eine der Formen 1—4 sein, oder
vielleicht alle diese 4 Formen zusammen. Roth er t (Kazan).
Giftige« Getreide« 233
8oroMB, N., Deber einige Krankheiten der Kultur-
pflanzen im Süd-Ussurischen Gebiet. (Arbeiten der
Naturf. Ges. in Kazan. Bd. XXII. Heft 3. Sep.-Abdr. 32 pag. mit
1 farbigen Tafel.) Kazan 1890. [Russisch.]
Aus gleicher Quelle wie Wo ronin (siehe vorstehendes Referat)
erhielt Verf. 30 Proben von Roggen, Weizen, Gerste und Hafer, sowie
eine Probe von Sorghum vulgare, und untersuchte, unabhängig
von Woronin, die darauf befindlichen Pilze.
I. Gibberella Saubinetii (Mont) Saccardo. Findet sich in
Form von 1) Perithecien, und 2) Gonidien (Fusarium roseum
Link). Ausserdem finden sich aber auch noch einige neue Fruktifi-
kationsformen, die Verf. ebenfalls für hierher gehörig hält, nämlich:
3) Stylosporen, kleine farblose Sporen (2 — 4/z im Durchmesser),
die in Mehrzahl von einem kurzen, verzweigten Gonidienträger abge-
schnürt werden. Dieser ist seinerseits ein Zweig einer Mycelhyphe,
welche zuweilen rosa gefärbt ist und manchmal im Innern der Zellen
des Wirthes vegetirt; letzterer Umstand lässt vermuthen, dass Fu-
sarium roseum, für gewöhnlich ein Sapropbyt, unter Umständen
auch ein parasitisches Leben führen kann. 4) „Runde Zellen". Auf
den Hyphen von Fusarium finden sich beständig grosse, runde oder
ovale, eudständige Zellen mit rosenrothem Inhalt und einem Keim-
porus an der Spitze, über deren Bedeutung sich der Verf. noch keine
bestimmte Ansicht hat bilden können.
Auch bei Kazan ist Fusarium roseum auf Getreidekörnern
häufig; die „runden Zellen41 finden sich ebenfalls auf dem Mycel, die
Perithecienfruktifikation fehlt hingegen, während sie im Süd-Ussuri-
Lande sehr häufig ist. Auch verleiht Fusarium im europäischen
Russland dem Getreide nicht die berauschenden Eigenschaften, wie
dort. Beides dürfte vielleicht in den klimatischen Unterschieden seinen
Grund haben.
II. Helminthosporium Sorokinianum Saccardo (in
litteris), nova species. Eine Diagnose wird, in Hinsicht auf die be-
vorstehende Beschreibung der Form durch Saccardo, dem Verf.
sie zur Bestimmung mitgetheilt bat, nicht gegeben.
III. Endothlaspis Sorghi Sorokin. Diese Ustilaginee,
die Verf. schon früher in Buchara auf Sorghum cernuum ge-
funden und beschrieben hat, findet sich in und auf den Aehren von
Sorghum vulgare und verwandelt dieselben in eine schwarze,
pulverige Masse, die äusserlich ganz den Eindruck einer Ustilago
macht.
IV. Fumago? Unter dieser Bezeichnung vereinigt Verf. 2 Pilz-
formen, die nicht genügend entwickelt waren, um sicher bestimmt zu
werden. Die eine besteht aus einem dunkelbraunen Mycel, welches
kleine, runde Zellen abschnürt und wahrscheinlich zu der Gonidien-
form Ciados porium herbarum gehört; sie kommt auf Roggen-
körnern vor. Das andere, auf Haferkörnern vorkommende, braune
oder farblose Mycelium ist stellenweise mit Frucbtträgern versehen,
die eine birnförmige, zusammengesetzte Spore tragen und an die
Schimmelform Stemphylium erinnern.
Weiter gibt Verf. eine Uebersicht der ihm zugeschickten Proben
286 Schutzimpfung, kfinstl. Infektionskrankheiten, Entwickelungsbemmaiig etc.
ziehang zwischen dem Salzsäuregebalt und der Menge der Bakterien
(und Schimmelpilze). Bei Mangel an Salzsäure (Acidität 0,025-
0,04 °/0 resp. 0,06 °/0) war die Gelatine nach 3 resp. 6 Tagen ganz
mit Kolonieen bedeckt; bei normalem Säuregehalt ergaben sich 6—
80 Kolonieen pio ccm Mageninhalt. Eine strenge Proportionalität
zwischen Salzsäuregehalt und Bakterienmenge bestand jedoch nicht
4) Je 4 Personen wurde durch eine sterilisirte Sonde einmal
heisse (also sterilisirte) Suppe, ein anderes Mal dieselbe Suppe, nach-
dem sie einen Tag lang in offener Schale sich abgekühlt hatte, in den
Magen eingeführt und nach bestimmten Zeiträumen (während welcher
die Sonde nicht entfernt wurde) Mageninhalt zur Untersuchung ent-
nommen. Da diese Versuche dem Ref. besonders instruktiv scheinen,
so sei die Tabelle des Verf.'s (in abgekürzter Form) wiedergegeben.
Der
wurde
Mageninhalt ,«iiy»^
i entnommen Inhalts an freier| ri*n + 8ehiÄ-.
nach :
HCl in 0/0
pilae).
o) 1 Minute
ß) 1 Stunde
0
0,180
180+80
10 + 0
o) 1 Stunde
ß) 8 Stunden
0,135
0,137
4600+40
900+10
a) 1 Minute
ß) 1 8tunde
0
0,084
160+80
40 + 0
<x) 1 Stunde
ß) 8 Stunden
0,148
0,156
SSO + 10
100+0
a) 1 Minute
ß) 1 8tunde
0
0,095
500+80
80+0
a) 1 Stunde
ß) 8 Stunden
0,170
0,175
1000 + 85
480+10
a) 1 Minute
ß) 1 Stunde
0,006
0,064
150+30
18+4
a) 1 Stunde
ß) 8 Stunden
0.160
0,170
650+50
400+80
Person 1: a) heisse 8uppe{
b) kalte Suppe {
Person 11: a) heisse Suppe
b) kalte Suppe l
Person III: a) heisse Suppe
b) kalte Suppe l
Person IV: a) heisse Suppe
b) kalte Suppe {
Diese Versuche (welche ebenfalls mit nüchternen Personen vor-
genommen wurden) bestätigen 1) die Anwesenheit zahlreicher Bak-
terien im nüchternen (salzsäurefreien) Magen (siehe a, a); sie lehren 2)
dass der Bakteriengehalt des Magens in hohem Grade abhängig ist
von der Menge der mit der Nahrung eingeführten Bakterien (vgl.
a, 8 mit b, a); 3) dass beim Verweilen in dem salzsäurehaltigen
Mageninhalt die Anzahl der entwickelungsfähigen Bakterien (und
Schimmelpilze) sich überaus schnell vermindert (vgl. alle a mit allen /?)•
5) 15 Personen (theils gesund, theils an Magenerweiterung resp-
Magenkrebs leidend) erhielten ein Mittagessen, bestehend aus Suppe,
Brot und kaltem Fleisch. 1, 3 und 5 (einige Mal 2, 4 und 6) Stan-
den nach der Mahlzeit wurden von jeder Person Mageninhaltproben
zur Untersuchung entnommen. Die ebenfalls instruktive Tabelle ist
zu lang, um hier angeführt zu werden, die Resultate sind kurz fol-
gende: 1) 1 Stunde nach der Mahlzeit zeigt die Bakterienmenge
keine Beziehung zu dem Salzsäuregehalt; 2) in der Folge nimmt die
Neue Litteratur. 237
Bakterienmenge stetig ab, und zwar um so rapider, je grösser der
Salzsäuregehalt des Mageninhalts ; 3) bei einer gesunden Person mit
ungewöhnlich geringem Salzs&uregehalt (0—0,004%) nahm die Bak-
terienmenge nicht ab, sondern zu (verdreifachte sich im Laufe von
4 Standen); bei 2 an Magenkrebs leidenden Personen, bei denen
Oberhaupt keine Salzsäure nachgewiesen werden konnte, war die
Bakterienmenge von Anfang an sehr beträchtlich und nahm ebenfalls
mit der Zeit stark zu 1).
Es sei noch bemerkt, dass vor der Nahrungsaufnahme resp. vor
der Einführung der Sonde die Versuchspersonen die Mundhöhle auf
das sorgfältigste reinigten, um das Eindringen von Bakterien aus
letzterer mit der Nahrung oder der Sonde in den Magen möglichst
zu vermeiden.
In der Zusammenfassung seiner Ergebnisse spricht der Verf. u.
a. die Meinung aus, dass bei der Magenverdauung die Bakterien
höchst wahrscheinlich gar keinen Antbeil nehmen.
Roth er t (Kazan).
Neue Litteratur
tnummragettellt ron
Da. Abthüb Wübzbubg,
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1) Die Menge der Schimmelpilse (soweit sie überhaupt rorhanden waren) nahm
hll>gegen ausnahmslos mit der Zeit ab, in vielen Fällen bis an 0, selbst bei Ab-
"tteoneit tod Salssfiore. Dies bestätigt die ohnebin wahrscheinliche Annahme, dass
dl* Vernichtung der 8chimmelpilzsporen im Mageninhalt nicht durch die Salssfcure,
wwieni durch irgend eine andere Ursache bewirkt wird. Der Verf. berührt diesen
Paokt überhaupt nicht im Text. Ref.
238 *•»• Litteratar.
A. J*/ee*ttes
Litthaoer, Glossen nun Volks-8eucbengesets. (Zeitschr. f. Medlelaalbeamte. 1191.
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Latis, Ueber den Uebergang des Milzbran-
des von der Mutter auf den Fötus und
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welche der Milzbrand hervorbringt,
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TTntersuchungtmethoden, Initrumente etc.
Bernheim, H., Taschenbuch für den bak-
teriologischen Praktikanten, p. 234.
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Modifikation meiner Methode, p. 234.
Kirchner, Bakteriologische Untersuchungs-
methoden, p. 284.
Schutzimpfung, künstliche Infektions-
krankheiten, Xntwioklnngahommnng
und Vernichtung der Bakterien
und Parasiten.
Kijanowski, W., Zur Frage Über die anti-
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saftes, p. 285.
Nene Litteratur, p. 237.
Jfroinmannsche Buchdruckerei (Hermann Po nie) in Jona.
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
GelLHofr. Prot Dr. Leuclart m Professor Dr. Loefler
In Latpriff In Orrifnnld
herausgegeben von
Dr. O. TJTilworm in CasseL
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
X* Band« -o- Jena, den 5. September 1891. ~o- Nd. 8*
Frais für den Band (86 Hummern) 14 Mark.
Jährlich erscheinen zwei Binde.
— *f Zu beliehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten, g*-
Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Parasiten*
künde" richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wünsche um Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Auf'
sötze entweder bei der Einsendung der Abhandlungen an die
Medaktion auf das Manuskript schreiben zu wollen oder spä-
testens nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an
den Verleger, Herrn Gustav Fischer in Jena, gelangen zu
lassen. Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
eingehende Wünsche berücksichtigen zu können.
Original -Mittheilungen.
Zur Keuntniss der Amöben-Enteritis und -Hepatitis.
Von
Dr. A. Lutz
in
Honolulu (Hawaii).
Die neueren Mittheilungen von Osler und Eartulis in dieser
Zeitschrift veranlassen mich, einige einschlägige Beobachtungen und
Betrachtungen mitzutheilen. In der (leider unerfüllt gebliebenen)
Hoffnung, dieselben durch ein grösseres Material zu ergänzen, habe
ich sie bisher nicht veröffentlicht; wohl aber habe ich sie, um zu
weiteren Beobachtungen aufzufordern, in Fachkreisen vielfach zur
x-w. 16
242 !-**»,
Sprache gebracht Dies that ich auch 1889 bei einem Besuche im
John Hopkinshospitale, und fand, dass daselbst zu jener Zeit noch
keine einschlägigen Beobachtungen existirten. Es folgt daraus, dass
die Priorität der Beobachtung für die neue Welt mir gebührt und
Dr. Osler dieselbe nur für Nordamerika in Anspruch nehmen kann.
Dies allein würde mich indessen nicht zu einer Mittheilung ver-
anlasst haben; geben doch meiner Ansicht nach die bisherigen Mit-
theilungen mehr einen Einblick in die geographische Vertheilung der
aufmerksamen Beobachter, als in diejenige der jedenfalls sehr ver-
breiteten Krankheit. Es ist merkwürdig, dass die vielen Mikro-
skopiker der Gegenwart dieses so wichtige und dankbare Thema nicht
mehr gefördert haben.
Neben dem durch einige Kritiker hervorgerufenen Vorurtheile
kommt dabei wohl besonders der Umstand in Betracht, dass die
Wichtigkeit gewisser Vorsichtsmassregeln für die Sicherung positiver
Befunde nicht genügend hervorgehoben wurde. Der Zweck dieser
Mittheilung ist daher hauptsächlich, auf dieselben aufmerksam zu
machen und zugleich einer, wie ich glaube, bevorstehenden Verwirrung
der ganzen Frage vorzubeugen.
Da das Vorkommen von Amöben im menschlichen Darmkanal
bezw. in der Leber von keiner Seite in Abrede gestellt wird, so hat
die Diskussion hauptsächlich folgende Fragen zu berücksichtigen :
1) Kann der Parasitismus der Amöben zu pathologischen Zu-
ständen führen?
2) Sind dieselben eine nothwendige Folge oder von gewissen
unterstützenden Bedingungen abhängig?
3) Kommen vielleicht neben schädlichen auch unschuldige Arten
an denselben Lokalitäten vor?
4) Welcher Art sind die hervorgebrachten Störungen? Welchen
bereits klinisch bekannten Affektionen entsprechen dieselben?
Bevor ich mich zur Diskussion dieser Fragen wende, möchte ich
noch einige Worte über die Untersuchungsmethode sagen.
Nur die frisch untersuchten Fäces geben einen richtigen Begriff
von der oft ganz ungeheueren Anzahl und der erstaunlichen Leb-
haftigkeit der Amöben ; man sollte daher das Mikroskop zum Kranken
mitnehmen und unmittelbar nach der Entleerung die Dejektionen auf
massig erwärmtem Objektträger beobachten. Als Zusatzflüssigkeit
lässt sich der körperwarme Speichel gut benutzen1). Im warmen
Zimmer gelingt es dann leicht, ev. unter wiederholtem leichten Er-
wärmen, das ausserordentlich interessante Spiel der sich bewegenden
Amöben lange Zeit hindurch zu verfolgen. Wo ein heizbares Mi-
kroskop zu haben ist, wird man natürlich das letztere vorziehen.
Nach kurzer Abkühlung lässt sich ein Theil der kältestarren
Amöben wieder zu Bewegungen veranlassen, so dass sich auch dann
noch eine sichere Diagnose stellen lässt; indessen büsst man doch
den Massstab für die Beurtheilung der Intensität der Infektion ein.
Im Nothfalle kann man einige Präparate bis zur Untersuchung in
1) Dass derselbe selbst amöbenfrei ist, lässt sich durch Kontrollantersachaog«n
leicht feststellen.
Zur Kenntniss der Amöben-Enteritis and -Hepatitis. 243
einer dem Körper ganz oder nahe anliegenden Tasche aufbewahren,
wobei die Abkühlung eine sehr massige ist.
Es ist erstaunlich, wie schwierig es ist, ruhende Amöben mit
Sicherheit in Präparaten zu finden, welche dieselben in grosser Zahl
enthalten; in Dejektionen mit den vielen darin enthaltenen Form-
elementen kommt man kaum über die Wahrscheinlichkeitsdiagnose
hinaus. Im Abscesseiter mag es leichter sein. Jedenfalls bleibt
immer die eigentümliche Bewegung das beste Kriterium für die
Amöbennatur; sie müsste schon wegen der Unterscheidung verschie-
dener Spezies in Betrachtung gezogen werden.
Ich schreibe es nur der Unkenntniss dieser Verhältnisse zu, dass
ich die ersten Darmamöben erst vor circa 3 Jahren auffand, ob-
gleich ich schon mehrere Jahre vorher darauf fahndete und auch
aus anderen Gründen viele Hunderte von Fäkalpräparaten untersucht
hatte. Einer oder zwei der untersuchten Fälle entsprachen klinisch
genau dem später beobachteten Bilde der Amöbeninfektion.
Noch möchte ich darauf aufmerksam machen, dass bei Unter-
suchungen von Dejektionen die Amöben weniger in den eigentlichen
Fäces, als in den Sekreten der Darmwand (Schleim, Blut, Eiter) ge-
funden werden.
Wenden wir uns nun zur Erörterung obiger Fragen, so finden
wir, dass die Ansichten über die pathologische Bedeutung der Amöben
sehr getheilt sind.
Dass die Amöben wirkliche Parasiten sind und nicht etwa nur
Fäulnissbewohner, welche eben so gut ausserhalb wie innerhalb des
Körpers existiren können, wird schon dadurch bewiesen, dass sie an
enge Temperaturgrenzen gebunden sind, und dass wir in ihrem Inneren
nicht die Elemente des von aussen stammenden Darmkothes, sondern
vom Wirthe gelieferte, und zwar mit besonderer Vorliebe rothe Blut-
körperchen finden. Ihre lange Ausdauer im Innern geschlossener
Leberabscesse ist ein weiterer Beweis für ihre vortreffliche Anpassung,
and endlich sprechen auch die letzten Untersuchungen von Kar-
talis entschieden gegen ein aktives Leben ausserhalb des Körpers
(soweit nur die natürlichen Bedingungen in Frage kommen).
Trotzdem die parasitische Natur der Darmamöben allgemein
zugegeben oder zum Mindesten nicht bestritten wird, herrscht aber
über die Folgen ihres Parasitismus keine Einigkeit. Ich will die An-
sichten der Autoren kurz rekapituliren, soweit es die in meinem Be-
sitze vorhandene Litteratur erlaubt
Die eingehende und sorgfältige Beobachtung von Loesch1), der
zuerst parasitirende Amöben mit Sicherheit nachwies, ist mir leider
nicht im Originale zugänglich. Aus dem genauen Berichte von
Leuckart*) lässt sich indessen mit Sicherheit entnehmen, dass
Jer Autor an der klinischen Bedeutung seines Befundes nicht zweifelt,
and ebenso wenig scheint dies der Berichterstatter zu thun. Nach
Kartalis3) urtheilt Norman d, auf eigene Beobachtung gestützt,
1) Archiv ffir path. Anatomie. Bd. LXV. 1875. pg. 196.
2) Leuckart, Parasiten (2. Aufl.) pg. 234 ff.
3) Centralbl. fdr Bakteriol. u. Paras. Bd. I. 1887. pg. 538.
16*
244 Lut«,
ebenso. Koch1) wies die Amöben in Dannschnitten (sogen.) tro-
pischer Dysentrie nach; Kartulis folgte ihm auf demselben Beob-
achtungsfeld und trat auf Grund eines grossen Beobachtungsmateriales
ganz entschieden für die Eonstanz und ursächliche Bedeutung dieses
Befundes ein *). Dasselbe that Hlava*) für eine im Prager Irren-
hause endemische „Dysenterie". (Fälle aus derselben Quelle sind auch
von Elebs in seinem Handbuche der allgemeinen Pathologie9) er-
wähnt und einem Bacillus zugeschrieben ; trotzdem die anatomischen
Befunde von denjenigen früherer Autoren abwichen, wird die echt
dysenterische Natur der Krankheit doch nicht im Geringsten be-
zweifelt). Perroncito4), welcher die Amöben bei einer chroni-
schen, mit Diarrhöe verbundenen Enteritis fand, spricht sich über ihre
Bedeutung nicht aus. Osler5) fand die Amöben in einem Leber-
abscess nach einer chronischen „Dysenterie" und erklärt sie für para-
sitirende Organismen, deren Verhältniss zur Dysenterie durch fernere
Untersuchungen bestimmt werden müsse. Ich selbst glaube nach 3
in Brasilien gemachten Beobachtungen, dass durch die massenhafte
Gegenwart von Amöben, auf welche die Loesch'sche Beschrei-
bung vorzüglich passt, eine ebenfalls mit der klinischen Beobachtung
des Autors vollkommen übereinstimmende chronische ulceröse Enteritis
unterhalten wird. Diese dort stets seltene, aber klinisch sehr gut
charakterisirte Affektion war mir auf Amöben verdächtig; doch
vermochte ich in einigen früher untersuchten Fällen, von denen
wenigstens einer unzweifelhaft hierher gehört, die Amöben in den er-
kalteten Fäces nicht sicher zu erkennen.
Diesen Zeugnissen gegenüber stehen diejenigen von Grassi6),
welcher — wahrscheinlich identische — Amöben bei gesunden und
kranken Personen fand, ferner von Cunningham7) in Calcutta,
der ähnliche Thierchen in Dejektionen von gesunden und kranken
Menschen, Pferden und Kühen antraf; auch Sonsino soll dieselben
beschrieben, ihnen aber keinen Werth beigelegt haben8). Merk-
würdigerweise stellt sich auch ein Beobachter aus Loesch's
Klinik, Massiutin8), etwas auf die Seite der Zweifler, obgleich
sein erster Fall — der einzige, bei dem die Amöben massenhaft
gefunden wurden — eine sehr typische Geschichte darbietet. Drei
andere zeigten Erscheinungen von akutem oder chronischem Darm-
katarrh und nur der fünfte war als Typhus ohne primäre Darmer-
krankung diagnostizirt. Uebrigens verweisen wir den Leser auf das uns
leider nicht zugängliche Original, resp. auf das Referat in diesem Blatte.
Fassen wir nun diese Beobachtungen zusammen, so sehen wir,
dass allerdings massige Amöbeninfektionen nicht notwendigerweise
1}R.
2) 81e
IX.
3
Koch, Gaffky's Bericht rar Erforschung der Cholera in 1888. pg. 65.
81ehe Litteratarverzeicbniss ron Kartalis in Centralbl. für Bakteriol. u. Parms.
Bd. IX. pg. 37«.
Bd. I. pg. SOS ff.
Perroncito, I Parassiti etc. 1882. pg. 85.
5) Centralbl. f. Bakteriol. n. Paras. Bd. VII. pg. 736.
6) Siehe Anm. 8.
7) Siehe Anm. 8.
8) Massiutin, Ueber die Amöben etc., ref. von v. Etlinger im CentralbL für
Bakteriol. u. Paras. Bd. VI. pg. 458.
Zur Kenotniss der Amöben-Enteritis und -Hepatitis. 245
von deutlichen Beschwerden gefolgt sein müssen, obgleich auch in
solchen Fällen die Darmfunktionen meist etwas verändert erscheinen.
Wo aber, wie in den meisten Beobachtungen, die Zahl der Amöben
eine sehr bedeutende war, finden wir dieselben in Begleitung nahm-
hafter Störungen, welche bald als ulceröse Enteritis, bald als Dysen-
terie (letztere oft als tropische oder chronische definirt) bezeichnet
werden. Endlich wurden die Amöben massenhaft in der Wandung
oder im Eiter von Leberabscessen gefunden. Angaben über ihr Vor-
kommen in der normalen Leber gibt es nicht, aber ebensowenig
eiistiren solche über ihr Fehlen beim endemischen Leberabscesse,
wie solcher namentlich in den wärmeren Zonen vorkommt. Es scheint
daher berechtigt, dieselben als einen konstanten Befund anzusehen, bis
wir eines anderen belehrt werden.
Wie mir scheint, sind die bisherigen klinischen Beobachtungen
hinreichend, um unsere erste Frage mit einem hohen Grade von
Wahrscheinlichkeit bejahen zu können. Thierversuche, besonders die
neuesten von Kartulis mit Amöbenkulturen, dienen denselben als
weitere Stütze. Ferner spricht dafür die auch von mir beobachtete
Thatsache, dass eine Besserung des Prozesses nur erreicht wird, wenn
auch die Amöben an Zahl abnehmen, und endlich der Umstand, dass
wir den Prozess ebensowenig zu heilen vermögen, als wir die Para-
siten ganz ausrotten können.
Dass ausgesprochene pathologische Zustände der Amöbenin-
fektion folgen müssen, lässt sieht angesichts der vorliegenden
Angaben nicht behaupten. Es ist in dieser Hinsicht aus den Thier-
experimenten nichts zu lernen, da sie bisher unter Bedingungen an-
gestellt worden sind, wie sie beim Menschen kaum in Betracht
kommen. Vielmehr ist es äusserst wahrscheinlich, dass Keimformen
der Amöben per os eingeführt werden, und die Anzahl derselben
möchte für die Intensität der Infektion nicht gleichgültig sein. Es
ist aber auch denkbar, dass nur akute Erkrankungen des Darm-
kanals aus anderer Ursache den Amöben Gelegenheit geben, sich
anter rascherer Vermehrung massenhaft in die Schleimhaut einzu-
nisten and von da vielleicht auch in die Leber zu gelangen. Das
gleichzeitige Vorkommen grosser Mengen von kleinen Flagellaten ist
wiederholt, und auch von mir in zwei Fällen, beobachtet; dabei fand,
ich sowohl die als Trichomonaden, wie die als Gercomonaden be-
zeichneten Formen. Da nach neueren Beobachtungen Flagellaten
*uch das Darmepithel angreifen können, so dürfte auch deren
Gegenwart vielleicht nicht ganz bedeutungslos sein. Die vollständige
Losung unserer zweiten Frage muss der Zukunft vorbehalten bleiben,
*to selbst, wenn es sich ergeben sollte, dass Hülfsbedingungen
Bfthig sind und ohne dieselben die Gegenwart selbst zahlreicher
Amöben auf die Dauer ohne schlimme Folgen bleiben kann, so
*frde dies die pathologische Bedeutung der Amöben keineswegs
beeinträchtigen.
Die Frage, ob mehrere Arten von Amöben im Darmkanale und
m der Leber vorkommen, kann ebenfalls noch nicht entschieden
werden; doch ist vor der Hand kein genügender Qrund zu der An-
nahme, dass mehr als eine Art von echten Amöben sich den eigen-
246 Lttta»
thOmlichen Verhältnissen des Parasitismus in Warmblütern angepassl
hätte. Obgleich Kartulis von Riesenamöben sprach, sind seine
Exemplare doch nicht grösser, als die von Loesch beschriebenen,
auf welche auch die anderen Beschreibungen passen.
Wir kommen nun zur Frage nach der Natur der pathologischen
Befunde. Es könnte leicht als ein Argument gegen die Bedeutung
der Amöben angeführt werden, dass die ihre Gegenwart begleitenden
Prozesse mit so verschiedenen Namen bezeichnet werden, als da
sind: akuter und chronischer Darmkatarrh, ulceröse Enteritis, Typhus
Leberabscesse etc. Gehen wir indessen der Sache auf den Grund,
so finden wir, dass alle diese Zustände (mit Ausnahme des allein-
stehenden Typhusfalles) sich in den Rahmen eines Krankheitsbildes
bringen lassen, welches unter Umständen auch an einem Kranken
beobachtet werden kann. Zuerst müssen wir uns freilich gestatten,
dem Worte „Dysenterie" die Bezeichnung „Enteritis" mit schleimig-
blutigen Entleerungen zu substituiren ; denn nichts anderes ist
(wenigstens soweit ich aus der Litteratur entnehmen kann) die oft
erwähnte „chronische oder tropische4' Dysenterie. Die echte Dysen-
terie dagegen ist (wie jeder Arzt aus der Litteratur wissen muss,
wenn auch die Gelegenheit zu eigener Beobachtung neuerdings selten
geworden ist) eine akute Infektionskrankheit, welche in allen Zonen
auftreten kann und oft eine grosse Ausbreitung erfahren hat. Oft
ist sie sehr schwer und mörderisch und gerade in solchen Fällen
wird der Befund immer wieder als diphtheritische Dickdarment-
zündung angegeben. Kommen dabei auch Leberabscesse vor, so sind
sie doch von dem endemischen, stets langsam verlaufenden offenbar
völlig verschieden. Nie hat man gehört, dass auf eine epidemische
Dysenterie nachträglich eine Epidemie von Leberabscessen gefolgt
wäre, was doch geschehen müsste, wenn beide Darmaffektionen iden-
tisch wären; denn die Annahme, dass diese Komplikation nur durch
das Klima bedingt sei, dürfte doch heutzutage kaum mehr ernstlich
vorgebracht werden. Auch die nachfolgenden Funktionsstörungen
Bind bei der epidemischen Ruhr offenbar nur die Residuen des be-
reits abgelaufenen destruktiven Prozesses, während die Amöben-
krankheit von vornherein chronisch und ohne besonders schwere
Initialerscheinungen auftreten kann. Dass die epidemische Dysen-
terie auf Amöben beruhe, ist unbewiesen und aus verschiedenen
Gründen viel weniger wahrscheinlich, als dass sie zu den bakteriellen
Infektionen gehört; jedenfalls kann sie aber nicht durch die echte
Lo es che1 sehe Amöbe bedingt sein.
Ausser der epidemischen gibt es bekanntlich noch eine sporadische
Form, welche in allen Ländern vorkommt; wenn dieselbe leicht auf-
tritt, geht sie häufig unter dem Namen katarrhalische Dysenterie.
Ob sie mit der epidemischen Form identisch ist oder zu derselben
in einem Verhältnisse steht, wie Cholera nostras zu Cholera asiatica,
ist noch unentschieden. Jedenfalls darf sie aber nicht banalen Ur-
sachen, wie Indigestion, Eoprostase etc. zugeschrieben werden, sondern
tritt wie ein spezifischer Infektionsprozess auf, was ich nicht nur
öfters an Kranken, sondern auch zweimal an mir selbst beobachten
konnte. In einigen hierher gehörigen, rasch mit Genesung endigenden
Zur Kenntnias der Amöben-Enteritis und -Hepatitis. 247
Fällen waren keine Amöben nachzuweisen ; es war dies auch kaum
zu erwarten, da die Amöbeninfektion wenig zur Spontanheilung neigt
Nur diese beiden Krankheiten dürfen mit dem Namen „Dysen-
terie" bezeichnet werden. Dass Eartulis es nicht mit diesen zu
thun gehabt hat, geht schon aus seinem reichen Material von Leber-
abscessen mit grösster Wahrscheinlichkeit hervor. Wir glauben es
nur dem unpassenden Namen „Dysenterie" zuschreiben zu müssen,
dass seine so werthvollen Beobachtungen nicht die verdiente Auf-
nahme gefunden haben. Freilich ist eine genaue Scheidung der
Krankheiten in der Litteratur nirgends durchgeführt, und überall ge-
nügen blutige Durchfälle für die Diagnose „Dysenterie"; daher sind
auch akute Quecksilbervergiftungen in dieser Rubrik zu finden.
Hoffentlich wird die Zukunft in dieser Beziehung eine Reform bringen;
wir werden dann erfahren, ob die Dysenterie der warmen Zonen
ganz oder nur theilweise von der eigentlichen Dysenterie zu trennen
ist, und wie weit ihre Verbreitung auch in anderen Zonen geht.
Wenn ich meine drei eigenen, unter sich gut übereinstimmenden
Beobachtungen generalisiren darf, so ist die Amöbeninfektion eine
chronische Enteritis, die wohl akute Remissionen und Exacer-
bationen, aber nur sehr geringe Heilungstendenz zeigt. Die Ent-
leerungen sind fäkulent, geformt oder diarrhöisch, immer mit Schleim
gemischt, welcher grosse Mengen von Gharcot 'sehen Krystallen
enthalten kann. Der Schleim enthält wiederum beigemengtes Blut
in verschiedener Quantität, und gerade an diesen Stellen finden sich
die Amöben massenhaft gedrängt und mit aufgenommenen rothen
Blutkörperchen beladen. Flagellaten finden sich ebendaselbst, gehen
aber auch in die Fäce3 selbst über, wenn dieselben flüssig genug
sind, was die Amöben nur in geringem Grade thun.
Von den drei während längerer Zeit beobachteten Fällen betraf
der eine ein kleines Mädchen ; die beiden anderen Kranken waren er-
wachsene Männer. Einer derselben bot hektisches Fieber, Empfind-
lichkeit, sowie spontane Schmerzen in der Leber, so dass der Verdacht
auf beginnenden Leberabscess begründet erschien. Durch meine Ab-
reise von Brasilien verlor ich die Patienten aus den Augen und hörte
nur, dass das Mädchen seither gestorben ist. Mit therapeutischen
Versuchen habe ich mir viel Mühe gegeben, ohne zu bedeutenden
Resultaten zu kommen. Zwar liessen sich die isolirten Amöben
durch verschiedene Mittel tödten, aber schon eine dünne Schicht
von Darmschleim genügte, um sie vor denselben Substanzen zu
schätzen. Dies gilt z. B. auch von dem gerühmten Chinin. Da
trotz der fortwährenden Entleerung grosser Amöbenmengen ihre
Zahl nicht abnimmt, muss der Prozess hauptsächlich von den im
Geschwürsgrunde eingenisteten und daselbst sich vermehrenden
Amöben unterhalten werden, und diesen ist mit unseren gewöhn-
lichen Mitteln nur schlecht beizukommen. Am besten bewährten
sich mir hohe Darmirrigationen mit schwachen Tanninlösungen, sowie
Tannin mit Opium innerlich. Auch Thymol intus et extra während
längerer Zeit gebraucht, schien nützlich, erzielte aber keine vollkommene
Heilung. Chinin ergab keine besseren Resultate, und Bismuthum sub-
nitricum erschien ganz wirkungslos.
248 Gabritschewskj,
Da in meinem Beobachtungsfelde Dysenterie epidemisch gar
nicht, sporadisch nicht besonders häufig vorkommt, trotzdem aber der
charakteristische Leberabscess zuweilen getroffen wird, so stehe ick
nicht an, ihn auf die chronische ulceröse Enteritis zu beziehen. Ol
diese auch daneben auftreten kann, muss von anderen Beobachten
an grösserem Materiale entschieden werden. Jedenfalls scheint es
mir wahrscheinlich, dass das primäre Darmleiden ziemlich gering
fügig bleiben und wegen der sekundären Komplikation ganz übersehet
werden kann.
Zum Schlüsse möchte ich noch den Wunsch aussprechen, dass
die hier berührten Fragen möglichst bald endgültig entschieden
werden möchten; es kann dies leicht geschehen, wenn die verhält-
nissmässig leichte und sehr dankbare Aufgabe nicht zu Gunsten
anderer, viel schwierigerer und undankbarerer vernachlässigt wird.
Honolulu, den 15. Juni 1891.
Zur Technik der bakteriologischen Untersuchungen
[Aus dem bakteriologischen Laboratorium des Hygienischen Institutes
in München.]
Von
Dr. med. CK Gabritechewsky,
Privatdocenten an der UnWersität in Moskau.
Mit 2 Figuren.
I. Graduirte Kapillarpipetten zum Abmessen sehr
kleiner Flüssigkeitsmengen.
Die feinsten Pipetten, die in der bakteriologischen Praxis ge-
wöhnlich gebraucht werden, enthalten 1 ccm Flüssigkeit und sind in
10 gleiche Theile eingetheilt, so dass ein Abmessen von 0,1 ccm
sehr leicht möglich ist Bei verschiedenen bakteriologischen Unter-
suchungen, z. B. bei Zählung von Bakterienkeimen in stark bakterieo-
haltigen Flüssigkeiten, muss man mit Hülfe dieser Pipette, um eine
genügende geringe Zahl von Kolonieen auf der Gelatineplatte zu er-
halten, 3, 4 oder 5 Verdünnungen herstellen. Dieses Ziel kann nun
um so schneller und sicherer erreicht werden, je kleinere Quantitäten
von bakterienhaltigen Flüssigkeiten man genau abzumessen im Standeist
Zu diesem Zwecke habe ich die graduirten Kapillarpipetten konstruirt,
welche eine genaue Entnahme von 0,001—0,01—0,1 ccm und der da-
zwischen liegenden Mengen möglich machen. Ich gebrauche zwei
Kapillarpipetten, eine kleinere, welche in 0,001—0,002 0,01 and
0,1 ccm (siehe die Abbildung) und eine grössere, welche in 0,01-
0,02 .... 0,1 und 1,0 ccm getheilt ist Die beiden Pipetten sind
nach dem Prinzip des Kapillarrohrs beim Blutkörperchen-Zählapparat
(Melangeur Potaire) hergestellt und am oberen Ende mit einem
Zur Technik der bakteriologischen Untersuchungen.
Gummischlauch mit darauf sitzender Schraubenklemme
rersehen *).
Die Anwendung der Kapillarpipetten ist sehr einfach.
Nachdem die Pipette (ohne Gummischlauch) in trockener
Hitze sterilisirt und dann bis zur Zimmertemperatur (ca.
15° C) abgekühlt ist, wird der Gummischlauch mit
Schraubenklemme aufgesetzt und die nöthige Quantität
der Flüssigkeit durch Oeffnen resp. entsprechendes Ein-
stellen der Schraube entnommen. Jetzt wird die äussere
Oberfläche des Kapillarrohrs gut abgetrocknet und die ab-
gemessene Quantität in die Verdünnungsflüssigkeit durch
Niederschrauben derselben Schraube ausgetrieben (vor dem
Gebrauch darf die Klemme nicht vollständig eingeschraubt,
d. h. der Schlauch nicht vollständig durch dieselbe zu-
sammengedrückt sein).
Bei gewisser Uebung nimmt das Abmessen der Flüs-
sigkeit mit Hülfe dieser Kapillarpipetten nicht viel Zeit
in Anspruch. Es ist dabei besonders das Eindringen von
Luftblasen in die Pipette zu vermeiden, deshalb ist zu
berücksichtigen, dass die Pipette aus der Flüssigkeit nicht
früher herausgenommen werden darf, als bis das Niveau
der letzteren aufhört zu steigen; sind aber in Folge der
Ausserachtlassung dieser Vorsicht Luftbläschen hineinge-
kommen, so ist es am besten, die ganze in der Pipette
enthaltene Flüssigkeit zu entfernen, indem man in die Pi-
pette von oben (durch einen Wattepropfen) hineinbläst und
die herausfressende Flüssigkeit mit sterilisirt em Filtrir-
papier aufnimmt. Noch besser ist es ausserdem, die Pi-
pette mit sterilisirtem Wasser, Alkohol absol. und Aether
auszuspülen, kurz zu flambiren und dann das Abmessen
von Neuem anzufangen. Mit Wasser, Alkohol und Aether
müssen auch die Pipetten nach jedem Gebrauch gereinigt
werden. Die Kapillarpipetten wurden von mir *) bei Zäh-
lang der Milzbrandbacillen in Bouillonkulturen und von
Dr. Schöhnwerth3) bei Zählung der Bakterien im
Wasser mit Erfolg angewendet.
II. Schalen zur Kultur von AnaSrobien.
Wie aus der beigegebenen Abbildung (s. p. 250)
der Schale (im Querschnitt) zu ersehen ist, besteht die-
selbe aus einem erhöhten Mittelboden (7 — 8 cm im
Durchmesser), welcher als Kulturplatte dient, und einem
Ring (1 cm tief und breit), der die runde Platte
1) Die gradtürten Kapillarpipetten sind von Chr. Fuchs (Manchen, Fig. 1.
SehUlerBtruse 11) zu beliehen.
2) Ein Beitrag zur Frage der Immunität and Heilung von Infektionskrankheiten.
(Cwrtxalbl. f. Bakt. n. Paras. Bd. X. 1811. S. 151.)
3) Die Arbeit von Herrn Dr. Schöhnwerth soll bald im Archiv für Hygiene
®*«li«ineii.
250 G*briUch« wsky, Zur Technik der bakteriologischen UntarsuchanKen.
umgibt. Mit der aufgeschliffenen Deckplatte, welche auf dem oberen
ebenfalls geschliffenen Rand der Schale liegt, bildet sich ein Raum
der mit der äusseren Luft durch je zwei korrespondirende Bohrungei
der Schale und der Deckplatte in Verbindung steht, so dass diesei
innere Baum durch eine Drehbewegung des Deckels vollständig un<
luftdicht (mit Hülfe von Vaselin) abgeschlossen wird I> Die Schalet
wm/////////£/M///////////////////m///////////////^^^^
Flg. S.
mit ihren Deckplatten werden bei 160 ° G sterilisirt und dann uote
die Glocke des Giessaparats so gestellt, dass der Deckel neben
Schale, auf einer Seite derselben gestützt, liegt Nachdem die Gelatüu
(6—8 bis 10 ccm) erstarrt ist, wird auf die untere, geschliffene Seit*
des Deckelrandes Vaselin mit einem Pinsel aufgetragen und de
Deckel auf die Schale so aufgelegt, dass ihre Bohrungen korrespoo
diren. Jetzt wird in eine von diesen zwei Oeffoungen (0,5 cm in
Durchmesser) ein Gummirohr von entsprechender Grösse dicht ein
geführt und in Verbindung mit dem gaserzeugenden Apparat ge
bracht Es genügt schon, ö Minuten Gas durch den inneren Raun
der Schale durchzuleiten, um sicher die Luft daraus zu entfernen
Wenn man noch während des Durchleitens des Wasserstoffs in du
freie Oeffnung der Schale mittelst ausgezogener Glasröhrchen zuers
3 ccm 20°/0 Pyrogallussäure und dann ebensoviel verdünnter (1:5
Kalilauge (1:10) eingiesst, so wird die Mischung nach dem Ver
schluss der Schale nicht braun und bleibt während der Zöchtungs
zeit unverändert. Dies ist ein sicherer Beweis dafür, dass es ge-
lungen ist, den Luftraum der Schale sauerstofffrei zu machen. Inj
eine zufällige Verschiebung der Deckplatte auszuschliessen und noclj
einen sichereren Verschluss zu haben, kann man einen Gummiring &u|
die Schale und den Deckel seitlich auflegen. Doch ist der Gummi-
ring durchaus nicht unerlässlich. Die Versuche, welche ich mit deij
Schalen angestellt habe, lassen mich hoffen, dass bei Isolirnng und
Zählung der Anaörobien-Bakterien, sowie bei Beobachtungen ibret
Wachsthum&verhältnisse diese Schalen mit gutem Erfolg angewendet
werden können.
1) Die Kulturschalen für Anaerobien sind von Dr. H. Rohr back (Berlio, HW.,
Karistrasse 24) iu beliehen.
Wandtafeln fflr Bakterienkande. 251
Referate.
Eberth, C. J.9 Wandtafeln für Bakterienkunde für den
Gebrauch bei Vorlesungen. Berlin (Fischers med. Buch-
handlung, H. Kornfeld) 1891.
Bei dem theoretischen Unterricht in der Bakterienkunde ist es
einem jeden Lehrer Bedürfniss, die Mikroorganismen, über welche er
vorträgt, seinen Zuhörern in ihrer charakteristischen Form vor Augen
zu führen. Am besten wird diesem Bedürfniss genügt, wenn man
gute Photogramme der betreffenden Organismen mit ihrer natür-
lichen Umgebung, Eiterzellen, Blutkörperchen, Epithelien und der-
gleichen stark vergrössert, auf eine helle Fläche projizirt. Leider
sind nur wenige Lehrer in der Lage, diesen ausgezeichneten Demon-
strationsmodus, welchen R. Koch uns gelehrt hat, zur Anwendung
zu bringen, weil sie nicht im Besitze eines Projektionsapparates oder
auch nicht im Besitze geeigneter Photogramme sind. Viele haben
sich deshalb mit der Anfertigung von Wandtafeln geholfen, auf
welchen Bilder, ähnlich den Photogrämmen, schwarz auf weissem
Grande wiedergegeben sind. Die Herstellung solcher Tafeln ist aber
bekanntlich sehr mühsam und zeitraubend. Eberth hat nun, von
dem Darstellungsbedürfhiss durchdrungen, zunächst für sich eine An-
zahl von Tafeln von Mikroorganismen hergestellt, welche gewisser-
massen ein vergrössertes Gesichtsfeld des Mikroskopes wiedergeben
sollen, in welchem man die Organismen gefärbt erblickt Da diese
Tafeln in medizinischen Kreisen und besonders auch auf dem X. inter-
nationalen medizinischen Kongresse, während welches zwei derselben
ausgestellt waren, lebhaften Beifall fanden, so hat sich Eberth,
wiederholten Aufforderungen nachgebend, zu einer Vervielfältigung der-
selben entschlossen und der Verlag von Fischer's medizinischer Buch-
handlang hat deren Vertrieb übernommen. Folgende 24 Tafeln sind
bisher in Aussicht 'genommen :
1. Streptococcus pyogenes (aus dem peritonealen Exsudat
einer an Puerperalfieber Verstorbenen.)
2. Bacillus der Cholera asiatica.
3. Sputum mit Tuberkelbaoillen.
4. Bacillus des Milzbrandes.
6. „ „ „ mit Sporen.
6. „ des Typhus abdom.
7. „ der Diphtherie.
8. „ des Tetanus.
9. „ des malignen Oedems.
10. „ der Mäuseseptikämie.
H. „ der Hühneroholera.
12* „ des grünen Eiters.
13. „ der Lepra.
14. „ des Malleus.
15* „ des Rausohbrandes.
16- „ des Rhinoskleroms.
252 Wandtafeln für Baktorienkande. — Bakterien im Rahme.
17. Spirillum des Recurrens.
18. Friedländer's Pne umoco ccus.
19. Fraenkel's Pn eumoooccus.
20. Staphylococous pyogenes aureus.
21. Gonooocous.
22. Microoocous tetragenus.
23. Saroine.
24. Plasmodium Malaria e.
Die 24 Tafeln, welche vorzugsweise die medizinisch wichtigen Orga-
nismen umfassen, sollen in 8 Lieferungen erscheinen, jede Lieferung
3 Tafeln umfassend, im Preise von 30 Mark. Die Tafeln sind auf
Leinwand aufgezogen. Erschienen sind bisher die ersten drei Tafeb.
Sie sind nach gefärbten Deckglaspräparaten auch unter Benutzung
von Photogrammen entworfen und in ganz vortrefflicher Weise farbig
ausgeführt. In schwarzer Umrahmung erblickt man ein weisses
Gesichtsfeld, von welchem sich die farbigen Organismen plastisch ab-
heben. Die Vergrösserung bewegt sich zwischen 20000—60000, sie ist
eine solche, dass sie die Form Verhältnisse der Bakterien noch auf
eine Entfernung von 10 Metern gut erkennen lässt Hängt man die
Tafeln auf und betrachtet sie, so machen sie einen sehr hübschen,
aber doch eigenartigen Eindruck. Ref. hat z. B. die Tafel No. 2, Bacillus
der Cholera asiatica, in seinem Auditorium aufgehängt und eine ganze
Reihe von Besuchern nach dem Eindruck gefragt, welchen die Tafel
auf sie machten. Alle erkannten an, dass die Ausführung der Tafel
vortrefflich sei, bei Allen aber war die erste Frage, wie stark ist
denn die Vergrösserung? Als Ref. dann sagte 1 : 50000, waren ein-
zelne zufriedengestellt, andere aber meinten, von einer derartigen
Vergrösserung könnten sie sich keine rechte Vorstellung machen.
Es fehlt eben etwas auf den Tafeln, was auf den Photogrammen ans
bakterienhaltigen Körpersäften nie fehlt, ein Vergleichsobjekt von
bekannter Grösse, ein Blut- oder Eiterkörperchen. Wenn ein solches
allgemein bekanntes Objekt in der gleichen Vergrösserung wie die
Organismen dargestellt ist, dann ist man über die Grösse der be-
treffenden Wesen orientirt, fehlt ein solches, so schwebt man mit
seiner Vorstellung über deren Grösse rein in der Luft. Freilieb
würde auf den Tafeln bei einer Vergrösserung von 50—60000 ein
solches Gebilde so gross sein, wie der ganze oder wenigstens der
halbe Umfang der als mikroskopisches Gesichtsfeld gedachten runden
weissen Fläche. Dies ist wohl auch der Grund gewesen, weshalb
derartige Vergleichsobjekte nicht auf den Tafeln angebracht sind.
Es Hesse sich indessen auf der schwarzen Umrandung des weissen
Feldes leicht ein Massstab anbringen , vielleicht die Länge eines u
in der entsprechenden Vergrösserung. Ref. ist überzeugt, die schönen
Tafeln würden dadurch bedeutend noch an Werth für den theore-
tischen Unterricht gewinnen. Loeffler (Greifswald).
Conn, H. W., Bakteria in the dairy. fFrom the third annual
report of the Storr's school, agricultural experimental Station
1891.)
In einem ersten Kapitel behandelt Verf. den Prozess des Auf-
Bakterien im Rahme. — Malaria. 263
rahmens und die Ausscheidung einer ähnlich dem Fibrin des Blutes
gerinnungsfähigen Substanz, die kurze Zeit nach dem Melken in der
Milch stattfinden soll. Weiterhin beschäftigt sich G. mit dem „Reifen"
des Rahmes, das dem Ausbuttern vorauszugehen hat und einen
spontanen Gährungsprozess darstellt, welcher der Butter erst den
angenehm erfrischenden, aromatischen Geschmack verleiht. Der Pro-
zess wird nach Storch und W ei g mann durch gewisse Bakterien-
arten hervorgebracht und kann auch künstlich durch Hinzufügen der
Reinkulturen zu dem vorher pasteurisirten Rahm erzeugt werden.
Verf. hat gleichfalls bakteriologische Untersuchung über die dabei
thätigen Bakterien angestellt und sich überzeugt, dass die Mannig-
faltigkeit derselben überaus gross ist und kaum zwei Rahmsorten
aus derselben Meierei gefunden werden, welche die gleichen Bak-
terienarten enthalten. Vorwiegend allerdings sind die säurebildenden
Arten darunter vertreten.
Die Umstände, von denen die Infektion der Milch und damit
die Art der sich entwickelnden Bakterien abhängt, entziehen sich
unserem Einflass ; aber zweifellos hängt die schlechte Beschaffenheit,
welche die Butter in manchen Meiereien und zu gewissen Jahreszeiten
annimmt, mit Verschiedenheiten in der Art der sich entwickelnden
Bakterien zusammen. Escherich (Graz).
Hochsinger, C, Zur Diagnose der Malaria infantilis.
(Wiener medizinische Presse. 1891. No. 17.)
Verf. macht die überraschende Mittheilung, dass in Wien, ins-
besondere in den dem Donaukanal und dem Wienflusse unmittelbar
angrenzenden Stadtgebieten, Malaria insbesondere bei Säuglingen und
Kindern der ersten Lebensjahre ein keineswegs seltenes Vorkomm-
nis sei. Die Erkrankung zeigt im frühen Eindesalter nicht unwesent-
liche Verschiedenheit von der typischen Form. So fehlt der initiale
Schüttelfrost, der den Anfall beschliessende Schweissausbruch, sowie
die Intermission zwischen den einzelnen Temperatursteigerungen.
Chinin 0,5—0,8 pro die erzielt nahezu immer Heilung.
Den Nachweis, dass diesem etwas dunklen Krankheitsbilde wirk-
lich Malaria zu Grunde liegt, will nun H. durch Nachweis des H a e m o -
Plasmodium malariae in 30 daraufbin untersuchten Fällen er-
bracht haben. In den mit Eosin-Methylenblaulösung gefärbten Blut-
präparaten fanden sich stets und in allen Stadien der Erkrankung die
sog. Corps segmentäs Laveran's, in 3 Fällen Flagellaten, in einem
schweren letal endenden Falle auch wohl ausgebildete Halbmonde.
Dieser leicht und ohne Zeitaufwand anzustellenden Untersuchung
kommt eine unschätzbare diagnostische Bedeutung in allen des
Wechselfiebers verdächtigen Fällen zu. „Nach unserer Erfahrung
UQ88, falls dem Kinde vorher kein Chinin gereicht wurde, der nega-
tive Ausfall ebenso sicher die Malaria ausschliessen, als der positive
rar sie zeugt*1. Bei einem gleichzeitig an Pneumonie erkrankten
Patienten wurde neben den Protozoen auch der Diplococcus
pneumoniae im Blute gefunden. Die ausführliche Publikation
der Untersuchungsresultate steht noch aus. Escherich (Graz).
254 MaUria.
F^jarnäs, E., Nuevos estudios sobre los hematozoarios
del paludißmo. (Revista de mediana y cirugia pr&cticas.
Tomo XXVIL Madrid 1890. S. 113—115.)
Referat über Arbeiten von Laver an.
Sentinon (Barcelona).
Dock, CK, Studies in the etiology of malarial infection
and of the haematozoa of Laveran. (Medical News. 1890.
July. 19.)
Die vom Verf. an 33 Malariakranken in Galveston (Texas) an-
gestellten Beobachtungen hatten bei diesen durchweg die Anwesen-
heit der Plasmodien im Blute ergeben. Sein Hauptaugenmerk richtete
D. auf die Entwicklung der ektoglobulären Form der Laver an'scheo
Parasiten. Sie entwickeln sich analog den später endoglobuläreo
Parasiten der Tertiana aus kleinen, sphäroiden, hyalinen Gebilden,
jedoch etwas rascher, als diese, und es steht ihre Entwickelang zum
Auftreten des Fiebers scheinbar nicht in direktem Zusammenhang.
Sie liegen einzeln oder durch fibrinfädenähnliche Bildungen zu Reihen
vereinigt im Plasma und zeigen bald ein dunkles, körniges Pigment,
welches meist in einer Randzone postirt, mitunter auch den centralen
hellen Hof durch pigmentirte Brücken in 2 bis 3 Theile trennt Aas
diesen Gebilden entwickeln sich die geisseltragenden Formen in der
Weise, dass eine lebhafte Bewegung in den Pigmentkörnchen be-
ginnt und mit einemmal ein 20—30 /a langer Geisselfaden aus der
Zelle herausgeschleudert wird (was einmal vom Verf. direkt beobachtet
wurde). Ein solcher Faden ist meist hohl und enthält auch hie and
da Pigmentkörnchen, kann jedoch wiederum zurückgezogen werden.
Neben der Geisseibildung zeigt sich an den Parasiten in dieser
Periode häufig auch die Tendenz zur Knospenbildung, welche zum
Schlüsse zur Abschnürung der Tochterzelle führt, ohne dass hierbei
ein kernartiges Gebilde, welches in der Mutterzelle sichtbar ist, sich
betheiligt zeigen würde. Die junge Tochterzelle trägt selbst wieder
Geissein und Pigmentkörner. Diese Parasiten scheinen vorwiegend
die atypischen Malariaformen zu bedingen. Der Zahl nach schwanken
sie im Blute bei verschiedenen Individuen mehr, als bei einer Person
zu verschiedenen Zeiten.
In der Frage nach der Stellung dieser Parasitenform zu der
endoglobulär vorkommenden neigt sich Verf. zu der Annahme hin, in
ihnen nur eine Spielart eines Organismus zu sehen, welcher unter
besonders günstigen Bedingungen in die typische Form des Malaria-
parasiten übergehen, sich jedoch auch in dieser Form weiter ent-
wickeln kann. Limbeck (Prag).
Tortl, A., ed Angellnl, A., Infezione malarica cronica coi
sintomi della sclerosi a placche. (La Riforma med. 1891.
No. 144.)
Verff. hatten Gelegenheit, an zwei jungen Individuen (21 und
22 Jahre alt), welche vorher an Wechselfieber gelitten haben, schwere,
unter dem Bilde disseminirter Sklerose sich äussernde nervöse Stö-
rungen zu beobachten, welche sich in beiden Fällen bei vollständiger
MalarU. — Erjtip«). 255
Apyrexie kurz nach dem letzten Fieberanfalle (5 Tage) zu ent-
wickeln begannen. Nur die Blutuntersuchung, welche im ersten
Falle zahlreiche endoglobuläre, amöboide, pigmentlose und kleine, runde,
pigmenthaltige Hämatozoen, im zweiten Falle amöboide, pigmentlose
Formen und Halbmonde ergab, sicherte die auf Malaria lautende
Diagnose.
Beide Falle heilten alsbald unter Darreichung hoher Chinin-
gaben.
Das Auftreten dieser nervösen Störungen in Gefolge von Wech-
selfieber sind Verff. geneigt, durch eine bereits von Marchiafava
nachgewiesene Thrombosirung der Kapillarnetze bestimmter Partieen
des Centraineryensystems durch h&motozoenhaltige Blutkörperchen
zq erklären, welche eine mehr oder weniger tiefgreifende und daher
eine längere oder kürzere Dauer der nervösen Störungen bedingende
Nekrosirnng der thrombosirten Partieen zur Folge hat.
Kamen (Czernowitz).
Leroy, C, A biological study of the microbe of ery-
sipelas. (Comptes rendus de la soc de Biologie, 6. Dec. 1889.
Ret ?on H. Leslie Roberts in The Brit. Journ. of Denn. 1890.
S. 20.)
Die Kulturmethode, deren sich Leroy bediente, war folgende:
Ein sterilisirtes Pepton -Gelatineröhrchen wurde am 16. Dezember
1887 mit einer Reinkultur von Erysipelstreptokokken geimpft, die in
dem Laboratorium von Gornil angelegt war. Kleine Kolonieen, die
bald nach der Inokulation aufgeschossen waren, hatten das Aussehen
eines in der unverfiQssigten Gelatine eingebetteten Nagels. Am Ende
von 4 oder 5 Wochen verschwanden plötzlich die in der Gelatine
gewachsenen Kolonieen. Das bei Zimmertemperatur aufbewahrte
Koltnrröhrchen, welches während des Jahres 1888 von Zeit zu Zeit
beobachtet wurde, blieb während der ganzen Zeit frei von allen
Keimen. Endlich Ende Januar 1889 wurde in der Gelatine ein Wachs-
tum bemerkt, das aus einigen zu 4 Gruppen angeordneten Kolonieen
bestand, von denen jede einen Durchmesser von Ober 1 mm und
einen kreisförmigen gezackten Rand hatte. Davon wurde am 11. Februar
1889 auf ein Pepton -Agar -Agarröhrchen und ein Peptongelatine-
röbrchen abgeimpft; auf ersteres eine oberflächliche „Zick-zack-", auf
festeres eine tiefe Inokulation. Bis zum 23. Februar wurden folgende
Veränderungen in dem Agar- Agarröhrchen notirt: Die Impflinie wird
deutlicher, zeigt einen erhabenen, sammetartigen Rand. Die ganze
A£*r-Aganna8se wird fluorescent, zeigt ein grün-gelbliches Aussehen.
Durch die mikroskopische Untersuchung wurde nachgewiesen, dass
ue Kolonieen aus Erysipelstreptokokken bestanden. Gleichfalls ergab
<ue Inokulation eines Kaninchens die Identität dieser Keime mit
den Krankheitserregern des Erysipels. Leroy zieht aus seinen
Untersuchungen folgende Schlosse:
1) Dass der Erysipelstreptococcus in der Gelatine ein Wachs-
tum erzeugt, welches nach einiger Zeit erlischt, um nach Ablauf
etaer verschieden langen Zeit spontan mit allen vitalen und virulenten
ugengchaften wieder aufzutauchen.
256 Aneurysma arteriae iliacM durch septischen Embolus.
2) Wenn diese Eigenschaft des Erysipelstreptococcus sich als
wahr herausstellt, so erklärt sich daraus das periodische Rezidiviren
des Erysipels bei manchen Menschen. Ledermann (Breslau).
Buday, Ein Fall von Aneurysma arteriae iliacae com-
munis, verursacht durch einen septischen Embolus.
[Aus dem pathoL-anat. Institut in Budapest] (Ziegler 's Beitrage
zur pathologischen Anatomie und zur allgemeinen Pathologie.
Band X. 1891. Seite 187.)
Es handelt sich um eine 37-jährige Frau, die im 5. Monate
schwanger war. Intra vitam wurde die Diagnose auf Nephritis
acuta, Insufficientia valv. bicuspidalis und Endocarditis ulcerosa ge-
stellt — Die anatomische Diagnose lautete: Insufficientia valv. bi-
cusp. et v. v. semilunarium aortae, subsequ. hypertrophia excenter.
minoris gradue ventriculorum cordis, indurativae brunea pulm., hydro-
thorace d., hydrope ascite et anasarca lev. — Endocarditis diphthero-
ides v. bicusp. et parietis sin. atrii sin. cum infantibus et abscessi-
bus metastat hepatis, lienis et renum. — Synechia totalis pericardiL —
Degeneratio adip. muscul. cordis. — Nephritis parench. haemorrhag.
— Tumor lienis. — Uterus in involutione p. p. —
Der untere Theil der Arteria iliaca communis bildete gerade
oberhalb ihrer Theilung ein walnussgrosses Aneurysma, welches da-
durch entstanden war, dass ein vom ulcerösen Endocardium fortge-
schleppter und in der rechten Arteria iliaca comm. stecken gebliebener
septischer Embolus durch die circumskripte Intimanekrose die puru-
lente Meso- und Periarteriitis, der Durchbruch der Abscesse in das
Lumen der Arterie aber die Zerstörung der inneren Schichten der
Arterienwand und die Erweiterung der äusseren restirenden Schichten
durch den Blutdruck hervorrief.
Im Allgemeinen zeigte das Aneurysma jene Charaktere, welche
Eppinger (Langenbeck's Archiv) für die mykotisch -emboli-
schen Aneurysmen in folgenden Punkten zusammenfasst: 1) Bei
mykotischen Erkrankungen des Klappenapparates des Herzens kann
es zu mykotisch -embolischen Thrombosen, am häufigsten in den
Theilungsstellen der Arterien, kommen. 2) In den embolischen
Thromben erscheinen öfters die Mikrokokkenballen in etwas weniger
färbbare, homogene Ballen umgewandelt 3) Diese Thromben erregen
an Ort und Stelle ihres Haftens eine akute, exsudative Entzündung,
die von der Adventitia ausgeht und zur Zerstörung der Gewebsele-
mente der Media, zur Berstung der Elastica und der Intima führt.
4) Das Lumen der Arterie erscheint nun an Ort und Stelle des
haftenbleibenden mykotisch - embolischen Thrombus, also an streng
umschriebenen Stellen, ausgebuchtet. 5) Ein solches Aneurysma ist
gewöhnlich durch seine Multiplicität gekennzeichnet, und als sein
Lieblingssitz muss die Theilungsstelle der Arterien bezeichnet werden.
6) An dem Eingange zu einem jeden solchen Aneurysma erscheint
die Intima und das elastische Gewebe der Arterienwand stets voll-
ständig abgesetzt, die Media muscularis theilweise durchtrennt, der
Best derselben setzt sich in solchen Fällen als Innenschicht der
Aneurysmenwand fort Oder es ist die Media, wie namentlich bei
SykosU. — Bakterien in dtn Nieren. 257
solchen Aneurysmen kleinerer Arterien, ganz durchtrennt. Die Ad-
ventitia bildet in ersterem Falle die Aussenschicht und im letzteren
Falle die alleinige Wandschicht des Aneurysma. 7) Der mykotische
Embolus kann die Innenwand des Aneurysma bilden. 8) Man kann
ausser akuten auch solche Aneurysmen unterscheiden, die Zeichen
einer langen Dauer an sich haben, da kann der ursprüngliche Em-
bolus fehlen. 9) Ein klein angebildetes Aneurysma kann durch rekru-
diszirende akute peri- und mesarteritische Prozesse grösser werden.
Buday fand in Deckglaspräparaten vom Grund des Endocardial-
geschwüres oder vom bröckeligen Embolus Streptokokken und Staphylo-
kokken und an den Enden abgerundete Bacillen. Durch Kulturen er-
wiesen sich diese Mikroorganismen als Streptococcus pyo-
genes, Staphylococcus pyogenes albus und Bacillus
pyogenes foetidus. Dittrich (Prag).
S&toazta, M., Sycosis g6n6ralis6. [Soc. d'anat. et de physiol.
de Bordeaux. S6ance du 15 d6c. 1890.] (Annal. de derm. et de
sjph. 1891. 25. Jan.)
Sabrazös stellte einen 52jährigen Arbeiter vor, der vor
5 Monaten von einer Affektion befallen wurde, welche sich durch
das Auftreten von hanf- bis erbsengrosgen stark infiltrirten, im Cen-
trum von einem Haar durchbohrten Pusteln charakterisirte, nachdem
er schon Monate lang vorher an einem sehr stark juckenden Ekzem
der Pubes, der Oberlippe und der Augenlider gelitten hatte. Die
Eruption bildete an der Pubes und den InguinalfaüLten ein weinrothes,
stark infiltrirtes Dreieck, an dem die Haare zum grossen Theil aus-
gegangen waren und welches auf Druck aus zahlreichen Oeffnungen
Eitertröpfchen entleeren liess. Weniger zahlreich und weniger ent-
wickelt waren die Pusteln am Bauch und den Schenkeln. Krusten
und Pusteln fanden sich gleichfalls an der Oberlippe, Nasenöffnung
und dem freien Rand der Augenlider. In den Haaren liessen sich
Parasiten nicht nachweisen. Ledermann (Breslau).
Faulhaber, E., Ueber das Vorkommen von Bakterien in
den Nieren bei akuten Infektionskrankheiten. [Aus
dem pathologisch-histologischen Institute (Prof. Weichselbaum)
in Wien]. (Ziegler 's Beiträge zur pathologischen Anatomie und
zur allgemeinen Pathologie. Bd. X. 1891.)
Verf. stellte sich die Aufgabe, zu erforschen, 1) ob bei den
akuten Infektionskrankheiten die den allgemeinen Prozess oder eine
Komplikation desselben bedingenden Bakterien auch in der Niere
vorkommen, 2) ob die Bakterien in solchen Mengen und in einer
solchen Vertheilung gefunden werden, dass sämmtliche oder nur ein
Theil der anatomischen Veränderungen auf sie bezogen werden
können, und wenn letzteres der Fall ist, welche diese Veränderungen
sind.
Von der Untersuchung ausgeschlossen waren makroskopisch
wahrnehmbare Abscesse und Infarkte der Nieren.
Die Nieren wurden theils zu Kulturen, theils zur mikroskopischen
Untersuchung verwendet.
X.Bd. 17
258 Bakterien in den Nieren.
Im Ganzen wurden 53 Falle von Infektionskrankheiten unter-
sucht Dieselben lassen sich nach der Art der nachgewiesenen Bak-
terien in 4 Gruppen eintheilen, welche durch den Diplococcus
pneumoniae, dann Bacillus pneumoniae Friedländer, durch
Typhusbacillen und Streptokokken repräsentirt werden.
1. Gruppe: Diplococcus pneumoniae. — Hierhergehören
alle Fälle, in denen der Diplococcus pneumoniae in den Nieren
gefunden wurde, ohne Rücksicht auf die Art der Haupterkrankung,
welche mit Ausnahme zweier Fälle von Scarlatina stets durch den
Diplococcus pneumoniae hervorgerufen worden war. Unter den
hierher gehörigen 35 Fällen waren 29 Fälle von kroupöser Pneumonie,
2 Fälle von Scarlatina, 1 Fall von Peritonitis und beginnender Pleu-
ritis ohne Pneumonie, 1 Fall von Pleuritis mit lobulärer Pneumonie,
1 Fall von Pleuritis bilateralis und Endometritis, I Fall von ulce-
röser Endocarditis und älterer Pneumonie.
In 13 Fällen wurde der Diplococcus pneumoniae nur mi-
kroskopisch, in den übrigen Fällen mikroskopisch und durch Kultur nach-
gewiesen, und zwar in den letzteren 8 mal in grosser Menge, 7 mal
in mittlerer Menge und 7 mal in geringer Menge.
In den meisten dieser Fälle fand man in den Nieren stets
neben verschieden intensiven, diffusen, parenchymatösen Verände-
rungen ein vermehrtes Auftreten von Leukocyten im Gefässsystem
und in sehr vielen Fällen noch eine herdweise Ansammlung von
Rundzellen im interstitiellen Gewebe, namentlich um Knäuel und Ge-
fässe, sonach allgemeine parenchymatöse nnd Herderkrankungen.
Wo der Diplococcus durch Kultur in mittlerer oder grösserer An-
zahl nachgewiesen worden war, fand sich derselbe nahezu in sämmt-
lichen Kapillaren einzeln stehend, zuweilen gehäuft; in den grösseren
Gefässen haftete er der Wand an oder war zwischen den rothen
Blutkörperchen, Leukocyten umlagernd, oft in grossen Mengen und
Ketten, wahrzunehmen. Derselbe war auch zwischen den Rundzellen,
sowie in den hyalinen Massen der Gefässe nachzuweisen.
Für die Färbung des Diplococcus pneumoniae bewährt
sich am besten alkalisches oder Carbol-Methylenblau, sowie alkalische
Anilinwasser-Farblösungen.
2. Gruppe: Bacillus pneumoniae Friedländer. — 2 Fälle.
Der Bacillus pneumoniae wurde beidemale mikroskopisch
in der Niere nachgewiesen, einmal in grosser Menge kultivirt Man
fand parenchymatöse und interstitielle Veränderungen.
3. Gruppe: Typhus abdominalis. — 4 Fälle. In allen
diesen Fällen wurden Typhusbacillen durch Kultur nachgewiesen.
Die Niere zeigte die Veränderungen der trüben Schwellung. Der
mikroskopische Nachweis der Typhusbacillen im Gewebe gestaltete
ßich immer sehr schwer. Doch fanden sie sich hie und da in den
Gefässen und in den Harnkanälchen.
4. Gruppe: Streptokokken. — 12 Fälle akuter Infektions-
krankheiten, und zwar 3 Fälle von Erysipel, 2 Fälle von Phlegmone,
3 Fälle von Processus puerperalis, je 1 Fall von Gangrän der linken
oberen Extremität, Peritonitis, Variola haemorrhagica, Pleuritis.
Aacarii lombricoides. — Bnui&fleekigkdt der Gerstonblitttor. 259
Ausser in 2 Fällen fand sich stets eine akute parenchymatöse
Nephritis vor, mit herdweiser und ausgedehnter Ansammlung von
Randzellen im interstitiellen Gewebe.
Aus den Untersuchungen des Autors erhellt sonach für die vor-
liegenden Fälle, dass bei den akuten Infektionskrankheiten die den
allgemeinen Prozess oder eine Komplikation desselben bedingenden
Bakterien auch in den Nieren vorkommen. Gewiss waren in den
meisten Fällen die pathologischen Veränderungen der Nieren durch
die betreffenden Bakterien hervorgerufen worden.
Dittrich (Prag).
Bergmann, W., Ueber den Befund eines Ascaris lumbri-
coides in der Peritonealhöhle. [Aus Prot Chiari's
path.-anat Institute an der deutschen Universität zu Prag.]
(Prager medizinische Wochenschrift. 1890. No. 50.)
Sektion eines Falles von ulceröser Perforation des Processus
vermiformis, in dem ein Koprolith enthalten war, mit konsekutiver
Peritonitis. In dem Exsudate um das Goecum herum ein mazerirter
Ascaris, der nur durch die Perforationsöffnung dahin gelangt sein
konnte.
Verf. ist der Ansicht, dass hier der Spulwurm erst nach kom-
pleter Perforation des Wurmfortsatzes von Seite des Koprolithen
durch die Perforationsöffnung in das Peritonealcavum gelangt war,
oder doch die betreffende Stelle durch Ulceration schon perforations-
reif war, als der Ascaris sie durchbohrte. Dittrich (Prag).
Kirchner, 0-, Braunfleckigkeit der Oerstenblätter.
(Zeitschrift fQr Pflanzenkrankheiten. L 1891. p. 24—26.)
Helminthosporium gramineum Rbh. ruft eine Blatt-
fieckenkrankheit der Gerste hervor, welche 1885 von Erikson in
Schweden zuerst beobachtet, jetzt aber auch vom Verf. bei Hohen-
heim in Württemberg, in Vorarlberg und in Tyrol gefunden worden
ist. Die Konidienlager des Pilzes erscheinen auf den Blättern und
Blattscheiden als schwarzbraune, gelblich umränderte, langgezogene
Flecken, welche sich später vergrössern und vermehren. Die Blätter
vergilben dadurch, die Aehren kommen nicht zur Entwickelung, und
die Pflanze stirbt vorzeitig ab. Die Konidien sind meist 2— 6 kam-
merig, zeigen aber auch bis zu 8 Scheidewänden. Auf andere Ge-
treidearten, als Gerste geht der Pilz scheinbar nicht über.
Brick (Hamburg).
17 •
260 Heim,
Untersuchungsmethoden, Instrumente etc.
Die Neuerungen auf dem Gebiete der bakteriologischen
Untereuchungsmethoden seit dem Jahre 1887.
Zusammenfassender Bericht
von
Dr. L. Heim,
k. b. Stabsarzt und Priratdosent.
I. Flrbnngsmethoden«
Seit der im 3. Bande dieses Centralblattes erschienenen historisch-
kritischen Uebersicht über die Entwicklung der Bakterienfarbung
von P. 6. Unna sind die Methoden des Nachweises der Bakterien
durch die Färbung vervollkommnet worden und neue Untersuchungen
haben unsere Kenntnisse von ihrem feineren Bau gefördert
Den wichtigsten Fortschritt in der Färbetechnik verdanken wir
Loeffler (0. 6. 209 u. 7. 625 *) Dieser Forscher stellte mit
Hilfe eines von ihm gefundenen und verbesserten Beiz- und Färbe-
verfahrens die Greissein beweglicher Mikroorganismen in vorzüglicher
Weise dar und demonstrirte sie in ausgezeichneten Photogrammen.
Die geeignetste Beize ist eine Fuchsintinte, hergestellt durch Ver-
mischung von Tannin-, Ferrosulfat- und Fuchsinlfisung, welche bei
alkalibildenden Bakterien entsprechend sauer, bei Säurebildnern al-
kalisch gemacht werden muß. Gefärbt wird mit Anilinölwasser-
1) In diesem CentralbUtt im Orginal (O.) erschienene oder referirte Arbeiten sind
ohne weitere Quellenangabe mit den in Klammern gesetzten Zahlen citirt ; die eine der-
selben nennt den Band, die andere die Seiten sahl. Bei den anderen Litteraturangaben
ist die Bandaahl mit römischen Ziffern bezeichnet; sonst bedeutet die erste Zahl das
Jahr, eine allenfallsige aweite die Nummer, die leUte die Seite. Die Abkürzungen
erklären sich folgendermaßen :
A. a. d. K. G. A. - Arbeiten ans dem Kaiserlichen GesundheiU-Amte.
A. f. H. = Archiv für Hygiene.
B. kL W. = Berliner klinische Wochenschrift.
C. f. d. m. W. — ■ CentralbUtt für die medizinischen Wissenschaften.
C. f. kl. M. — CentralbUtt für klinische Medizin.
Ch. A. — Charitl-Annalen.
D. m. W. «= Deutsche medizinische Wochenschrift.
D. M. Z. — Deutsche Mediainal-Zeitung.
F. d. M. = Fortschritte der Medicin.
H. R. «■ Hygienische Randschan.
J. B. ma Jahres- Bericht von Baumgarten.
K. f. Schw. Ae. — ■ Korrespondensblatt für Schweiser Aerste.
M. f. pr. D. — ■ Monatshefte für praktische Dermatologie.
M. m. W. —■ Münchener mediainische Wochenschrift.
Rf. —- Referat.
St P. m. W. «a St Petersburger mediainische Wochenschrift.
V. A. — Virchow's Archiv.
Z. f. H. » Zeitschrift für Hygiene.
Z. f. w. M. es Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie.
Die Neuerungen d. bakteriol. Untersuchnngsmethoden seit dem Jahre 1887. 261
fachsinlösung, der man l°/00 Natronlauge bis zum Eintritt der
Schwebeföllung zusetzt
Ausser Koch war es bis dahin nur Wenigen geglückt, und nur
in vereinzelten Fällen und weniger deutlich, Geissein an Bakterien
sichtbar zu machen. Kunst ler (2. 729) fand sie am Spirillum
tenue nach Fixirung mit Osmiumsäure und wochenlanger Einwirkung
von Collin-Schwarz , Neuhauss (O. 5. 81) an einigen Exemplaren
von Cholerabakterien, welche auf dem Deckgläschen mit Kaisertinte
gekocht und in ganz schwache erwärmte Lösung von neutralem
chromsauren Natron eingelegt waren, Tr e n k m a n n (0. 6. 433) erhielt
gefärbte Cilien, wenn er die Präparate vor der Färbung mit Tannin-
Salzsäurelösung, Gatechugerbsäure mit Karbolsäurezusatz oder Cam-
pecheholzextrakt und Säure vorbehandelt hatte; wurden die mit
Tannin-Salzsäurelösung gebeizten und gefärbten Präparate in 1 Tropfen
Jodwasser untersucht, so kamen die Geissein viel deutlicher zum
Vorschein (O. 8. 388). Dowdeswell (8. 268) will bei beliebig ge-
färbten Kommabacillen mittelst Lichtes von einer Petroleumlampe
Geissein gesehen haben. Messea1) benutzte die Loeff ler 'sehe
Methode zur Unterscheidung des Typhusbacillus von einem ihm sonst
sehr ähnlichen, aus Typhusstuhl isolirten Bacterium, bei dem im
Gegensatz zu jenem nur 1 Polgeissel erschien; einen ausserordent-
lichen Reich thum an Cilien weist, wie ich bestätigen kann, der Pro-
teus vulgaris auf, zu deren Darstellung M. 2 Tropfen der ver-
dünnten Säure auf 16 cem Beize nahm.
Einen weiteren Einblick in die feineren Strukturverhältnisse der
Bakterien gewähren die Untersuchungen über isolirt färbbare Antheile
derselben; Babes (4. 747) erhielt durch V4-stündige Einwirkung
einer möglichst konzentrirten Methylenblaulösung, welche auf das im
Antrocknen begriffene Präparat zur Einwirkung kam, dunkelrothe bis
violette Kügelchen in der schwach blau gefärbten Zelle; zu einem
ähnlichen Resultat gelangte Ernst (4. 47, 5. 796), indem er auf
das getrocknete Präparat — unabhängig von Babes — dieselbe
Lösung oder eine solche von Hämatoxylin oder Kernschwarz in der
Wärme brachte; eine Kontrastfärbung kam mit wässeriger Bismarck-
braunlösung zu Stande. Er deutet im Gegensatz zu B. die fraglichen
Gebilde als Vorläufer der Sporen, was aber nach meinen Untersuch-
ungen») über die Bakterien der blauen Milch, welche Ernst in
erster Linie in den Bereich seiner Forschungen zog, bei dieser Art
wenigstens unzutreffend ist, da sie gar keine Sporen bildet. Die
Darstellung der eigentlichen Kügelchen gelingt nach Neisser3)
am besten mit erwärmtem Karbolfuchsin, kurzem Abspülen in 1 %
wässeriger Schwefelsäure, Nachfärben in wässerigem oder Loeff 1 er-
sehen Methylenblau oder mit erwärmter Ehr lieh 'scher Methyl-
violett-(Alkohol-Anilin-Wa8ser-) Lösung, kurzem Abspülen in der ge-
nannten Säure und Nachfärben in Säurebraun.
Derartig feine, der Grenze des Sichtbaren vielfach nahekom-
1) Kf. H. R. I. 8. 897.
2) A. a. d. K. G. A. V. 518.
8) Z. f. H. IV. 268.
262 Heim,
tuende Strukturverh<nisse hat Bütschli (7. 639) besonders ein-
gehend und erfolgreich studirt Dieser Autor hat das Vorhanden-
sein von mit Hämatoxylin in Alkoholpräparaten oder mit Methylen-
blau in angetrockneten Zellen rothviolett bezw. roth färbbaren Körper-
chen bestätigt, ferner aber ihren Sitz an den Knotenpunkten eines
aus dem Plasma bestehenden, blau färbbaren Wabengerüstes nachge-
wiesen, aus welchem die — soweit sie bei den einzelnen Bakterien
vorhanden ist — Rindenschicht und der ebenfalls von B. deutlich
differenzirt zur Anschauung gebrachte Centralkörper besteht; mit
Entschiedenheit trat er für die Kernnatur des letzteren ein.
Ein centrales Kernstäbchen im Innern von Bacillen beschrieb
schon früher Schottelius (O. 4. 705). unter Benutzung des
Aue r 'sehen Gasglühlichtes und passender Blenden sah er es im
ungefärbten Präparat als ein dunkleres, von der helleren, fast homo-
genen Umgebung sich abhebendes, granulirtes Fädchen, welches bei
kurzer Färbung in wässeriger Gentianaviolettlösung sehr dunkel, fast
schwarz wurde.
Die bekannten, namentlich in Kartoffelkulturen bei Körperwärme
zum Vorschein kommenden Polkörner der Typhusbacillen nehmen,
wie Buchner (O. 8. 353) beim allmählichen Zufliessenlassen des
Farbstoffes zum frischen Präparat verfolgen konnte, von allen anderen
Theilen der Zelle den Farbstoff zuerst und am stärksten auf; erst
später färbt sich der übrige Inhalt stärker und schliesslich treten
infolge Retraktion des Plasmas, wobei die Polkörner gegen die Mitte
des Stäbchens hin verschoben werden, an beiden Enden farblose
Lücken auf. Trotz ihrer raschen und intensiveren Farbstoffaufhahme
sah Birch-Hirschfeld (3. 569) die Polkörner als Sporen an.
Er konnte auch beobachten, dass die lebenden Bakterien die Farben,
namentlich das Benzoäpurpurin, annahmen. Dieser Befund wurde von
Buchner (0. 7. 733) durch Versuche an Bierhefe- und Typhus-
bacillenkulturen bestätigt, welche ergaben, dass, wenn auch ein ge-
wisser Widerstand der lebenden Bakterienzellen gegen die Aufnahme
von Farbstoffen besteht, sie doch nicht unbedingt mit dem Absterben
der Zellen verbunden sein müsse.
Ha us er1) konnte mit einer Modifikation des Ne isser 'sehen
Sporenfärbungsverfahrens in Sarcine Sporen nachweisen. Jene be-
stand in der Beschickung des Deckgläschens mit der Fuchsinlösung
und 40 — 50 maligem Durchziehen durch die Flamme des Bunsen-
brenners, in welcher dasselbe jedesmal so lange verblieb, bis Dämpfe
und kleine Bläschen erschienen. Dieser Befund bestätigt die extra-
ordinäre Stellung, welche die Sa reinen in der Systematik der Bak-
terien einnehmen.
Die Herstellung und Färbung von Schnittpräparaten be-
handelt Kühne9) in einer Broschüre. Der durch seine Leistungen
auf diesem Gebiete bekannte Forscher zieht die Zerlegung der in
Alkohol gehärteten und dann ausgewässerten Organ- und Gewebs-
1) M. m. W. 87. 84. 654.
8) Prakt. Anleitung s. mikr. Nachw. dar Bakt. i. thier. Gfowabe. Leipzig
(E. Günther) 1888.
Die Neuerungen d. bakterioL Untersuehongsmethoden seit dem Jahre 1887. 263
Stückchen mittelst des Gefriermikrotoms der Einbettung in Gelloidin
oder Paraffin und der Weigert 'sehen Fixirung mit Gummi oder
Glyceringelatine auf Kork vor. Unseres Erachlens ist das Verfahren
als einfach und bequem wohl zu empfehlen, kann jedoch die beiden
anderen Methoden nicht ersetzen; so wird besonders die erstere in
ihr Recht treten müssen, wo es sich um das Schneiden grösserer
Stücke handelt Statt der üblichen, aber unpraktischen Uhrgläser
bedient sich K. der Blockschälchen für gefärbten Alkohol, ätherische
Oele und Anilinöl, sowie dickwandiger, runder Schalen von ö1/, cm
Durchmesser und 11 mm Tiefe für wässerige Farblösungen, Alkohol
etc. Die Schnitte werden, aufgerollt auf eine zur stumpfen Spitze
ausgezogene Glasnadel von 4 mm Dicke, entweder aus Wasser oder
aus Alkohol in die Farblösung übertragen. Die für letztere bestimmte
Schale ruht auf dem runden Ausschnitt eines auf einer Seite offenen
Kastens, in welchem sich ein diagonal eingelegter Spiegel befindet
K. rath, nicht zu intensiv zu färben und indifferente, das Gewebe
möglichst schonende Ausziehungsmittel zu wählen (Anilinfarben).
Alkohol wird zu diesem Behuf mit der gleichen Farbe versetzt und
dient lediglich zur Entfernung des oberflächlich aufliegenden Wassers,
während als eigentliches Extraktionsmedium reines oder mit Farb-
stoffen versetztes Anilinöl genommen wird. Zur Anfertigung von
Trockenpräparaten, sei es im Schnitt oder Ausstrich, dient ein Ballen-
gebläse, welches durch Einfügung eines kleinen, zur Spitze ausge-
zogenen Glasröhrchens in die Gummiröhre vervollständigt ist; es
wird ferner benutzt, um zähe Schleimpartikelchen auf dem Deckglase
auszubreiten und anzutrocknen und endlich zur Entfernung des
Immersionsöls, welches zuvor oberflächlich mit Fliesspapier aufge-
saugt und mit einem Tropfen Xylol versetzt wurde. Ein recht prak-
tisches Instrument führte Kühne in Gestalt einer Pinzette ein,
deren platte Branchen im stumpfen Winkel nach der Fläche hin ab-
gebogen sind. Sie dient zum Fassen der Deckgläser und erleichtert
die Hantirung wesentlich. Man kann mit ihrer Hülfe die ganze
Schnittbehandlung mit Leichtigkeit auf dem Deckglase durchmachen,
wie wenn man ein Ausstrichpräparat vorsieh hätte. Steinbach1)
gebraucht bei den Färbungs- etc. Akten eine zur Aufnahme der
Schnitte dienende Glasdose mit siebförmig durchlöchertem Boden,
welche der Reihe nach in etwas grössere, mit den nöthigen Lösungen
beschickte Glasschalen getaucht wird.
Was nun die Kühne'sche Färbetechnik anbetrifft, so empfiehlt
er die Methylenblaumethode als die universellste und sicherste. Der
Farbstoff wird in 5 °/0 iger Karbol- oder 1 °/0 iger Ammoniumkarbo-
natlösung als Beize gelöst Die Differenzirung erfolgt in schwacher
wässeriger Lithionkarbonatlösung oder leicht angesäuertem Wasser,
die Wasserentziehung erst in absolutem Alkohol, dem etwas Me-
thylenblau zugesetzt ist, sodann in ebensolchem Anilinöl ; schliesslich
kommt der Schnitt in reines Anilinöl, in leicht flüssiges ätherisches
Oel (z. B. Thymen, Thereben u. dgl.), Xylol und Balsam. Für ge-
1) Bdlageheft s. Ausstellung des 6. Internat. Kongr. f. Hyg. u. Dem. i. Wien.
1887.
264 Heim, Die Neuerungen d. bakt. üntersuchungsm ethoden seit d. Jahre 1887.
wisse Bakterienarten, z. B. Tuberculose-, Lepra-, Mäuseseptikämie-
bacillen, ist die sonst gleiche Fuchsinmethode am Platze. In manchen
Fällen gelingt es, auch nicht zur Tuberkelbacillengruppe gehörige,
mit Fuchsin gefärbte Bakterien durch Fluorescinalkohol zu differen-
ziren, namentlich wenn die erste Färbung echter gemacht worden ist.
Letzteres erzielte K. durch Vorbehandlung mit Schwarzbraun, das
als Beize wirkt. (Denselben Zweck suchte Spina (1. 667) durch
24 stündige Vorbehandlung mit Tanninlösung zu erreichen).
Hinsichtlich der näheren Beschreibung der Handhabung des Ge-
friermikrotomes, der doppelten und dreifachen Färbungen, der Modi-
fikationen des Gram'schen Verfahrens und der Vorschriften für die
Anfertigung der verschiedenen Lösungen sei auf das Original ver-
wiesen.
Um Nährböden behufs Studiums der Wachsthums- und Lagerungs-
verhältnisse der Einzelbakterien in wachsenden Kulturen in Schnitte
zerlegen zu können, härtete Neisser (0. 3. 506) nach dem Vorgange
von Fi sc hl und Weigert1)? jedoch mit einer Modifikation ihres
Verfahrens, Gelatinestichkulturen nicht verflüssigender Bakterien erst
in Ealiumchromatlösung bei Lichtzutritt und später (nach Auswässe-
rung) in Alkohol; Agarkulturen mussten in Paraffin eingebettet ge-
schnitten werden. Die Färbung der auf dem Objektträger ange-
trockneten Schnitte gelang ihm am besten mit der Gram 'sehen und
Weigert'schen Methode.
Vor der Besprechung des Nachweises einzelner Bakterienarten
muss noch eines neuen Gesichtspunktes gedacht werden, welchen
Günther8) erörterte. Derselbe fand den absoluten Alkohol un-
fähig, dem gefärbten Präparate Farbstoff zu entziehen ; mit wach-
sendem Wassergehalt nimmt seine entfärbende Kraft zu; „reine al-
koholische Lösungen der basischen Anilinfarbstoffe sind vollständig
unfähig, Bakterien sowie thierisches Gewebe zu färben und anderer-
seits ist der absolute Alkohol unfähig, den Farbstoff aus gefärbten
Bakterienzellen und aus gefärbten Zellen thierischen Gewebes zu ex-
trahiren."
Ueber das tinktorielle Verhalten der Lepra- und Tuberkelbacillen
schrieb Wesen er eine im 1. Bande des Gbl. erschienene Abhandlung.
Neisser (6. 202) konnte nach eigenen Untersuchungen die Angabe
von Unn a (3. 194), dass die sog. Coccothrixform der Leprabacillen
nur bei Anwendung von Pararosanilin-, nicht aber von Rosanilin-
farbstoffen hervortrete, nicht richtig finden, vielmehr nachweisen, dass
jene Farbstoffe nicht rein waren, und dass ein Unterschied nur inso-
fern bestehe, als die ersteren schärfer färbten. Für die Darstellung
der Kügelchen bestätigt N. die Vorzüge der Lutz- Unn ansehen
Modifikation der Gram' sehen Färbung (3. 219), konnte sie jedoch
auch, und zwar nicht nur bei den Lepra-, sondern auch bei den
Tuberkelbacillen, auf anderem Wege sichtbar machen, nämlich durch
starke Einwirkung der Salpetersäure oder durch Färbung mit Borax-
Methylenblau und Entfärbung in Wasser und Alkohol, ferner mittelst
1) F. d. M. 87. 665.
2) Einführung in d. 8tnd. d. Bakt. Leipzig (Tbieme) 1890.
Schutzimpfung, kfinstl. Infektionskrankheiten, Entwickelangshemmnng etc. 265
Hämatoxylin oder Osmiumsäure, Amann (2. 24) durch Brom im
naszirenden Zustande. Offenbar kommen diese Erscheinungen ledig-
lich Bacillen zu, auf welche abnorme Verhältnisse eingewirkt haben,
sei es nun vor oder bei der Färbungs- bezw. Entfärbungsprozedur,
und N ei 88 er hat mit seiner Behauptung, dass die Mikroorganismen
der Lepra und der Tuberculose Bacillen und keine Kokken sind,
vollkommen recht
(Fortsetanng folgt.)
Schutzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten, Entwick-
lungshemmung und Vernichtung der Bakterien etc.
Emmerich, Die Ursache der Immunität, die Heilung
von Infektionskrankheiten, speziell des Rothlaufs
der Schweine, und ein neues Schutzimpfungsver-
fahren gegen diese Krankheit. (Münchener med. Wochen-
schr. 1891. No. 19 u. 20.)
E. hatte bereits früher bei seinen Versuchen aber Heilung des
Milzbrandes durch Erysipelkokken die Ansicht geäussert, dass ein
Kampf zwischen den beiden Bakterienarten nicht stattfinde; die Heilung
komme vielmehr durch den erhöhten Zellenreiz zu Stande. Er
führte dann weiter aus, dass ein ähnlicher Vorgang die Immunität
bedinge, bei welchem durch den Einfluss der eingeführten pathogenen
Bakterien Gifte entständen, die diese tödten, dem Organismus selbst
aber nicht schaden.
Da sich hiergegen Metschnikoff in Verteidigung seiner
Phagocytenlehre erhob, auch zu anderen Besultaten als E. in den be-
treffenden Versuchen kam, wiederholte Letzterer dieselben. Er im-
munisirte Kaninchen durch intravenöse Injektion von 0,2 ccm einer
mit der 50 fachen Menge Wassers verdünnten voll virulenten Bouillon-
kultur von Rothlaufbacillen. Die dadurch entstehende Krankheit
heilt innerhalb 8 Tagen; dass dieselbe vollständige Immunität zurück-
gelassen hatte, wurde durch weitere intravenöse und subkutane In-
jektionen von unverdünnten Rotblaufbacillenkulturen sichergestellt.
Nachdem er 12 solcher Kaninchen IVt — 6 ccm Rothlaufbacillen-
Bouillonkulturen aufs Neue injizirt hatte, tödtete er sie innerhalb
4 bis 12 Stunden. Bereits nach 3 Stunden war die grösste Zahl
der Bacillen, nach spätestens 8 Stunden alle getödtet Regelmässig
trat nach der Injektion Fieber auf, das nach ca. 10 Stunden, also mit
der vollendeten Vernichtung der Bakterien, wieder verschwand. Der
Schluss, dass in einer so kurzen Zeit von einer Vernichtung einer so
ungeheueren Zahl Bakterien durch Phagocytose, welche sich übrigens
mikroskopisch gar nicht nachweisen liess, nicht die Rede sein könne,
erscheint durchaus gerechtfertigt.
E. kam nun, unabhängig von anderen Autoren, auf den Ge-
danken, dieses proponirte, in den immunen Thieren befindliche Gift
266 Schutzimpfung, kflnitl. Infektionskrankheiten, Entwickelangshemmung etc.
auf andere Thiere zu übertragen, bei welchen es als Heilflüssigkeit
wirken müsse. Zunächst versuchte er es mit Fleischabkochungen
immunisirter Thiere, was ihn aber nicht zum Ziel führte. Er presste
deshalb das zerkleinerte Fleisch derselben einfach aus und filtrirte
durch Chamber! and 'sehe Filter. 22 mit Rothlauf iufizirten
Mäusen spritzte er sofort oder 7 Stunden nach Infektion 1 V* — 4 ccm
solcher „Heilflüssigkeit" ein. Nur drei davon starben, während die
22 Eontrolltbiere sämmtlich eingingen ; ein ähnliches Resultat erhielt
er bei der Behandlung von Kaninchen.
Die Mäuse erwiesen sich ausserdem noch nach 11 Tagen gegen
Rothlauf immun.
E. hält seine Behandlungsmethode für geeignet, in die Praxis
eingeführt zu werden; ähnliche Unsersuchungen über Pneumonie
und Milzbrand stellt er in Aussicht Scheurlen (Stuttgart).
Schimmelbusch, C, Die Durchführung der Asepsis in der
Klinik des Herrn Geheimrath von Bergmann in
Berlin. (Arbeiten aus der Chirurg. Klinik. V. S.-A. 49 p.)
Verf. erörtert zuerst kurz die Gesichtspunkte, welche die Ein-
führung der verschiedenen Antiseptika in die chirurgische Praxis ver-
anlassten, und bespricht dann jene Versuchsfehler, welche zur Folge
hatten, dass man die Wirkung dieser verschiedenen chemischen Mit-
tel überschätzte und deren Erkenntniss die Chirurgen den phy-
sikalischen Desinfektionsmethoden zuwendete. Bei der Sterilisation
durch Dampf, heisse Luft und kochendes Wasser ist die vorange-
hende mechanische einfache Reinigung der Objekte von
eminenter Wichtigkeit, sie soll die Vorstufe zu jeder Sterilisation
sein. Was die Intensität der Desinfektion betrifft, so vertritt Verl
die Ansicht, dass es in der chirurgischen Praxis nicht darauf an-
kommt, alle Keime abzutödten, welche die Wunden infiziren, und
eben deshalb dürfte nur selten eine Veranlassung vorliegen, über
die Abtödtungsgrenze der Milzbrandsporen hinauszugehen. — In den
folgenden 3 Abschnitten schildert dann Verf. die in der Klinik üb-
liche 1) Sterilisation der Verbandsstoffe in Dampf. 2) Die Sterili-
sation der Metallinstrumente in Sodalösung. 3) Die Sterilisation
ärztlicher Bürsten.
Verf. sucht die Zweckmässigkeit und Zuverlässigkeit der befolg-
ten Methoden, nicht nur praktischen Erfolge derselben, sondern durch
exakt angestellte Versuche auch vom streng bakteriologischen Stand-
punkte zu beweisen. — Was die Sterilisation der Verbandstoffe be-
trifft, so werden dieselben stets in Dampf desinfizirt Dazu wird
stets der von Lautenschläger konstruirte Apparat1) verwendet,
dessen Vortheile jetzt wohl schon allgemein bekannt sein dürften.
Die Verbandstoffe werden in den Dampftopf in die vom Verf. kon-
struirten verschliessbaren Einsätze1) gesetzt, die das sterile Auf-
bewahren der desinfizirten Objekte bis zum Gebrauche ermöglichen.
Verf. beweist es mit einigen genau angeführten Versuchen, dass der
1) Siehe Settegart, Ctblatt f. Chirurgie. 1890. No. 6.
8) Aach von Lauten schläger angefertigt.
Schutzimpfung, kfinstL Infektionskrankheiten, Entwickelnngshemmung etc. 267
Dampf in die mit Verbandmaterial gefüllten Kästchen leicht ein-
dringt und die Dampfdurchströmung eine völlig genügende ist Die
ganze Prozedur der Sterilisation dauert selbst bei eng gepackten Ein-
sätzen nur etwa */* Stunden. Nach der Beendigung der Prozedur
ist es gut, die Löcher der herausgenommenen Einsätze nicht sofort
zu schliessen, ja sogar den Deckel einige Minuten offen zu lassen,
um eine Durchnässung des Verbandstoffes zu verhüten.
Aas demselben Grunde muss man die Verbandstoffe anwärmen,
bevor sie zur Desinfektion in den Dampftopf gebracht werden.
— Bei der Sterilisirung der Metallinstrumente wird der eigent-
lichen Desinfektion immer eine gründliche, mechanische Reinigung
vorausgeschickt (Abspülen in Wasser, Einlegen in heisse Lauge
von Soda und Seife, Abbürsten, Abspülen, Putzen mit Putzstein,
Alkohol und Lederlappen, nochmaliges Abspülen in Sodalösung, Ab-
trocknen.) Dann erst werden die Instrumente in Sodalösung des-
infizirt
Der genauen Schilderung des Verfahrens schickt Verf. eine Kri-
tik der Sterilisirung der Instrumente in heisser Luft, in Dampf und
in kochendem Wasser voran, welche alle theils zu umständlich, theils
aber für die Instrumente auf die Dauer schädlich sind und sich des-
halb in der Praxis nicht einbürgern konnten. Allen Anforderungen
genügt die Sodalösung. Eine 1 % Lösung des Soda genügt, um ein
Rosten der Instrumente beim Kochen und auch beim längeren Ein-
legen zu verhüten.
Ausserdem ergaben die Versuche, dass die kochende Soda-
lauge mit das kräftigste keimtödtende Mittel ist, welches wir
kennen und in praxi verwenden können. Staphylococcus und
Pyocyaneus waren in 2—3 Sekunden und Milzbrandsporen,
die im Dampf von 100° noch nach 10—12 Minuten lebensfähig waren,
nach 2 Minuten vollständig abgetödtet. Ausserdem ist diese Steri-
lisirungsmethode wegen ihrer Einfachheit und leichten Ausführbar-
keit in der ärztlichen Praxis überall und zu jeder Zeit anwendbar.
Einen Topf Wasser und Soda kann man überall bekommen. In der
Klinik ist ein vom Verf. konstruirter und von Lautenschläger
verfertigter Apparat im Gebrauch [der übrigens in Folge seiner prak-
tischen Einrichtung bereits in sehr vielen Kliniken und Laboratorien
Eingang gefunden hat. Ref.]. 5 Minuten langes Kochen genügt, um
die Instrumente zu sterilisiren. Im zugedeckten Apparat hat die
kochende Sodalösung 104° C. (Die Konstruktion der Apparate ist
im Original nachzulesen.) Die sterilisirten Instrumente werden dann in
Kalk, abgekochte Sodalösung oder in eine Lösung, die 1 °/0 Soda und
1 °/o Karbol enthält, gelegt. Hier bleiben die Instrumente bis zum
Gebrauch. In dieser Lösung, die eminent entwickelungshemmend ist,
auch schon die 1 °/0 ige Sodalösung allein, bleiben die Instrumente
steril und rosten nicht. — Von den zur Operation notwendigen Ob-
jekten sind die Bürsten von grosser Bedeutung. Auch diese müssen
gründlich gereinigt und desinfizirt werden. Die nicht sterilisirten
Bürsten enthalten, wie das die Versuche des Verf/s und Dr. Spiel-
hagen's ergeben haben, nach dem Gebrauch unzählige Keime. In
der Klinik werden die Bürsten zuerst im strömenden Dampfe des-
268 Schutsimpfang, künstl. Infektionskrankheiten k Entwicklungshemmung etc.
infizirt Schon durch einmaligen Gebrauch der Bürste gelangen er-
hebliche Mengen von Keimen in dieselbe. Da die Bürste sehr oft
in Gebrauch genommen wird, eignet sich zu ihrer Reinhaltung
nicht die sonst sehr gute Sterilisirung in kochender Sodalösung. Was
die chemische Desinfektion betrifft, so ergaben die Versuche, dass
man mit einer 1/2 °/00 Sublimatlösung eine schnelle und sichere
Sterilisirung von infizirten Bürsten nicht erreichen kann. Selbst die
wenig widerstandsfähigen Kokken erforderten 10 Minuten lange Ein-
wirkung. Ganz besonders unwirksam ist das Sublimat, wenn zur
Infektion Eiter genommen wurde: nach 10 Minuten langer Sublimat-
einwirkung wuchsen unzählige Keime. Hingegen ist die dauernde
Einlegung der Bürste in Sublimatlösung von ausserordentlichem
Vortheile. Auf Grund dieser Beobachtungen werden in der Klinik
die stark infizirten Bürsten vor und nach dem Gebrauch ausgekocht
und für gewöhnlich auf allen Waschtischen in Sublimatlösung (V* %0)
liegend gehalten. — Die Erneuerung der Sublimatlösung geschieht
auf den Stationen alle Morgen; im Operationssaal in den grösseren
Pausen operativer Thätigkeit 2—3 Mal am Tage.
Tan gl (Tübingen).
Kurz, Ueber trockene aseptische Operations- und
Verbandmethode. (Dtsch. med. Wochenschr. 1890. No. 47.)
In einer von Kurz und Vanzetti geleiteten Poliklinik zu
Genua wird seit 1889 bei allen Operationen und bei der Behandlung
nicht infizirter Wunden auf die Anwendung der Antiseptika, wie auch
auf jede Abspülung der Wundflächen verzichtet. Die Reinigung der
letzteren geschieht lediglich durch Betupfen mit hydrophiler Gaze,
welche im Lautenschläger' sehen Ofen sterilisirt ist Die In-
strumente werden gleichfalls durch Hitze, das Nahmaterial durch
Auskochen in 5°/0 Karbolsäure, und die Hände des Operateurs durch
Seife, Bürste und Alkohol sterilisirt. Nach exaktester Blutstillung
wird mit sterilisirter Gaze verbunden.
Kurz hat an dieser Wundbehandlung bei einer grossen Reihe
von Operationen glänzende Resultate gesehen. Er rühmt davon die
schon von anderer Seite hervorgehobenen Vorzüge: Ausbleiben
jeder Wundreizung, Beschleunigung der Thrombenbildung und prima
intentio (bei Laparatomieen waren die Wunden in 5 Tagen geheilt),
Schonung der Hände des Operateurs sowie grosse Einfachheit und
Billigkeit des Verfahrens. Kubier (Berlin).
Ulrich, Chr., Die Resultate von 3 verschiedenen Be-
handlungsweisen des Erysipelas faciei. [Mittheilungen
aus dem Garnisonkrankenhaus.] (Hospitals-Tidende. Jahrg. IR
Bd. VIL No. 41.)
Diese 3 verschiedenen Behandlungen sind: Eiskompressen,
Pinselung mit Theer (Pyoleum pini) und Pinselung mit Ichthyol-
kollodium (Sulpho-ichthyolat. ammon. 5,00, Aether 5,00, Coli dw*-
10,00). Im Ganzen sind 89 Fälle behandelt worden, 33 mit »*
kompressen, 27 mit Theer, 29 mit Ichthyolkollodium. Der Verg1""
Neue Litteratur. 269
zwischen 3 Behandlungsmethoden fallt zu Gunsten der Ichthyol-
kollodiumbehandlung aus. Die Rose verbreitete sich bei dieser nur
in wenig über l/A der Fälle, beim Theer in ungefähr Vi der Fälle
and beim Eis in fast */» der Fälle. Bullabildung wurde beim
Ichtbyolkollodium durchaus nicht beobachtet, dagegen war sie in */«
der Fälle bei den 2 anderen. — Auch die Recidive waren beim Ich-
thyol nur in l/« der Fälle, beim Theer in 1/3 und beim Eis sogar
in etwas Aber 1/8 der Fälle. Endlich war die Dauer bei der Ichthyol-
behandlung etwas kürzer, als bei den 2 anderen Methoden: 6,88
gegen 9,3, respektive 8,33 Tage. Tan gl (Tübingen).
Neue Litteratur
nMauaengeitelK tob
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«Im Baohdraolursi (Hi
Pohl«) In Jwm.
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
64 M. Prot Dr. Lenckart m Professor Dr. Lotiter
Ib Ldpsif In ürailmld
herausgegeben von
Dr. O. TJhlworm in Cassel.
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
X. Band. -*~ Jena, den 14. September 1891. -o- No. 9«
Preia Ar den Band (M Hummern) 14 Mark.
Jährlich erscheinen swei Bände.
-Hl Zu beziehen durch alle Buchhandlungen and Postanstalten. )|«*-
Die Redaktion des „Centratblatts für Bakteriologie und Parasiten-
künde*' richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wünsche um Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Auf-
ritze entweder bei der Einsendung der Abhandlungen an die
Redaktion auf das Manuskript sehreiben zu wollen oder spä-
testen* nach Empfemg der ersten KorreMurabzüge direkt an
den Verleger 9 Herrn Gustav Bischer in Jena% gelangen zu
lassen* Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
angehende Wunsehe berücksichtigen zu können.
Original - Mittheilungen.
Ueber eine neue Methode der Sporenfarbung.
[Aus dem hygienischen Institute zu Greifswald.]
Von
Dr. H. Moeller,
Priratdocenten der Botanik in Oreifswald.
Die in Gebrauch befindlichen Methoden der Färbung endogener
oporen sind zum Theil nicht recht zuverlässig, zum Theil sehr um-
standlich, so dass sie in der Praxis weniger zur Verwendung gelangen,
^8 aas manchen Gründen wünschenswerth wäre. Man pflegt be-
X.H 18
274 Moeller,
kanntlich die derberen Sporen entweder trocken zu erhitzen, sei es
im Trockenschrank, sei es durch häufigeres Durchziehen durch die
Flamme, um die Sporenmembran dadurch leichter durchlässig für
den Farbstoff zu machen, oder die Sporen direkt in der Farblösong
eine Stunde zu erhitzen. Der schweren Färbung der Sporen ent-
spricht eine schwierige Entfärbung, welche ja in dem übrigen Bakterien-
protoplasma leicht zu ermöglichen ist durch Verwendung von Alko-
hol und verdünnten Säuren und alsdann eine Neufärbung des letz-
teren mit einer Gegenfarbe nach Neisser ermöglicht.
Diese Sporenwand scheint nun entsprechend der Widerstands-
fähigkeit der Sporen gegen schädigende, äussere Einflüsse verschieden
derb und durchlässig zu sein, wie ja einige endogene Sporen dieser
Doppelfärbung ohne weiteres zugänglich sind, andere es erst durch
das obenerwähnte Erhitzen werden. Durch das letztere wird offen-
bar ein starker Eingriff in die Beschaffenheit der Membran hervor-
gerufen, den ich rascher und im Einzelfalle zuverlässiger durch die
Verwendung von Mazerationsmitteln zu erreichen hoffte, deren wir
uns in der botanischen Histologie zu ähnlichen Zwecken bedienen.
Ein überraschender Erfolg lohnte gleich den ersten Versuch.
Als Untersuchungsmaterial benutzte ich die Beinkultur eines Kar-
toffelbacillus, der eine bräunliche Haut lieferte. Es wurden stets
Deckglaspräparate angefertigt und zur Untersuchung verwendet. Bei
den ersten Versuchen fixirte ich durch dreimaliges Durchziehen durch
die Flamme ; später habe ich durchgängig, um die verschiedene Wir-
kung dieses nie gleichmässigen Prozesses auszuschliessen, die luft-
trockenen Deckgläschen zwei Minuten in absoluten Alkohol gebracht,
mit Wasser gründlich abgespült und weiter verarbeitet. Zunächst
untersuchte ich die Wirkung des Chlorzinkjod in konzentrirter Lö-
sung, welches ja veränderte Cellulose, lignin- und suberinhaltige
Membranen, sowie die Aussenmembran der Sporen und Pollenkörner
leicht durchdringt und gelb färbt Gleich gelb färbte sich nach we-
nigen Sekunden das mit einigen Tropfen des Chlorzinkjod bedeckte
Deckglas. Es wurde nun sorgfältig abgespült und mit Karbolfuchsin1)
mehrmals aufgekocht, abgespült und durch Behandlung mit 4°/ö
Essigsäure und verdünntem Alkohol zu entfärben versucht. Es ge-
lang, den gefärbten Sporen (ein Theil war nur eben angefärbt) den
Farbstoff zu lassen und ihn sonst zu entfernen, so dass die Doppel-
färbung mit Methylenblau gleich am ersten Präparat gelang, wenn
dasselbe auch sonst noch mangelhaft war. Nachdem durch circa
5 Minuten langes Einwirken des Chlorzinkjods eine Färbung sämmt-
licher Sporen gelungen war, galt es durch weitere Versuche eine ge-
eignete Differenzirungsflüssigkeit wie die Dauer der Gegenfärbung zu
ermitteln.
Von der 1 °/q Schwefelsäure gelangte ich in weiteren Versuchen
zur 5 °/0, welche ich beibehalten habe. Das Deckgläschen wird darin
kurz abgespült, bis es entfärbt ist, und dann mit Wasser gründlich
abgespült. Als Gegenfarbe habe ich anfangs wässerige oder alka-
1) Das Karbolfuchsin wie die andern Farblösungen bereitete ich ohne AlkoholzosaU,
weil es mir wiederholt schien, dass letzterer die Färbkraft beeinträchtige.
lieber eine neue Methode der SporenfÜrbung. 275
fische Methylenblaulösung, später stets eine ziemlich konzentrirte Ma-
lachitgrünlösung benützt, welche in der Regel nach 30 Sek. Einwir-
kung eine volle Gegenfärbung bewirkte.
Weitere Versuche galten der Dauer des Kochens mit Karbol-
fuchsin. Es zeigte sich, dass kurzes Aufkochen selten, Erwärmen
bis zur Dauer einer Minute aber immer genügte; ich habe deshalb
stets 60 Sek. in der Flamme erhitzt, in welcher Zeit ich dann ein-,
höchstens zweimal kurz aufkochen Hess.
Von anderen bekannten Mazerationsmitteln habe ich nun ferner
Chlorwasser, Javelle'sche Lauge und Chromsäure in 5°/0 Lösung
untersucht. Alle drei Hessen eine Wirkung in der betreffenden Rich-
tung erkennen, aber die beiden ersteren mazerirten in den meisten
Fällen zu stark. Das gab sich dadurch zu erkennen, dass die vor-
her roth gefärbten Sporen die grüne Gegenfarbe gleichfalls annahmen,
die Membran mithin zu durchlässig geworden war. Die Chromsäure
Wogegen erwies sich als dem Chlorzinkjod in der Wirkungsweise
nicht nur gleichstehend, sondern es sogar an Schnelligkeit der Bei-
zung übertreffend, und darf sie kurzweg als Universalmittel zur
Sporenfärbung bezeichnet werden. Es sei hier gleich bemerkt, dass
die Dauer der Einwirkung bei den verschiedenen Sporenarten zwi-
schen 30 Sek. und 2 — 5 Min. schwankt, um eine gründliche Fär-
bung auch der ausgereiften Sporen zu erzielen, dass die letzteren
aber auch bei 30 Sek. langer Wirkung angefärbt erscheinen. Nehmen
wir nun an, was nach den folgenden Versuchen an bekannten Bak-
teriensporen gerechtfertigt erscheint, dass alle endogenen Sporen ent-
weder ohne Einwirkung der Chromsäure, oder nach 1/8 — 2 Min. langer
Behandlung mit derselben der Doppelfärbung zugänglich sind, und
langt man dann bei unbekannten Arten mit 30 Sek. dauernder Ein-
wirkung an, so wird man in kürzester Zeit nach Anferti-
gung von höchstens zwei Präparaten sichere Doppel-
färbung der Sporen erzielen.
Von denJuntersuchten^Sporen^seien hier zunächst die dreier
Kartoffelbacillen erwähnt; die obigen des braunen, die eines bern-
steingelben und die von einem weissen. Die des braunen wurden
gut gefärbt nach Einwirkung während 30 Sek., die des gelben nach
2 Min.; die ausgereiften. Sporen ;des [weissen Bacillus waren nach
2 Min. Mazeration immer noch schwach gefärbt, sehr schön nach
10 Min. Einwirkung, wodurch indessen das Bacillenplasma zerstört
war. Die beste Färbung und Gegenfärbung wurde aber nach Ein-
wirkung während 5 Min. erzielt.
Einen der Gestaltung nach sicher zu den Kartoffelbacillen ge-
hörigen,^langfädigen, grosssporigen Bacillus erhielt ich von Bohnen-
dekokt. Er ist der widerstandsfähigste, denn Färbung und Gegen-
färbung wurden nur nach 10 Min. Mazeration schön.
Einen Bacillus, den ich aus Heuaufguss nach 1/2 stündiger
Sterilisation im Dampftopf in Reinkultur erhielt und der dem Aus-
sehen nach auch offenbar zu den Heubacillen gehörte, konnte für
seine Sporenmembran nicht einmal 30 Sek. Mazeration vertragen,
vielmehr genügten 5 Sek. Einwirkung. Hier, wie in einem anderen
Falle, griff ich mit Erfolg auf das schwächer wirkende Chlorzinkjod
18»
276 Koalier, Ueber eine neue Methode der Sporenftrbong.
zurück. Dass Übrigens das Chlorzink ohne Jodzusatz für unsere
Zwecke genügt, wurde durch besonderen Versuch noch bestätigt;
doch ziehe ich den Jodzusatz vor, weil die Gelbfärbung den Grad
der Einwirkung erkennen lässt.
Mehrere anaerobe Bacillen, sowie spontan im Blutserum auf-
tretende Fäulnissbaeillen bedurften zur Sporenfärbung der Einwirkung
der Chromsäure während zwei Minuten.
Bacillus cyanogenus bildete im Quittenschleim in 4 bis
5 Tagen reichlich Sporen, welche 30 Sek. Beizung erforderten.
Von pathogenen Bakterien wurden die Sporen des Milzbrandes
und des Tetanus untersucht. Der erstere lieferte nach 2 Min. Ein-
wirkung schöne Präparate.
Die Sporen des Tetanus-Bacillus wurden nach 2 Min. Chrom-
säure-Behandlung sehr schön, doch wollte die Gegenfärbung nicht
gelingen ; letztere wurde erheblich besser, als ich auch hier auf das
Chlorzink zurückgriff.
Wenn hiermit auch keine grosse Anzahl sporenbildender Bak-
terien auf das Verhalten gegen die neue Färbungsweise geprüft ist,
so dürfte doch die Verschiedenartigkeit des untersuchten Materiales
den Schluss zulassen, dass die Methode allgemein anwendbar sei;
jedenfalls zeichnete sie sich in den oben angegebenen Fällen durch
Zuverlässigkeit und schnelle Ausführbarkeit aus.. Nach den Ver-
suchen erscheint es ferner so, als ob die grössere Widerstandsfähig-
keit der Sporen gegen Vernichtung der Keimkraft einen Ausdruck
fände in der längeren Zeit, welche für eine ausreichende Mazeration
zur Sporenfärbung nöthig ist — ich erinnere nur an das Verhalten
des weissen Kartoffelbacillus. Sollte das durch weitere Untersuchungen
bestätigt werden, so dürfte die neue Art zu färben unter Anwendung
schwächerer Beizen bei längerer Einwirkung es vielleicht ermöglichen,
die Widerstandsfähigkeit der Sporen direkt zu messen.
Bekanntlich wird schon jetzt die Verschiedenartigkeit der Geissei-
färbung bei den geisseltragenden Bakterien diagnostisch verwerthet;
ich glaube, dass auch für die mit endogenen Sporen versehenen
Bakterien die Sporenfärbung in gleicher Weise zur Unterscheidung
nutzbar zu machen wäre.
Endlich dürfte in entwickelungsgeschichtlicher Richtung weitere
Anwendung dieser Methode über die ersten Anfänge der Sporen-
bildung, beziehungsweise der Anlage der Sporenmembran zu interes-
santen Resultaten fahren.
Noch ein anderer Punkt bedarf hier der Erwähnung. Bevor eine
geeignete Sporenfärbungsmethode bekannt war, wurden diejenigen
Theile, welche sich gewöhnlich nicht färbten, dann für Sporen ge-
halten, wenn sie ausser der betreffenden typischen Form derselben
den eigenthümlichen Glanz des Sporenplasma zeigten, und sich so
von den gleichfalls ungefärbten Vakuolen unterschieden.
Nun lehrt aber die Erfahrung, dass bei den verschiedensten
Bakterienkulturen, noch vielmehr als bei Pilzen, eigentümliche, stark
glänzende, mehr oder weniger rundliche oder eiförmige Massen vor-
kommen, welche sehr leicht, besonders wenn sie in der Grösse nicht
zu sehr untereinander abweichen, das Bild von Sporen vortäuschen
Capparelli, Beitrag anm Studium der Phagocyten. 27t
können. Das trifft um so mehr zu, als gerade meine Färbungsme-
thode, wie ich mehrmals erfahren musste, doch zu einer Färbung
dieser Massen führt, welche sogar in der Schwefelsäure die Färbung
theilweise beibehalten und deshalb eine scheinbare Sporendoppel-
ftrbung zu erkennen geben. Man thut daher gut, in zweifelhaften
Fällen, wie bei unbekanntem Materiale von der Anwendung des
Chloroforms Gebrauch zu machen. Fetttröpfchen, Lecithin, Chole-
sterin, welche in Betracht kommen könnten, sind sämmtlich in Chloro-
form löslich, und mehrere Male habe ich deshalb das Chloroform zu
solchem Zwecke mit Erfolg verwendet
Fasse ich unter Berücksichtigung des letzteren Vorganges die
Einzelheiten der Färbung nochmals zusammen, so verläuft der Prozess
meiner neuen Färbungsmethode folgendermaassen:
„Das lufttrockene Deckglaspräparat wird dreimal
durch die Flamme gezogen, oder 2 Min. in absol. Al-
kohol gebracht, sodann 2 Min. in Chloroform, darauf
mit Wasser abgespült, */» — 2 Min. in 5% Chromsäure
getaucht, wiederum mitWasser gründlich abgespült,
mit Carbolfuchsin betröpfelt und unter einmaligem
Aufkochen 60 Sek. in der Flamme erwärmt; das Car-
bolfuchsin abgegossen, das Deckgläschen bis zurEnt-
färbung in 5% Schwefelsäure getaucht und abermals
gründlich mit Wasser gewaschen. Dann lässt man
30 Sek. lang wässerige Lösung von Methylenblau oder
Malachitgrün einwirken und spült ab. Es müssen dann
die Sporen dunkelroth im schön» grünen oder blauen
Bakterienkörper sichtbar sein/4
Das Material für obige Untersuchung verdanke ich grösstenteils
der Güte des Herrn Prof. Loeffler, dem ich für die gründliche
Bekanntmachung mit den Methoden bakteriologischer Forschung noch
ganz besonders zu Dank verpflichtet bin.
Greifswald, den 4. August 1891.
Beitrag zum Studium der Phagocyten.
Von
Professor Andrea Capparelll.
Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit grosser Beharrlich-
keit mit einem Experimente, welches mir einige bis jetzt wenig be-
kannte und meiner Meinung nach der Aufmerksamkeit würdige
Eigentümlichkeiten Ober das wichtige Phänomen der Phagocyten
verschaffte. Trotz der zahlreichen Arbeiten pro und contra ist dies
bis heute noch eine durchaus nicht gelöste Frage.
( Im Grunde genommen habe ich nur ein bereits bekanntes Ex-
periment wiederholt, jedoch mit einem bis jetzt noch nicht ange-
wandten Material.
278 Capparelli,
Ich spritzte in den dorsalen lymphatischen Sack eines Frosches
die im Wasser saspendirten Sporen des wohlbekannten Ustilago
Carbo ein.
Diese sphärischen Sporen haben so charakteristische Diameter,
Farbe und Aussehen, dass es leicht ist, dieselben inmitten der Ge-
webe zu erkennen und zu unterscheiden. Nach einigen Standen sind
die Sporen von den Phagocyten verzehrt und in das zirkulirende
Blut gezogen; viele von ihnen siebt man auch frei im Blute; dies
liess mich vermuthen, dass die Aktivität der lymphatischen Herzen
der hinteren Gliedmaassen, welche Herzen sich so nahe am lympha-
tischen dorsalen Sacke befinden, ihrer Einführung in das Blut nicht
fremd sein könne.
Obgleich die Sporen verhältnissmässig grosse Körper sind, sieht
man doch 2 — 3 in den Mikrophagocyten und selbst 8 — 10 in den
Makrophagocyten.
Einige Tage lang zeigen die von den Phagocyten eingeschlossenen
Zellen keine sichtbare Veränderung in Farbe und Form, später
werden sie gelblich mit granulösem Protoplasma, schwellen an und
lösen sich schliesslich in sehr kleine und zahlreiche Körner im In-
nern des seinerseits gleichfalls alterirten (d. h. angeschwollenen nnd
mit trübem, körnigem Protoplasma versehenen) Phagocyten auf. Es
geschieht dies sehr häufig.
Nach der Injektion scheint die Thätigkeit der existirenden Pha-
gocyten zuzunehmen und nach dieser ersten Periode vermindern sieb
im Blute die mit den Sporen zirkulirenden Phagocyten. Wenn man
die Thiere tödtet, kann man in den parenchymatösen Organen eine
sehr grosse Menge von freien Sporen beobachten, doch findet man
letztere am häufigsten in der Leber und in der Milz, und zwar noch
mehr in der Leber, wie in der Milz.
Sei es nun, dass man die Sporen in den dorsalen lymphatischen
Sack injizirt oder unter die Haut der Beine oder der Schenkel,
oder auch vermittelst des Mundes in die Magenhöhle oder vermit-
telst des Mastdarmes in den Darm einführt, stets ist es die Leber und
die Milz, wo man das Material am meisten angehäuft wieder vorfindet
Die von den Phagocyten verschluckten Sporen emigriren mit
denselben, durchschreiten alle lebenden Gewebe und finden sieb
schliesslich sowohl in den lymphatischen Lücken, wie auch auf der
freien Oberfläche der Schleimhäute oder der Ausführungsgänge der
Drüsen wieder.
Die oben angeführte Beobachtung betreffs der Alteration der
Spezies und Phagocyten wird gemacht, indem man die parenchy-
matösen Organe, hauptsächlich die Leber, zerzupft. ,
Man kann die Phagocyten und die Sporen in verschiedenen De-
generationsphasen antreffen. Nachdem die sich im Zustand der In-
tegrität befindlichen und Sporen enthaltenden Phagocyten in die
Leber eingedrungen sind, schwellen die Sporen an, nehmen eine gelb-
liche Färbung an und zerfallen, während gleichzeitig auch das Proto-
plasma des Phagocyten anschwillt, seinen Diameter beträchtlich ver-
grössert, trüb wird und in diesem Zustande der Phagocyt zuweilen in den .
Beitrag tum Stadium der Phagocyten. 279
Blutkreis zurücktritt und so die wenigen Fälle determinirt, in welchen man
im zirkulirenden Blute alterirte Phagocyten mit alterirten Sporen an-
trifft Diese Interpretation geht bereits aus der speziellen Färbung
der Sporen hervor, welche dieselben ausschliesslich in der Leber an-
nehmen, und auch aus der Thatsache, dass man sie in den geopferten
Thieren in derselben Phase in der Leber vorfindet.
Wenn der Sporen enthaltende Phagocyt längere Zeit in der
Leber verbleibt, verwandelt er sich in eine granulöse Masse, welche
mit Fragmenten von globulären, gelblichen Sporen untermischt ist
Mit anderen Worten, die letzte Phase des Phagocytismus wäre
vollständige Zerstörung der Phagocyten selbst und der von ihnen ver-
schluckten Sporen. Der Phagocyt, besonders der Makrophagocyt in
der Leber, welcher von mir hauptsächlich beobachtet und studirt wurde,
wird, während er die vegetabilischen Elemente, d. h. die Sporen, zerstörte,
selbst mit in die Zerstörung hineingezogen, also selbst zerstört. Er
verschwindet und geht sehr wahrscheinlich zusammen mit den Trüm-
mern der Sporen in die Galle über, wie man aus der mikro-
skopischen Prüfung der Galle schliessen kann, welch letztere nicht
selten die gemischten Ueberreste der Phagocyten und der Sporen
zeigt.
Es ist demnach gewiss, dass die Phagocyten, hauptsächlich die
Makrophagocyten, in der Leber zerstört werden, und dass dies eine
letzte Phase der pbagocytorischen Thätigkeit sein muss, ist ohne
Zweifel. Es beweisen dies nicht nur die Sporenanhäufungen in der
Leber, sondern auch ihre Lage im Innern der Phagocyten und
die direkte Beobachtung derselben, indem man sie ihrer grossen An-
zahl wegen durch alle Zerstörungsphasen verfolgen kann.
Es bleibt nun noch zu beweisen, dass die von uns beobachtete
Zerstörung der Phagocyten nicht von einem giftigen Materiale
abhängt, welches in den lebenden Sporen enthalten oder sich
während des Todes derselben erzeugt und dem Leben und der
Integrität der Phagocyten schädlich ist. Dieses Bedenken kann je-
doch meiner Meinung nach ausgeschlossen werden, und zwar durch
die Beobachtung von unversehrten Phagocyten im Blute oder anderen
Organen, welche sich in vollständiger Aktivität befanden und nor-
male morphologische Kennzeichen darboten, auch wenn sie mehr
als eine Spore in ihrem Innern enthalten, und zwar dies noch nach
verschiedenen Tagen, wenn die Spore, wenn nicht verdaut, doch
gewiss alterirt ist, wie es schon ihr verändertes Aussehen bezeugt.
Uebrigens ist, soviel ich weiss, niemals irgend eine schädliche
Substanz fÜrUstilagoCarbo angegeben worden, und Sebastiano
Rivolea sagt in seinem Buch über die vegetalen Parasiten, herausge-
geben im Jahre 1884 in Turin, dass die in Rede stehenden Sporen,
wenn auch verschiedene Tage lang hinter einander den Hübnern ge-
geben, durchaus keinen Schaden verursachten.
Meinerseits experimentirte ich mit einem wässerigen Dekokt,
welches ich auf hypodermischem Wege Fröschen und Meer-
schweinchen in grosser Menge einspritzte, ohne jemals ein bemer*
280 Capparelli, Beitrag tum Studium der Phagocyteft.
kenswerthes Phänomen, oder irgend eine Schädigung zu erzielen. Auch
machte ich ein alkoholisches Extrakt aus den Sporen des Usti-
lago Carbo und erhielt aus diesem Auszuge eine krystalline Sub-
stanz in Nadeln, welche, nach der gewöhnlichen Methode der
hypodermischen Injektionen eingeführt, nirgends ein giftiges Phä-
nomen erzeugte.
Die Frösche, welchen entweder durch den Mund oder auf hypo-
dermischem Wege eine grosse Menge von Sporen eingegeben worden
war, leben noch lange weiter, auch wenn der phagocytische Prozess be-
endigt ist und die Ueberbleibsel der Sporen noch zahlreich in der
Leber sind.
Das Auffinden der in der Färbung alterirten gelblichen
Sporen in der Leber, der gelblichbraunen in der Milz und der
orangegelben in der Bauchspeicheldrüse lässt vermuthen, dass die an-
greifende Macht der Phagocyten verschieden in den verschiedenen
Organen, in welche sie eindringen, ist; und das Auffinden derselben
in unverändertem Zustande nach einigen Tagen in den zirkuürenden
Phagocyten im Blute lässt glauben, dass hier die zerstörende phago-
cytäre Kraft sehr gering ist und sich vielleicht auf eine vorwiegend
mechanische Thätigkeit reduzirt Dagegen aber scheint es, dass in
den oben erwähnten Organen die Phagocyten sich mit den von diesen
parenchymatösen Organen ausgeschiedenen Flüssigkeiten impräg-
niren und so auf die Spore oder auf den Parasiten, welche sie hier-
hin geführt haben, eine zerstörende Thätigkeit ausüben, welche der
Phagocyt ursprünglich nicht besitzt, eine Thätigkeit, welche sowohl
die Spore wie den Phagocyten selbst trifft.
Ich könnte die Thatsache der verschiedenen Färbung der Sporen
nicht anders erklären, wenn ich nicht eine besondere Thätigkeit der
interstitiellen Flüssigkeiten der verschiedenen Organe, Leber, Milz,
Bauchspeicheldrüse, auf die Sporen annehmen soll.
Somit wäre auch die Thatsache erklärt, warum im zirkuürenden
Blute, hauptsächlich in den ersten Phasen des Phagocytismus, die
Sporen nicht alterirt werden.
Die von mir gemachten Beobachtungen lassen mich glauben,
dass die zerstörende Wirkung auf die von den Phagocyten herbei-
geführten Sporen in der Leber energischer ist, als in der Bauch-
speicheldrüse und in der Milz.
Laboratorium der Physiologie der Universität Catania.
Bftbes , Erkürende Bemerkungen über „natflrl. Varietäten" d. Typhnstacillos. 281
Erklärende Bemerkungen über „natürliche Varietäten"
des Typhusbacillus.
Von
V. Babes
in
Bucarest
In einer vergleichenden Studie über Varietäten des Typhusba-
cillus (Zeitschrift f. Hygiene, November 1890) habe ich nachgewiesen,
dass in der Typhusleiche oft neben den Typhusbacillen denselben
sehr ähnliche Mikroorganismen vorkommen.
Der hauptsächlichste Beweggrund meiner Untersuchungen war,
eine Reihe derartiger Bacillen genau zu beschreiben und zur Vor-
sicht in der Diagnose der Typhusbacillen zu mahnen , da mehrere
der gefundenen Bacillen leicht mit dem Typhusbacillus verwechselt
werden können.
Diese Arbeit hat nun zu mancherlei Missverständnissen Anläse
gegeben, indem man, trotzdem ich diese Bacillen als natürliche
Varietäten des Typhusbacillus bezeichnet habe, glaubte, ich
wolle damit andeuten , dass dieselben aus den Typhusbacillen ent-
stehen und in dieselben übergehen können. Ich habe aber dieses
ausdrücklich verneint, indem die Bezeichnung natürliche Varietät
meiner Ansicht nach anzeigt, dass diese Bacillen offenbar den Typhus-
bacillen sehr nahe stehen, mit denselben wohl eine Gruppe mit
manchen gemeinsamen und ineinander übergehenden Merkmalen
bilden, dass aber die einzelnen Varietäten nicht ineinander über-
gehen.
Diese Benennung ist um so berechtigter, als in der That die
meisten geläufigen Unterscheidungsmerkmale zwischen diesen Ba-
cillen und den Typhusbacillen im Stiche lassen.
Eben die genaue und widerholte Untersuchung der einzelnen
Formen, „welche natürlich durch Parallelzüchtung mit
typischen Bacillen und namentlich auch mit Berliner
Originalkulturen oft und genau verglichen" wurden, so-
wie die Tabellen, welche die vielfältigen Untersuchungen bezeugen,
entheben mich der Verpflichtung, die Vermuthung Karlirfski's
(Centralbl. f. Bacteriologie. IX. 1890. 13) zu widerlegen, als
°b ich die Varietäten nur auf ihre Kartoffelkulturen und nur
auf verschiedenen und verschieden zubereiteten Kartoffeln und ohne
Parlleluntersuchung untersucht hätte. (Offenbar hatte H. Kar-
Hnski meine Arbeit nicht gelesen, sonst hätte sich derselbe doch
mcht erlaubt, trotz seiner wiederholten und ausdrücklichen gegen-
teiligen Angaben und trotz der ausführlichen speziellen Belege
meinerseits eine derartige Vernachlässigung der primitivsten bakte-
riologischen Regeln vorauszusetzen).
282 B * b e s , Erklärende Bemerkungen über „natürl. Varietäten" d. Typhnsbadllos.
Es ist zwar kaum ein wesentlicher Unterschied, ob wir die von
mir beschriebenen Bacillen dem Typhusbacillus sehr nahe stehende
Bakterien oder „natürliche Varietäten" derselben benennen, doch glaube
ich, dass wir speziell in meinem Falle zu letzterer Benennung be-
rechtigt sind, da wir uns doch endlich entschliessen müssen, so eng
zusammengehörige Formen zu gruppiren und es keine Bakteriengruppe
gibt, wo die einzelnen Formen mehr Verwandtschaft untereinander
aufweisen, als eben die beschriebene. Offenbar wäre es ein Fehler gewesen
wenn ich von künstlichen, oder ineinander übergehenden Varietät®
gesprochen hätte, und die Bemerkungen, welche sich gegen meine Arbei
gerichtet haben, beruhen eben darauf, dass angenommen wurde, icl
hielte die von mir beschriebenen Varietäten für künstliche oder ver-
gängliche, während ich doch das Gegentheil annehme.
Ein anderer Vorwurf bezieht sich darauf, dass ich nicht angab
wie lange Zeit nach dem Tode die Sektion vorgenommen wurde
Dies war aber für die Frage, welche mich zunächst beschäftigte
nicht wichtig. Es war mir darum zu thun, im Wasser, im Kothd
in der Typhusleiche und in anderen Leichen dem Typhusbacillus ver-
wandte Bacillen zu finden. In vielen Fällen waren allerdings 2i
Stunden nach dem Tode verstrichen. Wenn man aber bedenkt, dass
meines Wissens in Frankreich und in Oesterreich die Sektion über-
haupt nur 24 Stunden nach dem Tode gestattet wird, hat auch hiej
dieser Nachweis grosse Bedeutung, selbst vorausgesetzt, dass die
Bacillen erst nach dem Tode in die Organe gelangt wären (was aber
nach meinen ausgedehnten Untersuchungen , welche ich in Bälde zd
veröffentlichen gedenke, durchaus nicht die Regel ist).
Ganz anders stehen aber die Dinge da, wo ich einige Wort«
über die mögliche Bedeutung der Varietäten bemerke. Ich sagte zwar
nur „es ist nicht ausgeschlossen, dass dieselben die typischen Ba-
cillen in ihrem verderblichen Werke unterstützen, aber ich setzte so
gleich hinzu, dass ich hierbei nur die Bacillen aus der frischer
Leiche (wenige Stunden nach dem Tode) im Auge habe.
In die Erörterung der Frage von der pathologischen Bedeutung dei
Bacillen bin ich überhaupt nicht eingegangen, da es mir einstweilen gai
darum nicht zu thun war, die Rolle der Varietäten im Typhusprozess«
zu untersuchen. Aus demselben Grunde kann auch niemand beanstanden,
dass ich Fälle von Bakterienassociationen (es dürfte überhaupt schwer
fallen, bei grösseren Serien von Untersuchungen dieselben zu ver-
meiden) und solche von Perforationsperitonitis in meine Untersuch-
ungen einbezogen habe. Herr 6 af f ky (Hygienische Rundschau. 189L
No. 12) meint, dass hier sekundäre Einwanderung der Varietäten
nicht ausgeschlossen sei. Gewiss nicht, ich bin ja auch der Meinung,
dass dieselben sekundär durch Substanzverluste in das Innere des
Organismus gelangen können , überhaupt gedenke ich über die oft
eigenthümlichen Lokalisationen des Typhusbacillus, über die Asso-
ciationen desselben sowie über die Bedeutung derselben im Verlaufe
der Krankheit nächstens zu berichten , jedenfalls aber erscheint es
mir verfrüht, wenn Herr Gaff ky a priori behauptet, dass von einer
pathogenen Wirkung der den Typhusbacillen ähnlichen Bacillen kaum
die Rede sein könne.
GÄhrung. 283
Weiter sagt dieser hochgeschätzte Forscher: „Unter solchen
Umständen bleibt als thatsächliche Unterlage für die Auffassung
der Variabilität der Typhusbacillen nur die . . . Behauptung bestehen,
dass in Typhusleichen auch andere ähnliche Mikroorganismen ge-
funden werden."
Hier hat mich Herr Gaffky offenbar falsch verstanden. Die
Unterlage für die Auffassung der Variabilität des Typhusbacillus
bildet selbstverständlich nicht der Befund von „natürlichen Varietäten",
sondern einfach die Veränderungen, welche der jahrelang auf künst-
lichen Nährboden gezüchtete Typhusbacillus einging, derselbe bildet
eine Art künstliche Varietät des Typhusbacillus.
Die Unterlage hingegen für die Auffassung der von mir gefun-
denen Bacillen als natürliche Varietäten des Typhusbacillus bilden
die grosse Aehnlichkeit derselben und die Fähigkeit einzelner
Eigenschaften derselben, in jene des Typhusbacillus überzugehen.
Wenn ich noch von einem möglicher Weise gemeinsamen Ur-
sprung der verschiedenen Varietäten spreche, so ist dies im Dar-
winschen Sinne der Entstehung der Arten zu verstehen.
So glaube ich denn hoffen zu dürfen, dass sich die Missver-
ständnisse, welche wohl zum Theil durch meine Schreibweise
verursacht wurden, geklärt haben, und dass die von mir selbst als
dem Typhusbacillus sehr nahe stehende Bacillen oder als natürliche
Varietäten desselben bezeichneten Formen einfach so wie sie sich
nach ihrer Beschreibung darstellen, Würdigung finden mögen.
Bucarest, 18. 7. 1891.
Referate.
VUliers, A, Sur la fermentation de la fäcule par Pac-
tion du ferment butyrique. (Compt. rend. de l'Acad. des
sciences de Paris. T. CXII. 1891. No. 10. p. 636—538.)
Unter dem Einflüsse des Bacillus amylobacter (wahr-
scheinlich durch ein von diesem sezernirtes Enzym 1) wird Kartoffel-
stärke in mehrere Dextrine gespalten. Dabei tritt in sehr geringer
Menge noch ein krystallisirter Körper auf, welcher sich bei mehr-
*öchentlichem Stehen des zum Ausfällen jener Dextrine benutzten
Alkohols abscheidet. Dieser Körper, vom Verf. Cell ulo sin ge-
nannt, entspricht der Formel (CeH1006)1+3 H20 oder einem
Moltiplum derselben, ist schwerer in kaltem, besser in heissem
wasserlöslich, reduzirt nicht Fehl in g's Lösung, gährt nicht mit
Hefe, liefert aber bei ziemlich lange dauerndem Kochen mit verdünn-
ter Schwefelsäure Glukose.
„ Bei der Einwirkung jenes Bacillus auf Stärkemehl bleiben etwa
j^'o des letzteren als leichtes flockiges Umwandlungsprodukt unlös-
"ch, welches ebenfalls bei langem Kochen Glukose liefert.
Loew (München).
284 Sommer-Diarrhöe.
Booker, William D., A study of some of the Bakteria
found in the faeces of infants affected with Stimmer
diarhoea. [Second communication]. (Transactions of the
American Pediatric Society. 1889.)
Die vorliegende Studie ist die Fortsetzung der schon früher be-
sprochenen Untersuchungen über die in Fäces erkrankter Säuglinge
vorkommenden Bakterienarten. Verf. hat im Januar 1888 vierzehn
weitere Fälle, 4 Cholera infantum, 7 katarrhalische Enteri-
tiden und 3 Dysenterien in gleicher Weise eingehend bakteriologisch
durchforscht. Da die Lufttemperatur zu hoch für Gelatine war, kamen
meist Agarplatten zur Verwendung. Die Resultate waren ähnlich
den früheren.
Es wurden im Ganzen 19 Arten isolirt, sämmtlich der Stäbchen-
form angehörig; 4 davon sind schon bekannt: nämlich Bacteriam
lactis aerogenes, Bacterium coli commune, Proteus
vulgaris (Hauser) und der in seiner ersten Mittheilung be-
schriebene Bacillus A. Ausserdem wurden 15 neue Arten, die
meisten derselben jedoch nur in einem oder zwei Fällen , gefunden.
Die genaue morphologische und biologische Beschreibung dieser mit
a— s bezeichneten Spezies ist im Originale einzusehen. Darunter ist
einer, der dem Bacillus a, Bacillus Proteus, sieben, die Bacillen
d, e, f, g, h, k, m, die dem Bacterium coli commune ähnlich
sich verhalten und nur durch geringfügige Merkmale, durch diffe-
rentes Wachsthum auf Milch, saurer oder Zuckergelatine sich von die-
sem unterscheiden. Bacillus c verhält sich wie Bacterium lactis
aerogenes, mit dem Unterschiede, dass er die Milch nicht koagnlirt
In allen untersuchten Fällen waren nur das Bacterium
lactis aerogenes und coli commune vorhanden, die übri[
Arten wechselten nicht nur unter einander, sondern auch insofern,
als im verflossenen Sommer andere, als in diesem gefunden wurden
Eine gewisse Konstanz ergab sich nur insofern, als bei den stürmisch
verlaufenden Cholera infantum-Fällen, deren er mit Hinzurech-
nung einiger im Sommer 1889 untersuchten Fälle bis jetzt 18 bak-
teriologisch analysirt hat, in 15 derselben die morphologisch wie
biologisch scharf charakterisirte Gruppe der Proteus arten in einer
oder mehreren Spezies gefunden wurde. Dieselben besitzen die Fä-
higkeit, Eiweisskörper rasch und energisch zu zersetzen, sind fakul-
tativ anaärob und regelmässige Begleiter der in der Natur ablau-
fenden Fäulnissprozesse. Sie äussern überdies, wie auch Verf. nach-
gewiesen, toxische Wirkungen auf den Thierkörper. Bouillonkultureo
in die Vene von Kaninchen eingespritzt, tödten die Thiere in we-
nigen Stunden unter den Erscheinungen des Sopors, Kollaps und
Konvulsionen. In einigen Fällen traten auch Diarrhöen auf. Wurde
nach der Methode von Sanders-Ezn eine Cultur der Bakterien
im Salzwasserbade in das Duodenum eingespritzt, so kam es zu
einer deutlichen Steigerung der Peristaltik. Junge Thiere die mit
Kulturen gefüttert wurden, starben nach kurzer Zeit, manchmal unter
Auftreten von Diarrhöen.
In Rücksicht darauf, dass diese Bakterien im normalen Milch-
koth fehlen, dagegen in der grössten Zahl der Cholera infan-
Akuter Gelenkrheumatismus. 285
tum -Fälle vorhanden waren, dass die erkrankten Kinder ähnliche
Erscheinungen wie die infizirten Thiere, nämlich : Schläfrigkeit, Stupor,
Kollaps, Abmagerung, häufiges Erbrechen und Diarrhöen mit Abgang
dünnflüssiger und oft ätzender Stühle zeigten, erscheint es wohl be-
rechtigt, die von diesen Bakterien produzirten toxischen Stoffe als
Ursache der schweren nervösen Erscheinungen, die im Verlaufe der
Cholera infantum auftreten, zu vermuthen. Jedoch will Verf.
aas der geringen Zahl der untersuchten Fälle noch keine sicheren
Schlüsse ziehen. Den von Lesage beschriebenen Bacillus der
grünen Diarrhöe hat auch B. trotz der Untersuchung zahlreicher grün-
gefärbter Stühle nicht auffinden können. Escherich (Graz).
Waybel, Aetiologische Beobachtungen über akuten Ge-
lenkrheumatismus. (Münch. med. Wochenschr. 1891. No. 5.)
Unter Zugrundelegung der Anschauung, dass der akute Gelenk-
rheumatismus durch Vermittelung eines bisher noch unbekannten Pa-
rasiten entsteht, hat Verf. 121 von ihm während der Zeit von 1874
—1889 beobachtete Fälle dieser Krankheit genauer geprüft, um fest-
zustellen, wodurch die Infektion jedesmal bewirkt oder begünstigt
wurde. Er fand zunächst, dass die Krankheit zu allen Jahreszeiten
and unter den verschiedensten Witterungsverhältnissen vorgekommen
war. Wenn dennoch in den durch Kälte oder Nässe ausgezeich-
neten Monaten eine massige Zunahme der Erkrankungen stattfand,
90 erklärt dies der Verf. nicht durch die Erkältungstheorie, welcher
er nur die Bedeutung einer unbegründeten Hypothese beilegt. Er
findet auch für die Annahme eines besseren Gedeihens der frag-
lichen Parasiten bei bestimmten Witterungsverhältnissen oder einer
Verschleppung derselben durch die stärkeren Winde keine genügenden
Anhaltspunkte. Er glaubt vielmehr, dass die Gewohnheit der
Menschen, bei kaltem, unfreundlichem Wetter in ihrer Wohnung zu
bleiben, durch enges Zusammenleben vieler Menschen, schlechte Ven-
tilation, schmutzige und nasse Kleider, Verunreinigung der Zimmer-
luft und des Zimmerbodens dadurch, sowie durch Beleuchtung, Hei-
zung, Kochen, Waschen, ferner durch die Zersetzungsprodukte ver-
schiedener animalischer und vegetabilischer Stoffe, Sekrete und Ex-
krete u. s. w. ein gefährliches Hausklima schafft, in welchem einmal
vorhandene Krankheitskeime die willkommensten Bedingungen und
Ernahrungsmedien zu ihrer biologischen Entwicklung finden (?), und
sieht hierin eine Erklärung dafür, dass der Gelenkrheumatismus
zwar während des ganzen Jahres vorkommt, bei ungünstigen Wit-
terungsverbältnissen jedoch häufiger ist, als sonst. Verf. findet einen
ferneren Beweis für diese seine Annahme in seiner Beobachtung, dass
die Mehrzahl seiner Kranken in hochgelegenen, trockenen und daher
behaglichen, zum Aufenthalt einladenden Räumen wohnte und nur
der geringere Theil der Patienten feuchte und tief gelegene Woh-
nungen inne hatte.
Verf. sieht in dem einmaligen Ueberstehen der Krankheit ein
prädisponirendes Moment zur Neu-Erkrankung. Andererseits wird
seiner Ansicht nach die Entstehung der Polyarthritis durch anstren-
gende Arbeit und durch Verdauungsstörungen begünstigt. Dagegen
286 MetasUtische Gelenkentzündungen und Polyarthritis rhenm&tica.
hält er den Gelenkrheumatismus nicht für eine kontagiöse oder epi-
demische Krankheit, sondern glaubt, dass die Infektion auf kontagiös-
miasmatischem Wege zu Stande kommt und sporadisch auftritt
Kubier (Berlin).
Buday, Adatok a metastatikus izületlobok fejlödes
mödjd hoz 6s a Polyarthritis rheumatica köroktan-
nähoz. [Beiträge zur Kenntniss der Entwicklung der metasta-
tischen Gelenkentzündungen und zur Aetiologie der Polyarthritis
rheumatica]. (Orvosi Hetilap. 1890. No. 39—42.) [Ungarisch.]
Von der Ansicht ausgehend, dass die fraglichen Gelenkentzün-
dungen haemotogener Natur sind, stellte Verf. vor allem das Ver-
halten der im Blute kreisenden pyogenen Mikroorganismen zur
Synovialmembran der Gelenke fest Kaninchen wurden in die Ohrvene
virulente Staphylococcus pyogenes citreus resp. Strepto-
coccus pyogen es -Kulturen injizirt Wurde soviel injizirt, dass
die Thiere nach 24—36 Stunden starben, so war in den Gelenken ab-
solut keine Veränderung zu bemerken, auch waren in ihnen die
Kokken weder mikroskopisch, noch kulturell nachzuweisen. Die in-
takten Blutgefässe der Gelenke lassen also die Bakterien aus dem Blute
ebenso wenig durchtreten, wie die der Niere. Wenn aber die Thiere
2—3 oder 8 Tage am Leben blieben, so waren bei ihnen ausnahms-
los Gelenkentzündungen zu finden, und zwar in umsomehr Gelenken,
je länger die Thiere ' lebten ; meist zuerst im Knie-, dann im Hüft-
und Schultergelenk. In den Gelenkhöhlen fand sich Eiter, in der
entzündeten Synovialhaut Blutergüsse und mikroskopische Abscesse
um Mikrokokkenhaufen herum, die in Blutgefässen lagen. Diese ex-
perimentellen Gelenkentzündungen entwickelten sich also durch meta-
statische Embolie und embolische Hämorrhagien, sind also keine
sekretorischer Metastasen. Verf. hat auch einen Fall von akuter me-
tastatischer Gelenkentzündung nach akuter Endocarditis verrucosa
bei einem 21jährigen Manne beobachtet, der auch in anderen Or-
ganen metastatische Abscesse aufwies. Klinisch waren keine Symp-
tome einer Gelenkentzündung vorhanden ; auch bei der Autopsie sah
das (rechte) Kniegelenk normal aus, nur unter der Patella fand
sich auf einer Synovialfalte eine kleine, dunkelrothe Hämorrhagie.
Mikroskopisch erwies sich diese Stelle als ein kleiner metastatiseber
Abscess, der noch nicht durchgebrochen war und in dessen Mitte
mit Kokken ausgefüllte Blutgefässe waren. Noch interessanter war
ein Fall, wo nach Caries des Felsenbeines der Tod unter den Symp-
tomen der Septikopyämie eintrat. Es fand sich ein eitriger Throm- 1
bus im Sinus sygmoideus, aber nirgends im Organismus metasta-
tische Heerde. Von den Gelenken waren nur das rechte Sternoclavi- !
cular — und das linke Kniegelenk erkrankt. In beiden war eine
serös-eitrige Entzündung vorhanden. In der Synovialmembran des
Kniegelenkes fiel eine Stelle mit kleinen Blutungen auf, wo die Kapil-
laren mit Kokken vollgepfropft waren ; um diese herum erschien das
Gewebe nekrotisch, mit Eiterkörpereben und Blut infiltrirt Im Gelenk-
eiter fanden sich Streptokokken, die reingezüchtet wurden. Die an-
MetasUtische Gelenkentzündungen u. Polyarthritis rhenmatic*. — Carcinom. 287
geführten experimentellen und histologischen Daten zeigen, dass die
Mikroorganismen nur dann in die Gelenkhöhle gelangen, wenn die
Synovialmembran metastatische Abscesse, Nekrose oder Blutungen
aufweist. Brechen diese Abscesse in die Gelenkhöhle durch, dann
entsteht eine diffuse Genkentzündung. Zum Zustandekommen sol-
cher metastatischer-embolischer Abscesse sind die Kapillaren der
Synovialmembran besonders geeignet, da ihr Endothel aus besonders
grossen, in das Lumen stark hervorspringenden Zellen besteht. Auch
liegen diese Kapillaren ganz oberflächlich und ausserdem giebt es
seine elastische Basalmembran in der Synovialhaut, welche Umstände
las Durchbrechen der Abscesse in die Gelenkhöhle sehr begünstigen.
In dem zweiten Abschnitt seiner Arbeit bespricht Verf. das Ver-
lältniss der metastatischen Gelenkentzündungen zur Polyarthritis
•heumatica acuta, von der er es für wahrscheinlich hält, dass sie
lurch Bakterien, hauptsächlich durch pyogene Kokken verursacht
wird, die aus dem Blute vielleicht durch metastatische Embolie in
iie Gelenke gelangt sind. Verf. hatte selbst Gelegenheit, einen Fall
»od akuter Polyarthritis rheumatica zu untersuchen, der ausnahmsweise
ram Tode führte. Die Polyarthritis bestand seit einigen Wochen.
14 Tage nach ihrer Aufnahme starb die Patientin. Bei der Sektion
aod sich im zuletzt affizirten Schultergelenk eine braun-gelbe, blutige
Flüssigkeit — Ausserdem hämorrhagische Infarkte in beiden Lungen
ind linksseitige ganz frische fibrinöse Pneumonie. In der erwähnten Ge-
lenksflüssigkeit fand Verf. mikroskopisch Streptokokken, die sich in der
Reinkultur wie der Streptococcus pyogenes verhielten. Auch
in den affizirten Lungentheilen war derselbe Streptococcus. Verf.
^trachtet für seinen Fall diesen Streptococcus als den Erreger
ier Polyarthritis. In der Litteratur konnte er im Ganzen nur 6 Fälle
fon Polyarthritis rheumatica finden, wo eine bakteriologische Unter-
suchung der Gelenkflüssigkeit vorgenommen wurde. Mit Ausnahme
eines Falles wurden in allen pyogene Kokken gefunden. Verf. sucht
dann weiterhin darzuthun, dass alle klinischen und anatomischen
Symptome des akuten Gelenkrheumatismus sich sehr gut mit der
Annahme vereinbaren lassen, dass derselbe von pyogenen Bakterien
verursacht wird (und zwar ebenfalls auf metastatisch-embolischem
Wege). Besonders die verschiedenen Komplikationen, die mit dem-
selben auftreten, namentlich die akute Endocarditis und Pneumonie
und auch die sogenannten sekundären rheumatischen Gelenkentzün-
dungen, die nach verschiedenen Infektionskrankheiten auftreten,
sprechen für diese Ansicht So wahrscheinlich es auch sein mag,
dass die pyogenen Kokken die Polyarthritis rheumatica verursachen,
hält Verf. doch, mit vollem Rechte, die Zahl der bisher untersuchten
Fälle noch für zu gering, um die pyogenen Kokken als die kon-
stanten und einzigen Erreger dieser Krankheit ansprechen zu können.
Tangl (Tübingen).
Bibbert, Neuere Arbeiten zur Aetiologie des Carcinoma.
(Deutsche med. Wochenschr. 1891. No. 1.)
Indem der Verf. zunächst betont, dass die von mehrfacher Seite
vertretene Ansicht, nach welcher die Carcinome durch Bakterien her-
288 Helm»
vorgebracht werden, stets widerlegt wurde, glaubt er doch dem
Vorhanden sein von Eiterer regern in Krebsgeschwülsten
eine gewisse Bedeutung nicht absprechen zu dürfen, da die den
letzteren benachbarten Lymphdrüsenschwellungen häufig nur von jenen
Bakterien erzeugt werden, in diesem Falle nicht carcinomatös sind
und daher der operativen Entfernung nicht bedürfen.
Bei der Besprechung der Arbeiten, welche die Krebskeime in
protozoen- oder coccidienartigen Mikroorganismen sehen, kommt
Bibbert zu dem Schluss, dass allerdings „in dem Epithel der
Carcinome allerlei vorwiegend als Einschlüsse in Zellen auftretende,
aber auch extracellulär gelegene Gebilde vorkommen, deren Deutung
Schwierigkeiten macht." Indessen weichen die einzelnen Forscher in
der Beschreibung der betreffenden angeblichen Parasiten erheblich
von einander ab; die Versuche, eine regelmässige Entwickelung der
Gebilde aus Sporencysten abzuleiten, sind sehr geschraubt; endlich
ist noch von keiner Seite der Beweis geführt worden, dass diese
Körper, wenn sie wirklich lebende Parasiten sind, mit der Entstehung
der Carcinome in Zusammenhang stehen.
Ein einwandsfreies, positives Resultat bei Uebertragungsversuchen
von Erebsgewebe ist nach der Ansicht des Verf. noch nicht erzielt
worden. (?) Andererseits scheinen die von Hansemann beobach-
teten Kerntheilungen der Krebsepithelzellen die Möglichkeit zu be-
weisen, dass das „schrankenlose Wachsthum der Carcinome durch
die grosse „Selbständigkeit und Energie" der Epithelzellen erklärt
wird!
Nach alledem kommt Verf. nur zum Schlüsse eines „Non liquet"
bezüglich der Aetiologie der Krebsgeschwülste. Kubier (Berlin).
Untersuchungsmethoden, Instrumente etc.
Die Neuerungen auf dem Gebiete der bakteriologischen
Untersuchungsmethoden seit dem Jahre 1887.
Zusammenfassender Bericht
von
Dr. L. Heim,
k. b. Stabsarzt und Privatdozenten.
(Fortsetzung.)
Von Interesse ist das neuerdings von Unna1) gefundene Ver-
fahren, die Lepra- und Tuberkelbacillen im Gewebe mit Jod braun
zu färben. Direkt mit Jod gefärbte Schnitte und Bacillen geben
dasselbe an alle Lösungsmittel sehr rasch und vollständig ab. Nun
erzielte Unna eine Fixirung des Jods gegenüber den entfärbenden
1) M. f. pr. D. XII. 11. 477.
Die Neuerungen d. bakteriol. Untersnchnngsmethoden seit dem Jahre 1887. 289
Kreosol durch Anwendung von Methylenblau und Jod. Der Gang ist
folgender:
Färbung in wässerigem Borax -Methylenblau (1:1:100) oder
in mit 1% kohlensaurem Ammoniak alkalisirtem Methylenblau:
5 Minuten.
Jodirung in einem Schälchen mit 5°/0iger Jodkaliumlösung,
welcher ein Jodkrystall zugesetzt ist: 5 Minuten.
Abspülimg in absolutem Alkohol bis zur Abgabe einer blauen
Wolke.
Differenzirung in Kreosol je nach der Stärke der Färbung:
einige Sekunden bis 1/9 Minute.
Fixirung der erreichten Entfärbungsstufe in rektifizirtem
Terpentinöl, in welchem die bläuliche Farbe sofort in Roth oder Braun
umschlägt.
Montirungin Balsam (Lösung von Kolophonium in Terpentinöl
zur Festhaltung des flüchtigen Jods).
Dadurch werden die Leprabacillen in der Coccothrix form braun-
roth auf farblosem Hintergrunde gefärbt.
Wenn auch nach Unna die praktische Bedeutung dieser Färbung
noch gering ist, so verdient sie doch als ein neues Prinzip Be-
achtung für die Färbetechnik überhaupt
Ueber die Färbung und den Nachweis der Tuberkelbacillen sind
im Laufe der letzten vier Jahre eine Anzahl von Veröffentlichungen
erschienen. Dem souveränen Karbolfuchsin hat keine der empfohlenen
Färbemethoden den Rang streitig machen können, immerhin aber
mögen sie im Interesse der Vollständigkeit hier erwähnt werden:
Lubimoff bediente sich (Q. 3. 540) gleicher Theile Bor und
Fuchsin zu 1,5 % in wässerig-alkoholischer Lösung, H e r m a n n (5. 843)
eines Gemisches von Krystallviolett in alkoholischer Lösung (1:30)
and Ammoniumkarbonat in 1% wässeriger Lösung und nahm nach
Salpetersäurebehandlung Eosin zur Nachfärbung. Für schwieriger
nachweisbare Tuberkelbacillen (z. B. im Empyemeiter) empfahl Ehr-
lich1), das möglichst dünn aufgestrichene Präparat 1—2 Stunden
in kaltem Anilinfuchsin zu lassen und mit Sulfanil - Salpetersäure
(lTheil Acnitr. auf 3— 6 Theile gesättigter Sulfanilsäurelösung) zu ent-
färben; dann Methylenblau. Bei der Herstellung des Anilinölwassers
soll man sich nach Roux (9. 678) des farblosen, toluidinfreien Oeles
bedienen, weil man damit mehr Bacillen zur Darstellung bringt, als
bei Verwendung des dunkelfarbigen.
Nach Pittion*) wird das Deckglaspräparat 1 Minute lang in die
heisse Mischung von 1 ccm einer 10°/0 alkoholischen Fuchsinlösung
mit 10 ccm einer 3 °/0 Ammoniaklösung getaucht und nach Abspülung
in Wasser 45 Sekunden lang in eine konzentrirte Lösung von Anilin-
grün in 50 g Alkohol, 30 g Wasser und 20 g Salpetersäure; auch
erhielt P. gute Resultate bei Färbung mit einer Ammoniak-Gentiana-
violettlösung und Nachbehandlung mit 33°/0 Schwefelsäure, welcher
wässerige Chrysoidinlösung zu gleichen Theilen zugesetzt war.
1) Ch. A. 1886; Bf. B. kl. W. 88. 20. 408.
2) Prov. m«d. 1888 ; Bf. C. f. kl. M. 88. 18. 882.
LBd. 19
292 Heim,
reitete Probe in ein nach unten zu feiner Spitze ausgezogenes Reagens-
glas, deren feine Oeffnung mit dem Finger zugehalten wird, bis über
die obere Mündung eine Gummikappe gezogen ist Nach Bildung
eines Sediments genügt ein Druck auf sie, um ein Partikelchen auf
einen untergehaltenen Objektträger zu bringen. Die Vortheile des
Biedert 'sehen Verfahrens lernte B. M e y e r l) bei der Untersuchung
auch anderer Sekrete, wie seröser, hämorrhagischer oder eiteriger
Ergüsse in die Brust- und Bauchhöhle schätzen. Hämorrhagische
Exsudate müssen den Alkalizusatz erhalten, ehe es zur Gerinnung
kommt, weil sonst der Blutkuchen durch das Kochen in eine derbe
Masse verwandelt wird, bei eiterigen Exsudaten lässt man erst den
dicken, rahmigen Eiter sich absetzen und verfahrt dann nach
Biedert.
Den Missstand, dass die also sedimentirten Proben nicht gut
am Glase haften, kann man auf verschiedene Weise beseitigen.
Biedert schlug anfänglich vor, das Sedimentpartikelchen mit etwas
Eiweiss zum Präparat zu verreiben; um solches immer unverdorben
bei der Hand zu haben, thut man gut, es nach v. Sohlen (0. 4. 688)
mit gleichen Theilen kaltgesättigter Borsäurelösung vermischt und
filtrirt aufzubewahren. Später nahm Biedert zur Fixirung eine
kleine Menge des nicht behandelten Sputums derselben Herkunft
Als weitere Nachtheile werden dem B.'schen Verfahren zur Last
gelegt, dass es das Tinktionsvermögen vieler Tuberkelbacillenexem-
plare beeinträchtige und dem Einflüsse der Fäulniss ausgesetzt sei
In letzter Hinsicht hat bereits v. Sehlen (0. 4.724) den Zusatz
von Boraxborsäurelösung zu dem nach B. behandelten Sputum em-
pfohlen.
Stroschein') dagegen verwendete die gleiche Lösung zur
Homogenisirung und Sedimentirung: Ungefähr 5—10 cem des Aus-
wurfes werden in ein Schüttelgefäss gegeben und je nach der Kon-
sistenz das gleiche, doppelte oder dreifache Volum einer Mischung
der genannten Lösung mit Wasser im Verhältniss von 1:3 zuge-
setzt (reine Lösung erschwert wegen ihres hohen spez. Gew. die
Absetzung). Hat man 1 Minute recht energisch geschüttelt, so giesst
man das Gemisch in ein Glas zur Sedimentirung. Nach St rö-
sche in tritt die Verflüssigung immer erst nach 4 — 5 Tagen ein,
wird jedoch durch zeitweiliges Schütteln befördert. Auch ist zu be-
denken, dass die Tuberkelbacillen darin sich noch einige Zeit lebens-
fähig erhalten können. Aber man hat den Vortheil, dass man eine
derartige Sputumprobe jahrelang aufbewahren kann, ohne dass die
Tuberkelbacillen dabei dem Nachweis durch die Färbung sich ent-
ziehen. Ich überzeugte mich an einigen, mir vom Autor gütigst
überlassenen Präparaten, dass sie noch nach 2 Jahren gut färb-
bar darin enthalten waren.
Die Homogenisirung hat Stroschein zuerst zur quantitativen
Bestimmung der Tuberkelbacillen benützt. Als Schüttelgefäss diente
ein Messcy linder von 100 cem Inhalt mit Glasstopfen. War die
1) C. f. kl. M. 91. 6. 105. — 1. c.
2) Mitthlg. a. Brehmer's HeiUnst 89. I. 985.
DU Neuerungen d. bakterioL Untennchnngsmethoden seit dem Jahre 1887. 293
Mischung von abgemessenen Mengen Sputum und Zusatzflüssigkeit
Dach mehrere Minuten langem Schütteln gleichmässig weissgrau oder
graugelblich geworden, so wurde mit einer in 100 Theile getheilten
1 ccm- Messpipette, welche am oberen Ende eine Saugvorrichtung
nach Art der Stro seh ein'schen Spritze (7. 746) trug, entnom-
men und 0,01 ccm davon auf einem Deckgläschen gleichmässig bis
zum Bande ausgebreitet und getrocknet Die Trocknung bei ca.
70° G erfolgte auf einer durch ein kleines Flämmchen erwärmten
Messingplatte, jrelche je 3 kleine, mit einem Nagel vorgetriebene
Erhebungen trug, worauf die Deckgläser ruhten. Die Bacillen des
gefärbten Präparates wurden unter dem Mikroskop gezählt, wobei
der bekannte Durchmesser des Gesichtsfeldes als Faktor für die Be-
rechnung diente. Preyss1), der ein im Ganzen ähnliches Ver-
fahren einschlug, legte zur Zählung ins Okular eine Glasscheibe mit
eingravirtem Quadrat, dessen Grösse einem bekannten Bruchtheil des
verwendeten Deckglases entsprach.
.Um endlich noch einiger der Vorbereitung zum Nachweis der
Tuberkelbacillen durch die Färbung dienender Methoden und Uten-
silien zu gedenken, sei zunächst das Verfahren von Alessi8) behufs
Auffindens derselben in der Milch erwähnt. Da die darin enthaltenen
Fettkügelchen der Färbung hinderlich im Wege stehen, so verseift
sie A. vorher dadurch , dass er zu 1 Tropfen Milch 2—3 Tropfen
l°/0iger Sodalösung auf dem Deckglas setzt, verreibt und bis zur
Antrocknung erwärmt. Dem vom Autor hervorgehobenen Uebelstand
der leichten Abspülbarkeit des Präparates lässt sich wohl durch Ei-
weisszusatz (s. o.) begegnen.
Weiterhin hat Krönig3) zur genauen Durchmusterung der
Sputa einen kleinen Glastisch konstruirt, der die Untersuchung so-
wohl auf schwarzem, wie auf weissem Grunde, als auch im durch-
fallenden Lichte gestattet.
Schill (0. 5. 340) gibt den Objektträgern für die Ausbreitung
des Präparates den Vorzug vor den Deckgläsern, welch9 letztere er
nur dazu verwendet, um sie, mit einem Tropfen Wasser versehen,
zwischen das Präparat und das Objektiv einzuschalten, während
Neisser*) das Immersionsöl direkt auf die gefärbte Schichte gibt,
was einfacher ist und vollkommen zufriedenstellende Resultate liefert.
Nun räth Czaplewski6) von der Objektträgermethode dringend
ab, die Behandlung könne keine so gleichmässige sein, wie bei den
Deckgläsern, die Objektträger seien viel unhandlicher und kühlten wegen
ihrer Dicke schwerer ab, die modernen Systeme wären auf eine gewisse
Deckglasdicke korrigirt; auch habe er einen bedeutenden Verlust an
Tuberkelbacillen gegenüber gleich behandelten Deckglaspräparaten
zu verzeichnen gehabt. Trotz dieser Einwendungen habe ich mich
von der Neiss er 'sehen Methode nicht losgesagt Wer jeden Tag
eine Anzahl Sputa zu untersuchen hat, wird sie schon aus Billigkeits-
1) M. m. W. 91. 24. 418.
2) Balletina della reale academia medica die Roma. Bd. VI u. VII. 90. 428.
3) M. m. W. 91. 17. 810.
4) Z. f. H. IV. 174. Anm.
5) Unters, d. Ausw. a. T.-B. S. 14.
294 Heim,
rücksichten wählen, denn bei der späteren Reinigung zerbrechen
viele Deckgläser. Dieser Punkt mQsste freilich ausser Acht bleiben,
wenn darunter die Sicherheit des Nachweises zu leiden hätte. Das
ist aber nicht der Fall, wenn man die Objektträgerpräparate ledig-
lich zur Orientirung verwendet. Findet man nach der direkten Ent-
nahme keine Tuberkelbacillen, so muss man doch noch die Sedimen-
tirung folgen lassen und lassen sich auch darnach aufs erste Mal
keine Bacillen entdecken, so kann man die folgenden Proben auf
Deckgläsern untersuchen. Die Handlichkeit der Objektträger steht
aber hinter derjenigen der Deckgläser zum mindesten nicht zurück,
zumal wenn man sich eines gleich zu beschreibenden Apparates zur
Färbung und kleiner Bechergläser von geeigneter Grösse zum Ein-
tauchen bei der Ent- und Nachfärbung bedient. Der Apparat ist
ein Gestell, bestehend aus einem viereckigen Rahmen aus Eisenblech
von 34 cm Länge, 5,5 cm Breite und 3,5 cm Höhe. An der unteren
Kante jeder Längsseite ist nach aussen eine rinnenförmige Auf-
biegung zur Aufnahme etwa ablaufenden Farbstoffes angebracht
Dieser Rahmen ruht auf 4 Füssen von 19 cm Höhe, welche an ihrem
unteren Ende nach derselben Richtung wie die Rinne, aber nur im
rechten Winkel umgebogen sind und hier je eine Stellschraube tragen.
Bei mittlerer Stellung der Schrauben beträgt die Höhe des ganzen
Gestelles 25 cm. Auf dem Rahmen finden 10 Präparate auf sig-
nirten Objektträgern englischen Formates (76:26 mm) Platz, welche
mit der Karbolfuchsinlösung bedeckt und von unten durch die mit
der Hand hin und her geführte Gas- oder Spirituslampe erwärmt
werden. Für den Fall, dass man eine grössere Anzahl Deckgläser
der Färbung unterziehen will, dienen zwei, je 37,5 cm lange, 22 mm
hohe Blechstreifen. Sie werden in zwei an der Breitseite des Rahmens
angebrachte, 1,5 cm tiefe und 15 mm von einander entfernte Ein-
schnitte gesteckt und sind, soweit sie innerhalb des Rahmens liegen,
ebenfalls mit einer rinnenförmigen Aufbiegung versehen. Auf diese
parallel laufenden Blechstreifen werden die Deckgläser (von 18 mm
Seitenlänge) so gelegt, dass sie mit 2 ihrer Ecken darauf ruhen. Bedient
man sich keines solchen Apparates J), so muss man die Deckgläser
oder Objektträger mit der aufgeträufelten Farbstofflösung über der
Flamme erwärmen; zum Halten der ersteren bedient man sich vor-
theilhaft entweder der von Cornet, oder der von Kühne (s. o.)
angegebenen Pinzette.
Die Rotzbacillen haben noch allen Untersuchern Schwierig-
keiten bereitet, wenn es sich um ihre Sichtbarmachung, namentlich
in Schnitten handelt. Besonders Kühne hat sich um dieselbe be-
müht, und es ist ihm schliesslich gelungen, eine Methode (5. 136)
zu finden, „welche nicht allein mit hoher Wahrscheinlichkeit sämmt-
liche Bacillen unterscheidbar macht, sondern auch in ihrer Ausführung
sehr leicht und sicher ist." Die ausgewässerten, mit Karbolmethylen-
blau gefärbten Schnitte werden kurz in salzsaurem Wasser entfärbt,
gut in Wasser ausgespült und darnach entweder flüchtig in Alkohol
1) Derselbe ist vom Klempnermeister Joseph Mayer, Würzburg, Eichhornstrasse 19*
um den Preis von 5 M. zu beziehen.
Die Neuerungen d. bakteriol. Untersnchungsmethoden seit dem Jahre 1887. 295
getaucht, oder besser durch aufgedrücktes Fliesspapier möglichst vom
Wasser befreit. Nun lässt man mit 20% Terpentinöl versetztes
Anilinöl 8—10 Minuten lang in einem Schäfchen auf den Schnitt
einwirken, wobei er auf dem Deckgläschen haften bleibt, und bringt
ihn schliesslich in Terpentinöl, Xylol und Balsam. Histologische
Einzelheiten kommen dadurch allerdings nicht zum Ausdruck und
man muss sich zu ihrem Studium anderer Methoden bedienen.
Den schädigenden Einfiuss des Alkohols auf die gefärbten Ba-
cillen hat schon Kühne hervorgehoben, mit besonderem Nachdruck
that es Noniewicz1), der bei seinem mehrjährigen Studium über
•lie Rotzdiagnose eine Methode ausarbeitete, welche ausgezeichnete
Resultate selbst bei den ungünstigsten Bedingungen (z. B. bei be-
deutender Dicke des Schnittes) liefern soll. Die Färbung besteht
in einer Kombination der Loeffl er' sehen und Unna' sehen Methode.
Das Verfahren gestaltet sich folgendermaassen :
Schnitte aus Alkohol in Loeffl er's Methylenblau: 2—5 Min.
Abspülen mit dest. Wasser.
Entfärbung in einer Mischung aus 75 Theilen Va °/o Essigsäure
und 25 Theilen V* °/o wässerigem Tropäolin 00. Dünne Schnittte
werden nur rasch untergetaucht, dickere können 2 — 5 Sekunden und
länger darin bleiben. Jetzt ist das Präparat noch stark gefärbt
und die Bacillen sind schwer zu sehen.
Aaswaschen mit dest. Wasser oder Auswässern.
Ausbreiten des Schnittes auf dem Objektträger, Absaugen des
Wassers mit Fliesspapier, Trocknen der Präparate an der Luft oder
über der Spirituslampe (das Trocknen muss vollständig sein, wobei
die Präparate fast an die Gläser ankleben).
Zur endgültigen Aufbellung fortwährend Xylol aufträufeln
lassen; je länger die Präparate in Xylol liegen, desto heller wird
das Bild.
Canadabalsam (kein Nelken-, Origanum-, Anilinöl!)
Die Rotzbacillen erscheinen fast schwarz auf mehr oder weniger
blauem Grund. Mit dieser Färbemethode will nun N. gewisse Fein-
heiten bei den Rotzbacillen beobachtet haben, in der Art, dass sie
bei der akuten Form der Krankheit, in ihren ersten Stadien als
charakteristische Bacillen erscheinen, während sie bei subakutem
Verlauf intensiv färbbare runde Körperchen von etwas grösserem
Brechungsvermögen, als das schwach färbbare Protoplasma aufweisen
und beim chronischen in sehr kleiner Zahl vorhanden sind gegenüber
den überwiegenden freien runden Körperchen.
Recht mühevoll ist bekanntermaassen der Nachweis der Lust-
garten'sehen Bacillen und schwierig ihre Unterscheidung von den
Smegmabacillen. Fordyce (5. 212) fand sie ausser nach der
L'schen Methode wiederholt im Gewebe durch Färbung mit Kühne' s
Krystallviolettlösung, welche mehr Bacillen sichtbar machen soll.
Lewy (5. 645) empfiehlt als sicherste und bequemste die Färbung
rcit Karbolfuchsin und Entfärbung mit aq. dest. und stellt die
difierenzialdiagnostischen Momente zur Unterscheidung der genannten
1) Deutsche Zeischr. f. Thiermed. u. ygl. Path. XVII. 9. and 3. 196.
296 Schutzimpfung, kfinsü. Infektionskrankheiten, Entwickelnngshemmmig etc.
Arten tabellarisch zusammen. Mittels der Methode von Giacomo
will Kamen (5. 549) die Syphilisbacillen im Sputum eines hereditär
syphilitischen Knaben, und zwar in abnehmender Zahl, während
des Zurückgehens der Krankheitserscheinungen nachgewiesen haben.
Einer experimentellen Nachprüfung bedarf die neuerdings von Mar-
schalko gemachte Mittheilung *), welcher im Sekret und im Gewebe
Syphilitischer Bacillen mittels des Weigert 'sehen Prinzips der
Diäenzirung durch partielle Umfärbung, ähnlich wie es Koch zuerst
zur Färbung der Tuberkelbacillen anwandte, nachweisen konnte.
Ausstrich- und Schnittpräparate werden entweder 3—4 Stunden bei
38 — 40° oder 12—24 Stunden bei Zimmertemperatur mit Loeff-
ler'schem Methylenblau gefärbt, in Wasser abgespült und nun 1 —
5 Minuten lang der Einwirkung einer konzentrirten wässerigen Ve-
suvinlösung ausgesetzt.
Eine distinkte Färbung der Kapseln der Fränkel-Weichsel-
baunT sehen Pneumoniebakterien erzielte Gabbi (5. 805) durch
1 Minute lange Färbung mit Karbolfuchsin und folgende rasche
Abspülung mit Wasser. Die ihnen sehr ähnlichen, bei Rhinoskle-
rom konstant nachgewiesenen Bakterien färbte Nikiforow (4.
397) mit Karbolgen tianaviolett, woran sich die Behandlung nach
Gram schloss, und Melle (4. 677) in einer wässerig-alkoholischen
Gentianaviolettlösung , aus welcher die Schnitte der Reihe nach in
Jod-Jodkalium, Alkohol, 30—40 °/0 salpetersauren Alkohol und wässe-
rige Saffraninlösung kamen. Zuletzt fand Mi belli2), dass sich die
fraglichen Bakterien vorzüglich mit Alaun-Karmin Grenacher
(bez. v. Grübler -Leipzig) färben lassen. In der 4°/0 wässerigen
Lösung dieses Farbstoffes bleibt der möglichst dünne Schnitt so lange
als nöthig ist, um eine gute Färbung der Kerne zu erhalten (unge-
fähr 1 Stunde, doch schadet auch 12—24 Stunden langes Verweilen
nicht) und wird darauf mit Wasser abgespült; Alkohol; Dam-
marharz.
(Fortsetzung folgt)
Schutzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten, Entwick-
lungshemmung und Vernichtung der Bakterien etc.
Biernacki, E., Ueber die Eigenschaft der Antiseptica,
die Alk oho lgährung zu beschleunigen und über ge-
wisse Abhängigkeit ihrer Kraft von der chemischen
Baustruktur, der Fermentmenge und der Vereini-
gung miteinander. (Pflüger's Archiv. XLEL S. 112.)
Verf. hat weitere Beispiele für den Satz geliefert, dass Anti-
septica bei sehr hohen Verdünnungen auch als Reizmittel auf
die Pilzzellen wirken und deren Thätigkeit beschleunigen können.
1) Sitzung des Budapester Aeretevereins v. 11. Apr. 1891; Rf. H. f. pr. D. XJII.
1. lö.
2) M. f. pr. D. XII. 7. 298.
äcWampfang, kfinstiL Infektionskrankheiten, fentwickeinngsDemtnttiig etc. £9?
Er suchte einerseits denjenigen Verdfinnungsgrad festzustellen,
bei welchem noch Aufhebung der Gährthätigkeit stattfand, anderer-
seits denjenigen, bei dem eine erhebliche Beschleunigung der Gähr-
thätigkeit (unter den von ihm gewählten Bedingungen) beobachtet
werden konnte. Die gefundenen Zahlen sind auf der folgenden Tabelle
angegeben. Durch Kombination zweier Antiseptica konnte er die
tödtende Kraft bedeutend erhöhen. Manche Schlussfolgerungen des
Verf.'s lassen erkennen, dass Chemie nicht sein Spezialfeld ist; sonst
könnte er z. B. nicht dem Thymol desshalb eine grössere antiseptische
Wirkung, als dem Chloralhydrat zuschreiben, weil jenes mehr Kohlen-
stoffatome (C10) im Molekül, habe als dieses (Gs). Ein solcher
Schluss wäre nur gerechtfertigt, wenn beide Körper analoge che-
mische Konstitution hätten.
Die schwächste, die AI-
Die beschleunigende Kon-
Aotiseptieiim
kobolgihrang aufhebende
sentration ffir die Alkohol-
Konsentration
gahrtmg
QaecksilbenablimAt . . .
1 :
SO 000
1
800 000
KAlinmpermanganat . . .
1 :
10 000
1 ■
100 000
Kupfervitriol
1 :
4 000
1 :
600 000
Brom
1 :
4000
1
60 000
Thymol
1
. 8000
1 :
20 000
Benaoesiure
1
2 000
1
10 000
Stliejlsanre
1
1000
1
6 000
Chinin
1
400
1
• 80 000
Carbolritare
1
200
1
• 1000
Sehwefolalnre
1
100
1
• 10 000
Ruorän
1
100
1
2 000
Pjrogtllol
1
60
1
4 000
Borslwe
1
26
1
8000
Chloralhydrat
1
26
1
: 1000
Loew (MQnchen).
Brauner, Betrachtungen über Antiseptik und Aseptik
mit Beziehung auf Listers Vortrag in Berlin. (Mün-
chener med. Wochenschr. 1891. No. 2.)
Nach einem Referat der Vorträge Listers und v. Bergmanns
über Wundbehandlung auf dem letzten medicinischen Kongress zu
Berlin spricht sich der Verf. dahin aus, dass die Asepsis in der
von v.Bergmann gelehrten Weise nur in vorzüglich geleiteten grös-
seren Anstalten ausführbar sei. Schon deshalb hält er es für drin-
gend nothwendig, dass die angehenden Aerzte nach wie vor in erster
Linie gründlich in der für die Privatpraxis unentbehrlichen Anti-
sepsis unterrichtet werden. Die Notwendigkeit dazu ergiebt sich
seiner Ansicht nach aber auch aus der Gefahr, dass „durch Verall-
gemeinerung nicht geklärter Anschauungen über Antisepsis und
Asepsis eine Verflachung, eine Verwässerung der antiseptischen
Methode eintritt, indem durch die Uebung einer scheinbaren, ober-
flächlichen aseptischen Wundbehandlung die operativen Erfolge in
Frage gestellt werden." K ü b 1 er (Berlin).
^98 B weiter Tuberculose- Kongressj
Originalberichte Ober Kongresse.
Zweiter Taberculose-Kongress.
Mach den Berichten der „Semaine mädicale" und des „BulL m&l.a
referirt von
Dr. M. T. Schnlrer,
in
Wien.
Ghrancher, J. et Martin IL, Ueber antituberculöse Schutz-
impfungen. (Note sur les vaccinations antituberculeuses.)
Die mitgetheilten Versuche wurden sämmtlich an Kaninchen mit
Vogeltuberculose ausgeführt. 6. und M. betrachten den Bacillus
der menschlichen und jenen der Hühnertuberculose als zwei Va-
rietäten derselben Art. Schon im Jahre 1888 machten sie einige
Versuche mit einem von Martin dargestellten Tuberculin, welches
die grösste Aehnlichkeit mit dem Koch 'sehen hatte und wie dieses
ein ülycerinextrakt aus Reinkulturen von Tuberkelbacillen war. Die
intravenöse oder intraperitoneale Injektion dieses Tuberculins hatte
keinen hemmenden Einfluss auf die Entwickelung der Tuberculose;
im Gegentheil, sie scjiien vielmehr die Widerstandsfähigkeit des Ka-
ninchens gegen die Injektion mit Tuberkelbacillen herabzusetzen.
Verff. sind daher zu den Impfungen mit abgeschwächten Kulturen
nach dem Muster der. Schutzimpfungen gegen Hundswuth zurückge-
kehrt. Die Herabsetzung der Virulenz wurde durch Altwerdenlassen
der sorgfältig verschlossenen Kulturen erzielt. Als die Versuche im
Juni 1889 begonnen wurden, verfügten bereits Verff. über eine ganze
Skala von verschieden alten, demnach auch verschieden virulenten
Kulturen. Das schwächste Virus No. 10, eine 3jährige Kultur, ist
in einmaliger intravenöser Injektion für Kaninchen unschädlich, hin-
gegen gehen die Kaninchen nach widerholten Injektionen dieser ab-
geschwächten Kultur an Tuberculose zu Grunde. Das Virus No. 1,
eine frische, zwei Wochen alte Kultur auf Glycerin-Agar, tödtet nach
intravenöser Injektion Kaninchen in 2—3 Wochen. Dazwischen
liegen die verschiedenen Abstufungen der Virulenz.
Am 29. November 1889 wurden die Schutzimpfungen an einer
Serie von 9 Kaninchen begonnen, und zwar wurde jedesmal 1 cem
einer Kultur von Tuberkelbacillen von steigender Virulenz in die
Ohrvene injizirt. Die ersten 2 Injektionen wurden mit einer 33 Mo-
nate alten, die dritte mit einer 22 monatlichen und so fort gemacht,
bis schliesslich die 9 Kaninchen ebenso wie 4 Kontrollthiere einel
4 monatliche Kultur (No. 2) erhielten. Die letzteren gingen nach A
27, 29 resp. 154 Tagen an Tuberculose zu Grunde. Von den ge-
impften Thieren starb eins an Tuberculose noch vor der Kontrollin-
fektion. Ein anderes starb einige Tage nach der Injektion des Virus
No. 2 an Tuberculose. Die übrigen haben längere Zeit gelebt. Sie
Zweiter taberculose-ftoogreas. §99
starben am 19. Juli, 18. November 1890, 29. Januar und 4. April
1891 und zeigten bei der Sektion keinerlei tuberculöse Veränderung;
ein Kaninchen hatte eine parenchymatöse Nephritis. Das letzte Thier
dieser Serie lebt noch jetzt, 21 Monate nach Beginn der Versuche
und hat seither um 2290 g zugenommen.
Bei der intravenösen Impfung gehen einzelne Thiere in Folge
der Impfung als solcher zu Grunde. Um diesen Uebelstand zu ver-
meiden, ist es besser, subkutan zu impfen. In der That ging von
8 Kaninchen, die 11 mal mit stets virulenterem Material geimpft
wurden, kein einziges zu Grunde. Von diesen 8 Thieren erhielten
3 am 8. December 1890 (die Schutzimpfungen wurden am 30. August
begonnen) vollvirulente Tuberkelbacillen in die Ohrvene. Alle drei
leben noch und haben seither um je 1000 g und darüber zuge-
nommen. Das Kontrollthier starb nach ca. 3 Monaten an Tuber-
culöse.
Häufig starben die geimpften Thiere an parenchymatöser Ne-
phritis. Merkwürdigerweise nahmen diese Thiere an Körpergewicht
zu and lebten lange nach der Probeinfektion. Manche Versuchsthiere
unterlagen nach mehreren Monaten der Probeinfektion, und zwar ent-
weder an einer ganz besonderen Form der Lungentuberculose oder
sie zeigten beschränkte Knochen- oder Gelenktuberculose.
Aus allen diesen Versuchen schliessen Verff., dass es ihnen zwar
nicht gelungen ist, eine vollständige Immunität durch eine unschäd-
liche und sichere Methode zu erzielen, dass aber die schützende Wir-
kung des tuberculösen Virus gegen das tuberculöse Virus selbst er-
wiesen ist Das von ihnen angewendete abgeschwächte Tuberkel-
gift enthält wahrscheinlich eine vaccinirende und eine toxische Sub-
stanz. Die erstere erzeugt Immunität, die letztere Nephritis, Para-
plegie und Kachexie, an welchen die sonst nicht kranken Thiere zu
Grande gehen.
Identität der Tuberculöse des Menschen, der Binder, der
Hühner und anderer Thiere.
Chauveau berichtet über Versuche, die er angestellt hat, um
die Identität der Tuberculöse des Menschen und der
Kinder zu beweisen. In einer Versuchsreihe wurden Rinder mit
menschlichen tuberculösen Produkten (Lunge von Miliartuberculose
und käsiger Pneumonie) gefüttert. Die Thiere erkrankten in der-
selben Weise wie die mit Rindertuberculose infizirten Kontrollrinder,
uid zwar zeigten sie dieselben tuberculösen Veränderungen (im Darm
uid Respiration8traktus) wie die bei der menschlichen Tuberculöse.
dasselbe Resultat ergab die intravenöse und subkutane Infektion.
Nocard beweist die Identität der Tuberculöse des
Menschen, des Pferdes und der Schweine. Die von tuber-
culösen Produkten des Pferdes erzielten Kulturen sind absolut iden-
tisch mit den Tuberkelbacillen der menschlichen und Rindertubercu-
lose. Die Injektion von Tuberkelbacillenkulturen vom Rinde, Pferde,
Schweine oder anderen Säugethieren erzeugt beim Meerschweinchen
die gleichen Veränderungen.
äOO Zweiter Tnbtrcniose-kongrtsi.
Straus und ftamalefa haben die Unterschiede zwischen dem
Bacillus der menschlichen und jenem der Vögelt aber-
culose studirt. Nach ihnen gestattet schon der Anblick der Kul-
turen auf festen Nährböden eine Differenzirung der beiden Bacillen.
Die Kulturen der menschlichen Tuberculose sind trocken, schuppig.
matt und fest, jene der Vogeltuberculose sind feucht, fett und weich.
Noch deutlicher sind die Unterschiede in der pathogenen Wirkung.
Die Hühner sind immun gegenüber der menschlichen Tuberculose,
gehen aber regelmässig zu Grunde nach Infektion mit Vogeltubercu-
lose. Der Hund dagegen ist fast absolut immun gegen die letztere,
nicht aber gegen die menschliche. Kaninchen und Meerschweinchen
sind für beide empfänglich, aber die von beiden Bacillen erzeugten
Wirkungen sind ungleich. Nach Infektion mit menschlicher Tuber-
culose sterben die Thiere mit Tuberkeln in den verschiedenen Vis-
ceralorganen, hingegen finden sich bei der Sektion der an Vogel-
tuberculose zu Grunde gegangenen Thiere keinerlei makroskopische
tuberculose Läsionen der inneren Organe.
Die beiden Bacillen behalten ihre Eigentümlichkeiten selbst bei
Veränderung des Nährbodens. Auch gelang es nicht, den Bacillus
der Vogeltuberculose dauernd bei Kaninchen und Meerschweinchen
zu acclimatisiren, noch weniger ihn in den menschlichen umzuwan-
deln. Die Unterschiede zwischen beiden Bacillen sind also nicht nur
erhebliche, sondern auch permanente, so dass man berechtigt ist, von
2 verschiedenen Spezies zu sprechen.
Denselben Gegenstand besprechen auch Cadlot, Gilbert und
Boger. Von 40 mit Säugethiertuberculose infizirten Hühnern lebet
noch jetzt 2, die übrigen 38 wurden zu verschiedenen Zeiten ge-
tödtet; 33 mal fand sich keinerlei Veränderung, nur 5 mal wurden
Tuberkelknötchen gefunden. Von 27 mit Hühnertuberculose infi-
zirten Meerschweinchen entstand bei 25=92% entweder nur ein lo-
kaler Abscess, oder es fanden sich einzelne seltene Tuberkelknötchen;
2 Meerschweinchen zeigten ganz gleiche Veränderungen, wie sie die
menschlichen Tuberkelbacillen hervorrufen. Trotzdem betrachten die
Verff. die 2 Bacillen nicht als verschiedene Arten, da die Reaktion,
die beide im Organismus hervorrufen, dieselbe ist und die morpho-
logischen Eigenschaften, bis auf einige sekundäre Nebensachen, die
gleichen sind. Namentlich ist es die gleiche Reaktion gegenüber
den Farbstoffen, die gegen eine Verschiedenheit der Spezies spricht.
Was die pathogene Wirkung betrifft, so ist hervorzuheben, dass Ka-
ninchen, wenigstens auf intraperitoneale Infektion, ebenso für die
menschliche wie für die Vogeltuberculose empfänglich sind, anderer-
seits sind auch Meerschweinchen nicht absolut immun gegen Vogel-
tuberculose ebenso wie die Immunität der Hühner gegen die mensch-
liche Tuberculose keine absolute ist. Schliesslich konnte die mensch-
liche Tuberculose von einem Huhn auf 3 andere übertragen werden,
und die Virulenz der Vogeltuberculose durch Passage durch Sänge-
thiere für dieselben gesteigert und für die Hühner herabgesetzt
werden. Aus dem Gesagten schliessen Verff., dass die 2 Bacillen
Varietäten ein und derselben Art darstellen.
Derselben Ansicht huldigen auch Counnont und Bor. Sie
haben Hühnern Säugethiertuberculose auf subkutanem Wege and in
Neue Littcratur. 301
en Darmkanal eingeführt, andererseits Kaninchen und Meerschwein-
hen Hühnertuberculose eingeimpft. Die Ergebnisse dieser Unter-
nchungen sind folgende: Das Huhn ist nicht absolut immun gegen
anschliche Tuberculose. Der Darmtraktus ist bei diesem Thiere
ine ungünstigere Eintrittspforte, als das subkutane Zellgewebe. Die
iacillen der Hühnertuberculose erzeugen, wenn sie längere Zeit dem
Müsse des Vogelkörpers entzogen waren, nach subkutaner Ern-
ährung bei Meerschweinchen und nach intravenöser bei Kaninchen
Ugemeine Tuberculose. Die so wirkenden Bacillen verlieren diese
Eigenschaft durch eine einzige Passage durch den Körper eines
luhnes. Die Säugethiere sind widerstandsfähiger gegen die Infektion
lit Produkten der Vogeltuberculose, als gegen jene mit den Kulturen
dbst.
(Fortsetsang folgt.)
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Originalberichte über Kongressf |
Zweiter Tubercu lose-Kongress.
Grancher, J„ et Martin, H., Ueber tri-
tuberculose Schutsimpfungen, p. 298*
Vene Utteratur, p. 301.
iftummannache Buchdruckerei (Hermann Pohle) in Jena,
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
Geb. Holt. Prot Dr. Lenctart m Professor Dr. Loefler
tu Lelpxlff In ürotfnrald
herausgegeben von
Dr. O. TJhlworm in Cassel.
Verlag von Gustav Fischer In Jena.
X. Bind« -«- Jen», den 18. September 1891. -o- No. 10»
Prell für den Band (86 Wummern) 14 Mark.
Jährlich erscheinen swel Binde.
-*| Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten, g*-
Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Parasiten*
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toten. Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
eingehende Wunsehe berücksichtigen zu können*
Original - Mlttheiiangen.
Heber die Widerstandsfähigkeit des pneumonischen
Virus in den Auswürfen.
[Ans dem Laboratorium für allgemeine Pathologie der K. Universität
zu Turin. Bakteriologische Abtheilung.]
Von
Dr. Bordont-Uffteduzzi.
Jener Tbeil der Äusseren Prophylaxis der Infektionskrankheiten,
sicher die Zerstörung des mit den Sekreten des Kranken abge-
sonderten pathogenen Erregers betrifft, ist besonders wichtig für
Jene Krankheiten, deren spezifisches Bakterium beständig mittelst
X.*. *" ^
306 Bordoni-Uffreduisi,
des Auswurfes ausgeschieden wird, welche nicht immer, wie es sein
sollte, in geeigneten Behältern gesammelt werden, sondern oft ent-
weder die den Kranken umgebenden Gegenstände, oder den Fass-
boden und die Wände des Zimmers verunreinigen, von wo sie dann,
nach Eintrocknung, unter der Form von Staub mit der Luft auf-
steigen und so andere Personen infiziren können. Diese Krankheiten
sind besonders die Lungentuberculose und die Pneumonie.
Was die Tuberculose anbetrifft, so sind, sowohl bezüglich des
Vorhandenseins des Koch 'sehen Bacillus im Staub der von Schwind-
süchtigen bewohnten Räume als auch hinsichtlich der vitalen Wider-
standsfähigkeit des in den eingetrockneten Auswürfen enthaltenen
Bacillus schon zahlreiche und vortreffliche Studien gemacht worden
(dornet). Was aber die Pneumonie anbetrifft, so ist bisher in
dieser Beziehung sehr wenig geschehen, obgleich der sie erzeugende
Ansteckungsstoff ebenso verbreitet und Ursache nicht nur der pneu-
monischen Infektion, sondern auch vieler anderer schwerer Infektions-
formen ist Die Thatsacbe, dass die Pneumoniebakterien in der
Aussenwelt weiterleben und sich hier vervielfältigen können und dass
sich der Ansteckungsstoff besonders mittelst der Luft verbreitet und
die Krankheit erzeugt, ist nicht mehr zu bezweifeln; und deshalb
muss bei der Prophylaxis der Pneumonie, wenigstens solange die
mit Erfolg an Thieren vorgenommenen Schutzimpfungsversuche nicht
auch am Menschen gemacht werden, die grösste Wichtigkeit eben
der Zerstörung des Pneumonieerregers ausserhalb unseres Organis-
mus beigemessen werden.
Doch um dieses zu thun und auch für diese Krankheit die An-
wendung der Desinfektionsmaassregeln zu rechtfertigen, welche be-
reits für andere Krankheiten und besonders für die Tuberculose bei
den Gegenständen, mit welchen der Kranke in Berührung kam und
bei den von ihm bewohnten Räumen angewendet werden, ist es von
Wichtigkeit, den Grad der Widerstandsfähigkeit des vom Kranken
abgesonderten spezifischen Erregers zu kennen, um zu sehen, ob die
Möglichkeit, dass er nach Eintrocknung in den Auswürfen noch die
Fähigkeit zur Reproduktion der Krankheit bewahrt, thatsächlich be-
gründet ist
Die wissenschaftlichen Daten, die wir bis jetzt bezüglich der
Widerstandsfähigkeit des pneumonischen Virus besitzen, sind sehr
spärliche und besonders von Kulturen jenes Mikroorganismus ge-
wonnen, der als Ursache der grossen Mehrzahl der Fälle von primi-
tiver Croupalpneumonie erkannt worden ist, nämlich des Fraenkel-
schen Diplococcus.
In einer von Foä und mir im Jahre 1887 veröffentlichten Ar-
beit über die epidemische Cerebrospinal-Meningitis *) haben wir be-
richtet, dass der Meningococcus, der identisch mit dem Pneu-
monie-D iplococcus oder höchstens eine Abart desselben ist,
wenn man ihn sowohl als Kultur als auch im Blute zwischen
zwei Uhrgläsern bei der gewöhnlichen Temperatur und fern vom
1) Foa a. Bordoni-Uffredmii, Sulla esiologia della meningite cerebro-
apinale epidemica. (Archivio per le scienae mediche. Vol. XI. 1887. pg. 886.)
lieber die Widerstandsfähigkeit d. pneumonischen Virus in den Auswürfen. 307
Tageslicht trocknen liess, bis zum 45. Tage lebend und virulent
gefunden wurde.
Ausser diesen Daten haben wir noch die Untersuchungen Guar-
nieriV), der beobachtet hat, dass sowohl das zerstreute als das
direkte Sonnenlicht, aber besonders dieses letztere, auf die Pneumo-
kokkenkultur eine bedeutende abschwächende Wirkung ausübt, und
dass das langsame Trocknen an der Luft bei 37 ° C eine bemerkens-
werte Veränderung der Virulenz in an Diplokokken reichem Blute
erzeugt, während das gleiche Material, wenn man es ebenfalls bei
37 • C in einem Trockenapparat mit Schwefelsäure schnell trocknen
Hast, die Virulenz bis zu 4 Monaten bewahrt.
Patella1) endlich erwähnt ganz flüchtig seine in demselben
Sinne gemachten Untersuchungen, indem er kurz gefasst sagt, dass
das schnelle Trocknen der im Blute infizirter Kaninchen enthaltenen
Diplokokken bei 38 ° C, entgegengesetzt den von Guarnieri gemachten
Beobachtungen, dieselben schnell zerstört, und dass dasselbe Material,
wenn man es im Trockenschrank mit Schwefelsäure bei 17 oder 18 ° C
halt, sehr abgeschwächt wird, während langsames Trocknen bei nie-
driger Temperatur dessen Virulenz lange erhält.
Wie man sieht, sind die bezüglich der Widerstandsfähigkeit des
pneumonischen Virus gegenüber den äusseren physikalischen Einflüssen
(Trocknen und Einwirkung des Sonnenlichts) gemachten Untersuchungen
nur an dem in künstlichen Substraten kultivirten, oder im Blute in-
fizirter Thiere enthaltenen Mikroorganismen vorgenommen worden,
und zuweilen auch mit einander widersprechenden Resultaten. Nur
Guarnieri weist ganz flüchtig auf die Thatsache hin, dass die
Widerstandsfähigkeit desPneumococcus, der im Blute und im
Spülwasser pneumonischer Auswürfe enthalten ist, eine grössere sei,
ah die Widerstandsfähigkeit desselben Mikroorganismus in den Kul-
turen.
Niemand also hat sich, soviel mir bekannt, in besonderer Weise
damit befasst, den Grad der Widerstandsfähigkeit des pneumonischen
Virus, wie er vom Kranken mit den Auswürfen abgesondert wird,
gegenüber der Wirkung des Trocknens und des zerstreuten und di-
rekten Sonnenlichts festzustellen, welches die wichtigen physikalischen
Faktoren sind, denen er in der Aussenwelt ausgesetzt ist.
Mir schien es von Wichtigkeit, diesen Punkt in der Biologie
des Mikroorganismus mit Sicherheit festzustellen, und zwar zu-
sieht vom wissenschaftlichen Standpunkt aus; denn es besteht ein
wenigstens scheinbarer Widerspruch zwischen den Resultaten der
obenerwähnten Untersuchungen und der feststehenden Thatsache, dass
der Fraenkel'sche Diplococcus sowohl in der entzündeten
Longe als in den Kulturen in wenigen Tagen nicht nur die Virulenz,
sondern auch seine Vitalität verliert.
Vom praktischen Gesichtspunkt aus habe ich sodann im Auge
1) Guarnieri, Stndi raU' etiologla della polmonite. (Atti della B. Aceademia
»efiea di Borna. 1888—89. p. 87.)
*) Patella, Bieerehe batteriologiche soHa polmonite ernpale. (Atti della B. Acea-
' medica di Borna. 1888—89. p. 447.)
20»
908 Bordoni-Uffrednsii,
gehabt, ans meinen Untersuchungen eine Nutzanwendung fl&r die
öffentliche Hygiene zu ziehen, nämlich festzustellen, ob die auf die
Desinfektion bezüglichen Maassnahmen, die, auf Grund wissenschaft-
licher Daten bei anderen Infektionskrankheiten angewendet werden,
mit gleichem Hecht auch bei der Pneumonie Anwendung finden
müssen.
Ohne hier die Frage von der KontagiositÄt der Pneumonie zu
erörtern, genügt es mir, darauf hinzuweisen, dass die von sogenanntes
„Haus- oder Zimmerepidemieen44 bei dieser Krankheit gemachten
Beobachtungen zahlreich sind, sowie dass das spezifische Bakterium
in reichlichem Maasse mittelst der Auswürfe in die Aussenwelt ge-
langt Wenn nun die direkte Untersuchung nachzuweisen vermag,
dass sich der Diplococcus in diesen Auswürfen lange Zeit lebens-
kräftig und virulent erh<, wird sich auch aus diesen Thateachen
die Notwendigkeit ergeben, ihn an den Orten, wo er von des
Kranken abgelagert wird, mit geeigneten Mitteln zu zerstören.
Zu diesem Zwecke nahm ich die pneumonischen Auswürfe von
Schwerkranken in den ersten Stadien der Krankheit, und nachdem
ich mittelst Einimpfungen in Kaninchen festgestellt hatte, dass sich der
Diplococcus in ihnen in stark virulentem Zustande befand, trock-
nete ich das Material, indem ich es auf Leinwandlappen in Häuf-
chen von der gleichen Grösse zertheilte, um mich möglichst den Be-
dingungen zu nähern, wie sie in der Praxis vorkommen. Diese
Lappen wurden in einem Zimmer bei zerstreutem Tageslicht an der
Luft gelassen oder direkt der Sonne ausgesetzt Die Experimente
wurden in den Monaten Mai und Juni dieses Jahres gemacht, ib
welchen die Temperatur des betreffenden Zimmere zwischen 18 and
21 ° C variirte.
* Von den im Zimmer getrockneten Auswürfen nahm ich alle 2 bis 5
Tage, und von den der Sonne ausgesetzten alle paar Stunden eines der
Häufchen, indem ich den betreffenden Theil des Lappens, worauf es sich
befand, mit der Scheere abschnitt. Hierauf brachte ich es zum Auf-
quellen in eine 4—5 ccm sterilisirtes Wasser enthaltende Porzdl&D-
schale, löste es dann mit einem sterilisirten Schnittmesser von dem
Leinwandstückchen ab, verdünnte es mit dem Wasser und injizirte
es schliesslich einem Kaninchen unter die Haut
Ich habe dieses Thier gewählt statt der weissen Maus, weil es
der Einwirkung der anderen pathogenen Bakterien, die sich mit dem
Pneumococcus vermischt im Speichel befinden können, besser
widersteht und gleichzeitig für Diplokokkeninfektion sehr empfäng-
lich ist.
Offenbar konnte man bei diesen Experimenten nicht von Kultur
sprechen, da es sich um ein unreines Material handelte, wie
es der Speichel ist, der noch dazu frei der Luft ausgesetzt bleiben
musste.
Ich habe zwei Serien solcher Experimente mit bei diffusem
Tageslicht, und eine Serie mit bei direktem Sonnenlicht getrockneten
Auswürfen gemacht; die Resultate, die ich erhielt, finden sich to
den folgenden Tabellen zusammengefasst:
Uebar di« WWer»Undi«higkeit 4. pneamonischen Viru in d«o Auwfirfen. 309
Tabelle I.
Geimpfte Kaninchen
Dauer des Trocknens
bei diffusem Licht
Ausgang der Im-
pfungen
Befand
1
3
3
4
5
6
7
8
8 Tage
ö „
a ,,
14 „
« »
8« »
Tod nach 4 Tagen
»» 4 ,«
» „
8 „
8 ,,
Bleibt am Leben
Diplokokken -Septi-
klmie
»»
it
i»
»»
Die Infektion bleibt
auf die Impfstelle be-
schränkt
Wegen Mangel an Material konnten die Experimente nicht fort-
gesetzt werden. Das mit frischem Aaswurf geimpfte Kaninchen starb
nach drei Tagen mit dem gewöhnlichen Befand.
Ein anderes Kaninchen, das mit dem Material geimpft wurde,
welches zu den in der folgenden Tabelle angegebenen Experimenten
diente, starb ebenfalls nach drei Tagen.
Tabelle IL
Geimpfte Kaninchen
Daner des Trocknens
bei diflnsem Licht
Aasgang der Im-
pfungen.
Befund
1
5 Tage
Tod nach 6 Tagen
Diplokokken-Septi-
2
10 „
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kftmie
3
lö „
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4
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1»
10
66 „
,, 4 „
f»
11
60 „
Bleibt am Leben
Zur grösseren Sicherheit wurden noch Impfungen nach 66 und
<0 Tagen vorgenommen, und die geimpften Thiere blieben ebenfalls
•m Leben.
Andere stark virulente pneumonische Auswürfe (2 mit diesem
Material im frischen Zustande geimpfte Kaninchen starben nach
48 Standen), in gleicher Weise auf einem Lappen zertheilt,
wurden, wie bereits angegeben, dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt
_ Tabelle III.
^Pft« Kaninchen
Dauer des Trocknens
an der Sonne
(32—84» C)
1 Stunde
2 Stunden
* „
6 ».
18 „
Ausgang der Im-
pfungen
Tod nach 6 Tagen
»» * »i
87 „
i» 6 »»
n S ti
i% ™ »i
Befund
Diplokokken Septik.
»i
Sehr starke Absehr.
Diplokokk. Septik.
310 Fiedeler,
Mit Ausnahme des Kaninchens No. 3, welches 27 Tage am
Lieben blieb, bei der Autopsie äusserste Abzehrung, ohne Mikroor-
ganismen im Blute aufweisend, starben alle an der gewöhnlichen
Form von Septikämie. Das Experiment konnte nicht wiederholt
werden, da sich bei der vorgerückten Jahreszeit keine schweren
Fälle von Pneumonie, die das nöthige Material hätten liefern
können, mehr darboten.
Aus diesen Resultaten geht hervor, dass das pneumonische Virus
in den Auswürfen eine grosse Widerstandsfähigkeit sowohl gegen-
über dem Trocknen als der direkten Einwirkung des Sonnenlichts
besitzt Sie stimmen ausserdem mit den Beobachtungen überein, die
man bereits bezüglich des Widerstandsgrades des im Blute der in-
fizirten Thiere enthaltenen Diplococcus gemacht hat, und die viel
geringere Widerstandsfähigkeit dieses Mikroorganismus in den Kul-
turen lässt sich wohl dadurch erklären, dass in den Auswürfen wie im
Blute die Eiweissstoffe, wenn sie eintrocknen, ein Schutzmittel für
den in ihnen enthaltenen Diplococcus bilden. Diese Erklärung
dürfte auch in der von Guarnieri beobachteten Thatsache eine
Stütze finden, dass nämlich durch das schnelle Trocknen des diplo-
kokkenhaltigen Blutes dessen Virulenz viel länger erhalten wird, als
durch langsames Trocknen, da auf jene Weise die Bildung der
trocknen äusseren Schicht begünstigt wird.
Wir können also den Schluss ziehen, dass für die Prophylaxis
der Pneumonie die Desinfektionsmaassnahmen, die darauf hinaus-
laufen, das spezifische Virus in den noch frischen Auswürfen za
zerstören, nicht genügen, sondern dass ihnen noch andere auf die
Desinfektion der Wohnräume bezügliche Maassnahmen hinzugefügt
werden müssen, da die eingetrockneten Auswürfe noch lange Zeit
virulent bleiben und, sodann unter der Form von Staub in die Luft
gelangend, die Uebertragung des Ansteckungsstoffes bewerkstelligen
können.
Turin, 12. Aug. 1891.
Ueber die Brustseuche im Eoseier Landgestüte und über
den Krankheitserreger derselben.
Von
Dr. Fiedeler,
KreUthierarst in Breslau.
Im 13. Bande des Archivs für wissenschaftliche und praktische
Thierheilkunde veröffentlicht Schütz eine bakteriologische Arbeit
über die Brustseuche des Pferdes , als deren , durch zahlreiche Ver-
suche und Untersuchungen gewonnenes Ergebniss er den Nachweis
betrachtet, dass eine von ihm gezüchtete und genau beschriebene
Bakterienart die Ursache jener Seuche bilde; dass ferner diese Bakterien
als die Krankheitserreger einer jeden genuinen Pferde-Lungenent-
zündung zu betrachten seien und dass demnach diese Krankheit auf
Ueber die Brustseuehe im Koseier Landgest&te. 311
einer ursächlichen Einheit beruhe, deren seuchenartige Aasbreitang
als „Brustseuehe" bezeichnet werde.
Hiergegen wird nun von Baumgarten1) — unter voller
Würdigung and Anerkennung der höchst beachtenswerten Schatz-
seben Untersachungsergebnisse — der Einwand erhoben, dass in der
Reihe der. beweisenden Thatsachen durch die Schatz 'sehe Methode
der Reinzachtang, welche als aasreichend nicht erachtet werden könne,
eise Lücke vorhanden sei,. Das Verfahren, Parenchymsaft der er-
krankten Lungentheile mittelst Einstiches auf Gelatine zu übertragen,
gewährt keine Bürgschaft dafür, dass alle in dem Aussaatmateriale
vorhandenen Keime zur Entwicklung gelangen. Es schliesse insbe-
sondere die Möglichkeit aus, dass der A. Fränkel'sche Pneumonie-
Coccus zur Entwickelung gelangen könne. War er aber in dem Aus-
saatmateriale vorhanden, so konnte er immerhin, wenn auch nicht
fortentwickelt, so doch wirksam mit den Schatz'schen Gelatine-
Kulturen fibertragen werden. Sei es von vornherein wahrscheinlich,
dass zwei so gleichartige Krankheitsprozesse wie die croupöse Pneu-
monie der Menschen einerseits, und die des Pferdes andererseits,
durch eine and dieselbe Ursache bedingt werden, so weist die An-
gabe Peterlein's*), dass in einem von ihm beobachteten Falle von
croupöser Pneumonie beim Pferde Kapselkokken, die durch Gram 's
Verfahren nicht entfärbt wurden, vorhanden waren, direkt auf die
Gegenwart der A. Frank eTschen Pneumoniekokken in dem be-
treffenden Falle hin. Es dürften demgem&ss erst weitere Unter-
suchungen mit Anwendung der von Fränkel befolgten Isolations-
methode abzuwarten sein, ehe den Schatz'schen Kokken die
Dignität, die Erreger und speziell die alleinigen Erreger der Brust-
seuche des Pferdes darzustellen, rückhaltelos zuerkannt werden könne.
Auf Grund zahlreicher Impf versuche und klinischer Beobachtungen
will Lustig*) als Ursache der Brustseuche einen Bacillus aufge-
funden haben, welcher von dem Schatz'schen Bacillus in wesent-
lichen Eigenschaften abweicht Derselbe zeichnet sich aas durch ein
beschränktes Wachsthum auf der Oberfläche und im Stichkanale,
zeigt nageiförmige Kulturformen, nimmt Gram 'sehe Färbung an
wd wächst nicht weiter, sobald er durch zufällige Verflüssigung
der Gelatine sich auf den Boden des Reagenzglases gesenkt hat
Auf Kaninchen and weisse Mäuse übt er keine pathogene Wirkung aus.
Platten-Reinkaltaren hat auch L. nicht angelegt.
Hell4) hält es auf Grund seiner zahlreichen Versuche aber-
hopt für zweifelhaft, ob die Schatz'schen Kokken die spezifischen
weger der Brustseuche sind. Der "bestimmte Machweis würde erst
dann erbracht sein, wenn durch ein mit Brustseuche-Kokken geimpftes
Pferd durch Zusammenstehen mit einem gesunden Pferde die Krank-
heit auf dem Wege der natürlichen Ansteckung abertragen würde.
Und in einem späteren Artikel •) stellt er die Behauptung auf,
1) Jahresberieht über die pathogenen Organismen. 1887.
*) Jahresbericht u. s. w. von 8 e h ü t s und Ellen berge r. 6. Jahrg.
3) Diese Zeitschrift. 1888.
4) Zeitsehrift Ar Veterinftrknnde. 1889. 8.
*) Zeitsehrift Ar Veterinirkoade. 1890. 8.
312 Fiedeler,
dass sich mit Hülfe unserer bekannten Untersuchungsmethoden Unter-
scheidungsmerkmale zwischen Eiter- bezw. Erysipel-Streptokokken
einerseits und Brustseuche-Kokken andererseits nicht nachweisen
lassen, dass diese Bakterienarten vielmehr in morphologischer und
biologischer Hinsicht, sowie in Bezug auf ihr Verhalten zu Impf«
thieren vollständig übereinstimmen.
Mit Platten-Reinkulturen hat auch H. nicht gearbeitet
Nach Dieckerhoff l) kann die Brustseuche — auf Gruoc
seiner klinischen Erfahrungen — nur durch die krankmachende Ein-
wirkung eines organisirten Stoffes besonderer Art entstehen, das
Wesen dieses Infektionsstoffes wurde aber bislang mit Sicherheil
nicht nachgewiesen. An einer anderen Stelle (S. 216) geräth er mit
dieser Annahme dadurch in einen gewissen Widerspruch, dass er die
Stoffe, welche im Blute die Allgemeinerkrankungen hervorrufen, für
Gifte hält, dass aber der Ansteckungsstoff, wie durch die von ihn
und H er t wich ausgeführten subkutanen und venösen Impfvereudw
erwiesen, im Blute der erkrankten Thiere nicht vorhanden sei.
Im Herbste des verflossenen Jahres herrschte unter den Be-
schälern des Koseier Landgestütes die Brustseuche in grosser Aas-
breitung und Bösartigkeit, und ich benutzte diese mir gebotene Ge-
legenheit zur Vornahme von bakteriologischen Versuchen und Unter-
suchungen, welche aber — anfangs nur zu diagnostischen Zwecket
begonnen — durch ständige Zunahme des wissenschaftlichen Mate-
rials, insbesondere aber durch die, durch meine Litteratur-Studiea
gewonnene Erkenntnis*, dass die Schütz'schen Untersuchung*
ergebnisse eine allseitige, bedingungslose Anerkennung bislang nicht
gefunden haben, weit über das ursprünglich gesteckte Ziel hinaus-
gingen und schliesslich zu Ergebnissen führten, welche die Veröffent-
lichung derselben als lohnend und wünschenswert mir erscheine]]
Hessen.
Von vornherein bemerke ich jedoch, dass ich bei meiner Arbeit
nur die Lösung der rein praktischen Frage — die Erforschung um
Klarlegung der ursächlichen Verhältnisse — im Auge gehabt habt
und mich aus verschiedenen Gründen auf histologische Untersuchungen
gar nicht, und auf mikroskopische nur soweit einlassen konnte, ab
sie mir zur Klarstellung des Thatbestandes nothwendig erschienen
Ist doch überhaupt in der Praxis und ohne Assistenten die Aus-
führung der so ausserordentlich mühsamen und zeitraubenden bakterio-
logischen Arbeiten schwierig und muss desshalb der rein wissenschaft-
liche Theil derselben — nach meinem Dafürhalten — in die nn(
anderen Mitteln ausgestatteten "bakteriologischen Anstalten verwiese!
werden.
Im Allgemeinen habe ich den Schütz'schen Arbeitsplan zu*
Richtschnur genommen, jedoch die Anlage von Platten-Reinkulturen
mir sogleich zur Aufgabe gestellt, womit ich ja durch die, in 0*
meinschaft mit meinem Freunde Dr. Bleis ch, dem ich so manche
wissenschaftliche Anregung und Belehrung verdanke, ausgeführten
bakteriologischen Versuche über die Krzanowitzer Schweineseucüe
1) Bpeilelle PathologU u. s. w. S. 208.
Uebar die Brustseoche im KeMler Landgestftte. 3J3
hinlänglich vertraut geworden war. Und später habe ich aas den
weiter zu erörternden Gründen die Reinkulturen unmittelbar aus
dem Blute kranker Thiere durch das Plattenverfahren gezüchtet und
ferner zur Erprobung der pathologischen Eigenschaften der Rein-
kulturen Kaninchen und Mäuse geimpft, deren Infektionsfähigkeit
von Schütz nachgewiesen war.
Zur Klarlegung des Thatbestandes will ich nun zunächst einige
kurze klinische Bemerkungen vorausschicken.
Das Koseier Landgestüt liegt auf einer Insel, welche durch die
Oder und den sog. Fluthgraben gebildet wird, in einer Bodensenkung,
welche unter dem Wasserspiegel der Oder gelegen ist. Da ausser-
dem der Untergrund aus mächtigen Thonschichten besteht, so ist
der Grundwasserstand ständig ein hoher.
Es waren daselbst beim Ausbruche der Seuche in 4 grossen
und einem kleinen — dem Krankenstalle — 139 Deckhengste und
4 sog. Klepper — zusammen also 143 Hengste untergebracht. Stall
2, 3 und 4 liegen in 3 miteinander verbundenen Flügeln , Stall 1
etwa 100 Schritt davon entfernt und durch ein dazwischen liegendes
Wärter -Wohnhaus getrennt, ganz isoürt. In seiner unmittelbaren
Nähe befindet sich der aus 6 Laufständen und einem Kutschstalle,
in welchem die Klepper untergebracht sind, bestehende Krankenstall.
Alle Ställe sind hoch und luftig und lässt sich in gesundheit-
licher Beziehung gegen ihre Beschaffenheit nichts einwenden.
Am 20. November 1890 hatte der in Stall 3 aufgestellte Deck-
hengst „Jupiter41 sein Morgenfutter nicht ganz verzehrt, da er sich
aber sonst munter zeigte, machte er den Morgenritt mit, welcher auf
dem durch das nasse Wetter tief erweichten Reitplatze, sehr an-
strengend gewesen sein musste, denn „Jupiter41 kehrte — schweiss-
triefend — in seinen Stall zurück.
Um 10 Uhr stellten sich heftige Schüttelfröste bei ihm ein, ohne
dass dabei eine Temperaturerhöhung, wie durch mehrfache Messungen
festgestellt wurde, nachzuweisen war.
Zwei Stunden später zeigte sich das Thier hochgradig erkrankt
»40,6 Mastdarm-Temperatur, über 100 eilende, unregelmäßige Pulse.
Der Herzepitzenstoss ist pochend und auf beiden Seiten zu fühlen.
80 costo-abdominale, von Röcheln begleitete Athemzüge; bei jeder
Ausathmung wird der Kehlkopf ruckweise nach vorne gezogen.
Aus beiden Nasenlöchern fliesst zeitweilig schaumiges Blut, im
Ganzen mehr wie 2 Liter. Dabei werden Sohluokbewegungen ausgelöst
Die Bindehaut ist tief ziegelroth gefärbt
Bei Druck auf die Brustwsndungen sucht das Thier unter lauten
^unerzensäusserungen auszuweichen."
Am Abend hatte sich der Krankheitszustand noch verschlimmert
„41,5 Körper-Temperatur. Der Puls ist nicht mehr fühlbar. Herz-
•chlag und Herztöne unregelmässig.
Das Thier liegt viel, zuweilen steht es mit grosser Mühe und unter
lauten Bchmerzensäusserungen auf und geht dann sehwankend im Stalle
umher.
Grosse Athemnoth."
314 FiedeJer,
Am nächsten Morgen war der Tod eingetreten, und wurde durch
die 4 Stunden nach demselben ausgeführte Leichenöffnung, nach Aus-
weis des darüber ausgefertigten Berichtes, folgender Befund gemacht:
„Die Leiche des 6 Jahr alten, dem ostpreussiBchen Schlage ange-
hörigen Hengstes befindet sich in gutem Ernährungszustände.
Aus den Nasenlöchern tropft eine blutig-schaumige Flüssigkeit; die
Nasenlochränder sind mit einer blutigen Kruste eingefasst
Die oberflächlichen Hautvenen mit dunkelrothem, theerartigem Blute
prall gefüllt; das Unterhautbindegewebe an der Brustwandung gelatine-
artig infiltrirt1).
Skelettmuskulatur lehmfarbig, wie gekocht
Beide Blätter des Brustfelles sind stellenweise rauh und undurch-
sichtig und mit einer dünnen Easerstoffschicht belegt.
Die unvollständig zusammengefallenen Lungen fühlen sich derb an.
Auf der glatten Schnittfläche derselben wechseln grössere, dunkelrothe
Felder mit kleineren hellrothen in der Art ab, dass die enteren in den
vorderen Lungenlappen und nahe der Pleura am zahlreichsten und
grössten sind.
Auf Druck entleert sich aus der Schnittfläche dunkelrothes, zähes Blut
In der Luftröhre und den Bronchien schaumiges Blut
Das Herzfleisch ist welk und schlaff, lehmfarbig, wie gekocht
Unter dem Epi- wie Endocardium zahlreiche kleine Blutpünktchen.
Das Endocardium stellenweise, besonders auf den Papillar-Muskeln de»
linken Ventrikels, streifig, und die Klappen und die Intima der Aorten-
stämme diffus hellroth gefärbt
Die Milz ist vergrössert, die Pulpa vermehrt, Trabekeln verwischt
Leber gelbbraun und fleckig getrübt Die Nieren auf der Durchschnitte-
fläohe dunkelroth und getrübt"
Das Pferd hatte demnach an einer hämorrhagischen Lungen-Brust-
fellentzündung und einer Endo- und Myocarditis gelitten, welche Krank-
heiten, wegen der Miterkrankung der grossen Parenchyme, infektiöser
Natur zweifellos gewesen sein mussten und durch Herzlähmung den
Tod herbeigeführt hatten.
Auffällig war der ausserordentlich schnelle Verlauf der Krankheit,
auf welchen zweiffellos die verhältnissmässig grossse Anstrengung im
Anfangsstadium der Krankheit einen bestimmenden Einfluss aus-
geübt hat
Am 22. November erkrankte in dem einzeln gelegenen Stall
ein Hengst, welcher mit 6 anderen, dem Shirehorse-Schlage ange-
hörenden Remonten, am 9. November nach Kosel eingeführt war, und
am 7. Dezember erkrankte in demselben Stalle ein anderer Hengst,
und nun in schneller Reihenfolge noch 11 andere Thiere, — unter
ihnen noch 8 von jenen Remonten, — so dass in diesem Stalle von
dem Gesanimtbestande 15 Thiere erkrankten und 14 von der Krank-
heit verschont blieben.
Am 11. bezw. 12. Januar, also beinahe 8 Wochen nach dem
ersten Falle erkrankten in Stall 3 zwei Hengste und am 22. des-
1) Es hatte ein« Begleitung mit Senf dl stattgefunden.
Uetor die BmaUeuche Im Koselcr LandgertüU. 315
selben Monats noch einer, und wurden alle bis dahin streng aufrecht
erhaltenen Absperrungsmaassregeln als unnütz erachtet und deshalb
aufgehoben.
Am 22. Januar trat der erste Krankeitsfall in Stall 2 und am
30. Januar in Stall 4 auf und nun ging es in schneller Reihenfolge
bunt durcheinander, so dass am 24. Februar 77 Krankheitsfälle, etwa
50% des Gesammtbestandes, vorhanden waren.
Es starben davon 13 Stück, ungefähr also 16%, ein Verlustver-
hältniss, welches mit den Dieck er hoff 'sehen Erfahrungen und An-
gaben übereinstimmt.
Die Thiere erkrankten unter einem Krankheitsbilde y welches
von Dieckerhoff und Anderen als „Brustseuche44 bezeichnet und
beschrieben wird.
Die Krankheit setzte ein mit einer Temperatur von 39 bis 41,7,
und war von der Höhe der Anfangstemperatur bereits ein meistens
richtiger Schluss auf den zu erwartenden Krankheitsverlauf zu
machen.
Der Puls stand gewöhnlich auf 50 — 60, in schweren Fällen bis
100 und darüber.
Körperschwäche und Eingenommenheit des Kopfes waren meistens
wenig auffällig und traten nur bei den schweren Herz- und Darm-
leiden in den Vordergrund.
Ebenso war der Appetit in den meisten Fällen wenig getrübt
and fehlte auf längere Zeit nur bei Komplikationen mit Magen- und
Dannerkrankungen.
Die Athembeschwerde wurde erst auffällig mit der Zunahme der
Lokalerkrankungen, was meistens mit dem 3. oder 4. Krankeitstage
erfolgte. Die Art derselben war natürlich abhängig von der Art der
Brusterkrankung.
Die Bindehaut war fast ausnahmslos, und zwar bald nach Beginn
der Krankheit tief gelbroth gefärbt.
Nasenausfluss gering, anfangs wasserhell, ausnahmsweise nahm
er eine rostfarbene Beschaffenheit an und war dann stets der
Aasdruck eines schweren Leidens und — mit Blut vermischt — fast
immer der Vorbote des Todes.
Mikroskopisch enthielt der rostfarbene Ausfluss — neben rothen
und weissen Blutkörperchen — zahlreiche ovale Organismen und
Diplokokken. Eine mit diesem Ausflüsse geimpfte weisse Maus zeigte
sich einige Tage krank, erholte sich dann aber wieder vollständig.
Husten trat gewöhnlich erst auf der Krankheitshöhe ein und
zagte keine charakteristische Beschaffenheit
Von den Lokalerkrankungen bildete die Lungenentzündung die
stehendste Krankheitserscheinung, deren Feststellung meistens erst
am 3. oder 4 Krankheitstage, — wenn die Hepatisation einen gewis-
sen Umfang erreicht hatte, möglich war. Sie erstreckte sich öfter
auf beide Lungen , was aber nicht immer als tödtliches Krankheits-
seichen angesehen wurde. Wenn nur das Herz nicht hochgradig
nritergriffen war, so führten solche Fälle öfter zur Genesung und
*ar dann in ganz kurzer Zeit die Wegsamkeit der Lungen wieder
316 FUdeler,
Brustfellentzündungen fehlten häufig, besonders im Anfange des
Seuchenganges.
Ein gefahrdrohendes Krankheitszeichen bildete stets die häufige
Miterkrankung des Herzens, welche in vielen Fällen in den Vorder-
grund trat und leicht zu Kollaps führte. Es mag dabei das geringe
„Training" der Hengste eine begünstigende Bolle gespielt haben.
Magen- und Darmerkrankungen wurden mehrfach, eine hervor-
ragende Mitbetheiligung der Skelettmuskulatur dreimal beobachtet
Nephritis fehlte in den schweren Fällen nie und scheinen die
Nieren ein Hauptabzugsrohr für die Bakterien zu bilden.
Bei den mehrfachen Harnuntersuchungen fanden sich — neben
den weissen Blutkörperchen und den Harncylindern — stets eine
grosse Menge von ovoiden Bakterien und zahlreichen Leukocyten,
welche mit jenen vollgepfropft waren. Eine Maus, welche mit einigen
Tropfen Harn geimpft wurde, welcher von einem mit Nephritis be-
hafteten Pferde stammte und möglichst antiseptisch gewonnen war.
ging an „Septikämie" zu Grunde.
Von Nachkrankheiten, die aber stets einen günstigen Verlauf
nahmen, traten zweimal eine Anschwellung der Beugesehnen und
dreimal Konjunktivitis und Iritis auf.
Die Ansteckungsfähigkeit der Krankheit wurde durch den Ver-
lauf ganz augenscheinlich offenbart. Die ersten Fälle traten fast
immer in den Eckständen auf — wo die Luftsäulen am meisten stag-
niren, die Ventilation am geringsten ist — dann wurden die Nach-
barn ergriffen, wobei manchmal ein oder mehrere Thiere überschlagen
wurden, und so verbreitete sich die Krankheit so lange, bis alle is-
fektionsf&higen Thiere erkrankt waren.
Im Anfang ging die Ausbreitung langsam, wenn aber erst meh-
rere Fälle in einem Stalle waren, ging es schneller, so erkrankten
am 1. Februar sechs, am 2. zwölf und am 3. wiederum sechs Thiere.
Die Bekonvalescenz war meistens kurz, selbst in schweren Fällen
haben sich die Thiere in auffallend kurzer Zeit — in 8—14 Tages
und noch schneller — erholt, nur nach den schweren Magen- und
Darmleiden währte sie länger.
Von einer Vorliebe der Krankheit für einen bestimmten Schlag oder
ein bestimmtes Alter konnte nichts bemerkt werden, der Prozentsatz der
Erkrankungen, wie der Verluste zu der Oesammtzahl ist annähernd!
derselbe bei den gemeinen und edlen Pferden, wie auch bei den jun-
gen und alten. So erkrankten in Stall 2, in welchem ausschliesslich!
Pferde des gemeinen Schlages untergebracht waren, von 30 Pferden
15, und in Stall 4, wo nur junge Pferde der edleren Schiige
standen, blieben von 32 Pferden 15 von der Krankheit verschont
Von den Gestorbenen waren 5 Ostpreussen, bezw. Graditzer,
5 Hannoveraner und 3 Kaltblüter.
Auch von einer Abschwächung der Bösartigkeit mit der Dauer
des Seuchenganges war nichts zu bemerken, im Gegentheil war der
Verlauf am bösartigsten am Schlüsse, als die Seuche bereits im We-
sentlichen zum Abschlüsse gelangt war.
Deber die Art der Einschleppung und ob überhaupt eine solche
stattgefunden hat, herrscht völlige Unklarheit Es liegt ja nahe, die
Ueber die Brtutseoch« im Koseier Landgestflte. 317
Shirehorser als Infektionsträger anzuschuldigen und umsomehr, als
dieselben bis zu ihrer Ueberführung nach Kosel in dem Stalle eines
Berliner Grosshändlers gestanden hatten. Indess lässt sich diese
Annahme mit der Thatsache schwer in Einklang bringen, dass der
erste Seuchenfall in einem anderen Stalle und bei einem Pferde auf-
trat, welches mit jenen Remonten gar nicht in Berührung gekommen
war, und dass erst 3 Tage nach dem ersten Falle — 12 Tage nach
der Einführung — der erste Shirehorser erkrankte.
Ausserdem spricht die Thatsache dagegen, dass von den 6 Re-
monten rier an Brustseuche in Kosel erkrankten. Es läge ja die
Möglichkeit vor, dass ihre Infektion auf dem Transport erfolgt wäre,
wenn der erste Erkrankungsfall unter ihnen aufgetreten wäre.
Ebensowenig sind bestimmte Anhaltspunkte für die Annahme
einer anderen Einschleppung, oder einer Selbstentwickelung an Ort
and Stelle vorhanden. Thatsache ist, dass in dem Koseier Kreise
seit Jahren wohl der Rothlauf, nicht aber die Brustseuche geherrscht
hat, und ferner, dass Einzelfälle der Brustseuche im Koseier Gestüte,
soweit sich das eben feststellen lässt, öfter beobachtet worden sind.
Ob nun der hohe Grundwasserstand des letzten Jahres, in Ver-
bindung vielleicht mit der ungünstigen hydrographischen Lage des Ge-
stütes, einen Einfluss auf den seuchenartigen Verlauf ausgeübt hat,
and unter gewöhnlichen Verbältnissen die Bedingungen für eine
spontane Entwickelung daselbst vorhanden sind, muss in das Gebiet
der theoretischen Erörterungen verwiesen werden.
Der zweite Ausbruch der Seuehe in Stall 3 muss auf eine Ein-
schlepptmg aus Stall 1 zurückgeführt und kann wohl nicht als Fort*
Setzung des ersten Seuchenfalles betrachtet werden, da zwischen
beiden Fällen ein Zeitraum von beinahe acht Wochen liegt. Die
Kupirung der Seuche lässt sich erklären durch die schnelle Absper-
rung des ersten Kranken und die gründliche Desinfektion.
Bezüglich der Behandlung möchte ich kurz bemerken, dass die
Verabreichung von Kaltwasserklystiren und Fiebermitteln einen deut-
lich erkennbaren günstigen Einfluss auf den Krankheitsverlauf aus-
geübt haben, und dass besonders die subkutane Injektion von Tinct.
Digital, bei Herzleiden und die Begiessungen mit Senföl bei Brust-
leiden, selbst wenn eine Brustfellentzündung noch nicht deutlich er-
kennbar war, ganz ausgezeichnete Dienste geleistet haben.
(Fortaetiung folgt.)
318 Taberculoie
Referate.
r. Brunn -Ltppsprlnge, Ueber die prognostische Be-
deutung des Tuberkelbacillus. (Dtsch. med. Wochenachr.
1891. No. 4.)
In Fortsetzung seines Vortrages über die Aetiologie und Pro«
phylaxe der Lungenschwindsucht (vgl. Referat in dieser Zeitschrift.
Bd. IX. No. 20) verbreitet sich v. Brunn über die Prognose der
Schwindsucht.
Er erklärt es zunächst für verkehrt, aus dem Tuberkelbacillen-
befund im Auswurf eine absolut schlechte Prognose für den einzelnen
Fall abzuleiten. Denn dass die Ansiedelungen der Bacillen in der
Lunge isolirt bleiben und gänzlich zu Grunde gehen können, bat
Kurlow bewiesen, indem er die kalkigen Knoten und narbigen Ver-
dichtungen in den Lungenspitzen von Verstorbenen, welche während
ihres Lebens als geheilte Phthisiker angesehen worden waren, auf
Meerschweinchen fiberimpfte, ohne diese dadurch tuberculös zu in-
fiziren. Es sprechen diese Versuche zu Gunsten der Annahme
Buchner 's, dass der Körper sich der einmal eingedrungenen Keime
zu erwehren sucht, indem er mittelst reaktiver Entzündung einen
Leukocytenwall gegen dieselben aufführt, dass dieser Wall es für
gewöhnlich den Bakterien sehr erschwert, sich weiter auszubreiten,
und dass endlich diese regressiven Veränderungen unterliegen und zu
Grande gehen, worauf dann nur noch die Narbe oder der Kalkknoten
zurückbleibt.
Nach Brunn's Auffassung kommt dieser günstige Ausgang vor-
nehmlich da zu Stande, wo nur wenige Tuberkelbacillen in die Lunge
eingedrungen sind; gelangen dagegen die verderblichen Keime in
grösserer Menge in die Athmungsorgane, so wird es ihnen leichter,
den Leukocytenwall zu durchbrechen und weitere Lungentheile zu
infiziren oder sogar eine allgemeine Tnberculose hervorzurufen. Es
wird daher bei dem Auftreten grösserer Mengen von Tuberkelbacillen
im Auswurf von Phthisikern die Prognose ziemlich ungünstig zu
stellen sein.
Anhangsweise verbreitet sich v. Brunn noch über den Zu-
sammenhang von raschen Verschlimmerungen in tuberculösen Pro-
zessen der Lunge mit der Operation der Mastdannfistel. Er glaubt
einen solchen Zusammenhang bestimmt annehmen zu dürfen; denn
durch die besagte Operation würden oft latente Bacillenherde aufge-
deckt, bezüglich von dem sie umgebenden Leukocytenwall befreit;
die Bacillen gelangten dann in die Lymph- oder gar in die Blutbahn
und hätten dadurch die Möglichkeit, entfernte Körpertheile der Or-
gane frisch zu infiziren.
Auf gleiche Weise erklärt sich Verf. ähnliche Vorkommnisse nacn
Operationen an fungösen Gelenken oder skrophulösen Drüsen u. dergL
Kubier (Berlin).
TabereuioM, 3] 9
Weyl, Zar Chemie und Toxikologie des Tuberkel-
bacillus. (Deutsche med. Wochenschr. 1891. No. 7.)
Id Band VIII. No. 11 dieser Zeitschrift hat Büchner hoch-
interessante Untersuchungen mitgetheilt, in denen er zu dem Re-
sultate gelangte, dasa der Zellenleib der Friedl&nder'schen
Pneumoniebacillen aus einem Eiweisskörper besteht, welcher bakterien-
freie Eiterung zu erregen im Stande ist In Ähnlicher Weise, wie
Bachner diesen Eiweisskörper durch Auslaugen der Bacillen-
kulturen mit 0,5% Kalilauge gewann, hat B. Koch 500 Tuberkel-
bacillenkulturen durch Auslaugen mit warmer verdünnter Natron-
lauge behandelt Es entstand eine mit weisslichen Fetzen vermischte
Flüssigkeit, welche beim Erkalten erstarrte und sich dabei in eine
fest gewordene Agar ähnliche obere, sowie in eine weisse untere
Schicht schied. Weyl hat diese Masse im hygienischen Institut zu
Berlin weiter untersucht.
Er trennte zunächst die beiden Schichten in vollkommenerer
Weise durch mehrmaliges Auflösen und Filtration im Heisswasser-
trichter.
Es ergab sich, dass die weisse Substanz unter dem Mikroskop
aus vielfach gefalteten Membranen und unregelmässig aufgeblasenen
Schläuchen zusammengesetzt erschien, allen Lösungsmitteln mit Aus-
nahme der konzentrirten Schwefelsäure widerstand, und die spezifische
Färbbarkeit der Tuberkelbacillen besass. Sie dürfte hiernach aus
den Hüllen der Tuberkelbacillen bestanden haben.
Die obere Schicht wurde zu wiederholten Malen in Natronlauge
gelöst und mit Essigsäure gefällt Es ergab sich ein Niederschlag,
der nach dem Austrocknen zu einer krümeligen, weissen Masse zer-
fiel und bei der Analyse 4,4% N, 7,3% H und .51,6% C enthielt
Die Menge des gleichfalls darin nachgewiesenen Schwefels und der
Aschentheile liess sich bei der geringen Quantität des Stoffes nicht
feststellen. Der Körper färbte sich beim Kochen mit Millon's
Reagens nur gelb und nicht roth; er löste sich nicht in überschüssiger
konzentrirter Essigsäure. Trotz seines geringen Stickstoffgehaltes
rechnet ihn Weyl daher zu den Mucinen und glaubt ihn vom Myko-
protein und Anthraxproteio von Nencki und Schaff er scharf
trennen zu müssen.
In stark verdünnter (1—2 p. mille) (Soda)-Lösung zu 0,5 ccm,
Kaninchen und Meerschweinchen subkutan eingespritzt, bewirkte die
Substanz an der Injektionsstelle eine Nekrose von der Ausdehnung
eines Markstücks.
Weyl hat demnach bewiesen, dass sich aus Tuberkelbacillen-
wüturen ein Toxomucin darstellen läset; er enthält sich der Ent-
scheidung, ob dieses Toxomucin in den Tuberkelbacillen präformirt
vorhanden ist, glaubt aber in ähnlicher Weise wie Buchner an-
nehmen zu dürfen, dass die Bacillensubstanz bei der Bakterienwirkung
dle gleichgültige Bolle, welche ihr bisher zugeschrieben wurde, nicht
Wt. Kubier (Berlin).
820 TaterciiloM.
Prausnltz, 1J., üeber die Verbreitung der Tuberculose
durch den Personenverkehr auf Eisenbahnen. (Arch.
t Hygiene. 1891. p. 192.)
Durch die Cornet'schen Untersuchungen angeregt, prüfte Verf.
den in Personenwagen enthaltenen Staub auf Tuberkelbacillen. Er
wählte dazu die durchgehenden Wagen Berlin -Meran, die viel von
Tuberculosen benutzt werden. Sofort nach Ankunft des Zuges in
München fegte Verf. den Staub, der unter dem Coup&eppich der
betreffenden Durchgangswagen lag, aus je zwei Coup6s zusammen,
verrieb denselben in einer sterilen Porzellanschale, schwemmte davon
etwa 0?4 g in 10—15 ccm dest. steril Wassers auf und injizirte
davon je 1 ccm in die Bauchhöhle zweier Meerschweinchen. In die-
ser Weise wurde an & Tagen der Staub aus 10 Coup6s von 4 Wa-
gen 20 Meerschweinchen injizirt Von diesen 20 Meerschweinchen
wurde bei 5 Tuberculose konstatirt Der Staub zu diesen 5 positiv
ausgefallenen Versuchen stammte aus zwei Wagen; in keinem Falle
war die Tuberculose weit vorgeschritten. Ein Thier starb nach 1 Mo-
nat; die übrigen 4 waren etwa 21/» Monate nach der Infektion ge-
tödtet. [Leider giebt Verf. nicht an, ob er diese Tuberculose der
Versuchstiere auf ihren Bacillengehalt und auf ihre histologische
Struktur untersucht hat. Ref.] Die Untersuchung ergab also, „dass
der Staub der Eisenbahnwagen, in welchen man am ehesten ein
massenhaftes Vorhandensein von Tuberkelbacillen hätte vermuthen
können, zumeist diesen Infektionsstoff nicht enthielt44, und selbst in
jenem Wagen, der am längsten auf der Route lief, kann der Staub
nur eine geringe Zahl von Tuberkelbacillen enthalten haben, denn
trotz der grossen Menge des eingeimpften Staubes wurde eines der
geimpften 4 Thiere dieses Versuches nicht tuberculös. „Der gewöhn-
liche Modus der Reinigung der Eisenbahnwagen genügt also, die
Wagen soweit tuberkelbacillenfrei zu halten, dass eine Gefährdung des
reisenden Publikums in dieser Hinsicht ausgeschlossen erscheint44
Tan gl (Tübingen).
Tangl, Ueber das Verhalten der Tuberkelbacillen an
der Eingangspforte der Infektion. [Aus dem pathologi-
schen Institut zu Tübingen.] (Centralblatt für allg. Pathologie n.
pathol. Anatomie. L 1890. No. 25.)
Bestätigung von Baumgarten 's Ansicht, dass die Tuberkel-
bacillen nirgends in den Körper eindringen können , ohne an der
Eintrittsstelle tuberculose Veränderungen hervorzurufen.
Verf. machte zunächst subdurale Impfungen mit Tuberkelknötcbea
und Reinkulturen von Tuberkelbacillen bei Meerschweinchen und Ka-
ninchen. Stets entwickelte sich lokale TubercuW an der Impfstelle
und bei genug langer Lebensdauer auch allgemeine Tuberculose.
Impfung von Reinkulturen in den unverletzten Koqjunktivalsack
blieb bei Kaninchen erfolglos, bewirkte dagegen bei Meerschweinchen
allgemeine Tuberculose mit tuberculöser Erkrankung der Conjuoctiva
und ausgedehnter Tuberculose der Nasenschleimhaut.
Nach Einpinselung der Nasenlöcher mit einer Emulsion von
Tuberkelbacillen trat meistens sowohl bei Meerschweinchen wie auch
Tuberculose. 821
bei Kaninchen Ideale Tuberculose der Nasenschleimhaut und bei ge-
nug langer Lebensdauer auch allgemeine Tuberculose auf. Besonders
bei Meerschweinchen zeigten die regionären Lymphdrüsen bei diesen
Versuchen eine sehr weit vorgeschrittene Tubereulose.
Aus diesem Ergebnisse der Untersuchungen schliesst Verf., dass
in jenen Fällen von primärer Lymphdrüsen- und Knochentuberculose,
«o selbst nach längerem Bestände der genannten Erkrankungen keine
tuberculose Veränderung an irgend einer der möglichen äusseren
Eingangspforten zu finden ist, die Tuberculose nicht durch äussere
Ansteckung entstanden sein kann. Dittrich (Prag).
lordhorst, Ist die Lunge Schwindsüchtiger grösser als
diejenige Gesunder? (Deutsche med. Wochenschr. 1890.
No. 53).
Verf. tritt der bekannten, von Brehmer, Rokitansky und
Beneke vertretenen Anschauung entgegen, nach welcher bei Schwind-
süchtigen regelmässig ein abnorm grosses Volumen der Lungen vor-
handen ist und unter den ätiologischen Momenten der Phthise einen
hervorragenden Platz einnimmt Wenngleich Mordhorst zugibt,
dass der paralytische Thorax der Lungenschwindsüchtigen länger ist,
als ein normaler Brustkorb, so erklärt er es für einen Fehlschluss,
dass jener längere Thorax abnorm grosse Brusträume enthalte. Er
sieht im Oegentheil in dem langgestreckten Bau des Brustkorbs eine
Hyperexpirationsstellung und leitet daraus ab, dass die Brusträume
kleiner sind, als bei Gesunden.
Verf. erklärt es fernerhin für fehlerhaft, aus dem abnorm grossen
Volumen der aus der Leiche entnommenen phthisischen Lungen
schliessen zu wollen, dass die Lungen von Schwindsüchtigen auch
im lebenden Körper ein grösseres Volumen besitzen» als diejenigen
gesander Menschen. Jene Volumvermehrung sei nur dadurch be-
dingt, dass die phthisischen Lungen in Folge ihres gewöhnlich er-
höhten Blutgehalts und ihrer stets verminderten Elastizität bei der
Entnahme aus der Brusthöhle weniger vollkommen zusammensinken,
als die blutarmen und elastischen normalen Lungen. Andererseits
gibt der Verf. übrigens die von Brehmer u. s. w. betonte Klein-
heit des Herzens und Enge der arteriellen Lumina bei Phthisi-
kern zu.
Im Weiteren sucht Mordhorst auf Grund höchst lesenswerter
physiologischer Erwägungen nachzuweisen, dass die Krankheitszu-
stande der Lungen nicht durch deren abnorme Grösse, sondern durch
Abnahme ihrer Ausdehnungsfähigkeit begünstigt werden. Er ist der
Meinung, dass die gesündesten Lungen sich durch Expiration am
meisten zusammenziehen und durch Inspiration am weitesten aus-
dehnen können und sucht dies aus dem Verhalten der Lungen von
den auch durch Brehmer erwähnten Thieren, im Besonderen von
den englischen Racepferden nachzuweisen. Da es hier zu weit füh-
ren würde, auf die bezüglichen Mittheilungen des Verf/s näher einzu-
gehen, mußs betreffs dieser Dinge auf das Original verwiesen werden.
Kubier (Berlin).
x.w. 21
322 Tuberculose. — Taubtnmftstarkrmiikheit.
Kraske, Ueber einen Fall von tuberculöser Erkrankung
der Glans penis nebst Bemerkungen Qber dieüeber-
tragbarkeit der Tuberculose durch den geschlecht-
lichen Verkehr. [Aus der Chirurg. Klinik zu Freiburg L Br.]
(Ziegler 's Beiträge zur pathologischen Anatomie und zur allge-
meinen Pathologie. Band X* Seite 204.)
Der tuberculose Prozess erstreckte sich durch die ganze Dicke
der Glans. Wo die Verkäsung noch nicht ad maximum vorgeschrit-
ten war, traf man auf reichliche Riesenzellen und typische Tuberkel
mit mehr oder weniger zahlreichen Bacillen.
Sonst war klinisch im Körper nirgends ein tuberculöser Herd
nachweisbar.
Trotzdem die Vermuthung einer Inoculationstuberculose sehr
nahe lag, so wurde diese Ansicht doch mit Rücksicht auf die Ana-
mnese und den genaueren anatomischen Befund fallen gelassen
Vielmehr wurde die tuberculose Erkrankung der Glans hier als eine
Erkrankung hämatogenen Ursprungs angesehen.
Dittrich (Prag).
Potain, Un cas de tuberculose aspergillaire (maladie
de 8 gaveurs de pigeons). (L'Union mädicale. 1891. No.38.)
Gelegentlich der Vorstellung eines Kranken, der die Tauben-
mästerei gewerbsmässig betrieb, machte P. einige Mittheilungen über
diese in Deutschland wohl gänzlich unbekannte Krankheit (maladie
des gaveurs de pigeons).
Der betreffende Patient war mit Hämoptoe erkrankt, magerte
stark ab und machte bei seiner Aufnahme in's Krankenhaus durch-
aas den Eindruck eines Phthisikers. Ueber der ganzen Lunge hörte
man bronchitische Geräusche, die linke Lungenspitze war verdichtet
Der Auswurf war eiterig, geballt und enthielt schwärzliche Massen.
Trotz eifrigsten Suchens fanden sich aber darin keine Tuberkelbacillen,
sondern ein Aspergillus, den P. nicht näher beschreibt, von dem
er nur angibt, dass Dieulafoy, Chantemesse und Widal ihn
als die Ursache einer eigentümlichen Lungenerkrankuug der Tan-
benmäster nachgewiesen haben.
Die Tauben selbst haben eine durch diesen Aspergillus bedingte
Krankheit, welche gewöhnlich mit Knotenbildung in der Schnabel-
Schleimhaut beginnt, von da aus auch die inneren Organe ergreift
und im ganzen Verlauf und den Krankheitsprodukten sehr an Tuber-
culose erinnert. In allen Heerden findet man aber keine Tuberkel-
bacillen, sondern nur diesen Aspergillus.
Eine zweite akute Form dieser Krankheit verläuft unter dem
Bilde einer Pneumonie und tödtet die Tauben innerhalb 2—3 Tagen.
Chantemesse und Widal haben den Aspergillus rein
gezüchtet und durch intravenöse Injektion der Kulturen bei Tauben eine
akute, tödtliche Krankheit erzeugt, während die subkutane Injektion disse-
minirte Knotenbildung in der Lunge und anderen inneren Organen
hervorrief.
Der Pilz findet sich, wie P. angibt, häufig in der Hirse, mit
welcher die Tauben gemästet werden. Die Mästung geschieht in der
Heim, Di« Neuerungen d. bakt. Unteraucoungamethoden seit d. Jahre 1887. 323
Weise, dass die Hirse in Wasser aufgeweicht wird, die Mäster sich
damit den Mund füllen, den geöffneten Schnabel der Thiere an ihren
Mund bringen and so die Hirse den Thieren in den Schlund treiben.
Hierbei kann die Infektion sowohl der Thiere wie des Menschen zu
Stande kommen.
Die Prognose der Erkrankung scheint sehr ungünstig zu sein ;
bis jetzt ist beim Menschen nur ein Fall von Heilung bekannt.
Scheurlen (Stuttgart).
Untersuchungsmethoden, Instrumente etc.
Die Neuerungen auf dem Gebiete der bakteriologischen
Untersuchungsmethoden seit dem Jahre 1887.
Zusammenfassender Bericht
von
Dr. L. Helm,
k. b. Stabsarzt und Privatdoianton.
(Fortietsong.)
Die Gonokokken in Schnitten empfiehlt Touton (5. 803)
mit Earbolfuch8in zu färben mit folgender Spülung in Alkohol, in
Sekreten stellt sie Schütz (6. 172) mit Karbolmethylenblau und
kurzdauernder Entfärbung in schwacher Essigsäurelösung dar und
Steinschneider (8. 777) benutzt in zweifelhaften Fällen die
Boux- Gram' sehe Methode mit Nachfärbung in Bismarckbraun
oder verdünntem L o e f f 1 e r ' sehen Methylenblau. E r a 1 1 e r (9. 741)
und Ipsen1) wiesen sie in auf Wäsche angetrockneten Tripper-
flecken noch nach mehr als */» «fahr nach, wenn sie die Schüppchen
abschabten und in Wasser quellen Hessen, oder die eitergetränkten
Fäden mazerirten und auspreßten.
Die nach den Untersuchungen von L Israel und M. Wolff
unter die „polymorphen Spaltpilze" gerechneten Aktinomyceten färbte
Bararfsky *) 2—3 Min; mit Pikrokarmin und spülte in Wasser oder
Alkohol ab, worauf die Drusen gelb, das übrige Gewebe roth er-
schienen. Baumgarten3) erklärt diese Färbung allein für un-
vollkommen und warnt insbesondere vor der Anwendung reinen Al-
kohols; man müsse ihm, damit er die gelbe Farbe nicht ausziehe,
etwas Pikrinsäure beigeben; ausgezeichnet wäre sie zur Vorfärbung
hei Anwendung der Graafschen Methode. Auch Petroff4) ist
der Ansicht, dass sie den feineren Bau der Druse nicht klar stelle,
man könne die Druse von den umgebenden Geweben ebensogut mit-
1) B. kl. W. 90. 42. 963.
2) D. m. W. 87. 49. 1066.
») J. B. UI. 815.
4) B. kl. W. SS. 27. 641.
21*
324 Heim'
telß Hämatoxilin, Cochenille und anderer histologischer Färbemittel
unterscheiden. Die für den Ausfall der Färbung störende, von P.
als solche nachgewiesene Fettimprägnation der Druse beseitigte der
genannte Autor durch vorhergehende Behandlung der Schnitte mit
Aetzkalilösung (bei Anwendung der Celloidineinbettung ist sie nn-
nöthig, w.eil hier nachträglich Aether einwirkt). Von den feineren
Details, welche P. bei Anwendung der Gram 'sehen, Löff ler 'sehen
und SaJfranin-Färbung von Babes1) konstatirte, möge nur der Be-
fund von in den Fäden liegenden intensiv gefärbten Körnchen,
welche mit kleinen, rundlichen, ungefärbten Lücken abwechselten, er-
wähnt werden. Solche schwarzblau gefärbte, kugelförmige Gebilde
fand Flor mann2) neben fast farblosen Keulen bei Färbung mit
Ammoniumkarbonat-Methylviolett-Lösung, und folgender Behandlung
mit Wasser, Jod-Jod-Kalium, Fluorescin-Alkohol, Alkohol, Anilinöl,
Lavendelöl, Xylol, Balsam.
Eine doppelte, mitunter dreifache Tinktion bakterienhaltiger
Gewebe erzielte Kaufmann (0. 9. 717) durch Kombinimng der
Gentianaviolettfärbung mit Saffraninfärbung, wobei die stärkere Affini-
tät des Saffranins zu den Kernen eine Kontrastirung (roth) der
letzteren gegenüber dem blau gefärbten Fibrin und den Bakterien
hervorbringt.
Zur Färbung von Schimmelpilzen, namentlich für die Haut (Epi-
dermisschuppen, Haare) empfiehlt C. Boeck folgende Methode9):
„Die Epidermisschuppen etc. werden in Alkohol und Aether ent-
fettet, dann kommen sie für eine halbe bis einige Minuten in Sahirs
Boraxmethylenblaulösung (16 Thl. 5%B.-Lös., 20 Tbl conc wäss. M.-
Bl.-Lös., 24 Tbl. aq.), hierauf '/* — 1 Min. in eine schwache wässerige
Resorcinlösung (hergestellt dadurch, dass man einige Körnchen Re-
sorcin in ein Uhrglas thut und Was3er darauf giesst). Aus der Re-
sorcinlösung bringt man die Schnitte in Alkohol für einige Minuten
bis zu 1 Stunde. In den meisten Fällen ist es dann noch nöthig,
die Epidermis zu entfärben. Hierzu bedient man sich einer schwa-
chen Auflösung von Hs0,, worin die Präparate aber nur ganz kurze
Zeit, oft nur Vi Min. bleiben dürfen. Dann wieder Alkohol, endlich
Xylol, Xylolcanadabalsam. Die Präparate sind sehr haltbar, wenn
man die Resorcinlösung verwendet44
Ueber die Behandlung und Färbung von Blutpräparaten zur Auf-
findung von Malari aplasmodien s. Plehn (7. 743).
II. Nachwels von Mikroorganismen durch die Kultur.
Zur Feststellung der Diagnose in zweifelhaften Fällen während
des Lebens ist von Garr64) die bakteriologische Untersuchung
des Blutes mittels des Kulturverfahrens gefordert worden, nachdem
er selbst zuerst bei Osteomyelitis und später v. Eiseisberg bei
jedem Wundfieber das Vorhandensein von Eitermikroorganismen in
!!
V. A. CV. 511.
Bf. F. d. M 89. 23. 915.
8) Rf. nach d. Sehwedischen ▼. Weigert. F. d. M. 88. 16. 644.
4) C. f. Schw. A. 91. 1. Ref. D. m. W. 91. 8. 60.
Di« Neuerungen d. bakteriol. Unterauefaungsmethoden Mit dem Jahre 1887. 325
demselben festgestellt hat. Zur keimfreien Entnahme des Blutes
kann man die von Francke1) empfohlene lanzettförmige Nadel,
deren Spitze durch einen Metallcylinder verdeckt ist und durch Druck
auf eine Feder vorgeschoben wird, benutzen ; ihr Vortheil beruht je-
doch lediglich darin, dass man die Tiefe des Einstosses in der Hand
hat and die Nadel den Blicken des zu Untersuchenden entzogen ist
Will man grössere Mengen Blutes gewinnen, so verwendet man ent-
weder nach Stern (9. 182) sterilisirte Schnepper und Schröpfköpfe
oder man benutzt nach 8cheurlen (O. 8. 267) unten zu einer
Spitze ausgezogene, oben etwas verengte, mit Wattepfropfen ver-
schlossene Glasröhren, welche, wenn sie entgegen der Stromrichtung
des Blutes in die Vene eingestochen werden, sich rasch füllen.
In jedem Falle müssen selbstredend die Vorschriften der Sterilisa-
tionstechnik peinlichst beobachtet werden, sei es nun, dass die Ent-
nahme aus dem lebenden Körper oder aus der Leiche erfolgt Die
betreffenden Massnahmen für die systematische Untersuchung der
letzteren hat Babes*) eingehend beschrieben. Die Sterilisirung
der bei Obduktionen und Operationen gebrauchten Metallgegenstände
erfolgt ausser durch Ausglühen oder strömenden Dampf zweckmässig
auch durch Auskochen in 1% Sodalösung, welche die anhaftenden
Keime schnell und sicher tödtet und den Ansatz von Rost verhindert
(C. Schimmelbusch8).
Eine weit ausgedehntere Verbreitung hat das Kulturverfahren
beim Nachweis pathogener und nicht pathogen er Bakterien ausser-
halb des Körpers gefunden.
Zur qualitativen und quantitativen Bestimmung der in der Luft
vorhandenen Keime haben wir den geeignetsten Apparat von Petr i *)
erhalten. Derselbe — im Anschluss an einen zusammenfassenden
Bericht über Nachweis und Bestimmung der pflanzlichen Mikroorga-
nismen in der Luft (0. 2. 113. 3. 151) kurz beschrieben — saugt mit-
tels einer Luftpumpe eine gemessene Luftmenge durch ein Filter aus
feinem Sand von etwas mehr als 0,25 mm Korngrösse, welcher nach
Beendigung der Luftdurchleitung in flachen Glasschalen mit Gelatine
übergössen wird. Das Filter wählte üffelmann*) aus Glaswolle;
ein solcher Pfropf wird nach Durchleitung der Luft in sterilisirtem
Wasser ausgespült und letzteres in Gelatine ausgesät.
Frankland0) aspirirt ein bestimmtes Volum Luft mittels einer
geaichten Handluftpumpe und leitet es durch eine mit 2 sterilen
Pfropfen versehene Glasröhre, von welchen der erste nur aus Glas-
wolle, der zweite ebenfalls aus solcher hergestellt, aber durch eine
dünne Schichte Glas- oder Zuckerpulver dichter gemacht ist [Ro-
bertson schaltet Glaspulver zwischen zwei Glaswollepfröpfe ein
(5. 806)]. Die Aussaat erfolgt in je einen Gelatine enthaltenden
1) D. m. W. 89.2. 27.
t) nr. j. b. iv. 645.
8) Arbeiten ans ▼. Bergmanns chlr. Klinik. Bd. V. S. A. 8. 81.
«) 2 f. H. III 1.
M Z. f. H. Vin. 862.
•) Z. f. H. III 287.
826 **•*»*
Kolben, an deren Innenwand der erstarrende Nfthrboden aasgebreitet
wird.
Unter anderen führt Fr. die Möglichkeit^ einer vollkommenen
Vertheilung der Mikroorganismen in der Gelatine durch das Schüt-
teln and Ober eine grosse Oberfläche als Vorzog seines Verfahrens
an. Hesse1) ist dagegen der Ansicht, dass man den Zusammen-
hang der einzelnen Luftkeime in keiner Weise stören und nur in
unverändertem, unzerkleinertem Zustande zählen soll, weil die Auf-
lösung der oft zu mehreren bei einandersitzenden Keime nicht nach
einem bestimmten Gesetz erfolgen und man deshalb niemals einen
Ueberblick über die sämmtlichen in einer gegebenen Menge Luft
enthaltenen entwickelungsfähigen Individuen bekommen könne. Meines
Erachtens ist es, wenn man einen Aufschluss sowohl über die Art,
als auch die Zahl derselben haben will, unbedingt nöthig, darnach
zu streben, die Keime möglichst von einander zu trennen und wenn
dies, wie zugegeben werden kann, auch mit den jetzigen Methoden
noch nicht in einwandfreier Weise geschieht, so kann doch in der
Zukunft noch ein verbessertes Verfahren ersonnen werden; (Strauss
und Wurtz (4. 27) z. B. sehen als solches die Durchleitung der
Luft durch verflüssigte Nährgelatine an, der sie zur Vermeidung des
Schäumens bei rascher Luftdurchleitung einen Tropfen sterilisirten
Oeles zusetzen; hierbei soll stets eine wesentlich höhere Keimzahl
als mit anderen Versuchsanordnungen gefunden werden). Die Art
und Weise, wie Frank 1 and die Keime zur Vertheilung bringt, er-
scheint, den Vortheil einer grösseren Ausbreitungsfläche selbst zuge-
geben, doch unpraktisch, weil, wie er selbst eingesteht, die mikro-
skopische Untersuchung der Kolonieen unmöglich und ihre Entfernung
mit der Platinnadel sehr schwierig ist ; mit anderen Worten, es ist
nur eine quantitative, aber keine qualitative Beurtheilung gestattet,
und das ist ein Nachtheil, der auch durch den Vorschlag des Autors,
einfach Gelatineplatten der zu untersuchenden Luft nebenbei auszu-
setzen, in keiner Weise kompensirt wird. Die Petri'sche Anord-
nung ist jedenfalls bis jetzt die exakteste ; vielleicht würde sie sieb
durch Benutzung löslicher Filter vervollkommnen lassen, wie sie nach
Pasteur vor einigen Jahren wieder Miquel (4. 496) in Anwen-
dung zog. Etwas wesentlich neues ist seit Petri's Veröffentlichung
nicht erschienen. Hinsichtlich der übrigen mitunter recht kompli-
zirten Methoden verweisen wir auf die Arbeiten von Kien er and
Aldibert*), sowie Carnelli und Wilton (5. 392), endlich auf
den Abschnitt aber die Untersuchung der Luft in Hueppe's Hand-
buch«).
Für die qualitative Prüfung der Luft auf das Vorhandensein
lebensfähiger obligater Parasiten bleibt nur der Thierversach. So
hat Rembold4) die Tuberkelbacillen in der Luft eines Phthisiker-
zimmere nachgewiesen, welche durch BaumwoUenpfröpfe während des
1) z. r. H. IV. 19.
S) J. B. IV. 58«.
8) Di« Methoden der Bakt-Forschong. Wiesbaden bei Kreidel. 5. Aufl.
8. 475.
4) J. B. V. »78.
Die Nenerangtn d. bakteriol. Untersncbniigiiiiethodeii seit dem Jahre 1887. 327
AafkehreDS aspirirt worden war. Viel empfehlenswerther ist das
schon früher von Com et (5. 248) bei seinen berahmt gewordenen
Forschungen geübte Verfahren, demzufolge der Staub von etwa 1 qm
Fläche mit feuchten, keimfreien, in sterile Pinzetten geklemmten
Schw&mmchen abgerieben wird, welche später mit Hülfe eines rollen*
förmigen, geglühten Platininstrumentes in keimfreier, zur intraabdo-
mioalen Uebertragung auf Meerschweinchen bestimmter Bouillon aus-
gelaugt werden.
Lediglich für mikroskopische Untersuchung des Luftstaubes hat
Dixon1) einen Saugapparat konstruirt, welcher der Vollständigkeit
halber hier Erwähnung finden soll. Die nähere Einrichtung und Ab-
bildung wolle im Original nachgesehen werden. Der cylinderftrmige
Apparat wird mit mehreren (7) von einander getrennten und mit
einer klebrigen Hasse (Gummi, Glycerin) überzogenen Deckgläsern
beschickt, welche der Reihe nach vor die Durchstrümungsöflfhung
der mittels Ballon aspirirten Luft gebracht werden können. D.
will damit Tuberkelbacillen im Bodenstaub eines Eisenbahnwagens in
Philadelphia gefunden haben.
Die bei der bakteriologischen Untersuchung des Wassers noth-
weudige keimfreie Entnahme bewerkstelligt Pfuhl (Gassei 0.8. 646)
mittels Glasröhren mit flachem Boden, welche theilweise luftleer ge-
macht an ihrem zur Kapillare ausgezogenen und rechtwinkelig um-
gebogenen Ende zugeschmolzen werden. Sind die Gläser durch Ab-
brechen der Spitze an der Wasserquelle gefüllt, so werden sie aber-
mals zugeschmolzen und in einzelnen Zinkblechbüchsen zusammen in
einem mit Eis gefüllten Zinkblechkasten ins Laboratorium geschickt
Die genannte Füllungsmethode analog dem Vorgange von Flügge
und Heraeus') wird von Nicati und Rietsch (8. 397) unter
Verwendung von zur Capillare ausgezogenen Reagensgläsern ange-
wendet Für die Wasserentnahme aus grosseren Tiefen, Schächten,
hatSoyka8) die ehemaligen Pasteur'schen Pipetten (Reagens-
gläschen, oben in ein engeres, stumpfwinkelig gebogenes Rohr aus-
gezogen) seitlich noch mit einem nach unten gerichteten und mit
einer kugelförmigen Erweiterung versehenen Ansatzrohr versehen.
Handelt es sich aber darum, Wasser aus Brunnen zu entnehmen in
demselben Zustand, wie es sich im Boden befindet, d. h. unter Aus-
schluss der Möglichkeit, dass an dem Pumpenrohr anhaftende Keime
in ihm enthalten sind, so muss man nach C. Fränkel (6. 81) den
Pumpenkopf vom Rohre losschrauben, beide Theile erst mit einer
langgestielten Bürste gründlich ausreiben und säubern und dann durch
Eingiessen mehrerer Liter einer konzentrirten Schwefelkarbolsäure-
mischnng desinfiziren ; letztere verschwindet ziemlich rasch im Grund-
wasser. Auf diese Art konnte der genannte Forscher den Nachweis
to Keimfreiheit des Grundwassers liefern. Die Aussaat des ent-
nommenen Wassers wird noch allgemein in der bekannten Weise auf
Platten oder Rollplatten gemacht und braucht man dazu nicht eines
%
TU tforap€ntic Gas. 90. 5. 808.
Z. f. H. I. »01.
S) D. m. W. 88 48. 875.
828 8chutiimpfangt kfinttl. Infektionskrankheiten, Entwickelongshemmnng ete.
umständlichen Apparates, wie ihn Arloing (5. 257) angab, der
obendrein nicht einmal ein wandsfreie Resultate liefert. Nach Mag-
gi l) soll man nur Nährböden benutzen, welche keine bu hochgra-
digen und langdauernden Erhitzungsprozesse durchgemacht habe»,
da solche ihre Zusammensetzung derart veränderten, daas sie für
verschiedene Mikroorganismen kein günstiges Substrat mehr abgaben.
Die Befunde, auf welche Maggi seinen Vorschlag basirt, klingen
etwas auffallend, z. B. soll Liebig 'sehe Bouillon auf 125° durch
20 Min. erhitzt und dann bei einer Aussentemperatur von 24— 27 •
gehalten, Oberhaupt ganz immun gegen die Entwickelung von Luft-
keimen geworden sein; hier wäre eine Nachprüfung erwünscht, um
diesen meines Wissens noch von niemand erhobenen Einwand richtig
stellen zu können. Die Rollplattenmethode hat Hesse unabhängig
von v. Esmarch zur quantitativen Bestimmung der Keime in Flüs-
sigkeiten mit grösseren Gläsern und unter Vermeidung einer Be-
netzung der Wattepfropfen mit Gelatine in Anwendung gezogen. In
den Fällen, wo in Folge ausgedehnter oder zahlreicher verflüssigender
Bakterien die gewöhnliche Koch 'sehe Platte angezeigt ist, kann man
die Kolonieen dadurch an weiterer Ausbreitung verhindern, dass man
nach H. ihren flüssigen Theil mittels einer langen gebogenen Glas-
capillare absaugt und durch eine desinfizirende Flüssigkeit, z. B.
Sublimatlösung, die später wieder entfernt werden kann, ersetzt;
bei Gegenwart sehr zahlreicher Keime soll man die zur Untersuchung
bestimmte Flüssigkeitsmenge tropfenweise in mehrere Reagensglaser
vertheilen.
(Fortsetinng folgt.)
Schutzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten, Entwick-
lungshemmung und Vernichtung der Bakterien etc.
Sehrwald, Die Krull'sche Methode der Tuberculosen-
behandlung in ihrer thermischen Einwirkung auf die
Lunge. (Dtsch. med. Wochenschrift. 1890. No. 45 o. 46.)
Nachdem durch Mosso, Rondelli, Sehrwald und Nykamp
nachgewiesen worden ist , dass die H a 1 1 e r - We i g e r t ' sebe
Methode der Tuberculosenbehandlung durch Einathmung heisser
trockener Luft unter irrigen Voraussetzungen empfohlen wurde und
einen Heilwerth überhaupt nicht besitzt, hat Krull versucht, statt
der trockenen Luft heisse Wasserd&mpfe anzuwenden. Er glaubt,
diese wirklich warm in die Lunge einfahren zu können, da in Folge
des Wassergehalts der Dämpfe die bei Anwendung von Trockenlät
entstehende Abkühlung durch Verdunstung der Schleimhautfeuchtig-
keit hier in Fortfall kommt. Er war ferner der Ansicht, dass die
1) j. b in. 472.
Sehotampfimg, kflnttl. Infektionskrankheiten, EntwickelongthemmuDg etc. 329
Wirkung der heissen Dämpfe weniger in unmittelbarer Desinfektion
der Luftwege, als in einer Erhöhung der Widerstandskraft der Ge-
webe besteht, insofern eine durch die Wärme bedingte Erweiterung
der Kapillaren die Ernährung der Lungen fördere, die Resorption
der pathologischen Produkte beschleunige, zu reaktiver Bindegewebs-
and Gefässwucherung anrege und den respiratorischen Austausch von
Sauerstoff und Kohlensäure vermehre. Krull legte deswegen auf
sehr hohe Temperaturen der Dämpfe auch keinen Werth und be-
gnügte sich mit der Einführung einer auf 43—44° erwärmten feuchten
Luft. Er will in der That von dieser Behandlung so günstige Er-
gebnisse gesehen haben, dass er sie zur allgemeinen Kenntniss zu
bringen für angezeigt hielt. (Berlin, klin. Wochenschr. 1888. S.787,
1889. & 607).
Sehrwald hat nun die Krull'sche Methode in ähnlicher
Weise wie früher das Halter-Weigert'sche Verfahren (vgl Re-
ferat in dieser Zeitschrift Bd. \I1I. No. 15) geprüft, um auch jener
gegenüber den Nachweis zu führen, dass ihre theoretischen Voraus-
setzungen unrichtig sind und dass ihr ein praktischer Werth nicht
zukommt Verf. sieht zunächst in der Annahme, dass eine erhöhte
Blutzafuhr zu einem Organe dessen Ernährung begünstigt, und dass
eine vermehrte Sauerstoffaufnahme seitens des Blutes die Verbrennung
fördert, Trugschlüsse, er findet aber vor Allem den Beweis durch
Kroll nicht erbracht, dass seine Wasserdämpfe wirklich warm in
die Lunge kommen.
Indem S e h r w a 1 d bei seinen Versuchstieren die Temperatur der
Lungenluft durch Thermometer bestimmte, welche er luftdicht in die
Pleurahöhle einführte, wies er nach, dass eine beträchtliche Erhöhung
der Lungenlufttemperatur sich allerdings durch Einathmung von heissen
Wasserdämpfen unmittelbar in die Trachea erreichen lässt, dass in
diesem Falle aber zugleich die allgemeine Körpertemperatur rasch
und bedeutend steigt, dass die Respirationsfrequenz dabei bedeu-
tend zunimmt, und dass Dämpfe von einer Temperatur über 56°
von der Trachea überhaupt nicht mehr vertragen werden. Bei
Einathmung heisser Dämpfe durch Mund und Nase
sah Sehrwald eine Erhöhung der Lufttemperatur in
den Lungen nicht eintreten, eine Thatsache, welche seiner
Meinung nach durch die gleichzeitig erfolgende Verlangsamung der
Respiration erklärt wird. Diese, so nimmt er an, gestattet den Däm-
pfen, schon im obersten Abschnitt der Luftwege einen grossen Theil
ihrer Wärme abzugeben, welche dann durch Vermittelung der ober-
flächlich gelegenen Halsvenen seitens des Körpers wieder der Aussen-
lnft zugeführt wird, und sie gewährt zugleich den überhitzten Schleim-
häuten Zeit, sich durch das vorbeiströmende Blut abzukühlen.
Nach Sehrwald vermag „die Krull'sche Methode die Tem-
peratur der Lungenluft nicht zu erhöhen, ebensowenig ihren Wasser-
gehalt. Der ihr zugeschriebene Einfluss auf die Ernährung der
Lungen und die pathologischen Prozesse und Produkte ist somit rein
hypothetisch. Eine Desinfektion der Luftwege oder Lungen ist durch
diese Einathmungen erst recht unerreichbar44. Kubier (Berlin).
330 SchuUimpfung, kftnitl. Infektionskrankheiten, Kntwickdangthenunung etc.
Plesser, Ein neues wirksames Heilverfahren bei pro-
gressiver Lungen- und Organtuberculose. 8°. 56 S.
Berlin (Heuser's Verlag) 1891.
„Es gibt einen gesetzmässig therapeutischen Weg, auf welchem
tuberculose, im letzten Stadium ihrer Krankheit sich befindende Pa-
tienten zunächst das Leben fortsetzen und weiterhin auf demselben
zu einer relativen Heilung geführt werden können44. — So fingt die
Brochüre an. Und dieser Weg ist, den kranken Organismus zuerst
mit Kupfer saturiren, dann mit Chinin sättigen, und während der
ganzen Zeit eine vom Verf. genauer angegebene hydriatische Behand-
lung durchmachen. (Das Kupfer und auch das Chinin sollen dann
antibakteriell wirken!) Auf die näheren Details dieses „Heilverfah-
rens44 können wir an dieser Stelle nicht eingehen. Es sei nur noch
aus dieser mit hochgehenden theoretischen Erörterungen geschmück-
ten Broschüre das erwähnt, dass Verf. mit dieser Methode sich selbst
von einer angeblichen Gehirntuberculose geheilt haben will
Tangl (Tübingen).
Foä, P., Una esperienza negativa sulla immunitä per
la tuberculosi. (Gazzetta med. di Torino. LXIL fasc. 9.)
Die Ansicht Ch. Richet's, das Blut gegen eine bestimmte In-
fektion refraktärer Thiere könne namentlich nach vorausgegangener
Inokulation des diesbezüglichen Giftes Thiere, welche für dieselbe In-
fektion empfänglich sind, immun machen, scheint nicht allgemein giltig
zu sein. Verf. verimpfte einem Huhne ein Stück tuberculöser Meer-
schweinchenmilz und entnahm ihm 8 Tage darauf 6 ccm Blut, de-
fibrinirte und injizirte dasselbe intraperitoneal einem jungen Meer-
schweinchen von 300 g Gewicht. Denselben Vorgang wiederholte er
noch fünfmal, so dass dem Meerschweinchen im Ganzen 30 ccm Blut
des Huhhes injizirt wurden. Nach einem Monate wurde das Hahn
getödtet und ergab die Autopsie weder eine Spur von Tuberculose,
noch vom verimpften Milzstück. Drei Tage nach der letzten and
dreizehn Tage nach der ersten Injektion wurde dem Meerschwänehen
ein von einem zweiten Meerschweinchen entnommener Tuberkelknotefl
subkutan eingeimpft und das Thier drei Wochen darauf getödtet
Dasselbe war voll von frischen Tuberkelknötchen, wie die keiner vor-
bereitenden Behandlung unterworfenen Eontrollthiere.
Kamen (Czernowitz).
Chiari, H., Ueber den pathologisch-anatomischen Be-
fund in drei mit Koch'schen Injektionen behan-
delten Fällen von schwerer Lungentuberculose.
(Prager medizinische Wochenschrift 1890. No. 53.)
Im 1. Falle fiel bei makroskopischer Betrachtung gegenüber an-
deren gleich ausgebreiteten Fällen von chronischer Tuberculose die
Konsistenzvermehrung des Lungengewebes um die tuberculosen Er-
krankungsherde, der rein eiterartige Inhalt der Kavernen und die
Injektionsröthung der tuberculosen Darmgeschwüre auf.
Besonders hebt Verf. auf Grund mikroskopischer Untersuchungen
an allen tuberculosen Erkrankungsherden die sehr starke Leuko-
SchuUunpfting, kttnttL Infektionskrankheiten, EDtwickelungshemmang etc. 331
cytenansammlung, an den Lungenherden die beträchtliche fibrinöse
Exsudation in der Umgebung, an den Lungenherden und Darmge-
schwüren die Hyperämie resp. Blutung und endlich in den Lungen-
herden und Darmgeschwüren auch die Vertheilung der Tuberkel-
bacillen hervor, insofern die letzteren in den Lungen-
herden regelmässig im Lumen der Bronchien, im
Darme gegen den Geschwürsgrund zu merkwürdig
reichlich angesammelt waren.
Verl nimmt an, dass es sich hier um eine abnorm intensive,
exsudative Entzündung in der Umgebung der tuberculosen Herde
and, da sich intra vitam nach der Injektion die Zahl
der Tuberkelbacillen im Sputum bedeutend vermehrt
hatte, vielleicht auch um eine mit der exsudativen Entzündung im
Zusammenhange stehende exsudative Ausstossung der Tuberkelba-
cillen, wenigstens im Bereiche der Lungen und des Darmes, gehandelt
haben mochte.
Analog dem erwähnten Befunde des 1. war auch jener des
2. Falles.
Im 3. Falle fand sich ebenfalls stärkere fibrinöse Entzündung
uod stellenweise ausgedehnte hämorrhagische Infiltration um die
tuberculosen Lungenherde, welche Verf. als Ausdruck einer durch
die injizirte Substanz erzeugten Kongestion um die tuberculosen
Erkrankungsherde ansehen möchte. Dittrich (Prag).
Chiari, H. , Weitere pathologisch-anatomische Mit-
theilungen über mit Koch'schen Injektionen behan-
delte Fälle von Tuberculose. (Prager medizinische Wochen-
schrift. 1891. No. 9.)
Bericht über 17 Fälle.
In 7 Fällen konnten bei der Sektion überhaupt keine auffälligen
anatomischen Befunde konstatirt werden, welche diese Tuberculosen
von anderen nicht injizirten Tuberculosen unterschieden hätten.
Theils war in diesen Fällen überhaupt keine Reaktion aufgetreten,
theils waren die Reaktionserscheinungen bereits wieder verschwunden.
In 5 Fällen von schwerer Lungentuberculose waren bedeutende
reaktive Veränderungen um die tuberculosen Erkrankungsherde in
den Lungen zu konstatiren und zwar Hyperämie, Hämorrhagie, fibri-
nöse oder mehr eiterige Pneumonie, Erscheinungen, welche relativ
lange Zeit nach der letzten Injektion noch persistiren können. Auch
an anderen tuberculosen Erkrankungsherden fanden sich in diese*
Fällen ausgesprochene reaktive Veränderungen.
In zwei chirurgischen Fällen war es in der umschriebenen tuber-
culosen Lungenaffektion zu sicherer Reaktion gekommen, namentlich
aber an den chirurgischen Lokaltuberculosen, indem die Injektions-
behandlung einmal eine pericöcale Eiterung und Jauchung, ein an-
deres Mal ulcertsen Durchbruch einer Coxitis in das Rectum bewirkt
hatte.
In einem Falle von chronischer Allgemeintuberculose musste die
Möglichkeit der reaktiven Bedeutung einer frischen Pleuritis zuge-
geben werden.
382 ScbuUimptang, kanstl. Infektionskrankheiten, Entwickelangsneffimnng etc.
Aach entschieden kurative Veränderungen werden vom Verl
hervorgehoben, unter denen hier besonders die wiederholt beobachtete
exsudative Ausstossung der Tuberkelbacillen in das
Lumen der Bronchien und an die Innenfläche der
tuberculosen Darmgeschwüre erwähnt werden mag.
In keinem Falle konnte eine Beeinflussung des Decureos der
chronischen Tuberculose durch die Injektionen in dem Sinne nach-
gewiesen werden, dass etwa in Folge der Injektionen die chronische
Tuberculose raschere Fortschritte gemacht oder besondere Formen
angenommen hätte. Dittrich (Prag).
Znügradskl, Ein kasuistischer Beitrag zur Heilbarkeit
der Pvämie. (St. Petersburger medic. Wochenschrift. 1890.
No. 47.)
Zum Beweise dafür, dass die Pyämie durch die Fortschritte in
der Wundbehandlung keineswegs ausgerottet ist, dass indessen an-
dererseits Heilung bei widerstandsfähigem Körper des Kranken
durch richtige und energische chirurgische Behandlung aller zu-
gänglichen Abscesse erreicht werden kann, erzählt Zmigradski
seine eigene Krankengeschichte. Er hatte sich bei der Inzision
einer erysipelatösen Phlegmone infizirt und ein Panaritium am linken
Daumen zugezogen. Obwohl dasselbe kunstgerecht mit energischen
Einschnitten behandelt wurde, erfolgte ohne Vermittelung von Lymph-
angitis oder Lymphadenitis eine Allgemeininfektion des Körpers.
Es kam mehrfach zu Lungeninfarkten, zu Empyem, zu Nierenin-
farkten mit paranephritischem Abscess und zu periostealen Ab-
scessen mit Nekrose an den Unterschenkelknochen, so dass der Reihe
nach die Thorakocentese, die Nephrotomie und die Entfernung der
Sequester nothwendig wurde. Verf. glaubt seine Wiederherstellung
der vis medicatrix naturae sowohl wie der vorzüglichen ärztlichen
Behandlung und der sorgsamen Krankenpflege, welche ihm zu Theil
wurde, verdanken zu müssen. Kubier (Berlin).
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Tubcrkelbaeilras, p. 819.
TJntersuehungsmethoden, Instrumente etc.
Helm, L , Die Neuerungen auf dem Gebi«ta
der bakteriologischen UntersuchungsB«-
thoden seit dem Jahre 1887. (Orig i
(Fortsetsung), p 828.
8chutaimpfung , kunstliche Infektiaw-
Ohiari, H., Ueber den pathologiseh-uftto-
miaehen Befund in drei mit Koch'schen
Injektionen behandelten Flllen von tchwt»
rer Lungentuberkulose, p. 830.
, Weitere pathologisch -eoatoaii*cb«
Mittheilungen Ober mit Koeh'seben In-
jektionen behandelte Falle von Tuben*-
lose, p. 881.
Foi, F., Una eeperiensa negativa sali* im-
munitk per la tuberculosi, p. 880.
Plnuer, Ein neues wiiksamet HeUverfahrw
bei progressiver Lungen- und Organ»*
berculose, p. 880.
Behrwald, Die Kruirsche Methode der Tu-
berculosenbehandlung in ihrer tbersu-
sehen Einwirkung auf die Lange, P- M*
Zmigredski, Ein kasuistiseber Beitieg iv
Heilbarkeit der Pyimie, p. 882.
Litteratur, p. 882.
> B»«fcdtMkt— I (H<
Fo*U)lnJ«
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
Geb. M. Prot Dr. Leuckart ni Mecor Dr. Loefller
in Ldpdf in Gralfrwald
herausgegeben von
Dr. O. Uhlworm in Cassel.
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
X. Band« -o- Jen», den 26. September 1891. -o- No. 11«
Preis Ar den Band (26 Hummern) 14 Hark.
Jährlich erscheinen swei Binde.
— »| Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten. |*-
Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Parasiten'
künde" richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wünsche um Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Auf-
sätze entweder bei der Einsendung der Abhandlungen an die
Redaktion auf das Manuskript schreiben zu wollen oder spä-
testens nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an
den Verleger 9 Herrn Gustav Fischer in Jena, gelangen zu
bissen. Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
eingehende Wünsche berücksichtigen zu können*
Original -Mittheilungen.
Heber die Nomenclatur der schützenden Eiweisskörper.
[Aus dem Cambridge Pathological Laboratory.]
Von
E. H. Hankin,
Fellow of 8t. John's College Cambridge.
Auf jeder neuen Bahn wissenschaftlicher Entdeckung ist es nö-
tbig, dass früher oder später eine allgemein anerkannte Nomenclatur
eingeführt wird. Geschieht dies zu früh, so kommt es oft vor, dass
die Nomenclatur für spätere Entdeckungen gar nicht stimmt, wird
sie aber zu spät eingeführt , so mag sie wohl Genauigkeit besitzen,
338 Hankin,
ist aber oft von Unklarheit im Gebrauch begleitet Ich möchte nun
eine Nomenclatur für die verschiedenen schützenden Eiweisskörper
vorschlagen, die hoffentlich beide Gefahren beseitigen wird.
Unter „schützende Eiweisskörper" verstehe ich die Eiweisskörper,
durch welche der Organismus sich gegen Bakterien schützt, mögei
sie in künstlich immunen oder in normalen Thieren vorkommen. Die
Versuche von Ogata1), Tizzoni und Cattani*) und auch die
meinigen3) lehren, dass die schützenden Eiweisskörper fermentahn-
liehe Globuline sind. Diese Thatsache per se genügt, um zu be-
weisen, dass eine Klassifizirung, welche auf den chemischen Eigen-
schaften beruht, bei dem gegenwärtigen Stande unseres Wissens kaum
befriedigend sein kann. Vielleicht haben einige grössere Stabilität
als andere: einer mag alkalisch reagiren4), und so eine chemische
Verschiedenheit zeigen. Solche Eigenschaften aber zeigen keine gute
Basis für die Klassifizirung, und es erscheint mir daher nöthig, dass,
bevor man eine chemische Klassifikation feststellt, nicht nur eine viel
genauere Präzisirung der chemischen Eigenschaften dieser Körper,
sondern vor allen Dingen auch ein bedeutender Fortschritt in unserer
Kenntniss von den Globulinen überhaupt erworben sein muss.
Für eine physiologische Klassifizirung ist das aber nicht der
Fall. Schon kennen wir tiefgreifende physiologische Unterschiede
zwischen verschiedenen schützenden Eiweisskörpern — Unterschiede,
auf welche eine Klassifizirung leicht begründet werden kann. Von
diesem Gesichtspunkte sind die schützenden Eiweisskörper zu unter-
scheiden, sowohl betreffs des Ursprungs, wie der physiologischen Lei-
stung. Einige kommen in normalen Thieren vor und stehen wahr-
scheinlich in Beziehung zur natürlichen Immunität Die übrigen finden
sich bei einem Thiere, das eine Schutzimpfung überstanden hat, und
scheinen ähnlicher Weise einen causalen Zusammenhang mit der er-
langten Immunität zu besitzen. Für diese zwei Hauptklassen der
schützenden Eiweisskörper möchte ich die Namen „Sozine" und „Phy-
laxine" empfehlen6).
Ein Sozin ist ein schützender Eiweisskörper, der in normalen
Thieren vorkommt und wahrscheinlich dieselben gegen viele verschie-
dene Bakterien schützt Durch meine Arbeiten sind die Sozine von
Hunden, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen und Ratten bekannt '),
1) „Ueber die bakterienfeindliche Substana des Blutes«1. (Centralblatt f. Bakterio-
logie u. Parasitenkunde. Bd. IX. 1891. Mai. S. 699.)
2) „Ueber die Eigenschaften des Tetanus-Antitoxins". (Dieses Centralblatt. Bd. ß.
1891. Mai. 8. 685.)
8) „On a bacteria-killing globulin". (Proceedinga of the Royal Society of tondon.
Bd. XLVIIL 1890. Mai. S. 93.) — „On the oonflict betweeo the organism and the
mferobe". (British Medical Journal. Juli 12. 1890. — s. Ref. in diesem Centrtlblatt
Bd. IX. S. 820.)
4) „Ueber den schulenden Eiweisskörper der Ratte'1. (Dieses Centralblatt. B<L I*\.
1891. Mars. S. 836 u. 372.) Der sebütsende Eiweisskörper der Ratte unterscheidet sich
▼on anderen Globulinen, indem er eine alkalische Reaktion gibt. Die schüttenden Ei-
weisskörper von Hund, Katse, Kaninchen und Meerschweinchen haben nach meinen
Versuchen keine solche Reaktion.
5) Soain von ogS(civ su bewahren, Phylazin von (pvXaJcw in schfitaen.
6) Loc. cit.
Ueber die Nomenclatur der schützenden Eiweisskörper. 339
während Ogata1) mit den Sozinen der Hunde und Frösche gearbei-
tet hat.
Ein „Phylaxin" ist ein schützender Eiweisskörper, der in einem
Thiere vorkommt, das Immunität künstlich erworben hat. Im Gegen-
satz zu dem Sozine scheint ein Phylaxin seinen Besitzer nur gegen
eine einzige Krankheitsursache zu schützen. Das einzige bis
jetzt bekannte Phylaxin ist das Tetanus- Antitoxin von Tizzoni und
Cattani*), und durch Analogie kann man erwarten, dass eine
ähnliche Globulinart im Blute von Diphtherie - immunen Kaninchen
vorhanden ist*).
Augenblicklich kann man nicht mit Sicherheit behaupten, in
welchem Theile des Körpers Sozine und Phylaxine vorkommen.
Nach meinen Versuchen (ich werde diesen Punkt unten weiter er-
läutern) scheinen die Sozine (während des Lebens 1) in den Zell-
körpern zu sein, während nach Tizzoni und Cattani die Phylaxine
zum grössten Theil in den thierischen Flüssigkeiten gelöst sind.
Es ist möglich, dass ein weiterer Unterschied zwischen diesen zwei
Hassen von schützenden Eiweisskörpern zu finden ist
Es scheint mir rathsam, eine weitere Spaltung dieser zwei Klassen
vorzunehmen, und zwar auf Grund der physiologischen Wirkung dieser
Körper. Die von mir bearbeiteten Sozine haben bakterientödtende
Eigenschaften. Bis jetzt habe ich von keiner bakteriengiftzerstören-
den Wirkung berichtet. Tizzoni und Cattuni andrerseits haben
einen Stoff entdeckt, der ein Beispiel von einem giftzerstörenden
Phylaxin darstellt Selbstverständlich könnte es bakterienzerstörende
Phylaxine und auch bakteriengiftzerstörende Sozine geben. Zum
Beispiel hat Gamalei'a4) gefunden, dass Kaninchen - Serum und
in grösserem Grade ein Milzextrakt dieses Thieres das Vermögen
besitzen, das Gift von Vibrio Metschnikowi zu zerstören.
Gegen diesen Mikroben ist das Kaninchen von Natur aus immun.
Es scheint also sich hier um eine Substanz zu handeln, die im nor-
malen Thier vorkommt und eine bakteriengiftzerstörende Wirkung
ausübt. Diese Substanz würde, wenn sie ein Eiweisskörper ist, als
ein Sozin betrachtet werden können.
In ähnlicher Weise ist man geneigt zu denken, dass ein bak-
terieotödtendes Phylaxin in der „Heilflüssigkeit" von Emmerich
and Mastbaum6) vorhanden ist. Diese Forscher haben gefunden,
d&ss das Serum eines gegen Schweinerothlauf immunen Kaninchens
und auch ein Extrakt von den Organen eines solchen Thieres eine
Heilwirkung auf diese Krankheit ausüben kann. In diesem Fall scheint
«, dass die Heilung durch eine bakterientödtende Wirkung hervor-
1) Loe. cit
2) Loa cit.
3) Behring und Kitas sto, „Ueber das Zustandekommen der Diphtherie-Im-
nonitit und der Tetanus-Immunität bei Thieren." (Deutsche Med. Woch. 1890. Dec.
s<>- 49. S. 1118.) Siehe auch G. und F. Klemperer, Berliner klinische Wochen-
schrift 1891. Aug 24 und 81.
4) Semaine IKdicale. 1890 nnd Ret dieses Centralblatt Bd. IX. S. 452.
5) „Die Ursache der ImmunitÄt, die Heilang von Infektionskrankheiten , speziell
4* Bothlanfes der Schweine nnd ein neues Schutiimpfungsyerfahren gegen diese Krank-
heit". (Archiv für Hygiene. 1891.)
22*
340
Hank in, üeber die Nomenclatur dar schützenden Eiweisskörper.
gerufen ist Ohne Zweifel ist diese Wirkung mit der Gegenwart einer
bakterientödtenden Substanz verbunden, und wie im vorigen Fall
empfiehlt die Analogie zu glauben, dass dieser Stoff ein Phylaxin ist
Die Phylaxine und auch die Sozine können also entweder bak-
terienzerstörend oder bakteriengiftzerstörend wirken. Ich denke, es
wird erforderlich sein, auf diese Eigenschaften zwei Unterklassen zu
gründen. Wie die schützenden Eiweisskörper nach ihrer Entste-
hungsweise in Sozine und Phylaxine getrennt sind, so kann man
nach ihrer physiologischen Wirkung sowohl Sozine als auch
Phylaxine in zwei Unterklassen theilen. Diese Unterklassen können
bequem durch die Praefixe Myko- und Toxo- bezeichnet werden,
Myko sollte eine bakterientödtende Wirkung, Toxo- eine giftzereto-
rende Wirkung anzeigen. So ist z. B. ein Toxosozin l) ein Sozia
das ein Gift zerstört, ein Mykosozin aber ein Sozin, das Bakteriell
vernichtet
Diese Eintheilung erhellt aus dem folgenden Schema:
Mykososine
» Sosine, welche di|
Bakterien zerstören.
Z. B. alkalisches Glo
bulin der Ratte on<
gewisse neutral reagi
rende Globaline ande
rer Thiere (Hank inj
Sosine
= Schütsende Eiweiss-
körper, die im norma-
len Thiere vorkommen.
Schütsende Ei-
weisskörper
es Eiweisskörper, mit
welchen der Organis-
mus sich gegen das
Eindringen von Mikro-
ben schützt.
Phylaxine
■s Schützende Eiweiss-
körper, die in Tbieren
vorkommen , welche
durch künstliche Mittel
Immunität erworben
haben.
Toxososine
■= Sosine, welche di
Bakteriengifte unschid
lieh machen. Z. B. imKi
ninchen- Serum, welch«
das Vibrio Metsch
nikowi-Oift serstöi
(Gamaleia).
Mykophy laxine
= Phylaxine, weld
die Bakterien zerstört
Z. B. im künstlich
munen Kaninchen,
die Schweinerothli
Bacillen tödtet (Em
merich n. di Mat
tei).
I
Toxo phylaxine
=* Phylaxine, die Ba|
teriengifte zerstören.
Z. B. Tetanus-Antitoii
von Tizzoni ao
Cattani.
1) Togo« = Pfeilgift.
jmX^ = Pilz (cf. Schisomycetes).
(Schlnss folgt.)
Fiedel er, Ueber die Brustseuche im Koseier Landgeatüte. 341
Ueber die Brnstseuche im Eoseier Landgestüte und über
den Krankheitserreger derselben.
Von
Dr. Fiedeler,
Kreisthierarst in Breslau.
(Forteetsung.)
Von den eingegangenen Hengsten wurden von mir 8, and von
meinem Nachfolger, dem Herrn Kollegen Richter, welcher in liebens-
würdiger Weise seine Leichenöffnungsbefunde mir zur Verfügung
stellte, 5 geöffnet und untersucht, und dadurch folgender Thatbestand
festgestellt:
1. Die mortifizirende Lungenentzündung fehlte niemals ganz,
6mal trat sie durch umfangreiche Erkrankung beider Lungenflügel
in den Vordergrund. In den übrigen Fällen beschränkte sie sich auf
eine Longe und in 3 Fällen auf mehr oder weniger zahlreiche pneu-
monische Herde. Mit Vorliebe waren die Vorderlappen und die
unteren Abschnitte der Lungen ergriffen.
2. Brustfellentzündung fehlte zweimal gänzlich, fünfmal war ihre
Verbreitung auf eine Seite beschränkt Sie war immer serös-fibrinöser
Art In 2 Fällen hat sie durch hochgradige Brustwassersucht den
Tod herbeigeführt. - Es wurden in einem Falle mehr wie 20 Liter
Transsudat mit umfangreichen, fast handdicken Faserstoff-Gerinnseln
aufgefunden.
In einem Falle war durch den Durchbruch einer Kaverne in die
Brusthöhle Pleuritis und Sepsis pulmonum entstanden, welcher Vor-
gang schon zu Lebzeiten des Thieres mit ziemlicher Sicherheit fest-
gestellt werden konnte. Bereits 3 Stunden nach dem Tode war
Fäulniss an der betreffenden Leiche eingetreten , * auf dem Blute
schwammen zahlreiche, drehrunde, zum Theil mit einem tiefgelben Rande
äftgefasste, hellgelbe Scheiben — Fetttröpfchen — , die mit zahlreichen
Buckeln versehene Milz knisterte beim Bestreichen und war 85 cm
lang und — an der breitesten Stelle — 30 cm breit
3. Hochgradige Myo- und Endocarditis bildeten ständige Begleit-
erscheinungen und standen 7mal in dem Vordergrunde. Viermal war
damit eine Pericarditis und einmal „Hydrops pericardii" verbunden.
4. Ebenso waren die grossen Parenchyme ständig mit erkrankt
und fast immer in hochgradiger Weise, besonders die Milz und die
Nieren.
5. Umfangreiche hämorrhagische Dickdarm- und Magenentzündung
worden 6mal, und eine hochgradige Myositis 4mal festgestellt
Die Krankheitsdauer belief sich in den tödtlichen Ausgängen
durchschnittlich auf 71/* Tage, die kürzeste dauerte 24 Stunden, die
längste 11 Tage.
Zur Auffindung des Krankheitserregers wurden nun folgende
Versuche ausgeführt:
342 Fiedeler,
1. Versuchsreihe.
Am 15. Dezember 1890 starb an den Folgen der Brustseuche
der Deckhengst „Nabob ,u und standen Septikämie und beiderseitige
mortifizirende Lungenentzündung in dem Vordergrunde der anatomi-
schen Krankheitserscheinungen. In den aus den nekrotischen Herden
an dem Todestage angefertigten und mit Fuchsin oder Methylenblau
gefärbten Ausstrichpräparaten fanden sich unter dem Mikroskope
zahlreiche ovoide Bakterien, welche meistens allein, häufig zu zweien
lagen — sog. Diplokokken — und in seltenen Fällen mit einem ge-
färbten oder ungefärbten Hofe umgeben waren.
Hierauf wurden zur Gewinnung von Reinkulturen in folgender
Weise Platten angelegt:
Nachdem die Lungenoberfläche mit einer schwachen Sublimat-
lösung abgewischt war, wurde mittelst eines ausgeglühten Messers
durch eine hepatisirte Stelle ein senkrechter Schnitt und darauf -
von dieser Schnittfläche aus — mittelst eines anderen ausgeglüh-
ten Messers ein Querschnitt gemacht Aus einem, auf dieser zweites
Schnittfläche zu Tage tretenden nekrotischen Herde wurde mittelst
eines sterilisirten Kneifers ein hirsekorngrosses Stückchen entnommen
und in einem, mit erwärmter Gelatine angefüllten, sterilisirten Röhr-
chen verrieben. Nachdem das Röhrchen mehrere Male vorsichtig hia
und her bewegt worden war, wurden von seinem Inhalte 10 Oesa
voll in ein anderes Gelatine-Röhrchen und von diesem wiederum 10
Oesen voll in ein drittes Röhrchen übertragen und darauf der Inhalt
in je eine sterilisirte Glasplatte gegossen.
Mittelst eines auf dieselbe Weise gewonnenen nekrotischen
Lungenstückchens wurden am linken Ohre Kaninchen 1 und übt?
der Schwanz wurzel mittelst eines Milzstückchens Kaninchen i
geimpft.
Kaninchen 1 war mehrere Tage lang schwer erkrankt, die Ohr-
muschel war heiss und hing schlaff herunter, Mastdarmtemperatur
stand nahe auf 40; grosse Athembeschwerde. 5 Tage nach der
Impfung war das Thier wieder völlig gesund.
Kaninchen 2 war einen Tag nach der Impfung hochgradig er-
krankt, hatte über 40 innere Temperatur, Athembeschwerde, geringe
Fresslust, und nach 6 Tagen war — unter schlafsüchtigen Krank-
heitserscheinungen — der Tod eingetreten.
Leichenöffnung: Das Unterhautbindegewebe in der Umgebung der
Impfstelle ist wässerig durchtränkt, die Flankendrüsen geschwollen
Die grossen Parenchyme sind vergrössert und getrübt, in der Leber
zahlreiche embolische Herde.
In den aus dem Impfserum und der Milzpulpa gewonnenen und
gefärbten Ausstrichpräparaten fanden sich unter dem Mikroskope
zahlreiche ovale Bakterien, häutig in Diplokokkenform und mit einer
Kapsel umgeben. Daneben einzelne, mit Bakterien vollgepfropfte
Leukocyten.
Am 22. Dezember 1890 wurden aus dem Herzen und der Leber
von Kaninchen 2 je 3 Platten in folgender Weise angelegt:
üeber die Brasteeuche im Koseier Landgestüte. 343
Mittelst eines ausgeglühten Kneifers wurde das frisch aus der
Brusthöhle genommene Herz erfasst, darauf mit einer ebenfalls aus-
geglühten Scheere mit einem Schnitte die Herzspitze abgeschnitten
und mit einem sterilisirten Platindrahte eine Oese voll Blut aus der
Herzkammer entnommen und damit 3 Platten in der beschriebenen
Weise besät
Die Aussaat aus der Leber geschah durch ein, mittelst eines
Doppelscbnittes gewonnenes Leberstückchen.
Ein anderes, ebenso gewonnenes Leberstückchen wurde Maus 1
in eine über der Schwanzwurzel mittelst eines Querschnittes ge-
bildete Hauttasche geschoben. ,
Am Tage nach der Impfung war Maus 1 traurig und athmete
beschleunigt, das Haar war gesträubt, die Augen geschlossen.
Am 27. Dezember war unter schlafsüchtigen Krankheitserschei-
nungen der Tod eingetreten.
Leichenöffnung: Die Impfstelle wässerig durchtränkt, die grossen
Parenchyme vergrössert, die Schnittfläche derselben trübe.
In dem Blute wurden wenige, in der Impfflüssigkeit — ausser
fremden — zahlreiche der angegebenen Bakterien nachgewiesen.
Aas der Milzpulpa wurden in der angegebenen Weise am
28. Dezember 3 Platten angelegt.
In diesen Platten, wie auch in den von Kaninchen 2 gewonnenen
Herzblutplatten1), welche in Zimmertemperatur aufbewahrt, aber
einigemale geschmolzen waren, weil sie zu nahe am Ofen gestanden
hatten, fanden sich am 5. Tage in den Originalplatten zahlreiche
Kolonieen, welche in Haufen oder kettenförmig aneinandergereiht
lagen. In der Mitte dieser Haufen waren die Kolonieen nahe an-
einandergerückt, an manchen Stellen zusammengelaufen, meistens aber
war noch mit dem Vergrösserungsglase ein deutlicher Zwischenraum
erkennbar.
Am Rande waren die Kolonieen und auch die Zwischenräume
In den Verdünnungsplatten waren die Haufen und Ketten ent-
sprechend kleiner und weniger zahlreich. Eine Verflüssigung der
Gelatine war nicht eingetreten.
Unter dem Mikroskope — bei hundertfacher Vergrösserung —
erschienen die Kolonieen als kleine, unregelmässig geformte, meistens
in die Länge gezogene, fein granulirte Gebilde von verschiedener
Grösse und grauer Färbung.
In den aus diesen Kolonieen angefertigten und gefärbten Aus-
strichpräparaten fanden sich Reinkulturen von Bakterien, welche in
Bezug auf äussere Form sich von den vorhin beschriebenen nicht
unterscheiden Hessen.
Hierzu bemerke ich, dass die eben beschriebene Vertheilung und
Form der Kolonieen immer dann beobachtet wurde, wenn die Gela-
tine aus irgend welchen Gründen eine Zeit lang nach der Besamung
geworden war und dass demnach diese Plattenkulturen kein
1) Die aus der Leber gewonnenen Platten waren Terunreinigt.
344 FiedeUr,
richtiges Bild von den Wachsthumsverhältnissen der fraglichen
Bakterienart geben.
Anderseits wurde durch UmzQchtung und weitere Versuche nach-
gewiesen , dass jene Eolonieen aus Bakterien bestanden , welche ana-
tomisch und biologisch nicht von den in den Pferdelungen aufge-
fundenen zu unterscheiden waren.
Aus einer von Herzblut des Kaninchen 2 gewonnenen Platte
wurde am 28. Dezember unter dem Vergrösserungsglase eine charakte-
ristische Kolonie gefischt und damit beschickt: Brühekultur 1
und 2, und mit einem linsengrossen Gelatinstück, in welchem sich
unter dem Mikroskop 4 charakteristische Kolonieen zeigten, am linken
Ohre geimpft: Kaninchen 6.
Kaninchen 6 war bereits am 31. Dezember todt und die Leichen-
öffnung ergab keinen wesentlich anderen Befund, als den von Ka-
ninchen 2.
Von Kaninchen 6 wurden aus dem Herzblute, in welchem durch
Ausstrichpräparate charakteristische Bakterien nachgewiesen wurden,
angelegt: 3 Platten und 2 Gelatine-Stiche.
In Platte 1 und 2 waren am 6. Tage zahlreiche, meist grieskorn-
grosse Kolonieen gewachsen, deren Beschreibung später erfolgen solL
Der eine Gelatine-Stich enthielt schon am folgenden Tage zahl-
reiche Kolonieen, welche die Gelatine in kurzer Zeit verflüssigt hatten.
Der andere Stich zeigte am 5. Tage kleine, rundliche, weiss
gefärbte Kolonieen, welche isolirt blieben, die Gelatine nicht verflüs-
sigten, nicht über den Impfstich hinauswuchsen und nach dem Ergeb-
nisse der mikroskopischen Untersuchung Reinkulturen unserer charak-
teristischen Bakterien enthielten.
In den am 28. Dezember aus einer Reinkultur besäten Brühe-
kulturen 1 und 2 hatte sich in Zimmertemperatur nach 4 Tagen ein
zäher, flockiger Bodensatz gebildet, der obere Theil der Brühe war
wenig oder gar nicht getrübt In dem Bodensatze wurden Rein-
kulturen unserer Bakterien nachgewiesen.
Von diesem Bodensatze wurde je ein winziges Stück Maus
5 und 6 unter die Rückenhaut geschoben.
Maus 6 blieb gesund, Maus 5 starb am 4. Tage und zeigte
makroskopisch und mikroskopisch ganz denselben Befund, wie er bei
Maus 1 beschrieben worden ist.
Ferner wurden von diesem Bodensatze angelegt: 3 Platten.
In Platte 1 und 2 waren nach 3 Tagen charakteristische Kolonieen
gewachsen, Platte 3 blieb steril.
Aus den am 28. Dezember von dem Herzblute der Maus 1 an-
gelegten Platten wurde am 2. Januar 1891 eine Kolonie gefischt und
damit besät: 3 Platten, und mit einem linsengrossen Gelatinestück-
chen Kaninchen 7 am rechten Ohre geimpft.
Die Platten zeigten in regelmässiger Vertheilung charakteristisch
beschaffene Kolonieen.
Kaninchen 7 war am 4. Tage gestorben. Der Befund glich im
Wesentlichen dem von Kaninchen 6.
Aus dem Herzblute wurden angelegt: 2 Gelatine-Stiche.
Ueber die Bnutseoche im Koseier Landgestfite. 345
In dem einen Stiche sah man am 15. Janaar deutlich den Wßg,
en die Nadel genommen hatte; derselbe bestand aus grieskorn-
rossen Kolonieen, welche nach Ablauf von weiteren 5 Tagen fast
ie Grösse von Hirsekörnern erreicht hatten und im üebrigen die-
elben Eigenschaften zeigten, welche bei dem von Kaninchen 6 stam-
lenden Gelatine-Stiche beschrieben worden sind.
Es ist erinnerlich, dass am 15. Dezember aus den Nabob-Lungen
lattenkulturen angelegt wurden, und zwar 2m al 3 Platten und
Originalplatten ohne Verdünnung und ausserdem 3 Gela-
ine -Stiche. Es wurden damit verhältnissmässig günstige Ergeb-
isse erzielt, wie ich sie später, trotz der erlangten grösseren Uebung
nd Geschicklichkeit, kaum wieder erreicht habe. Es ist das zweifel-
)s der Grösse der nekrotischen Herde, welche in beiden Lungen-
flgeln des Nabob in grosser Auswahl vorhanden waren, zuzuschrei-
ten. Sind die nekrotischen Herde kleiner, so ist es oft schwer, ein
lODgeDstückchen zu erfassen, ohne dass eine Verunreinigung mit
remden, meistens schneller wachsenden und deshalb die Platten bald
wstorenden Bakterien stattfindet.
In 3 jener Originalplatten waren am 3.-4. Tage zahlreiche, über
He ganze Platte verbreitete, untereinander durchaus gleichmässige
Monieeu gewachsen, welche die Gelatine nicht verflüssigten, fast
mmer isolirt blieben und nach weiteren 3 Tagen nicht viel grösser,
üs ein Grieskorn geworden waren. In zwei VerdQnnungsplatten waren
rie weniger zahlreich, erreichten aber fast die doppelte Grösse.
Unter dem Mikroskop — bei 100-facher Vergrösserung — er-
schienen sie als kleine, rundliche, fein granulirte Gebilde, welche in
der Grösse nicht gleichmässig, und hellgrau gefärbt waren.
Die aus diesen Kolonieen gewonnenen, und mit Fuchsin oder
Methylenblau gefärbten Ausstriebpräparate enthielten Reinkulturen
fer vorhin beschriebenen Bakterien.
In einer anderen — der vierten Originalplatte — , welche am
L Tage nach der Beschickung geschmolzen gewesen war , hatte die
Verkeilung der Kolonien häufen- und kettenweise, in derselben Weise,
wie in den von Kaninchen 2 stammenden stattgefunden.
In 2 Gelatine-Stichen waren am 5. Tage Kolonieen von der vor-
bin beschriebenen Beschaffenheit gewachsen. In den Ausstrichprä-
paraten derselben, wie in den aus der 4. Originalplatte gewonnenen,
befanden sich zahlreiche charakteristische Bakterien. In dem 3. Ge-
btine-Stiche waren bereits am Tage nach der Impfung zahlreiche
fremde Kolonieen zu erkennen.
. Am 25. Dezember wurde aus einer Verdünnungsplatte eine Kolo-
ue gefischt und damit besät: 3 Platten und mit je einem Stück-
ten Gelatine, welches 2 Kolonieen enthielt, Maus 2 und 3 über
der Schwanzwurzel geimpft
Ausserdem wurde: 1 Gelatine-Stich in der Weise angelegt,
dass eine gerade, ausgeglühte Platinnadel in eine Kolonie getaucht
trod darauf in die Gelatine gestochen wurde.
. In den Platten waren bereits am 3. Tage sehr zahlreiche Kolo-
ueen deutlich erkennbar, die sich in der beschriebenen Weise weiter
346
Fiedeler,
entwickelten und in den Ausstrichpr¶ten Reinkulturen von ovoiden
Bakterien aufwiesen.
Am 30. Dezember wurde mit einem Stückchen Gelatine aus der
Verdünnungsplatte, welche 3 charakteristische Kolonieen enthielt,
geimpft: Kaninchen 5.
Dasselbe starb am 6. Tage nach der Impfung und gab einen
makroskopisch, wie mikroskopisch charakteristischen Befund.
Ebenso wuchs in charakteristischer Weise ein aus dem Herz-
blute dieses Thieres angelegter Gelatine-Stich.
Maus 2 und 3 waren am 28., bezw. 29. Dezember todt und
gaben einen Untersuchungsbefund, welcher im Wesentlichen nicht von
dem bei Maus 1 festgestellten abwich.
Von 3 aus dem Herzblute von Maus 2 angelegten Platten waren
auf der Originalplatte die bekannten Kolonieen gewachsen , die Ver-
dünnungsplatten waren von fremden Kolonieen überwuchert.
Auch der am 25. Dezember angelegte Gelatine-Stich zeigte das
beschriebene Wachsthum, nur ging die Entwickelung, wie bei allen
aus Beinkulturen angelegten Platten und Stichen, etwas schneller von
Statten.
Von einem der beiden aus den Nabob-Lungen gewonnenen Ge-
latinestichen wurden angelegt: 3 Platten.
Es wuchsen in denselben Kolonieen, welche, was Form, Wachs-
thum und Inhalt anbelangt, nicht von denen zu unterscheiden waren,
welche direkt aus den Nabob-Lungen, beziehungsweise dem Blute
von Kaninchen 2 und Maus 1 stammten. ,
Es gestaltet sich demnach die erste Versuchsreihe in ihren posi-
tiven Impfergebnissen wie folgt:
1. Nabob.
Langen.
Mils
Kaninchen 2.
6 Platten. 2 Stiche.
8 Platten.
8 Platten.
Mausl.
8 Platten. 1 Stich. Maos 2 u. 8.
2. Brühe. Kan. 6.
2. PI. Maos 6.
Kan. 6.
1 Stich.
8 Platt. Kan. 7.
1 Platte.
2 Plat. 1 Stioh.
1 Stich.
Durch diese Versuchsreihe ist lediglich der Beweis erbracht, das»
in den nekrotischen Lungentheüen eines an Brustseuche eingegangenen
Pferdes Bakterien vorhanden waren, welche durch das Koch' sehe
Ueber die Brustseuche im Koseier Landgestüte. 347
»
Plattenverfahren in einwnndsfreier Weise isolirt werden konnten.
Diese Reinkaltaren übten auf Kaninchen und Mäuse eine tödtliche
Wirkung ausländ es wurden in dem Blute dieser Impfthiere, wie auch
in den aus demselben gewonnenen Reinkulturen wiederum Bakterien
gefanden, welche morphologisch und biologisch von den direkt aus
den Pferdelangen gezogenen nicht unterschieden werden konnten.
2. Versuchsreihe.
Bei dem an Brustseuche erkrankten Deckhengst Mickmack stellte
sich am 8. Krankheitstage ein rostfarbener Nasenausfluss ein, welcher,
nach dem Ergebnisse der mikroskopischen Untersuchung, neben an-
deren Bakterien, zahlreiche ovoide Bakterien enthielt, welche zum
Theil kettenweise, oder zu zweien — Diplokokken — aneinander-
gereiht lagen.
Von diesem Nasenausflusse wurden am 23. Dezember Maus 4
zwei Oesen voll unter die Rückenhaut gebracht.
Die Maus zeigte einige Tage geringe Krankheitserscheinungen,
war dann aber wieder völlig gesund.
Die Entscheidung darüber, ob der rostfarbene Nasenausfluss über-
haupt nicht pathogen wirkt und demnach bei der Weiterverbreitung
der Krankheit keine Rolle spielt, oder, was mir das Wahrscheinlichste
zu sein scheint, nur in diesem einen Falle aus irgend welchen Grün-
den seine Infektionsfähigkeit eingebüsst hatte, muss weiteren Ver-
suchen vorbehalten bleiben.
Mickmack war am 23. Dezember gestorben und wurden durch
die Leichenöffnung nekrotische Lungenherde, Pleuritis und hoch-
gradige Sepsis pulmonum, durch Durchbruch einer Lungenkaverne
verursacht, festgestellt.
In dem Blute fanden sich zahlreiche Fäulnissbakterien, ebenso
in dem nekrotischen Lungengewebe, daneben auch ovoide Bakterien.
Es wurde von der Anlage von Platten-Reinkulturen von vorn-
herein Abstand genommen, dagegen wurden mit je einem, möglichst
kleinen Lungenstückchen geimpft: Kaninchen 8 und Maus 7.
Kaninchen 8 blieb gesund, Maus 7 war am 26. Dezember ge-
storben.
In dem Blute derselben waren keine fremden Bakterien nach-
zuweisen, dagegen zahlreiche ovoide Bakterien.
Aus dem Herzblute wurden angelegt 3 Platten, in welchen
un 3. Tage zahlreiche, nadelspitzengrosse Körnchen zu sehen waren,
welche nach 8 Tagen die Grösse eines Grieskornes erreicht hatten.
In Platte 2 waren die Kolonieen weniger zahlreich, dagegen von
doppelter Grösse.
In der dritten Platte war nichts gewachsen.
Mit je zwei aus Platte 2 gefischten Kolonieen wurden geimpft:
Kaninchen 9 und 10.
Kanindien 9, welches kräftig und ausgewachsen war, blieb ge-
ftond, das jüngere und schwächere Kanindien 10 war am 5. Tage
uch der Impfung todt und gab einen makroskopisch und mikrosko-
pisch charakteristischen Befund.
348 Fiedeler, Ueber die Bnutseache im Koteier Landgestfite.
2. Mickmack.
Longe.
Maus 7.
2 Platten.
Durch diese Versuche werden die Ergebnisse der ersten Versuchs-
reihe lediglich bestätigt. In Erwägung, dass Reinkulturen a»
den septisch infizirten Lungen nicht zu erwarten standen, wurdet
keine Plattenkulturen angelegt und die Gewinnung von Reinkultur«
auf einem anderen Wege zu erreichen gesucht.
Zunächst wurde ein nekrotisches Lungenstückchen auf eine Ha»
verimpft, welche in kurzer Zeit starb. Iu dem Blute des Impfthiei*
fanden sich ausschliesslich Bakterien von einer bestimmten Art, der
Thierkörper hatte gewissermaassen als Filter gedient, die Fäulniss-
bakterien ausgestossen und nur jene Bakterien allein isolirt und re»
produzirt; durch diese ist der Tod des Thieres verursacht
Nunmehr konnte zur Anlage von Reinkulturen geschritten wer-
den, die denn auch aus dem Herzblute des Thieres in der beschrie-
benen Weise gelangen.
Diese Reinkulturen, deren tödtliche Impfwirkung auf ein Kanin-
chen erprobt wurde, sowie die aus denselben in Ausstrichpr&parrt»
gewonnenen Bakterien waren in Bezug auf Form, Färbung und Waehs-
thumsverhältnisse nicht von denen der ersten Versuchsreihe zu unter-
scheiden.
An dieser Stelle möchte ich hervorheben, dass der tödtliche Ver-
lauf der Impfkrankheit, von welcher die Kaninchen und Mäuse be-
fallen werden, bei Kaninchen abhängig zu sein scheint von dem Alter
und der Stärke der Thiere ; nach meinen Beobachtungen war der tödt-
liche Ausgang bei kräftigen, ausgewachsenen Kanindien seltener, als
bei jungen und schwachen Kaninchen.
(FortMtsang folgt)
Allgemeines und Geschichte der Bakteriologie. 349
Referate.
Buchner, Kurze Uebersicht über die Entwickelung der
Bakterienforschung seit Na egeli's Eingreifen in die-
selbe. Vortrag, gehalten im Aerztlichen Vereine in München am
3. Juni 1891. (Münchener medizinische Wochenschrift. 1891. No.
25 and 26.)
Der vorliegende Vortrag, der im Aerztlichen Vereine in München
m unmittelbarem Anschlüsse an einen Nachruf für C. W. v. Naegeli
gehalten wurde, beabsichtigt durch historisch- kritische Darstellung
der neueren Entwickelung der Bakterienforschung zur Richtigstellung
des Urtheils über jenen hevorragenden Forscher beizutragen. Geschil-
dert wird zunächst die von Pasteur ursprünglich inaugurirte, von
Koch aber erst zu ihrer höchsten Vollendung gebrachte Periode
des Nachweises der spezifischen Krankheitserreger, welche die para-
sitäre Entstehung der Infektionskrankheiten zur Thatsache machte
und den wissenschaftlichen Boden für alle weiteren Forschungen ebnete.
Bald zeigten sich jedoch im weiteren Verlaufe die bis dahin gehegten
einfachen Vorstellungen über die ursächliche Rolle der Bakterien bei
Infektionsprozessen als unzulänglich; namentlich das Vorkommen
wechselnder Virulenzgrade bei den Infektionserregern, das
was Naegeli „Anpassung" genannt hatte, konnte als allgemeine
und wichtige Thatsache konstatirt werden, womit zum erstenmale seit
Naegeli physiologische Vorstellungen wieder einen breiteren
Boden in der Bakterienforschung gewannen.
Zwar ist qs unbestreitbar, dass Naegeli 's theoretische Ideen
bezüglich der Speziesfrage bei den Spaltpilzen, die er übrigens selbst
nur als Hypothesen bezeichnete, über das richtige Ziel hinausgingen ;
anderseits aber lässt sich nicht leugnen, dass Naegeli gerade in
Bezug auf physiologische Fragen sehr wichtige Dinge und Verhält-
nisse mit Klarheit voraussah. Zum erstenmale legte er sich die
frage vor, warum ein infizirter Organismus nicht jedesmal erliegt,
nachdem doch die Vermehrungsfähigkeit der Spaltpilze an sich eine
^begrenzte ist, und er kam zu der Erkenntniss, dass die Theile des
Organismus dem Infektionserreger einen gewissen, in verschiedenen
fällen verschiedenen Widerstand entgegensetzen, er bezeichnete
das Verhältnis8 als einen „Konkurrenzkampf * zwischen den intiziren-
den Pilzen und den Lebenskräften, wobei namentlich die Zahl der
iflfizirenden, in einem Organe gleichzeitig anwesenden Pilze für den
Ausgang des Kampfes entscheidend sein müsse. Die krankmachende
Wirkung der Bakterien erklärt Naegeli dadurch, dass sie den
Geweben die besten Nährstoffe und den Blutkörperchen den Sauer-
stoff entziehen, dass sie giftige Fäulnissprodukte bilden und Fermente
ausscheiden. Auf den Reiz, den die Vegetation der Spaltpilze im
Benschlichen Organismus hervorruft, folgt nach ihm eine Reaktion,
350 Geschichte der Bakteriologie (Schuteimpfung etc.).
welche die normale chemische Beschaffenheit der Säfte wieder herzu-
stellen sucht
Die innere Berechtigung dieser Jdeen wurde grösstenteils durcl
die seitdem erfolgten ^tatsächlichen Ermittelungen glänzend erwiesen
Metschnikoff demonstrirte den „Konkurrenzkampf6 Naegeln
sogar unter dem Mikroskop; aber so unzweifelhaft richtig die v«
ihm gemachten Beobachtungen an sich auch sein mögen, so fehl
doch den daraus abgeleiteten Folgerungen die allgemein gültige Be
weiskraft. Um die Phagocytentheorie als richtig darzuthuo, das
würde nämlich die Ausschliessung aller sonst möglichen Ursache!
für den Untergang der Infektionserreger im Körper nothwendig ge
hören. Aber gerade diese Bedingung ist unerfüllbar, da die taglicl
sich mehrenden experimentellen Erfahrungen darthun, dass des
Blutserum, überhaupt den zellenfreien Oewebssäften an und für siel
bereits bakterienfeindliche Wirkungen innewohnen. Die Stoffe, u
deren Anwesenheit die letzteren Wirkungen beruhen, sind jeden!"'
Eiweisskörper, aber nicht etwa „Fermente", wie Ogata mein!
da von den Fermenten oder Enzymen, deren Funktion in hydrol]
tischen Spaltungen besteht, eine schädliche Wirkung auf Baktei
gar nicht bekannt ist, während hier gerade auf letzterer Wirkai
der alleinige Nachdruck liegt. Es handelt sich demnach um Eiwei
körper einer neuen Kategorie, die besonders durch grosse Labilil
ausgezeichnet sind (bei 50—55° C erlischt rasch die Wirksamkeit]
und die am besten mit einem neuen Namen, etwa als „Alexin
(d. h. Schutzstoffe, von äligeiv abwehren, schützen) bezeichnet wer*
könnten.
Ob beim Entzündungsprozess, der zweifellos den Abwel
einrichtungen des Organismus zugezählt werden muss, derai
Schutzstoffe etwa in erhöhtem Maasse gebildet werden, ist ganz
gewiss. Die bisherigen Forschungen ergaben nur, dass Entzündi
resp. Eiterung auch dann, wenn sie durch eine zweite, relativ
schädliche Bakterienart im Körper hervorgerufen wird, heilsam ge
die primäre Infektion wirken kann; und ferner, dass gewi
chemische Stoffe der Spaltpilze bei der Erregung von Entzündi
resp. Eiterung das Wirksame sind, nicht die Lebens thäti
keit der Bakterienzellen an sich. Als solche Stoffe erwi
sich die eiweissartigen Bestandteile der Leibessubstanz d<
Bakterien, die sogenannten Bakterienproteine, welche als
eigentlichen Entzündungsursachen zu betrachten sind. ,
Im Gegensatz zu den Ptomalnen und Toxinen werden die Ba|
terienproteKne erst von den dem Untergang verfallenen, im Ab
sterben begriffenen Bakterienzellen ausgeschieden ; dies erkläJ
sich daraus, dass die jungen lebenskräftigen Zellen die plasmatische
Bestandteile festhalten, deren sie zum weiteren Wachsthum bedürfe
während die alternden Zellen hierzu nicht mehr im Stande sin<
Nicht jede Bakterienvegetation bewirkt darum an sich Entzünduuj
sondern nur eine solche, bei der ein Theil der Bakterien in Folg
von Gegenwirkungen der Gewebssäfte im Absterben begriffen ist.
Dies gilt namentlich auch für den Tu berkelbacillus; dei
Geschichte der Bakteriologie (8chutsimpfang etc.). 351
elbe ist ein Entzündungserreger oder er ist es nicht, er tritt sogar
Js Eiterungserreger auf, je nach den Bedingungen an Ort und Stelle.
)ie verschiedenen tuberculösen Gewebe sind in Bezug auf den
leizungsgrad keineswegs gleichwertig; letzterer ist bedingt durch
ten grösseren oder geringeren Untergang von Tuberkelbacillen im
iewebe, d. h. von der stärkeren oder schwächeren Ausscheidung von
toteinen aus dem Tuberkelbacillus. Diese Verhältnisse sind wichtig
ur Beurtheilung der Wirkungsweise des Tuberculin.
Der Mangel an theoretischer Durchdringung bei Koch 's Ent-
leckung äusserte sich vor Allem darin, dass nach seiner Annahme
las Tuberculin durch Nekrosirungen heilen soll, während alle histo-
ogischen Untersucher konstatirt haben, dass dasselbe akute ent-
zündliche Reizung hervorruft, also prinzipiell in der nämlichen
Weise wirkt, wie schon vorher Hemmung von Infektionen durch
künstlich erzeugte entzündliche Beizung angestrebt und erzielt worden
iar. Das Zustandekommen der entzündlichen Beizung erklärt sich
laraos, dass die wirksamen Bestandteile im Tuberculin nichts an-
leres sind, als eiweissartige Stoffe aus dem Tuberkelbacillus (was
ler Vortragende sofort nach Koch 's erster Mittheilung ausgesprochen
hatte), die in Analogie anderer Bakterienproteine wirken.
Aach über die Frage: auf welche Theile wirkt das Tuber-
culin? — fehlten von vorneherein begründete physiologische Vor-
stellungen. Allerdings wissen wir, dass nicht die Bacillen, sondern
nur das Gewebe, im Allgemeinen nur das tuberculöse Gewebe be-
troffen wird, eine Auslese, die wohl begreiflich erscheint, weil die be-
reits im Reizungszustand, wenn auch nur in latenter Reizung befind-
lichen Zellen durch den neuen, überall wirkenden Reizanstoss leichter
tos dem Gleichgewicht gebracht werden, als die übrigen normalen
Zellen des Körpers. ProtelCnwirkung addirt sich zu Proteinwirkung,
denn die beiden, aus dem Tuberkelbacillus stammenden Reizstoffe
und chemisch identisch. Die Heilung mit Tuberculin ist daher im
Wesentlichen Naturheilung, bei der nur das eine Moment, die
neilsame entzündliche Reaktion künstlich stärker betont wird, was
zugleich die prinzipielle Richtigkeit der vom Vorstehenden in dieser
Beziehung schon vor Jahren ausgesprochenen theoretischen Deber-
augungen beweist.
Trotzdem kann bei dem Koch 'sehen Verfahren, entsprechend
wm Reizungsgrade der verschiedenen tuberculösen Gewebe, die
Wirkung nicht genügend diflerenzirt werden. Da der Effekt des
werculins auf Addirung von Proteinwirkungen beruht, so bildet ein
präexistenter Reizungszustand von gewissem Grade die nothwendige
Voraussetzung seiner Wirksamkeit; dieser Reizungszustand fehlt aber
jß der Regel in den jüngsten miliaren Eruptionen, wo das
teilweise Absterben der Bacillen und die damit verbundene Proteln-
ausscheidung noch nicht oder nicht in genügendem Grade sich ent-
wickelt haben. Die klinische Erfahrung stimmt hiermit vollkommen
herein. Das Tuberculin wirkt nicht auf die Bacillen, es wirkt aber
auch nicht auf die jüngsten tuberculösen Eruptionen,
352 Skorbut
und deshalb kommt es so häufig während der Behandlang zu einer
Weiterverbreitung der Tuberculose im Körper. (Autoreferat)
WlerluzskJJ , D., Untersuchung des Blutes Skorbut-
kranker auf Mikroorganismen. (Wracz. 1890. pag. 208 ff.,
303 ff.) [Russisch].
Die Anwesenheit von Mikroorganismen im Blute kann man auf
dreierlei Art nachweisen : Durch direkte mikroskopische Untersuchung
des Blutes, ohne oder mit Anwendung von Tinktion, durch Aus-
saat auf Nährsubstrate und durch Infektion von Thieren mit dem
Blute. Nach allen 3 Methoden behaupten einzelne Forscher die An-
wesenheit von Mikroorganismen im Blute Skorbutkranker konstatirt
zu haben: nach der ersten Methode Camen, nach der zweiten
Uskow (Aussaat auf Fleischpeptongelatine), nach der dritten Murri,
Cantü, Pari und Petrone.
Verf. hat ebenfalls alle 3 Methoden in Anwendung gebracht
Er tingirte nach verschiedenen Methoden auf Deckglas getrocknetes
Blut mit Methylviolett, Dahlia, Fuchsin, Methylenblau, ferner nach
Ziehl, nach Ehrlich- Weigert, nach Oram, nach Haaser,
nach Günter; jedoch fand er weder im tingirten, noch im frischen
noch in mit fixirenden Reagentien behandeltem Blute jemals wedei
Bakterien, noch irgend welche andere Mikroorganismen.
Zu Aussaaten wurde gewöhnlich Blut aus dem Finger der P*
tienten genommen, in 5 Fällen aus Skorbutflecken auf dem Unter-
schenkel; die Entnahme des Blutes geschah mit sorgfältiger Beobach*
tung von Vorsichtsmaassregeln gegen Verunreinigung aus der Luft
Es wurden folgende Nährsubstrate verwandt: gewöhnliche Bouillon
desgl. mit Glycerinzusatz ; desgl. aus Menschenblut; Milch; neutrale
Malz wasser; desgl. mit Glycerinzusatz; Fleischpeptongelatine; desgl
mit Glycerinzusatz; Agar-Agar; desgl. mit Glycerinzusatz; Rinder
blutserum; Menschenblutserum. Im Ganzen wurden 111 Versuch
angestellt. In der ersten Reihe wurden auf 56 Aussaaten in 11 Fäilei
Mikroorganismen erhalten , die aber sämmtlich aus der Luft st&m
mende Verunreinigungen sind, nämlich : Bacillus 8 u b t i 1 i s (4 mal
Sarcina lutea (2 mal), Staphylococcus aureus und albus
(je lmal), Penicillium glaucum (2 mal) und der Pilz des Her-
pes tonsurans (1 mal). In der zweiten Versuchsreihe entwickelte!
sich von 55 Aussaaten nur in dreien Mikroorganismen, nämlich!
Bacillus subtilis (2 mal) und Staphylococcus aureus
(1 mal). In allen übrigen Fällen blieben die Nährsubstrate steril
sowohl bei Zimmertemperatur, als auch wenn sie 2—3 Wochen lang
in Thermostaten bei 34—37 ° gehalten wurden.
Endlich wurden je mehrere Tropfen Blut 4 Kaninchen injizirt
Alle Kaninchen blieben gesund.
Obgleich bei keiner der 3 angewandten Methoden ein negatives
Resultat absolut beweiskräftig ist, so wird es doch aus den Unter
suchungen des Verf.'s höchst wahrscheinlich, dass der Skorbut nicht
eine durch Mikroorganismen im Blute bewirkte Infektionskrank-
heit ist.
Gonokokken bei Urethritis. — Myxosporidien. 353
Die weiteren Auseinandersetzungen des Verf.'s über die mögliebe
Aetiologie des Skorbuts sind nicht von bakteriologischem Interesse.
Schliesslich erklärt es Verf. für wahrscheinlich, dass man es beim
Skorbut mit der Vergiftung des Körpers durch einen Stoff zu thun
hat, welcher» in den Därmen als Produkt der Darmbakterien gebildet,
nicht in entsprechender Menge aus dem Organismus entfernt wird
and sich daher im Blute anhäuft. W. Roth er t (Kazan).
Cfoll, Ueber die Häufigkeit des Vorkommens von Go-
nokokken bei chronischer Urethritis. (Gorrespondenzbl.
für Schweiz. Aerzte. Jahrg. XXL 1891. [S. A.].)
Die praktische Wichtigkeit dieser Frage veranlasste Verf. seine
Untersuchungen auf eine möglichst grosse Anzahl von Fällen auszu-
dehnen. Das stattliche Beobachtungsmaterial, über welches Verf.
verfügt, besteht aus 1143 mikroskopisch genau untersuchten Fällen,
die in einer kleinen Tabelle zusammengestellt sind. Das Sekret
wurde in den meisten Fällen nach Wochen, Monaten und Jahren
mehrfach untersucht, bei wichtigen Fällen sogar 10— 14 mal.
In der Kegel wurde das Sekret Morgens vor der ersten Miktion
genommen, sonst nach Applikation von Bougies, Sonden aus ver-
schiedenen Partien der Harnröhre, namentlich der p. bulbosa und bb.
prostatica. — Die wichtigsten hier in Betracht kommenden Resul-
tate, die sich aus diesen Untersuchungen ergeben, sind folgende:
Bei jungen, gesunden Männern können die Gonokokken schon nach
Ablauf von 3 Wochen nach der Infektion vollständig und für immer ver-
schwunden sein. Von Recidiven ohne Gonokokken hat Verf. 31 Fälle
notirt, während es Fälle gab, die bis zu 2 und mehr Jahren infek-
tiös blieben. Bei ganz alten Fällen von 4 und mehr Jahren wurden
überhaupt keine Gonokokken mehr aufgefunden. — Zwischen dem 5.
und 9. Monate kommen im Urethraleiter die Gonokokken beinahe
eben so häufig (17— 20°/0 der Fälle) vor, wie im 2. und 3. Monate;
das Seltenerwerden der Gonokokkenbefunde kommt erst nach 1 bis
2 Jahren vor. In zirka 80 Fällen von 4 und mehr Jahren Dauer konnten
kein einzigesmal Gonokokken gefunden werden, trotzdem einzelne
Fälle 10 — 15 mal untersucht wurden. — Neben den Gonokokken
kommen im Sekrete der Urethritis chronica noch andere Kokken (Diplo-
kokken) und kurze dicke Stäbchen vor. Staphylokokken wurden
selten beobachtet, während Streptokokken hie und da vorkamen.
Schliesslich erwähnt Verf. noch einen hartnäckigen Fall von 3 Mo-
naten Dauer, bei dem die Gonokokken anfangs haufenweise in den
Zellen um die Kerne gruppirt lagen, später aber hauptsächlich in
der Kittsubstanz zwischen den Epithelzellen fest eingebettet waren.
Tan gl (Tübingen).
TMlohan, M. P., Sur la Constitution des spores desMy-
xosporidies. (Comptes rendus de l'Acad. des Sciences de Paris.
9. Dec 1889.)
Das in den frisch untersuchten Myxosporidien-Sporen als heller
Fleck vortretende Gebilde ist nach den Untersuchungen des Verf. ein
1 Bd. oo
354 Myxosporidiea.
Hohlraum, angefüllt mit eigentümlicher Substanz, welche den Kern-
färbemitteln unzugänglich, jedenfalls kein Kern ist, wie B ü t s c h 1 1 i (1881)
angenommen. Diese Vacuole und ihr Inhalt treten nach Behandlung
mit Alkohol, Argent nitric. und verschiedenen Säuren deutlich vor.
Jod färbt dieselbe dunkelbraun, während die übrige Substanz gelb-
lich bleibt. Diese letztere Wirkung war Bütschli bekannt, der
gleichwohl annahm, die Widerstandsfähigkeit der Hüllen hindere die
Färbung.
Es gelang Thelohan, neben der fälschlich als Kern ausge-
sprochenen Vacuole den wirklichen Kern nachzuweisen, der den Kern-
färbemitteln gut zugänglich war. Härtung in Pereu'gischer Flüs-
sigkeit oder Osmiumsäure, Färbung durch Methylgrün, Safranin, Bo-
raxkarmin Pikrokarmin, Hämatoxylin.
Der Kern liegt in den noch nicht völlig in Hülle eingeschlos-
senen Sporen der Sporoblasten, meist nach vorne von dem zentralen
Bläschen , welches schon im Sporoblasten vorhanden ist und nie eine
Färbung annimmt. Der Kern schnürt sich ein und zeigt alle Ueber-
gangsstadien bis zur Theilung in zwei distinkte Kerne. Diese theilen
sich wieder und man hat zuletzt Sporen mit 4 Kernen, die symme-
trisch zwei nach vorne und zwei nach hinten von dem centralen
Bläschen liegen.
Den Schaalenanhängen der Sporen, die Balbiani beschrieben,
glaubt Verf. nicht die Rolle fundamental wichtiger Organe zu ge-
stehen zu sollen, da er sie oft fehlen sah.
Bei Myxosporidien anderer Thiere (das Vorstehende bezieht sich
auf die Schleihe) sah Verf. aus dem einen Kerne nur 3 sekundäre
entstehen. Im Ufebrigen waren die Entwicklung und der Charakter
der Sporen die gleichen.
Die indirekte Kerntheilung bei der Myxosporidienspore ist da-
durch erwiesen. Wolters (Bonn).
Thllohan, M. P., Recherches sur le däveloppement des
spores chez les Myxosporidies. (Comptes rendus de la Soc.
de Biologie. 1890. Nov.)
Der Verf. hat unter Anwendung neuerer mikroskopischer Me-
thoden die Kernverhältnisse bei den Sporen der Myxosporidien und
ihre Entwickelung von neuem untersucht.
Er fand, dass um einen der zahlreichen im Entosark liegenden
Kerne eine Differenzirung des Protoplasmas stattfindet, von kugeliger
Form mit einer Hülle umgeben. Der Kern selbst theilt sich durch
Karyokinese (Beobachtung typischer Spindeln). Die resultirenden
Kerne zerfallen wiederum durch indirekte Theilung, bis die Zahl 10
erreicht ist. Jetzt erst zerfällt auch die in der Hülle eingeschlossene
Plasmamasse in zwei „Sporoblasten". In jedem derselben befinden
sich 4 Kerne (nach Bütschli 3), die übrigen bleiben mit wenigem
Protoplasma der Hülle anliegen, die bis zur Reife der Sporen be-
stehen bleibt.
Bei den Formen mit 2 Polarkapseln theilt sich jeder Sporoblast
Myxosporidien. — KnoUankrankbeit der Oliren. — Phylloxer». 355
in 3 Theile, einen grösseren und zwei kleinere. Erster wird zur Plas-
mamasse der Sporen, letztere beiden zu den Polarkapseln.
Jeder der kleineren fahrt einen Kern, in dessen Nachbarschaft
eine randliche „Vacuole" auftritt In diese hinein wuchert von der
Wand vordringend eine protoplasmatische Knospe und buchtet die
Vacuolenhülle ein, wird birnförmig und schnürt sich nach und nach
ab. Mit einer Membran umgeben, liegt der birnförmige Körper jetzt
frei, rundet sich ab und zeigt in seinem Inneren einen Faden. Um
die so entwickelten Polarkapseln finden sich Reste des primären
Plasmas und den ursprünglichen Kern, der meist der Kapsel ange-
haftet bleibt, in einigen Fällen sich aber auch in der Plasmamasse
der Sporen findet. (Die Ansicht entspricht nicht mehr der früher
über diese Kerne geäusserten).
Der dritte, grössere Theil des Sporoblasten bildet sich zur Plas-
mamasse der Spore aus und zeigt zwei Kerne dicht bei einander.
Ob diese primär im Sporoblast vorhanden, oder erst sekundär durch
Theilung hervorgegangen, hat Thälohan nicht nachzuweisen ver-
mocht Ist die ganze Spore soweit entwickelt, so nimmt sie ihre de-
finitive Form und Hülle an.
Der Anhangsfaden ist an die Spore zurückgelegt und bleibt so
bis zur Ruptur der primären Kapsel.
Bei Gattungen mit nur 1 Polarkapsel (Schleihe) theilt sich der
Sporoblast nur in 2 Theile, der eine wird Polarkapsel, der andere Plas-
mamasse der Spore, die auch hier zwei Kerne hat wie bei den an-
deren Gattungen. Wolters (Bonn).
Plerce, N. B., Tuberculosis of the Olive. (Journal of My-
cology. VI. 1891. No. 4. p. 148—153 u. Taf. XIV— XV.)
Die Knollenkrankheit der Oelbaumzweige, welche durch den im
Basttheil der Knollen wachsenden Bacillus oleae-tuberculosis
Savastano hervorgerufen wird, wird an der Hand der Savastano-
schcn Untersuchungen besprochen, ohne dass im Wesentlichen neues
hinzugefügt wird. Brick (Hamburg).
Cazeneuve, P., Sur le traitement des vignes phylloxer6es
p ar lesul füre de carbonem61ang6 de vaseline. (Comptes
rendus de l'Acadämie des sciences de Paris. Tome CXII. 1891.
p. 971 ff.)
Die Bepflanzung der französischen Weingelände mit amerikani-
schen Reben hat die Versuche, mit Hülfe insektentödtender Mittel die
verseuchten französischen Reben zu erhalten, nicht unterdrückt. Schwe-
felkohlenstoff, rein oder in Wasser gelöst, Sulfokarbonate, Unterwas-
sersetzung werden immer noch mit Erfolg angewendet, der nur ver-
schieden ist, je nach der Natur des Geländes , je nach der Sorgfalt,
mit der man den Weinberg abschliesst, je nach der grössern oder
geringern Lebenskraft, die den Pflanzen eigen ist. Von diesen Mit-
teln kann freilich die Unterwassersetzung nur in gewissen Gegenden
366 Heim,
angewandt werden, die Sulfokarbonate verlangen ebenfalls Wasser
und sind ausserdem kostspielig in der Anwendung, weshalb sie nicht
von allen Weinzüchtern benutzt werden können, der Schwefelkohlen-
stoff, in Wasser gelöst, bedingt ebenfalls eine Behandlung, von deren
Beschaffenheit es abhängt, ob die Kosten getragen werden oder nicht
Der reine Schwefelkohlenstoff allein hat in den letzten Jahren als
insektentödtendes Mittel die sichersten Resultate gegeben und es er-
möglicht, einen grossen Theil französischer Weingelände zu retten.
Jedoch hat die Praxis gezeigt, dass in schweren, sehr thonigen Boden-
arten oder in sehr kieselreichen Böden der Schwefelkohlenstoff min-
der sichere Resultate gibt, indem er sich in den erstem sehr
schwer verbreitet und in den letztern zu schnell verdunstet. Um
nun die Diffusion in schweren Bodenarten sicher zu stellen und die
Verdunstung in zu leichten Böden zu verhindern, empfiehlt Verf., nach
dem Vorgange des Dr. Albin Meunier den Schwefelkohlenstoff mit
Vaselin von 300°— 350° Siedetemperatur und 0,850—0,910 Dichtig-
keit zu mengen, was durchaus keinen Übeln Einfluss auf die Vege-
tation habe, selbst nicht in hoher Dosis. Das Vaselin verzögere nur
in den leichten Böden die Verdunstung, während es in schwerem
thonigen Boden als fetter Körper wirke und leicht in den Thon ein-
dringe. Seit 4 Jahren wende er es in seinem Besitzthum, das 15—
20 Hektaren umfasse und zu Saint-Etienne-la*Varenne (Rhone) gelegen
sei, an. Dasselbe habe bis dahin einen mittlem Ertrag gegeben. Durch
Verwendung mit Vaselin gemengten Schwefelkohlenstoffs habe sich
aber der Ertrag verdreifacht. (Der Schwefelkohlenstoff wurde mit
V*— */s seines Gewichts mit Vaselin gemengt)
O. E. R. Zimmermann (Chemnitz).
Untersuchungsmethoden, Instrumente etc.
Die Neuerungen auf dem Gebiete der bakteriologischen
Untersuohungsmethoden seit dem Jahre 1887.
Zusammenfassender Bericht
ron
Dr. L. Helm,
k. b. Stabsarst und Priratdoienten.
(Fortsetzung.)
Die Wichtigkeit des Nachweises des Typhusbacillus im
Wasser und die Schwierigkeit seiner Indentifizirung hat von jeher
das Interesse der Untersucher gefesselt Die Zahl der verschiedenen
Methoden der Auffindung spricht für die Unzureichenheit der ein-
zelnen. Die bis jetzt am wenigsten gewürdigte, aber trotzdem die
wichtigste Vorbereitung für jede Aussaat ist die Sedimentirung. Mit
derselben hat auch ihr Autor Finkeinburg ein positives Resultat
Die Neuerungen d. bakteriol. Untersuchungsmethoden seit dem Jahre 1887. 357
erzielt (0. 9. 301). Der von ihm dazu angegebene Apparat 1) besteht
aus einem zylindrischen Gefäss mit heraushebbarem Boden, unter
welch' letzterem man durch eine mittels Glashahns verschliessbare
Öffnung das zu untersuchende Wasser langsam tropfen lässt, wäh-
rend die schwimmenden Theilchen sich auf dem heraushebbaren
Glasboden ansammeln. Man erhält damit binnen wenigen Stunden
die in einem halben Liter Wasser enthaltenen organisirten Beimen-
gungen abgelagert9). Für die Folge wird auch für die in Bede stehende
Untersuchung die Centrif uge nach Stenbeck-Litten den Vorrang
behaupten. Das Bestreben einer Reihe von Forschern richtete sich
auf die Auffindung eines Nährsubstrates mit einem derartigen Zusatz
entwickelungshemmender Stoffe, dass dadurch die gleichzeitig vor-
handenen anderen Keime wenigstens zum Theil an der Auskeimung
verhindert werden, ohne dass die Typhusbakterien einen nennens-
werten Schaden leiden. So versetzte Parietti3) je 10 cem
Bouillon mit 3,6 und 9 Tropfen einer Karbolsalzsäurelösung (5:4: 100)
und dann mit 1, 4, 8 und 12 Tropfen des verdächtigen Wassers.
Entwickelt sich, so behauptet P. nach seiner, bis jetzt allerdings nur
an künstlich infizirten Wässern angestellten Prüfung, nach 24 Stun-
den im Brütschrank eine Trübung, so rührt sie wahrscheinlich von
Typhusbacillen her, welche mit den üblichen Methoden zu identifi-
ziren sind. Ghantemesse und Widal verwendeten in der glei-
chen Absicht schon früher4) eine Gelatine mit einem Zusatz von
0,25% Karbolsäure. Während ferner Rodet (6. 500; 8. 213) hö-
here Temperaturen von 45—45,5° C für die Ausschaltung anderer
Bakterien benutzt hatte, ging Vincent (7. 212) so weit, beide
schädigende Momente zu vereinigen und das zu untersuchende
Wasser in schwach karbolisirte Bouillon auszusäen, welche dann bei
42* C gehalten wurde. Thoinot6) setzte Karbolsäure nicht zum
Nährboden, sondern 20 Tropfen davon zu 1/s 1 Wasser einige Stunden
vor der Plattenaussaat. Andere Autoren benutzten die entfärbende
Eigenschaft der Typhusbacillen gegenüber gewissen Anilinfarben zur
Unterscheidung von anderen Bakterien, und zwar entweder unter An-
wendung des Noeggerath 'sehen Farbengemisches (3. 481), oder
nur einzelner seiner Komponenten, wie Grancher und De seh am-
pes (5. 830) und Gasser (8. 411; 9. 208). Holz (9.293), welcher
weder mit den Nachprüfungen verschiedener der genannten Ver-
fahren, noch mit dem von ihm zufolge der Riede l'schen *) Angaben
versuchten Zusatz von Jodtrichlorid zu Gelatinestich- und Platten-
kulturen ein günstiges Resultat zu verzeichnen hatte, empfahl in An-
betracht des eigenthümlichen Wachsthums der Typhusbacillen auf Kar-
toffeln diese selbst zur Bereitung einer Gelatine zu benützen und die
typhusverdächtigen Proben mit oder ohne Vorbehandlung nach Thoi-
not entweder in die un vermischte oder in die mit 0,05 °/0 Karbol-
1) Correepondensbl. d. niederen. Ver. f. off. Ges.-Pfl. II. 31. Anm.
2) Der Apparat ist von Geisel er in Bonn um 41/. M. in beliehen.
3) Bf. H. K, L 9. 887.
4) Oaietta des hdpiUnx 87. 202.
6) Ebenda 87. 84S.
6) A. a. d. K.G.A. II. 475.
368 Heim,
säure versetzte Kartoffelgelatine einzusäen. In der That entwickele
sich auf dieser die fraglichen Bakterien in charakteristischer Weise,
jedoch, wie Jäger1) fand, nicht ausschliesslich sie; bei seinen sehr
gewissenhaften differenzialdiagnostischen Untersuchungen entdeckte
Jäger in dem Trinkwasser eines epidemisch ergriffenen Typhusortes
mit Hülfe der K.-G. eine mit grösster Wahrscheinlichkeit als Typbas-
kolonie anzusprechende Ansiedelung, auf einer anderen Platte aber
eine den Typhuskolonieen aufs Ueberrascheudste gleichende Kultur,
welche jedoch in der Folge mit Sicherheit als solche ausgeschlossen
werden konnte. Trotzdem werden wir die K.-G. als einen werthvollen
Fortschritt in den Methoden zur Erkennung der Typhus-Bacillen be-
trachten und im gegebenen Falle damit arbeiten müssen. Die Her-
stellungszeit kann man nach Jäger wesentlich abkürzen, wenn man
den aus den geriebenen Kartoffeln ausgepressten Saft direkt mit Ge-
latine kocht, statt erst 24 Stunden stehen zu lassen. Somit bleibt
der Kartoffel ihr souveräner Werth bei der Typhus-Diagnose, sowohl
im verarbeiteten, wie im natürlichen Zustande. Im letzteren Falle ist er
ihr auch nicht durch die Beobachtungen genommen worden, dass ein-
mal die Typhus-Bacillen auf den sterilen Stückchen oder Scheiben ein
deutlich sichtbares Wachsthum zeigen, ein andermal andere Bakterien
ein ebenso wenig in die Augen fallendes, wie jene. In einem sol-
chen Falle konnte Karlidski (9. 733) die Unterscheidung durch
Ansäuerung der Kartoffelstückchen mit lU°l0 Essigsäure erzielen, dann
wuchsen die echten Typhus-Bacillen nur kümmerlich, die vermeintlichen
dagegen in üppigem bläulich-weissen Rasen. Aber ausser der Kar-
toffelkultur müssen noch andere Hülfsmittel für die Diagnose stets
berücksichtigt werden. Ich habe seinerzeit*) verschiedene dies be-
zügliche Punkte aufgezählt: Die Art des Wachsthums und des mor-
phologischen Verhaltens im hängenden Tropfen, in Bouillon, in Stich-,
Strich- und Plattenkulturen, auf Kartoffeln in und ausser dem Brüt-
schrank und das Verhalten gegen Anilinfarbstoffe, speziell gegenüber
Karbolfuchsin (Lücken) und dem Gram 'sehen Verfahren (negativ).
Heute kommen dazu: Die Kultur auf Kartoffelgelatine, die Bestim-
mung der Alkalimenge, welche man braucht, um die Loeff ler 'sehe
Geisseifärbung an den Bacillen zu erhalten (1 cem l°/0 NaHO-Lö-
sung zur Beize 7. 631) und der Säuremenge, welche die Typhusbak-
terien in einer mit Lackmuslösung versetzten Molke produziren; bei
dieser seiner Methode beobachtete Petruschky (0. 6. 661), dass
nach 24 stündigem Wachsthum sich ein Stich ins rötbliche zeigte und
nach 2—3 Tagen eine Säuerung entsprechend 2 — 3 °/0 Normalnatron*
lauge erfolgte; endlich der negative Ausfall der Indolreaktion nach
Kitasato (7. 257).
Das Problem der keimfreien Entnahme von Proben aus dem
Boden hat C. Frank el mit dem von ihm angegebenen Bohrer
(3. 235) in einwandsfreier Weise gelöst. Letzterer übertrifft die bis
dahin verwendeten Instrumente, wie den klavierschlüsselartigen und
den amerikanischen Erdbohrer Smolenski's3) und den mit einem
1) Z. f. H. X. 217.
2) M. m. W. 89. 408.
8) J. B. III. 73.
Die Neuerungen d. bakterioL Untenachangsmethoden seit dem Jahre 1887. 359
graduirten Stöpsel zum nachträglichen Herausschieben der ausge-
stochenen Bodenschichten armirten Cylinder nach Klementieff1).
Sehr keimreiche Bodenarten, wie oberflächliche Erdschichte, verdünnte
Eberbach*) vor der quantitativen Aussaat mit der 5— 20 fachen
Menge trockenen sterilisirten Sandes.
Um Cholerabakterien in kernhaltigen Medien, z. B. Faulflüs-
sigkeiten nachzuweisen, bedient man sich nach Gruber (1. 353)
mit Erfolg des Schotte liu 8 'sehen Verfahrens s), d. h. der Vorkultur
in Fleischbrühe, in welcher die Cholera- Vibrionen — wollen wir
sagen: zumeist — ungehindert durch andere vorhandene Mikroorga-
nismen ihrem Sauerstoffbedürfniss folgend in die Höhe steigen und
an der Oberfläche ein mehr oder minder resistentes Häutchen bilden,
woraus sie dann leicht durch die Plattenkultur isolirt werden können,
ja Bujwid (0.4 404) geht soweit, zu behaupten, dass praktische
Aerzte durch dieses Verhalten der Cholera- Vibrionen in den Stand ge-
setzt sein sollen, ohne Mikroskop und Plattenkultur nach 4 — 5 Tagen
die Diagnose auf Cholera zu stellen, wenn nur von dem gebildeten
Häutchen täglich in 2 °/0 Peptonlösung überimpft und schliesslich die
Reaktion mit roher Salzsäure gemacht werde. Diese sogenannte Cholera-
rotbreaktion , von Poehl4) nach Zusatz von Salzsäure zu Cholera-
Kulturen zuerst beobachtet, wurde, unabhängig von einander, von
Bujwid (1. 727), sowie von Dun ha m») konstatirt; letzterer zeigte,
dass die Gegenwart von Pepton wesentlich sei, und dass die Reak-
tion schon wenige Stunden nach der Einsaat in 1 °/0 Peptonlösung
erscheine, am besten unter Verwendung von Schwefelsäure gelinge.
Petri zieht vor (8. 152), letztere tropfenweise in die Kultur fallen
zu lassen, statt sie unterzuschichten. Wir haben dann ferner durch
8 rieger6) und namentlich Salkowski7) erfahren, dass es sich
dabei am eine Indolreaktion handele, indem speziell von den Cholera-
Vibrionen neben Indol salpetrige Säure gebildet werde. Wichtig für
das Zustandekommen der Reaktion ist die Verwendung eines geeigneten
Peptons, und Bujwid empfiehlt dazu das von Witte in Rostock
hergestellte als das beste. Ich hebe das bestätigend hervor; man
kann mit diesem Präparat in oft sehr auffallendem Gegensatz zu
anderen die intensivste Reaktion bei eintägigen, wie bei monatealten
Kulturen erhalten.
Eine durch Zusatz von Chemikalien zu Kulturen entstehende,
differentialdiagnostisch zu verwertende Farbenreaktion kennen wir
ausserdem nur noch durch die Mittheilung von Sa na r eil i (O. 9.
197), welcher gewisse auf Kartoffeln unter Umständen ähnlich wach-
sende Bakterienarten, nämlich den Rotzbacillus, den Bacillus des
blaugrünen Eiters und einen neuen, für Thiere pathogenen, von ihm
im Wasser aufgefundenen Mikroorganismus durch Aufträufelung
1) J. B. IIL 478.
*) H. B. I. 7. 858.
8) D. m. W. 85 14. 818.
*) Ber. d. deutschen ehem. Ges. 86. 1159.
5) Z. f. H. II. 887.
«) D. m. W. 87. 808.
7) V. A. 87. 886.
360 »•**.
20°/oiger Sublimatlösung unterscheiden konnte; darnach entstand bei
ersterem eine gelbliche, bei letzterem eine milchige, in der Mitte et-
was röthlich aussehende und beim B. pyocyaneus eine blaugrüoe
Färbung.
Andere Hülfsmittel für die Unterscheidung haben wir in den
später noch Erwähnung findenden besonderen Nährböden, wie in der
Lackmusmolke von Petruschky, in Beyerinck's Kreideboden
u. a., ferner in der Untersuchung der Gährungsprodukte einzelner
Bakterienarten aus Zucker, nachdem Nencki (O. 9. 305) zwei sonst
ähnliche Mikroorganismen, welche Kohlehydrate vergährten, erst
durch die Konstatirung der Bildung von ftechtsmilchsäure durch die
eine, von optisch inaktiver Milchsäure durch die andere Art als ver-
schieden zu erkennen vermochte.
Endlich hat für den Nachweis von Cholera- und Typhusbacilleo
in Fäces, Trinkwasser, Urin, Organsaft u. s. w. Ali- Cohen (0.8.
161) vorgeschlagen, die chemotaktische Wirkung gewisser Beizmittel,
namentlich des Saftes von rohen Kartoffeln zur Anlockung dieser be-
weglichen Bakterien zu benützen. Man füllt nach ihm eine kleine
Glaskapillare mit der auf der Kartoffelschnittfläche befindlichen Flüs-
sigkeit und schmilzt sie an der einen Seite zu. Diese Seite wird io
einem auf dem Objektträger hergestellten Paraffinrahmen fixirt, wäh-
rend das offene Ende in die innerhalb des Rahmens befindliche, zo
untersuchende Flüssigkeit gelegt, und ein Deckglas darübergebracht
wird. Man kann nun unter dem Mikroskop beobachten, wie die mit
Eigenbewegung begabten Bakterien in „die Falle" gehen ; dann ge-
lingt es mittels des Plattenverfabrens die Cholera- und Typhasbak-
terien leichter zu isoliren.
HL Nährböden.
Das Fleischwasser dient auch jetzt noch der grössten Mehrzahl
der Untersucher als Grundlage für die Herstellung der gebräuch-
lichsten Nährböden, nur hat man seine Bereitung insofern etwas ver-
einfachen lassen, als man das mit der doppelten Menge Wasser über-
gossene Fleisch nicht 24 Stunden mazerirt, sondern sogleich kalt mit
Ueberschuss von Wasser übers Feuer setzt, einige Stunden kocht,
erkalten lässt (zur Abscheidung des Fettes) und filtrirt, worauf man
das etwa zu viel verdampfte Wasser ersetzt. Daraus stellt man sieb
dann die verschiedenen flüssigen oder festen Nährböden nach Wunsch
her und bewahrt das übrig gebliebene Fleischwasser sterilißirt für
weitere Verwendung auf. Dies geschieht entweder in Kolben oder
in Flaschen, welche mit geeigneten. Vorrichtungen zur keimfreien
Entnahme eines Theils des Inhaltes versehen sind (s. später). Im
Laufe der Zeit hat sich auch die vorgängige Trockensterilisirung der
Gefässe, welche das Glas recht bald unbrauchbar macht, als über-
flüssig erwiesen (Bujwid [O. 3. 101] u. A.); die Behandlung im
strömenden Dampf vernichtet gleichzeitig die an ihnen befindlichen
Keime.
Zur Erzielung eines geeigneten Alkalescenzgehaltes des Fleisch-
wassers (5—7,5 cem Normallauge aufs Liter) empfahl v. Lingels-
Die Neuerungen d. bakteriol. Untersaehongimethoden seit dem Jahre 1887. 361
heim1) den Zusatz von 25 ccm Normalnatronlauge auf 1 1 Fleisch-
wasser. Mittheilungen über den Ersatz des Fleischwassers durch
andere Lösungen sind, nachdem sich auch Fleischextraktpepton-Zucker-
lösungen und ähnliche als anwendbar erwiesen hatten, in den letzten
vier Jahren nur wenige zu verzeichnen. So hat Miquel1) anstelle
der Sinderbouillon eine Lösung von 20 Pepton, 5 Kochsalz, 0,5 Ka-
liumkarbonat und 2 Gelatine im Liter empfohlen, wobei die Gelatine
als unzweckmässig ruhig weggelassen werden könnte. Jakobi
(0. 3. 539) stellte mit l»/f °/0 Kern m eri ch's Fleiscbpepton und 3°/0
Pepton eine 15°/0ige Gelatine her, welche im Bedarfsfalle verdünnt
wird. Am zweckmässigsten schien der von J. Heller (9. 511) vor-
geschlagene Ersatz des Fleischwassers durch Harn zu sein. Allein
als Kulturmedium hat er keinen Vorzug vor ihm, er ist jedenfalls
oicht so universell brauchbar. Heller selbst beobachtete eine Be-
einträchtigung der Farbstoffbildung des Bacillus violaceus und
fluorescens, und mir fiel auf, dass das Wacbstbum einiger Bakte-
rienarten auf Harn-Gelatine weniger markirt zum Ausdruck kam ; so
waren trotz recht guter Entwickelung die typischen spiralig-flockigen
Knäuel der Cholerabakterien, wie sie sich im Verflüssigungstrichter an-
zusammeln pflegen, nicht so massig und kompakt und die radiären
büretenförmigen Ausstrahlungen der Kultur der Mäuseseptikämie-
und Schweinerothlaufbacillen nicht so deutlich und differenzirt, wie
wir sie in der gewöhnlichen Fleischwasserpepton-Gelatine zu sehen
gewohnt sind. Ich habe deshalb das Fleischwasser wieder ausschliess-
lich in Gebrauch gezogen.
Reichlichere Vorschläge finden wir in der Litteratur über die
Agar-Bereitung, welche darauf abzielen, die Agarmasse schneller und
besser in Lösung überzuführen und die Filtrirung zu umgehen oder zu
beschleunigen. Am besten ist es immer, das feingeschnittene Agar
über freier Flamme, jedoch, wie beim Kochen des Fleischwassers, mit
Einschaltung einer Asbestplatte zwischen Flamme und Topf, im sie-
denden Wasser zu lösen, wozu etwa */§ — V4 Stunden nothwendig
sind. Auch hier empfiehlt es sich, zur Vermeidung des Dunkelwerdens
nicht einzukochen und dann das verdampfte Wasser zu ersetzen, son-
dern von vorneherein so viel Wasser mehr zuzugeben, als voraus-
sichtlich weggeht. Kr 41») warnt ebenfalls vor zu langem Erhitzen
(nach Peptonzusatz), wenn man absolut farblose Nährböden haben
will, wie sie zur Anlegung von bakteriologischen Sammlungen er-
wünscht sind. Er erzielte die Klarheit ausserdem durch 5 Min.
lange Behandlung der feingeschnittenen Agarstücke nach Schotte-
lias (0. 2. 100) in 2°/0 Salzsäure, welche durch Abspülung mit
Wasser wieder entfernt wurde. In ähnlicher Weise legte Tischut-
kin (9. 208) die Stückchen für 15 Min. in 5% Essigsäure;
Richter4) löste 10 g Agar in 160 g Moselwein durch zweistündiges
Mazeriren und folgendes Erhitzen auf und setzte die neutralisirte
Lösung zu einer aus 250 g Fleisch und 350 g Wasser hergestellten
1) Z. f. H. X. 538.
2) Chtm. Ctntralbl. 88. 910.
3) Z. f. H. V. 608.
4) B. kl. W. 87. 600.
362 Schutzimpfung, künstl. Infektionakrankbeiten, Entwicklungshemmung ete.
2°/0 Gelatinebouillon. Der Zusatz von Gelatine zum Agar ist über-
haupt zu empfehlen, um das Abgleiten von der Oberfläche des
Glases zu behindern; v. Esmarch1) empfahl zum gleichen Zweck
Zugabe von etwas arabischem Gummi.
(ForUeUung folgt)
Schutzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten, Entwick-
lungshemmung und Vernichtung der Bakterien etc.
Stocquart, De l'ichthyol dans le traitement de 1*
dyspepsie et des troubles c6p.haliques et nerveux
qui en dopenden t. (Archives de M6decine et de Chirurgie
pratiques de Buxelies. 1890. 12mo fascicule.)
Verf. wendete das Ichthyol, welches er bei Unna in Hamburg
kennen lernte, bei Dyspepsie innerlich an, und konnte sich dabei über-
zeugen, dass es ein sehr wirksames Heilmittel gegen die Schwindel-
anfälle und cephalischen Störungen ist, welche die einfache und
partio- intestinale Dyspepsie begleiten. Tan gl (Tübingen).
Kötschau, Kurzer Beitrag zur Ichtbyoltherapie bei
Frauenkrankheiten. (Münchener mediz. Wochenschr. 1891.
No. 1.)
Verf. wendete das Ichthyol nach den Angaben von H. W. Freund
bei einer grossen Zahl von entzündlichen Erkrankungen der weiblichen
Genitalien meist mit gutem Erfolge an, wobei er aber die Ichthyol-
behandlung mit anderen therapeutischen Verfahren kombinirte. Be-
sonders bei Endometritis, speziell Endometritis corporis betrachtet
Verf. das Ichthyol als ein hervorragend heilsames und souverfcnes
Mittel. Tangl (Tübingen).
Bronner, G, Ueber Ausscheidung pathogener Mikroor-
ganismen durch den Schweiss. (Berl. klin. Wochenschr.
1891. No. 21.)
Während die Frage, ob krankheitserregende Organismen durch
die Nieren und den Darm aus dem Körper entfernt werden können,
in den letzten Jahren vielfach bearbeitet, wenn auch nicht einheitlich
entschieden wurde, so liegen über die Frage von der Ausscheidung
pathogener Mikroorganismen durch den Schweiss nur spärliche Notizen
vor. B r u n n e r selbt führt von diesbezüglichen Arbeiten nur die von
Di Mattei, Zuliani und Queirolo an, von denen die enteren
im Ganzen zu negativen Ergebnissen gelangten, während Queirolo
wenigstens feststellen konnte, dass der Schweiss von mit Infektions-
krankheiten behafteten Individuen toxische Produkte enthält Die
eigenen experimentellen Untersuchungen Br.'s. schlössen an einen
1) z. f. II. I. 800.
Schatrimpfang, künstl. Infektionskrankheiten, Bntwiekalnngshemmnug etc. 363
genau beobachteten und anderweitig beschriebenen Krankheitsfall an.
In einem Fall von schwerer chronischer Pyämie, in welchem während
vieler Tage der Staphylococcus pyogenes albus im Blute
nachgewiesen wurde, fand B r. auch in dem unter allen Kautelen ent-
nommenen Seh weisse ebenfalls den Staphylcoccus. Er konnte
an 8 verschiedenen Tagen 6 mal diesen Mikroorganismus durch die
Kultur im Schweisse nachweisen. Dasselbe gelang auch aus einem
vielfach von Schweiss durchnetzten Hemde des Patienten. Nach
dem Tode desselben fand Br. zwar in der Haut vielfach zerstreute
Kokken, doch vermisste er sie in den Ausführungsgängen der Schweiss-
drüsen. Im Anschluss hieran machte Br. einige Thierversuche, und
zwar an jungen Ferkeln und Katzen. Bei den Ferkeln wurde in
einem Fall der Uebergang von Staphylococcus aureus aus
dem Blute in den Schweiss wiederholt nachgewiesen, bei dem andern
auch der Uebergang des nicht pathogenen Micrococcus prodi-
giosus in den Schweiss und den Speichel. Bei der Katze gelang
der Nachweis des Ueberganges von Milzbrandbacillen. Die Schweiss-
Sekretion wurde theils durch Pilocarpin-Einspritzungen, theils durch
elektrische Nervenreizungen hervorgerufen. Auch bei diesen Experi-
menten gelang es nicht, die eingeführten Mikroorganismen in den
Ausfflhrungsgängen der Schweissdrüsen nachzuweisen, nur in dem
Versuch am Ferkel fanden sich in dem Lumen der Schweissdrüsen
vereinzelte Kokken. Jedenfalls geht aus diesen Untersuchungen hervor,
dass pathogene und nicht pathogene Organismen aus dem Blut in
den Schweiss übergehen können, wenngleich das Misslingen des
mikroskopischen Nachweises dafür zu sprechen scheint, dass der
Uebergang kein sehr reichlicher ist O. Lu barsch (Rostock).
Braatz, Die Bedeutung der Anaärobiose für die Wund-
heilung und für die allgemeine Pathologie. (Deutsch.
med. Wochenschr. 1890. No. 46a.)
Nach der Annahme des Verf. ist die Ermöglichung des Sauer-
stoffzutritts zu Wunden ein wichtiges Mittel für die Verhütung der
Wundinfektionskrankheiten. Eine grosse Anzahl derselben, wie Teta-
nus, malignes Oedem und Fäulniss entstehen durch den Einfluss von
anaeroben Bakterien, die letzteren würden bereits durch den Sauer-
stoff des Blutes getödtet werden, wenn nicht in der Wunde für längere
oder kürzere Zeit nach der Verletzung die Girkulation aufgehoben
wäre. Sie finden Gelegenheit zur Ansiedelung, Entwickelung und Ver-
mehrung, wenn der Luftsauerstoff durch Verstopfung, oberflächliches
Zuheilen oder luftdichten Verband der Wunde von ihnen abgehalten
wird. Die durch sie verursachten Krankheiten sind deshalb seltener
bei offener Wundbehandlung und unter den neueren für Luft durch-
gängigen antiseptischen oder aseptischen Dauerverbänden, als unter
dem typischen Liste r -Verband, welcher mit seinem Protektiv-Silk
und seinen Guttapercha-Papier-Umhüllungen die Luft von der Wunde
gänzlich abschliesst.
Auch andere Wundkrankheiten, wie die einfache Entzündung und
Eiterung stehen nach der Auffassung des Verf.'s in enger Beziehung
zur Anaärobiose, da die Staphylokokken und Streptokokken fakulta-
364 *•*• Utteratnr.
tiv anafirobe Bakterien sind. Einen interessanten Beleg hierfür sieht
der Verf. in dem Verhalten des Jodoforms zu diesen Bakterien. Wäh-
rend Behring seinerzeit die günstige antiseptische Wirkung dieses
Mittels gegenüber dessen gänzlicher Einflusslosigkeit auf das Wachs-
thum und die Lebensfähigkeit der Eiterkokken durch die wechsel-
seitige Zersetzung des Jodoforms und der Fäulnissptomalne erklärte
und die Vorzüge jenes Präparats weniger in der Verhütung der guten
Eiterung als der Fäulniss- und Zersetzungsvorgänge sah, hat der
Verl Versuche angestellt, um zu prüfen, ob das Jodoform nicht auch
auf die gewöhnlichen Eiterkokken, bei deren anaerobem Wachsthum
anders wirkt, als bei Sauerstoffzutritt. Er glaubt nun, nicht nur in
der That eine Entwicklungshemmung der anagrob wachsenden Sta-
phylokokken durch das Jodoform festgestellt, sondern vor allen Dingen
bewiesen zu haben, dass jene Bakterien beim Wachsthum unter Luft-
abschluss ein gewisses Reaktionsvermögen besitzen, dass sie dasselbe
aber durch die Einwirkung des Jodoforms verlieren.
Zur Feststellung dieses Untersuchungsergebnisses bediente sich
der Verf. nach dem Vorgange von Kita 8 ato und Weyl des indigo-
schwefelsauren Natrons, welches von den Anaöroben durch Reduktion
von Indigoblau zu Indigoweiss entfärbt wird, nur wandte er viel dünnere
Lösungen des Mittels wie Kitas ato und Weyl an (statt 1:1000
1:1400—7000), um den Bakterien ihre Aufgabe zu erleichtern. Die
Entfärbung derartiger Lösungen, welche dem den anaörob wachsen-
den Staphylokokken als Nährboden dienenden Agar zugesetzt waren,
erfolgte unter gewöhnlichen Verhältnissen in etwa 3 Tagen; sie blieb
aber bei Jodoformzusatz gänzlich aus. Verf. hält es hiernach für
naheliegend, die antiseptische Wirkung des Jodoforms durch dessen
Einfluss auf Entwickelung und Funktion der anaörob wachsenden
Eiterbakterien zu erklären und sieht darin andererseits einen Beweis
dafür, dass die anagrob wachsenden Staphylokokken eine andere Be-
deutung für den Wundverlauf haben, als dieselben Bakterien bei
aerobem Wachsthum.
Endlich versucht der Verf., die angeblich günstige Wirkung des
Fiebers bei verschiedenen Infektionskrankheiten durch die dabei ein-
tretenden Oxydationsvorgänge zu erklären, welche der Anaörobiose
entgegen wirken. Kubier (Berlin).
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(Fortsetzung), p. 856.
Schutoimpfang, künstliehe
krankheiten, Entwicklungshemmung
and Verniohtang der Bakterien
und Parasiten.
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Kotachau, Kurser Beitrag sar Ichthyoltbe-
rapie bei Frauenkrankheiten, p. 862.
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de la dyspepsie et des troubles cepbs-
liques et nerveux qui en dependeut,
p. 862.
Heue Litteratur, p. 864.
lYommannsche Buchdruckerei (Hermann Poiile) in Jena.
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
G4 Hofr. Prot Dr. Lenctart ud Professor Dr. LoeSler
ta Ltfpzif te Onlftvald
horaiugegeben von
Dr. O. Uhlworm in Cassel.
Verlag von Gustav Fischer In Jena.
X. Band« -«- Jen«, den a. Oktober 1891. ~o- No. 12»
Prell Ar den Band (98 Hummern) 14 Mark.
Jlhrüob erscheinen zwei Bind«.
— *§ Zu bestehen durch alle Buchhandlungen and Postanstalten. g*>-
Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Parasiten'
künde" richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wünsche um Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Auf-
sätze entweder bei der Minsendung der Abhandlungen an die
Redaktion auf das Manuskript schreiben zu wollen oder spä-
testens nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an
den Verleger, Herrn Gustav Fischer in Jena, gelangen zu
lassen» Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
eingehende Wünsche berücksichtigen zu können.
Original - Mittheilungen.
Heber einen bei Keratomalacia infantum beobachteten
Eapselbacillns.
[Ans Dr. H.Neumann's Poliklinik für Kinderkrankheiten in Berlin.]
Von
Dr. Loeb
in
Reichenhall.
Die Keratomalacia infantum, von Fischer1) zuerst beschrieben
als „eigentümliche Verschwftrung der Hornhaut infolge unterdrückter
1) Fischer, Lehrbuch der entzündlichen and organischen Krankheiten des
Ang«. 1846.
*•*«. 24
370 Loeb,
Masern", wird in Brasilien, Japan und Rassland sehr häufig, in
Mitteleuropa glücklicherweise um so seltener beobachtet, und zwar
nur bei Kindern in den ersten Lebensmonaten, welche durch chronische
Diarrhöe oder anderweitige Ursachen in ihrer Ernährung redazirt
sind. Einzelne Autoren, wie Manz1) und Braunschweig2), fan-
den diese Affektion ausnahmsweise auch bei recht gut genährten Kin-
dern ohne Diarrhöe und ohne bronchitische Symptome. Während völlige
Uebereinstimmung darüber herrscht, dass die Prognose dieser Krank-
heit sowohl bei gut wie bei schlecht genährten Kindern (Braun-
schweig) eine sehr ungünstige sei, ist bis heute unter den Au-
toren noch keine Einigung der Anschauungen über die Aetiologie
derselben erzielt Der Umstand, dass unter den Tausenden voc
Kindern, die alljährlich unter den Erscheinungen chronischen Darmka-
tarrhs und der Konsumption erkrauken und erliegen, nur ein minimaler
Prozentsatz — in Göttingen unter 28000 Augenkranken vier*), in
Halle unter 30000 sechzehn Fälle 4) beobachtet — an Keratomalacie
erkrankt; dass ferner bis dahin blühende Kinder, wenn auch selten.
von dieser Krankheit betroffen werden; endlich der Verlauf der
Krankheit: häufige Komplikation mit Diarrhöe und Bronchopneumonie;
typischer, progressiv verlaufender Prozess an der Hornhaut; Exitus
unter den Erscheinungen starker Cyanose, hochgradiger Dyspnoe und
Bubnormaler Temperatur — legen den Gedanken nahe, es möchte
dies Krankheitsbild durch Einwanderung von Spaltpilzen in den
kindlichen Organismus hervorgerufen werden. Bezold5) warder
Erste, welcher, nachdem die Deutung der Keratomalacie als einer
Affektion cerebralen (v. 6 r a e f e) resp. neuroparaly tischen (Fischer).
Ursprungs durch die Untersuchungen von Jastrowitz unhaltbar
geworden war, auf die mykotische Natur derselben hinwies. Hör-
Der6) widersprach. Er fand allerdings in einem Falle dieser Krank-
heit in den zerklüfteten Hornhautschichten Bakterien ; sie sind jedoch
Beiner Ansicht nach nur der „Staub14, welcher nach Zerklüftung des
getrockneten Epithels eindringt, sich vermehrt und das Hornhautge-
webe zur Nekrose bringt. Das primäre ursächliche Moment ist nach
ihm die Vertrocknung der Hornhaut in Folge mangelnden Lidschlusses
bei den durch Diarrhöe etc. marantisch gewordenen Kindern. Im
Gegensatz zu Homer plaidirten nach Entdeckung des Xerosebacillus
durch Kuschbert und Neisser7) mit diesen Leber8) und R
1) Midi, Ueber die Hornhautserstörung bei Sepsis. (Münch. med. Wochenschr.
1888. Nr. 11)
3) Braunschweig, Zar Kenntn. der Infant Xerosis conjnnet. (Fortsehritt« d«
Meditin. 1890. pag. 892.)
8) Leber, Ueber die Xerosis der Bindehaut and die infantile Hornbautw-
schwlrung nebst Bemerkungen Über die Entstehung des Xerophthalmus. (Gräfe'« Ar-
chiv. XXIX. 8.)
4) Braun schweig. (1. e.)
6) Citirt nach Sehl&fke. (Centralbl. f. Bakter. u. Parasiten«. Bd. 1. 1887. pl''1
6) Homer, Gerhardt 's Handbuch der Kinderkrankh. 1889. V. 2.
7) Kuschbert und Neisser, Zur Pathologie und Aetiologie der Xerosis epithel:
conjunctivae und der Hemeralopia idiopathica. (Breslauer firtstl. Zeitschr. 1883. N«- l)
8) Leber, Die Xerosis der Conjunctlva und Cornea kleiner Kinder, (v. Gräfes
Arch. für Ophthalmol. XXIX. 1883. 1.)
Ueber einen bei Keratomalacia infantum beobachteten Kapaelbacillus. 371
Schulz1), welche beide in den Augen und inneren Organen je
eines an Keratomalacie verstorbenen Kindes auf Bacillen gestossen
waren (deren Identitätsnachweis jedoch nicht versucht wurde), für
die Annahme einer Infektion des kindlichen Organismus durch pri-
märe Ansiedlung des, wie wir jetzt wissen, überhaupt nicht patho-
genen Xerosebacillus auf der Oberfläche der Hornhaut
Gegenüber Hörn er betont Leber, auch bei Kindern, bei
welchen während ihrer Krankheit die Augen stets geschlossen waren,
bei denen also keine Möglichkeit zur Vertrocknung der Hornhaut
vorlag, den gleichen Prozess gefunden zu haben. Gegenüber K. und
N. weist er darauf hin, dass nebst dem Xerosebacillus auch Kokken in
seinem Falle vorhanden waren. In einem später von Leb er -
Wagenmann publizirten Falle*) konnten diese Autoren als Ursache
des keratomalacischen Prozesses und des Todes Streptokokken nach-
weisen. Fränkel und Franke3), ebenso Baumgarten8), fanden
in je einem einschlägigen Falle den Staphylococcus pyogenes
Rosenbach. Manz nimmt gleichfalls einen septischen Ursprung
der Keratomalacia infantum an und erklärt, hierbei das vorausgehende
oder gleichzeitige Auftreten von Abscessbildung in andern Organen
öfter beobachtet zu haben4). Schliesslich fand Babes5) bei einem
Falle von K. in den Augen und in hincrn Organen einen eigenartigen
Bacillus.
Hiermit schliesse ich diese gedrängte historische Uebersicht. Es
bleibt bisher unentschieden, vorausgesetzt, dass die Keratomalacie
eine mykotische Erkrankung ist, ob es sich um eine eigenartige lokale
Infektion oder um die Lokalisation einer allgemeinen Infektion bandelt.
Im ersteren Fall könnte es sich um eine primäre Infektion oder um
eine sekundär zu einer Allgemeininfektion tretende Mischinfektion
handeln; im zweiten Falle könnte die Augenerkrankung den Aus-
gangspunkt oder nur eine sekundäre Lokalisation der allgemeinen
Erkrankung bilden. Wahrscheinlich dürfte bald die eine, bald die
andere Entstehungsweise der Keratomalacie zutreffen und das be-
kannte klinische Bild produziren.
Ich selbst hatte Gelegenheit, einen in der Kinder-Poliklinik des
Herrn Dr. H. Neumann zur Beobachtung gelangten Fall von Ke-
ratomalacie zu untersuchen. Es handelte sich um ein 7 Wochen altes,
von gesunden Eltern stammendes Flaschenkind, welches wegen eines
akuten Darmkatarrhs, der vor 5 Tagen begonnen hatte, in Behand-
lung kam. Es war bei der Aufnahme im höchsten Grade atrophisch
und schon im Beginn des Hydrencephaloids. Die Verschlimmerung
war unaufhaltsam und führte nach 7 Tagen zum Tode (Darmaus-
1) B. Schulz, Beitrag cur Lehre von der Xerosis conjunctivae and der infan-
tilen Hornhautverschwärung. (v. Gräfe'« Arch. für Ophth. XXX. 4.)
2) Leber-Wagenmann» Infantile Nekrose der Bindehaut durch allgemeine
multiple Streptokokkeninvasion des Gefässsystems. (v. Gräfe 's Arch. für Ophth.
XXXIV. pag. 250.)
3) Citirt nach Baumgarten, Lehrb. der patholog. Mykologie. 1890. pag. 728.
4) Mim, Ueber die Hornhautaerstörung bei Sepsis. (München, med. Wocbenschr.
1888. No. 11 und 12.)
5) Babes, Bakteriol. Untersuchungen über sept. Prozesse des Kinderalters
1889. pag. 27.
24*
372 Loeb,
Spülung mit Resorcin und mit BleiwasBer; subkutan Kochsalzinjeküon;
innerlich Calomel, Campher, Cognac, Spirit. aeth. ; Bäder in Kamillen
und in Senf). Am Tage vor dem Tode erhob ich folgenden Status:
Die Hautdecken des Kindes äusserst blase, panniculus adiposos
und Musculatur äusserst dürftig, kein Hautexanthem, keine Drüsen-
Bchwellung; Greisenantlits. Ueber den Lungen mehrere Dämpfung!-
bezirke nachweisbar mit entsprechenden auskultatorischen Erscheinungen.
Reine, sehr schwache Herztöne; subnormale Temperatur. Auf beiden
Hornhäuten, besonders links, der Längsaxe der Lidspalte folgende, quer
ovale Infiltration mit beginnender Nekrose. Conjunctivae trocken, glanz-
los, ohne entzündliche Reaktion ; Sekretion vermindert, seltener Lidschlag,
Iris nicht verfärbt, kein Hypopyon.
Diagnose: Beginnende Keratomalacie , Magendarmkatarrh und lo-
buläre Pneumonie. Zur Untersuchung kam eine Spur des erweichenden
Hornhautinfiltrates.
Die Mutter des Kindes verweigerte ihre Zustimmung zur Ent-
nahme einer Blutprobe, welche ich unter Würdigung der von Eiseis-
berg1) betonten Wichtigkeit kultureller Blutuntersachungen bei Ver-
dacht eines septikämischen Prozesses wünschte vornehmen zu dürfeo.
Da auch die Sektion des Kindes unterbleiben musste, so kann ich
leider nicht den Zusammenhang zwischen der keratomalacischen
Augenaffektion und der gleichzeitig vorhandenen Allgemeinerkrankung
aufklären.
Die von der Hornhaut des Kindes entnommene Masse wurde auf
schräg erstarrtem Agar ausgestrichen. Am folgenden Tage hatte sich
(bei Brüttemperatur) an der Impfstelle ein grauer Rasen gebildet,
der, ebenso wie das getrübte Kondensationswasser, bei mikroskopischer
Untersuchung und bei Gelatineplattenkultur die Reinkultur eines
Bacillus darstellte *). Derselbe wuchs auf künstlichen Nährböden in
folgender Weise:
In Gelatineplatten sind schon nach 48 Stunden in der Tiefe
feinste hellbraune Punkte, auf der Oberfläche grauweisse, rundliche
Kolonieen von 1 — 1,5 mm Durchmesser zu bemerken; die ersteren
erscheinen bei schwacher Vergrösserung rund oder oval, von hell-
brauner Farbe mit leicht granulirter Oberfläche; die oberflächlichen
Kolonieen haben bei im Allgemeinen rundlicher Form zunächst un-
regelmässig vorspringende Kontour, die Oberfläche erscheint hellbraun,
im Relief landkartenähnlich (ähnlich wie bei den Kolonieen des Ty-
phusbacillus) und leicht gestrichelt. Weiterhin werden die tiefen
Kolonieen schnell etwa stecknadelkopfgross, sie behalten bei schwacher
Vergrösserung ihre braune Farbe und den runden, scharfen Kontonr,
werden aber undurchsichtiger, fein granulirt oder fein gestrichelt und
zeigen in der Peripherie leichte konzentrische Schichtung. Die ober-
flächlichen Kolonieen werden etwas gesättigter grauweiss, leicht kug-
lig gewölbt oder auch nur ziemlich flach, sie erreichen einen Durch-
1) y. Eiseliberg, Nachweis von Eiterkokken im Blute als diagnost. Hfilfsmittcl.
(Wiener klin. Wochenschr. 1890. No. 38.)
2) Die direkte Verarbeitung der Hasse nach der Plattenmethode ist leider unter-
blieben, doch dürfte dies in diesem Falle nicht von Belang sein.
Ueber einen bei Keratomalici* infantum beobachteten Kapselbacillas. 37&
messer von 4 mm, die Begrenzung wird schärfer rund, indem die
unregelmäßig vorspringenden Begrenzungslinien sich ausgleichen, und
die Oberfläche verliert ihre Unebenheit; es verschwindet die ursprüng-
lich deutlich fadenziehende Beschaffenheit der Kultur ; bei schwacher
Vergrößerung erscheint die Kolonie hellbraun, in der Mitte zeigt
sich gewöhnlich ein dunkler Nabel, die Oberfläche zeigt Andeutung
einer feinen Strichelung. Die Kultur gewinnt einen unangenehmen
Geruch von massiger Intensität.
In Gel atinestichkul tu ren wächst der Bacillus ent-
sprechend dem Stichkanal als bräunlicher Faden, während sich um
den Einstich herum — entsprechend dem Wachsthum der oberfläch-
lichen Kolonieen auf der Gelatineplatte — eine zunächst etwas un-
regelmässige, später mehr gleichmässige, unter Umständen leicht
knopfförmige, grauweisse Masse bildet. Nach 3 Tagen zeigt sich
Entwicklung von Gasblasen in der Gelatine; Verflüssigung oder Ver-
färbung bleibt dauernd aus. Bei Vertheilung der Keime in hoher
Gelatineschicht wächst der Bacillus in den tieferen Schichten nicht
weniger gut, als in der Nähe der Oberfläche; er ist also fakultativ
anaerob.
Bei strichweiser Impfung auf schräg erstarrten Agar ent-
wickelt sich in 24 Stunden (bei Brütwärme) ein grauweisser, 21/,— 4
mm breiter Streifen, der in der Peripherie ziemlich durchsichtig ist
und nur massig prominirt; in den nächsten Tagen wird er etwas
stärker und in der Farbe gesättigter, ohne sich jedoch wesentlich
auszudehnen oder geradezu eine weisse Farbe zu erhalten. Die Kon-
sistenz ist leicht schleimig, im Kondensationswasser bildet sich eine
graue Wolke.
Auf Blutserum ist das Wachsthum der Bacillen wesentlich
das gleiche.
Auf der Kartoffel entwickelt sich je nach der Art der Kar-
toffel von der Impfstelle aus ein nur leicht feuchter oder mehr
rahmiger, hellbräunlicher und fadenziehender Belag.
Bouillon ist (bei Brütwärme) schon nach 24 Stunden diffus
gefärbt; nach einiger Zeit schwindet die Trübung und bildet sich
ein lehmfarbener Niederschlag auf dem Boden des Gefässes.
Von der Originalagarkultur wurde eine Spur in die Schwanz-
wurzel einer weissen Maus verimpft. Letztere starb am 4. Tag an
einer durch den Bacillus erzeugten Sepsis. Bei zahlreichen Versuchen
u Mäusen stellte sich heraus, dass bei dieser Art der Infektion der
Tod gewöhnlich am 3.-4. Tage eintritt. Alte Kulturen verlieren
ihre Virulenz ; so vertrug z. B. eine Maus die Injektion von 1 ccm
starker Aufschwemmung einer 66 Tage alten Agarkultur, ohne irgend-
wie zu erkranken. Es stellt sich jedoch in diesem Fall keine Immu-
tität her, sondern es erliegt die Maus bei erneuter Impfung mit
virulentem Material. Nicht mehr virulente Kultur lässt sich noch
nach Monaten (z. B. 66 Tagen) durch Uebertragung in Bouillon und
Einspritzung grosserer Mengen der Bouillonkultur von Neuem infek-
tiös machen; bei diesen sehr reichlichen Impfungen sterben die
Mäuse schon nach 22 Stunden bis 2 Tagen. Aber auch bei Ver-
wendung minimaler Kulturmengen lässt sich in der gleichen Zeit-
374 Lo«b,
spanne der Tod erzielen, nachdem man die Virulenz des Bacillus
durch direkte Verimpfung von Maus zu Maus gesteigert hat Abge-
sehen von der subkutanen Impfung lässt sich die Maus vom Auge
und vom Darm aus infiziren. Im ersteren Fall wurde vorsichtig in
den Bindehautsack etwas bacillenhaltige Flüssigkeit eingeführt; vom
Darm aus gelang die Infektion nur einmal, indem eine gesunde Maus
eine mit dem Kapselbacillus infizirte anfrass und 2—3 Tage hiernach
durch denselben ebenfalls einging.
Ebenso wie weisse Mäuse sind auch graue Mäuse sehr leicht zu
infiziren.
Die geimpften Thiere werden schon geraume Zeit vor dem Tode
regungsunlustig, sie sitzen mit gesträubtem Haar, gekrümmtem
Rücken und verklebten Augen da und haben eine tiefe, mühsame
und verlangsamte Athmung. Nach dem Tode liegen sie auf der Seite,
die Extremitäten leicht nach vorn ausgestreckt. Bei der Sektion
findet sich eine leichte Verklebung der Impfstelle und von ihr aus-
gehend ein ausgedehntes Oedem des Unterhautgewebes; die Lymph-
drüsen an der Bauchseite sind vergrössert. Magen und obere Dünn-
darmscblingen sind infolge Hyperämie der Mucosa rosa gefärbt und
durch schleimigen Inhalt ausgedehnt. Die Milz ist wechselnd blut-
reich, stets aber vergrössert, die Lungen sind lufthaltig. Im Herzen
dunkles, nicht deutlich fadenziehendes Blut. An der Impfstelle und
in ihrer Umgebung, im gesammten Blutgefässsystem, in Milz und
Leber, in der die Bauchserosa und Eingeweide bedeckenden, leicht
fadenziehenden Feuchtigkeit, in der Galle und im Darminhalt sind
Kapselbacillen mikroskopisch und durch Kultur reichlich nachweisbar.
Auf Schnitten durch die verschiedenen in Alkohol gehärteten Organe
(Färbung in Loeffler'scher Lösung und Entfärbung mit schwach
essigsaurem Wasser) findet man die Bacillen mit theil weise sehr
deutlich sichtbaren Kapseln in den Durchschnitten der Blutgefässe
und Kapillaren liegen. Keine Rundzelleninfiltration, keinerlei Ver-
änderung in den Leberacini oder an den Nierenepithelien nach-
weisbar.
Einem Meerschweinchen wurde subkutan 1 cem einer 24 Stunden
alten Bouillonkultur eingespritzt. Es war einige Tage später schwer
krank, magerte allmählich ab und ging nach Ablauf eines Monats
zu Grunde. Die bakteriologische Untersuchung fiel negativ aus.
Hingegen wurden durch intraperitoneale Einverleibung von 1(X— ^
Pravaz-Spritzen Bouillonkultur Meerschweinchen (2 Versuche) inner-
halb weniger Stunden getödtet
Sektion: Oedem der Bauchhaut; Peritoneum stark injizirt,
stellenweise getrübt und verdickt Wenig klares Transsudat in der
Bauchhöhle, in dem einen Fall ausserdem auch im Brustraum. Das
Blut nicht fadenziehend, enthält reichlich Bacillen, ebenso das Trans*
sudat; die histologische Untersuchung der Organschnitte zeigte -
ebenso wie bei der Maus — dass die Thiere einem reinen septikämisebeu
Prozess erlegen waren.
Ein Kaninchen wurde mit 1,5 cem einer 24 Stunden im Brut-
ofen gehaltenen Bouillonkultur subkutan geimpft Ein 2. junges Ka-
ninchen erhielt l,t Pravaz- Spritze voll virulenter Bouillonkultur in
lieber einen bei Keretomeleeie infantum beobachteten Kapselbacillus. 375
die V. jugul. ext. injizirt; beide Thiere gingen nach einer Woche
zu Grunde, ohne dass eine Todesursache eruirt werden konnte. Ein
Kaninchen, welchem 1 ccm Bouillonkultur in die Ohrvene gespritzt
wurde, blieb dauernd gesund. Ebensowenig erkrankte eine Taube,
welcher 1 Spritze Bouillonkultur ins Peritoneum gespritzt war.
Was das morphologische Verhalten des Bacillus betrifft,
so handelt es sich um einen Kapselbacillus, welcher ziemlich plump
ist und abgerundete Enden zeigt; die gebräuchlichen Anilinfarbstofie
nimmt er leicht an, lässt sich aber nicht nach der Graafschen
Methode färben. Sporenbildung lässt sich nicht nachweisen. Je
uach seiner Provenienz werden nicht unerhebliche Schwankungen in
der Form des Bacillus und in der Leichtigkeit, die Kapsel sichtbar
zu machen, bemerkt Zu starke Einwirkung von Anilinfarbstoflen
färbt leicht Bacillus und Kapsel in toto, so dass die Kapsel erst bei
vorsichtiger Entfärbung sichtbar wird. Färbung mit wässriger Eosin-
lösaug und vorsichtige Nachfärbung mit Loefflers Methylenblau
gibt eine gute Doppelfärbung. Hierbei nimmt die Mitte des Bacillus
die blaue Färbung in geringerem Grade, als die Enden an.
Im Blute findet sich der Bacillus einzeln oder zu zweien; der
Breitendurchmesser der Kapsel übertrifft hier den des Bacillus um
das ll/2 — 4-fache. Die Kapsel ist manchmal ebenso wie der ein-
geschlossene Bacillus leicht gebogen oder eingeschnürt. Die Bacillen
erscheinen im Blute und in den Organen grösser, als an der Impf-
stelle, an der letzteren aber mit besonders schöner Kapsel Im
Milzsaft fanden sich auch Bacillen innerhalb weisser Blutzellen.
Die auf der Oberfläche des Agars, des Blutserums und der Kar-
toffel gewachsenen Bakterien sind durchschnittlich relativ klein und
kurz, mit rundlichem, leicht farbbarem Hofe, während der Bacillus
auf Gelatine, in dem Kondensationswasser des Agars und Blutserums
sowie in der Bouillon zu umkapselten Scheinfäden auswachsen kann.
In Präparaten, welche aus den letzteren Medien stammen, findet man
sehr verschiedene Formen: von den langen Fäden bis zu kurzen
Diplokokken ähnlichen Doppelbacillen.
Ist der geschilderte Bacillus mit einem der bekannten Kapsel-
bacillen identisch? Es wären hier wesentlich nur folgende Bacillen
zu berücksichtigen: Der Pfeiffersche Kapselbacillus , ein von
ß a b e s bei Keratomalacie gefundener Bacillus, der F r i e d 1 ä n d e r'sche
Pueumoniebacillus und nahe Verwandte desselben, wie sie von
Maudry, von Mori und von Passet beschrieben sind, ferner der
Bacillus enteritidis Qaertner, ein von Babes bei Dy-
senterie gefundener Kapselbacillus, der Bacillus endocardi-
tis capsulatus Weichselbaum, der Proteus hominis von
Bordoni Uffreduzzi, der Bacillus sputigenus Krei-
bohoi a. a. m. Von allen diesen Kapselbacillen kommt jedoch —
soweit ihre Wachsthumsverhältnisse bekannt sind — wesentlich nur
^r Pfeiffersche Bacillus für uns in Betracht. Es ist derselbe
deshalb auf das Genaueste wiederholt mit unserem Bacillus ver-
glichen worden, und zwar konnten hierzu mir aus dem hygienischen
Institut freundlichst überlassene Kulturen verwendet werden. Ich
«wahne nur eine von den mehrfachen Vergleichsreihen: Von Agar-
376 L o e b , Uober einen bei Keratomatacia infantum beobachtet. KapaelbaciUna.
kolturen beider Bacillen wurde je 1 ccm einer dicken Aufschwemmung
zwei gleich grossen Mausen subkutan injizirt; sie starben beide nach
ungefähr 22 Stunden (bei einem 2. Doppelversuch am 2., in einem
3. Versuch am 3. Tage). Der Sektionsbefund stimmte wesentlich
überein, doch war bei der Infektion mit dem Pfeiffer1 sehen Ba-
cillus die Milz etwas mehr vergrössert und die Zahl der Bacillen im
Blut eine grössere. Fadenziehend war das Blut bei keinem der
beiden Thiere. Mit dem Blute wurden Gelatineplatten beschickt; das
Wachsthum der Kolonieen war in hohem Grade übereinstimmend,
doch zeigte sich mit zunehmendem Alter eine zweifellos stärkere
Entwicklung der Kolonieen des Pfeiffer1 sehen Bacillus : sie wurden
dunkler, stärker granulirt oder gestrichelt und erschienen für das
blosse Auge saftiger weiss. Auch entwickelte sich hier der gleiche
Geruch wie bei meinem Bacillus, nur in noch höherem Grade
(Pfeiffer erwähnt von diesem Gerach nichts).
Dementsprechend zeigten auch die Gelatine-, Agar- und Kartoffel-
kulturen eine völlige Uebereinstimmung, mit der einzigen Unter-
scheidung, dass der Pfeiffersche Bacillus in den beiden ersteren
konstant üppig wuchs und deshalb ausgesprochener weiss erschien.
Der Pfeiffersche Bacillus selbst ist im Vergleich zu meinem
Bacillus in den künstlichen Nährböden deutlich etwas plumper und
grösser; die Kapsel lässt sich auch hier ebenso wie bei meinem Ba-
cillus unter Umständen nachweisen. Im Mäuseblute der verglichenen
Fälle zeigten beide Bacillen an und für sich sehr wechselnde Grössen-
Verhältnisse, und es war nicht mit Sicherheit festzustellen, ob der
eine der Bacillen durchschnittlich grösser sei, als der andere. Während
es gelang, mit meinem Bacillus Mäuse und Meerschweinchen zu in-
fiziren, blieb die Impfung von Kaninchen und einer Taube — im Gegen-
satz zu Pfeiffer^ Angaben über seinen Bacillus — erfolglos. Fär-
berisch bestand zwischen beiden Bacillen keine Verschiedenheit (der
Pfeiffersche färbte sich u. A. ebenso wie der von mir beschrie-
bene, unter Umständen in der Mitte schwächer).
Nach dem Ergebniss der vergleichenden Untersuchung des
Pfeifferschen und des von mir beschriebenen Bacillus trage ich
kein Bedenken, beide Bacillen zwar nicht für identisch, aber für nahe
verwandt zu erklären. Ueber die Bedeutung dieser Klasse von Bak-
terien für die menschliche Pathologie lässt sich auf Grund dieses
zum ersten Mal beim Menschen beobachteten Vorkommens nichts
Bestimmtes aussagen.
Herrn Dr. H. Neumann sage ich auch an diesem Orte für die
liebenswürdige Anregung zu dieser Arbeit und seine freundliche
Unterstützung bei deren Ausführung meinen innigsten Dank.
Reichenhall, Anfang Mai 1891.
Hankin, Ueber die Nomenclatur der schützenden Eiweisskörper. 377
Heber die Nomenclatur der schützenden Eiweisskörper.
[Aus dem Cambridge Pathological Laboratory.]
Von
E. H Hankin,
Fellow of St. John's College, Cambridge.
(Schi um.)
In einem vor dem Münchener Mediz. Verein gehaltenen Vortrag
hat Ba ebner x) vor kurzem die schützenden Eiweisskörper „Alexine"
genannt. Es freut mich sehr, dass Bu ebner nicht mehr glaubt,
dass die bakterientödtende Wirkung des zellenfreien Blutserums durch
„den lebenden Zustand des Blutes, der sich im Serum für eine ge-
wisse Zeit forterhält", bedingt sei. Weshalb aber sollte er seine Be-
kehrung zu meiner Hypothese signalisiren durch die Einführung
neuer Namen in dieselbe? Da ich der erste Entdecker der
schützenden Eiweisskörper bin, habe ich das Recht, deren Nomen-
clatur zu geben. Seit anderthalb Jahren haben diese Körper den
Namen „schützende Eiweisskörper" gehabt, und nach meiner Meinung
gibt es keine genügende Ursache, diesen Namen zu verändern.
Zwischen schützenden Eiweisskörpern und gewissen thierischen
Farbstoffen gibt es eine unerwartete Aehnlichkeit. Es kommt oft
vor, dass, wenn man einen neuen Farbstoff entdeckt und man den-
selben mit einem Spektroskop untersucht hat, nachweist, ob er in Chloro-
form, Alkohol löslich ist oder nicht, und dann einen schönen Namen,
der in -in endet, für denselben vorschlägt, — und damit ist der Ver-
sach beendet. Von der inneren Natur dieses Stoffes aber, von seiner
Stellung im Stoffwechsel, von seinem Nutzen und von seinem Ur-
sprung bleibt man ohne Kenntniss.
Aehnlicherweise führen Buchner und ich Namen für schützende
Eiweisskörper ein, aber von den Haupteigenschaften dieser interes-
santen Körper ist bis jetzt sehr wenig bekannt. Zum Beispiel, was
ihren Ursprung und ihr Vorkommen im lebenden Organismus betrifft,
wissen wir bis jetzt so gut wie nichts. Im Zusammenhang mit der
Lehre von der bakterientödtenden Wirkung des Blutserums habe ich
oft bemerkt, dass viele Bakteriologen glauben, dass das, was für das
Blutserum gilt, auch nothwendigerweise für das Blutplasma
gelten müsse.
In der oben citirten Arbeit Buchner 's lesen wir, dass die
schützenden Eiweisskörper (resp. „Alexine") im Blutplasma vorhan-
den sind. Nach meiner Meinung gibt ihr Vorkommen im Serum
per se keinen Beweis, dass dieselben im kreisenden Blutplasma
1) „Kurze Uebersicht über die Entwickelang der Bakterienforschung seit Nageli's
Eir greifen in dieselbe.11 (Münchener Med. Woch. No. 25. 28. Juni 1891. S. 485 und
So. 26, S. 454. — Vergl. Centialbl. f. B akter. u. Paras. Bd. X. p. 849.)
378 Hankin,
vorhanden sind, und dies sollte nicht ohne weiteres angenommen
werden. In einigen Fällen (and in gewissen Zuständen des Thieres)
ist es sogar wahrscheinlich, dass schützende Eiweisskörper in den
thierischen S&ften existiren. In anderen Fällen scheint es aber im Gegen-
theil, dass die schützenden Eiweisskörper im lebenden normalen Thier
nicht vorhanden sind. Dass das letztere der Fall ist beim Sozio
der Ratte, wird wahrscheinlich gemacht durch folgende Thatsachen:
Wie bekannt, sind junge Ratten gegen Milzbrand empfindlich. Wenn
meine Vermuthung richtig wäre, dass die Immunität der erwachsenen
Ratte gegen Milzbrand durch das Vorhandensein seines Sozius be-
dingt ist — so würde man erwarten, dass dieser Stoff bei jungen
Ratten ausbleibt. Thatsächlich ist aber dieser Stoff im Serum der jungen
Ratte erkennbar durch seine chemischen Eigenschaften. Er ist aber
in viel kleineren Quantitäten vorhanden, als bei dem erwachsenen
Thiere. Nichtsdestoweniger ist es schwer, zu verstehen, wie Milz-
brandbacillen im Plasma der jungen Ratte gedeihen können, wenn
dieser Stoff dort in denselben Quantitäten gelöst ist, wie es in dem
Serum der Fall ist Wenn die Erscheinung dieses Sozins im Serum
der jungen Ratte nur post mortem stattfindet, so könnte man erwarten,
dass eine junge und deshalb empfindliche Ratte durch
Einspritzungen von Serum einer anderen auch em-
pfindlichen Ratte gegen Milzbrand geschützt sein
könnte. Dieses etwas paradoxe Resultat habe ich erzielt, wie aus
folgendem Versuch erhellt: Von einer ungefähr einen Monat alten
Familie junger Ratten wurde eine getödtet und ihr Blut gesammelt.
Am nächsten Tage wurden 6 Thierchen von derselben Familie mit
Milzbrand geimpft Dazu wurde eine 2 Tage alte, sporenenthaltende
Agarkultur von voll virulentem Milzbrand benützt Alle 6 haben die-
selben Quantitäten (0,02 cem) der Kultur bekommen. Von diesen 6
haben drei als Kontrole gedient, und alle sind innerhalb 36 Stunden
an Milzbrand gestorben. Die anderen drei haben 0,03 bis 0,1 cero
des Serums ihrer Bruderratte bekommen, und von diesen ist eine
nach 48 Stunden untergegangen. Bacillen waren nur an der Impf-
stelle zu finden. Die zweite ist später gestorben. Die Bacillen waren
in der Milz in langen Fäden angeordnet, wie es der Fall ist
bei abgeschwächtem Milzbrand. Einige Fäden waren so lang, dass
sie sich durch das ganze Gesichtsfeld erstreckten. Die dritte endlich
ist lebend geblieben. Eiter hatte sich an der Impfstelle gesammelt,
(wie es bei etwas älteren Ratten nach Milzbrand-Infektion gewöhnlich
der Fall ist). Nach einigen Tagen aber ist dieser verschwunden und
die Wunde völlig geheilt. Also ist diese Ratte gegen Milz-
brand unempfindlich geworden durch eine Einspritz-
ung des Serums ihres empfindlichen Bruders.
Gegen diese Folgerung könnte man einwenden, dass wahrschein-
lich die Unempfindlichkeit gegen diese Krankheit, welche die erwach-
senen Thiere auszeichnet, nicht in allen Fällen bei demselben Alter
erscheint Es ist also möglich, dass in dieser Familie einige ange-
fangen haben, die natürliche Unempfindlichkeit der Erwachsenen zu
entwickeln, und dass in dem einen Falle die junge Ratte die Impfung
überstanden hat nicht in Folge der Serum-Einspritzung, sondern
U*W die Nomenclfttur der schüttenden Eiweisskörper. 379
weil sie schon die Widerstandskraft der Erwachsenen bekommen
hatte. Diesen Einwand habe ich zu beseitigen gesucht mit Hilfe
der vier übrig gebliebenen Ratten derselben Familie. Während der
Dächsten 10 Tage haben sie statt Brod (wie früher) Fleisch und
Eier zu fressen bekommen. Nun ist es aber bekannt, dass die Wider-
standskraft der Ratte gegen Milzbrand durch Fleischfütterung er-
höht wird. Man könnte also erwarten, dass nach dieser Behand-
lung die vier jungen Ratten eine grössere Widerstandskraft er-
worben hätten. Nichtsdestoweniger sind, als nach dieser Frist drei
davon geimpft wurden, alle gestorben. Eine 24-stündige, nicht sporen-
haltige Bouillon-Kultur war dazu benutzt worden; eine von diesen
drei Ratten hat eine Einspritzung des Serums der vierten bekommen
und ist erst nach 8 Tagen gestorben. Nur an der Impfstelle sind
Bacillen sehr spärlich zu sehen — sonst waren keine Milzbrand-
Symptome zu finden. Es haben also von dieser Familie von 11 Ratten
ö als Kontrole gedient und sind prompt gestorben. Zwei nicht-
geimpfte haben Serum gegeben, mit welchem versucht wurde, die
übrigen 4 gegen Milzbrand zu schützen. Von diesen vier ist 1 lebendig
geblieben, und nur 3 sind gestorben mit verschiedenen Zeichen
einer erhöhten Widerstandskraft gegen die Ansteckung.
Dieser Versuch scheint also zu beweisen, dass das Sozin der
Ratte in seinem Blutplasma nicht im freien Zustande vorhanden ist.
Wie aber dieses Sozin während des Lebens existirt, bleibt noch
zu erklären. Zwei Hypothesen können darüber aufgestellt werden:
Die erste, die ich schon veröffentlicht habe, ist die, dass die schützen-
den Eiweisskörper von gewissen Zellen (vielleicht Phagocyten) stammen
und nach deren Tode befreit werden und in das Serum übergehen.
Die zweite ist die, dass die schützenden Eiweisskörper vom Plasma
selbst abstammen, vielleicht von einer Muttersubstanz (vergl. Zymo-
geo), die darin gelöst ist und die auf einen gewissen Reiz in den
aktiven Zustand der schützenden Eiweisskörper übergeführt wird.
Eine ähnliche Ansicht haben viele Physiologen, um zu erklären,
wie das Fibrinferment während des Gerinnungsvorgangs im Serum
erscheint Nach meiner Meinung sind beim gegenwärtigen Stande
unseres Wissens diese beiden Hypothesen möglich, und ob eine oder
beide mit der Wahrheit übereinstimmen, wird nur nach langen und
sorgfältigen Versuchen aufgeklärt werden.
Cambridge, Aug. 1891.
380 PiedeUr,
Ueber die Brustseuche im Koseier Landgestüte und über
den Krankheitserreger derselben.
Von
Dr. Fiedeler,
Kreistbierarzt in Breslau.
(Fortsetzung.)
Nach dem Standpunkte der heutigen Wissenschaft sind die nach
dem Koch 'sehen Plattenverfahren gewonnenen Reinkulturen als
einwandsfrei zu betrachten. Es ist nun durch die beiden Versuchs-
reihen festgestellt , dass in den Lungen zweier an Brustseuche er-
krankt gewesener Pferde Bakterien vorhanden waren, welche durch-
aus gleiche Formen und sonstige Eigenschaften besassen.
Da aber die Lungen Hohlräume bilden, welche mit der atmo-
sphärischen Luft in beständiger Berührung stehen und den Sitz für
zahlreiche Luftkeime abgeben, welche demnach auch in die beider
Brustseuche sich bildenden, nekrotischen Herde dringen können, wie
ja später durch die sechste Versuchsreihe augenscheinlich dargethan
wurde, so konnte dem Einwände eine gewisse Berechtigung nicht
abgesprochen werden , dass es sich in beiden Fällen nicht um Bak-
terien gehandelt habe, welche der Brustseuche allein eigenthüE'
lieh sind.
Es wurde deshalb nach einer Ursprungsstätte gesucht, welche!
dieser Einwand nicht anhaftete, und der Versuch gemacht, die Rein-
kulturen direkt aus dem Blute kranker Thiere zu gewinnen, b
würde ausserdem diese Methode noch den Vorzug bieten, die bakte
riologische Feststellung der Brustseuche schon am lebenden Thiere
zu erreichen, was unter Umständen von Werth sein kann. Ausserdem
würde diese Methode weniger schwierig und sicherer auszuführei
sein, als die zuerst gewählte. Die negativen Ergebnisse der voi
Hertwig und Di eck erhoff ausgeführten subkutanen und veuösei
Impfversuche waren nicht im Stande, auf jenes Vorhaben ermuthigen-
einzuwirken, andererseits musste es aber wunderbar erscheinen, das^
bei einer Krankheit, welche durchaus den Charakter einer Infektion
krankheit besitzt und sich durch schwere Allgemeinerkrankungefl
und Lokalkrankheiten, welche auf den verschiedensten anatomische
Gebieten auftreten, auszeichnet, das Blut frei von Organismen blei-
ben sollte.
Auf Grund dieser Erwägungen wurde nun versucht, durch d^
Plattenverfahren, welches auf die geringsten Bakterienmengen reagirtj
die Reinkulturen direkt aus dem Blute zu gewinnen. Die ersten
Versuche scheiterten daran, dass es nicht gelang, steriles Blut m
einwandsfreier Weise zu gewinnen. Die gewöhnliche Pravaz'sclifl
Spritze ist dazu ungeeignet wegen der beim Sterilisiren, sowohl )fl
heisser Luft, wie auch im Dampfbade eintretenden Kaüberabweicbunjj
des Kolbenschlusses.
Uetar die Brtutaeuche im Koseier L&ndgestfite. 3g X
Auch die kleine, von Koch konstruirte Glasspritze erwies sich
beim Pferde als unpraktisch.
Dagegen wurde dieOrdtmann "sehe Injektionsspritze wegen der
Unveränderlichkeit ihres aus Asbest bestehenden Kolbenschlusses bei
Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen zum Sterilisiren als
vorzüglich für unsere Zwecke brauchbar befunden, wie sie überhaupt
für alle subkutanen Einspritzungen sehr zu empfehlen ist.
3. Versuchsreihe.
Am 27. Januar wurde dem Deckhengste Ehrenmann, welcher
seit 3 Tagen an der Brustseuche erkrankt war, bei welcher neben
hohem Fieber — 40,7° Temperatur — die Erscheinungen einer Lungen-
und Nierenentzündung in den Vordergrund traten, aus der Jugularis
Blut unter Beobachtung folgender Vorsichtsmassregeln entnommen:
Zunächst wurden auf der Haut über dem mittleren Dritttheile
der linken Drosselrinne die Haare abgeschoren, die kahle Stelle dick
mit Sublimatseife eingeschmiert und am andern Morgen mit warmem
Wasser abgebürstet.
Nachdem diese Stelle nochmals und auch die Hände sorgfältig
mit Sublimatlösung gereinigt waren, wurde mit einem Messer ein
Hauptschnitt bis auf die Jugularis gemacht, die Spitze der Spritze
in die biossliegende Vene gestossen und nun durch das Anziehen des
Kolbens die Spritze mit Blut gefüllt.
Es wurde dabei streng vermieden, die Messerklinge und die-
jenigen Stellen der Spritze, welche direkt mit dem Blute in Ver-
bindung kamen, mit den Fingern zu berühren.
Das Messer wie auch die Spritze waren zweimal binnen 24 Stun-
den, jedesmal 40 Minuten lang, in einem Dampfbade gewesen und dar-
auf mittelst eines sterilisirten Kneifers in ein ebenfalls sterilisirtes,
mit weitem Halse versehenes Glas gethan, dieses wurde dann bis
unmittelbar vor dem Gebrauche mit einem Wattebausche verschlossen
gehalten.
Aus dem so gewonnenen Blute wurden 3 Platten in der Weise
angelegt, dass unmittelbar aus der Spritze möglichst wenig Blut in
die mit erwärmter Gelatine angefüllten Gläschen gedrückt wurde,
leren Inhalt, nachdem noch von einer Platte 2 Verdünnungs-
platten angelegt waren, in Platten ausgeschüttet wurde.
Der in der Spritze verbliebene Rest des Blutes wurde in ein
sterilisirtes Glasröhrchen gespritzt
In 6 aus diesem Blute angefertigten Ausstrichpräparaten konnten
keine Organismen nachgewiesen werden.
Es wurden geimpft: Kaninchen 12, welchem ein erbsengrosses
Blutgerinnsel und 4 Oesen voll Blutserum unter die Hautfalte des
linken Ohres gebracht wurde, und: Maus 8 und 9, mit je einem
linsengrossen Stückchen Blute und 2 Oesen voll Blutserum.
Diese Impfthiere waren einige Tage lang deutlich erkrankt, hatten
sich aber bald wieder von der Impfkrankheit erholt.
In den Platten, deren Inhalt längere Zeit, weil sie zu nahe am
Wen gestanden hatten, flüssig gewesen war, war nichts zu sehen,
nur in 1 Originalplatte waren am 6. Tage an einer halbmondför-
382 KiedeJer,
migen, 2 cm langen Stelle dicht an einander gedrängte, hirsekorngrosse,
länglich gezogene Kolonieen gewachsen, welche einen deutlichen
Zwischenraum erkennen Hessen.
In einem aus einer solchen Kolonie angefertigten Ausstrichprä-
parate fanden sich die bekannten Organismen und besonders zahl-
reich in der Form der Diplokokken.
Mit einer anderen Kolonie wurden in der bekannten Weise an-
gelegt: 3 Platten.
Nach 4 Tagen waren in denselben — in entsprechender Ver-
keilung — zahlreiche charakteristische Kolonien gewachsen.
Aus der ersten Verdünnungsplatte wurden angelegt 2 Gelatine-
Stiche, welche charakteristisch wuchsen, und geimpft: Maus IL
Am 11. Februar Abends war dieselbe todt. In einem aus den
Blute angefertigten Ausstrichpräparate fanden sich die bekaonten
Bakterien.
Aus dem Herzblute derselben wurden angelegt mit je einer
Oese voll: 2 Platten und 1 Brühekultur.
Die Platten gediehen in der bekannten Weise.
In der bei Zimmertemperatur gehaltenen Brühekultur befand
sich am 4. Tage ein flockiger Bodensatz, der untere Theil der Brühe
war trübe, während der obere Theil derselben erst durch Umschüt-
teln des Gläschens getrübt wurde. In zwei aus einer Kolonie and
aus dem flockigen Bodensatze angefertigten Ausstrichpräparaten
fanden sich Reinkulturen unserer Bakterien. Aus einem der beiden
Stiche wurde angelegt: 1 Agarkultur.
Am 17. Februar fanden sich auf der schrägen Agarfläche kleine
graue Kugeln, welche nach dem Ergebnisse der mikroskopischen Unter-
suchung aus Reinkulturen von ovoiden Bakterien bestanden.
3. Ehrenmann.
Blut.
3 Platten.
2 Suche.
-L
1 Agar.
4. Versuchsreihe.
Am 30. Januar wurde aus der linken Drosselvene des Landbe-
schälers „König", welcher seit 5 Tagen an Brustseuche erkrankt war,
seit dem ersten Krankheitstage ständig über 40,0 Temperatur gehabt
hatte und mit Lungen- und Nierenentzündung behaftet war, eine
Spritze Blut in der geschilderten Weise entnommen, mit je einigen
direkt aus der Spritze gedrückten Tropfen wurden besät: 3 Plattes
Ueber die Bru»to«uche im Koteier LandgettUte. 3g3
und von einer dieser Platten wurden, mit je 10 Oesen, 2 Ver-
dünnungsplatten angelegt.
Das übrige Blut wurde auf 2 sterilisirte Reagenzgläschen
▼ertheilt.
Aus einer dieser Röhrchen wurden, nachdem mit einem Glas*
stabe das Blutgerinnsel mit dem Blutserum möglichst vermischt war,
mit je einer Oese voll angelegt: 5 Originalplatten und mit
10 Oesen Blutserum: 13 Originalplatten, und aus einer der-
selben: 2 Verdünnungsplatten.
Ferner wurde angelegt: 1 Gelatine stich, und mit 10
Oesen beschickt: 1 Brühekultur, und mit je 1 Oese: 2 Brühe-
kulturen,
Ein bohnengrosses Blutgerinnsel und 10 Oesen voll Blutserum
wurden mit etwa 4 Theilen sterilisirter Brühe verrieben und unter
die Haut gespritzt: Kaninchen 10 und 11 und Maus 13.
In diesem Blute konnten in 3 aus demselben angefertigten Aus-
strichpraparaten keine Organismen aufgefunden werden.
Von den direkt aus dem Blute beschickten Platten zeigten sich
2 Original- und 1 Verdünnungsplatte infizirt, es waren in denselben
io entsprechender Vertheilung Kolonien gewachsen, welche mit denen
der ersten Versuchsreihen nach jeder Richtung hin übereinstimmten.
Die 5 mit 1 Oese voll Blut beschickten Platten und 2 Brühe-
kulturen blieben steril, auch der Gelatinestich, oder vielmehr: es
waren in demselben fremde Bakterien gewachsen, während von den
mit 10 Oesen besäten Platten 2 Original- und 1 Verdünnungsplatte
und 1 Brühekultur mit charakteristischen Bakterien besetzt waren.
Aus der ersten Verdünnungsplatte wurde am 5. Februar eine
Kolonie gefischt und damit angelegt: 3 Platten (a, b und c) und
1 Gelatinestich.
Ferner mit je einer, in sorgfältiger Weise gefischten Kolonie:
11 Brühekulturen und 2 Agarkulturen.
Sowohl in den Platten und in dem Gelatinestiche, wie auch in
den Brühe- und Agarkulturen wuchsen Kolonieen, welche die be-
kannten Eigenschaften nachwiesen.
Von der Verdünnungsplatte b wurden wiederum 3 Platten an-
gelegt und von diesen nach einiger Zeit wieder 3, und so fort bis
Ende März, wo die Bakterien zuerst ihre Infektionsfähigkeit und
später auch ihre Beproduktionsfähigkeit eingebüsst hatten.
Kaninchen 10 und Maus 13 blieben gesund, Kaninchen 11,
welches sehr jung und zart war, war am Abend des 3. Februar ge-
storben.
Die Leichenöffnung desselben lieferte einen durchaus charakte-
ristischen Befund. Aub dem Blute wurden angelegt: 2 Platten
(a und b), 1 Agar- und 1 Brühekultur.
In den Platten und der Brühe wuchsen charakteristische Kolo-
nieen, bezw. Bakterien.
Es ist erinnerlich, dass das von „König" entnommene Blut auf
2 Gläschen vertheilt wurde, das letzte derselben wurde 3 Tage lang
bei Zimmertemperatur aufbewahrt, in 2 aus demselben angefertig-
ten Ausstrichpräparaten wurden zahlreiche Bakterien, besonders
384
Typhus.
häufig in der Form von sogenannten Diplokokken gefanden. Mit je
einer diesem Röhrchen entnommenen Oese Blutserum wurden ange-
legt: 2 Original- und 1 b-Platte und 1 Gelatinestich.
Am 3. Tage waren alle drei Platten von Kolonieen, welche sich als
charakteristisch erwiesen, dicht besät, und auch in dem Stiche waren
charakteristische Kolonieen gewachsen.
Aus der Verdünnungsplatte wurden 2 Kolonieen gefischt und da-
mit geimpft: Maus 14.
Dieselbe war nach 3 Tagen gestorben und lieferte den bekann-
ten charakteristischen Befund.
Ebenso, und zwar in entsprechender Vertheilung, in 3 — a, b
und c — Platten, welche aus dem Blute dieser Maus angelegt
wurden.
4. König.
Blut (frisch).
Blut (3 Tage ala
S Platten.
Kaninchen 11. 3 Platten. 1 Stich.
3 Platten. 1 Stich. 11 Brühe. 2 Agarkulturen.
2 Platten. 1 Brühe.
3 Platten.
PI. und Mäuse
(siehe 7. Versuchsreihe).
(Fortsetzung folgt.)
Referate.
HUscher, Ueber die Komplikationen bei 2000 Fällen von
letalem Abdominaltyphus. (Münch. med. Wochenschr. 1891.
No. 3 u. 4.)
Aus der interessanten Zusammenstellung des Verf.'s, welcher die
Ergebnisse von 2000 Typhussektionen des pathologischen Instituts
Münchens zu Grunde liegen, geht hervor, dass Komplikationen des
Abdominaltyphus an allen Theilen und Organen des Körpers häufig
vorkommen, zum grösseren Theil durch das Typhusgift selbst, zum
Gonorrhö«. 335
geringeren durch Mischinfektionen verursacht werden und weitaus in
den meisten Todesfällen jener Krankheit die Ursache des ungünstigen
Ausgangs sind. Kubier (Berlin).
Werthelm, E., Zur Lehre von der Gonorrhöe. (Prager medi-
zinische Wochenschrift. 1891. No. 23, 24.)
Verf. suchte experimentell die Frage zu lösen, ob die Gonokokken
unter denselben Bedingungen wie die pyogenen Mikroorganismen am
Versuchsthiere eine Peritonitis hervorzurufen vermögen.
Bezüglich der mit Gonokokken angestellten Kulturversuche und
Uebertragungsversuche auf den Menschen kommt Verf. zu folgenden
Schlüssen:
1) Der Gonococcus lägst sich ganz leicht und bequem mittelst
des Plattenverfahrens rein züchten, wofern man als Nährboden mensch-
liches Blutserum benutzt. Die Erstarrungsfähigkeit wird demselben
nach Hueppe durch einen Zusatz von sterilem Agar-Agar ver-
liehen. Binnen 3 Tagen gelingt es auf diese Weise, zu einer sicheren
Gonokokken-Reinkultur zu gelangen.
2) Die mittelst des Plattenverfahrens gewonnenen Reinkulturen
erzeugen bei der Uebertragung auf die menschliche Urethra einen
typischen Gonokokken-Tripper, wie aus fünf derartigen Versuchen
hervorgeht.
3) Aus der Möglichkeit der Anwendung des Plattenverfahrens
ergibt sich: a) dass sich der Gonococcus auch in der Tiefe des
Nährbodens fortentwickelt; b) dass es durchaus nicht nothwendig ist,
das Aussaatmaterial in dicker Masse auf den Nährboden aufzutragen,
dass vielmehr von jedem einzelnen Gonokokkenkeime aus eine Kolonie
sich entwickelt. Stich- und Strichkulturen gehen in gleicher Weise
günstig an.
4) Menschliches Blutserum ist der weitaus beste Nährboden für
den Gonococcus, doch können auch auf thierischem Blutserum und
auf Agar-Agar kümmerliche Kulturen, selbst bei direkter Aussaat
gonorrhöischen Eiters, erzielt werden.
5) Gut entwickelte Gonokokkenkulturen auf menschlichem Blut-
serum sind selbst nach 4—5 Wochen durch Ueberimpfung auf neues
menschliches Blutserum fortzüchtbar, falls sie vor Austrocknung be-
wahrt werden.
6) Auch die Virulenz geht durch die Züchtung auf künstlichem
Nährboden keineswegs besonders rasch verloren. Eine durch 4 Wochen
fortgezüchtete Kultur auf menschlichem Blutserum erwies sich bei
der uebertragung auf die menschliche Urethra als vollvirulent.
7) Das Wachsthum des Gonococcus ist bei Entziehung des
Sauerstoffs bedeutend stärker, als bei Sauerstoffzutritt.
Die Kultivirung ergab einmal ein positives Resultat, trotzdem in
den mit Trippereiter angefertigten mikroskopischen Präparaten keine
Gonokokken vorgefunden wurden.
Nachdem sich Verf. durch eigene Untersuchungen davon über-
zeugt hatte, dass die Einbringung von Staphylococcus pyo-
genes aureus und Streptococcus pyogenes sammt festem
Nährboden, z. B. Agar, in die Bauchhöhle der Thiere sicher eine
x.*L 26
386 Periurethral« Abscesse.
fast immer tödtliche Peritonitis zur Folge hatte , während die Ein-
bringung relativ bedeutender Mengen von Bouillonkulturen meist
schadlos vertragen wird, prüfte er diese Verhältnisse bezüglich des
Gonococcus. Dieselben waren die gleichen wie jene für die Eiter-
kokken. Dabei erwies sich das Peritoneum verschiedener Thiere ver-
schieden empfänglich. Am besten eignen sich weisse Mäuse, dann
Meerschweinchen, weniger gut Kaninchen und Ratten, fast gar nicht
Hunde.
Die Impfungen bewirkten regelmässig eine echte, durch Gonokokken
bedingte Entzündung des Peritoneums.
Die histologische Untersuchung der Bauchwand in solchen Fällen
hat ergeben, dass der Gonococcus in Plattenepithel und Bindege-
webe eindringen kann und dass er in letzterem dem Verlaufe der Ge-
webs- und Lymphspalten folgend sich ähnlich verbreitet, wie die
anderen pyogenen Mikroorganismen.
Auf vom Gonococcus erschöpftem Nährboden ging Strepto-
coccus pyogenes überhaupt nicht an; Staphylococcus pyo-
gen es aureus gedieh auf demselben weniger reichlich als in
frischem menschlichem Blutserum.
Schliesslich berichtet Verf. noch über 2 Fälle von rein gonor-
rhöischen Ovarialabscessen. Dittrich (Prag).
Pellizzarl, Celso, Der Diplococcus von Neisser in den
periurethralen blennorrhöischen Abscessen. (Central-
blatt für allg. Pathologie und pathol. Anatomie. L 1890. No. 18, 19).
Verf. spricht sich auf Grund der bakteriologischen Untersuchung
dreier Fälle eigener Beobachtung dahin aus, dass bei den Abscessen,
die sich sehr häufig durch Ausbreitung des Trippers von den Mor-
gagni'sehen Lücken aus in die periurethralen follikulären Drüsen
einstellen, der Diplococcus von Neisser sich vorfindet; und da dieser
Mikroorganismus, wenigstens in einigen Fällen, sich allein vorfindet,
muss man ihm wahrscheinlich auch eine echte und besondere pyogene
Wirkung zuschreiben. Andererseits kann man nicht ausschliessen,
dass bei diesen besonderen Bedingungen der Gewebe das successive
Gedeihen der anderen pyogenen Keime erleichtert werden könne,
welche sich mit dem Diplococcus selbst vereinigen oder auch geradezu
ihn ersetzen. Auf diese Weise würden sich vom bakteriologischen
Gesichtspunkte aus jene Fälle von periurethralen Abscessen erklären,
in denen sich der Diplococcus von Neisser gleichzeitig mit dem
Staphylococcus pyogenes aureus, oder bei denen sich der
Staphylococcus pyogenes aureus allein vorfand; vom kli-
nischen Standpunkte erklärten sich dann gleichfalls jene sehr seltenen
Fälle, bei denen auf sehr milde Formen von folliculären Abscessen
ausgedehnte periurethrale Phlegmone folgt, mit Loslösung der Apo-
neurose und Nekrose der Scheiden des Gliedes.
In der Periode, in welcher die kleinen periurethralen Abscesse
beginnen, fand Pellizzari den Gonococcus isolirt.
Dittrich (Prag).
Epidemischer Icterus. 387
Heinert, Ergebnisse der Sammelforschung über den im
Königreich Sachsen 1889/90 beobachteten epidemi-
schen Icterus. Mit einer Karte. (Korresp.-Bl. d. sächs. ärztl.
Kreis- u. Bezirks- Vereine. Bd. XLIX. 1890. No. 6.)
Verf. berichtet von einer Icterusepidemie, die im Juli und August
1889 langsam einsetzte, allmählich zunahm, um mit den letzten
Fällen im März und April 1890 auszuklagen, und über das König-
reich Sachsen und die preussische Provinz Schlesien sich ausbreitete,
in vereinzelten Fällen aber auch in den umliegenden Ländern Bayern,
den sächsischen Herzogtümern, der Mark Brandenburg, der Provinz
Posen mit den angrenzenden russischen Provinzen vorkam. Sie befiel
hauptsächlich Kinder unter 14 Jahren, ohne ein Geschlecht besonders
zu bevorzugen, kam besonders in wohlhabenden Familien vor, Hess
dagegen keinerlei Abhängigkeit von bestimmten geographischen Ver-
hältnissen erkennen. Im Ganzen war die Epidemie leicht, von den
im Kgr. Sachsen genau beobachteten 518 Erkrankungen endeten nur
13 = 2,5 Proz. tödtlich, davon 2 unter dem Bilde der akuten gelben
Leberatrophie. Klinisch Hessen sich zwei scharf getrennte Stadien
unterscheiden, ein ohne Prodrome einsetzendes fieberhaftes mit Tem-
peraturen bis 40° G und darüber, das 2—3 Tage dauerte, worauf
staffelförmiger Temperaturabfall, und ein fieberloses, das sich an
erstem nach anscheinender Genesung anschloss und mit Icterus
und Leberschwellung verlief. Die Gelbsucht konnte von wenigen Stunden
bis zu Wochen dauern. Das Fieber fehlte zuweilen ganz, etwa in
28 Proz. der Fälle. Bei Erwachsenen war der ganze Verlauf kürzer
und leichter.
Aus den Beobachtungen schliesst Verf., dass die Krankheit in-
fektiös, jedoch nicht mit der Weil' sehen Krankheit identisch, kon-
tagiös und zugleich miasmatisch sei. Irgend welche bakteriologischen
oder mikroskopischen Untersuchungen fanden nicht statt, trotzdem
glaubt Verf. sich zu Betrachtungen über die Natur der Krankheits-
erreger berechtigt. Er vermuthet, dass dieselben keine festen, an die
Scholle gebundenen Brutstätten haben, wie etwa die Malaria- oder
Milzbrandmikroben, sondern auf beweglichen Nährböden zu Hause
sind. Wegen der Häufigkeit der Störungen seitens der Athmungs-
organe, welche die Krankheit begleiten, vermuthet Verf. ferner, dass
diese die Eingangspforte des Krankheitsgiftes sind.
Nach allem plädirt Verf. dafür, dass man den epidemischen
Icterus der Kinder als eine Krankheit sui generis vom gewöhnlichen
Icterus trenne, und führt aus der Litteratur 5 Epidemieen an, die
offenbar dieser Krankheit angehörten: Genf 1848 und 1851, Bir-
mingham 1852, Hanau 1868/69, Basel 1874/75 und Brunsbüttel und
Nordhausen in Holstein 1888/89. Bemerkenswerth ist, dass mehr-
fach Schulen als Krankheits- und Ansteckungsherde sich erwiesen.
— Hoffen wir, dass eine künftige Epidemie dieser Krankheit ätio-
logisch noch gründlicher aufgeklärt werden möge, als es mit der vor-
liegenden dem Verf. gelang.
Seltsam berührt den Ref. die Erklärung des Verf.'s, dass er die
Fragekarten, auf denen seine Sammelforschung beruht, an „Spezialisten,
privatisirende Aerzte und aktive Militärärzte wegen der geringen von
388 Chorea. — Arthritis nach Pneumonie.
ihnen zu erwartenden Beisteuer" nicht gesandt habe. Dass ihm
Augen-, Ohren- u. 8. w. und „privatisirende" Aerzte über den Icterus
nicht viel mitzutheilen haben werden, ist wohl anzunehmen; die Er-
fahrungen der Militärärzte aber, die ausser den Soldaten die Soldaten-
frauen und -Kinder zu behandeln und vielfach ausgedehnte Privat-
praxis haben, so geringschätzig behandelt zu sehen, kann Ref. in der
That nicht gutheissen. M. Kirchner (Hannover).
Piaiiese, 6L, Ricerche batteriologiche e sperimentali in
un caso di corea du Sydenham. (La Riforma med. 1891.
No. 158.)
Aus dem Halsmarke eines jungen, an allgemeiner schwerer Cho-
rea verstorbenen und 25 Stunden nach dem Tode obduzirten Indi-
viduums gelang es P., mittelst Koch'schen Platten Verfahrens einen
Bacillus zu isoliren, welcher auf allen üblichen Nährböden, auch unter
der Glimmerplatte, wächst bei 20 — 38° Temperatur, in der Gelatine
Gas entwickelt, im hängenden Tropfen eine träge Bewegung zeigt,
Sporen bildet und sich besonders mit Karbolfuchsin gut färbt.
Subkutane, intraperitoneale und intravenöse Impfungen ohne
Erfolg. Positiv fielen hingegen aus Impfungen unter die Dura nach
vorhergegangener Trepanation (3 Hunde und 12 Kaninchen), ferner
jene längs der Nervenstämme wie des Ischiadicus (3 Hunde und
1 Kaninchen) und endlich auch die mittels Einreibung in die ver-
letzte Nasenschleimhaut (4 Meerschweinchen). Schon 24 Stunden
nach der Inokulation zeigten diese Thiere entweder einen allgemeinen
oder auf einzelne Muskelgruppen beschränkten Tremor, wurden apa-
thisch, magerten ab, zeigten eine ungeheuere Empfindlichkeit bei Be-
rührung der Wirbelsäule und starben in der Regel am 4. Tage nach
der Impfung, nachdem vorher noch Kontrakturen in verschiedeneu
Gelenken aufgetreten waren. Die an der Nasenschleimhaut infizirten
Meerschweinchen gingen schon nach 24—36 Stunden ein. Die längs
des Ischiadicus geimpften Hunde und das Kaninchen starben nicht,
boten jedoch durch 20—30 Tage allgemeine Tremores mit Kontrak-
turen, magerten ungemein ab, erholten sich jedoch schliesslich
gänzlich.
Bei den eingegangenen Thieren fanden sich die Bacillen nur in
Schnitten aus Gehirn, Rückenmark und den Nervenstämmen und konn-
ten auch nur aus diesen Organen mittelst Kultur gewonnen werden.
Kamen (Gzernowitz).
Picqu6 et Yelllon, Note sur un cas d'arthrite purulente
cons6cutive ä une pneumonie avec prösence du
pneumocoque dans lepus. (Archives de m&iecine expöri-
mentale et d'anatomie pathologique. 1891. No. 1).
Die Untersuchung des Eiters einer Kniegelenksentzündung, die
sich an eine Pneumonie angeschlossen hatte, ergab mikroskopisch,
kulturell und experimentell geprüft, bloss die Anwesenheit des Di -
plococcus pneumoniae Fraenkel- Weichselbaum.
Dittrich (Prag).
Braun, Bericht über die Fortschritte in der thierischen Paratitenkunde. 389
Bericht über die Fortschritte in der thierischen
Parasitenkunde.
Von
M. Braun
in
Königsberg i. Pr.
Von allgemeineren Arbeiten über Parasitismus sind dem Ref.
bekannt geworden ein Vortrag von E. Haase „Ueber die Entwickelung
des Parasitismus im Thierreich" (1), die Antrittsvorlesung von Pr.
Sonsino: „Importanza della zooparassitologia medica e specialmente
degli zooparassiti come fattori di malattie" (2), ein Vortrag von
A.Railliet: „Les parasites des nos animaux domestiques" (3), sowie
eine durch 47 Abbildungen illustrirte Abhandlung von R. Blan-
chard: „Les animaux parasites introduits par l'eau dans l'orga-
nisme" (4), Arbeiten, welche unsere Kenntnisse in dieser oder jener
Richtung mit grossem Geschick zusammenfassen, aber kaum etwas
Neues bringen.
A. Zu den Arbeiten über parasitische Protozoa übergehend,
erwähnen wir zunächst eine Notiz von B. S o 1 g e r : „Ueber eine im Darm-
kanal von Bai anus improvisus Darw. (var. gryphicus Munt)
lebende Gregarine" (5), die von der durch Kölliker (1848) be-
schriebenen Gregarina balani aus Baianus pusillus (Triest)
sich unterscheidet. Die wahrscheinlich neue Art aus dem Greifs-
walder Baianus zeichnet sich durch ringförmige Kontraktionen aus,
welche an dem vorderen von zwei konjugirten Individuen beginnen,
kontinuiriich nach hinten rücken und dann auch auf das zweite In-
dividuum übergehen.
Vielleicht zu den Sporozoa zu rechnende Wesen beschreibt
A. Wierzejski (6) unter dem Namen Blanchardia cypricola
Q- gen. n. sp., ganz problematische Bildungen, die theils im Amöben-,
theils im Proliferationsstadium oder in einer dickwandigen, längs-
gerieften Cyste eingeschlossen, zwischen den beiden Blättern der
Schale, sowie in den Antennen, Kiefern etc. von Cypris Candida
(von Krakau) gesehen worden sind. Während des Proliferations-
stadiunis scheinen sich diese Wesen lang zu strecken, sich mehrfach
einzuschnüren und in mehrere spindelförmige Körper zu zerfallen,
die sich dann einkapseln.
Mit den Myxosporidien der Barben aus der Marne beschäftigt
sich eine Notiz von A. Railliet (7); es handelt sich um dieselbe
verheerende Krankheit, über welche neuerdings auch H. Ludwig
aus der Mosel und dem Rhein berichtet hat (cf. dieses Gentralbl.
Bd. VI. 1889. p. 419), doch liegt nach L. Pfeiffer (8) der Sitz
der ersten Infektion in den Muskelfasern und nicht, wie man aus
den später auftretenden tiefen Geschwüren am Körper und der Natur
(les Parasiten erwarten könnte, in der Haut. Verf. nimmt, wenn
Ref. ihn recht versteht, an, dass die amöboiden Gebilde aus den
890 Brtun,
Sporen in die Muskeln eindringen, dort zu kleinen, bei anscheinend
noch gesunden Barben beobachteten Schläuchen auswachsen, welche
auch bald mit der Sporenbildung beginnen. Da die Infektion meist
eine starke ist, so platzen die Muskelfasern und „durch Zusammenfliessen
des Inhaltes einer Muskelgruppe kommt es zu Geschwürsbildung auf
der Haut" Derselbe Autor berichtet (1. c) noch über „Die Mikro-
sporidien-Infektion der Muskelzellen bei der Sumpfschildkröte" (c£
auch Danilewsky in dies. Centralbl. IX. 1891. p. 9), ferner über
„Die Miese he r 'sehen Schläuche beim Schaf * und beim Schwein, bei
welch letzteren zweierlei Sporen , einfache Sicheln und solche mit
differenzirtem Inhalt beobachtet wurden.
Eine Mittheilung über die noch wenig bekannten Myxosporidien
der Seefische veröffentlicht A. Perugia (9). Da es ihm nicht in
allen Fällen gelungen ist, die Sporen zu sehen, so führt er alle be-
obachteten Formen unter dem provisorischen Gattungsnamen Myxo-
sporidium auf — er fand 1) M. plagiostomi (= Chloro-
myxum Leydigii Mingazzini) aus der Gallenblase verschie-
dener Selachier und Rochen, bei welcher Form der Austritt eines
amöbenartigen Körpers aus den Sporen gesehen wurde; 2) M. mugi-
1 i 8 n. in Cysten zu zweien oder dreien an den Kiemen von Mugil
au rat us und M. capito lebend, jedoch sehr selten (2 mal bei
300 Exemplaren gefunden); die Sporen besitzen zwei Polkörperchen;
3) M. merlucii n. in der Gallenblase von Merlucius esculen-
tus mit konstant nur zwei Sporen, welche aus dem hüllenlosen
Protoplasmakörper ausgestossen werden; 4) M. congri n. aus der
Gallenblase von Gonger vulgaris; Sporen unbekannt.
Nach ausführlichen Untersuchungen P. Thälohan's (10) M
kommen die Myxosporidien sowohl als freie, amöboid bewegliche
Massen, als in der Form mehr oder weniger voluminöser Cysten vor;
beide Zustände können übrigens bei ein und derselben Art auftreten
und werden wohl durch den Aufenthaltsort der Myxosporidien be-
dingt, da die freien Formen in natürlichen Hohlräumen oder in
der Tiefe der Gewebe, die encystirten im subepithelialen Bindege-
webe der Haut, der Kiemen etc. leben ; übrigens gibt es kaum ein
Organ des Fischkörpers, in welchem nicht Myxosporidien beobachtet
worden wären. Die die encystirten Formen umgebende Membran
scheint aus einer Verdichtung des Ektoplasmas hervorgegangen zu
sein. Unter den Sporen kann man einfache, denen die Polkörper-
chen fehlen und welche einen bis vier Kerne besitzen, sowie kompli-
zirte, d. h. mit Polkörperchen versehene, unterscheiden ; die letzteren
besitzen bekanntlich eine zweiklappige Schale und ausser dem Pol-
körperchen noch ein kleines Protoplasmakörperchen, dessen bis dahin
als Nucleus angesprochenes Gebilde eine Vakuole ist, deren Inhalt
sich mit Jod rothbraun färbt, dagegen auf Kernfarbstoffe nicht
reagirt; echte Kerne kommen ebenfalls, und zwar in verschiedener
Anzahl vor — sie sind alle aus der Theilung eines einzigen Kernes
hervorgegangen ; endlich beobachtet man im Innern solcher Sporen
noch eine verschieden grosse Anzahl von fettig glänzenden Kügel-
1) Vtrgl. Centralbl. f. Bakt. u Paras. Bd. X. p. 854.
Bericht aber die Fortsehritte in der thierischen Parasitenknnde. 391
eben. Dass es geschwänzte und ungeschwänzte Sporen (mit Pol-
körperchen) gibt, ist bekannt, neu jedoch die Beobachtung, dass beide
Formen bei derselben Art, ja nicht selten in demselben Individuum,
z. ß. bei den Myxosporidien der Nierenkanälchen der Stichlinge, vor-
kommen. Die sehr kleinen einfachen Sporen, die man bisher aus
den Myxosporidien der Haut des Stichlings und von Cottus
ßcorpio kennt, sind ebenfalls von einer Hülle umgeben, doch scheint
dieselbe nicht zweischalig zu sein ; auch fehlt dem protoplasmatischen
Inhalte die Vakuole.
In einer späteren Mittheilung (11) wird die Entwickelung
der Sporen der Myxosporidien geschildert; dieselbe beginnt
damit, dass sich um einen der zahlreichen im Endosark vorkommen-
den Kerne ein kugeliges Protoplasmaklümpchen abgrenzt und darauf
der Kern unter den bekannten Erscheinungen der Karyokinese sich
mehrfach theilt, so dass bis 10 Kerne auftreten können. Darauf zer-
fällt auch die Protoplasmakugel in zwei in der ursprünglichen
Hülle vereinigt bleibende Massen mit einigen Kernen, die soge-
nannten Sporoblasten (Bütschli). Möglich, dass drei oder auch vier
Kerne in jedem Sporoblast vorhanden sind, jedenfalls bleiben einige
Kerne ausserhalb derselben, an der gemeinschaftlichen Hülle nach-
weisbar. Das Protoplasma der Sporoblasten theilt sich nun, wie
schon Balbiani und Bütschli angeben, in 3 Stücke, von denen
die beiden kleineren zu den Polkörperchen , das dritte grössere zu
dem Protoplasmakörper der Spore wird. Die Polkörperchen, die ihre
polständige Lage erst später gewinnen, entwickeln sich ähnlich wie
die Nematoblasten der Velellen und Physalien. Wie die konstant
in der Zweizahl vorkommenden Kerne des Protoplasmakörpers der
Spore entstehen, resp. in welchem Zusammenhang sie mit den ur-
sprünglichen vier Kernen des Sporoblastes stehen, konnte ebenso
wenig entschieden werden, wie die Herkunft der Sporenkapsel. Da,
wo nur ein Polkörperchen in den Sporen vorkommt , theilt sich der
Sporoblast nur in zwei Theile; der eine wird zum Polkörperchen,
der andere zu dem auch hier stets zwei Kerne aufweisenden Proto-
plasmakörper der Spore.
Eine nicht uninteressante Beobachtung Blanchard's (12) zeigt,
wie vorsichtig man in der Deutung gewisser Bestandtheile der Fäces
sein muss; er beobachtete nämlich in den Fäces des Grottenmol-
ches (Proteus anguineus) Körperchen, welche Nematodeneiern
sehr ähnlich waren, fand jedoch keinen Wurm bei den untersuchten
Exemplaren, so dass er auf die Vermuthung kam, die mit einer rela-
tiv dicken Hülle versehenen elliptischen Körperchen müssten Cocci-
dien sein — aber bei der Mazeration des Darmes und der darauf
folgenden Untersuchung wurden auch Coccidien nicht angetroffen; es
ergab sich vielmehr, dass bei der Sekretion des Schleimes in den
Darmepithelzellen ein Herausfallen der grossen Kerne stattfindet,
welche Coccidien resp. Helmintheneier vortäuschten.
L. Cu6not (13) beschreibt eine Reihe parasitischer Protozoen
»us Echinodermen :
l.Infusoria oiliata:
1. Uronema eohini Maup. im Darm von Strongylocentro-
tus lividus.
392 Rostttenkruikheil der Pfirsiche.
2. Uronema digitiformis Fabre-Dom. auf der Haut von
Asterias glacialis.
3. Hemispeira asteriasi Fabr.-Dora. auf den Hautkiemen des-
selben Seesternes. -
4. Licnophora Auerbachii Oohn auf sahireichen marinen
Thieren lebend«
5. Gyolochaeta asterisci Grub, auf den Hautkiemen von
Asterina gibbosa.
6. Cyclochaeta ophiothriois F. -Dom. auf Ophiothrix
fragilis.
7. Triohodina synaptae n. sp. in der Leibeshöhlenflüßsigkeit
von Synapta inhaerens.
8. Triohodina antedonis n. sp. auf Antedon rosaoea.
9. Rhabdostyla arenaria n. sp. auf Synapta inhaerens.
10. Vortioella amphiurae n. sp. auf Amphiura squa-
mata.
2. Dinoflagellata.
1. Frorocentrum micans Ehrbg. im Darm von Antedon
rosaoea.
2. ? Prorocentrum sp. in der Ambulaoralrinne Ton Eohinaster
sepositus.
3. Sporozoa.
1. Syncystis synaptae Ray-Lank. in der Leibeshöhle von
Synapta inhaerens.
2. Syncystis Mülleri Giard ebenda bei Synapta digitata.
3. Syncystis holothuriae A. Schndr. ebenda bei Holothuria
tubulosa.
4. Lithooystis Sohneideri Giard ebenda bei Eohino-
cardium cordatum.
Das von Rivolta in den Zotten des Hundedarmes entdeckte
Cytospermium villosum hat Railliet als eine Coccidie er-
kannt, welche immer zu zweien in einer Cyste lebt. Die Unter-
suchungen W. Stiles1 (17) bestätigen die schon von Railliet aus-
gesprochene Vermuthung, dass die beiden Individuen aus der Theilung
eines hervorgehen. Der Parasit wurde in 4 Hunden unter 10 unter-
suchten in Paris gefunden; er erhält den Namen Goccidium bi-
gerainum n. sp.
(Fortsetzung folgt.)
Smith, E. F., The Peach Rosette. (Journal of Mycology. VI.
1891. No. 4. p. 143—148 u. Taf. VIII— XIII).
In einigen Staaten Nordamerikas, z. B. Georgien, Kansas, tritt
an den Pfirsichbäumen eine ansteckende Krankheit, welche von dem
Verf. als „Rosettenkrankheit des Pfirsich" bezeichnet wird, auf. Die-
selbe äussert sich darin, dass die im Frühjahr zahlreich austrei-
benden Knospen sich zu ganz kurz bleibenden, aber stark verzweigten
Sprossen entwickeln, welche so einen, meist gelbgrünen, Busch dar-
Heim, Die Neuerungen d. bakt. Untersuchungsmethoden seit d. Jahre 1887. 393
stellen, dessen Blätter theilweise frühzeitig abfallen. Auch die künftigen
Winterknospen entwickeln sich schon im Sommer oder Spätherbst zu
schwachen Trieben. Die Krankheit kann nur einen Theil des Baumes
ergreifen, während der übrige normal bleibt, und kann gesunden
Bäumen mitgetheilt werden, wenn kranke Knospen übertragen werden ;
meistens aber wird der Baum schnell gänzlich ergriffen und oft schon
im ersten Jahre, spätestens aber im zweiten getödtet. Irrtümlicher-
weise ist diese Rosettenkrankheit den Angriffen eines Käfers, Sco-
lytus rugulosus, zugeschrieben worden, welcher sich in den er-
krankten Bäumen zuweilen findet, jedoch meist nur in geringer Menge.
Die ansteckende Natur der sich schnell verbreitenden Krankheit ist
ausser Zweifel. Dieselbe ist unabhängig von der kultivirten Sorte,
ergreift auch wilde Arten und wird nicht beeinflusst von der Kultur-
methode und von dem Boden. Das baldige Verbrennen der aus-
gegrabenen Bäume wird als Gegenmaassregel empfohlen.
Brick (Hamburg).
Untersuchungsmethoden, Instrumente etc.
Die Neuerungen auf dem Gebiete der bakteriologischen
Untersuchnngsmethoden seit dem Jahre 1887.
Zusammenfassender Bericht
von
Dr. L. Heim,
k. b. Stabsarzt und Privatdozenten.
(Fortsetzung.)
Das zeitraubende Filtriren stellte die Geduld manches Herstellers
schon hart auf die Probe. Man hat sich theils durch Verwendung
von Watte, Glaswolle u. dergl. zu helfen gesucht, theils wollte man
ganz darauf verzichten. So übte z. B. A. Fraenkel schon früher1)
die allerdings auch nicht einfache Methode, die Agarmasse in mög-
lichst hohen und schmalen, verschlossenen Glascylindem erst 1 Stande
im strömenden Dampf und dann noch 12—24 Stunden in einem
Baum von 50—60° C stehen zu lassen, wobei die trübenden Sub-
stanzen zu Boden sinken. Andere, wie v. Freudenreich (0. 3. 797),
Overbeek de Meyer (0.9. 163), nehmen die Filtration im Auto-
klaven, bezw. Dampfapparat vor. Karl in ski (8. 643) dagegen
presst in einem eigenen Apparate die trübe Lösung, ähnlich wie
Jacob i (O. 3. 539), mittels Kautschuckgebläses durch Wattefilter.
Am rationellsten ist jedenfalls die Verwendung des Unna'schen
Dampftrichters (0. 9. 749).
Zur Bereitung fester brutbeständiger Nährböden hat man auch
Fucus crispus (Neisser 0. 3. 540) und Kieselsäure (W. Kühne
8. 410) genommen.
1) Z. f. kl. M X. 414. Anm.
394 Heim,
Kartoffel kulturen wird man, wenn man ergiebige Ernte bei
möglichstem Schutz vor Verunreinigungen haben will, auf Scheiben
anlegen, welche nach v. Esmarch (0. 1. 26) in Doppelschälchen
sterilisirt sind. Für einfache Strichkulturen ist die Verwendung von
schräg durchschnittenen Kartoffelcylindern in den handlicheren und
am leichtesten keimfrei zu haltenden Reagenzröhrchen nach Globig1)
angezeigt, wie sie auch Bolton*) und Roux (4. 116) angaben.!
Letzterer versah die Rohrchen zum Schutz der Kartoffelstückchen gegen
Eondenswasser am unteren Ende mit einer Verengung, Hueppe*)
legte zum gleichen Zweck sterilisirte Watte und Günther (6. 247)
ein kleines Glasröhrchen unter. In derartigen Reagenzröhren, welche
nach der Aussaat abgeschmolzen wurden, gelang es Pawlowski
(4. 340), Tuberkelbacillen auf Kartoffeln zur Entwicklung zu bringen.
Um Kartoffeln in durchscheinender Form zu verwenden, kann man
nach G. Wood aus recht weissen Kartoffeln feine Scheiben schnei-
den, welche auf sterilisirte Glasstreifeu fest angedrückt mit diesen
in Reagirgläser eingebracht und dann sterilisirt werden (Hueppe)4).
Mitunter kann es nothwendig werden, die saure Reaktion der Kar-
toffeln zu beseitigen. Dann legt man entweder nach Büchner
(O. 4. 355) die Stücke vor der Sterilisirung für 10 Min. in eine 5
oder 10°/0 Sodalösung, oder man bereitet nach Frosch6) Kartoffel-
brei, welcher durch 10 °/0 Sodalösung nach Belieben alkalisirt wer-
den kann.
Die Gewinnung und Herstellung des Blutserums war lange
Zeit mit gewissen Hindernissen verknüpft, welchen man auf verschie-
dene Weise auszuweichen suchte. So hat man die diskontrouirliche
Sterilisirung als zu umständlich und doch nicht sicher genug weg-
gelassen (Hueppe [0. 1. 609]; Baumgarten6), und auf mög-
lichst keimfreie Entnahme sein erhöhtes Augenmerk gerichtet. Letz-
tere wird u. a. durch das Verfahren von Nocard und Roux7) ge-
währleistet, welche in die kauterisirte Wand der durch Druck zum
Schwellen gebrachten Vena jugularis eines Thieres einen Troikart
stiessen und durch ihn ein zur Kapillare ausgezogenes steriles Glas-
gefäss einführten. Andere Autoren zogen vor, das Serum durch
Filtration keimfrei zu machen, so Overbeek de Meyer (0. 9. 165)
mit Ghamberland 'schem, Bitter8) durch Kieseiguhrfilter. Aller
dieser und ähnlicher Umständlichkeiten sind wir jetzt durch das Koch-
Kirch ne r'sche Sterilisirungsverfahren mit Chloroform überhoben.
Nach Kirchner9) hat das zu 0,6% im Serum lösliche Chloroform,
wenn es an Verdunstung gehindert, genügend lange mit ihm in Be-
rührung bleibt, die Fähigkeit, das Serum keimfrei zu machen. Dieses
1) Z. f. H. III. 292.
2) Med. News. 87. 818.
3) 1. o. S. 272.
4) 1. o. S. 272.
6) Z. f. H. IX. 264.
6) I. B. III. 475. Anm.
7) Ann. de l'Insfc. PasL I. 1.
8) Z. f. H. X. 161.
9) Z. f. H. VIII. 469.
Die Neuerungen d. bakteriol. Untersucbungsmethoden seit dem Jahre 1887. 395
Verfahren ist sehr einfach und sicher und kann als ein wahrer Fort-
schritt in der bakteriologischen Technik bezeichnet werden. Ich wende
es folgendennassen an :
Die bekannten Cylindergläaer werden mechanisch und mit warmer
Sodalösung gereinigt. Ist das darin aufgefangene Blut geronnen,
so wird im Interesse grösserer Ausbeute nach dem Vorgange von
Abbot (2. 404) und Buchner (8. 184) der Blutkuchen rings von
den Wandungen mit einem reinen Glasstab abgelöst. Die Entnahme
geschieht an verschiedenen Tagen, mit jedem Tag nimmt die Klar-
heit des Serums, welches sich wieder neu angesammelt hat, zu. Das-
selbe wird mit reinen Vollpipetten in vorher durch Hitze keimfrei
gemachte Medizinflascben *) von 100 g Inhalt übertragen. Jede Por-
tion wird mit etwas Chloroform im Ueberschuss, im Ganzen etwa
1 ccm, versetzt und mit ausgekochtem Gummistopfen verschlossen,
welcher einen Paraffinüberzug erhält Nach einigen Wochen oder
llooaten ist das Blutserum keimfrei geworden, und wenn man sich
einmal einen grösseren Vorrath angesetzt hat, so ist die rechtzeitige
Ergänzung leicht und an dem ausgezeichneten Nährsubstrat niemals
Mangel. Beabsichtigt man, es in grösseren Quantitäten flüssig zu
verwenden, so ersetzt man den Gummistopfen durch einen sterili-
sirten Wattepfropf eines leeren sterilen Fläschchens und lässt das
Glas einige Tage, am besten im Brutschrank, stehen, bis sich das
Chloroform verflüchtigt hat Zur Herstellung des erstarrten Blut-
serums füllt man den Inhalt der am Rande abgeglühten Flaschen in
sterilisirte Beagenzröhrchen, welche dabei im spitzen Winkel zur Aus-
flussöffnung gehalten werden.
Um die Möglichkeit zu haben, auch bei Plattenkulturen sich
des Vortheils des Blutserums zu bedienen, versetzte es Hueppe
(0. l. 610) mit etwa der gleichen Menge warmer Agarlösung und
Unna (1. 729) hob seine Gerinnungsfähigkeit durch starke Alkali-
sirung auf, um es dann zu Gelatine- und Agarsubstraten zu ver-
arbeiten. Nach Koch lässt sich Blutserum, welches mit 9 Teilen
Wasser verdünnt ist, sterilisiren, ohne dass es seine Durchsichtigkeit
verliert, ja selbst im Verhältniss von 1:5 verdünnt, bleibt es nach
dem Kochen noch vollständig klar (Behring1).
Tarchanoff, Mourawoff und Kolessnikoff 8), sowie
1) Medizinflaschen haben sich mir zu den verschiedensten Zwecken als sehr billiges
and recht brauchbares Material bewährt. Ich verwende sie in erster Linie, wo es sich
am einen möglichst luft- and keimdichten Verschluss handelt, weil ihre starke Wand
ein kräftiges Eindrücken des Gummistopfens gestattet (z. B. für Blutserum, zur Ent-
nahme Ton Wasserproben u. s. w.). Ausserdem ersetzen sie oft in verschiedenen Grössen
die zerbrechlicheren Kolben; die Nährbouillon fülle ich fast ausschliesslich in solche
mit Watte verschlossene Fläschchen von 15 und 80 g Inhalt zu 7 und 10 ccm mittels
Bürette, um stets Material zu quantitativen Arbeiten zur Verfügung zu haben. Das
Sterilisiren im Dampf und in heisser Luft vertragen sie gut; nur muss man im letz-
teren Falle, wie bei allen Glassachen mit dickeren Wänden, z. B. Pe tri 'sehen Schalen
o- dergl., darauf sehen, dass die Temperatur von 160° nicht eher voll einwirkt, bis
«lies auf ihnen sich niederschlagende Wasser verdunstet ist, was man durch wieder-
holtes Oeffnen und Schliessen der Thüre des SteriHsirungsschrankes kontrolirt und
beschleunigt
2) Z. f. H. VI. 141.
3) J. B. III. 478.
398 Nene Literatur.
WnndinfektJODBkranVhftitan.
(Eiterung, Phlegmone, Erysipel, acutes paralentes Oedem, Pyamie, Septikimie,
Tetanus, Hospitalbrand, Puerperalkrankheiten, Wondflalniss.)
r, Ueber die im Bakterienkörper enthaltene Eiterung erregende Substanz. (Siran?*
ber. d. Gesellsch. f. Morphol. u. Physiol. in München. 1890. No. 2. p. 88—89.)
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Heilverfahrens von R. v. Jacksch. p. 87—129. — Pathologisch -Anatomisches ?«
Ziegler. p. 180 — 188. — Ueber die Anwendung des Tuberculins im Kindesalter v*
Heubner. p. 139 — 154. — Tuberculin bei Kehlkopftuberculose von M. Schmidt p 155—
163. — Das Koch'sche Verfahren im Verhältnisse zur klimatischen und AnsUl»
bebandlung von Dettweiler. p. 164 — 176. — Tuberculinkuren und Luiigenehirnigz
von Sonnenberg. p. 177 — 185. — Die Erfolge der subkutanen und intravenösen w
jektion der Koeh'schen Lymphe von Baccelli. p. 186—190. — Ueber die Wirkosi
des Koeh'schen Mittels auf die Tuberculose der Thiere nebst Vorschlagen sar Be-
stellung eines unschädlichen Tuberculins von Klebs. p. 191 — 198. — Diskassi«
p. 199—227.)
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deir ospedale maggiore di Milano. Relaaione. 42 p. gr. 8°. Tipogr. L. F. Cogßw
Weiss, J., Doctor Koch and his lymph. (Cosmopolitan. New York. 1891. p. 90—96.
Inhalt.
Originalmittheilungen.
Braun, M., Bericht über die Fortschritte
in der thierischen Parasitenkunde. (Orig.),
p. 889.
Fiedeler, Ueber die Brustseuche im Koseier
Landgestüte und über den Krankheits-
erreger derselben. (Orig.) (Fortsetzung),
p. 880.
Hankin, H. K. , Ueber die Nomenclatur
der schützenden Eiweisskörper. (Orig.)
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Loeb, Ueber einen bei Keratomalacia in-
fantum beobachteten Kapselbacillus. (Ori-
gin.), p. 869.
Referate.
Hölacher, Ueber die Komplikationen bei
2000 Fällen von leUlem Abdomioalty-
phus, p. 884.
Meutert, Ergebnisse der 8ammelforscbung
über den im Königreich Sachsen 1889/90
beobachteten epidemischen Icterus, p. 887.
Pellissari, Oelso, Der Diplococcus von
Neisser in den periurethralen blennor-
rhöischen Abscessen, p. 886.
Planes*, O., Ricerche batteriologicfae e sp
rimentali in un caso di corea du S^dM
han, p. 888.
Pioque et Veillon, Nota sur un css d'u
thride purulente consecutive a one poet
monte avec pre*sence du pneumocoqo
dans le pus, p. 888
Smith, S. F., The Peach Rosette, p »I
Wertheim, £., Zur Lehre von derGonor
rhÖe, p. 885.
Untertuchungamethoden, Instrumente «ti
Heim, L., Die Neuerungen auf dem Gebitf
der bakteriologischen Untersuchung*®*
thoden seit dem Jahre 1887. (Orig
(Fortsetaung), p. 898.
Schutzimpfung, künstliche Infektion*
krankheiten, Entwioklungshemmug
und Vernichtung dar Bakterie«
und Paraaitem,
Hankin, X. H., Cures of infectious ditetsei
p. 896.
Nana Litteratur, p. 897.
«I
FroBmannsoh« Bnohdmokerei (H«
i Pohl«) la Jena.
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
Gel Hoflr. Prot Dr. IMart um Professor Dr. Loefler
In Ldpilf In GnUfcwaM
herausgegeben von
Dr. O. Uhlworm in Cassel.
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
X. Band. -o- Jen», den 10. Oktober 1891. -<- No. IS*
Preis für den Band (96 Hummern) 14 Mark.
Jährlich erscheinen zwei Bände.
— »I Zu bestehen durch alle Buchhandlungen and Pottanstalten. g*—
Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Parasiten'
künde" richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wünsche um Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Auf-
*<ttee entweder bei der Einsendung der Abhandlungen an die
Redaktion auf das Manuskript schreiben zu wollen oder spä-
testens nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an
den Verleger, Herrn Gustav Fischer in Jena, gelangen zu
lassen. Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
eingehende Wunsche berücksichtigen zu können.
Original -Mittheilungen.
Weitere Untersuchungen über die tryptischen Enzyme
der Mikroorganismen.
[Aus dem hygienischen Institut in München.]
Von
Dr. Claudio Fermi
ans
Piacenza.
Als Fortsetzung meiner vor ungefähr zwei Jahren erschienenen
Arbeit: „Die Leim und Fibrin lösenden Fermente der Mikroorganis-
m«A11 (Arcb. f. Hygiene. Bd. X. Heft 1) habe ich noch verschiedene
X.Bd. aa
402 Fermi,
andere Versuche angestellt. Die ausführliche Mittheilung derselben
finden sich im eben genannten Archive, während hier bloss das Resume
der gefundenen Ergebnisse Platz finden möge.
I.
1) Die reine Isolirung der Enzyme im Allgemeinen von den bei-
gemengten Proteinkörpern ist noch nicht gelungen und gehört zu den
schwierigsten Aufgaben.
Es wäre jedoch ein Verfahren denkbar, um die Enzyme einiger
Bakterien rein zu isoliren, und zwar in folgender Weise:
Man kultivirt die betreffende Bakterienart auf Nährböden , die
keine ProteKnkörper enthalten, und auf welche das Enzym abgesondert
wird, z. B. M. prodigiosus und B. pyoeyaneus auf Nähr-
salzen und Glycerin.
Die Kultur enthält dann nichts anderes, als die Pilze und die in
Alkohol löslichen Zersetzungsprodukte des Glycerins, sowie die Salze.
Man entfernt nun die Pilze mittels des Ghamberland "sehen Filters
und fällt das Ferment durch Alkohol rein, wäscht es wiederholt mit
Alkohol aus und entfernt die noch darin enthaltenen Salze durch den
Dialysator.
2) Andere Proteinkörper, ausser den Fermenten, wurden von
den Mikroben nicht ausgeschieden.
Die filtrirte Kultur von nicht Ferment bildenden Bakterien,
z. B. von B. pyogenes foetidus auf Glycerinnährsalzen, gab
nämlich durch Alkohol keinen Niederschlag. Auch nur Spuren von
Eiweisskörpern gaben die filtrirten Kulturen von M. prodigiosus
und B. pyoeyaneus auf Nährsalzen mit Zuckerzusatz. Auf solchem
Nährboden bilden beide Mikroben kein Enzym.
3) Die gefundenen Eiweissspuren stammen nicht von abgestor-
benen nnd zerfallenen Bakterien; denn die todten Bakterien lösen sieb
ungemein schwer. M. prodigiosus, B. pyoeyaneus, B. pyo-
genes foetidus in destillirtes Wasser, Essigsäure 1%, Karbolsaare
0,5%, Sublimat lö/00, Kalilauge l°/00 gelegt und bei 37 ° aufbewahrt,
zeigten sich auch nach 8 Tagen noch intakt, ohne Spur eines Zerfalls.
IL
Temperaturen, bei welchen einige Enzyme unwirksam werden.
Das proteol. Enzym
von B. von Fink ler -Prior,
„ B. anthracis,
„ Koch 's Vibrio,
„ Trychophyton tonsurans,
„ B. des Kieler Hafens,
„ Käsespirillen
gehen zwischen 65 und 70° C zu Grunde,
das von B. Milleri zwischen 60 und 65° C,
„ B. sub tilis,
„ Sarcina aurantiaca,
Weitere Untersuchungen über die tryp tischen Enzyme der Mikroorganismen. 403
von B. pyocyaneus,
„ B. fluorescens
zwischen 55 und 60° C
i:id endlich das von M. ascoformis,
„ B. Mega terium,
„ B. ramosus,
„ Staphyl. pyog. aar.,
„ Schimmelpilzen
zwischen 50 und 55 ° C.
Also von den untersuchten 18 Bakterien-Enzymen werden un-
wirksam
8 zwischen 50 und 55°,
1 „ 60 „ 65«,
6 65 „ 70°.
Bei 70° C gehen alle Bakterien-Enzyme zu Grunde.
Beziehungen zwischen dem Widerstände der Fermente gegen
Erhitzung und Sauren und der Energie des Enzyms selbst wurden
nicht gefunden.
III.
In Uebereinstimmung mit den schon bekannten Enzymen Pepsin,
Trypsin und Invertin dialysiren die Bakterien-Enzyme nicht.
IV.
Die Bakterien-Enzyme im Allgemeinen, sowie das Trypsin wirken
auch in Stickstoff-, in Kohlensäure-, Kohlenoxyd-, in Wasserstoff- und
in Schwefelwasserstoffgas.
Die Enzyme von M. prodigiosus,
„ B. pyocyaneus,
„ Koch's Vibrio
werden von Schwefelwasserstoffgas sehr beeinträchtigt in ihrer Wirkung ;
nicht so B. M i 11 er i und Käsespirillen.
Die Wirkung von Trypsin, sowie vom Ferment des Bac.
Milleri wurde von Kohlenoxyd etwas gefördert und von Kohlen-
säure ein wenig abgeschwächt.
Nur wenige Bakterienfermente wirken in sichtbarer Weise auf
Fibrin ; auf HQhnereiweiss und Caseln wurde keine Wirkung wahrge-
nommen.
VI.
1) Betreffs der Wirkung der Bakterien-Enzyme auf Gelatine in
Gegenwart von Säuren wurde Folgendes gefunden:
Die Enzyme von M. prodigiosus, B. pyocyaneus, B. sub-
tilis, B. von Finkler-Prior, B. Milleri wirken noch in Gegen-
wart von Salz-, Salpeter-, Milch-, Aepfel-, Citronen-, Butter-, Ameisen-,
Essigsäure, nicht aber von Schwefelsäure.
2) Das Enzym des B. anthracis wirkt in Gegenwart von
Salz-, Aepfel-, Milch-, Butter-, Essigsäure.
26*
404 Fermi,
3) Das von Koch 's Vibrio in Gegenwart von Salz- und Essig-
säure.
4) Das des Tetanasbacillos in Gegenwart von Butter-, Citronen-
und Essigsäure.
5) Endlich das Enzym von Käsespirillen bloss in Gegenwart von
Essigsäure.
6) Butter-, Essig-, Aepfel-, Milch-, Ameisensäure störten am
wenigsten, während Salpeter- nnd Schwefelsäure am stärksten störten.
In Gegenwart von Essigsäure wirkten noch alle gut, in Gegenwart
von Schwefelsäure wurde die Wirkung dagegen total aufgehoben.
7) Von den untersuchten Bakterienfermenten wurde M. prodi-
giosus von den Säuren am wenigsten beeinflusst, das von Koch 's
Vibrio und von Käsespirillen am stärksten.
8) Auf starre Gelatine wurde die Wirkung der Enzyme durch
die Säuren stärker beeinträchtigt, als auf flüssige.
Auf starre Gelatine ist nämlich manchmal keine Wirkung zu
konstatiren, während flüssige von denselben Fermenten und Säuren
vollständig ungelatinirbar gemacht wird. Das rührt daher, dass auf
die starre Gelatine die Wirkung eine viel langsamere ist und die
Enzyme durch die Säure früher unwirksam gemacht werden, als sie
ihre Wirkung entfalten können.
Die Fermente von B. anthracis, B. tetani, B. subtilis
wirkten nicht auf starre Gelatine in Gegenwart der oben genannten
Säuren, wohl aber noch auf flüssige.
Das Trypsin löste die starre Gelatine nur in Gegenwart von
Essigsäure, während es auf flüssige in Gegenwart von allen Säuren,
mit Ausnahme der Schwefelsäure, wirkte.
VII.
Es wurde kein Mikroorganismus gefunden, der ein wie das
Pepsin in Gegenwart von Säuren Fibrin lösendes Ferment bildet
Dies darf auch nicht Wunder nehmen, denn alle bekannten Mi-
kroorganismen, mit Ausnahme einiger Hefe- und Schimmelpilze, sowie
die verschiedenen Zellenarten alier organisirten Thiere (die Magen-
zellen ausgenommen), können bloss in alkalischem oder neutralem Me-
dium leben. Daher wäre ein solches, bloss in Gegenwart von Säure
wirkendes Ferment nutzlos. Aus der sauren Reaktion, die man bei
einigen niederen Thieren und bei Leukocyten (Metschnikow) vor-
gefunden hat, kann man in keiner Weise auf die Existenz eines
pepsinähnlichen Enzyms schliessen. Diese Säuren werden nichts
anderes sein, als die, welche stets beim Lebensprozesse entstehen.
VIII.
Mikroorganismen ohne Ferment, das lebende Protoplasma allein,
können auch nach längerer Einwirkung die Gelatine nicht zersetzen, nicht
ungelatinirbar machen ; aber auch durch Säuren, Alkalien oder durch
längeres Kochen ungelatinirbar gemachte reine Gelatine bietet für
Bakterien keinen günstigen Nährboden dar.
Weiter« Untersuchungen Aber die tryptischen Enzyme der Mikroorganismen. 405
HL
Die Fermentabsonderung in Bezug auf den Nähr-
boden.
1) Die fermentbildenden Bakterien scheiden ihr Ferment auf ge-
löstem wie auf ungelöstem, auf peptonisirtem wie auf einfachem Ei-
weiss aus.
2) Auf Bouillon ist im Allgemeinen die Fermentabsonderung eine
geringere, als auf Nährgelatine.
3) Auf eiweissfreiem Nährboden scheiden die meisten Bakterien
kein Enzym aus.
Versuche mit verschiedenen eiweissfreien Nährsubstraten und
mit 18 verschiedenen Mikrobenarten ergaben in Betreff des Wachs-
tums der Bakterien sowie der Fermentbildung Folgendes:
1) Auf Phosphor-Ammonium-Nährsalzen mit Zusatz von Zucker
oder Glycerin zeigten die verschiedenen Bakterien verschiedene Ent-
wicklung:
M. prodigiosus
gutes Wachsthum
B. pyocyaneus
B. Fitzianus
B. pyogenes foetidus
Koch's Vibrio
B. von Finkler-Prior i
Kta Kieler HafenB . whr 8pfaliches Wach8t^
B. Megaterium \
B. Milleri )
B. ramosus
B. subtilis i
B. fluorescens j
B. Metschnikowi i
Trychophyt. tons. \ kein Wachsthum.
B. anthracis l
M. tetragenus I
B. ascoformis 1
Staph. pyog. aur.
Das Ferment wurde bloss von M. prodig. und B.
Pyocyan. gebildet und nur auf Glycerin, nicht aber
auf Zuckernährsalzen.
Auf Zucker oder Glycerin entwickelten sich auch M. prodi-
giosus, B. pyocyaneus, B. Fitzianus sehr gut, die anderen
dagegen sehr spärlich.
B. Megaterium wuchs auf Zucker, nicht aber auf Glycerin.
Das Ferment wurde auch hier bloss von M. prodi-
giosus und B. pyocyaneus auf Glycerinn&h rsalzen ab-
gesondert
3) Auf Ammonium-Sulfat-Tartrat war das Wachsthum ein etwas
spärliches.
Auch hier bildeten M. prodigiosus und B. pyocyaneus
*hr Ferment bloss auf Glycerinnährsalzen.
406 Fermi,
4) Auf Ammonium phosphoricum mit Zusatz von Mannit ent-
wickelten sich bloss M. prodigiosus und B. pyocyaneus, beide
mit Fermentabsonderung.
5) Auf Milchzucker- Nährsalzen dagegen entwickelte sich bloss
M. prodigiosus, u. z. ohne Fermentausscheidung.
6) Auf Ammon. phosphoricum bei Zusatz von Glykosiden ergab
sich Folgendes:
gut
{}• V°ilgt?*¥ ™ J Saponin
M. der Mastitis der Kühe auf { inuün
B. Fitzianus l Amygdali
o u * • i • f Salicin *
B. subtilis auf (inulin 1 gut
B. des Kieler Hafens aur \ Saponin /
B. pyocyaneus entwickelte sich auffallender Weise
bloss auf Amygdalin.
Auf Gummi und auf Jalapin wurde keine Entwickelung kon-
statirt.
Auf Aesculin entwickelte sich, auch nur sehr spärlich, bloss B.
Fitzianus und der M. der Mastitis der Kühe; auf Arbutin blo<s
B. Fitzianus. M. prodigiosus, B. Fitzianus, M. der
Mastitis entwickeln sich am besten.
Unter allen diesen Mikroben bildete sonderbarer
Weise bloss B. subtilis ein Ferment, und zwar auf
Saponin.
7) Auf Ammon. phosphoricum bei Zusatz von Asparagin
wuchsen
M. prodigiosus j
B. pyocyaneus l gut.
B. des Kieler Hafens I
B. subtilis und M. der Mastitis spärlich; alle übrigen, B.
Fitzianus mit einbegriffen, sehr schlecht oder gar nicht
Auf Acctamid wuchs bloss, und zwar sehr schlecht, M. prodi-
giosus; ebenso B. Fitzianus und der M. der Mastitis.
Auf Propylamin wurde kein Wachsthum konstatirt
Ferment wurde nirgends gebildet.
8) Auf Nährsalz - Alkaloiden wurde keine Entwickelung ge-
funden.
9) Warum auf Kohlehydraten im Allgemeinen (Mannit für H.
prodigiosus und B. pyocyaneus und Saponin für B. subti-
lis ausgenommen) kein Ferment gebildet wird, ist natürlich schwer
zu erklären.
Es kommt nicht daher, dass
a) die Kohlehydrate die Fermentbildung verhindern, denn auf
eiweisshaltigem Nährboden wird in ihrer Gegenwart Ferment ge-
bildet.
b) Auch nicht daher, dass sich aus Kohlehydraten kein E-
weiss oder Fermentstoff bilden kann ; denn die Pilze entwickeln sich
auf Nährsalzen mit Kohlehydraten sehr gut, von vielen wird ein
Weitere Untersuchungen über die' tryptischen Enzyme der Mikroorganismen. 407
diastatisches und von einigen auch ein invertirendes Ferment ge-
bildet.
c) Auch die Annahme, dass zur Ausscheidung von Fermenten
ein besonderer Reiz nothwendig sei , welcher für das diastatische
Enzym von den Kohlehydraten und für das proteolytische von den
Eiweissstoffen gegeben wird, ist sehr unwahrscheinlich.
d) Eine grössere Wahrscheinlichkeit hätte dagegen die Erklärung,
dass das Protoplasma (Bakterien) bei verschiedenem Nährboden andere
Lebensthätigkeiten und andere Lebensprozesse entfalte. Ebenso wie
verschiedene Umsetzungen und stärkere oder geringere Pigmentbildung
entstehen, so wechselt auch die Fermentabsonderung.
Auf eiweisshaltigem Nährboden selbst kann auch, wie wir ge-
sehen haben, durch Strychnin, Chinin, Antipyrin etc. die Ferment-
bildung beschränkt oder aufgehoben werden. Es handelt sich also
um nichts anderes, als um eine Veränderung in der Thätigkeit des
Protoplasmas.
X.
Kann die Fermentabsonderung der Mikroben aufgehoben werden?
1) Durch Karbol- und Salicylsäure , sowie durch alle minerali-
schen und organischen Säuren, ferner durch Alkalien konnte die
Fermentbildung beschränkt werden. Allein in allen diesen Fällen
war auch das Wachsthum etwas beeinträchtigt.
2) Durch Zusatz von Antipyrin, Chinin, Strychnin 0,5% wurde
die Fermentabsonderung von M. prodigiosus auf Bouillon auch
beim üppigen Wachsthum ganz oder doch zum grössten Theile auf-
gehoben.
3) Dasselbe war der Fall mit B. pyocyaneus in Gegenwart
von Chinin.
Ein wenig anders gestalteten sich die Ergebnisse, wenn man
diese Alkaloide der Gelatine zusetzt.
Auf Gelatineplatten von B. pyocyaneus war bei Zusatz von
Antipyrin, Chinin oder Strychnin auch nach 4 Tagen noch keine
Spur von Verflüssigung wahrzunehmen. Erst nach einer Woche fanden
sich einige verflüssigte Stellen.
Diese die Fermentabsonderung verhindernden Stoffe konnten be-
nutzt werden, um Stichkulturen aufzubewahren, oder um die Keime
der verflüssigenden Arten auf den Platten zu zählen, ferner um
Bakterienspezies von einander zu unterscheiden.
XI.
Ob die morphologische Veränderung in den Bakterien in Be-
ziehung steht mit der Fermentabsonderung, wie dies bei den Ptyalin-,
Pepsin- und Trypsinzellen der Fall ist, ist sehr wahrscheinlich; jedoch
ist bis jetzt ein sicherer Beweis hierfür noch nicht erbracht.
XII.
Die proteolytischen Fermente der Mikroorganismen üben sehr
wahrscheinlich im thierischen Organismus keinen schädlichen Einfluss
aus.
408 Fiedeler,
Diese Enzyme haben nichts gemein mit den Brieger'schen
Toxinen, die krystallinische, in Alkohol lösliche Stoffe sind; auch
nicht mit den sog. Toxalbumosen. Den letzteren ständen die Enzjme
durch die starke Empfindlichkeit gegen Säuren und gegen Hitze,
sowie durch die schnelle Abschwächung im feuchten Zustande nahe.
Allein unter 141 beschriebenen toxinbildenden, d. h. pathogenen, Bak-
terien bilden bloss 26 Enzym, und von 134 bekannten fermentbildeo-
den Bakterien bloss 25 Toxine. Also sind die Toxine zum grössten
Theile sicher keine Enzyme.
Es wäre nun doch unwahrscheinlich, dass die einen Toxine Fer-
mente seien und die anderen nicht. Ausserdem bleiben viel ener-
gischere prot Enzyme, wie z. B. das Trypsin, auch in grösseren
Mengen, Mäusen und Kaninchen eingespritzt, ohne Wirkung, und nach
24 Stunden ist in den Thieren keine Spur davon zu finden.
Wegen ihrer schwachen Wirkung werden endlich diese Enzjme
im Mund, im Darm, wie bei Zerstörungsprozessen in den Geweben
(Gangrän, Eiterung) keine bedeutende Bolle spielen.
xni.
Aus der Thatsache, dass die Enzyme auch in Gegenwart von
reinem Schwefelwasserstoff und Kohlenoxyd noch zu wirken vermögen,
konnte man schliessen, dass sie sich mehr den chemischen Stoffen
(Alkalien und Säuren), als den organisirten Fermenten und dem
lebenden Protoplasma im Allgemeinen nähern.
Die Gährungserreger können wohl bei Sauerstofiabschloss wirken
und einige Mikroben (Anaeroben) können leben, nicht aber im reinen
Kohlenoxyd- und Schwefelwasserstoffgas.
Die Enzyme aber verlieren im Gegensatz zu den bekannten
chemischen Stoffen mit der Zeit im feuchten Zustande ihre Wirk-
samkeit und werden bei einer Temperatur von 70 ° C schnell zerstört
Im trockenen Zustande ertragen die Enzyme höhere Temperaturen
(140—160°), als die Sporen. Im feuchten Zustande dagegen sind
sie viel leichter der Zerstörung unterworfen. Gegen Karbolsäure
und Sublimat sind die Enzyme widerstandsfähiger, als die Sporen.
München, 15. August 1891.
Ueber die Brustseuohe im Eoseier Landgestüte und
über den Krankheitserreger derselben.
Von
Dr. Fiedeler,
KreUthierarxt in Breslau.
(Fortaetiung.)
5. Versuchsreihe.
Am 3. Februar d. J., also ? Tage nach der Blutentnahme, starb
„Ehrenmann11 plötzlich, wenigstens früher, als wir angenommen hatten,
Ueber die Bnutseache im Koseier LandgeitÜte. 409
d den Folgen einer hochgradigen Brustfellentzündung, welche Krank-
en sich der Lungenentzündung zugesellt hatte.
Unmittelbar nach dem Tode wurde in der früher beschriebenen
Feise ans der Jugularis eine Spritze voll Blut entnommen, davon
as der Spritze direkt 2 Originalplatten angelegt und der Rest
es Blutes in ein sterilisirtes Röhrchen gespritzt. Darauf wurde aus
er Brusthöhle Transsudat in der Weise abgelassen, dass ein kurzer,
tehlisirter Trokar zwischen die 11. und 12. Rippe, welche Stelle
orher geschoren und desinfizirt worden war, in die Brusthöhle ge-
tossen und das abfressende, bräunlich gefärbte Transsudat in einem
terilisirten Glasröhrchen aufgefangen wurde. Es dauerte eine ge-
aume Zeit, ehe das Röhrchen gefüllt war, die starken Faserstofl-
erinnsel erschwerten den Abfluss und immer wieder musste die
tokarröhre angerührt werden, wodurch anscheinend eine Verun-
einigung erfolgt ist.
Nach der Leichenöffnung fanden sich in der Brusthöhle 10—12
äter einer mit zahlreichen, bis fauststarken Faserstoffgerinnseln ver-
lischten, bräunlichen Flüssigkeit. Beide Brustfellblätter rauh und
rerdickt und stellenweise mit dicken Faserstoffplatten belegt. In
len fast normal zusammengefallenen Lungen fanden sich wenig zahl-
eiche nekrotische Herde von geringem Umfange.
Nach der Leichenöffnung wurden von dem Transsudate angelegt :
l Gelatinestiche, ferner mit je 3 Oesen voll 3 Original-
)latten, und aus einer derselben mit 3 Oesen voll 2 Verdün-
tungsplatten.
Ferner mit je 1 Oese: 3 Originalplatten und 2 Brühe-
tulturen.
Ausserdem wurde von dem Transsudate je */4 Spritze voll
Kaninchen 13 und 14, und je einige Iropf«^ Maus 16 und 17
anter die Haut gespritzt.
Es wurde ferner je ein linsengrosses Stück* ;«<*'i » -w Fibrin-
jerinnsels Maus 18 und 19 unter die Kuckenhaut $<ei/*acht uwl aus
ien Lungen in der bekannten Weise angelegt : 4 O r i g i n a 1 p I a 1 1 e k.
^usstrichpräparate wurden angefertigt: aus den Lungen und Mem Blute
i* 4, aus dem Transsudate 6 und aus dem Fibringeriii^ -J 4 Stück.
Es konnten unter dem Mikroskop nur spärliche Bakteriennioh^n
Dachgewiesen werden, am meisten waren noch in den Fibrinpräpa-
raten vorhanden, in welchen auch verschiedene, mit Bakterien voll-
gepfropfte Leukocyten aufgefunden wurden.
Dagegen waren am 8. Februar, also 5 Tage nach der Ge-
^nnung, in den Ausstrichpräparaten, welche aus dem bei Zimmer-
temperatur aufbewahrten sterilen Blute angefertigt wurden, unend-
lich zahlreich Kokken und Diplokokken zu sehen.
Leider war an jenem Tage kein Transsudat mehr vorhanden, es
Konnte deshalb nicht festgestellt werden, ob auch in dieser Flüssig-
st eine Bakterienvermehrung stattgefunden hatte.
In den aus dem Transsudate angefertigten Stichen und Brühe-
Kulturen waren keine charakteristischen Kolonieen zu finden, auch in
^Platten waren nur fremde Kolonieen, nur in einer mit 3 Oesen
besäten Platte waren auch Kolonieen vorhanden, welche nach äusserem
410
Fiedeler,
Ansehen als charakteristisch angesehen werden mussten ; eine mikro-
skopische Untersuchung und Umzüchtung konnte nicht ausgeführt
werden.
Auch die Lungenplatten erwiesen sich als unrein, was seine Er
U&rung findet in der Beschaffenheit der zur Aussaat benutztes
Lungenherde.
Die Impfthiere wurden sämmtlich impfkrank, jedoch nur Maus 16
erlag der Impfkrankheit nach 3 Tagen, und Maus 18 nach 4 Tagen.
In dem Blute dieser Mäuse fanden sich zahlreiche charakte-
ristische Bakterien, auch 3 aus demselben angelegte Platten ge-
diehen in charakteristischer Weise.
In den beiden aus dem frischen Blute angelegten Platten fanden
sich charakteristische Kolonieen, von denen eine zur Anlage m
3 Platten (a, b, c) benutzt wurde.
Auch diese Platten gaben ein charakteristisches Bild.
Aus dem bei Zimmertemperatur aufbewahrten Blute wurden -
am 5. Tage nach seiner Gerinnung — mittelst einer Oese voll 1 Ori
ginalplatte, und von dieser mit je 3 Oesen 2 Verdünnung*
platten angelegt
Es waren in der Originalplatte am 3. Tage zahlreiche Mengen
ganz kleiner Kolonieen so dicht gewachsen, dass die zwischen des
einzelnen befindlichen Zwischenräume nur mittelst eines Ver-
grösserungsgla8es zu erkennen waren. Auch die VerdOnnungsplatten
waren mit verhältnissmässig zahlreichen grösseren, charakteristischem
Bakterien besetzt.
5. Ehrenmann.
Transsudat.
Blut.
Maas 16. Maas 18. 1 Platte?
/
/
frisch.
alt.
8 Platten.
2 Platten. 3 Platten.
3 Platten.
6. Versuchsreihe.
Am 12. Februar starb der am 3. d. M. an Brustseuche erkrankte
Deckhengst Güstrow.
Leichenbefund (2 Stunden nach dem Tode):
In den Lungen zahlreiche nekrotische Herde, beide Brustblätter
rauh und undurchsichtig , stellenweise mit dünnen Faserstoffgerinn-
seln belegt. In der Brusthöhle 5—6 Liter einer bräunlich-grünlich
Ueber die Brustseuche im Koseier Landgestüte. 411
ssigkeit, welche mit zahlreichen Faserstoffgerinnseln vermischt
'. Herzfleisch lehmfarbig, wie gekocht, von zahlreichen Blutpunkten
chsetzt. Unter dem Endocardium blutige Streifen und zahlreiche
tp unkte, die innerste Gefässhaut der grossen Arterienstämme blutig
chtränkt.
Leber, Milz und Nieren vergrössert und parenchymatös erkrankt.
Aus den nekrotischen Lungenherden wurden in der bekannten
ise angelegt: 5 Original- und 2 Verdünnungsplatten
i 3 Brühekulturen.
In 2 Original- und 1 Verdünnungsplatte waren bereits nach
Standen zahlreiche Kolonieen mit blossen Augen zu erkennen,
che nach 9 Tagen doppelt so gross waren, als die charakteristischen
werden pflegen, eine citronengelbe Farbe annahmen, und — wenn
Q den Deckel abhob — einen widerwärtigen Geruch verbreiteten.
In zwei von einer Kolonie angelegten Platten zeigten die Kolo-
en dieselben Eigenschaften : schnelles Wachsthum, Gelbfärbung und
ikenden Geruch.
Die Brühekulturen Hessen auch bald den eingedrungenen Fremd-
l erkennen, bereits nach 24 Stunden war eine gleichmässige
ibung eingetreten, ohne Bildung von Flocken, und nach 3 Tagen
leten sie eine gleichmässig trübe, gelblich gefärbte und wider-
rtig riechende Flüssigkeit.
Wegen ihrer grossen Massen können diese Kolonieen wohl kaum
allige, äusserüche Verunreinigungen sein, sie stammten zweifellos
> den Lungen und schienen mir eine gewisse äussere Aehnlichkeit
i der Lustig'schen Reinkultur No. 6 zu haben. Ich habe es
(halb bedauert, dass ich mich auf nähere Untersuchungen wegen
berlastüng mit anderen Arbeiten nicht einlassen konnte. Dieses
rallige Untersuchungsergebniss bestätigt es, wie leicht Täuschungen
Erlaufen können, wenn das Impfmaterial aus den Lungen stammt.
Die beiden anderen Originalplatten enthielten charakteristische
lonieen, was durch die Anlage von 3 Verdünnungsplatten bestätigt
rde. Eg wurden ferner am 17. Februar aus nekrotischen Lungen-
rten des an diesem Tage gestorbenen Landbeschälers Alexander
Platten und aus diesen 8 Tage später wiederum 3 Platten
Auf 4 dieser Platten waren charakteristische Kolonieen ge-
ichsen.
6a. Güstrow. 6b. Alexander.
2 Platten. 2 Platten.
3 Platten. 2 Platten.
Durch die 3., 4. und 5. Versuchsreihe ist der Beweis erbracht,
^ es im kreisenden Blute brustseuchekranker Pferde Bakterien
°s welche sowohl unter sich, als mit denen der beiden ersten Ver-
412 Fiedeler,
suchsreihen, welche aus den Lungen gewonnen waren, morphologisch,
biologisch und pathologisch völlig übereinstimmen. An den ersten
Krankheitstagen ist ihre Zahl verhältnissmässig gering, so dass ihr
optischer Nachweis und der Nachweis ihrer Infektionsfähigkeit selten
gelingt. Im weiteren Krankheitsverlaufe werden sie zahlreicher und
am zahlreichsten in dem nach antiseptischen Regeln gewonnenen und
bei Zimmertemperatur Tage lang aufbewahrten Blute, so dass das
Blutserum anscheinend einen vorzüglichen Nährboden bildet
Diese Thatsacheu stehen mit den negativen Ergebnissen der von
Hertwig und Dieckerhoff angestellten Versuche nur scheinbar
in Widerspruch. Diese beiden Forscher haben die Krankheit mittelst
intravenöser und subkutaner Einimpfung von frischem Blute, welches
von influenzakranken Pferden stammte, auf gesunde Pferde zu über-
tragen versucht. Diese Versuche sind nicht gelungen wegen der
geringen Bakterienmengen , welche in dem Blute brustseuchekranker
Pferde vorhanden sind, vielleicht auch aus dem Grunde, weil, wie
Schütz durch Impfungen mit Reinkulturen nachgewiesen hat, Pferde
unter gewöhnlichen Verhältnissen eine verhältnissmässig geringe Em-
pfänglichkeit für die Brustseuchebakterien besitzen, wenigstens nur
unter bestimmten Bedingungen daran zu Grunde gehen.
Gelang doch nicht einmal die Blutimpfung bei den sonst so
empfindlichen Mäusen, und bei Kaninchen nur einmal, und auch wohl
nur deshalb , weil — wie ich in meinen Akten verzeichnet finde -
das betreffende Thier — Kaninchen 11 — jung und schwach gewesen
ist. Erst wenn die Bakterien durch das Plattenverfahren, oder im
stehenden Blute eine entsprechende Vermehrung erfahren hatten»
gelang der optische Nachweis und trat bei Impfung dieser Rein-
kulturen, bezw. des Blutes ihr infektiöser Charakter auf Kanineben
und Mäuse und — wie wir später sehen werden — auch auf ein
Pferd deutlich zu Tage.
Wenn wir nun erwägen, dass diese Bakterien aus dem Blute
stammen , welches nicht , wie die Lungen , schon im gesunden Zu-
stande den Sitz für zahlreiche Bakterien abgeben kann, und ferner
die wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungen berücksichtigen,
welche über die Bakterien überhaupt bekannt sind, so wäre der An-
nahme eine gewisse Berechtigung nicht abzusprechen, dass es sich
um Bakterien handelt, welche die Krankheitserreger der Brustseuche
bilden. Wenn wir jedoch auf dem Boden der nackten Thatsache
stehen bleiben, so gestaltet sich die Sache etwas anders.
Der grosse Forscher auf diesem Gebiete — Robert Koch —
fordert für den Beweis, dass ein Organismus wirklich der Krank-
heitserreger ist, die Erfüllung folgender Bedingungen:
1) Den ständigen mikroskopischen Nachweis des Organismus in
dem kranken Individuum.
2) Reinzüchtung dieses Organismus ausserhalb des kranken
Körpers.
3) Die Organismen dieser Reinkultur müssen durch Impfung auf
Thiere derselben Art eine Krankheit erzeugen, welche mit derjenigen
gleichartig ist, deren Produkte zur Herstellung der Reinkulturen
benutzt werden.
lieber die BrusUeuche im Koseier Landgestüte. 413
Die ersten beiden Bedingungen sind durch die Ergebnisse der
angefahrten Versuchsreihen in einwandsfreier Weise erfiillt worden,
während die dritte noch ihrer Lösung harrte. Es wurden deshalb
Doch folgende Versuche gemacht:
7. Versuchsreihe.
Es ist erinnerlich, dass am 5. Februar aus einer Ehrenmann-
Blutplatte 11 halb mit sterilisirter, alkalischer Binderbrühe gefüllte
Reagenzgläschen besät wurden. Ich will nochmals hervorbeben, dass
jedes Gläschen mit je einer aus einer Verdünnungsplatte, welche frei
tod allen fremden Beimischungen war, stammenden und unter dem
Vergrösserungsglase gefischten Kolonie beschickt war.
Die Bakterien wachsen in der Brühe in einer Weise, welcher
eine gewisse Eigenart zugeschrieben werden kann. Bei Zimmerwärme
aufbewahrt, bildet sich bereits nach 48 Stunden ein flockiger Boden-
satz und der untere Theil der Brühe ist schwach getrübt, während
der obere Theil noch klar erscheint. Im weiteren Verlaufe bilden
jene Flocken locker zusammenhängende Fetzen, die Trübung wird
stärker, immer aber bleibt der obere Theil klarer, durchsichtiger,
und bildet sich höchstens nach langem Stehen eine ganz schwache
Trübung, die immer stark absticht gegen die Trübung im unteren
Theile der Brühe.
Nach dem Ergebnisse der mikroskopischen Untersuchung be-
stand jener Bodensatz aus Reinkulturen unserer eigenartigen Bak-
terien.
Mittelst eines linsengrossen Gerinnselstückchens wurde geimpft
Maos 20.
Am dritten Tage war der Tod eingetreten. Die Leichenöffnung
lieferte den bekannten. Befund.
Jene Brühekulturen wurden bis zum 9. Februar dicht am Ofen
aufbewahrt und an diesem Tage damit ein 15 jähriger, abgetriebener
Rappwallach, welcher dem Landschlage angehörte und eine unheil-
bare Spattlahmheit besass, in folgender Weise geimpft :
Der mittlere Theil beider Brustwandungen, welcher abgeschoren
und mit Sublimatseife bestrichen war, wurde mit warmem Wasser
abgebürstet und nochmals mit einer Sublimatlösung abgewaschen.
Von der Brühekultur wurde der obere, hellere Theil abgegossen
nnd nur der untere Theil zum Impfen verwandt.
Auf der Mittellinie der Brustwandungen wurden nun mit der
sterilisirten Ordtmann 'sehen Spritze zwischen die beiden hinter den
Schultern gelegenen Zwischenrippenräume links zwei und rechts drei
Spritzen voll jener Brühe in die Lungen gespritzt. Um den Impfstoff
möglichst in den Lungen zu verbreiten und — nach dem Beispiele von
Schütz — besonders die dem Brustfelle nahe gelegenen Lungen-
theile zu treffen, wurde während des Einspritzens die Spritze lang-
sam herausgezogen.
Ich will noch bemerken, dass vor der Operation der Gesund-
heitszustand des Pferdes eingehend geprüft und für gut befunden
wurde.
414 Fiedel er, Ueber die Brustseache im Koseier Laodgestate.
38,0 T.
40 P.
8 Athemzüge.
Auskultation und Percussion der Brusthöhle lieferten ein nega- i
tives Ergebniss.
7 Stunden nach dem Einspritzen stöhnte das Pferd, stand s
krummbuckelig da und frass nicht. I
39,7 T. ;
35 P. I
24 Athemzüge. I
Am 10. Februar (Morgens): '
40,7 T.
60 P. |
27 oberflächliche Athemzüge.
Appetit fehlte gänzlich, auch das Saufwasser wurde fast ver-
schmäht. Die Bindehaut war intensiv gelbroth ge-
färbt Grosse Abgeschlagenheit und Stöhnen beim Perkutirea,
beschränkte Dämpfung an den Impfstellen.
Wogen grosser Inanspruchnahme meiner Zeit, welche besonder
durch meine in Aussicht stehende Versetzung bedingt wurde, musste
ich meine bakteriologische Thätigkeit für die nächste Zeit einstella
und war nicht einmal im Stande, über den Krankheitszustand des
Impfpferdes täglich einen Befundbericht aufzunehmen.
Impfpferd am 13. Februar:
40 T.
60 P.
24 costo-abdominale Athemzüge.
Bindehäute gelb gefärbt. Auf beiden Brustseiten an den Impf-
stellen Dämpfung und Reibegeräusche.
Am 19. Februar musste das Impfpferd getödtet werden.
Zunächst wurde auf die angegebene Weise aus der Drosselveoe
1 Spritze voll Blut abgelassen und erfolgte dann die Tödtung mit
telst des Bruststiches.
Die Leichenöffnung, welche wenige Stunden vor meiner Abreise
erfolgte, musste sich auf die Oeffnung der Brusthöhle beschränken
„Beide Lungen sind in der Mitte auf einer handgrossen Stelle,
in deren Mitte die Stichkanäle liegen, mit den Bippen fest ver-
wachsen, so dass die Trennung mittelst eines Messers erfolgen
musste. Beide Pleurablätter rauh und undurchsichtig, stellen-
weise stark verdickt und mit dünnen, schmutzigen Platten be-
legt.
Die Lungen unvollständig zusammengefallen, fühlen sich an!
einer ungefähr in der Mitte der Hauptlappen gelegenen, kinds
kopfgrossen Stelle derb und fest an. Auf der Schnittfläche triti
in der linken Lunge, dicht unter dem an dieser Stelle glattei
und lederartigen Ueberzuge, eine hühnereigrosse Höhle zu Tage
welche mit fetzigen, schmutzigen Massen gefüllt ist und raub
Wände aufweist.
Rein seh, Zar bakteriologischen Untersuchung des Trinkwassers. 415
In der Nachbarschaft dieser grossen Höhle befinden sich noch
zwei kleinere, etwa wallnussgrosse Höhlen. In der rechten Lunge,
ebenfalls dicht unter dem Lungenfelle, sind vier solcher Höhlen,
von denen die grösste die Grösse eines Taubeneies erreicht.
Das diese Höhlen umgebende Lungengewebe ist fest, luftleer,
dunkelroth gefärbt, auf dem Durchschnitte fein gekörnt und tro-
cken. Die interlobularen Bindegewebszüge sind sulzig infiltrirt,
so dass, wie der bei der Untersuchung der Lunge anwesende
Herr Kollege Richter richtig bemerkte, die Hepatisation das
Bild der Lungenseuche zeigte. Die Bronchialdrüsen sind markig
geschwollen.
Aus den Lungen und dem Blute wurden angelegt: je 3 Plat-
ten.
Der rechte, hepatisirte Lungentheil wurde darauf in eine steri-
lisirte Glasglocke gelegt und mit nach Breslau genommen, wo die
Untersuchungen fortgesetzt wurden.
Am 22. Februar wurden zunächst in Ausstrichpräparaten, welche
aus den Lungen und der Drüse angefertigt waren, zahlreiche ovoide
Bakterien nachgewiesen.
Ferner wurde mit je einem linsengrossen Lungenstückchen ge-
impft: Maus 21 und 22, und mit je einem linsengrossen Blut-
gerinnsel, welches in dem Blutserum herumgeschwenkt war: Maus 23
and 24.
Mit einer Oese voll Blut, 3 Tage nach der Gewinnung, wurden
angelegt: 3 Platten.
In den am 19. Februar angelegten Lungenplatten waren am 27.
d. M. in entsprechender Vertheilung unendlich zahlreich charakte-
ristische Kolonieen gewachsen, ebenso, wenn auch weniger zahlreich,
in den Blutplatten , von denen eine geschmolzen gewesen war und
deshalb die Kolonieen in häufen- und kettenweiser Anordnung zeigte.
(Schluss folgt.)
Zar bakteriologischen Untersuchung des Trinkwassers.
[Aas dem bakteriologischen Laboratorium des Untersuchungsamtes
für die Provinz Schleswig-Holstein in Kiel.]
Von
Dr. A. Seinseh.
Bekanntlich findet man bei der Züchtung von Bakterien, dass
das Wachsthum der verschiedenen Arten abhängig ist von der chemi-
schen Zusammensetzung der Nährböden. Hat man daher in einem
Untersuchungsobjekte, wie z. B. Trinkwasser, eine grossere Anzahl
verschiedener Bakterienarten, so wird nur ein bestimmter Theil der
Keime auf demselben Nährboden ausgesät, zur Entwicklung gelangen,
Dämlich nur diejenigen Keime, für welche der gewählte Nährboden
zur Entwickelung günstig ist. Es ist daher naheliegend , dass man
416 Reinach,
für derartige Untersuchungen, bei welchen die Zahl der aas einer
bestimmten Menge des Untersuchungsobjektes erhaltenen Kolonieen
eine wichtige Bolle spielt, gern einen Nährboden anwendet, welcher
die Entwicklung möglichst aller Keime gestattet Ein solch idealer
Nährboden ist bis jetzt jedoch noch nicht gefunden and müssen wir
ans mit den vorhandenen begnügen, von welchen Koch 's 10°/o Fleisch-
wasser-Pepton-Gelatine wohl der für. Wasseruntersuchungen zweck-
mässigste und meist angewandte ist.
Wie verschieden aber die Resultate bei Trinkwasseruntersuchungen
anter Anwendung dieses Nährbodens ausfallen können, sobald man die
Zusammensetzung desselben etwas ändert, z. B. mehr oder weniger
alkalisch macht, ersah ich aus einigen Versuchen, die ich in dieser
Richtung anstellte.
Nach der in den meisten bakteriologischen Handbüchern ange-
gebenen Vorschrift soll die Koch 'sehe Nährgelatine von schwach
alkalischer Reaktion sein. Um die Bedeutung dieser alkalischen
Reaktion der Nährgelatine festzustellen, bestimmte ich den Keim-
gehalt ein und desselben Wassers unter Anwendung von Nährgelatine
von verschiedenem Gehalte an Alkali. Der Versuch wurde in der
Weise ausgeführt, dass je 10 cem der nach Vorschrift hergestellten,
schwach alkalischen Nährgelatine mit steigenden Mengen einer kon-
zentrirten Lösung von Natriumkarbonat versetzt wurden und hierzu
je V, cem des zu untersuchenden Wassers. Ich verwandte zu den
Versuchen hauptsächlich unfiltrirtes Eibwasser, entnommen unter-
halb Hamburg-Altona, In welchem sich zur Zeit immer 20—30 ver-
schiedene Arten von Bakterien befanden, und welches, was sowohl
Zahl der Arten als auch Anzahl der Keime anbetrifft, sehr wechselt.
Wegen der grossen Keimzahl wurde das Eibwasser für diese Ver-
suche mit sterilisirtem Wasser entsprechend verdünnt. Die beiden
nachstehend angegebenen Versuchsreihen sind aus 8 angestellten Ver-
suchen herausgegriffen, und zwar ist No. I derjenige der Versuche,
welcher den grössten Unterschied in der Keimzahl beim Steigen des
Alkaligehaltes im Nährboden zeigte, während No. II derjenige Ver-
such ist, bei welchem die geringste Differenz auftrat:
No. I.
Menge des Na,CO, zugesetzt zu 10 cem achwach
alkalischer Nährgelatine
Zahl der entwickelten Keime
Ohne Zusatz
475
0,00504 Gramm
Na, CO,
1140
0,01008
i»
»»
2976
0,02016
i»
»»
2486
0,03024
»»
»>
1612
0,06040
»«
11
1302
0,07560
»1
»»
748
0,10080
11
»»
348
0,16120
?»
»♦
216
0,20160
>♦
»»
74
0,30240
»»
1»
0
Zur bakteriologischen Untersuchung des Trinkwassers.
4H
No. n.
Menge des Na,COt sngesetat sn 10 ccm schwach
alkalisehen Kihrgelsüne
Zahl der entwickelten Keime
Ohne Zosati
486
0,0106 Gramm
HSCO,
888
0,0818
»»
»1
740
0,0818
9*
>»
59t
0,0414
»»
fl
589
0,0530
»»
1»
905
0,1060
»
H
16
0,1690
»1
»»
4
0,8180
»»
»»
0
Man sieht namentlich an No. I dieser Tabellen, wie gross der
EiDflass des vermehrten Alkaligehaltes im Nährboden auf die Ent-
mckelung der Keime sein kann. Bei Zusatz von 0,006 Gramm
NTa2C0, zu 10 ccm Gelatine entwickeln sich statt der ursprünglichen
175 Keime 1140, also fast das 2 x/* -fache, bei Zusatz von 0,01 Gramm
mehr als das 6-fache. Bei letzterem Alkalizusatze scheint für diese
Wasserprobe das Wachsthumsoptimum zu liegen, da bei grösserem
Alkalizusatz eine Verminderung der Keime bis zum gänzlichen Aus-
bleiben derselben eintritt Im Versuch No. II 6teigt die Keimzahl
im günstigsten Falle nur bis fast auf das Doppelte von der mittelst
schwach alkalischer Nährgelatine erhaltenen. Um anderseits die Ab-
nahme in der Entwicklung der Keime bei der Neutralisation und
beim zunehmenden Säuregehalte festzustellen, wurden der schwach
alkalischen Nährgelatine steigende Mengen von Weinsäure zugesetzt.
Die Verminderung der Keime bei fortschreitendem Säuregehalt wird
durch folgende Tabelle veranschaulicht:
No. HL
Menge der Weinsäure sugesetst au 10 ccm schwach
alkalischer Nährgelatine.
Zahl der entwickelten Keime.
Ohne Zusatz
406
0,0098 (
Qramm Weinsaare
840
0,0056
»»
»♦
178
0,0084
»»
»»
19
0,0112
i»
«»
11
0,0140
»t
*»
6
0,0*84
»»
»»
0
Wie aus den beiden ersten Tabellen hervorgeht, war der schwach
alkalische Nährboden nicht im Stande, den grössten Theil der in dem
untersuchten Wasser befindlichen Keime zur Entwickelung gelangen
zu lassen und bedurfte es erst einer deutlich alkalischen Reaktion
des Nährbodens, um dies zu bewirken. Dass dieses Ergebniss unter
Umständen auch für die Praxis von Wichtigkeit sein kann, dürfte
ans folgender Betrachtung hervorgehen : Bei der Bereitung der Nähr-
gelatine wird wohl in den meisten Laboratorien die Reaktion mittelst
Lakmugpapier festgestellt. Wie aber jeder Praktiker aus Erfahrung
*eiss, ist die Empfindlichkeit der Reaktion des Lakmuspapieres eine sehr
x.b*. 37
418 Gähfung.
verschiedene und ist somit die Möglichkeit gegeben, dass in ein und
demselben Trinkwasser in dem einen bakteriologischen Laboratorium
mehr Keime gefunden werden, als in dem anderen, je nachdem die
schwach alkalische Reaktion mit wenig empfindlichem oder sehr empfind-
lichem Lakmuspapier gestellt, d. h. je alkalischer der eine Nährboden
gegenüber dem anderen gemacht wurde. Würden sich alle Trinkwässer
gleich verhalten, so könnte diesem Uebelstande dadurch abgeholfen
werden, dass man einen ganz bestimmten Alkaligehalt für die ri
Trinkwasseruntersuchungen dienende Gelatine vorschreibt und dieses
Alkaligehalt durch Titration, wie N. K. Schultz in No. 2/3 p. ^
d. Ztschr. angiebt, genau feststellt Höchst wahrscheinlich wrJ~'
aber die verschiedenen Wässer einen verschiedenen Gehalt an
zur Hervorbringung der grössteo Keimzahl erfordern , abhängig v<
den in dem betreffenden Wasser vorkommenden Arten von Bakteri
Vielleicht Hesse sich dennoch durch Vergleich der bakteriologisch!
Prüfung sehr vieler Wässer in obiger Richtung ein Durchschnitts-
alkaligehalt für die Gelatine feststellen. Ganz gleichmässig werdet
die an verschiedenen Orten hergestellten Fleischwasserpepton-Nähr
böden überhaupt nicht werden , da die chemische Zusammensetzung
der Bouillon, wie man sich durch oft wiederholte Bestimmungen de;
Extrakt- und Aschengehaltes überzeugen kann, sehr grosse Schwan-
kungen zeigt, ebenso wie auch das im Handel erhältliche Pepton
nicht gleichmässig zusammengesetzt ist Es wäre daher wünschens-
wert^ speziell für Wasseruntersuchungen einen Nährboden herzustel-
len, dessen chemische Zusammensetzung genau bekannt und leicht
kontrollirbar ist. Ueber Versuche, die im hiesigen Laboratorium in
dieser Richtung angestellt werden, hoffe ich in nächster Zeit berichten
zu können.
Kiel, 23. Aug. 1891.
Referate.
Kayser, E., Contribution ä l'ätude physiologique des
levüres alcooliques du lactose. (Annales de l'Institut
Pasteur. 1891. No. 6.)
Bekanntlich können nur die wenigsten Alkoholgährungspilze die
Laktose vergähren ; es gibt indessen einige Arten, welche von dieser
Regel ausgenommen sind. Mit drei solchen Arten stellte Verf. eine
vergleichende physiologische Untersuchung an, nämlich mit der von
Adametz beschriebenen Art, mit der von Duclanx beschriebenen
und endlich mit einer vom Verf. selbst entdeckten neuen Art Von
dem reichen Inhalt der Abhandlung können nur die nachfolgenden
Hauptresultate hervorgehoben werden.
Keine der Arten vermochte es, Endosporen zu bilden, und sie
können in Folge dessen nicht zu Saccharomyces gerechnet
werden. Sowohl im feuchten als im trockenen Zustande zeigten
sie ein verschiedenes Widerstandsvermögen hohen Temperaturen
Gihrang. — Diphtherie. 419
egenflber. Auf Gelatine verhielten sich die drei Hefen im Wesent-
chen auf dieselbe Weise; die von denselben gebildeten Kolonieen
reiteten sich mehr aus, als dies mit den von den Bier- und
?einhefepilzen gebildeten der Fall ist; in der Mitte befand sich
ine dickere Partie, und die Rander hatten ein myceliumähnliches
iussehen. Wenn man wünscht, dass sie in neutralen Flüssigkeiten
nd in Milch eine kennbare Gährung hervorrufen sollen, muss das
Achten bei einer ziemlich hohen Temperatur und bei genügender
dftung vorgenommen werden. Der günstigste Wärmegrad war 25°
>is 30° G. Während der eintretenden Alkoholg&hrung wird die Milch
licht schleimig, und sie koagulirt auch nicht In Lösungen von
jaktose, Saccharose, Maltose, Galaktose, Glukose und Invertzucker
ildeten sie in allen Fallen Alkohol und Säure, aber in verschiedenen
iengen, auch hinsichtlich der am Ende der Versuche erzeugten
lefemassen war ein Unterschied. Im Gegensatze zur Brauereihefe
ergähren sie nur mit grosser Schwierigkeit die Maltose.
Am Schlüsse seiner Abhandlung stellt Verf. die Frage auf, ob es
dcht möglich wäre, durch Hülfe der genannten drei Hefen die grossen
Kassen von Magermilch, welche bei der Käsefabrikation übrig bleiben,
u einem Spirituosen Getränk umzubilden und so einen erhöhten pe-
kuniären Ertrag zu erhalten. Die in dieser Hinsicht von ihm ange-
stellten Versuche zeigten, dass man durch Verwendung von Milch-
lerum ebenso alkoholreiche Getränke, wie die stärksten Biersorten
erhalten kann, gleichgültig, ob man durch Eindampfen in einen mehr
konzentrirten Zustand gebrachtes Serum verwendet oder Laktose
oder gemeinen Rohrzucker zu demselben setzt. Nur in letzterem
Falle, bei Zusatz von Zucker, wurde ein wohlschmeckendes gutes
Getränk erzielt Verf. empfiehlt, in der letztgenannten Richtung
praktische Versuche anzustellen.
Emil Chr. Hansen (Kopenhagen).
Spronek, Zur Kenntniss der pathogenen Bedeutung des
Klebs-Loeffler'schen Diphtheriebacillus. [Experimen-
telle Studie aus dem pathol. Institute in Utrecht.] (Centralblatt für
allg. Pathologie und pathol. Anatomie. I. 1890. No. 7).
Spronck gibt eine Uebersicht über die Ergebnisse zahlreicher
von seinen Schülern vorgenommener Untersuchungen. Dieselben
gipfeln in folgenden Punkten:
In sieben Fällen wurden die diphtherischen Membranen auf
üe Anwesenheit der Klebs 'sehen Bacillen geprüft, und letztere
stets vorgefunden.
Die gewonnenen Kulturen zeigten eine konstante Virulenz.
Nur einmal wurde ein unschädlicher Pseudodiphtheriebacillus
(Loeffler, v. Hof mann- Wellenhof) gefunden.
Die Impfung frischer Kulturen auf die exkoriirte Tracbealschleim-
°*ut ergab bei Kaninchen positive Resultate. Die Angabe, dass die
^pbtheriebadllen auf der unverletzten Schleimhaut nicht haften,
*ud bestätigt Auch Inokulation durch Einstich in die freipräparirte
"achea des Kaninchens hatte oft einen positiven Erfolg, wobei die
*7#
420 tWphthene.
Entzündung an der Stichstelle der Schleimhaut begann und ringsam
auf die Umgebung fortkroch.
Die diphtherische Entzündung der Trachea veranlasst bei Ka-
ninchen regelmässig Nephritis mit Albuminurie durch das resorbirte
Diphtberieferment.
In der erkrankten Kaninchentrachea zeigte sich in der der
Schleimhaut aufliegenden fibrinösen Haut reichliche Wucherung der
eingeimpften Bacillen. An einzelnen Stellen lagen die Bacillen un-
mittelbar über oder selbst in der nekrotischen Epithellage.
Mäuse und Frösche erwiesen sich immun, Meerschweinchen,
Tauben und Kaninchen gegen die Impfungen sehr empfindlich.
Bei Tauben und Kaninchen wurden öfter Lähmungserscheinungen
beobachtet. Dieselben treten zuweilen auch bei Ueberimpfung sehr
geringer Quantitäten von Diphtheriebacillen nach 4 bis 6 Wochen,
beziehungsweise nach 1 bis 3 Wochen auf.
Die Bacillen fanden sich bei an Diphtherie Verstorbenen auch
im subkutanen Oedem des Halses in grösserer Entfernung von der
Tracheotomiewunde vor.
Die Bacillen wuchern nur lokal an der Infektionsstelle, an der
Oberfläche der affizirten Schleimhaut resp. im subkutanen Binde-
gewebe.
Die Filtrate jüngerer Kulturen verursachten bei Meerschwein-
chen, Tauben und Kaninchen nur in relativ grösseren Dosen krank-
hafte Erscheinungen resp. den Tod; Filtrate älterer Kulturen zeig-
ten eine mit dem Alter zunehmende ausserordentliche Giftigkeit, die
sich dann auch bei Katzen und Hunden geltend macht. Die Ver-
giftung mit den bacillenfreien Filtraten erzeugt dieselben krankhaften
Erscheinungen, wie die Infektion mit den Bacillen. Tauben und Ka-
ninchen können schadlos mit den giftigsten Filtraten gefüttert werden.
Durch längeres Aufkochen verlieren die Filtrate ihre Giftigkeit
Sporenbildung wurde nicht beobachtet.
Die Diphtheriebacillen sind auch dem Nahrungsmangel und der
Fäulniss, sowie Desinfektionsstoffen gegenüber nur massig widerstands-
fähig. Dagegen zeigten durch Aussaat von eingetrockneten Bacillen
erhaltene Tochterkulturen stets die nämliche volle Virulenz, wie die
frischkultivirten Stäbchen.
Auf Loeffler'schem Serum zeigen die Kulturen schon nach
einem Monate eine beträchtliche Abschwächung der Virulenz, während
dieselben ihre Vitalität bis gegen 3 Monate erhalten können. Die
Aussaat der geschädigten Bacillen gibt regelmässig wieder vollviru-
lente Tochterkulturen. Di tt rieh (Prag).
Braun, Bericht Aber die Fortschritte in der thierischen Panuitenkunde. 421
Bericht über die Fortschritte in der thierischen
Parasitenkunde.
Von
M. Braun
in
Königsberg i. P.
(Fortsetsnng.)
B. Trematodes.
Referent darf an dieser Stelle wobl zunächst darauf hinweisen,
dass der die Würmer behandelnde vierte Band von dem gross ange-
legten Werke: „Bronn's Klassen und Ordnungen des Tier-
reiches", welcher von Pagenstecher begonnen wurde, nun vom
Referenten fortgesetzt wird. Die bisher erschienenen Lieferungen
(7—17. pg. 209—560. Tat VI— XVII) behandeln u.' A. die parasiti-
schen Dicyemiden und Orthonectiden, sowie von den Trema-
tod en die sogenannten monogenetischen; über die ersteren wird nur
nach den vorhandenen Darstellungen referirt, wogegen manches Neue
über den Bau der Trematoden mitgetheilt wird. Die Fortsetzung wird
zunächst die digenetischen Trematoden umfassen.
Einen Ueberblick über die Ei formen der Trematoden erhalten
wir durch Ernesto Setti (15): Für die Monogen ea ist die
Spindelform, für die Digenea die ellipsoidale Form charakteri-
stisch, doch besitzen einige Digenea (Monostomum verruco-
sum, Distomum fasciatum, D. flexuosum etc.) spindelför-
mige und einige Monogenea (Mesocotyle squillarum, Pla-
giopeltis thynni, Polystomum ocellatum etc.) elliptische
Eier. Am meisten weichen die Eier der Tristomiden vom Typus ab,
da sie drei- oder vierkantig sind und durch weiteres Ausziehen oder
Atrophiren einiger oder aller Kanten sehr verschiedene Formen an-
nehmen, übrigens gelegentlich auch beim selben Individuum variiren.
Weniger zahlreiche Ausnahmen kommen bei den Digenea vor,
einige Arten haben ovale, einige spindelförmige Eier, sehr Belten
sind birnförmige Eier. Charakteristisch sind ferner für die Eier der
Monogenea die in der Ein- oder Zweizahl vorkommenden Fila-
mente, die nur bei Polystomum und Gyrodactylus auricu-
latus fehlen, wogegen unter den Digenea nur die Eier ganz
veniger Arten (Dist. polvmorphum, sinuatum, fasciatum,
Gobii, croaticum; Mono st. foliaceum, capitellatum,
spinosissimum, verrucosum und Opisthotrema cochle-
are) ein Filament führen. Farbe und Grösse variiren ebenfalls;
die grössten Eier besitzt Temnocephala chilensis (0,5 mm lang,
0,25 mm breit), die kleinsten Distomum heteroporum (0,020
rcsp. 0,008 mm).
G. Saint-Bemy veröffentlicht eine „Synopsis des träma-
todes monog6nöses" (16), in welcher wir einen Schlüssel zur
422 Braun,
Bestimmung der Familien, Subfamilien und Gattungen, Beschreibt^
aller bekannten Arten und Abbildungen charakteristischer Vertrete
erhalten, eine verdienstliche Arbeit, die Jedem, der sich mit diese
Thiergruppe beschäftigt, grossen Nutzen gewähren wird.
Derselbe Autor (17) berichtet über die Genitalien ton Mi
crobothrium apiculatum Olss. von den Kiemen eines Haiei
Acanthias vulgaris; bemerkenswerth ist das Vorkommen dq
eines Hodens und einer links sich öffnenden Vagina, weil die nächst
verwandte Gattung Pseudocotyle, zu der von Einigen Micro
cotyle gezogen wird, zahlreiche Hoden und eine paarige Vagin
besitzt.
Nach Fr. S. Monticelli (18) sind die beiden retraktilen Teo
takel von Tristomum und Acanthocotyle auch der Strokta
nach echte Tastorgane; das Gleiche gilt vom Vorderrande des Kör
pers zwischen den Saugnäpfen von Trochopus und Placunella
ferner von den Bttckenpapillen von Tristomum papillosum ujji
endlich bei jenen Tristomen, deren vordere Saugnäpfe einander ii
der Mittellinie berühren (Epibdella, Nitzschia), von den Saug
näpfen, die ausserdem noch reich an Hautdrüsen sind. Es folge)
dann genaue Angaben über die vom Hirn abtretenden Nerven an
systematische Bemerkungen.
Ohne von der Mittheilung des Ref. über den Canalis vitello
intestinalis (vergl. d. CentralbL Bd. IX. 1891. p. 52) Kenntnis
zu haben, berichtet S. Goto (19) über die Existenz dieses GsngH
bei Axine (2sp.), Microcotyle (8sp.), Octobothrium (2 sp J
und Diplozoon (1 sp.). Letzteres, eine neue Art von den Kiema
der Karausche (Garassius vulgaris) in Japan (Diplozooi
nipponicum), erfährt eine ausführliche anatomische Schilderung
durch denselben Autor (20).
Unter dem Namen Anoplodiscus beschreibt P. Son sin o (21
einen auf den Kiemen von Pagrus orphus lebenden, zwischen dd
Tristomeen und Gyrodactyliden stehenden Trematoden; er besitil
zwei Sauggruben am Vorderende und vier Augenflecke; hintere Haft
scheibe saugnapfartig , unbewaffnet ; ein Hoden; männliche Genital'
Öffnung median gelegen, mitSpiculum; Vaginalöffnung links; AnopL
Richiardii n. sp. 6—7 mm lang, 1,3 mm breit
Ferner werden als neue Arten beschrieben: Tristomum in-
terruptum Monticelli (18) von den Kiemen des Thymus brai
chypterus — Neapel, Tr. Levinsenii Montic. (18) von den
Kiemen eines Thvnnus aus dem zoologischen Museum in Kopen-
hagen, und Trochopus differens Sonsino(22) von Cantbarus
lineatus Montic.
Als neue Wirthe werden angegeben von P. Sonsino (23):
Tetrapterus belone (Sizilien) und Orthagoriscus mola
(Neapel) für Tristomum coccineum, Dmbrina cirrosa(R»)
für Diplectanum aequans Dies, und Calceostoma inerme
Par. et Per.
Grossere monographische Darstellungen über digenetiscbe Ne-
matoden sind dem Bei nicht bekannt geworden, doch ist zu erwäh-
nen, dass G. Brandes seine Arbeit „über die Familie der Holest*-
Bericht Aber die Fortschritte in der thierischen Parasitenkunde. 423
luden", aber welche wir schon früher berichtet haben (d. Centralbl.
TL 1889. p. 241), nun auch mit Abbildungen publizirt hat (24).
Der eifrige Fr. Sav. Monticelli hat, wie vor Kurzem auch
1 0. Juel (vergl. d. Centralbl. VIII. 1890. p. 64) die Dujardin'-
«he Untergattung von Distomum, Apoblema zum Gegenstande
lesonderer Studien gemacht (25), eine Arbeit, die um so wichtiger
racheint, als sie z. TL auf der Untersuchung der im Berliner Mu-
eum aufbewahrten Originale von Rudolphi und Wagener basirt
st. Mit Juel spricht sich auch unser Autor dafür aus, Apoblema
meiner selbständigen Gattung zu erheben und von Distomum
:u trennen; neben den besonderen Verhältnissen im Genitalapparat
vide Juel 1. c.) spricht auch der in verschiedener Länge vorkom-
nende und einziehbare Schwanz dafür, den Monticelli schon bei
len in Cyclopiden lebenden Jugendstadien findet und für einen um-
gewandelten Cercarienschwanz hält. Demnach würden die Apo-
)lema- Arten primitivere Formen darstellen, als die Distomen.
In Bezug auf die Synonymie ist zu erwähnen, dass nach Mon-
ticelli das Rudolphi'sche Distomum (Apoblema) appen-
Hculatum identisch ist mit D. ventricosum Wagener und
ö. ocreatum Olss., dass femer zu Apoblema ocreatum Rud.
gehören D. ventricosum van Beneden und D. Garolinae Stoss.,
md dass endlich das von Monticelli selbst als D. ocreatum aus
Clupea pilchardu8 beschriebene Thier eine neue Art (D. Stos-
iichii) darstellt; im Ganzen umfasst die Gattung Apoblema
10 Arten.
Während der vierten Campagne der Tacht „Hirondelle" unter
Albert I. von Monaco sind auch zahlreiche Thynnu s alalonga im
atlantischen Ocean gefangen und auf ihre Parasiten untersucht wor-
den. Die dabei theils in der Musculatur des Kiefers, theils einge-
kapselt an den Kiemen , theils frei im Darm gefundenen Nematho-
bothrien hält R. Moniez (26) alle für ein und dieselbe Art (Ne-
uatobothrium Guernei n.sp.) und erklärt die Verschiedenheiten
ab durch den verschiedenen Wohnort bedingt; das Aussehen dieser
Thiere lftsst viel eher Nematoden oder Cestoden vermuthen , da der
Körper sehr lang gestreckt (bis 50 cm) und quer gerunzelt ist. Die
beiden Genitalöffiiungen liegen ganz vorn und vor einander; enorm
bog sind die beiden Hoden, der Keimstock und der Uterus; am
Unteren Körperende mündet das Exkretionssystem aus, von dem nur
der bis nach vorn reichende Medianstamm erkannt worden ist ; andere
°rgane scheinen zu fehlen. Die in Cysten befindlichen waren immer
ft zweien eingeschlossen.
An einem 70 mm langen Distomum goliath van Ben. aus
Balaenoptera rostrata erkannte E. Lönnberg (27) die Dotter-
stöcke als grosse, grauschwarze Flecke, welche im hinteren Drittel
*» Körpers in vier Reihen geordnet sind, die die ganze Körperbreite
(9 mm) einnehmen. Vorn trennen sich die beiden medianen Flecken-
reiben von einander und hören dann auf, so dass ein medianes helle-
res Feld an den Seiten von je einer Fleckenreihe begrenzt wird. Das
vordere Körperdrittel ist wieder von den auch hier in vier Reihen
^geordneten Dotteretockfollikeln eingenommen, die hier noch dich-
424 Brian,
ter als hinten stehen. Von dem Taschenberg'schen Genus Di-
dymozoon beschreibtLönnberg eine an den Kiemen vonLampris
guttat us eingekapselt gefundene neue Art (D. lampridis), welche
etwa 30—35 mm lang wird ; sie waren stets zu zweien in einer Cyste,
aber nicht verwachsen. Das vordere Saugorgan, welches Taschen-
berg als Pharynx betrachtet — der übrige Darm ist geschwunden
— ist wohl richtiger mit LOnnberg als der erhalten gebliebene
Mundsaugnapf zu deuten, wenigstens besteht er aus Radiär- und
Cirkulärmuskeln, auch scheint ein hinter ihm gelegener, undeutlicher
Körper das Rudiment des Pharynx zu sein. Der Verlust des Darmes
hängt wie die schwache Entwicklung der Muskulatur mit der Le-
bensweise in Cysten zusammen.
Neue Arten:
Distomum album, Darm von Gantharus orbiculariß (Stos-
sich 28).
D. Linstowii, Darm von Testudo graeoa (ibidem).
Diplostomum cobitidis, Leibeshöhle von Oobitis b arbatuli
(v. L in stow 29).
Neue Wirthe:
Lestris Buffonii für Hemistomum spathaoeum Dies. (Löno-
berg 27).
Larusridibundus für Holostomumplatyoephalum(P. Mög-
nin 80).
Mugil oephalus für Dist. viviparum v. Ben. = D. Benedenü
Stoss. (8onsino 22).
Crenilabrus griseus für Dist. oommune Olss. (ibidem).
Aquila ohrysaetus und Astur palumbarius für Holost ma-
orooephalum Rud. (Stossioh 81).
Circus aeruginosus für Hol. m aoroce phalum , Heinißt.
spatula Dies, und Dist orassiusoulum Rud. (8t o ssich 32).
Cirous oyaneus für Hol. macrooephalum Rud. (ibid.).
Uranosoopus scaber für Dist rufoviride (ibid.).
Notidamus griseus für Dist. veliporum Crepl. (ibid.).
Thalassoohelys oorticata für Monost trigon ocephalum
Rud. (8toßsich 33).
8trix nootua für Holost macrooephalum Rud. (ibid.).
Ardea cinerea für Dist hians Rud. (ibid.).
Anas bosohas Dom. für Monost attenuatum (Braun 34).
Helix nemoralis und H. strigella für Gercariaeum helicu
Meck. (ibid.).
Das im Jahre 1840 von Nu man beschriebene und von Setteo
aus der vorderen Augenkammer eines Pferdes extrahirte Mono-
stomum Setteni ist nach Blanchard und Railliet (35) eine
Oestridenlarve, doch lässt sich nicht mehr bestimmen, zu welcher
Art dieselbe gehört; Diesing hatte diese Form zu Pen las to-
mum gestellt, was jedoch Lcuckart bereits als nicht richtig er-
kannte.
Bericht Aber die Fortschritte in der thieriechen Perasitenkande. 425
B. Blanchard hat in seinem „Traitä de Zoologie m6dicale",
einem in Deutschland wenig verbreiteten, aber vortrefflichen Werke,
zwanzig authentische Fälle von Distomum hepaticum beim
Menschen gesammelt; er fügt diesen einige weitere hinzu (36):
zuerst einen und zwar den ersten aus Spanien stammenden Fall, den
bereits V. Sagarra (37) publizirt hat; es handelte sich um einen
42-jährigen Bauern, der seit 4 Monaten an Anasarca, grossem Durst,
Appetitlosigkeit und Verstopfung litt; irgend ein organisches Leiden
konnte nicht gefunden werden. Auf eine Dosis Ricinusöl entleerte
der Patient vier erwachsene Distomen ; trotzdem besserte sich der
Zustand nicht, vielmehr trat der Tod unter den Erscheinungen von
Lungenödem nach 18 Monaten ein; leider ist die Sektion nicht ge-
macht worden. Ein weiterer Fall, und zwar der erste aus Russland,
ißt wenig sicher , da es sich nur um ein mit Karmin gefärbtes und
in dem Ferdinand-Maximilians-Museum in Triest aufbewahrtes Di-
stomum hepaticum handelt, welches die Aufschrift führt: „ex
hepate humano, Russia"!; alle weiteren Angaben fehlen. Da die
Karminfärbung erst im Jahre 1868 eingeführt worden ist, so kann
der Fall nicht älter sein. Vielleicht gehört auch folgender Fall zu
D. hepaticum; derselbe wird von J. Hogg (38) nach den Angaben
eines befreundeten Arztes erzählt, klingt aber romanhaft genug : Eine
Dienerin litt seit einiger Zeit an Zahnschmerzen und Facialis-Neural-
gieen; Extraktion eines Backenzahnes brachte nur vorübergehende
Linderung, und als nach 3 oder 4 Monaten die Schmerzen wieder-
kehrten und alle Mittel vergeblich waren, nahm die Patientin ihre
Zuflucht zu einer weisen Böhmin. Diese rieth ihr, „den Wurm mit
Bilsenkrautsamen auszuräuchern41 — gesagt, gethan; Bilsenkrautsamen
wurde über glühende Kohlen gestreut, der Rauch eingeatbmet und
nach kurzer Zeit fielen 6 oder 8 Würmer aus den Zähnen in ein
darunter gehaltenes Glas Wasser 1 Aber auch dies half nur für eine
gewisse Zeit; als die Schmerzen von Neuem begannen und jeder Be-
handlung trotzten, rieth nun der Arzt selbst zur Wiederholung der
Ausräucherung vor seinen Augen, und siehe da — „ein kleiner, zap-
pelnder Wurm" kam zum Vorschein, den der Arzt an Hogg sandte;
später folgten noch mehrere ; vier waren schlecht erhalten, einer aber
gut, und diesen einen von 4,2 mm Länge erklärt Hogg für eine
junge Cercarie. Der gelblichbraune Kopftheil endet mit einer saug-
napfartigen Bildung ; am Beginn des hinteren Drittels liegt eine wei-
tere Oeffnung, dort findet sich auch das Ende des gerade verlaufenden
Darmes. Ist diese Beschreibung schon eine sehr ungenügende und
läset dieselbe auf einen Autor schliessen , der Trematoden nur ober-
flächlich kennt, so gilt dies noch mehr von der Deutung des Fundes
als einer Cercarie und den Ansichten, die Hogg über die Infektion
äussert: wenn auch zuzugeben ist, dass Distomeneier in den Mund
und Magen eines Menschen, z. B. durch den Genuss von infizirter
Schafleber oder auch durch Wasser, eingeführt werden können (der
Autor denkt nach Blanchard auch noch an Fische und Geflügel),
und wenn ersteres gewiss oft genug vorkommt, so ist es doch ganz
undenkbar, dass diese Eier sich in einem hohlen Zahne oder in einer
Zahnalveole des Kiefers zu den Würmern entwickeln sollen, die
426 Braun,
schliesslich ausgeräuchert worden sind. Diese Annahme tischt aber
der Autor seinen Lesern auf. Wenn dar Fall überhaupt authentisch
ist, so kann es sich nur um verirrte, im verpuppten Zustande eingeführte
Distomen handeln, die schliesslich einen oder mehrere Abscesse ver-
ursachten und bei spontaner Oeffhung derselben zum Vorschein ge-
kommen sind; solche Distomenabscesse sind wiederholt gesehen
worden.
Dass Distomum sinense Gobb. in Ostasien recht häufig ist,
wird immer mehr thefls durch Beobachtungen entsprechender Fälle
an ausgewanderten Chinesen, theils durch die Publikationen franzö-
sischer Aerzte aus Tonkin bestätigt; auch Blanchard (36) erhielt
aus dem Militärhospital zu Hanoi zwei Fläschchen, jedes mit ca. 100
Distomen, welche bei der Sektion zweier anamitischer Soldaten ge-
funden worden waren; ebenso schickte Dr. P. Loye ein Gefäss mit
einem Stück Leber und einer solchen Anzahl Distomen aus Hanoi
ein, dass B 1. , wenn es nicht ausdrücklich versichert worden wäre,
nicht an die Herkunft derselben von einer Sektion geglaubt hätte.
Ausser erwachsenen Thieren von 14 mm Länge kamen auch solche
von 8 mm vor, was wohl auf eine öftere Infektion schliessen lässt
Die Eier schwanken nach Bl. zwischen 0,023 und 0,030 mm in der
Länge und 0,013— 0,016 mm in der Breite. Die von J. Ijima ent-
deckte Verdickung an dem einen Pole der Schale fehlt manchen
Eiern.
Wie Blanchard (36) ferner berichtet, war auf dem Aerzte-
kongress der Insel Cuba im Anschluss an einen Fall die Frage ven-
tilirt worden, ob Bilharzia haematobia daselbst vorkäme; da-
für trat Dr. Semprum ein, der aber den Parasiten konstant Di-
stoma hematoma nennt, während Dr. Diago auf Grund der
Untersuchung des Blutes des betreffenden Kranken die Parasiten für
Filarien erklärte. An und für sich wäre die Geschichte nicht er-
wähnenswerth, wenn nicht ein französisches Journal (Bulletin m6dical.
T. IV. 1890. p. 281) die Sache aufgenommen hätte; freilich lässt
dieses den schönen Speziesnamen weg und spricht nur von einem
Distoma. Dem gegenüber ist nach Blanchard bei Zeiten zu be-
tonen, dass Dr. Diago völlig Recht hat
In einem anderen Falle dagegen, der ebenfalls auf Bilharzia
haematobia zurückgeführt wird, handelt es sich nach Blan-
chard (36) wahrscheinlich um ein Infusorium. Villeneuve, Pro-
fessor für Chirurgie an der ficole de mädecine in Marseille, hat bei
einem Kranken, der, in Corsica geboren, in Tunesien gedient hatte, aber
niemals in Aegypten war und wegen einer Kontusion der Schulter
das Hospital zu Marseille aufsuchte, im Urin einen sich lebhaft be-
wegenden, schliesslich aber in einem Haufen von Leukocyten hängen
bleibenden, kugeligen, bewimperten Körper für den Embryo von Bil-
harzia gehalten und den Fall als Bilharzia-Krankheit publi-
zirt (39). Mit Hecht macht Blanchard (36) darauf aufmerksam,
dass weder die Beschreibung des wimpernden Wesens ausreicht, noch
dass sonst die Umstände dafür sprechen, dass Bilharzia vorliegt
und in Tunis vorkommt; der Bilharzia -Embryo ist nämlich nicht
kugelig, sondern elliptisch oder ovoid, er schlüpft auch nur ganz
Berieht über die Fortschritte in der thierischen Parasitenkunde. 427
ausnahmsweise im Uno selbst aas and würde bei seiner Länge von
etwa 0,160 mm auch nicht unter dem Deckglas so lebhaft schwim-
men, dass seine Verfolgung, wie angegeben, schwierig wäre, auch
würde er kaum von Leukocyten aufgehalten werden können; wahr-
scheinlich handelt es sich um Gystomonas urinaria oder ein
anderes Protozoon.
C. Cestodes.
Zuerst weisen wir auf die von J. Gh. H u b e r verfasste „Biblio-
graphie der klinischen Helminthologie" hin, von der uns
das enste, den Echinococcus cysticus umfassende Heft vorliegt,
das mehr bietet, als der Titel angibt, da die Fälle von Echino-
coccus beim Menschen auch nach den Organen und Systemen ge-
ordnet sind. Bei der ausserordentlich zerstreuten Litteratur sind Sam-
melwerke wie das vorliegende ein nicht genug zu schätzendes Hülfe-
mittel bei der Arbeit, das in erster Linie dem Arzte von Nutzen sein
wird.
Zu den Tänien des Menschen uns wendend, sind drei
Fälle von Taenia nana Sieb, aus Pisa nach P. Sonsino (40) an-
zuführen. In dem ersten handelt es sich um ein neunjähriges Mäd-
chen aus Cascina, in deren Faeces die Eier genannter Tänie gefunden
wurden, ohne dass es möglich war, der Würmer selbst habhaft zu
werden ; das Gleiche gilt für einen zweiten Fall, ebenfalls vom Okto-
ber 1889, der einen Mann, welcher gleichzeitig wenige Anc hy lo-
st oma duodenale besass, betrifft. Erst bei der dritten Beobach-
tung an einem 7-jährigen, ebenfalls aus Cascina stammenden Mädchen
wurden auch die Würmer abgetrieben und diese bestätigten die zu-
nächst auf die Eier hin gestellte Diagnose. Die kleine Patientin, die
seit ihrem dritten Jahre an Verdauungsstörungen und abnormer Ge-
schmacksrichtung litt, so dass sie Kalkschutt, Kohle und selbst
thierische Exkremente zu sich nahm, war recht heruntergekommen,
schlecht genährt, bleichsüchtig und klagte über ganz unbestimmte
Schmerzen bald im Leibe, bald in den Extremitäten. Anhaltspunkte
für eine Erkrankung der Lunge, Leber, Milz oder Nieren waren nicht
vorhanden, dagegen abnorme Verdauungserscheinungen; bei der Un-
tersuchung der Faeces fanden sich Eier von Trichocephalus,
Ascaris und der Taenia nana; auf eine Dosis Santonin und Ri-
cinusöl wurden Oxyuren, aber keine Ascariden entleert; am dritten
Tage erhielt die Patientin Extr. fil. mar. aeth. und Galomel — es
erfolgten 5 Entleerungen, von denen die ersten drei etwa 100 kleine
Tänien mit allen Charakteren der Taenia nana enthielten, die
beiden letzten nur Oxyuren zu Tage förderten. Acht Tage nach Be-
ginn der Kur, die übrigens gut vertragen wurde, ergab die Unter-
suchung der Faeces in Bezug auf Tänien- und Oxyuris-Eier einen
negativen, für Trichocephalus- und Ascaris-Eier positiven
Befund ; trotzdem ging auf Gaben von Santonin, Ricinusöl und Kalo-
mel keine Ascaris ab, doch kam eine solche mit Oxyuren am näch-
sten Tage zum Vorschein; Tags darauf reiste die Patientin nach
Hause. Die entleerten Tänien waren alle abgestorben und vielfach
bereits in Loslösung der Proglottiden begriffen; das grösste Exemplar
428 Braun,
war 25 mm lang, die Glieder bis viermal so breit, ab lang; reife
Proglottiden konnten mehr als 30 an ihm gezählt werden. Hinzu-
gefügt wird noch, dass die Eier keines Helminthen so schwer in den
Faeces aufzufinden sind, wie die von Taenia nana.
Otto Wernicke (41) berichtete vor Kurzem über Taenia
nana, die er bei der Sektion eines an Phthise verstorbenen, 28 jäh-
rigen, argentinischen Matrosen in Buenos -Ayres gefunden hatte;
2 von den 30-40 gefundenen Exemplaren erhielt R. Blanchard (42),
der nach genauer Untersuchung derselben die Diagnose bestätigte;
es ist dies der zweite Fall aus Amerika, die erste Beobachtung
stammt von E. A. Spooner aus dem Jahre 1872 (Philadelphia).
In einer Schrift, welche dem Arzt wie dem Zoologen gleich viel
bietet, fasst R. Blanchard (43) unsere Kenntnisse über die Tänien-
gattung Hymenolepis zusammen, zu der die in letzter Zeit so
viel besprochene Taenia nana gehört Entgegen Grassi wird
die Verschiedenheit dieser Art von T. murina aufrecht erhalten;
wenn auch Kopf, Haken und Hals bei beiden Formen sehr ähnlich
sind, so sind doch die Saugnäpfe bei Taenia nana mehr gestreckt,
das Rostellum länger und mit mehr Häkchen versehen; die Eier
sind rund, seltener oval (bei T. murina elliptisch), auch kleiner
(30—37 p bei den kugligen, bis 48,60 und selbst bis 55 ju bei den
ovalen — gegenüber 65 f* bei T. murina); dementsprechend ist
auch der sechshakige Embryo bei T. nana bedeutend kleiner,
ebenso seine Häkchen, wie denn T. nana selbst kleiner, als T.
murina ist (17—25 mm gegenüber 25—40 mm). Zu diesen Ver-
schiedenheiten kommt auch noch die verschiedene geographische
Verbreitung: man kennt T. murina aus Frankreich, Deutschland
und Italien, die T. nana aber nur aus letzterem von den genannten
Ländern und anderen Orten, an denen T. murina nicht konstatirt ist
Sind beide Formen nicht identisch, so ist auch die Infektionsquelle
für T. nana noch unbekannt, wenn auch anzunehmen ist, dass sie
sich ebenso wie die zweifellos nahe verwandte T. murina verhalten
wird, deren abweichende Entwickelungs weise bekanntlich Grassi
entdeckt hat (vergl. d. Centralbl. Bd. V. 1889. p. 370 ff.).
Auf der anderen Seite scheint es für Blanchard ganz ausge-
macht, dassT. flavopunctata Weinl. identisch ist mitT. dimi-
nuta Bud. = T. leptocephala Grepl. unserer Ratten, obgleich
Grassi (vergl. d. Centralbl. Bd. I. p. 257 u. Atti R. Accad. d. sc
Torino. XXIH. 1888) dies nur für diejenigen Tänien behauptet und
begründet hat, welche E. Parona bei einem Mädchen aus Varese
gefunden und als T. flavopunctata? bezeichnet hat Für diese
resp. T. diminuta haben Grassi und Rovelli den Zwischen-
wirth in Schmetterlingen ( A s o p i a f a r i n a 1 i s), Gradflüglern (A n i s o-
labis annulipes) und Käfern (Axis spinosa und Scaurus
Stria tu 8) gefunden.
Die Auflösung des Genus Taenia im alten Sinne hat Wein-
land bereits 1858 vorgeschlagen und die Taenia nana als Typus
für das Genus Diplacanthus aufgestellt, die Taenia murina
und andere zum Genus Hymenolepis gezogen; da aber beide
zu nahe verwandt sind, als dass sich eine generische Trennung
Bericht Über die Fortschritte In der thierlichen Parasitenkunde. 429
rechtfertigen Hesse, und da der Gattungsname Diplacanthus bereits
von L. Agassi z an einen Fisch vergeben ist, so empfiehlt es sich,
den Namen Hymenolepis Weinl. anzuwenden. Diese Gattung cha-
rakterisirt nun Blanchard folgen denn assen:
Körper klein, fadenförmig. Kopf klein, Bostellum retraktil, wohl
entwickelt und mit einem einfachen Kranz yon 24 — 30 Häkchen bewehrt
oder rudimentär und hakenlos. Hals lang. Glieder gesägt, yiel breiter,
als lang, selten weniger, als 150. Genitalporus randständig, linkerseits
auf jedem Gliede gelegen, wenn als Bauchseite diejenige bezeichnet
wird, die der weibliohe Gesohlechtsapparat einnimmt. Männlicher
Apparat aas sehr wenigen, meist nur drei, Hoden bestehend, von denen
zwei in der rechten nnd einer in der Hälfte der Proglottiden liegt; das
reife Glied ist in einen Sack umgewandelt, der helle, runde oder etwas
längliche Eier fuhrt, die stets von drei durch relativ weite Zwischen-
räume von einander getrennten Schalen umgeben sind; die innere
Schale, in welcher die Oncosphaera eingeschlossen ist, besitzt manch-
mal an jedem Pole einen kleinen Höoker, entbehrt aber eines birn-
förmigen Apparates. Finnenzustand ist eine Cryptooystis oder
Staphylooystis. Die Wanderung vollzieht sich entweder zwisohen
zwei Organen desselben Wirthes, oder häufiger zwisohen zwei verschie-
denen Wirthen; der Zwisehenwirth ist dann ein Insekt, oder ein Myrio-
pode.
Diese so charakterisirte Gattung theilt Blanchard in zwei
Gruppen :
a) bewaffnete Arten:
1) H. murina Duj. in Mus decumanus, pumilus, mu-
sculus und Myoxus quere inus. Entwickelung ohne
Zwisehenwirth.
2) H. nana v. Sieb, im Menschen ; Entwickelung ?
3) H. microstoma Duj. in Mus rattus und musculus;
Zwisehenwirth ist die Larve von Tenebrio molitor, der
sogenannte Mehlwurm.
4) H. furcata Stieda in Crocidura aranea.
5) H. unoinata St in Crocidura leueodon und aranea;
Zwisehenwirth ist ein Käfer (Silpha laevigata).
6) H. soalaris Duj. in Crooidura aranea; Zwisehenwirth
ein Myriopode (Glomeris limbatus).
7) H. pistillum Duj. in Crocidura aranea; Zwisehenwirth
wie 6.
8) H. tiara Duj. ebenda; Zwisohenwirth ?
9) H. erinaoei Gm. = T. compaota Bud. in Erinaceus
europaeus; Zwisehenwirth?
10) H. baoillaris Goeze in Talpa europaea; Zwisohen-
wirth?
11) H. acuta Bud. in Vesperugo noctula und serotina;
Zwisehenwirth ?
12) H. deeipiens Dies, in Fledermäusen Brasiliens; Zwisehen-
wirth?
432 Heim,
terien. Rom (6. 362) kultivirte namentlich Streptokokken in
Malzaufgüssen. Das Wasser der unreifen Kokosnüsse, welches
Sternberg (9. 834) als geeignetes Nährmedium bezeichnete, hat für
unsere Verhältnisse weniger Interesse.
Von allen Zusätzen, die man den Nährböden gab, ist der
wichtigste das von Nocard und Roux (1. 404) angegebene Gly-
cerin, welches auch in Agar oder Bouillon die Tuberkelbacillen in
üppigster Weise zur Entwickelung kommen läset Kranzfeld (0.
2. 274) sah dann die Rotzbacillen selbst bei Zimmertemperatur vor-
züglich auf Olycerinagar gedeihen. Nach Hammerschlag (5. 702)
kann das Glycerin durch Mannit und Traubenzucker ersetzt werden;
als zweckmässiges Nährmaterial benutzte H. ein Hefedekokt Unter
den verschiedenen Fleischsorten fand Martin (5.831) das Herings-
fleisch als für die Züchtung der Tuberkelbacillen am geeignetsten.
Zum Studium biologischer Eigenthümlichkeiten der Bakterien
wurde nach Buchner 's1) Vorgang Lackmus verwendet, n. z.
sowohl zur Erkennung etwaiger Säure- und Alkalibildung, als auch
ihrer reduzirenden Eigenschaften. Denn, wie Cahen1) ermit-
telte, sind viele Bakterien im Stande, aus der Lackmusfarbe ein
Leukoprodukt abzuspalten, das sich wie eine Küpe (leicht reduzir-
bare Farbstofflösung, welche sich an der Luft wieder oxydirt) verhält,
so dass Lackmus für bakteriologische Untersuchungen gleichzeitig
die Reaktion der Nährlösungen, sowie Sauerstoffentziehung anzu-
zeigen geeignet ist Der letztere Punkt stört aber die Beobachtung
des erstgenannten Vorganges, so dass, wenn es sich um Beobachtung
einer Reaktionsänderung allein handelt, ein Mittel gesucht werden
muss, um diese Störung zu beseitigen. Dies fand Petruschky in
der Verwendung von aus frischer Milch durch Fällung des Kaseins
gewonnenem Milchserum (Molke) als Nährsubstrat. Säure- und
Alkalibildung der Mikroorganismen machte Beyerinck (O. 9. 781)
durch Beigabe von Kreide oder Karbonaten verschiedener Metalle zu
einer Hefewasserglukosegelatine erkenntlich.
Die reduzirenden Wirkungen von Bakterien zeigte Spina (0.
2. 71) etwa gleichzeitig mit Cahen u. a. an einem dem Bact.
fluoresc. liquef. ähnlichen Bacillus durch die entfärbenden Wir-
kungen, welche dieser Mikroorganismus auf Methylenblau und Indig-
blau ausübte. Mittelst des letzteren machten dann Kitasato und
Weyl (8. 12), unabhängig von Spina, die reduzirenden Eigen-
schalten von Anaärobien sichtbar, und konstatirten gleichzeitig die
reduzirenden Wirkungen des entstandenen Indigweiss, bezw. dieses
selbst als ein Mittel zur Verbesserung des Nährbodens für die be-
treffenden Bakterien. Im Verfolge ihrer Bestrebungen, reduzirende, für
die Bakterienentwickelung nicht nachtheilige Körper zu finden, haben
die genannten beiden Forscher eine Reihe von Substanzen in den
Bereich ihrer Untersuchungen gezogen, welchen diese Eigenschaft in
noch höherem Grade zukommt, als es bei dem von Liborius3) an-
1) A. f. H. 111. 361.
2) Z. f. H. II. 387.
$) Z. f. H. I. 168.
Die Neuerungen d. bakteriol. Untersuchangsinethoden seit dem Jahre 1887. 433
gewendeten Zucker der Fall ist, und als eine der geeignetsten neben
dem indigosulfosaaren das ameisensaure Natron empfohlen, deren
Zusatz in der That ausgezeichnet ist, um die Anaärobier zu kräftiger
EDtwickelung zu bringen.
Ferner wurden noch Farben zum Nährboden zugesetzt zum
Zweck difierenzialdiagnostischer Untersuchungen, sowohl hinsichtlich
der Intensität des darauf zu beobachtenden Wachsthums, als insbe-
sondere der Erscheinungen, welche dabei zu Tage treten. A. v.
Bozsahegyi (O. 2. 418) wählte dazu die in der Bakterienforschung
am meisten angewendeten Anilinfarben, sowie Tinctura kermesina
and Noeggerath (3. 481) stellte eine den Spektralfarben ent-
sprechende Mischung verschiedener Anilinfarben zusammen; eine
Impfung von verschiedenen Bakterienarten auf die damit versetzte
und auf Platten gegossene Gelatine Hess längs der zur Entwickelung
gekommenen Impfstriche auch verschiedene, zum Theil in dem ur-
sprünglichen Gemisch gar nicht vorbanden gewesene Farben in die
Erscheinung treten.
Der Zusatz endlich von entwickelungshemmenden Stoffen zu
Nähnnedien, welche der Züchtung der Bakterien dienten, wurde hin
und wieder geübt, um die Sporenbildung aufzuhalten und nur vege-
tative Zellen zu bekommen. Behring1) erzielte damit die asporogene
Form der Milzbrandbakterien. Roux (7. 408) gab zum gleichen
Zweck genauere Vorschriften über den Zusatz von geringen Mengen
Karbolsäure und Bouillon in hoher Schicht. Umständlich erscheint
dabei seine Gepflogenheit, zur Vermeidung des Verlustes an Karbol-
säure nach Zusatz derselben die oberhalb des Wattepfropfens zuge-
schmolzenen Röhren zu sterilisiren ; ich erzielte völlige Keimfreiheit
des Materials, wenu ich in die mit 100 ccm sterilisirter Bouillon be-
schickten Röhrchen oder kleinen Medizinfläschchen unter Verwendung
einer sterilisirten Pipette die entsprechende Quantität einer 2% Kar-
bollösung tropfen liess, welche mit keimfreiem destillirten Wasser
hergestellt worden war. Ich habe im Uebrigen die Vorschriften des
Autors genau befolgt, jedoch in zwei Versuchsreihen nur konstatiren
können, dass die von ihm angegebene Karbolsäuremenge gerade
richtig ist, um in etwas mehr, als der Hälfte der angesetzten Proben
noch Wachsthum zu erhalten; aber auch die letzten, in welchen es
gerade noch erfolgt war, erwiesen sich, obwohl die Kultur sich nur
in der Tiefe der Bouillonschicht befand, beim Erhitzungsversuch
entweder als nicht sporenfrei, oder, wenn sie es waren, erlangten sie
ihre Fähigkeit, Sporen zu bilden, bei der Weiterzüchtung wieder.
Vielleicht rührt dies von der grossen Widerstandsfähigkeit, durch
welches sich mein Material auszeichnete, her; Roux hat sich über
das seinige nicht geäussert.
IT« Züchtungsmethoden.
Hinsichtlich der aerobischen Bakterien haben die Züchtungs-
methoden in den letzten 41/» Jahren insofern eine Bereicherung er-
1) Z. f. H. VI. 127 und VU. 172.
*.M. oft
434 Heim,
fahren, als Gl ob ig (3. 366) in der Gartenerde Bakterien fand,
welche nur zwischen 50—70° G zu gedeihen vermögen.
Ferner sah v. Lingelsheim1) bisher unbekannte Unterschiede
im Verhalten des Wachsthums von Streptokokken, welche mikrosko-
pisch lange, und solchen, welche kurze Ketten bilden. Die Gruppe
des Str. longus verflüssigte Gelatine nicht, rief keine Trübung in
Bouillon hervor und wuchs auf Kartoffeln nicht. Die zweite Gruppe,
die des Str. brevis, zeigte die Neigung, Gelatine in geringem
Grade zu verflüssigen, trübte die Bouillon und entfaltete auf Kartof-
feln üppige, grau weisse, konfluirende, leicht abziehbare Beläge; in
Agar mit indigschwefligsaurem Natron Hess sie eine reduzirende
Wirkung erkennen. Als sehr günstiger Nährboden für alle Arten
von Streptokokken erwies sich Bouillon mit einem Gehalt von 3%
Pepton und 2% Traubenzucker, von Serumarten als zweckmässigstes
Kaninchenserum ; jenes von Rindern eignete sich zunächst nicht für
alle Arten der Streptokokken, wohl aber, wenn es noch mit gewöhn-
licher Bouillon zu Vs verdünnt wurde.
Alle anderen Neuerungen beziehen sich auf die Kultur von An-
aerobiern. Hier ist der wichtigste Fortschritt die Erzielung der
Beinkultur des Tetanusbacillus gewesen. Kitasato (6. 679) hat
ihn von den ihn regelmässig begleitenden Mikroorganismen durch
'/» — 1-stündige Erhitzung der Mischkultur auf 80° C getrennt, welche
allein den Tetanusbacillus verschont liess. Durch Verwendung von
Meerschweinchenbouillon gelang es diesem Forscher ferner (6. 327),
die Bacillen . des Bauschbrandes und des malignen Oedems in fort-
laufenden Reinkulturen virulent weiter zu züchten, und später*)
glückte ihm auch die Kultur auf festen Nährsubstraten, namentlich
bei Zusatz der erwähnten reduzirenden Stoffe.
An der Vervollkommnung der Methoden der Züchtung von An-
aerobiern unter Ausschluss oder Ersetzung der Luft durch andere
Gase haben sich verschiedene Forscher betheiligt. So hat Grub er
(0. 1. 368) für die Kultivirung im luftleeren Räume ein an eine
Wasserstrahlpumpe anzusetzendes Reagenzrohr mit verengtem Hals
beschrieben, Schottelius (2. 101) ein etwas komplizirtes Fläsch-
chen für die Beobachtung des Wachsthums unter bestimmten Gas-
arten konstruirt. Dem Bedürfhiss nach einem möglichst einfachen
und brauchbaren Verfahren wurde Buchner (O. 4. 149) gerecht.
Er beseitigte den Sauerstoff mittelst Absorption durch alkalische
Pyrogallussäurelösung. Dieses Verfahren bewährte sich nicht bloss
bei Reagenzglaskulturen, sondern auch nach Nikiforoff (9. 291)
bei der Züchtung im hängenden Tropfen, und lässt sich nach Blü-
cher (9. 293) ebensogut für Plattenkulturen verwenden. Sein ein-
ziger Nachtheil besteht in der Eintrocknung des N&hrsubstrates in
dem luftverdünnten Räume, wird aber durch die sonstigen Vorzüge,
Einfachheit, Billigkeit und Raschheit der Ausführung reichlich auf-
gewogen; so kann man z. B. eine grössere Serie von Reagenzröhren
auf einmal sehr leicht der Anaerobiose aussetzen, wenn man sie zu*
1) Z. f. H X. 338.
2) Z. f. H. 8. 55
Die Neuerungen d. bakteriol. Untersnchnng&methoden seit dem Jahre 1887. 435
sammen in ein grösseres Präparatenglas mit gut eingeschliffenem und
etwas gefettetem Deckel auf eine Unterlage, etwa von Watte, stellt,
unter welcher sich die Pyrogallollösung befindet; die Abnahme des
durch die Luftverdünnung festgehaltenen Deckels gelingt ohne Schä-
digung der Kulturen leicht, wenn man für kurze Zeit eine Erwär-
mung mittleren Grades im Wasserbad einwirken lftsst.
Die Absorption des Sauerstoffes im geschlossenen Röhrchen durch
Kultur einer sauerstoffbedürftigen Bakterienart (B. subtil is) in einer
zweiten auf die eigentliche Anaörobenkultur gegebenen Agarschicht
ist ein Gedanke von Roux (2.327), dem eine praktische Bedeutung
nicht zukommt Ein anderes, von diesem Autor angegebenes Ver-
fahren ist die Verdrängung der Luft durch den Nährboden selbst,
welcher heiss in pipettenartige Gefässe gesaugt wird, die dann bei-
derseitig abgeschmolzen werden. Die Füllung ähnlicher, aber von
vornherein nur an einem Ende offener Gefässe, welches durch Kni-
ckung des Kapillarrohres nach abwärts sieht, bewerkstelligte Niki-
foroff (4. 292) durch vorherige Austreibung der Luft mittelst
Wasserdampf, worauf das flüssige Nährsubstrat beim Einstellen der
Erhitzung ins Vacuum stürzt.
Eine weitverbreitete Methode ist die des Ersatzes der Luft durch
ein anderes Gas. Nachdem sich CO, als schädlich und auch das
von Würtz und Foureur (6. 710) empfohlene Leuchtgas durch
die Untersuchungen von Kladakis (8. 24) als ungeeignet für die
Kulturen erwiesen hatte, beschränkt man sich jetzt allgemein auf die
Verwendung des indifferenten Wasserstoffes nach Häuser1) und
Liborius *)• Der letztere hat dazu Reagenzröhrchen fertigen lassen
mit einer ihre Wand durchsetzenden , bis auf den Boden reichenden
Einströmungsröhre für das Gas, welches durch den verengten oberen,
später abzuschmelzenden Theil des Röhrchens wieder austritt. Boux
wählte die Anordnung von Gruber. Einer der Hauptnachtheile
solcher Röhrchen ist der, dass die Einfüllung des Nährmaterials und
die Impfung, namentlich aber die Anlegung von Verdünnungen für
Rollplatten erschwert ist Ich 8) habe daher die Impfungen und Ver-
dünnungen in gewöhnlichen Reagenzröhrchen vorgenommen, alsdann
erst ihren oberen Theil in der Flamme unter möglichster Vermei-
dung des Ausziehens des Glases verengt, eine frisch zur Kapillare
ausgezogene Glasröhre eingesteckt, das Gas durchgeleitet und nach
o—10 Minuten den verengten Theil sammt der Kapillare abgeschmol-
zen. Um diese vorm Zerbrechen zu schützen, wird sie in einen
herabhängenden Gummischlauch eingefügt. Der Gummischlauch ist
über den absteigenden Schenkel eines zweimal rechtwinkelig geboge-
nen, mittelst Klemme oben an einem Stativ befestigten U-förmigen
Glasrohres gezogen ; der andere ebenfalls abwärts gerichtete Schenkel
ist mit der letzten der 3 Waschflaschen (Bleinitrat, Silbernitrat, Py-
rogallol) für das Gas, welches vom Kipp1 sehen Apparat kommt,
1) Ueber Fäulnissbakterien and deren Beziehungen zur SeptiklLmie. Leipiig
(Vo*«l) 1885.
*) Z. f. H. I. 125.
3) A. ». d. K. G. A. V. 534.
436 Heim,
durch einen Gummischlauch verbunden. Letzterer trägt zur Reguli-
rung des Gasstromes, die mittelst des Hahnes des Kipp' sehen Ap-
parates nicht fein genug bewerkstelligt werden kann, einen Schrauben-
quetschhahn , der so eingestellt wird , dass der Wasserstoff schnell
genug durch das Nährmaterial strömt, ohne so reichliche Blasen-
bildung zu verursachen, dass der verengte Theil davon benetzt wird.
Zahlreiche Versuche haben mich von den Yortheilen dieses billigen
Verfahrens überzeugt.
C. Fraenkel (0. 3. 763) hat die Verengung des Reagenzglases
dadurch umgangen, dass er es mit einem doppelt durchbohrten Kaut-
schukstopfen, durch welchen die Gaszu- und Ableitungsröhre geführt
war, fest verschluss und mit Paraffin dichtete.
Um auch Plattenkulturen unter Wasserstoff setzen zu können,
haben Blücher (9. 292) und Botkin (9. 209) Glasglocken ge-
nommen, deren untere Oeffnung von Blücher durch Glycerinwasser,
von Botkin durch Paraffin, liquid, von der Aussen weit abgeschlossen
wurde. Während Blücher das Gas von oben her einleitete und
durch die Abschlussflüssigkeit zugleich mit der verdrängten Luft aus-
treten liess, führte Botkin eine eigene Zu- und Ableitungsröhre in
Gestalt von Gummischläuchen, denen durch je einen weichen und
biegsamen Führungsdraht von Kupfer die geeignete Krümmung und
Richtung gegeben worden war, unter die Glocke.
Züchtung unter verschiedenem Luftdruck erzielte Klebs1)
unter einer Glasglocke, welche, an ihrem oberen Ende mit Hahnab-
abschluss und einem trichterförmigen Aufsatz versehen, verschieden
tief in Quecksilber eingesenkt wird.
V. Thierversnch.
In der Unmöglichkeit, die Rotzbacillen in Sekreten (z. B. Nasen-
ausfluss) von anderen Bakterien durch die Färbung zu unterscheiden
und in der Langwierigkeit des Plattenverfahrens bestehen grosse
Hindernisse für die wünschenswerth baldige Diagnose der Krankheit
während des Lebens. Wir wissen von Loeffler, dass da nur der
Thierversuch an Feldmäusen oder Meerschweinchen zum Ziele führt
Von den verschiedenen von Kitt in den Bereich seiner Unter-
suchungen gezogenen Thieren erwies sich ebenfalls das Meerschwein-
chen wegen seiner relativ geringen Empfänglichkeit für septische Er-
krankung als das geeignetste. Die Impfung in die Bauchhöhle be-
schleunigt, wie S trau ss*) angibt, die Infektion, und die charakte-
ristische Hodenerkrankung erfolgt wegen des Ergriffenwerdens der
Tunica vaginalis schon nach 2—3 Tagen. Ausser dem Igel5) fand
Kitt (0. 2. 243) von den verschiedenen Mäusen, wie Loeffler,
zunächst die Feldmaus (Arvicola arvalis) empfänglich; die
Wühlratte bezw. Waldmaus oder Schermaus (Arvicola amphibius
s. terrestris) ferner erlag in seinen Versuchen binnen 3— 6 Tagen
1) Allg. Path. I. 104.
2) Arcb. de med. exp. 89. I. 460. Kf. C. f. d. m. W 89. 85. 654.
8) s. Rf. F. d. M. 89. 10. 892.
Die Neuerungen d. bakteriol. UntersnchnngKinetboden seit dem Jahre 1887. 437
der Infektion und die Wühlmaus oder Springmaus (Mus sylvatic.)
binnen 8 — 33 Tagen. Diese Thatsache ist deshalb interessant, weil
man bis dahin die Gattung Mus für refraktär und nur die Gattung
Arvicola für empfanglich ansah. Bei der Benutzung solch leb-
hafter, leicht entspringender Thiere empfiehlt es sich, die von Kitt
abgebildete Vorrichtung am Deckel des Mäuseglases anzubringen;
in Ermangelung eines solchen ersetze ich das beschwerte Drahtge-
flecht rasch durch ein mehrfach durchlöchertes Blech (Einsatz für
Trockenschränke) und bedecke dies so mit einer Glasplatte, dass nur
eine der Durchbohrungen frei bleibt, durch welche die Zange einge-
führt wird.
Kranzfeld (0. 2. 276) benutzte auf den Rath Metschni-
koff's hin mit Erfolg das Ziesel (Spermophilus citillus s.
gutta tus). Dieser verhältnissmässig zahme, an Grösse fast den
Hamstern gleichkommende Nager, welcher hauptsächlich im Osten
Europas einheimisch ist, erliegt nach K. binnen 4—10 Tagen der
Infektion. Gamalei'a (7. 642) beobachtete bei mehrfach auf ein-
ander folgender Uebertragung des Rotzbacillus auf Ziesel und dann
auf Kaninchen eine Steigerung der Virulenz. Als sehr empfängliche
Thiere erwiesen sich nach Lisicyn (6. 396) die Katzen; er sah sie
nach einer Inkubationszeit von nie mehr, als 3 Tagen in spätestens
22 Tagen zu Grunde gehen. Auch Hunde, behauptet Balitzky
(6. 195), könne man für die Diagnose der Rotzkrankheit benutzen,
<ia sie ohne Unterschied des Geschlechtes und in jedem Alter der
Infektion zugänglich seien; Strauss1) hält jedoch diese Thiere für
wenig, d. b. nur bei Injektion grösserer Mengen für empfänglich (vor-
herige Einspritzungen kleiner Mengen sollen Immunität erzeugen).
Peuchu (6. 172) gelang es, den Rotz durch direkte kutane
Impfung von Schaf auf Schaf und vom Schafe auf den Esel zu
übertragen.
Im Thierversuch fand v. Lingelsheim*) eine Stütze für seine
durch das Kulturexperiment gewonnene Eintheilung der Streptokokken
und die früher erwähnten zwei Gruppen, demzufolge der Strepto-
coccus brevis nicht pathogen für Thiere war, während Strepto-
coccus longus virulent für Kaninchen (Erysipelstrepto-
coccus) sich erwies und gewisse Arten dieser Gruppe, die sich
durch Konglomeratbildung in der Bouillon auszeichneten, eine hohe
Pathogenität für Mäuse entfalteten (Str. murisept. und pyog.).
Syphilis will Lesin s) mit Erfolg auf junge Pfeide übertragen
haben.
Vom Variola- Kontagium stellte Fischer4) fest, dass es
"ich mit Sicherheit auf Rinder überimpfen lässt und dort zur Vaccine
wird.
Die zu Operationen an Thieren bestimmten Einrichtungen für
Hunde, Kaninchen und Meerschweinchen sind durch ein von Beh-
1) 1. c. Rf. C. f. kl. M. 90. 6. 105.
2) Z. f. H. X. 354.
3) Oesterr. Mon.-Schr. f. Thierheilk. 90. 5. Bf. D. M. Z. 90. 80. 901.
4) M m W. 90. 43. 735.
438 Schutzimpfung, kttnstl. Infektionskrankheiten, Entwicklungshemmung etc.
ring bei Manipulationen mit Hatten gebrauchtes Brett, sowie eine
zugehörige, den Kopf dieser ziemlich wilden Thiere fixirenden Zange,
endlich einen recht zweckdienlichen Mäusehalter nach Kitasato1),
sämmtlich von F. und M. Lautenschläger hergestellt, vermehrt
worden.
(Fortsetzung folgt.)
Schutzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten, Entwick-
lungshemmung und Vernichtung der Bakterien etc.
Kitasato, Experimentelle Untersuchungen über das
Tetanusgift. [Aus dem hygienischen Institut der Universität
Berlin.] (Zeitschrift für Hygiene. X. Heft 2.)
Kitasato experimentirte mit Kulturen, welche, um sie möglichst
unverändert auf natürlichem Wege keimfrei zu machen , durch Fil-
triren von den Bacillen befreit wurden. Hierzu bediente er sich
eines im Texte beschriebenen und abgebildeten Filterapparates.
Das keimfreie Filtrat bringt genau ^dieselbe tetanische Wirkung
bei den Versuchsthieren hervor, wie die Kultur der Tetanusbacillen.
Somit handelt es sich nicht um eine Infektion, sondern um eine
Intoxikation durch eine von den Tetanusbacillen produzirte, spezifisch
wirkende Substanz.
Von den drei angewendeten Thierspecies sind Meerschweinchen
für das Tetanusgift am empfänglichsten, dann folgen die Mäuse und
endlich die Kaninchen. Wenn überhaupt, dann treten die tetani-
schen Erscheinungen bei den mit dem Filtrate behandelten Versuchs-
thieren spätestens am 3. Tage ein. Die Uebertragung von Organen
der an Tetanus verstorbenen Thiere auf andere blieben stets erfolg-
los, während keimfreies Blut oder Transsudat aus der Brusthöhle
solcher Thiere auf Mäuse überimpft, stets Tetanus erzeugte. Das
Tetanusgift dringt somit im Thierkörper in die Blutbahn ein und
ruft hier die toxische Wirkung hervor.
Um Ungleichmässigkeiten in der Wirkung der Filtrate zu ver-
meiden, erscheint es nach Verf. geboten, darauf zu achten, dass die
Nährbouillon neutral oder ganz schwach alkalisch sei und dass sie
immer frisch bereitet werde.
Das Filtrat der Tetanusbacillenkultur ist gegen Hitze ziemlich
stark empfindlich. Es wird bei 65° C und darüber schon in wenigen
Minuten total zerstört. 60° C kann es noch 15 Minuten lang ver-
tragen; durch 20 Minuten langes Erhitzen auf 60° C wird es ver-
nichtet. l1/* Stunden lang auf 55° C erhitzt, behält es noch seine
Wirksamkeit, aber binnen l1/. Stunden geht sie verloren.
Der Grad der Widerstandsfähigkeit des Filtrates gegen das Ein-
trocknen hängt von der Art und Weise, wie das letztere erfolgt, ab.
1) Z. f. H. X. 271.
Zweiter Tuberculose-Kongress. 439
Im Exsiccator Ober Schwefelsäure getrocknet, verliert das Filtrat
seine Wirksamkeit nicht; an der Luft bei Zimmertemperatur ausge-
trocknet, wird dieselbe etwas schwächer. Dagegen schwindet die
Wirksamkeit des Filtrates vollständig, wenn es im Brütschranke ein-
getrocknet wird, und zwar aus dem Grunde, weil es schon bei 35 bis
37° C allmählich seine Wirkung verliert.
Eine eigene Versuchsreihe betreffs der Widerstandsfähigkeit des
Filtrates gegen zerstreutes Tageslicht zeigte, dass ein Filtrat, welches
am Fenster bei zerstreutem Tageslicht stand, nach mehreren Wochen
seine Wirksamkeit eingebüsst hatte, während das kalt im dunklen
Baume aufbewahrte Filtrat sehr lange Zeit seine Wirkung nicht ver-
lor, indem ein derartiges Filtrat nach 300 Tagen ebenso wirksam
war, wie das frische.
Direktem Sonnenlichte ausgesetztes Tetanusgift wurde nach 15
bis 18 Stunden vollständig zerstört.
Verdünnungen mit Wasser resp. mit Bouillon wirken auf das
Tetanusgift nicht schädlich.
Das Tetanusgift ist sowohl gegen Säuren, besonders gegen
Mineralsäuren, als auch gegen Alkalien ziemlich stark empfindlich.
Bisher fand E. kein geeignetes Fällungsmittel, um das Tetanus-
gift, ohne seine Wirkung zu verringern, aus dem Filtrate auszu-
scheiden und zu isoliren.
Thiere durch Gewöhnung an das Gift gegen Tetanus zu immu-
nisiren, gelang nicht, ebensowenig durch Injektion von bis zur Un-
wirksamkeit erhitztem Filtrate.
Bei Kaninchen gelang es in beiläufig 40 % der Fälle, die Thiere
durch Jodtrichlorid gegen Tetanus zu immunisiren. Nach zwei Mo-
naten wurden die Thiere jedoch wieder für Tetanus empfänglich.
Mäuse kann man durch Injektion von Serum immunisirter
Kaninchen immunisiren. Die Immunität der Mäuse dauert dann 40
bis 50 Tage.
Das Huhn ist von Haus aus gegen Tetanus immun. Das Hühner-
blut macht andere Thierarten gegen Tetanus nicht refraktär.
Dittrich (Prag).
Originalberichte Ober Kongresse.
Zweiter Tuberculose-Kongress.
Nach den Berichten der „Semaine mädicale" und des „Bull. m6d.a
referirt von
Dr. M. T. Schnirer,
in
Wien.
(Fortaetiung.)
Heredität der Tuberculose.
Vlgnal berichtet über üebertragungsversuche von Organfragmen-
ten tuberculftsen Müttern entstammender Föten oder Neugeborener.
440 Zweiter Taberculose-Kongreu,
24 Meerschweinchen, denen solche Organstacke (in 7°/M sterilisirter Koch-
salzlösung verrieben) eingeimpft wurden, blieben gesund, desgleichen
18 mit Stücken von Placenten tuberculöser Frauen geimpfte, hiü-
gegen gingen die mit den Organen oder dem Sputum der Mütter
intizirten Kontrollthiere an Tuberculose zu Grunde. In einer zweiten
Versuchsreihe ging V. daran, direkte Uebertragung der Tuberculose
von der Mutter auf den Fötus hervorzurufen. Zu diesem Behufe
wurden 5 weibliche Meerschweinchen mit Tuberkelbacillen intraperi-
toneal infizirt. Von 11 diesen Thieren entstammenden Jungen win-
den Leber und Milz 19 Meerschweinchen eingeimpft Alle blieben
am Leben, bei den getödteten fand sich keine Spur einer tuberculösen
Veränderung der inneren Organe. Aus diesen Versuchen schlieft
V. , dass die Vererbung der Tuberculose ein äusserst seltenes Vor-
kommniss ist.
Hutlnel ist ebenfalls der Ansicht, dass die Uebertragung der
Tuberculose von der Mutter auf das Kind in der fötalen Periode
selten ist. In 4 Fällen hatte er Gelegenheit, die Placenta phthisi-
scher Frauen und die inneren Organe der kurz nach der Gebort
verstorbenen Kinder zu untersuchen und Thieren einzuimpfen. Dss
Resultat war stets ein negatives. Der von den Autoren häufig an-
gestellte Vergleich mit der Syphilis ist ungerechtfertigt Bei der
Sektion im Uterus oder kurz nach der Geburt gestorbener syphili-
tischer Föten finden sich häufig sehr ausgedehnte Veränderungen vor,
die nach der Geburt abnehmen und zuweilen selbst ohne jede Be-
handlung verschwinden. Tuberculose Veränderungen hingegen kom-
men bei Neugeborenen höchst selten vor, sondern stellen sich erbt
Wochen oder Monate nach der Geburt ein. Die Tuberculose kommt
selten in den ersten Lebenswochen vor und wird im späteren Lebens-
alter immer häufiger. Diese Thatsache lässt sich mit der Annahme
einer hereditären Uebertragung schwer in Einklang bringen. Man
findet ferner bei Sektionen tuberculöser Kinder tuberculose Drüsen-
schwellungen , die scheinbar mit keinerlei visceraler Veränderung in
Zusammenhang stehen. Am häufigsten trifft man dieselben im Me-
diastinum. Bei genauerer Untersuchung findet man aber in solchen
Fällen immer Läsionen der Lunge. Diese Mediastinaldrüsenschwel-
lungen, die man sonst für kongenital hält, sind also eine erworbene
Veränderung, bedingt durch das Eindringen des Tuberkelbacillns in
die Luftwege. Kinder tuberculöser Eltern müssen, dem Gesagten
zufolge, nicht notwendigerweise an Tuberculose erkranken, nament-
lich wenn eine Ansteckung vermieden wird.
Jacobl (New- York) berichtet über folgenden von ihm im Jahre
1861 beobachteten Fall von kongenitaler, hereditärer Tuberculose:
Eine 19-jährige, an vorgeschrittener Phthise leidende Frau starb
3 Wochen nach einer Entbindung. Der im 7. Schwangerschaft*-
monate geborene Fötus zeigte an der Leberoberfläche, in der Milz
und an der rechten Lungenpleura zahlreiche miliare Knötchen, die
sich bei der mikroskopischen Untersuchung als Tuberkelknötchen erwie-
sen. Dieser Fall beweist die Möglichkeit der direkten Uebertragung
der Tuberculose durch das Ei oder durch das mütterliche Blut.
Zweiter Taberculose-Kongress. 441
E. Bernhelm hat Junge von tuberculösen Kaninchen gezüchtet,
indem er sie gleich nach der Gebart von den Müttern entfernt und
in günstige hygienische Verhältnisse gebracht hat. Keines von diesen
Jungen ist tuberculös geworden. Es ergibt sich daraus, dass der Tu-
berkelkeim nicht vererbt wird und dass die Tuberculose durch An-
steckung vermittelt wird. In praktischer Richtung lehren diese Ver-
suche, dass man die von tuberculösen Eltern stammenden Kinder
gleich vom Ansteckungsherde entfernen soll.
Solles glaubt, dass es die Sporen sind, welche von den Eltern
auf den Fötus übertragen werden.
Häufigkeit der Tuberculose im ersten Kindesalter.
Landouzy hebt die grosse Häufigkeit der Tuberculose in den
ersten zwei Lebensjahren hervor. Aus der Statistik der Krippe des
höpital Tenon ergeht, dass fast ein Viertel der allgemeinen Sterblich-
keit durch Tuberculose bedingt ist. Besonders bemerkenswerth ist,
dass diese Angabe sich auf nekroskopische und nicht klinische Dia-
gnosen stützen. Durch Belehrung des Publikums über die Leichtig-
keit der Infektion der Kinder, über die Gefahren rohen Fleisches
und ungekochter Milch könnte die Mortalität beträchtlich vermindert
werden.
Behandlung der Tuberculose mit Blutserum.
H&ieonrt berichtet über 59 Fälle von Tuberculose, die er mit
Injektionen von Hundsblutserum behandelt hat. Im 3. Sta-
dium der Lungenphthise blieb die Behandlung erfolglos. Bei Lungen-
schwindsucht im 2. Stadium, bei Gesichtslupus und vorgerückter
Knochentuberculose trat eine erhebliche Besserung ein, die insbeson-
dere der Besserung der Verdauung zugeschrieben werden muss. Hei-
lung wurde nur bei beginnender Lungenschwindsucht beobachtet, bei
welcher keine Tuberkelbacillen nachgewiesen werden konnten.
Semmola (Neapel) wendet seit 11 Jahren Jodoform in kleinen,
aber fortgesetzten Dosen zur Behandlung der Tuberculose an und ist
mit den Ergebnissen zufriedener, als mit denen jeder andern Behand-
lung. In neuerer Zeit kombinirt er das Jodoform mit Injektionen
von Hundeblutserum.
Klrmlsson hat bei einem 3-jährigen Mädchen, welches an tu-
berculöser Peritonitis litt, nach erfolgloser Punktion die La-
parotomie gemacht und am visceralen und parietalen Peritoneum
zahlreiche Tuberkelknötchen gefunden. Nach einigen Tagen sammelte
sich die Ascitesflüssigkeit wieder an. Nun wurden Injektionen von
Hundeblutserum angewendet, unter deren Einfluss die Flüssigkeit und
jede Induration verschwand.
Pinard hat frühgeborenen Kindern von tuberculösen Müttern,
die einige Tage nach der Entbindung zu Grunde gegangen waren,
Handeblutserum injizirt und eine so auffallende Wirkung auf den
Allgemeinzustand wahrgenommen, dass er seither allen Neugebo-
renen mit einem Körpergewicht unter 2 kg Hundeblutserum
injizirt. Die Resultate sind so vorzügliche, dass er nicht ansteht,
442 Zweiter TuberculoM-Koogrws.
diese Behandlung als wichtiges Hülfsmittel zur Bekämpfung der koo-
genitalen Lebensschwäche anzupreisen.
Plcq und Bertin haben, gestützt auf die Immunität der Ziege
für spontane Tuberculose, Ziegenblutserum Tuberculosen injizirt
und wollen mit dieser Behandlung merkliche Besserungen erzielt
haben.
Desgleichen Bernheim , der Transfusionen mit Ziegenblut vor-
genommen hat.
Antituberculöse Schutzimpfungen mittelst Produkten
des Bacillus der Vogel tuberculose.
Courmont und Dor berichten über eine grössere Reihe ein-
schlägiger Versuche. Ihren Impfstoff erhielten sie durch Filtration
(durch Porzellan) flüssiger Kulturen von Bacillen der Vogeltubercu-
lose. Die filtrirte Flüssigkeit wurde Thieren (Kaninchen und Meer-
schweinchen) ins Blut, ins Peritoneum oder ins Unterhautzellgewebe
injizirt. Die Filtrate der abgeschwächten Kulturen hatteu keinerlei
toxische Wirkung zur Folge, hingegen riefen die Filtrate der viru-
lenten Kulturen erhebliche toxische Wirkungen hervor.
In einer ersten Versuchsreihe wurden 6 Kaninchen ins subkutane
Zellgewebe und ins Peritoneum mit den Produkten einer abgeschwäch-
ten Kultur von Vogeltuberculose geimpft. Nach einiger Zeit wurden
diese Thiere mit virulenten Bacillen der Vogeltuberculose und nach 7
Monaten mit Bacillen der menschlichen Tuberculose infizirt. 4 von
den 6 Kaninchen blieben am Leben und zeigten keine Spur von Tu-
berculose. In einer zweiten Versuchsreihe wurde mit virulenteren,
folglich auch toxisch wirkenden Kulturprodukten geimpft und die
Kaninchen nachher mit virulenten Bacillen (bis 21/* cem) auf intra-
venösem Wege infizirt. Mehrere von den geimpften Kaninchen blie-
ben, trotz der grossen Menge des Infektionsmateriales, vollständig
gesund. Aber auch die Thiere, welche tuberculose Veränderungen
aufwiesen, haben von der Schutzimpfung Nutzen gezogen, indem *ii
später starben, als nicht geimpfte Thiere. Weniger günstig waren
die Ergebnisse bei Meerschweinchen, bei welchen die subkutane und
intraperitoneale Impfung vollständig erfolglos blieb und nur durch
intravenöse Injektion vaccinirende Wirkung erzielt wird.
Spontane Tuberculose beim Hunde.
Chanteinesse und Le Dantec zeigen anatomische Präparate
von einem Falle von spontaner Tuberculose bei einem Hunde. ß*
fanden sich in den verschiedenen Organen, in der Leber und in den
Nieren, weisse, speckige Massen von der Grösse einer Haselnuss bis
zu jener einer wälschen Nuss. Diese weissen, weicheu Tumoren
hatten ein sarkomatöses oder ein carcinomatöses Aussehen; Impfung
derselben erzeugte bei Hunden und Meerschweinchen gewöhnliche
Tuberculose. Diese pseudocarcinomatösen Massen waren von lebende*,
meist käsigen Embryonalzellen gebildet und enthielten Tuberkel-
bacillen in grosser Anzahl. Das Serum des Hundeblutes besitzt also
keine Immunität gegen Tuberculose.
Zweiter Taberculose-Kongress. 443
Ueber die Wirkung gewisser von den Tuberkelbacillen
erzeugter chemischer Substanzen.
Babes versuchte die toxischen und vaccinirenden Substanzen,
die von den Tuberkelbacillen erzeugt werden , zu isoliren. Mittelst
Fällung mit Alkohol oder Dialyse (nach den Methoden von Crist-
raas, Roux und Yersin, Brieger und Fraenkel) erhält man
komplizirte Produkte, welche die aus den Nährsubstraten. stammenden
Albuminosen in grosser Menge enthalten. Schon vor den Mittheilun-
gen Koch 's versuchte B. aus den Tuberkelbacillenkulturen ähnliche
Substanzen zu isoliren, wie die aus anderen Bakterien gewonnenen.
Die Versuche, Kaninchen und Meerschweinchen mittelst Produkten
von Vogeltuberculose zu immunisiren, haben ermuthigende Resultate
geliefert. Im Verlaufe dieser Untersuchungen konstatirte B. eine
grosse Analogie zwischen der Vogeltuberculose und jener des Men-
schen, obgleich die entsprechenden Krankheitserreger grosse Ver-
schiedenheiten aufweisen. Ein konzentrirtes Glycerinextrakt oder ein
Alkoholpräcipitat aus Kulturen von Vogeltuberculose erzeugt gleich
dem Koch 'sehen Tuberculin bei Kaninchen und Meerschweinchen
Fieber, welches bei Anwendung des Alkoholpräzipitates geringer ist
Diese Abschwächung der fiebererregenden Wirkung ist noch ausge-
sprochener, wenn man das Präzipitat mit Chloroform und Aether
reinigt. Man erhält auf diese Weise, wie dies Klebs für das mensch-
liche Tuberculin nachgewiesen hat, eine selbst in hohen Dosen wenig
schädliche Substanz, während die in Chloroform lösliche Substanz
sehr toxisch ist und selbst in kleinen Dosen Meerschweinchen unter
Konvulsionen tödten kann. Vögel vertragen grosse Mengen des Mit-
tels ohue erhebliche Steigerung ihrer Körpertemperatur. Sowohl das
menschliche als auch das Vogeltuberculin wirken energisch auf ge-
sunde und tuberculöse Rinder, daher eine diagnostische Verwerthung
der Reaktion unmöglich ist. Beim Menschen hingegen vermag das
Tuberculin über das Vorhandensein von Tuberculöse Aufschluss zu
geben, doch ist das Verfahren nicht unschädlich.
Babes hat ferner bei tuberculösen Menschen das Koch 'sehe
Verfahren angewendet und die lokale und allgemeine Reaktion selbst
nach sehr schwachen Dosen festgestellt. Ein Vergleich der Reaktion
bei Tuberculösen mit jener bei Leprösen ergab folgenden wesentlichen
Unterschied: Die fieberhafte Reaktion ist bei den letzteren um 12 —
24 Stunden retardirt und die lokale Reaktion zeigt sich erst mehrere
Tage nach der allgemeinen. Bei Anwendung sehr kleiner Dosen gegen
die menschliche Tuberculöse konnte die allgemeine Reaktion ver-
mieden werden, während die lokale noch hervorgerufen wurde. Es
ergibt sich daraus, dass die erstere nicht an die letztere gebunden
ist. B. setzt die Versuche zur Isolirung der fiebererregenden von
der spezifischen Wirkung fort.
Arloing befragt Babes über die Bereitung seines Tuberculins.
Babes fasst die Darstellungsweise seines Tuberculins in folgen-
den Worten zusammen : Kondensirung der Kulturen von Bouillon der
Vogeltuberculose durch Hitze, Fällung mit Alkohol.
(Fortsetzung folgt.)
444 Neue Litteratur.
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Biegmund, O., Die Stellung des Arstes aur Tuberculinbehandlung. (Therapeut. Mtsk
1891. No. 8. p. 415— 421.)
Simon, F., De la valeur thlrapeutique de la lymphe de Koch. (Rev. m4d. de l'Eit
1891. p. 166—176.)
Btern, 0., Ueber einige Injektionsversuche mit 8toffwechseIprodukten von Tuberkel-
bacillen. (Berl. klin. Wochenschr. 1891. No. 21. p. 770—773.)
Btrebel , De la valeur du liquide du Dr. Koch au point de vue de diagnostiqne de U
tuberculose bovine. (Journ. de mäd. väteV. et sootechn. 1891. p. 118 — 116.)
Thamm, A., Ein mit dem Koch'schen Mittel geheilter Fall von Gehirntubercutose ab
Complication von in gleicher Weise geheilter Lungentuberkulose. (Deutsche med*
Wochenschr. 1891. No. 81. p. 955—956.)
Tsehistowitsoh, H , Ueber die morphologischen Veränderungen des Blutes bei den In-
jektionen der Koch'schen Flüssigkeit. (Berl. klin. Wochenschr. 1891. No. 84. p. 855
—889.)
Inhalt.
Originalmittheilungen.
Braun, M , Bericht über die Fortschritte
in der thterischen Parasitenkunde. (Orig.)
(Fortsetzung), p. 421.
Fermi, Claudio , Weitere Untersuchungen
über die tryptischen Enzyme der Mikro-
organismen. (Orig.), p 401.
Fiedeler, Ueber die Brustseuche im Koseier
Landgestüte und über den Krankheits-
erreger derselben. (Orig ) (Fortsetzung),
p. 408.
Beinsch, A., Zur bakteriologischen Unter-
suchung des Trinkwassers. (Orig.), p. 415.
Referate.
Kayser, S, Contribution k l'&ude physio-
logique des levüres alcooliques du lac-
tose, p. 418.
Bpronok, Zur Kenntniss der pathogenen Be-
deutung des Klebs-Loeffler'schen Dipb-
theriebacillus, p. 419.
üntertuehungfmethoden, Instrumente ete.
Helm, L., Die Neuerungen auf dem Gebiets
der bakteriologischen Untersuchungsme-
thoden seit dem Jahre 1887. (Orig.)
(Fortsetzung), p. 430.
8ehutaimpfung, kfinitliehe Infektions-
krankheiten, Rntwfa«mnpii«iMnnn|r
und Vernichtung dar Bakterien
und Parasiten.
Kitasato, Experimentelle Untersuchungen
Über das Tetanusgift, p. 438.
Originsübariehte über
Zweiter Tubercu lose-Koogress.
(Fortsetzung), p. 439.
Neue Litteratur, p. 444.
Froinmannsche Buchdruckerei (Hermann Po hie) in Jona.
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
G&Hotr. Prot Dp. Leuckart m Professur Dr. Lüfter
In Leipzig In Gntftwald
herausgegeben toxi
Dr. O. TJUworm in Cassel.
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
X- Band. -o- Jen», den 17. Oktober 1891. -o- No. 14«
Freie ftr den Band (26 Hummern) 14 Mark.
Jährlich erscheinen zwei Binde.
— *f Zu beliehen durch alle Buchhandlungen nnd Postanstalten. ]§«•-
Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Parasiten"
künde" richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wünsche um Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Auf-
sätze entweder bei der Eineendung der Abhandlungen an die
Redaktion auf das Manuskript schreiben zu wollen oder spä-
testens nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an
den Verleger, Herrn Gustav Fischer in Jena, gelangen zu
lassen. Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
eingehende Wünsche berücksichtigen zu können.
Original -Mittheilungen.
Weiteres zur Malariafrage.
1.
Einiges über kürzlich erschienene Arbeiten Ober die Malaria.
Note der Professoren B. Grass! und R. Feletti in Catania1).
Vor Kurzem erschien in den Annali d'igiene sperimen-
tale delT Universita, di Roma (Vol. I. No. I. Nuova se-
1) Unsere leisten in diesem Blatte erschienenen Mittheilungen (Bd. IX. 1891) hätten
beiden müssen: „Malariaparasiten in den Vögeln and Menschen". Im
v Orienten Satse dieser MittbeUnngen hat eine Verrückung der Wörter „Laver an ia
D » n i 1 e w s k y" und „Polymitns malariae D.'< stattgefunden nnd mfisste der
460 Grassi and Feletti,
rie) eine Abhandlung unserer Kollegen Celli und Sanfelice in
Rom „Ueber die Parasiten des rothen Blutkörperchens
im Menschen und in den Thieren". Mit Vergnügen haben
wir in dieser Abhandlung eine partielle Bestätigung dessen gefunden,
was wir bereits früher über die Malariaparasiten der Vögel veröffent-
licht hatten.
Und in der That haben auch Celli und Sanfelice drei For-
men von Parasiten in den Vögeln erkennen können, deren jede durch
verschiedene Charaktere kenntlich ist ; auch fanden sie, wie wir, eine,
zwei oder drei dieser Formen in ein und demselben Vogel. (Siebe
Schlussfolgerung 1 und 2, Seite 21). Diese Formen stimmen offenbar
mit den von uns Haemamoeba praecox, Haemamoeba re-
licta und Laverania Danilewsky benannten Formen übereil
obgleich die Verfasser , unsere Benennungen beiseite lassend, sie mit
den Namen Haemop roteus A, B, C (Formen mit raschem,
beschleunigtem und langsamem Verlauf) bezeichnen.
Ausserdem bestätigten sie, dass in den Freitauben sich nur eine
Form (die Laverania Danilewsky) vorfindet, und gleich uns
haben sie den Kern auch in den Malariaparasiten der Vögel gesehen,
die Reproduktion der H&mamöben beobachtet, den Entwickelungs-
cyklus der Laverania verfolgt, etc. Ferner veröffentlichten sie über
die Struktur der in Rede stehenden Parasiten Eigentümlichkeiten
und Figuren, welche wir schon seit Monaten in unserer Mappe für
die ausführliche Arbeit bereit halten. Dagegen haben wir aus der
in Rede stehenden Abhandlung ersehen, dass die Impfversuche unserer
verehrten Kollegen in Rom Resultate ergaben, welche von den unsere:
verschieden sind. Während wir erklärten, dass es uns nicht gelungen sei
die oben erwähnten Formen von einem Vogel auf den andern, selbst
wenn beide von derselben Art, mit Erfolg einzuimpfen, konnten un-
sere Kollegen zu folgenden Schlussfolgerungen gelangen (siehe Schloss-
folgerungen 3 u. 4, Seite 21): Reproduktion der in das Blut
eingeimpften Formen, nur von Vogel zu Vogel ein uiid
derselben Varietät oder Art: natürliche Immunität
einiger Vögel einer Varietät oder nicht infizirbarer
Vogelarten. Diese Schlussfolgerungen sind von grosser Bedeutung
und mithin werden unsere Freunde in Rom uns gestatten , die Ex-
perimente, auf welche sich dieselben stützen, genau zu untersuchen,
selbstverständlich mit jener Ruhe, welche einer wissenschaftliches
Polemik geziemt und nur der Wahrheit zu Liebe, welche ihnen ge-
wiss eben so werth, wie uns.
Auf den ersten Blick scheint es, dass man den positiven Resul-
taten Celli 's und Sanfelice's grösseren Werth zugestehen müsse,
als wie unseren negativen Resultaten. Geht man jedoch ein wenig
tiefer, so kann man sich leicht vom Gegentheil überzeugen , wie wir
gleich sehen werden.
Sau so lauten: „Um allen MissYerst&ndnissen voriubeugen, bemerken wir schon jetrt»
dass unsere Laverania Danilewsky pro magna parte synonym mit dem Polj-
mitus malariae Danilewsky ist, und nicht mit den Himogregmrinen oder den
Pseudovermiculi, wie Danilewsky glaubt.14 i
Weiteres iar Maieritfrage. 451
Die Verfasser experimentirten mit zwölf Steinkäuzen, und alle zwölf
ergaben negative Resultate. Verfasser erklärten dies mit der natür-
lichen Immunität, ohne jedoch zu bedenken, dass die im Frühling,
Sommer und Herbst an Malariaorten gefangenen Steinkäuze meisten-
teils von den in Rede stehenden Parasiten gequält werden.
Sie untersuchten fünfunddreissig Freitauben, fanden deren neun-
undzwanzig infizirt und mussten mithin die Inokulation auf die übri-
gen sechs beschränken: In dreien dieser sechs Tauben hatten sie
abermals negative Resultate, in den übrigen drei jedoch Resultate,
welche von ihnen für unbestreitbar positiv gehalten werden. Kann
man dies Experiment aber wirklich für genau halten? Es war natürlich
zu vermuthen, dass, wenn nicht alle, doch wenigstens einige der sechs
unter fünfunddreissig untersuchten und gesund gefundenen Freitauben
die Infektion bereits latent in sich haben konnten ! Sowohl bei den
Vögeln wie bei den Menschen geschieht es, dass man das peripherische
Blut derselben manchmal wochen- und monatelang untersucht und es
stets frei von Malariaparasiten findet1), um es dann plötzlich, eines
schönen Tages, bedeutend infizirt zu sehen. Man hätte demnach das
Blut der sechs zu prüfenden Tauben wenigstens vierzehn Tage
lang untersuchen müssen, und die Inokulation hätte sich nur auf
drei derselben beschränken dürfen, um die übrigen drei als Gegen-
probe gebrauchen zu können.
Celli und Sanfelice haben sich dagegen, sowohl für diese,
wie für die anderen Experimente, die wir später mittheilen werden,
damit begnügt, die Untersuchung des Blutes der experi-
mentirten Vögel einige Tage vor und nach der Inoku-
lation zu kontrolliren.
Sie Hessen mithin dem Zweifel Eingang, dass die Infektion der
Inokulation vorangegangen, und dieser Zweifel wird durch den Um-
stand, dass man in einer Taube schon zwei Tage nach der Inokula-
tion (die Inokulation wurde am elften vorgenommen und die In-
fektion am vierzehnten bewahrheitet) eine reichliche Infektion
beobachten konnte, beinahe bestätigt. In der zweiten Taube be-
obachtete man die Infektion schon am vierten Tage nach der Inoku-
lation und nur in der dritten Taube erst am fünften Tage. Da
auch Celli und Sanfelice in den Tauben nur die parasitäre
Form mit langsamer Entwickelung vorgefunden haben, ist es sehr
natürlich, die Entwickelung einer starken Infektion nur zwei Tage
nach der Inokulation für allzu rasch zu halten.
Mit den Feldlerchen machten unsere Verfasser zwölf Experimente,
deren neun negative Resultate ergaben, während drei von ihnen für
positiv erachtete Resultate lieferten ; in zweien dieser drei Fälle fand
keine genaue Reproduktion der inokulirten Form statt. In einem dieser
zwei Fälle war das inokulirte Blut zwei Tage hintereinander unter-
sucht worden. Auch für diese Experimente fehlt der Beweis, dass
die inokulirten Lerchen wirklich immun waren. Die von den Ver-
1) Ob in diesen Fallen, bei bedeutender Verlängerung der Untersuchung und häu-
figer Wiederholung derselben, man nicht dazu gelangen könnte, einen Malariaparasiten
vorzufinden, ist ein Umstand, welchen wir nicht entscheiden können.
29*
452 Grassi and Feletti,
fassern beobachtete Reproduktion einer von der iuokulirten verschie-
denen Form (und dies im Widerspruche dessen, was sich im Men-
schen bewahrheitet), bestätigt unsere ernsten Zweifel.
Vier Impfungen von Freitauben auf Haustauben, sowie auch die-
jenigen von Freitauben auf Turteltauben, auf Nebelkrähen und Stein-
käuze, oder von Steinkäuzen auf Feldlerche und Sperling, oder
schliesslich von Feldlerchen auf Schleiereulen blieben säinmüich negativ.
Um diese letzte Experimentenserie richtig schätzen zu können,
ist es nöthig, zu bemerken, dass die Verff. in den Turteltauben uno
in den Nebelkrähen niemals Malariaparasiten vorfanden, dass sie nur
mit zwei Schleiereulen experimentirten und dass auch, wie schoL
weiter oben gesagt, viele Inokulationen von Steinkauz auf Steinkauz
und von Lerche auf Lerche misslangen1;.
Wir können somit nicht umhin, die Experimente Celli's und
Sanfelice's für unvollständig zu halten. Dnd dies um *>
mehr, wenn man bedenkt, dass wir mit 24 Tauben experimen-
tirten und stets nur negative Erfolge erzielten. Viele andere vo:.
Herrn Prof. Di Matt ei gemachte Versuche blieben ebenfalls er-
folglos, trotzdem dass sämmtUche von uns und von Di Mattei ab-
gestellten Experimente entweder mit den von Celli undSanfelice
vorgeschriebenen Vorsichtsmassregeln vorgenommen wurden, oder da<
Blut direkt in die Venen eingeführt wurde.
Wir leugnen mithin, dass die Reproduktion der
von Vogel auf Vogel derselben Varietät inokulirteu
Malariaparasiten bewiesen sei.
Wovon hängt nun diese fehlende Reproduktion ab? A priori
muss man annehmen, dass eine Reproduktion wenigstens von Vogel zu
Vogel derselben Art möglich ist, wie dies auch die so leicht gelingenden
intravenösen (Celli etc.) und subkutanen (Gerhardt undCalan-
d r u cci o) Inokulationen beim Menschen glauben lassen. I n W irk-
lichkeit hat sie sich aber bis jetzt noch nicht bewahrheitet und
ist die Erklärung dafür vielleicht in der Anatomie des Vogels zu
suchen. Jedenfalls muss man zugeben, dass man vielleicht mit Hülfe
einer verbesserten Methode und beharrlicher Fortsetzung von Unter-
suchungen in grossem Massstabe zu positiven Resultaten gelangen kann.
Für jetzt aber sind die Schlussfolgeruugen Cellis und Sanfe-
lice's nicht annehmbar, und bleiben mithin auch deren Induktionen,
welche die Immunität , den Unterschied der Parasitenarten für jede
einzelne Varietät oder Vogelart, je nach dem von den Verff. be-
haupteten Erfolg oder Misserfolg der Impfungsversuche anbelangen,
unbegründet *).
Bis jetzt sprachen wir nur von Formen von Malariaparasiteo
und vermieden, deren Determination oder Klassifikation zu berühren
Da auch in dieser Beziehung unsere Schlussfolgerungeu sehr von deo-
1) Wie viele Feldlerchen, Sperlinge etc. von den Verff. inokulirt wurden, habet
wir nicht erfahren können.
2) Selbst wenn man die oben referirten Experimente so erklären wollte, wie die*
Celli nnd Sanfelice wfluschen, könnte man doch noch nicht als nothwendige Folge
derselben annehmen, dass die Mondsichel des Sperlings s. B. verschieden von denen
Weiteres znr Malariafrage 453
jenigen Celli 's und Sanfelice's abweichen, werden wir uns nun
ein wenig näher auch mit diesem Punkte beschäftigen.
Im Grossen und Ganzen vereinigen Celli und Sanfelice
Arten, welche wir für verschieden halten, und trennen solche, welche
wir für unzertrennbar halten.
Wir haben weiter oben bereits angedeutet, dass sie auf Grund
ihrer von ihnen theils für positiv, theils für negativ gehaltenen In-
okulationsresultate glauben, dass die Malariaparasiten der Vögel
eben so viele verschiedene Arten aufweisen, wie es Varietäten oder
Arten von Vögeln gibt, in welchen sie sich befinden. Diese Parasiten-
arten verlieren den Hauptgrund ihres Daseins, wenn man mit uns
annimmt, dass auch die von den Verfassern für positiv gehaltenen
Resultate in Wirklichkeit negativ sind.
Gehen wir nun zu anderen Thatsachen über:
Und zwar ist es jetzt nothwendig, auch die Frösche in Betrach-
tung zu ziehen, indem wir mittheilen, was theils von einem von uns
allein (GrassiJ, theils unter Mitarbeiterschaft von Dr. Calan-
druccio bewahrheitet wurde.
In einem Zusatz unserer letzten in diesem Blatte veröffentlichten
Xote glaubten wir schon in den Blutkörperchen der Frösche drei ver-
schiedene Protozoen unterscheiden zu können, und werden nun hier
diesen Punkt ein wenig weiter entwickeln.
Celli und Sanfelice bestätigten für die Frösche die Schlüsse
Kruse's.
Sie sahen: 1) die kleinen Drepanidien (Haemogregarina,
Pseudovermiculus) (Fig. 12, 13, 14 und 15 Tafel I der Ab-
handlung von Celli und Sanfelice); 2) die grossen Drepa-
nidien (Fig. 16, 17 und 18 id.) und 3) die häufig eiförmig
verlängerten oder auch rundlichen Formen mit einigen glänzenden
and ziemlich grossen Körnern. Diese dritte Form erscheint wie ein
weisser Flecken im Felde des rothen Blutkörperchens; bei Unter-
suchung ohne Beagentien zeigt sie keinen Kern und trifft man sie
leicht auf dem Wege der Segmentation (Fig. 1* bis 11» id.).
Diese 1., 2. und 3. Form gehören nach Kruse, Celli und
Sanfelice einer einzigen Art an. Wir dagegen behaupten, dass
sie drei verschiedenen Arten angehören müssen, deren zwei vielleicht
eine von den malarischen Formen fernstehende Gattung repräsentiren.
Die Charaktere einer jeden dieser drei Arten gehen zum grössten
Theil schon aus den Abhandlungen der citirten Verfasser hervor, und
sollen wir hier nur noch bemerken, dass die kleinen in den rothen
Blutkörperchen beobachteten Drepanidien eigenthümliche charakte-
ristische, protoplasmatische Verdickungen aufweisen, deren eine sich
vor, die andere hinter dem Kern befindet; die Bedeutung dieser Ver-
dickungen ist uns bis jetzt entgangen.
Wir besitzen heute noch 6 in Glasgefässen lebende Frösche,
welche Ende des Monat Oktober 1890 nur von den grossen Dre-
panidien infizirt gefunden wurden; diese Frösche erhielten sich
<kr Taub« seien. Der Grund des Nichtgelingens des Experimentes könnte im Blute zu
finden sein, welches man zusammen mit den Parasiten einimpft.
454 Kiedeltr,
diese ganze Zeit hindurch vollständig unverändert, ohne dass in
ihnen jemals eine der anderen beiden Formen erschienen wäre; man
kann sogar annehmen, dass in ihnen die Zahl der grossen Drepanidien
nicht einmal gewachsen ist Wir besitzen ausserdem noch viele andere
Frösche, welche seit ein bis drei Monaten uns stets nur grosse Dre-
panidien darbieten. Wir können hier in der Umgebung Catanias
sechs Orte (Brunnen, Teiche, laufende Wasser etc.) angeben, in welchen
die Frösche nur von diesen Parasiten infizirt sind; unsere Beobach-
tungen währen seit 4, 5 und 6 Monaten. In keinem Falle haben
wir bis jetzt grosse Drepanidien zusammen mit den anderen Formen !
finden können. In Locate Triulzi (in der Nähe von Mailand) fehlt i
das grosse Drepanidium und wie es scheint auch in Deutschland.1
(Fortsetzung folgt.)
Ueber die Brustseuche im Koseier Landgestüte und über
den Krankheitserreger derselben.
Von
Dr. Fiedeler,
Kreisthierarzt in Breslau.
(Schi um.)
Von diesen Platten wurden von Zeit zu Zeit neue Platten an-
gelegt, welche immer wieder denselben charakteristischen Befund
lieferten.
Maus 21 und 22 waren am 22. Februar — nachts — gestorben
und lieferten durchaus den eigenartigen Befund.
Aus dem Herzblute derselben wurden angelegt: je 2 Platten.
Nur in einer Verdünnungsplatte war nichts gewachsen, die übri-
gen zeigten das charakteristische Bild.
Ebenso eigenartig war der Befund bei Maus 23 und 24, welche
am 23. bezw. 24. Februar — Nachts — gestorben waren.
Aus dem Herzblute von Maus 23 und 24 wurden angelegt: je
2 Platten und 1 Gelatinestich.
Die Platten von Maus 23 gediehen, der Stich blieb steril
Am 28. Februar — 9 Tage nach dem Tode — wurden von dem
Blute des Impfpferdes, welches unendlich zahlreich unsere charakte-
ristischen Bakterien ohne fremde Beimischungen enthielt und frei
von jeglichem Fäulnissgeruche war, angelegt: 3 Platten.
Die Kolonieen wuchsen ausserordentlich zahlreich, die Platten
waren geradezu wie besät, auch die Verdünnungsplatten, und an*
scheinend ohne fremde Beimischungen.
Von diesen Platten, wie auch von den Mäuse-Platten, wurde ver-
schiedene Generationen hindurch fortgezüchtet und immer wieder das-
selbe Ergebniss erreicht.
Ceber dlt Brnstseuche im Koitler Landgeetfite.
7. Impfpferd.
456
Longen
Blut (frisch). Blut (3 Tage alt). Blut (9 Tage alt).
/
A
/
3 Platten.
\
1
8 Platten.
M. 23. H. 24.
8 Platten.
i
M.
21.
M.
22.
3 Platten
3 PL
itten
8 PL 3
PL
8 PL
n. ». w.
1
PI.
8
PL
U. 8. W.
U. 8. W.
1
8 PL 3 PL
n. a. w. u. s. w.
8
PL
8
PI.
u. a.
w.
u.
B. W.
Demnach ist es gelangen, durch Impfung von Reinkulturen,
welche aus dem Blute eines mit Brustseuche behaftet gewesenen
Pferdes stammten und so von allen fremden Beimischungen befreit
waren, bei einem Thiere derselben Art eine Krankheit zu erzeugen,
welche sowohl in ihren pathologischen als anatomischen Erscheinun-
gen mit der Brustseuche übereinstimmt.
Dass die Bakterien thats&chlich die Krankheitserreger gewesen
sind, geht sowohl aus dem Krankheitsverlaufe, wie aus der Thatsache
hervor, dass aus den Krankheitsprodukten der Lungen und der
Lymphdrüsen und aus dem Blute des Impfthieres wiederum Bakterien
gezüchtet werden konnten, welche mit jenen in Form, Wachsthum
und sonstigen Eigenschaften völlig übereinstimmten.
Eg wurde eine mortifizirende, infektiöse Brustfell-Lungenentzün-
dung erzeugt, welche wegen der oberflächlichen Lage einiger nekro-
tischer Herde durch Durchbruch in die Brusthöhle Brustfellentzün-
dung und ihre Folgezustände erzeugt und dadurch voraussichtlich in
kurzer Zeit den Tod des Thieres verursacht hätte, wenn nicht die
Tödtung des Thieres früher erfolgt wäre.
Die Lungenentzündung war ferner infektiöser Art, weil die Bak-
terien ihren Weg in die Blutbahnen und Lymphdrüsen gefunden
hatten und deshalb auch ohne Untersuchung angenommen werden
kann, dass die grossen Parenchyme ebenfalls in den Krankheitspro-
zess hereingezogen gewesen sind.
456 Fiedeler,
Es ist damit auch die dritte Koch 'sehe Forderung erfüllt, und da-
mit der Beweis erbracht, dass die aufgefundenen und beschriebenen
Bakterien thatsächlich die Krankheitserreger der Brustseuche im
Koseier Landgestüte gewesen sind.
Durch die Gram 'sehe Methode, wie sowohl bei Blut- wie Lun-
genbakterien mehrfach nachgewiesen wurde, trat Entfärbung ein.
An der Fortsetzung der Impfversuche, welche ich mit Pferden
geplant hatte, wurde ich zu meinem grossen Bedauern durch den
Umstand verhindert, dass meine sämmtlichen, zahlreichen Reinkul-
turen, wahrscheinlich durch zu spät erfolgte Umzüchtung, ihre patho-
gene Wirkung und bald darauf auch ihr Fortpflanzungsvermögen
eingebüsst hatten, wie durch zahlreiche Impf- und Umzüchtungsver-
suche nachgewiesen wurde. Es wurden 1 Pferd und 8 Mäuse mit
grossen Massen von Reinkulturen erfolglos geimpft, und in 36 Plat-
ten und 12 Gelatinestichen war nicht eine einzige, eigenartige Kolo-
nie gewachsen!
Wenn sich indes mir wieder die Gelegenheit bietet, so werde
ich die Impfversuche in der angegebenen Richtung wieder aufnehmen.
Schütz beschreibt in seiner geradezu klassischen Abhandlung
die Brustseuchebakterien als kleine, ovale Organismen, welche Anilin-
farben annehmen, von einem gefärbten oder ungefärbten Hofe um-
geben sind und meistens einzeln, selten zu zweien und zuweilen in
Leukocyten, bis zu je 10 Exemplaren, unter dem Mikroskope nach-
zuweisen sind. Sie werden durch das Gram 'sehe Verfahren ent-
färbt und vermehren sich durch Theilung. Unmittelbar nach der
Theilung sind sie breiter, als lang, werden später rundlich und im
ausgewachsenen Zustande oval. Sie wachsen in Fleischwasserpepton-
Gelatine, in Fleischbrühe, auf Agar und Blutserum. In Reinkulturen,
welche durch Gelatinestiche angelegt wurden, wuchsen ihre Kolonieen
als kleine, kugelige Rasen, welche nicht zusammenliefen, die Gelatine
nicht verflüssigten und über den Stichkanal nicht hinauswuchsen,
also keine sog. Nagelkulturen darstellten. Auf Kaninchen und Mäuse
verimpft, übten sie eine krankmachende Wirkung aus, Mäuse starben
fast immer nach 1- bis 2-tägiger Krankheit
Wenn wir nun diese Bakterien vergleichen mit den Koseier Bak-
terien — sowohl mit den aus dem Blute, als auch aus den Lungen
gezogenen — , so stellt sich eine fast völlige Uebereinstimmung in
allen wesentlichen Eigenschaften heraus, und ist deshalb die Annahme
berechtigt, dass beide Bakterien Bakterien ein und derselben Art
sind. Der einzige Unterschied, welcher in der Dauer der Impfkrank-
heit der Mäuse besteht, muss als unwesentlich bezeichnet werden,
da dieser Unterschied in der Giftigkeit der Organismen auch bei
Bakterien derselben Art vorkommen kann und von örtlichen Verbält-
nissen abhängig zu sein scheint
Wenn nun aber die Koseier Reinkulturen als einwandsfrei gelten
müssen, so müssen auch die, wenn auch auf andere Art gewonnenen
Seh ütz'schen Reinkulturen — bei der Uebereinstimmung der beiden
zu Grunde liegenden Bakterien — als einwandsfrei bezeichnet werden,
und können besonders die von Baumgarten gegen die Schütz-
sehen Reinkulturen erhobenen Bedenken als stichhaltig nicht mehr
anerkannt werden.
Ueber die Brustseuche im Koseier Landgestüte. 457
Auch die von Hell aufgestellte Behauptung Ober die gleich-
artige Beschaffenheit der Brustseuchekokken einerseits und der Eiter-
undErysipelkokken andererseits kann als erwiesen nicht mehr betrachtet
werden , es müssen noch Ergänzungsversuche auf anderer Unterlage
— mit Platten — und darnach Impfversuche mit Pferden vorgenom-
men werden, da es doch nun erst erwiesen werden muss, ob bei Impfungen
von Pferden mit Streptokokken diese sich wiederum als Plattenrein-
kulturen aus dem Blute der Impfthiere gewinnen lassen.
Wenn man nun ferner erwägt, dass die Koseier Beinkulturen
ausschliesslich von brustseuchekranken Pferden und die Schütz-
schen zum grössten Theile von solchen gezogen sind, und da wir
ferner mit „Brustseuche" einen klinisch und anatomisch wenig schwan-
kenden Begriff verbinden und es anzunehmen ist, dass gleichen Krank-
heitsprozessen auch gleiche Krankheitserreger zu Grunde liegen, so
erscheint es nicht mehr zweifelhaft, dass die Schütz'schen und die
Koseier Bakterien als die wirklichen und alleinigen Krankheitserreger
der Brustseuche der Pferde zu betrachten sind, und dass demnach
Schütz das Verdienst zukommt, die Brustseuchebacillen zuerst auf-
gefunden und beschrieben zu haben.
Die Hcll'sche Forderung, dass der Nachweis erst erbracht ist,
wenn erwiesen wird, dass ein mit Brustseuchebakterien geimpftes
Pferd die Krankheit auf dem Wege der natürlichen Ansteckung
weiterverbreitet hat, geht entschieden zu weit und steht auch in
Widerspruch mit den Lehren der heutigen bakteriologischen Wissen-
schaft
Wenn ihre Erfüllung nothwendig wäre, um die Bedeutung ge-
wisser Organismen für das Zustandekommen der Krankheit zu er-
kennen, so würde bis jetzt nicht erwiesen sein, dass die Tuberkel-
bacillen die Tuberculose, die Cholerabacillen die Cholera, die Typhus-
bacillen den Typhus u. s. w. hervorrufen, und doch wird Niemand
daran zweifeln, dass die genannten Organismen die wirklichen Krank-
heitserreger sind.
Wenn wir ferner viele Streptokokken mit unseren jetzigen Hülfs-
mitteln nicht unterscheiden können, so spricht dieses noch nicht für
die Identität derselben, wie Hell behauptet hat. Diese Frage ge-
hört überhaupt zu den schwierigsten der Bakteriologie und kann
selbstredend nicht durch einige Versuche entschieden werden. Im
übrigen möchte doch auch dem natürlichen Vorkommen der Krank-
heit etwas Rechnung zu tragen sein und von diesem Standpunkte aus
möchte ich hervorheben, dass bislang — soweit mir bekannt ist —
keine Beobachtungen darüber vorliegen, dass durch die Berührung
mit brustseuchekranken Pferden Personen an Erysipel der Arme,
des Gesichts u. 8. w. erkrankt sind. Es erscheint mir deshalb zweifel-
los, dass die weiteren Forschungen die Spezifität der Brustseuche-
kokken ergeben werden.
Die von Lustig gezüchtete und beschriebene Reinkultur No. 6,
welche der Erreger der Brustseuche sein soll, weicht in wesentlichen
Eigenschaften von den Schütz'schen und Koseier Reinkulturen ab.
Ich erinnere nur an ihre Reaktion auf die Gram 'sehe Färbung, an
die negativen Impfergebnisse und an ihr Verhalten, wenn sie sich,
458 lUrpmann,
bei zufälliger Verflüssigung der Gelatine, zu Boden gesenkt hatten.
Sie können daher den Brustseuchekokken um so weniger zugezählt
werden, als auch ihre Züchtungsart nicht als völlig einwandfrei be-
zeichnet werden kann.
Praktische Mitteilungen.
Von
Marpmann
in
Leipzig.
Mit S Figuren.
Vorrichtung zum Erstarren der Giessplattea durch
Kälte.
Der für diesen Zweck allgemein benutzte Eisapparat hat seine
grossen Nachtheile, die in der recht umständlichen Füllung, in der
Raumerforderniss und darin bestehen, dass kaltes Wasser nicht ge-
nügend kühlt, Eis nicht überall zu haben ist und K<emischungeo
wiederum praktisch, aber theuer sind.
In beifolgender Zeichnung sind die Vorder- und Seitenansichten
eines Gefrierapparates gezeichnet, der überall angebracht und leicht
gehandhabt werden kann. Die Zerstäubungsröhren d sind 15 cm
lang und lassen sich durch den Halter a mit Schrauben c anf jeder
Fig. i.
grösseren Glasplatte b befestigen. Bei f stehen diese Röhren mit
dem Aetherspray in Verbindung, i ist eine Filzsohle zum Aufsaugen
des abtropfenden Aethers. Wenn man den Apparat benutzen will,
so bringt man die Glasplatte b auf den Nivellirständer, schraubt des
Zerstäuber durch a fest und kühlt die Platte durch 2— 3 maliges
Drücken der Gummibirne. Es lassen sich recht gut 2 grosse Platten
neben einander legen, nach dem Guss kann nochmals gekühlt werden
und sind die Kulturplatten binnen sehr kurzer Zeit erstarrt, so dass
man dann die Platten in die feuchte Kammer bringen kann. Der
Apparat wird von Miehe in Hildesheim fabrizirt und kann mit
dessen Gefriervorrichtung für Mikrotome verbunden werden, da bei f
die Gewinde für beide Apparate die gleichen sind.
Praktisch! Mittheihuigen. 459
Neue Kulturzellen.
In den letzten Jahren sind die Plattenkulturen mehr und mehr
durch die Schalenkulturen verdrängt. Beide Methoden haben ihre
Vorzüge and Nachtheile — und somit haben beide ihre bestimmten
Anhänger unter den Bakteriologen. Ein Nachtheil der Glasplatten
ist das leichte Ablaufen der verflüssigten Kolonieen, Vorzug die be-
queme Handhabung beim Aufschichten und beim mikroskopischen
untersuchen, die Glaschalen verhalten sich genau entgegengesetzt und
eignen sich somit eigentlich nur für verflüssigende Pilzkulturcn. Um
die Glasplatten zu verbessern, sind bereits die sogenannten Emaille-
ränder eingeführt, doch bieten diese Platten wieder nicht den Vor-
theil der geschlossenen Glasschale. Dieser Vortheil kann nur da-
durch erreicht werden, dass man der Glasplatte einen abgeschliffenen
Rahmen aufsetzt, welcher durch eine zweite Glasplatte bedeckt wird,
ähnlich wie die Zellen mit Kartonzwischenlage.
In meiner Schleiferei Hess ich mir die Glasplatten mit Streifen
aus 0,4 cm starkem Spiegelglas einfassen und diese Streifen auf-
kitten und auch in der Muffel aufschmelzen, es entstanden dadurch
abgeschlossene Zellen von 10 : 12 cm innerer Weite, welche luftdicht
durch eine aufgeschliffene Deckplatte geschlossen werden. Diese
Zellen eignen sich vorzüglich zur Kultur, vereinigen alle Vortheile
der Glasplatte mit der Petri 'sehen Schale und sind nicht zu theuer.
Der Abstand der Kolonie vom oberen Dekglas beträgt 1—2 mm,
man kann daher mit Z eis s, Objektiv D von 4,3 mm Brennweite, noch
besser mit Apochromat von 8 oder 4 mm Brennweite die Spaltpilze
genau erkennen. Apochromat 8,0 gibt mit Comp.-Ocular 18 eine
Vergrösserung von 560, dagegen Apochromat 4,0 mit 18 eine solche
von 1125 fach. Für die genaue Untersuchung der Kolonie dürften
diese Vergrftsserungen wohl in allen Verhältnissen genügen.
Um die Platten sicher zu stellen gegen Verschieben der Deck-
platte, werden 2 Gummibänder umgelegt, so dass kleine Packete ent-
stehen, welche sicher auf einander geschichtet werden können.
Die Zellen von 15 : 12 cm Grösse mit Deckplatte aus Solinglas
von circa 1 mm Stärke kosten ungefähr 0,80 bis 1 Mk.
Thonfilter für keimfreie Filtration.
Die Anforderungen, welche man an einen guten Filtrirapparat
stellen muss, sind „einfache Konstruktion, leichte Sterilisirung und
billiger Preis".
Die im Handel befindlichen Filter wurden eingehend untersucht,
doch genügte keiner meinen Wünschen, weshalb ein eigener Apparat
konstruirt und in einer grösseren Anzahl von Exemplaren fertig ge-
stellt wurde.
Versuche mit Thon einerseits und Infusorienerde als Filtermasse
andererseits fielen zu Gunsten des ersteren
aus; die Zellen aus Infusorienerde bekommen zu leicht Risse und
werden undicht für Pilzzellen.
Die Thonzellen worden ziemlich weit gewählt, innerer Durch-
messer circa 2 cm, Länge 8—12 cm. Diese Filter passen genau
in einen Scheidetrichter mit unterem Glashahn und seitlichem
Kugelrohr. Der ganze Apparat ist circa 30 cm lang, kann im
460
Streptokokken.
WmJtofdUr
Heissluftbad sicher sterilisirt werden und
^ -^ fasst ungefähr 800 ccm Filtrat Das seit-
^f.-f^ liehe Kugelrohr wird durch Watte abge-
v^)<y schlössen, dann mit der Saugpumpe verbun-
den. Die Bakterienflüssigkeit filtrirt leicht
durch, kann durch den unteren Hahn leicht
entleert und auch jederzeit leicht auf Keim-
freiheit durch eine Impfprobe untersucht
werden. Beim Gebrauch bringt man die
Trichterspitze entweder durch Watte in eine
sterilisirte Flasche oder umwickelt dieselbe
mit Sublimatwatte, bei letzterer Sicherung
werden die ersten ausfliessenden Filtrat-
theile entfernt, um eine mögliche Zumisch-
ung von Sublimat zu vermeiden. Als be-
sonders praktisch dürfte die Aufbewahrung
im Filter hervorzuheben sein, weil man gerade
hierdurch jederzeit von dem Filtrat ent-
nehmen kann, soviel noth wendig ist, und
auch umgekehrt das Filtrat lange Zeit aufbewahren, respektive nach
dem Verbrauch durch Zufiltriren ergänzen kann. Wenn der Apparat
also einmal in Gang gesetzt ist, soll ein relativ langer Gebrauch mög-
lich sein, ohne dass von Neuem sterilisirt werden muss.
Leipzig, den 11. Juni 1891.
Referate.
Llngelshelm 9 v., Experimentelle Untersuchungen über
morphologische, kulturelle und pathogene Eigen-
schaften verschiedener Streptokokken. [Aus dem
hygienischen Institut der Universität Berlin.] (Zeitschrift für Hygiene.
Band X. Heft 2.)
Verf. unterzog die Streptokokken einer Prüfung nach ihren kul-
turellen und biochemischen Eigenschaften, sowie nach ihrem Ver-
halten zum Thierkörper, nahm auch Immunisirungsversuche Tor
und machte schliesslich Studien über Entwickelungshemmung und
Abtödtung der Streptokokken durch chemische Agentien.
Das charakteristische Kettenwachsthum tritt am besten in Bouüloo-
kulturen zu Tage. Die Gestalt der einzelnen Kokken variirt; meist
sind sie nicht ganz rund, reihen sich nach den Beobachtungen des
Verf. mit ihren breiten Seiten neben einander, wobei innerhalb der
Ketten oft eine Anordnung zu Diplokokken hervortritt Die Grösse
der Kokken schwankt zwischen 0,3 bis 0,5 /n. Grössenunterschiede
in demselben Präparate fand Verf. bloss bei ganz alten Kulturen.
Eigenbewegungen der Kokken oder Ketten konnteer niemals wahrnehmen.
Zuweilen findet sich bei Streptokokken eine sehr geringe Neigung
zur Kettenbildung, dagegen sieht man viele Diplokokken und einzelne
Kokken. Oft bilden selbst kurze Ketten eine Ausnahme.
Mit Rücksicht auf diese verschiedenen Befunde unterscheidet
Verf. Streptococcus brevis und Streptococcus longus.
Streptokokken. — Geschwülste. 461
Die Hauptergebnisse der Untersuchungen über das Verhalten
der Streptokokken in Kulturen pr&zisirt Verf. nach seinen Beobach-
tungen dahin, dass es zwei grosse Gruppen unter den Streptokokken
gibt, welche in stark eiweisshaltigen Nährböden (Eiter, Serum) nicht
von einander zu unterscheiden sind, die aber bei Kultivirung in
Bouillon konstante Unterschiede darbieten. Die ausschlaggebenden
Kriterien sind hier makroskopisch : Vorhandensein einer Trübung des
Substrates, mikroskopisch: die Kettenlänge. In Agarkulturen sind
die beiden Gruppen schwer, leichter in Gelatinekulturen zu
unterscheiden, in denen die kurze Ketten bildenden Streptokokken
eine geringe Verflüssigung bewirken, die der Streptococcus
longus stets vermissen lässt. Auf Kartoffeln zeigt nur der Strep-
tococcus brevis makroskopisch sichtbares Wachsthum. In bio-
chemischer Beziehung ist diese Gruppe zugleich ausgezeichnet durch
ihre starken reduzirenden Fähigkeiten gegenüber gewissen chemischen
Präparaten.
Innerhalb der beiden aufgestellten Hauptgruppen sind die kul-
turellen Differenzen sehr gering. Bei den Streptokokken der Gruppe
Streptococcus brevis konnten quantitative Unterschiede der
leimlösenden Fähigkeit konstatirt werden. Bei den Streptokokken
der anderen Gruppe zeigen sich Verschiedenheiten in der Neigung
zur Bildung fester Konglomerate bei Züchtung auf Nährbouillon.
Ist diese Neigung eine ausgesprochene, so überträgt sie sich auch
auf die von den Bouillonkulturen angelegten Kulturen auf festen
Nährböden und manifestirt sich dann hier in der leichten Differenzir-
barkeit der einzelnen Kolonieen.
Bezüglich der Wirkung der vom Verf. untersuchten Strepto-
kokken auf den Thierkörper gibt er folgende Eintheilung:
Streptokokken.
nicht pathogen pathogen
Streptococcus brevis Streptococcus longus
pathogen für pathogen für
Mäuse und Kaninchen Kaninchen
a) Streptoc. murisepticus Streptoc.
b) 8treptoc. pyogenes Erysipelatos
Die Streptokokken, die durch ihre hohe pathogene Kraft gegenüber
Mäusen auffallen, sind jene, die sich durch ihr eigentümliches Ver-
halten in Kulturen (Konglomeratbildung in Bouillon) bemerkbar
machten. Durch besondere Virulenz gegenüber Mäusen zeichnete
sich jener Streptococcus aus, der kulturell durch mangelhaftes
Wachsthum auf Rinderserum auffiel.
Mittelst Injektion von mit Jodtrichlorid behandelten Bouillon-
kulturen von Streptococcus murisepticus gelang eine Im-
munisirung der Mäuse gegen Impfungen mit vollvirulenten Kulturen.
Mineralsäuren erwiesen sich als gleich wirksam. Unter den
Laugen tödtete die Natronlauge weit energischer ab, als Ammoniak
und kohlensaures Natron. Unter den Metallsalzen steht als Desin-
ficienz obenan das Sublimat, dann folgen Goldkaliumcyanid, Eisen-
chlorid und Kupfer, das letztere mit ziemlich geringer Wirksamkeit
Als sehr brauchbares Desinficienz gegenüber den Streptokokken er-
wies sich das Jodtrichlorid, während das Wasserstoffsuperoxyd hinter
462 GeschwüUte
den gehegten Erwartungen zurückblieb. Karbolsäure und Lysol lie-
ferten ziemlich gleiche Resultate; geringer wirksam waren Kresol,
Kreolin, Rotterin und Naphthylamin. Als kräftige Desinfizientien
erwiesen sich Malachitgrün und Methylviolett.
Gegen Hitze zeigen sich verschiedene Streptokokken verschieden
widerstandsfähig. Dittricb (Prag).
Schleich, Infektion und Geschwulstbildung. (Dtsch. med.
Wochenschr. 1891. No. 3.)
Verf. legt seinen Betrachtungen über die Entstehung der Ge-
schwülste mit Recht die klassischen Arbeiten Vircho w's auf diesem
Gebiete zu Grunde. Virchow hat in ebenso grossartiger wie über-
zeugender Weise gezeigt, dass alle pathologischen Vorgänge des leben-
den Körpers in der einzelnen Zelle beginnen, er hat die Veränderungen,
welche dabei im Zellenleib vorgehen und die Erscheinungen, welche
das Ergebniss solcher Umwandlung von vielen Zellen in den Geweben
und Organen hervortreten lässt, so genau erkannt und beschrieben,
dass bisher niemand das Werk des grossen Forschers in dieser Be-
ziehung anzutasten vermochte. In einem Punkte blieb aber in Vi r c h o w s
Forschungen eine Lücke: er zeigte wohl, wie das krankhaft veränderte
Organ sich dem blossen Auge und unter dem Mikroskop darstellt,
er zeigte Schritt für Schritt den Weg, auf welchem dieser Zustand
erreicht worden war, er zeigte die ursprünglichen Veränderungen, mit
welchen die Krankheit in der einzelnen Zelle begonnen hatte; er nahm
endlich an, dass jene Veränderungen die Folge von nutritiven and
formativen Reizen seien, aber er hat diese Reize selbst niemals anders,
als in der allgemeinsten Weise definirt.
Durch die bakteriologische Wissenschaft kennen wir den Reiz für
die entzündlichen Krankheiten, für die Infektionskrankheiten und für
die infektiösen Granulationsgeschwülste in den Mikroorganismen ; die
Reize aber, welchen gutartige und bösartige Tumoren ihre Entstehung
verdanken, kennen wir noch nicht
Nun erinnert sich der Verf., dass Virchow das Wesen der
Malignität von Geschwülsten in deren Heterologie gesehen, ihre Ent-
stehungsursache daher auch in heterogenen Reizen gesucht und endlich
angedeutet hat, dass hier ein Virus vorhanden sei, welches auf das
Matrikulargewebe der Geschwulst in ähnlicher Weise einwirke, wie
das Sperma auf das Ovulum. Der Verf. sucht zu beweisen, dass ein
solches Virus unter keiner Bedingung in Bakterien bestehen könne.
Er meint, dass die grossen Tumoren, wie ihm jeder ohne Weiteres
zugeben wird, etwas Anderes sind, als die kleinen Granulations-
geschwülste. Diese seien nur Anhäufungen lympholder Zellen, jene
ganz neu gebildete Gewebe. Wenn es daher auch denkbar sei, dass
die Granulationsgeschwülste durch Bakterienwirkung hervorgebracht
werden, so könne diese Entstehungsursache für die grossen Tumoren
nicht angenommen werden. „Aus der Gesammtbiologie giebt es kein
einziges Beispiel dafür, dass durch Invasion von Kokken oder Bacillen
eine andere, etwa höhere dauerndere Gewebsproduktion angeregt wird,
als diejenige, welche als die Folgezustände der Auswanderung weisser
Blutkörperchen oder der Bildung lympholder Bindegewebszellen an-
gesehen werden muss.<(
Geschwülste. 433
Ref. kann hierin keinen Beweis für die Ansicht des Verfassers
finden. Warum soll eine unter Bakterienwirkung entstandene An-
häufung lymphofder Bindegewebszellen nicht der Beginn des Wachs-
thuras einer Neubildung sein, welche sich organisirt, ein bindegewebiges
Gerüst, Gefässe und dergleichen aufnimmt? Womit beginnen denn
Krebsmetastasen anders, als mit der Ansiedelung einzelner Krebszellen,
d. i. mit der Einwanderung epitheliolder Gebilde, welche sehr wohl in
Folge von Bakterieneinfluss aus Epithelialzellen durch Theiluug u. s. w.
entstanden sein können? Und endlich, kannte man denn vor der
Entdeckung der Tuberkel-Bacillen in der „Gesammtbiologie ein Bei-
spiel dafür", dass eine noch so winzige Geschwulst, wie der Tuberkel
ist, durch Bakterieneinfluss entsteht? Im Gegentheill Es wurde sogar
die Infektionstheorie der Tuberculose überhaupt vor Koch's Ent-
deckung durch viele und hervorragende Forscher bezweifelt. Ref. kann
also dem Verf. nicht folgen, wenn dieser mit solchen Gründen die
Unmöglichkeit einer parasitären Entstehung der Geschwülste zu be-
weisen sucht.
Der Verf. will aber sogar den Reiz, welcher die Geschwülste
hervorbringt, in anderen Vorgängen, als der Bakterienansiedelung
entdeckt haben. Er findet ihn in der infektiös gewordenen Zelle selbst.
Nach der Annahme des Verf. hat jede Zelle von der Zeugung
her einen bestimmten Wachsthumstrieb, durch den sie bis zu einem
gewissen Grade wächst. Während des Wachsthums soll sie pathologi-
schen Reizen gegenüber sehr widerstandsfähig sein ; dagegen befindet
sie sich nach beendetem Wachsthum in einem labilen Zustande; sie
kann absterben, weiter leben oder endlich auf einen bestimmten Reiz
hin ein neues pathologisches Wachsthum beginnen, andere ähnliche
Zellen zu gleichem Wachsthum anregen und auf diese Weise die
Infektionsursache des Tumors, ein pathologisches Sperma für das
Matrikulargewebe werden.
Dem Ref. kann diese Annahme des Verf. wenig einleuchten.
Zunächst muss es also doch noch ein besonderer Reiz sein, welcher
die erste Zelle so infektiös macht, dass sie zum pathologischen Reiz
für neue Zellen wird. Da der Verf. nicht sagt, worin der ursprüng-
liche Reiz besteht, so muss man wohl annehmen, dass es irgend ein
mechanischer, chemischer, thermischer u. s. w. Reiz sein soll und
zurückgreifen auf den Schornsteinfegerkrebs, den Lippenkrebs der
Pfeifenraucher u. dgl. Der Verf. selbst erwähnt den Krebs im Narben-
gewebe. Aber ist es da nicht eben so gut möglich, anzunehmen, dass,
z. B. der mechanische Reiz in solchen Fällen in mechanischen Ver-
letzungen zu suchen ist, welche Eingangspforten für die fraglichen
Parasiten bilden, oder dass das Narbengewebe für die Entwicklung
von Mikroorganismen günstigere Bedingungen bietet, als das gesunde?
Wenn die Frage der Aetiologie von Geschwülsten durch mechanische,
chemische, thermische u. s. w. Reize beantwortet werden könnte, so
wäre sie wohl kaum noch unentschieden.
Ferner ist es dem Ref. nicht verständlich geworden, warum nur
die ausgewachsene Zelle durch den Reiz beeinflusst werden soll, die
wachsende dagegen widerstandsfähig ist. Es wäre auch nicht recht
einzusehen, weshalb der Verf. bierin eine besondere Bedeutung für
die Aetiologie der Geschwülste sieht, wenn derselbe jenen erst von
466 Braao,
eine ziemlich tiefe Kloake, der sowohl die Vagina wie hinter der-
selben auch der flaschenförmige Cirrusbeutel anhängt.
Der Ductus ejaculatorius ist sehr lang, vielfach geschlungen
und in der ganzen Länge von DrOsenzellen (Prostata) besetzt; 50
und mehr Hoden finden sich im Parenchym und sind vor voller
Entwicklung der weiblichen Organe bereits mit Sperma gefüllt.
Die enge Vagina setzt sich in eine sehr lange und weite Samenblase
fort, die in der Mitte des Gliedes direkt mit dem Keimleiter in Ver-
bindung tritt Der Uterus besteht aus einer Anzahl von Bohren,
die anfangs jederseits in einen fast kugeligen Ballen aufgerollt sind:
sowie derselbe sich füllt, dann entrollen sich seine Windungen und
durchwachsen das Glied in ganzer Breite und Länge. Sehr bald
gehen aber die Wandungen des Uterus verloren, so dass die in Ent-
wicklung begriffenen Eier frei im Parenchym liegen. Anfangs nackt
umgeben sich dieselben einzeln oder zu wenigen mit den in ihrer
Nachbarschaft stark wuchernden Parenchymzellen, die sich in immer
grösserer Menge um sie ansammeln und eine selbst noch in den rei-
fen Proglottiden nachweisbare zellige Hülle der Eierballen bilden.
Der Embryo selbst (0,008 mm) besitzt sechs äusserst feine und nur
wenig gekrümmte Häkchen und wird von zwei glashellen Schalen
umschlossen; die innere liegt demselben dicht an, während die
äussere in zwei zipfelförmige Fortsätze ausläuft. Sowohl der Drüsen-
belag des Vas deferens wie diese eigentümliche Hülle um die Eier
sind bisher bei anderen Gestoden noch nicht gefunden worden.
Weniger ausführlich sind die Mittheilungen R. Blanchard's
(36) über die in Rede stehende Tänie. Derselbe erhielt sein Mate-
rial durch Dr. P. Ghevreau von Port-Louis auf Mauritius, der;
vier Fälle bereits publizirt hat (45); immer handelte es sich um
Kinder, doch fehlen in zwei Fällen Angaben über das Geschlecht,
die beiden anderen waren Mädchen von 5 Jahren. In drei Falles
fehlten alle Symptome, welche auf die Anwesenheit des Parasiten
hingewiesen hätten; das vierte Kind war bleich, abgemagert und litt
an besonders Nachts auftretenden, krampfartigen Hustenanfallen, so-
wie an Appetitlosigkeit Die eingeleitete anthelminthische Kur för-
derte drei Bruchstücke von Tänien zu Tage von 16,15 resp. 20 cm
Länge, doch fehlte der Kopf. Wie die Untersuchung der drei Stücke
ergab, die zusammen 221 Proglottiden zählten, gehören dieselben
nach Blanchard (36) zwei Würmern an, von denen der eine fast
vollständig ist; man darf die Länge auf 25 bis 30 cm, die Zahl der
Glieder auf 200 annehmen. Die Ergebnisse der anatomischen Unter-
suchung sollen später mitgetheilt werden.
Eine bemerkenswerthe Anomalie von Taenia saginata beschreibt
R. Blanchard (46): eine ungefähr dem 750. Glied e (nach So mm er 's
Zählung) entsprechende Proglottis ist zwischen zwei normale Glieder
eingeschaltet und etwas grösser, als diese; sie trägt an der Grenze des
ersten und zweiten Drittels des rechten Randes eine seichte, bis in die
Mitte der Fläche sich erstreckende Einkerbung und dahinter, am Beginn
des hinteren Drittels, einen normalen Genitalporus, der in Verbin-
dung steht mit einem normalen Genitalapparat; der linke Rand
führt ebenfalls, aber in seiner Mitte, einen Genitalporus, der auch mit
einem normalen Geschlechtsapparat in Verbindung steht, nur ist
Bericht über die ForUch ritte in der thierUchen Parasitenknode. 467
lieser völlig umgedreht, so dass der Dotterstock kopfwärts sieht etc. ;
eroer communiziren die beiden Uteri, welche schon die Seitenäste
reiben, mit einander, so dass ein einziger Medianstamm vorhanden ist.
Ueber die Helminthen der anthropoiden Affen wissen
rir sehr wenig; um so dankenswerter ist eine Mittheilung von R.
Jlanchard (47) über die Cestoden derselben. Es liegen zwei neue
Uten vor, welche zu der Gruppe der Taenia perfoliata unserer
Jferde gehören; diese löst Blanchard in mehreren Gattungen auf,
vine derselben ist das Genus Berti a, dessen Diagnose lautet:
Kopf dick, fast kuglig, ohne Roatellum und Haken, mit elliptisohen
feugnäpfen, welche zu zwei, weit von einander entfernten Paaren angeordnet
»ud. Hals kurz, fast so breit, als der Kopf; Glieder sehr zahlreich,
sehr kurz, breit und sieh daohziegelartig deckend. Genitalporen rand-
ständig, zart, mehr oder weniger regelmässig alternirend ; in den reifen Glie-
iern sind die Eier in mehrere quergelagerte Ballen vereinigt ; Oncosphaera
nut birnformigem Apparat. Kntwiokelung unbekannt.
Hierher gehört Bertia Studerin. sp. aus dem Dünndarm
7ou Troglodytes niger (Chimpanse) und B. satyri n. sp. aus
dem Dünndarm des Orang (Simia satyrus). Es ist bemerkens-
vrerth, dass bei zwei geographisch so weit getrennten Anthropoiden so
nahe stehende Cestoden vorkommen, die sicherlich in der Heimath acqui-
rirt worden sind. Die Beziehungen der Gattung Bertia zu den
Täoien anderer Affen sind schwer zu präzisiren, da letztere unge-
nügend beschrieben sind ; -soviel scheint jedoch sicher, dass sie sich
auf Anthropoiden beschränkt; möglich, dass sie auch beim Menschen
in der Heimath des Orang und Chimpanse gefunden wird.
Ueber einen gelungenen Infektionsversuch einer 6 Wochen
alten Ziege mit den Eiern von Taenia margin ata berichtet A.
Railliet (94). Während der ersten 8 Tage zeigten sich keine be-
sonderen Erscheinungen, am 9. Tage lag das Thier konstant und
zeigte sich ganz apathisch ; gegen Abend starb es. In der Leibeshöhle
fand sich wenig Blut, viel seröse Flüssigkeit mit einigen hellen Blas*
eben; die Leber zeigt zahlreiche Hämorrhagieen und eine grosse
Zahl von 1—2 cm langen Furchen auf der Oberfläche, die mit ge-
ronnenem Blute gefallt sind und ein oder mehrere helle Bläschen
enthalten. Die gleichen Verhältnisse zeigten sich auch im Innern der
ganz brüchigen Lebersubstanz; die anderen Eingeweide waren intakt,
nur die Lunge wies auf ihrer Oberfläche einige Bläschen auf, die
natürlich nichts anderes, als Entwickelungsstadien des Cysticercus
tennicollis waren.
Eine Beobachtung von A. Railliet (60) gibt die Lebens-
dauer des in Frankreich bei Leporiden häufigen Coenurus seri-
aHs auf mehr als 2 Jahre an.
Ueber Tänien der Vögel liegen folgende Arbeiten vor:
C. C r e t y behandelt auch anatomisch solche von Coturnix commu-
n" Bonn. (Wachtel), die er im April und Mai 1889 und 1890 ge-
sammelt hat; er fand T. circumvallata Krabbe, T. infundi-
bpliformi8 Goeze, T. nigropunetata n. sp. und T. pluriun-
cmata n. sp. Von Linstow (29) schildert den Bau seiner Taenia
468 Braun,
puncta aus Corvus corone and C. nebula — beide Arbeiten
bringen werth volle Beiträge zur Anatomie und werden dann ihre
Verwendung finden, wenn einmal das System der T&nien bearbeitet
werden wird.
In ent wickelungsgeschichtlicher Beziehung haben be-
sonders die Kenntnisse über die Tänien unserer Wasservögel
gewonnen, indem sowohl O. Hamann wie AI. Mräzek ihre darauf
bezüglichen Untersuchungen (vergl. d. Centralbl. Bd. VII. 1890. pg. 225
und Bd. VIII. 1890. pg. 628) fortgesetzt haben. Der Letztere publizirt
nun folgende Liste (48):
1. Taenia fas ci ata Rud. in Anaer cinereus and albifrom;
Cysticercus in Cyclops agilis Koch.
2. Taenia tenuirostriß Rud. in Aythia (Anas) marila,
Oidem ia fusoa, Mergus albellus, Merguß s errator, Mergos
merganser und Laras tridaotylas; Finne in Gyolops agilis
Kooh, G. pulchellus und nach Hamann auch in Gammarus pulei.
3. Taenia ainuosa Zeel in Anaer albifrons, Anas bo-
schas und acuta, Fuligula cristata und hrasiliensis;
Finne in Gyolops viridis Fisch., G. agilis Koch, 0. luci-
dulus Koch und nach Hamann auoh in Gammarus pulex.
4. Taenia gracilis Kr. in Anas boschas, acuta und
Mergus merganser; Finne in Cypris oompressa Baird
und Gyolops viridis Fisch., daroh diese gelegentlich auoh in Barsche
(Peroa fluviatilis) gelangend.
5. Taenia anatina Kr. in Anas boschas und A. acuta;
Finne in Cypris oompressa Baird und C. inoongruens Bamd.
6. Taenia sp. ? nur der Finnen zustand aus Gammarus pulei
bekannt = Cysticercus Hamanni Mrazek.
Noch zwei Finnenstadien, die sich wie die eben angefahrten
durch ihren Schwanzanhang und ihre Aehnlichkeit mit Cercarien aus-
zeichnen, beschreibt C. Hamann (50) aus Gammarus pulex,
welches in allen Tümpeln und Bächen lebende Thier demnach eine
wahre Fundgrube für Entwickelungsstadien verschiedener Helminthen
ist. Die zugehörigen Tänien sind freilich noch nicht gefunden, doch
ist die Beschreibung der in ausgebildetem Zustande beobachteten
Finnenstadien so genau, dass die definitiven Stadien sich werden er-
kennen lassen ; in dieser Voraussicht kann man auch die Namen der
noch zu entdeckenden Tänien (T. bifurca und T. integral
acceptiren. In Bezug auf die Entwicklung haben wir uns vorzu-
stellen, dass die sich in die Länge streckende Oncosphaera in einen
vorderen kugligen und hinteren schwanzartigen Anhang zerfällt; der
erstere höhlt sich später aus und stülpt sich an dem dem Schwänze
gegenüberliegenden Pole ein; im Grunde der Einstülpung findet
eine Zellwucherung statt, die sich allmählich erhebt, das Bostellum
und die Saugnäpfe entwickelt, kurz zum Scolez wird. Dieser wichst
bei den neuen Finnen bedeutend aus, so dass er sich in dem Hohl-
räume in Windungen legt.
Unabhängig von Mrdzek kommt auch Blanchard (51) zU
der Ansicht, dass der Finnenzustand von Taenia gracilis in
Ostracoden lebt, und zwar deutet derselbe einen zufällig von Tb.
Bericht über die Fortschritte So der thierischen Parasitenkunde. 4ß9
Scott (52) gemachten Fund in Gandona rostrata Brady et
Uorm. (von Edinburgh) als die Finne von T. gracilis Er.
Ueber Cestoden aus Reptilien liegt uns nur eine Arbeit
ron Fr. 6. Monticelli und C. Grety (53) vor, welche sich mit
Jolenophorus, Duthiersia und ihren Beziehungen zu Bothrio-
:ephalu& beschäftigt. Trotzdem die letzteren gross genug sind,
tonnen sich die Autoren nicht entschliessen, den Vorschlag Per ri er 's,
die drei Gattungen zu vereinen, anzunehmen, sondern trennen die-
telben innerhalb der Familie der Dibothria von den Bothrio-
:ephalinae, Ligulinae etc. als besondere, diesen letzteren gleich-
rerthige Subfamilie, die sie S o 1 e n o p h o r i n a e nennen. Dieselbe um-
[asst die genannten beiden Gattungen Solenophorus und Du-
thiersia mit nur je einer Spezies: S. megalocephorus Grepl.,
ra welcher alle übrigen Benennungen als Synonyme hinzugezogen
werden, und D. fimbriata Dies. = D. expansa Perr. = elegans
Pen*. Erstere Art lebt im Darm von Python molurus, P. sebae,
P. reticulatus, P. spilotes und Eunectes scytale, letztere
in Varanus niloticus und V. bivittatus.
Ueber Cestoden der Amphibien ist uns keine Arbeit zu
Gesicht gekommen, wohl aber über solche aus Fischen. Von
Linst ow (54) behandelt die Anatomie der noch wenig bekannten
Fischtänien, die sich durch den Mangel eines Rostellums und der
Haken auszeichnen, und, so viel man weiss, eine ziemlich gut abge-
schlossene Gruppe unter den Tänien bilden. Als Objekt diente T. 1 o n g i -
colli 8 Rud., die in verschiedenen Salmoniden, auch in Osmerus
eperlanus lebt. Der Geschlechtsapparat zeigt folgende Besonder-
heiten: Die Vagina, welche in ihrem Verlaufe von einer Drüsen-
schicht umgeben ist, liegt vor dem spindelförmigen Cirrus, so dass
sie, da sie schliesslich nach hinten zieht, von dem quer durch das
Glied ziehenden Vas efferens gekreuzt wird. Die Zahl der Hoden
beträgt jederseits 12 — 13; nach aussen von ihnen, in unmittelbarer
Nachbarschaft der Seitennerven, liegen die beiden langgestreckten
Dotterstöcke; die beiden Keimstöcke sind flaschenförmige Or-
gane, während der Uterus einen grossen, wenig gelappten Sack dar-
stellt, der die Hauptmasse der reifen Proglottis bildet. Die Finne
lebt wie die von Triaenophorus nodulosus encystirt in der
Leber derselben Arten, welche die erwachsene Tänie in ihrem Darm
beherbergen.
Von E. Lönnberg (27) erhalten wir einige weitere Angaben
über seinen Coenomorphus linguatula (v. Ben.) (vergl. d. Cen-
tralbl. Bd. VII. 1890. pg. 346), der nicht nur in Gadus virens, son-
dern auch in Trachypterus arcticus und Xiphias gladius
vorkommt Wenn die Annahme richtig ist, dass diese Larvenform
schliesslich zu einem Tetrarhynchus wird, wofür noch weitere
Anhaltspunkte gegeben werden, so ist es von Interesse, dass dieses
«fagendstadium Bothridien besitzt, die denen der Bothriocephalen
sehr nahe stehen, so dass man vielleicht an eine genetische Beziehung
denken kann. Des Weiteren berichtet derselbe Autor über den Bo-
tnriocephalus plicatus Rud., ebenfalls aus dem Schwertfische,
und über seine Befestigungsweise im Darm ; die Würmer hatten näm-
hch alle die Darmwand durchbohrt und verjüngten sich an der Stelle,
470 Braun, Bericht über dU Fortsehritt« in der thlerisehen Parukenkonde.
wo die Strobila in die Wandung eintritt, plötzlich auf kaum mehr
als 1 mm; von diesem Punkte an verlaufen sie in der Darmwand
ziemlich gerade (1—1,5 cm weit), um dann unter Breitenzunahme des
Körpers in einen Hohlraum einzutreten, wo der Best des Wurmes
mit seinem Scolex zusammengeknäult lag. Der Hohlraum war von
einer dicken, bindegewebigen Kapsel umgeben, die auf der Aussen-
fläche des Darmes in bis über 1 cm grossen Knoten hervorragte.
Endlich weisen wir noch auf eine Arbeit von R. Moniez (55)
hin, der die bisher beschriebenen Bifurkationen der Cestoden
aufzahlt und dann die Frage nach der Entstehung dieser Doppel-
bildungen erörtert. Aufzugeben ist die Ansicht von Monticelli,
der die Bifurkation von einer vorhergehenden Fensterung einer nor-
malen Bandwurmkette und Ablösung des einen Seitentheiles ableitet,
weil diese Fensterung nur bei reifen Gliedern durch Platzen des
Uterus stattfindet, während sie, soll sie zur Erklärung der Bifurkation
dienen, in ganz jungen Proglottiden auftreten mflsste; zu verlassen
ist auch eine von Moniez selbst gegebene Hypothese, dass nämlich
die Bifurkation durch die Knospung einer überzähligen Proglottis
entstehe, weil diese selbst nicht mehr knospen können — vielmehr
müsse man annehmen, dass die Anlage zur Bifurkation bereits in der
Knospungszone der Strobila, also am Endabschnitte des Halses auf-
trete, wenn, vielleicht veranlasst durch eine centrale Läsion, die
mittlere Partie der Knospungszone unfähig ist, Substanz zur neuen
Proglottis zu erzeugen, während die beiden Seitentheile produziren.
Diese Ansicht hat Manches für sich, da sie alle die verschiedenen
Modi der Bifurkation erklärt. In ähnlicher Weise erklärt Moniez
auch das Auftreten überzähliger Proglottiden.
Ausser den bereits angeführten sind an neuen Arten noch
zu erwähnen: Taenia Medici Stossich (31) im .Pelekan; T.
acridotheridis C. Parona (57) in Acridotheres albocinc-
tus; T. crassiscolex von Linstow (29) in Sorex vulgaris.
An neuen Wirthen sind zu verzeichnen:
Troohalopteronmelanoatigma für Taenia angu lata Bad.
(naoh G. Parona [57]).
Tachybaptes flnviatilii für T. multistriata Rad. (nach
Stossioh [31]).
Tinnunoulus alaudarius für T. globifera BaUoh (nach
Stossioh [81]).
Canis aureus für T. ououmerina Bloch (ibid.).
Syrnium uralense für T. oandelabraria Goeze (ibid.).
Salmo oarpio für Bot hr. probonoideua Rad. (nach Stossich
[32]).
Centrolophuspisoatorius für Bothr. heteropleurns Dies,
(ibid.).
Goturnix daotylisonans für T. oironmvallata Pr. (ibid.).
Mareoa penelope für T. fallaz Pr. (Stossioh [82]).
Himantopus melanopterus für T. vaginata Rad. (ibid.).
Cirous aeraginoBUB für T. globifera Batach (ibid.)
Phooa vitulina für Bothr. hians Dies. (Braun [34]).
Cottus poeoilopas für 8ohistocephaluB dimorphui
Crepl. (Lönnberg [27]).
Heim, Die Neuerungen d. bakt. Untenuchnngsmethoden seit d. Jahre 1887. 471
Phoxinui aphya für Ligula digramma Crepl. (ibid.).
Hyrax syriaous für Arhynehotaenia oritioa Pag. (Bar-
roi g [58]).
(Fortsetzung folgt.)
Cfalloway, B. T. and Fairchild, D. €K, Experiments in the
treatment of plant diseases: Treatment of pear leaf-
blight and scab in the orchard. (Journal of Mycology.
VL No. 4. 1891. p. 137-142).
Zur Bekämpfung des Birnblattbrandes, erzeugt durch Entomo-
sporiummaculatum L6v., und des Birnenschorfes, veranlasst durch
Fusicladium pirinum (Lib.) Fckl., wurde der Werth verschied e-
oer Kupfersalzlösungen geprüft und die Wirkung derselben bei ver-
schiedener Anzahl von Bespritzungen und bei früher oder später Be-
handlung untersucht. Gegen die erstere Krankheit hat. sich frühe
Bespritzung mit Bordeauxmischung oder ammoniakalischer Lösung
im Hai, und zwar drei Mal in Zwischenräumen von je 11—15 Tagen,
als am wirksamsten herausgestellt; gegen den Birnenschorf auf den
Blättern und Früchten empfehlen die Verff. die erste Bespritzung mit
Bordeauxmischung zur Zeit, wenn die Blüthen sich zu öffnen beginnen,
und die zweite, wenn die Früchte ungefähr die Grösse einer Erbse
erreicht haben. Brick (Hamburg).
Untersuchungsmethollen, Instrumente etc.
Die Neuerungen auf dem Gebiete der bakteriologischen
Untersuchuügsmethoden seit dem Jahre 1887.
Zusammenfassender Bericht
Ton
Dr. L. Heim,
k. b. Stabsarit und PrWatdosenten.
(Fortfetmng.)
VI. Neues In und an Apparaten»
Mikroskop. Einen grossen Fortschritt machte die Mikroskop-
fabrikation in den letzten Jahren unter Abbe-Zeiss durch Berech-
nung bezw. Herstellung von Linsen aus eigenthümlichem Glasfluss,
den sog. Apochromaten, welche selbst hohe Okularvergrösserung ohne
Beeinträchtigung der Helligkeit und Schärfe des Bildes vertragen.
In der Folge hat die Suche nach einer als Immersionsflüssigkeit ver-
wendbaren Substanz von grossem Brechungsvermögen zum Mono-
bromnaphthalin geführt. Dazu hat Abbe ein System berechnet
472 H«im,
und Zeiss ausgeführt, welches wegen seiner hohen numerische^
Apertur (fast 1,60) selbstredend auch die Verwendung von Objekt
und Deckgläsern aus besonderem (Flint-) Glas mit höherem Brechung*
index erfordert (van Heurck; Czapski1).
Um lebende Bakterien unter dem Einfluss höherer Temperatv
stets beobachten zu können, hat man bis vor verhältnissmässi
kurzer Zeit sich der heizbaren Objekttische bedient, von welche
u. a. Babes (0. 4. 23) eine Konstruktion beschrieben hat Jeti
stellt man viel zweckmässiger das ganze Mikroskop in einen m
den nöthigen Fenstern, eventuell auch OeflFhungen zur Manipulatio
auf dem Objekttisch versehenen Kasten, aus welchem nur Tubus ud
Mikrometerschraube heraussehen. Derartige Umkästen haben K 1 e b s *
L. Pfeiffer8) (aus Holz), Nuttall4) (mitjdoppelten Metallwändeij
beschrieben, Plehn5) benutzte zu seinen Malariastudien eine dei
artige Vorrichtung in Gestalt eines kleinen, vorn mit doppelt«
Glaswand versehenen kleinen Brutschrankes, durch dessen abhefa
baren Deckel Tubus und Stativsäule des Mikrokops gehen, und I
Friedrich demonstrirte gelegentlich des vorjährigen Kongresse
(Ausstellung des Kaiserl. Ges.-Amtes) einen nach seiner Angabe vo
G. König gelieferten, hübschen und zweckdienlichen Wännekastd
mit doppelter Kupfer wand zur Aufnahme von erwärmtem Wasser
Holzverkleidung, geeigneten Fenstern und verschliessbaren Oeffnungeq
deren eine, für die einzuführende Hand bestimmt, auch mit einen
kleinen Objektverstellungsapparat versehen werden kann.
Von kleineren Verbesserungen des Mikroskops sind die Einrieb
tungen zum Zählen von Koloniecn bezw. Bakterien mittels Einsetzen:
kleiner quadratförmiger Figuren ins Okular zu nennen; Buchnei
(0. 2. 3) liess eine solche in Form eines doppelten Fadenkreuzes an-
bringen, Preyss6) legte eine Glasscheibe mit eingravirtem Quadrat«
ein. Ferner sei die recht brauchbare Modifikation, welche durcl
Einführung der Irisblende erfolgte, erwähnt, sowie der von v. Sehlen7]
angegebene Reagirglashalter, bestehend aus einem für den Objekt«
tisch bestimmten Rahmen, von welchem sich zwei Stützen mit je
einem dreieckigen Ausschnitt erheben ; in ihnen ruht das von je einet
federnden Klammer festgehaltene, zur mikroskopischen Durchmusterung
bestimmte Reagenzröhrchen.
Mehrfach machte sich bei den Untersuchern das Bedürfniss nach'
einer gleichmässigen, in der Intensität beliebig abstufbaren Licht-
quelle geltend, dem man durch die Mikroskopirlampen zu begegnen
suchte. Wenn auch das Ideal der völligen Gleichheit des künst-
lichen Lichtes mit dem des Tages noch nicht erreicht ist, so ist man
ihm mit der Kochs- Wo lz 'sehen Mikroskopirlampe doch immerhin
nahe. Nach Schiefferdecker8) wird, nachdem früher eine kleine
1) Z. f. w. M. VI. 4. 417.
2) Allg. Pathol. I. 103.
8) Z. f. H. IL S98.
4) Z. f. H IV. 378.
5) Z. f. H. VIII. 92.
6) M. m. W. 91, 24. 419.
M. VII, 1. 17.
M. V. 477; VII. 450; VIII. 58
7) Z. f. w.
8) Z. f. w.
Die Neuerungen d. bakteriol. Untersnchongsmethoden seit dem Jahre 1887. 473
Petroleumlampe, nachher ein Auer'sches Gasglühlicht als Quelle
gedient hatte, jetzt ein Zirkonleuchtkörper verwendet. Vermittelst
eines an der Innenfläche des die Flamme und den Cylinder umgeben-
den geschwärzten Schornsteins angebrachten Reflektors wird das
Licht in einen kurzen, an der gegenüberliegenden Wand des Schorn-
steins angebrachten Blechcylinder geworfen; dieser ist von einem
Kork mit einer Durchbohrung zum Einsatz eines etwa 1 cm dicken
Glasstabes verschlossen. Letzterer leitet nach dem Gesetz der totalen
Reflexion die Lichtstrahlen zum Mikroskop. Für die Untersuchung
ohne Abbe'schen Beleuchtungsapparat ist er gekrümmt und endigt
mit einem Aufsatz farbiger Korrektionsgläser etwas unterhalb der
Blendenöffnung des Objekttisches; bei der Untersuchung mit dem
Abbe'schem Beleuchtungsapparat muss ein gerader und sehr dicker
Stab so weit an den Konkavspiegel herangebracht werden, dass er
etwa 9 — 10 cm entfernt ist und das Licht auf die Mitte des Spiegels
fällt. Vorläufig stehen einer ausgedehnteren Verwendung der Lampe
ihr Anschaffungspreis (92 M.) und die Betriebskosten im Wege, da
man für den Zirkonleuchtkörper eine nicht unerhebliche Menge Sauer-
stoff verbraucht, der in besonderen Ballons in komprimirtem Zu-
stande bezogen wird, und allenfalls auch einen Regulator für den
Druck des Gases nöthig hat.
Sterilisirungsapparate. Die neueren Konstruktionen ver-
folgen das Prinzip der Einleitung des Dampfes von oben im Interesse
der schnelleren Verdrängung der spezifisch schweren Luft. So hat
Viquerat (0. 6. 602) einen verhältnissmässig einfachen Autoklaven
angegeben, welcher auch als Dampfkochtopf und selbst als Brut-
schrank gebraucht werden kann. Petri zeigte gelegentlich des
vorjährigen internationalen Kongresses einen von ihm erdachten
Sterilisator mit viereckigem Querschnitt, dessen Innenraum durch
eine seitliche Thüre zugänglich gemacht war. In ähnlicher Weise
ist schon früher von 6. v. Oberbeek de Meyer (4. 153) ein
Desinfektionsapparat konstruirt worden, bei welchem der Dampf
nicht wie beim Petri 'sehen in einem besonderen Topf, sondern in
dem mit Wasser theilweise gefüllten doppelwandigen Mantel erzeugt
wird. Das kleinere Muster eignet sich vorzüglich für Laboratoriums-
zwecke, namentlich in der von Ostwalt1) verbesserten Gestalt.
Muencke hat ihn auch in liegender Form und für geringen Ueber-
druck hergestellt (O. 8. 615). Von den dem ursprünglich Koch 'sehen
in der Form sich anschliessenden Dampfcylindern ist die beste Neue-
rung in dem Dampfentwickler amerikanischen Systems von Vi. Buden-
berg in Dortmund zu sehen, welchen v. Esmarch') demonstrirte.
Der Raum, worin das Wasser zum Verdampfen gebracht wird, ist eine
kaum 1 cm hohe, flache, ringsum geschlossene Schale, von deren oberer
Wand ein 4 cm weites Rohr zum Boden des Desinfektionsraumes
führt. Dieser selbst ist von einem zweiten, fast ebenso hohen
glockenförmigen Gylinder, der oben einen Tubus für das Thermometer
1) B. kl. W. 88. 58. 1066.
8) D. Gesellsch. f. öff Ges.-Pfl. Sitzung Tom 24. Febr. 1890; D. M. Z. 90.
40 458.
474 Heim,
trägt, überdeckt, so dass der Dampf, ehe er ins Freie tritt, skk
kondensirt Das Kondenswasser tropft in eine vor der Anheiznng
mit weichem, womöglich destillirtem Wasser gefüllte offene Schale
zurück, welche auf der oberen Wand der flachen Verdampfungsschak
sitzt und mit ihr zwecks Füllung und Erhaltung eines konstantes
Zuflusses durch einige kleine Oeffnungen in Verbindung gesetzt ist
Der Apparat ist relativ billig im Anschaffungspreis und wenig kost-
spielig im Betrieb. Während alle anderen zum mindesten einen Drei-
brenner zur Erhaltung der Siedetemperatur beanspruchen, genügt
hier eine einzige Bunsenflamme oder ein guter Benzin- bezw. Spiri-
tusbrenner. Er wird daher besonders für solche Arbeitsräume zu
empfehlen sein, denen kein Gas zur Verfügung steht, ferner dort, wo
kein Abzug vorhanden ist, weil nur wenig Dampf in die Luft kommt
Ich verwende einen Dampfentwickler 2. Grösse von 24 cm Dureh-
messer und 35 cm Höhe (mit Untersatz um 48 M.) und bin damit
sehr zufrieden.
Zur diskontinuirlichen Sterilisirung habe ich mir einen einfachen
und billigen Apparat1) fertigen lassen, bei welchem die Reagenz-
röhrchen nicht in warmer Luft, sondern im Wasserbad stehen. Er
besteht aus einem Blechtopf von 30 cm Höhe und 28 cm Durch-
messer mit Asbestbekleidung, der etwa zur Hälfte mit Wasser gefüllt
wird. In denselben wird ein kleinerer durchlöcherter Topf (21 : 20 cm)
eingesetzt; dieser hat oben einen 4,5 cm breiten Kranz mit 2 Tuba-
laturen für Thermometer und -Regulator; der Kranz ruht auf dem
oberen Band des grösseren Topfes und trägt einen mit Bajonetver-
schluss versehenen Deckel. Im Innenraum findet das durch gekreuzte
Diagonalwände in 4 Abtheilungeu getheilte, ebenfalls durchlöchern
Einsatzgefäss mit den Reagenzgläsern Platz; letztere werden durch
aufgelegte Bleiplatten im Wasser gehalten.
Wärme-Schränke und -Regulatoren. Alle die verschie-
denen an Brutschränken angegebenen Formen und Modifikationen
aufzuzählen, würde hier zu weit führen ; es sei nur verwiesen auf die
von Schottelius (0.2.97), Rohrbeck (1.247; 0.2.262),
Babes (0. 4. 19) beschriebenen. Ebenso ist es mit den Thermo-
regulatoren. Für grosse Verhältnisse hat Roux (9. 737) metallene j
gewählt. Reicher dotirte Laboratorien werden mit elektrischen Wärme-
reglern ausgestattet sein, wie sie besonders gut von F. und M. Lau-
tenschläger hergestellt wurden (s. a. Abel 0. 5. 707). Für ge-
wöhnliche Zwecke reicht ein einfacheres Instrument aus; von deo
mannigfaltigen Konstruktionen sind die an das L. Meyer 'sehe Sy-
stem der Benützung von Aether, bezw. Aetherspiritusdämpfen sich
anschliessenden am meisten zu empfehlen. Sie wurden ebenfalls von
Lautenschläger in der besten Weise modifizirt: das Gaszulei-
tungsrohr wurde durch eine Einschnürung der Dmhüllungsröhre vor
Abweichungen von der Achse geschützt und statt mit einem sog.
Nothloch am Eingang mit einer durch einen Durchgangshabn be-
liebig eng stellbaren Zweigleitung für die Reserveflamme versehen.
Für feinere Einstellungen der Quecksilbersäule wurde seitlich noch
1) Von Klempner Jos. Mayer, Wfirsburg, Eichhornstr. 18. Preis 18 Hk.
Die Neuerungen d. bakteriol. Untersuchungsmethoden seit dem Jahre 1887. 475
eise Mikrometerschraube angefügt, ähnlich wie sie die Reichert9
sehen Regulatoren besitzen. An einem derartigen Instrument hat
neuerdings Alt mann (0. 9. 791) eine ähnliche Zweigleitung mit
Hahn angebracht, damit aber den Hauptnachtheil dieses Systems
nicht beseitigt, welcher darin besteht, dass meist nach kurzem Ge-
brauch die stets auf der Quecksilberoberfläche sich absetzenden Ver-
unreinigungen in das fast kapillare Quecksilbergeföss gelangen, wor-
auf der Hg-Faden abreisst und von einer Regulirung nicht mehr
die Rede sein kann.
Fflr den Fall, dass Gas nicht zur Verfügung steht, hat Ogn-
j a n n i k o w (8. 474) einen mit Benzin geheizten d'Arsonval 'sehen
Thermostaten angegeben, und K r a s i 1 1 s c h i k (6. 59) an dem gleichen
Apparat eine Regulirungsvorrichtung für Petroleumflammen ersonnen.
Auch Desp eignes (9. 24) konstruirte einen Regulator für Brut-
schränke mit Petroleumheizung.
Modifikationen des Plattenverfahrens sind zum Theil
dem Wunsche entsprungen, die Nivellirung und Kühlung zu umgehen,
wenn sie auch schon von einigen Autoren vereinfacht wurden. So hat A.
Pfeiffer1) einen diesbezüglichen flachen Kasten als Ersatz des
Eiskühlers anfertigen lassen. Ringsum geschlossen, hat er eine
Seitenlänge von 25 cm, ist VL — 2 cm hoch und trägt an einer Ecke
(besser wäre an zwei Stellen behufs eventl. Durchströmung) eine mit
Stutzen versehene Oeffnung zum Eingiessen kühlen (8—10°) oder
warmen Wassers (für A garplatten). Rubner') ersetzte das Eis
durch Aetherspray; sein Nebel wird gegen die zum Auflegen der
Glasplatte dienende glatte Deckplatte eines Kästchens aus starkem
Kupferblech von unten her gerichtet Der überschüssige Aether wird
durch eine Röhre aus dem Kupferhohlraum in ein Gefäss geleitet
Die ganze Einrichtung steht auf einem kleinen, mit Stellschrauben
versehenen Stativ. Langerhans8) half sich mit einer auf eine
gewöhnliche Glasplatte mit Email in der Muffel aufgekitteten zweiten,
4 mm dicken Platte, welche einen 6—8 cm im Durchm. haltenden
runden Ausschnitt erhielt; für etwaigen Transport legte er am Rand
mit Vaselin bestrichene Deckplatten auf und verbrachte die am Ent-
nahmeort z. B. des Wassers gegossenen Platten übereinandergeschichtet
in einer passenden Pappschachtel in's Laboratorium. Schimmel-
busch (4. 468) schützte die geschlossene Platte vor Verunreinigung
durch Ueberdecken einer zweiten, mittels Papprahmen getrennten und
mit Federn gehaltenen Platte. Bei der Abimpfung von der Platte
bedient sich Prausnitz (0. 9. 129) eines mittels Metallring am
Objektiv befestigten Platinbleches mit spitzwinkligem Ausschnitt, zum
Anlegen der Platinnadel. Für die Herstellung brauchbarer Platin-
nadeln,-Schaufeln, geaichten Oesen und dgl. gab von Sehlen (O. 4.
725) Anleitungen.
Der zweckmäS8igste Ersatz der einfachen Platten ist in den
Petri'schen Schalen (0. 1. 279) zu erblicken; diesen Namen be-
1) D. m. W. 87. 42. 914.
2) A. f. H. XI. 4 867.
3) Zeitscbr. f. Med.-Beamte 90. 220.
476 N*°* Littoratnr.
halten sie trotz der Prioritätsansprüche von Nicati und Rietsch
(8. 397) und einer ähnlichen früheren Angabe von Babes, welcher
sie später (O. 4. 26) insofern roodifizirte, als er der Wandung der
unteren Schale eine schiefe Richtung nach innen gab. Krön ig1)
demonstrirte neuerdings nach seiner Angabe gefertigte, das sofortige
Erhitzen in der Flamme vertragende Glasschalen.
Hauptsächlich für Wasseruntersuchungen sind Gefässe in Feld-
flaschenform mit oder ohne Aufbiegung, Einkerbung, Maasstheilong
u. s. w. angegeben worden, so von LipeZ (O. 1. 401), Rozsahegyi,
Wilfarth (2.359), Schill (6.339), Petruschky (O. 8. 609),
Kamen (0. 9. 165). Kowalski*) wählte die unpraktischste Fora
in Gestalt von Kölbchen mit flachem 10 cm im Durchm. haltenden
Boden, von dem aus die Glaswand rechtwinkelig etwa 1 cm hoch
aufsteigt, dann 10 cm hoch trichterförmig sich fortsetzt, um bei einer
Höhe von 20 cm wie ein gewöhnliches Reagenzglas zu endigen; die
Füllung geschah mit 60—75 ccm Gelatine. Kitasato3) hat die
oben erwähnten flachen flaschenförmigen Kulturgefässe, gegenüber
der Eingussöffnung mit einem Ansatzröhrchen versehen lassen, zur
Züchtung der Anaörobier H durchgeleitet und dann beide Oeffhanges
abgeschmolzen.
(Fortsetzung folgt.)
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Fronmannache Bucbdruokarel (Hermann Pohl«) In Jana.
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
GetL M. Prot Dr. Leodort m Protesor Dr. Loefller
t» Ulpxif te Onifnnüd
herougegeben roxi
Dr. O. TThlworm in Cassel.
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
X. Band. -o- Jena, den 24. Oktober 189 1. -*- No. 15.
Prei« für d«n Band (S6 Nummern) 14 lUrk.
Jährlich erscheinen swei Binde.
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Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Parasiten-
kunde" richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wünsche um Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Auf"
*&tze entweder bei der Einsendung der Abhandlungen an die
Redaktion auf das Manuskript schreiben zu wollen oder spä-
testens nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an
<fe* Verleger, Herrn Gustav Fischer in Jena, gelangen zu
Ptosen. Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
eingehende Wunsche berücksichtigen zu können.
Original -Mittheilungen.
Weiteres zur Malariafrage.
Note der Professoren B. Grassl und B. Felettl in Catania.
(Forttetsung.)
Es ist uns niemals gelungen, das Hinzukommen neuer Genera-
tionen (welche durch noch kleine Formen angezeigt werden müssten),
Joch irgend eine andere Reproduktionsandeutung auffinden zu können.
"an findet das in Bede stehende Drepanidium, wenn das Blut
ürkulirt, im rothen Blutkörperchen (ob immer?).
n In Fröschen anderer Lokalitäten fanden wir nur die kleinen
Urepanidien, während wir in denen wieder anderer Lokalitäten ausser
uen kleinen Drepanidien auch die oben erwähnte 3. Form fanden,
x.r 31
482 Grassi and Feletti,
und zwar waren ungefähr 30% der Frösche nur von kleinen Dre-
panidien, ungefähr 4—5% nur von der 3. Form, und ungefähr
6—7 % zu gleicher Zeit von kleinen Drepanidien und von der 3. Form
infizirt. Ein sehr sorgfältiges, seit vielen Monaten fortgesetztes
Studium an vielen in Glasgefässen lebendig erhaltenen Fröschen
lässt uns glauben, dass jedweder Beweis für den vermutheten Ueber-
gang aus der 3. Form in die kleinen Drepanidien fehlt 1).
Auf Grund dieser Thatsachen zögern wir nicht, zu behaupten,
dass wir drei verschiedene Parasiten vor uns haben:
Drepanidium ranarum Lk. (1. Form),
Drepanidium magnum n. sp. (2. Form),
Laverania ranarum n. sp. (3. Form).
Gehen wir nun zu den Malariaparasiten der Vögel über. Celli
und Sanfelice leugnen, dass die verlängerten Formen mit lang-
samer Entwickelung, die in der Regel sichelartig sind, einer oeueo
Art der Gattung Laverania (L. Danilewsky) angehören könnten.
Wir bringen nachstehend ihre Gründe, welchen wir unsere Recht-
fertigung folgen lassen werden.
„Die Mondsicheln (Laverania malaria Grassi und Feletti) des
Menschen sind niemals allein, mithin bilden sie nicht einen Cyclus für
sich, sondern schieben sich in den Cyclus der Formen mit rascher
Entwickelung ein, von welchen sie stets, wenn Fieber vorhanden ist,
begleitet sind.11
Wir haben früher schon erklärt, dass diese Behauptung den von
uns beobachteten und wie es scheint, auch den früher von Celli
und Marchiafava veröffentlichten Thatsachen widerspricht Io
nicht wenigen Fällen begegneten wir nur der Laverania, trotzdem
wir auch das Blut der Milz ganz kurz vor oder bei Beginn des
Fiebers sorgfältig untersuchten.
Die Verff., welche es kurz vorher nicht für unwahrscheinlich
halten, dass die Mondsicheln des Menschen steril seien
fahren folgendermaassen fort: „Auch in den Steinkäuzen mit pur
Formen von rascher Entwickelung schieben sich grosse pigmentirte
Formen ein, welche augenscheinlich an die Mondsicheln der Malaria
erinnern, sie zeigen niemals weder Segmentation, noch irgend eine
andere Art von Reproduktion. Dagegen haben die verlängerten
Formen mit langsamer Entwickelung einen eigenen und vollständigen
Entwickelungscvklus, welcher mit kleinen, runden, oder wie „8" gebil-
deten Formen beginnt und mit grossen Formen, die einen grossen
Theil des rothen Blutkörperchens eingenommen haben, endigt"
1) Diese Note wurde schon Ende April von uns geschrieben ; seitdem haben wir
in einigen Lokalitaten Frösche gefangen, welche Ausnahmen von der oben angegebenen
geographischen Verbreitung der Parasiten machten. So fanden wir s. B. ein Indiridaum,
welches von grossen und kleinen Drepanidien su gleicher Zeit infisirt war ; im Grosses
und Gänsen hatte sie sich jedoch nicht wesentlich verändert und die in Glasgeß*s*D
gehaltenen Frösche bewahrheiteten auch im Sommer, was wir im Winter an ihnen be-
obachtet hatten. In Fiumefreddo bei Acireale sind die grossen Drepanidien sehr selten,
während die kleinen sehr gemein sind. Jedenfalls haben wir niemals eine Toatstfbe
gefunden, welche für die Transformation einer Form in eine andere gesprochen hätte-
Weiteres snr Malariafrage. 483
Wir kennen sehr wohl die von den Verff. in den Steinkäuzen
geschriebenen Formen. Wir wiesen auf sie hin, als wir von gewissen
.averania formen sprachen, die stets klein bleiben, and studirten
lieselben in verschiedenen Vogelarten, deren Infektion stets beschränkt
rar und blieb ; gewöhnlich sieht man sie in Begleitung der Häma-
ooeben, welch letztere jedoch sich niemals in Segmentation zeigten.
Obige Formen wurden von uns als in ihrer Entwickelung zurück-
[ebliebene Formen (vielleicht bedingt durch ungünstige Zustände
les von ihnen heimgesuchten Wirtbes) aufgefasst.
Zuweilen sahen wir ihnen nach Monaten einige erwachsene Lave-
anien folgen. Ganz kürzlich sahen wir in einem von Haemarooeba
iraecox und den in Frage stehenden Formen infizirten Steinkauz
ene verschwinden und diese sich vergrössern, erwachsene Mondsicheln
Verden und so der Hämamöbeninfektion eine Laveraniainfektion
blgen. In anderen Steinkäuzen fanden wir, wie Celli und Sanfelice,
nonatelang Haemamoeba praecox begleitet von den oben er-
mähnten Formen, und in diesem Fall haben wir die opportunen Stadien
inden können, um folgende drei Vermuthungen aufzustellen: 1) dass
iie von Celli und Sanfelice mit den Mondsicheln des Menschen
verglichenen Formen rund werden und sieb segmentiren können, 2) dass
dieselben manchmal aus der Verschmelzung zweier oder mehrerer
Hamamöben entstehen können, und 3) dass ihre verlängerte Form von
ihrer seitlichen Stellung im rothen Blutkörperchen abhängig sein kann.
Mithin halten wir uns jetzt für berechtigt, die von den Verff.
mit menschlichen Mondsicheln verglichenen Formen manchmal für
Uverania, manchmal für Haemamoeba praecox zu halten
(vielleicht auch manchmal für Haemamoeba relicta), und zu be-
haupten, dass dieselben nicht notwendiger Weise steril sein müssen.
Dass es bis jetzt noch nicht gelungen, die Reproduktion dieser
Formen zu präzisiren, ist ein Umstand, welchem wir nur wenig Werth
beilegen können, wie wir auch die Tbatsache, dass dies bis jetzt auch
Doch nicht für die La v er an ia des Menschen hat geschehen können,
nicht für sehr wichtig halten. Hat doch bis jetzt auch noch Niemand
den Reproduktionsprozeß derLaverania Danilewsky (gewöhnliche
Mondsichel der Vögel) determiniren können, und trotzdem leugnen
vir alle, dass dies eine sterile Form sei 1).
Gewiss, die Segmentationsfiguren der Mondsicheln der Tauben
müssen existiren, dies behaupten auch Celli und Sanfelice,
yamm Btellt man nun nicht dieselbe Behauptung für die anderen mit
ihnen verglichenen Formen (kleine Mondsicheln des Steinkauzes, Mond-
sicheln des Menschen) auf? Verff. geben zu, die Art und Weise der
^Produktion der gewöhnlichen Mondsicheln der Tauben und des Uhu
nicht entdeckt haben zu können, warum wollen sie nun dies nicht
1) Celli und Sanfelice beschreiben für die Mondsichel der Vögel (L»ve-
r*n** Danilewsky) Vorginge, welche sie für Sprossfing erklären. Wir können keinen
Wood finden, welcher diese ihre Vermuthang bekräftigen könnte, auch scheinen ihr
.* Verff. selbst nnr wenig Werth beizulegen ; vergleichen sie doch später die Mond-
sichel der Vögel mit den Hämiimöhen der Tertiana and Quartana, welche ganz gewiss
Dl«ht sprossen.
81*
484 Grassi und Feletti,
auch für die Mondsicheln des Menschen und für die von ihnen mit
diesen verglichenen Formen der Steinkäuze zugeben?
Unsere Verfasser antworten, dass die Mondsicheln des Menschei
und die kleinen Mondsicheln der Steinkäuze stets von H&mamöbee
begleitet sind. Was jedoch die Mondsicheln der Menschen anbelangt
so ist, wie bereits gesagt, ihre Behauptung nicht richtig und für die-
jenigen der Steinkäuze fehlen bis jetzt hinreichende Forschungen,
um dies mit Gewissheit behaupten zu könne»/
Vielleicht bemerken nun unsere Verfasser, dass die noch sehr
jungen Laveranien des Menschen von den sehr jungen Haemamoeba
praecox un unterscheidbar seien 1). Wir fügen hier hinzu, dass sie
auch von den ganz jungen Hämamöben der Quartana ununterscheid-
bar sind; wenn aber dieser Schluss hinreichend ist, warum erklärt
man alsdann nicht für bewiesen, dass es nur eine einzige Art tob
Malariaparasiten gibt ')?
Weiter schreiben unsere Verff. :
„Die verlängerten Formen der Vögel haben Bewegungen; diese
Bewegung zeigt sich in den kleinen Formen wie mediane Einschnürung,
in den mittleren und den grossen durch protoplasmatische Fortsätze
und am Saum entlang, hauptsächlich an den Enden, durch regel-
mässige Zähnchen, von welchen sich kleine Körperchen ablösen, die
Sporen sein könnten. Die Mondsicheln zeigen dies niemals."
Wir verlangen nun von unsern Kollegen den Beweis, dass sich
diese Phänomene auch im cirkulirenden Blute bewahrheiten. Sicher
ist, dass wir in verschiedenen Vögeln (Sperlingen z. B.) niemals die
oben angedeuteten Fortsätze sahen, dass wir in den Tauben nur sehr
selten die vorgeblichen Sporen (immer ohne eine Spur von Kern!) be-
merkten, letztere jedoch sehr häufig in St rix flammea etc. vor-
fanden. Andererseits können sich auch von den Mondsicheln der
Menschen kleine Körperchen ablösen, welche beim ersten Anblick mit
den Sporen verglichen werden könnten (siehe Fig. 12 u. 13 Tafel III
der Abhandlung Celli's und Guarnieri's, 1889), aber in Wirk-
lichkeit keine Sporen sind. Auch die Mondsicheln der Menschen können.
wenn auch weniger deutlich, erkennbare Fortsätze aufweisen, nod
werden wir deren Abbildung in unserer ausführlichen Arbeit bringen.
Unsere Verff. fahren fort:
„Die Parasiten mit langsamer Entwickelang der Vögel nehmen
die verlängerte Form aus Lebensthätigkeit an, sowie diese aufhört,
werden sie sofort rund. Sie besitzen nicht wie die Mondsicheln ge-
schärfte Enden, die schwarzen Körnchen sind weder kranzartig, noch
in Centralhaufen, sondern unregelmässig in ein oder mehrere Stück-
chen vertheilt. Schliesslich entfärbt die Mondsichel des Menschen
schon von Anfang an das rothe Blutkörperchen."
1) In den Figuren der Verff. befindet sieb die Haemamoeba praecox im Cen-
trum des rothen Blutkörperchens, während G r a 8 s i und Calandrneoio beobachtet«».
dass sich die gani jungen Lav e r an! a m al ari a e des Menschen fast immer in der Nft*
der Peripherie des rothen Blutkörperchens befinden. Sind die Zeichnungen der Verff
schlecht wiedergegeben, oder drückt diese Thatsaohe ein Differentialkenneeichen swbcben
den beiden in Bede stehenden Formen aus? Die erstere Behauptung scheint die richtig«
S) Im Embryonalsustand sind, wie bekannt, viele sehr verschiedene Wesen ein«**
gans gleich.
Weiteres sur Malariafrage. 4g5
Mithin nehmen Celli und Sanfelice an, dass die verlängerten
ormen analog mit den Formen der Quartana und Tertiana seien.
Wir antworten : Auch die Mondsicheln des Menschen sind durch
ie Lebenethätigkeit verlängert, wenn wir uns so ausdrücken dürfen,
^ach die Mondsicheln des Menschen runden sich in unseren Pr&pa-
iten und versehen sich häufig mit Geissein, wie die Mondsicheln der
ögel (die der Tauben mit inbegriffen), und gerade in allem diesen
eben wir intime Aehnlichkeiten.
Was die Verschiedenheiten anbelangt, so sind sie von geringer
Bedeutung, haben spezifischen Werth und weiter nichts.
Wir können diese Diskussion nicht schliessen, ohne zu bemerken,
lass die Mondsicheln des Menschen, sowohl in ihrer so charakteristi-
chen Form, wie durch ihren schönen Kern mit einem oder mehreren
lucleolusförmigen Knoten durchaus nicht den Eindruck sterbender
SVesen machen, wie dies die Schule der Hygiene in Rom verlangt.
Aber ist es denn wirklich wahr, dass man gar nichts von der
Reproduktion der Mondsichel (Laver an ia) des Menschen und der
Vögel weiss?
Ausser dem, was wir bereits in anderen Noten gesagt, haben wir
pwi9se Mondsicheln des Menschen mit zwei Kernen gefunden, deren
jeder von Pigment umgeben war. Wir haben sowohl im Menschen
ffie in den Vögeln rundliche Mondsicheln angetroffen, welche im Centrum
riüe dichte Pigmentanhäufung aufwiesen und sich scheinbar auf dem
Wege der Segmentation befanden. Vielleicht gehen die weiteren
Stadien der Segmentation mit grosser Geschwindigkeit vor sich und
ist diese Schnelligkeit der Grand, dass man dieselben nur ausnahms-
weise vorfindet. Ein Mal ist es uns gelungen, eine Figur zu färben,
welche wir für eine segmentirte Mondsichel halten dürfen , und dies
um so mehr, da sie aus dem Blute einer Taube herstammte. In
vielen Fällen bieten sich die oben erwähnten Pigmentanhäufungen frei
in Milz und Leber dem Auge des Beobachters dar. Wir wollen nicht
verschweigen, dass wir zuweilen Figuren angetroffen haben, welche
fast anzeigten, dass die Mondsicheln sich transversal theilen und sich
dann jede ihrer Hälften wieder theilt. Jedenfalls haben wir aber
bis jetzt nur Andeutungen einer Reproduktion beobachten können.
Fassen wir Alles zusammen, so ergibt sich daraus, dass die ver-
längerten Formen der Vögel (unsere Laverania Danilewsky)
den Mondsicheln des Menschen (unsere Laverania malariae)
gleichen, und zwar:
1) vermöge ihrer charakteristischen sichelartigen Form;
2) durch die Thatsache, dass dem Blute entnommen, sie sich
häufig abrunden, mit Geissein versehen (letzteres geschieht, wenn sie
eine gewisse Dimension erreicht haben) und sich in Greisseikörper
verwandeln, welche denjenigen, die aus den Mondsicheln des Menschen
herrühren, gleichen;
3) vermöge ihrer so zu sagen versteckten Reproduktion ;
4) vermöge ihres langsamen (immer?) Evolutionscyklus.
l) Dieses Wort „hauptsächlich" findet sich auch in unserer kleinen Mittheilong
Yom Tcrg&ogenen Jahr und scheint unseren Kollegen entgangen in sein.
486 Grassi und Feletti,
Sie unterscheiden sich hauptsächlich l) von ihnen, weil die er-
wachsenen Mondsicheln der Vögel dickere Enden haben, als wie die
der Menschen, einen eiförmigen Kern besitzen und das Pigment oft
fast auf die beiden Pole des Kernes beschränkt ist, wo sich auch das
Protoplasma in grösserer Menge befindet l).
Diese Verschiedenheiten sind vielleicht weniger hervortretend,
als jene, welche zwischen den Hämamöben der Tertiana und der
Quartana existiren *).
Und gerade deshalb haben wir die Mondsicheln des Vogels und
des Menschen als Arten einer und derselben Gattung klassifizirt.
Es bleibt uns nun noch die Klassifikation anzudeuten, welche von
unseren Kollegen vorgeschlagen wurde.
Sie zeigen, wenn auch mit grosser Vorsicht, dass sie immer
noch der Meinung sind, dass eine Form sich in eine andere verwände]]]
kann und dass mithin die Malariaparasiten des Menschen eise
einzige Art ausmachen, diejenigen einer jeden Vogelvarietät oder
Art eine andere Art etc.
Unter Anderem sagen sie, dass man, wenn die Haemamoeba
praecox nicht allein und so rein im Steinkauz wäre, in der Lerche
nicht leicht die Haemamoeba praecox von der Haemamoeba
relicta unterscheiden können würde.
Sie citiren ausserdem die bereits referirten, mit den Lerchen
gemachten Experimente und schliesslich auch die während des Winters
stattgehabte Veränderung des Blutbefundes der seit dem Sommer
oder Herbst an Malariafieber Erkrankten.
Mit den Experimenten mit den Lerchen beschäftigten wir uns
schon weiter vorn, was den Rest anbelangt, so wenden wir ein:
1) Sieben hier in Gatania an Menschen gemachte Experimente
(zwei von Prof. Di Mattei und fünf von Dr. Galandr uccio); in
allen sieben Experimenten wurde nur die genaueste
Reproduktion der injizirten Form erzielt (Haema-
moeba vi vax (Tertiana), Laverania malariae (Quartana),
Laverania (quotidiana und unregelmässige Fieber). Die Beobach-
tungen dieser künstlichen Malariainfektioneu wurden monatelang
fortgesetzt3);
1) In den noch nicht erwachsenen Mondsicheln des Menschen und des Vogels itf
das Pigment in viele, ofi fast gleichmassig verstreute Körnchen vertheilt.
2) Ausnahmsweise in der Taube, fast nie im Sperling, jedoch häufig in den Schleier-
eulen verlängern sich die Mondsicheln derartig, dass sie die Form einer Brezel annehmen;
der Parasit der Tertiana und der Quartana könnte mit einer ohne Loch gerstheoeB
Breiel verglichen werden. Auch im Menschen sind die Mondsicheln auweUen sehr ver-
längert, so dass sie in einigen seltenen Fällen drei Viertel eines Ringes bilden.
8) Diese Experimente wurden s. Z. als inhuman hingestellt ! — Aus der Arbeit
Calandruccio's wird man ersehen, dass derselbe nur mit Personen cxperimeflfrt«.
welche ganz genau wussten, was sie thaten, und welche sich, sei es nun aus Liebe itf
Wissenschaft oder tum Gelde , gern die Malaria einimpfen Hessen. Wenn es gwtsttt
ist, dass ein Gutsbesitzer hundert Arbeiter in seine Heisfelder sum Reisschneiden schicken
darf und mit Sicherheit weiss, dass mindestens neunzig der Arbeiter infolgedessen *Q
der Malaria erkranken werden, ohne dass er durch irgend ein Geseta verpflichtet ist, die
Kranken wenigstens wieder heilen au lassen, so glauben wir, dass auch Dr. Cal»n*
d r u c c i o berechtigt war, oben erwähnte Experimente au unternehmen ; Experimente,
deren erstes Beispiel in Deutschland von Gerhardt gegeben wurde I
Weiteres zur Malariafrage. 437
2) nicht nur einzelne Individuen einer Art, sondern auch einzelne
\rten (Tauben) können eine einzige der oben besprochenen Formen
larbieten;
3) in allen Fällen, in welchen das Studium sorgsam und
rollständig war, sahen wir niemals eine Transformation der Para-
siten stattfinden ; wir fanden Individuen (Menschen oder Vögel), welche
ron ein, zwei oder drei Formen infizirt waren ; in jenen, die von zwei
>der drei Formen infizirt sind, kann sich für eine gewisse Zeit fast
msschiesslich nur eine Form und für eine gewisse andere Zeit fast
msschliesslich nur eine andere zeigen. Die Mondsicheln werden oft
ron den Formen der Tertiana und Quotidiana begleitet.
4) Was nun in den gemischten Fällen das Vorfinden von Exem-
plaren anbelangt, welche man nicht mit Bestimmtheit einer oder der
inderen Form zuschreiben kann, so ist das etwas, was uns nicht sehr
verwundern kann, handelt es sich doch um sehr niedere Wesen. Wir
srionern an viele analoge Fälle (Bakterien, Blastomyceten, Amöben).
Schlussfolgerung: Die Malariaparasiten sind vielfältig: Im Men-
schen existiren deren fünf Arten (siehe weiter unten); wenn man will,
kaon man sie auch Varietäten nennen, nur ist es nothwendig, fest-
zustellen, dass eine Form sich nicht in eine andere ver-
wandeln kann1). (Grassi und Feletti gegen Golgi etc.)
In Betreif der drei Gruppen (Haemogregarinen, Haemo-
proteus, Plasmodium), welche von Kruse vorgeschlagen und
von Celli und Sanfelice mit Hinzufügung der Varietäten etc.
acceptirt wurden, beschränken wir uns, zu bemerken, dass dieselben
für uns künstliche sind.
Bei der Besprechung der Arbeit Celli'* und Sanfelice 's
haben wir schon indirekt in vielen wichtigen Punkten auch die Schluss-
folgerungen von Kruse und Danilewsky kritisirt; wir müssen
jedoch hier noch ein erst kürzlich von Danilewsky (Gentralblatt
för Bakteriologie und Parasitenkunde) wieder aufgenommenes Argu-
ment berühren.
Danilewsky behauptet nämlich, dass die Geissein seines
Polymitus (Geisseikörper) normale organische Bestand theile seien.
Wir hatten dagegen eingewendet, dass der Polymitus nicht
sofort in dem aus dem Körper des Menschen oder des Vogels ent-
nommenen Blute erscheint, sondern erst nach einer Pause von
meistens mehreren Minuten.
1) Im Gentralblatt für allgemeine Pathologie etc. beehrte uns Dr.
Honti, Assistent des Herrn Prof. Golgi mit einer Kritik, deren Beantwortung ans
zu einer unnützen Polemik rubren würde, wir beschränken uns daher nur darauf, den
*>ch dafür Iuteressirenden freundlichst au ersuchen, unsere in diesem Blatte s. Z. ver-
öffentlichten Mittheilungen nachzulesen, und fügen nur hinzu, dass noch gans kürzlich
6<>}gi in der Zeitschrift für Hygiene, 1891, die verschiedenen Malariaparasiten für
"Abarten ein und derselben Parasiten s pecies" und in den Verhand-
lQngen des Medizinischen Kongresses in Berlin 1891 für „une variäte* d'une
*e°le et mäme espece parasi taire** ausgibt, während Monti doch be-
btet, „die Existenz von verschiedenen Arten von Malariaparasiten wurde schon vor
* Mren durch die ausführlichen Golgi 'sehen Beobachtungen festgestellt44.
488 Grassi und Feletti, Weiteres aar MaUriafrage.
Danilewsky antwortet, dass auch die Drepanidien, um im
freien Blute erscheinen zu können, dieselbe Pause nöthig haben und
sie desshalb doch Niemand für Zerfalls* oder AbsterbungsbildungeQ
hielte. Nun wenden wir weiter ein: Man kann die Drepanidien in
den rothen Blutkörperchen gerade so sehen, wie dieselben im Blut-
plasma erscheinen ; anderseits fehlt die Gewissheit, ob sie, wenn das
Blut circulirt, aus den rothen Blutkörperchen .hervortreten und sich
frei im Plasma bewegen können!
Danilewsky weist auf die Geschwindigkeit hiu, mit welcher
sich die Geissein zuweilen entfalten, und schliesst daraus, dass man
zur Erklärung derselben unumgänglich ein Vorbestehen der Geissela
annehmen muss. Auch macht er darauf aufmerksam, dass die Körper-
form des Polymitus stets ganz regelmässig kugelförmig ist, was
nicht mit den typischen Degenerations- und Zerfallerscheinongeo im
Einklänge steht. Wir haben die Geisseikörper, die aus den Mondsicheln
(welche unter dem Mikroskop rundlich werden und Geissein ausaeodeo)
herrühren, wohl gesehen, niemals aber ein Anzeichen des Vorher-
bestehens der Geissein beobachten können ; die Geschwindigkeit der
Entwickelung ist unserer Meinung nach kein genügender Grund.
Was aber die Form der Geisseikörper anbelangt, so haben wir sie
ziemlich oft ganz anders, als regelmässig kugelförmig gesehen (quer-
sackförmig). Auf alle Fälle erinnern wir daran, dass andere sterbende
Protozoen (Trichomonaden, Amöben) ebenfalls eine rundliche Form
annehmen.
Danilewsky ruft auch die ungewöhnliche Geschwindigkeit,
Dauer und Energie der Bewegung der in Rede stehenden Geissein
an, und hält deren Vergleich mit den von den rothen Blutkörperchen
ausgesandten Geissein für vollständig unbegründet Gewiss hatte
Danilewsky nie Gelegenheit, diese letzteren Geissein im Maximum
ihrer Entwickelung zu sehen, wie man ihnen, wenn schon selten, zu-
weilen begegnet. Wir, die wir unter den Wenigen sind, welche bis
jetzt Gelegenheit gehabt haben, sie zu beobachten, halten den Ver-
gleich mit den Geissein des Polymitus für begründet, trotz der
verschiedenen Geschwindigkeit und Energie der Bewegung.
Es ist eine Thatsache, dass die Entfaltung von lebhaft beweg-
lichen Geissein des Polymitus bisweilen noch innerhalb des rothen
Blutkörperchens vor sich gehen kann , aber auch dies spricht nicht
zu Gunsten der Anschauung von Danilewsky, da wir uns immer
nur vor einem im der Circulation entzogenen Blute bewahrheite
Phänomen befinden.
Die häufige Aussendung protoplasmatischer Körperchen (ver-
muthliche Sprossungen oder gemmulae Celli 's) gleichzeitig mit
der Bildung der Geissein, die Ueisselentfaltung der Haemamoeba
der Quartana (weniger bewegliche Geissein, als jene der Geisseikörper),
was gewiss ein Ägoniephänomen ausdrückt, das Erscheinen der Geissein
nur extra vitam, d. h. ausserhalb des Blutkreises, ihre Unbeständig^
in Zahl und Grösse, deren unregelmässige Anschwellungen, das manch-
mal Pigmentirtsein etc. bilden eine Summe von ThatsacheD, welch*
der von Danilewsky aufrecht erhaltenen Hypothese widerspricht.
(ScMum folgt.)
Glhrung. — Boden und Bakterien. 489
Referate.
byser, K., Note sur les ferments de l'ananas. (Annales de
rinsütut Pasteur. Tome V. 1891. Nr. 7. p. 456.)
In einer spontanen Gährung von Ananassaft beobachtete Verf.
ine Hefe und einen Schimmelpilz, welche er danach isolierte und
nnem genaueren Studium unterzog.
Der Hefepilz vermochte nicht, Endosporen zu bilden. Nach
»nein Aufwärmen 5 Minuten hindurch starb derselbe im feuchten
Zustande bei 53°— 55° C und im trockenen Zustande bei 100° bis
105° C ab. In Nährflüssigkeit entwickelte er im Laufe von 24 Stun-
ien eine Hautbildung. Sowohl die Nährflüssigkeit, wie auch fester
Nährboden, worin der Hefepilz gezüchtet wurde, empfingen hierdurch
eisen eigentümlichen, angenehmen Aethergeruch. Er entwickelte In-
vertin und erregte Alkoholgährung in Lösungen von Saccharose,
Dextrose, Galaktose und Maltose.
Der Schimmelpilz bildete im Inneren der Hyphen Reihen von bei-
nahe rektangulären Sporen, 10—16 Mikromillimeter lang und 3—5
breit; die Sporen sind hyalin, wie die Hyphen selbst1). Er verleiht
den Nahrungssubstraten, in welchen er wächst, einen Geruch nach
Ananas und erregt Alkoholgährung in Lösungen von Dextrose,
Galaktose und Maltose, nicht aber in Saccharose, es fehlt
ihm auch an In vertin. Emil Chr. Hansen (Kopenhagen).
Reimers, J., Ueber den Gehalt des Bodens an Bakterien.
[Dias, inaug. aus Jena.] 8°. 44 S. Leipzig 1889.
Auf den ersten Seiten seiner unter Leitung von Prof. Gärtner
angefertigten Arbeit giebt Verf. eine sehr übersichtliche Zusammen-
stellung der bis jetzt vorliegenden bakteriologischen Bodenunter-
suchungen, unter denen er mit Recht diejenigen von C. Fränkel
als die weitaus besten bezeichnet Dessen Methode hat R. auch im
wesentlichen befolgt, nur mit dem Unterschiede, dass er jedesmal
nicht, wie F., 1/60 sondern Vio ccm untersucht und sich des F.'schen
Erdbohrers wegen des felsigen Untergrundes von Jena nur ausnahms-
weise bedient hat Hierauf ist ja auch nur wenig Gewicht zu legen.
Weniger glücklich erscheint eine andere Abweichung, die B. sich er-
laubt hat. „Wir vermischten J/io ccm Erde lu einem Achatmörser
fflit verflüssigter erwärmter Gelatine und verrieben diese Mischung
bis zur feinsten Zertheilung mit dem Pistill War alle Flüssig-
keit aus dem Mörser entleert, so blieb trotz des wiederholten Um-
rührens mit dem Löffel noch ein geringer Bodensatz zurück, der sich
durch Nachspülen mit Gelatine so gut wie vollständig entfernen liess.u
Die bo verrührte Gelatine wurde in 5—7 Gelatinegläschen vertheilt,
1) Diese merkwürdige Sporenbildung erinnert an die Thiel* via basicola
z°pf'i- (8iehe das Handbuch dieses Verfallen „Die Pilie". Breslau 1890. Fig. 61.
Ref.)
490 Boden und Bakterien.
und diese zuEsmarch 'sehen Rollröhrchen verarbeitet. Bei diesem
Verfahren fehlt diejenige Vorsicht gegen das Eindringen fremdartiger
Keime aus der Luft, die wir sonst bei bakteriologischen Arbeiten zu
üben gewohnt sind, weil die Kolonieen von Schimmelpilzen, welche
sich in der Luft in Menge aufzuhalten pflegen, sich auf den Platten
u. s. w. sehr störend geltend machen, während die nur in minimalen
Mengen in der Luft vorhandenen Bakterienkeime vielleicht eher ver-
nachlässigt werden können. Freilich hatte sich R. durch eine Reihe
von Versuchen überzeugt, dass die Fehlerquelle, welche durch dieses
nicht ganz korrekte Verfahren bedingt war, gegenüber den zahllosen
im Boden vorhandenen Keimen vernachlässigt werden konnte.
R. stellte nun 3 Versuchsreihen an, erstens auf jungfräulichem,
ausserhalb der Stadt Jena gelegenem Acker- und Wiesenland, zweitens
auf städtischem, theilweise stark verunreinigtem und bis zu bestimmter
Tiefe aufgewühltem Terrain, endlich drittens auf und in der Umgebung
von Kirchhöfen.
Auf die sehr bedeutsamen Versuche kann hier im Einzelnen nicht
eingegangen werden. Von den Ergebnissen derselben ist vor allem
wichtig, dass R. wie Koch und Frank el die obersten Bodenschichten
äusserst reich an Bakterien fand, jedoch schon zwischen 1 und 2 m
unter der Oberfläche eine ziemlich plötzliche Abnahme des Bakterieo-
gehalts konstatiren konnte und weiter unten schon in 3 — 4 m Tiefe
mehrfach die Proben ganz steril fand ; einmal war dies in 6, mehr-
mals schon in 2 m Tiefe der Fall. Im bereits umgewühlten Boden
der Stadt sah er diese keimarme bezw. keimfreie Zone tiefer liegen,
als im jungfräulichen.
Ausserdem machte auch R. die bemerkenswerte Beobachtung,
dass die in Proben aus der Tiefe enthaltenen Keime auf künstlichem
Nährboden langsamer wachsen, als solche, die aus oberflächlichen
Bodenschichten stammten. Das Grundwasser fand er einige Male,
aber nicht immer bakterienfrei ; R. glaubt das letztere besonders her-
vorheben zu sollen. Nach Ansicht des Ref. ist das aber garnicht
so auffällig. Das Grundwasser verdankt seine Keimfreiheit der filtriren-
den Kraft des Bodens ; daraus folgt aber schon von selbst, dass man
garnicht erwarten darf, dasselbe überall bakterienfrei zu finden. Wo
der Boden zu grobkörnig und zu weitmaschig ist, da lässt die fü-
trirende Kraft desselben im Stiche, und alle oder ein Theil der in den
oberen Bodenschichten vorhandenen Keime gehen ungehindert ins
Grundwasser über. Daher fand R. sogar in einer Reihe von Ver-
suchen „die Grundwasser führenden Schichten reicher an Keimen, als
die Erdlagen darüber". Dann aber hat R. doch wohl nicht mit der
peinlichen Sorgfalt das Grundwasser beim Auffangen vor Verunreini-
gungen mit Erdpartikelchen geschützt, wie es G. Frank el bei seinen
klassischen Versuchen gethan hat
Hoch bedeutsam sind die Ergebnisse der Untersuchungen ß.s
von Kirchhofserde, die er theilweise aus frischen, theilweise aus
älteren, bei Exhumirungen geöffneten Gräbern entnahm : „Durch Be-
erdigungen erwies sich uns der Keimgehalt des Bodens nicht wesent-
lich beeinflusst. Weder neben noch unter dem Sarge war die Bak-
terienmenge grösser, als an den entsprechenden Stellen der Auigkicheß
Parotitis. — Pyoseptische Allgemeininfektionen. 4Q1
Terrain angelegten Kontrollgruben. Ohne Einfluss war es ferner, ob
die Proben aus einem Grabe stammten, in welchem vor 35, oder aus
einem solchen, in dem efst vor l1/, Jahren die Beerdigung statt-
gefunden hatte". Die Untersuchungen v. Esmarch's und Petri's,
durch die die alten Bedenken gegen die Kirchhöfe recht wesentlich
erschüttert wurden, finden hier also volle Bestätigung, ebenso die
Anschauungen von der geringen Bedeutung des Bodens und des
Grundwassers für die Verbreitung der Infektionskrankheiten, wie sie
die neuere Hygiene gewonnen hat.
Die fleissige und klar geschriebene Arbeit R.'s verdient alle
Beachtung. M. Kirchner (Hannover).
Dittrich, Ueber einen Fall von eiteriger Parotitis und
deren etwaigen Zusammenhang mit äusseren Ver-
letzungen. (Zeitschrift für Heilkunde. Band XII. Heft 3.)
Bei einem 60 Jahre alten Manne trat 6 Tage nach Zufügung
leichter äusserer Verletzungen eine eiterige Parotitis auf. Hierzu ge-
sellte sich eine diffuse Bronchitis und lobuläre Pneumonie. Eine
Woche nach dem Auftreten der Parotitis erfolgte der Exitus letalis.
Es handelte sich nun bei der Obduktion um die Entscheidung
der Frage, ob die eiterige Parotitis mit den multiplen leichten Ver-
letzungen in genetischem Zusammenhange stehe, oder nicht.
Zunächst erwies die bakteriologische Untersuchung den Sta-
pbylococcus pyogenes aureus als den alleinigen Erreger der
Parotitis.
Bei Berücksichtigung der rein histologischen Verhältnisse ge-
wann man den Eindruck, es handle sich um eine von den Drüsen-
ausführungsgängen ausgehende, peripher vorschreitende, eiterige Paro-
titis. In keinem der zahlreichen zur Untersuchung gelangten Schnitte
fand man mit Eiter erfüllte Blut- und Lymphgefässe.
Von wesentlicher Bedeutung war die Lagerung der Bakterien
im Gewebe. Nirgends fand man dieselben in Blut- und Lymphge-
fesen. In erster Beihe waren sie vielmehr in den Drüsenausführungs-
g&ngen gelagert Je grösser die letzteren waren, um so grösser war
im Allgemeinen auch die Menge der in denselben enthaltenen Mikro-
organismen.
Alle diese Momente gestatteten den Schluss, dass die eiterige
Parotitis hier nicht etwa von den Verletzungen aus auf dem Wege
der Girkulation, sondern durch Einwanderung desStaphylococcus
Pyogenes aureus von der Mundhöhle aus entstanden ist
Als Erreger der Pneumonie fand man ausschliesslich den Diplo-
coccus pneumoniae. Sonach konnte auch ein ursächlicher Zu-
sammenhang zwischen Pneumonie und Parotitis ausgeschlossen werden.
Dittrich (Prag).
Karlinski, Zur Kenntniss der pyosep tikämischen All-
gemeininfektionen. (Prager medicinische Wochenschr. 1891.
No. 20.)
Im Eiter bei einer Phlegmone des Unterarmes fand Verf. Trauben-
tokken und spärliche kleine, feine Stäbchen.
492 Eitorkokken im Schweine Pyimbcher. — Pemphigus neonatorum.
Kulturen erwiesen diese Mikroorganismen als Staphylococcus
pyogenes aureus und als Bacillus pyoeyaneus. Aas
letzterem konnte Verf. Pyocyanin darstellen.
Der Fall endete letal unter dem Bilde einer pyoseptikamischeo
Allgemeininfektion.
Im Milzsaft, im Blute, im Gewebssafte aus den vergrößerten
Pey er 'sehen Drüsen ergab sich die alleinige Anwesenheit d& im In-
halte der Hautblasen vorgefundenen Bacillus pyoeyaneus.
An Hunden mit diesem Bacillus vorgenommene Impfungen be-
wirkten Eiterung. Di tt rieh (Prag).
Eiseisberg, A. von, Nachweis von Eiterkokkeo im
Schweisse eines Pyämi sehen. (Aus der Klinik Billroth
in Wien. — Berliner klin. Wochenschrift 1891. No. 23.)
Fall von Osteomyelitis mit Nekrose des Oberschenkelknochens.
Lange Dauer des Prozesses. Neuerlich akute Eiterung daselbst and
im Kniegelenk. Amputation bei schwerer Pyämie mit Metastasen im
Schulter- und Sprunggelenke. Vorübergehende Besserung mit gleich-
zeitiger sehr starker Schweisssekretion. Tod in Folge weiterer
Metastasen (Lungenabscesse, Perinealabscesse mit folgender circum-
scripter Peritonitis).
Im Eiter des Kniegelenkes, der Schultergegend, des Blutes und
des Schweisses konnte Verf. den Staphylococcus pyogenes
aureus nachweisen.
Verl ist geneigt, aus dem Befunde von Eiterkokken im Schweisse
das Vorkommen von septischen Exanthemen und die bei schweren
Eiterungen zuweilen auftretende Furunkelbildung zu erklären.
In 2 Fällen gelang Verf. der Nachweis von Eiterkokken in der
Milch von Frauen, wache an mit Eiterung einhergehenden Krank-
heitsprozessen erkrankt waren. Dittrich (Prag).
Almquist, Pemphigus neonatorum, bakteriologisch und
epidemiologisch beleuchtet (Zeitschrift für Hygiene.
Band X. Heft 2.)
Verf. untersuchte bei 9 neugeborenen Kindern die Pemphigus-
blasen bakteriologisch. In Gelatineplatten entwickelten sich nach
einigen Tagen eine unendliche Menge sehr kleiner, deutlich gelber
Kolonieen, die die Gelatine bald völlig verflüssigten ; andere Kolonieen
waren grösser und isolirt und es bildete sich um jede Kolonie bald
ein centimetergrosser Hof von verflüssigter Gelatine. Die Kolonieen
sind unter dem Mikroskope granulirt, rundlich und besitzen scharfe
ebene Kontouren. In Stichkulturen wird die Gelatine bei 20° C bald
völlig bis zum Boden verflüssigt. Auch in Bouillon und auf Agar
wächst dieser Mikroorganismus gut.
In mikroskopischen Präparaten, die von dem Blaseninhalte an-
gefertigt wurden, fand man Eiterzellen und kleine Häufchen von
Mikrokokken. Letztere färben sich sehr leicht.
Die lebenden Kokken bilden gewöhnlich Diplokokken, dazwiseneo
kommen sie auch vereinzelt vor. Die Grösse der Kokken L '"
Braun, Berieht Aber die Fortschritte in der UderUehen Paratitenkuide. 49g
),5 bis 1 ix. In getrocknetem und gefärbtem Zustande sind sie etwas
(deiner.
Verf. hat mit Reinkulturen der vorgefundenen Kokken Impfungen
in rieh selbst, und zwar am Arme vorgenommen. An den Impfstellen
abwickelten sich nach 2 bis 3 Tagen wirkliche Pemphigusblasen.
Der Prozess hielt sich oberflächlich in der Epidermis.
Verf. hält diesen Mikroorganismus für den Pemphiguserreger in
ien von ihm untersuchten Fällen und nennt ihn Micrococcus
pemphigi neonatorum. Derselbe zeigt eine grosse Lebens-
fähigkeit und bleibt beim Eintrocknen lebensfähig.
Dittrich (Prag).
Bericht über die Fortschritte in der thierisohen
Parasitenkunde.
Von
M. Braun
in
Königsberg L P.
(Fortaetsung.)
D. Nematodes.
0. Hamann (61) gibt einen vorläufigen Bericht über seine
anatomischen Untersuchungen an Nematoden, besonders an Leca-
oocephalus aus dem Seebarsch der Adria. Das Thier besitzt nur
ein Exkretionsgefäss in der rechten Seitenlinie, welches unterhalb des
Nervenringes nach aussen mündet und etwa in der Körpermitte durch
einen feinen Porus mit der Leibeshöhle in Verbindung steht; diesem
Endabschnitt soll ein Gl om er ulus -artiger Körper anliegen. Zwei
solcher Qefässe, welche getrennt in die Leibeshöhle münden, besitzt
auch Dochmius. Eigenthümliche Zellen in den Seitenlinien sollen
eine ähnliche Rolle spielen, wie die Terminalzellen im Exkretionssystem
<tar Plathelminthen — es geht aus diesen Angaben nicht sicher genug
hervor, ob die Exkretionsorgane der Nematoden nähere Beziehungen
zu denen der Platt- oder zu denen der RingelwOrmer haben.
VonLinstow (62) veröffentlicht Beobachtungen über O o r d i u s
toi os an us (cf. d. Centralbl. IX. 1891. pg. 760), die auch die
Anatomie betreffen.
Verschiedene Autoren haben einen Zahn bei den Embryonen
tarAscariden beschrieben und darauf hin die Vermuthung aus-
gesprochen, dass dieser Zahn auf das Einbohren in einen Zwischen-
*vth hinweise; obgleich die letztere Anschauung durch die Versuche
Qrassi'8 und Calandruccio's hinfällig geworden ist, ist es doch
nicht ohne Interesse, zu hören, dass nach Ch. W. Stiles (63) dieser
vermeintliche Zahn (bei Asc. lumbrieoides) nur die Anlage der
drei Mundpapillen darstellt
494 Braun,
Drei Fälle der cochiochinesischen Diarrhöe, welche durch
Rhabdonema strongyloides Lkt. (=Anguillula in testi-
nalisBavay) verursacht wird, beschreibt P. S o n s i n o (64) vod Pisa :
1. P. 8., 68 Jahr alt, Erdarbeiter, tritt in das Hospital am 21. YH
1889 wegen schwerer, mehrmonatlicher Diarrhöen und eines Hodenaack-
bruohes; Pols anregelmässig, Fasse oedematös, es besteht Erbrechen
and Diarrhöe; in den Faeces Embryonen von Rhabdonema and
Ceroomonas intestinalis. Patient starb am 24. Juli; die Sektion
ergab Atherom der Aorta und ihrer Klappen, kleine Milz, alte pleorituehe
Adhäsionen. Darm stark hyperaemisch, mit Erosionen der Mueosa so-
wohl im Dünndarm als im Colon; zahlreiche Rhabdonema.
2. A. M., 25 Jahr alt, erst Ziegeleiarbeiter, seit 2 Jahren Kärrner,
leidet seit 2 Jahren; Patient ist sehr anaemisoh, klagt über Schmerzen
auf der linken Brustseite; Husten nicht vorhanden, doch starkes systoli-
sches Geräusch. Die Diagnose (IX. 1889) wurde zuerst auf Anchylo-
stoma gestellt und demgemäss verfahren, doch kamen nur 2 Ascarii
lumbriooides zum Vorsohein. Patient trat am 21. IX. ins Spital,
in den Faeces wurden die Embryonen der Rhabdonema oonstatirt,
ebenso Eier von Trichocephalus. Der Patient erhielt Liq. ferr.
sesquichlor., unter welcher Behandlung der Zustand sich besserte; am
5. Oktober wird Thymol gegeben, worauf am 6. die Embryonen in den
Faeces alle abgestorben waren ; am 1 1 . X. sind solche nur noch ausser-
ordentlich selten; am 20. X. tritt P. in bester Gesundheit ans.
3. S. L., 56 Jahr alt, erst Schneider, seit einigen Jahren Fahrmann,
kam am 20. III. 91 mit Enteritis ins Spital; sein Leiden ist, wie ei
Sonsino am 25. April erklärte, über ein Jahr alt; nach einem durch-
gemachten Inf lue n za- Anfall war Husten und Diarrhöe nachgeblieben;
es bestand Bronchialkatarrh, Eiterung der Axillardrüsen, starke Ab-
magerung trotz erhaltenem Appetit; profuse Diarrhöen, Oedem an
Händen und Füssen. In den Fäoes zahlreiche Embryonen von Rhab-
donema; die eingeleitete Kur hat keinen Erfolg, der Kranke starb 10
Tage, nachdem ihn S. in Behandlung genommen hatte. Bei der Autopsie
fanden sioh zahlreiche Veränderungen der Organe, die hier nicht inter-
essiren, und im Darm noch lebende Embryonen der Rhabdonema
A. Railliet (65) führt den Nachweis, dass der in den Bronchien
der Pferde vorkommende Strongylus nicht, wie man bisheran-
nahm, Str. micrurus Mehl, ist, sondern Str. Arnfieldi Cobb.
Neue Arten:
1. Spiropterina inflata in Soyllium immoratum, Ost-
indien (L in stow [29]).
2. Filaria hyalina in Sorex vulgaris (ibidem).
3. F. bhamoensis ia Aoido theres albooinctus (C. P»-
rona [57]).
4. F. maorophallus in Hydrosaurus salvator (ibidem).
5. F. M ontioelliana in Sylvia atrioapilla u. Poecile
palustris (Stossich [31]).
6. Asoaris mioropapil lata in Pelecanus sp. (ibid.).
7. A. oy nonycteridis in Cynonyoteris amplexioaudata
(C. Parona [57]).
Bericht über die Fortschritte in der thieriftchen Parasitankunde. 495
8. A. Gestri in Tropidonotus qui n ounciatus (ibid.).
9. A. graoillima (larva) in Cobitis barbatula, Phoxi-
nus laevis u. Gast er Ostens aouleatus (L instow [29]).
10. Oxjsoma terdentatnm in Triton oristatns (ibii).
11. Triohosoma spinnlo sum in Fuligula ferina (ibid.).
12. Heterakis Feae in Testudo sp. (C. Parona [57]).
13. Biotnlaria Elvirae in Seiurus rufigenis (ibid.).
14. Physaloptera yarani in Yaranns bengalensis (ibid.).
Neue Wirthe:
Faloo communis fdr Filaria foveolata Moli n (Stos-
sich [31]).
TJmbrina oirrhosa u. Mugil cephalus fdr Leoanoo epha-
lus annulatus Mol. (Sonsino. [23]).
Platessa passer für Heterakis fusiformis Molin (Stos-
sich [28]).
Lyrurus (Tetrao) tetrix für Heterakis oompar Sobr.
(Stossioh [32]).
Canis familiaris für Filaria aoutiusoula Mol (ibid.).
Emys lutaria für Cuoullanus Dumerilii Poir. (Stos-
aioh [33]).
Nyotioorax ardeola für Asearis miero cephala (ibid).
Cottus soorpius für Asearis soleae Rud. (Braun [34]).
E. Acanthoeephala.
Ueber die interessanten Kratzer liegen zwei grosse Arbeiten vor,
die allerdings beide noch nicht abgeschlossen sind. Das Referat über
die eine von Joh. Kaiser (66) müssen wir uns vorbehalten, da sie
mitten im Text abbricht, wogegen die von O. Hamann (67) einen
Abschluss zeigt Bei der grossen Fülle neuer, wichtiger und wohl-
begründeter Daten ist ein knappes Referat unmöglich; ein ausführ-
licheres dürfte aber an dieser Stelle um so weniger erwünscht sein,
&ta die Arbeit H a m a n n 's vorzugsweise zoologisches Interesse bietet
und sowohl die Embryonalentwicklung, als besonders die Histogenese
der Organe und derqn Struktur behandelt, ein Kapitel, das für den
Morphologen anziehend genug ist, da es hier relativ leicht gelungen ist,
die Organe bis zu der ersten, aus einer oder mehreren Zellen bestehen-
den Anlage Schritt für Schritt zu verfolgen. Der noch in der Ei-
sehaie eingeschlossene Embryo besteht aus einer peripheren Masse
Wasser Zellen, die einen centralen Zellenhaufen einschliessen; aus
letzterem gehen, wie dies R. Leuckart gefunden hat, fast alle
Organe des Körpers hervor. Die periphere Schicht liefert nur die
Haut and macht eine eigenthümliche Metamorphose durch, indem
die Zellen nach Ueberführung der ausgebildeten Eier in den Zwischen-
Jirth unter einander verschmelzen und nur einige wenige, aber riesige
Kerne behalten — die einzelnen Phasen sind nicht bekannt. Bei den
meisten Arten zerfallen diese Kerne in eine grössere Anzahl kleinerer,
die sich mehr in der Tiefe der immer mächtiger werdenden Haut-
schicht anordnen, während auf dieser eine Cuticula -und innerhalb
des Syncytiums Fasersysteme, sowie das Kanal- oder Lakunen-
Braun,
System auftritt Nur bei Echinorhynchus clavaeceps bleibt
die Haut während des ganzen Lebens auf dem Jugendstadium, <L h.
als Syncytium mit wenigen Riesenkernen bestehen.
Die rftthselhaften Lemnisken erweisen sich, wie dies bereits
Leuckart angab, als paarige, nach innen sich entwickelnde Aus-
wüchse der Haut, deren Struktur sie besitzen; sie bleiben auch bei
Ech. clavaeceps auf dem niedrigen Zustande der übrigen Haut
und besitzen nur je zwei Kerne, obgleich sie fast 3 mm lang sind.
Die Funktion der Lemnisken sieht H. darin, dass sie die in ihrem
Lakunensystem enthaltene Flüssigkeit bei Ausstülpung des Küsseis
mit nach vorn treiben und diese bei der Zurückziehung des Orgaoes
wieder aufnehmen.
Die Körpermuskulatur bildet 'sich aus der peripheren Schicht
des zentralen Zellenhaufens, die sich abspaltet, damit zugleich die
Leibeshöhle entstehen lftsnt und sich der Innenfläche der Haut wie
ein einschichtiges Epithel anlagert; nach Art der Epithelmuskelzellen
bildet nun diese Schicht zunächst die Ringsmuskulatur des Körpers,
wahrend später durch Zellen derselben Schicht, die sich aber von
vornherein an der Bildung der Riogsmuskeln nicht betheiligt haben,
sondern nachträglich aus dem Verbände der Epithelmuskelzellen nach
innen rücken, die Längsfaserschicht geliefert wird.
Alle übrigen Organe, der Rüssel mit seinen Haken und Scheiden,
das Ganglion, die Genitalien etc. sind Bildungen der zentralen Zellen-
masse, die Hamann als Entoderm anspricht. Bemerkenswert ist
die Angabe, dass um den tief in der Darmwand sitzenden Rüssel,
Bulla und Hals von Ech. proteus (Hecht und Aesche) eine Ver-
kalkung in der Grundsubstanz des Bindegewebes der Darmwand
eintritt.
In biologischer Beziehung ist der Nachweis von Interesse,
dass Ech. proteus unter Umständen zwei Zwischen wirthe
hat, indem die aus den Embryonen inGammarus pulex entstehen-
den Larven mit ihren Wirthen in verschiedene kleine Süsswasserfische
(Phozinus laevis, Cobitis barbatula, Gobio fluviatilis,
Gasterosteus aculeatus und punguitius) gelangen, dort aber
sich nicht im Darm ansiedeln, sondern diesen durchsetzen und sich
auf der Leber ansiedeln. Der definitive Wirth ist wenigstens für die
untersuchte Lokalität, die Leine bei Göttingen, die Bachforelle.
In systematischer Hinsicht ergab die Untersuchung der
Wiener Sammlung, dass D i e s i n g unter dem Namen Ech. proteus
Westr. zwei ganz verschiedene Arten vereinigt hat; nur auf die Exem-
plare mit 23—24 Hakenreihen passt die Westr um b'sche Beschrei-
bung, die anderen mit nur 10 Hakenreihen gehören zu einer neuen
Art, welche Hamann Ech. Linstowi tauft; diese letztere war
vorhanden aus dem Darm von Abramis ballerus, Idus mela-
notus, Alburnus bipunctatus u. Acipenser huso. Ferner
wird beschrieben Ech. Lotzii n. sp. aus dem Darm von Bufo
agua aus Brasilien.
P. M6gnin (68) hält noch immer an seiner Ansicht fest, dass
die Lemnisken der Acanthocephalen Reste eines verloren gegangenen
Darmes sind, der gegabelt war, wie bei den Trematoden ! Er ist
Berieht über dia Fortsehritte in der thlerisehen Parmsitenkonde. 497
fernerhin der Meinung, dass die Embryonen von Ecb. proteus
nicht nur in Gammarus pul ex sich zur Larve entwickeln, son-
dern auch im Darm der Fischotter, weil er n&mlich auf und in
Faeces von Lutra, die ihm ein Otternjäger gesandt hatte, rothe
Körperchen fand, die sich als Entwickelungsstadien von Ech. pro-
teus herausstellten. An die näher liegende Erklärung, dass diese
Stadien, die sich bei Lutra im Darmlumen (!) entwickeln sollen, aus
verzehrten Gammariden stammen, scheint M. nicht zu denken.
Ausser den bereits angeführten werden noch folgende neue
Arten beschrieben:
1. Ech. oroatioui in Syrnium uralense (Stossioh [31]).
2. Eoh. taeniaeformia inCaranx ap. Ostindien (v. Linitow
[28]).
3. Seh. Ninnii in Putorius vulgaris (Stoaaioh [83]).
Neue Wirthe:
Ciroua aeruginoaua ffir Eoh. globooaudatui Zed. (Stos-
sioh [31]).
Himantopua melanopterui für E. lanoea Weatr. (ibid.).
Corvua cornix für Eoh. terea Weitr. (ibid.).
Thynnua vulgaris für Eoh. priatia Rud. (ibid.).
Syrnium uralense für Eoh. globooaudatua Zed. (8toa-
lich [81]).
Striz lapponioa für Eoh. tuba Rud« (Lö'nnberg [27]).
Balaenoptera borealia für Eoh. porrigena Rud. (ibid.).
Crenilabrus griseua für Eoh. labri Rud. (Sonaino [22]).
Pagellus erythrinua u. Raja aateriaa für Eoh. pro-
pinquua Duj. (Stoaaioh [28]).
Box boops für Eoh. priatia Rud. (ibid.).
Oobiua ophiooephalua für Eoh. propinquua Duj.
(Stoaaioh [32]).
Thymallua vexillifer u. Barbua plebejua für Eoh.
Proteus Weatr. (ibid.).
Emys lutaria für Eoh. anthuris Ouj. (ibid.).
Abramis brama für Ech. Linstowii Harn. (Braun [34]).
F. Anneliden
Unter den Boratenwürmern sind schmarotzende Arten ausser-
ordentlich selten, weshalb es wohl gerechtfertigt ist, mit wenigen
Worten auf einen neuen Fall einzugehen, den deSaint-Joseph (69)
beschrieben hat Der betreffende Borstenwurm, der den Namen
Labrorostratus parasiticus n. gen. n. sp. erhalten hat, gehört
zu den Lumbriconereiden und schmarotzt in der Leibeshöhle an-
derer Anneliden, so bei Odontosyllis ctenostoma, Eusyllis
monilicornis, Syllis prolifera, Pionosyllis lamelligera
und Grub ea clavata. Oft sind die Wirthe nur wenige Millimeter
länger, als ihr Gast, der bis 8 mm lang wird, aber doch geschlechts-
reif ißt; es bleibt fraglich, auf welchem Wege und auf welchem
Stadium der Parasit in seinen Wirth eingedrungen ist. Andere Fälle
sind das Vorkommen einer Amphinome bei Lepas anatifera,
*••*• 82
498 Balantidium coli.
ferner Alciopina parasitica, deren Larven in Cydippe densa
leben, Oligognathus bonelliae bei Bonellia, Haemato-
cleptes terebellidis bei Terebellides Stroemii u. Lum-
briconereis sanguinea; viel häufiger ist Raumparasitismus unter
den Borstenwürmern.
Qt. Mollusca.
Mit Rücksicht auf unser Referat über parasitische Lamellibranchier
(vgl. d. Centralbl. V. 1889. pg. 241) führen wir noch einen weiteren
Fall an, den A. Voeltzkow (70) vor Kurzem veröffentlicht hat
Im Oesophagus einer Synapta (von Sansibar) lebt eine kleine,
2 — 3 mm. lange Muschel (Entovalva mirabilis n. gen. n. sp.)
und kriecht mit Hilfe ihres keilförmigen Fusses lebhaft umher. Rück-
bildungen, die in Folge des Parasitismus hier aufgetreten wären,
sind kaum zu nennen. Die Eier des Thieres gelangen in einen von
den Mantellappen begrenzten Brutraum und machen dort den grössten
Theil ihrer Entwickelung durch; von hier werden sie in den Dann
des Wirthes entleert, den sie per anum verlassen, um als freischwim-
mende Larven im Wasser zu leben. Wahrscheinlich dringen die jungen
Thiere, nachdem sie im Freien ihre Metamorphose durchgemacht
haben, direkt durch den Mund in den Darm ihres Wirthes ein —
der Autor hat wiederholt aus dem Darm herauspräparirte Entovalven
in die Synapten hineinkriechen gesehen. Im Darm derselben Synapten
kommen auch noch parasitische Schnecken von 2—3 mm Lange vor,
die wie Stylifer etc. einen sehr langen Rüssel besitzen (vgl. d.
Centralbl. V. 1889. pg. 444).
(Schluss folgt.)
Ortmann, K., üeber Balantidium coli. (Berl. klin. Wchschr.
1891. Nr. 33. S. 814.)
Ein Matrose ging der Kieler med. Klinik mit den Erscheinungen
des chronischen Darmkatarrhs (Verdacht auf Darmtuberculose) zu.
Die Diarrhöen trotzten den verschiedensten Medikamenten, wie Tannin,
Wismut, Golombo, Naphtalin, Kreosot. Erst als im Stuhl, und zwar
in den ihm beigemischten Schleimflocken das Vorhandensein von
Balantidium coli nachgewiesen war und in Versuchen ausserhalb
des Körpers u. a. Chinin als schädlich für diese Mikroorganismen
sich erwiesen hatte, gelang es, durch Ghininklysmen mit kombinirter
Darreichung von Chinarindenpulver in keratinirten Pillen per os den
Zustand des Kranken erheblich zu verbessern und die Diarrhöe zu
beseitigen. Immerhin liess sich nach der Entlassung des Patienten,
dessen Infektion wahrscheinlich in Brasilien erfolgt war, ein einzelnes
Exemplar von Balantidium im Darmschleim auffinden.
Die Versuche ausserhalb des Körpers geschahen an dem im
Original näher beschriebenen und abgebildeten Protozoen in der
Weise, dass in der feuchten Kammer die Zeit des Absterbens nach
Zusatz von Chlornatrium (8///o)> Karlsbader Wasser, Kaliumperman-
Heim, Die Neuerungen d. bakt ünteriuchungunethoden seit d. Jahre 1887. 499
ganat, Salzs&ure, Essigsäure, Tannin und Chinin in verschiedenen
Konzentrationen beobachtet wurde. Die meisten der Mittel hatten
den Tod der bewimperten Infusorien binnen Kurzem, Chinin in 1 °/00
Lösung z. B. schon innerhalb 5 Minuten zur Folge. Ohne die Zu-
sätze blieben sie länger am Leben, aber nur einmal gelang es, sie
in der feuchten Kammer bei Z. T. 24 Stunden zum Theil lebend zu
erhalten; auch bei K. T., im Stuhl und im Darmschleim war ihre
Lebensdauer nur eine kurze. Auffallend erscheint es, dass die
Anaerobiose keine Berücksichtigung fand, z. B. mittels des Bu eb-
ne r'schen Pyrogallol- Verfahrens, welches nach NikiforoffT) beim
hängenden Tropfen leicht angewendet werden kann. Naheliegend
wäre auch die Untersuchung über das Verhalten der Thiere gegen-
über anderen Mitteln, wie Salicylsäure , Sublimat u. dgl. und die
innere Verordnung von Kalomel gewesen. Heim (WQrzburg).
Untersuchungsmethoden, Instrumente etc.
Die Neuerungen auf dem Gebiete der bakteriologischen
Untersuchungsmethoden seit dem Jahre 1887.
Zusammenfassender Bericht
von
Dr. L. Helm,
k. b. StabMrit und Privatdosentan.
(FortoeUung.)
Zeitersparniss und Vermeidung aller Hilfsapparate verband
Soyka'), wo es sich nicht um Zählung, sondern Isolirung der
Keime handelt, mit sehr geringem Verbrauch an Nährmaterial durch
Verwendung flacher Doppelschalen, deren untere etwa 7 — 9 Aus-
schlifie besitzt zur Aufrahme weniger Tropfen des Nährmaterials;
mittels Platinöse werden die Verdünnungen vom 1. Tropfen aus vor-
genommen. Den im Beagenzröhrchen zurückbehaltenen Rest der
Nährgelatine verwende ich zur Anlegung irgend einer Verdünnung
als Rollplatte. Günther8) beschickt einen sterilen Objektträger
oder die Innenwand des Deckels einer Petri'schen Schale mit 4—5
isolirten Tropfen Bouillon oder sterilisirten Wassers. Sie werden der
Reihe nach vom ersten aus infizirt, vom letzten Tropfen kommt eine
Oese in ein Röhrchen mit verflüssigter Gelatine oder Agar, welches
in die Petri'sche Schale ausgegossen wird. Der mit den Tropfen
beschickte Deckel bleibt während der ganzen Beobachtungszeit auf
dem Schalchen liegen.
1) S. Bef. Bd. IX. 8. 291.
*) D. m. W. 88 43. 876.
3) Einführung etc. S. 113.
500 Hel,n'
Bilder von Kulturen auf Platten erhält man nach de Griaxa
(O. 3. 700) durch Auflegen auf lichtempfindliches Eiweisspapier und
Behandlung des letzteren im Tonfixirbad.
Auch das y. Esmarch'sche Rollplattenverfahren wurde you
Manchen abgeändert Schill (0. 5. 337) schob zwei Reagenzgläser
in einander, zwischen welche die besäte Gelatineschicht zu liegen kam,
ferner empfahl er, wie Marpmann1), Medizinflaschen von 100 bis
200 ccm Inhalt an Stelle der Reagenzgläser. Gleichmässiges Aus-
rollen erzielte Hermann (O. 7. 56) durch ein kleines, ein Gestell
im Kreis bewegendes Mühlrad, Prausnitz (0. 9. 128) durch
einen mit Kurbel drehbaren Apparat. Zur leichteren Zählung zog
Tayel (O. 5. 652) mit einem Glasstifte Linien auf der Aussenseite
des Reagenzglases.
Zur quantitativen Einfallung des Nährmaterials in die Gefasse
hat Wilfarth (2. 369) einen eigenen Scheidetrichter fertigen lassen.
Derselbe wird jedoch von dem sehr brauchbaren Treskow'schen
Apparat s) übertroffen. Von dem mit einer rechtwinkeligen Bohrung
versehenen Hahn einer Art grossen Scheidetrichters geht seitlich ein
kleines Messgefäss U-fÖrmig nach oben ab, in welches bei der ersten
Stellung des Hahnes das Nährmaterial einströmt, während eine weitere
Drehung des Hahnes den Ausfluss der abgemessenen Menge in ein
untergehaltenes Oefäss von statten gehen Tässt.
Die Kulturgefässe kann man mit Wattepfropfen versehen, welche
durch Wasserglas nach Bartoschewitsch (0. 4. 212) form- und
feuerbeständig gemacht wurden.
Flaschen und Gefässe zu verschiedenen Zwecken.
Zur keimfreien Aufbewahrung von Flüssigkeit bei gleichzeitiger Mög-
lichkeit, jederzeit beliebige Mengen entnehmen zu können, hat Plaut
(O. 3. 127; 4 152) eine gewöhnliche Spritz flasche gefüllt steri-
Usirt, gut gedichtet, am Einführungsrohr mit Ballon und kurz vor
der Ausflussöffnung mit einem Quetschhahn versehen. Die Soyka-
sche Spritzflasche3) theilt mit ihr den Nachtheil, dass die Ausfluss-
öffnung nicht genügend geschützt und einwandsfrei steril gehalten
werden kann. Babes (O. 4. 26) versah sie deshalb an seiner etwas
komplizirten Flasche mit einer glockenartigen Schutzvorrichtung.
Eine solche wurde mit Watteverschluss von Forster4) angegeben
und von Hueppe6) empfohlen. Neuerdings wurde von ELMuencke
eine leider aus sehr dünnem Glas gefertigte, ein einheitliches Ganze
darstellende Spritzflasche, nach dem Forster-Hueppe "sehen Prin-
zip ausgeführt, in den Handel gebracht. Noch ist der von Beyerinck
(0, 9. 589) beschriebenen Modifikation zu gedenken, mit weicherer
eine mit dem weniger kurzen, als inhaltsreichen Namen belegte
„KapUlarhebermikroskopirtropfenflasche" bezw. ein „Kapillarheber-
bakterienkulturkölbchen" zu Wege brachte.
1) Archiv d. Pharm. XXVI. 16.
%) Repertorinm der analyt Chemie. 87. 605.
3) s. D. m. W. 88. 43. 876.
4) A. f. H. III. 468.
6) Methoden. S. 273.
Die Neuerungen d. beJUeriol. üntersachungimethoden seit dem Jahre 1887. 501
Den komplizirten Apparat, welchen Bachner bei seinen be-
kannten Untersuchungen Aber den Durchtritt der Infektionserreger
durch die intakte Lungenoberfläche zur Zerstäubung infektiösen Ma-
terials verwendete, hat er späterhin wesentlich vereinfacht und (O.
6. 274) beschrieben und abgebildet.
Th. Smith (O. 7. 503) empfiehlt die zur qualitativen und
quantitativen Bestimmung des Zuckers im Harn gebräuchlichen Gäh-
rungskölbchen für bakteriologische Untersuchungen, namentlich zur
Bestimmung der Gasbildung seitens der Ana£robier. Für ähnliche
Zwecke dürfte sich wohl auch die höchst einfache Anordnung von
Moritz1) verwenden lassen: „Ein Reagenzröhrchen wird mit der
Mischung von Harn und Hefe bis zum Band gefüllt und dann durch
einen Gummistopfen geschlossen, der jn einer Bohrung ein (zweimal)
kleieförmig gebogenes Glasröhrchen trägt Beim Verstopfen füllt sich
letzteres mit verdrängtem Harn. Der Apparat ist nun völlig luftleer
und kann umgedreht werden, ohne dass ein Tropfen ausfliegst. Das
Röhrchen wird in ein Glas gestellt und an einem warmen Orte der
Gährung überlassen".
Spritzen. Die Koch'sche Spritze wurde mehrfach zu ver-
bessern oder zu ersetzen gesucht. So beschrieb Tursini einen als
Ersatz für sie bestimmten Apparat, der bei seinen geringen Vortheilen
so komplizirt ist, dass ich auf seine Beschreibung verzichte *). Hand-
licher und geeigneter erweist sich die Methode von Petri (O. 4.
785), welcher an eine Vollpipette vorn eine Kanüle, hinten ein mit
Glashahn versehenes Ballongebläse ansetzte. Tavel (O. 5.550) er-
setzte die Kanüle durch ein graduirtes spitzes Glasrohr; mittelst
verschliessbaren Gummischlauches wird es mit einer Spritze in Ver-
bindung gesetzt. Vorzüglich ist die einfache, leicht sterilisirbare
Spritze von Stroschein (7. 746). Den Lederstempel für Spritzen
liess Strauss (9. 737) aus hitzebeständigem, komprimirtem Hollun-
dennark fertigen. Die übrigen Modifikationen der Pravaz 'sehen
Spritze, wie sie von Schüller8), Overlach4), G. Meyer5) an-
gegeben wurden, sind mehr für die Praxis, als fürs Laboratorium be-
stimmt.
Aenderungen an der Kanüle nahmen Hochstetter, sowie
Stevenson und Bruce vor. Ersterer (2. 159) Hess für seine
speziellen Zwecke die Ausflussöffnung seitlich unter der Nadelspitze
anbringen, letztere (0. 9. 689) verwandten für intraperitoneale Injek-
tionen gekrümmte Kanülen, deren Durchbohrung nur bis zur Mitte
reicht und hier seitlich nach aussen mündet.
VH Anlegung von bakteriologischen Sammlungen und Museen.
Zur dauernden Aufbewahrung von Kulturen, so dass sie jeder-
zeit in ihrer charakteristischen Form besichtigt werden können, hat
1) M m. W. 91. 2. 29.
2) i. J. B. UI. 488.
3) B. kl. W. 88. 26. 29. 585 ; 595.
4) B. kl. W. 88. 28. 575; D. m. W. 90. 40. 899. •
5) D. m. W. 90. 8. 96.
502 Heim,
man sie entweder in einzelnen Theilen aus festen Nährböden oder
im Ganzen konservirt In ersterer Beziehung haben schon im Jahre
1886 Garrg und Plaut aus Platten Kolonieen ausgeschnitten.
Garrä1) trocknete die Gelatinestückchen auf dem Objektträger und
schloss sie mit einem Tropfen konz. Glyceringelatine unter dem Deck-
glase ein, Plaut2) erwärmte sie mit wenig Wasser bis zur Zäh-
flüssigkeit und umgab das aufgelegte Deckglas mit einem Lackring.
Lipez (0. 1. 402) Hess die Kolonie auf einem mit dem infizirten
Nährboden überzogenen Deckglas zur Entwickelung kommen, trock-
nete im Ezsiccator und verfuhr dann wie mit gewöhnlichen Deck-
glaspräparaten. Jacobi (O. 3. 536) setzte die in möglichst dünner
Schicht ausgebreitete, kolonieentragende Gelatine erst der Einwirkung
von 1% KaliumbichromatlösuRg 1 — 3 Tage bei Lichtzutritt aus,
härtete sie nach Auswässerung in Alkohol und zerschnitt sie in
Stücke, um diese wie Gewebsschnitte zu färben und einzuschliessen.
Theilchen von Agarplatten konservirte Günther (6. 247) in der
Weise, dass er sie in ein auf dem Objektträger befindliches Tröpfchen
Glycerin brachte, nachher ein zweites Tröpfchen und schliesslich das
Deckglas darauflegte; dem Absaugen etwa überschüssigen Glycerins
mit Hülfe eines Kapillarrohres liess er den Lackverschluss folgen.
Der Herstellung von Schnitten aus Stichkulturen nach Weigert,
Fischl, Neisser wurde schon früher gedacht.
Um die Erzielung von Dauerpräparaten ganzer Stich- und
Strichkulturen haben sich vor Allen Soyka (0. 1. 542) und Kral
verdient gemacht. Die schönen K r & 1 'sehen Demonstrationsobjekte wer-
den jedem Besucher von Ausstellungen wohl bekannt sein. Kr AI ver-
folgte verschiedene Methoden zu ihrer Herstellung. Für Kulturen auf
Kartoffeln oder Milchreis wählte er 3) cylindrische Glasdosen von 45 mm
Durchm. und 22—25 mm Höhe, einschliesslich des dicht aufge-
schliffenen Deckels. Mit einem entsprechend grossen korkbohrer-
ähnlichen Instrumente stach er aus gekochten Kartoffeln Cylinder i
aus und zerlegte sie in 5—7 mm dicke Scheiben. Die damit be- i
schickten Dosen wurden in einem passenden Glascylinder überein-
andergestellt sterilisirt und nach dem Erkalten die Rinne des zuge-
hörigen Deckels mit Glycerin ausgegossen ; also vor dem Eintrocknen
geschützt, konnten die einzelnen Dosen beliebig lange bis zur Impfung
aufgehoben werden. War letztere gemacht (am vortheilhaftesten von
Kulturen aus flüssigen Medien), so erfolgte der keimdichte Abschluss
mit Paraffin und Weingeistfirnis. Die Einzelheiten dieser technisch
nicht leichten Prozedur mögen im Original eingesehen werden. In
solchen Kulturen erwiesen sich die Bakterien noch nach 21/« Jahren
entwickelungsfähig.
Eine Sammlung von jederzeit mikroskopirbaren Plattenkulturen
legte Kr dl in runden, flachen, mit Halskerbung versehenen Glasdosen
an; er infizirte sie aus dem 4.-6. der Bouillontropfen, welche auf
eine sterile Platte gegeben vom ersten der Reihe nach geimpft wor-
1) F. D. M. 86. 392.
2) F. D. M. 86. 419/
8) Z. f. H. IV. 144.
Die Neuerungen d. bakteriol. UnUrsuchungsmethoden seit dem Jahre 1887. 503
den waren. Nach erfolgter Entwicklung bewerkstelligte K. den Ab-
schluss durch Eintauchen des Dosenhalses in heisses Paraffin.
Stich- und Strichkulturen konservirte der genannte Autor durch
einfaches Zuschmelzen der Reagenzgläser, von denen er runde und
flache Formen mit Füssen zum Aufstellen in Anwendung zog. lieber
die Vorsichtsmassregeln bei der Herstellung der Nährböden und
beim Verschluss muss ich gleichfalls auf das Original ') verweisen.
Andere Autoren gaben leichter herzustellende Abschlussmethoden
an. So schützte Plaut (0. 5. 324) die Kulturen durch Ueber-
schichtung von Oel vor dem Austrocknen, Gzaplewski (O. 6.410)
dichtete zum gleichen Zwecke die Reagenzgläser am Wattestopfen
und die Pe tri 'sehen Schalen im Zwischenrandraum durch Eingiessen
von heissem Paraffin, und Praussnitz (O. 9. 131) Hess eine
wässerige Gelatinelösung mit Zusatz von 5% Essig- oder 1% Karbol-
säure in den Hohlraum der Rollplatten oder auf die Stichkultur
fliessen und vervollständigte den Korkverschluss mit Siegellack-
überzug.
Zur Demonstration hat Babes (O. 4. 25) ein verschliessbares
Gestell für Reagenzgläser angegeben.
Nach Duclaux (5. 558) lassen sich ausgewachsene Kulturen
gewisser Mikroorganismen eine lange Reihe von Jahren entwickelungs-
fähig aufbewahren, wenn man sie mit ihrer schwach alkalischen
Nährlösung in sog. Lymphröhrchen einschliesst.
Yllf. Ausrüstung für Expeditionen.
Gelegentlich des X. intern. Kongresses hatten das kaiserliche
Gesundheitsamt, sowie die Medicinalabtheilung des k. pr. Kriegs-
ministeriums verschiedene Kasten mit den für wissenschaftliche Un-
tersuchungen auf Reisen notwendigen Gebrauchsgegenständen aus-
gestellt. Expeditionen, wie sie wiederholt vom kais. Ges.- Amte entsendet
wurden, hatten zu einer immer mehr vervollkommneten Ausrüstung Ge-
legenheit gegeben. Eine solche hat A. H e y r o t h zusammengestellt ; ich
werde über sie an anderer Stelle referiren, da die genauere Beschreibung
zur Zeit des Abschlusses dieses Berichtes noch nicht erschienen war.
Während die von der genannten Behörde für die Reise bestimmten wis-
senschaftlichen Apparate u. s. w. nicht bloss bakteriologischen, sondern
auch chemischen Zwecken zu dienen haben und deshalb umfang-
reicher sind, ist der sehr kompendiöse Kasten der M. A. des k. pr.
K- M. lediglich für bakteriologische Untersuchungen eingerichtet.
Derselbe, jetzt bei den sämmtlichen hygienischen Untersuchungsstellen
der deutschen Armee befindlich, enthält, mit einer von Pfuhl aus-
gearbeiteten Gebrauchsanweisung versehen, alle für die nöthigen Unter-
suchungen von Organen, Se- und Exkreten, Boden, Wasser u. s. w.
erforderlichen Geräthschaften und soll den Arzt begleiten, wenn ihm
die ätiologische Erforschung einer ausserhalb des Ortes der Unter-
suchungsstelle ausgebrochenen Epidemie zufällt; die optischen In-
strumente werden zur Sicherheit gegen Beschädigung durch Reagentien
in einem eigenen Lederetui verpackt mitgenommen.
1) Z. f. H. V. 497.
504 Heim, Die Neuerungen d. bukt. UnCersachangimethoden seit d. Jahre 1887.
IX. Methoden zum Nachweis und zur Gewinnung Ton Stoff-
wechselprodukten der Bakterien und anderen Stoffen bakte-
rieller Herkunft.
Die Trennung der Bakterien von den durch sie gebildeten los-
lichen Stoffen erzielte man entweder durch chemische oder durch
physikalische Mittel.
So hat Fermi (O. 7. 469) verschiedene desinfizirende Sub-
stanzen oder höhere Temperaturen zur Isolirung von tryptischen und
diastatischen Fermenten benutzt Der Nachweis letzterer wurde
durch Uebertragung der keimfreien Kulturen auf Stärke geführt,
entere wurden mittelst Thymol- oder Karbolwasser-Gelatine erkannt.
Die Gelatine empfahl Fermi1) als das sicherste Reagenz zum Nach-
weis des Vorhandenseins tryptischer Fermente; den Zusatz von Thymol
und Karbolsäure nahm er zum Schutz gegen Verderben und stellte
die Proberöhrchen zur Vermeidung des Eintrocknens während der
Aufbewahrung umgekehrt senkrecht in ein Glas Wasser. Um die
durch die Fermente bedingte Verflüssigung zu markiren, verwendete
F. entweder graduirte Reagenzgläser oder markirte den oberen Rand
der Gelatinesäule aussen am Glase oder innen durch Ausstreuen von
Thierkohlepartikelchen. Lauder Brunton und Macfadyen (8.
203) isolirten das peptische Ferment gewisser Bakterienarten nach
Abtödtung derselben durch Temperaturen von nicht über 60° (wie es
Buchner und Bitter*) schon früher zu dem gleichen Zweck bei
Cholerakulturen gethan hatten) dadurch, dass sie die Bouillonkulturen
wiederholt mit absolutem Alkohol fällten und den Niederschlag mit
Wasser aufnahmen. Ein von Leuchtbakterien gebildetes peptonisiren-
des Ferment wies Katz (O. 9. 163) sowohl an bei 55° C sterilisir-
ten Kulturen, als auch an solchen nach, welche durch Porzellan
filtrirt waren.
Die Anwendung der Ch am berl an dachen Filter wurde in den
letzten Jahren von immer grösserer Wichtigkeit, weil sie allein ge-
stattet, die löslichen Stoffe ohne Schädigung von den Mikroorganis-
men zu trennen. Ihr häufiger Gebrauch hat das Bestreben der Ver-
einfachung der ursprünglichen Konstruktion herausgefordert; diese
ist erfolgt durch die Modifikation von Bujwid (0. 9. 4), Reich el
und Kitasato. Der Reichel'sche Apparat8), von R. Muencke
ausgeführt, ist eine Art Erlenmeyer 'sches Kölbchen mit verlänger-
tem Hals ; in diesem steckt ein Thoncylinder mit einem vorspringen-
den breiten und dicken oberen Rand, welcher dem gleichfalls ebenen,
umgebogenen Rand des Glasgefässes aufliegt; beide werden durch
eine überzogene, central durchbohrte Gummikappe gedichtet Vom
Hals des Kölbchens geht horizontal das Saugrohr ab, während auf
der entgegengesetzten Seite vom Boden ein für die Dauer der Fil-
tration luftdicht verschlossenes Rohr schräg aufsteigt und zur Ent-
nahme von Proben bezw. Entleerung des Filtrates dient Einem
1) A. f. H. XIL 238.
2) A. f. H. V. 245.
8) Phys.-med. Ges. iu Wttribnrg. 91. 8. 44.
Bakteriologiflofaes vom VII. internationalen KoogroM tu London. 506
möglichen Zurückspritzen von Wasser während der Thätigkeit der
Wasserstrahlluftpuinpe begegnete Reich el durch Einschaltung
einer Art Spritzflasche, deren längeres Bohr sich auf der Seite der
Pumpe befindet Das Filter selbst wählte Reichel im Interesse
einer schnelleren, bequemeren und sichereren Hantirung grösser, als
gewöhnlich.
Kitasato1) benutzte eine engere, durch den Gummistopfen
einer Saugflasche bekannter Sorte geführte Kerze. Sie ragt mit
ihrem offenen Ende in den unteren der beiden an einer Glaskugel
angebrachten Hälse, deren oberer mit Watte verschlossen wird; die
Kugel dient zur Aufnahme der zu filtrirenden Flüssigkeit Auch
Kitasato schaltete zwischen Wasserpumpe und Filter eine (Wulf f-
scbe) Flasche ein.
Die Porzellanfilter haben den Nachtheil, dass sie, wie Si ro-
tin in2) zeigte, nicht alle gelösten Stoffe durchlassen, namentlich
Dicht zu Anfang der Filtration ; auch nimmt mit der Zeit ihre quan-
titative Leistungsfähigkeit ab. Nun hat Bitter9) diesen Missstand
beiden neuen, auf Nordtmeyer's4) Veranlassung von Berkefeld
hergestellten Filtern aus Kieseiguhr nicht mehr beobachten können,
da deren innere Oberfläche durch einen Loofah-Wischer zugleich
mit den abgesetzten festen Bestandteilen leicht entfernt werden
kann und empfiehlt sie sehr, weil sie mit der Sicherheit der Wirkung
den Vorzug grösserer Förderung von Filtrat verbinden.
(8chloM folgt.)
Originalberichte über Kongresse.
Bakteriologisches vom VII. internationalen Kongress
für Hygiene und Demographie zu London,
10.-17. August 1891.
Sektion für Bakteriologie.
Es waren gewiss ganz besondere Hoffnungen und Erwartungen,
mit denen die deutschen Theilnehmer am VII. internationalen Hygiene-
Kongress sich nach London auf den Weg machten. Nicht nur die
meerbeherrschende Stellung des stolzen England, seine ruhmgekrönte
Geschichte und sein blutgetränkter Boden, seine herrlichen Bauten
mit ihren herzbrechenden Erinnerungen, seine grossen Dichter und
Denker sind es, die uns mit dem lebhaftesten Interesse für den uns so
Bähe verwandten Volksstamm erfüllen ; was uns Hygieniker und Aerzte
dorthin zieht, das ist vor allem die praktische Hygiene, die das so
hervorragende, auf den Zweck und den Comfort bedachte und dabei
1) Z. f. H. X. 269.
») Z f. H. IV. 288.
3) Z f. H. X. 156.
4) Z. t H. X. 146.
506 Bakteriologische« vom VII. internationalen Kongraas an London.
über so reiche Mittel verfügende Volk schon lange Zeit hindurch
pflegte, ehe bei uns sich überhaupt erst ein Interesse für hygienische
Fragen in breiteren Schichten des Volkes kundthat. Die Wohnungs-
hygiene musste ja naturgemäss in einem Volke zuerst und am sorg-
fältigsten gepflegt werden, wo das ganze Leben im Hause sich ab-
spielt und der stolze Ausspruch „my house is my Castle" nicht nur
leere Redensart ist Die Wasserversorgung im Grossen, und vor allem
die Schutzimpfung, jene Grossthat Jenner's, verdanken wir ja wie
so viele andere hygienische Anregungen England.
Die grossen Erwartungen, mit denen wir nach London gingen,
sind theils unerfüllt geblieben, theils ganz bedeutend übertroffen
worden. Unter uns Deutschen zumal, wer wollte es leugnen, machte
sich zeitweilig eine unverkennbare Enttäuschung geltend, die ver-
schweigen zu wollen weder klug noch gerecht wäre. Vielleicht ist es
gestattet, mit wenigen Worten auf diese auffällige Erscheinung ein-
zugehen.
Unbestritten liegt ein Theil der Gründe derselben in uns selbst*
Zwar waren zahlreiche deutsche Medizinalbeamten, Hygieneprofes-
soren, mehrere hochgestellte Militärärzte und eine Anzahl bedeutender
Gesundbeitstechniker erschienen. Aber mehrere Koryphäen der deut-
schen Wissenschaft fehlten, so A. Hirsch, von Pettenkofer,
R. Koch, R. Virchow, auch die Mehrzahl der Hauptvertreter der
Koch1 sehen Schule und die gegenwärtigen Assistenten R. Koch 's
waren abwesend. Die Erklärung der letzteren Thatsache ist gegeben
durch den Umstand, dass gerade in den Tagen des Kongresses das
Koch1 sehe Institut für Infektionskrankheiten eröffnet wurde, aber man
kann sich über dieses Zusammentreffen eines gewissen Bedauerns nicht
erwehren. Die Folge davon war, dass die deutsche Wissenschaft auf dem
Kongresse nicht in der Weise zur Geltung kam, wie sie es nach dem
Fleisse und dem Erfolge, mit dem bei uns gearbeitet wird, unstreitig
verdiente. Die Franzosen zumal betheiligten sich an den Verhand-
lungen entschieden wärmer und traten häufiger und glücklicher her-
vor, als wir.
Um gerecht zu sein, darf nicht verschwiegen werden, dass die
noch ungelöste Frage der Heilkraft des Tuberkulins wie ein Alp auf
den Gemüthern der Deutschen lastete. Die Unsumme dessen, was
im Laufe des letzten Jahres über diese Frage gesprochen und ge-
schrieben worden ist, hat unzweifelhaft weder zur Erhöhung unseres
wissenschaftlichen Ansehens im Auslande, noch zur Steigerung unseres
eigenen Selbstbewusstseins beigetragen. Anstatt still und ernst zu
beobachten, sich und der Sache Zeit zur Reifung des Urtheils zu
lassen, hat man das Papier ballenweise beschrieben und nicht nur das
Vertrauen des Publikums in die ärztliche Kunst erschüttert, sondern
auch die Achtung des Auslandes vor der deutschen Wissenschaft
untergraben. Es wäre unstreitig würdiger gewesen, wenn man die
gewaltige geistige That R. Koch 's mit weniger Enthusiasmus auf-
genommen und mit mehr Hingebung und Vertrauen verfolgt hätte,
anstatt, wie es vielfach geschehen, das zuerst für eine Panacee gegen
jede Tuberkulose und noch etwas mehr gehaltene Heilmittel nach
vielfach ungenügender Prüfung kurzweg in die Rumpelkammer zu
BakteriologueLes vom VII. internationalen Kongraas zu London. 507
werfen. Diejenigen, welche die Geschichte der Heilkunde und die
Entwicklung der Bakteriologie mit aufmerksamem Auge verfolgt
haben, wissen, dass die Auffindung des Tuberkulins eine Naturnot-
wendigkeit war, und sind überzeugt, dass die Anerkennung seiner
Heilkraft schliesslich trotz allem und allem siegreich aus dem Wust
von Tinte und Papier hervorgehen wird. Und sie wissen auch, dass
diejenigen sich irren, die da meinen, dass die deutsche Wissenschaft
durch die Arbeiten des letzten Jahres einen unheilbaren Stoss erlitten
hat. Aber leider ist diese Ueberzeugung für den Augenblick nicht
überall verbreitet.
Ein Weiteres aber, was zur Erklärung der verhältnismässig
geringen Geltung, die die deutsche Wissenschaft in London gefunden,
dienen kann, war der Mangel einer einheitlichen Vorbereitung. Es
will uns scheinen, als wäre es eine schöne und dankenswerthe Auf-
gabe für das ja auch in Deutschland vorhandene vorbereitende Comitä
gewesen, wenn es sich wegen Uebernahme von Vorträgen und Referaten
mit den hervorragendsten Vertretern der Hygiene in unserem Vater-
lande in Verbindung gesetzt und so eine würdige Vertretung unserer
Wissenschaft im Auslande herbeigeführt hätte. Für den nächsten Kon-
greß der im Jahre 1894 in Budapest tagen wird, dürfte sich eine der-
artige planmässige Zusammenfassung unserer Kräfte gewiss empfehlen.
Aber genug der bei uns liegenden Mängel 1 Ein grosser Theil
der Enttäuschung, die wir erfahren haben, liegt ausser uns und ist
Schuld des englischen Comit6s, welches die Verhandlungen nicht um-
sichtig vorbereitet hatte. Schon die Räumlichkeiten, in denen die
Verhandlungen stattfanden, waren unzureichend. Die St. James Hall,
in der die Eröffnungssitzung stattfand, war für die Menge der Theil-
nehmer viel zu klein, so dass ein grosser Theil der Mitglieder an der
Thür wieder umkehren musste. Das Auskunftsbureau war zu eng,
und die darin arbeitenden Angestellten nicht sprachkundig und über-
haupt ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Die „Public health", das
offizielle Tageblatt der Versammlung, mussten die Theilnehmer sich
kaufen, und die Redaktion derselben kam ihrer eingegangenen Ver-
pflichtung, das bestellte Blatt in die Wohnung zu senden, mehrfach
gar nicht oder erst nach sehr deutlichem Ersuchen nach. So herrschte
vielfach Rathlosigkeit und ein kopfloses Durcheinander, ein Schicken
von Pontius zu Pilatus und ein Auseinanderfahren der ohnehin schon
so heterogenen Elemente des Kongresses. Gesteigert wurde dies noch
dadurch, dass man es bedauerlicher Weise unterlassen hatte, durch
gemeinschaftliche Vorträge von allgemeinem Interesse Ruhe- und
Sammelpunkte für die Oesammtheit zu schaffen. Wenig angenehm
für uns Deutsche war auch der Umstand, dass die Veröffentlichungen
nur in englischer oder in dieser und der französischen Sprache statt-
fanden, obwohl als offizielle Sprachen des Kongresses Englisch, Fran-
zösisch und Deutsch festgesetzt waren.
Gegenüber diesen Unzulänglichkeiten, die ein gerechtes Urtheil
nicht verschweigen darf, trat die wahrhaft grossartige, für die Theil-
nehmer unvergessliche und in ihrer Eigenart unvergleichliche Gast-
freundschaft, welche ihnen erwiesen wurde seitens der königlichen
Familie, der City, der grossen ärztlichen Körperschaften und von
508 Bakteriologische« vom VII. internatioualen Kongrats su London.
hervorragenden Privaten, um so schöner and wohlthuender hervoi.
Hier hatte man vollauf Gelegenheit, persönliche Beziehungen anzu-
knüpfen and za pflegen, sich darch die liebenswürdige and vornehme
Aufnahme erwärmen za lassen und interessante Blicke in das Leben
und Treiben der verschiedenen Schichten des englischen Volkes zu
thun. Der Empfang, den die hervorragendsten ausländischen Dele-
gaten im SchlosB Osborne fanden, das Fest, welches der Lordmayor
and die Sherifls der City of London dem Kongregs in der altberühmten
Guildhall gaben; die Abende, die wir in dem gastlichen Kreise des
R. College of surgeons und R. College of physicians verlebten; die
Empfänge im Crystall Palace und South Kensington Museum, die ge-
meinsamen Ausflüge nach hygienisch bedeutsamen Einrichtungen und
all, z. B. nach Netley, die anderen festlichen Veranstaltungen werden
den Theilnehmern des Kongresses unvergesslich sein.
Das Maags der wissenschaftlichen Ausbeute des Kongresses Iässt
sich heute noch nicht übersehen. Es war entschieden nicht alles gut
oder auch nur neu, was dort vorgetragen wurde. Aber das kann
doch schon jetzt gesagt werden, dass eine Fülle wissenschaftlicher
Anregung zu weiterer Forschung auf zahlreichen Gebieten durch die
Verhandlungen des Kongresses gegeben worden ist Und dies gilt
zumal von der IL, der bakteriologischen Sektion, welche sowohl, was
die Leitung und Organisation, als was die Zahl der Theilnehmer und
die Bedeutung der zur Verhandlung gestellten Aufgaben betrifft, alle
übrigen Abtheilungen bedeutend überragte. Das Verdienst dafür ge-
bührt zum grossen Theile der umsichtigen Leitung seitens des Präsi-
denten Sir J. Lister und der Sekretäre VY. Hunter, A. Ruf fer und
C. S. Sherrington. Dann aber konnten wir doch wieder mit Freude
und Stolz erkennen, dass die treibende und führende Disziplin der
Hygiene jetzt und voraussichtlich noch für lange Zeit die bakterio-
logische Wissenschaft ist.
Eine wohl beschickte bakteriologische Ausstellung, in der hervor-
ragende mikroskopische und mikrophotographische Präparate und
mustergültige Instrumente und Geräthe zur bakteriologischen Arbeit
zu einem wohl geordneten Ganzen vereinigt waren, bildete den Glanz-
punkt des Kongresses.
Am Montag den 10. August Vormittags 11 Uhr fand die Er-
öffnungssitzung statt. An den nächsten 4 Tagen von 9 bis 2 Uhr
wurde in den Sektionen gearbeitet. Die Nachmittage an diesen Tagen
und der ganze Sonnabend waren für Ausflüge und gesellige Veran-
staltungen bestimmt. Am Montag den 17. August fand die gemein-
same Schlusssitzung statt Die bei der Eröffnungs- und Schlusssitzuog
gehaltenen Reden des Prinzen von Wales, der Herren des Vor-
standes und der auswärtigen Delegirten, die ohnehin schon an anderer
Stelle im Wortlaut veröffentlicht worden sind, können hier nicht wieder-
gegeben werden. Wir müssen uns darauf beschränken, über die Ver-
handlungen der bakteriologischen Sektion und die bakteriologisch bemer-
kenswerthen Themata, die in den übrigen Sektionen besprochen wurden,
zu referiren, und soll dies in möglichst eingehender Weise geschehen.
(Fortsetzung folgt.)
Neue Literatur. QQQ
Neue Litteratur
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Inhalt
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mischen Allgemeininfektionen, p. 491.
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Ortmann, K. , Ueber Balantidium coli.
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üntersncbnngflniethoden, Initrnmente etc.
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der bakteriologischen Untersuchungsme-
thoden seit dem Jahre 1887. (Orig.)
(Fortsetzung), p. 499.
Originalberiobte über Kongresse.
Bakteriologisches Tom VII. inter-
nationalen Kongress ffirHygiene
und Demographie io London,
10.— 17. Augast 1891, p. 505.
Neue Litterator, p. 509.
Frommannsche Buchdruckerei (Hermann Pöble) in Jena.
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
Ben. M. M Dr. Leuctot m Professor Dt Loefler
in LeJpilf te üielfrwal*
herausgegeben von
Dr. O. TThlworm in CasseL
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
»M^ — — — 1—
X Band« -«- Jen», den 31. Oktober 1891. -*- ~ "HSo. lft.
Freie fftr den Band (96 Nummern) 14 Hark.
Jährlich erscheinen «wei Binde.
-*| Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten. |e>-
Die Redaktion des „Centratblatts für Bakteriologie und Parasiten'
künde" richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wünsche um Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Auf-
sätze entweder bei der Einsendung der Abhandlungen an die
Redaktion auf das Manuskript schreiben zu wollen oder spä-
testens nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an
den Verleger, Herrn Gustav Fischer in Jena, gelangen zu
lassen. Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
angehende Wünsche berücksichtigen zu können.
Original- Mittbeilungen.
Weitere Mitteilungen über Gifttheorie und
Phagocytose.
Von
Dr. Giuseppe Sanarelli.
Ich habe vor einigen Monaten in dieser Zeitschrift einige Unter-
suchungen über die „natürliche Immunität gegen den Milzbrand44 1)
veröffentlicht
Diese Versuche hatten mir festgestellt, dass die Lymphe des
1) Die Ursachen der natürlichen Immttnitit gogen den Müsbrand. (OentralbL Ar
"kl * Parte. Bd. IX. 1891. No. 14— 16.)
X.M. 00
514 Stnarelli,
Unterhautsackes beim Frosche die Eigenschaft besitzt, die Milzbrand-
keime abzuschwächen, gleichgültig, ob es rieh um Sporen oder Bacillen
handelt. Id der That verlieren Milzstückchen eines an Milzbrand
verendeten Thieres, wenn sie sich unter der Froschhaut befinden und
yor der Einwirkung der Leukocyten geschützt sind, oder Milzbrand-
kulturen selbst, welche mit der Lymphe in Eontakt bleiben, die
gleichfalls frei von Leukocyten ist, in Kürze gänzlich ihre Virulenz.
Im ersteren Falle ist es unmöglich, genau die Zeit anzugeben,
in der sich dieses Verschwinden der Virulenz kundthut, weil der
Moment nicht genau pr&zisirt werden kann, in dem die Lymphe,
nachdem sie in genügender Menge die Wände der Kollodiumsäckchen
durchpassirt hat, worin sich die Milzfragmente befinden, diese letz-
teren durchtränkt hat und ihre Wirkung auf die Milzbrandkeüne
auszuüben anfängt; es bleibt endlich das Faktum, dass auch nach 8
oder 10 Tagen, während eine Einimpfung dieser Fragmente auf
Thiere ohne Wirkung ist, die Uebertragung auf Nährböden noch Ent-
wickelung von Milzbrandkolonieen produzirt
Im zweiten Falle hingegen ist jede Ungewißheit beseitigt, indem
sich ergibt, dass die Milzbrandsporen ihre Virulenz in den Thieren
3 oder 4 Tage nach der Berührung mit der reinen Froschlymphe zu
verlieren beginnen, während die nicht sporenhaltigen Bacillen bei
Kaninchen schon nach 24 Stunden, bei Meerschweinchen nach 2 — 3
Tagen ihre Virulenz verloren haben.
Alles dies ergibt einen ziemlich erheblichen Einfluss, welchen
die Lymphe auf die Virulenz der Milzbrandkeime, nicht aber auf j
ihre Lebensfähigkeit ausübt, da mir fortlaufende Versuche bewiesen
haben, dass in einer Lymphe, die sehr reich an Sporen oder sporen-
haltigen Bacillen ist, sich stets zahlreiche Kolonieen erhalten können,
die indessen ihre Virulenz völlig eingebüsst haben.
An diesem Punkte angelangt, glaube ich nicht, dass man den
Schluss ziehen kann, der pilztödtenden Eigenschaft der Lymphe sei
gänzlich die Aufgabe zugefallen, die Mikroben im lebenden Organis-
mus zu zerstören und zu eliminiren, weil wir sehr logisch noch eine
ganze Reihe von Fragen stellen können, deren Beantwortung uns
aber nur dadurch ermöglicht wird, dass wir eine Mitwirkung der Leu-
kocyten annehmen.
Nachdem wir zeigten, dass die Milzbrandkeime, wenn auch ab-
geschwächt, dennoch 30 und 40 Tage lang in der Lymphe am Leben
bleiben können, erübrigt uns zu erforschen, auf welche Weise sie aus
dem lebenden Organismus verschwinden, in welchem sie nach einer
so langen Zeit natürlich nicht mehr aufzufinden sind.
Bis zur Stunde drehte sich der Hauptstreit um die Frage, ob
die Leukocyten sich der Bakterien bemächtigen, wenn diese bereits
todt sind, die Leukocyten daher nach dem Ausdrucke Weigert's
als wirkliche Krematorien fungiren könnten. Meine Unter-
suchungen haben in der subkutanen Froschlymphe ein wahres and
eigentliches Antiseptikum, das fähig wäre, die Milzbrandkehne rasch
zu tödten, nicht ergeben, sie haben bloss gezeigt, dass sie ein un-
günstiger Nährboden ist und diese Keime abzuschwächen vermag.
Dass diese Ungunst des Nährbodens und die pihstödtende Eigen-
Weitere Mittbeilnngen Aber Gifttheorie und Phägocytos*. 5] 5
schaft bei längerer Dauer ausser der Virulenz auch noch das Leben
der Bakterien beeinträchtigen können, ist sehr wahrscheinlich, aber
während 3—4 Tagen bleiben diese stets thätig und während einer
anderen noch nicht genau festgestellten, aber Jedenfalls längeren Zeit
erhalten sie sich am Leben und können ihre Viralen» wieder erlangen,
wenn man sie auf einen andern günstigeren Nährboden Überträgt.
um überdies auch Versuche Anderer zu erwähnen, so hat Nuttal
Milzstückchen von milzbrandigen Thieren, welche er auf Frösche
impfte, nach 16—17 Tagen stets virulent gefunden.
Arloing, Cornevin und Thomas haben die Sporen nach
12 Tagen bei Fröschen immer virulent befunden, Bitter bei immu-
nen Schafen nach 19 Tagen, Roux und Chamberland bei geimpften
Kaninchen nach 6 Tagen etc.
Wann beginnt also bei den refraktären Thieren Überhaupt und
den Fröschen insbesondere die phagozytäre Thätigkeit gegen die ein-
geimpften Milzbrandkeime?
um diese Frage zu beantworten, haben wir nur nöthig, eine der
bereite zahlreichen Beobachtungen, die in dieser Richtung gemacht
worden sind, hervorzuholen, weil Alle, welche am Frosche den Phago-
cytismus studirt haben, bestätigen, dass sich die Zellen in einer
relativ kurzen Zeit der Bakterien bemächtigen.
Hess fand zahlreiche von Zellen eingeschlossene Bacillen schon
3 Standen nach der Einimpftrag, als sie noch sehr wahrscheinlich
nicht bloss lebensfähig, sondern auch virulent waren. Metschni-
koff und unlängst Trapeznikoff fanden in mit Milzbrand geimpften
Tauben schon 4 Stunden nach der Impfung einige Phagocjten, und trotz-
dem behielten in den refraktären Tauben die Milzbrandbacillen ihre
Virulenz durch mehrere Tage hindurch. W a gn e r hat wahrgenommen,
dass der Einimpfung des Milzbrandes auf Hühner eine 2— 3-tägige
Fieberperiode folgt, was mit vieler Wahrscheinlichkeit zu dem Schlüsse
berechtigt, dass die Bakterien während dieser Zeit am Leben bleiben
und diejenige toxische Substanz zu sezerniren fortfahren, welche
durch Reizung der thermischen Gentren die Temperaturerhöhung
herbeifthrt
Endlich ist es Metschnikoff selbst gelungen, mit Sicherheit
Bewegung, die doch ein Zeichen des Lebens ist, bei Bacillen zu be-
obachten, welche von Phagocjten eingeschlossen waren, und zwar bei
Ascidien, bei Bipinnarien und bei Fröschen; und als er
diese Phagocyten isolirte, sah er, dass sie nicht bloss die virulenten
Bacillen in sich aufzunehmen vermögen, sondern dass die theilweise
aufgenommenen Bacillen auch noch wachsen, sich vermehren und
neue virulente Kulturen bilden können.
Die jüngsten Untersuchungen Trapeznikoff's sprechen sich
ebenfalls in gleichem Sinne aus, und eine bereits ziemlich grosse Menge
anderer Forscher, sowohl Freunde als Gegner der Bedeutung, welche
Metschnikoff dem Phagocytismus anweist, stimmen darin überein,
dass das Auftreten der Bakterien im Innern der Leukocyten bei den
refraktären Thieren ziemlich rasch erfolgt.
Gegenüber einer so beträchtlichen Anzahl von Thatsachen habe
ich mich einfach gefragt, welcher Werth ihnen zukomme gegenüber
516 ßanarelli, Weitere MittheUuDgen über Gifttheorie und Phegocytoee.
der pilztödtenden Eigenschaft der organischen Flüssigkeiten der re-
fraktären Thiere, und welche Stellung ihnen in der Immunitätslehre
gebühre.
Hierauf gab ich zur Antwort: Die Milzbrandsporen oder -Bacillen,
welche mit der Lymphe oder dem Blute der refraktären Thiere in
Eontakt gekommen sind, befinden sich alsbald unter dein Einflüsse
der bestimmten Substanzen, welche, wenn sie nicht auf dieselben die
Wirkungen eines kräftigen Antiseptikums unmittelbar ausüben, immer-
hin genügen, um ihre wichtigsten Ernährungsprozesse zu modifiziren,
ihre weitere Entwickelung zu verhindern und infolgedessen ihre Viru-
lenz und schliesslich ihr Leben zu vernichten.
Man begreift leicht, dass sich die Milzbrandbacillen, anmittelbar
nach ihrem Eindringen unter solche Bedingungen gestellt, wenn auch
unter Beibehaltung ihrer Virulenz, gegenüber den Geweben im All-
gemeinen und den Leukocyten im Besonderen verhalten müssen, wie
so manche andere träge und, sei es mit den Produkten ihres Stoff-
wechsels oder auf irgend eine andere Weise gegen die phagocytäre
Eigenschaft der Zellen lebhaft zu reagiren, unfähige Körper; diese
Eigenschaft hätte in unserem Falle nichts Besonderes oder Feind-
liches an sich, der Vorgang gegen die virulenten Bacillen würde nor-
mal vor sich gehen, wie etwa gegen Karmin- oder Kohlenpartikelchen.
Mit anderen Worten ausgedrückt, es vollzieht sich die Zerstö-
rung der Parasiten in den refraktären Organismen kumulativ von
Seite der einen wie der anderen Faktoren; es ist dabei nicht not-
wendig, dass die Bakterien todt sind, um von den Zellen einge-
schlossen zu werden, sondern letztere können sich der Bakterien be-
mächtigen, wenn dieselben, trotz ihrer Virulenz und Lebensfähigkeit,
durch bestimmte Einflüsse bereits in die Unmöglichkeit versetzt sind,
zu schaden oder zu reagiren.
Ich für meine Person kann nicht, wie die bedingungslosen An-
hänger der Gifttheorie es thun, bestätigen, dass die Leukocyten sieb
die Bakterien erst aneignen, wenn diese todt sind; gleicherweise
schliesse ich mich nicht der Meinung der bedingungslosen Anhänger
des Phagocytismus an, dass die Leukocyten gegen die Bakterien
einen wirklichen Angriff ausführen und einen wahren Kampf um Leben
oder Tod des bedrohten Organismus ausfechten; ich möchte vielmehr
bloss behaupten, dass die pathogenen Bakterien in den Geweben oder
im Blute der refraktären Thiere nicht im Stande sind, die Infektion
besonders durch den ungünstigen Nährboden, der sich ihrer Vermeh-
rung und Entwickelung entgegenstellt, zu begrenzen, und dass die
Leukocyten ihrerseits, indem sie dieselben allmählich einschliessen und
aus dem Organismus entfernen, auf dieselbe Weise vorgehen, wie sie
es gegenüber irgend einem andern Fremdkörper, der zufälliger Weise
in den Körper eingedrungen ist, thun würden.
Dies hat nichts Befremdendes, noch mit den einfachsten Grund-
begriffen der Physiopathologie in Widerspruch Stehendes an sich, and
bis zu einem Gegenbeweise kann man bei dieser Auffassung bleiben,
die nur die Synthese der jüngsten Untersuchungen in der Frage Aber
die natürliche Immunität zu sein scheint Ich wünschte daher, von
Neuem diese Auffassung zu wiederholen, nicht nur um einige andere
Grassi und Feletti, Weiter«« aar MaUriafr**© 517
Thatsachen zu erwähnen, die sie unterstützen könnten und die in
meiner Arbeit nicht aufgeführt waren, sondern auch um sie gegen-
über dem Zweifel zu rechtfertigen, den Dr. Petruschky1) unlängst
kundgab, indem er behauptete, dass die augenscheinlich pilztödtende
Wirkung, die ich bis zur Evidenz in der subkutanen Lymphe der
Frösche nachgewiesen habe, aus sich selbst und ohne die geringste
Mitwirkung der Leukocyten die Immunität dieser Thiere gegen den
Milzbrand erklären könne.
Manchen, den 27. August 1891.
Weiteres zur Malariafrage.
Note der Professoren B. Gtrassl und B. Feletti in Catania.
(Sehluu.)
IL
Verschiedene Untersuchungen
von Prof. Battista Grassi.
A. Schon in einer vorhergehenden Note findet man angedeutet,
dass Celli und Guarnieri eine Parasitenform im Menschen be-
schrieben haben, welche sich sehr frühzeitig, bevor auch nur die
geringste Spur von Pigment existirt, segmentirt. Während nun
obige Verfasser diese Form mit einer anderen, welche sich ebenfalls
frühzeitig, aber erst nachdem sie bereits Pigment erworben, zusammen-
werfen, stieg in mir der Zweifel auf, ob sie nicht eine Art für sich,
verschieden von der Haemamoeba praecox, repräsentiren
könne. Ich hatte seiner Zeit bereits bemerkt, dass in den von mir
bis dahin untersuchten Vögeln obige Form gewiss fehlte. Kürzlich
nun ereignete es sich, dass ich eine gleiche Form in einem, sich
noch im Dunenkleide befindlichen Thurmfalken (Cherchneis
tinnunculus) vorfand. Die anderen drei kleinen Thurmfalken,
welche sich mit ihm zusammen im Nest befanden, waren nicht von
dieser Parasitenform infizirt, während der erste es derartig war,
dass man nur mit grosser Mühe ein freies rothes Blutkörperchen
vorfinden konnte. Dieser Falke lebte acht Tage und bot mir stets
den gleichen Befund.
Stets, in jedem Augenblick, fand sich in den rothen Blutkörper-
chen des Blutes eine Haemamöbe, welche, wie die anderen Haema-
möben der Vögel, durchaus keine amöboidische Bewegungen zeigte.
Fast in jedem Präparat fand man zu jeder Stunde Segmenta-
tionsfiguren. Die Segmentation fand statt, wenn ein grosser Theil
des Blutkörperchens noch unversehrt war und ohne einen Nu eleu s
dereliquat zu hinterlassen. Auch diese Haemamöbe hat einen
^rn, keine kontraktilen Vakuolen etc. Ich schlage vor, derselben
den Namen Haemamoeba immaculata zu geben.
1) Hygienische RtudjchftU, 16. Juli 1891. No. 14. p. 666.
518 Gras»! and Feletti,
Der in Bede stehende Falke wies niemals einen anderen Malaria-
parasiten auf.
Meine vorhergehenden Nachforschungen and die nun begründete
Thatsache, dass der in Bede stehende Parasit stets ohne Begleitung
anderer Malariaparasiten vorgefunden wurde, rechtfertigen vollständig
meine neue Art.
Bei der Autopsie des Falken konnte ich bemerken, dass die
Milz bedeutend vergrössert war, und glaube ich, dass er an der Per-
niciosa gestorben ist
Auf Grund engster Analogie muss ich annehmen, dass auch im
Menschen die kein Pigment besitzende, sich segmentirende Haema-
moeba eine Art für sich ist, lasse jedoch die Frage über die Iden-
tität der in Bede stehenden Haemamoeba des Menschen und des
Vogels noch offen, wie ich dieselbe auch für die Haemamoeba
praecox offen gelassen habe.
Ich schlieee, indem ich den bereits früher gegebenen Prospekt
der Malariaparasiten des Menschen wie folgt vervoll-
ständige:
1. Haemamoeba malariae (verursacht einfache, doppelte
und dreifache Quartana).
2. Haemamoeba vivax (verursacht einfache oder doppelte
Tertiana).
3. Haemamoeba praecox (verursacht perniciöse, quoti-
diane, subkontinuirliche und kontinuirliche Fieber).
4. Haemamoeba immaculata (id. id.).
5. Laverania malariae (verursacht unregelmässige Fieber,
welche, wie aus meinen in diesem Jahre mit Feletti und Calan-
druccio zusammen gemachten Studien hervorgeht, für längere Zeit
den Charakter der quotidianen Fieber annehmen können).
Die Haemamoeba praecox wurde in Gatania weder im
Winter, noch im Frühling vorgefunden. Im Sommer dagegen ist sie
zu finden und leicht zu erkennen (Feletti).
Die Haemamoeba immaculata wurde im Menschen bis jetzt
nur in Born angetroffen.
Die Formen 1, 2 und 5 wurden zuerst von Oolgi unterschieden,
welcher sie für eine Varietät ein und derselben Art hielt und auch
die Möglichkeit eines Ueberganges von einer Form in eine andere
annahm.
Die Formen 3 und 4 wurden zuerst von Celli und Marchiafava
beschrieben, welche sowohl diese beiden, wie auch die Form 5 als
eine einzige Varietät auffassten.
B. Die Malariaparasiten werden getödtet, wenn man das mit
destillirtem Wasser zur Hälfte verdünnte malarische Blut ungefähr
eine Stunde lang tüchtig schüttelt Dr. Calandruccio hat durch
eine Reihe sehr sorgfältiger Experimente bewiesen, dass das auf
diese Weise behandelte Blut ungestraft in den Menschen eingeflösst
werden darf, d. h. also ohne dass sich in Folge der Einspritzung in
demselben die Malariaparasiten entwickeln.
Diese Thatsache bestärkt meine Behauptung, dass die Malaria-
parasiten durch ihr parasitäres Leben ausserordentlich zart geworden
Weiteres snr AUlariafrftg*. 5jg
und mithin im freien Leben, in welchem sie sich mit verschiedenen
Charakteren (besonders mit solchen von Amoeba gracilis etc.)
finden müssen, nicht gezüchtet werden können.
C. Viele mit Dr. Calandruccio zusammen unternommene
Beobachtungen geben uns die Berechtigung, die Hypothese Lave-
ran 's, dass die Schnaken die Z wischen wirthe der Malaria seien, fQr
unbegründet zu halten.
IIL
Ueber einige Ftrbungsmethoden der Malariaparasiten*
Kleine Note der Professoren B. Grasai und R. Felettl.
Die von uns zur Untersuchung der Struktur der Malariaparasiten
angewandten Methoden sind verschiedene:
I. Vor allem müssen wir bemerken, dass zuweilen die Malaria-
parasiten infolge von Umständen, welche wir nicht bestimmen
können, schon frisch und ohne jedwedes Kunstmittel einen sehr deut-
lichen Kern mit nucleolusförmigem Knoten und Kernmembran zeigen.
Doch konnten diese Ausnahmen nicht für ein genaues Studium ge-
nügen und mussten wir, um zweifellos die Gegenwart des Kernes
beweisen zu können, Zuflucht zu den färbenden Substanzen nehmen.
II. Wir bewahrheiteten, dass der nucleolusförmige Knoten der
Malariaparasiten mit dem grössten Theil der gewöhnlich in der
Histologie gebräuchlichen Fftrbsubstanzen (Karmin, Haematoxylin
etc.) gefärbt werden kann, während der übrigbleibende Körpertheil
des Parasiten durch sie entweder ganz farblos bleibt, oder nur wenig
gefärbt wird.
Aber aus Gründen, welche wir vergebens zu erkennen suchten,
gelingt die Färbung sehr schwer, hauptsächlich wenn das Blut, ohne
vorher getrocknet zu werden, mit den gewöhnlichen Substanzen
(Osmiums&ure, Pikrinessigsäure von Flem ming, Sublimat etc.) fixirt
wird, und ist sie jedenfalls niemals sehr deutlich. Doch genügt sie
immerhin, unser Urtheil, dass die Malariaparasiten einen Kern haben,
zu bestätigen.
IIL Gute Präparate, welche den Kern ad evidentiam zeigen,
erhält man mit der von uns etwas modifizirten Nikiforoff sehen
Methode. Das in sehr dünner Schicht auf einem Deckgläschen aus-
gebreitete Blut wird an der Luft getrocknet und gleich darauf in eine
Flüssigkeit getaucht, welche zu gleichen Theilen aus Alkohol abso-
lutes und Aether und aus einigen wenigen Tropfen Eisessigsäure be-
steht. Das Präparat wird alsdann in Haematoxylin übertragen, nach-
her ihm derüeberfluss der Farbe genommen, entwässert und schliesslich
mit .den allbekannten Vorsichtsmaassregeln im Kanadabalsam fixirt
IV. Befriedigende Resultate erlangt man mit folgender Methode:
Man mischt einen auf einem Objektträger gefassten kleinen Tropfen
Malariablut sehr gut mit einem Tropfen destillirten Wassers und
bringt dann das Präparat für die Dauer von 15—20 Minuten in die
feuchte Kammer, exponirt es darauf 30 Sekunden lang in Dämpfen
wn Osmiomsäure und fügt schliesslich einen Tropfen Haematoxylin,
520 Grassi and Feletti, Weiteres aar ttalariafag*.
Pikrokarmin oder Alaunkarmin hinzu und bedeckt es mit dem Deck-
gläsehen etc. Nach kurzer Zeit erlangt man auf diese Axt und
Weise eine genügende Färbung der Malariaparasiten.
Will man die Parasiten mit dem Brass'schen Karmin färben
so genügt es, dem Malariablute ein wenig von dem besagten Karmin
beizumischen und nach einigen Minuten das Präparat mit Dämpfen
von Osmiumsäure zu fixiren. Wir bemerkten, dass wenn man das
Präparat für etwas längere Zeit sich selbst überlässt, das Karmin
die Malariaparasiten zerstört
V. Die einfachste, bequemste und Jedermann zugänglichste Me-
thode ist aber folgende:
Man bereitet eine verdünnte wässerige Lösung von Methylenblau
oder von Fuchsin. (Um diese Lösung zu bereiten, bringt man einen
Tropfen gesättigter Lösung von Methylenblau oder Fuchsin in ein gewöhn-
liches Uhrglass voll destillirtem Wasser.) Dann sammelt man einen, aber
kleinen Tropfen Malariablut auf ein Deckgläschen und lässt letzteres als-
dann, nachdem man es umgekehrt, rasch auf einen, sich auf einem Objekt-
träger befindenden Tropfen der obenbeschriebenen verdünnten Losung
fallen. Um das Blut mit dieser Farbflüssigkeit zu mischen, genügt
es, das Deckgläschen auf einer Seite ein wenig aufzuheben und
wieder fallen zq lassen. Erscheint das Präparat ganz transparent,
so ist dasselbe gut gelungen.
Mit diesen Mitteln erhält man gewöhnlich den nucleolusformigen
Körper intensiv gefärbt und ebenso auch die Chromatinfaserchen,
wenn sich deren finden. Die Membran des Kernes kann gefärbt er-
scheinen oder nicht, und so auch der Zellleib. Der Kernsaft (Grand-
substanz) bleibt ungefärbt. Jedenfalls ist der nucleolusförmige Körper
sehr viel intensiver gefärbt, als der Rest des Parasiten-
körpers.
Nach den Methoden IV und V werden die Malariaparasiten mit
dem destillirten Wasser getödtet; so sehr dies beim ersten Anblick
für unvernünftig gehalten werden kann, ist es doch eine Thatsache,
dass durch diesen Prozess dieselben Resultate erzielt werden, welche
mit allen anderen Methoden erlangt werden können, nur ist die
Färbung sehr viel deutlicher und sowohl die Kernmembran wie der
Kernsaft treten weit mehr hervor. Wir können nicht erklären, wie
die Flüssigkeit auf die Malariaparasiten wirkt, welche sich bildet,
wenn dem Blut destillirtes Wasser beigemischt wird. Es ist jedoch
gewiss, dass man mit Bestimmtheit auf diese Methode rechnen kann,
wenn es gilt, den Kern eines Malariaparasiten zu erkennen. Dies
beweisen die opportunen Vergleiche
1) mit den Ergebnissen der frischen Beobachtungen,
2) mit vielen anderen Untersuchungsmethoden (die kürzlich von
Mannaberg mit inbegriffen),
3) mit anderen parasitischen Protozoen (z. B. denen der Ter-
miten), oder mit anderen Zellen, welche in ähnlicher Weise behandelt
wurden.
Natürlich wollen wir damit durchaus nicht behaupten, dass an-
ger? Methoden empfehlenswerth seien für das Studium der feinsten
ttefearten im abnormen feiere. 521
Strnktureigenthümlichkeiten , wie uns deren durch die neusten
Forschungen von Boveri, van Beneden etc. bekannt gemacht
werden. Wir wollen damit nur sagen, dass vermittelst unserer Me-
thoden 4 und 5 es möglich ist, die Malariaparasiten ebenso gut zu
färben, wie die Amöben. (Siehe z. B. die Figuren von Grubner.)
Ihr Kern verh< sich in der That geradeso wie derjenige der Amöben,
nur färbt er sich bedeutend schwerer.
11. September 1891.
Referate.
Will, IL, Zwei Hefearten, welche abnorme Veränderun-
gen im Biere veranlassen. (Zeitschrift für das gesammte
Brauwesen. 1891. No. 7.)
In Bieren, welche einen unangenehmen Geschmack angenommen
hatten, wies der Verf. durch Anwendung von Hansen 's Methoden
zwei Krankheitshefen nach, welche er eingehend beschreibt, und deren
Einwirkung auf die Würze durch direkte Experimente mit bekannten
Mischungen von Reinkulturen dieser Hefen und in der Praxis be-
nutzten Kulturhefen bestimmt wurde.
Die erste Hefeart gehört zu der ellipsoidischen Gruppe und wird
nach den Untersuchungen des Verf.'s in die Nähe von Saccharomyces
ellipsoideusllzu stellen sein. In Würzegelatine stellen die jungen,
sowohl oberflächlichen wie eingebetteten Kolonieen ein weitmaschiges
Netz dar, später werden sie in der Mitte dichter, mit unregelmässig
gefranzten Umrissen ; bisweilen treten aber auch kompakte Kolonieen
mit regelmässigen Rändern auf. Bei der Sporenbildung zeigt sich als
eigentümlich eine sehr hohe Maximaltemperatur und ein verhältniss-
massig schnelles Auftreten von Sporen bei der Optimaltemperatur
(34f C). Die untere Grenze für die Sporenbildung liegt bei 4—5° C.
Das Aussehen der Sporen ist dasselbe wie bei den von Hansen be-
schriebenen wilden Hefen. In sterilisirter Würze vertragen die Sporen
ein Vt-Btündiges Erhitzen bei 80° C, ohne ihre Keimfähigkeit ein-
zubüssen, während die vegetativen Zellen unter denselben Verhältnissen
bei 70° C getödtet wurden.
Für die Hautbildung liegen die Grenzen bei 41° und 4° C.
Namentlich in alten Häuten treten stark verzweigte Sprossverbände,
aas sehr verlängerten Zellen bestehend, auf.
Bei den Gähningen zeigt sich diese Hefe als typisch untergährig.
In Mischungen mit einer in der Praxis als gut befundenen Bier-Unter-
hefe in absolut reinem Zustande war die Gegenwart dieser Krank-
heitshefe selbst in Beimengungen von 1/l0 °/0 bemerkbar durch den
kratzenden bittern Nachgeschmack, welchen er dem Biere verlieh;
aach zeigte das Bier immer keinen Bruch. Die Gährungsenergie und
Schnelligkeit der Vermehrung dieses Pilzes war in den vergleichenden
Versuchen viel grösser, als die der benutzten Kulturhefen. Die K1&«
522 Hefearten im abnormen Biere. — Faulnl&i.
rung des Bieres war sehr schlecht, und der Pilz verursacht gleich-
zeitig mit der schon beschriebenen Krankheit auch noch eine Hefe-
trübung.
Die zweite Hefe wurde aus hefentrüben Bieren gewonnen. Sie
gab in Würzegelatine theils scharf begrenzte, theils in der Umgrenzung
verschwommene Kolonieen. Die Temperaturgrenzen für die Sporen-
bildung sind 32° C resp. 0,5— 1,0° C; das Optimum liegt bei 24* C
Die Lebensgrenze für Sporen und vegetative Zellen liegt in Würze
bei 70° C. In den alten Häuten treten sehr reich verzweigte Spross-
verbände auf.
Bei der Gährung in Würze, welche von ganz eigentümlichen
Erscheinungen begleitet ist und immer träge vor sich geht, halteu
sich die Zellen, welche sich sehr bald von den Verbindungen trennen,
lange schwebend in der Flüssigkeit. Die gegohrene Würze nahm eine
hellere Farbe an; der Geschmack war süsslich und unangenehm aro-
matisch, der Nachgeschmack bitter, adstringirend. Die abgesetzte
Hefe hatte immer eine dunkle Farbe.
In Gährungen mit Mischungen von Eulturhefe und dieser Krank-
heitshefe machten sich schwache Beimischungen weniger geltend, als
bei der ersten Art, stärkere Beimischungen geben immer eine aus-
gesprochene Trübung. Der abnorme Geschmack war bei Proportionen
von 5% Krankheitshefe ab deutlich wahrnehmbar.
Jörge nsen (Kopenhagen).
Hoffa, Weitere Beiträge zur Kenntniss der Fäulniss-
bakterien. (Münchener med. Wochenschrift. 1891. No. 14.)
Bei der Untersuchung einer im Vacuum bei 35° konzentrirten
Bouillonkultur des verflüssigenden fluorescirenden Wasserbacillus, welche
durch Filtration keimfrei gemacht worden war, wies der Verf. im
Destillat Ammoniak nach; ausserdem fand er in der rückständigen
Flüssigkeit neben Kreatinin durch Fällung mit der 10 fachen Menge
absoluten Alkohols einen charakteristischen Eiweisskörper, welcher sich
anfänglich als gelbliches Pulver darstellte. Nach der Reinigung mit-
telst des B r i e g e r ' sehen Verfahrens — Lösung in verdünntem Alkohol,
Fällung mit alkoholischer Sublimatlösung, Entfernung des Quecksilbers
durch Schwefelwasserstoff, mehrmaliges Auflösen in Wasser und Fül-
len mit absolutem Alkohol — blieb ein weisslich-graues Pulver zurück,
welches sich in Wasser leicht löste und mit Kupfervitriol und Kali-
lauge deutliche Biuretreaktion erkennen Hess. Die wässerige
Lösung des Körpers zeigte bei Zusatz irgend eines
Alkalis jedesmal prachtvolle grüne Fluorescenz.
Verf. nimmt auf Grund hiervon an, dass die Bacillen durch ihr
Wachsthum anfänglich den Eiweisskörper und später auch Ammoniak
erzeugen, und dass durch das Zusammentreten dieser chemischen Sub-
stanzen die Fluorescenz der Kultur bewirkt wird. Bei längerem Stehen
der Kultur verdunstet das Ammoniak, worauf die Fluorescenz ver-
schwindet. Dieselbe kann jedoch, wie der Verf. durch den Versach
festgestellt hat, in der Nährflüssigkeit durch Zusatz eines Tropfens
jAmmoDiak wiederhergestellt werden. Kubier (Berlin).
tuberculose. 52ä
Kugler, Worin sind die Hauptursachen für die starke,
immer noch wachsende Verbreitung der Tuberculose
zu suchen und was kann und soll der Staat zur Aus-
rottung bezw. Eindämmung dieser verderblichen
Krankheit thun? (Aerztl. Mitth. a. u. f. Baden. 1890. No. 15 ff.)
In dem vorliegenden Vortrage bat Verf. die neueren Forschungen
auf dem Gebiete der Tuberculose in klarer, gemeinverständlicher Weise
zusammengefasst und besonders den ätiologischen Verhältnissen seine
Aufmerksamkeit gewidmet. Den schönen Arbeiten Co rn et 's lässt
er die gebührende Anerkennung zu Theil werden, betont die Gefahr
tuberkelbacillenhaltiger Nahrungsmittel — Milch, Butter, Fleisch perl-
süchtiger Thiere — , wendet sich gegen die Annahme eines Einflusses
geographischer und klimatischer Verhältnisse (Höhenklima) auf die Ver-
breitung der Tuberculose und betont die Bedeutung der Wohnungs-
hygiene. Um hier klarer zu sehen, hat er die einzelnen badischen
Bezirke nach ihrer Einwohnerzahl geordnet und mit dieser die Sterb-
lichkeit an Schwindsucht verglichen. Dabei zeigte sich, dass die
Phthisismortalität mit der Wohnungsdichte wächst.
In Gruppen vereinigt ergibt sich folgendes Bild:
Auf 1000 Einwohner Wohnräume Tob. Todte
(nach der Volksithlvng 1885) (auf 1000 Einw. im Dnrobiehn. 1881—87)
1. Gruppe 816 2,29
II. „ 745 t,66
III. „ 645 8,10
IV. „ 647 8,80
V. „ 470 8,28
Um zu sehen, ob der offenbar hier zu Tage tretende mächtige
Einfiuss dieses Faktors auch in fast rein ländlichen Bezirken sich
wirksam erweise, wurden die Gruppen nochmals ohne die 8 grössten
Städte ^d es Landes, bezw., die ~nach ihnen benannten Bezirke gebildet.
Das Resultat ist folgendes:
Auf 1000 Wohnräume
Tab. Todte
I. Gruppe mehr alt 800
MO
M. „ „ „ 700
8,66
HI. » „ „ 600
8,78
IV. „ „ „ 600
8,08
V. „ weniger „ 600
8,86
Zum Vergleich stellte Verf. dieselbe Berechnung für Diphtherie,
Pneumonie und Typhus auf, konnte jedoch hier einen derartigen
Einfiuss nicht nachweisen.
Sehr interessant ist die weitere Berechnung, die Verf. über die
thierische Tuberculose angestellt hat, und aus der hervorgeht, dass
auch sie eine deutliche Abhängigkeit von der Wohnungsdichte er-
kennen lässt.
Taberealöee Todte
im Durchschnitt
Perbucht bei den Schlachtungen 1888.
der Jahre 1888—87 inkl.
Gruppe 1 0,0 —0,10 Prosent
2,68 Promille d. Einw.
„ II 0,11—0,20
it
*,T6
»t
»t »♦
„ III 0,21—0,80
»t
2,89
it
•i »»
„ IV 0,81—0,40
1»
2,96
»i
»? ii
„ V 0,41—0,70
»t
8,10
t»
It t|
„ VI 0,70—1,0
1»
8,82
tt
It tt
„ VII ftber 1,0
»»
8,70
n
W M
624 ßrtüb,
Verf. geht dann des weiteren auf die Disposition and Heredität
ein, wobei er in geschickter und überzeugender Weise gegen die
Ausführungen Baumgarten's Front macht, und fasst schliesslich
seine Anschauungen in 16 kurze Sätze zusammen, von denen 5 die
Aetiologie, 11 die Prophylaxe der Tuberculose betreffen. Belehrung
in den Schulen, gefahrlose Beseitigung des Auswurfs, etwaige Be-
schränkung der Phthisiker in ihrer freien Beweglichkeit [gewiss kaum
durchführbar. Ref.], Desinfektion der Wohnungen, Wohnungspolizei
(Verhinderung zu grosser „Wohnungsdichte"), Phthisikerasyle , An-
zeigepflicht, Ueberwachung von Milch, Käse, Butter and Fleisch
tuberculdser Thiere, Regelung der Verhältnisse in Kurorten sind die
Punkte, auf die sich seine sehr beherzigenswerthen Vorschläge be-
ziehen. Der Vortrag verdient alle Beachtung.
M. Kirchner (Hannover).
Bericht über die Fortschritte in der thierischen
Parasitenkonde.
Von
M. Braun
in
Königsberg i. Pr.
(Schlau.)
H. Arachnoldea.
Bei dieser Gruppe wie bei anderen Arthropoden verzichten wir
von vornherein auf Vollständigkeit, da die Litteratur viel zu aus-
gedehnt ist, als dass sie ein Einzelner verfolgen könnte, das Gebiet
dem Ref. auch fern liegt Wir fahren nur eine Arbeit an, die von
Ch. W. Stiles (71), welche aus dem Leuckart' sehen Laboratorium
hervorgegangen ist und sich mit dem Bau und der Entwicklung des
Pentastomum proboseideum beschäftigt. Veranlassung zu der
Untersuchung gab der Fund von 22 reifen Exemplaren in der Lunge
einer Boa constrictor; obwohl es unwahrscheinlich war, dass ein
aus den Tropen Amerika's stammender Parasit seine Entwicklung
auch in einem Thiere Mitteleuropa^ durchlaufen würde, wurden reife
Eier an einen jungen Hund, ein Meerschweinchen, ein Kaninchen, eine
Taube und an mehrere weisse Mäuse verfüttert. Bei den drei erst-
genannten Thieren, die 70, 82 resp. 83 Tage nach der Infektion
untersucht wurden, waren die Larven alle auf einer frühen Ent-
wicklungsstufe abgestorben und deren Cysten verkalkt; in der Taube
war Nichts zu finden, dagegen hatte die Infektion der weissen Mäuse
sehr gute Resultate geliefert Eine derselben starb 32 Tage nach
der Infektion und Leber, Lungen, Nieren, das Peritoneum und das
Unterhautbindegewebe enthielten zahlreiche eingekapselte Pentastomen
in zwei etwas differirenden Entwicklungsstadien; zwei andere Mäuse
Starben 45 Tage nach der Infektion, sie lieferten ein drittes Stadium, und
Bericht aber die Portochritt« in der thierischen ParasitenkandV 525
endlich die letzte wurde 18 l/» Woche nach der Fütterung getödtet
— sie enthielt tbeils frei in der Brust- und Bauchhöhle, theils ein-
gekapselt in verschiedenen Organen völlig ausgebildete Pentastomen-
larven, welche der von Diesing als P. subcylindricum be-
schriebenen Form glichen, die demnach, wie schon Leuckart er-
kannt hat, als der Jugendzustand von P. proboscideum anzu-
sehen ist, wie P. denticulatum der von P. taenioides ist.
Vollkommen negativ fiel die Verfütterung der reifen Larven an
einheimische Schlangen (Kreuzotter und Ringelnatter) aus ; zwar hatten
die Larven den Darm durchbohrt und waren in die Leibeshöhle ge-
langt, waren aber in dieser abgestorben. Die Eier von P. taenioi-
des werden bekanntlich durch den Nasenschleim nach aussen geführt
und durch Pflanzen, die dem Zwischenwirthe — Hasen, Kaninchen —
zur Nahrung dienen, in diesen übertragen; wenn dies auch bei P.
proboscideum vorkommen mag, so ist dies doch nicht der ge-
wöhnliche Weg, die Eier gelangen vielmehr mit dem Lungenschleim
durch die Bronchien und die Trachea in den Darm und von hier mit
dem Kothe nach aussen; sie waren in dem Kothe der untersuchten
Boa so häufig, dass ein hirsekorngrosses Stück des Mastdarmkothes
mindestens 15—20 Eier enthielt. Dass die Eier und Embryonen lange
Zeit im Freien leben bleiben, beweist die Thatsache, dass dem Autor
die Infektion andrer Mäuse, als der oben erwähnten, mit dem Kothe
der Boa gelang, der 49 Tage in einer feuchten Kammer aufbewahrt
worden war. In Bezug auf die Infektionen der Riesenschlangen mit
den Pentastomen darf man wohl als sicher annehmen, dass diese
durch der Genuss der Zwischenwirthe stattfindet. Wegen der Er-
gebnisse der anatomischen Untersuchungen wolle man das Original
vergleichen.
Litteratur.
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Kero-, Myxo- und Sarcosporidieninhalt (Virchow's Arch. Bd. 122. 1890. pg. 562 bis
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JH. No. 4. e ann. XIII. No. 1. 1. tav. Pavia 1890/91.)
10. Thal oh an, P., Contributions a Feinde des Myxosporidies. (Ann. de micro-
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Kgl. Preusa. Akad. d. Wiss. Berlin. V. 1891. pg. 57—61.)
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(Arch. f. mikr. Anat Bd. XXXVII 1891. pg. 239—249. 1 Taf.)
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wickelunffsgeschichte der Acanthocephalen. (Biblotheca soolog. Hrsg. von R. Leuckart
and C. Chun. Hft. VII. Lief. 3. 1891.)
66. Hamann, P.t Die Nemathelminthen. Beitrage sur Kenntniss' ihrer Ent-
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thocephalen, ihre Entwicklung, Histogenie, Anatomie nebst Beiträgen sur Systematik
und Biologie. Tbl. I. 8°. 119 pg. mit 10 Taf. (Jen. Zeitschr. für Naturw. XXV. N.
F. XVHI. 1891.)
67. Hlgnin, P., Sur I'embryogenie de l'Echinorhynchus proteus. (Compt rend.
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528 Kematodenkrankheiten der Erdbecrpnanse.
68. Saint-Joseph, de. Les anneüdes polycbetes de« cotes de Dinard. (A.ao
sciene. nat. Zoologie. 8er. VII. T. V. Paris 1888. pg. 218—224.)
69. Voeltskow, A., Entovalva mirabilis, eine schmarotzende Muschel ao& des»
Darm einer Holothurie. (Zoolog. Jahrbücher, Abth. f. System., Geogr. und BioL der
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70. Stiles, C h. W., Bau- und Entwicklungsgeschichte von Pentastomum pro-
boscideam Bad. and P. sabcylindricam Dies. In. Diss. Leips. 1891. 8°. pg. 76. 2 Taf.
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Unbekannt sind dem Referenten geblieben:
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IIL pg. 410—418.)
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(Steinheil) 1891.
Haswell, W. H., Jottings from the biol. Labor, of Sydney- Univ. XIV. Ca &
remar. flat-worm parasitic in the golden frog. (Proc. Linn. Soc. N. S. Wales. (2) Vol.
V. P. 4. pg. 661—666.)
Cobb, N. A., Arabian nematodes. (ibid. Vol. V. P. 3. pg. 449—468)
Mo nies, B., Sur rAUantonema rigida v. Sieb, parasite de diflferent Coleoptere*
coprophages. (Compt rend. Ac. Paris. T. CXLL pg. 60—62.)
Baldeschi Oddi, 6., Stadi statistici delli Anchilostomiasi nelle provincie m«ri-
dionali del continente italiano. (Giorn. interna«, sc. med. Ann. XII. Fase. 22. Nspoli
1890. pg. 869—884.)
Stossieh, Mich., Ugenere DipharagaB Daj., lavoro monographico. Triette
1891. 8°. 28 pg. 8 tav. (Btül. soc adr. sc. nat. Vol. XIIL 1891.)
B an er oft, T. L., Filariae of birds. (Proc. B. soc. Queensland. VI. [1889]. pg
58—62.)
Velo, G., Caso di Filaria medinensis. (Biv. venet. sc. med. Ann. VIII. T. XIV.
1891. Fase. 1. pg. 50—54.)
Camerano, Lor., I primi momenti della evoluzione dei Gordii. (Mem. B. Aecsd-
Sc. Torino (2) T. XL. 1890. c 2 Ut.)
C h a 1 1 n , J., Sur 1'aigaiUon de l'Heterodera Schachtii. (Compt rend. Ac. sc
Paris. T. CXIL pg. 1516—1518.)
Cobb, N. A., Oxyoris-larvae hatehed in the human stomach ander normal con-
ditions. (Proc. Linn. soc. N. S. Wales. (2) Vol. V. 1891. P. 1. pg. 168—186.)
Pas quäle, A., Le Tenie dei polli di Massaaa. (Giorn. internal, sc. med. Adb.
XII. Napoli 1890. pg. 905—910.)
Cuneo, G., Cenni statistici e eorologiel sulP Echinococco delT nomo. 8°. 19 pg
Pavla 1891.
Maggiora, A., Di un caso di Taenia inerme fenestrata. (L'osserTatore. Gaze
med. Torino. Ann. XLI. Ott. 1890. pg. 689—692.)
Perroneito, E., Gli Abissini e la Taenia mediocanellata. (ibid. Vol. XU1
1891. pg. 265—267.)
Saint-Bemy, G., Sur les organes glnitaux des Tristomiens. (Compt. rend. Ac.
sc Paris. T. CXII. pg. 1072—1074.)
Bell, F. Jeffrey, Deseription of a new species of Tristomam from Histiophoru
brerirostris. (Ann. and Mag. of nat. bist. [7 ser.] Vol. VU. 1891. pg. 584—535.)
Neu mann, G., Obsenrations sur les Tenias da moaton. (Soc. d'hist nat. de
Toulouse, Compt. rend. seance da 18. Mars 1891.)
Bitzema Boa, J., Zwei neue Nematodenkrankbeiten der
Erdbeerpflanze. Vorläufige Mittheilung. (Zeitschrift
für Pflanzenkrankheiten. I. 1891. p. 1—16. Mit 1 Taf.)
Die durch Arten aus der Kematodengattung Aphelenchus
verursachten Erdbeerkrankheiten stammen aus der Grafschaft Kent
in England, wo sie seit 1890 vereinzelt beobachtet worden sind.
Beim, Die Neuerungen d. bakt. Untersucbungsmethoden seit d. Jahre 1887. 529
Die erste derselben, vom Verf. als „Blumenkohlkrankheit
der Erdbeeren" benannt, wird hervorgerufen durch Aphe-
lenchus Fragariae n. sp., einen sehr beweglichen, 0,57
— 0,85 mm langen Nematoden, dessen Körper bei beiden Ge-
schlechtern bei der analen Oeffnung, also bei Beginne des Schwanzes,
sich plötzlich etwas verschmälert. In dem abnorm entwickelten
Theile der Erdbeerpflanze finden sich die Nematoden in grosser
Anzahl, und zwar im Mai und Juni im Larvenstadium. Die Fort-
pflanzung scheint erst in der zweiten Hälfte des Sommers statt-
zufinden. Verf. ist es noch nicht gelungen, die Lebenseigentbümlich-
keiten der neuen Aphelenchus- Art, z. B. die Zahl der Generationen
in einem Jahre, Fortpflanzungsvermögen, Zustand der Ueberwinterung,
Verbreitungsweise im Boden und in den Pflanzen, das Ueberdauern
von Austrocknen, Kälte u. s. w. zu studiren. An den Erdbeerpflanzen
bewirkt der Schmarotzer unter Hypertrophie der parenchymatischen
Gewebe Verdickung, Verbreiterung und Verwachsung der Stengel-
organe nebst Ausbildung zahlreicher verkümmerter Knospen, welche
dem Kamme aufsitzen, so dass die Pflanze einem Stücke Blumenkohl
nicht unähnlich wird.
Die zweite Krankheit der Erdbeere ist äusserlich ganz ähnlich;
auch hier sind die Stempeltheile dick und angeschwollen, von heller
Farbe. Es fand sich bei derselben aber eine andere, weniger beweg-
liche Art, Aphelenchus Ormerodis n. sp., welche 0,55--0,65 mm
lang, aber doppelt so breit, als A. Fragariae ist, deren Körper
sich nicht plötzlich beim After verschmälert, sondern nach beiden
Enden hin allmählich und langsam dünner wird und deren äusserstes
Schwanzende in eine sehr feine Spitze endigt. Sehr häufig wurden
auch in den kranken Pflanzen Arten von Cephalobus gefunden.
Da dieselben sich aber nicht in allen erkrankten Pflanzen vorfanden,
wie es beim Aphelenchus Ormerodis der Fall war, so sind sie
nicht als die Urheber der eigentümlichen Krankheit anzusehen, son-
dern sind erst nachträglich hineingekommen. Brick (Hamburg).
Untersuchungsmethoden, Instrumente etc.
Die Neuerungen auf dem Gebiete der bakteriologischen
Untersuchungsmethoden seit dem Jahre 1887.
Zusammenfassender Bericht
von
Dr. L. Helm,
k. b. Stabsarzt and Privatdoxenten.
(Schiusa.)
D'Arsonval (9. 831) empfahl neben der Filtration die Be-
nutzung des starken Druckes flüssiger Kohlensäure zur Erzielung
sterilisirter Flüssigkeiten.
J>3Ö Helm,
Mit Hülfe von Thonzellen gewonnene Filtrate von Kulturen oder
Gewebssaft hat nun (Roux und Chamberland \3. 769], Wool-
dridge [4. 881, Roux und Yersin \b. 348], Emmerich1) n.
A.) entweder direkt zu Studien der giftigen, immunisirenden oder
heilenden Wirkungen genommen, oder erst weiter chemisch verar-
beitet, in der Absicht, die wirksamen Körper daraus möglichst rein
darzustellen. Derartige Verfahren sind von Brieger und Fraenkel
(8. 142), Wassermann und Proskauer*) des Näheren mitge-
theilt und haben zur Gewinnung eiweissartiger Giftstoffe, der sog.
Toxalbumine, geführt, von denen es nach Wassermann und Pros-
kauer aber noch nicht erwiesen ist, ob sie das Gift chemisch ge-
bunden enthalten, oder ob es ihnen beim Niederschlagen nur mechanisch
beigemengt wurde. Dm bei den dabei nöthigen Abdampfungen die
auf die Gifte zersetzend wirkenden höheren Wärmegrade zu umgehen,
hat Brieger einen Vakuuraapparat für konstante niedrige Tempe-
raturen durch Lautenschläger konstruiren lassen, hinsichtlich
dessen Beschreibung ich auf das Original 3) verweisen muss.
Ohne Filtration gewann Scholl4) aus Cholerakulturen in
Hühnereiern ein Toxopepton auf folgende Weise: Das von den Bak-
terien verflüssigte Eiweiss wurde in die zehnfache Menge absoluten
Alkohols eingegossen, der Niederschlag mit Alkohol ausgewaschen,
mit Wasser digerirt und filtrirt. Die wässerige Lösung wurde wieder-
holt in mit Essigsäure schwach angesäuerten Aetherspiritus einge-
tragen, vom Rückstand abgegossen und dieser in alkalisch gemachtem
Wasser aufgelöst. Letztmalige Eintragung in reinen Aether, welcher
verdampft wurde, führte zur Gewinnung einer weissen voluminösen
Masse, von der geringe Mengen intraperitoneal applizirt, Meerschwein-
chen in kurzer Frist tödteten.
Während .bislang hauptsächlich die von den Bakterien erzensten
Stoffwechselprodukte, sei es nun, dass sie direkt von ihnen geliefert
oder unter ihrem Einfluss aus dem Eiweiss und eiweissähnlichen
Stoffen des Körpers oder der Kulturen gebildet waren, das Interesse
der Forscher beschäftigten, hat man in neuerer Zeit auch die Stoffe,
welche aus dem Bakterienleib selbst sich darstellen . lassen, in den
Bereich des Studiums und der Versuche gezogen.
Nachdem Buchner5) gesehen hatte, dass die aus Kartoffelkul-
turen der Friedl&n der 'sehen Pneumoniebakterien durch Auf-
schwemmen in physiologischer Kochsalzlösung Kochen und freiwillige
Sedimentirung gewonnenen ProteYnstoffe mikroorganismenfreie Ent-
zündung, Eiterung und Fieber zu erzeugen im Stande seien, versuchte
dieser Forscher die Albuminste des Bakterieninhaltes in Lösung über-
zuführen. Es gelang ihm (O. 8. 321 \ nach Nencki's Methode bei
verschiedenen Bakterien eine "mehr oder weniger reichliche Ausbeute
an Protein zu gewinnen, am meisten vonBac. pyocvaneus. Nach
Buchner6) verfährt man dabei folgendermassen : Die von gut ent-
1) M. m. W. 91. 19. Sil.
*) D. m. W. 91. 17. 686.
8) Z. f. kl. M. XVII. Snppl.
4) B. kl. W. 90. 41. 984.
6) B. U. W. 90. 80. 678.
6) B. kl. W. 90. 47. 1084.
Die Neuerungen d. bakUriol. üntersuchongtmetJboden aalt dem Jahre 188T. 531
wickelten Kartoffelkultaren abgestreifte Bakterienmasse wird in einer
[leibschale mit etwas Wasser gleichmässig verrieben, das fünfzigfache
Polum 0,5 °/0 Kalilauge zugesetzt, bis zur möglichst vollständigen
Verflüssigung im Wasserbad digerirt und durch mehrere kleinere
Filter filtrirt. Das klare grünliche Filtrat wird mit verdünnter Essig-
)der Salzsäure bis zur eben deutlichen saueren Reaktion unter Ver-
meidung von Säureüberschuss versetzt, das ausgefällte Pyocyaneus-
protein auf dem Filter gesammelt, ausgewaschen und in schwach
alkalischem Wasser aufgelöst. Den Nachweis, dass derartige Pro-
teine eine chemotaktische, leukocytenanlockende Wirkung ausüben,
erbrachte Buchner, indem er sie in spindelförmige, einige Milli-
meter weite Glasröhrchen einschmolz, durch Kochen sterilisirte und
anter aseptischen Vorsichtsmassregeln unter die Rückenhaut von Ka-
ninchen einschob, um sie nachher subkutan abzubrechen. Nach eini-
gen Tagen fanden sich in den freien Enden der Röhrchen, welche
Doch flüssiges Protein enthielten, stets Pfropfe von faserstoffigem,
sterilem Eiter.
Die weittragendste Bedeutung erlangten die aus den Bakterien
ausziehbaren Stoffe durch die Darstellung des Tuberculins. Koch
(9. 64) gewann dieses, den tuberculösen Krankheitsprozess in so
eminenter Weise beeinflussende Mittel durch Extraktion aus den
Reinkulturen der Tuberkelbacillen mittelst Glycerin, wodurch sich
die eitererzeugende Substanz ausschalten Hess.
X. Untersuchungsmethoden hinsichtlich der entwlckelungs-
hemmenden und bakterlentödtenden Eigenschaften von Chemi-
kalien und der Hitze.
Die von Koch zur Prüfung eingeführten Seidenfäden mit ange-
trocknetem Bakterienmaterial haben sich als eins der zweckmäßigsten
Mittel bis jetzt erhalten, wenn auch vereinzelte Stimmen dagegen
laut geworden sind. So wollte Braatz (O. 8. 8) bei Untersuchungen
mit Sublimat Baumwollenfäden als Ersatz, und Geppert erklärte
sie für ungeeigneter, als die von ihm verwendete Sporenemulsion
(s.u.). Behring 's eingehende Untersuchungen Hessen aber weder
einen zwingenden Grund finden, von der Seide abzugehen, noch die
Verwendung der Fäden aufzugeben, da sie einerseits das geeignete
Mittel seien, um die Bakterien in sehr grossen Mengen auf einen
kleinen Raum zusammenzubringen, andererseits den Verhältnissen
der Praxis besser entsprächen, wo die zu vernichtenden Keime zu-
meist an festen Partikelchen oder Körpern haften. Folgen wir
BehringV) Vorschriften, so gestaltet sich das Verfahren der Zu-
richtung bei Verwendung von das Austrocknen ertragenden Mikro-
organismen folgendermassen :
Seidenfäden mittlerer Dicke werden in etwa 1 cm" lange Stücke
geschnitten und mit heissem Wasserdampf keimfrei gemacht. Dem-
nächst schabt man die auf schräg erstarrtem Agar gut entwickelte
Kultur (Milzbrandsporen hält man noch 3 Tage nach ihrem ersten
l) * f. Q. I*. 39Q,
632 Heim,
Erscheinen im Brutschrank) mit einer Platinöse ab, schwemmt sie
in sterilisirtem Wasser zu einer gleichmäßigen, bis zur Undurchsich-
tigkeit dicken Emulsion auf und giesst diese über die in Doppelsch&l-
chen befindlichen Seidenfäden. Sind sie gleichmäßig damit getränkt,
so werden sie herausgenommen, in Abständen auf den Boden einer
Pet riechen Schale gelegt und unter Vermeidung von zufälligen
Verunreinigungen und möglichster Abhaltung des direkten Sonnen-
und diffusen Tageslichtes getrocknet und aufbewahrt
Mit sporenfreien, das Austrocknen nicht vertragenden Bakterien
(Streptokokken) imbibirte v. Lingelsheim1) die Seidenfäden in
der Weise, dass er sie 1 Stunde lang in den Bodensatz einer 24
bis 36 Stunden alten Bouillonkultur legte, nachdem die überstehende
Flüssigkeit zuvor bis auf V6 ihres Volumens (2 ccm) abpipettirt war.
Schon früher hat Fisch P) bei seinen Versuchen mit dem
Soorpilz die F&den nach 2—3 Minuten langem Aufenthalt in der in
einer sterilisirten Reibschale hergestellten Aufschwemmung mittelst
einer an den freien Branchenenden mit Platinblechen versehenen
Pinzette auf schräg erstarrtes Agar übertragen und wieder abge-
nommen, wenn im Brutschrank charakteristisches Wachstiram er-
folgt war.
Die imprägnirten Seidenfäden werden, wenn es sich um Prüfung
löslicher Mittel handelt, nach Behring in mit 10 ccm der Lösung ,
beschickte Doppelschälchen gelegt und dafür Sorge getragen, dass sie
sich rasch mit der Flüssigkeit imbibiren und zu Boden sinken. Zum j
Schluss gelangen sie zur Ueberimpfung aufs Thier oder auf brutbe- j
ständige Nährböden, am besten Bouillon. Letztere sind deshalb als
ein feineres Reagenz für erfolgte Abtödtung der Kultur gegenüber dem
Thierkörper anzusehen, weil, wie Behring fand, die Bakterien durch
die Einwirkung des Mittels nicht ihre Entwicklungsfähigkeit ver-
loren haben können, wohl aber ihre Virulenz, welche sie auf dem
neuen Nährboden wieder gewinnen.
Ehe man aber die dem zu prüfenden Mittel ausgesetzt gewesenen
Mikroorganismen zur Aussaat bringt, muss man dafür sorgen, dessen
letzte Spuren zu entfernen, um nicht in den Nährboden entwicke-
lungshemmende Stoffe zu übertragen, welche sich um so mehr geltend
machen können, als die Bakterien, bezw. deren Sporen, in einem mehr oder
weniger geschwächten Zustand befindlich, nicht mehr die nöthige
Kraft zum Auskeimen haben und so den Eindruck machen, als wären
sie abgestorben. Darauf hat Geppert die Aufmerksamkeit gelenkt
und die Entfernung durch für die Bakterien unschädliche Gegen-
mittel bewirkt, bei Sublimat z. B. mit Schwefelammoniumlösoog
(1:3), bei Karbolsäure mit warmem Wasser, bei Chlor durch Ammo-
niak, unterschwefligsaurem Natron u. dergl. Geppert8), dessen Be-
streben dahin ging, die absolute Widerstandsfähigkeit der Keime
unabhängig von dem Material, an welchem sie haften, kennen zu
1}Z.
2) P.
f. H. X. 861.
_ . d. M. S7. »0. 665.
3) B. kl. W. 89. 36. 789; 90. 11. 846.
t>ie tfeuerangen i. baktetioL ÜntersactitiÄgimetiiodeti seit dem Jahre lÖ8f . 533
lernen, stellte seine Untersuchungen mit Bakterien- bezw. Sporen-
emulsionen an, etwa in folgender Weise:
Die auf festem Nährboden gewachsene Kultur wurde mit sterili-
sirtem Wasser abergossen, mit der Platinnadel darüber gefahren, so
dass sie sich im Wasser vert heilte und die Mischung in ein anderes Re-
agenzglas gegossen, worin sie bis zur Entstehung einer Trübung ge-
schüttelt wurde. Die folgende Filtrirung durch ein gröberes und
schliesslich durch engere Filter aus der leicht sterilisirbaren Glas-
wolle lieferte ein trübes, von Flöckchen freies Filtrat. Davon wurde
'/s ccm mittelst sterilisirtem Platinlöffel entnommen und mit 25 ccm
des in einem mit ausgekochtem Deckel versehenen Krystallisirschäl-
chen befindlichen Desinfektionsmittels vermischt; nach bestimmten
Zeiträumen kam */2 ccm der Mischung in steriles Wasser, worauf
die Ausfällung des Desinfektionsmittels (Sublimat durch Schwefel-
ammonium) erfolgte. Einige Tropfen davon wurden dann in einem
frischen Sch&lchen mit 8 ccm einer zur Erleichterung der Manipula-
tion nur Vj prozentiget] Agargelatine Übergossen, welche dem Brüt-
schrank anvertraut wurde, 5 Beobachtungstage reichten jedesmal
zur Entscheidung des Versuches aus.
Kann oder will man sporenfreie Bakterien nicht an Seidenfäden
haftend der Wirkung des zu prüfenden löslichen Mittels aussetzen,
so verttaeilt man sie nach Behring in 5 ccm Bouillon, welcher
jenes in verschiedenen Abstufungen zugesetzt wird, worauf in be-
stimmten Zeitabschnitten Uebertragungen auf frische Bouillon gemacht
werden. Es hat sich bei den Untersuchungen von Boer1) heraus-
gestellt, dass grössere Mengen des Desinfektionsmittels zur Abtödtung
der Bakterien nöthig sind, wenn sie sich in der Bouillon erst einige
Zeit entwickelt haben. Handelt es sich um Prüfung von Desinfek-
tionsmitteln zu bestimmten Zwecken, so wird sich selbstredend die
Versnchsanordnung in jedem einzelnen Falle diesen anzupassen haben.
So hat Jäger (7. 362) bei seinen Studien über die Desinfektion
von Thierställen mit chemischen Mitteln u. a. die mit den Bakterien im-
pragnirten, auf Bretter befestigten Seidenfäden mit Kalk oder Chlor-
kalklösung übertüncht.
Die anders, als in gewöhnlichen Nährsubtraten sich gestaltende
entwickelungshemmende Wirkung von Chemikalien im Blute durch
eine neue Methode klar gelegt zu haben, ist eines der Verdienste
Behring 's um die Förderung unserer Kenntnisse auf dem Gebiete
der Desinfektionslehre. Der genannte Forscher (O. 3. 27; 7. 106)*)
stellte mit Hülfe einer geeigneten Pipette beliebige Konzentrationen
des zu prüfenden Mittels in 10 ccm sterilisirtem Blutserum her, nach-
dem zuvor ein Tropfen davon zur Kontrolle auf ein Deckgläschen ge-
geben war; das Gleiche geschah jedesmal, wenn eine neue, bestimmte,
in der Dosis allmählich gesteigerte Menge des Mittels demselben
Serum zugesetzt war; schiesslich wurde die ganze Reihe der auf den
Deckgläschen befindlichen Tröpfchen mit den Bakterien infizirt, in be-
kannter Weise auf den hohlgeschliffenen Objektträger gelegt und der
Brutschrankwärme ausgesetzt Die Konzentration, bei welcher die
1) Z. f. H. IX. 486.
I) D. m. W. 87. 87. 805«
5$4 Beim» t>i« tteaernngen cL bakt Üntersactiungtinctiiodeii Mit i. Jahre l&ftt.*
Entwicklungshemmung eintrat, stand, so ergaben Vergiftungsversuche
am Thier, in einem bestimmten Verhältniss zur tödthcben Dosis.
Die Prüfung von schwer oder nicht im Wasser löslichen Sub-
stanzen, z. B. ätherischen Oelen, hinsichtlich ihrer entwickeluogs-
hemmenden bezw. baktcrientödtenden Eigenschaften ermöglichte
Behring im Blutserum durch vorgängige Losung in Alkohol
Cad6ac und Meunier (6. 282) tauchten lediglich einen mit dem
Kulturmaterial beladenen Platindraht für kürzere oder längere Zeit
in die Essenzen und stachen dann in Agar ein. Omcltschenkt
(O. 9, 815) bediente sich zum Studium der Dämpfe solcher Gelt
eines eigenen kleinen Apparates, während Buchner (2. 360; 6.366
in ebenso einfacher wie anschaulicher Weise die Wirkung der Dämpfe
von Jodoform, Formaldehyd, Kreolin und Chloroform auf in Eut
Wickelung begriffene Kulturen durch Einhängen eines kleineren m\\
der Substanz gefüllten Röhrchens in das grössere Reagenzglas sicht-
bar machte. Sehr praktisch untersuchte Löffle r J) die entwicke
lungshemmende Wirkung einer grossen Anzahl ätherischer Oele aui
Diphtheriebacillen : Die Wattepfropfe der mit Löffler'schem Seme
(4 Theile Rinderblutserum und 1 Theil genau neutralisirter Bouillon
welcher 1 °/0 Pepton, 1 °/0 Traubenzucker und 0,5 °/0 Kochsalz zuge-
setzt wird) beschickten, kurz zuvor beimpften Kulturröhrchen wurden
mit dem betr. Oel befeuchtet, aufgesetzt und mit Gummikappe über
zogen; von festem Thymol kam ein Stück unter die letztere.
Die Wirkung von als Gargarisma verwendbaren Mitteln aal
Diphtheriebacillen prüfte der genannte Forscher, indem er Aber <to
frische Aussaat oder die auf dem Serum gewachsene Kultur IC
— 15 cem der Lösung des Mittels schüttete und nach 1 — 30 Se-
kunden wieder abgoss.
Untersuchungen über das Verhalten der Hitze gegenüber den
Mikroorganismen wurden, wie bei den Chemikalien, zumeist mit
Seidenfäden angestellt Sie kamen für kurze Zeit in die beisst
Flüssigkeit. Geppert8) benutzte auch hier die filtrirten Spore*
emulsionen, welche er in Mengen von etwa 5 cem in einem kleinen
Porzellantiegel kochte, dann die doppelte Menge kalten, sterilisirtes
Wassers zusetzte und von dem Gemisch etwa l1/, cem zur Aussaat
auf Agar verwandte.
Oder die Seidenfäden wurden dem Dampf ausgesetzt, indem sie
in Packetchen eingeschlossen in den Dampfentwickler versenkt war«
den. v. Esmarch (5. 140) hat, was für die Vergleichung der ß*
sultate von Desinfektionsergebnissen, die zu verschiedenen Zeiten
oder von verschiedenen Autoren gewonnen wurden, wichtig ist, zuerst
darauf aufmerksam gemacht, wie ungleichmässig sich die Wider-
standsfähigkeit verschiedener Milzbrandsporen gegenüber dem Dampf
(und auch chemischen Mitteln) verhält Man wird deshalb bei allen
ähnlichen Versuchen den Rath C. Fraenkel's (7. 384) beherzigen
müssen, sich über den Resistenzgrad seines Materials vorher da
näheren zu orientiren. Die Packetchen, in welche die Probeobjekte
kommen, können nach v. Es m a r c h aus gleich grossen Stückchen FiJtrir-
1) D. m. W. 91. 10. 86S.
%) D. m. W. 91. 96. 6*7.
ftakterioiogbciies vom Vit. Liter nationalen ftongress m London. [jSo
papier hergestellt und zu niehreieu, iu Gazebeatelchen zusammengethan,
ao Fäden in den Apparat gehängt werden; ich fand es vorteilhaft,
die Papierumhüllung wegzulassen und die 4 Enden der kleinen Gaze-
stückchen, auf welche die tieidenfäden gelegt worden waren, mit
einer kleinen federnden Klemme zusammenzufassen.
Sporenlose Bakterien hat man, falls man sie nich feucht an
Seidenfäden haftend der Hitze aussetzte, in einem Reagenzglase
sammt dem Nährmaterial, in welchem sie gewachsen waren, ins
Wasserbad von bestimmter Temperatur möglichst tief eingetaucht.
Koch sicherer werden die Resultate, wenn man, wie ich es bei Er-
wärmungsversuchen mit Bakterien der blauen Milch, des Schweine-
rothlaufes u. s. w. (8. 46; 10. 135) machte, Kulturen in flüssigen Medien
in sog. Lymphröhrchen füllt, in welchen beim Abschmelzen noch ein
kleiner Raum frei bleiben muss. Diese Röhrchen werden, an Fäden
befestigt, für eine bestimmte Zeit neben die Qutcksilberkugel eines
Thermometers in eine möglichst grosse Wassermenge von konstanter
Temperatur gelegt.
In dem vorliegenden zusammenfassenden Bericht glaube ich eine
Uebersicht über die Neuerungen auf dem Gebiete der bakteriologischen
Intersuchungsmethoden gegeben zu haben, welche, das vielfach zer-
streute Material sammelnd, zur Orientirung in der Litteratur, wie
zur Unterstützung bei praktischen Arbeiten dienlich sein kann. Hin-
sichtlich der in diesem Centralblatt erschienenen Originalarbeiten und
Referate konnte ich mich oft mit dem Hinweis zufrieden geben, mit-
unter aber erheischte der Zusammenhang eine kurze Darstellung des
ganzen oder theilweisen Inhaltes der ersteren, oder eine Ergänzung
der letzteren. Anderweitig veröffentlichte Arbeiten habe ich ein-
gehender berücksichtigt, wenn es sich um die Schilderung eines neuen
Untersuchungsverfahrens, Apparates o. dgl. handelte, da ich von der
Ansicht ausging, dass das Centralblatt nicht nur ins Studirzimmer,
sondern auch ins Laboratorium gehöre, wo das Nachlesen der Origi-
nalartikel gewöhnlich mit grösseren Unbequemlichkeiten verknüpft ist,
wie dort
Würzburg, den 30. Juni 1891.
Originalberichte Ober Kongresse.
Bakteriologisches vom VE. internationalen Eongress
für Hygiene und Demographie zu London,
10—17. August 189L
(FortMtiung.)
Sektion för Bakteriologie.
Dienstag, den 11. August 1891.
Lister eröffnete die Sitzung mit einigen einleitenden Worten,
in denen er seinem Bedauern über die Abwesenheit von Pasteur
536 Bakteriologisches vom Vit. Internationalen Kongress m Lon<foiL
und Koch Ausdruck gab, von denen jener durch Krankheit, dieser
durch Geschäfte am Erscheinen verhindert sei. L. ging dann auf
die bedeutenden Fortschritte, welche die Wissenschaft seit 1881 ge-
macht, ein: Koch 's neue Kulturmethode, die Entdeckung des Tu-
berkelbacillus, die Darstellung des Tuberkulins, „das als von grossem
pathologischem Interesse angesehen werden muss, selbst wenn seine
Heilwirkung nicht bewiesen ist"; Pasteur's Werk über die Hands-
wuth, gleichfalls eine Frucht der letzten 10 Jahre ; die Phagocyten-
theorie, die Erzeugung von Immunität gegen Tetanus und Milzbrand,
entere durch Einspritzung einer chemischen Substanz, letztere durch
Einführung von Rattenblut bei Mäusen. Nach einer Aufforderung
zum Besuch der bakteriologischen Ausstellung ertheilte L. das Wort an
Prof. Layeran aus Paris über „die Aetiologie der Ma-
la riau, der sich etwa folgendermassen äusserte:
„Der thierische Blutbewohner, den ich 1880 bei den Kranken, die
vom Sumpffieber befallen sind, beschrieben habe, ist von einer grossen
Zahl von Beobachtern wiedergefunden worden, und sein Vorhandensein
wird nicht mehr ernstlich bestritten. Von den zahlreichen Arbeiten, die
im Laufe der letzten 10 Jahre veröffentlicht sind und meine eigenen
Arbeiten bestätigen, führe ich an die von E. Richard, Stern-
berg, Councilman, W. Osler, James, Marchiafava und
Celli, Guarnieri, P. Canalis, Grassi und Feletti, An-
tolisei und Angelini, Terni und Gardina, Bignami, V.
Carter, Evans, Metschnikoff, Saccharoff, Khenzinsky,
Romanowsky, Souli6, Paltauf, Bamberger, Hochsin-
ger, Pleh n, Quincke, Pfeiffer, E. Morado und F. Coranado.
„Die morphologischen Eigenschaften des Blutparasiten des Wechsel-
fiebers sind heute wohlbekannt, ich werde mich darauf beschranken,
die Hauptformen, unter denen er sich darstellt, kurz ins Gedächtnis
zurückzufahren. Diese Formen sind auf dieser Abbildung (Verf. zeigte
seine Präparate vermittels des Projektionsapparates) dargestellt.
„1. Runde Körperchen. Diese Elemente, deren Durchmesser
zwischen 1 bis 8 oder 10 p wechselt, sind frei im Serum oder hangen
an Blutscheiben an, welche verblassen in dem Grade, als die Para-
siten an Grösse zunehmen ; sie zeigen lebhafte amöboide Bewegungen
und enthalten, ausser in der ersten Zeit ihrer Entwickelung, Pigment-
körnchen.
„2. G e i s s e 1 1 r ä g e r. An der Oberfläche der runden Körperchen,
die zu ihrer vollständigen Entwickelung gelangt sind, beobachtet man
zuweilen im frischen Blute Geissein in verschiedener Anzahl und w?
sehr lebhafter Beweglichkeit; diese Geissein fallen schliesslich von
den runden Körperchen ab, werden frei und verlieren sich zwischen
den Blutscheiben.
„3. Halbmondförmige Körperchen. Diese Elemente sind
cylindrisch, an den Enden mehr oder weniger spitz ausgezogen und
gewöhnlich halbmondförmig eingebogen ; sie messen 8—9 p in der
Länge; gegen die Mitte hin unterscheidet man einen von Pigment-
körnchen gebildeten schwärzlichen Fleck. Diese Elemente können Ei-
pder Kugelform annehmen; sie sind nicht beweglich.
Bakteriologisches vom VTL internationalen Kongress sn London. 537
4. „Rosettenförmige Körperchen. Regelmässig segmen-
tirte Elemente mit einer kleinen Pigmentanhäufnng in der Mitte ; die
Segmente nehmen nach Verlauf einiger Zeit Kugelform an, und das
Element fällt aus einander. Die rosettenformigen Körperchen scheinen,
wie Golgi gesagt hat, einer Weise der Vermehrung der Blutparasiten
zu entsprechen. Schliesslich findet man im Blute der Malariakranken
melaninhaltige weisse Blutkörperchen. Die Melanämie, so ausge-
sprochen bei den Leuten, die von perniciösen Zufällen betroffen wer-
den, hatte schon lange die Aufmerksamkeit der Beobachter auf sich
gezogen, aber man wusste sich den Vorgang der Pigmentbildung nicht
zu erklären. Der Nachweis pigmentirter Schmarotzer hat die Lösung
dieses Räthsels gegeben ; die weissen Blutkörperchen bemächtigen sich
der Schmarotzer und nehmen auf diese Weise das Melanin in sich auf.
„Die Geisseiträger können nur in frischem Blute beobachtet wer-
den, während die andern Elemente im konservirten Blute wohl zu
sehen sind. (Verf. zeigt einige Präparate der Malariaparasiten.)
„Das schnelle Austrocknen und Fixiren durch die Hitze ist für
das Studium des Malariabluts sehr zweckmässig, man färbt vermittels
einer gesättigten Methylenblau- und Gentianaviolettlösung ; man kann
eine Doppelfärbung herstellen, indem man nach einander eine gesättigte
wässerige Eosinlösung, welche die Blutscheiben rosa färbt, und die
gesättigte wässerige Methylenblaulösung, welche die weissen Blut-
körperchen und die parasitären Elemente blau färbt, auf das ge-
trocknete Blut einwirken lässt.
„Einige Beobachter geben an, in den runden und auch in den
halbmondförmigen Körperchen Kerne nachgewiesen zu haben.
„Golgi und P. Canalis nehmen 3, Grassi und Feletti 2
verschiedene Malariaparasiten an. Die verschiedenen Formen, unter
denen sich der Malariaparasit darstellt, scheinen ein und derselben
vielgestaltigen Sporozoe anzugehören, so wie ich neuerdings nachzuweisen
versucht habe (Du paludisme et de son h6matozoaire. Paris 1891).
„Hämatozoen, die dem Parasiten der Malaria ähnlich sind, kommen
bei verschiedenen Thieren vor. Dahin gehört das Drepanidium
ranarum,das Gaule und Ray Lankester beschrieben haben, da-
hin gehören vor allem gewisse Hämatozoen bei Eidechsen, bei der
Sumpfschildkröte und bei Vögeln, deren Kenntniss wirDanilewsky
verdanken.
„Man findet im Blute mehrerer Vogelarten einHaemotozoon,
das demjenigen der Malaria so nahe steht, dass mehrere Beobachter
haben behaupten können, es handle sich um einen und denselben
Schmarotzer.
„Grassi und Feletti, Celli und Sanfelice haben nach
Danilewsky diesen Vogelblutbewohner studirt; mir ist es ge-
lungen, ihn im Blute der Elster und der Lerche zu finden.
„Dieser Schmarotzer findet sich am häufigsten in den Blutscheiben
eingeschlossen ; er stellt sich im ersten Stadium seiner Entwickelung
dar in Form kleiner, kugeliger, durchscheinender Gebilde von etwa
1 fi Durchmesser, welche helle Flecke bilden in den Blutscheiben,
deren Form sich erhalten hat; man unterscheidet gewöhnlich im
538 Bakteriologisch** rom VII. ioternatioDalen Koograst n London.
Gentrum eines jeden parasitären Gebildes ein oder mehrere Farbstoff-
körnchen (Demonstration einer zweiten Tafel). Diese kleinen Körper-
chen werden grösser und die Pigmentkörnchen im Innern nehmen zu
Bald behält das Haematozoon im Laufe seiner Entwicklung Kugd-
gestalt, bald nimmt es längliche Form an ; dann gewährt es das Bild
eines Würmchens, dessen grösster Durchmesser dem grössten Durch-
messer der Blutscheibe gleich gerichtet ist, in der es eingeschlossa
ist, und dessen Enden sich auf beiden Seiten um den Kern umbiegen.
Die Blutscheibe verliert ihre Gestalt, bläht sich auf, der Kern wirf
bei Seite gestossen und verschwindet zuweilen.
„Ist das Haematozoon zu seiner vollen Entwicklung gelangt,
so wird es frei ; es stellt sich nun dar in der Gestalt eines länglichen
oder kugeligen, pigmentartigen Körperchens von der Grösse etwa eines
weissen Blutkörperchens. Die Farbstoff körnchen befinden sich stets
in lebhafter Eigenbewegung, und die kugeligen Körperchen erzeugen
Geisseiträger, die die grösste Aehnlichkeit mit den Flagellaten des
Malariablutes haben ; endlich beobachtet man zuweilen rosettenförmige
oder segmentirte Körperchen.
„Die Aehnlichkeit dieses Schmarotzers mit dem Malariablutbe-
wohner ist sehr gross; doch gibt es bemerkenswerte Unterschiede:
man beobachtet im Vogelblute keine halbmondförmigen Körper, die
parasitären Gebilde beim Vogel befinden sich innerhalb der Blut-
körperchen bis zum letzten Abschnitte ihres Daseins, während man
sie im Malariablute häufig in freiem Zustande findet ; die amöboides
Bewegungen der kugeligen Körperchen sind viel ausgesprochener bei
dem Malariaparasiten, als bei dem Haematozoon des Vogels.
„Auf der andern Seite beobachtet man den eben beschriebenen
Blutbewohner bei Vögeln, welche aus nicht von Malaria heimgesuchten
Gegenden stammen, und häufig gibt es bei den Thieren, in denen ei
haust, zu keinerlei krankhaften Störungen Veranlassung.
„Endlich aber und hauptsächlich mdsste, wenndas Haematozoon
der Vögel mit demjenigen der Malaria identisch wäre, es gelingen,
Vögel mit dem letzteren erfolgreich zu impfen, allein bis jetzt hat
dieser Versuch nur negative Ergebnisse gehabt. 1889 und 1890 habeich
mehrmals Malariablut in die Blutadern der Elster gespritzt, und das
Ergebniss dieser Versuche ist negativ gewesen; Celli und Sanfelice
haben mit ebensowenig Erfolg verschiedene Vögel mit Malariablat
geimpft.
„Die von Danilewsky beschriebenen Vogelhämatozoen scheinen
also einer anderen Art anzugehören, als das Malariahaematozoon;
das Studium dieser Schmarotzer, der nächsten Verwandten derjenigen
der Malaria, die man kennt, ist deswegen nicht weniger interessant;
man kann hoffen, dass es dasjenige des Malariaparasiten erleichtern
und ermöglichen wird, einige Punkte, die in der Geschichte dieses
Parasiten noch dunkel sind, aufzuklären/1
Nach diesem sehr beifällig aufgenommenen Vortrage erhielt das
Wort Prof. Celli aus Rom aber „Die Parasiten der rothen
Blutkörperchen11.
Prof. Celli beginnt damit, dass er daran erinnert, wie Mar-
Bakteriologisches vom VII. internationalen Rongress zu London« 539
chiafava and er nach Auffindung neuer Thateachen und nachdem
sie dem durch Frerichs, Kelsch und hauptsächlich Laveran
bekannt gewordenen eine abweichende Auslegung gegeben, im Jahre
1885 die Theorie des endoglobulären Malariaparasitismus begründeten,
wie sie damals darauf ausgehen mussten, analoge Beispiele im Pflan-
zenreiche zu suchen, wo der endocelluläre Parasitismus zuerst be-
kannt war.
Bald darauf jedoch lieferte Danilewsky Beispiele von engeren
Analogieen, indem er in den rothen Blutkörperchen von Reptilien und
Vögeln weit verbreitete Parasiten fand.
Seitdem hat sich einerseits die Kenntniss dieser Parasiten bei
Thieren vervollkommnet, andererseits wurde in Betreff des Malaria-
parasiten erwiesen, dass die von Laveran und Danilewsky für
vollkommen ausgebildete Parasiten angesehenen geisseltragenden For-
men nichts anderes, als agonische Formen sind; was die Halbmond-
formen, d. h. diejenigen Körper betrifft, welche Laveran wegen der
Bedeutung, die er ihnen zuschrieb, No. 1 nannte, so lässt alles darauf
schliessen, dass es sterile Formen sind; man erkannte die grosse
Wichtigkeit des endoglobulären Lebens des Parasiten von den amö-
boiden Formen an bis zur Sporulation und die degenerirende Natur
der freien Formen im Plasma. Man stellte ferner klar, dass man in
Hinsicht auf die verschiedenen Jahreszeiten und Gegenden, in denen
die Malaria auftritt, respektive in Hinsicht auf die hauptsächlichsten
klinischen Formen drei parasitäre Hauptformen unterscheiden kann:
eine kleine mit schnellem, manchmal sehr schnellem Entwickelungs-
cyklus, entsprechend den schweren Formen (Sommer-Herbstfieber,
Quotidiana, Subintrans, Subcontinua, Perniciosa); andere in Hinblick
auf das rothe Blutkörperchen grosse, mit relativ langsamem Ent-
wickelungscyklus, d. h. mit einem solchen von 2 respektive 3 Tagen,
sie entsprechen also den leichten, in Rom im Frühling und Winter
vorherrschenden Formen, wie es die Tertiana- und Quartanaformen
sind. Ueber alle Parasiten des rothen Blutkörperchens bei den Thieren
wie beim Menschen beabsichtigt Prof. Celli einen synthetischen Be-
richt abzustatten, indem er das Debrige der Demonstration überlässt.
Demgemäss hebt er hervor, dass zwischen allen Parasiten des rothen
Blutkörperchens beim Menschen und bei den Thieren verschiedene
Analogieen und Differenzen vorkommen, die man kurz folgender-
masöen zusammenfassen kann:
1. Form.
Die Form der Parasiten steht in Bezug zu ihrer Bewegung
und gewöhnlich auch zur Form und Struktur des rothen
Blutkörperchens, in dem sie sich entwickeln.
Beim Menschen ist die amöboide Bewegung in allen jungen Pa-
rasiten lebhaft, mehr oder weniger lebhaft in den in der Entwicklung
begriffenen vor der Sporulation, d. h. lebhafter, je kleiner der Parasit
Qp4 je schneller die Entwicklung ist. In diesem letzteren Sinne ist
die Bewegung lebhafter bei der Tertiana, als bei der Quartana. Die
zur Ruhe gelangten Parasiten, wie auch die auf dem Wege zur
540 Neue Utteratur.
Sporulation begriffenen und häufig auch die auf dem Wege zur
Degeneration befindlichen haben runde Form. Die Parasiten mit
graduell fortschreitendem Entwickelungscyklus gestalten sich während
der ganzen Zeit ihres endoglobul&ren Lebens nach der Form des
rothen Blutkörperchens.
(Fortsetzung folgt.)
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Zatadeeki, W.f Bericht Aber die Wirksamkeit des Koch'schen Heilmittels gegen Taber-
culose. (Oesterr. SrstL Vereinsitg. 1891. No. 16, 17. p. 862—884, 891—391)
Inhalt
OrlgiasJmifttbelliiagan,
Braun, X., Bericht über die Fortschritte
in der thieriseben Parasitenkunde. (Orig.)
(8chluss), p. 624.
Orassi, B., und Feletti, B., Weiteres zur
Malariafrage. (Orig.) (Schluss), p. 617.
Banarelli, CHuseppe, Weitere Mittheilungen
Aber Gifttheorie und Phagocytose. (Orig.),
p. 618.
Beferate.
Hofft, Weitere Beitrage aur Kenntniss der
Flulnissbakterien, p. 622.
Kugler, Worin sind die Hauptursachen für
die starke, immer noch wachsende Ver-
breitung der Tuberculose su suchen und
was kann und soll der Staat aur Aus-
rottung besw. Eindämmung dieser ver-
derblichen Krankheit thun? p. 628.
Bitaema Boa, J., Zwei neue Nematoden-
krankheiten der Erdbeerpflanse, p. 628.
Will« H., Zwei Hefearten, welche sbsont
Veränderungen im Bier vennliw»
p. 621.
üntertuehuiigsmet&ode&, Instrumente«*
Heim, L., Die Neuerungen auf dem Gebiet«
der bakteriologischen Untenuchanguit*1
thoden seit dem Jahre 1887. (Orig!
(Schluss), p. 629.
Originalberichte über Koogresst
Bakteriologisches vomVILinter-
nationalen Kongress fürHygiene
und Demographie su London,
10.— 17. August 1891. (Fortsetsong.)
OtUi, Die Parasiten der rothen Blutkörper-
chen, p. 688.
Layeran, Die Aetiologie der Malaria, p W6.
Heue Litteratur, p. 640.
Buohdrucknrttl (H<
Fohle) in Jen«.
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
Geh. M Prof. Dr. Lenckart m Professor Dr. Loeffler
In Ldpzif In üwtfiwtld
herausgegeben von
Dr. O. TThlworm in Cassel.
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
X. Band. -— Jena, den 7. November 1891. -o- No. 17.
Prell für den Band (26 Hummern) 14 Mark.
Jährlich erscheinen swei Bände.
""Hi Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten. %o
Die Redaktion des „CentralMatts für Bakteriologie und Parasiten-
künde« richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wünsche um Lieferung von besonderen Abdrucken ihrer Auf-
9ätze entweder bei der Binsendung der Abhandlungen an die
Redaktion auf das Manuskript sehreiben zu wollen oder spä-
testens nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an
«ten Verleger, Herrn Gustav Fischer in Jena, gelangen zu
to*#en. Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
angehende Wunsche berücksichtigen zu können.
Original -Mittheilungen.
Untersuchungen über die Wirkungen der Inokulation
des Milzbrandes in die Nervenzentra.
[Anatomisch-pathologisches Institut der Königl. Universität Siena.]
Von
Prof. Giovanni Martinottl und Dr. Alessandro TedeschL
kr tu .UD8erm sichersten Wissen in der Lehre von den Infektions-
un?H- ten 8ehört das über den Einfluss, welchen auf den Verlauf
natri ^were e*ner Infektion der Weg ausübt, auf welchem das
patüogene Agens in den Organismus eingeführt wurde. Dieser Ein-
8S ist so stark, dass einige Infektionen nur dann zu Stande kommen,
546 Martinotti and Tedeschi,
wenn das Virus in einen gewissen Körpertheil eingeführt wird, und
der Charakter anderer bedeutend abgeändert wird, wenn sich die
Verhältnisse des Ortes, wo die Impfung stattfand, ändern.
Wir haben uns vorgenommen, zu untersuchen, was in Folge der
direkten Inokulation des Milzbrandes in die Nervenzentra vor sich
geht, und haben zu diesem Zwecke Versuche angestellt, deren Resul-
tate wir hier darlegen.
Die Thiere, an welchen wir experimentirt haben, waren Hunde,
Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten (Mus decumanos,
var. albino), Mäuse (Mus musculus, var. albino), Tauben,
Frösche, Schildkröten.
Als Material zur Infektion benutzten wir Reinkulturen auf Kar-
toffel, in Fleischbrühe, Gelatine, Agar, Emulsionen in sterilisirtem
Wasser, von diesen letzteren Blut, Eingeweidesaft und Stückchen von
Eingeweiden milzbrandkranker Thiere.
Die Methode der Impfung bestand bisweilen in Durchbohrung
des Schädels oder der Wirbelsäule vermittelst eines Trepaos und
darauf folgender Einführung des Ansteckungssaftes in die Nerven-
zentra, nach vorhergehender Eröffnung der Hüllen; bisweilen wurde
eine kleine Oeffnung in die Knochenwand gemacht und durch eine
feine Glasröhre die infizirende Flüssigkeit eingespritzt.
Dabei gebrauchten wir vorzugsweise folgende Vorsichtsmuss-
regeln :
Die Läsion so gering wie möglich zu machen, um die Resultat«
der Versuche nicht zu kompliziren.
Die Inokulation beim Gehirn in den Stirnlappen, und beim Rücken-
mark in der Lumbargegend auszuführen, um wichtige Lebenszentn
zu vermeiden.
Nach den strengsten Regeln der Asepsis zu verfahren, um se-
kundäre Infektionen auszuschliessen und zugleich den Gebrauch der
Antiseptica zu vermeiden, um nicht die Wirkung der Milzbrand-
bacillen abzuschwächen oder zu zerstören.
Soviel als möglich Blutungen zu vermeiden, sowohl um das Thier
nicht zu schwächen, als auch um zu verhindern, dass das ausge-
tretene Blut eine (je nach der Thierart) günstige oder nachtheilige
Wirkung auf die Entwickelung der Bacillen ausübe.
Die Operationen wurden grösstentheils unter Narkose ausgeführt
hervorgebracht durch subkutane Einspritzung einer Lösung ™a
Chloral und Morphium in Dosen, welche zu dem Gewichte des Thieres
in Verbältniss standen. Da es uns bekannt war, dass einige Be-
obachter den Widerstand gegen gewisse Infektionen unter der Wir-
kung der Narcotica vermindert gefunden haben, so operirten wir
auch einige Thiere ohne Narkose ; da jedoch die Resultate konstant
blieben, kehrten wir wieder zu der Methode zurück, die Thiere wäh-
rend der Narkose zu operiren 1).
Sobald das Thier gestorben war, untersuchten wir mit den ver-
schiedenen bakteriologischen Färbemethoden das Blut, die Gehirn- und
1) Bei allen Versuchen, wo ans daran gelegen war, anch diese mögliche Urstc"
des Irrtbums auszusehliessen, operirten wir ohne Narkose.
Ueber die Wirkungen der Inokulation des Milzbrandes in die Neivensentra; 547
Rückenmarksfifissigkeit, den Saft der Milz, und machten auch damit
Kulturen und Inokulationen in andere Thiere. Wenn die Prüfung
des Blutes negativ ausfiel, setzten wir (unter allen Vorkehrungen
der sorgfältigsten Asepsis) das Blut bei Seite, um Sporen zu treiben,
und machten nach 24 Stunden Präparate davon. Von der Milz und
dem Gehirn wurden Theile zur histologischen Untersuchung aufbe-
wahrt, besonders zur Inokulation in andere Thiere verwendet.
Die Untersuchung der Eingeweide wurde vorzugsweise durch
Härtung und Fixirung in absolutem Alkohol bewirkt; von den ver-
schiedenen gebrauchten Färbungsmethoden zu sprechen, scheint uns
Oberflüssig.
Die hauptsächlichsten Folgerungen, welche wir aus unseren Ver-
suchen ziehen können, lassen sich auf folgende Weise zusammen-
fassen *):
Die für Milzbrand sehr empfänglichen Thiere, wie Kaninchen
und Meerschweinchen, unterliegen der Inokulation in die Nervenzentra
schneller, als der in andere Theile ausgeführten.
Wir haben Meerschweinchen in weniger als 12, und Kaninchen
in weniger als 24 Stunden in Folge der Inokulation des Milzbrandes
in die Nervenzentra sterben sehen.
Die Thiere, welche, wenn auch nicht ganz immun, doch gegen
die Milzbrandinfektion sehr widerstandsfähig sind, wie der Hund und
die weisse Ratte (Mus decumanus), sterben schnell, wenn sie auf
die genannte Weise geimpft werden.
Mehrere kräftige Hunde starben in weniger, als 24 Stunden, und
ebenso scheinen sich nach unsern bisherigen Beobachtungen die Katzen
zu verhalten.
Thiere, welche, wie die Tauben, sich nur einer relativen Immu-
nität gegen das Milzbrandvirus erfreuen, erliegen beständig der In-
okulation in die Nervenzentra mit einem Virus, welches die unter
die Haut geimpften Vergleichsthiere nicht tödtet. Der Tod tritt je-
doch ziemlich langsam ein.
Wenn die Gehirne der auf die oben angegebene Weise infizirten
Thiere in kleinen Stücken unter die Haut von Kaninchen oder Meer-
schweinchen eingeführt werden, so tödten sie Thiere von derselben
oder von verschiedener Art schneller, als Milzbrandkulturen oder mög-
lichst virulentes Blut, und bringen Hunden und grossen Ratten den
Tod, welche, besonders die ersteren, gegen Unterhauteinspritzung von
gewöhnlichem Milzbrandvirus fast ganz unempfindlich sind. Mit andern
Worten : man erhält so eine Verstärkung der Virulenz des infektiven
Agens.
Dasselbe Resultat erhält man, wenn man unter die Haut eine
wässrige Emulsion der genannten Gehirne einspritzt, während, wenn
man die Emulsion sterilisirt, keine schädliche Wirkung eintritt, sobald
die Injektion unter die Haut gemacht wird.
Bei Schildkröten brachten wir die Milzbrandinfektion nach dieser
Methode öfter zu Stande, aber nicht immer; die Versuche an Fröschen
1) Diese Besaitete sind zum Theil schon in einer vorläufigen Mittheilung veröffent-
licht worden, abgedruckt in der Gassetta medica dl Torino vom 15. Juli 1891.
36*
548 « Martinotti und Tedeschi,
können wir nicht in Rechnung bringen, denn sie wurden an Tagen
angestellt, an welchen die Temperatur des Laboratoriums sich um
30° bewegte, und an Fröschen, welche lange Zeit gefangen gehalten
worden waren. Nun ist es bekannt, dass, wenn man Frösche bei so
hoher Temperatur hält, man ihre Widerstandskraft gegen den Milz-
brand abschwächt, und wir fanden, dass uns nicht nur die operirten
starben, sondern auch ein Theil der andern, welche zum Vergleich
unter die Haut inokulirt worden waren. Darum glaubten wir, dea
unter solchen Umständen erhaltenen Resultaten keine Wichtigkeit bei-
legen zu dürfen.
Der Mäuse (Mus musculus) haben wir uns nur bedient, um die
Virulenz von thierischen Flüssigkeiten und Kulturen zu erproben
Die Veränderungen, welche man in Folge dieser Infektionsart in
den Nervenzentren antrifft, sind verschiedenartig, aber im Allgemeines
ziemlich bestimmt.
Vor allem ist bemerkenswerth die starke Vermehrung der Ba-
cillen sowohl bei Thieren, welche man als unempfänglich für Milz-
brand zu betrachten pflegt, als auch bei solchen, die für denselben
sehr empfänglich sind, und diese Erscheinung zeigt sich vorwiegend
in der Höhlung! der Gehirnventrikel und in den Subarachnoidalräumeo;
auch im Centralkanale des Bückenmarks finden sich Bacillen in Menge.
Bei einigen Meerschweinchen, bei denen eine massige Blutung
eingetreten war, haben wir eine üppige Sprossung der Bacillen in
dem ausgetretenen Blute bemerkt.
Zugleich mit den Bacillen findet man, sowohl in den Ventrikeln,
als in den Meningen eine reichliche Menge von weissen und rothen
Blutkörperchen in verschiedenen Verhältnissen. Bisweilen erhält man
den Eindruck einer eignen, hämorrhagischen Form ; andre Male sind
die rothen Blutkörperchen äusserst selten. Wir haben in der Flüssig-
keit, welche diese Elemente enthält und die Charaktere eines achten
Exsudats zeigt, die Reaktion auf Fibrin versucht, aber mit negativem
Resultat.
Das Epithel, welches die Seitenventrikel auskleidet, erscheint »
vielen Stellen in mehr oder weniger grossen Schichten abgehoben, die
Gehirnhautgefässe sind immer sehr stark kongestionirt Spärliche
Bacillen finden sich im Nervengewebe, und nur da, wo dieses deut-
liche Zeichen von Nekrose darbietet. Diese zeigt sich vorzöglicn
an der von der Läsion betroffenen Stelle, oder in ihrer Nähe, also
da, wo die Inokulation stattgefunden hatte, oder an den Stellen zu-
nächst den Bacillen-Anhäufungen. Vorzüglich in den Seitenventrikeln,
wo sich starke Vermehrung der Bacillen und ausgedehnte Abbebungen
des Epithels vorfinden, sieht man die subepitheliale Zone von Nekrose
ergriffen, und in dieser Zone nervöser Substanz bemerkt man Bacillen,
aber immer in geringer Menge. , .
Ausser in den Fällen, wo die Bacillen ins Blut eingedrungen sind,
sich in demselben stark vermehrt haben und daher in v den Geßfc*
Verzweigungen des ganzen Körpers sichtbar sind, bemerkt man u»
Allgemeinen in den Hirngefässen keine Bacillen, auch wenn sieb di&
in ungeheurer Zahl in den Meningen und Ventrikeln vorfinden. J|a"
gegen beobachtet man die Verbreitung und Vermehrung der Bfflm
Ceber die Wirkungen der Inokulation des Milzbrandes in die Nervenzentra. 549
den Lymphwegen der Adventitia der Gefässe, and diese Thatsache
t besonders deutlich, wenn in dem Durchschnitt einer jener kleinen
efässzweige eingegriffen ist, welche aus der Hirnhaut in die Rinden-
ibstanz hinabsteigen. Im Querschnitt erscheinen diese Gefässe, deren
»raphscheide von einer kreisförmigen Zone nekrotischen Gewebes
ngeben ist, wie Inseln von Nekrose, deren Erklärung man bisweilen
cht finden zu können glaubt. Erst wenn man bei stärkerer Ver-
össerung untersucht, findet man das zentrale, meist bacillenleere,
1er durchschnittene Gefäss! Diese nekrotischen Zonen der Hirn-
ibstanz werden besonders deutlich bei Färbung mit Safranin und
ethylblau ; ihre diffuse Färbung unterscheidet sie dann von der der
onnalen Elemente. Sie machen den Eindruck, als ob die Nerven-
abstanz von einer ätzenden Flüssigkeit durchdrungen wäre, und man
aon wohl annehmen, dass der Entartungsprozess durch die Wirkung
er Flüssigkeit hervorgebracht wird, in welcher die Milzbrandbacillen
:ben und in welches sie die Produkte ihrer Lebensfunktionen er-
iessen.
Die Nervenzellen sind die ersten, welche die Wirkung dieses
chädlichen Einflusses erfahren; sie werden schnell verändert, wäh-
end die Elemente des Bindegewebes und die Gefässe noch ein dem
lormalen ähnliches Aussehen zeigen.
Ausser diesen Veränderungen finden sich noch andere, welche zu
lern Eindringen der Bacillen in weniger direkter Beziehung stehen,
insofern sie" nämlich sich in einiger Entfernung von den Bacillenhaufen
befinden; aber sie hängen ebenfalls von ihrer Wirkung ab.
Vor allem erwähnen wir das Oedem. Dasselbe ist eine von den
Erscheinungen, welche am häufigsten in Folge der Milzbrandinfektion
m verschiedenen Körpertheilen entstehen. Jedermann kennt das Oedem,
welches bei der Inokulation des Milzbrandes unter die Haut entsteht
und sich bisweilen über den ganzen Körper ausdehnt. Das Hirnoedem
tritt mit einer eigenthümlichen Opazität der nervösen Substanz auf,
gerade als wäre sie von einer Flüssigkeit durchdrungen, welche dann
durch Einwirkung von Reagentien koagulirt wäre, mit Erweiterung
der die Nervenzellen umgebenden Räume, welche mit den Lymph-
bahnen in Verbindung stehen.
In schwereren Fällen findet man ein Auseinanderweichen der
nervösen Elemente, bisweilen beobachtet man auch, dass das Proto-
plasma einen grossen Tropfen durchsichtiger Flüssigkeit enthält, so
dass man einen mehr oder weniger grossen Hohlraum im Körper der
Zelle zu sehen glaubt.
Wir bemerken sogleich, dass wir nicht behaupten wollen, dieser
vaknoläre Zustand sei nur der Ausdruck einer hy dropischen Entartung
der Nervenzellen, und machen darauf aufmerksam, dass wir uns des
absoluten Alkohols zum Fixiren der Oewebe bedienen mussten, um
die Mikroorganismen deutlich zu machen, also eines Agens, welches
zur Fixirung und Erhaltung der Nervenzentra nicht sehr geeignet ist.
Niemals war es uns möglich, in der Nervensubstanz, wie man es
ln den Meningen findet, kleine Gefässe mit ausgetretenen Leukocyten
zu beobachten, und nur in einem einzigen Falle sahen wir eine massige
/aM von Mitosen in den Nervenzellen und Gefässendothelien einer
550 Martinotti und Tedesebi,
Ratte (M. decumanus), welche mit sporifizirtem Milzbrand auf Kar-
toffel inokulirt worden und ziemlich langsam gestorben war. Diese
Mitosen befanden sich an Stellen, die von der Läsion entfernt waren.
Bei den in der Milz angetroffenen Alterationen wollen wir uns
nicht lange aufhalten, da sie einer von uns schon zum Gegenstand
einer besondern Arbeit gemacht hat1).
Auch hier fanden wir konstant Anschwellung der Malpigbi-
schen Follikel und Freisein derselben von eingedrungenen Bacillen.
Die Yergrösserung aber hängt von der Dauer der Infektion und
von der Art des Thieres ab. In Fällen, wo die Infektion nur wenige
Stunden gedauert hat, ist die Anschwellung gering, sie ist sehr be-
deutend, wenn der Toi mit verhältnissmässiger Langsamkeit eintritt.
Die Schwellung tritt schnell auf und erreicht ihren höchsten Grad
beim Meerschweinchen, etwas geringer, aber immer noch sehr ausge-
sprochen ist die Erscheinung beim Kaninchen, beim Hunde noch
weniger, und am geringsten bei M. decumanus, bei welcher es bis-
weilen scheinen kann, als fehlte die Anschwellung ganz.
Ausserdem haben wir eine direkte Beziehung wahrgenommen
zwischen der Schwellung der M alpig hi'schen Follikel und der
Menge der Leukocyten, welche in dem Exsudate der Meningen ent-
halten ist; diese Beziehung scheint uns keiner Erklärung zu be-
dürfen.
In der Milzpulpa sind die Pigment und Kügelchen fahrenden
Zellen konstant vorhanden, aber ihre Zahl ist verschieden bei den
verschiedenen Experimenten. In Menge fanden wir sie bei Thieren,
denen wir Stackchen von Gehirn, welches direkt mit Milzbrand in-
okulirt worden war, unter die Haut gebracht hatten. In einigen
Milzen von Mus decumanus zeigten sich jene Erscheinungen, welche
unter dem Namen des Phagocytismus besprochen worden sind: Pig-
ment- und Kügelchenzellen, welche Bacillen oder Stücke von Bacillen
enthielten. Einige von diesen Bacillenformen färbten sich intensiv,
andere fast gar nicht; bisweilen geschieht e3, dass in derselben
Zelle ein Bacillus sich stark färbt, während ein anderer fast farblos
bleibt. Einige Bacillen zeigen stark gefärbte Stellen, abwechselnd
mit andern, farblosen. Dieses Aussehen (ganz anders, als das der
sporifizirten Bacillen, an die man übrigens in diesen Fällen nicht
denken konnte) bemerkte man sowohl an in Zellen enthaltenen Ba-
cillen, als an anderen, welche deutlich von jedem Zellkörper frei
waren. Man sieht hintereinander stehende Bacillen, so dass sie eine
bedeutend längere Kette bilden, als der Körper einer pigmentführen-
den Zelle beträgt, und kann also nicht annehmen, dass sie in eine
Zelle eingeschlossen sind oder gewesen sind; bisweilen zeigt jeder
Bacillus der Reihe abwechselnd farbige und farblose Streifen. Nach
unserer Meinung rührt dieses Aussehen von einem Degenerations-
prozesse her, und da man es auch an Bacillen findet, welche nicht
in den Zellen enthalten sind, so sind wir geneigt zu "glauben, dass
1) Martinotti e Barbacci, La tamefazione acuta della milza nelle malattie in-
fettive. (Morgagni. 1890.) — üeber die Physiopathologie des Milzbrandes. (Fortschritte
der Medizin. 1891. No. 9, 10, 11.)
«TJeber die Wirkungen der Inokulation des Milzbrandes in die Nervenzentra. 55 J
sie in der Milz einen für ihr Leben ungeeigneten oder schädlichen
Boden finden l), absterben und von den Zellen zugleich mit Pigment-
körnchen, in Auflösung begriffenen rothen Blutkörperchen und mit
Detritus der chromatischen Substanz aufgenommen werden.
Ferner haben wir beobachtet, dass bei eben den Thieren, bei
welchen die Milz die Erscheinung der Phagocytose darbot, in den
Seitenventrikeln eine sehr grosse Menge von Leukocyten mit Bacillen
gemischt vorhanden war; aber umsonst hätte man einen in eine Zelle
eingeschlossenen Bacillus gesucht.
Soll man in solchen Fällen der Ansicht sein, dass nur die Zellen
der Milzpulpa, die Makrophagen, die Phagocytose auszuüben vermögen,
die Mikrophagen aber nicht? Und warum, da im Gehirne der ge-
fährlichste Kampf stattfindet und sich daselbst eine grosse Zahl von
Leukocyten versammelt hat, zeigen diese nicht eben da ihre Zer-
störungskraft?
Wir wollen uns nicht weiter bei dieser Besprechung aufhalten,
aber es scheint uns, dass die von uns angeführten Thatsachen
für die allgemeine Lehre von der Phagocytose nicht ohne Wichtig-
keit sind.
Die wichtigsten unserer Experimente fahren wir hier an:
Experiment 96. 1. Juli 1891, 4l/8 Uhr Nachmittags.
Kräftiger Hand im Gewicht von 19700 Gramm.
Durch Abtrennung der Processus spinosi und Trepanation des Wir-
belbogens dringt man in der Lendengegend in die Eüokenmarkshöhle
ein. Die Operation gelingt vollkommen, der Blutverlust ist unbedeutend.
Man macht eine Oeffnung in die Dura xnater und führt durch dieselbe
eine spitze Glasröhre ein. Man suoht in das Innere des Bückenmarks
einzudringen und injizirt ungefähr 1 ocm einer Milzbrandkultur in Pleisoh-
brtihe. Beim Erwaohen aus der Narkose zeigt das Thier nur einen
leichten Grad von Parese in den Hinterbeinen.
Am folgenden Morgen ist das Thier ziemlioh sohwer erkrankt, die
Hinterbeine sind fast vollständig gelähmt, so dass es umsonst versucht,
eich von seinem Lager zu erheben; es gibt Zeiohen von heftigen
Schmerzen, das Athmen ist mühsam, das Gesicht verzerrt.
Die Symptome werden nach und nach heftiger, und um ein Uhr
Nachmittags, also 20 V, Stunde nach der Operation stirbt der Hund.
Bei der Sektion findet sich akute Gerebro-spinal-meningitis.
Die histologische Untersuchung zeigt in dem Exsudat eine grosse
Menge von Leukooyten und eine ungeheuere Anzahl von Milzbrand-
bacillen. Ein ähnliches Exsudat und Bacillen (aber in geringerer Menge)
finden sich im Zentralkanale des Rückenmarks und in den Hirnventrikeln.
An der der Injektion entsprechenden Stelle zeigt sioh eine nekroti-
sche Zone an den Hinter strängen des Rückenmarks. Wenige Gentimeter
von der Verletzung entfernt bemerkt man in der grauen Substans (und
dies lässt sioh auoh in der Dorsal- und Gervikalgegend beobachten)
akute Degeneration der Nervenzellen. Weder in den Gelassen des
1) Hankin hat aus der Milz von Mos decumanus eine Substanz isolirt, welche
die Milzbrandbadllen tu tödten vermag. (Centralbi. ftr Bakteriologie u. s. w. Bd. IX.
1891. Mo. 10—11.)
552 Martinotti and T e d e 8 c h i , Ueber die Wirkungen der InokaUtioa etc.
Bückenmarks, Doch in der weissen Substanz bemerkt man Alterationen.
In dem Exsudate, welches in den Hirnventrikeln nnd der Pia mater
des Hirns enthalten ist, befinden sich auch massenhafte Bacillen, eben*o
wie in den mikroskopischen Durchschnitten der Milzpulpa.
Ein Stückchen von dem Bückenmarke dieses Hundes wird unter
die Bückenhaut eines Meerschweinchens eingebracht» und dieses stirbt
nach zwanzig Stunden an Milzbrand.
Experiment 66.
a) Hund im Gewicht von 13500 Gramm.
Am 24. Juni 1891, um 4 Uhr Nachmittags wird mit dem Treptn
ein Bundstück aus der Frontalgegend des Schädels weggenommen and
die Dura mater bloßgelegt. Mit einer sterilisirten Nadel durchbohrt
man diese Haut, sowie die Pia und dringt in die Dicke des linken
Frontallappens ein. Dann wird mittelst einer kanülenartig zugespitzten
Glasröhre iu die Hinispalte */t ccm einer Milzbrandkultur in Oelatioe
injizirt.
Naehdem die Wunde vernäht und das Thier freigelassen worden
ist, bemerkt man, dass es frei herumläuft und keinen Unterschied gegen-
über seinem Zustande vor der Operation zeigt
Am folgenden Morgen, um 6 Uhr, liegt das Thier auf der Erde
ausgestreckt, sehr matt Es reagirt nicht auf Beize, zeigt kleine krampf-
hafte Bewegungen, winselt von Zeit zu Zeit schwach, die Athmung ist
oberflächlich und frequent Um 8 Uhr hat sich der Allgemeinzustand
verschlimmert. Die Bespiration zeigt das Phänomen von Cheyne-
8tokes. Um 9 Uhr Tod.
Bei der Sektion bemerkt man eine starke, diffuse Böthung der
ganzen Pia mater, aber weder an dieser Membran, noch im Gehirn
konnte man die Stelle erkennen, wo die Einspritzung gemacht wurde,
wenn man nicht auf die Oeffnung im Schädel achtete.
In dem Safte der Milz und im Blute des Herzens, welche zur
Sporenbildung angesetzt werden, finden sich Milzbrandbacillen. Bei der
histologischen Untersuchung der Hirnrinde und der Pia findet man ein
leukocyten reich es Exsudat und eine ungeheure Menge von Bacillen.
Die Hirn subetanz zeigt die Charaktere des akuten Oedems.
b) Man führt unter die Bückenhaut eines 3800 g schweren
Hundes ein Stückchen von dem Gehirn (aus der Nähe des Einstichs
entnommen) des vorigen Hundes ein. Die Wegnahme dieses Gehirn-
stüokchens und seine Einführung unter die Haut des andern Hundes
werden mit durch Hitze sterilisirten Instrumenten vorgenommen, um
jede Nebeninfektion zu vermeiden.
Das Thier zeigt anfangs kein Uebelbefindcn, dann wird es schwächer
und stirbt nach ungefähr 70 Stunden.
Bei der Sektion findet man starkes Unterhautoedem in der Gegend,
wo die Impfung stattgefunden hatte.
Die Flüssigkeit dieses Oedems, sowie der Saft der Milz und das
Blut des Herzens enthalten Milzbrandbacillen in grosser Menge.
Bei der histologischen Untersuchung der Milz findet man zahlreiche
Bacillen in der Milzpulpa und leichte Schwellung der M alpig hi^chen
Follikel. In dem Gehirn zeigen sich Bacillen innerhalb der Blut-
gefässe.
Kostjnrin and Krai'mky, Ueber Heilung des Milzbrandes etc. 553
o) Bin Theil des Gehirns dei Hundes a wird im Mörser mit destillirtem
Wstser zerkleinert» die daraus entstandene Flüssigkeit filtrirt und in einer
Wärme von 55° sterilisirt. Diese Flüssigkeit wird unter die Haut
eine« Kaninchens, eines Meerschweinchens, einer Ratte, einer Maus und
in das Gehirn eines Meerschweinchens injizirt. Keines dieser Thiere
stirbt
d) Andere Stückchen von dem Gehirn desselben Hundes werden
unter die Haut eines 970 g schweren Kaninchens, eines 360 g wie-
genden Meerschweinchens und einer weissen Hatte (Mus deoumanus)
eingeführt. Das Kaninchen stirbt nach 33, das Meerschweinchen naoh
24, die Hatte nach 27 Stunden, alle drei Thiere mit den Symptomen
des Milzbrandes.
(FortsetmiDg folgt.)
Heber Heilung des Milzbrandes durch Fäulnisstonne
(Extrakte) bei Thieren.
(Aus dem Laboratorium der Allgemeinen und Experimentalpathologie
von Prof. Kostjnrin an der Universität zu Charkow.)
Von
Prof. S. Kostjurin und Stud. N. KraXnsky.
In der im Anfang dieses Jahres von uns im „W ratsch" veröffent-
lichten Abhandlung „Ueber die vergleichende Wirkung der Fäulniss-
and Tuberkeltoxine auf Thiere und den Einfluss derselben auf den
Verlauf der experimentalen Tuberculosen ) ist bereits auf die in un-
serem Laboratorium angestellten Versuche hingewiesen, eine Methode
zu finden, mittelst welcher es möglich wäre, die weitere Entwickelung
der Tnberculose zu hemmen oder Immunität für dieselbe zu erhalten.
Unserer Arbeit wurde hierbei die chemische Theorie von der Unem-
pfänglichkeit des thierischen Organismus gegen infektiöse Erkran-
kungen zu Grunde gelegt. Schon damals erzielten wir, neben nega-
tiven Resultaten, auch positive Fälle von Heilung der Thiere von
der Tuberculose. Die weitere Untersuchung dieser Frage wurde
von uns mit noch grösserer Sicherheit fortgesetzt, nachdem aus Prof.
Koch' 8 Veröffentlichung der Zusammensetzung seiner Flüssigkeit,
zur Zeit, als unsere Arbeit von der Zusammensetzung und Wirkung
der Tuberkelextrakte zum Druck im „Wratsch" gesetzt war, sich
herausstellte, dass die wirksame Substanz seiner antituberculösen
Flüssigkeit mit der unserigen identisch ist. Gleichzeitig mit diesen
Ergebnissen, welche uns vollkommen von der Möglichkeit überzeugten,
aof dem bezeichneten Wege Immunität und Heilung der Thiere von
der Tuberculose zu halten, erwuchs eine ganze Reihe von Schwierig-
keiten bei dem Gedanken, die genannte Heilungsmethode der Tuber-
1) Vergl. auch Referat im Centralblatt für Bakteriologie und Parasitenkunde.
Bd- tt. No. 18.
554 Kostjorin und Krainskj,
culose auf den Menschen zu übertragen. Diese Schwierigkeiten er-
gaben sich hauptsächlich aus der von uns studirten physiologischen
Wirkung der Tuberkeltoxine auf den thierischen Organismus, wovon
bis zur Veröffentlichung unserer Arbeit gar nichts bekannt war, aus-
genommen die Thatsache, dass diese Extrakte Temperaturerhöhung
erzeugen. Die Tuberkeltoxine, wie darauf bereits von uns hinge-
wiesen, zeigen sehr heftige giftige Eigenschaften, indem dieselben
einerseits auf den Stoffwechsel Oberhaupt wirken, denselben bedeu-
tend verändernd (Temperaturerhöhung, Körpergewichtsverminderung,
Athemfrequenzerhöhung etc.), andererseits auf das Herz als eines der
heftigsten Herzgifte. Letztere Wirkung muss als eine für die Tu-
berkeltoxine spezifische bezeichnet werden, welche dieselben scharf
von der Wirkung der Fäulnisstoxine unterscheidet und daher ans
nicht das Recht gibt, die Wirkung der Fäulniss- und Tuberkeltoxine
auf den Organismus zu identifiziren (Pawlowsky, „W ratsch"
No. 13 a. c).
In Anbetracht dieser giftigen Eigenschaften der Tuberkeltoxine
und der Schwierigkeit, dieselben zur Heilung des erkrankten Organis-
mus, aufweichen dieselben viel heftiger wirken, als auf den gesunden,
zu verwenden, stellten wir uns, noch bevor unsere Arbeit im Druck
erschien (nämlich in der zweiten Hälfte des Jahres 1890), die Frage,
ob es nicht möglich wäre, die im gegebenen Falle so heftig wirkenden
Produkte der Lebensthätigkeit der Tuberkelbacillen durch ebensolche
Produkte der Fäulnissmikroben zu ersetzen, welche zwar ebenso be-
deutend den physiologischen Zustand und Chemismus des thierischen
Organismus verändern, jedoch viel schwächer auf die Herzthätigkeit,
Athmung und das Nervensystem wirken. Dieser Gedanke erschien
um so wahrscheinlicher, als, wie bereits in der Litteratur darauf hin-
gewiesen (Pierre de Toma1), Cantani*), Muffuci et
Flora8), Zenkowsky>), Kostjurin und Kralnsky5) u. A.),
die Fäulnissmikroben in vielen Fällen schwächend auf die spezi-
fischen Mikroben einwirken. So also das Factum, auf welches früher von
anderen Forschern hingewiesen, ferner die ungeheuere Verbreitung
der Fäulnissmikroben in der Natur, wie bereits früher von uns be-
merkt, und die Fähigkeit derselben, sich in den verschiedensten Nähr-
medien bei bedeutenden Schwankungen der Temperatur, der Licht-
stärke, Sauerstoffgehalt der Luft zu vermehren und endlich ihre
ungeheuere Lebensenergie — dies Alles leitete unwillkürlich auf den
Gedanken, die Fäulnissmikroben zur Vernichtung oder Schwächung
der schädlichen Wirkung der spezifischen, z. B. Tuberkel-, Diphtberie-
und anderer Mikroben zu benutzen. Und in der That, die in dieser
Richtung angestellten Untersuchungen von Falk8), Baumgarten7),
1) Pierre de Toma, s. Etudes expeVimentales et cliniques sur la tubercolose.
T. II. pag. 89
2) Canttni, Deutsche M edicinaUeitung , 1886. 15. Mfira
8) Muffuci et Flora, Rivista internationale, 1886.
«) IleHKOBeKiÄ, Mpyxu BoMHO-3KOHOMiraecKaro 06mecTB& sa 1888 r.
5) KocTJopHHi u KpaHHOKiu, Bparo 1891. r. No. 2 u. 8.
6) Falk, Deutsche Medicinalzeitung 1888.
7) Baumgarten, Üentralbl. f. klin. Medicin. 1889.
Ueber Heilang d. Milzbrandes durch Fialoisstoxine (Extrakte) bei Thieren. 555
Kostjurin und Kralnsky1) u. A. haben darauf hingewiesen,
dass eine Beimengung von Fäulnissmikroben, resp. der Produkte ihrer
Lebensthätigkeit unter gewissen Bedingungen in bedeutendem Grade
die Tuberkelinfektion zu schwächen im Stande ist. Freilich gibt
es Autoren, welche die obengenannte Wirkung der Faul niss toxi ne
leugnen; diese Meinung kann jedoch, wie wir bereits früher be-
merkten, durchaus nicht in Betracht gezogen werden, da die in den
Organismus eingeführten Fäulnissmikroben nicht im Stande sind, im
lebenden Gewebe zu vegetiren, und somit Produkte ihrer Lebens-
thätigkeit zu bilden.
Indem wir uns hauptsächlich auf diese Erwägungen stützten, theils
aber auch in Anbetracht der gleichzeitig erschienenen Arbeit über die
Wirkung der spezifischen Toxine auf die Tuberculose von R. Koch9),
welchem unvergleichlich mehr die Möglichkeit der weiteren Bearbei-
tung der zuerst von uns unternommenen Methode, die spezifischen
zur Heilung tuberculftser Thiere zu verwenden, und in Anbetracht
endlich der heftigen Giftigkeit der Tuberkeltoxine entschlossen wir
uns schon damals endgültig, zum Studium des Einflusses der Produkte
der Lebensthätigkeit der Fäulnissmikroorganismen auf den Verlauf
der experimentaleu Tuberculose überzugehen.
Die von uns in dieser Richtung angestellten Versuche an Ka-
ninchen erlauben uns den Schluss zu ziehen, dass auf diesem Wege
die weitere Entwickelung der Tuberculose bedeutend gehemmt werden
kann. Leider mussten wir, bevor es gelang, einigermaassen positive
Resultate zu erhalten, die Fortsetzung dieser Arbeit einstellen, einer-
seits wegen völligen Mangels an Mitteln im Laboratorium für allgem.
Pathologie an der Charkower Universität, andererseits wegen der ab-
soluten Unmöglichkeit, hier am Orte entsprechende Thiere (Meerschwein-
chen) zu erbalten. Bei Kaninchen jedoch dauert der tuberculose
Prozess, wie kannt, Monate lang. Abgesehen davon und in Anbe-
tracht der Schwierigkeit, beständig und in genügender Menge über
lebenskräftige Reinkulturen der Tuberkelbacillen zu verfügen, da wir
in unserem Laboratorium nicht genügend genaue Apparate und In-
strumente besitzen und endlich den Umstand in Betracht ziehend,
dass die unternommene Arbeit zur Erreichung endgültiger Resultate
sehr viel Zeit braucht, entschlossen wir uns, eine Reihe von Ver-
suchen über den Einfluss der Fäulnisstoxine auf Thiere, die von
Milzbrand infizirt worden, anzustellen. Letzterer bietet in ge-
gebenem Falle sehr grosse Vorzüge, sowohl wegen der geringen
Schwierigkeit, Reinkulturen desselben zu erhalten, ferner wegen der
schnellen Erkrankung und des raschen Todes, als auch wegen
der Leichtigkeit, wit welcher sich das Faktum des Unterganges der
Thiere durch eine spezifische Ursache konstatiren lässt. Zugleich er-
wachte folgender Gedanke : Wenn es gelänge, die Entwickelung des
Milzbrandprozesses, welchem ein im hohem Grade akuter Charakter,
rascher Verlauf und absolute Tödtlichkeit der infizirten Thiere eigen
sind, zu hemmen oder vollständig anzuhalten, so müsste der in dieser
l) KocTiopHH'i h KpaHHeKiÄ, Bpaii. 1891. No. 2 n. 8.
*) Deutsche medie. Wochenschrift. 1891. No. 3. pag. 101.
556 Kostjnrin and Krai'niky, Ueber Heilung des Milibrmnde* etc.
Richtung unternommene Kampf mit anderen Infektionserkrankungen,
welche mehr chronisch verlaufen, vielleicht weit weniger Schwierig-
keiten darbieten.
Die von uns im laufenden Semester angestellten Versuche haben
gezeigt, dass Kaninchen, die von Milzbrand infizirt
worden und denen, unter Beobachtung aller weiter
unten angegebenen Bedingungen, F&ulnisstox ine sub-
kutan applizirt wurden, am Leben und vollständig
gesund blieben, wobei der Milzbrandprozess vollstän-
dig aufgehalten wurde. Bemerkenswert^ war dabei der Um-
stand, dass Reinkulturen des Milzbrandes, welche durch
eine bestimmte Quantität von Fäulnisstoxinen ver-
giftet wurden, ganz wie normale vegetiren, sich in ihrem äussern
Aussehen in Nichts von denselben unterscheiden, jedoch voll-
ständig ihre giftigen Eigenschaften verlieren.
Mit frappanter Deutlichkeit gelang es uns, zu beweisen, dass
durch Hinzufügung gewisser Fäulnissextrakte selbst in sehr geringen
Mengen die Vermehrung der Milzbrandbakterien etwas gehemmt wird.
hauptsächlich aber, dass durch die Einwirkung derselben lebens-
kräftige Mikroben vollständig ihre Giftigkeit verlieren.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Einführung von Fäulniss-
extrakten in den Körper von mit Milzbrandbakterien infizirten Thiereo
den Charakter des Nährmediums, resp. des Thierkörpers verändern
und zugleich mit einigen anderen im lebenden Organismus Platz
habenden Bedingungen solche Verhältnisse schafft, unter welchen die
Entwickelung der genannten Bakterien entweder vollständig unmög-
lich wird oder, wenn dieselben sich auch entwickeln, neue Generationen
derselben in Folge der oben angeführten Bedingungen in den Ge-
weben unschädlich werden.
Zu denjenigen Momenten, welche dem Organismus im Kampfe
mit den pathogeneh Mikroben wesentliche Dienste leisten, ist haupt-
sächlich die erhöhte Körpertemperatur zu nennen, welche den er-
höhten Oxydationsprozessen zuzuschreiben ist. Unter solchen Be-
dingungen kann, wie bereits bekannt, sowohl die erhöhte Körpertem-
peratur an sich, als auch Aenderung der Reaktion, zum Theil aber
auch vielleicht der chemischen Natur unserer Körpersäfte in der
Weise auf die Mikroben einwirken, dass eine weitere Entwickelang
desselben unmöglich wird. Diese Ansicht findet ihre Bestätigung in
der bei fieberhaften Prozessen stets zu beobachtenden Erscheinung
— Erhöhung des Säurecoöffizienten im Harn und eine Aenderung im
Vergleich zu dem normalen quantitativen Gehalte verschiedener Stoffe
in demselben (K, Na, Harnsäure, Kroatin etc.).
Metschnikow's Theorie (Phagocy tosis), mit welcher gedachter
Autor die Unempfänglichkeit und Heilung des Thierorganismus von
Infektionserkrankungen zu erklären sucht, sowie auch die schwache
Nachahmung dieser im hohen Grade geistreichen und wahrschein-
lichen Theorie seitens einiger anderer Autoren, welche die Bedeutung
der Phagocytose fast leugnen und alles auf die stabilen GewebseJe-
mente zurückführen wollen (Wyssokowicz), hat eine grosse Be-
deutung in den Anfangsstadien der Erkrankung des Organismus, wo
Gfihrung. 557
in denselben noch eine geringe Menge von Mikroben eingedrungen sind.
Id solchem Falle werden die letzteren von den Phagocyten und den-
selben ähnlichen Elementen des Thierkörpers ergriffen, im Sinne
Metschnikow's verändert und auf diese Weise unschädlich ge-
macht In denjenigen Fällen jedoch, wo unter Einfluss irgend welcher
Krankheitsbedingungen im Organismus, welche die Lebensenergie der
Phagocyten schwächen, oder wo in den Organismus eine so unge-
heure Menge von pathogenen Mikroben eingedrungen ist, dass die
letzteren mit denselben selbständig nicht fertig werden können, da
tritt ein anderer Faktor auf — nämlich Erhöhung der Oxydations-
prozesse in den Geweben und Temperaturerhöhung, welche den Che-
mismus der Gewebe fOr das Leben der Mikroben ungünstig gestalten
und auf diese Weise es dem Organismus möglich machen, unter Mit-
wirkung der übrigen ungünstigen Bedingungen sich von der Infektion
zu befreien. Das Hungern bei infektiösen Fiebern erscheint ebenfalls
als ein in demselben Sinne wirkendes Moment, indem dasselbe den
Säuregehalt des Harns auf Kosten des Zerfalles der Organeiweissstoffe
des Körpers erhöht.
(Schluss folgt.)
Referate.
Hansen, Emil Chr., Qu'est-ce que la levüre pure de M.
Pasteur? Une recherche expärimentale. (Compte rendu
des travaux du laborat de Carlsberg. Vol. III. Livr. 1. Kopenhagen
(Hagerup's Buchhandlung) 1891.
Die folgenden Untersuchungen sind durch die Angriffe, welche
von Duclaux und Veiten in den letzten Jahren gegen die Ar-
beiten des Ref. gerichtet worden sind, veranlasst.
Duclaux hat in den Annales de T Institut Pasteur.. Bd. III.
p. 375 versucht, nachzuweisen, dass die von Pasteur vor mehr, als
14 Jahren angegebenen Methoden zur Darstellung von Reinkulturen
von Hefenzellen Genügendes leisten, was er namentlich von demjenigen
Verfahren behauptet, welches darin besteht, dass man eine Reihe
Kulturen der betreffenden Hefeprobe in einer Lösung von 10 Proz.
Saccharose, mit ein wenig Weinsäure versetzt, vornimmt. Später
räumt Duclaux zwar ein (La Gazette du Brasseur. 1890. p. 447),
dass die Methode des Ref. einen wirklichen Fortschritt bezeichnet
und dass die Untersuchungen des Ref. eine Reform in der Brauerei-
gäkrung hervorgerufen haben, jedoch nur in Betreff der Untergährung,
während er, was die Obergährung anbelangt, für die Einführung der
alten Pasteur' sehen Methoden eintritt.
Veiten geht in seinen Angriffen so weit,* dass er behauptet,
dass Ref. sich vollständig geirrt habe, indem derselbe im Brauerei-
betrieb eine aus einer einzigen Art oder Rasse bestehende Hefe ein-
führte; der Ansicht Velten's nach soll die Brauereihefe nämlich
558 Gährung.
im Gegentheil aus mehreren bestehen. Zur Reinigung der Hefe em-
pfiehlt er das oben erwähnte Verfahren von Pasteur und verwirft
das vom Ref. angegebene.
Bei den vom Ref. und seinen Mitarbeitern angestellten Versuchen
über das Verhalten verschiedener Saccharomyces- Arten, wenn sie in
einer mit etwas Weinsäure versetzten Rohrzuckerlösung gezüchtet
werden, wurden namentlich diese beiden Hauptfragen gestellt: Ist
es möglich, auf d i e s e m Wege mit einiger Sicherheit eine wirkliche Rein-
kultur darzustellen? Und wie wird eine auf diese Weise behandelte
Hefe sich verhalten, wenn dieselbe in den Brauereibetrieb eingeführt
wird?
Die Versuche wurden mit absoluten Reinkulturen der vom Ref.
früher beschriebenen Arten („Untersuchungen über die Physiologie
und Morphologie der Alkoholgährungspilze". Kopenhagen (Hagerup's
Verlag) — und „Untersuchungen aus der Praxis derGährungsindustrie".
München (Oldenbourg's Verlag): Saccharomyces cerevisiae I
(Oberhefe von Edinburgh), zwei Brauerei-Unterhefen, Saccharomyces
Pastorianus I, Sacch. Pas tili, Sacch. ellipsoldeus II ange-
stellt : Die drei letztgenannten Arten rufen Krankheiten im Biere hervor.
Es ergab sich als Resultat, dass dieses Verfahren gar
keine Sicherheit dafür giebt, eine Reinkultur zu er-
halten.
Von 9 Kolben enthielten nämlich 3 am Schlüsse der Versuche je
2 Arten. Bei einem derartigen Züchten kann man natürlich nur
diejenigen Arten unterdrücken, welche unter den gegebenen Verhält-
nissen es nicht vermögen, die Konkurrenz mit den begünstigten zu
bestehen. Wenn mehrere dieser letzteren da sind, wird man sogar
nach sehr lange fortgesetztem Züchten keine Reinkultur erlangen;
aber selbst wenn der glückliche Fall eintritt, dass alle Arten bis auf
eine einzige aussterben, so weiss man doch niemals, wann dieser
Zeitpunkt gekommen ist, und die Methode selbst giebt kein Kenn-
zeichen, durch welches man entscheiden könnte, ob es in dem be-
treffenden Kolben eine oder mehrere Spezies giebt.
Kur; nach dem Erscheinen von Pasteur 's „fitudes sur la biere"
1876 wurden in mehreren Brauereien Versuche mit den darin an-
gegebenen Verfahrungsweisen zur Reinigung der Brauereihefe ange-
stellt, aber ohne günstigen Erfolg, und sie wurden deshalb vollstän-
dig aufgegeben ; selbst in Frankreich konnten sie nicht Boden fassen.
Veiten ist zur Zeit der einzige Zymotechniker, welcher sich zum
Fürsprecher dafür gemacht hat.
Die in der Abhandlung des Ref. ausführlich beschriebenen Ver-
suche zeigten, dass das von Veiten empfohlene Pasteur'sche
Verfahren keine Reinigung bewirkt, wenn es sich um
die Krankheitshefen handelt, sondern dass dasselbe
im Gegentheil zur Folge hat, dass diese sich stärker
verbreiten. Dieses Verfahren ist demnach in Braue-
reien ganz und gar unbrauchbar.
Daraus, dass Pasteur und seine Mitarbeiter ein Verfahren,
welches gerade Krankheiten im Biere erregt, empfehlen konnten, geht
zur Evidenz hervor, dass man damals noch nicht auf den Kernpunkt
Gährung. — Allgemeines über Bakterien etc. 559
des Problems aufmerksam geworden war und namentlich über das
Verhalten der Hefen zu den Krankheiten des Bieres noch gar keine
Klarheit gewonnen hatte. Wenn Pasteur in seinem genannten
Werke eine Uebersicht über die Mikroorganismen giebt, welche nach
seinen Untersuchungen Krankheiten im Biere erregen können, ist da-
her nur von Bakterien und gar nicht von Alkoholhefenpilzen die Rede.
Kur als ein Mittel zur Unterdrückung der Bakterien hat die beschrie-
bene Behandlung mit Weinsäure ihre Bedeutung. Ein genaueres
Studium von Pasteur's Werk weist übrigens darauf hin, dass er
selbst die Begrenzung seiner Methoden erkannt hat.
Ref. ging bei seinen Studien von anderen Gesichtspunkten und
anderen Methoden aus, als sein berühmter Vorgänger. Da Ref.
1883 gezeigt hatte, dass einige der allgemeinsten und gefährlichsten
Krankheiten untergähriger Biere nicht durch Bakterien, sondern durch
gewisse Sa ccharomyces- Arten verursacht werden, so folgte schon
daraus, dass eine Reinigung der Hefe, wie die von Pasteur ange-
gebene, nicht zum Ziele führen konnte, sondern dass eine wirkliche
Reinkultur erforderlich war. Und nachdem die Untersuchungen des
Ref. ferner das Resultat gebracht hatten, dass unter dem systema-
tischen Namen Sacch. cerevisiae sich eine ganze Reihe in ihren
Wirkungen sehr verschiedener Ober- und Unterhefenarten und -Rassen
verbirgt, so trat auch noch die Forderung hervor, dass eine plan-
massige Auswahl der passendsten Art oder Rasse vorgenommen
werden musste. Diese Untersuchungen sind nicht nur im Laborato-
rium theoretisch durchgeführt, sondern auch in der grossen Gährungs-
industrie praktisch verwerthet worden. Ganz dieselben Prinzipien
sind es, welche im Garten- und Ackerbau seit langer Zeit beim
Anbau der höheren Pflanzen angewendet worden sind.
Ref. 8chliesst seine Abhandlung mit einer Anerkennung der grossen
Bedeutung, die das Werk Pasteur's für seine Untersuchungen gehabt
hat. Emil Chr. Hansen (Kopenhagen).
Parkes, E. A., A manual of practical hygiene. 8. Edition,
ed. by J. L. Notter. 8Ü. 769 p. 10 Tfln. Londou (J. u. A.
Churchill) 1891.
Die vorliegende 8. Auflage der berühmten Militärhygiene von
Parkes ist besorgt worden von seinem Nachfolger in der Professur
der Militärhygiene an der Arroy medical school in Netley. Obwohl
das Werk hauptsächlich militärische Verhältnisse im Auge hat und
besonders ausführlich von den Tropenkrankheiten und den Einflüssen
des Dienstes, des Kriegs- und Lagerlebens auf den Soldaten handelt,
so ist doch keine allgemeinhygienische Frage unerörtert geblieben.
Auch der Bedeutung, welche die Mikroorganismen in den letzten
Jahren gewonnen haben, ist überall gebührend Rechnung getragen.
Die bakteriologischen Methoden der Boden-, Luft-, Wasser- und
Nahrungsmitteluntersuchung werden besprochen, und auch bei den
Infektionskrankheiten und der Lehre von der Desinfektion sind die
neueren bakteriologischen Forschungen überall berücksichtigt worden.
Dies hätte freilich in etwas genauerer Weise geschehen können.
In unserer Zeit sollte in einem Lehrbuche der Hygiene den Mikroor-
560 Allgemein* Über Bakterien etc.
ganismen ein besonderes Kapitel gewidmet, es sollten ihre Lebens*
Verhältnisse und die Erkennungsmerkmale der Hauptarten im Zu-
sammenhange eingehend erörtert, die Untersuchungsmethoden und
die zur biologischen Forschung erforderlichen Instrumente and Ge-
räthe genau beschrieben werden. Dies ist in dem N.'schen Werke
nur unvollkommen geschehen. Bei der Phtbisis z. B. erfahren wir
wohl, dass es Koch gelungen ist, sie auf einen Bacillus zurückzu-
führen, aber wie derselbe aussieht, wie er w&chst, sich im Körper
des Wirths verhält und abstirbt, bleibt ungesagt. Dasselbe ist beim
Cholera-, Typhus-, Milzbrandbacillus der Fall. Das Vorkommen der
Bakterien in der Luft, im Wasser und im Boden und ihre Auffin-
dung darin werden zwar ziemlich eingehend besprochen, aber ihre
hygienische Bedeutung in denselben und die Wege, auf denen sie in
den Körper eindringen, nicht mit der wünschenswerten Deutlichkeit
dargelegt. Bei der Wasseruntersuchung wird gleichfalls nicht hervor-
gehoben, was die chemische, mikroskopische und bakteriologische Un-
tersuchung vergleichsweise für einen hygienischen Werth haben. Den mi-
kroskopischen Süsswasserbewohnern sind 4, den Bakterien ist eine Tafel
gewidmet, und diese Tafel enthält zu schematische und zu wenig natur-
getreue Bilder, um den Kenner befriedigen zu können. Bei der heutigen
Vollendung der Technik sollte man den Büchern die besten oder gar
keine Illustrationen und von Bakterien jedenfalls nur Mikrophoto-
gramme geben. Es ist für den Herausgeber eines fremden Werkes,
dem die Hände ja nach mehr als einer Richtung hin gebunden sind,
viel schwieriger, den richtigen Weg zu finden, als für den, der ein
eignes Buch zu schreiben hat. Hieraus erklären sich gewiss zum
grössten Theile die Ausstellungen, die Ref. an dem Werke machen
zu müssen glaubte, und denen bei einer etwaigen 9. Auflage leicht
abzuhelfen wäre. Vielleicht ist die etwas stiefmütterliche Behandlung
der Mikroorganismen auch dadurch veranlasst, dass Netley, wovon
Ref. gelegentlich des VII. internationalen Kongresses für Hygiene und
Demographie sich aus eigner Anschauung überzeugen konnte, mit
einem vorzüglichen bakteriologischen Laboratorium ausgerüstet ist,
wo den Militärärzten demonstrative Kurse gehalten werden. Da sie
hier selbständig bakteriologisch arbeiten, so hielt N. vielleicht ein ge-
naueres Eingehen auf die Mikroorganismen in seiner Hygiene nicht
für erforderlich.
Abgesehen von diesem Umstände ist die vorliegende neue Auf-
lage des berühmten Werks ihren Vorgängerinnen durchaus würdig.
Alle Kapitel der Hygiene sind klar, kurz und doch erschöpfend be-
sprochen und durch zahlreiche Bilder im Text erläutert. Bei den Nah-
rungsmitteln, der Milch, dem Fleisch und bei der Desinfektion, na-
mentlich auch der tuberculösen Sputa, sind die neuesten Forschungen
berücksichtigt. Das Werk kann daher auch deutschen Lesern und
unter diesen auch den Nicht-Militärärzten warm empfohlen werden. Der
Preis von 20 Mark ist bei der guten Ausstattung ein massiger zu
nennen. M. Kirchner (Hannover).
Allgemein«« über Infektionskrankheiten. 5ßl
Cabadti, Le^ons sur les maladies microbiennes profes-
sees a l'ecole de m6decine de Toulouse. 8°. 642 p.
Paris (G. Masson) 1890.
Das vorliegende Kompendium giebt eine ziemlich vollständige
Geschichte der pathogenen Mikroorganismen in geschickter Zusammen-
fassung des Wesentlichen und in eleganter Sprache. In den ersten
Kapiteln wird eine historische Einleitung gegeben und dann die
Natur, die Einteilung, das Vorkommen und die allgemeinen Eigen-
schaften der Bakterien kursorisch besprochen. Auch die Wirkungen
derselben, die Gährung, Fäulniss und Erregung von Krankheiten, die
Immunität, die Abschwächung, Schutzimpfung und die Erblichkeit
finden eine ziemlich eingehende Würdigung. Die Eintheilung der
Infektionskrankheiten, die C. giebt, ist keine ganz glückliche, auch
wird sie nicht einmal streng durchgeführt, sondern tritt nur hier und
da andeutungsweise zu Tage. So führt er Croup und Diphtherie unter
den Krankheiten des Circulations- und Respirationsapparats auf und
handelt die Malaria hinter der Cholera nostras und vor der Hunds-
wuth ab; die Blennorrhagie wird bei den Pocken besprochen, das Ery-
sipel beim Puerperalfieber, anstatt diese Krankheiten, wo sie hinge-
hören, zur Eiterung und Septikämie zu stellen. Solange wir ein
klares System der Infektionskrankheiten nicht haben, müssen wir sie
nach den verwandtschaftlichen Eigenschaften der sie erzeugenden
Mikroorganismen gruppiren, und ganz besonders ist eine solche
Gruppirung nothwendig in Vorlesungen, welche für Studenten be-
stimmt sind.
Der Deutsche kann das Cache Buch nicht ohne Kopfschütteln
lesen. Unter den in den geschichtlichen Abschnitten aufgeführten
Namen finden wir fast ausnahmslos französische; unzweifelhafte Ver-
dienste deutscher Forscher werden theils nicht erwähnt, theils nur
schüchtern angedeutet. Selbst der Tuberkelbacillus , dessen Ent-
deckung durch R. Koch C. nicht wohl hin wegleugnen kann, ist „bei-
nahe14 von Toussaint entdeckt worden: „II a entrevu la Solution,
il Fa en quelque sorte touch6e, sans arriver compl&tement au but.u
Vielleicht würde Herr C. unsere deutschen Forscher besser zu wür-
digen lernen, wenn er sie ebenso eingehend läse, wie wir es mit den
französischen zu thun pflegen. Dass er das bisher nicht in wün-
schenswerthem Maasse gethan hat, beweist der Index bibliographique,
welcher von zahllosen Druckfehlern wimmelt und kaum ein richtiges
deutsches Wort enthält So lässt C. die Herren Loeffler und
Schulz über den „Kotzpiitzu (Rotzpilz), Liborius über „den
Sauerstoff bidur fungier der (bedürfenden) Bakterien" schreiben. Er
zitirt Werke von A. Fränkel, B. Fränkel, C. Fränkel und
E. Franke 1 unter dem einen Namen „Fränkel"; die Arbeit von
Obermeier wird angeführt unter dem Titel : „Vor kommen fenoster
eigene Bewegung Zeig. Pa. in Blutte von recurrent. Kranken (Central,
raed., 1873)"; die Angabe der Zeitschriften, in denen die zitirten
Artikel zu finden sind, fehlt oder ist falsch u. s. w. lief, gibt zu,
bei dem mächtigen Anwachsen der bakteriologischen Litteratur ist es
nicht leicht, • alles zu lesen oder auch nur zu verfolgen. Wer aber
ein Lehrbuch erscheinen lässt, zumal ein solches, welches für Stu-
*-B4. 36
562 Bakterien und Parasiten im Wasser.
dirende bestimmt ist, sollte es Dicht unterlassen, die Veröffentlich äugen,
die er zitirt, im Original kennen zu lernen, zum mindesten aber sich
den richtigen Wortlaut des Titels zu verschaffen. Dies ist er nach
Ansicht des Ref. seinen Schülern schuldig, C. wird es hoffentlich
nachholen und dadurch den Werth seines Buches nicht unwesentlich
erhöhen, indem er so den Lesern ermöglicht, sich in den Quellen
selbst weitere Belehrung zu suchen.
Im Uebrigen können wir uns mit dem Werke im Grossen und Ganzen
einverstanden erkl&ren, und wir bezweifeln nicht, dass es auch ohne
die empfehlende Vorrede Cornil's sich viele Freunde erwerben
würde. Diese und jene kleine Unrichtigkeit wird in einer neuen
Auflage beseitigt werden. So schreibt C. auf S. 327, dass es noch
nicht gelungen sei, den Tetanusbacillus in Reinkultur zu gewinnen,
während dies doch Kitasato schon 1889 gelungen ist (Zeitscbr. f.
Hyg. Bd. VII. 1889. S. 225). Mit der Auffassung der Erblichkeit
der Tuberculose, nach der der Bacillus im Mutterleibe von den El-
tern auf den Foetus übergehen und mit geboren werden soll (Baum-
garten 's Ansicht), während in anderen Fällen die Kinder tubercu-
löser Eltern nur eine Zusammensetzung der Oewebe erben, die der
Entwickelung der Bacillen günstig ist, können wir uns auch nicht
befreunden. Wo ist das gesehen oder bewiesen worden ? — Dass dem
Werkchen keine Abbildungen beigegeben sind, ist im Interesse des-
selben zu bedauern. Wenn wir auch heute von jedem Studenten ver-
langen müssen, dass er wenigstens die Hauptrepräsentanten der pa-
thogenen Mikroorganismen durch eigene Präparate kennen lernt, so
würden doch gute Abbildungen auch in diesem für Studenten be-
stimmten Buche von Nutzen sein, da sie zum Vergleiche dienen können
und die Erinnerung an früher Gesehenes auffrischen.
M. Kirchner (Hannover).
Zacharlas, 0., Die Thier- und Pflanzenwelt des Süss-
wassers. Einführung in das Studium derselben.
Bd. I. 8°. 380 p. Mit 79 in den Text gedruckten Abbildungen.
Leipzig (J. J. Weber) 1891. Preis 12 Mark.
Das vorliegende Werk, welches Verf. im Verein mit einer Reihe
hervorragender Fachgelehrter herausgiebt, wendet sich vorwiegend an
solche Leser, welche sich wissenschaftlich- praktisch mit der pflanz-
lichen und thierischen Bewohnerschaft unserer Gewässer beschäftigen
wollen. Es ist daher allgemeinverständlich in der Fassung und doch
das Ergebniss gründlicher wissenschaftlicher Studien, und es legt
weniger Gewicht auf systematische Vollständigkeit als auf Weckung
des Verständnisses für das Leben und die Eigenart der einzelnen
geschilderten Thier- und Pflanzenfamilien. Die Infusionstbiere, die
Hydren, die höheren Würmer und die Bryozoen werden nicht ge-
schildert.
In dem vorliegenden 1. Bande schildert zunächst E. A. Forel
die allgemeine Biologie eines Süsswassersees in ihren verschiedenen
Abschnitten: am Ufer, in der tiefen Region und im freien Wasser.
Die wichtigsten in den einzelnen Regionen vorkommenden Thier- und
Pflanzenarten werden nach Zahl und Art aufgezählt* und versucht,
Bakterien and Wasser. 563
ein Bild des Stoffwechsels in dieser Welt im Kleinen zu entrollen.
Dann bespricht W. Higula die Algen, ihre Fundstätten und ihr
Vorkommen in den verschiedenen Jahreszeiten und die den Algen
nahestehenden Gharaceen. Fr. Ludwig setzt die allgemeinen Be-
dingungen des höheren Pflanzenlebens im Wasser auseinander und
beschreibt einzelne Beispiele von untergetauchten und schwimmenden
Wasserpflanzen und ihre Parasiten. Es folgen die Rhizopoden von
A. Gf ruber, die Flagellaten von W. Higula, die Sasswasser-
schw&mme von W. Weltner, die Strudelwürmer von 0« Zacha-
rias, die Bäderthiere von H. Plate und die Krebsfauna unserer
Gewässer von J. Vosseier. Jedem Kapitel ist ein genaues Litte-
raturverzeichniss und eine Anzahl vorzüglicher Abbildungen beige-
geben, welche nicht die landläufigen Bilder reproduziren , sondern
nach Originalzeichnungen nach dem Leben entworfen sind. Besonders
lehrreich und packend sind die Zeichnungen, die das Treiben der
WurzelfOssler an Algenfäden und ihre Vermehrung durch Kernthei*
long zur Anschauung bringen. Seit dem schönen Werke von O. Kirch-
ner und Blochmann ist das vorliegende das beste, welches Qber
das Leben im Sflsswasser erschienen ist. Die fesselnde Darstellung
und die nach jeder Richtung hin vorzügliche Ausstattung werden
ihm unzweifelhaft viele Freunde zuführen.
M. Kirchner (Hannover).
Despeignes, V., ßtude exp6ri mentale sur les microbes
des eaux avec applications k l'hygiöne sanitaire de
la ville de Lyon. 8°. 126 p. Paris (J. B. Bailltere et fils)
1891.
Ueber die Ergebnisse der unter Leitung L o r t e t ' s vorgenommenen
Arbeit D.'s ist schon in den Comptes rendus de l'Acad&nie des sciences
de Paris. Tome CX. 1890. p. 360 ff. kurz berichtet worden (s. das
Referat in dieser Zeitschrift. Bd. VII. 1890. p. 610). Beim Lesen der
Arbeit selbst muss man staunen über die Fülle von Fleiss und Scharf-
sinn, die D. aufgewendet hat, um zu dem wenig tröstlichen Ergebniss
zu gelangen, dass das Wasser des Rh6ne — auch nach der Filtration
durch Sandfilter — , der Brunnen und natürlichen Quellen Lyons
schlecht und nicht zulässig zum Gebrauch als Trinkwasser ist. Die
Arbeit verdient eingehende Besprechung.
Uns berührt zunächst befremdlich, dass D. den Bakteriengehalt
von Wässern nicht, wie wir es gewohnt sind, auf den cem, sondern
auf das 1 berechnet. Die Zahlen erscheinen daher viel grösser, als
sie sind. So fand er im Januar in der Mitte des Rhone 50000, am
Her 100000, im März am Ufer 100000 bezw. 12190000 Keime in
1 1, d. h. nach unserer Schreibweise 50, 100, 100 bezw. 12190 in
1 ccm. Die Untersuchungen des filtrirten Rbönewassers (nach G. R o a x)
ergaben im März 1890 85, 171, 42 bezw. 27, im August 72, 73, 70
bezw. 79, im September 19, 26 bezw. 99 Keime in 1 ccm. Diese
Zahlen sind in der That nicht gross, und es werden bei allen Leitun-
gen mit Sandfiltration, z. B. in Berlin, Hannover u. a. a. O., ebenso
grosse gefunden.
Sodann möchte Ref. seiner Verwunderung Ausdruck geben, dasr
36*
564 Bakterien und Wasser.
D. sich zur Wasseruntersuchung nicht des Plattenverfahrens bedient,
sondern das Wasser tropfenweise in Boiüllonkölbchen gibt und be-
obachtet, in wie vielen Entwickelung vor sich geht, und wie viele
steril bleiben. Als Grund für die Anwendung dieses ebenso müh-
samen als unzuverlässigen Verfahrens führt er die Aeusserung vod
M. Duclauxan1): „teile bactärie, qui paraitra morte, lorsqu'on l'en-
semencera sur plaques, parce quelle n'y fournit pas de colonie, se
d^veloppera tr& bien dans un bouillon de meme composition, mais
sans g&atine". Dass die Gelatine die Bakterien an der Entwicklung
hindern sollte, ist ebenso neu als unbewiesen« Bewiesen dagegen ist,
dass es nicht möglich ist, durch Aussäen verschiedener Keime in
Bouillon Reinkulturen zu erhalten oder gar alle in einem Wasser-
quantum enthaltenen Keime der Zählung zugänglich zu machen, selbst
wenn die Tropfen noch so klein gewählt werden. Wenn daher D.,
indem er in 30 Bouillonkölbchen je Vis 9 ccm Wasser der Quelle de
la mont6e des Chazeaus aussäet, 111633 Keime im Liter berechnet,
so hat er nach Ansicht des Ref. eher zu wenig gefunden, als zu viel.
Es ist in der That gar nicht zu begreifen, weshalb es dem so be-
quemen und so überaus sicheren Koch 'sehen Plattenverfahren nicht
gelingen will, in Frankreich festen Fuss zu fassen. Dabei stösst D.
bei jeder Gelegenheit, wo es gilt, irgend einen pathogenen Mikro-
organismus in Reinkultur zu gewinnen, auf die unüberwindlichsten
Schwierigkeiten und gibt es mehrmals als unmöglich auf; andermal
führt er z. B. als Erkennungszeichen des Bacillus subtilis die
auf der Oberfläche der Bouillonkultur sich bildende Kahmhaut an, als
wenn eine solche nicht auch von anderen Mikroorganismen — - Ref.
erinnert nur an den Cholera-Vibrio, an den Vibrio Metschni-
kovi u. a. m. — gebildet würde. Wie Jemand, ohne das Wachsthum
auf der Platte zu kennen, Bakterien überhaupt bestimmen will, ist
nach dem heutigen Stande unseres Wissens schwer zu begreifen.
Nun aber legte sich D. die Frage vor, ob unter den zahlreichen
Bakterien des filtrirten Rhönewassers auch pathogene sich befinden
möchten. Die Antwort darauf lautete natürlich bejahend, aber wie
wurde diese Antwort gefunden?
D. liess das filtrirte Wasser durch Chamberland'sche Filter
laufen, und zwar nicht etwa eine Stunde oder einen Tag, sondern
viele Tage und selbst Monate lang; den an der Aussen wand der Filter
sich absetzenden Schlamm schwemmte er mit sterilisirtem, destillirtem
Wasser auf und — verfütterte ihn Versuchsthieren ? Das hätte man
meinen sollen, da ja das Trinkwasser in den Magen gelangt Dies
that aber D. nicht oder nur zweimal — „pour röpondre au däsir
d'un des membres de la soci&6 de mädecine" — , in den übrigen
zahllosen Experimenten spritzte er den Versuchsthieren diese Auf-
schwemmung unter die Haut oder in die Bauchhöhle oder gar ins
Auge. Die Mengen, die er dazu verwandte, betrugen bei den beiden
Fütterungsversuchen, zu denen er übrigens die Meerschweinchen
chloroformiren zu müssen glaubte (1), x/io bezw. 1/14 des Körper-
1) Annales de l'Institut Pftsteur. 25. 2. 1890: „Action de l'eau sur les bictiries
pathogenes. DX."
Bakterien and Wasser. 535
gewichte. Trotzdem blieb ein Thier am Leben. Man denke nur, man
hätte einem Menschen von 70 kg Gewicht 5 1 Filterwasser in den
Magen gebracht 1 Wer bliebe da am Leben? Bei den Einspritzungen
unter die Haut wendete D. weniger an, in der Regel 1I90 — V10o>
einige Male zwischen 1/100 und Vlo0 des Körpergewichts; aber auch
das sind ja noch ganz enorme Mengen, das Messe z. B. einem Men-
schen von 70 kg Gewicht 700 cem ins Unterhautzellgewebe spritzen.
In einem Falle injizirte D. sogar einem Meerschweinchen von 362 g
Gewicht 4 cem, also 21/90 des Gewichts, ins Herz, und doch blieb es
gesund. Diese Experimente sind in der Tbat wenig beweiskräftig,
sie beweisen höchstens, dass im Filterschlamm sich lebende pathogene
Keime finden; Ober ihre Menge im filtrirten Wasser beweisen sie
nichts, denn wenn ein Filter 3 Monate in Gebrauch ist, so kann sich
ein pathogener Keim, der am Filter haften blieb, während dieser
langen Zeit hier so vermehren, dass schon ein Minimum des Schlamms
tödtlich wirkt Diesem Einwurf aber entgegnet D., dass es nicht ge-
nagt, dass nur wenige Keime da sind, sondern dass man verlangen
muss, dass überhaupt keine vorhanden seien.
Irgend Jemand — D. nennt seinen Namen nicht — hat über
seine Arbeit gesagt, solche Untersuchungen scheinen „ein plumper
Scherz" zu werden, und diese „Mikrobien-Invasion41 sei nichts weiter
als „eine Mode- Orgel14. Dieses Urtheil ist ja gewiss nicht richtig,
denn jede wissenschaftliche Untersuchung, auch die vorliegende D.'s,
hat ihren unzweifelhaften Werth. Aber vielleicht trägt er mit seinen
Resultaten doch mehr Beunruhigung ins Publikum, als nothwendig
oder auch Dur berechtigt ist?
Dies scheint z. B. auch aus seinen Brunnenuntersuchungen her-
vorzugehen. Wenn seine Befunde richtig sind — allerdings wurde
dies schon oben mit Fug und Recht bezweifelt — , so fand D. in ver-
schiedenen Brunnen Lyons 37, 20, 28, 43, 35, 45, 81, 98, 101, 100,
4, 51 bezw. 56 Keime in 1 cem. Dies sind nach unseren Begriffen
ja wahrhaft glänzende Ergebnisse, während D. auf Grund dieser Be-
funde die Brunnen in Pausch und Bogen für schlecht erklärt, und
dies um so mehr, als er aus dem Wasser eines Brunnens eine Bak-
terienart züchtete, von deren Reinkultur Vi cem, einem Meerschwein-
chen von 582 g unter die Haut gespritzt, dieses Thier in 22 Tagen
todtete.
Dies heisst in der That das Kind mit dem Bade ausschütten.
Wenn wir so vorgehen, müssen wir, wie D. auch schliesslich räth,
nur gekochtes oder künstlich filtrirtes Wasser geniessen. Wer aber
gibt uns tadellose Filter? Die von D. gerühmten Chamberland-
schen sind ja nach den Untersuchungen von Kubier u. a. nichts
weniger als bakteriendicht, und ob es die Berkefeld'schen Kiesel-
guhrfilter auf die Dauer sind, muss sich doch auch erst noch aus-
weisen. Wenn D. den Ausspruch von Duclaux1) anführt: „Une
wu est pure, quand eile est pure, c'est ä dire, quand eile ne con-
sent pas de germes du tout", so soll ein solches Wasser auf unserem
Stern erst noch gefunden werden !
1) Annale* de Tlnstitot Pasteur 25. 10. 1889.
566 Bakterien und Waaaer.
Zum Schluss fahrt D. einige Quellwasseruntersuchungen an, die
er gemacht bat. Die beiden Quellen, die Lyon besitzt — eine ent-
hielt 112, die andere 8 Keime in 1 cem — werden gleichfalls als
gesundheitsschädlich verworfen.
Nach diesen Ausführungen darf der Leser gespannt sein, was D.
schliesslich seinen Mitbürgern, die doch gern Wasser trinken wollen,
für einen Rath ertheilt. Man höre! Er schlägt vor, die Filter be-
stehen zu lassen und nach wie vor filtrirtes Rhönewasser zu liefern,
jedoch nur für den Haus- und Wirthschaftsgebrauch ; zum Trinken
soll eine zweite Leitung angelegt werden, die völlig bakterienfreies
Wasser aus beliebig weiter Ferne herbeischafft. Nun weiss jeder
Hygieniker, dass es so verkehrt wie möglich ist, zweierlei Wasser zq
liefern, da Unkenntniss und Unvernunft oft genug dazu führen, dass
das schlechte Wirthschaftswasser getrunken oder das gute Trinkwasser
zu allen möglichen anderen Zwecken gebraucht wird. Man soll unter
allen Umständen eine Stadt nur mit einem Wasser versorgen, and das
soll gut sein. Sodann aber gestattet sich Ref. an Herrn D. die Frage,
wo er denn absolut bakterienfreies Wasser zu finden gedenkt? Wie
er anführt, haben C hau veau undArloing 1885 in den 3 Quellen
de l'Ain keinen einzigen Keim gefunden. Ob ihnen das heute auch
noch gelingen würde?
Ref. konnte nicht umhin, diesen und jenen Punkt in DJs Arbeit
anzugreifen, er möchte daher zum Schluss nochmals den enormen
Fleiss, mit dem die Arbeit gemacht ist, rühmend hervorheben. Auch
dass D. die Rolle, welche die Bakterien im Wasser spielen, klar
erkannt und ihre Bedeutung als ausschlaggebend hingestellt hat, soll
ihm nicht vergessen sein. Aber wir dürfen doch nicht Unmögliches
verlangen. Anstatt so weit zu gehen, wie D., und alles — Wasser-
leitung, Brunnen, Quellen — zu verwerfen und dann doch wieder un-
konsequenter Weise die Quellwasserleitung zu empfehlen, sollten wir
uns daran erinnern, dass doch nicht alle Bakterien schädlich sind;
dass es schon genügt, wenn wir unsere Wasserbezugsquellen vor der
Verunreinigung mit pathogenen Bakterien schützen. Sollte es denn
in der That keine Brunnenkonstruktion, keine Art der Wasserleitung
geben, die dies ermöglicht? M. Kirchner (Hannover).
Pokrowsky, M. A., Mikroorganismen aus dem Wasser des
Kura-Flusses und der Tifliser Wasserleitung im
Zeitraum vom Februar bis Mai 1891. (Protokolle der Kau-
kasisch. Medic. Gesellsch. 1891. No. 4. pp. 61. u. ff.) [Russisch.]
Es ist erst eine Errungenschaft der letzten Jahre, u. z. seit dem
VI. Wiener internationalen Kongress für Hygiene und Demographie
1887, dass man das Hauptgewicht nicht auf die Zahl der im Wasser
gefundenen Mikroorganismen legt, sondern auf die Qualität, die Art
In Russland ist in dieser Beziehung besonders Lunkewitsch zu
nennen. Ausgehend von diesem Standpunkt, hat P. nun aus dem
Kura-Fluss- und Leitungswasser (in Tiflis) folgende Mikroorganismen
rein gezüchtet und der oben erwähnten Aerztegesellschaft in Rein-
kulturen und mikroskopisch demonstrirt: Micrococcus: agilis,
cinnabareus, aurantiacus, und flavus liquefaciens.
Bakterien und Wasaer. — Typhus. — Tnbercnlose. 5g7
Bacillus: radificans (Wurzelbacillus), subtilis, typhusähnlicher
(^Kolonie von Dr. Kupidouoff, >)) violaceus, aquatilis
liquefaciens, grüngelber; Proteus Zenkeri, mirabilis
und Bulforeus. L. Heydenreich (Wilna).
Lortet, M., Mi crobes pathognes des vases dela Mer Morte.
(Lyon m&l. 1891. No. 33.)
Verf. hatte Gelegenheit, den Schlamm des todten Meeres bakterio-
logisch zu untersuchen und fand in demselben den Mikroben der
gasigen Gangrän und den des Tetanus. Sofern Verunreinigungen
ausgeschlossen sind, ist dieser Befand deshalb schon von hohem
Interesse, weil bisher das Wasser des todten Meeres als frei von
jedem Lebewesen galt und der hohe Salzgehalt desselben (spec. Ge-
wicht 1162) einem organischen Wachsthum sehr hinderlich ist.
Limbeck (Prag).
Destrte, A propos de quelques cas de suppuration com-
pliquant lafifcvre typhoide. (Journal de M6decine deBruxelles.
1891. 5 Aout.)
Verf. hat verschiedene Patienten aus der medizinischen Klinik
des Prof. Stiänou bakteriologisch untersucht, welche an Typhus
abdominalis litten, und ist zu folgendem Resultate gekommen:
4 mal, bei verschiedenen Abcessen der rechten und linken Mamma,
der linken Axilla und der Ereuzbeingegend, wurde nur die Anwesen-
heit des Staphylococcus pyogenes aureus konstatirt. Bei
einem fünften Kranken, der im Rekonvalescenzstadium an linksseitiger
Otitis purulenta acuta erkrankte, konnte nur der Eberth'sche
Bacillus entdeckt werden. Durch diese höchst interessanten Unter-
suchungen kommt D. zu dem Schlüsse, dass zwar solche Eiterungen
meist durch gewöhnliche pyogen e Kokken verursacht sind, der
Bacillus typhi abdominalis aber auch Eiterung erzeugen
kann. R. Verhoogen (Brüssel).
Cnffer, P., Recherches cliniques sur la pöriode d'incu-
bation des maladies infectieuses en gänäral et en
particulier sur la päriode d'incubation de la tuber-
culose. Essai de thärapeutique. (Revue de mädecine.
1890. 10 Juin.)
Die Inkubationsperiode der Infektionskrankheiten zu diagnosciren
ißt vom therapeutischen Standpunkt aus sehr wichtig. Dieselbe ist
durch folgende Erscheinungen erkennbar: Fieber, Anämie, Milzer-
weiterung.
Fieber tritt sehr unregelmässig auf, meistentheils am Abend, ist
mit dem Thermometer kaum wahrnehmbar, scheint aber dem Patienten
sehr heftig zu sein, und wird immer von schwerer Mattigkeit be-
1 " t. Dazu kommen Milzerweiterung und hochgradige Anämie,
1) Kupido n off, W, Bakteriologische WaMer-Untersnoh. d. Kabansees u. d.
K**ftn'schen Wasserleitung, Dissertat. Sil. pp. u. 17 Ulum. Tafeln. Kasan 1890.
568 TubercnloM. — Pseadotaberoalosa.
letztere dadurch bedingt, dass die Tuberkelbacillen aerob sind und
den Blutkörperchen den Sauerstoff entziehen.
In diesem Stadium (päriode prögranulique) ist die Lungentuber-
culose viel leichter beilbar. R. Yerhoogen (Brüssel).
Klippel, Paralysie g6n6rale et tuber cu lose pulmonal re.
(Annales de psychiatrie et d'hypnologie. 1891. Juillet.)
Bei 31 Fällen von Dementia paralytica, die zur Sektion kamen,
wurden 5mal tuberculöse Alterationen der Lungen gefunden, welche
aber ältere und chronische Läsionen waren, z. B. kleine Höhlen-
bildungen, deren Wände dick und fibrös geworden waren. Die
Meningen aber waren immer tuberkelfrei. Roch9 sehe Bacillen wurden
jedesmal bei der mikroskopischen Untersuchung entdeckt.
Auf ein reichliches klinisches Material gestützt, hält es Verf. für
sicher, dass die Lungenschwindsucht, wenn sie so langsam und heim-
lich sich ausbreitet, sowie die Lues eine Prädisposition für die
Dementia paralytica bilden. Wenn die Krankheit schnell verläuft und
es zur Phthisis kommt, tritt natürlich der Tod zu schnell ein, um
den prädisponirenden Kinfluss der Krankheit erkennen zu lassen.
R. Verhoogen (Brüssel).
Gulnard, H., Sur un mode possible de transmission de
la tuberculöse chez les animaux. (Lyonm6d. 1891. No.20.)
Die Beobachtung des Verf.'s, dass es in manchen Gegenden, be-
sonders den wasserarmen, Gewohnheit sei, dem Rindvieh das Wasser,
in welchem Wäsche gewaschen wurde, zur Tränke zu geben, bewogen
ihn, diesbezügliche Versuche an Kaninchen und Meerschweinchen an-
zustellen, welche lehrten, dass der Tuberkelbacillus auch im Seifen-
wasser seine Virulenz bewahrt. Limbeck (Prag).
Prefsz, H., A pseudotuberculosisnak juhnäl äszlelt egy
esetäröl 6s a pseudotuberculosisröl ältaläban. [Deber
einen Fall von Pseudotuberculose beim Schafe und
über Pseudotuberculose im Allgemeinen.] (Veten-
narius. 1891. No. 9.)
Preisz erhielt die Nieren eines Lammes zur Untersuchung, die
mikroskopisch der Tuberculöse vollkommen ähnliche Veränderungen
zeigten. Die eine enthielt zwei, die andere mehrere bis nussgrosse
Knoten von ziemlich fester, stellenweise bröckeliger Konsistenz und
grünlich-gelber Farbe; die Schnittfläche zeigte mehrfach weisse Punkte
und Streifen, an der Peripherie war eine bindegewebige Kapsel gut
zu unterscheiden.
Unter dem Mikroskope konnten an dem Durchschnitte eines solchen
Knotens drei Schichten deutlich unterschieden werden. Aussen ist
die käsige Masse von einer aus atrophischen Harnkanälchen und
hypertrophischem Bindegewebe bestehenden Kapsel umgeben. Inner-
halb derselben und von ihr scharf abgegrenzt befindet sich eine
Schicht, in der die Struktur des Nierengewebes noch gut zu erkennen
ist, doch befinden sich zwischen den Harnkanälchen zahlreiche, zum
Theil im Zerfall begriffene Zellenkerne, offenbar ausgewanderte weisse
Psendotubercolose. 569
Blutkörperchen. Diese Schicht wird durch Hämatoxylin stark ge-
färbt Weiter nach einwärts befindet sich die Hauptmasse des Pseudo-
tuberkels, die durch Hämatoxylin intensiv gefärbt wird und aus einer
körnigen, zum Theil verkalkten Substanz besteht. Die mittlere, jüngste
Schicht des Knotens enthält zahlreiche Bacillen, die gewöhnlich inner-
halb der Epithelzellen der Harnkanälchen mehr oder minder grosse
Haufen bilden und in nach der 6 r a m'schen Methode behandelten Schnit-
ten intensiv gefärbt erscheinen. Dieselben sind sehr klein, l1/* — 3-
mal länger, als breit, gerade oder, sehr selten, etwas gebogen, zuweilen
aus mehr und minder intensiv gefärbten Theilchen zusammengesetzt
Einzelne Bacillen zeigen an dem einen Ende eine kolben- oder birn-
förraige Anschwellung und sind zuweilen zu zweien mit einander ver-
bunden.
Mit der Substanz dieser Nierenknoten ausgeführte Impfungen
hatten stets ein positives Resultat zur Folge. In die Venen geimpfte
Kaninchen und Meerschweinchen starben am 3.-5. Tage, und die
Sektion wies in den meisten inneren Organen, namentlich aber in der
Leber, Milz und den Lungen massenhafte Miliar-Pseudotuberkel nach.
Impfung in die Bauchhöhle hatte eine rapide Entwickelung einer all-
gemeinen, der akuten tuberculösen Peritonitis vollkommen ähnlichen
Bauchfellentzündung zur Folge, nur waren die bis stecknadelkopf-
grossen Knötchen farblos, durchscheinend und weniger fest, als wirk-
liche Tuberkel. Impfung unter die Haut bewirkte einen lokalen käsigen
Äbscess an der Impfstelle, in welchem z. Th. auch die unmittelbar
benachbarten Muskeln untergingen; im Anschlüsse an die lokale Er-
krankung entwickelte sich später eine ausgebreitete Pseudotuberculose
der benachbarten Organe und serösen Höhlen.
Ganz frische, 2—3 Tage alte Pseudotuberkel zeigen unter dem
Mikroskope das Bild einer zirkumskripten Entzündung, indem zwischen
den normalen Gewebselementen zahlreiche Rundzellen eingestreut
lagen, nur ist es auffallend, dass bereits in einem solchen frühen
Entwickelungsstadium an den normalen Gewebselementen durch Fär-
bung mit Eosin und Hämatoxylin Zeichen einer beginnenden Nekrose
zu erkennen sind. Etwas ältere Knötchen sind in ihrer Mitte bereits
zu einer feinkörnigen Masse zerfallen. In den Nieren sind an der
Peripherie der Knötchen die Harnkanälchen erweitert und mit un-
gleich grossen Zellen ausgefüllt, die fast ausnahmslos die oben er-
wähnten Bacillen in grosser Zahl enthalten ; ausserhalb der Knötchen
enthalten einzelne, sonst noch ganz normal aussehende Epithelzellen
ebenfalls solche Bacillen. Ein bezeichnender Unterschied zwischen
dem wirklichen und dem Pseudotuberkel ist, dass, während im ersteren
die Verkäsung erst in einem späteren Entwickelungsstadium in Folge
der mangelhaften Ernährung des gefässlosen Gewebes sich einstellt,
in dem Pseudotuberkel die Nekrose von allem Anfange an zu kon-
»tatiren ist und offenbar durch ein von den sich rasch vermehren-
den Bacillen entwickeltes chemisches Gift bewirkt wird.
Preisz glaubt, dass der von ihm gefundene Bacillus sowohl
hinsichtlich seiner morphologischen Eigenschaften, als auch hinsicht-
lich seines Verhaltens den Färbungsverfahren gegenüber von den bis-
her beschriebenen sonstigen Pseudotuberculose-Bakterien vollkommen
570 Malaria.
verschieden ist, und stellt die nähere Begründung dieser Ansicht for
später in Aussicht. Schliesslich plädirt er für die Beibehaltung des
von Baumgarten beanstandeten Namens: Pseudotuberculose für
die Bezeichnung der hier in Frage kommenden Krankheitsprozesse.
Hutyra (Budapest).
Blgnami, Sülle febbri intermittenti malariche alunghi
intervalli. (Riforma medica. 1891. No. 165. p. 169.)
Bignami beschreibt einen Fall von Malariafieber mit durch
lange (14—16 Tage) fieberfreie Perioden getrennten Anfällen, bei
welchem die Untersuchung des Blutes die Parasitenvarietät der
Tertiana mit ihrem von Golgi beschriebenen charakteristischen Eot-
wickelungscyklus darthat.
Während der Intervalle ergab die Untersuchung des Blutes ein
negatives Resultat und nur wenige Tage vor jedem Fieberanfall wur-
den spärliche Formen der Tertiana wahrgenommen.
B. meint, dass diese Fieberform das Produkt einer Heike
von in fast gleichen Intervallen stattgehabten Rückfallen sei und das
man die unregelmässigen Fieber mit langen Intervallen bei der Klassi-
fikation der Malariafieber nicht zu einer besonderen Gruppe vereini-
f[en könne; denn diese Formen werden nicht allein durch die semi-
unare Varietät des Malariaparasiten bedingt, wie Golgi beobachtet
hat, sondern können auch durch die Parasiten der Tertiana erzeugt
«ein, wie eben der vorliegende, von B. beschriebene Fall darthat
Bordoni-Uffreduzzi (Turin).
Schellong, 0., Die Malariakrankheiten unter spezieller
Berücksichtigung tropenklimatischer Gesichts-
punkte. Auf Grund von in Kaiser-Wilhelms-Land
(Neu-Guinea) gemachten Beobachtungen. 8°. 166 p.
9 Tfln. Berlin 1890.
In einer sehr anziehend, halb populär geschriebenen Arbeit legt
Verf. die Erfahrungen, die er in den Jahren 1886—88 in Neu-Guinea
über Malaria zu sammeln in der Lage war, nieder. Seine Beobach-
tungen machte er vorwiegend in Finschhafen, glaubt jedoch, dass sieb
dieselben auf das ganze Inselgebiet verallgemeinern lassen. Die Häufig-
keit der Malaria in jenen Landen veranlasst ihn zu dem Aasspruche,
dass die Frage von der Akklimatisationsfähigkeit des Europaers für]die
Tropen nahezu zusammenfällt mit der Frage von der Akkommodations-
möglichkeit desselben für die Malaria. In Kaiser-Wilhelms-Land er-
krankten in den Jahren 1836—88 99% der Europäer an Malaria, und
es starben daran von den Malayen 14, von den Europäern 9%. »Ich
habe in K.-W.-L. gesehen, wie das Leben mancher Europäer doch
nicht viel Anderes, als eine ununterbrochene Kette fortwährender Er-
krankungen darstellte." „Ein gewisses gesundheitliches Risiko besteht
für jeden, der sich an den Schauplatz einer kolonisatorischen Th&tig-
keit begiebt." Die meisten der Bewohner Finschhafens erkranken
wiederholt an Malaria. Nach der sehr sorgfältigen Tabelle, in der
S. die Krankheitsverhältnisse von 37 genauer beobachteten Europäern
zusammengestellt hat, bei denen die kürzeste Beobachtungszeit 7, die
Miilari*, 571
längste 26 Monate betrag, hat der Europäer in Finschhafen die Aus-
sicht, alle 55 Tage einmal einer Fiebererkrankung anheim zu fallen.
Mit der Häufigkeit der Anfälle wächst die Gefahr für den Einzelnen.
Frauen erkranken nicht häufiger, als Männer. Die sehr eingehende
Schilderung einiger Fälle mag im Originale nachgelesen werden. Im
Allgemeinen lassen sich nach S. die tropischen Malariafieber eintheilen
in fieberhafte und fieberlose; erstere wieder in typische (Wechselfieber-
Typus), atypische, in Malaria biliosa haematurica und endlich in
Malaria comatosa; letztere in Anämie, Kachexie und Neurosen. Jede
dieser Formen wird eingehend geschildert und durch Mittheilung von
Krankengeschichten erläutert. Schliesslich werden die Komplikationen :
Pneumonie, Dysenterie, Diphtherie, Furunculosis und einige andere im
Anschluss an Malaria zur Beobachtung gelangende Erkrankungen
und der chronische Milztumor besprochen.
Demnächst wendet sich S. zur Aetiologie, die auch er auf die
Marchiafava -Celli 'sehen Plasmodien zurückführen zu müssen
glaubt, wenngleich sie in Fällen von tropischer Malaria noch nicht
nachgewiesen seien. Nach der landläufigen Ansicht wird das Malaria-
virus im Erdboden produzirt, gelangt vorzugsweise Nachts oder in
den Morgen- und Abendstunden aus dem Boden in die Luft und mit
dieser in die Wohn- und Schlafräume, und zwar in den Tropen am
häufigsten zu Beginn und gegen Ende der Regenzeit ; es vermag sich
nur bis zu einer gewissen Höhe über den Erdboden zu erheben und
nicht über das Wasser fortzubewegen, daher man auf Bäumen und
Schiffen vor Ansteckung geschützt ist S. hält dies alles für im all-
gemeinen richtig, macht aber noch auf einige Punkte besonders auf-
merksam. Vor allem wendet er sich gegen die Annahme, dass der
Genuss schlechten Trinkwassers Malaria erzeuge (wofür er den Be-
weis freilich schuldig bleibt. Denn das in Finschhafen zum Genuss
dienende Regenwasser kann man doch nicht als gut bezeichnen). Dem-
nächst suchte er den Einfluss der Bodenluft durch Messungen fest-
zustellen und fand, dass in allen 6 Monaten, in denen die Unter-
suchungen stattfanden, Tendenz zu abwärts gerichteten Luftströmun-
gen im Boden während der Nachtzeit vorhanden war, besonders in
den ungünstigsten Monaten Mai mit 60°/0 und Juni mit 54°/0 Er-
krankungen ; „dies spricht also keineswegs für die Annahme, dass
das Malariavirus vorzugsweise zur Nachtzeit aus dem Boden frei
werde. Dagegen glaubt S. gefunden zu haben, dass grosse Regen-
mengen die Entwickelung des Malariavirus hemmen. Ferner zeigte
sich, dass enge, ungenügende Wohnungen, Zelte u. s. w. der Infektion
förderlich sind, und mangelhafte Ernährung und ungenügende Kost
«inen sehr grossen Antheil an derselben haben. Strapazen, Exzesse
u- 8. w. setzen die Widerstandsfähigkeit herab. Kleidung und Lebens-
alter schien ohne Einfluss zu sein, wohl aber das Geschlecht und vor
&]lem die Rasse. Frauen erkrankten seltener, als Männer. Die per-
niziösen Formen der Malaria biliosa und comatosa entfielen ausnahms-
los auf Europäer und Malayen. In einem eigenen Kapitel spricht
Verf. dann seine Theorie über die Malaria-Infektion aus, die mehr
oder weniger hypothetisch ist und im Originale nachgelesen werden
^e. Die Besprechung der Prophylaxe und Therapie bildet den
572 Malaria.
SchlußS der inhaltreichen Arbeit Gute Kost, gesunde Wohnung, Bäder
regelmässige Beschäftigung, Trockenlegung von Sümpfen, Gebraud
von Eisen und Cbinin werden in erster Beziehung empfohlen
Therapeutisch empfiehlt er Chinin, und zwar nach Ablauf des Fiebers
und bemerkt, dass die zur Heilung erforderliche Chininmenge fü
jeden Fall verschieden sei. Ausserdem sah er gute Erfolge vom Opiat
und Chloralhydrat. Der Situationsplan von Finschhafen und 9 Tafeli
Fieberkurven sind dem Werkchen beigegeben, das zwar nur wem;
Neues für den Mikrobiologen, aber eine Reihe interessanter Gesichts
punkte für den Tropenhygieniker bringt.
M. Kirchner (Hannover).
Plehn, F., Aetiologische und klinische Malariastudien
8°. 47 p. Mit 2 Tfln. Berlin (A. Hirschwald) 1890.
Verf. ist bekanntlich der Erste gewesen, dem es in Deutschland
gelang, die spezifischen Malariamikrobien im Blute Intermittensj
kranker nachzuweisen. In seiner 1. Veröffentlichung (Zeitschr. f. Hve
Bd. VIII. p. 78 fl.) berichtete er von 3 Fallen, bei denen er positivj
Befunde erhob. Inzwischen ist die Zahl derselben auf 17 angewachsen
und Verf. hat so vielseitige Erfahrungen in der Untersuchungsmethodj
gesammelt, dass die vorliegende Arbeit, welche das Ergebniss diese!
Arbeiten enthält, allseitig mit Dank begrüsst werden wird.
Im Ganzen stammte sein Material von 18 Kranken. Von 4 der
selben konnte er nur das von anderer Seite gesandte Blut unter
suchen, die übrigen 14 beobachtete er selbst; von diesen 18 Kranka
ergaben 17 ein positives Resultat; der eine, an dem das nicht dei
Fall war, war ein mit grossen Dosen Quecksilber behandelter Lue
tiker, bei dem, wie P. wohl richtig annimmt, keine reinen Verhält
nisse vorlagen. Auf Grund dieser Beobachtungen behauptet der Verf.
dass bei Debung und Sorgfalt in der Untersuchung die Mikrobiefl
in keinem Falle von Malaria vermisst werden würden, und dass dei
negative Ausfall der Untersuchung gegen das Vorliegen von Malaria
spreche. In den 14 Fällen handelte es sich übrigens llmal um
typische Intermittens — 5 mit quotidianem, 4 mit tertianero,
2 mit quartanem Typus — , während die 3 übrigen mit unregel-
mässiger Fieberbewegung verliefen.
Seinen eigenen Untersuchungsergebnissen schickt P. eine kurze
Besprechung des jetzigen Standes der Malariafrage vorauf, deren
Verständniss durch ein sehr vollständiges Litteraturverzeichniss am
Schluss der Arbeit wesentlich erleichtert wird. Schon in seiner
ersten, oben zitirten Arbeit, ist diese Litteratur aufgeführt
Mit grossem Eifer Hess Verf. es sich angelegen sein, die Mikrobien
zu züchten und Versuchsthiere — Hunde, Kaninchen, Meerschwein-
chen, Tauben, Ratten und Frösche — mit Malariablut zu impfen,
aber alle diesbezüglichen Versuche hatten keinen Erfolg.
P. musste sich daher darauf beschränken, die Entwickelung der
Parasiten im menschlichen Blute selbst zu verfolgen. Als beste Methode
ergab sich für diesen Zweck die Einbettung des Blutes in flüssigem
Paraffin, in dem es sich Tage lang flüssig, und seine Formelemente
sich unverändert erbalten. „Um das in dieser Weise konservirte Blut
MalarU. 573
lirekt der mikroskopischen Untersuchung zugänglich zu machen, be-
mtzte ich einen gewöhnlichen Objektträger, welcher mit einem, etwa
lie Breite eines Deckgläschens im Durchmesser haltenden flachen
liog von Spirituslack versehen war, als modifizirten hohlen Objektträger.
£s wurde dann das wohlgereinigte Deckglas aus einem Tropfgläschen
uit einem Tropfen flüssigen Paraffins beschickt, ein gleicher auf
lie Mitte der Objektträgerhöhlung gethan. Die wohlgereinigte Finger-
nippe, aus welcher ich das Blut entnahm, bestrich ich, um dein-
«)ben keinerlei Gelegenheit zu geben, an einem Fremdkörper zu
laften . . . ., mit reiner Vaseline. Durch diese hindurch wurde der
Nadelstich geführt, der austretende Blutstropfen sofort auf dem
Paraffintropfen des Deckgläschens aufgefangen und durch Ueberdecken
der ebenfalls paraffinbedeckten Objektträgerhöhlung zwischen beiden
Paraffintropfen in dünner Schicht vertheilt . . . ." Die Untersuch-
ungen wurden in dem nach P.'s Angaben von F. u. M. Lautenschläger
in Berlin konstruirten Heizkasten vorgenommen. (S. diese Zeitschr.
Jahrg. 1889. Bd. V.) Zur Untersuchung des Blutes im gefärbten
Deckglaspräparat bewährte sich ihm am besten ein Gemisch von
tiOccm konzenL wäss. Methylenblaulösung, 20 ccm lV/zo Eosinlösung
in 75% Alkohol, 40 ccm Aq. dest. und 12 Tropfen einer 20% Kali-
lauge. Das Blut wurde vermittelst eines schmalen Glimmerblättchens
auf dem Deckglase ausgestrichen und nach dem Trocknen durch Be-
handlung mit absol. Alkohol (6—7 Min. lang) fixirt.
Nach Schilderung seiner Methode geht P. dazu über, den Ent-
wickelungskreislauf der Malariaparasiten und die einzelnen Parasiten-
formen zu beschreiben. Bei einem typisch verlaufenden Tertianafall
findet man 2—3 Stunden nach Abfall des Fiebers im Blute eine
ziemlich reichliche Anzahl kleiner, weniger lichtbrechender, blasser
Körpereben von nicht ganz scharfem Kontour und ziemlich schneller
Beweglichkeit, ausgerüstet mit 1—3, ihren Durchmessar um das
3— 6fache an Länge übertreffenden Geissein von äusserster Feinheit,
welche jedoch an den endoglobulären Parasiten nicht deutlich erkenn-
bar sind. Am Morgen des folgenden — des fieberfreien — Tages
sind die Parasiten zum grössten Theil in die rothen Blutkörperchen
eingedrungen, erheblich gewachsen, bis zur halben Grösse des Blut-
körperchens, und mit glänzenden, dunkeln, braunrothen, stark licht-
brechenden Körnchen und Stäbchen angefüllt. Im Laufe des Tages
und den folgenden Tag wird, während der Parasit wächst, der Blut-
körper blasser und blasser; im Parasiten entstehen ein bis zwei
scharf kontourirte helle Flecken — Kern mit Kernkörpereben. Mit dem
Beginn der Theilung — nach 48 Stunden — tritt ein Fieberanfall
ein. Die Pigmentkömer im Innern werden beweglicher und begeben
sich an die Peripherie, während im Innern eine Menge heller, stark licht-
brechender und allmählich mit immer deutlicherem ovalem Kontour sich
^gebender Körperchen sichtbar werden, die nach einiger Zeit frei werden
und in das Blutplasma ausschwärmen (Sporen), die dann ihrerseits
wieder in die amöboide Form übergehen. Ausser der Sporulation
kommt auch Theilung vor. Nach den Beobachtungen von P. sind
die Amöben-Formen sehr empfindlich gegen mannigfache äussere Ein-
flüsse chemischer und thermischer Natur.
574 Malaria.
Golgi bat bekanntlich angegeben, dass man im Stande sei, aus
der sich dem Auge darbietenden Form der Parasiten nicht nur die
Krankheit zu diagnostiziren , sondern auch die Phase, den Typus,
die Prognose und die Intensität des nächsten Anfalls zu bestimmen
P. hält dies für sehr schwer und traut es sich nicht zu, auch bat er
sich von dem von Golgi behaupteten Unterschied zwischen den Para-
siten der tertianen und der quartanen Fieber nicht tiberzeugen kdooeo.
Die Parasitenformen, in deren Entwickelungskreislauf grosse, mit
äusserst stark entwickelten Geissein und eigenthümliche halbmond-
und spindelförmige Körperchen gehören, betrachtet P. aus Granden,
die im Original nachzulesen sind, als nicht zu den eigentlichen Malaria-
parasiten gehörig, sondern als Ausdruck einer Mischinfektion. Während
die Malariaparasiten auf Chinin prompt reagiren, war dies bei jenen
andern Formen gar nicht der Fall.
Nach seinen Untersuchungen ist P. der Ansicht, dass die amö-
boide Form der Malariaparasiten obligat parasitisch ist, dass die
Sporen dagegen auch ausserhalb des Körpers zu existiren vermögen.
Ihre Klassifizirung im Thierreich hält er bei dem jetzigen Stande
unserer Kenntniss für noch nicht möglich.
Sehr warm spricht P. für die prophylaktische Anwendung des
Chinins. Therapeutisch empfiehlt er während des Froststadiums
wiederholte Gaben von 0,5 g Antipyrin und beisse Bäder von 32 bis
35° R, kurze Zeit nach dem Ablauf des Anfalls Chinin, und zwar
bei Darniederliegen der Magenfunktion in Form von subkutanen oder
intravenösen Injektionen, und zwar solange, bis keine Parasiten mehr
im Blute nachweisbar sind.
Die fleissige und überaus inhaltreiche Arbeit gehört zu dem
Besten, was über Malaria geschrieben worden ist und sei eingehen-
derem Studium warm empfohlen. Vier farbige Bilder — Blut 5
Stunden nach der Entfieberung, Blut gegen Abend des fieberfreien
Tages, Blut kurz vor dem Schüttelfrost und endlich Blut mit Spindel-
und Halbmondformen — tragen zum Verständniss in vorzüglicher
Weise bei. M.Kirchner (Hannover).
Spener, C, Ueber den Krankheitserreger der Malaria.
Zusammenfassender Bericht. (S.-A. aus „Biolog. CentraM"
Bd. XI. 1891. No. 12—14.) 8°. 46 p. Leipzig (Eduard Besold) 1891.
In der vorliegenden Arbeit gibt Verf. eine üebersicht über die
gesammte bis zum 1. 4. 1891 erschienene Litteratur zur Frage des
von La vor an, Marchiafava und Celli entdeckten Malariapara-
siten. Im I. Tbeil bespricht er die chronologisch geordneten Arbeiten
in ihrer gegenseitigen Beziehung, im II. Theil macht er den Versuch
einer genauen systematischen Schilderung des Parasiten auf Grund
der angegebenen Arbeiten. Er schildert zunächst das amöboide
Stadium in seinen einzelnen Formen und Entwicklungsstufen, sodann
den sichelförmigen Typus mit seinen verschiedenen Abarten; er be-
spricht dann die Beziehung der einzelnen Formen zu den verschie-
denen Fiebertypen, giebt die als Degenerationsformen gezeichneten
Gestaltsveränderungen an, kennzeichnet die Wirkung des Parasiten
Nachträge su : Die Neuerungen auf d. Gebiete d. b*kt. Untersuchangsmeth. etc. 57{>
auf den Körper des Menschen im allgemeinen, auf das Blut im be-
sondern, erwähnt die Kultur- und Impfversuche und schliesslich noch
die Untersuchungsmethoden. Autoreferat.
Langer, Ueber die Häufigkeit der Entoparasiten bei
Kindern. [Aus Prof. E p s t e i n 's Kinderklinik in Prag.] (Prager
medizinische Wochenschrift 1891. No. 6.)
Die Dorfkinder sind nach der Zusammenstellung des Verf.'s weit
mehr (57,31 °/0) mit Helminthen behaftet, als Stadtkinder (16,66 °/0).
Der häufigste Parasit der Landkinder ist Ascaris lumbri-
coid es (52,03 °/o)» dann folgt Trichocephalus dispar (14,63 °l?)>
Oxyuris vermicularis (7,31 °/0). Bei den Stadtkindern ist
der häufigste Darmparasit Oxyuris vermicularis (11,11 °/0).
Dittrich (Prag).
Untersuchungsmethoden, Instrumente etc.
Nachträge zu:
Die Neuerungen auf dem Gebiete der bakteriologischen
Untersuchungsmethoden seit dem Jahre 1887.
Zusammenfassender Bericht
▼on
Dr. L. Heim,
k. b. Stabsarzt und Privatdoaenten.
Zu Abschnitt IV (3. Absatz v. h.) Reagenzkulturen auf festen
Nährböden werden auf einfache Weise mit Wasserstoff gefallt, indem
man sie umgekehrt kurze Zeit über die Ausströmungsöffnung des
Gases hält. Fuchs (8. 11) bat dies mit Kulturen auf Loeffl er-
schein Rinderblutserum gemacht und den Verschluss mit Gummi-
stopfen und Paraffin hergestellt, Blücher (9. 292) tauchte die ge-
impften Agar- oder Gelatineröhrchen mit der Mündung unter ver-
dünntes Glycerin und leitete 5 Minuten lang H ein.
Zu Abschnitt VI. Sterilisirungsapparate; 1. Abs. Nach einem
ähnlichen Prinzip wie der Ostwalt'sche Apparat ist der bewährte
Dampfcylinder, welchen Settegast1) und in verbesserter Form
C. Schimmelbusch f) beschrieben, von F. & M. Lautenschlä-
ger konstruirt. Durch die im Laufe der Zeit angebrachten Vervoll-
kommnungen (zweckmässige Konstruktion der Heizschlange, Ausführung
des Dampfes durch eine in Mitte des Bodens gelegene Oeffnung,
Znrückführung des Kondenswassers in den Apparat) ist er als das
beste Instrument seiner Art anzusehen. Zunächst für chirurgische
Zwecke bestimmt, lässt er sich auch in bakteriologischen Laboratorien
1) Centralbl. f. Chirurgie 90. 6.
2) Arb. a. r. Bergmann'» chir. Klinik. V. S. A. 16.
576 Schutzimpfung, künstl. Infektionskrankheiten, Entwickelnngsbemmung etc.
vcrwendcu, auch haben ihn F. & M. Lauten seh läger jetzt in
kleineren Dimensionen ausgeführt.
Zu Abschnitt IX. 2. Abs. Loeffler1) stellte aus Diphtherie-
kulturen auf Fleischbrei ein für Meerschweinchen bei interperitonealer
Applikation tödtliches, subkutan beigebracht zu Hautnekrose führendes
Gift folgendermassen dar : 4—5 Tage alte Kulturen wurden mit reich-
lich Glycerin übergössen, geschüttelt und 24 Stunden im Brutschrank
belassen ; der Glycerinauszug wurde mit dem 5 fachen Volum absoluten
Alkohols gefällt, der Niederschlag nach 24 Stunden abfiltrirt, mit
Alkohol ausgewaschen, unter Vermeidung höherer Temperaturen ge-
trocknet und in wenig Wasser aufgenommen ; die Lösung wieder mit
Alkohol versetzt unter gleichzeitiger Durchleitung von COt, der weisse
Niederschlag abermals abfiltrirt, getrocknet und in Wasser gelöst.
Schutzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten, Entwick-
lungshemmung und Vernichtung der Bakterien etc.
Tlzzonl, G., e Cattanl, G., LMmmunitä contro il tetano
studiata negli animali molto recettivi per questa
infezione (cavia, coniglio, topo). (La Ri forma med. 1891.
No. 183, 184. p. 385, 397.)
Verff. vervollständigen ihre früheren Mittheilungen1) über das
Wesen der Immunität gegen Tetanus bei wenig empfänglichen Thieren
(Hund, Taube) durch weitere Untersuchungen an sehr empfänglichen
Thieren (Meerschweinchen, Kaninchen, Ratte) und suchten gleichzeitig
die Identität oder Verschiedenheit der immunisirenden Stoffe im Blut-
serum der beiden Thiergruppen festzustellen. Sie benützten bei diesen
Versuchen wiederum dieselben, unter H bei 37 ° entwickelten Tetanus-
Gelatinekulturen, die durch Porzellan filtrirt und im Vacuum bei 40 °
auf Vs ihres ursprünglichen Volumens eingedampft worden waren.
Deren Toxizität wurde durch Kontrollimpfungen an den erwähnten
T hierar teu sichergestellt.
Kaninchen, die mittelst abgeschwächter Tetanuskulturen hervor-
gebrachte, mehr oder minder leichte lokale Formen des Tetanus über-
standen hatten, unterliegen, wie Verff. andern Orts ■) anführten, einer
nachfolgenden Injektion von 1/8 — 1/8 cem der filtrirten Kultur gerade
so wie die Kontrollthiere, weil diese Dose, wie sich nunmehr heraus-
stellt, zum Nachweise der erreichten relativen Immunität zu gross
war. Ebensowenig vermochten Jodtrichlorürinjektionen eine nachfolgende
Tetanusintoxikation zu hindern; es muss eine spezifische Wirkung
des Jodtrichlorürs bei der Erzeugung von Immunität gegen Tetanas
ausgeschlossen bleiben.
1) D. m. W. 90. 6. 109.
2) Dieses Central bl. Bd. IX. p. 189, 685 ; Bd. X. p. 33 ; auch La Riforma med.
1891. No. 10, 102, 126.
8) Untersuchungen über das Tetauusgift. (Arch. f. exper. Palhol. u. Pharmak.
XXVII. p. 432, auch d. Ceutralbi. Bd. IX. p. 190.) I
Sehntsunpfang, kfiastl. Infektionskrankheiten, EntwickdangtheinmuDg etc. 577
Bei den vorliegenden Versuchen lösten Verff. an den Kaninchen
zunächst leichte Tetanusformen aus, indem sie die erste Intoxikation
der Versuchstiere mit filtrirten Tetanuskulturen bewerkstelligten,
deren Toxizität durch Einwirkung von Blutegelextrakt oder Tetanus-
Antitoxin herabgesetzt worden war. Als die tetanischen Erscheinun-
gen verschwunden waren und der allgemeine Ernährungszustand der
Thiere sich wieder gehoben hatte, erhielten diese einen Tropfen nicht
abgeschwächter Tetanuskultur injizirt, auf welchen sie nicht mehr
reagirten, während frische Kontrollthiere prompt an Tetanus zu Grunde
gingen. Hierauf wurde mit den Injektionen nicht abgeschwächter
Tetanuskulturen in steigenden Dosen mit 2tägigen freien Intervallen
fortgefahren, bis die Thiere 1 ccm filtrirter Kultur ohne Störung ver-
trugen, demnach das 500 fache jener Menge, welche hinreicht, ein
Kaninchen in 79 Stunden zu tödten. Diese übertragene und nahezu
absolute Immunität dürfte ihren Grund in der vorangegangenen leichten
Intoxikation haben, durch welche im Organismus eine grössere Wider-
standsfähigkeit gegen die später applizirten tödtlichen Kulturmengen
geschaffen wird. Denn erhält ein frisches Kaninchen Injektionen mit
Blutserum von einem derart immunisirten Kaninchen und lässt man
Dach einigen Tagen einen Tropfen filtrirter Kultur folgen, so kann es
dann nach dem Verschwinden der erzeugten tetanischen Erscheinungen
durch ansteigende Dosen von Tetanuskultur ohne neuerlich auftretende
KraDkheitssymptome gleichfalls absolut immun gemacht werden. Mit
durch Wärme (15 Minuten lange Einwirkung von 60° C) abge-
schwächten filtrirten Tetanuskulturen gelang es nie, bei Kaninchen
irgend einen Grad von Immunität zu Stande zu bringen.
Der weissen Ratte kann durch Injektionen von Blutserum eines
gegen Tetanus immunisirten Hundes, bezw. mit dem alkoholischen
fräcipitate aus demselben eine gewisse Immunität verliehen werden,
die indes sowohl in Bezug auf deren Zeitdauer, als auf die Höhe der
zu vertragenden Kulturmengen eine sehr begrenzte ist. Lässt man
jedoch nach der Erzielung dieser relativen Immunität eine ähnliche
Behandlung wie bei dem Kaninchen nachfolgen, so vertragen die
Thiere schliesslich ohne jede Störung 15—20 Tropfen der filtrirten
Kultur.
Das Meerschweinchen kann ebenfalls nach demselben Verfahren
einen höheren Grad von Immunität gegen Tetanus erlangen, nur ist
<* bei diesem Thiere seiner grossen Empfänglichkeit halber nöthig,
den ersten Grad der Immunität mittelst Blutserum vom immunen
Kaninchen oder Hunde hervorzubringen.
. Um demnach Immunität gegen Tetanus bei sehr empfänglichen
Ihieren zu erzeugen, genügt es nicht, wie beim Hunde und bei der
Taube mit Injektionen von Tetanuskulturen in ansteigenden Dosen zu
beginnen, sondern es muss bei dieser Thiergruppe vorher erst jener
("ad relativer Immunität hervorgerufen werden, wie er bei den weniger
empfänglichen Thieren bereits normalerweise vorhanden ist
Das Blutserum von gegen Tetanus immunisirten Kaninchen be-
sitzt je nach dem Immunitätsgrade ein verschieden hohes an ti toxisches
und immunisirendes Vermögen. War die Immunität des Kaninchens
au* jene Höhe gebracht worden, dass es 4 Tropfen der eingedampften
578 Schutzimpfung, kfinstl. Infektionskrankheiten, Entwickelungshemmoug etc.
Kultur ungeschädigt vertragen konnte, so vermochte dessen Blut-
serum in vitro die Giftigkeit filtrirter Tetanuskulturen zu vermindern
und im Organismus anderer Thiere eine gewisse immunisirende Wir-
kung gegen dieselben Kulturen zu entfalten. Letztere steht in Be-
ziehung mit der verschiedenen Empfänglichkeit der Thiere, sie ist
grösser bei der weissen Ratte, kleiner beim Kaninchen und tritt beim
Meerschweinchen gar nicht auf. Als das immunisirte Kaninchen 1 ccm
Kultur ohne Reaktion vertragen konnte, zerstörte dessen Blutserum in
vitro die Toxizität der filtrirten Kulturen gerade so, wie das Serum des
immunen Hundes, während die immunisirende Wirkung eine noch
höhere, als jene des letzteren war, allerdings mit den erwähnten Ein-
schränkungen in Bezug auf deren Zeitdauer und die Höhe der nicht
reagirenden Kulturdosen.
Versuche über die Heilwirkung des Blutserums von immunen
Kaninchen führten nur bei der weissen Ratte zu positiven Resultaten
Als nach dem Auftreten der ersten Tetanussymptome endoperitoneale
Injektionen mit dem Blutserum vorgenommen wurden, gelang
es, die vollständige Entwickelung der Krankheit zu verhindern und
die Erscheinungen nach und nach aufhören zu machen. Der Verlauf
des experimentellen Tetanus wurde jedoch durch die Seruminjektionen
nicht beeinflusst, wenn entweder die verimpfte Kulturmenge ein be-
stimmtes Mass überschritten hatte oder die Behandlung mit Blut-
serum erst in einem späteren Stadium der Krankheit begann.
Zwischen dem Blutserum vom immunisirten Hunde und von der
Taube und jenem des immunisirten Kaninchens bestehen demnach be-
züglich ihrer immunisirenden und kurativen Wirkungen bemerkens-
werte Unterschiede. Mit ersterem kann nur die Ratte, mit letzterem
auch das Kaninchen und das Meerschweinchen immunisirt werden;
jenes besitzt gar kein kuratives Vermögen, dieses übt eine solche
Wirkung bei Ratten aus. Hieraus kann gefolgert werden, dass das
von für Tetanus sehr empfänglichen Tbieren stammende Antitoxin
mit einer viel höheren Wirksamkeit versehen ist, als das von weniger
empfänglichen Thieren gebildete.
Das Tetanus-Antitoxin aus dem Blute immunisirter Kaninchen
(gleich jenem des Hundes) dialysirt nicht und wird durch absoluten
Alkohol ausgefällt, wobei es seine antitoxischen, immunisirenden und
kurativen Eigenschaften beibehält, gleichviel, ob das Präcipitat mit
Wasser aufgenommen oder mit Glycerin extrahirt wird. Es lässt sich
auch mit Magnesiumsulfat niederschlagen, muss daher als ein Globulin
angesehen werden und besitzt die wesentlichsten Merkmale der Enzyme.
Das Antitoxin aus Kaninchenblutserum differirt von jenem aus Hunde-
blutserum durch seine höhere Widerstandsfähigkeit gegen die Ein-
wirkung chemischer und physikalischer Agentien, namentlich von
Säuren und Wärme. Das Hundeserum-Antitoxin verliert seine anti-
toxische Wirkung durch Kontakt mit Milch- oder Salzsäure, das Ka-
ninchenserum-Antitoxin behält unter den gleichen Versuchsbedingungen
seine volle Wirksamkeit bei. Letzteres widersteht einer halbstündigen
Einwirkung von 68 ° C sehr gut, wird bei 75 ° kaum merklich ab-
geschwächt und verliert bei 80° noch nicht alle Wirkung, während
das erstere nach halbstündiger Erhitzung auf 68 ° alle seine Wirk-
Bftktoriologuchea vom VII. intornatioiuJen Kongrcss in London. 579
samkeit eiogebüsst hat Das Tetanus-Antitoxin ist auch beim Ka-
ninchen (wie beim Hunde) nur im Blute, nicht aber in den Organen
oder Geweben vorhanden.
Verff. halten dafür, dass mit dem Blutserum oder dem Antitoxin
von gegen Tetanus immunisirten, sehr empfänglichen Thieren, wie
z. B. des Kaninchens, auch beim Menschen Tetanus lokalisirt und
die noch nicht befallenen Theile gewissermassen gegen Tetanus im-
munisirt werden könnten. Kräl (Prag).
ftnntz, J., Ueber die Chromwasserbehandlung der
Syphilis. (Mediz. Wander- Vorträge. Hft. XIII.) Berlin (Fischers
med. Buchhandlung) 1889.
Das zuerst von Puche, später von Robin und Vincent
empfohlene Chrom als Mittel gegen die Syphilis, das später, nament-
lich nach ungünstigen Beobachtungen von Heyfelder, Boeck u. a.,
ganz fallen gelassen worden ist, wird vom Verf. als Spezifikum gegen
Syphilis warm empfohlen und in seinen physiologischen, therapeuti-
schen und prophylaktischen Wirkungen beschrieben. Als beste Form
hat er ein nach seinen Angaben von 0. Li sc he in Plauen-Dresden
hergestelltes kohlensaures Chromwasser erprobt Der mit grosser
Vorliebe für dieses Mittel geschriebene Aufsatz hat kein bakteriologi-
sches Interesse. M. Kirchner (Hannover).
Chelmonskl, Ueber den Einfluss akuter fieberhafter Er-
krankungen auf den Verlauf der chronischen Lun-
gentuberculose. (Dtsch. med. Wochenschr. 1891. No. 14)
Verf. theilt 2 Krankheitsfälle aus seiner Beobachtung mit, in
denen eine sicher festgestellte Lungentuberculose anscheinend unter
dem Einfluss einer hinzugetretenen akuten, fieberhaften Erkrankung
geheilt oder wenigstens bedeutend gebessert war.
Im ersten Falle handelte es sich um eine Frau, welche durch
eine rechtsseitige Pneumonie, deren tuberculöse Natur durch den
Befund von Bacillen im Auswurf sichergestellt war, schon sehr viel
Kräfte verloren hatte. Ein hinzugetretenes Gesichts- und Kopferysipel,
welches von einem wahrscheinlich gleichfalls tuberculösen Rachen-
geschwür ausging und 6 Tage anhielt, hatte den üben aschenden Er-
folg, dass die Bacillen im Auswurf gänzlich und die physikalisch
nachweisbaren Krankheitszeichen über deu Lungen fast vollkommen
verschwanden, und dass die Kranke das Gefühl der Gesundheit wieder-
erlangte.
Im zweiten Falle bekaiq ein Arzt, welcher an rechtsseitiger
Spitzenaffektion litt und mit seinem Auswurf täglich grosse Massen
von Tuberkelbacillen expek torirte , einen Flecktyphus. Im Verlaufe
dieser Krankheit verschwanden die Bacillen aus dem Auswurf, und
3 Monate später war weder Husten, noch Schweiss, noch Frösteln mehr
vorhanden. Der Auswurf beschränkte sich auf ganz spärliche Reste,
über der erkrankten Spitze liess sich nur noch eine „sehr leichte
narbige Verdichtung44 nachweisen, und das Körpergewicht nahm inner-
halb eines einzigen Monats um 20 Pfund zu (nachdem es allerdings
während des Typhus um 30 Pfund gefallen war).
37*
580 Bakteriologisch es Tom V1L internmUon*len KoogreM sa London.
Verf. glaubt aus diesen Beobachtungen schliessen zu dürfen, das
das Fieber die Tuberkelbacillen zu vernichten im Stande ist. Er
beruft sich auf die von Fehleisen und Schwimmer mitgetheilteii
Fälle einer günstigen Beeinflussung des Lupus durch Erysipel und
sieht in der durch Ga male Ja berichteten Zerstörung der Milzbrand-
bacillen im fiebernden Körper (diese Zeitschrift. 1888. S. 213) eine
ähnliche Erscheinung. Auch erwähnt er, dass nach Fodor (diese
Zeitschrift. 1890. No. 24) das Blut bei einer Temperatur von 38-40° C
die grösste Fähigkeit besitzt, Bakterien zu tödten.
Den Einwand, dass ähnliche Fälle einer günstigen Beeinflussung
der Tuberculose durch akute fieberhafte Krankheiten noch wenig be-
obachtet sind, weist er mit der Behauptung zurück, dass Schwind-
süchtige nur selten von solchen Krankheiten befallen werden; eine
Annahme, welche er durch statistische Daten zu stützen sucht. Den
nichts weniger als günstigen Einfluss des hektischen Fiebers bei
Phthise erklärt er dadurch, dass der Körper derartiger Kranken Dicht
mehr genug Lebensenergie besitzt, um die für die Bekämpfung des
Fiebers nöthige Reaktion hervorzurufen. Deswegen wirkt in solchen
Fällen das Fieber nur schädlich, indem es die Resistenzfähigkeit des
Organismus herabsetzt Kubier (Berlin).
Originalberichte über Kongresse.
Bakteriologisches vom VII. internationalen Kongress
für Hygiene und Demographie zu London,
10.— 17. August 1891.
(Fortsetiung.)
Sektion für Bakteriologie.
Bei den Vögeln haben die Parasiten, auch die mit schnelle®
Entwickelungscyklus, keine amöboide Bewegung. Eine Erinnerung
an sie ist in den Fortsätzen oder Pseudopodien, welche die Parasiten
des langsamen Cyklus ausstossen, vorhanden. Diese werden durch
lebendige Aktivität verlängert ; hört letztere auf, so werden sie rund.
Während des Wachsthums gestalten sich die Parasiten auch nach
der Form des rothen Blutkörperchens, seitlich zum Kerne oder
um diesen herum. Die zur Ruhe gekommenen Parasiten baben
runde Form.
Bei den kaltblütigen Thieren sind in langsamer amöboider Be-
wegung nur die Parasiten von einer kurzen endoglobulären Pb*se
und in wurmähnlicher Bewegung die extraglobulären. Die verlängerte
Form ist ziemlich vorherrschend ; rund ist sie nur in der kurzes
Phase, welche mit der Sporulation endigt. Speziell die Parasiten der
Frösche gestalten sich nicht nach der Form des rothen Blutkörper-
chens, indem sie stets kleiner bleiben und sich hakenförmig um sich
selbst und nicht um den Kern biegen, wie bei den Vögeln.
Bakteriologisches rom VII. intcrnatloDalen Kongrass in London. ggj
2. Struktur.
Bei allen endoglobulären Parasiten ist ein mehr konsistentes und
mehr färbbares Ektoplasma, ein mehr flüssiges und weniger färbbares
Eütoplasroa und in diesem ein Kern, manchmal mit Kernkörperchen
und Kerngerüst vorhanden. Man kann auch das ganze Entoplasma
als Theil des Kernes und diesen als blasenähnlich ansehen.
Beim Menschen jedoch ebenso wie bei den Vögeln wird diese
Struktur durch die Färbungen (z. B. am frischen Präparat mit Me-
thylenblau, aufgelöst in Ascitesflüssigkeit) zur Anschauung gebracht ;
am frischen Präparat ist sie häufig ohne Färbung bei den auf dem
Wege zur Degeneration befindlichen Formen sichtbar. Nur bei den
Reptilien und selten bei den Fröschen ist sie am frischen Präparat
auch in den jungen, auf dem Wege zur endoglobulären Entwicklung
begriffenen Formen sichtbar.
Protoplasmatische färbbare Körnchen im Ektoplasma kommen
beim Menschen nur manchmal bei den degenerativen Formen vor.
Sie beginnen zu erscheinen, sind aber selten bei den langsam sich ent-
wickelnden Parasiten derColumbalivia, wachsen bei einigen Vögeln
(Strixflammea etc.), sind häufig bei den Fröschen und sehr zahlreich
bei einigen Reptilien (Cestudo europaea), bei welchen das ganze
Protoplasma der Parasiten um den Kern körnig ist.
Ausser den protoplasmatischen Granulationen kann man hämo-
globinartige oder schwarze durch Umwandlung von Hämoglobin er-
balten. Diese führen uns zur näheren Betrachtung der
3. Beziehungen zum rothen Blutkörperchen.
Die Parasiten des Menschen und die der Vögel führen ein enges
parasitär-endoglobuläres Leben, d. h. sie ernähren sich auf Kosten
des Hämoglobins, welches sie in Melanin umsetzen, wodurch die Mela-
nämie und die Zerstörung des rothen Blutkörperchens entsteht Bei
einigen Vögeln, nämlich in den Formen mit langsamem Entwicke-
lungscyklus, sind die Melaninkörnchen nicht geradezu schwarz, son-
dern nur dunkel; bei anderen sind sie spärlich und zwischen die
obengenannten protoplasmatischen Formen eingestreut.
Beim Menschen und bei den Vögeln sind andere Zerstörungs-
arten des rothen Blutkörperchens die vorzeitigen Entfärbungen und
die Faltung mit Verwandlung in die Farbe alten Messings.
Bei den kaltblütigen Thieren kommen gar keine schwarzen Körn-
chen vor. Meist wird das Hämoglobin nicht berührt, das rothe Blut-
Körperchen nicht zerstört, selten entfärbt. Das endoglobuläre Leben
lst nicht mehr eng, sondern symbiotisch.
Ferner invadiren beim Menschen und bei den Vögeln die Para-
siten, eine je langsamere Entwickelung und eine je verzögertere Spo-
fnlation sie haben, um so mehr das rothe Blutkörperchen, bis sie
*?ine Grösse erlangen. Bei den Vögeln jedoch invadirt selten ein
einziger Parasit, selbst mit langsamem Entwickelungscyklus, das
ganze rothe Blutkörperchen. Bei den kaltblütigen Thieren und ganz
speziell bei den Fröschen, die auch eine langsam sich verlängernde
Entwickelung haben, invadiren sie schliesslich nicht mehr das ganze
582 Bakteriologisches vom VII. internationalen Kongress in London.
rothe Blutkörperchen and bleiben stets von einer geringeren Grösse,
als dasselbe.
4. Entwickelt! Dgscyklus.
Bei jeder Thierklasse sind verschiedene Typen der Entwickelungs-
schnelligkeit vorhanden.
Beim Menschen kann sich der Entwickelungscyklus schliefen:
A. Im Verlaufe etwa eines Tages, wie bei den Sommer-Herbst-
fiebern, manchmal auch schneller, wie bei Perniciosa subcontinua oder
coroitata und auch sehr schnell, nämlich ohne Pigmentbildong, wie
bei gewissen Sommerperniciosen.
B. In zwei Tagen, wie bei der Tertiana, resp. schneller, wie beim
anteponirenden Tertiantypus oder langsamer, wie beim postponirenden
Tertiantypus.
G. In drei Tagen, wie bei der Quartana, und dieser Typus ist
feststehender, als die beiden vorgenannten.
Dem analog gibt es bei den Vögeln einen Cyklus von schneller.
beschleunigter, langsamer Entwickelung ; jedoch ist jeder dieser
Gyklen im Vergleich zum Menschen verlangsamter. So dauert z. B.
der demjenigen der Quartana entsprechende langsame Cyklus wenig-
stens 7—8 Tage; der schnellste Cyklus oder der ohne Pigmentbil-
dung fehlt.
Bei den kaltblütigen Tbieren ist der Entwickelungscyklus eio
sehr langsamer, in gewissen Fällen dauert er Monate lang; manch-
mal jedoch ist er bedeutend weniger langsam, indem die Sporulation
verbältnissmässig vorzeitig eintritt.
5. Reproduktion.
Bei allen diesen Parasiten findet sie durch Gymnosporen ohne
vorangehende Encystirung statt. Die Sporulation ist das physiologi-
sche Ende der endoglobulären Lebensphase. Ausser der Sporulation
kennen wir mit Sicherheit keine andere Reproduktionsweise. Di*
künstlichen Kulturen auf den verschiedensten bakteriellen Nährböden
sind nicht gelungen.
6. Freies Leben im Plasma.
Es führen viele Parasiten, die während ihrer Entwickelung das
rothe Blutkörperchen verlassen oder zur höchsten Entwickelung ge-
langen, ohne jedoch bis zur Sporenbildung fortschreiten.
Kaum sind beim Menschen die Parasiten (ausgenommen ihre
Sporen) im Plasma frei, d. h. ohne rothes Blutkörpereben um sich,
so degeneriren sie. Die höchst aktive Bewegung der Körnchen, die
Ausstos8ung von Massen oder Geissein sind Zeichen von Degene-
ration, wie die Hydrops und die Vakuolisation. Auch die sogenannten
Halbmonde leisten im Plasma Widerstand, bis sie eine hämoglobinÄff
Cuticula haben. Aber sie haben keine Bewegung, nur während der
Degeneration werden ihre Konturen missgestaltet. Die Halbrooflde
zeigen niemals einen Kern beim frischen Präparat und auch mit der
erwähnten Färbung kann man ihn nicht leicht sehen.
Bakteriologisches vom VII. internationalen Kongresi in London. 583
Bei den Vögeln leben die freien Parasiten im Plasma ein wenig
reiter darin fort, einige Zeit hindurch bleiben sie noch in verlänger-
em Zustande, aber dann werden sie rund und entarten. Manchmal,
renn sie verlängert sind, haben sie auch transversale Verschnürungen,
reiche an wurmähnliche Bewegung erinnern. Sie zeigen den Kern
tets nach der Färbung und manchmal auch einfach am frischen
'räparat.
Bei den kaltblütigen Thieren sind die Parasiten während des
reien Lebens im Plasma so üppig, dass sie für vollkommene Wesen
ehalten wurden (Drepanidium). Ja da sie sich nicht von Hämo-
lobio zu nähren brauchen, leben sie auch gut im Plasma, vermehren
ich dort, bewegen sich wurmähnlich und zeigen den Kern auch ohne
"ärbung.
7. Parasitäre Wirkung.
Indem sich so bei jeder Thierk lasse, wenn man vom Menschen
;u den niederen Wirbelthioren herabsteigt, die Schnelligkeit der Ent-
fickelung, resp. das Reproduktionsvermögen vermindert und die Grösse
les Parasiten vermehrt, vermindert sich die parasitäre Wirkung. So
;eht man von derFebris perniciosa, subcontinua, subintrans zur wahren
Juotidiana, von dieser zu dem abgeschwächten Tertian- und Quar-
taafieber mit ihren verschiedenen Kombinationen.
Die Vögel leben mit den Parasiten von langsamem Entwicke-
lungscyklus vortrefflich; die mit Parasiten von beschleunigtem Ent-
ffickelungscyklus bleiben nicht lange am Leben und bald sterben die
mit zahlreichen, sich schnell entwickelnden Parasiten.
Bei den kaltblütigen Thieren ist die parasitäre Wirkung an-
scheinend gleich Null.
Schwer ist es, den Mechanismus dieser Wirkung zu erklären.
Wir kennen kaum einige Elemente davon, z. B. die Zerstörung der
rothen Blutkörperchen, die parasitären Stauungen und die von plas-
modientragenden Blutkörperchen. Wenig noch sind uns die in den
Blutgefässen und den Geweben durch diese parasitäre Invasion er-
zeugten Veränderungen bekannt. In den Blutgefässen sind die Ver-
änderungen der Endothelien (Pigmentirung, Degeneration, Nekrose),
wodurch diese sich von den Wänden ablösen und in den Blutkreis-
lauf eintreten, bekannt. In den Geweben wiegen die degenerativen
Veränderungen oder die Nekrosen vor, wie man z. B. bei den Nieren,
«er Leber und auch manchmal beim Darme (Perniciosa cholerica)
weht. Von den Veränderungen der Blutgefässe hängen die Hämor-
rhagieen ab, welche manchmal von den Schleimhäuten, häufiger vom
Gehirn (Haemorrhagiae punetiformes) herkommen.
Erzeugen nun ebenso wie die pathogenen Bakterien so auch die
Parasiten des rothen Blutkörperchens Toxine? Man kann darauf
D.lcht mit Sicherheit antworten. Wir wissen jedoch, dass die Inten-
sität des Fiebers häufig der Anzahl rother Blutkörperchen, die man
aTn Anfang des Fiebers von den Parasiten invadirt sieht, nicht pro-
portional ist. Manchmal entspricht auch kaum merklichen Temperatur-
v^hungen ein relativ reichlicher parasitärer Befund. Wir haben auch
*aHe von Perniciosa comatosa beschrieben, die tödtlich vcrlieten, trotz
aer durch Chinin erlangten progressiven Verminderung der Parasiten.
3)34 Bakteriologisches vom VII. internationalen Kongress sa London.
Demnach ist es nicht unwahrscheinlich, dass seitens der Parasiteo
selbst und durch die Zerstörungsprodukte der rothen Blutkörperchen
etwas Malariatoxin gebildet wird, um so mehr, als auch die Tempe-
raturerhöhung und eventuell der Frost nicht ganz einfach noch tos
den rothen Blutkörperchen, welche die Parasiten invadirt haben und
eben so wenig von der Sporenbildung abhängen. Denn sie sind
auch in der Apyrexie, die dem Paroxysmus einige Zeit, manchmal
auch um einige Stunden vorangeht, vorhanden.
Dem analog beobachtet man, wie viel rothe Blutkörperchen auch
«ingedrungen sind und wie aktiv auch die Sporenbildung bei den
Thieren ist, gewöhnlich keine anormale Temperaturerhöhung.
S. Uebertragbarkeit der Parasiten mittelst Impfung
von Blut, welches sie enthält.
Sie gelingt nur von Individuum zu Individuum derselben Gattung
und Varietät ; sie gelingt daher auch nicht einmal von Varietät zu
Varietät derselben infizirbaren Gattung.
Auch unter diesen Bedingungen muss man fernerhin beachten,
dass, während die Impfung von Mensch zu Mensch stets gelang, sie
hingegen von Vogel zu Vogel, auch wenn sie von derselben infizir-
baren Gattung und Varietät sind, nicht leicht gelingt, und es sehr
zweifelhaft ist, ob sie von Frosch zu Frosch, von Schildkröte zu
Schildkröte gelingt.
9. Verhalten der Parasiten gegen das Chinin.
Beim Menschen hindert das vor dem Fieberanfall (Quartana, Ter-
tiana etc.) gegebene Chinin die Parasiten nicht an ihrer Entwickelang
bis zur Sporenbildung. Letztere findet trotzdem statt und dann tritt
der manchmal auch starke Anfall ein, jedoch nicht der folgende An-
fall. In ähnlicher Weise hält bei den Vögeln das Chinin weder die
neuen Generationen der Parasiten noch die regelmässige Dauer des
Cyklus auf.
Beim Menschen paralysirt das Chinin häufig die amöboide Be-
wegung der Parasiten.
Ebenso lässt es bei den Vögeln die verlängerten Formen rupd
werden. Es übt jedoch keine vernichtendere Wirkung aus wie beiffl
Menschen, da es nicht dahin gelangt, das Blut von den Parasiteo
zu befreien.
Bei den kaltblütigen Thieren zeigt das Chinin anscheinend keine
Wirkung auf die Parasiten.
10. Immunität.
Die Versuche, künstliche Immunität zu erzeugen, sind bisher
weder beim Menschen noch bei den Thieren von Erfolg gewesen.
Jedoch kennen wir Beispiele natürlicher Immunität sowohl beim Men-
schen (z. B. bei der schwarzen Rasse und bei den Tamils der Coro-
mandelküste), wie bei den Thieren ; z. B. haben wir bei den Reptilien
der römischen Campagna niemals Parasiten in den rothen Blutkörper-
chen gefunden, während die der venetianischen Lagunen und der
toskanischen Marcmma häufig damit infizirt sind. Bei den mensch-
Zweiter Tuberculose-Kongress. 585
lieben Rassen jedoch ist die Immunität keine absolute, sondern eine
relative, d. b. sie äussert sich speziell als Widerstandsfähigkeit gegen
die schweren Infektionen. Liegt ferner eine infizirbare Rasse oder
Varietät vor, so ist der individuelle Widerstand beim Menschen gleich
Null oder fast gleich Null, bei den Thieren hingegen ist er sehr stark;
es gibt nämlich stets unter den Thieren derselben Lokalität einige
immune, die in der Immunität verharren auch nach wiederholten
Impfungen mit Parasiten enthaltendem Blute.
Alle die oben beschriebenen Unterschiede zwischen den Parasiten
des rothen Blutkörperchens nicht nur bei den verschiedenen Thier-
klassen, sondern auch bei ein und derselben Klasse gestatten uns
nicht einmal, diejenigen zweier benachbarter Klassen, z. B. (wie es
Danilewsky thut) die des Menschen und die der Vögel mit ein-
ander zu vergleichen.
Jedoch sind der Analogieen so viele, dass wir mit vollem Recht
alle endoglobulären Parasiten der verschiedenen Thiere in eine Gruppe
zusammenfassen können. Letztere muss man nach dem gegenwärti-
gen Stande unserer Forschungen und der Ansicht fast aller Beob-
achter (Met schnikoff, L. Pfeiffer, Kruse, Danilewsky etc.)
der Sporozoenklasse zurechnen, jedoch kann man sie im eigentlichen
Sinne keiner der drei Unterklassen (Gregaridi na, Myxosporidia,
Sarcosporidia) zutheilen. Mingazzini schlägt eine vierte Unter-
klasse (Haemosporidia) vor. Von dieser haben wir bisher drei
Genera, welchen man, um die Zahl der Namen nicht unnütz zu ver-
mehren, die von Kruse beigelegten belassen könnte, obwohl keiner
der drei ihnen eigenthümlich ist. Die drei besagten Genera würden
sein: Haemogregarina (Reptilien und Frösche), Haemopro-
teus (Vögel), Plasmodium (Mensch).
(Fortsetzung folgt.)
Zweiter. Tuberculose-Kongress.
Nach den Berichten der „Semaine ro6dicale" und des „Bull. m6d."
referirt Ton
Dr. M. T. Schnfrer,
In
Wien.
(Fortsetzung.)
Ueber Bakterienassociationen bei Tuberculose.
Babes (Bukarest) fand bei seinen zahlreichen Sektionen von an
Tuberculose verstorbenen Individuen sehr selten Bacillen in den innern
Organen. Gewöhnlich fanden sich bei den verschiedenen Formen der
Tuberculose folgende Associationen von anderen Bakterien mit dem
Tuberkel bacill us : Bei Lungentuberculose findet man häufig in den
Bronchien und in den Kavernen den Staphylococcus aureus und
den Streptococcus pyogenes sowie saprogene Bakterien.
Ebenso findet man in Kavernen den Fränkel-Weichselbaum-
schen Diplococcus pneumoniae. Bei tuberculoser Arthritis
findet man ebenfalls, gewöhnlich den Streptococcus und den St a-
586 Zweiter Tuberculose-Kongrett.
phylococcus aureus. Bei ulceröser Tuberculose der Haut trifft
man gewöhnlich den Staphylococcus, bei der der Schleimhäute
hauptsächlich den Streptococcus. Bei Tuberculose des Urogeniul-
apparates findet man häufig Fäulnissbakterien, welche mit Recht be-
schuldigt werden können, die ammoniakalische Gährung des Urins
hervorzurufen. Nicht selten sind dieselben vom Staphylococcus
aureus begleitet. Experimentelle Untersuchungen mit diesen ver-
schiedenen Mikroorganismen haben gelehrt, dass selbst diejenigen
Bakterien, welche in Kulturen die Entwickelung des Tuberkelbacillos
stören und die an und für sich bei Thieren keine allgemeine Infektion
hervorrufen, den Boden für die Ansiedlung des Tuberkelbacillos vor-
bereiten und die Entwickelung des letzteren begünstigen können. So
entwickelt sich z. B. die experimentelle Tuberculose viel rascher und
in höherem Grade bei Thieren, denen zuvor eine leichte Injektion
mit Streptokokken gemacht worden ist. Weiter geht ans den
Untersuchungen hervor, dass fast alle Komplikationen der Tuberculose
durch andere Bakterien, als den Tuberkelbacillus hervorgerufen werden;
schliesslich fand B.9 dass die vofa Tuberkelbacillus erzeugten löslichen
Substanzen die Entwickelung der mit ihm associirten Bakterien zu
begünstigen scheinen. In praktischer Beziehung geht nun aus diesen
Untersuchungen hervor, dass es von grosser Wichtigkeit ist, die des
Nährboden für den Tuberkelbacillus vorbereitenden Bakterien zu be-
kämpfen.
Hallopeau berichtet über Untersuchungen, die er zu dem Zwecke
angestellt hat, um festzustellen, ob die bei Tuberculose vorkommen-
den Eiterungen durch den Tuberkelbacillus allein oder durch das Hin-
zutreten von Eiterkokken erzeugt werden. Es stellte sich heraas, dass
die kalten Abscesse, die eitrigen Adenitidcn und Empyeme
ohne Hinzutreten von eigentlichen Eiterkokken entstehen können. Auch
die Eiterung bei Lupus ist durch den Tuberkelbacillus hervorgerufen.
Yerneull hat im Vereine mit Beretta die Frage der Bakterien-
associationen der Tuberkelbacillen studirt, und gefunden, dass die Um-
wandlung der kalten Abscesse unter dem Einflüsse einer akuten Ent-
zündung in heisse durch Hinzutreten der Eiterkokken bedingt ist, and
zwar sind es zumeist Streptokokken, seltener Staphylokokken,
die hier in Frage kommen. Diese Association ist für den Kranken
von Nutzen, da die so umgewandelten kalten Abscesse durch ihre
Eröffuung rasch heilen, ohne Fistelgänge zurückzulassen. Es scheint,
dass die Eiterkokken auf die Tuberkelbacillen einen schädigenden Ein-
fluss ausüben. So hat V. einen Tuberkelherd eröffnet, und das Vor-
handensein von Tuberkelbacillen in demselben konstatirt, hierauf den
Streptococcus pyogenes injizirt, worauf eine akute Entzündung
entstand, die Tuberkelbacillen verschwanden und der Abscess ausheilte.
Arlolng ist ebenfalls der Ansicht, dass der Tuberkelbacillus,
namentlich, wenn er abgeschwächt ist, eitererregende Eigenschaften
hat. Die Anschauung, dass die chirurgische Tuberculose durch eine
Infektion mit einer geringeren Anzahl von Tuberkelbacillen bedingt
ist, theilt er nicht, vielmehr scheint der Unterschied in der Abschwä-
chung der Bacillen zu liegen. Durch Injektion von durch Hitze abge-
schwächten Tuberkelbacillen konnte er bei Meerschweinchen Eiterung
ohne Allgemeintuberculose erzeugen.
Zweiter Tuberculose-Kongreas. 5§7
Dieser Ansieht ist auch Corull, der dieselbe im Einklänge findet
mit dem allgemeinen Gesetze, dass die pathogenen Mikroorganismen
bei ihrem Eintritte in den Körper einen raschen Zufluss von L e u k o -
cyten and Eiterung hervorrufen, dadurch aufgehalten werden und
den Organismus nicht infiziren. Betrachtet man eine Reihe von bak-
teriellen Erkrankungen, so kann man sich überzeugen, dass die Eite-
rung nur ein sehr abgeschwächter Grad der Bakterienwirkung ist und
dass dieselbe entweder die Folge einer Abschwächung des Virus oder
der grösseren Widerstandsfähigkeit des Individuums ist.
Lelolr hat mit Tavernler die Frage der Bakterie na ssocia-
tion bei Lupus vulg. studirt. Bekanntlich enthält der Lupus
non exedens keine Eiterkokken, während der ulceröse Lupus eine
um so grössere Zahl enthält, je rascher sein Verlauf ist. Auch durch
die Therapie ist die Mitbetheiiigung der Eitererreger bei der As-
sociation des Lupus auf das deutlichste erwiesen, indem antiseptische
Mittel wie Salicylsäure, Borsäure, Salol, Aristol den Verlauf der
Eiterung binnen 24—48 Stunden aufhalten und rasch zur Ver-
narbung fähren, während die direkt gegen den Lupus angewendeten
zerstörenden Mittel eine immer weitere Ausdehnung des Geschwüres
bedingen. Es ergeht daraus, dass diese Ulcerationen nicht durch den
eigentlichen Erreger des Lupus, sondern durch unabhängig von iöm
eingedrungene Eiterkokken hervorgerufen werden. In der That ist die
Zahl der Staphylokokken in solchen Ulcerationen eine ungemein
grosse, so dass sie in Reinkulturen gezüchtet werden können.
. Auf die Natur des Lupus erythem. wirft folgender Fall,
den Hallopeau und Janselme beobachtet haben, ein gewisses Licht
Es handelt sich um einen 35jährigen Mann, der seit seinem 14. Jahre
an Lupus eryth. litt und der in der letzten Zeit zu husten begann,
stark abmagerte, einige leichte Haemoptoeanfälle hatte und an den
Lungenspitzen die Zeichen von Tub3rculo3e ersten Grades zeigte.
Diese Veränderungen blieben fast stationär bis zum Ende dieses Jahres,
zu welcher Zeit der Kranke einer akuten Miliartuberkulose erlag.
Die Sektion ergab Myriaden von Tuberkelknötchen in den Lungen und
zählreiche käsige Drüsen entlang der Wirbelsäule, die alle Tuberkel-
bacillen enthielten. Einige Stunden nach dem Tode wurden mehrere
Hautstückchen aus der erkrankten Partie excidirt und die mikro-
skopische Untersuchung derselben erwies, dass es sich in der That um
einen Lupus eryth. handelte. Es fand sich eine diffuse Infiltration
mit Embryonalzellen, eine kolossale Ektasie der Gefässe der Cutis,
welche die tiefblaurothe Färbung der erythematösen Flecke aufklärte.
Riesenzellen und Knötchen fehlten. Fragmente von diesem Lupus
wurden nun 4 Meerschweinchen theils in's Peritoneum, theils subkutan
eingeführt Eines von diesen Thieren starb kurz nach der Operation
hinter septikämischen Erscheinungen, die drei anderen blieben am
Leben und würden 190 Tage nach der Operation getödtet; bei der
Sektion fanden sich keinerlei Veränderungen der inneren Organe.
Betrachtet man die Krankengeschichte dieses Falles, so ist man
geneigt, sein Hautleiden als tuberculö3 anzusehen, da der Pat. von
seiner Kindheit an tuberculös war und an Miliartuberculose gestorben
j*- Trotzdem fehlten Bacillen im Lupusgewebe und auch das Resultat
der Impfung blieb ein negatives. Dennoch wagen die Verff. nicht,
58g Nene Litteratur.
zu schliessen, dass der Lupus eryth. nicht tuberculöser Natur ist.
Die Nichtüberimpfbarkeit auf Thiere ist noch kein genügender Beweis,
da ja, wie Arloing bewiesen hat, abgeschwächte Tuberkelprodukte
schwer überimpfbar sind; es könnte demnach sein, dass auch der
Lupus eryth. oder eine seiner Varietäten eine abgeschwächte Form
der Tuberculose darstellt.
(Fortsetzung folgt)
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witimmengettellt von
Dr. Abthüb Würzbubo,
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In Verbindung mit
tot Holt. Prot Dr. Leuctart m Professor Dr. Lnfer
In Ldptif In QralfmM
herausgegeben von
Dr. O. TJhlworm in CasseL
Verlag von Gustav Fischer In Jena.
X* Band« -o- Jen», den 13. November 1891. -o- NO. 18«
Frei« für den Band (96 Hummern) 14 Merk.
Jährlich erscheinen swei Bände.
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Original -Mittheilungen.
Untersuchungen über 'die Wirkungen der Inokulation
des Milzbrandes in die Nervenzentra.
[Anatomisch-pathologisches (Institut der Königl Universität SienaJ
Von
Prof. CtioYftnni Martlnottl und Dr. Alessandro Tedeschi.
(Fortsetzung.)
Experiment 40. Männlicher Hund, 11500 g schwer.
Um 41/, Uhr Nachmittage, am 18. Juni 1891 wird in das Gehirn
•» sehr kleines Stückchen Kartoffel eingeführt, worauf eine Milzbrand*
Wtur gewachsen war.
X,Bd. Oft
594 Martinotti und Tedeaehi,
Das Thier stirbt am folgenden Tage um 4 Uhr Nachmittags.
Bei der histologischen Untersuchung der Milz findet sich bedeutend*
Schwellung der Follikel und eine gewisse Menge von Milzbrandbacilleo
Ton typischer Form in der Pulpa.
Im Gehirn besteht akute Entzündung in den Meningen und im
Ependym der Ventrikel mit enormer Sprossung der Bacillen. Auch in
der nekrotischen Zone zunächst der Oeffnung finden sieh zahlreiche
Bacillen.
Experiment 98. Hund von einem Gewichte von 4900 g. Am
30. Juni, 4 Uhr Nachmittags.
Die Kultur, welche zur endooerebralen Einspritzung des Hundes in
Experiment 66 gedient hatte, wird sterilisirt, indem man sie Tier Tage
lang bei der Temperatur yon 55° erhält, und dann werden 5 com davon
diesem Hunde ins Gehirn injizirt, in derselben Weise, wie es bei dem
Hunde in Exp. 66 geschehen war.
Weder unmittelbar nach der Operation, noch in den folgenden
Tagen zeigte das Thier irgend eine Störung. Dieser Hund befand sieh
schon lange im Institute und war in schlechtem Zustande; man hatte
ihn schon viermal mit Zwischenräumen yon einigen Tagen Wunden am
Herzen gemaoht.
Am 12. Juli um 11 Uhr Morgens injizirt man in sein Gehirn un-
gefähr 1 ocm Milzbrandkultur in Fleischbrühe.
Nach der Operation soheint das Thier sich ganz in seinem gewöhn-
lichen Zustande zu befinden ; am Nachmittag aber zeigt es sich ermattet,
unsicheren Ganges, mit reiohliohem Speichelfluss. Um 5 Uhr Abend»
ist die Temperatur des Bcctums 40,5°, um 7 Uhr 39,4.
Um 6 Uhr am folgenden Morgen findet man den Hund am Bodeo
ausgestreckt, er reagirt nioht auf Reize, athmet schnell und oberfläch-
lich. Um 7 Uhr beobachtet man das Phänomen yon Cheyne-8toke«,
um 8 Uhr tritt der Tod ein.
Bei der Sektion findet man Meningitis oerebralis, ähnlich, wie in
den analogen Fällen.
Sobald die Injektion bei diesem Hunde gemaoht war, nahm man
die Kultur, welche dazu gedient hatte, filtrirte sie durch ein Cham-
berland'sohes Filter und injizirte yon dieser Flüssigkeit mehr als
das Doppelte (2 ocm) in das Gehirn eines Hundes yon einem Gewicht«
12 400 g, unter genauer Befolgung desselben Verfahrens, wie bei den
vorhergehenden Versuche.
Weder unmittelbar nach der Operation, noch in den folgenden
Tagen zeigte das Thier irgend eine Störung.
Von derselben filtrirten Flüssigkeit werden mehrere Eubikoentioeter
unter die Bückenhaut einer erwachsenen Maus (Mus musculue) ein-
gespritzt Die Matfs erscheint ein wenig matt, aber nach wenigen
Stunden erlangt sie ihre vollkommene Gesundheit wieder.
Experiment 72. Am 25. Juni 1891, 4 Uhr Nachmittags. Hund,
13 200 g schwer.
Nach der bei Experiment 66 befolgten Methode wird in das Gehirn
ungefähr 1/s com destillirten, sterilinirten Wassers eingespritzt, welches
über einer Agarkultur von Milzbrandbacillen geschüttet war.
Ueb«r die Wirkungen der Inokulation des Milzbrandes in die Nervensentra. 595
Das Thier stirbt in der Nacht vom 25. cum 26. Man findet eine
Meningitis cerebralis mit zahlreichen Bacillen im Exsudate.
Experiment 62.
Um 11 Uhr Morgens, am 18. Juni 1891, werden in das Gehirn
einer Batte einige Tropfen einer MilzbrandkuJtur in Fleischbrühe in-
jizirt. Um 2 Uhr Nachmittags des folgenden Tages findet man sie todt
In den mikroskopischen Schnitten der Milz erscheinen Bacillen in der
Pulpa, Eine grosse Menge derselben zeigt sich in den Hirnventrikeln
nnd in den Meningealränmen.
Experiment 138. Am 8. Juli 1891, um 61/» Uhr Kachmittags.
In die Bücken markshöhle einer Batte (Mus decumanus) injizirt
man wenige Tropfen einer Milzbrandkultur in Fleischbrühe.
Um 11 V« Ühr am folgenden Tage wird sie todt gefunden.
Meningitis oerebro-spinalis. Bacillen im Blut und in der Milz.
Experiment 126. Am 6. Juli 1891, um lO1), Uhr Morgens.
In das Gehirn einer Batte (Mus decumanus) werden wenige
Tropfen einer Milzbrandkultur in Fleischbrühe eingespritzt. Am folgen-
den Morgen um 6 Uhr findet man sie todt, mit zahlreichen Bacillen in
Blut und Milz, und mit Meningitis cerebralis.
Experiment 120. Am 4. Juli 1891.
Man nimmt sieben Tauben aus demselben Nest Zweien von ihnen
macht man unter die Bückenhaut eine Einspritzung einer Milzbrand-
kultur in Fleischbrühe, Tieren davon maoht man die Einspritzung in
das Gehirn, und einer in das Büokenmark mit derselben Kultur.
Die beiden unter die Haut injizirten Tauben sterben nicht, wohl
aber nach fünf Tagen die in das Bückenmark inokulirte, und Ton den
ins Gehirn eingespritzten starbt die eine in 55, eine andere in 44 Stun-
den, und die beiden letzten in 4 Tagen.
Alle gestorbenen Thiere führen zahlreiche Bacillen im Blute.
Experiment 61. Meerschweinchen, Gewicht 720 Gramm.
Um 11 Uhr Vormittags am 18. Juni 1891 injizirt man in den
Schädel duroh eine Oeffnung ungefähr '/4 cm einer Beinkultur Ton
Milzbrand in Fleischbrühe.
Das Thier stirbt um 7 Uhr Abends desselben Tages. Es finden
sich Milzbrandbaoillen im Safte der Milz und den Schnitten dieses Or-
gans. Im Gehirn besteht Leptomeningitis und akute Ependymitis mit
üppiger Entwickelung Ton Bacillen. Die Hirnsubstanz im Ganzen zeigt
die Charaktere des akuten Oedems.
Experiment 49.
Am 4. Juni 1891 um Mittag wird in das Gehirn eines Meerschwein-
chens von 570 g Gewicht ein Stückchen Ton der Milz eines andern
Meerschweinchens eingebracht, welches nach Inokulation ins Gehirn
einer Milzbrandkultur auf Kartoffel in 24 Stunden gestorben war. Um
6 Uhr Abends desselben Tages betrug die Temperatur im Bectum 40,1 °.
Am folgenden Tage um 6 Uhr Morgens wurde das Tbier todt auf-
gefunden.
Bei der histologischen Untersuchung der Milz fand sich Anschwel-
lung der Follikel, intensWe Kongestion der Pulpa, Gegenwart Ton Ba-
cillen in derselben.
5% Martinotti und Tadaeehi,
In der der Verwundung entepechenden Hirnwand findet sieh das
Stück Milz nicht mehr, sondern ein Blutgerinnsel, um welches die Ba-
cillen sich ungeheuer vermehrt haben. Die zunächst liegende Herren*
Substanz zeigt eine schwere Nekrose.
Experiment 50. Meerschweinchen, Gewicht 500 g.
Um 11 Uhr Morgens am 14. Juni 1891 bringt man mit aller asep-
tischen Vorsicht unter die Bückenhaut ein Stück von dem Gehirn eines
Meerschweinchens ein, welchem Milzbrandkultur auf Kartoffel (Experi-
ment 41) direkt in das Gehirn eingespritzt worden war.
Um 6 Uhr Morgens am folgenden Tage wird es todt gefunden.
Die Milz ist geschwollen, die inokulirte Gegend stark ödematos, die
Hirnhäute einigermaasen kongestionirt
Das Blut des Herzens, zur Sporenbildung angesetzt, liefert nach
24 Stunden eine Beinkultur von Milzbrandbacillen.
In der Milz finden sich einige Bacillen, Schwellung der Follikel,
Kongestion der Pulpa.
Ein Stückchen vom Gehirn dieses Meerschweinchens wird unter
die Haut eines andern — Gewicht 635 g — eingebracht Daa Thier
stirbt in weniger, als 15 Stunden. Die Durchschnitte der Milz zeigen
Bacillen in der Pulpa.
Experiment 58.
Um 11 Uhr Vormittags am 15. Juni 1891 wird unter die Haut
eines Meerschweinchens vom Gewicht von 740 g ein Stückchen von
dem Gehirn einer Ratte (M. de cum.) gebracht, welche in Folge direkter
Inokulation von Milzbrand ins Gehirn an Milzbrand gestorben war.
Um 4 Uhr Nachmittags zeigt das Thier eine Temperatur von 39*.
Am folgenden Morgen findet man es todt
In den mikroskopischen Schnitten der Milz findet man Milzbrand-
bacillen,
Experiment 60. Graues Kaninchen, Gewioht 1200 g.
Um 11 Uhr Morgens am 18. Juni 1891 injizirt man ins Gehirn
ungefähr 1/4 ccm einer Milzbrandkultur in Fleischbrühe. Es stirbt in
der folgenden Nacht.
In der Milz findet man Anschwellung der M alpig hi 'sehen Fol-
likel, Milzbrandbacillen in der Pulpa.
Im Gehirn Meningo-Ependymitis mit reichlicher Entwiokelung von
Bacillen.
Experiment 78. Kaninchen, Gewicht 1250 g.
Um 4 Uhr Nachmittags am 25. Juni 1891 wird in den Schädel
ungefähr x/4 °°m destillirten, sterilisirten Wassers eingespritzt, welches
mit einer Milzbrandkultur auf sohief gelagertem Agar geschüttelt wor-
den war.
In der trüben Flüssigkeit schweben viele Milzbrandbacillen.
Das Thier stirbt während der Nacht
Im Safte der Milz finden sich Bacillen; dieselben sind reichlich
im Exsudate der Pia mater und im Ependym der Ventrikel vorhanden.
Die Hirnsubstanz hat das Ansehen des akuten Oedems.
Experiment 184. Kaninohen, Gewioht 970 g.
Um 4 Uhr Nachmittags am 8. Juli 1891 wird in die Dicke des
Ueber die Wirkungen der Inokulation dei Milzbrandes in die Nervenaentra. 597
Rüekenmarke ungefähr 1 com einer Milsbrandkultur in Fleiichbrühe ein«
spritzt.
Das Thier stirbt während der Nacht
Es finden sieh Milcbrandbacillen im Safte der Milz und im Blute
les Herzens. Dieselben sind sehr reichlich in der Gebirn-Rückenmarks-
flüssigkeit vorhanden.
Experiment 140.
Am 11. Juli 1891 zwischen 3 und 5 Uhr Nachmittags nimmt man
eine MiJzbrandkultur in Fleischbrühe, welche zwei Tage lang bei 38° C
gehalten worden war, und injizirt davon in das Gehirn eines Kaninchens
von 1000 g, eines Meerschweinchens von 540 g und einer Hatte
(Mus decumanus).
Der Best der Kultur wird durch ein C h am berland 'sch.es Filter
gegossen und die klare Flüssigkeit in das Gehirn eines Kaninchens von
870 g, eines Meerschweinchens Ton 640 g und einer Hatte injizirt.
Bei der Operation der drei ersten wie der drei letzten wird das-
selbe Verfahren eingehalten, nur versucht man, den drei letzten Thieren
wenigstens das Doppelte von dem einzuspritzen, was die drei ersten er-
halten haben.
Um 6 Uhr Morgens am folgenden Tage werden die drei mit der
wirksamen Kultur in jizirten Thier e todt gefunden; die drei letzten, denen
die steriüsirte Kultur beigebracht wurde, sterben nioht und geben kein
Zeichen von Unwohlsein.
Experiment 154. 13. Juli 1891.
Man nahm einen Hund, 4900 g sohwer, ein Kaninchen von 850 g,
ein anderes von 1110 g, ein drittes von 1 kg, ein Meerschweinchen
Ton 315, ein anderes von 1040 g, und ein drittes von 600 g.
An jedem dieser Thiere wird die Trepanation des Schädels ausge-
führt und durch eine feine Oeffhung in das Gehirn eines jeden wenige
Tropfen einer Beinkultur von Milzbrand in Fleischbrühe eingeflösst
Der Hund stirbt nach 42 Stunden, das erste Kaninehen nach 16, das
zweite nach 20, das dritte nach 14 Stunden, das erste Meerschweinchen
nach 19, das zweite in weniger als 14, das dritte nach 24 Stunden.
Alle diese Thiere zeigen eine Meningitis cerebrospinalis und die
Symptome der Septikämie des Milzbrandes.
Mit derselben Kultur wird ein Meerschweinchen von 665 g unter
die Haut inokulirt und stirbt nach 30 Stunden am Milzbrand.
Auf das bisher Vorgetragene lassen wir einige Betrachtungen
Q, denn es scheint uns, dass die Thatsachen deutlich genug
sprechen. Zuerst bemerken wir, dass man bei unsern Experimenten
weder der Wirkung des Trauma, noch der von toxischen Substanzen,
welche in den von uns gebrauchten Milzbrandkulturen enthalten ge-
wesen wären, eine Schuld beimessen kann. Die Experimente 93 und
140 sind allzu entscheidend, um darüber einen Zweifel zuzulassen.
Ausserdem ist es allen Experimentatoren bekannt, dass die Thiere viel
schwereren Hirnwunden widerstehen, und was die Gegenwart von
toxischen Stoffen in den Milzbrandkulturen betrifft, so ist schon längst
weh Nencki1) nachgewiesen, dass in den Kulturen auf Kartoffel
!) AI. Nencki, Ueber das Eiweiss der Milzbrandbacillen. (Berichte der deutschen
^«mischen Gesellschaft 1884. p. 2608.)
593 Martinotti and Tedeschi, Ueber die Wirkungen der Inokulation etc.
und in Gelatine der Milzbrand keine toxischen Produkte erzeugt:
wir haben aber mit eben diesen Kulturmitteln dieselben virulenten
Wirkungen erhalten, wie mit den andern.
Bei unsern Versuchen hatten wir es nicht mit Intoxikationen zu
thun, sondern mit echten Injektionen, in denen alle Stadien des In-
fektionsprozesses zur Erscheinung kamen: Vervielfältigung von Mi-
kroorganismen an der Stelle der Inokulation, örtliche Reaktion der
Gewebe, Eindringen von Mikroorganismen ins Blut, Milzanschwellung.
Es bleibt nur noch die Schnelligkeit zu erklären, mit der diese
Stadien auf einander folgten und besonders der Grund, warum gegen
Milzbrand so widerstandsfähige Thiere, wie der Hund und Mus de-
cumanus, so leicht dem Krankheitsprozesse erlagen.
Da wir beobachteten, dass unter die Haut anderer Thiere ein-
gebrachtes Gehirn eine stärkere Wirkung äusserte, als gewöhnliches
Milzbrandvirus, so kam uns der Verdacht, dass Milzbrandbacilleo,
wenn sie sich in Berührung mit Nervensubstanz entwickeln, darin
die Entstehung von toxischen Substanzen veranlassen könnten, welche
fähig wären, den Widerstand des Organismus gegen die Infektion zu
vermindern. Diese unsere Idee wurde durch der Wissenschaft schon
bekannte Thatsachen bestätigt.
Wir erwähnen zuerst, dass zu Ende d. J. 1886 Hoffa1) aus
Milzbrandkulturen auf zerfallendem Fleische (aber nicht auf andern
Kulturböden) ein Toxin isolirte, welches grosse chemische Verwandt-
schaft und viel Aehnlichkeit in der Wirkung mit dem Neurin s) hatte,
das B r i e g e r zusammen mit C h o 1 i n unter den Ptomalnen der Faul-
niss8) aufgefunden hatte. Ferner hat dieses Toxin in chemischer
und physiologischer Beziehung grosse Aehnlichkeit mit dem Mus-
carin (Oxyneurin), dem Produkte eines Schwammes höherer Ordnung,
welches aber auch bei der Fäulniss gewisser Fleischarten auftritt.
Ferner wissen wir, dass das Gehirn von allen Organen am reich-
sten an Lecithin ist, einem sehr leicht zersetzbaren Körper, welcher
unter seinen Zersetzungsprodukten auch Colin und Neurin liefert
Dies Alles Hess uns vermuthen, dass die Milzbrandbacillen, wenn
sie auf verschiedenen Nährböden wachsen, auch die Entstehung ver-
schiedener chemischer Körper veranlassen könnten, dass die Nerven-
substanz durch Einwirkung von Mikroorganismen leicht toxische
Stoffe hervorbringen könnte. Wir dachten ferner, diese toxischen
Substanzen könnten entweder identisch oder nahe verwandt mit
Colin und Neurin sein, und dass es eben diese Produkte seien, welche
den Verlauf der Infektion erschweren.
In dieser Richtung versuchten wir, eine Lösung zu finden. Nach-
dem wir in 18 Experimenten den Verlauf der Infektion durch
Einbringung unter die Haut von milzbrandkranken Gehirnen und
wässerigen Emulsionen dieser Gehirne studirt und deren konstante
Virulenz festgestellt hatten, versuchten wir, diese Emulsionen durch
Wärme zu sterilisiren und unter die Haut verschiedener Thiere ein-
1) Hoffa, Die Natur des Milsbrandgiftes. Wiesbaden 1886.
S) Hoffa, 1. c. pag. 48.
3) Brieger, Ueber Ptomai'oe. Th. I. Berlin 1889. pg. 19 flg.
Kostjurin und Krainsky, Ueber Heilung des Milsbrandea etc. 599
uspritzen. Das Resultat war immer negativ. Es konnte noch folgender
Zweifel entstehen: Brieger und Fraenkel, hatten gesehen, dass
las von ihm isolirte Toxalbumin der Diphtheritis x) sich bei 60° zer-
etzt. Da wir bei der fraktionirten Sterilisation durch Wärme diese
Temperatur aberschritten hatten, so war es möglich, dass das Ter*
Duthete Toxin sich zersetzt habe. Darum wählten wir eine andere
Methode: die Sterilisation des wässerigen Extrakts der inokulirten
Jehirne durch das Filter von Chamberland, da Brieger und
fraenkel auf diese Weise ihr Milzbrand toxin durch Filtration aus
lern wässerigen Extrakt der Eingeweide milzbrandkranker Thiere
solirt haben. Wir schritten daher zu folgenden Experimenten:
(Fortsetzung folgt.)
Ueber Heilung des Milzbrandes durch Fäulnisstozine
(Extrakte) bei Thieren.
[Aus dem Laboratorium der Allgemeinen und Experimentalpathologie
von Prof. Kostjurin an der Universität zu Charkow.]
Von
Prof. S. Kostjurin und Stud. N. Krainsky.
(SehluM.)
In der sogenannten Inkubationsperiode der fieberhaften Infektions-
krankheiten ist unserer Meinung nach die Hauptrolle der Entgegen-
wirkung wider die Infektion den Phagocyten im Sinne Prof. Metsch -
nikow's zuzuschreiben; in der weiteren Entwickelung der Krank-
heit tritt dann ferner Erhöhung der Oxydationsprozesse im Körper,
Temperatursteigerung, Hunger etc. in Kraft, wobei auch hier die
Phagocytose Metschnikow's augenscheinlich eine hervorragende
Holle spielen muss, indem nämlich die bedeutend geschwächten oder
vollständig unschädlich gewordenen Mikroben ergriffen und auf dem
einen oder anderen Wege aus dem Organismus eliminirt werden«
Letzterer Umstand wird durch das allbekannte Faktum der Milz-
typerplasie in den Anfangsstadien infektiöser Erkrankungen bestätigt,
desgleichen auch durch die bei unseren Versuchen beobachteten be-
deutenden Veränderungen der Milz in Fällen, wo die Heilung an Milz-
brand schwer erkrankter Thiere durch Fäulnissextrakte misslang.
Die Milz solcher Thiere zeigte bedeutende Vergrösserung, cyanotische
Färbung und bei mikroskopischer Untersuchung eine ungeheure Menge
von Bakterien ; die Milzzellen erschienen von unregelmässiger ge-
knüllter Form mit deutlich ausgeprägter Granulirung, einer grossen
Zahl von Kernen und ausgesprochenen Erscheinungen der Hyper-
plasie.
*) Brieg«r und Fraenkel, Untersuchungen über Bakteriengifte. (Berlin. Klin.
Wochenschr. 1890. No. 11.)
QOO Kostjurin und Krainsky,
Indem wir somit in den Organismus gewisse chemische Sub-
stanzen, resp. Produkte der Lebensth&tigkeit gewisser Mikroorganismen
einführen, welche den normalen physiologischen Zustand stören, ver-
ändern wir den Chemismus der Gewebe und Säfte in einer für das
normale Leben und Vermehrung pathogener Mikroben ungünstigen
Weise, so dass dieselben zu Grunde gehen und aus dem Körper heraus-
geschafft werden. Im lebenden Organismus kommt, abgesehen tod
den in denselben eingeführten Fäulnissextrakten, welche die Intensität
der Giftigkeit der pathogenen Mikroben entschieden beeinflussen, noch
die aktive Thätigkeit der Gewebselemente selbst hinzu, und zwar
solcher lebender Gebilde, welche fähig sind, selbständig den Kampf
ums Dasein zu führen.
Die Summe der ungünstigen Bedingungen für die Entwicklung
der pathogenen Mikroben ist daher im lebenden Organismus, im Ver-
gleich mit dem Reagenzglase, unvergleichlich grösser.
In Anbetracht des deutlichen Einflusses der Aenderung der
chemischen Zusammensetzung der Nährmedien auf die Intensität der
Giftigkeit pathogener Mikroben — erscheint die chemische Theorie
von der Entgegenwirkung und Unempfänglichkeit des Thierkörpers
gegen infektiöse Erkrankungen als eine der am meisten wahrschein-
lichen und wahrheitsgemässen.
Unsere Versuche wurden in folgender Weise ausgeführt: Die
Benutzung einer stark wirkenden Mutterkultur von Milzbrandbakterien
wurde uns in liebenswürdiger Weise vom Direktor des Charkower :
Veterinär-Institutes, Prof. A. Rajewsky1), für unsere Arbeit über-
lassen. Alle weiteren Kulturen wurden von dieser letzteren gewonnen.
Dieselben wurden in Fleisch-Pepton-Agar gezüchtet, darauf in steri-
lisirter Fleischbrühe lange geschüttelt, bis eine deutlich trübe Flüssig-
keit entstand, welche dann in einer Menge von 0,21 ccm den Thieren
eingespritzt wurde. Eine solche Dosis tödtete Kaninchen nach mi-
nimum 30 und maximum 56 Stunden.
Die Fäulnissextrakte wurden in folgender Weise bereitet : Frisch
bereitete Fleischbrühe oder ein Infus aus frischem Fleische wurde an
der Luft bis zur deutlich erkennbaren Fäulniss stehen gelassen, worauf
das Gefäss mit einem Wattepfropf bedeckt, von Zeit zu Zeit geschüt-
telt und 14—40 Tage der Fäulniss weiter überlassen wurde. Die
Flüssigkeit wurde darauf filtrirt und bei einer Temperatur nicht über
65° abgedampft.
Die erhaltene dunkelbraune klebrige Masse wurde sodann in gut
verschlossenen (mittelst Paraffin) Gefässen aufbewahrt. Diese Ex-
trakte riefen bei Kaninchen, unter die Haut eingespritzt, eine be-
deutende Temperaturerhöhung (maximum 40,8) hervor, welche 40—
48 Stunden anhielt. (Ueber den allgeni. Zustand der Thiere vergl
„Wratsch". 1891. No. 2 und 3.)
Erste Versuchsreihe.
22. Febr. 1891: 4 Kaninchen werden mit einer gleichgrossen
Menge (0,5) derselben Anthraxkultur infizirt. Kaninchen No. 1 und
1) Wir erlauben ans, demselben bei dieser Gelegenheit unseren innigsten Dank
Aaszusprechen.
lieber Heilnog d. Milzbrände« durch Fäulnisstoxine (Extrakte) bei Thieren. ßOl
2 dienen zur Kontrolle. Bei No. 1 erfolgt der Tod nach 40, bei
No. 2 nach 42 Stunden post infectionem. Die Autopsie ergibt An-
thrax. Dem Kaninchen No. 3 und 4 wird 5 Stunden nach der In-
fektion k 0,1 g des Extraktes (No. I) aus der Fleischbrühe, welche
6 Wochen faulte, eingespritzt. In den ersten 2 Tagen ist die Tem-
peratur bei beiden Kaninchen erhöht (40,2). Gegen Ende des dritten
Tages fällt die Temperatur und die Thiere verhalten sich augen-
scheinlich normal bis zum 12. Tage. Am 12. Tage nach der Infek-
tion sind beide Kaninchen Morgens matt, sitzen unbeweglich da, die
Haare des Fells aufgerichtet, die Augen halb verschlossen, perio-
disches Frösteln; Temperatur bei No. 3 —33,0°, bei No. 4 —36,4.
In Anbetracht des abnormen Zustandes der Thiere wird beiden ä 0,05
desselben Extraktes (No. J) eingeführt. Bei Kaninchen No. 3 steigt
die Temperatur nach der Einspritzung von 33,0° bis 36,0°, Nachts
jedoch krepirt das Thier. Bei Kaninchen No. 4 steigt die Tempe-
ratur bis 40,0°, am anderen Tage 39,5, und das Thier bleibt darauf
normal bis zum 23. Tage. Am 24. Tage Nachts — Tod. Autopsie:
Keine Anthraxbakterien ; Milz bedeutend verkleinert, von blass-gelb-
licher Färbung; in der Bauchhöhle blutig-seröses Exsudat. Die
übrigen Organe zeigen keine besonderen Veränderungen. Alle Ka-
ninchen wurden in ein und demselben Käfig gehalten.
Diese Versuche zeigen, dass in den Organismus von Milzbrand
infizirter Kaninchen eingeführte Fäulnisstoxine den Krankheitsprozess
bedeutend aufzuhalten vermögen.
Zur Aufklärung der Frage, ob im gegebenen Falle von irgend
welchen bestimmten Mikroorganismen produzirteStoffe
oder ein Gemenge derselben eine Rolle spielten, wurden weitere
3 Kaninchen mit derselben Menge derselben Kultur (ausgenommen
Kaninchen No. 2, welches 0,1 ccm erhielt) infizirt. Kaninchen No. 1
wurde 6 Stunden post infectionem 0,1 g von dem obigen Extrakte
(No. 1) eingeführt; Kaninchen No. 2 — 0,1 g eines Extrakts aus
der Beinkultur der gelben Sarcine, welche aus der vorigen faulenden
Flüssigkeit erhalten wurde; No. 3 — 0,1 g eines Extrakts aus der
Reinkultur einer Fäulnissbakterie (morphologisch nicht bestimmt),
welche ebendaher gewonnen wurde. Kaninchen No. 1 ging nach 80,
No. 2 nach 88 und No. 3 nach 40 Stunden zu Grunde. Autopsie —
Anthrax.
Diese Versuche zeigten, dass die Einführung von Produkten der
Lebensthätigkeit genannter Mikroorganismen den Verlauf der Er-
krankung in der Entwicklung des Krankheitsprozesses nicht aufzu-
halten vermochten. Der aufgehaltene Exitus bei Kaninchen No. 2
ist höchstwahrscheinlich durch die geringe Menge der Anthrax-
kultur, bei No. 1 durch die Fortwirkung des vorherigen Extrakts zu
erklären.
Wegen der günstigen Resultate, welche bezüglich der Aufhaltung
des Milzbrandprozesses durch Extrakte aus faulender Flüssigkeit, als
durch Extrakte aus Reinkulturen, die aus den in letzterer befindlichen
Mikroben gewonnen wurden, bedienten wir uns bei unseren weitereu
Versuchen ausschliesslich der ersteren.
ßQ2 Kostjurin und Kraimkj,
Zweite Versachsreihe.
8. M&rz 1891 : 6 Kaninchen werden mit einer gleichgrossen Menge
(1,0 ccm) einer Anthraxkultur infizirt Kaninchen No. 1 (Kontroll-
thier) krepirt nach 30 Stunden; Autopsie — Anthrax. Kaninchen
No. 2 wird 6 Stunden post infectionem 0,1 von dem obigen Extrakt
(No. I) injizirt. Tod nach 66 St.; Autopsie — Anthrax; Milz 4 mal
so gross, als normal, enthält eine ungeheure Menge von Bacillen.
Kaninchen No. 3 wird 0,1 g eines Extrakts (No. II) aus einem Infos
frischen Fleisches, welches 2 Wochen faulte, injizirt Tod nach 88 St ;
Autopsie — Anthrax. In Anbetracht des raschen Todes dieser drei
Kaninchen wurden bei den übrigen drei Kaninchen die Injektionen
wiederholt Kaninchen No. 4 wird 6 St post infectionem 0,07 g vom
Extrakt (No. I), nach 48 St 0,05, nach 72 St. abermals 0,05 vom
selben Extrakt injizirt. Tod nach 100 St; Autopsie — Anthrax.
Kaninchen No. 5 erhält 6 St post infect 0,1 g vom Extrakt (No. I),
nach 48 St noch 0,05 und nach 72 St noch 0,07. Tod nach 168 St.;
Autopsie — Anthrax. Kaninchen No. 6 erhält dieselben Mengen
in denselben Zeiträumen wiederholt wie No. 5 und bleibt am
Leben.
Diese Versuche zeigen, dass in allen Fällen die Anwendung der
Fäulnissextrakte den Prozess im Vergleich mit dem Kontrollkaninchen
mehr oder weniger bedeutend verzögerte, wobei in einem Falle voll-
ständige Heilung erzielt wurde. Der Grund, weswegen nicht alle
behandelte Thiere am Leben blieben, kann in dreifacher Weise er-
klärt werden: 1) durch eine überaus grosse Dosis des infektiösen
Stoffes, welche unter den gewöhnlichen Bedingungen der Infektion
ganz und gar undenkbar ist; 2) durch toxische Dosen der Fäulniss-
extrakte; 3) durch nachfolgende Infektion von Seiten der kranken
Kaninchen, mit welchen dieselben in einem gemeinsamen Käfig ge-
halten wurden, indem die gesund gewordenen Thiere offenbar nicht
immun bleiben. Um diese Voraussetzungen zu verifiziren, wurde
folgende
Dritte Versuchsreihe
am 15. März 1891 unternommen: 3 Kaninchen werden mit Anthrax
infizirt. Kontrollkaninchen No. 1 erhält eine sehr geringe Dosis
(0,1 ccm), die übrigen zwei eine mittlere Dosis (0,5 ccm) von der Kul-
tur. Kaninchen No. 1 krepirt nach 96 St.; Autopsie — Anthrax.
Kaninchen No. 2 erhält ö St. post infection. 0,1 g vom Extrakt
(No I). Am 5. Tage wird die Einspritzung wiederholt Das Thier
bleibt am Leben. Kaninchen No. 3 erhält 6 St post infection.
0,1 g vom Extrakt (No. II) und bleibt am Leben. Die Thiere
wurden apart in neuen Käfigen gehalten.
Somit wurde durch diese Versuchsreihe die von uns geäusserte
Voraussetzung von der Ursache des ungünstigen Ausganges bei der
Behandlung der Versuchsthierc in der vorigen Versuchsreihe voll-
ständig bestätigt.
Vierte Versuchsreihe.
Zur Aufklärung der Frage, ob ähnliche Resultate auch bei an-
deren Thieren erhalten werden können, wurden am 22. März zwei
Ueber HcUnng d. Milzbrandes durch Fftulnisstoxtae (Extrakte) bei Thiereo. ß03
Kaninchen und zwei Schafe mit Anthrax infizirt. Eontrollkaninchen
No. 1 krepirt nach 60 St. Kaninchen No. 2 erhält 3 St. post in«
fection. 0,1 g vom Extrakt (No. III) aus einer Fleischbrühe, welche
2 Wochen lang faulte. Tod nach 136 St. Die Autopsie bei beiden
Kaninchen ergab Anthrax; beide Thiere wurden zusammen gehalten.
Schaf No. 1 erhält 3 St. post infection. 0,5 vom Extrakt (No. II);
Tod nach 68 St. Schaf No. 2 bekommt nach 3 Stunden 0,5 vom
Extrakt (No. III); Tod nach 100 St. Autopsie bei beiden Schafen —
Anthrax.
Somit genügte die bei den Schafen angewandte Dosis nicht, um
den Prozess aufzuhalten. Kaninchen No. 2 ging wahrscheinlich in
Folge nachträglicher Infektion durch Kaninchen No. 1, mit welchem
es in einem Käfig sass, zu Grunde.
Fünfte Versuchsreihe.
Um den Zeitraum zu bestimmen, innerhalb welchem es noch
möglich ist, bei Kaninchen durch Einführung von Fäulnissextrakten
die Entwicklung des Milzbrandprozesses aufzuhalten, wurden am
21. März 3 Kaninchen mit Anthrax infizirt.
No. 1. Kontrollkaninchen. Tod nach 48 Stunden. No. 2. 5 St.
post infection. 0,1 g vom Extrakt (No. I) eingeführt. Tod nach
130 St Autopsie in beiden Fällen Anthrax. No. 3. 24 St. post
infectionem 0,1 g eingeführt vom Extrakt (No. III). Am 4. Tage
wird noch 0,05 vom selben Extrakt eingeführt. Das Thier bleibt
am Leben. Alle drei Kaninchen wurden appart gehalten.
Aus diesen Versuchen wurde unter Anderem offenbar, dass das
Extrakt No. I, welches in den ersten Versuchsreihen (No 6 der
zweiten, No. 2 der dritten Versuchsreihe) schon bei einmaliger Ein-
führung in einer Menge von 0,1 g vollständige Heilung beim Kanin-
chen ergab, nach längerem Stehen in einem zwar durch Paraffin
luftdicht verschlossenen Gefässe, welches jedoch oft eröffnet wurde,
nunmehr selbst bei zweimaliger Einführung den Prozess bloss be-
deutend zu verzögern vermochte. Diese Erscheinung kann nur da-
durch erklärt werden, dass das wirksame Prinzip in dem Fäulniss-
extrakte unter dem Einflüsse von Zeit, Luft, Licht etc. geschwächt
wurde. Um diese letztere Annahme zu begründen, wurde von uns
noch eine Reihe von Versuchen unternommen, bei welchen den in-
fizirten Thieren Extrakte injizirt wurden, welche verschieden lange
Zeit bei Luftzutritt und ohne denselben aufbewahrt wurden.
Sechste Versuchsreihe.
Am 5. April werden sieben Kaninchen mit Anthrax injizirt.
No. 1 Kontrollobjekt krepirt nach 50 St.
No. 2 und 3 wird 5 St. nach der Infektion 0,1 g vom Extrakt
No. I injizirt, welches 2 Monate lang in einem öfters geöffneten
Gefässe aufbewahrt wurde. No. 2 krepirt nach 60, No. 3 nach 90
Stunden.
No. 4 und 5 wird 5 St post infection. 0,1 vom Extrakt No. II
eingespritzt, welches 1 Monat lang aufbewahrt und nach 24 stündigem
604 Kostju rin und Krainsky, Uetor Heilung de« Milibrandes etc.
Offenstehen an der Luft angewandt wurde. No. 4 krepirt nach 70,
No. 5 nach 136 St.
No. 6 und 7 wird 5 St. post infection. 0,1 g vom Extrakt No. III
injizirt, welches 1 Monat lang in einem gut verschlossenen Gefis*
aufbewahrt wurde. No. 6 erscheint am 5. Tage nach der Infektion
matt; Temperatur = 37,0. Es werden demselben noch 0,05 vom selben
Extrat eingespritzt. Die Temperatur steigt nach der Injektion (38,ä;.
Das Kaninchen geht am 9. Tage zu Gründe. Die Autopsie ergab
bei allen Anthrax. No. 7 blieb am Leben.
Diese Versuche zeigen, dass die Fäulnissextrakte im Laufe der
Zeit, besonders aber unter Lufteinwirkung allmählich die Fähigkeit
verlieren, den Milzbrandprozess bei Kaninchen zu hemmen, und dass
am einflussreichsten diejenigen Extrakte sind, welche nicht länger,
als vor 30 Tagen zubereitet und von der Luft vollständig abgeschlossen
wurden.
Parallel mit diesen Versuchen an infizirten Thieren wurden Ver-
suche über den Einfluss der Fäulnissextrakte auf die Vegetation und
Infektiosität der Anthraxbacillen ausgeführt, welche sich in Nähr-
medien entwickelten, denen verschiedene Mengen von Fäulnissextraktec
hinzugefügt wurden.
Den 28. März wurden sechs Reagenzgläschen mit Nähr- Agar- Agar
versehen. Die ersten drei dienten zur Kontrolle, zu den drei letz-
teren wurde 1—3°/« eines stark. wirkenden Fäulnissextraktes hinzu-
gefügt Alle 6 Gläschen wurden mit Anthrax inokulirt. Nach
2 Tagen zeigte sich in allen Reagenzgläschen eine üppige Vegetation von
Anthraxbacillen. Um die Intensität der Giftigkeit der erhaltenen
Kulturen zu prüfen , wurden 2 Kaninchen mit einer gleichen Menge
der Kultur No. 1 infizirt, welche ohne Zusatz und No. 2, welche
unter Hinzufügung von Fäulnissextrakten erhalten wurden. Kaninchen
No. 1 ging nach 50 St. zu Grunde, No. 2 blieb am Leben.
Am 8. April wurden vier Kölbchen mit 100 ccm Fleischbrühe
versehen. No. 1 diente zur Kontrolle; zu No. 2 wurde 0,1 %, zu
No. 3 0,5 °/0, zu No. 4 1,0 °/0 Fäulnissextrakt hinzugefügt. Nach
2 Tagen konnte man in allen Kölbchen deutliche Vegetationen er-
kennen, am stärksten in No. 1', am schwächsten in No. 4. Am
10. April wurden 3 Kaninchen mit gleichen Kulturen — No. 1 aus
dem Kölbchen No. 1, No. 2 aus No. 2, No. 3 aus No. 3 infizirt.
Das Kontrollkaninchen No. 1 ging nach 56 St zu Grunde. Die beiden
anderen blieben am Leben und bis jetzt ganz gesund (8. Mai).
Aus dem oben Gesagten lassen sich folgende Schlussfolge-
rungen machen:
1) Zur rechten Zeit in den Organismus von Thieren (Kaninchen),
die mit Anthrax infizirt wurden, eingeführte Fäulnisstoxine sind im
Stande, die Entwickelung des Krankheitsprozesses vollständig aufzu-
halten.
2) Die geheilten Thiere erlangen keine Immunität für weitere
Infektion mit Anthrax.
3) Nur frisch zubereitete und gut gegen Einflüsse von Licht-,
Luft- etc. geschützte Fäulnissextrakte (nicht später als nach 1 Monat)
dürfen angewandt werden, da sonst bloss bedeutende Hemmung in
der Entwickelung des Prozesses, nicht aber Heilung erreicht wird.
ErklÄrung. 605
4) Die Injektion von Fäulnissextrakten muss 6 — 8 Stunden nach
der Infektion gemacht werden, obgleich in einigen Fällen der Prozess
bei Einführung des Extrakts selbst nach 24 Stunden noch aufge-
halten werden kann. Man erreicht sicherere Resultate bei Wiederho-
lung der Einspritzung am 3. oder 4. Tage. Die Dosis für erstmalige
Injektion ist 0,1 g, für wiederholte Einspritzungen wird die Hälfte
(0,05 g) angewandt.
5) Kaninchen, welche der Heilung unterworfen werden , müssen
sorgfältig vor der Möglichkeit, nachträglich dusch Nebenumstände in-
fizirt zu werden, geschützt werden.
6) Das wirksame Prinzip im Extrakt wird augenscheinlich nicht
von einem bestimmten Mikroben, sondern von einem Gemenge der-
selben gebildet.
7) Selbst in geringen Mengen (0,1—1 °/0) zu Nährmedien hin-
zugesetzte Fäulnisstoxine vernichten vollständig die Giftigkeit der
Milzbrandbakterien, ohne die Vegetation der letzteren zu verhindern.
8) Die von uns für Kaninchen bewiesene Heilmethode des Milz-
brandes dürfte, wenn sich durch dieselbe bezüglich anderer Thiere
(Schafe) ebenso günstige Resultate erreichen Hessen, eine ungeheuere
praktische Bedeutung gewinnen.
9) In Anbetracht der Leichtigkeit, mit welcher pathogene Mi-
kroben ihre Giftigkeit unter dem Einflüsse von Fäulnisstoxinen ver-
lieren, wäre es von Interesse, die Anwendung dieser Methode zur
Erhaltung von Anthraxvaccine zu versuchen, indem letztere bei den
jetzigen Methoden mit grossen Schwierigkeiten und unter grossem
Kostenaufwand erhalten wird.
10) Angesichts der Möglichkeit, den Milzbrandprozess, welcher
sich durch so grosse Intensität auszeichnet, durch Fäulnisstoxine
aufzuhalten, wäre es von Interesse, die Anwendung der genannten
Heilmethode bei anderen Infektionskrankheiten zu versuchen, umso-
mehr als die bisherigen Resultate der von uns augenblicklich weiter
fortgesetzten Versuche in Bezug auf die Tuberculose uns das Recht
geben, zu hoffen, dass auf diesem Wege eine bedeutende Verzögerung
in der Entwickelung des tuberculösen Prozesses zu erreichen möglich
sein wird.
Charkow, 8. Mai 1891.
Erklärung.
Vor nicht langer Zeit erschien in vorliegender Zeitschrift vom
Privatdocenten der Botanik, Herrn Rothert, ein Referat über meine
Doktordissertation1); dieselbe, in russischer Sprache abgefasst, war
in Folge dessen vielen Lesern im Original nicht verständlich, was
1) Podbielsky, A., Untersuchung der Mikroben der Mundhöhle von Erwach-
senen und Kindern im gesunden Zustande. Mit 8 Taf. (Doktor-Dissertation.) 8. 124
pag. Kasan 1890. (Centralblatt für Bakteriologie und Parasitenkunde. 1891. No. 18/19.
617-622.)
606 Erklärung.
auch die einzige Ursache ist, dass ich mir die Zeit nehme, auf be-
wusstes Referat des Herrn Rothert zurückzukommen und einige
Worte der Erklärung zu geben.
Jeder, der sich eingehend mit bakteriologischen Studien und
Untersuchungen befasst hat, kennt zur Genüge, welche Arbeit, Geduld
und Zeit es erfordert, Reinkulturen von Mikroben zu erzielen and sie
zu bestimmen, besonders wenn man es mit Materien zu thun hat,
die viele verschiedene Arten von Mikroorganismen enthalten. Ebenso
schwierig erscheint es mir, alle Leser in gleicher Weise befriedigen
zu können, besonders wenn sich dieselben kaum oberflächlich mit
der Sache beschäftigt haben.
Es gelang mir, von 54 Personen beiderlei Geschlechts und ver-
schiedenen Alters 34 Reinkulturen verschiedener Mikroorganismen
zu erlangen. Ein Theil dieser Mikroorganismen stellte sich als iden-
tisch mit bereits bekannten und von andern Forschern in der Mund-
höhle und an andern Orten gefundenen und genügend beschriebenen
Arten heraus; den andern Theil jedoch konnte ich, aus Mangel an
litterarischen Daten, nicht — schon bekannten Arten — hinzufügen
und bezeichnete ich deshalb dieselben, um ihnen keine neue Namen
zu geben, einfach mit Buchstaben.
Die Formen, welche sich gleichzeitig auf den Kultur- and auf
den Kontrollplatten bildeten, habe ich „nicht immer41, aber „gewöhn-
lich" ausgeschlossen, weil sie sich auf den Kulturplatten zuweilen
zahlreicher vorfanden, als auf den Kontrollplatten und auch von mir
in den gefärbten Massen der Objekte beobachtet wurden. Hätte ich
anders gehandelt, so hätte ich alle die verschiedenen Arten von Bak-
terien, welche aus der Luft in die Mundhöhle gelangen, ausschliessen
müssen ; denn in der Luft der Räume, in denen die Untersuchungen
vorgenommen werden und in den Wohnungen der Leute, von denen
die Objekte herstammten, fanden sich bisweilen ein und dieselben
Formen von Mikroben.
In seiner Kritik über die von mir festgestellten und beschrie-
benen Formen vertrat Referent den Standpunkt eines Morphologen.
Bei der nun folgenden Erklärung werde ich mich der Nume-
rirung des Referenten bedienen.
21) Bacillus s üb tili 8. Ich fand denselben vollkommen
identisch mit der von Escherich in seiner Arbeit1) beschriebenen
Form, auf welche Arbeit ich in meiner Dissertation speziell hinwies,
weshalb ein jedes Missverständniss des Referenten ausgeschlossen
sein musste.
34) Cladothrix dichotoma (Cohn). Referent, nicht ein-
verstanden seiend mit der von mir aufgestellten Bestimmung der
Form, ändert plötzlich, aus mir ganz unbegreiflichen Gründen, seinen
sich bisher vollkommen in den Grenzen der ruhigen Kritik bewegen-
den Ton und stellt die mehr denn eigentümliche Behauptung auf,
dass ich sicherlich nicht einmal eine genaue Beschreibung der
Cladothrix dichotoma gelesen habe, geschweige denn sogar ein
Präparat derselben gesehen.
1) T. Escherich, Die Dannbakterien des Säuglings. Stnttg. 1886.
Bemerkung u dar „Erklärung" des Herrn Dr. A. Podbielsky. 607
36) Saccharomjces chromogenes. Die Bestimmung der-
»elben ruft wiederum beim Referenten Zweifel hervor, besondere beim
Vergleich der Beschreibung der Form im hängenden Tropfen mit
ier Zeichnung des gefärbten Präparates. Der hier gerügte Unter-
schied ist einzig und allein auf die technische Unvollkommenkeit
unserer hiesigen Kasanschen Lithographie zurückzufahren.
37) Bacillus butyricus. Kritisirend die Beschreibung dieser
Form im hängenden Tropfen, kommt Referent zu dem eigenartigen
Schluss, dass ich Prazmowski's Clostridium butyricum ge-
meint haben müsse; „falls Verf. Prazmowski's Clostridium
butyricum gemeint hat, so ist er hier wieder im Irrthum"; hierüber
ein Wort zu verlieren, halte ich für überflüssig; denn der Unterschied
zwischen der von mir beschriebenen Form Bacillus butyricus
und dem Clostridium butyricum (Prazmowski) ist mir
mehr denn zur Genüge bekannt.
Zum Schluss beanstandet Referent 7 Punkte des R6sum6 meiner
Dissertation und sagt: „Mehrere von diesen Sätzen — dabei aber
nur auf ganze zwei Punkte hinweisend (eigentümlicher Begriff
des Wortes „Mehrere") — betreffen Fragen, die ausser in dem
R6sum6 überhaupt nicht berührt sind."
Ich bin fest überzeugt, dass Referent, betreffs seines Punktes 5.
„Peptonisirende Wirkung41, weniger leichthin geurtheilt haben würde,
wenn ihm überhaupt die Bedeutung dieses technischen Aus-
drucks — Peptonisirende Wirkung der Mikroben1) — in der Bak-
teriologie bekannt gewesen wäre.
Ich hoffe, dass diese meine Erklärung nur eine Vervollständigung
des Referats des Herrn Rothert bildet und ihr folglich in keinem
Falle eine andere Bedeutung beizulegen sei. Dr. A. P o d b i e 1 s k y.
Bemerkung
zu der „Erklärung" des Herrn Dr. A. Podbielsky.
Mein Referat, gegen welches sich obige „Erklärung" richtet
ist, wie der Verf. seibat anerkennt, in sachlichem Tone gehalten, und
hoffentlich wird kein Leser desselben den Eindruck empfangen haben,
&ls wollte ich die unzweifelhaft fieissige und mühsame Arbeit des
Verf.'s herabsetzen ; ich glaube den wesentlichen Inhalt derselben ge-
wissenhaft wiedergegeben zu haben, hielt mich aber auch für berech-
tigt, auf die Schwächen und Unklarheiten derselben aufmerksam zu
machen.
Ich kann nicht zugeben, dass meine Ausstellungen durch obige
Entgegnung des Autors entkräftet worden seien. Wer die in der
Bakteriologie ohnehin bereits herrschende Konfusion nicht noch ver-
mehren will, muss sich durchaus streng an die Regel halten, keinen
Speziesnamen zu nennen, ohne sich auf den Autor zu beziehen,
1)C. Fraenkel, Grundriss der B*kteri«nkund«. 1887. p. 28.
608 Bemerkung zu der „Erklärung" des Herrn Dr. A. Podbielsky.
welcher diese Spezies aufgestellt und beschrieben hat Nun ist Ba-
cillus subtilis von Cohn und von Brefeld morphologisch ge-
nau beschrieben worden ; niemand ist fortan berechtigt, ein Bakterium
als Bacillus subtilis zu bezeichnen, ohne sich von der Identität
desselben mit dem von diesen Autoren gemeinten Bakterium überzeugt
zu haben; es genügt keineswegs, in der Einleitung zu seiner Schrift
eine Arbeit von Escherich genannt zu haben. — Ebenso darf
nach den allgemein üblichen Nomenclaturregeln nur die von Prai-
mowski beschriebene Form auf den Namen Bacillus butyricus
Anspruch machen ; hätte der Verf. unter seinem wieder ohne jede
Autorencitation angeführten Bacillus butyricus diese Form ge-
meint (was ich keineswegs behauptet haben wollte), so wäre er im
Irrthum gewesen; da er aber, wie er jetzt sagt, wissentlich eine an-
dere Form gemeint, so hatte er Unrecht, denn das ist wieder Kon-
fusionsmacherei. Ich verbreite mich über diese Dinge nicht wegen
blosser Polemik, sondern weil es sich hier um eine nicht unwichtige
Prinzipienfrage handelt.
Das stärkste in dieser Richtung hat aber der Verf. unstreitig
mit seiner Cladothrix dichotoma geleistet Während es noch
allenfalls einigermassen entschuldbar gefunden werden kann, wenn
Jemand die verschiedenen Bacillen verwechselt oder schlecht identi-
fizirt, so ist hingegen Cladothrix dichotoma eine dermassen
charakteristische Form, dass eine Verwechselung völlig ausgeschlossen
ist; ich muss bei meiner Behauptung bleiben: wer jemals diese Bak-
terie nach der Natur oder auch nur nach einer guten Abbildung
kennen gelernt hat, der erkennt sofort, dass der von Herrn Dr.
Podbielsky so bezeichnete Organismus etwas himmelweit ver-
schiedenes ist; ich bedauere nur, nicht die von dem Verf. gegebene
Abbildung hier reproduziren zu können, dieselbe wäre das sprechend-
ste corpus delicti. Ich habe mich hierüber in meinem Referat etwas
scharf ausgedrückt, doch kam es mir auch hier keineswegs auf einen
persönlichen Ausfall gegen den Verf. an, sondern darauf, an diesem
eklatanten Beispiel zu zeigen, wie leider Viele beim Bestimmen von
Bakterien verfahren. Es würde wohl schwerlich Jemandem einfallen,
über irgend welche andere Gruppe des Pflanzen- und Thierreiches
zu schreiben, ohne sich vorher eine genügende Kenntniss ihrer Mor-
phologie und Systematik angeeignet zu haben ; nur die Bakterien ge-
messen eine Ausnahmestellung: sehr Viele glauben, wenn sie sich
mit den schablonenmässigen Kultur- und Färbungsmetboden derselben
vertraut gemacht haben, sich mit einer ganz oberflächlichen Kennt-
niss ihrer Morphologie und Physiologie begnügen zu dürfen, und
fördern deshalb nur allzu häufig botanische Horrenda zu Tage. Es
ist, wie mir scheint, nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, vor-
kommenden Falls gegen diesen Zustand der Dinge Protest zu er-
heben.
Um diese Bemerkung nicht ungebührlich in die Länge zu ziehen,
lasse ich die übrigen, weniger wesentlichen Punkte der Erklärung
meines geehrten Opponenten unberührt. W. RotherL
Bakterien im Munde. gQ^
Referate.
David, Th., Les microbes de la bouche. 8°. 302 p. Mit
113 Figuren im Text. Paris (F. Alcan) 1890.
Das vorliegende, auch äosserlich vorzüglich ausgestattete Werkchen
löst die Aufgabe, die es sich gestellt hat, in ausgezeichneter Weise. In
klarer Darstellung und unter Zuhfilfenahme sehr gut ausgeführter, theil-
weise farbiger Zeichnungen, werden die Mikroorganismen im Allgemeinen,
ihre Formen, ihre Färbung und Züchtung besprochen, und dann alle die
eingehend geschildert, die im Munde leben, von dort aus in den
Organismus eindringen und örtliche oder allgemeine Störungen er-
zeugen. Dem allgemeinen Theil ist das erste Kapitel gewidmet, in
dem u. a. auch die Herstellung der Farblösungen, die Bereitung der
Nährböden, das Giessen von Platten u. s. w. genau beschrieben wird. Im
zweiten Kapitel werden die wichtigsten Sapropbyten geschildert und
die Gährungsvorgänge eingehend besprochen. Im dritten Kapitel
werden die pathogenen Mikroorganismen beschrieben, denen man ge-
legentlich im Speichel begegnet: Bacillus der Sputumseptikämie,
Pneumococcus, Friedländer 's Bacillus, Streptococcus
pyogenes, Staphylococcus pyogenes aureus und albus.
Im Kapitel IV folgen die Mikrobien, welche Mund- und Zahnkrank-
heiten erzeugen, deren Aufzählung über den Rahmen des Referats
hinausginge. Praktische und therapeutische Massnahmen, die sich
aus den vorhergehenden Ausführungen ergeben, dringende Empfehlung
der Antisepsis in der Zahnheilkunde u. s. w. bilden den Inhalt des
V. Kapitels. Ein sehr sorgfältiges Inbaltsverzeichniss erhöht den
Werth des D.'schen Buchs, das der französischen Zahnheilkunde alle
Ehre macht.
In einer lobenden Vorrede spricht Pasteur dem Verf. seine
Anerkennung aus. Wir können dem grossen Bakteriologen darin in
allem beipflichten, nur in einem Satze nicht: „Votre livre, qui est
le premier livre de vulgarisation sur un tel sujet, rendra de vöritables
seivices." D. ist nicht der Erste, der über die Bakteriologie des
Mundes gearbeitet hat, diese Ehre gebührt nach Ansicht des Ref.
dem Berliner Professor der Zahnheilkunde, Miller, den auch D.
vielfach zitirt. Uebrigens, wie nebenbei bemerkt sein mag, zeichnet
*ich das D.'scheWerk dadurch sehr vortheilhaft aus, dass die Littera-
turangaben, auch die deutschen, sehr vollständig und genau sind.
Im therapeutischen Theile werden zahlreiche Rezepte, zum Theil
8ehr komplexer Natur, als Muster angeführt, die sich gewiss sehr ver-
einfachen liessen. Unter den Mundwässern vermisst man das von
Salkowski und vom Ref. so warm empfohlene Chloroformwasser.
Das Buch D.'s verdient auch in Deutschland gelesen und be-
achtet zu werden. Der Preis von 10 Frank ist bei der guten Aus-
stattung billig zu nennen. M. Kirchner (Hannover).
€10 Tabercalowi
Frisch, A. t., Zur Diagnose der tuberculösen Erkran-
kungen des Urogenitalsystems. (Intern, klin. Rundschau.
1891. No. 28—30.)
Innerhalb weniger Wochen hatte Verf. Gelegenheit, bei T
jugendlichen Individuen (von 2l/i bis 16 Jahren) mit Hülfe des Kach-
weises von Tuberkelbacillen im Harne die Diagnose auf Tubercalose
des Urogenitalsystems festzustellen. Dieser Nachweis ist, wie be-
kannt, nicht immer ein leichter. Die Tuberkelbacillen kommen näm-
lich im Harne in zweierlei geradezu extremen Erscheinungsweisen
vor. Entweder massenhaft, in förmlichen Reinkulturen — und daoo
bietet deren Nachweis keinerlei Schwierigkeiten — oder nur vereinzelt,
und gelingt ihr Nachweis in diesem Falle nur durch Anfertigung
zahlreicher Präparate, welches Verfahren ebenso mühsam wie zeit-
raubend ist Hier leisten schon die von Kir stein (Filtration des
Harnes), Biedert (Sedimentirungsmethode) und Sohlen und Wen-
drin er (Zusatz von je 12 %iger Borax-Borsäurelösung) angegebenen
Methoden Gutes; das beste jedoch leistet die Anwendung der Centn-
fuge von Stenbeck, welche in Kombination mit der Sedimentirunga-
oder v. Sehlen-Wendriner's Methode, wenn der Harn stark
eiter- oder urathaltig ist, sowohl den Nachweis der etwa vorhandenen
Bacillen, als auch den Werth der negativen Befunde sichert Diese
Kombination bietet auch ausserdem den Vortheil, dass die Smegma-
bacillen bei der Behandlung mit Aetznatron die derjenigen der
Tuberkelbacillen ähnliche Farbbarkeit einbflssen und man dadurch
vor Irrthümern geschützt ist
Das vom Verf. erprobte Verfahren ist daher folgendes: „Relativ-
klare Harne werden mittelst der Centrifuge rasch sedimentirt; stark
eitrige Harne werden nach Biedert's Methode behandelt und dann
centrifugirt, an Uraten reiche Harne werden nach v. Sohlen-
Wendriner behandelt und hierauf ebenfalls der raschen Sedimen-
tation mit der Centrifuge unterworfen.1' Kamen (Czernowitz).
Eisenhardt, E., Ueber Häufigkeit und Vorkommen der
Darmtuberculose. (Inaug. Dissert) München 1891.
Verf. hat sein statistisches Material aus den Protokollen von
1000 Sektionen tuberculöser Individuen, die im MQnchener pathol. In-
stitute in den Jahren 1886—1890 ausgeführt wurden, gewonnen. Kinder
unter 16 Jahren sind von dieser Statistik ausgeschlossen. Von diesen
1000 Fällen war nur ein einziger sicherer Fall von primärer Darm-
tuberculose; in 566 Fällen war sekundäre Darmtuberculose vorhanden,
wobei bemerkt werden muss, dass alle tuberculösen Erkrankungen,
(nicht nur Lungenphthise) in Rechnung gezogen wurden. In dreien
dieser 566 Fälle lagen von Seiten der Lungen keine spezifischen Ver-
änderungen vor; die übrigen zeigten Lungentuberculo.se in verschie-
denen Graden und Stadien. In 427 Fällen waren ausser den Langen
in anderen Organen keine spezifischen Veränderungen nachweisbar.
Kavernenbildung war in 489 Fällen vorhanden, davon war sie 400
Mal eine ausgedehnte. Beim Zustande kommen der Darmtuberculose
kommt in erster Reihe die Infektion durch das Sputum in Betracht;
erst in zweiter Linie eine hämatogene oder lymphogene metasUti-
Tuberculose. ßll
sehe Infektion der Darmfollikel. Bezüglich der Lokalisation der
Darmtuberculose ergab die Statistik, dass das Ileum die Prädilektions-
stelle für die Ansiedelung der Tuberkelbacillen ist, dann folgen Coe-
cum, Bauhin 'sehe Klappe, Colon ascendens, Processus vermiformis,
Colon transversum und descendens, Jejunum, Rectum, S. Bomanum, Duo-
denum. Eine sichere tuberculose Affektion der Magenschleimhaut
war nur einmal nachweisbar. Was die Heilung der tuberculösen
Darmgeschwüre betrifft, so war nur in 10 Fällen eine vollkommene
Ausheilung einzelner Geschwüre, in weiteren 25 Fällen nur eine un-
vollkommene Vernarbung vorhanden. Tuberculose des Peritoneums
resp. tuberculose Peritonitis war 21 mal vorhanden; einmal tuber-
culös hämorrhagische Pelveoperitoniüs. Komplete Darmperforation
wurde in 28 Fällen beobachtet. Tan gl (Tübingen).
Jensen, C. 0.,Tuberculose beim Hund und bei der Katze.
(Deutsche Zeitschrift für Thiermedizin. Band XVII. 1891. Heft 4.)
Die Arbeit bietet fast ausschliesslich anatomisches Interesse und
gibt Aufschlüsse über die Häufigkeit der Tuberculose bei Hund und
Katze und über die Verbreitung des tuberculösen Prozesses im Körper
dieser Thiere. Dittrich (Prag).
(bracher et Ledoux- Lebard, ßtudes sur la tuberculose
expörimentale du lapin. (Archives de m6decine exp&imen-
tale et d'anatomie pathologique. 1891. No. 2.)
Die Tuberkelbacillenkulturen, mit denen diese Versuche angestellt
wurden, stammten sämmtlich von Vögeln her.
Einfluss der überimpften Kulturmenge. Impfung in
die Ohrvene von Kaninchen. Die Dosis der getrockneten Kulturen,
welche f&hig ist, Kaninchen von 2 Kilo Gewicht zu tödten (Typus
Yersin mit den hauptsächlichsten Veränderungen in Leber und
Milz) zeigt im Allgemeinen weite Grenzen, die zwischen 0,02 und
I mg liegen.
0,01—0,0001 mg tödten Kaninchen in 93-218 Tagen. Man
findet dann mehr oder weniger begrenzte und oft nicht sehr bedeutende
Lungentuberculose. Dabei kann auch Tuberculose in entfernteren
Organen (Leber, Milz, Gelenke u. s. w.) vorkommen. Nach spontaner
Ausheilung der Affektion von Leber und Milz kann bei langsamem
Verlaufe eine Ablagerung und Vermehrung der Tuberkelbacillen an
der Peripherie erfolgen, und beispielsweise eine eiterige und tuberculose
Gelenksaffektion sich entwickeln.
Einfluss steigender Dosen auf die experimentelle
Tuberculose. Immunisirungsversuche. Der Versuch, Kaninchen
durch Impfung mit allmählich steigenden Dosen von Tuberkelbacillen*
kulturen gegen tödtliche Dosen zu immunlsiren, misslang; doch änderte
sich der Typus der Krankheit und es zeigten sich mehr oder weniger
umschriebene periphere Veränderungen, sobald Leber und Milz eine
normale Beschaffenheit haben.
Einfluss des abgeschwächten Virus. Die Abschwächung
nahmen Verff. mittelst Wärme, Eintrocknung und Lichtes vor. Die
mit abgeschwächtem Virus geimpften Kaninchen blieben längere Zeit
ß!2 Cysticerken. — Reiffäule der Trauben und AepfeJ.
am Leben, und zwar war die Lebensdauer im geraden Verhältnisse
zum Grade der Abschwächung. Je nach dem Grade der Abschw&chung
des Virus ist aber auch das Krankheitsbild ein verschiedenes.
Dittrich (Prag).
Siebter, Max, Ueber einen Fall von racemosen Cysticer-
ken in den inneren Meningen des Gehirnes und
Rückenmarkes. [Aus Prof. Chiari's pathol.-anatom. Insti-
tute an der deutschen Universität in Prag.] (Prager medizinische
Wochenschrift. 1891. No. 16.)
Die Sektion ergab in den Subarachnoidealräumen an der Gehirn-
basis grosse, vielfach verzweigte, stark hydropische Exemplare von
Cysticercus racemosuB, ferner in den Sylvi'schen Spalten ein-
zelne, bis bohnengrosse, abgestorbene Cysticerken. Ausserdem fand
sich an der linken Seite der Medulla spinalis in der Höhe des
4. Hals- und des 10. Brustwirbels je ein bohnengrosser, verzweigter,
hydropischer Cysticercus unter der Arachnoidea.
Die Blasen waren theils mit Kalkkrümeln und Detritus erfüllte,
wurstähnliche Blasen, theils an dem einen Ende sich zu einer Art
Stiel verjüngende und mit spärlichen Ausbuchtungen versebene Blasen,
die mit dem Inneren des grossen Blasenraumes weit kommunizirten
(buchtige Form nach Zenker), theils endlich racemose Cysticerken
in ihrer ausgebildeten Form.
Nirgends waren Finnenköpfe oder Haken nachzuweisen ; doch Hess
die Untersuchung der Blasenwand die Diagnose auf Cysticerken stellen.
Dittrich (Prag).
Southworth, E. A., Ripe rot of grapes and apples (Gloeo-
sporium fruetigenum Berk.). (Journal of Mycology. VI.
1891. p. 164—173 u. Taf. XVI.)
Von Gloeosporium fruetigenum Berk. (Ascochyta
rufo-maculans Berk.) war bisher bekannt, dass er dem von ihm
ergriffenen Fruchtfleisch des Apfels einen bitteren Geschmack ver-
leiht, eine Bitterfäule in demselben veranlasst 1888 beschrieb ferner
Scribner eine Fäule der Weintrauben, welche sich nun durch wechsel-
seitige Infektionsversuche als durch obengenannten Pilz herausgestellt
hat, ohne aber eine Bitterfäule und bitteren Geschmack der Trauben zu
bewirken. Als gemeinsame Bezeichnung für beide Krankheitsformen
ist von der Verfasserin der Name „Reiffäule" gewählt worden, da
nur die reifenden Früchte davon ergriffen werden. Auf dem Apfel er-
scheinen braune, etwas eingesunkene Flecke, welche sich aber schnell
vergrössern und bald die ganze Oberfläche bedecken ; auf der grünen
Weintraube erscheint ein rothbrauner Fleck, welcher sich über die
Hälfte derselben ausbreitet, dabjji schliesslich im Centrum purpurn
wird und einen schmalen, braunen Band besitzt, während die rothen
Beeren nur vertrocknen, ohne ihre Farbe zu verändern. Auf diesen
Flecken treten dann bald zahlreiche, kleine, schwarze Pusteln auf.
Das septirte, anfangs farblose und erst später dunkler gefärbte
Mycel des ausserordentlich variirenden Pilzes wächst intra- und be-
sonders intercellular und bildet beim Apfel zuweilen unter der Epi-
Schutzimpfung, käostl. Infektionskrankheiten, Entwickelangshemmang etc. ßl3
dermis zusammenhängende Häute. Das Stroma wird in der Epidermis
angelegt, durchbricht dann dieselbe, färbt sich dabei äusserlich dunkel
und erzeugt einzellige, verschieden grosse und verschieden gestaltete,
uuregelmässig längliche, farblose, in Masse fleischfarben erscheinende
Sporen entweder auf der ganzen Oberfläche gleichmässig, oder aber
es sinken die centralen, anfänglich aus grösseren, durchscheinenden
Hyphen bestehenden Partieen ein, und in der entstehenden Höhlung
entstehen auf Basidien ebenfalls Sporen, so ein Pseudopyknidium dar-
stellend. Auch braune, septirte, verschieden lange Setae treten zu-
weilen in den Pusteln auf. In manchen Fällen ist das Stroma sehr
dünn, besitzt lange Basidien und verschwindet fast vollständig, nach-
dem die Cuticula durchbrochen ist, wie beim typischen Gloeospo-
rium. Die Sporen können bei der Keimung zwei- oder dreizellig
werden ; ihr Keimschlauch entwickelt häufig sekundäre Sporen, welche
als einfache, farblose Ausbreitung der Endigung desselben entstehen,
sich durch eine Scheidewand abtrennen, ihre Wände verdicken und
sich schwach olivbraun färben. Pykniden und Konzeptakeln konnten
nur unvollkommen beobachtet werden.
Die Krankheit tritt auf dem Apfelbaum ausserordentlich häufig
und schädlich in Nordamerika auf, und ist Gefahr, dass sie von hier
aus sich auch weiter auf die Weintrauben verbreiten würde. In den
in Körben oder Vorratskammern aufgehäuften Früchten pflegt sich
auch ferner der Pilz schnell von infizirten Exemplaren den benachbarten
mitzutbeilen. Sorgfältiges Auslesen aller Früchte, welche der Krankheit
verdächtig sind, ist eine Gegenmassregel. Die Krankheit kann aber
auch ganz vermieden werden durch Bespritzung der erkrankten Pflanzen
mit den bekannten Kupfersalzlösungen. Brick (Hamburg).
Schutzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten, Entwick-
lungshemmung und Vernichtung der Bakterien etc.
Langlols. P., Le traitement de la tuberculose du Dr. R»
Koch. 8°. 82 p. Mit Koch 's Bildniss. Paris 1890.
Das im Dezember v. J. erschienene Schriftchen ist für das Laien-
publikum bestimmt; es will die Natur der Tuberculose populär darstellen
und die Koch'sche Behandlungsmethode dem allgemeinen Verstand-
es näher führen. Für uns Deutsche interessant [ist der Eifer, mit
dem die grosse Leistung unseres berühmten Landsmannes zwar an-
erkannt, aber im Wesentlichen als eine Frucht der Arbeiten Pasteur's
hingestellt wird. Diese Auffassung muthet uns ebenso originell an,
wie das im Anhang des Schriftchens abgedruckte Telegramm des In-
stituts in St. Petersburg, voran des Prinzen Alexander von Olden-
burg, in dem man, entzückt über die Entdeckung Kochs, sich beeilt,
Pasteur seine Bewunderung und seine Glückwünsche auszusprechen.
Den Hauptinhalt des sehr elegant abgefassten Schriftchens bildet
die Uebersetzung der Veröffentlichung R. Koch's vom 13. 11. 1890,
514 Schutzimpfung, künsÜ. Infektionskrankheiten, Entwickelnngshemmimg etc.
der Verhandlungen der Berliner freien chirurgischen Vereinigung
vom 16. 11. 1890 und des Berichts von O. Fraentzell und Rank-
witz. Eine kurze Biographie und ein sehr gut getroffenes Bildniss
Koch 's erhöht den Werth des Schriftchens.
Vorangeschickt sind kurze und doch erschöpfende Auseinander-
setzungen Qber die Natur der Tuberculose, die Symptome der Langen-,
Knochen- u. s. w. Tuberculose und des Lupus, über die Ansteckangs-
weise der Krankheit, die Morphologie und Biologie des Tuberkel-
bacillus und die experimentelle Tuberculose. Werthvoll ist besonders,
dass die von einer zu diesem Zwecke eingesetzten Kommission der
Akademie der Medicin verfassten prophylaktischen Sätze im Wort-
laut zum Abdrucke gelangen. Ferner werden der Koch'scben Ver-
öffentlichung noch die bekannten Mittheilungen von Grancher and
Martin sowie von Rieh et und H6ricourt Ober die Behandlung
der Tuberculose mit Hundeblut, sowie Qber Impfung gegen Tuber-
culose vorangeschickt und die Natur der Virus und Vaccins im All-
gemeinen besprochen.
Eine kurze Mittheilung über die ersten Impfungen mit Tuber-
culin in Paris, vorgenommen von P6an und Gornil, eine Aensse-
rung des Missbehagens Qber die nicht vollsändige Freigabe des Mittels
(unter Hinweis auf das Verbot von Geheimmitteln durch den Code
Napoleon [I] ), und ein Drtheil über den Werth des Koch'scben
Heilverfahrens bilden den Beschluss des interessanten Schriftcbens.
Dieses Urtheil lautet natürlich reservirt, wie es alle Urtheile in jenen
ersten Wochen des Staunens und der Erregung hätten thun sollen.
Die Schrift L.'s bringt ebensowenig Neues, wie so viele andere
aus der Unzahl von Büchern und Broschüren, welche der Koc ti-
schen Veröffentlichung ihre Entstehung verdanken, aber sie verdient
tiefer gehängt zu werden, weil sie das Urtheil wiedergibt, welches
unsere Nachbarn jenseits des Rheins sich während und kurz nach
jenen denkwürdigen Novembertagen über die Arbeit unseres grossen
Forschers gebildet haben, hierin liegt sogar ein nicht geringer histo-
rischer Werth. M. Kirchner (Hannover).
Aberg,E.,De la curabilit6 de la phthisie pulmonaire et
de quelques autres maladies chroniques de la poi-
trine par l'eau d'une basse tempörature. 8°. 63 p»
Buenos-Aires 1890.
Das mit einem grossen Schwall von Worten abgefasste Schrift-
chen, das in einer hochtrabenden Einleitung dem Prof. A. V erneu il
gewidmet ist, enthält im Wesentlichen nichts weiter, als die fran-
zösische Uebersetzung eines 1880 in Stockholm gehaltenen Vortrages,
in dem A. als Heilmittel der Phthisis ein von ihm ersonnenes Wasser-
heilverfahren anpreist. Dasselbe besteht in drei Anwendungen (man
entschuldige das Kneipp 'sehe Wort, aber es drängt sich unwillkür-
lich auf), Waschungen, Uebergiessungen, beide mit Wasser von
0°, und Vollbäder von 7—13 ° R, die bis zu höchstens 2 Minuten
Dauer gegeben werden. Eine Reihe von Beobachtungen, welche die
günstige Wirkung dieser Behandlungsmethode bezeugen sollen, bilden
den Beschluss. Ein näheres Eingehen auf die Arbeit verbietet die
Richtung des „Centralblatts". M. Kirchner (Hannover).
kfinstl. Infektionskrankheiten, Entwiekelnngsfaemmang etc. (Jl{>
Enud and Hugounenq , Action de certaines couleurs
d'aniline sur le dövelopp emen t et la virulence de
quelques microbes. (Lyon m£d. 1891. No. 14.)
Behufs theoretischer Prüfung des von Stilling betreffs des
Pyoktanin and anderer Anilinfarben gemachten Angaben unternehmen
die Verft, ebenso wie früher schon Bachner für den Pneumobacillusr
neuerdings eine Prüfung des Verhaltens verschiedener Anilinfarben
gegen Milzbrand, Staphylococcus pyogenes aureus und den
Gonococcus. Sie kamen zu dem Schlüsse, dass unter den geprüften
Farbstoffen das Methylenblau und das Saffranin in sehr verdünnten
(2*/oo) Lösungen nicht so sehr das Wachsthum, als die Virulenz der
betreffenden Mikroorganismen schädigt, dass jedoch durch konzen-
triere Losungen oder längere Einwirkung verdünnterer auch das
Wachsthum derselben leide. Limb eck (Prag).
Zagarl, 6k, Sul meccanismo dell'attenuazione del virus-
rabico. (Oiorn. intern, delle scienze med. 1890. Fase. 17. p. 669.)
Der von Protopopoff (s. d. Centralbl. Bd. VI. p. 129) ge-
lieferte Nachweis, dass die Abschwächung des Wntbgiftes allein durch
die Einwirkung höherer Temperaturen bewerkstelligt werde, veran-
lassten Verf. zu eingebenden Untersuchungen über die Ursachen, welche
bei der Abschwächung des Wuthgiftes nach der Methode Pasteur's-
mitbeteiligt sein könnten.
Das Rückenmark von Kaninchen (256.-259. Passage) wurde bei
Luftzutritt im luftleeren Räume unter Kohlensäure und unter Sauer-
stoff, in 8terilisirten Reagenzröbrchen ohne und mit Aetzkali am
Boden derselben, dann in Glycerinbouillon und in sterilisirtem destil-
lirtem Wasser untergetaucht bei 35° und 20° G gebalten und von
Zeit zu Zeit an frische Kaninchen verimpft. Wir müssen es una
versagen, über die Einzelergebnisse der verschiedenen Versuchsreihen
ausführlicher zu berichten und beschränken uns auf die Wiedergabe
der Gesammtresultate.
Das fixe Wuthvirus wird, wenn es einfach bei freiem Luftzutritt
einer Temperatur von 35° G ausgesetzt bleibt, nach 50—52 Stunden
genügend abgeschwächt und dessen Virulenz nach 56 Stunden ver-
nichtet Bei der Hinzufügung von Aetzkali behufs Austrocknung unter
sonst gleicher Versuchsanordnung erlischt die Wirkungsfähigkeit des
Virus nahezu in derselben Zeit. Die raschere Austrocknung durch
Aetzkali trägt nicht oder doch nicht wesentlicher zur Attenuation des
Virus im Rückenmarke bei, als die spontane Austrocknung. Da die
Virulenz des Wuthgiftes in GlyceriDÜeischbrühe und in Wasser bei
einer Temperatur von 35° eine lange Zeit (118 Stunden) erhalten
bleibt, kann — entgegen Protopopoff — angenommen werden,
dass die Austrocknung an der Abschwächung und Zerstörung des
Giftes ebenfalls theilnimmt.
Im Vakuum bedarf es, um die Virulenz des Rückenmarkes auf-
zuheben, einer viel längeren Zeit, als bei freiem Luftzutritt Während
das Rückenmark in Berührung mit atmosphärischer Luft bei einfacher
oder mit Hilfe von Aetzkali bewerkstelligter Austrocknung seine Viru-
lenz nach 64 Stunden verloren hat, behält es sie im luftleeren Räume
giß Bakteriologisches vom VII. internaiioDalen Kongress sa London.
unter sonst gleichen Bedingungen 121 Stunden bei. Unter Glycerin-
bouillon und unter Wasser erlischt bei Luftzutritt die Virulenz des
Virus nach 118 — 125 Stunden, unter gleichen Umstanden im Vakuum
wird eine Abschwächung erst nach 192 Stunden beobachtet. Das
Virus konservirt seine Virulenz unter Kohlensäure eine noch länger?
Zeit als im Vakuum. Einfach getrocknetes Kückenmark unter Kohlen-
säure ist noch nach 168 Stunden virulent, während es im Vakuum
unter den gleichen Bedingungen nach 144 Stunden alle Wirkungs-
fähigkeit eingebüsst hat. Das Rückenmark verliert unter Sauerstoff
bei 35° seine Virulenz in einer viel kürzeren Zeit, als bei freiem Luft-
zutritt.
Da das Wuthvirus seine Virulenz in trockenen Oefässen und bei
höherer Temperatur in Berührung mit Sauerstoff oder Luft in sehr
kurzer Zeit verliert, sie dagegen in feuchten Gefässen und bei niedriger
Temperatur im Vakuum oder unter Kohlensäure sehr lange konser-
virt, so geht hieraus hervor, dass die Abschwächung und fortschreitende
Vernichtung des Wuthgiftes im Rückenmark enge verbunden ist mit
einem Oxydationsprozesse, der durch Wärme und Aas-
trocknung begünstigt wird. Kräl (Prag).
Originalberichte Ober Kongresse.
Bakteriologisches vom VII. internationalen Kongress
für Hygiene und Demographie zn London,
10-— 17. August 1891,
(ForUeUung.)
Sektion für Bakteriologie.
Zur Unterscheidung der Gattungen könnte man als Kriterium die
Verschiedenheit des Wohnsitzes wählen. Einige Gattungen, z. &
Athene noctua, Alauda arvensis, haben 2— 3 Varietäten, die
mau nach der Schnelligkeit des Entwickelungscyklus, d. h. langsam, be-
schleunigt, schnell sowohl beim Menschen (Quartana, Tertiana, Quoti-
diana) als bei den Vögeln unterscheiden könnte.
Ist auch diese Klassifikation vielleicht nur eine provisorische, so
wird sie doch dazu dienen können, neu aufzufindende Hämoparasiten
zu klassifiziren, denn alles lässt darauf schliessen, dass diese Gruppe
endocellulärer Mikroorganismen mit dem weiteren Fortschritt der
Wissenschaft stetig wachsen wird.
Prof. Crookshank, London, beglückwünschte Prof. Laveran
zu seinem glänzenden Vortrage und stimmte ihm bei in der Annahme,
dass die Malaria wahrscheinlich die Wirkung der thierischen Parasiten
sei ; der Augenschein spräche dafür, dass die von L a v e r a n beschriebe-
nen Körper die Ursache seien, indessen dürfe man nicht vergessen,
dass sie auch in gesunden Thteren gefunden seien.
Bakteriologisches Tom VII. internftttonaleii Kongreu in London, Q\J
W. North, London, sagte, es sei nicht zweifelhaft, dass eigen»
thümliche Veränderungen im Malariablute zu sehen seien, aber er
könne nicht annehmen, dass die Malaria allein die Folge dieser Ver-
änderungen Bei. Das Plasmodium sei noch niemals in der Luft, der
Erde oder dem Wasser entdeckt worden, und auch die Impfung mit
zweifellosem Malariaboden noch niemals von Erfolg gewesen. Er meint»
die Malaria möchte einem höheren Organismus, als einem Bacillus im
Blute zuzuschreiben sein. Einfache chirurgische Operationen in tropi-
schen Gegenden würden oft von intermittirendem Fieber gefolgt. Er
dächte nicht, dass die Ursache ein parasitisches Wesen sei, vielmehr
sei dies die ununterbrochene Einwirkung gewisser klimatischer Ver-
hältnisse auf das wärmeregulirende Nervensystem.
Prof. Hueppe, Prag, stimmt in toto mit Laver an überein.
Anderson, Mauritius, wendete sich sehr energisch gegen die
Annahme, dass die Malaria klimatischen oder Kälteeinflüssen unter-
liege, und beschrieb, wie Mauritius zuerst mit Malaria infizirt wurde»
und wie die Infektion Schritt für Schritt verfolgt werden konnte von
dem zuerst infizirten Orte aus.
Nach einigen Worten Prof. Laveran's erhielt das Schlusswort
Prof. Celli, welcher bemerkte, dass er auf die genaue Geschichte
der Frage aus Zeitmangel nicht eingehen könne, abgesehen davon, dass
hier nicht der Ort dazu sei; jedoch verweise er Alle, die sich dafür
interessiren, auf das Studium der Quellen. Hier werde man finden,
dass die Geschichte von den Laver an' sehen Angaben bedeutend
abdeicht. •
Ihm kommt es nur darauf an, die Differenzen zwischen Laver an
ond der italienischen Schule in ein klares Licht zu stellen. Und
deshalb will er von den eigenen Worten eines französischen Autors,
des Dr. Doulet, Gebrauch machen, welcher kürzlich eine unpartei-
liche fitude critique (Paris, Henri Jouve, 1891), Sur Ätiologie du
paludisme veröffentlicht hat. Nachdem dieser auseinandergesetzt hat,
was er Theorie italienne, Systeme Marchiafava-Gelli nennt»
fahrt er S. 68 ff. fort:
On peut voir . . . que les idäes de Laveran et Celles de Mar-
chiafava et Celli sont loin de concorder. Ge qu'elles ont de
commun, c'est qu'elles portent sur des formes 6galement vues de part
et d'autre, savoir : formes libres dans le särum primitivement döerites
par Laver an: corps sph&iques avec ou sans flagelles, flagelles libres,
corps semi-lunaires, formes adbärentes ou incluses dans les
Wmaties, corps en rosace de Golgi.
Mais elles diff&rent en ce que les auteurs Italiens ont encore vu
ffautres formes: formes pigment6es k bord ondulä, formes pig-
ment6es dans les divers 6tats de d6sagr6gation jusqu'ä la formation
<ta jeunes corpuscules, formes non pigmentöes en voie de segmen-
tation dans de capillaires cäräbraux, par exemple.
Cependant, la diflförenee ne serait pas grande s'il ne s'y ajoutait
Qne Interpretation, aboutissant k des räsultats opposäs de part et
d'autre.
1° Pour Laveran, le parasite parfait, c'est lef lag eile libre.
Les corps sph&riques, petita ou grands, ne sont que des kystes»
gl 8 Bakteriologische» ▼om VIL internationalen Kongresi so London.
c'est-a-dire des sacs enfermant le parasite. Pour les auteurs Italiens,
des corps flagellte ne sont que des formes d6g6n6ratives, steriles,
nullement des kystes: les mouvements de ces flagelles ne sont que
des phänomönes agoniques.
2° Pour Laveran, le parasite n'est pas endo-globulai re,
tout au plus dans les premi&res phases de son döveloppement est-il
accolö aux hämaties, mais k F6tat parfait il s'en dätache pour vivre
d'une vie propre dans le särum.
3° Pour les auteurs italiens, le parasite estessentiellement
endo-globulaire: il natt et se d6veloppeä Fint^rieur du globale
rouge: s'il en sort avant la sporulation il est sterile. . . .
4° II est assez difficile de se faire une id6e sur l'opinion qu'i
Laveran du röle des corps en rosace de Golgi: dans tous les cas
ils ne sont pour lui que quelque cbose d'accessoire.
On voit au contraire, que les corps en rosace de Golgi sont le
pivot de la thäorie Italienne : ils reprdsentent la pbase de sporulation
des h6matozoaires k l'intärieur des globules rouges: La sporulation
est le critärium de la vie des parasites, et de leurs chances de nuire:
toutes les formes qui ne passent pas par la pbase des corps en rosace
sont steriles.
5° Le mode enfin de reproduction des hämatozoaires est different
suivant que Ton consulte les ouvrages de Laveran ou des Italiens.
Pour ces derniers nous venons de voir qu'ils n'admettent que la sporu-
lation endoglobulaire : on a vu que Laveran admettait la multipli-
cation des corps sphäriques, soit par la segmentation en trois oa
quattre 616ments semblables mais de volume moindre, soit par la
production de boules sarcodiques ä leur p6riph6rie.
6° Autant il est facile de trouver toutes les pbases successives
du cyclo ävolutif dans les ouvrages des auteurs Italiens präcitäs, autant
la chose semble malaisäe ä la lecture des oeuvres de Laveran.
Yoyons la chose de prös:
Quelle que soit la variätä d'h6matozoaires, on a pour les Italiens
les phases suivantes:
1° Gorpuscules sph6riques endoglobulaires d'abord non pigmenti;
2° puis pigmenti en devenant plus volumineux; 3° ils suivent alors
deux chemins diflterents: Les uns vont „sporuler" et les sporules |
deviennent libres dans le plasma. Les autres ne subissent pas la
sporulation, restent par consäquent steriles, mais continuent k grandir,
et tantöt deviennent libres dans le plasma (formes sph6riques flagell£es),
tantöt restent inclus dans les hämaties qui continuent k d6g6n£rer j
(corps en croissant).
On voit donc l'homogän&tä de la thäorie Italienne.
Prof. Celli schloss damit, dass er sich glücklich schätze, diese
Theorie jetzt von Allen, die sich mit der Malariaätiologie beschäftigen, j
trotz Laveran' s Widerspruch, anerkannt zu sehen.
Der Präsident hob in einem kurzen Schlusswort hervor, der
Augenschein spreche zu Gunsten von Prof. Laveran1 s werth vollem I
Vortrage. M. Kirchner (Hannover). I
Bakteriologische« ▼om VII. inlemAtionalen Kod gross su London. 619
Als zweiter Gegenstand der Tagesordnung folgte ein Vortrag von
Prof. Hueppe, Prag:
„Ueber asiatische Cholera und Untersuchungen über
den Kommabacillus".
Er beschrieb seine Kultivirung auf verschiedenen Nährböden und
sein Verhalten unter verschiedenen Bedingungen, wobei er auch auf
die von ihm angenommene Sporenbildung einging. Er zeigte dann,
dass die Gholerabacillen bei aerobem Wachsthum auf unsern gewöhn-
lichen Nährböden viel weniger Gift absondern, als man nach den
schweren Erscheinungen, die die Krankheit beim Menschen hervorruft,
erwarten sollte. Dies beruht seiner Ansicht nach darauf, dass die Cholera-
bacillen im menschlichen Darme ein anaerobes Leben fristen. Und diese
Ansicht führte ihn auf den Versuch, die Gholerabacillen auch künstlich
anaerob zu züchten. Dies gelang vorzüglich im frischen geschlossenen
Hühnerei, in dem sie nicht nur gut wachsen, sondern auch so be-
deutende Mengen von Gholeratoxin absondern, dass schon kleine Gaben
davon in kurzer Zeit für Versuchstiere tödtlich waren. Hueppe
glaubt durch diese Entdeckung ein sehr wichtiges Glied, das in der
Kette der Koch9 sehen Schlussfolgerungen noch fehlte, gegeben und
damit die ätiologische Bedeutung des Kommabacillus ausser Zweifel
gestellt zu haben.
Prof. Klein, London legte dem gegenüber dar, dass seine Er-
fahrungen mit Hueppe's Anschauungen nicht im Einklänge ständen.
Die Kommabacillen finden sich nicht immer in genügender Menge,
uiu die Krankheitserscheinungen erklären zu können, fehlen zuweilen
sogar gänzlich, wie sie z. B. Gunningham in 10 sehr sorgfältig
untersuchten Fällen von Cholera vermisst habe. Auch würden bei
Cholera nicht immer dieselben Bacillen gefunden. Gunningham habe
8 verschiedene Arten von Kommabacillen gezüchtet, die ihre Ver-
schiedenheiten in den weiterhin angelegten Kulturen bewahrt hätten.
Klein zeigte mikrophotographische Präparate derselben vermittelst
des Projektionsapparates. Die Verschiedenheiten in ihrem Wachsthum
seien auch bei Züchtung auf denselben Nährböden zu Tage getreten,
üie Plattenkulturen, die Schnelligkeit der Verflüssigung etc. seien
afferent. Endlich sind Kommabacillen auch in der Schleimhaut ge-
sander Affen und Meerschweinchen gefunden worden.
Prof. Max Gruber, Wien: So gross die Formenunterschiede sind,
welche die schönen Photogramme Gunningham9 s bei verschiedenen
Vibrionenkulturen nachweisen, so ist dadurch doch nicht bewiesen,
dass der Choleravibrio eine Mehrheit von Arten umfasse. Nur Die-
jenigen haben Ursache, in Verlegenheit zu sein, welche die Formkon-
stanz der Bakterien behaupten. Gerade die Vibrionen zeigen grosse
Variabilität der Form, wie Buchner und ich für den Koch' sehen
und den Fink ler- Prior' sehen Vibrio nachgewiesen haben; und
z*ar nicht nur in Kulturen verschiedenen Alters, sondern auch bei
verschiedenen Krankheitsfällen, Unterschiede, die sich durch sehr lange
Zeit bei fortgesetzter Kultur erhalten. Trotzdem lassen sich diese
verschiedenen Formen schliesslich in einander überführen. Hueppe's
Methode der Eikultur habe ich angewendet, in der Hauptsache mit
620 Nea* LHteratar.
demselben Resultat. In der That erzeugen die Choleravibrionen uoter
diesen Bedingungen reichlich Gift, und die mit der Einlasse infizirtec
Thiere gehen rasch zu Grunde. Hueppe hat meines Erachtens durch
diesen Nachweis der Abhängigkeit der Giftwirkung von Anaerobiose
einen wesentlichen Fortschritt in der Cholera- Aetiologie angebahnt.
Bezüglich der Isolirung und Natur der Gifte kann ich die Angaben
von Hueppe nicht ganz bestätigen; doch will ich hier darauf nicht
eingehen.
Dagegen möchte ich die Aufmerksamkeit der Versammlang auf
die Präparate hinlenken, welche ich ausgestellt habe und welche von
Meerschweinchen herrühren, die Hueppe' sehe Reinkultur ins Peri-
toneum erhalten hatten und in deren Körper die Choleravibriooen
während des Lebens des Thieres zu massenhafter Wucherung gelangt
sind. [Peritonealexsudat mit massenhaften Kommata, Sigmata und
Schrauben theils frei, theils in Phagocyten; Pleuraexsudat mit Vi-
brionen; Bauchwand bis ins Unterhautzellgewebe von den Vibrionen
nach Art der Anaerobiose durch wuchert; subkutanes Oedem mit Vi-
brionen; Schenkelmuskulatur ebenso; Zwerchfell, der ganzen Dicke
nach durchwuchert; Leber mit Wucherung von Vibrionen auf und im
serösen Ueberzuge und tief ins Parenchym hinein.] In diesen Falles
haben die Choleravibrionen parasitisch gelebt. Eine parasitische Fort-
züchtung von Thier" zu Thier gelingt aber nur in beschränktem Masse.
Mit dem Peritonäalexsudat des ersten Thieres konnte man ein zweites,
von diesem aus manchmal noch ein drittes Thier tödten. Weitere
Erfolge wurden niemals erzielt Offenbar muss gleichzeitig mit den
Vibrionen viel Gift einverleibt werden. Nur wenn durch das Gift
die Organe geschädigt sind, vermag der Vibrio darin zu wuchern. -
Hueppe hat bei seinen Versuchen von diesen Erscheinungen nichts
gesehen. Seine Thiere gingen rascher zu Grunde als meine, die nie
früher als 16 Stunden nach der Injektion starben. Vermuthlich röhrt
dies davon her, dass ich von Kulturen ausging, welche bereits durch
Jahre im Laboratorium fortgezüchtet waren und daher nicht mehr
volle Befähigung zur Gifterzeugung hatten.
(Fortsetzung folgt.)
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Originalberiohte über Kongresse.
Bakteriologisches vom VII. inter-
nationalen Kongress für Hygiene
und Demographie zu London,
10.— 17. August 1891. (Fortsetzung.)
Hueppe, Ueber asiatische Cholera und Un-
tersuchungen über den Kommabacilloj.
p. 619.
9«m Litteratur, p. 620.
Fromm&nntohe Buchdruck« rei (Hermann Pohl») in Jena*
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
Beb. M. Prot Dr. Lenciart nt Professor Dr. Loefller
In UJpzfe te GnlfrwaU
herausgegeben von
Dr. O. Uhlworm in CasseL
Verlag von Gustav Fischer In Jena.
X. Band« -o- Jena» ai. den November 1891. -o- No. 19«
Preis fftx den Band (M Hummern) 14 Mark.
Jährlich ericheinen swei Bftnde.
—Hl Zu besehen durch eile Buchhandlungen und Pottanstalten, g*-
Original -MlttheHungen.
Beitrag zur Aetiologie der katarrhalischen
Ohrentzündnngen.
Bakteriologische Beobachtungen
Ton
Dr. Amoldo Magglora, und Dr. Giuseppe Gradenlgo,
beaaftragtem Profeaeor der Hygiene beantragtem Professor der Ohrenheilkonde
an der k. Universität an Turin.
# Wir haben im verflossenen Jahre in einer Notiz 1) die Resultate
einer Reihe von Untersuchungen mitgetheilt, die wir in Fällen von
chronischer oder sklerosirender katarrhalischer Ohrentzündung zu
dem Zwecke veranstalteten, um festzustellen, ob diese Erkrankungs-
formen von pathogenen Mikroorganismen abhängig seien oder nicht
in den Schlussfolgerungen unserer Arbeit haben wir uns, nachdem
*h erkannten, dass wenigstens im trockenen Stadium der Ohrent-
zündung diese nicht von einer mit Hülfe der gegenwärtigen Unter-
*) CentralbUtt für Bakteriologie u. Paruitenk. Bd. VI1L 1890. S. 682.
^ 40
626 Maggiora und Qradenigo,
suchungsmittel nachweisbaren Infektion abhänge, zu der Annahme
geneigt erklärt, dass dieselbe im akuten und subakuten Stadium dod
von pathogenen Mikroorganismen abhängig sein könne, und wir hatte:
auf eine andere Reihe von Untersuchungen hingewiesen, die von ue
zur Entscheidung der Frage angestellt wurden.
Heute sind wir in der Lage, die von uns damals ausgesprochen
Hypothese zu beweisen.
Klinische Beobachtungen der neuesten Zeit haben ganz zweifellos
erwiesen , dass das Mittelohr in der grossen Mehrzahl der Fälle ia
Folge eines infektiösen Prozesses erkrankt, der sich ursprünglich m
der Nasen-Bachenhöhle abspielt und von hier durch die Eustachi-
sche Ohrtrompete hindurch auf die Trommelhöhle übergreift Bd
den akuten und subakuten Formen ist in der Nasen -Bachenhoh^
das Vorhandensein von entzündlichen Affektionen verschiedenen Chi-
rakters nachweisbar: Hypertrophie der Schleimhaut der Naset-
muscheln, Stenosis der Nasenschleimhaut, adenoide Vegetationen in
der Nasen-Rachenhöhle, Hypertrophie der Maudeln; bei den chroö-
sehen Formen lassen die Anamnese und die objektive Prüfung oft mü
aller Wahrscheinlichkeit auf ähnliche vorangegangene Krankheitspw
zesse schliessen: Narben in der Nasenhöhle, trockene RacbeneDtzüD
düng, Atrophie der Nasenmuscheln. Die Erkrankungen des Mittelohrs
können vom klinischen Standpunkte aus in zwei Hauptgruppen unter
schieden werden; und zwar ist der eine von diesen hauptsächlich
durch eiterige Sekretion mit schweren Symptomen lokaler und zu-
weilen auch allgemeiner entzündlicher Reaktion cbarakterisirt, des
andere hingegen zeichnet sich je nach den Stadien durch eiterig*
schleimige oder einfach schleimige Exsudation oder durch den Mangel
eines freien Exsudates aus. Die Symptome der entzündlichen Reaktion
sind in der zweiten Gruppe gewöhnlich leicht oder fehlen ganz und
die Kranken werden auf ihre Krankheit oft bloss durch die progressive
Abnahme ihrer Hörschärfe aufmerksam gemacht
Die bakteriologischen Untersuchungen verschiedener Autoren babes
mit Sicherheit festgestellt, dass die Erkrankungen der ersten Gruppt
infektiöser Natur seien und dass das spezifische Agens verschieden sein
kann; es handelt sich dabei bald um den Diplococcus von Fraen-
kel, bald um pyogene Staphylokokken oder um den Strepto-
coccus. Diese Formen sind entweder in reiner Kultur vorhanden
oder sie sind anderen Formen beigemischt.
Die Beobachtungen bezüglich der Aetiologie der zweiten Gruppe
von Ohrentzündungen sind nach unserem Dafürhalten noch an ZaW
sehr gering und auch unvollkommen.
Scheibe1) und wir *) erhielten negative Resultate; Kanthack3
hat in sieben Fällen von Exsudatansammlungen in der Trommelhöhle
das Vorhandensein von pathogenen Mikroorganismen (Staph. pyoge-
nes albus, Bacillus saprogenesRosenbach I, Diplococcus
pneumoniae) nachgewiesen, obgleich die Erkrankung nicht zoi
1) Zeitschrift f. Ohrenheilkunde. 1887.
2) Loc. dt.
8) Zeitschrift f. Ohrenheilkunde. VoL *XI. 1890. 8. iL
Beitrag rar Attlologi* dar katarrhalischon OtrentiÜndungen. 627
Eiterung führte. Die Ursache dieser Differenz in den Resultaten muss
wohl, nach unserer Meinung, darin gesucht werden, dass Scheibe
eher Fälle von einfacher Tubenstenose und nicht von wirklicher Mittel-
ohrentzündung untersuchte, dass wir uns hingegen, wie oben ange-
deutet wurde, im vorigen Jahre bloss mit rein chronischen Formen
beschäftigten, und schliesslich, dass Kant hack akute und subakute
Fälle vor sich hatte.
Die klinische Beobachtung erlaubte auch für diese Affektionen
eine infektiöse Ursache ähnlich derjenigen anzunehmen, die bei den
eiterigen Ohrentzündungen im Spiele ist. Hierfür sprechen die Fälle
von eiteriger Ohrentzündung, welche als Komplikation einer vorhan-
denen katarrhalischen Erkrankung auftreten, ferner das Vorhandensein
von Entzündungen, die der Symptomatologie nach eine Art vou Ueber-
gang zwischen den beiden oben aufgestellten Gruppen repräsentiren
und hauptsächlich die Erkrankungen der Nasen- Rachenhöhle, welche
als Grundlagen für beide Erkrankungsformen erkannt wurden. Es ist
wohl wahr, dass von verschiedenen Autoren auch in der Nasenhöhle
gesunder Leute pathogene Mikroorganismen, und zwar speziell pyogene
Formen — die eben öfters im Staube von Wohnungen vorkommen
— nachgewiesen wurden; es scheint uns aber, dass noch Niemand
ihrem wirklichen Werthe nach die Bedeutung zu schätzen ftusste,
welche die Anwesenheit solcher Keime in der Nasenhöhle für die
Aetiologie der Erkrankungen der eigentlichen Nasen-Rachenhöhle und
des Mittelohres haben könnte.
Nach diesen Betrachtungen lassen wir hier die Thatsachen folgen,
welche sich aus unseren neuen Untersuchungen ergeben. Es lassen
sich dieselben in 3 Kategorieen eintheilen:
a) Bakteriologische Prüfung des Sekrets der Nasenhöhle, der
Nasen- Rachenhöhle und der Eustachi 'sehen Ohrtrompete in Fällen
von akuter und subakuter katarrhalischer Mittelohrentzündung.
b) Prüfung des Sekrets der Nasenhöhle, der Eustachischen
Ohrtrompete und der Trommelhöhle, erhalten durch Paracenthese des
Trommelfells in Fällen von katarrh. Mittelohrentzündungen.
c) Prüfung des Sekrets von Wunden, welche konsekutiv nach
galvanischer Kauterisation der Nasenschleimhaut entstanden sind.
Die Untersuchungstechnik, welche wir bei Sammlung des Materials
anwendeten, war dieselbe, welche schon in unserer vorhergehenden
Arbeit1) angeführt wurde. Wir fügen nur hinzu, dass — wie es ja
selbstverständlich ist — die Asepsis der Instrumente für die Para-
centhese des Trommelfells mittels des Wasserdampfes und ohne Ge-
brauch von antiseptischen Mitteln chemischer Natur bewerkstelligt
wurde.
Kategorie A.
Erste Beobachtung.
Q., Giovanni, 44 J. alter Tischler. Seit vielen Jahren beiteht pro*
SresuTe Taubheit; beide Trommelfelle sind gerölhet, nioht zurückgezogen;
1) Loc cit S. 6*4.
40»
g28 Maggiora und Qradenigo,
die unteren Nasenmuscheln sind leioht hypertrophisch; chronische ka-
tarrhalische Nasen-Raohenentzündung vorhanden.
Nasensekret: S taphylocooeus pyogenes aureus; Micro*
cooous luteus; Mioroeoocus cinnabareus; Aspergilli
glaucus. Ohrtrompete: Staphy lococcus pyogenes aureus,
2 Kolonieen.
Zweite Beobachtung.
D. N., Luoia, 12 J. alt, 8chneiderin. litt seit ihrer frühesten Jugend
häufig an Schnupfen ; die Erscheinungen am Gehörorgane datiren seit Tier
Jahren und bestehen hauptsächlich in progressiver Taubheit und sub-
jektiven Geräuschen; bei der objektiven Prüfung sind Otitis media
katarr., hypertrophische Rhinitis und polypenartige Granulationen — die
hauptsächlich von der Sohleimhaut der mittleren und unteren Naseo-
muschel beider 8eiten herstammten — nachweisbar ; ferner ist reichliche
schleimig-eiterige Sekretion ohne Krustenbildung nachweisbar. Hörschärfe:
Linkes Ohr: Uhr 36/ß0o un^ De^ Kontakt; Flüstersprache, in der
Nähe. Hechtes Ohr: Uhr *6/öo0> Flüstersprache, in der Nähe.
Nasensekret: Staphy lococcus pyogenes albus; Saccha-
romyces roseus; Microoocous oandioans.
Ohrtrompete: Staphy lococcus pyogenes albus, 2 Kolonieea.
Miorococous oandioans.
Dritte Beobachtung.
F., Giovanna, 16 J. alt, Schneiderin. Leidet seit ihrer Kindheit an
Anginaanfällen von anscheinend kroupösem Charakter; im zwölften Lebens-
jahre hatte sie Abdominaltyphus, und seit zwei Jahren bestehen pro-
gressive Taubheit und subjektive Geräusche, ferner beträchtliche Hyper-
trophie der 8ohleimhaut der unteren Nasenmuscheln auf beiden Seiten,
Granulationen an der oberen Wand der Nasen-Bachenhöhle ; beide Trom-
melfelle sind geröthet und massig retrahirt P. ist seit mehr als zwei
Monaten in Behandlung, und zwar ist an ihr eine erhebliche Besserung
nachweisbar. Rechtes Ohr: Hörschärfe 60/$00; Flüstersprache auf
60 cm Entfernung. Linkes Ohr: Uhr 10/öoo> Flüstersprache, in der
Nähe.
Nase: Staphylooooous pyogenes albus; Staphylo coc-
ous cereus albus; Proteus vulgaris; Diplooooous oitreus
liquefaoiens; Miorococous fluidificans albus1), Oidium
albicans.
Ohrtrompete: Staphylooooous oereus albus, 2 Kolonieen;
Miorocooous fluidificans albus.
Yierte Beobachtung.
A., Tere9a, 10 J. alt, Schülerin. Leidet an reoidivirenden Otorrhöen
auf beiden Seiten. Es besteht gegenwärtig eine katarrhalische Mittel-
ohrentzündung beiderseits und starke Retraktion des Trommelfells. P.
leidet oft an Nasenblutung, an Angina lacunaris mit Fieber» und
1) Maggiora, Contribnto allo studio de! microfiti della pell« nmana normale.
(Gioroale della R. Societa Italiana dlgiene. 1889.)
Beitrag rar Ätiologie der katarrhalisehen Ohrentittndangen. 529
Copfsohm erzen. Die Hörsohärfe ist auf beiden Seiten über 5 Meter für
'lüstersprache. Die unteren Nasenmuscheln sind wenig entwickelt, nicht
erothet; es besteht chronische Bachenentzündung , die Tonsillen —
lamentlich aber die rechte — sind vergrössert.
Nase: Miorocooeus oandidus; Bacillus albus; Micro-
ooons roaeus; 8aroina lutea.
Ohrtrompete: 2 Kolonieen yon Miorooooous eandidus. Nichts
frthogenea.
Fünfte Beobaohtung.
T.v Bosa, 28 J. alte, wohlhabende Frau. Vor 8 Jahren hatte sie
tinige Monate lang Schnupfen, der dann chronisch worde ; leidet gegen-
wärtig an schweren fieberhaften katarrhalischen Angina-Anfällen, seit 6
fahren an beiderseitigen subjektiven Geräuschen. Es sind, abgesehen
ron einem gewissen Grade yon Hypertrophie der unteren Nasenmusoheln,
Keine namhaften Störungen in der Nasen-Bachenhöhle vorhanden; die
rrommelfelle sind opak und massig retrahirt. Uhr wird bloss bei Kon-
iakt gehört, Flüstersprache beiderseits auf 40 cm; die Prüfung des 8e-
bets der Nasenhöhle und der Ohrtrompete ergibt mit Bezug auf patho-
gne Formen negatives Besultat.
Seehste Beobaohtung.
B., Giooonda, 15 J. alt, Dienstmädchen. Links Taubheit seit unge-
fähr 6 Jahren, rechts angeblich seit wenigen Tagen; adenoide Vegeta-
tionen in der Nasen-Bachenhöhle, Hypertrophie der Schleimhaut an
beiden unteren Nasenmuscheln; rechterseits sind Zeichen einer subakuten
katarrhalischen Mittelohrentzündung vorhanden; ebenso, aber von ge-
ringerer Dauer, links, nebst namhafter Verminderung der Hörsohärfe.
Nichts Pathogenes.
Siebente Beobaohtung.
M., Giulia, 20 J. altes, wohlhabendes Frauenaimmer. Seit 6 Jahren
bestehen subjektive Geräusche an beiden Ohren; Hörsohärfe beiderseits
50 cm, für Flüstersprache.
Nase: 8taph yloooocue pyogenes albus; Bacillus
albus; Bacillus fluidificans parvus1); Miorooooous oan-
dioans; Miorooooous einnabareus; Saroina alba.
Ohrtrompete: 3 Kolonieen von Staphy lococcus pyogenes
ftlbas; Miorooooous eandioans.
Achte Beobachtung.
F., Giulio, 32 J. alt, Advokat. Leidet seit mehreren Jahren an
chronischem Schnupfen mit Asthmaanfällen, an Kopfsohmerien und sub-
jektiven Ohrgeräuschen. Die Hörsohärfe ist beiderseits leicht vermindert;
üe Trommelfelle sind retrahirt, nicht opak, Bachenschleimhaut stark ge-
rfthet Im Inhalte der Nasen-Baohenhöhle und der Ohrtrompete sind
*ur 8aprophyten vorhanden.
M Hagglora, loco citato.
g30 Maggiora and Gradsnlgo,
Nennte Beobachtung.
R., Giulio, Hörer der Mediain. Seit einigen Jahren Symptome von
subakuter katarrhalischer Mittelohrentzündung nnd katarrhalische Naaen-
Baohenentzündung vorhanden. Flüstersprache links 2 m, rechts 4 m.
Nase: Stsphy locooous pyogenes albus; Merismo-
paedia aurantiaoa *); Sarcina lutea; Bacillus fluorescens
putidus; Aspergillus glaucus.
Ohrtrompete: 3taphy loooocus pyogenes albus, 3 Kalo-
nieen; Bacillus fluorescens putidus, 2 Kolonieen.
Kategorie B.
Prüfung des Sekrets der Nase, des Inhalts der Ohrtrompete
und der Trommelhöhle«
Zehnte Beobachtung.
B., Margherita, 34 J. alt, Krankenwärterin, leidet an recidmrender
Angina tonsillaris; vergangenen Winter hatte sie Schmerzen am
linken Ohre, ohne Otorrböe; seit 20 Tagen bestehen solche reeuieraeita.
Gegenwärtig ist das Trommelfell rechts ein wenig geröthet, nicht per-
forirt (subakute katarrh. Mittelohrentzündung); Hörschärfe für Fluster-
spraohe beiderseits über 5 m; ei wurde die Paracenthese ausgeführt,
und es entleerte sich eine Schleimflocke, von weloher Kulturen bereitet
wurden ; naoh zwei Tagen klagte P. auch über Sehmensen auf der linken
Seite; das Trommelfell ist hier nicht geröthet; es wurde auoh hier die
Paracenthese gemacht und eine sterilisirte Platinschlinge in die Trommel-
höhle geleitet, um etwas von deren 8ekret aufzufangen.
Nase: Fast reine Kultur, reich an Staphylococcus pyo-
genes aureus.
Ohrtrompete. Bechtes Ohr, Trommelhöhle 8taphyloooeoQi
pyogenes aureus; eine Art von Bacillus subtilis.
Linkes Ohr. 8taphy lococcus pyogenes albus; Mioro-
cocous fluidifioans albus; Miorocoocus oandioans.
Elfte Beobachtung.
B., Giovanni, 32 J. alt, Mechaniker, leidet seit einigen Jahren
an progressiver Taubheit. Bei der funktionellen Hörprüfung bietet ex
Zeichen katarrh. Mittelohrentzündung und gleichzeitig von professioneller
Otitis interna. Beide Trommelfelle sind opak und leicht retrahirt
Es besteht katarrh. Nasen-Baohenentzündung mit bedeutender Hyper-
trophie der vorderen Enden der unteren Nasenmuscheln.
Sekret der Nasenhöhle: Staphyloooocus pyogenes aureus,
bloss 8 Kolonieen; eine Art von Bacillus subtilis, Mioroooc-
ous roseus; Miorococous citreus conglomeratus. — Drei
Kolonieen von Microooccus oitreus oonglomeratus.
Linksseitige Trommelhöhle: Eine Kolonie von Miorocoocne
oitreus oonglomeratus; zwei Kolonieen von Miorococous
fluidifioans albus.
X) Maggiora, loc dt
Beitrag aar Aetsologie der katarrhalischen Ohrentsündungen. ß31
Zwölfte Beobachtung.
B., Anna, 23 J. alt, Modistin. Leidet oft an fieberhafter Angina
tonsillaris. Es besteht katarrh. Nasen - Rachenentzündung mit Hyper-
trophie der Nasenmuscheln in ihrem unteren Abschnitte; ungefähr seit
einer Woche klagt sie über Taubheit und Schmerzen am rechten Ohre ;
Trommelfell retrahirt» leicht geröthet, sein hinteres Segment erscheint
gelblich in Folge katarrh. Exsadatansammlung in der Trommelhöhle.
Nase: Staphyloco eous pyogenes aureus; Mioroooc-
ous fluidifioans albus; Bacillus epidermidis; Proteus
vulgaris; Bacillus fluidifioans parvus.
Ohrtrompete : Zwei Kolonieen von Staphylooooous pyog.
aureus; Bacillus fluidifioans parrus.
Trommelhöhle: Staphylooooous pyogenes aureus.
Dreisehnte Beobachtung.
F., Angelo, 18 J. alt, Täschner, klagt über Taubheit seit einigen
Jahren ; gegenwärtig besteht katarrh. Nasen-Bachenentzündung ; die Ton-
sillen und die unteren Nasenmuscheln sind hypertrophisirtf beide Trom-
melfelle leicht gelblich und nicht retrahirt. Uhr bloss rechts, bei Eon-
takt mit der Regio praeaurioularis, Flüstersprache auf gar keiner Seite
gehört; Konversationsspraohe in der Nähe links, reohts auf 1,50 m.
Bachen und Nase: 5 Kolonieen von Staphylooooous
pyogenes albus; Bacillus luteus putidus1); Mioroooocus
albus fluidifioans; Saooharomyoes roseus; Mioroooocus
oandicans; Muoor mucedo.
Ohrtrompete uud Trommelhöhle: 8taphy locoocus pyogenes
albus; Microoooous oandicans.
Kategorie G.
Prüfung des Sekret« von Wunden, die konsekutiv nach galvanokaustischer
Aetzung der Nasenschleimhaut entstanden sind.
Wir haben bei intrauasalen Operationen in Fällen von Nasen-
Rachenentzündung und katarrh. Ohreotzünduog beobachtet*), dass
sich die mit der kalten Schlinge und mit dem galvanokaustischen
Messer gemachten Wunden zuweilen durch Bildung von Pseudomem-
branen und eines eiterigen Exsudats kompliziren.
Diese Komplikationen können sich auch dann manifestiren, wenn
die Instrumente mit Sicherheit sterilisirt, und zuweilen auch dann,
wenn die zu operirende Region vor dem operativen Akte so gründ-
lich wie möglich desinfizirt wurde. Wir zitiren einige von unseren
Beobachtungen :
Pseudomembranen. Vierzehnte Beobachtung.
Pseudomembran von einem Mädchen, das mit ohronischer katarrh«
Nasen-Baehenentzündung behaftet war, 24 St nach der Operation :
1) Maggiora, loc. dt.
2) Maggiora und Gradenigu, Bakteriologische Beobachtungen Aber Kroupmem-
branen auf der Naeensehleimhaut nach galvanokaustitcben Aetiungen. (Centralbl. t
Baktex. a. Par. Bd. VIII. 8. 641.)
632 Magglora und Gradanigo,
Btaphyl ooocoug pyogenes albus; Baoillua fluidifi-
oibs parvus; eine Art yon Bacillus subtilis; Iticrocoecui
oandioans.
Fünfzehnte Beobaohtung.
Pseudomembran yon einer Frau mit trockener Ohr- und katarrh. |
Nasenentzündung : Staphylocoeeus pyogen es albus«
Sechzehnte Beobaohtung.
0. 0.f Hörer der Medizin. 8ubakute katarrh. llittelohr- und Nasen-
Raohenentzündung. Pseudomembran nach 24 8tunden: 8taphylo-
oooous pyogenes aureus in fast reiner Kultur.
Siebzehnte Beobaohtung.
Ausgedehnte Pseudomembran von einem 16 J. alten Mädchen mit
katarrh. Ohr- und Nasenentzündung, bei welchem der hintere Abschnitt
der rechten unteren Nasenmuschel galyanokaustisch geätzt wurde:
Btaphylooo ocus pyogenes aureus.
Purulentes Exsudat Achtzehnte Beobaohtung.
FräuL Irma M.9 32 J. alt, leidet an ohronisoher katarrh. Mittelobr-
und katarrh. Nasen-Baohenentzüudung. In Folge der galvanokaustischen
Zerstörung der hypertrophischen linken unteren Nasenmusohel entstand
trotz aller Massregeln eine mit diffuser Böthang verbundene Eiterung
der gesammten Nasenschleimhaut und eine leichte Tonsillitis mit 24 St
lang dauerndem Fieber yon 38,5°.
Die mikroskopische Prüfung des Eiters bot nichts Besonderes.
Bakteriologische Prüfung: Staphylo oooous pyogenes al-
bus in grosser Quantität Das Exsudat der Tonsillen prodasirt zahl-
reiche Kolonieen yon Bacillus fluorescens putidus und nur
wenige Kolonieen yon 8taphyiooooous pyogenes aureus.
Neunsehnte Beobaohtung.
C.v Bice, 87 J. alt Progressive Taubheit in Folge yon katarrh.
Mittelohr- und hypertrophischer Nasen-Rachenentzündung; nebst einer
beträchtlichen Verdickung der vorderen Enden der unteren Muscheln
bemerkt man links einen kleinen Polypen an der unteren MuscheL Die
Prüfung des Exsudats der durch galvanokaustische Aetzung entstandenes
Wunde in der Nasenhöhle liess zahlreiche Kolonieen von Staphylo-
oooous pyogenes albus erkennen.
Zwanzigste Beobaohtung.
G., Antoniette, 42 J. alt Chronische katarrh. Mittelohr- und Nasen-
Baohenentzündung ; intranasale galvanokaustisohe Aetzung. Es entstand
rechts eine lakunäre Tonsillitis, eiteriges Wundsekret Vom Exsudate
der Nasenhöhle und der Tonsille wurden Kulturen gemacht: 8ta-
phylooooous pyogenes albus; Proteus vulgaris; Saccha-
romyoes roseus.
Es geht aus den mitgetheilten Beobachtungen hervor, dass wir
16 mal UDter 20 Fällen in der Nasen-Rachenhöhle oder im Mittelohr
Beilrag *ur Aetiologie der katarrhalischen Ohrentiflndungen. 633
die Existenz von pathogenen Formen nachweisen konnten, und zwar
in der Kategorie A einmal Staphylococcus pyogenes aureus,
viermal Staphylococcus pyogenes albus; in der Kategorie B
dreimal Staphylococcus pyogenes aureus, einmal albus;
in der Kategorie C fünfmal Staphylococcus pyogenes albus,
zweimal aureus. Nur in 4 Fällen der Kategorie A konnten mit
Agar- und Gelatinekulturen keine pathogenen, sondern nur saprophyte
Formen isolirt werden. Wenn wir jene vier Beobachtungen, in wel-
chen keine pathogene Form demonsthrt werden konnte, in Augen-
schein nehmen, dann ergibt sich, dass es sich in einer derselben, und
zwar in der fünften, um eine relativ alte Mittelohrentzündung han-
delte, wo das Mittelohr und die Nasenhöhle eher die Spureu voraus-
gegangener entzündlicher Prozesse, als solche, die noch im Gange
waren, zeigten. Dieser Fall würde deshalb eine Uebergangsform
von der trockenen zu der akuten und subakuten Otitis repräsentiren.
Verschieden ist — unserer Meinung nach — die Ursache des
negativen Befundes in den Beobachtungen 4, 6 und 8, die sich auf
Personen beziehen, bei welchen der Krankheitsprozess der Nase und
der Ohren noch in der subakuten Periode war, d. h. durch Hyperämie,
Hypertrophie und reichliches Nasensekret sich auszeichnete. Wir
heben die vierte Beobachtung hervor und diese mag für alle anderen
gelten. Sie betrifft ein Mädchen von 10 Jahren, bei welchem man
wegen des Auftretens von Otorrhöe, von fieberhafter Angina ton-
sillaris, kurz von akuten Symptomen die Existenz von pathogenen
Keimen in der Nasen-Bachen-Trommelhöhle naturgemäß erwarten
musBte. Es erscheint uns bei Erwägung solcher Fälle richtiger, statt
den infektiösen Charakter der erwähnten drei Beobachtungen zu
leugnen, anzunehmen, dass die pathogenen Keime in den bezüglichen
Räumen in so kleiner Menge vorhanden waren, dass sie bakteriologisch
nicht nachgewiesen werden konnten. Und wir müssen ihre Anwesen-
heit umsomehr zugeben, als wir nachwiesen, dass, wenn durch irgend
einen Umstand — traumatische, rheumatische Ursachen, allgemeine
infektiöse Krankheiten des Organismus — der Ernährungszustand der
Schleimhaut roodifizirt wird, sich nicht schwer akute Prozesse ein-
stellen, in welchen die bakteriologische Prüfung des Nasensekrets fast
eine reine Kultur der oben erwähnten Mikroorganismen ergibt.
Ein Beispiel dieser Eventualität finden wir in den angeführten
Iufektionen, welche die lokal ausgeführten Operationen kompliziren
köonen. Derartige Komplikationen kommen in der Praxis bei solchen
Personen, deren Nasenschleimhaut gesund ist, nicht vor. Wir haben
gesehen, dass sich in Folge einer Infektion von intranasalen Wunden
zuweilen eine fibrinöse Pseudomembran, andere Male wirklicher Eiter
sich bildet; es gelang uns nicht, eine Differenz des infizirenden Mikro-
organismus in diesen Fällen nachzuweisen, und wir köunen uns des-
halb nicht mit Sicherheit über die Ursachen aussprechen, welche die
beiden Arten von Exsudaten zu Staude bringen.
Bedeutend seltener betreffen die erwähnten Komplikationen die
acciden teilen Traumen und die operativen Akte am Trommelfelle.
Obgleich bei Personen mit katarrh. Nasen- und Ohrentzündungen
auch in der Trommelhöhle pathogene Keime vorkommen können, ohne
634 Maggiora a. Grade nigo, Aetiologie der katarrh. Ohrentaündungeo.
dass auch nach längerer Zeit eine intensive lokale Reaktion entstände,
so lehrt doch die Erfahrung, dass Traumen und mehr oder weniger
schwere operative Akte am Trommelfelle gewöhnlich keine akuten
Entzündungen hervorrufen, wenn das Eindringen von neuen Keimes
von aussen her behindert wird1). Es könnte diese Thatsache nad
unserem Dafürhalten von der sehr geringen Zahl von Keimen, welche
in der Trommelhöhle vorhanden sind, und vielleicht auch von einer
partiellen und temporären Abschwächung derselben abhängen; auch
dürfte man nicht den Einfiuss der anatomischen und physiologisches
Verhältnisse der Gegend ganz in Abrede stellen.
Das Wiederakutwerden der Infektion in subakuten Fällen kaso
durch den Gebrauch von irritirenden, wenn auch antiseptisch wirken-
den Substanzen erfolgen, wenn diese nach dem operativen Akte an-
gewendet werden. Diese verändern die Schleimhaut durch Modifi-
kation ihres Substrats in der Weise, dass sie zu geeignetem Nähr-
boden der wenigen in ihr existirenden Keime wird.
Dass die Anwendung von antiseptischen Mitteln irritirend wirken
und die Entstehung einer Entzündung des Mittelohres — die mm
vermeiden will — verursachen könne, kann uns nicht Wunder nehmen,
wenn wir der äusserst zarten Struktur der Trommelhöhlenschleimhaut
den zahlreichen Falten derselben Rechnung tragen, welche den all-
seitigen Kontakt mit den desinfizirenden Lösungen sehr erschweren
und deshalb die Antisepsis zu einer unvollständigen machen.
Aehnliches kann man auch an der Nasenschleimhaut bei Anwen-
dung zu energischer antiseptischer Mittel beobachten.
Aus den mitgetheilten Beobachtungen geht das interessante, schon
im Beginne dieser Arbeit angedeutete Faktum hervor, dass die klinisch
berechtigte Eintheilung der Mittelohrentzündungen in eiterige w\
katarrhalische vom bakteriologischen Standpunkte aus nicht gerecht-
fertigt ist, weil beide Arten von Erkrankungen von denselben patho»
genen Mikroorganismen bedingt zu werden pflegen. Die Erscheinung,
dass das Exsudat in einem Falle katarrhalisch, in einem anderen
eiterig ist, hängt wohl von Differenzen im Zustande des Substrats
und von der individuellen Konstitution ab.
Es ist leicht einzusehen, dass es schwer ist, die Richtigkeit dieser
Hypothese mit Exaktheit zu beweisen ; aus der pathologischen Be-
obachtung jedoch können zu Gunsten derselben einige Beweisgründe
angeführt werden.
Es kommen in der That Uebergangsformen vor, in welchen ro*6
nicht zu entscheiden vermag, ob es sich um eiterige oder akute
katarrhalische Ohrentzündung handelt, und welche für die Ansicht w
1) Zauf al hat die Anwesenheit einer sehr kleinen Zahl von saprophrten K«aw8
in der Trommelhöhle des Kaninchens unter normalen Verhältnissen nachgewies«
Dieser Autor, obgleich er die Notwendigkeit der Bekräftigung seiner Experiment« *>fi
anderer Seite her einsah, ist geneigt anzunehmen, dass der Mechanismus der Ohrtrom-
pete wohl den Uebertritt einer grossen Quantität von Keimen, die gewöhnlich in dir
Nasenhöhle vorhanden sind, in die Trommelhöhle za verhindern vermag, aber ^f
dazu aasreicht, nm das Eindringen einer gewissen Zahl derselben ganz unmöglich |3
machen. Wenn es erlaubt wäre, diese Meinung als Kriterium zur Aufstellung «*
Analogie zu verwenden, dann konnte man dieselben Schlussfolgerungen für den Meo*1*
und die pathogenen Mikroorganismen formuliren.
Martlnotti and Tedeschi, Ueber die Wirkungen der Inokulation etc. 635
sprechen scheinen, dass die Mittelohrentzündungen im Allgemeinen
ein gemeinsames infizirendes Agens zur Grundlage haben. Anderer-
seits ist im ersten Stadium einer ganz akuten Otitis oft schwer zu
entscheiden, ob diese eine eiterige oder katarrhalische Form an-
nehmen wird.
Man kann ausserdem aus unseren Untersuchungen schliessen,
welch eine grosse Bedeutung für die Verhütung und Behandlung der
katarrhalischen Mittelohrentzündung eine zweckmässig modifizirte anti-
septische Methode, wobei eine überflüssige Reizung der Schleimhäute
vermieden wird, haben könne, und schliesslich geht aus denselben
die Notwendigkeit einer ärztlichen Hülfe in den ersten Stadien der
Krankheit hervor.
Turin, 29J9. 1891.
Untersnchungen über die Wirkungen der Inokulation
des Milzbrandes in die Nervenzentra.
[Anatomisch-pathologisches Institut der Eönigl. Universität Siena.]
Von
Prof. CtioYanni Martlnotti und Dr. Alessandro Tedeschi.
(Schiaas.)
Experiment 156. Am 14. Juli 1891.
Man inokulirt ein Kaninchen und ein Meerschweinchen ins Gehirn
mit derselben Milzbrandkultur in Fleischbrühe. Das Kaninchen wiegt
ein Kilo, und stirbt nach 14 Stunden; das Meerschweinchen wiegt 400 g
und stirbt naoh 16 Stunden.
Man nimmt die betreffenden Gehirne und macht mit kaltem Wasser
eine Emulsion daraus, filtrirt sie durch das Filter Ton Ghamberland
and injizirt die des Kaninchens unter die Haut eines andern Kaninchens
von 1110 g und in das Gehirn zweier andern von 830 und 2800 g,
und die des Meerschweinchens unter diu Haut von einem ebensolchen
Ton 320 g und in das Gehirn eines andern von 665 g.
Das unter die Haut injizirte Kaninchen und Meerschweinchen er-
litten keine Störung; das in das Gehirn injizirte Meerschweinchen und
eines der betreffenden Kaninchen starben, dieses in 3 Stunden, jenes
in 10. Das zweite ins Hirn injizirte Kaninchen war sehr kräftig und
blieb am Leben , nachdem es Symptome dargeboten* hatte , wie bei
den verstorbenen Thieren. Diese letzteren vorfielen sogleich nach der
Operation in einen Zustand von starker Abgeschlagen hei t, worauf tonische
und klonische Krämpfe, gezwungene Zusammenziehungen und Streckungen,
besonders der Hinterbeine und Beugungen und Drehungen des Kopfes
naoh links folgten. Wir bemerken ausdrücklich, dass während der Ope-
ration jede Narkose vermieden worden war.
Bei der Sektion dieser Thiere konnte man sich vergewissern, dass
die Verletzungen des Gehirns so gering waren, als das Experiment
irgend erlaubte, dass keine Verletzungen von grössern Gefässen vor-
636 Ifartiaotti und Tedescki,
banden waren. Eine Maus, welcher eine geringe Menge der filtrirten
Emulsion aus dem Gehirn des Kaninchens injisirt wurde, starb nach
36 Stunden mit einem akuten Milztumor, der keine Bacillen enthielt
Eine andere mit dem Ältrirtem Extrakte de» Meenchweinohengehins
injizirte Maus blieb am Leben.
Experiment 202.
Man nimmt das Gehirn des Hundes, welcher zu Experiment 154
gedient hatte. Sobald das Thier todt ist, macht man daraus eine wisse-
rige Emulsion, filtrirt sie durch den Apparat von Chamberland
und injizirt von der filtrirten Flüssigkeit 1,5 oem in das Gehirn eines
Hundes yon 3,600 g Gewicht und 3 ccm in das Gehirn eines andern
Hundes von 11 kg.
Das erste Thier zeigt nichts Besonderes, das zweite ist sehr abge-
schlagen und wird yon Krämpfen befallen, ist aber am folgenden Tage
wieder ganz hergestellt.
Nach diesen Versuchen kann ee also scheinen, dass in einem
direkt mit Milzbrand inokulirten Gehirn sich eine Substanz yon ge-
ringer toxischer Kraft bildet, weil sie, unter die Haut eingeführt and
also langsamer aufgesaugt und nach und nach ausgeschieden, nur
auf kleine Thiere eine Wirkung ausübt, während sie, unmittelbar ins
Gehirn gebracht, starke giftige Eigenschaften zeigt, besonders gegen
weniger starke Thiere.
Es blieb noch übrig, zu untersuchen, ob diese Substanz iahig
ist, den Verlauf der Milzbrandinfektion, unabhängig von ihrer direk-
ten Wirkung auf das Gehirn, zu erschweren, und dieser Zweifel ent-
stand aus der Beobachtung, dass direkt inokulirte Gehirne, wenn
sie unter die Haut eines gesunden Thieres eingebracht werden, eine
viel stärkere virulente Wirkung äussern, als das gewöhnliche Milz-
brandvirus. Deswegen stellten wir das folgende Experiment an:
Experiment 161.
Am 15. Juli 1891 nimmt man ein Meerschweinchen, 665 g schwer,
und injizirt ihm eine Milzbrandkultur ins Gehirn.
Das Thier stirbt naoh 11 Stunden.
Mit dem Gehirn desselben macht man eine Emulsion in destillirtevi
Wasser, welche dann durch das Chamber lau d'sche Filter aterilisirt
wird. Von dieser sterilen Flüssigkeit injisirt man ungefähr 2 ccm unter
die Haut eines 280 g wiegenden Meerschweinchens, welchem zugleich
an einem andern Körpertheile ungefähr 1/8 ccm Milzbrandkultur in
Fleischbrühe unter die Haut gespritzt wird. Mit derselben Kultur in-
fizirt man durch Unterhautinjektion zwei andere Meerschweinchen, von
denen das eine, 240 g schwere, gesund war, das andere, vom Gewicht
von 290 g, ungefähr 12 Stunden vorher einer intraoerebralen Einspritzung
von ud geführ 1/8 ccm destillirten, sterilisirten Wassers erhalten hatte
Bei der Operation hatte man genau ebenso verfahren, wie bei den in-
traoerehralen Injektionen mit den andern Substanzen.
Das erste Meerschweinchen starb nach 22 Stunden, das zweite nach
89 8tunden, das dritte nach 46 Stunden ; alle drei mit den Zeichen der
typischen Milzbrandinfektion.
Ueber die Wirkungen der Inokulation des Milzbrände* in die Nei venzentra. 637
Diesen Versuch bestätigt das oben Gesagte, dass nämlich die
Hirnwunde den Verlauf der Infektion nicht erschwert, wenigstens
wenn man nicht annehmen will, dass die dem Gehirn 12 Stunden
vorher zugefügte Verwundung keine Spur zurückgelassen habe.
Vor allem scheint es uns, dass derselbe die Richtigkeit des
Zweifels begründet, welcher in uns aufgestiegen war, nämlich dass
die Gegenwart eines Stoffes, welcher sich durch die Entwickelung des
Milzbrandes in den Nerrenzentren bildet, im Thierkörper den Verlauf
der Milzbrandinfektion schwerer macht. Dies scheiut auch durch die
folgenden Experimente bestätigt zu werden.
Es scheint durch ältere UnterBuchungen von Eberth und
Frisch, sowie durch neuere und genauere von G. Frank1) be-
wiesen zu sein, dass die in die vordere Augenkammer des Kanin-
chens und Meerschweinchens eingebrachten Milzbrandbacillen keine
allgemeine Infektion hervorbringen. Von diesem Faktum ausgehend,
schreiten wir zu folgendem Experimente:
Experiment 176.
Um 4 Uhr Nachmittags am 15. Juli 1891 injizirt man unter die
Haut eines Kaninchens von 1100 g ungefähr 4 com einer duroh das
Chamberland'sohe Filter sterilisirten wässerigen Emulsion von dem
Gehirn eines direkt ins Gehirn mit einer Milzbrandreinkultur in Fleisch-
brühe inokulirten Kaninchens, welches in weniger als 14 Stunden an
Milzbrandiufektion gestorben war.
Das Thier erfährt keine Schädigung.
Um 5 Uhr Nachmittags am 17« Juli injizirt man ihm in die reohte
vordere Augenkammer drei Tropfen einer Beinkultur von Milzbrand in
Fleischbrühe vermittelst einer feinen sterilisirten Röhre nach allen
Regeln dar Asepsis, und ohne die Iris oder die Giliarfortsätze zu verletzen.
Das Thier stirbt um 1 Uhr Nachmittags des folgenden Tags an
allgemeiner Milzbrandinfektion.
Experiment 187.
Um 7 Uhr Abends am 15. Juli 1891 injizirt man unter die Haut
eines Meerschweinchens von 320 g Oewioht 4 ocm von der wässerigen,
durch das Filter von Ohamberland sterilisirten Emulsion des Ge-
hirns eines Meersohweinoheus vom Gewicht von 400 g, welchem ins Ge-
hirn eine Beinkultur von Milzbrand inokulirt und nach 16 8tunden
gestorben war. Das Meerschweinchen scheint keine Wirkung zu spüren.
Um 5 Uhr Nachmittags am 18. Juli injizirt man in die rechte, vordere
Augenkammer nach derselben Verfahrungsweiae, wie im vorigen Expe-
rimente wenig mehr als einen Tropfen einer Reinkultur von Milzbrand
in Fleischbrühe. Um 6 Uhr am folgenden Morgen findet man das Thier
todt an allgemeiner Milzbrandaffektion.
Es war natürlich, dass in uns der Gedanke aufstieg, diese toxi-
sche Substanz bilde sich auch durch das Wachsthum des Milzbrandes in
dem dem Thiere entnommenen Gehirn. Daher schreiten wir zu fol-
gendem Experimente:
1) G. Frank, üeber den Untergang der Milzbrandbacillen im Thierkörper. (Cen-
tralblatt Ar Bakteriologie u. Paraaitenk. Bd. IV. 1888. Ko. 88, 84).
63$ Martinotti und Tedeschi,
Experiment 168.
Unter die Haut eines Kaninchens wird Milzbrandkultur in Fleisch-
brühe eingespritzt. D&s Thier stirbt an Milzbrand nach 68 Standen.
Man entnimmt mit aller Vorsieht das Gehirn, die Milz und einig«
Stücken vom Muskelgewebe, bringt diese Theile in ebenso rielen P e t r i-
sohen Zellen in die Wärmekammer bei 38° 0. Nach 24 Stunden ennd
diese Organe ebensoviel Heinkultaren yon Milzbrand.
Mit einem Stück dieser Organe inokulirt man unter die Haut drei
Kaninohen von derselben Grösse und Farbe.
Das mit Gehirn inokulirte stirbt nach 41 Stunden am Milzbrand
das mit dem Muskel nach 53 8tunden, das dritte lebt heute noeh
(nach 15 Tagen).
Mit den übrig gebliebenen Theilen der Organe macht man eine
Emulsion, filtrirt und injizirt sie ins Gehirn yon drei Kaninchen, welche
alle die unmittelbare Wirkung der Verwundung empfinden, nämlich Ab-
geschlagenheit und einige leichte konvulsive Bewegungen, aber diese Er-
scheinungen sind am deutlichsten bei demjenigen ausgesprochen, welche«
die Hirninjektion erhalten hatte, besonders durch auffallende tonisch«
und klonische Krämpfe. Nach einigen Stunden erholen sich die Thiere
fast vollständig.
Experiment 169.
Man injizirt unter die Haut zweier Meerschweinchen ungefähr
0,7 com einer Milzbrandkultur in Fleischbrühe. Die Meerschweinchen
starben nach 36 und 39 Stunden. Von jedem von beiden entnimmt
man das Gehirn, die Milz und ein Muskelstück und setzt diese in Petri-
sohe Zellen bei 38° C an. Naoh 24 8tunden sind diese Organe eben-
soviel Reinkulturen von Milzbrandbaoillen.
Man macht aus ihnen filtrirte Emulsionen und injizirt davon in die
Gehirne von drei Meerschweinchen. Diese zeigen die bekannten, vom
Trauma abhängenden Wirkungen der endooerebralen Injektion, und das
mit dem Gehirn inokulirte sehr heftige Zusammenziehuniren» tonisehe
und klonische Krämpfe, Streckung der Hinterbeine, dann Goma mit be-
schleunigter oberflächlicher Athmung und Neigung zur Manegebewegung.
Nach ungefähr einer halben Stunde fangt das Thier an, sieh zu regen,
bleibt aber noch sehr matt.
Man nimmt die Organe des andern Meerschweinchens und inokulirt
damit drei Meerschweinchen unter die Haut Das mit dem Gehirn in-
okulirte stirbt in 30 8 tun den, das mit dem Muskel in 36 ßtunden, dss
mit der Milz nach 51 Stunden.
Experiment 204.
Man nimmt mit aller Vorsicht das Gehirn des Kaninchens (175),
welches an gleichzeitiger Inokulation einer sterilisirten Emulsion von
Milzbrandgehirn und Milzbrandkultur in Fleischbrühe gestorben war,
bringt es in ein Glasgefäss und lässt es 24 Stunden lang in der
Wärmekammer bei 38° C.
Dann injizirt man davon einen kleinen Theil unter die Kaut einer
Mus deoumanus, welche naoh 29 8tunden an Milzbrand stirbt.
Mit dem Ueberrest des Gehirns maoht man eine wässerige Emulsion,
welche durch den Chamberland'schen Apparat filtrirt wird. Yon
Ueber die Wirkungen dar InokoUtion des Milsbrandes in die NervenMotra. Q39
lieser Flüssigkeit injiiirt man eine massige Menge (über 1 com) in das
lehint einer Ratte, welche dadurch nicht geschädigt wird.
Von der naoh 29 Stunden gestorbenen Hatte entnimmt man
itückchen vom Gehirn und den Muskeln und bringt sie unter die Haut
on drei Hatten. Die mit dem Gehirn inokuürte stirbt naoh 24 Stall-
en am Milzbrand, die beiden andern bleiben am Leben.
Diese Experimente beweisen, dass auch in dem der Lebensthätig-
;eit entzogenen Gehirne sich die Substanz bildet, von welcher oben
lie Rede war, während sie sich in den andern Organen nicht bildet,
n denen sogar der Milzbrand sich abzuschwächen scheint.
Aber könnte das Gehirn nicht auch, abgesehen von der Gegen-
wart des Milzbrandbacillus, Stoffe enthalten, welche fähig wären, die
Widerstandskraft des Organismus zu schwächen?
Um diesen Zweifel zu beseitigen, versuchen wir folgendes Expe-
riment:
Experiment 235.
Einem Kaninchen von einem Gewicht von 1270 g injizirtman ins Gehirn
ungefähr 2 oem einer wässerigen, duroh Filtriren sterilisirteu Emulsion
von dem Gehirn eines gesunden Kaninchens. Das Thier zeigt sich zu
Anfang ein wenig matt, erhält sich dann aber vollständig.
Man konnte den Verdacht hegen, die schädliche Substanz bilde
sich im Gehirne nach dem Tode durch freiwillige Zersetzung der
Nervensubstanz, um so mehr, da dasselbe bei thierischer Wärme ge-
halten wurde. Zur Prüfung dieser Idee stellten wir folgendes Ex-
periment an:
Experiment 286.
Man nimmt einem gesunden Kaninehen das Gehirn und bringt es
mit aller aseptischen Vorsicht in eine sterilisirte Glaskapsel, welohe 24
Standen lang bei der konstanten Temperatur von 38° erhalten wird.
Bann macht man daraus eine Emulsion auf die gewohnte Weise, filtrirt
sie und injizirt davon ungefähr 2 oom in das Gehirn eines Kaninchens
von einem Gewichte von 1150 g.
Das Thier erleidet keinen Sohaden.
Aus dem Zusammenhange dieser Experimente scheint uns her-
vorzugehen, dass während der Entwickelung des Milzbrandes im Ge-
hirn, sei diese lebend oder vom Körper getrennt, eine Substanz
entsteht von nicht sehr bedeutender toxischer Kraft, welche aber,
wenn sie sich im Körper anhäuft, den Verlauf der Milzbrandinfektion
zu erschweren vermag, wie es die Versuche beweisen, in denen wir
unter die Haut des Thieres sterilisirte wässerige Emulsionen von
Milzbrandgehirn und zugleich in andere Theile des Körpers, immer
unter die Haut, Milzbrandvirus einbrachten, wobei die Thiere schneller
zu Grunde gingen, als nach einfacher Inokulation desselben Virus
unter die Haut.
Wenn wir nach der etwaigen Natur dieser Substanz fragen, so
^ermuthen wir, ohne eine Behauptung aussprechen zu wollen, dass
sie Cholin sein könne.
Wir wissen aus den Untersuchungen Brieger's und Anderer,
$40 Martinottl und Tedescbl,
dass dies eine in Wasser leicht lösliche, wenig giftige1) Substanz
ist, welche leicht durch Zersetzung des Lecithins entsteht, woran
das Gehirn reich ist*), und welches in der Reihe der Ptomalne zu-
erst auftritt, welche während der Fäulniss s) oder unter dem Einfloss
von Mikroorganismen entstehen. Seine toxische Wirkung nähert sich
der des Neurins4).
Die Entwicklung der Milzbrandbacillen im Gehirn würde die
Entstehung dieser Substanz hervorrufen, welche durch ihre Anhäufung
eine Vergiftung des Gentralnervensystems hervorriefe, and diese Ver-
giftung wäre im Stande, die Widerstandskraft des Organismus gegen
die Infektion herabzusetzen.
Andererseits aber zeigen die klinische Beobachtung und das Ex-
periment deutlich, dass jede Verminderung der Th&tigkeit der Ner-
venzentren den Verlauf der Krankheitsprozesse im Allgemeinen und
der infektiven insbesondere zu erschweren vermag6).
Wir wollen nicht leugnen, dass auch das Oedem der Gehirnsub-
stanz, die Hyperämie der Meningen, der durch das Exsudat nnd die
schnelle Vermehrung der Bacillen ausgeübte Druck dazu beitragen
können, die Depression der Nerventhätigkeit zu vermehren, aber ab-
gesehen davon, dass diese Symptome verhältnissmässig spät auftreten
und nicht immer mit der Schwere der Infektion im Verhältniss stehen,
so haben wir die Resultate der andern Experimente, wo wir unter
die Haut Theile von Milzbrandgehirnen, oder ihre nicht sterilisirten
Emulsionen, oder sterilisirte Emulsionen von Milzbrandgehinien unter
die Haut gespritzt und gleichzeitig Milzbrandkulturen inokulirt hatten,
und viel heftigere Wirkungen eintraten, als bei Inokulation des ge-
wöhnlichen Milzbrandvirus.
Wir haben bisher von dem üppigen Wachsthum der Milzbrand-
bacillen in den Nervenzentren gesprochen, und man begreift diese
Thatsache sehr leicht bei Thieren, welche für Milzbrand sehr empfäng-
lich sind, wie Kaninchen und Meerschweinchen. Aber man kann für
Hund und Ratten einige Zweifel hegen, weil sie für unempfänglich
oder wenigstens sehr widerstandsfähig gegen Milzbrandinfektion gelten.
Aber man muss bedenken, dass die Immunität eine sehr relative
Erscheinung ist, und weniger von der Thierspezies, als von der Art
der Einführung des infizirenden Stoffes, von der Menge des Virus,
von dem Zustande des Thieres u. s. w. abhängt.
Die Hunde sind im Allgemeinen sehr widerstandsfähig gegen
Milzbrand, besonders wenn er durch die Haut eingebracht wird ; nur
durch Einspritzung grösserer Mengen von Kultur in das Blut
1) Brieger, Uober Ptomaine. Theil h pg. 58.
2) Brieger, ebenda, pg. 68.
8) Ist die vitale Kraft des Menschen erloschen, so löst sich am ehesten Lecithin,
dieser so komplex gebaute Körper, in seine Komponenten auf: ein Faktum, das bei der
bedeutenden Fragilität dieses Körpers au erwarten stand ..... Jedenfalls ist es
merkwürdig, das« in den von dem eigentlichen Zersetsungsvorgange sehr wenig oder gar
nicht betroffenen Organen das Choliu einsig und allein nachweisbar war. Brieger,
1. c. Tbeil II. pg. 83, 84.
4) Brieger, 1. c. Theil I. p. 88, 89.
6) 8awtschenko hat geseigt, dass Tauben nach Durehschneidung deaBfickea-
mark« dem Milabraud leichter erliegen. (Centralblatt für Bakteriologie. Bd. IX. 1891.
No. 14 u. 18.)
Martin otti und Tedescbi, Ueber die Wirkungen dar Inokulation etc. 641
var es bisher gelangen, und nicht ohne Mühe, die Milzbrandinfektion
terorzubrinpen.
Aach Mas decumanus, obgleich nicht ganz widerstandsfähig
wie man Anfangs glaubte), zeigt einen hohen Grad von Widerstand
;egen Milzbrand. Doch soll es Frank gelungen sein, diese Infek-
ioo durch Einspritzung von Milzbrandvirus in die Bauchhöhle her-
orzabringen; in Wahrheit aber erlauben die nur an drei Thieren
tngestelHen Versuche dieses Forschers keine bestimmten Schlosse ').
Aber es gibt eine Besonderheit, welche nach unserer Meinung
licht genug in Betracht gezogen worden ist, dass nämlich sowohl
>eim Hunde, wie bei der Ratte sehr oft eine sehr bedeutende Ver-
mehrung der Bacillen an der Stelle der Impfung eintritt, während
iann auf dieses Stadium selten die allgemeine Infektion des Organis-
mus folgt1).
Hier machen wir darauf aufmerksam, dass die intensive Bacillen-
vennehrung, welche wir besonders in den Hirnventrikeln, im Central-
kanale des Rückenmarks, in den Lymphscheiden der Geftsse, in den
Lymphr&umen der Nervensubstanz beobachten, zu der Annahme
fahren, die Milzbrandbacillen fänden einen ihnen sehr günstigen Nähr-
boden in den darin enthaltenen Flüssigkeiten, oder auch in der Hirn-
Rückenmarksfiflssigkeit, welche nicht eine serftse Ausschwitzung dar-
stellt, sondern eine besondere Flüssigkeit, welche vielleicht von den
als Drüsen funktionirenden Plexus choroidei abgesondert wird3) und
aach eine besondere chemische Zusammensetzung besitzt4).
Es ist glaubhaft, dass die Milzbrandbacillen in der Cerebrospinal-
flüssigkeit der für gewöhnlich widerstandsfähigen Thiere einen gün-
stigen und bei den empfänglichen einen ausserordentlich günstigen
Boden für ihre Vermehrung finden. Durch ihre stürmische Vermeh-
rung veranlassen dieselben in den Nervenzentren die Entstehung und
Anhäufung von Substanzen, welche als Gifte auf die wichtigsten Or-
gane wirken, aus denen sie entsprungen sind und so die Entwickelung
der allgemeinen Infektion möglich machen und beschleunigen.
Dies scheint der gerechtfertigtste Schluss zu sein, den man aus
unsern Experimenten ziehen kann. Wir bekennen jedoch, dass wir
durch die gegenwärtige Arbeit zunächst die Thatsachen haben bekannt
machen wollen, welche wir gefunden haben, und welche uns werth schie-
nen, den Forschern bekannt zu werden ; was die Erklärung betrifft, die
wir zu geben versucht haben, so sagen wir gerne mit dem Dichter:
. . . . Si quid novisti rectius istis,
Candidas imperti; si non, bis utere mecum.
Hör. Epist I. 6.
Siena, den 15. August 1891.
1) G. Frank, Ueber den Untergang der Milsbrandbacillen im Körper der weissen
Btton. (Centrslblstt für Bakteriologie u. Parasitenkunde. Bd. VIII. 1890. pg. 298.)
2) Diese Tbatsaebe wurde von Frank (1. o.) bei der Hatte festgestellt, und wir
Konnten sie mehrmals bei diesem Thiere sowie beim Hunde bestätigen.
8) Obersteiner, Anleitung beim Studium des Baues der Centralorgane. Wien
18**. p. 388.
4)Hammar9ten. Lehrbuch der physiologischen Chemie. Wiesbaden 1891.
W 104.
642 Mikroorganismen der Eiterung.
Referate.
Levy, E., Ueber die Mikroorganismen der Eiterung.
Ihre Spezifität, Virulenz, ihre diagnostische und
prognostische Bedeutung. (Archiv f. exper. Pathol. und
Pharmakol. Bd. XXIX. 1891. Heft 1/2.)
Verf. hatte in einer mehrjährigen Thätigkeit als Assistent der
Strassburger medizinischen und chirurgischen Klinik Gelegenheit,
zahlreiche Fälle von Eiterungen, entzündlichen Prozessen u. s. w.
bakteriologisch zu untersuchen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen
— zum kleineren Theil bereits froher veröffentlicht — bilden den
Gegenstand der vorliegenden Arbeit
Zunächst bespricht Verf. die pyogenen Kokken. Am häu-
figsten unter allen Eiterungserregern fand er den Staph y lococcus
pyogenes albus (in Panaritien, Abscessen, bei Osteomyelitiden, Oti-
tiden, Empyemen u. s. w.). Die Ansicht einzelner Autoren, daß
derStaph. pyogenes albus weniger bösartig sei, alsderaureas,
vermag der Verf. nicht zu theilen. In vier Fällen von Pyäxnie und
Puerperalfieber konnte er den Staph. albus im Blute der lebenden
Patienten nachweisen. In neun Fällen von Eiterung fand er den
Staph. pyog. cereus alb. (Passet), darunter achtmal in
Reinkultur.
Den FraenkeTschen Diplococcus fand Verf. u.a. auch in se-
rösen metapneumonischen Exsudaten, ferner in drei Fällen von Con-
junctivitis crouposa. Den Micrococcus tetragenus erhielt
Verf. einmal aus einer Eiterung des Processus mastoid. nach Otitis
media, in Gemeinschaft mit Staphyl. pyogenes albus.
Unter den pyogenen Bacillen führt Verf. an erster Stelle
den Typhusbacillus an; eigene Beobachtungen über die — bekannt-
lich noch von vielen Autoren für fraglich erachtete — pyogene Wirkung
desselben stehen ihm nicht zu Gebote. Ferner erwähnt er u. a. einen von
ihm schon früher (Centralbl. f. klin. Med. 1890. No. 4) beschriebenen Ba-
cillus, den er bei einem Fall von Otitis media nach Cholesteatom
sowohl aus dem Sekret des Mittelohrs als auch aus dem Eiter des
Proc. mastoid. und aus dem Blute intra vitam erhielt Dieser Bacil-
lus bewirkte bei Kaninchen, in das Auge eingebracht, heftige Iritis,
später Vereiterung des Glaskörpers.
Weiterhin bespricht Verf. u. a. auch das Bacterium coli
commune als Eiterungserreger; er fand dasselbe zweimal bei Patien-
ten mit eingeklemmten, gangränösen Hernien, die beide in Folge von
Peritonitis und Bronchopneumonie starben, im Bruchwasser, in den
peritonitischen Belägen und in den bronchopneumonischen Herden.
Einmal fand er denselben Bacillus bei einer Lymphangoitis des Ar-
mes, einmal in einem Leberabscess. Im Anschluss hieran wird der
Naunyn'sche Bacillus erwähnt (vergl. Referat in diesem Centralbl.
Bd. X. S. 92).
Eiterung. — Septische Erkrankungen. §43
Zweimal fand Verf. in gashaltigen A bscessen ana&robe pyogene
Bacillen; einen derselben, welcher zu den fakultativen Anaeroben ge-
hört, hat Verf. näher, auch bezgl. der von ihm gebildeten Oase, un-
tersucht Derselbe erwies sich als pathogen, z. Th. auch pyogen für
weisse Mäuse und für Meerschweinchen.
An den speziellen Theil seiner Arbeit, aus welchem wir hier nur
einige Punkte hervorheben konnten, schüesst der Verf. noch allgemeine
Betrachtungen Aber die Spezifität der Eiterungserreger sowie über
ihre Bedeutung für Diagnose und Prognose. Nach seiner Ansicht
hat die A r t der Mikroorganismen, ob Staphylokokken, Streptokokken,
Pneumokokken, ob Bacillen, auf die Symptomatologie der betr. Eite-
rung, auf ihre Dauer, auf die Beschaffenheit des Eiters keinen Ein-
floss. So wendet er sich u. a. auch gegen die von Zaufal, Netter
und Moos vertretene Anschauung, dass das Auffinden von Strepto-
coccus pyog. bei Otitis media eine ungünstigere Prognose bedinge,
als der Nachweis des Fraenkel'schen Pneumococcus; ebenso
verwirft er die Ansicht Nett er 's, dass Pneumokokken-Empyeme eine
besonders günstige Prognose böten und durch einfache Punktion geheilt
werden könnten. „Die Prognose des Prozesses, dessen Ursache in einem
Mikroorganismus zu suchen ist, hängt ab von dessen Virulenz ; und der
Virulenzgrad der pathogenen, in Besonderheit der pyogenen Mikro-
organismen ist ausserordentlichem Wechsel unterworfen/4 Dies lässt
sich durch das Thierexperiment beweisen : Die Mikroorganismen ein
und derselben Art, welche von leichten, gutartigen Eiterungen stam-
men, entfalten auch bei den Versuchstbieren ungleich schwächere Wir-
kungen, als die aus Fällen schwerer Pyhämie gezüchteten. Jedoch
können auch die weniger virulenten Mikroorganismen dadurch, dass
man sie durch den thierischen Organismus hindurchführt, auf einen
höheren Grad der Virulenz gebracht werden.
R. Stern (Breslau).
Denutg, Adolf, üeber septische Erkrankungen mit be-
sonderer Berücksichtigung der kryptogenetischen
Septikopyämie. 213 p. Mit 3 farbigen Tafeln u. 11 Kurven.
Leipzig 1891.
Verf. beschäftigt sich vorwiegend mit derjenigen Gruppe sep-
tischer Erkrankungen, welche zuerst von Leube (1878) als „krypto-
genetische Septikopyämie" bezeichnet und in den letzten Jahren be-
sonders von Jürgensen — dessen Assistent Verf. ist — näher
8tudirt wurde. Die Abhandlung ist naturgemäss vorwiegend klinischen
Inhalts: In einer historischen Einleitung wird die Entwickelung des
Krankheitsbegriffs, alsdann eine Darstellung des Krankheitsbildes in
seinen vielgestaltigen Formen gegeben; zahlreiche charakteristische,
z. Th. sehr ausführliche Krankengeschichten (meist aus der Tübinger
medizinischen Poliklinik stammend) sind in die Darstellung eingefügt.
Intra vitam wurde mehrfach versucht, aus den sich öfters bei sep-
tischen Prozessen bildenden Hauthämorrhagieen Mikroorganismen zu
züchten, jedoch mit negativem Erfolge. Post mortem fanden sich in
den bei der Sektion gefundenen Eiterherden, öfters auch in den
ttavebssäften der inneren Organe, verschiedene Mikroorganismen,
41»
$44 BaptisdM Erkrankungen.
meist Streptokokken; näher, bes. durch das Thierexperiment, scheinen
dieselben nicht untersucht worden zu sein.
In dem Kapitel: „Diagnose14 bespricht Verf. im Einzelnen die
bekanntlich oft recht schwierige Differentialdiagnose zwischen sep-
tischen Prozessen unbekannten Ursprungs und einer ganzen Reihe
anderer Infektionskrankheiten. Manche, namentlich die leichteren
Formen der kryptogenetischen Septikopyämie, haben mit dem akuten
Gelenkrheumatismus grosse Aehnlichkeit; ja, Verf. ist der Ansicht,
dass „sicher eine nicht unerhebliche Zahl von Fällen gewöhnlich als
akuter Gelenkrheumatismus diagnostirt wird, welche wir jetzt nach
unseren Untersuchungen als septische Erkrankungen glauben bezeichnen
zu mfls8enu. Verf. stellt dann noch die Hypothesen auf, dass die
so häufig den akuten Gelenkrheumatismus komplizirenden Erkrankungen
des Herzens, bei denen bekanntlich die Salicyls&ure unwirksam bleibt,
deshalb vielleicht stets durch Eiterkokken bedingt wären, ebenso
wie diejenigen Falle von Gelenkrheumatismus, welche durch Salicyl-
säure nicht gebessert würden. Eine andere Begründung, als eben
die Unwirksamkeit der Salicylsäure vermag Verf. für diese etwas
weitgehenden Vermuthungen nicht beizubringen. Nach Ansicht des
Ref. wäre es von Wichtigkeit, bei Fällen von kryptogenetischer
Septikopyämie zu untersuchen, ob und wie oft sich Eitererreger im
zirkulirenden Blute des Kranken — die ja bei anderweitigen
pyämischen Prozessen schon mehrfach nachgewiesen sind — auf-
finden lassen. Hierüber erfahren wir leider aus dem Buche des Verf.'s
nichts. Dies wäre auch der Weg, auf welchem die eben erwähnten
Hypothesen des Verf.'s bezüglich ihres Werthes untersucht werden
könnten.
Weiterhin bespricht Verf. der Reihe nach die Differentialdiagnose
zwischen Sepsis einerseits, Tuberculose, Pneumonie, Influenza, Erysipel,
Scarlatina, Variola, Typhus abdominalis und Malaria andererseits.
Bei der Diagnose des Typhus gedenkt Verf. der bakteriologischen
Untersuchung nicht, und doch kann gerade diese in zweifelhaften
Fällen äusserst werthvoll sein. So konnte z. B. Ref. erst kürzlich
bei einem auf der Breslauer medizinischen Klinik beobachteten Falle,
bei welchem die Differential-Diagnose zwischen Typhus abdominalis
und kryptogenetischer Septikämie grosse Schwierigkeiten bot, die
Diagnose Typhus dadurch intra vitam sicherstellen, dass es ihm
gelang, aus dem Roseola- Blut — nach dem Vorgange von Ne ti-
li auss — Typhus-Bacillen zu züchten. (Die Diagnose wurde später
durch die Autopsie bestätigt) — Ferner wäre erwähnenswerth ge-
wesen, dass für die Diagnose der Malaria das Vorhandensein oder
Fehlen von Plasmodien im Blute von Ausschlag gebender Bedeutung ist.
Im Ganzen bietet die Monographie des Verf.'s eine fleissige und
sorgfältige Zusammenstellung des vorliegenden klinischen Materials
und kann Jedem, der sich hierüber näher unterrichten will, warm
empfohlen werden.
Die beigegebenen farbigen Tafeln, welche verschiedene, im Laufe
septischer Erkrankungen auftretende Hautaffektionen darstellen, sind
sehr gut ausgeführt R. Stern (Breslau).
Diphtherie. Q45
Wassermann und Prookauer: Überdie von den Diphtherie-
bacillen erzeugten Toxalbumine. (Dtsch. med. Wochen-
sehr. 1891. No. 17.)
Zur Darstellung der Toxalbumine der Diphtheriebacillen bedien-
ten sich die Verff. der Methode von B rieger und Fraenkel:
3 1 einer ganz schwach alkalischen, durch Kitasato'sche Ker-
zen filtrirten Bouillonkultur wurden im Vacuum bei 27—30° C
bis auf f/s eingeengt, dann mit der lOfachen Menge eines schwach
mit Essig angesäuerten absoluten Alkohols versetzt. Der Mieder-
schlag wurde so oft in Wasser gelöst und mit Alkohol gefällt, bis
seine Lösung klar blieb; nachdem letztere dann 3mal 24 Stunden
dialysirt war, wurde der Niederschlag nochmals durch Alkohol
ausgefällt und demnächst getrocknet.
Die Verff. machten bei diesem Verfahren die Beobachtung, dass
ein Theil des Niederschlags sich in Alkohol löste, wenn dieser etwas
Wasser aus der Luft angezogen hatte, und dass dieser Theil des Nieder-
schlages, sobald er aus seiner Lösung mittelst absoluten Alkohols
wieder ausgefallt war, sich durch seine mehr gelbliche Farbe von
dem ursprünglichen weissen Niederschlag unterschied und daher wahr-
scheinlich einen besonderen Körper darstellte. Um diesen Körper
von vornherein zu trennen, änderten die Verfi. daher das bisherige
Verfahren. Zur Abspaltung der Peptone und Globuline wurde
die eingeengte Kulturbouillon 24 Stunden gegen destillirtes Wasser
dialysirt. Das klare Filtrat des Rückstandes wurde zunächst mit
60— 70prozentigem, durch Essig schwach angesäuerten Alkohol ver-
setzt und hierauf 24 Stunden später durch Filtration vom Nieder-
schlag abgezogen. Aus dem Filtrat liess sich dann ein zweiter Nie-
derschlag durch absoluten Alkohol ausfällen. Die beiden in Gestalt
der Niederschläge gewonnenen Substanzen wurden durch Behandlung
ihrer wässrigen Lösung mit Ammoniumsulfat, Lösung des Nie-
derschlags, Dialyse in strömendem Wasser bis zum Verschwinden
alles NUS und HXS, Ausfällen in absolutem Alkohol und Trocknen
bei 37° von allen Peptonresten gereinigt. Hierauf stellte sich der
durch verdünnten Alkohol ausfällbare Körper als feinkörniges, weisses,
der im verdünnten Alkohol lösliche als grobkörniges, gelbes bis brau-
nes Pulver dar. Beide Körper lösten sich leicht in Wasser und ga-
ben typische Eiweissreaktion. Die Elementaranalyse des weissen Kör-
pers gab fast genau dieselben Werthe für C, U, N, S und O, welche
schon Brieger und Fraenkel gefunden hatten.
Während der gelbe Körper für Thiere nicht giftig war, erwies
sich denselben die weisse Substanz in hohem Grade verderblich.
Ausgewachsene Kaninchen starben nach der Injektion von 10 mg in
3—4 Tagen ; bei Einverleibung geringerer Mengen des Körpers gingen
8ie erst nach längerem, bis 3 Monate währendem Siechthum zu Grunde.
Bei der Obduktion fanden sich jedesmal die für Diphtherie charak-
teristischen parenchymatöse Erkrankungen der inneren Organe und
serösen pleuritischen Ergüsse. Dagegen fehlten lokale Reizerschei-
nungen an der Impfstelle, wie hämorrhagisches Oedem, Pseudomem-
branen und dergl.
Die Verfi. haben dann ferner das Glycerinextrakt des Blutes und
g46 Diphtherie. — Tetanus
der inneren Organe von Thieren, welche an Diphtherieknlturen za
Grunde gegangen waren, in ähnlicher Weise wie die Bacillenkulturen
behandelt und dabei nur den weissen, nicht aber den gelben Körper
darzustellen vermocht. Die weisse Substanz, welche aus den Thier-
körpern gewonnen war, übertraf diejenige, welche aus der Bacilleo-
kultur stammte, weitaus an Giftigkeit; es genügte bereits weniger
als 1 mg davon, um die Thiere zu tödten. Allerdings ging dem
Tode der Thiere auch nach Aufnahme dieser Substanz erst ein kürzeres
oder längeres Siechthum voraus.
Eine Immunisirung von Versuchsthieren gegen Diphtherie durch
Injektion geringer Dosen der Substanz haben die Vera, nicht er-
reicht
Nach der Ansicht der Verf. sind die Toxalbumine nicht ohne
Weiteres als Eiweisskörper anzuerkennen; sie unterscheiden sich von
diesen dadurch, dass sie sich in Wasser leicht lösen und in der
Siedehitze nicht gefällt werden. Es wäre dagegen denkbar, dass die
Toxalbumine Mischsubstanzen darstellen, welche aus Albumosen und
den spezifischen Giftkörpern bestehen, und dass letztere bei der
Fällung der ersteren mit niedergerissen werden. Es spricht dafür die
Verschiedenheit der Giftwirkung des aus der Bouillon und des aus
dem Thierleibe hergestellten Toxalbumins und die Erscheinung, dass
die Toxalbumine durch geringfügige Eingriffe, wie Alkoholbehandlung
oder Einengen im Vacuum leicht ihre Giftwirkuug einbüssen, ohne
doch nachweisbaren chemischen Veränderungen dadurch zu unterliegen.
Kubier (Berlin).
Helnzelmann, Ueber die Verbreitung des Tetanus-
erregers in Fehlbodenfüllungen Münchener Häuser.
(Münchener med. Wochenschr. 1891. No. 10 u. 11.)
Unter der Leitung Emmerich's hatte der Verf. Untersuchungen
begonnen, durch welche er den Gehalt der Fehlböden an pathogenen
Bakterien prüfen wollte. Da die mit dem Inhalt der Fehlböden ge-
impften Versuchsthiere häufig an Tetanus zu Grunde gingen, be-
schränkte der Verf. seine Untersuchungen auf die Prüfung des Gehalts
der Fehlbödenfüllungen an Tetanuskeimen. Er ging dabei in der
Weise zu Werke, dass er das Probematerial an Ort und Stelle unter
den üblichen Vorsichtsmassregeln entnahm, nachdem die Dielen, be-
züglich die Parquetschichten unter seinen Augen vorsichtig etwas
emporgehoben waren, und berücksichtigte vorwiegend diejenigen
Stellen der Füllung, welche den Dielenritzen entsprachen. Später
wurden Theile des Materials in Bauchtaschen von Kaninchen und
Meerschweinchen verimpft; gingen die Thiere hierauf an Tetanus zu
Grunde, so wurde das Sekret der Impfstellen unter dem Mikroskop
sowie durch Kultur- und Uebertragungsversuche mittelst Anwendung
der Kitasato 'sehen Methode auf den Gehalt an Tetanuskeimen
geprüft.
Verf. untersuchte auf diese Weise 14 Fehlbodenfüllungen und
konnte in 9 derselben bestimmt die Tetanuskeime nachweisen.
Im Anschluss an die Mittheilung seiner Versuche bemüht sich
Verf., durch Berichte aus der Litteratur nachzuweisen, dass die
Bakfteriologisehes vom VII. internationalen Kongreu su London. 647
Tetanusbacillen zwar keineswegs überall, indessen doch sehr häufig
im Erdboden vorkommen, und dass die angesichts dieser Thatsache
merkwürdige Erscheinung eines seltenen Vorkommens der Krankheit
bisher nicht erklärt sei. Er sieht in den Fehlböden besonders
günstige Entwickelungsplätze für die Keime, weil in diesen einer-
seits die Behinderung des Sauerstoffzutritts, andererseits die Er-
wärmung durch Heizanlagen dem Wachsthum der Bacillen förderlich
sei Er fordert deshalb, dass das Fehlbodenmaterial frei von
organischen Bestandteilen und steril sein müsse, und dass Be-
deckung und Untergrund der Fehlböden einen keimdichten Ver-
schluss zu erhalten hätten. Kubier (Berlin).
Originalberichte Ober Kongresse.
Bakteriologisches vom VII. internationalen Kongress
für Hygiene nnd Demographie zu London,
10.— 17. August 1891.
(Forttetiung.)
Sektion fflr Bakteriologie.
Dr. Bruce, Netley, gelang es, Meerschweinchen durch Injektion
von Cholera-Reinkulturen zu tödten, während Ratten diesem Eingriffe
flicht erlagen. Die Ansicht Hueppe's, dass die Cholerabacillen
Sporen besitzen, kann Bruce nicht theilen. Er fand, dass die Komma-
bacillen im Innern von Eiern wohl gedeihen und darin länger lebens-
fähig bleiben als irgendwo anders. Er konnte feststellen, dass 5 ccm
dieser Eikultur Meerschweinchen in 40 Minuten tödten, einige Meer-
schweinchen gingen allerdings erst nach einigen Tagen zu Grunde.
Er fähre dies nur an, um zu zeigen, wie sich verschieden ausfallende
Experimente verschiedener Autoren erklären konnten. Er schloss mit
der Bemerkung, wie selten es sei, dass andere Forscher von den von
Koch veröffentlichten Experimenten abweichende Resultate erhielten.
Prof. Hueppe erwiderte, er habe die von Klein erwähnten
Punkte wohl beachtet, glaube aber, dass wir, wenn wir auch noch
mehr Klarheit haben mttssten, doch auf dem besten Wege zur Er-
kenntmss wären.
Klein betonte nochmals die Verschiedenheiten, die zwischen ver-
schiedenen Kulturen beständen.
Hierauf trug Prof. Miller- Berlin in englischer Sprache einen
vorzüglichen und mit grossem Beifall aufgenommenen Aufsatz über
das Thema: „The Mouth as a Focus of Infection" vor.
Er beschrieb die verschiedenen saprophytischen und parasitischen
Mikroorganismen, die im Munde zu finden sind, und ihre verschiedenen
Wirkungen, unter anderen die Mikrokokken in den Zahnkanälen, Lep-
tothrix, den Bacillus der Sputumseptikämie u. s, w., ging auf die aus
048 Bakteriologisch©» vom VII. internfttionaleii KongreM so London.
der Erkeontni88 von dem reichen Bakteriengehalt der Mundhöhle sich
ergebenden Schlussfolgerangen für eine rationelle, auf Antisepsis be-
ruhende Mundhygiene ein und zeigte eine grosse Anzahl von Mikro-
organismen vermittelst des Projektionsapparates.
Sehr zweckmässig schloss sich an den Vortrag Miller9 8 eine
Arbeit von Dr. Henry Sewrül, London über „dental Cariea", die
er auf Druck, Saure oder Mikroorganismen zurückführte. Die Bak-
terien der Zahncaries wurden gleichfalls in mikrophotographischen
Präparaten gezeigt.
Hierauf demonstrirte Prof. IL Graber, Wien eine neue pa-
thogene Mikrobienart „Micromyces Hoffmanni", welche
von dem verstorbenen G. von Hofmann-Wellenhof und Th.
von Genserin seinem Institute untersucht worden ist und grosse
Aehnlichkeit mit dem Actinomyces zeigt Sie bildet verzweigte Fäden
und Mycelien, die rasch in Bruchstücke von Stern- und Hirschgeweih-
gestalt zerfallen. Junge Fäden zeigen keine Bildung von Querscheide-
wänden. Nach Einstellung des Spitzenwachsthums schwellen die
Fadenenden kolbig an und können verkalken. Früchte oder Dauer-
formen wurden nicht beobachtet. Die Hyphen vertrugen das Aus-
trocknen gut, besonders wenn die Membranen stark entwickelt sind.
Das Mikrobium gedeiht am besten bei 37° G, nicht bei Zimmertem-
peratur, und auf zuckerhaltigen Nährböden, auf denen es Essigsäure
bildet. Anaärobiose ist möglich. Bei Kaninchen ruft es, subkutan
injizirt, eitrig-tibrinöse Bindegewebsentzündung mit Abscedirung her-
vor, doch endigt dieselbe in Heilung. Im Eiter finden sich häufig
Vegetationen, die völlig kleinen Actinomycesdrusen gleichen.
Sir J. Lister sprach seine Zustimmung und den Dank an Gru-
ber aus.
Dr. Allen Mm Fadyen, London ging in seinem Vortrage
„The behaviour of bacteria in the small intestine" auf
das Verhalten der Bakterien im Dünndarme ein, und legte dar, dass
sie alle ohne Ausnahme Alkali produzirten.
Prof. Crookshank: „On Streptococcus pyogenes" be-
schrieb einen neuen Mikroorganismus, den er in einer akuten Eiterung
gefunden, und der mit dem von Klein im Eiter bei Scharlach und
Diphtherie gefundenen grosse Aehnlichkeit habe.
Prof. Crookshank schloss an diese Mittheilung einen zweiten
kurzen Vortrag „On thequestion of the identity of Strepto-
coccus pyogenes with Streptococcus erysipelatosus"
an, in dem er die Unterschiede zwischen dem Str. pyog. des Men-
schen und demjenigen der Rinder zeigte und sich dahin aussprach,
dass der StnpyogenesdemStr. Erysipelatos zwar ähnlich, aber
mit demselben nicht identisch sei.
Es folgte eine Diskussion über den Krebs als Infektionskrankheit,
die durch einen Vortrag von Bailance , London, eröffnet wurde:
„Considerations printing to Cancer as an infective
disease". Er beschrieb Transplantationsversuche, die er zusammen
mit Shattock gemacht, uud die von Mensch zu Thier negativ, da-
gegen von Hund zu Hund positiv ausgefallen sind. Er ging auf die
geographische Verbreitung des Krebses ein, der besonders häufig längs
Bakteriologisches vom TU. internationalen Kongreai zu London. ß49
des Laufes von Flüssen vorkäme, welche über ihre Ufer zu treten
pflegten. Der Krebs habe in den letzten 5 Jahren bedeutend zage*
nommen. Nach Ansicht von B. and S. ist der Krebs eine durch einen
Mikroparasiten erzeugte Krankheit
Dr. Sheridan Deläpine, London trug im Anschluss daran
einen Vortrag über „Psorospermosis and its relation to
malignant epithelial tumoursu vor, den er durch Demon-
stration vorzüglicher Mikrophotogramme erläuterte. Psorospermien sind
am besten zu sehen bei einer malignen Leberkrankheit der Kaninchen,
aber ihre Züchtung ist noch nicht gelungen. Es sind eiförmig ge-
staltete Körperchen, die in ihrer Grösse schwanken. Der Beweis, dass
sie die Ursache des Krebses sind, konnte nicht erbracht werden, zu-
mal sie sich nicht überall und zu jeder Zeit finden.
Da die Zeit bereits zu weit vorgeschritten war, so musste auf
eine Reihe von Vorträgen, die noch auf die Tagesordnung gesetzt
waren, verzichtet werden. Doch mögen wenigstens die Themata ge-
nannt sein. Es waren das: „Investigation sur la nature
parasitaire du Cancer" von Prof. Duplay und Dr. Cazin,
Paris; „On bacterial necrosis of the liver" von Pro! D. J.
Hamilton, Aberdeen; „Sur l'infection h6morrhagique"
von Prof. V. Babes, Bukarest; und „The morphology of
Actinomyces" von Prof. Crookshank, London.
Zum Schluss der Sitzung wurde Herrn Pringle, welcher eine
grosse Anzahl der während der Vorträge demonstrirten Mikrophoto-
graphieen nach mikroskopischen Präparaten hergestellt hatte, seitens
der Versammlung lebhafte Anerkennung bezeugt
M. Kirchner (Hannover).
II. Sitzung vom 12. Aug. 1891.
Thema: Ueb er Immunität, deren natürliches Vorkommen
und künstliche Erzeugung.
Professor Roux, Institut Pasteur (offizieller Berichterstatter)
beginnt mit der Bemerkung, dass die Fortschritte in der vorliegen-
den Frage in den letzten Jahren alle ihren Ausgang von der Ent-
deckung der abgeschwächten Krankheitserreger und der Schutz-
impfungen genommen haben. Pasteur habe hauptsächlich 2 Me-
thoden zur Abschwächung angewendet: Die verlängerte Einwirkung
von Luft auf die Kulturen bei passender Temperatur, und ferner die
Passage durch andere Thierspezies. Zum gleichen Zweck hat man
ausserdem die Wirkung der Hitze, der Antiseptika, der komprimirten
Luft, der Austrocknung und des Sonnenlichtes angewendet, wobei
immer wesentlich bleibt, dass die Abschwächung langsam stattfinde,
da nur auf diese Weise eine erbliche Veränderung erzielt wird.
Ausserdem kennt man in neuerer Zeit auch eine sogen, ch e mische
Schutzimpfung durch die von dem betreffenden Krankheitserreger erzeug-
ten Produkte. Demnach beruht die immunisirende Wirkung einer Vegeta-
tion von abgeschwächten Krankheitserregern im Körper offenbar auf Bil-
dung der nämlichen Stoffe, die wir in den Kulturen in vitro antreffen.
Um letztere in ihrer Wirksamkeit zu erforschen und ihrer Natur
650 Bakteriologisch« vom VII. internationalen Koagress n London.
nach überhaupt kennen zu lernen, müssen die lebenden Mikroben
ausgeschlossen werden, was am besten durch Behandlung mit Senf-
geist geschieht, der die sporenfreien Bakterien rasch tödtet Letztere
Substanz ist chemisch inaktiv und kann nachher bei ihrer Flüchtig-
keit durch Evakuiren wieder aus der Lösung entfernt werden. In
der That gelingt es, mit Anthraxblut oder Milzpulpa, die mit Senf-
geist behandelt sind, Schafe und Kaninchen zu immunisiren ; ebenso
mit Milch und Blut von Kaninchen, die mit Pneumokokken infizirt
waren, andere Thiere gegen die gleiche Krankheit
Was die Natur der hierbei wirksamen Stoffe anbetrifft, so han-
delt es sich nicht um Ptomalne, ' sondern in der Mehrzahl der Fälle
um eiweissartige Körper, welche sich den Enzymen oder angeformten
Fermenten anreihen1).
Eine Kultur, die von lebenden Mikroben befreit ist, kann aber
nicht nur immunisirend wirken. In grösseren Dosen wirkt dieselbe
krankheitserregend und kann den Tod des Thieres zur Folge haben.
Sind nun die tödtenden Stoffe dieselben wie die immunisirenden?
Wenn dies nicht der Fall wftre, wie Bouchard vermuthet, so
wäre dies ein grosses Glück, da dann die immunisirenden von den
giftigen Substanzen getrennt und letztere allein angewendet werden
könnten.
Welches sind nun die Veränderungen, die ein empfängliches
Thier zu einem immunen umgestalten? Die Thatsache der chemischen
Schutzimpfung scheint jene Vorstellung zu unterstützen, wonach ge-
wisse Bakterienprodukte, die in den Geweben zurückbleiben, auf
spätere Vegetationen der gleichen Bakterienart hindernd einwirken.
Allein, da die AnthraxbaciJlen in der Vorderkammer des Auges eines
immunisirten Thieres sich kräftig entwickeln, — ohne dass allerdings
eine Generalisation möglich ist — so kann der Körper des immunen
Thieres nicht im Allgemeinen als ein für den spezifischen Krank-
heitserreger ungeeignetes Medium betrachtet werden.
Warum aber vermag sich der Anthraxbacillus im Körper nicht
weiter auszubreiten? Viele erblicken die Ursache in der schädigen-
den Wirkung gewisser Körpersäfte auf die Mikroben. Die Anthrax-
bacillen gehen in der That in grossen Mengen zu Grunde, wenn
man sie in defibrinirtes Kaninchenblut aussät, eine Wirkung, die nach
Buchner und Anderen auf das Serum zu beziehen ist Immerhin
gibt dies keine Erklärung für die Immunität, weil schon das Blut
der nicht-immunen Kaninchen die nämliche Eigenschaft besitzt
Behring und Nissen haben sogar einige Infektionsprozesse auf-
gefunden, in denen gerade das Serum immuner Thiere fast gar keine
schädigende Wirkung auf die betreffenden Infektionserreger ausübte,
während in andern Fällen allerdings eine Uebereinstimmung zwischen
immunem Zustand und bakterienfeindlicher Wirkung konstatirt wer-
den konnte. Letzteres war der Fall bei den gegen VibrioMetschni-
kovi immunisirten Meerschweinchen, deren Serum in hohem Grad
auf den genannten Infektionserreger wirkt, was beim Serum intakter
1) Nach C. Fraenkel ersengt im Gegensatse hierin das Diphtherie-Toxalbunin
kein« Immunität, wlfcrend die giftfreie, gekochte Kultur dies Yeraag. (Ann. d. Ref.).
Bakteriologisches vom VU. intarnationtion Kongreu su London* ß5J
hiere nicht der Fall ist. Man sollte denken, dass dieser Erfolg,
er in vitro so präcis eintritt, im Körper des refraktären Thieres
och schneller sich einstellen müsste. Allein Pfeiffer fand den
ibrio onter der Haut des immunen Thieres noch nach 90 Tagen
ibend, und Metschnikoff hat sogar oftmals noch Vermehrung
esselben im Zellgewebe sehr refraktärer Meerschweinchen gesehen,
ie bakterienfeindliche Wirkung funktionirt somit nur schlecht innerh-
alb des Organismus.
Die Beweise ferner, welche man aus der kräftigen bakterien-
ändlichen Wirkung des Battenblutes und Rattenserums ableitet,
edieren dadurch an entscheidender Bedeutung, dass nach Loeffler,
»traus, Lubarsch u. s. w. die weissen Ratten gar nicht als un-
mpfanglich gegen den Milzbrand betrachtet werden können. Wenn
aan ferner die Anthraxbacillen in den Körper der Ratte gerade dort
inführt, wo die bakterienfeindliche Wirkung am stärksten sein sollte,
ämlich ins Blut, so erliegt das Thier meistens an Milzbrand, wie
ler Vortragende gemeinschaftlich mit Metschnikoff konstatirt
iat. Aus allem diesem ergibt sich, dass die bakterienfeind-
iche Wirkung der Körpersäfte die Immunität nicht
:u erklären vermag. Man könnte noch an eine Art von ab-
schwächender Wirkung denken, welche der Aufenthalt in den
Sewebssäften nach der Ansicht einiger Autoren auf die Krankheits-
erreger ausüben soll. Allein die Erfahrung lehrt im Gegentheil, dass
abgeschwächte Infektionserreger ihre Virulenz gerade bei Passage
durch unempfängliche Thiere wieder gewinnen.
Es bliebe noch die Möglichkeit, dass etwa ähnliche Gegengifte
auch für andere Infektionskrankheiten existiren, wie sie von B e h r i n g
und Kitasato im Blut und Serum von Thieren nachgewiesen
wurden, die gegen Tetanus (resp. Diphtherie) immunisirt sind. Allein
auch hierauf lässt sich keine befriedigende Erklärung der Immunität
begründen, da einerseits Tetanus und Diphtherie Infektionskrank-
heiten von ganz eigentümlichem Typus sind, während andererseits
Vaillard gezeigt hat, dass das gegen Tetanus natürlich immune
Huhn keineswegs giftzerstörende Substanzen in seinem Serum besitzt.
Aach beim Kaninchen hängt übrigens letzteres von der Art der
Immunisirung ab; die giftzerstörende Wirkung des Serums ist vor-
handen, wenn die Immunisirung durch Injektion der auf 60° er-
wärmten Giftflüssigkeit bewirkt wurde, oder durch Behandlung mit
Jodtrichlorid, oder auch nur mit Jod allein ; dagegen nicht, wenn die
Immunisirung durch Inokulation von giftfreien Tetanussporen unter
die Haut des Schwanzes unter Hinzufügung von Milchsäure bewirkt
wurde.
Die bisher berücksichtigten Erklärungsversuche der Immunität
stützen sich hauptsächlich auf Experimente ausserhalb des Kör-
pers, untersuchen wir jetzt, was im Körper selbst vorgeht, und be-
obachten wir vergleichend, was aus den eingeführten Infektionserregern
*ird, einerseits im Gewebe eines empfänglichen, andererseits eines
immunen Thieres. Beim enteren haben die inokulirten Milzbrand-
bacillen schon nach einigen Stunden sich vermehrt, es bildet sich
em Oedem, das klare Flüssigkeit mit Bacillen und Leukocyten ent-
652 Neoe Utteratur.
hält Dasselbe nimmt allmählich zu, die benachbarten Lymphdrüsen
schwellen an, die Bacillen wandern in den Kreislauf ein, and der
tftdtliche Ausgang naht heran. Beim vacdnirten Kaninchen vermehren
sich auch die Bacillen Anfangs, das zuerst klare Exsudat trübt ach
aber dann, die darin enthaltenen Wanderzellen werden immer zahl-
reicher, wahrend die freien Bacillen verschwinden, indem der grösste
Theil derselben von Leukocyten aufgefressen wird, in deren Innerm
sie bald Degenerationserscheinungen zeigen. Das Thier bleibt dabei
ganz gesund. Genau in der nämlichen Weise erfolgt der Vorgang,
namentlich die Leukocytenanhäufung und die Aufnahme der Badlleo
bei dem natürlich immunen Hunde.
(Fortaetiung folgt)
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Corrigendnm:
In No. 15, 8. 486 in der Tieften and dritten Zeile von unten
malariae mos» es heissen Hamnamoeba malarme and anstatt Larerania
so dasa mithin die beiden Zeilen folgende
(Quotidiana) mad wtrtgehmdsno* Fieber.
Lewersnii
ea betsscn
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lftommannsche Buchdruckerei (Hermann Pökle) in Jena.
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
Od M. Prot Dp. Lenckart ni Professor Dr. Lotion
herausgegeben von
Dr. O. Uhlworm in CasseL
Verlag von Gustav Fischer in Jena*
X. Band, -o- Jen», den 28. November 1891. -o- No. 90»
Prell ftr den Band (26 Hummern) 14 Mark.
Jährlich erscheinen twei B&nde.
—Hl Zu bestehen durch alle Buchhandlongen and PosUnsUlten. f*>-
Die Redaktion des „Centratblatts für Bakteriologie und Parasiten-
künde« richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wünsche um IAeferung von besonderen Abdrücken ihrer Auf-
sätze entweder bei der Eineendung der Abhandlungen an die
Redaktion auf das Manuskript schreiben zu wollen oder spä-
testens nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an
den Verleger, Herrn Gustav Fischer in Jena, gelangen zu
lassen. Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, spater
angehende Wünsche berücksichtigen zu können.
Original -Mittheilungen.
Beitrage zur bakteriologischen Technik.
Von
Dr. Schul,
Stabserst
In
Dresden.
Hit S Figuren.
1) Ersatz des Wattepfropfens.
Der allgemein übliche Verschluss der Reagenzgläser mit Watte
nat mancherlei Unbequemlichkeiten. Es erfordert die gründliche
Desinfektion des Wattepfropfens selbst weit mehr Zeit, als die des
LH. 48
668
Schill,
Fig. 1.
Reagenzglases für sich ; die Anfertigung des Pfropfens nimmt, wenn
er bakteriensicher abschliessen soll, Zeit and Mühe in Ansprach;
auf der Oberfläche des Pfropfens lagern sich aas der Luft Bakterien-
und Schimmelkeime ab, welche letztere, besonders wenn die Watte
etwas feucht geworden ist, hindurchwachsen und den Inhalt des
Reagenzglases verunreinigen, bei Entnahme von Inhalt aus dem Glase
aber ein jedesmaliges Absengen der Oberfläche nothwendig machen ;
die Gelatine bez. Agar trocknet relativ bald ein; bei Anfertigung
der Esmarch'schen Rollkulturen wird der Wattepfropf leicht von
Gelatine durchtränkt, was zu ungenauen Resultaten führt und einen
Ersatz des Wattepfropfens nothwendig macht Alle diese Nachtheile
werden nach meinen Erfahrungen vermieden durch Verwendung von
Doppel-Reagenzgläsern, d. h. Reagenzgläsern, auf welche ein zweites,
etwas weiteres als Deckel aufgestülpt ist. Ich verwende seit 21/3
Jahren dieselben mit sehr zufriedenstellendem Erfolge. Die Reagenz-
gläser sind aus etwas stärkerem Glase, als die gewöhnlichen gefertigt
und haben keinen umgebogenen, sondern gerade auslaufenden, glatten
Rand. Das untere Reagenzglas erhält als Deckel ein zweites, welches
im Verhältniss zum unteren am so viel weiter gearbeitet ist, dass
es sich leicht über das untere herüberschieben lisst, dass aber zwischen
Aussenwand des untern und Innenwand des oben
Glases nur ein papierdicker Zwischenraum bleibt,
wie aus nebenstehender Zeichnung ersichtlich ist Das
nals Deckel dienende Reagenzglas hat s/5 der Länge
des untern. Ich benutze Gläser in 2 Grössen : 16 cm
Länge bei 15 mm innerer Weite and 18 cm Länge
bei 25 mm Weite; eretere zu Stich- und Strich-
kulturen auf Gelatine und Agar und kleineren Mengen
Nährflüssigkeit, die grösseren zu Kartoffelkulturen,
Aufbewahrung grösserer Mengen (Inhalt 50 ccm) von
festen und flüssigen Nährböden, sowie zur Reinigung
des Nähragars durch Absitzenlassen im Dampfstrom.
Der Verschluss ist durchaas bakteriensicher. Beim
Sterilisiren im Dampfstrom vermag die sieh aus-
dehnende Luft zu entweichen, beim Erkalten dringt
Luft allmählich in dem engen Spaltring in der Rich-
tung von unten nach oben ein, wobei in der Luft
enthaltene Keime an den Glaswänden abgelagert wer-
den. Bei dem längeren Aufbewahren von Nährböden
ist die Verdunstung eine sehr geringe, andererseits
dringt für aerobe Bakterien eine genügende Luft-
menge ein. Eine grosse Bequemlichkeit bieten die
Gläser bezüglich des Signirens der Nährböden wäh-
rend der Sterilisation. In der trocknen Hitze wie
im Dampfstrom fallen mit Gummi aufgeklebte Papier-
etiketten leicht ab, Aufschriften mit Fettbuntstift
verwischen sich. Hier wird ein dünner, nicht gum-
mirter Papierstreifen mit Bleistift beschrieben, ring-
förmig zwischen Reagenzglas und Glasdeckel eingefügt oder ein
schmaler bandförmiger Pergamentpapierstreifen, dessen oberes Eude
Bdtrlg« snr bakteriologisch«! Toehnik. 659
ier grössere Sicherheit wegen hakenförmig in das Reagenzglas ein-
geknickt werden kann.
Sollen Dauerkulturen durch Unterbrechung des Wachsthums
hergestellt werden, so giesst man in den Zwischenraum flüssiges
Paraffin.
Sehr bequem sind die Gläser auch für die Kultur von Anaäroben.
Man füllt das geimpfte Reagenzglas in bekannter Weise, es mit der
Oeflhung nach unten in eine genügend tiefe Quecksilberschale ein-
tauchend, mit Wasserstoff, schiebt dann von unten her den gleich-
falls mit Quecksilber gelullten Deckel auf und bringt dann da? Glas,
umgekehrt stehend, in den Brutofen oder auf ein Reasenzglasgestell.
Jedes geimpfte Glas hat so seinen eigenen Abschluss durch den nun
als Quecksilberwanne dienenden GlasdeckeL
Will man zu bestimmten Zwecken den Wattepfropf beibehalten,
60 dient der Glasdeckel weit besser zum Schutz desselben, als Gum-
mihütchen, welche beim Erhitzen der Gläser im Dampfstrom abzu-
springen pflegen, und wenn zur Vermeidung dieses Umstandes auf
bereits erhitzte Gläser aufgesetzt, nach dem Erkalten sich in das Glas
einstülpen.
Rollkulturen lassen sich leicht anfertigen, wenn man entweder
den Glaadeckel 1 cm hoch hebt und dann über einen aufgelegten
Gummiring zurückschiebt, oder indem man einen passenden breiten
Bandring aus Gummi am untern Ende des Glasdeckels so umlegt, dass
er halb das untere Glas, halb den Glasdeckelrand umfasst
2) Filter-Apparate für Nähr-Gelatine.
Das Filtriren von Gelatine nimmt, selbst wenn die Vorbedingung
zur Erlangung klarer Gelatine, das sorgfältige Ausfällen aller durch
Hitze koagulirbaren Substanzen er-
füllt ist, beträchtliche Zeit in An- Fig. *.
Spruch, ganz besonders, weil die fil-
trirende Fläche in den gebräuch-
lichen Filtertrichtern eine sehr kleine
ist uud sich eigentlich nur auf die
unterste Spitze des Papiertrichters
beschränkt Man kann das Filtriren
durch Vergrösserung der Bodenfläche
bedeutend beschleunigen, indem man
sich eines Trichters bedient, in wel-
chen in etwa Vi-Höhe vom obern
Band eine siebartig durchlochte Glas-
platte eingelegt ist, auf welche das
Filtrirpapier tellerförmig ausgebreitet
*ir<L Noch einfacher ist folgender
Apparat, welchen man sich mit
Leichtigkeit aus einer Konservebüchse
selbst herstellen kann. Der obere Rand der Büchse wird glatt ab-
geschnitten und der Boden mittelst einer Ahle oder eines Pfriemens
(von aussen nach innen bohrend) in konzentrischen Ringen dicht mit
Löchern versehen. Ueber den nun fertiggestellten Trichter wird ein
42*
li
660
Schill, Beiträge sur bakteriologischen Tochmik.
den Boden nach jeder Richtung um ca. 2 cm überragendes Filtrir-
papier, auf dieses der grossem Haltbarkeit wegen eine doppelte Lage
entfetteten Mulls gelegt and diese Auflagerangen nach Anstreichen
der Ränder gegen die Seitenwände der Büchse mittelst eines breiten,
straff umgelegten Gummibandrings festgehalten. Nach Anfeuchtung
filtrirt Nährflüssigkeit in ununterbrochenem Strom, Nährgelatine aber
bedeutend rascher, als durch den gewöhnlichen Glastrichter.
Eine noch weit bedeutendere Beschleunigung der Filtration kann
man aber durch folgenden Apparat erzielen, bei welchem Luftdruck
als treibende Kraft wirkt. Als Grundlage dient eine Blechflascbe
(besser wäre die Herstellung aus Glas oder Porzellan), welche am
Boden ebenso wie der oben beschriebene Apparat mit zahlreichen,
nicht zu kleinen Löchern versehen wird. Ueber den Boden wird
gleichfalls eine Lage Filtrirpapier und doppelte Lage entfetteten Malt
gelegt und durch ein Gummiband befestigt. Der Flaschenhals trägt
einen durchbohrten Stöpsel, durch welchen ein nicht zu weites Glas-
rohr bis fast unmittelbar zum Boden der Flasche herabreicht, welches
oben durch ein Stück Gummirohr mit einem kleineren Trichter ver-
bunden ist. Nach Anfeuchtung der Filterlagen wird Gelatine durch
den Trichter eingegossen. Sobald eine dünne Schicht der zu filtriren-
den Gelatine den Boden bedeckt, drückt die in der Flasche nun gänz-
lich abgesperrte Luft, welche unter dem
Druck der in dem Glasrohr enthaltenen Flüs-
sigkeitssäule steht und zudem noch in Folge
der Erwärmung der Gefässwände, sowie
direkt von unten durch die heis&e Gelatine
sich ausdehnt, auf die * ganze Oberfläche
der im Apparat enthaltenen Gelatine und
treibt sie rasch durch das Filter. Zu be-
achten bleibt, dass man den Druck nicht
zu rasch durch unausgesetztes Nachgiessen
steigert, da er sonst so heftig werden kann,
dass die Filterlagen sammt Gummiring ab-
gerissen werden. Nach ganz kurzem Ge-
brauch des Apparats gewinnt man durch
das Gehör an der Stärke des Gelatineab-
strömens einen Massstab, in welchem Grade
man Gelatine durch den Fülltrichter zu-
giessen darf. In etwa 5—7 Minuten kann
man 1 1 5°/0ige Gelatine klar filtriren.
Bei Anfertigung des Apparats aus Glas hat
man den Vortheil, dass man die Starke
des Drucks auch mit dem Auge nach der
Höhe der eingegossenen Schicht beurtheilen
kann.
In beiden beschriebenen Apparaten wird
die ablaufende Flüssigkeit durch einen ge-
wöhnlichen G lastrieb ter in das zur Auf-
nahme bestimmte Gefäss geleitet.
Flg. 3.
v
Klage, Chemotaktische Wirkungen des Tubercnlins auf Bakterien. 661
3) Die einfachste Injektions- and Aspirationsspritze.
Ein Glasrohr wird an einem Ende zu einer Spitze ausgezogen,
am andern mit einem Wattepfropf versehen, durch trockene Hitze
sterilisirt und im Gebrauchsfalle am hintern Ende mit einem etwa
1/4 m langen Stück Gummirohr von danner Wandstärke versehen.
Wenn man nun das Glasrohr an der Gummiansatzstelle mit der linken
Hand hält und die Spitze in die aufzunehmende Flüssigkeit eintauchen
lässt, sodann aber mit rechtem Zeigefinger und Daumen vom Glas-
rohr weg den Gummischlauch unter gleichzeitigem Zusammendrücken
auszieht, so wird die Flüssigkeit schnell in das Rohr eingesogen. Bei
der Injektion macht man dieselbe Bewegung am Gummischlauch in
entgegengesetzter Richtung.
Chemotaktische Wirkungen des Tubercnlins
auf Bakterien.
[Aus Marpmann's Hygienischem Laboratorium in Leipzig.]
Von
R. Kluge
in
Leipzig.
Durch die Pf effer'sche Untersuchung über die chemotaktischen
Bewegungen der Mikroorganismen angeregt, wurden folgende Versuche
mit Tuberculinlösungen angestellt
Pfeffer fand, dass verschiedene chemische Verbindungen auf
die Bewegung anderer Organismen in ganz charakteristischer Weise
einwirkten. Pf. füllte Kapillarröhrchen mit den zu untersuchenden
Lösungen, schmolz die Röhrchen an einem Ende zu und legte sie in
Flüssigkeiten, welche Mikroorganismen enthielten. Nach einiger Zeit
zeigte sich, dass je nach der Anziehungskraft der chemischen Ver-
bindungen entweder Organismen in grosser Zahl, oder nur vereinzelte,
oder gar keine Organismen in den Röhrchen vorhanden waren.
Diese Versuche wurden zuerst von Massart und Bord et und
später von Gabritschewski, Buchner und A. Schmidt auf
die Leukocyten im thierischen Organismus ausgedehnt und erweitert.
Aehnliche Versuche in Bezug auf die Leukocyten stellten Leber,
Metschnikoff, Lubarsch, Hess und Andere an.
Durch die neusten Versuche von A. Schmidt wurde festgestellt,
dass das Pyocyaneus protein selbst in Verdünnungen im Verhältnis
von 1 : 3000 noch deutlich positiv chemotaktisch auf Leukocyten
wirkte.
Die nachstehenden Versuche mit Tuberculinlösung und einer ge-
mischten Kultur von Spirillen und verschiedenen Bacillen wurden von
mir angestellt, um zu sehen:
662 Klage,
1) In welcher Weise und nach welcher Zeit die Einwanderang
der einzelnen Bakterien stattfand.
2) Um nachzuweisen, ob durch das Aufsteigen der Bakterien in
den Röhrchen eine Trennung der einzelnen Spezies möglich wäre.
Um zu beweisen, dass das Aufsteigen der Bakterien nicht durch
Diffusion der beiden Flüssigkeiten vor sich ging, wurden Kapillär-
röhrchen mit einer Lösung von übermangansaurem Kalium gefallt, an
einem Ende zugeschmolzen und in eine bakterienfreie spirituöse
Flüssigkeit gesetzt; es zeigte sich, dass Diffusion nur in Äusserst ge-
ringem Grade stattgefunden hatte, denn nach Verlauf von acht Tagen
war die Lösung nur im untersten Theile des Röhrchens entfärbt;
bakterienhaltende Flüssigkeiten entfärbten das übermangansaure
Kalium nach einigen Tagen erst bis nur Höhe von V* cm«
Erster Versuch.
Zur Ausführung dieses Versuches wurden Kapillarröhrchen von
3—5 cm Länge mit einer durch eine Marpmann'sche Filterzelle
filtrirten l°/0 Lösung von Tuberculin gefüllt, an einem Ende zuge-
schmolzen und in eine gemischte Kultur, bestehend aus
Bacillus aquatilis Weichselbaum, Bacillus subtilis,
Bacillus lactis acidi Hueppe und einer neuen halbkreis-
förmigen Spirille gelegt
Es fanden sich nach Verlauf von einer Stunde nur einzelne
Stäbchen des Bacillus aquatilis in den Röhrchen.
Nach Verlauf von 2 — ö Stunden fanden sich dieselben Bacillen
in steigender Anzahl und erst nach sechs Stunden waren auch die
übrigen in der Kultur vorhandenen Spaltpilzspezies eingewandert
Man sieht aus diesem Versuch, dass das Tuberculin auf die
genannten Spaltpilzarten positiv chemotaktisch einwirkt und ausserdem,
dass die verschiedenen Arten der Bakterien auf noch nicht aufgeklärte
Weise verschieden schnell in die Röhrchen einwanderten. Merkwürdiger
Weise fanden sich die wenig beweglichen Spaltpilze zuerst in den
Böhrchen vor.
Zweiter Versuch.
Zu diesem Versuche wurden Kapillarröhrchen von 30-50 cm
Länge gewählt, mit einer, wie oben angegeben, filtrirten 0,1 °/0 Lösung
von Tuberculin gefüllt, an einem Ende zugeschmolzen und in die ge-
mischte Kultur gestellt
Nach Verlauf von 7 Stunden wurde das erste Böhrchen im Ab-
stand von 5 zu 5 cm in der Weise untersucht, dass die in den 5 cm
langen Röhrchen befindliche Tuberculinlösung auf einem Deckgläschec
gesammelt, nach dem Eintrocknen gefärbt und in Cedernöl unter-
sucht wurde.
Es fanden sich in der Höhe von
5 cm sämmtliche in der Kultur vorhandenen Bakterien,
10 „ Bacillus aquatilis mit vereinzelten Stäbchen von
Bacillus lactis acidi,
15 „ nur wenige Stäbchen von Bacillus aquatilis,
20 „1
25 „ j " " w w * *
30 „ keine Bakterien.
Chemotaktische Wirkungen des Tabercnlin» auf Bakterien. 663
Nach 48 Stunden wurden zur Eontrolle zwei Röhrchen mit über-
stimmendem Resultat untersucht.
Es fanden sich in der Höhe von
5 cm sämmtliche Bakterien,
10 „ Bacillus lactis acidi und Bac. aquatilis,
£*: M n 19 ,9 )) 19 99
^ »f » 99 99 99 99* 99
~ » W n 99 99 9t 91
™ » M 9» J9 f» 99 99
ÖV V »'.,-»» 99 99 99 99
40 „ nur Bacillus aquatilis,
£5 " ) keine Bakterien.
Diese Vereuchelbeweisen, dass wir in dem Tuberculoproteln einen
ehr stark positiv chemotaktisch wirkenden Körper besitzen, der die
erschiedensten Spaltpilze stark anzieht.
Durch einen weiteren Versuch wurde nachgewiesen, dass die
jeukocyten des Frosches in derselben Weise beeinflusst werden. Einem
p-ossen Frosch wurden zwei Kapillarröhrchen mit 0,1 °/o Tuberculin-
ösung unter die Rückenhaut gebracht und wurde durch Untersuchung
ler Röhrchen festgestellt, dass die Leukocyten in grosser Anzahl schon
iach einer Stunde eingewandert waren.
Diese Versuche beweisen ausserdem, dass wir in der Chemotaxis
ein Mittel besitzen, um verschiedene Bakterien mehr oder weniger in den
Flüssigkeiten anzusammeln.
Hat man eine gemischte Kultur mit grossen Mengen einer Spezies
und wenigen Exemplaren einer anderen Spezies, so dürfte eine Platten-
kultur unter Umständen die vereinzelt vorhandenen Exemplare nicht
zur Entwickelang bringen.
Für solche Fälle ist die Kapillarröhrenkultur zu empfehlen.
Salomonsen, der schon im Jahre 1877 ähnliche Versuche ange-
stellt hat, glaubte in den Kapillarröhrchen direkt Reinkulturen er-
halten zu haben.
Selbstverständlich genügen die älteren Versuche den heutigen
Ansprüchen nicht mehr, es ist aber nicht zu leugnen, dass die ge-
eignete Anordnung einer derartigen Kultur von verschiedenen Er-
folgen begleitet sein muss, denn durch Plattenkulturen von verschie-
denen Röhrchenabschnitten wurden auf einer Platte fast nur Bac.
lactis acidi, auf einer anderen fast nur Bac. aquatilis er-
balten.
Man kann also mit Hülfe der KapillarrOhrchen-Plattenkulturen
die einzelnen Spaltpilzarten bequem trennen.
Weitere Versuche lassen hoffen, dass man mit Hülfe der Kapillar-
röhrchenkultur die sonst nicht kultivirbaren Spirillen züchten kann.
Leipzig, 11. 10. 1891.
664 T r o m b e 1 1 * ,
Die Fäulnissbakterien und die Organe und das Blat
ganz gesund getodteter Thiere.
[Aus dem hygienischen Institut der Universität Berlin1).]
Von
Dr. Sergi Trombetta
in
Messina.
Die epochemachenden Untersuchungen von L. Pasteur
haben bewiesen, dass die Fäulniss von der Entwickelung einiger
Bakterien abhängig ist. Dieselbe hängt auch von der Feuchtigkeit,
Temperatur und Anwesenheit des Sauerstoffes ab. Die Fäulniss findet
nach dem Tode statt, und die Bakterien, welche sie hervorrufen,
stammen grösstenteils aus dem Darmkanal, breiten sich durch dessen
Wände aus, vermehren sich, dringen in die Organe, das Blut und die
Gewebe ein und verursachen alle jene Erscheinungen , die wir mit
dem Namen „Fäulniss14 bezeichnen. Sie tritt also nach dem Tode
ein, und wir sagen, dass die Fäulniss schon begonnen hat oder aus-
gebreitet ist, entsprechend den grösseren oder geringeren Veränderungen,
die wir mit blossem Auge in den Geweben, dem Blute und den
Organen finden.
Dass diese Mikroorganismen während des Lebens im Blute and
den Organen nicht vorbanden sind und erst nach dem Tode dahin
gelangen, ist von Haus er (25), W. Zahn (28), J. v. Fodor (32)
erwiesen worden. Es bleibt also zu bestimmen, zu welchem Zeit-
punkte diese Einwanderung beginnt, wie lange Zeit nach eingetretenem
Tode Blut und Organe von Fäulniss befreit bleiben.
Zu bestimmen, wann die Einwanderung erfolgt, wird um so
wichtiger erscheinen, wenn man berücksichtigt, dass diese kleinen
Organismen pathogenetisch und biologisch mit anderen Bakterien
verwechselt werden können. Wir können zum Beispiel in dem Falle
sein, Organe und Blut zu untersuchen und Bakterien darin zu finden,
die mit dem Krankheitsprozesse nichts zu thun haben, und erst nach
dem Tode, der eingetretenen Fäulniss wegen, da vordringen. Dm
diesen Fehler zu vermeiden, ist es nöthig, zu bestimmen, wie lange
nach dem Tode Organe und Blut von Fäulnisskeimen frei bleiben.
Die nachstehenden Fragen nun soll die vorliegende Arbeit lösen:
Gibt es einen Zeitpunkt, bis zu welchem man sagen kann, dass
weder die Organe noch das Blut von den Mikroorganismen der Fäulniss
heimgesucht sind?
Und welches ist dieser Zeitpunkt bei den verschiedenen Thieren?
1) Ich ergreife diese Gelegenheit, dem Herrn Geheimrath Prof. R. Koeh, sowie d«
Herrn Stabstrsten Pfeiffer und Behring meinen wärmsten Dank anasnspreehen fflr
die mir rar Zeit meinet dortigen Aufenthaltes erwiesenen Freundlichkeiten.
Piolnissbakterien, Organe and das Bist gans gesund getesteter Thiere. (J65
Haben Temperatur, das Gewicht und Volumen des Thieres dabei
inen Einfiuss?
Um diese Fragen za beantworten, experimentirte ich mit Mäusen,
tatten und Kaninchen, Tbieren, die vorzugsweise in den bakteriologischen
ostituten angewandt werden. Das Verfahren ist das folgende gewesen:
Jedes Thier wurde durch Schläge auf den Kopf getödtet und
achher während einer gewissen Zeit bei Brut- oder Zimmertemperatur
der im Eisschranke aufbewahrt Es wurde zunächst sezirt und vom
tlute und den Organen wurden Agar- Stichkulturen angelegt. Ein
Mick auf die folgende Tabelle genügt, um eine deutliche Idee des
;anzen Verfahrens zu geben. Ich hielt es für überflüssig, den Tabellen
lie Kontrollversuche hinzuzufügen. Das Zeichen (+) bedeutet, dass die
Cultur eine positive, das Zeichen (— ) dagegen, dass sie eine negative
;ewesen ist.
Tabelle L
Getödtete und bei Zimmertemperatur gelassene Mäuse.
No.
Zeit der
Sektioo nach
dem Tode
Agar-Stich-
kultur ans
Blut
Leber
Mils
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Tabelle IL
Getödtete und im Eisschranke ') gelassene Mäuse.
No.
Zeit der
Sektion nach
dem Tode
Agar-Stich-
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:l) Unter Eissehrank Terstehe ich einen solchen, wie er in den bakteriologischen
«»«taten in Deutschland angewandt wird, dessen Temperatur iwischen 0° and 4° veriirt.
666
Trombetta,
Tabelle III.
Getödtete and im Bratschranke gelassene Mause.
No.
Zeit der
Sektion nach
dem Tode
Agar-Stich- R
kaltur ans BInt
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Leber Mils
Niere
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Tabelle IV.
Getödtete und bei Zimmertemperatur gehaltene Ratten.
No.
Zeit der
Sektion nach
dem Tode
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Blut | Leber
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Tabelle V.
Getödtete und im Eisschranke gehaltene Ratten.
No.
Zeit der
Sektion nach
dem Tode
Agar-Stich-
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Leber
Milz Niere
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1
2
3
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Tabelle VI.
Getödtete und bei Bruttemperatur gelassene Ratten.
No.
Zeit der
Sektion nach
dem Tode
Agar-Stich-
knltnr ans
Blut
Leber
Mils
Niere
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1
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Fftulnissbakterien, Organe und da* Blut ganz gesund getödteter Thiere. 667
Tabelle VII.
Getödtete und bei Zimmertemperatur gelassene Kaninchen.
No.
Zeit der
Sektion nach
dem Tode
Agar-Stich-
knltnr ans
Blat
Leber Milz
Niere
Longe
1
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Tabelle VIII.
Getödtete und bei Eisscbranktemperatur gelassene Kaninchen.
No.
Zeit der
Sektion nach
dem Tode
Agar-Stich-
kultur aas
Blut
Leber
Milz
Niere
Lange
1
I
4
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24 St.
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Tabelle IX.
Getödtete und bei Bruttemperatur gehaltene Kaninchen.
No.
Zeit der
Sektion nach
dem Tode
Agar-Stich-
kaltor aas
Biat
Leber
Mils
Niere
Lange
1
2
3
4
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ff
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+
+
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+
+
+
+
+
+
+
Wenn wir nun die vorige Tabelle in eine einzige resumiren
sollen, so ergeben sich die folgenden Ziffern:
Ar die Mause . .
Ar die Ratten . .
Ar die Kaninchen
bei Zimmer-
temperatur
19 St.
18 „
16 „
b. Eisscbrank-
temperatur
22 St
20 „
20 „
bei Brut-
temperatur
6 St.
5 „
6 „
Man schliesst daraus ;
1. Es gibt eine Grenze, unter welcher das Blut und die Organe
ganz gesund getödteter Thiere frei von F&ulnissbakterien bleiben.
2. Diese Grenze ist nach den Beobachtungen für die Mäuse:
*) bei Zimmertemp. 19 St. nach dem Tode; bei Eisschranktemp. 22 St.;
663 Trombetta,
c) bei Brattemp. 5 St. Für die Ratten : a) bei Zimmertemp. 18 St
b) bei Eisschranktemp. 20. St ; c) bei 35° 5 St Für die Kaninchen
a) bei Zimmertemp. 16 St; b) bei Eisschranktemp. 20 St; c) bei
86° 6 St.
3. Diese Grenze gilt für die A&robien und die ganz gesund ge-
tödteten Thiere. Dass Anaerobien nach dem Tode in das Blut und
die Organe gelangen, ist seit lange festgestellt worden; aber diese
haben keine pathogene Bedeutung. Ebenso beschleunigen einige
Krankheiten den Fäulnissprozess; andere dagegen hemmen denselben
bedeutend.
4. Die Eisschranktemperatur verzögert die Einwanderang der
Fäulnissbakterien in sehr geringer Weise, die Bruttemperatur be-
schleunigt sie sehr.
5. Der Fäulnissprozess ändert sich mit der Grösse des Thieres,
aber nicht im Yerhältniss mit derselben; die Mäuse erhalten nur
während der ersten 19 St Blut und Organe frei von Fäulnissbakterki.
und diese Grenze vermindert sich wenig bei Ratten, 18 8t, noch
weniger in Verhältniss der Grösse des Thieres bei Kaninchen, 16 St
So verhält es sich bei Zimmertemperatur. Fast das Gleiche gilt bei
Eisschranktemperatur. Bloss bei Bruttemperatur tritt die Fäulnis*
in den kleinen Thieren rascher auf; die Verschiedenheit ist trotzdem
keine bedeutende.
6. Die Fäulniss tritt unregelmässig auf. Bald sind die Abdominil-
Organe zuerst von den Bakterien ergriffen, während das Blut von
denselben frei bleibt (Tab. I). Unter den Organen ist bald die Mik
zuerst zersetzt, bald ist es die Leber, bald Milz, Leber und Niere
zugleich; zuweilen auch Organe und Blut gleichzeitig. Manchmal
kann man auch zuerst in der Lunge das Vorhandensein von Mikro-
organismen konstatiren. Es ist also wahrscheinlich, dass diese sich
in derselben schon während des Lebens einfanden (28). Das Blut ist
bloss ein einziges Mal als letztes von der Fäulniss ergriffen worden.
7. Die Thiergattung übt auf den Prozess der Fäulniss keinerlei
Einfluss aus.
Litteratar.
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Jon», of. Mio. 8c. New. 8. 63. p. 352. Compt rend. 187S. p. 784—790.)
15) Paschutin, V., Einige Versuche Aber F&ulniss and Fftulnissorganismen.
(Vir eh. Aren Bd. L1X. S. 490. — Jahresber. f. d. g. Med. 1874. B. I. p. 321.)
18) Tyndall, John, On the optical departement of the atmosphere in reference
to the phenomena of putrefaetion and infeetton. (Abstract of part of a Paper read before
the Boyal Society. Janoary 18. Jahresb. f. d. g. Med. Bd. I. 1876. p. 847.)
14) Salomonsen, C. J., Stadier over Blodets Forradnelse B^öbenhavn. 172 p.
(Jahresb. f. d. g. Med. X877.)
16) Lewis, T. R., The microphytes which bare been found in the blood nnd
their relatfons to disease. (Quarterly Journal of mieroscopical seJence. Jaly. — Jahrb.
1879. Bd. I. p. 848.)
16) Madeuf, F., De l'action du froid avec ou sans pression sur les eties inferieurs.
These. 88 p. Paris (imprim. Beipff) 1889.
17) Bordoni-Uffrednssi, Die biologischen Untersuchungen des Eises in seiner
Beziehung sur Öffentlichen Gesundheitspflege. (Centralblatt für Bakter. u. Par. Bd. II.
1887. No. 17.)
18) Franke], Ueber den Bakteriengehalt des Eises. (Zeitschrift für Hygiene.
Bd. I. 1886. Heft 2.)
19) Die chemischen und bakteriologischen Untersuchungen beifiglieb der Wasser-
versorgung ron Petersburg. (Wratsch. 1844. No. 9.)
20) Janowski, Tb., Ueber den Bakteriengehalt des Schnees. (Centralblatt f.
Bakteriologie u. Par. Bd. IL 1888. No. 4. p. 647.)
21) Fischer, Ueber Bakterienwachsthum bei 0°. (Centralblatt f. Bakteriol. u. Par.
Bd. U. 1888. No. 4. p. 92.)
22) Zweifel, P., Untersuchungen über die wissenschaftliche Grundlage der Anti-
sepsis und der Entstehung des septischen Giftes. (Zeitschrift für physiolog. Chem. VL
p. 886—421. — Jahresber. a. d. ges. Md. Bd. II. 1882. p. 245.)
28) Ingenkamp, C, Die geschichtliche Entwickelang unserer Kenntniss von
Fiulniss und Gfthrung. (Inaug. Diss. Bonn). 8. 43 p.
24) Colemann, J, and Kend wieek , G. M, On aecount of some recent experi-
ments on the effects of very low temperatures on the putrefactlve process aod some
vital phenomena. (Journ. of anat and physiol. Vol. XIX. p. 4. — Jahresb. d. g. Med.
1886. Bd. L p. 232.)
26) Haus er, H, Ueber das Vorkommen von Mikroorganismen in den lebenden
Geweben gesunder Thiere. (Aren. f. exper. Pathol. and Pharm. 1886. p. 162.)
26) Hildebrandt, G, Experimentelle Untersuchungen Aber das Eindringen
patbogener Mikroorganismen von den Luftwegen und der Lunge aus. (Beiträge aur
pathologischen Anatomie u. Physiologie. Bd. II. p. 411. — Jahrb. f. die g. M. 1889. I. p. 266.)
27)Strassmann,F. u. Strecker, C, Bakterien bei der Leichenfltalniss.
(Zeitschrift für Medisinaibeamte, p. 66. — Jahresber. 1888. p. 466.)
28) Zahn, F. W i 1 h. , Untersuchungen im Blute gesunder Thiere. (Virchow's
Archiv. Bd. XCV. p. 401.)
29) Wigand, Albert, Das Protoplasma als Fermentorganismus. Marburg 1888.
90) Hauser, G., Ueber F&ulnissbakterien und deren Beaiehung aur Septiklmie.
Leipzig 1886.
81) H neppe, Ferdinand, Ueber Besiehung der Fiulniss su den Infektions*
Krankheiten.
32) Fodor, J. v., Bakterien im Blute lebender Thiere. (Archiv für Hygiene.
Bd. IV. p. 129.)
26. 8ept. 1891.
ß70 Grundrits der Müitlrgesiindheitspflege.
Referate.
Kirchner, Martin, Grundriss der Militärgesundheits-
pflege. Lieferung 1. Braunschweig (Harald Bruhn) 1891.
Kirchner 's Grundriss der Militärgesundheitspflege dürfte
wohl weit über die militärärztlichen Kreise hinaus mit Befriedigung
begrüsst werden. Denn wenn schon die Zahl der hygienischen Hand-
und Lehrbücher, welche dem modernen wissenschaftlichen Standpunkt
wirklich entsprechen, nicht eben gross ist, so fehlte es bisher voll-
kommen an einer derartigen grösseren Veröffentlichung aus R. Koch\
Schule. Dass gerade Kirchner die geeignete Person war, um die
Gesundheitspflege auf Grund der neuen Lehren und von den neu ge-
schaffenen Gesichtspunkten seines Meisters aus zu bearbeiten, daför
zeugt die Reichhaltigkeit, die Vielseitigkeit des Inhalts und die anziehende
Darstellung in seinen bisherigen zahlreichen selbständigen und referiren-
den Arbeiten, die Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeitseiner eigenen
mannigfachen hygienischen Untersuchungen, und nicht am wenigsten
seine hervorragende Lehrgabe, welche von allen seinen Zuhörern aus
den in weiten Kreisen bekannt gewordenen Kursen des hygienischen
Instituts zu Berlin gerühmt wird.
Es darf nicht befremden, dass Kirchner seine Thätigkeit ge-
rade auf das von der allgemeinen Hygiene scheinbar etwas abge-
grenzte Gebiet der Militärgesundheitspflege gerichtet hat. Ein gutes
Handbuch der Militärgesundheitspflege ist heutzutage ein Handbuch
der Gesundheitspflege überhaupt, nur vervollständigt durch die auf
das Militärsanitätswesen bezüglichen Gesichtspunkte. Denn es giebt
einerseits wenige Kapitel der Hygiene, welche nicht auch das Militär-
sanitätswesen berühren; auf der anderen Seite aber bietet kein
sonstiges Verwaltungsgebiet eine ähnliche Möglichkeit zur Durchfüh-
rung und Erprobung hygienischer Massregeln im Grossen. Die straffe
Organisation des Sanitätsoffizierkorps lässt die beste Gewähr einer
werthvollen Sammelforschung zu, und die im Heeresbudget gebotene
Sparsamkeit, welche nur das wirklich Gediegene und Branchbare
unter Vermeidung jeder Verschwendung zur allgemeinen Einführung
gelangen lässt, gibt eine so gute Bürgschaft für die Zweckmässigkeit
der hier als nothwendig erkannten Massnahmen, dass diese oft schon
deshalb allgemein empfehlenswerth erscheinen, weil sie in der Armee
zur Ausführung gelangt sind.
Der gewaltige Aufschwung, welchen die hygienische Wissenschaft
in den letzten beiden Jahrzehnten genommen hat, ist auf das Medizinal-
wesen der deutschen Armee von bedeutendem Einfluss gewesen.
Viele von den unmittelbaren Schülern Koch 's gehören dem Stande
der Sanitätsoffiziere an ; aus diesen ist eine nicht unbeträchtliche Zahl
der Universitätslehrer hervorgegangen, während andere von ihnen
aus dem hygienischen Institut zu Berlin in die Armee zurücktraten,
um dort die gewonnenen Kenntnisse zu verwerthen und anregend auf
Grundriss der MiJitärgesundbeiUpflege. ß7^
ihre Kameraden zu wirken. So konnte es nicht fehlen, dass die An-
forderungen, welche gegenwärtig bezüglich des hygienischen Wissens
und Könnens an jeden Militärarzt gestellt werden, gegen früher be-
deutend zugenommen haben, und dass das Bedürfniss jedes Einzelnen,
sich auf diesem Gebiete zu unterrichten und fortzubilden, grosser
geworden ist.
In dieser Beziehung hilft der Kirchner'sche Grundriss einem
wirklichen Mangel ab; denn, wie der Verf., welcher, selbst preußischer
Sanitätsoffizier, als Vorstand der hygienischen Untersuchungsstelle des
X. Armeekorps zu Hannover wirkt, in der Vorrede mit Recht be-
merkt, genügen die älteren vortrefflichen Lehrbücher der Militär-
hygiene von Roth und Lex und von 0. Kirchner den heutigen
Bedürfnissen nicht mehr. So mag denn M. Kirchner 's Unter-
nehmen auch an dieser Stelle herzlich willkommen geheissen werden.
Von dem Werke, welches in 8 Heften zum Preise von je 2 Mark
erscheinen und bis Anfang 1892 vollendet sein soll, liegt bisher die
erste Lieferung vor. Sie behandelt 2 Abschnitte der „N a t ü r 1 i c h e n
Hygiene", welche in das Gebiet jeder Gesundheitswissenschaft, also
auch der militärischen, fallen.
In dem ersten Abschnitt: „Die Mikroorganismen" gibt der
Verf. zunächst eine geschichtliche Darstellung der Lehre von den
kleinsten Lebewesen. Er schliesst daran eine Schilderung der Methoden
mikroskopischer Untersuchung, der Züchtung und Uebertragung und
erörtert endlich im Einzelnen die wichtigeren Arten der Schimmel-
und Sprosspilze, der Bakterien, Algen, Mycetozoen und Protozoen.
Der ganze Abschnitt ist mustergültig gearbeitet. Vollständigkeit und
fesselnde Darstellung, knappe und präzise Ausdrucksweise sind ihm
eigen. Eine grosse Anzahl vorzüglicher Abbildungen fördern das
Verständniss, reichhaltige Litteraturangaben geben dem Leser die
Möglichkeit, sich etwa gewünschte weitere Belehrung zu verschaffen.
Der zweite Abschnitt, welcher über das Wasser handelt, ist noch
nicht vollständig erschienen; er enthält eine grosse Menge von
Tabellen, welche aus den Koch 'sehen Vorlesungen an der Berliner
Universität zum Theil schon bekannt sind. Auch hier erfreut die
fliessende und klare Darstellung des Verf.'s und der reiche Gehalt an
interessantem wissenschaftlichen Stoff.
Die späteren Lieferungen sollen noch folgende Abschnitte ent-
halten.
I. Natürliche Hygiene: 3) Luft, Witterung und Klima.
4) Boden und Grundwasser. 5) Infektionskrankheiten. 6) Desinfektion.
II. Künstliche Hygiene: 7) Kleidung und Ausrüstung.
8) Wohnung im Allgemeinen. Bauhygiene, Grund und Boden, Material.
Ventilation und Heizung. Beleuchtung. Beseitigung der Abfallstoffe.
Leichenbestattung. 9) Militärische Unterkunft. Kasernen und Bürger-
quartiere. Festungen. Biwak. Lager und Kantonnement. Lazarethe.
Arresthäuser und Gefängnisse. Militärwaisenhäuser, Unteroffizier-
schulen, Kadettenhäuser. 10) Hygiene des Dienstes. 11) Armee-
krankheiten. 12) Ernährung. 13) Register.
Es wird darüber berichtet werden, sobald das Werk vollständig
«schienen ist. Kubier (Berlin).
€74 Eiter. Gelenkientzfindting. — Purpura. — Ekzem.
Boulloche, Note sur un cas de polyarthrite suppuree
et de niyosite8 d6termin6es par le pneumocoque.
(Archives de m6decine exp6rimentale et d'anatomie pathotogique.
1891. No. 2.)
Primäre multiple eiterige Gelenksentzündung mit Abscessbildung
in mehreren Skeletmuskeln. Exitus letalis an einer hinzugetretenen
Pneumonie.
In mehreren Gelenken, in den Muskelabscessen, im pleuritischec
Exsudate sowie in den pneumonisch erkrankten Lungenpartieen fand
sich der Diplococcus Fraenkel- Weichselbaum in grosser
Menge.
Bemerkenswerth ist hier das primäre Auftreten der Gelenksent-
zündungen, deren Erreger der Diplococcus pneumoniae war.
Di tt rieh (Prag).
Claisse, Note sur un cas de purpura k pneumocoque.
(Archives de mädecine expärimentale et d'anatomie pathologique.
1891. No. 3.)
Fall von frischer Endocarditis mit Nephritis und Purpura.
Befund von Mikroorganismen in den nach Ansicht des Autors
von der Endocarditis aus embolisch entstandenen Purparaflecken, in
der Niere, in den oberflächlichen Schichten der endocarditischen
Auflagerungen und in der Milz.
Durch mikroskopische Untersuchung, Kulturen und Experimente
wurde die Identität der vorgefundenen Mikroorganismen mit dem
Diplococcus pneumoniae Fraenkel- Weichselbaum festgestellt.
Terminal gesellte sich eine Pneumonie hinzu, in deren Exsudate
der Diplococcus pneumoniae in grosser Menge sich vorfand.
Dittrich (Prag).
Unna, Natur und Behandlung des Ekzems. (Berliner Klinik.
Heft 27.) Berlin (Fischer's med. Buchhandlung) 1890.
Die vorliegende kleine Arbeit ist ein Vortrag, den U. auf der
Jahresversammlung der British med. Association in Birmingham am
1. August 1890 gehalten hat. Er gibt in der Einleitung eine lesen*
werthe Geschichte von der Entwickelung des Begriffs Ekzem im
Laufe des Jahrhunderts und spricht sich dann sehr energisch für
die parasitäre Natur dieser Krankheit aus. Und zwar ist er der
Ansicht, dass den verschiedenen Formen des Ekzems verschiedeoe
(wahrscheinlich meist pflanzliche) Keime zu Grunde liegen, die einst-
weilen noch unbekannt sind. Therapeutisch empfiehlt er eine lokale
(Salben, Salbenmehl, Pflastermulle, wasserdichte Verbände u. s. w.)
und allgemeine Behandlung (Arsen) unter sorgfältiger Berücksichtigung
des individuellen Falles. Besonders warnt er vor allzu reizender Be-
handlung, durch die die Krankheit verschlimmert werde. Auf die
Einzelheiten der Behandlung geht er nicht ein.
M. Kirchner (Hannover).
Favus. — Läuse. — Krankheit der Apfelbaumblätter. ß75
tahweninger und Buzzl, Notizen über Favus Iupinosus
am Rumpfe. (Charitä-Annalen. Jahrgang XV.)
Die Verff. beschreiben einen Fall von Favus bei einem jungen
Mädchen von 12 Jahren, der nicht auf dem behaarten Kopfe, sondern
mf der Brust seinen Sitz hatte. Gelatineplatten mit dem Inhalt
»ines frischen Bläschens blieben steril, während sich aus dem Saft
anter einer grossen Borke die charakteristischen Pilze züchten Hessen.
Die erwähnte Borke sass nur in der Epidermis und reichte nicht
in die Cutis hinein, die nach dem Abfall der 21/« cm breiten und
2 cm hohen Borke biossliegende feuchte Hautstelle heilte unter ge-
nügender Behandlung ohne Hinterlassung einer Narbe. Die Behandlung
bestand in weisser Präzipitatsalbe. M. Kirchner (Hannover).
Osbnrn, Herbert, The Pediculi and Mallophaga affec-
ting Man and the Lower Animals. (U. S. Department of
Agriculture. Division of Entomology. Bulletin No. 7) 1890. 56 pgs.
with 42 figures. Washington 1891.
Verf. beschreibt die Läuse, welche die Menschen und Hausthiere
heimsuchen, mehr vom ökonomischen, als vom zoologischen Standpunkte.
Eine Anzahl nützlicher Anweisungen über die Behandlungsweise der
betreffenden Parasiten sind bei jeder Spezies angegeben.
Etwa 65 Ektoparasiten^ — darunter folgende 6 neue Arten —
werden je nach ihrer ökonomischen Bedeutung beschrieben:
Neue Spezies: Pediculadae.
1) Haematopinus sciuropteri. H. Osburn, 1890. Wirth:
Sciuropterus volucella (flying squirrell). Fundort: Jowa,
ü. S. A.
2) H. attenuatus, Osb. 1890. Sciurus cinereus var.
ludovicianus (fox squirrel). Jowa.
3) H. hesperomydis,Osb. 1890. Hesperomysleucopus
(white footed mouse). Jowa.
4) H. suturalis, Osb. 1890. Spermophilus franklini,
Sp. 13-lineatus (ground squirrels), Tamias striatus (chip
munk). Jowa.
Haematopinoides, Osb., nov. gen., 1890. „Antennae com-
posed of three joints, terminal Joint deeply excavated on the posterior
side; abdominal Segments at lateral margins broadly chitinous with
a strong tubercle and a semicircular plate above and below lapping
over the chitinous portion of the sueeeeding segment."
5) Haematopinoides squamosus, Osb. 1890. Geomys
bursarius (pocket gopher).
Liotheidae.
6. Trichodectes geomydes, Osb. 1890. Geomys bur-
sarius, Thomomys sp.? Stiles (Washington, D. C).
Thümen, Felix von, Ueber einige besonders beachtens-
werthe, durch parasitische Pilze hervorgerufene
Krankheiten der Apfelbaumblätter. Wien 1891.
Verf. bespricht zunächst eine Krankheit, welche das eine Mal
*uf dem Laube auftritt und dann „Blattbrand41 oder kurzweg „Brand14
43*
ß76 Krankheiten der Apfelbaumblitter.
genannt wird, das andere Mal aber (in nur wenig abweichender Form)
die Früchte heimsucht und dann „Rost" oder „Rostflecken" heisst.
Der wissenschaftliche Name ist Fusicladi um dendriticum Fuckl,
und zwar wird insbesondere die laubbewohnende Form so genannt,
während die auf der Apfelfrucht vorkommende als var. Soraneri
Thüm. bekannt ist. Der „Blattbrand" bildet auf dem Laube
rundliche, fast sammetartig zu nennende, gegen den Rand hin sich
strahlig verästelnde Flecke, deren Färbung anfangs hellolivenbraunt
später dunkler und im Herbst beinahe schwarz wird. Oft sind diese
Flecken ganz klein und dann in großer Zahl vorhanden, oder sie sind
ziemlich gross, l1/» — 2 cm im Durchmesser und dann in geringerer
Zahl anwesend. Meist besetzen sie nur die Oberseite der Blätter, aus-
nahmsweise kommen sie aber auch auf der Unterseite vor. Sehr
häufig befallen sie auch die einjährigen Zweige und Triebe, woran sie
freilich sehr schwer zu erkennen sind. Da sie nach den Beobach-
tungen der Pomologen sich immer zuerst nach einem Regen zeigent
hat man sie „Regenflecken14 , „Wasserflecken", „Baumflecken",
„Eisenmale" genannt. Aus diesem Auftreten lässt sich schliessen,
dass die Sporen zum Keimen eine unmittelbare Benetzung nöthig haben,
und nach Göthe tritt der Pilz auch nur auf denjenigen Theilen der
Blattfläche und der Früchte auf, die vom Regen oder von abfliessen-
den Tropfen getroffen resp. benetzt wenlen. Unterständige Bl&tter
bleiben immer davon frei, und an den Früchten sind die Pilzflecken
meist nur um die nach oben gerichtete Kelchwölbung zu finden.
Göthe glaubt auch, dass während des Sommers und Herbstes die Ver-
mehrung der Pilzflecke nur nach Regen stattfinde, woher die um die
Zeit der Herbstregen wahrnehmbare starke Zunahme der Flecke
sich erkläre. Das Mycel wächst unter der Oberhaut, breitet sich hier
aus und sendet eine grössere Anzahl kurzer, gerade aufgerichteter,
fädiger und büschelig verzweigter oder gegabelter Fäden an die Ober-
fläche. Dieselben sehen ebenso olivenbräunlich aus, wie die Sporen,
die sich an ihren Spitzen abschnüren. Die Sporen sind sehr ver-
schiedengestaltig, meist etwas schmal keulenförmig oder verschmälert
eirund, am vorderen Ende zugespitzt, einzellig, nur zuletzt durch eine
Scheidewand zweizeilig. Das Eindringen des farblosen Keimschlauches
in die Blattoberhaut wurde noch nicht beobachtet, doch sah man an
Blättern, deren Oberhaut durch zu grosse Trockenheit aufgerissen war,
die Keimschläuche unmittelbar in die blossgelegten Zellschichten hin-
einwachsen. Während man früher dem Blattbrand eine grosse Be-
deutung nicht beimass, hat sich gegenwärtig doch herausgestellt, dass
er den Obstbau ganz bedeutend schädigen kann. Tritt er auf den
Früchten auf, sp kann die ganze Ernte entwerthet werden, und findet
er sich nur auf den Blättern, so wird das Allgemeinbefinden der
Pflanze in der nachtheiligsten Weise beeinflusst, da das Laub funktions-
los wird, also nicht im Stande bleibt, den für das Gedeihen und
Wachsen der Pflanze unerlässlichen Gasaustausch zu vermitteln. Die
jungen Zweige bleiben dünn, reifen nicht aus; es bilden sich nur un-
genügend Reservestoffe etc. Auf Entstehung, Ausbreitung und Wir-
kung des Uebels haben Bodenbeschaffenheit und Klima einen grossen
Einfluss. In schwerem Boden tritt die Krankheit heftiger auf, als in
Krankheiten der Apfelbarnnblfttter. ß77
leichtem, ferner wirkt ungünstig regnerische Witterung, dichter Stand
-der Bäume etc. Als Massregeln vorbeugender Art siod zu nennen :
Drainage des zu nassen und zu wenig durchlässigen Bodens, offene
Pflanzung, Auswahl widerstandsfähiger Sorten, Schutz der Bäume
gegen Frühlingsregen, Beseitigung bez. Vernichtung der vom Pilze
befallenen Blätter und Früchte, Anwendung von Abtrittdung, ver-
mengt mit Holzasche und Thomasphosphatmehl in reichlichen Gaben.
Direkt hat man mit Erfolg die Bestäubung der Blätter mit Schwefel-
blüthe mittelst eines einfachen billigen Schwefelblasebalges und Be-
sprengung derselben mit Bordelaiser Brühe angewendet.
Eine weitere für's Laub der Apfelbäume gleich verderbliche
Krankheit ist der „Mehlthau", hervorgerufen durch das Oidium
farinosum Gooke. Das Uebel zeigt sich bereits im Frühjahr, und
zwar zur nämlichen Zeit, da die ersten jungen Blättchen aus der
umseUiesseBden Knospenhülle hervortreten und sich aufzurollen be-
ginnen. An ihnen erscheint der Mehlthau in Gestalt eines zuerst ziem-
lich dicken, anfangs schneeweissen, später gelblichhellgrauen, lockeren,
abwischbaren Ueberzugs von mehlartiger Beschaffenheit. Das auf
der Oberfläche der Blätter gleichmäßig vertheilte Pulver färbt ab
und zeigt deutlich einen Schwammgeruch. Es werden aber nicht
bloss die jungen, zarten Laubblättchen, sondern auch die jungen, in
der Entwickelung begriffenen, noch grünen und krautartigen Triebe,
wie nicht minder kurze Zeit später die Blüthenknospen vom Mehlthau
befallen. Die Blätter bleiben in Folge dessen im Wachsthum zurück,
werden verkrüppelt und missgestaltet, zeigen nicht selten auch eine
nicht unbeträchtliche Hypertrophie. Die bepilzten jungen Triebe sind
widerstandsfähiger, doch wird ihr Wachsthum allmählich schwächer
und erreicht bald ein Ende. Gewöhnlich bricht aber dann statt des
absterbenden seitlich ein anderer Trieb hervor, dem oft noch ein
dritter folgt Die Blüthen entfalten sich gar nicht normal, sondern
vertrocknen und fallen ohne Fruchtansatz ab. Durch die Mehlthau-
kraokheit wird nicht bloss die zeitweilige Ernte vernichtet, sondern
der Baum durch den fortwährenden Anreiz zur Bildung neuer Blätter
und Triebe und durch die dieser Neubildung auf dem Fusse folgende
Vernichtung derselben so geschwächt, dass auch spätere Ernten un-
möglich werden und er abstirbt. Das Oidium farinosum Cooke ist
verschieden von dem echten Apfelmehlthau (SphaerothecaCastag-
neiL6v. f. Mali) und hat noch niemals Schlauchfrüchte beobachten
lassen. Es bildet auf der Oberfläche der ergriffenen grünen Pflanzen-
theile ein reich verzweigtes, farbloses Fadengeflecht, auf dem senk-
recht oder schräg zahlreiche Co nid ien träger, aus breitelliptischen
Zellen zusammengesetzt, aufsteigen, von denen die oberste, die Schei-
telzelle, als Gonidie abgeschnürt wird. Durch gelappte oder finger-
artige Ausstülpungen heftet sich das Geflecht fest an die Unterlage
An. Gleichzeitig dienen diese Ausstülpungen (Haustorien) der Er-
nährung des Pilzes, da sie die Zellen der unmittelbar befallenen
Theile ihres Zellsaftes berauben. Unter ihrer Einwirkung werden die
betreffenden Organe braun, welk und sterben schliesslich ab. Die
Verbreitung des Uebels ist eine sehr weite. Dasselbe tritt in Öster-
reich, Ungarn, Siebenbürgen, im südlichen und mittleren Deutsch-
678 Krankheiten der Apfelbaamblitter.
land, Nordfrankreich und England auf. Es ergreift mehr oder we-
niger alle Apfelsorten, am heftigsten die feinsten und werthvollsten
(in Tirol z. B. den Rosmarinapfel). Zur Bekämpfung des Uebels wird wie
bei Bekämpfung des Mehlthaues der Reben Schwefelpulver und Borde-
laiser Brühe angewandt.
Eine dritte Krankheit des Laubes der Apfelbäume, der „echte
Mehlthau",. wird durch einen andern Mehlthaupilz hervorgerufen, die
Sphaerotheca Gastagnei L6v., der aber nicht bloss Conidiensporen,
sondern auch Früchte mit Sporenschläuchen erzeugt. Anfänglich er-
scheint derselbe in Gestalt kleiner, leichter, weisslicher Tupfen auf
der Oberseite der Apfelbaumblätter. Bei fördernder Witterung ver-
größern sich die Tupfen bald, verschmelzen mit einander und bilden
schliesslich einen zusammenhängenden Ueberzug, in welchem Falle
die Bildung von Sporen eine so reichliche werden kann, dass das
Blatt ganz dick mit Mehl überpudert scheint. Das Wachsthum der
Blätter und Triebe, die Streckung der Internodien bleiben zurück,
Blätter und Triebe sterben in schweren Fällen wohl auch ab, die
Blüthen vergrünen u. s. w. Schlauchfrüchte hat man bis jetzt nur an
den jungen Trieben und Blattstielen im Glashause zurückgehaltener
Apfelbäumchen, nicht im Freien gefunden. Sie scheinen nur an durch
Kultur schwächlich gewordenen Nährpflanzen aufzutreten. Der Schäd-
ling überwintert, indem an den stark vom Pilze umsponnenen Trieben
schwächlicher (etiolirter) Apfelbäumchen sich das Fadengeflecht
zwischen den äussern Knospenschuppen ansiedelt und entwickelt
Auf der Aussenseite erscheinen die Knospen dann gänzlich von dem
reichlich Conidien abschnürenden Geflecht überzogen. Die ketten-
förmig verbundenen Conidien der ersten Entwickelungsstufe des Pilzes
sind breit eirund, am Grunde etwas verbreitert abgeplattet, farblos
und 6tehen auf gerade aufrechten, langen und dünnen, septirten
Trägern. Die auf den Trieben und an den Blattstielen erscheinend«!
Schlauchfrüchte (Perithecien) sind von dunkelbrauner Farbe, fast
kugelig, von oben nach unten etwas zusammengedrückt, ziemlich
klein, aber unter sich von gleicher Grösse und treten immer gesellig
auf. Innerhalb der Perithecien findet sich nur ein derbwandiger,
hellbrauner Schlauch mit 8 eirunden bis cllipsoidischen, einzelligen,
farblosen Sporen. Am Grunde der Perithecien entspringen meist
sechs (selten mehr) cylindrische, aufstrebende, ziemlich lange, zellig
abgetheilte, zuweilen etwas geknickt wellige, unten tiefbraune, gegen
die kegelförmige gerade Spitze hin farblos werdende Stützfäden,
zwischen denen zuweilen noch kurze, braune, haarförmige Aus-
stülpungen der fünfseitigen Kapselfelder erscheinen.
O. E. R. Zimmermann (Chemnitz).
Institute (Tollwuth). 579
Institute.
Finkelstebi, J. M., Bericht für das Jahr 1890 aber die
Pasteur'sche antirabische Station am Militär-medi-
cinischen Laboratorium des Kaukasischen Militär-
kreises zu Tiflis. (Protokolle d. Verh. d. Kaiserl. Med. Kaukas.
Gesellsch. 1891. Nr. 19. S. 607 u. ff.) [Russisch.]
Im Jahre 1890 wurden 94 Patienten aufgenommen, 1889 waren
88 und 1888 (das erste Jahr des Bestehens der Station) 31.
Von diesen 94 waren gebissen: von notorisch wuthkranken
Thieren 23, von Thieren, die zur Sektion kamen, 19, von verdächtigen
Thieren 60, endlich von ganz gesunden Thieren 2. Eine erfolgreiche
Kauterisation mit Ferrum candens , Acidum nitricum , oder
starker Karbolsäurelösung, ausgeführt im Verlaufe der ersten Stunde
nach dem Bisse — fand 8 mal statt, erfolglose Kauterisation (später
als nach 1 Stunde) — 24 mal, und ohne jegliche Kauterisation blie-
ben 62 Fälle. Aehnliche Zahlen gab das Jahr 1889.
Die gebissenen Wunden waren in 58 Fällen multipel, in 36 ein-
fach. Dieselben nahmen folgende Stellen ein: Kopf und Gesicht
J5 mal, Hände 33, Extremitäten 42 und den Rumpf 4 mal. Im
Ganzen wurden 51 Personen in die entblössten Körpertheile ge-
bissen.
Das Alter der Gebissenen: von 6!/j Monaten bis 18 Jahre
27 Personen, von 19—45 Jahre 58, von 45—47 9. Männer waren
76, Frauen 18.
Die Kranken kamen zur Station, nachdem seit dem Bisse folgende
Zeiträume verflossen waren:
Nach 1—4 Tagen 20 Personen, 5—7 Tagen 29 (also in der
ersten Woche nach dem Biss 49), in der zweiten Woche 33, der
dritten 7, der vierten 4, der fünften 1. Unter den beissendcn
Thieren waren 75 mal Hunde, 15 mal Wölfe, 1 Schakal, 1 Katze,
1 Pferd (und 1 ? Ref.). Nicht uninteressant ist es, dass das meiste
Kontingent der Soldatenstand lieferte: 35 (darunter 5 Offiziere und
1 Kind), darauf Bauern, vertreten mit 31 Fällen, Bürger mit 9 Fällen,
Beamte und deren Kinder mit 5, Edelleute mit 4, verabschiedete
Soldaten nebst deren Kindern 3, Kolonisten 3, Kaufleute 2, und Sohn
eines Geistlichen 1 Fall.
Am meisten wurden aus dem Tifliser Gouvernement aufgenom-
men, 24 Personen, sodann aus dem Kutafe'schen 22, dem Kars'schen
Kreise 16, dem Erivan'schen 6, aus dem übrigen Kaukasus 20 und
von ausserhalb 6. Nach der Nationalität waren am meisten vertreten
Russen 39, Grusier, Emeretiner, Mingrelier, Gurier und Lasen 25,
Armenier 12, Lesginer 6, Polen 4, Esthen 3, Juden 2, Deutsche,
Lithauer und Kurden je 1. Hierbei wiederholt sich also dasselbe
wie im Vorjahr, dass namentlich aus dem östlichen mohamedanischen
Kaukasus weit weniger Gebissene ankommen, trotzdem daselbst so-
wohl an wuthkranken Hunden wie an Wölfen kein Mangel ist. Sehr
<}80 Institut« (Tollwttth).
zahlreich Tertreten ist das Kutals'sche Gouvernement und in diesem
weder der Osurget'sche Kreis.
Die am meisten unglückbringende Jahreszeit war der Sommer
mit 29 Fällen, hierauf das Frühjahr sowie der Herbst mit je 24 Fällen
und der Winter mit 17. Die einzelnen Monate gaben folgende Ziffern:
Der I. Monat gab 5 Fälle, der II. 7, der HL 10, der IV. 7, der V.
7, der VL 16, der VII. 11, der VIII. 2, der IX. 9, der X. 9, der XL
6, und der XII. 5 Fälle.
Was die Injektionsmethode anbelangt, so ist F. von der über-
grossen Furcht vor kräftigen Emulsionen, sowie von grösseren Zahlen
der Einspritzungen and Einbringung eintägigen Marks abgekommen
So wurden im ersten Jahre des Bestehens der Station ca. 20 In-
okulationen pro Patient gemacht, später aber 30—32 und bei schweren
Bissen bis zu 45. Auch nimmt F. auf 1 ccm Emulsion 1li cm
Rückenmark. Trotz alledem wurde die Beobachtung gemacht, dass
-das Allgemeinbefinden der betreffenden Patienten zum Ende der Kar
und bald darauf sich bedeutend besserte, namentlich bei vorher
anämischen und schlecht genährten. Die 1890 geübte Spritzmethode
war folgende:
I. Serie.
IL Serie.
1.
Tag
12-
tägiges Mark
10.
Tag 8-tägiges Mark
11
10
99
91
91
7
ii
91
n
8
11
99
11.
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2.
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11
15.
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91
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11
16.
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11
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99
19.
11
1
1»
91
9.
99
1
9)
«1
Es wird also 32— 36 mal gespritzt, u. z. 26— 28 mal mit intensivem
5—1- tagigen Mark. In ernsten Fällen (Wolfsbisse etc.) wird in
den ersten 3 Tagen 3 mal gespritzt, und darauf 2 mal täglich bis
zu Ende; zusammen 40 — 45 mal. Es kommt noch zu einer III. Serie,
und damit die Kur statt 18—19 Tage 25—30. Ja F. ist nicht ab-
geneigt, in Zukunft bei schweren Fällen 6 Einspritzungen am Tage
zu verabfolgen, wie es bereits in der Odessaer Station ausgeführt wird.
Gestorben sind von 94 Personen 5 (hierunter 3 Kinder, 11, 12
und 14 Jahre), von denen 1 nach Hundebiss, 1 nach Schakalbiss
und 3 nach Wolfsbiss. Bei 4 waren die Wunden am Kopf und Ge-
sicht und bei einem an der Handwurzel. Die Wuthkrankheit war
bei einem noch während der Behandlung ausgebrochen, bei 3 aber
Institute (ToUwuth.) 681
noch bevor 15 Tage nach der Kar verstrichen waren, d. h. also noch
ehe die Injektionen volle Zeit hatten (nach Pasteur nicht vor 25
Tagen) ihre Wirkung zu entfalten. Ausserdem waren alle 5 zur
Station 12—14 Tage nach stattgehabtem Biss angelangt
So sind also gestorben in Folge von manifester Wirkungslosig-
keit der Kur blos einer.
Seit Bestehen der Station, also im Zeiträume von 1888 bis 1890
inkl. (21/» Jahre) wurden beinahe 200 von tollen Hunden gebissene
Personen behandelt, von denen blos einer starb, was 0,5% ausmacht.
Dieses Resultat ist nicht besser und nicht schlechter, als in den anderen
Stationen. Rechnet man aber alle stattgehabten Todesfälle, so steigt
die Sterblichkeit innerhalb 21/, Jahren auf 3,7%.
Schliesslich wurden 35 Sektionen verdächtiger Hunde gemacht,
und 40 Personen wurde eine antirabische Behandlung verweigert,
weil sich keine Hautwunde nachweisen Hess.
L. Heydenreich (Wilna).
Perdrlx, Les vaccinations antirabiques k l'Institut
Pasteur en 1890. (Annales de llnstitut Pasteur. 1891.
No. 5. p. 344.)
Im Jahre 1890 wurden 1546 Personen im Institut Pasteur mit
antirabischen Schutzimpfungen behandelt, von denen 11 nach Be-
endigung der Behandlung verstarben = 0,71 °/0. Unter diesen 11
Personen erlagen 6 innerhalb der nächsten 15 Tage nach dem Ende
der Injektionen und sollen deshalb, da nach Massgabe der Thier-
vereuche bei ihnen die Infektion der Nervenzentren bereits während
der Behandlung sich ausgebildet haben musste, nicht zu Lasten der
letzteren gerechnet werden dürfen. Es verbleiben somit nur 5 Todes-
fälle = 0,32 °/o-
Die Zahlen der letzten Jahre sind folgende:
1886 behandelt 2671, gestorben 25 = 0,94 °/0
1887 „ 1770, „ 13 = 0,73 „ •
1888 „ 1622, „ 9 — 0,55 „
1889 „ 1830, „ 6 = 0,33 „
1890 „ 1540, „ 5 — 0,32 „
In Bezug auf die Oertlichkeit des Bisses ergibt die Statistik
pro 1890:
Bisse am Kopf, Mortalität von 0,85 °/0
„ an den Händen, Mortalität von 0,45 „
„ an Gliedern und Rumpf, Mortalität von 0,0 „
Die Statistik der Behandelten lässt ersehen, dass in einigen
Departements von Frankreich die Hundswuth abgenommen hat (Seine,
Finist&re u. s. w.), während in anderen Gegenden wahre Epidemieen
vorkamen (Rhone, Alpes-Maritimes). Buchner (München).
Q82 BakteriologbebM rom VIL JaUnutttowl— Kongnta in Loadon.
Originalberichte Ober Kongresse.
Bakteriologisches vom VII. internationalen Kongress
für Hygiene und Demographie zu London,
10.-17. August 1891,
(Fortsetzung.)
Sektion fflr Bakteriologie.
Diese Vorgänge sind von Metschnikoff entdeckt und als
Phagocytose bezeichnet worden. Die Phagocyten (tbefls weisse
Blutkörperchen verschiedener Art, theils Endothelien) haben eines
gemeinsamen mesodermalen Ursprung und besitzen die gemeinsame
Fähigkeit, aufgenommene Körperchen zu verdauen. Von allen Zellen
der höheren Thiere sind sie die einzigen, welche noch die intracella-
läre Verdaunng zeigen, und die Veränderungen, welche wir an den
aufgenommenen Bakterien im Innern der Phagocyten wahrnehmen,
sind in der That eigenartige, verschieden von denen beim Zagrunde-
gehen der Bakterien in den Kulturen; sie quellen auf, dann werden
die Kontouren undeutlich, und es erfolgt wahre Verdauung. Ganz
ebenso erfolgt der Vorgang bei den verschiedensten Infektionskrank-
heiten; je widerstandsfähiger die Thierspezies ist, um so rascher
werden die Mikrobien von Leukocyten aufgenommen; umgekehrt,
wenn das Thier empfänglich ist und keinen Widerstand leistet, so
bleiben die Mikroben frei und es fehlt die Phagocytose. Es scheint
demnach, dass die Phagocyten mit der Verteidigung des Körpers
betraut sind, und dass sie in der That mit den Parasiten in Kampf
gerathen. Aber es fragt sich, ob die Immunität in der That auf der
Phagocytose beruht, ob nicht etwa im Gegentheil das Auffressen
der Infektionserreger erst durch den schon vorher bestehenden
immunen Zustand ermöglicht wird?
Man weiss, dass die Leukocyten geneigt sind, todte Körperchen,
Karmin, Kohle u. dgl. aufzunehmen. Wenn sie also im immunen
Organismus die Infektionserreger auffressen, so geschieht dies viel-
leicht nur, weil letztere sich unter ungünstigen Bedingungen befinden
und sich deshalb gleichsam wie todte Körperchen verhalten. Diese
Meinung, welcher der Vortragende selbst früher beigepflichtet hatte,
wurde von demselben wieder aufgegeben angesichts der zahlreichen
Beweise dafür, dass die Bakterien keineswegs in degenerirtem Zu-
stand, sondern noch in voller Lebensfähigkeit aufgefressen werden.
Beispielsweise beim Frosch gibt es eine Septikämie, verursacht durch
sehr bewegliche Bacillen; man kann die letzteren ihre Bewegungen
noch im Innern des Protoplasmas der Phagocyten fortsetzen sehen,
was beweist, dass die Bacillen lebend aufgenommen werden. Metsch-
nikoff gelang es sogar, von einem bereits aufgefressenen Milz«
brandbacillus noch eine Kultur herzustellen, und diese Kultur war
virulent
Bakteriologisches vom VII. roternfttionftlea Kongress in London. gg3
Ein anderer Beweis für die Wichtigkeit des Phagocytismus liegt
darin, dass auch beim immunen Thier die Mikroben sich vermehren,
wenn sie nur vor den Angriffen der Leukocyten geschützt sind; z. B.
bei Verimpfung in die Vorderkammer eines immunisirten Kaninchens,
wo die Fresszellen mangeln, wachsen die Milzbrandbacillen anfangs
sehr gut, und ihre Vermehrung cessirt erst, wenn die in genügender
Zahl zugewanderten Zellen sie aufgenommen haben. Und die Milz-
brandsporen keimen in der Subcutis immunisirter Kaninchen, wenn
man dieselben durch Einschluss in ein kleines Papiersäckchen oder
durch Umhüllung mit etwas Watte vor den Angriffen der Leukocyten
beschützt Alle Bacillen aber, die ausser die schützende Umhüllung
gerathen, werden aufgefressen und an ihrer Weiterentwickelung ver-
hindert.
Die Phagocytose ist demnach eine sehr allgemeine und für den
Schutz des Organismus sehr wirksame Einrichtung. Aber welche ge-
heimnissvolle Kraft lenkt die Zellen nach den Mikroben hin? Warum
sind die Leukocyten, die sich beim immunisirten Thier der Mikroben
so leicht bemächtigen, hierzu unfähig beim empfänglichen Thier?
Metschnikoff dachte ursprünglich an taktile Reizung, aber es
handelt sich sicherlich um Chemotaxis, ausgeübt durch Produkte
der Bakterienthätigkeit, von denen einige anlockend, andere dagegen
negativ, d. h. abstossend auf Leukocyten wirken. Sobald ein In-
fektionserreger sich im Körper vermehrt, bildet er auch anlockende
Substanzen ; aber je virulenter er ist, um so energischer sind auch
die Gifte, die er erzeugt; daher kommt es, dass die Zellen, welche
hinznwandern, in ihrer Wirksamkeit gelähmt und zum Auffressen der
Mikroben unfähig werden. Bei einem durch Schutzimpfung künst-
lich immunisirten Thier dagegen existirt eine gewisse Angewöhnung
der Zellen, welche dieselben befähigt, die Mikroben aufzufressen,
bevor letztere noch bemerkenswerte Mengen von Toxin gebildet
haben.
Im Beginn der Infektion also findet der Kampf statt; wenn die
Leukocyten nicht sofort ihre Wirksamkeit entfalten können, so ist es
zu spät, weil dann die Mikroben genügend Gift gebildet haben, um
die Wirksamkeit derselben zu unterdrücken. Deshalb befördert jede
Einwirkung, welche die Leukocyten von der Inokulationsstelle fern
hält, andererseits die Infektion; z. B. die Milchsäure die Rausch-
brandinfektion bei dem sonst immunen Kaninchen. Andererseits er-
klärt sich der merkwürdige Einfluss des Rattenserums, welches bei
Mäusen, gleichzeitig mit Anthraxsporen injizirt, die Entwickelung des
Milzbrandes verhindert, durch die chemotaktische Wirkung dieses
Serums, welches sowohl die Keimung der Sporen verhindert, als auch
zahlreiche Leukocyten anlockt.
(FortseUnog folgt.)
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Institute,
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1890 ftber die Pasteur'sche antirabbefc
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ratorium des kaukasischen Militlrkreu«
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Perdrbt, Les TaecinarJons antirabiqucs »
l'Institut Pasteur, p. 681.
Originalberichte aber Kangrease.
Bakteriologisches vom VII. inter-
nationalen Kongress ffirHygiene
und Demographie au London,
10.— 17. August 1891. (Fortaeta ), p. 66)
Boux, Ueber Immunität, deren natürliches
Vorkommen und künstliche Erzeugung.
p. 688.
Heue Utteratur, p. 684.
Frommaniuohe Buchdrucker«! (Hermann Pohl«) tn Jen«.
^ für -<
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
Gd Holt. Prot Dr. Leintet nn Profissor Dr. Loefler
ta Ulpztf In OraMmld
herausgegeben ton
Dr. O. UMworm in Cassel.
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
X. Band. -o- Jen», den 5. December 1891. -0- No. 21.
Frei« fax den Band (96 Hummern) 14 Mark.
Jährlieb erscheinen iwei Binde.
—Hl Zu beziehen durch alle Bachhandlangen nnd Postanstalten. %*—
Die Redaktion des „CentraMatts für Bakteriologie und Parasiten'!
künde" richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wünsche um Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Auf-
sätze entweder bei der Einsendung der Abhandlungen an die
Redaktion auf das Manuskript schreiben zu wollen oder spä-
testens nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an
den Verleger, Herrn Gustav Fischer in Jena, gelangen zu
Ptosen, Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
eingehende Wünsche berücksichtigen zu können.
Original -Mittheilungen.
Ueber den Bau der Bakterien.
Beiträge
von
Professor E. Zettnow
in
Berlin.
Mit 1 Tafel.
,1m Frühjahr 1890 und Winter 1890/91 habe ich mich vielfach
jjamit beschäftigt, die Geissein von Bakterien nach Loeff le r 's vortreff-
licher Methode zu färben. Bei diesen Versuchen erhielt ich bei einer
"ix. 44
690 ÄettnöW,
Anzahl von Organismen in recht deutlichem Masse eine Hülle gefärbt.
von welcher die Geissein ausgehen. Die besten Beispiele für dieselbe
habe ich auf dem beiliegenden Lichtdruck zusammengestellt.
Spirillum serpens, Fig. 1 — 4 in lOOOfacher, Fig. 5 in 15t»
facher Vergrößerung, zeigt die Hülle am klarsten und deutlichsten.
Nicht nur in ein und demselben Gesichtsfeld liegen Individuen mi:
deutlicher Hülle dicht neben solchen, bei welchen sich keine Spur
derselben erkennen lässt und bei welchen die Geissein dem Anscheine
nach unmittelbar vom stark gefärbten Bacterium abgehen, sondern
mitunter zeigen sogar, wie auf Platte 119 meiner Geisselaufnahmen,
zwei dicht neben einander liegende Exemplare dieses Verhalten. Die
Art und Weise der Präparation und Färbung kann daher nicht die
Ursache der Erscheinung sein; ich bin der Meinung, dass gewisse
äussere Umstände, wie solche in der Ernährung, im Alter, Krankheit
u. a. m. zu suchen sind, den Grund zur Ausbildung der Hülle ge-
geben haben. Mit Kleb 8 undBütschli halte ich denjenigen Theo
der Bakterien, welcher sich mit den gewöhnlichen Kernfarben leicht und
kräftig färbt, für den eigentlichen, scheinbar das ganze Bacterium
bildenden Kern, während ich den schwer und nur mit Beizen nach
Loeffler's Methode zur Anschauung zu bringenden Theil für das
Plasma halte. Das letztere ist nicht immer von gleicher Färbbarkeit
und wahrscheinlich von ungleichmäßiger Beschaffenheit ; während es bei
Fig. 1 und 3 ziemlich gleichmäßig die Farbe aufgenommen bat,
treten bei Fig. 2 und 4 bedeutende Unterschiede auf. Die Haupt-
masse der Farbe hat sich an den äusseren Rändern abgelagert.
während die nach dem Kerne zu liegenden Theile beinahe ungefärbt
erscheinen. Eigentümlich sind bei Fig. 1, 3 und 5 die dem Kerne
angelagerten Kugeln. Als ich dieselben zum ersten Male erblickte, hielt
ich sie für fremde, zufällig angelagerte Organismen, bin jedoch bald
von dieser Vorstellung zurückgekommen. Das Studium derartiger
Anlagerungen bei anderen Mikroorganismen zeigt doch ein anderes
Aussehen. Sehr starke Vergrösserungen, etwa 3000fach, und Anwen-
dung von Sonnenlicht, um das kräftig gefärbte Bacterium zu durch-
leuchten, haben niemals eine doppelte Kontour an der scheinbares
Anlagerungsstelle gezeigt; stets war der Inhalt des Kernes an solchen
Stellen sowohl bei okularer Beobachtung im Mikroskop und auf der
matten Scheibe des photographischen Apparates, wie auch nach sehr
langer Exposition, in Folge deren sich die Einzelheiten des Kernes
im Negativ bereits gut markirten, gleichmässig; die bei so starken
Vergrösserungen auftretende, den Kern umgebende Doppellinie setzt
sich tadellos in den kugeligen Abschnitt fort. Meist sieht man is
der Grösse verschiedene halbkugelförmige Auftreibungen; nur einmal
habe ich eine volle Kugel angetroffen, welche bei 2000facher Ver-
grösserung vom Kern gerade abgetrennt erscheint; diese Trennung
ist auf dem Originalnegativ, sowie auf dem Positiv gut zu erkennen,
bei Herstellung des Lichtdruckes und Verkleinerung auf löOOfach
Fig. 5 jedoch verloren gegangen. Bei manchen Exemplaren zeigte
jede Windung sich mit einer grösseren oder kleineren kugeligen Ab-
treibung versehen. Ich bin geneigt, sie für Involutionsformen zu halten:
sehr schön kann man diese Erscheinung bei Proteus vulgaris be-
ÜeW den Bau der Bakterien« 691
obachten, bei welchem, sei es in der Mitte, sei es an dem einen Ende
eines Fadens, eine einzige Zelle, noch im Verband stehend mit den übrigen,
dem Anschein nach völlig gesunden, sich zu einer Kugel, besetzt mit
Geissein, umgewandelt hat Eine Untersuchung an ungefärbten Prä-
paraten von Sp. serpens derselben Herkunft ist leider unmöglich,
da ich bei Anfertigung der Geisseipräparate auf die Kugelgebilde nicht
achtete und es versäumte, ungefärbte Trockenpräparate herzustellen.
Während bei dem Spirillum serpens das Plasma den ganzen Kern
umgibt und gut bei Fig. 2, schlechter bei Fig. 3 die Theilungs-
erscheinung deutlich zeigt, ist dasselbe bei vielen Stäbchen hauptsäch-
lich an den Polen angehäuft, während es sich an den Seiten nicht
bemerklich macht Ein solches Verhalten zeigt Proteus vulgaris
Fig. 6—8, lOOOfach vergrössert Fig. 6 und 7 stellen denselben Faden
vor, nur mit verschiedener Kraft kopirt Bei Fig. 6 ist der Kern
bereits tief dunkel, während Plasma und Geissein sehr hell erscheinen ;
versucht man, wie bei Fig. 7, die Geissein besser zur Ansicht zu
bringen, so verschwindet das Plasma immer mehr; auch im Negativ,
in welchem die Unterschiede schöner und deutlicher sichtbar sind,
ist von einem selbst sehr geringfügigen Plasma an den Längsseiten
nichts zu erkennen. Die Geissein treten gerade beim Proteus in solcher
Menge und bei einzelnen Exemplaren in solcher Fülle und Länge auf,
dass sie den Kern mitunter um das Doppelte an Masse übertreffen;
ich kann mich der Ansicht nicht erwehren, dass das Plasma, vom
Kern bereitet, sogleich die Gestalt der Geissei und zähere Konsistenz
annimmt, anstatt ziemlich gleichmässig den Kern zu umgeben und
die Geissei erst von seiner Oberfläche auszusenden. Fig. 8 zeigt am
oberen Ende des Fadens eine kranke Zelle mit viel Plasma von ver-
schiedenem Grade der Färbbarkeit, ähnlich wie beim Sp i r. serpens,
wahrend am unteren Ende das Plasma nicht so deutlich in der Kopie
wie im Negativ hervortritt
Chromatium Okenii oder eine ihm sehr nahe stehende Form
ist in Fig. 9—11 abgebildet; dasselbe fand sich in Präparaten von
pfirsichblütrothen Fäulnissorganismen und hat beim Trocknen die
Gestalt ziemlich stark verändert. In lebendem Zustande beobachtet,
zeigten die Chromatien eine länglich walzenförmige Form und waren
mit hellen, glänzenden Schwefelkörnern erfüllt; die kleineren Exemplare
zeigen auch noch im Trockenpräparat eine walzrunde oder bohnen-
förmige Gestalt, die Oberfläche war schwach pfirsichblütroth. B ü t s c h 1 i
bildet in seiner Abhandlung „Ueber den Bau der Bakterien" das
Chromatium mit 1 Geissei ab und habe ich bei lebenden Exemplaren
ebenfalls nur 1 Geissei erkennen können; auch im Trockenpräparat
zeigen viele der kleineren nur diese eine; jedoch spitzt sich dieselbe
stets zu, mag sie nun gerade in der Mitte entspringen oder, wie in
der Mehrzahl der Fälle, seitlich; bei dem dritten Theil der beobach-
teten Chromatien spaltet sie sich in mehrere, 3—6 Theile. Die Hülle
gibt Büts chl i als ziemlich schmal, wenn auch völlig deutlich bei leben-
den Individuen an ; dementsprechend ist dieselbe auch in den gefärbten
Exemplaren schmal. Fig. 10 und 11 zeigen dasselbe Chromatium
bei verschieden langer Exposition. Fig. 10, sehr lange exponirt, um die
Hülle, welche sich ziemlich kräftig mitgefärbt hatte, zu zeigen, lässt
44»
694 Zschokke,
konvexen Seite, den Kern fast bis zum Pol überzieht; an anderen
Stellen berühren sich 3 Stück derselben Gruppe und sind in ähn-
licher Weise getrennt, nur ist die Plasmazone noch deutlicher. Bei
allen 4 tritt sie nur auf der konvexen, nicht auf der konkaven Seite
der Spirillen auf.
Berlin, d. 23. Oktober 1891.
Die Parasitenfauna von Trutta salar.
Von
Prof. Dr. F. Zschokke
in
Basel.
Die Beziehungen zwischen der Lebensweise eines Thieres und
der Zusammensetzung seiner Schmarotzerfauna sind bis heute nur
selten der Gegenstand eingehender Studien gewesen. Im Allgemeinen
dürfen wir allerdings annehmen, dass die Gewohnheiten irgend eines
Geschöpfes bestimmend einwirken auf den Charakter der dasselbe
bewohnenden Parasitenwelt. Besonders wird mit der Frage: wie und
von was ernährt sich ein Thier? gleichzeitig auch die zweite beant-
wortet sein: welche Schmarotzer suchen es heim? Durch die Nahrung
wird die Grosszahl der ungebetenen Gäste in den thierischen Körper
eingeschmuggelt; mit der Natur der Nahrungsstoffe wechselt auch
die der mit ihnen eingeführten Parasiten. Verschiedene Kost zu
verschiedenen Lebensaltern bedingt eine Veränderung im Stande der
Schmarotzergesellschaft nach Vertretung von Arten und von Indivi-
duen. Neben der Nahrung ist es die Wohnung, das heimathliche
Medium, das die Parasitenfauna eines Thieres beeinflosst. Seine
Bewegungsweise, sein mehr oder weniger enges Zusammenleben mit
verschiedenen anderen Wesen, kurz seine Lebensgewohnheiten im
weitesten Sinne werden den Stand seiner Schmarotzerwelt ebenfalls
bedingen. So erscheint uns die Natur der Parasitenbevölkerung nicht
als etwas Zufalliges; die Zusammensetzung der schmarotzenden
Fauna muss das Spiegelbild der Lebensweise des Wirthes sein. Ge-
wohnheiten des Parasitenträgers und Natur der Schmarotzer stehen
so in engster Wechselbeziehung; kennen wir nur das eine, so können
wir mit einer gewissen Sicherheit a priori auf das andere schliessen.
Wir dürfen wohl mit Recht erwarten, dass die Wanderfische
Gelegenheit haben werden, sich mit Parasiten, die sonst nur marinen
Thieren eigen sind, zu infiziren, und daneben gleichzeitig Schmarotzern
von Süsswasserfischen zur Heimath dienen. Die Gewohnheit des
Wanderns wird sich in der Zusammensetzung der Parasitenfauna
wiederspiegeln. Es wird die letztere je nach Zeit und Art der Er-
beutung des Wanderfisches mehr aus marinen Formen oder aus Süss-
wasserelementen zusammengesetzt sein.
Um die Abhängigkeit der Entozoenbevölkerung von der Lebens-
Die P&rasitarfanna von Tratte salif. 695
weise des Wirthes durch ein Beispiel zu beleuchten, wurden schon
vor zwei Jahren die Resultate von Beobachtungen an 45 Rhein-
lachsen veröffentlicht und damals festgestellt (42), dass die Parasiten-
fauna der im Rhein gefangenen Exemplare von Trutta salar einen
sehr scharf ausgeprägten marinen Charakter besitzt. Reine Süss-
wasserformen sind in ihr nicht vorhanden. Es entspricht dieses
Verhalten der von His (14) und Mie scher (28) nachdrücklich
hervorgehobenen Thatsache, dass „der Rheinsalm vom Aufsteigen aus
dem Meer, bis er verlaicht hat, niemals Nahrung zu sich nimmt und
auch nachher in der Kegel nicht". Mit dem Aufhören der Nahrungs-
aufnahme wird auch die grosse Hauptpforte der Parasiteninvasion
geschlossen; im Rheinsalm durften also wohl aus dem Meer mit in
den Fluss geschleppte Schmarotzer der marinen Fische, nicht aber
typische Gäste der SQsswasserbewohner erwartet werden. Dies traf,
wie bemerkt, zu; doch schien es wünschenswerth, den vorläufig er-
brachten parasitologischen Beweis der Richtigkeit des M i e s c h e r * sehen
Satzes durch Bearbeitung reicheren Materials zu kräftigen. Wichtig
für die Beurtheilung der Parasitenwelt des Rheinsalms musste der
Vergleich mit derjenigen im Meere erbeuteter Lachse sein. In diese Ver-
gleichung mussten, wo immer möglich, auch die in die kurzen Flüsse
Schottlands, Skandinaviens, Finlands etc. aufsteigenden Lachse ge-
zogen werden, die im Süsswasser nicht so strenge dem Fasten zu
huldigen scheinen, wie ihre rheinischen Verwandten. Schreibt mir
doch Dr. O. Nordquist: „Bei uns in Finland scheint der Lachs
in dieser Beziehung in verschiedenen Flüssen sich verschieden zu
verhalten. In einigen nimmt er Nahrung zu sich, in anderen nicht,
was beim Angeln deutlich hervortritt, da er in einigen Flüssen an-
beisst, in anderen dagegen nie mit der Angel gefangen worden ist.**
Auch in Schottland und Irland soll der Lachs im Süsswasser an
manchen Orten mit der Angel gefangen werden. Für den Tay fasst
W. C. M* I n t o s h (29), auf eingehende Untersuchungen sich berufend,
seine Ansicht in dem Satze zusammen: „The true State of matters
would seem to be that tho salmon when in fresh water feeds rarely
and at intervals, but not from want of voracity, as the Contents of
the stomachs above mentioned show; and further, that such food
is occasionally found in its stomach February tili August." M' In-
t o sh steht damit im Gegensatz sowohl mit K n ox (16), der behauptet,
der Lachs nehme im Süsswasser keine Nahrung mehr auf, nachdem
er erst einmal das Meer besucht habe, als mit Owen (33), der an-
nimmt, der Süsswasserlachs fresse gierig, habe aber die Gewohnheit,
bei der Gefangennahme die aufgenommene Nahrung wieder auszu-
brechen.
Diese von den Zuständen im Rhein offenbar abweichenden bio-
logischen Verhältnisse mussten bis zu einem gewissen Grade wieder-
um ihren parasitologisehen Ausdruck finden. Durch die Vergleichung
der Lachsschmarotzer verschiedener Lokalitäten durfte wohl eine
klarere Beleuchtung der Frage über den Zusammenhang von Lebens-
weise des Wirthes und Charakter der Entozoenfauna von Trutta
salar zu erwarten sein.
696 fcschokke,
Von 129 im Rhein gefangenen Lachsen worden die Eingeweide
untersucht Der Danninhalt bestand in allen Fällen ausschliesslich
aus jener dickschleimigen, gelben oder gelbbraunen Masse, die schon
M' Intosh (29) erwähnt und die von Mi escher (28) näher ge-
schildert wird. Nahrungssubstanzen Hessen sich nie erkennen; nur
einmal fanden sich im Dünndarm Pflanzenfasern und einmal ein
oberflächlich verdauter Gammarus pulex. Auch Miescher
konnte in den Eingeweiden der zahlreichen von ihm untersuchtes
Rheinlachse nie etwas anderes konstatiren, als zufällig mit dem Fluss-
wasser geschluckte Steinchen, kleine Stückchen Grashalm oder Pflan-
zenstengel. Einmal fand Miescher im Dünndarm eine vollkommen
unverdaute und intakte Insektenlarve, die wohl ähnlich wie unser
Flohkrebs zufällig, nicht beim Akt der Nahrungsaufnahme mit dem
Wasserstrom in den Darm des Fisches gelangt war. Nur einmal
endlich traf der "mehrmals erwähnte Forscher Reste von zwei Fischen
— wahrscheinlich Leuciscus — im Magen eines im Rhein gefan-
genen Lachses. Von Zeit zu Zeit soll während der Laichmonate im
Gebiete des Oberrheins ein Lachs an der Angel gefangen werden,
doch sind die darüber zitirten Fälle nicht verbürgt. Als eigenthüm-
liches Vorkommniss sei noch erwähnt, dass nach einer gütigen Mit-
theilung von Prof. Th. Studer in Bern der Magen eines in der
Aare gewonnenen Lachses zwei noch erkennbare Exemplare von Am-
modytes lanceolatus oder Atobianus enthielt Es würde
dies mit unseren Vorstellungen von der Wanderdauer der Lachse
stromaufwärts nicht im Einklang stehen. Doch bemerkt Studer
selbst, dass die Angaben des Fischers, der den betreffenden Lachs
in der Aare erbeutet haben will, mit Vorsicht aufzunehmen seien.
Von den 129 untersuchten Rheinsalmen erwiesen sich 125 ab
Parasitenträger, vier waren frei von Schmarotzern. Ueber die Natur
und das Vorkommen der Entozoen im grossen Wanderfisch des
Rheines mag die nebenstehende Tabelle eine vorläufige Uebersicht ge-
statten.
Die Parasitenfauna des Rheinlachses wäre somit aus der statt-
lichen Zahl von mindestens zwanzig Arten zusammengesetzt Doch
dürfen aus dieser Menge nur etwa vier oder fünf Formen als häu-
figere, theilweise fast regelmässige Vorkommnisse betrachtet werden
(Ascaris capsularia, Distomum varicum, Bothrio-
cephalus infundibuliformis, Rhynchobothrium palea-
ceum und Tetrarhynchus macrobothrius). Die übrigen
Arten suchen den Rheinlachs relativ selten heim.
Von den häufig wiederkehrenden Parasiten können wir gleich-
zeitig aber auch sagen, dass sie in ihrem Träger in grösster Indi-
viduenzahl schmarotzen. Ascaris capsularia wurde oft sehr
zahlreich in ein und demselben Wirth nachgewiesen; 20—40 Wür-
mer in einem Fisch waren keine Seltenheit; manchmal finden sich
indessen auch nur vereinzelte Exemplare des Parasiten. Distomum
varicum war häufig in der Zahl von 30—50 Individuen im
Schlünde des Wirthes festgesogen. Nach Kerbert's brieflicher
Mittheilung istD. varicum in den holländischen Lachsen keine Sei;
tenheit; dagegen fand unser Gewährsmann dort nie D. Miescheri
bie ^arftsitenfaunft von trutU salair.
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($98 Zschokke, Die ParmaitenfaiuiA von trntt» salaf .
oder D. reflexum. Auch von Bothriocephalas infun-
dibuliformis verzeichnen meine Listen einzelne Fälle massen-
haften Vorkommens, meist aber handelte es sich am vereinzelte oder
wenige, oft schwache und abgemagerte Exemplare. Als Mittelzahl
der vorhandenen Individuen dürfen wir 6—8 annehmen; wir werden
denselben Werth bei den Meerlachsen sehr viel höher zu notireo
haben.
Rhynchobothrium paleaceum und Tetrarhy nchos
macrobothrius brachten es auf 20 — 25 Individuen in ein und
demselben Wirthe. Alle anderen Parasiten traf man aber nur in
wenigen Exemplaren (wie No. 3, 6, 7, 8, 11, 12, 14, 15, 16), oder
sie traten überhaupt jeweilen nur in der Einzahl auf (No. 2, 5, 10,
18, 19). Erwähnenswerte ist eine sehr reichliche Infektion mit As-
caris adunca.
Ein Rheinlachs war häufig die Heimstätte mehrerer Formen von
Parasiten, wie das am besten aus folgender Zusammenstellung her-
vorgeht :
Von 129 untersuchten Rheinlachsen waren parasitenfrei 4;
1 Spezies Schmarotzer beherbergten 55 Fische.
3 ,i „ „ 20 „
4 6
" 1» 1» •» * W
Besonders verdient der Umstand hervorgehoben zu werden, dass
kein einziger Rheinlachs einen Schmarotzer im Darmkanal unterhalb
der Appendices pyloricae aufwies. Die Parasiten lagen sämmtlich
eingekapselt in und an den verschiedensten Organen, oder bewegten
sich frei in der Leibeshöhle; sie bevölkerten den Magen, bargen sich
in den weiten Falten des Schlundes oder zwängten sich ein in die
langen, schmalen, schützenden Blindsäcke des Pylorus. Das eigent-
liche Darmrohr aber blieb vollkommen parasitenfrei, im Gegensatz
zu den Verhältnissen, die wir bei den Meerlachsen kennen lernen
werden. Das geht sogar soweit, dass Parasiten, die bei anderen
Wirthen nur den Darm bevölkern, im Rheinlachs Magen und Schlund
beziehen, wie die folgenden Beispiele lehren mögen. Distomum
reflexum bewohnt sonst den Darm von Cyclopterus lumpus,
Ascaris adunca befällt den Darm von Alosa vulgaris, A.
finta, A. sapidissima, Ascaris angulata denjenigen von
Lophius piscatorius. Echinorhynchus acus ist im hin-
teren Abschnitt des Verdauungstraktus sehr zahlreicher Meerfiscbe
zu Hause, E. agilis findet sich an derselben Stelle bei Meer- und
Wanderfischen. Air diese Darmbewohner steigen in den Magen und
Schlund des Lachses, sobald er in den Rhein zieht, als ob sie dort
besser geschützt wären, als in den näher der Afteröffnung gelegenen
Abschnitten des Eingeweides. Wie das offene Darmrohr des Süsswasser-
lachses, so ist auch dasjenige der im Aquarium hungernden Meer-
fische, speziell der Plagiostomen, regelmässig nach kurzer Zeit frei
von den Schmarotzern, die sich dort sonst so massenhaft aufhalten.
Diese von Monticelli (30) gemachte Beobachtung kann ich aas
bn ebner, Zur Nomenklatur der schattenden Eiweisskörper. g99
eigener mehrfacher Erfahrung bestätigen. Der Rheinlachs verliert
also seine Darmgäste, wie ein beliebiger hungernder Meerfisch. Mit
dem NahruDgsausschluss ist eine Neueinfuhr von Würmern verhindert
Aus der Abwesenheit der Parasiten unterhalb der Pylorusanhänge kann
indirekt geschlossen werden, dass Trutta salar, nach Miescher's
(28) Annahme, im Rhein wirklich fastet. Mit Parasiten beladen zieht
der Lachs in den Fluss, wie wir dies nachzuweisen haben werden.
Sehr bald verliert er seine Darmschmarotzer, die durch keine neue
Zufuhr ersetzt werden. Es bleiben ihm nur die Bewohner der vor-
deren Theile des Verdauungstraktus und die, welche sich dorthin
zurückzuziehen vermögen. Aber auch diese im Schutze der Schlund-
falten oder in den an Nahrungsreserven reichen Pylorussäcken liegenden
Würmer scheinen in dem Masse an Zahl von Arten und Individuen
abzunehmen, als der Fisch sich längere Zeit im Süsswasser aufhält
und höher in den Fluss hinaufsteigt. Zuletzt beherbergt der Lachs
nur noch die eingekapselten und in verschiedenen, allseitig geschlos-
senen Organen liegenden Gäste. Das Wandern in den Rhein bildet
also gleichzeitig eine Abtreibungskur für die Darmparasiten. Einige
Forscher haben ja sogar, allerdings ohne gerade diese Verhältnisse
zu kennen, angenommen, der Wandertrieb vieler Fische sei aus dem
Bedürfniss entstanden, sich der im Meer erworbenen Schmarotzer zu
entledigen !
(Fortsetzung folgt)
Zur Nomenklatur der schützendeD Eiweisskörper.
Von
H. Buchner.
In einem Aufsatz „lieber die Nomenklatur der schützenden Eiweiss-
körper'1 in Bd. X., No. 11 und 12 dieses Centralblattes nimmt H a n k i n mir
gegenüber als „der erste Entdecker der schützenden
Eiweisskörper das Recht, deren Nomenklatur zu geben",
für sich in Anspruch. Der Vorwurf, der hierin liegt, als hätte ich
durch den Vorschlag des Namens „Alex in eM für „schützende Eiweiss-
körper" etwas Unberechtigtes gethan, bedarf der Zurückweisung.
Herr Hank in, den ich persönlich und wegen seiner wissen-
schaftlichen Verdienste hochschätze, scheint meine „Untersuchungen
über die bakterienfeindlichen Wirkungen des Blutes und Blutserums"1)
nicht zu kennen, deren letzter, 25 Seiten umfassender Abschnitt die
von mir und M. Orthenberger „über die Natur der bak-
terienfeindlichen Substanz imSerumu ausgeführten Experi-
mente enthält8). Aus letzteren geht wohl zur Genüge hervor, dass
ich mich nicht mit einer Phrase begnügte, wie es nach Hankin 's
1) Archiv für Hygiene. Bd. X. p. 84—178.
2) Vgl. auch die kurze Mittheilung hierüber vom 14. Oktober 1889 in diesem
Centralblett. Bd. VI. No. 21.
7 00 Bucher, Zar Nomenklatur der seh&tsenden ttiweisskftrpet.
Citat1) den Anschein hat, sondern gesucht habe, die zur Zeit meiner
Untersuchungen noch sehr dunkle Frage nach den wirkenden Stufe
experimentell aufzuklären. Die bezüglichen Bemühungen waren nicht
ergebnisslos,' wie Hank in zu glauben scheint, sondern sie fuhrt®
zu dem ganz bestimmten Resultat, dass nur in den Ei weiss-
körpern des Serums, and zwar in einem besonderen
aktiven Zustand derselben die Ursache der bakterien-
feindlichen Wirksamkeit gelegen sein könne.
Da diese Ergebnisse bereits um */* Jahre früher, als jene Han-
kin's veröffentlicht wurden, so habe ich wohl das Recht, dieselben
als mein geistiges Eigenthum anzusehen. Die Idee, dass Eiweisskörperc
eine derartige schützende Rolle gegenüber von Infektionserregers zu-
kommen könnte, war damals, wo man noch nichts von Toxalbumioen
wusste und nur die Ptomalne und Toxine kannte, keineswegs nahe-
liegend, sondern schien den Meisten überraschend, beinahe unglaub-
lich. Auf der Naturforscherversammlung zu Heidelberg 1889 begeg-
nete dieselbe bei den Fachgenossen, trotz meiner bestimmten Behaup-
tung, vielfach skeptischem Zweifel.
Einige Berechtigung, in diesen Dingen mitzureden, wird mir
demnach gewiss auch Herr Hankin nicht bestreiten, wenn er sich
von der wahren Lage der Dinge erst einmal überzeugt hat. Andern-
falls mü8Ste er riskiren , dass ich den Spiess umdrehe und mir seine
juristische Definition etwas näher betrachte.
Offenbar ist dieselbe dem internationalen Gewohnheitsrechte der
reinen Chemiker entnommen. Was versteht aber die heutige Chemie
unter „ Entdeckung ** eines neuen Körpers ? Doch zum mindesten,
dass die Elementaranalyse ausgeführt, die Konstitution wenigstens
annähernd bekannt, Schmelz- und Siedepunkt bestimmt und die wich-
tigsten Reaktionen angegeben sind. Keine von diesen Aufgaben ist
bei irgend einem der schützenden Eiweisskörper erledigt, und auch
Hank in besitzt daher streng genommen kein Recht, für seine
unvollständig gereinigten Substanzen eine Nomenklatur vorzuschlagen.
Zum allermindesten müsste er aber die Bezeichnung „Phylaxina
sofort wieder zurückziehen, da die von ihm isolirten Stoffe sämmtiich
nur von natürlich immunen Thieren stammen, daher nur unter
die Reihe der„Sozine" nach seiner Nomenklatur eingereiht werden
könnten, während ein „Phylaxin" von ihm überhaupt nicht isolirt
worden ist.
Letztere Anmerkung zeigt nicht nur, dass Herr Hank in ein
schlechterer Jurist als Bakteriologe und physiologischer Chemiker ist,
was er selbst kaum bestreiten wird, sondern sie lehrt auch das Un-
haltbare jeder schematischen Formulirung in diesen Dingen. Nach
meiner Ansicht bleibt es sehr gleichgültig, von wem eine neue
Nomenklatur ausgeht, wenn sie nur zweckmässig ist und sich allge-
meiner Anerkennung erfreut. Wäre Hankin mit der Erfindung
wissenschaftlicher Namen vorangegangen, dann hätte ich mir die
1) Hank in entnimmt dieses Citat meiner ersten Mfttheüang über die bakterisn-
tSdtende Wirkung des seUenfreien Blutserums vom IS. Mai 18*9 in diesem Cestrtl-
Watt. Bd. V. No. 25 nnd Bd. VI. No. 1.
Allgemein«« aber Bakterien. 701
Mühe sicherlich erspart So aber folgte Hank in mit seinem detail-
lirten Vorschlage erst nach dem meinigen und kann daher nicht ver-
langen, dass ich meinen Vorschlag wieder zurücknehmen soll. Letzteres
wäre um so weniger angezeigt, als ja beim Lichte betrachtet die beider-
seitigen Vorschläge sich durchaus nicht ausschliessen, sondern vorläufig
ganz ruhig neben einander existiren können.
w\ München, d. 13. Oktober 1891.
Nachschrift. Nach Einsendung des Vorigen geht mir eine
schriftliche Mittheilung Herrn Hank in 's zu, worin er sich auf
Grund meiner unterdess in No. 38 der Münchener Medicinischen
Wochenschrift gegebenen Motivirung mit der Bezeichnung „Alexine"
für „schützende Eiweisskörper" nunmehr einverstanden erklärt und
mich zugleich ermächtigt, von dieser Erklärung Gebrauch zu machen.
Die Kontroverse ist hiermit als erledigt zu betrachten. B.
Referate.
Migula, W., Die Bakterien, kl. 8°. 216 p. Leipzig (J. J.
Webert Naturw. Bibliothek. No. 2.) 1891.
Von der vorliegenden Schrift kann man im Allgemeinen sagen,
dass es der Verf. verstanden hat, in übersichtlicher Anordnung und
verständlicher Sprache eine für weitere Kreise berechnete
Uebersicht über das Wissenswerteste unserer Kenntnisse von den Bak-
terien zu geben. Irrthümer sind dem Ref. bei Durchsicht des Buches
fast keine aufgestossen: wenn p. 157 der Kefir zn den berauschenden
Getränken gezählt wird, so dürfte wohl eine Verwechselung mit
Kumys stattgefunden haben, denn ein Getränk von ca. 1 °/0 Alkohol-
gehalt berauschend zu nennen, geht für mitteleuropäische Begriffe
doch nicht recht an; p. 164 wird B egg iato.a nach althergebrachter
Weise als Produzentin des Schwefelwasserstoffgeruchs der Schwefel-
quellen vorgeführt, das sollte doch heute ein überwundener Stand-
punkt sein, der nach dem Erscheinen von Winogradsky's epoche-
machenden Arbeiten schwer verständlich erscheint. Eine Nichtberück-
sichtigung gerade dieser Arbeiten ist in einer für weitere Kreise be-
stimmten Schrift nicht zu billigen; die merkwürdigen Lebensverhält-
nisse der Schwefel- und der gänzlich übergangenen Eisenbakterien
und ihre wichtige Bolle im Haushalte der Natur dürfen hier nicht
fehlen ; die Arbeiten Winogradsky's über die Rolle der Bakterien
bei der Nitrifikation sind gleichfalls nicht benutzt, obwohl die erste
derselben doch wohl früh genug vor der Publikation vorliegender
Schrift erschien. Auch in den historischen Partieen finden sich
einige nicht zu billigende Auslassungen und Ungenauickeiten. Wenn
es auf der einen Seite nur anzuerkennen ist, dass die hervorragenden
und in unserer raschlebigen Zeit vielfach in Vergessenheit gerathenen
Verdienste Cohn's um die botanische Erforschung der Bakterien
702 Allgemeines ttber Bakterien.
genügend in den Vordergrund gerückt werden, so ist es, zumal bei
der eingehenden Weise, in welcher dies geschieht, auf der anderen
Seite um so weniger zu verstehen, weshalb wir von de Bary nichts
weiter erfahren, als dass er die Halli er 'sehen Irrthümer aufdeckt
und die Bakterienformen mit einer Billardkugel, einem Bleistift uod
einem Korkzieher verglich! Auch bei der „wichtigsten Litteratur
findet sich de Bary 's Name nicht, während seine Schriften direkt
oder indirekt ausgiebig benutzt sind ; p. 52 bei der Keimung der Heu-
pilzsporen muss der unbefangene Leser, was gewiss nicht die Absicht
des Verf.'s war, gar den Eindruck gewinnen, als ob dieser Vorgang,
den „man" früher falsch aufgefasst, erst vom Verf. richtig gestellt
worden wäre! Nicht ganz richtig ist ferner, dass Gohn der Erste
war, der „in lückenlosem Zusammenhange die ganze Entwickele
von der Bildung der Spore bis zu ihrem Auskeimen erfolgtet Ge-
meint ist hier B. subtilis und da hat Cohn allerdings die Sporeo-
bildung richtig beobachtet, nicht aber die Keimung; dieses Ver-
dienst gebührt Bref eld. Bei den Hefereinkulturen (p. 175) ist un-
begreiflicher Weise Hansen nicht einmal genannt!
Diese Bemerkungen, denen sich leicht weitere beifügen Hessen,
sollen im Uebrigen das oben ausgesprochene günstige Gesammturtheil
keineswegs nachträglich zerpflücken, sie sollen den Verf. nur darauf
hinweisen, dass eine hoffentlich bald nöthig werdende neue Auflage
durch gleichmässigere Benutzung der fundamentalen Litteratur nur
gewinnen kann. L. Klein (Freiburg i. B.).
Protopopoff, Sur la question de la strueture des bac-
töries. (Annales de l'Institut Pasteur. 1891. No. 5. p. 332.)
Verf. hat im pathologisch-anatomischen Institut zu Prag, wo er
auf Veranlassung Cbiari's von einer aktinomykotischen Rinderzunge
Kulturen anlegte, nebenbei eine Bakterienart aufgefunden, welche bei
Behandlung mit schwacher Fuchsinlösung eine ungleichmässige Fär-
bung zeigte. In dem blass rosa gefärbten Bakterienkörper zeigten sich
nämlich intensiv roth gefärbte, quer zur Längsaxe verlaufende zahl-
reiche Streifen oder Bänder. Bei Cultur dieser Bakterienart auf
differenten Medien gelang es dann noch in verschiedenster Weise, eine
solche distinkte stärkere Färbung einzelner, streifen- oder körnchen-
förmiger Theile des Plasmas zu erhalten. Die bezüglichen Abbildungen
und Beschreibungen sind im Original einzusehen.
Aehnliche Körnerbildungen hat dann Verf. gemeinsam mit Ham-
mer auch beim Actinomyces beobachtet, namentlich bei Kultur
auf Kartoffeln bei 35°, aber auch in Bouillon und Glycerinagar.
Hier gelang es insbesondere, durch 4tägige Kultur bei 40° wieder
Querstreifungen in den Fäden zu erzeugen, die sich intensiver, als
das übrige Plasma färbten. Abweichend von Ernst, der die gleiche
Erscheinung bei B. pseudosubtilis, typhi abdom. und
cyanogenus beobachtete und sie als eine Art von Kerntheilung
auffasste, erklärt Verf. dieselbe durch unregelmässige Anhäufung des
Ghromatins, d. h. der intensiver färbbaren Plasmapartie.
[Die vom Verf. beschriebenen Erscheinungen von Körner- und
Querstreifenbildung enthalten für denjenigen, der sich viel mit mikro-
Allgemeines Aber Bakterien (Tuberenloee). 703
skopischer Untersuchung von Bakterien beschäftigt hat, nichts Ueber-
raschendes. Speziell die Bildung chromophiler Körner habe ich bei
den Typhusbacillen in diesem Centralblatt — Bd. IV. p. 353 —
nachgewiesen. Die Hauptfrage aber ist, ob diese Erscheinungen, wie
neuestens A. Fischer will, wesentlich als Plasmolyse, bedingt durch
blosse physikalische Einwirkungen des umgebenden Mediums, aufzu-
fassen sind, oder ob es sich um krankhafte, degenerative Zustände
handelt Ref.] Buchner (Manchen).
Prudden, T.Mitchell, and Hoden pyl, Eugene, Studies on the
action of dead bacteria in the living body. (New York
medical Journal. 1891. June 6 and 20.)
Die Wirkung getödteter Tuberkelbacillen auf den Thier-
körper bei intravenöser Injektion war bisher nicht untersucht worden.
Die Verff. erbringen den Beweis, dass sich dieselbe von derjenigen
der lebenden Bacillen prinzipiell nur durch den selbstverständlichen
Mangel des progressiven Charakters in den gesetzten pathologischen
Veränderungen unterscheidet Im Uebrigen zeigen die Veränderungen
genau den gleichen Typus wie diejenigen, die durch den
lebenden Infektionserreger bedingt sind.
In der Einleitung wird die Aufmerksamkeit auf die reaktive Be-
tätigung der Körperzellen bei den infektiösen Prozessen hingelenkt
Die Aktion der Bakterien ist nur die eine Seite des Problems, und
diese ist mit der Produktion von Ptomalnen und mit deren Wirk-
samkeit noch keineswegs erschöpft, obwohl dies Viele gegenwärtig
noch glauben. Eine besonders wichtige Reihe von Erscheinungen, die
in neuester Zeit erst in ihren Bedingungen klar gelegt wurden , sind
die Bewegungs-, Wanderungs- und Anlockungsvorgänge bei den Leu-
kocyten. Die Verff. erwähnen der Untersuchungen über Chemotaxis,
und geben hierauf eine sehr eingehende Analyse der einschlägigen
Arbeiten vom Ref., von denen sie urtheilen: „These most clever and
Btriking researches of Buchner would seem to throw much light on
the whole subject of the theory of suppuration, and to promise large
accessions to our knowledge of inflammation when the many lines of
thought and study which they suggest shall have been followed out"
Eine der neuen Thatsachen, die auch für Ref. den Ausgangspunkt
weiterer Forschungen bildete, die eitererregende Wirksamkeit sterili-
sirter Bakterienzellen, veranlasste die Verff. dazu, die Wirkung der
Retödteten Tuberkelbacillen auf das lebende Gewebe zu erforschen.
Tuberkelbacillen aus den verschiedenen Bezugsquellen wurden theils
auf Glycerinpeptonagar , theils in entsprechender Bouillon zu reich-
licher Entwickelang gebracht, nachher die Kulturmasse abgestreift
TOp. abfiltrirt, bei den meisten Versuchen mit Wasser ausgewaschen
und in wenig Wasser 1 — l1/* Stunden gekocht. Bei anderen Ver-
suchen wurde mit viel Wasser gewaschen, dann 2—4 Stunden in
50 °/0 Glycerin gekocht, hierauf abfiltrirt und die Eulturmasse noch-
mals ausgewaschen, schliesslich in etwas Wasser zum Zweck der In-
jektion suspendirt.
Die Verff. machen hier eine Anmerkung, wonach das Konden-
sationswasser derGlycerinagarkulturen und auch die Glycerinbouillon,
704 JkUgtmeines über Bakterie» (Tubetculose).
in welcher die Tubelkelbacillen kultivirt wurden, beim Eintropfenlassen
in absoluten Alkohol einen weissen Niederschlag gaben , welcher ent-
sprechend den Forschungen von Koch und Hueppe und Scholl
die wirksamen Substanzen des Koch 'sehen Tuberculins enthalt Im
Gegensatz hierzu konnten sie aus der Kulturmasse selbst auf keine
Weise tuberculinhaltiges Material gewinnen (?).
Die Bacillen in den oben erwähnten Emulsionen waren in der
Regel noch färbbar, obwohl sicher getödtet, wie eine Reibe von Kon-
trollexperimenten zweifellos ergab. Subkutane Injektion* dieser
sterilisirten Emulsionen erzeugte meist kleine Abscesse innerhalb 2—6
Wochen mit eitrigem Inhalt — in Bestätigung der Resultate von
Koch und Hueppe und Scholl. Sterilisirte Kulturen des Tuberkel-
bacillus in Röhrchen unter die Haut von Kaninchen eingeführt, be-
wirkten innerhalb 6 Tagen Bildung von Leukocytenpfröpfen in den
offenen Enden der Röhrchen — ein Beweis für die ausgesprochene
positive chemotaktische Wirksamkeit der todten Tuberkelbacillen. &
Intraperitoneale und intrapleurale Injektionen von 2
bis 3 cem dichter Emulsion von sterilisirten Tuberkelbacillen ergab
in einigen Fällen Eiterbildung und ausgesprochene tuberculöse Gewebs-
veränderungen. Weit sicherer erwies sich jedoch die intravenöse
Injektion von kleinen Quantitäten sterilisirter Emulsion von Tuberkel-
bacillen. Wenn die letzteren in der Flüssigkeit gut vertheilt sind,
vertragen die Thiere die Injektion zunächst ohne Schaden. Die inji-
zirten Thiere wurden dann in den verschiedensten Zeiträumen (vom
1.— 60. Tag nach der Injektion) getödtet, die Organe sorgfältig in
Alkohol gehärtet und die Schnitte theils in gewöhnlicher Weise, theils
auf Tuberkelbacillen gefärbt. Auf diese Weise wurden 24 injizirte
Thiere untersucht.
Bei Untersuchung nach 24 Stunden fanden sich die Bacillen
massenhaft in den Kapillaren der Lunge, reichlich auch in der Leber,
spärlich in der Milz. Während der ersten und zweiten Woche nach
der Injektion sind die Bacillen aus den grösseren Gefässen der
Organe vollständig verschwunden. Ihre Lage kann am leichtesten
in den Leberkapillaren erkannt jrerden, wo sie entweder frei an der
Gefässwand liegen oder von einer kleinen Masse homogener oder fein-
granulirter Substanz umgeben sind — entweder Fibrin oder Blut-
plättchen — oder wo sie endlich in geringer Zahl in verschieden ge-
formten Zellen eingeschlossen sind. Am 5. Tage nach der Injektion
wurde bereits in der Lunge die Bildung feiner weisslicher Knötchen
von 2—3 mm Durchmesser beobachtet, welche aus einer zentralen
Anhäufung von epithelioiden und Riesenzellen bestehen, durchsetzt
und oft umgeben von massenhaften kleineren Rundzellen vom Aus-
sehen der Leukocyten. Kräftig gefärbte Tuberkelbacillen sind häufig
in grosser Zahl in diesen Lungenknötchen enthalten, besonders in und
zwischen den epithelioiden und Riesenzellen. Die Verff. geben eine
Anzahl klar gehaltener Abbildungen von diesen ihren histologischen
Befunden.
Bei später getödteten Thieren zeigen diese Knötchen dichtere
Struktur und bestehen aus epithelioiden Zellen und fibrösem Gewebe
mit wenig Tuberkelbacillen. In der 3.-5. Woche zeigen sich die-
Allgemeines Über Bakterien. — Malaria. 706
selben Knötchen in grosser Zahl in den Lungen, ganz ähnlich wie
bei akuter Miliartuberkulose. Die Leber zeigt keine makroskopischen,
wohl aber histologische Verändernngen , namentlich Vergrösserung
der Eapillarendothelien und verschiedene formative Reizungserschei-
nungen an letzteren. Allen diesen, den echt tuberculösen morpho-
logisch auffallend ähnlichen Neubildungen fehlt die Neigung zu kä-
siger Degeneration, und ausserdem mangelt auch jede Andeutung
einer Proliferation von Seite der Bacillen ; eher scheinen die letzteren
an Zahl allmählich etwas abzunehmen. Nach Ansicht der Verff. ent-
stehen die geschilderten Gewebsveränderungen durch Proliferation der
Geftssendothelien unter dem Einfluss der todten und zerfallenden
Keime.
Was die Ursache der geschilderten Wirkungen anbetrifft, so
wäre es zwar möglich, an ein Gift zu denken, das die Bacillen wäh-
rend ihres Lebens bilden und das weder in das Kulturmedium über-
geht, noch auch durch kochendes Wasser oder verdünntes Glycerin
extrahirt wird. Weit wahrscheinlicher ist es jedoch nach den Verff.,
in Anbetracht der besonderen Eigenschaften der Bakterienprotel'ne
anzunehmen, dass es die spezifischen Proteine der Tuberkel-
ba eitlen sind, welche beim allmählichen Zerfall der Keime in den
Geweben in Wirksamkeit treten. Versuche zur Isolirung der Pro-
teine der Tuberkelbacillen ergaben den Verff. kein positives Re-
sultat. Büchner (München).
Mannaberg, J., Beiträge zur Morphologie und Biologie
des Plasmodium malariae. [Aus der mediz. Klinik des
Hofrath Prof. Nothnagel in Wien.] (Gentralbl. f. klin. Med.
1891. No. 27. p. 513 ff.)
Im Verfolg der von Grassi und Feletti1) begonnenen Stu-
dien über Struktur und Theilungsvorgänge der Malariaparasiten
hat M. eine neue Methode für diese Untersuchungen in Anwendung
gebracht, die er folgendermassen beschreibt: Das lufttrockene Prä-
parat kommt für 12—24 Stunden in eine Mischung von konzentrirter
Pikrinsäurelösung und destillirtem Wasser zu gleichen Theilen mit
3— 5°/0 Eisessigzusatz; dann Alkoh. abs. bis zur völligen Entfärbung,
Ueberfarbung mit Alaunhämatoxylinlösung und Differenzirung in
25°/ö Salzsäurealkohol und schwachem Ammoniakalkohol. Die Prä-
parate zeigen so ungefärbt die rothen Blutkörperchen und das Proto-
plasma der weissen Blutkörperchen , schwach gefärbt die Hämato-
blasten , gut gefärbt die Leukocytenkerne und die „Chromatinsub-
stanzen des Plasmodiums".
Mit dieser Methode will der Verf. gesehen haben, dass das junge,
eben in das Blutkörperchen eingedrungene „Plasmodium" haupt-
sächlich aus einem grossen, bläschenförmigen Kern besteht, der keinerlei
Chromatinsubstanz und nur den an der einen Seite, dicht der Kern-
membran angehefteten, tiefdunkel tingirten, rundlichen „Nucleolus"
enthält, während an der diesem Nucleoluspol entgegengesetzten
Seite des Kernes eine ganz dünne Schicht von gefärbtem, pigment-
1) CeDtralbi. f. Bakt. Bd. X. No. 13 ff.
X.M. 4Q
t06 IM«!*.
freiem Plasma aussen an dem Kerne liegt; die Gegenüberstellung des
Nucleolus und des Plasmas findet sich auch in den anderen Gestal-
ten, die der Körper annimmt. Das Wachsthum trifft die Bestand-
teile des Parasiten in gleicher Weise. Das Protoplasma bildet zwei
Schichten: eine äussere, dunkler gefärbte, pigmentreiche und eine
innere, der Kernmembran dicht anliegende, nicht oder schwach pig-
mentirte („Ekto- und Endoplasma"); der Kern liegt immer
exzentrisch zum Plasma und zeigt allmählich in der Gegend des Nu-
cleolus zarte Spuren von Chromatinsubstanz ; der Nucleolus endlieh
bleibt meist während der Vergrösserung an der Kernmembran haften,
soll zuweilen aber auch zentral treten, ohne aber den Knotenpunkt
des Karyomitoms zu bilden. Seine Vergrösserung bedingt eine Ab-
nahme der Färbbark ei t; es sollen nun dunkle, punktartige Einlagerun-
gen und kleine Vakuolen im Nucleolus auftauchen, deren Bedeutung
aber dem Verf. ebenso wie das weitere Schicksal des Nucleolus an-
klar ist. Doch ist sein Verschwinden zugleich mit einer Chromatin-
zunahme des Kernes der Beginn des Theilungsvorgangs : der jetzt
blauviolett gefärbte Kern verliert seine Kernmembran und lässt sich
jetzt als „Kernhälfte14 des Plasmodiums von der „Plasmahälfte" nur
dadurch unterscheiden, dass er kein Pigment enthält In der Kern-
h&lfte treten nun kleine, anfangs unscharfe, später schärfer kontou-
rirte, dunkle Körnchen auf, die „Nucleoli der Sporen", um welche
sich erst später der Kern und das Plasma differenziren. Die
„Plasmahälfte" des Mutterkörperchens wird zuweilen in diesen Thei-
lungsvorgang hineingezogen, zuweilen als Restkörper zurückgelassen.
So die Schilderung des Verf.'s, welche die Theilung der Tertianapara-
siten als amitotische darstellt — Die genauere Ausführung der Un-
tersuchungen, die Abbildungen der Präparate sind noch zu erwarten.
C. Spener (Erlangen).
Malachowskl, E«, Zur Morphologie des Plasmodium ma-
la riae. (Centralbl. f. klin. Mediz. 1891. No. 31. p. 601—603.)
Es wird hier eine andere Methode zur Strukturf&rbung der
Malariaparasiten angegeben : Alkoholhärtung , Schwimmenlassen
des Deckgläschens auf einem Gemisch von Eosinlösung und ver-
dünnter wässriger Boraxmethylenblaulösung. Es sollen nun die rothen
Blutkörperchen grau-gelbroth, die Kerne der weissen rothviolett, das
Plasma der einkernigen Leukocyten blau, das der mehrkernigen
schwach violett, die Plasmodien blau und gewisse von dem Verf.
gesehene, in den Plasmodien liegende, zur Spekulation bezügliche
Körner rothviolett gefärbt sein. — Diese Körner sind vielleicht mit
den von Mannaberg beschriebenen identisch, doch ist ihre Be-
deutung nach Meinung des Verf.'s anders zu erklären. Wie? soll
eine versprochene, ausführliche Arbeit sagen.
G. Spener (Erlangen).
Sakharoff, Recherches sur le parasite des fi&vres palli-
aren nes irräguliöres. (Annales de l'Institut Pasteur. 1891.
No. 7. p. 446.)
Verf. hat bereits in einer, in russischer Sprache erschienenen
Arbeit einen besonderen, im Blute bei atypischen Malariafällen vor-
KalarU. — Scbotiimpfhngen u, 8. w. 707
kommenden Parasiten beschrieben, der sich nach Form und Entwicke-
lung yon den Parasiten der typischen Fieber unterscheidet. Es ist
dies ein kleines, blass gefärbtes Körperchen im Innern der rothen
Blutzellen, mit amöboiden Bewegungen und von rundlicher Form im
Zustand der Ruhe. Bei Färbung mit Methylenblau stellt sich das-
selbe als ein Ring dar mit zentraler, öfter exzentrischer Granulirung.
Bei eintretender Entwickelung erscheinen Pigmentkörner, die Be-
weglichkeit erlischt und die Form wird rund. Nach einem unbe-
stimmten Zeitintervall beginnt die Theilung des Parasiten, die hier im
Fingerblnt sehr gut in ihren einzelnen Stadien zu beobachten ist,
während bei der typischen Malaria dies nicht gelingt, weshalb Mar-
chiafava und Celli annehmen ,* dass die Theilung in den inneren
Organen erfolge. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Theilung hier
noch innerhalb der rothen Blutzelle erfolgt, von der ein beträchtlicher
Rest persistirt. Nach der Theilung kommen die jungen Elemente aus
dem Blutkörperchen heraus, und man findet sie entweder frei im Blute
oder eingeschlossen mit Pigmentmassen in Leukocyten.
Angaben über weitere Entwickelungsstadien („corps en croissant")
wollen im Originale eingesehen werden, das auch einige, zum Theil
wohlgelungene Photogramme enthält. Züchtungsversuche mit dem
Parasiten blieben erfolglos, ebenso Uebertragungsversuche auf Hühner.
Bu ebner (München).
SchutzJmpfling, künstliche Infektionskrankheiten, Entwick-
lungshemmung und Vernichtung der Bakterien etc.
Hang, Da'sLyjsol und das Naphthol (ß) in der Therapie
der Ohrenkrankheiten. (Münchener med. Wochenschr. 1891.
No. 11 u. 12.)
Seitdem das Lysol auf Grund bakteriologischer Versuche durch
Schottelius als gutes Antiseptikum empfohlen wurde (vergl. Referat
in dieser Zeitschrift. Bd. VIII. No. 15), ist dasselbe in der Chirurgie
and in der Geburtshülfe vielfach mit Vortheil verwendet worden.
Haug berichtet wohl als der Erste über die Erfolge des Lysols in
der Ohrenheilkunde. Er empfiehlt es nicht zu dauernder Anwendung,
da schon Einspritzungen 0,1 bis 0,25 prozen tiger Lösungen heftiges
Brennen im Ohr und ekzematöse Reizung der Gehörgangswand ver-
ursachten, und da das Lysol nur mit destillirtem Wasser klare Lö-
sungen gibt. Bei Otomykose leistet 0,2—0,3 prozentiger Lysolalkohol
gleich gute Dienste, wie 2—3 prozentiger Salicylalkohol. Bei akuter
Paukenhöhlenentzündung erhöhte 0,3—0,5 prozentiges Lysolglycerin
in einigen Fällen die Schmerzen. 2 prozen tige Lysolgaze beschrankte
die Ohreneiterung nicht schneller, als andere Gazen und hatte als
unangenehme Nebenwirkung eine ekzematöse Entzündung der Ge-
hfrgangswandungen zur Folge. Dagegen wirkt das Mittel wahr-
scheinlich in Folge seiner seifenartigen Zusammensetzung besonders
kräftig lösend auf Ceruminal- und Epithelpfröpfe ; es ist daher für
45*
708 Bakteriologisch« tob VII. InternAtfondtn Konfiws m London.
die Entfernung derselben und ffir die Reinigung des Ohrs vor An-
wendung anderer Mittel, wie z. B. der Kokafnlösuog, sehr geeignet
Das /9-Naphtbol, ein von Schäfer 1869 zuerst hergestelltes Hj-
droxylderivat des Naphthalins ist auf Kaposi' s Empfehlung hin in
der Dermatotberapie bereits mit Erfolg angewendet worden. Hang
hat zunächst durch Versuche festgestellt, dass das Präparat als Pul-
ver ausserordentlich vernichtend aufStaphylococcus pyo genes
und Streptococcus Ery sipelatoB, entwicklungshemmend auch auf
Tuberkelbadllen wirkt. Ferner hat Verf. das Naphthol in der Otiatrie
verwendet. Parasitäre Ohrenerkrankungen, wie Mittelohreite-
rungen (selbst tuberculöser Natur), Furunculose, Mykose wurden
durch das gepulverte Mittel günstig- beeinflusse soweit sie nicht durch
Knochenerkrankung, Perforation der Shrapnel'schen Membran und
granulöse Entartung komplizirt waren. Doch hatte hier neben der
desinfizirenden Wirkung des Präparates seine Eigenschaft, sich nicht
wie andere Pulver, z. B. Borsäure, in Wasser zu lOsen und auch nicht,
wie Jodoform, fest auf der Unterlage zu haften, in der Weise Eutins,
dass das Naphthol mit dem Ohrensekret keine Klumpen bildete, welche
dem Eiter den Abfluss hätten versperren können. Vergiftungserschei-
nungen, welche sich sofort durch grünliche Färbung des Urins der
Patienten angezeigt haben würden, traten bei Anwendung des Mittels
niemals hervor, da es nur in sehr geringer Menge von der Schleim-
haut resorbirt wird. Eine unangenehme Nebenwirkung des Naph-
thols besteht jedoch darin , dass es zuweilen Brennen im Ohr verur-
sacht Bei seiner Anwendung ist darauf zu achten, dass es stets anf
die vorher (z. B. durch Salicylalkohol) gereinigte Schleimhaut, und
zwar möglichst nur auf den Ort der beabsichtigten Wirkung geblasen
wird. Uebrigens lässt sich das Naphthol bei den erwähnten Ohren-
krankheiten auch in Form einer 1,5— 3prozentigen alkoholischen
Lösung oder als 3prozentige Gaze erfolgreich verwenden.!
Kubier (Berlin)
Originalberichte Ober Kongresse.
Bakteriologisches vom VII. internationalen 'Kongress
für Hygiene und Demographie zn London,
10.— 17. Augast 1891.
(FortMtaang.)
Sektion für Bakteriologie.
Nach Buchner wären es im Körper der Mikroben selbst ent-
haltene Proteine, welche die Leukocyten anlocken, and würden die-
selben erst nach dem Tode der Bakterien in das umgebende Medium
ausgeschieden, w&hrend die übrigen in den Kulturen enthaltenen
tfekterfotofirehct rom Vit. foternatiooaUh ttongrest in London. 7Ö9
Stoffe nicht chemotaktisch wirken sollen. Dem gegenüber ist der
Vortragende der Ansicht, dass die spezifischen Toxine die eigentlich
lockenden Substanzen sind, zu deren rigoroser Trennung von den
Proteinen Büchner bisher keine Methode angegeben habe. Es ge-
nüge nicht zu zeigen, dass die in den todten Mikroben enthaltenen
Eiweisskörper die Leukocyten anlocken, es mQsste auch bewiesen
werden, dass die lebenden Mikroben keine derartigen Substanzen
ausscheiden.
Aus allem Vorhergehenden muss geschlossen werden, dass die
erworbene Immunität in der Angewöhnung der Phagocyten an die
Bakterienprodukte besteht Die natürliche Immunität ist uns
weniger zugänglich; sie hängt oft von einfachen, chemischen oder
physikalischen Bedingungen ab, z. B. Körpertemperatur; alkalische
oder saure Reaktion gewisser Medien, und bei den Pflanzen von der
grösseren oder geringeren Dicke der Zellmembranen. Immerhin wird
in vielen Fällen diese Immunität ihre Erklärung in der natürlichen
Resistenz der Leukocyten gegen die Bakteriengifte finden, welche
dieselben zu rascher Beseitigung der Infektionserreger befähigt. Die
Theorie von Metschnikoff leugnet nicht, dass ausser der Phago»
cytose noch andere Schutzmittel des Organismus existiren, aber sie
behauptet, dass die Thätigkeit der Phagocyten unter all diesen Mitteln
das ausgebreitete und das wirksamste ist Diese Theorie scheint
uns für alle Vorgänge eine Erklärung zu bieten, und muss deshalb
als sehr wahrscheinlich bezeichnet werden. Die Kenntniss der Bakterien-
gifte und die chemische Schutzimpfung in Verbindung mit der Ent-
deckung der Chemotaxis haben nur dazu beigetragen, die dunkeln
Seiten mehr aufzuhellen. Weit entfernt, dass die Phagocytentheorie
durch das, was man gegen dieselbe ins Feld geführt hat, gestürzt
worden wäre, zieht sie vielmehr Nutzen daraus — wahrlich ein starker
Beweis ihrer gesicherten Grundlage I (Beifall)
Büchner (München) hatte als offizieller Berichterstatter seine
Anschauungen über den gegenwärtigen Stand der Immunitätsfrage
in einem ausführlichen Referate niedergelegt, welches gedruckt unter
die anwesenden Theilnehmer des Kongresses vertheilt wurde. Die
für die Diskussion wichtigsten Punkte dieses Referates und der münd-
lichen Ausführungen sind folgende:
Obwohl es etwas sehr Bestechendes an sich hat, die Thätig-
keit der Phagocyten als Aeusserungen zweckmässiger, ererbter, funk-
tioneller Anpassung aufzufassen, so trägt nach den Arbeiten von
Kowalewski, van Rees, sowie nach den eigenen Unter-
suchungen des Vortragenden die lokale Ansammlung von Leukocyten
doch zunächst nur den Charakter eines Resorptionsvorganges
an sich. Keineswegs nur durch Bakterien und Infektionsprozesse
kommt lokale Leukocytose zu Stande, sondern auch durch ganz härm-
tose, aseptisch eingeführte Substanzen (z. B. Glutenkasein, Alkali-
albunünat u. s. w.), und das muss uns vorsichtig machen in der
Deutung, d. h. in der mechanischen Erklärung der Beobach-
tengen Metschnikoff 8 über Phagocytose, deren Richtigkeit und
Zuverlässigkeit an sich nicht im mindesten zu bezweifeln ist
7 10 Bakteriologisches rom VlI internAtionalrti ftongrefts ra LonAött.
Seitdem von Mets chnikoff für bestimmte Fälle die Aufnahme
lebender und virulenter Bakterien durch Phagocyten nachgewiesen
wurde, ist die Phagocytose zwar prinzipiell als ein nützlicher Vor-
gang, als eines unter den vorhandenen Abwehrmitteln des Körper*
erwiesen; aber ihre allgemeinere und entscheidende Bedeu-
tung für den Schutz des Organismus gegen die Infektionsgefahr
können wir deshalb nicht sofort annehmen, weil ja noch andere,
viel unmittelbarer wirkende Einrichtungen zu diesem Zwecke vorhan-
den sind, nämlich die schützenden Stoffe in den Gewebssäfteo,
die keinesfalls so bei Seite geschoben werden dürfen, wie dies Herr
Boux zu thun versucht hat, sondern die zur Immunitat zweifellos
in ursächlicher Beziehung stehen. Diese unter dem Mikroskop aller-
dings unsichtbaren Faktoren wirken schon im empfänglichen Thier,
hier aber in der Begel ungenügend — aus sogleich zu erörternden
Gründen — stärker aber im natürlich immunen und künstlich im-
munisirten Thier, und da wäre es denn wohl möglich, dass die Pha-
gocytose in den meisten Fällen nur etwas Sekundäres ist, nachdem
die Infektionserreger vorher bereits durch andere Einwirkungen ver-
ändert wurden.
Die Schwierigkeiten, welche der Annahme einer Beziehung
zwischen bakterienfeindlicher Wirkung der Gewebssäfte und Immuni-
tät entgegenstehen, erklären sich theils aus der grossen Labilität
der wirksamen Stoffe, indem letztere gerade durch die Bakterien
selbst lokal im Körper zerstört werden können; theils durch Auf-
treten und Beimengung gewisser paralysirender (Bakterien-nährender)
Substanzen, worauf der Vortragende schon früher hingewiesen ; nament-
lich aber durch den Umstand, dass die schützenden Stoffe in den
Säften nur nach Massgabe ihrer Quantität wirken im Verh<niss
zur Menge von Bakterien, welche damit in Kontakt kommen. Die
letztere Thatsache ist vom Vortragenden durch neue Versuche
besonders ins Licht gesetzt worden, und sie erklärt, namentlich
im Zusammenhalt mit den anderen vorgenannten Momenten die von
Roux hervorgehobene Differenz des Verhaltens in vitro und im
Körper.
Die betreffende Versuchsanordnung war folgende: in einem Thal
der Blut- oder Serumproben wurden die Bakterien wie gewöhnlich
ausgesät, so dass sie sich frei in der Flüssigkeit vertheilen konnten;
in einem andern Theil der Proben dagegen wurde letzteres verhindert,
indem man den als Aussaat dienenden Tropfen Kulturflüssigkeit zu-
erst von einem kleinen sterilisirten Päckchen von entfetteter Watte
aufsaugen liess und dieses dann im Blut oder Serum versenkte. Die
Aussaatmenge war dabei eben so gross wie in den ersterwähnten
Proben, aber ein beträchtlicher Theil der Bakterien wurde zwischen
den Fasern der Baumwolle zurückgehalten und konnte sich nicht frei
in der Flüssigkeit vertheilen.
Das Resultat dieser Versuche ist nun, wenn alle Verhältnisse
richtig getroffen sind, dass in den Proben mit freier Einsaat die
sämmtlichen Keime zu Grunde gehen, während andererseits die in
den tieferen Schichten der Wattepäckchen festgehaltenen Bakterien
grossentheils der Vernichtung entgehen und nach dem Erlöschen
bakteriologisches rotn VlL lnteraaiiönAleb Rongre4a zu London. 7ll
der bakterienfeindlichen Wirkung des Blutes oder Serums sich wieder
vermehren. So erwiesen sich in einem Versuch mit Kaninchenblut
und Choleravibrionen nach 24 Stunden die Röhren mit freier Einsaat
definitiv als steril, während jene mit Wattepäckchen eine reichliche
Menge von Choleravibrionen enthielten. Andere Versuche mit Serum
verschiedener Thierspezies und Typhusbacillen ergaben wesentlich
gleichartige, wenn auch nicht immer gleich prägnante Resultate, da
die völlige Abtödtung der frei ausgesäten Keime nur unter günstigen
Bedingungen gelingt Aber der Schutz, den die Wattepäckchen den
darin befindlichen Bakterien gegenüber der Wirkung des Serums ge-
währten, und der günstige Einfluss auf die wieder eintretende Ver-
mehrung waren stets unverkennbar.
Diese Erscheinung ist nicht schwer zu erklären: in die engen
Räume zwischen den Fasern der Baumwolle kann nur sehr wenig
Blut oder Serum eindringen, welches nicht im Stande ist, die dort
vorhandenen Bakterien definitiv zu vernichten. Jede Volumen-
einheit eines bestimmten Blutes oder Serums vermag
nur eine beschränkte Zahl von Bakterien bestimmter
Art zu tödten. Steigt die Bakterienzahl über diese Grenze, oder
ist dieselbe von vornherein eine zu grosse, dann findet keine oder
nur eine geringe Vernichtung und — in Folge der Labilität der
schützenden Stoffe — bald wieder Zunahme der ausgesäten Bakterien
statt. Diese Fundamentalthatsache geht übrigens schon aus den
Versuchen von Nissen und den vom Vortragenden gemeinschaftlich
mit Fr. Voit ausgeführten Untersuchungen hervor.
Die Anwendung dieser Ergebnisse auf die Experimente verschie-
dener Autoren mit Päckchen von Papier oder Membranen, in welche
eingeschlossener Infektionserreger unter die Haut von Thieren einge-
führt wurden, liegt nahe genug. Nur diejenigen Versuche können
Beweiskraft beanspruchen, bei denen trotz möglicherweise mangel-
haften Eindringens der thierischen Säfte in die betreffenden Päckchen
Tödtung der Infektionserreger erfolgte, wie z. B. jene von Pekel-
haring. Negative Resultate, wie jene von Metschnikoff, können
dagegen nicht als beweisend angesehen werden.
Des weiteren geben diese Resultate eine Aufklärung über den
Hergang beim Infektionsprozess. Gelangen irgend welche Infektions-
erreger, z. B. Milzbrandbacillen, in den Kreislauf, so verweilen die-
selben bekanntlich nicht lange in den grossen Gelassen, sondern wer-
den sofort im Kapillargebiete an verschiedenen Stellen abgelagert;
trifft es sich nun, dass mehrere Bacillen gleichzeitig an eine und
die nämliche Stelle gerathen, so wird die umgebende geringe
Quantität von Serum, wenn sie nicht fortwährend rasch erneuert wird,
sehr leicht ungenügend sein können zur Tödtung virulenter Bacillen.
Die Folge ist dann umgekehrt eine Zerstörung der labilen
Schutzstoffe in dem zunächst umgebenden Serum und damit
eintretende Vermehrung der Anthraxbacillen. Es bildet
sich ein lokaler Infektionsherd, und von da aus erfolgt durch weitere
analoge Vorgänge unaufhaltsam die Infektion des ganzen Organismus.
Auf diese Weise erklärt sich das scheinbar so paradoxe, von Lu barsch
erhaltene Resultat, dass extravasculäres Kaninchenblut
7 IS Bakteriologisches Tom Vtl. international«! ftongrtss tu London*
weit mehr Anthraxbacillen zu vernichten vermag, als
andererseits zur Tödtung des Thieres bei Injektion in
d.en Kreislauf erfordert werden. Auf diese Heise erklärt
sich Jlberhaupt der scheinbare Widerspruch zwischen der Thatsacbe
der ^Empfänglichkeit z. B. der Kaninchen gegen Milzbrand und anderer-
seits der schädlichen Einwirkung ihres Blutes auf den nämlichen In-
fektionserreger.
Für die in den Gewebssäften enthaltenen schützenden Stoffe, auf
deren Eiweissnatur vom Vortragenden zuerst hingewiesen wurde, und
die namentlich durch ihre ausserordentliche Labilität charakterisirt
sind (Uebergang aus dem „aktiven11 in den unwirksamen Zustand)
möchte derselbe die allgemeine Bezeichnung „Alexine*4 (von aXi&iy
abwehren, schützen) in Vorschlag bringen. Herr Hankin, der die
schützenden Stoffe bisher als „defensive protelds" bezeichnet hat,
meint zwar in einem dem Kongress vorgelegten Referate, die neae
Bezeichnung könnte zu Konfusionen Anlass geben, schlägt aber selbst
sogar vier neue Bezeichnungen vor (s. unten) fttr Unterabteilungen
in der Gruppe der schützenden Stoffe, wodurch die Notwendigkeit
einer Qesammtbezeichnung erst recht bewiesen wird.
Wenn nun auf diese Weise die ursächliche Beziehung der
bakterienleindlichen Wirksamkeit der Gewebssäfte zur Immunität
gegenwärtig genügend begründet erscheint, so fragt es sich doch
andererseits, was wir von dem Vorgang der Phagocytose, der in vielen
Fällen regelmässig und mit den Ueilungsvorgängen gleichzeitig ein-
tritt, eigentlich zu halten haben. Die wirksame Ursache der An-
lockung der Leukocyten kann nur eine chemische sein, es kann
sich nur um Chemotaxis handeln, wie Herr Boux sehr richtig
hervorhob. Todte Körperchen werden zwar auch von Leukocyten
aufgenommen; allein schon die Untersuchungen Leb er9 s haben er-
geben, dass dieser taktilen Reizung gegenüber der chemischen nur
eine untergeordnete Rolle zukommt, und neue Versuche des Vor-
tragenden gemeinschaftlich mit A. Schmidt zeigten, dass pulveri-
sirte Substanzen verschiedener Art in der Subcutis in ausserordent-
lich viel geringerem Grade zu Leukocytenansammlungen Anlass geben,
als dies bei sterilisirten Bakterienkulturen der Fall ist
Die von den Bakterienzellen ausgehende starke Leukocytenan-
lockung muss daher zweifellos auf gewisse chemische Stoße be-
zogen werden, aber nicht auf Toxine oder Toxalbumine, wie Herr
Roux zu glauben scheint. Für diese Annahme liegt gar kein Be-
weis vor; im Gegentheil ist eher vorauszusetzen, dass die Toxine
unter Umständen abschreckend, negativ chemotaktisch auf
Leukocyten wirken können, während als die eigentlich anlockenden
Stoffe nach den UnterBuchungen des Vortragenden die eiweissartigen
Bestandteile des Bakterienplasmas, die sog. Bakterienproteine
anzusehen sind. Dabei muss der Meinung entgegengetreten werden,
als ob nur die todten Bakterien solche Proteine auszuscheiden ver-
möchten ; vielmehr ist anzunehmen, dass die Ausscheidung der an-
lockenden Proteine aus der Bakterienzelle beginnt, sobald letztere
den Höhepunkt ihrer Lebensenergie überschritten hat und in Folge
schädlicher Einwirkungen, z. B. durch die schützenden Stoffe der
Bakteriologisches vom VII. internationalen Kongrees iu London. 713
Gewebssäfte, zu kränkeln beginnt. Bei spezifisch hochvirulenten
Bakterien fehlt letztere Einwirkung; Hühnercholerabacillen erfahren
im Gewebe von Kaninchen keine Schädigung, sie scheiden demnach
auch keine Proteine aus und es fehlt bei ihrer Einführung in die
Subcutis fast gänzlich die Leukocytenanlockung, wie schon Gabri-
tchevsky fand und A. Schmidt im Laboratorium des Vortragen-
den bestätigte. Aber wenn man die gleiche Kultur in sterili-
sirtem Zustande einbringt, so zeigt sich beträchtliche chemotaktische
Wirkung, weil jetzt Proteine aus der Bakterienzelle ausgeschieden
werden. Und ebenso ist es ein wesentlicher Unterschied beim Diplo-
coccus pneumoniae, ob man denselben in lebendem oder in getöd-
tetem Zustande in die Subcutis von Kaninchen einführt, während bei
weniger oder gar nicht virulenten Bakterien, welche der bakterienfeind-
lichen Wirkung der Körpersäfte unterliegen, die Leukocytenanlockung
bei Einbringung lebender oder todter Kulturen ganz die gleiche zu
sein scheint
Man könnte demnach sagen: je stärker ein Mikroorga-
nismus durch die Körper safte des betreffenden Thier-
organismus geschädigt wird, um so mehr muss es zur
Proteinausscheidung und in Folge dessen zur Anlock-
ung von Leukocyten kommen. Das bedeutet thatsächlich un-
gefähr das nämliche, wie der von M et sehn iko ff aufgestellte Satz:
Je virulenter ein Mikroorganismus, um so seltener ist
seine Anwesenheit in Phagocyten — aber er gibt zugleich
eine Erklärung des ursächlichen Zusammenhangs.
Die Bakterien proteine, um die es sich hier handelt, hat man
bisher bei der Erklärung des Infektionsprozesses, des Zustande-
kommens der Immunität u. s. w. gar nicht berücksichtigt Aber es
wird sich bald die Ueberzeugung allgemein Bahn brechen, dass wir
es hier mit Produkten des Bakterienlebens zu thun haben, die mindestens
ebenso wichtig sind, wie die spezifischen Toxine. Um ihre Bedeu-
tung zu charakterisiren, sei auf eine ganz neue hochinteressante
Arbeit von Prudden und Hoden pyl hingewiesen, der zu Folge
getödtete und mit kochendem Wasser extrahirte Tuberkelbacillen
in den Kreislauf von Kaninchen injizirt, vollkommen typische Tuberkel-
bildung mit genau dem gleichen histologischen Befund wie die leben-
den Bacillen — natürlich ohne Gefahr für das Leben der Thiere und
ohne progressive Tendenz — erzeugen können. Hier wirken zweifel-
los die in der Bakterienzelle zurückgebliebenen Reste von Bakterien-
proteinen ; das kann um so weniger überraschen, als vom Referenten
schon früher behauptet worden war, dass letztere Stoffe das eigent-
lich spezifische Prinzip des Tuberkelbacillus darstellen und dass durch
sie die Bildung der charakteristischen pathologischen Produkte be-
dingt ist Analoge Resultate sind in nächster Zeit in wachsender
Zahl zu erwarten, das Studium der Bakterienproteine aber und ihrer
Eigenschaften dürfte um so rascher voranschreiten, als im Labora-
torium des Vortragenden neuerdings vereinfachte, sozusagen natür-
liche Methoden zur Extraktion derselben aus der Bakterienzelle auf-
gefunden wurden.
714 BaktarlologUclits vom VII. internationalen Kongras in London,
Nach den offiziellen Berichterstattern erhält das Wort:
Hanktng (Cambridge): Die antibakterielle Wirkung des Serums
ist bedingt durch die Anwesenheit gewisser schützender Eiweissstoffe
(„defensive proteids") in demselben, die ihrerseits zur Immunitat in
wesentlicher Beziehung stehen. Letzterer Zusammenhang ist wahr-
scheinlich : 1) weil die schützenden Eiweisskörper der Ratte im Stande
sind, Mäuse gegen virulenten Anthrax zu immunisiren, während die
gleichen Stoffe von empfänglichen Thieren viel schwächer bakterien-
tödtend wirken und auf Mäuse nicht die gleiche schützende Wirkung
ausüben; 2) durch Ernährung mit Brot können wilde Ratten für
Milzbrand empfänglich gemacht werden, während gleichzeitig die
schützenden Eiweisskörper in ihrem Organismus sich nachweisbar
vermindern ; 3) sehr junge Ratten, die für Anthrax empfänglich sind,
enthalten nur Spuren von schützenden Eiweisskörpern.
Da die Charakterisirung der verschiedenen schützenden Eiweiss-
körper auf chemischem Wege kaum möglich ist, so müssen die-
selben nach ihren physiologischen Merkmalen unterschieden
werden. Demnach gibt es zwei Hauptgruppen, indem die einen
(„Sozio eu von oco^oj) im normalen Thierkörper vorkommend die
natürliche Immunität bedingen, während die anderen („Phy-
1 a x i n e u von <pvldoou>) bei der erworbenen Immunität sich finden.
Jede dieser Hauptgruppen zerfällt wieder in je zwei Unterabthei-
lungen, indem die Wirksamkeit des betreffenden Eiweisskörpers ent-
weder auf die lebenden Infektionserreger (Myko-sozin, Myko
phylaxin) oder nur auf deren Giftstoffe sich erstreckt (Toio-
sozin, Toxo-phylaxin). Für jede dieser vier Kategorieen sind bereits
Beispiele bekannt.
Die Phagocytenlehre hält H. durch die Existenz der schützenden
Stoffe nicht für ausgeschlossen, da es ihm gelang, gerade auch aus
Leukocyten derartige Substanzen darzustellen. Die Thatsache, dass
Sozine im Serum gefunden werden, beweise übrigens nichts für deren
freie Anwesenheit im Plasma, aus welchem das Serum gewonnen
werde. Es wäre möglich, dass die schützenden Eiweisskörper die
Waffen sind, deren sich die Phagocyten bei ihrem Kampfe mit den
Mikroben bedienen; aber die Rolle, die sie dabei spielen, muss jeden-
falls erst näher erforscht werden.
Prof. Emmerich (München) berichtet über seine, gemeinschaft-
lich mit Dr. A. Fawitzky ausgeführten Untersuchungen über di-
künstliche Erzeugung von Immunität gegen kroupöse
Pneumonie und die Heilung dieser Krankheit
Durch E.'s Untersuchungen über „die Ursache der Immunität
und die Heilung von Infektionskrankheiten", wurde festgestellt, das
die Ursache der künstlichen Immunität in einem antibakteriellen, für
die Körperzellen aber ganz unschädlichen Toxin besteht Dieser die
Bakterien tödtende Stoff kann von der ersten Schutzimpfung her im
Körper sein. Es ist aber auch möglich, dass derselbe erst von den
durch die neuerdings erfolgte Bakterieninvasion gereizten Körper-
zellen gebildet wird, oder aber er kann eine lösliche, chemische Ver-
bindung sein, die sich durch die wechselseitige Einwirkung der eigen-
bakteriologisches vom VII. internationalen Kongress iu London. 715
thümlich modifizirten Zersetzungsprodukte der Körperteilen und der
Stoffwechselprodukte der Bakterien bildet.
Das hervorragendste pathologisch -anatomische Phänomen bei
illen Infektionskrankheiten ist die parenchymatöse Schwellung und
fettige Degeneration. Bei der ersteren füllen sich die Zellen mit
riweissartigem Material, welches zersetzt und theilweise in Fett über-
geführt wird. Es ist sehr wahrscheinlich, dass bei dieser fast alle
Zellkomplexe des Organismus betreffenden abnormalen Modifikation
der Zellthätigkeit jene Körper gebildet werden, welche als Bakterien-
gifte wirken und die Immunität bedingen. Diese Bakteriengifte sind
also möglicherweise intermediäre Stoffwechselprodukte, welche beim
Tebergang von Eiweiss in Fett entstehen. Nach der Erkenntniss
dieser Vorgänge war es in hohem Grade wahrscheinlich, dass das
Blut und der Gewebssaft immunisirter Thiere, welcher so energisch
wirkende antibakterielle Stoffe enthält, auch bei der zum Ausbruch
gekommenen Infektionskrankheit als Heilmittel wirken müsse, wenn
man ihn subkutan, intraabdominell oder intravenös dem erkrankten
Organismus einverleibt. Diese Schlussfolgerung hat sich bis jetzt bei
zwei Infektionskrankheiten: beim Rothlauf der Schweine und bei der
durch den Diplococcus pneumoniae Fraeokel verursachten
kroupösen Pneumonie als vollkommen richtig erwiesen.
Der Rothlauf und die Pneumonie sind heilbar, sie können durch
die Injektion des Blutes und des Gewebssaftes künstlich immunisirter
Kaninchen coupirt werden. Ja man kann sogar den Ausbruch dieser
Krankheiten ganz verhindern, wenn man den Thieren, kurze Zeit nach
der Infektion mit Reinkulturen der betreffenden pathogenen Bakterien,
den Gewebsaft künstlich immunisirter Thiere einverleibt.
Der Gewebsaft und das Blut der künstlich immunisirten Kanin-
chen entfalten aber eine sehr verschiedene Wirksamkeit, je naclTder
Methode, welche zur Immunisirung angewendet wurde.
Immunisirt man die Kaninchen durch subkutane Injektion ab-
geschwächter Kulturen, so erhält man eine unvollständige Immunität
und der aus den immunisirten Thieren hergestellte Gewebssaft besitzt
nicht die volle und grösstmögliche Heilwirkung.
Durch Schutzimpfung vermittelst intravenöser Injektion hoch-
gradig verdünnter, vollvirulenter Kultur erhält man dagegen komplete
Immunität und einen Gewebssaft von ganz eminenter, man kann fast
sagen von idealer Heilkraft.
Dr. Doenissen hat unter R's Leitung festgestellt, dass Kanin-
chen, welche eine Stunde lang eine Bouillonkultur von Pneumonie-
Diplokokken inhaliren, stets ohne Ausnahme an Pneumonie erkranken
und binnen 2, 3 oder 4 Tagen zu Grunde gehen.
Injizirt man nun Kaninchen, welche 1, 2 oder 21/» Stunden
Bouillonkultur von Pnenmoniekokken inhalirt haben, 20 bis 25 ccm
durch Ghamberl and' sehe Filter filtrirten Gewebssaft oder Blut von
durch intravenöse Injektion stark verdünnten Diplokokkenkulturen
immunisirter Kaninchen, so erkranken die Thiere nicht an Pneumonie,
es stellen sich nicht einmal irgend welche Krankheitserscheinungen
und keine Erhöhung der Körpertemperatur ein, selbst wenn die sub-
kutane Injektion des Gewebssaftes erst 12—15 Stunden nach der In-
716 *•*• Llttoratar.
halation vorgenommen wurde. Da es nach den Versuchen von Dr. Doe-
nissen höchst wahrscheinlich ist, dass der Diplococcus Fraen<
kel die Ursache der kroupösen Pneumonie ist, so ist die Hoffnan
berechtigt, dass es gelingen wird, mit dem Gewebssaft immunisirte
Thiere auch die Pneumonie des Menschen zu heilen, oder beim Am*
brach einer Epidemie in einem Gefängnisse etc. die Insassen durch
Schutzimpfung mit diesem Gewebssaft gegen die Krankheitserreger no«
empfänglich zu machen. Diese Erwartung wird um so sicherer ii
Erfüllung gehen, wenn es gelingt, die immunisirende und heilend!
Substanz aus dem Gewebssaft in st&rkerer Konzentration oder chemisch
rein darzustellen, so dass dieselbe in beliebig grossen Dosen ange-
wendet werden kann, was deshalb möglich ist, weil der Gewebssaft
gegen Pneumonie immunisirter Thiere, welcher ja aus einem gesunde»
Körper stammt, ganz unschädlich ist, und wie das Experiment zeigt,
keinerlei Störung im Organismus verursacht
(Fortaetsung folgt.) I
!
Neue Lltteratur
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p. 707.
Originalberiehte Aber Kongresse.
Bakteriologisches vom VTL inter-
nationalen Kongress fürHygiene
and Demographie zu London,
10.— 17. August 1891. (Forts.), p. 708.
Bachner, Ueber den gegenwärtigen Stand
der Immunitätsfrage, 709.
Emmerich, Ueber die künstliche Erzeugung
von Immunität gegen kronpose Pneu-
monie und die Heilung dieser Krankheit,
p. 714.
Hankin, Die antibakterielle Wirkung des
Serums, p. 714.
Heue Litterator, p. 716.
jfromtnannscho Baobdruckeroi (Hermann Pohlo) In Jena,
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
(tek. M. Prot Dr. Leselart m Protesor Dr. Loefter
taLdpdf to GielfnrtU
herausgegeben Ton
Dr. O. TThlworm in CaeseL
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
X, Band. -«- Jena, den 18. December 1891. -o- Jfo. 83 U.
Preli fflr den Band (86 Nummern) 14 Hark.
Jährlich erscheinen zwei Binde.
— »g Zu bestehen durch alle Bachhandlangen and Postanstalten. %*—
Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Parasiten-
künde*' richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wünsche um Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Auf-
Ȋtze entweder bei der Einsendung der Abhandlungen an die
Redaktion auf das Manuskript sehreiben zu wollen oder spä-
testens nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an
den Verleger, Herrn Gustav Fischer in Jena, gelangen zu
lassen. Die Verlagshandlung ist leider nickt in der Lage, später
eingehende Wünsche berücksichtigen zu können.
Original -Mittheilungen.
Apparat zum Abimpfen von Bakterien-Kolonien.
Von
Prof. J. Fodor
in
Budapest.
Wenn von einer Koch9 sehen Plattenkultur aus Hunderten
von Kolonien eine oder einige Kolonien, die eine spezielle Wichtigkeit
besitzen, abzuimpfen sind, und besonders wenn diese Manipulation
unter dem Mikroskope, bei 50— 100-maliger Vergrösserung, auszufüh-
ren ist, belästigt uns oft das kaum vermeidbare Zittern der Hand,
das unsichere Hinundhertasten der Impfnadel, und nur zu oft miss-
722 Fodor, Apparat tarn Abimpfon der Bakterien-Kolonien.
glückt uns das Abimpfen, weil wir mit unsicherer Hand ausser der
gewünschten Kolonie auch eine knapp daneben liegende streiften.
Ich liess zum Zwecke des Abimpfens einen kleinen Apparat
konstruiren:
Auf einem Mikroskop-Gestelle steht senkrecht eine circa 10 cm
hohe, hohle Säule, in welcher mittelst Schraube ein Metallzapfen
einige cm weit gehoben oder gesenkt werden kann. — Der Zapfen
trägt eine horizontal befestigte Stahlhülse, in welcher ein Stab mit-
telst Schraube einige cm weit hervorgestossen oder zurfickgezoges
werden kann. Am freien Ende des Stabes ist eine Stahlhülse, horizon-
tal und unter rechtem Winkel zum Stabe, befestigt, welche ein kurzes,
mittelst Schraube etwa 3—4 cm weit vorstreckbares und zurück-
ziehbares Stäbchen trägt, an dessen freiem Ende mittelst Klammer
der die Platinnadel führende Glasstab festgehalten wird.
Um abzuimpfen, wird der Impfstab durch die Klammer fest-
gestellt. Derselbe liegt horizontal; das Stielende der Platinnadel
wird nur wenig, die Spitze derselben schroff nach abwärts gebogen
Der Abimpfer („Bakterien-Fischer44 könnte man ihn nennen) wird
nun ganz nahe an das Mikroskop gerückt, der senkrechte Zapfen
soweit emporgeschraubt, dass der Impfstab etwas höher liegt, als die
Platte, von welcher abzuimpfen ist. Mit freiem Auge wird nun die
Spitze der Impfnadel in die Nähe der abzuimpfenden Kolonie gerückt,
unter dem Mikroskope dann genau über die Kolonie eingestellt, der
Zapfen mittelst der Schraube so weit gesenkt, dass die Spitze der
Platinnadel in die Kolonie eintaucht, und dann der Zapfen wiederum
hinaufgeschraubt. Die Nadelspitze ist nun mit Impfmaterial umhüllt
was mittelst des Mikroskopes genau geprüft werden kann. Dann
schiebt man den Apparat vom Mikroskope weg und verimpft das
gefischte Material
Sowohl die Konstruktion des Apparates, wie auch seine Hand-
habung ist eine so einfache, dass eine weitere Erklärung mir ud-
nöthig erscheint. Nur will ich noch bemerken, dass es vermöge des
Abimpfers in unserer Macht steht, nicht nur die gewünschte Kolonie
sicher und ohne Verunreinigung abzuimpfen, sondern auch Impf-
material nach Wunsch von der Mitte oder vom Rande der Kolonie,
oder aber auch von der scheinbar steril gebliebenen unveränderten
Umgebung der Kolonie zu holen.
Den Kolonien-Abimpfer (Bakterien-Fischer) liefert die Firma
Calderoni u. C. in Budapest, Deakgasse, zum Preise von 25 Gol-
den oder 40 Mark.
Budapest, 81. Oktober 1891.
Beyarinek, Qualitative and quantitative mikrobtochemifche Analyst. 723
Qualitative und quantitative mikrobiochemische Analyse.
Von
M. W. Beyerinck.
Unter „mikrobiochemische Analyse" verstehe ich den Gebrauch von
Mikroorganismen für Nachweis und Dosirung bestimmter Stoffe.
Zweck derselben ist, Aufschluss zu erhalten Ober die Natur orga-
nischer Flüssigkeiten, von den Extrakten von Pflanzentheilen, von den
Produkten von enzymatischen Umwandlungsprozessen; ferner Ober
diejenigen Bestandteile sehr verdünnter Lösungen im Allgemeinen,
welche für Mikrobienwachsthum geeignet sind. Das Verfahren be-
ansprucht nichts Weiteres zu sein, als ein Hülfsmittel bei physio-
logisch-chemischen Untersuchungen; nur mit diesen zusammen ist
es werthvoll und verbrauchbar.
Für die qualitative Analyse ist das auxanographische Verfahren
mit Vortheil anwendbar.
Das Prinzip der quantitativen Methode beruht auf die Ueber-
führung der zu bestimmenden gelösten Körper in Mikrobiensub-
stanz und auf der quantitative Bestimmung der letzteren durch Kolo-
nienzählung. Die Ausführung der Versuche muss mit Reinkulturen
geschehen. Wünscht man dabei zu wahren Gewichtsverhältnissen
zu gelangen, so muss die chemische Zusammenstellung der verwen-
deten Mikrobienarten bekannt sein. Liegt z. B. Hefe vor, so kann
man ziemlich genaue Zahlen aufstellen , welche jedoch bei dem «den
verschiedenen Nährböden entsprechenden ungleichen Gehalte der Hefe-
zellen an Wasser, Stickstoff und Glycogen natürlich nur als annähernd
müssen betrachtet werden.
Dagegen kann das relative Verhältnis« zwischen den Zahlen der,
z. B. aus zwei Wasserproben zu kultivirenden Hefezellen bei richtiger
Versuchsanstellung, zu einer sehr genauen Bestimmung des relativen
Gehaltes an Mikrobiennährstoffen in den untersuchten Proben Ver-
anlassung geben, und das ist in den gewöhnlichen Fällen zureichend.
Bei dem Gebrauch von Bakterien, deren chemische Zusammen-
setzung noch unvollkommener bekannt ist, wie diejenige von Hefe,
kann die gefundene Gesammtzahl der organischen Stoffe nicht weiter
zergliedert werden.
!• Qantitative Bestimmung der organischen Stoffe in
verdünnten Lösungen und in Trinkwasser durch
Mikrobienwachsthum.
Die klare Lösung oder das zu untersuchende filtrirte Wasser
*inl durch Sieden oder auf irgend eine andere Weise durch Hitze
sterilisirt In ein bestimmtes Volumen wird dann eine Spur irgend einer,
Je nach Umständen kleinen oder sehr kleinen, nicht in Ketten wach-
senden, sondern nach jeder Theilung sofort frei kommenden Bakterie
uisgesät, und wenn der Höhepunkt der Vermehrung erreicht ist, durch
46*
724 Beyertnek,
KolonienzähluDg in irgend einem geeigneten festen Substrate, der,
als Bakteriensubstanz aus der Lösung abgesetzte Gehalt an orga-
nischen Mährstoffen festgestellt
Verwendet man dabei eine Bakterienart, welche für die Ver-
mehrung eine gesonderte Stickstoff- und Kohlenstoffquelle verlangt
so wird, bei Gegenwart einer zureichenden Quantität Phosphate, vos
den beiden Körpergruppen so viel als Bakteriensubstanz festgelegt,
wie dem plastischen Aequivalent dieser Stoffe entspricht *); der neben
diesem Aequivalent in Ueberschuss vorhandene Theü, sei es der Stick-
stoffverbindungen , sei es der Kohlenstoffsubstanzen, bleibt unver-
wendet zurück.
Wird dagegen der zu analysirenden Flüssigkeit eine Mikrobies-
art zugefügt, welche sich nur ausschliesslich von stickstoffhaltiges
Stoffen ernährt, so erhält man Einsicht in das quantitative Mass
dieser Körpergruppe allein f und zwar soweit dieselbe für Mikrobien-
vermehrung tauglich ist Echte Peptonbakterien werden keine Am-
monsalze und ebensowenig Nitrite und Nitrate anzeigen.
Als sehr geeignet für diese Untersuchung haben sich die soge-
nannten Wasserbakterien ergeben, das heisst diejenigen Formen,
welche durch ihre ausserordentliche Kleinheit und durch einen höchst
merkwürdigen Ernährungsmechanismus selbst in destillirtem Wasser
zu prodigiösen Zahlen sich vermehren können. Dieselben müssen
zum Zwecke des Zählens in sehr verdünnte feste Substrate ausgesät
werden, z. B. in 10°/0 Lösungen reiner Gelatine in Leitungswasser.
Die Hauptschwierigkeit bei der Ausführung der Versuche ist die Er-
haltung einer konstanten Temperatur, ferner die vollständige Fern-
haltung flüchtiger organischer Körper, sowie schädlicher Stoffe von
den Kulturkolben.
2. Quantitative Bestimmung des Gesammtsti ckstoffs
Die Hauptformen, worin der Stickstoff im Wasser und in den
meisten physiologisch wichtigeren Flüssigkeiten gefunden wird, näm-
lich als Eiweiss, Pepton, Amid, Ammonsalz, Nitrit und Nitrat, sind
alle der biochemischen Bestimmung zugänglich, das heisst, es gibt
bestimmte Mikrobien, welche diese Körper als Stickstoffquellen ver-
wenden können. Wie sich in dieser Beziehung die Cyanverbindungeo
verhalten, das heisst, ob es überhaupt lebende Wesen gibt, welche
dieselben, zusammen mit einer Kohlenstoffquelle, assimiliren können,
ist mir noch unbekannt. Zahlreiche Formen, welche ich untersuchte,
konnten es bestimmt nicht Stoffe wieTyrosin, Leucin und Ureum
werden dagegen durch viele Arten, bei Gegenwart eines Kohle-
hydrates, vollständig assimilirt.
Die Methode ist eine ausserordentlich empfindliche. Ja die
Empfindlichkeit ist eine so grosse, dass es empfehlenswerth ist, Or-
ganismen zu gebrauchen, welche nicht allzu klein sind und deshalb
bei der Herstellung jedes individuellen Keimes eine nicht excessir
kleine Stickstoffmenge absorbiren. Es sind besonders gewisse Hefe-
1) Ueber den Ausdruck „plastisches Aequivalent" findet man Näheres in
Aufsätze Über die Ernährung der Leuchtbakterien, Archive» Neerlandaise*
T. S4. pag. 898. 1880.
Qualitative and quantitative mikrobiochemische Analyse. 725
arten1), welche sich deshalb sehr für die biochemische Analyse
empfehlen. Bei dem Gebrauch von Hefen muss man jedoch durch
das Mikroskop sicher festgestellt haben, dass die Zellen gänzlich
lose herum schwimmen; sind dieselben noch zu Verbänden ver-
einigt, so ist natürlich Kolonienzählung gänzlich werthlos. Ferner
muss hervorgehoben werden, dass die gewöhnlichen Hefeformen Pep-
tone sehr leicht, Eiweisskörper dagegen nicht oder nur sehr unvoll-
kommen assimiliren, so dass diese unbenutzt in den Flüssigkeiten
zurückbleiben. Nitrite werden, so viel mir bekannt, nur durch das
Nitratferment verbraucht, und dieses Ferment ist wegen des allzu
langsamen Wachsthums für die Analyse nicht zu verwenden. Es ist
aber leicht, ohne Einführung irgend einer Fehlerquelle, etwa vorhan-
denes Nitrit zuvor durch eine Spur Permanganat zu oxydiren. Das
dabei entstehende Nitrat kann durch gewisse Hefen assimilirt werden.
Das hohe Phosphatbedürfniss der Hefen wird in manchen Fällen
die Zufügung einer Spur Kaliumbiphosphats an die zu untersuchende
Flüssigkeit erheischen.
Ist die Stickstoffmenge eine äusserst geringe, handelt es sich
z. B. um die Bestimmung dieses Körpers in destillirtem Wasser oder
in den Verunreinigungen, welchen Rohrzucker oder Glykose anhängen,
so ist es empfehlenswertb, gewisse Bakterienarten, welche sich leicht
vermehren und ein nur geringes Stickstoffbedürfniss haben, für die
Analyse zu verwenden. Bei der Aussaat für das Kolonienzählen
muss dann aber mit grösster Vorsicht vorgegangen werden, denn die
verschiedenen individuellen Keime verhalten sich einer bestimmten
Konzentration der Nährstoffe gegenüber nicht alle gleich, und zwar in
der Weise, dass die älteren Keime, in konzentrirteren Nährmassen,
worin die jüngeren Keime sehr gut zu Kolonien auswachsen, nicht
alle zur Entwickelung gelangen *).
Man hat jedoch für solche Versuche eine so reiche Auswahl
von Formen, besonders wenn man die in Wasser oder die, neben
dem Nitrit- und Nitratferment, bei Nitrifikationsversuchen auftreten-
den Arten anwendet, dass sich vielleicht die genannte, durch das
Alter der Keime bedingte Schwierigkeit bei weiterer Ausbildung des
Verfahrens, vollständig wird beseitigen lassen. Ich erwarte dieses
besonders deshalb, weil ich viel besser übereinstimmende Zahlen er-
hielt, als ich eine von mir als B> nitrosophilus bezeichnete Art
verwendete, wie mit den ebenfalls an verdünnte Nährlösungen ad-
aptirten Papilionaceenbakterien.
Auch muss betont werden, dass es für die Genauigkeit des
Versuches wichtig ist, wenn die individuellen Keime gleich gross
sind. Auch dieses ist bei dem stäbchenförmigen B. nitrosophilus
viel mehr der Fall, wie bei den Wurzelbakterien der Papilionaceen,
welche in den Kulturen als Stäbchen, Sterne, Bakteroide und sehr
kleine Schwärmer auftreten.
Auf die Möglichkeit, die Phosphate in Wasser durch die bio-
1) Dm Wort „Hefe" gebrauche ich hier im weitesten, morphologischen Sinne, und ver-
stehe darunter auch die rothen Hefen, welche gar nicht verwandt sind mit der Alkoholhef«.
2) Diese Erklärung der beobachteten Thatsacho geht aus den vergleichenden Ver- .
suchen mit jungen und alten Kulturen, welche für die Aussaaten gebraucht werden, hervor.
726 Beyerinck, Qualitative und quantitative nükrobiochemisehe Analyse.
chemische Analyse quantitativ zu bestimmen, habe ich meine An-
dacht noch nicht gerichtet Meine auzanographischen Versuche
haben mich überzeugt, dass diese ebenso gut ausfahrbar erscheint
wie die Stickstoffbestimmung.
Dagegen erachte ich die Möglichkeit des Nachweises von Kalium
als fraglich, diejenige von Schwefel, Chlor, Calcium und Magnesium
als nicht ausführbar«
3. Hauptschwierigkeiten des Verfahrens.
Diejenigen Forscher, welche sich mit der Bestimmung des Zucker-
gehaltes organischer Losungen durch Gährung beschäftigt haben
und die grossen Abweichungen kennen, welche dabei in der entwickeltes
Kohlensäuremenge auftreten, werden vielleicht die von mir vorge-
schlagene physiologische Methode als eine a priori sehr ungenaue zo
bezeichnen sich veranlasst fühlen.
Gegen das gewöhnlich angewendete Gährungsverfahren habe ich
aber viel einzuwenden. An dieser Stelle genügt es zu betonen, dass
aus der Ungleichheit der Kohlensäurequantitäten bei den üb liehen
Gährungsversuchen, welche mit roher Press- oder Bierhefe an-
gestellt werden, durchaus nicht auf eine Ungleichheit in der
Anzahl der neugebildeten Hefezellen geschlossen werden kann, wenn
nach meinem Verfahren gearbeitet wird, und ich behaupte, dass es
durch das Zählen der Zellen, welche bei übrigens gleichenVersuchs-
bedingungen entstehen, auch möglich ist eine sehr genaue Einsicht
die quantitativen Zuckerverhältnisse verschiedener Nährlösungen zu
erreichen. Es ist dabei in allererster Stelle nöthig, den Stickstoff
immer in derselben Form — z. B. bei den Mykodermen als Ammon Verbin-
dung, bei den Maltosehefen als Pepton *) — in die Flüssigkeiten, welche
auf Zucker untersucht werden sollen, darzureichen. Ferner muss die
für die Aussaat verwendete Zahl, sowie die Qualität8) der Zellen
nahezu identisch sein, was leicht durch Abmessen geschehen kann,
wenn man zuvor die Zellen in Wasser aufschüttelt, und endlich mass
der Zutritt des Sauerstoffs in die Nährlösungen auf identische
Weise stattfinden. Dieses letztere lässt sich sehr vollkommen erreiches,
wenn die in den Versuchskölbchen oberhalb der Kulturflüssigkeit befind-
liche Luft durch eine Druck- oder Saugvorrichtung sehr langsam,
aber fortwährend erneuert wird. Die Schichten in den Kultor-
kölbcheü sollen dabei sehr [dünn, die zugeführte Luft filtrirt und
nicht zu trocken sein.
Als von besonderer Wichtigkeit bezeichnete ich die chemische
Bindungsform, worin der Stickstoff dargereicht wird. In dieser Be-
ziehung kann ich nicht auf Einzelheiten eingehen und betone nur,
dass identische Zuckermengen sehr verschiedene Zahlen von Hefe-
zellen erzeugen mit identischen dargebotenen Stickstoffmengen, je
nachdem die letzteren als Pepton, Amid oder Ammoniaksalze zur
1) Die Zahl der Hefesellen, welch« ans Pepton mit Nlhraalicn allein entsteht,
ist eine äusserst kleine, und kann, wenn der Zacker in nicht allia geringer Qaanti-
tit vorliegt, vernachlässigt werden.
i) Unter Qualität verstehe ich hier die, besonders durch das Alter beetunmU
Quantität der in den Zellen vorhandenen Beservestoffe, wie Glykogen, Protoplasma und
Extraktivkörper.
Buch Der, Die Forschnngsmethoden in der Immunitfttsfrago. 727
Verfügung stehen. Peptone erweisen sich, z. B. bei der Vermehrung der
Maltosehefen am produktivsten, bei den Mycodermen dagegen nicht etc.
Aehnliche Verhältnisse, wie die hier beschriebenen werden gewiss
auch für alle anderen Mikrobien als Fehlerquellen des Verfahrens be-
stehen. Dieselben sind jedoch, bei den nicht g&hrenden Arten von
geringerer Bedeutung, und, bei der Aufstellung von nur relativen Wer-
then, jedenfalls kein ernstes Hinderniss.
Auf die nicht flüchtigen löslichen Stoffwechselprodukte der Mikrobien
glaube ich ungefähr die nämlichen Betrachtungen anwenden zu
können, wie auf die Athmungs- und Oährungskohlensäure der Hefe,
und ich meine, dass auch dadurch das Erreichen vollständiger Ge-
nauigkeit zwar vereitelt werden muss, allein, dass die Grösse der sich
daraus ergebenden Toleranz die Methode nicht erschüttert In anderen
Aufsätzen werde ich durch Beispiele das hier Gesagte näher begründen.
Delft, Mitte Oktober 1891.
Die Foreohungsmethoden in der Immunitatsfrage.
Von
H. Büchner.
In der erat jüngst beim Londoner internationalen hygienischen
Kongress stattgefundenen Verhandlung über Immunität *) wurde die
prinzipielle Frage der anzuwendenden Methodik gar nicht zur Dis-
kusaion gestellt, wohl in der Voraussetzung, dass in dieser Beziehung
keine Divergenz der Meinungen existire. Die Diskussion hat das
Irrige dieser Annahme ergeben, und noch deutlicher tritt das zum
TheU aus den seitdem, im August-Heft (No. 8) der Annales de
rinstitut Pästeur publizirten Arbeiten von Boux und Metschni-
koff und ihren Schülern hervor8). Insbesondere auf Grund der
letzteren möchte man zu der Ueberzeugung kommen, dass — wenn
beide Parteien, für und wider die Phagocytentheorie, auf ihrem prin-
zipiellen Standpunkte verharren — eine Verständigung auch für die
Zukunft ausgeschlossen ist. Der Wissenschaft der kommenden Tage
bliebe dann nichts übrig, als über die eine oder die andere der Par-
teien — nach meinem Sinne ist die Wahl nicht zweifelhaft — zur
Tagesordnung überzugehen. Ich betone ausdrücklich die wissen-
schaftliche Methodik, die Art der Auflassung des ganzen Problems,
denn um diese handelt es sich, nicht nur um einzelne Experimental-
aufgaben oder Reihen von solchen. Nachdem ich auf dem Londoner
Kongress in der Immunitätsfrage einmal das Wort ergriffen habe,
scheint es mir nöthig, auch dieses noch zur völligen Klarstellung
meines Standpunktes, insbesondere den neuesten Publikationen von
Roux und Metschnikoff gegenüber, hinzuzufügen.
Die Beweisführung Metschnikoff s besteht seit geraumer
Zeit darin , in immer neuen Spezialfällen wiederholt zu zeigen , wie
1) Ref. Aber diese Verhandlungen s. dies. Centrtibl. Bd. X. p. 649 ff.
2) 8. die betr. Referate in dieser Nr. des Centrtibl.
728 Bnehntr,
beim empfänglichen Thiere der hochvirulente Infektionserreger sich
ungehindert vermehrt und Allgemeininfektion bewirkt, während im
Gegensatze hierzu beim immunisirten Thiere sehr bald sich Leuko-
cyten am Inokulationsorte einstellen, die als Pbagocyten wirken, wo-
mit gleichzeitig unter Entwicklung entzündlicher lokaler Erschei-
nungen der Infektionsprozess selbst begrenzt und der Heilang ent-
gegengeführt wird. In diesem Sinne ist von Metschnikoff auf
dem Kongress zu London neuerdings die Infektion mit Vibrio M.
bei intakten und immunisirten Meerschweinchen geschildert worden;
im gleichen Sinne sind von ihm früher die verschiedensten Infektions-
prozesse bereits behandelt worden. Der Scharfsinn in der Anord-
nung und Durchführung der Experimente, die Eleganz der mikro-
skopischen Detailbeobachtung bleiben dabei immer in gleichem Masse
bewundern8werth, und das Interesse für die geschilderten Vorgänge
verjüngt sich bei jedem neuen Falle. Aber gerade dieses Interesse,
das durch die blosse Beobachtung nicht befriedigt, nur erweckt
wird, drängt den Anhänger mechanischer Naturbetrachtung immer
ernstlicher zur Frage des Warum?
Das Verh<niss beim Vibrio Metschnikovi, das Gegensätz-
lichen) den Vorgängen beim intakten und künstlich immunisirten Thier
erscheint ja ganz analog jenem anderen Gegensatz, wenn der näm-
liche Infektionserreger auf zwei verschiedene Thierspezies von ver-
schiedenem natürlichen Empfänglichkeitsgrad, z. B. der Pneumonie-
Diplococcus oder der Anthraxbacillus auf das Kaninchen, anderseits
auf die Species Homo übertragen werden. Wir kennen diese Ver-
schiedenheiten sehr wohl, wir wissen, dass in einem Falle rapide Blut-
infektion ohne Leukocytose, im andern entzündliche Erscheinungen
und Beilungstendenz die Folge sind. Und noch eine dritte Parallele
lässt sich gewinnen, durch künstliche Abschwächung eines Krank-
heitserregers, da der vollvirulente, und anderseits der abgeschwächte
Keim zur nämlichen Spezies, zum nämlichen Thierindividuum ähn-
lich verschieden stehen, wie der virulente Erreger zu zwei Thieren
von verschiedener Widerstandsfähigkeit.
Das Alles wissen wir seit einigen Jahren, und es ist vorauszu-
sehen, dass sich das gleiche Verhältniss noch in zahlreichen Einzel-
fällen bestätigen lässt. Und doch hilft uns das Alles nicht zur
mechanischen Erklärung des Zusammenhangs, sondern diese
muss erst gesucht und gefunden werden. Ich kann daher den neuen
„Beweis" von Metschnikoff als einen Beweis für die Phago-
cytentheorie im ursächlichen Sinne nicht gelten lassen, weil derselbe
in meinen Augen vor allem selbst der Erklärung bedarf. Für midi
waren die soeben geschilderten drei Kategorien von Erscheinungen
seinerzeit der Anlass, nach den eigentlich wirksamen Ursachen
zu suchen, und diese glaubte ich einerseits in der Ausscheidung vod
chemotaktischen Proteinen aus der Bakterienzelle, wenn sie unter
schädigende Einflüsse geräth, anderseits in der bakterienfeindlicheo
Wirkung des Serums gefunden zu haben.
Für die Herren Metschnikoff und Boux existiren diese
beiden Dinge nicht, oder vielmehr sie existiren zwar theilweise —
da man sich neuerdings im Institut Pasteur von der zuerst bestrit-
l>ie frorscbungsmtthoden in der tmmiinttJttafrtge. ^29
tenen bakterienfeindlichen Wirksamkeit der Säfte überzeugt hat;
aber sie sind nur theoretisch, nur „in vitro" vorhanden, für den
Organismus und die Vorgänge in ihm haben sie keine Bedeutung.
Dies gerade kennzeichnet nun den abweichenden prinzipiellen
methodischen Standpunkt« der eine Verständigung in weite Ferne
rückt Die Physiologie strebt zwar selbstverständlich, die Vorgänge
im Körper so zu erkennen, wie sie wirklich dort stattfinden, aber
sie verzichtet dabei nicht und kann nicht verzichten auf das Ex-
periment „in vitro", ohne dass unsere heutige Physiologie undenkbar
wäre. Allerdings, die Fehler müssen dabei auf das geringste mög-
liche Mass reduzirt, und die Schlüsse müssen mit Reserve gezogen wer-
den. Aber ohne jede experimentelle, d. h. willkürliche Gestaltung
der Bedingungen, unter denen der Vorgang erfolgen soll, ist es uns
eben unmöglich, zu etwas Anderem zu gelangen, als zu einer W a h r-
scheinlichkeit san nähme. Und das ist es, wobei die Phago-
cytentheorie stehen zu bleiben im Begriffe ist Ihre berufensten
Vertreter verzichten darauf, über diesen Standpunkt hinauszugehen,
sie fühlen nicht das Bedürfniss nach experimenteller Gewissheit, sie
perhorresziren den Versuch „in vitro".
Die starke tödtende Wirksamkeit des Serums immunisirter
Meerschweinchen gegenüber dem Vibrio M., die von Behring und
Nissen konstatirt war — während das Serum normaler Thiere
Vennehrung gestattet — findet Metschnikoff neuerdings selbst
bestätigt. Aber trotzdem soll dieses Verhältniss keine Bedeutung
für die Immunität der Thiere haben. Es gibt nur zwei Gründe,
auf die sich ein solches Ablehnen einer, für jeden unbefangen Ur-
teilenden hochwichtigen Thatsache möglicherweise berufen könnte:
Entweder man erklärt die im Serum wirksame bakterientödtende
Substanz überhaupt für reines, in vitro entstandenes Kunstprodukt,
das beim Absterben des Blutes sich bildet Das ist hier schon des-
halb unzulässig, weil ja auch das Blut und Serum des intakten
Meerschweinchens in vitro „abstirbt", demnach ebenfalls tödtend
wirken müsste — abgesehen von den anderen, allgemeineren Grün-
den gegen diese Absterbehypothese, die ich bereits in meinem Kon-
gress-Referate angeführt habe.
Oder man gibt zwar zu, dass die bakterienfeindliche Wirkung
des Serums, d. h. der darin enthaltenen Alexine, auch im Körper
vorhanden sei, aber durch andere, paralysirende Gegenwirkungen
hier verdeckt werde. Möglicherweise ist dies die Ansicht von
Metschnikoff, und hier wäre dann vielleicht bis zu einem gewis-
sen Grade noch ein Boden für die Verständigung vorhanden. Denn
das ist zweifellos zuzugeben, dass die Wirkung der Alexine im Kör-
per verdeckt und paralysirt sein kann. Ich konnte selbst das erste
Beispiel für ein solches Verbalten liefern durch den Nachweis, dass
gefrorenes und wieder aufgethautes Blut nicht mehr schä-
digend auf Bakterien wirkt, während beim zellfreien Serum oft-
maliges Gefrieren und Wiederaufbauen die Wirkung nicht beeinträch-
tigt. Die Alexine bleiben also durch das Gefrieren unbeschädigt,
aber die Zerstörung der rothen Körperchen im Blut bringt para-
lysirende Stoffe in Lösung. Analoges kann im lebenden Körper ge-
730 Bachner,
wiss eintreten, aber lokales und zeitweiliges Verdecktaein einer
physiologischen Wirkung ist nicht gleichbedeutend mit gänzlichem
Nichtvorhandensein.
Ein zweites Beispiel für Hemmung der Alexinwirkung in Bha
und Serum habe ich dann neuerdings in meinem Kongress-Beferate
mitgetheiit Wenn man die Bakterien im Serum nicht frei vertheiit
sondern den Aussaat-Tropfen zuerst von einem kleinen Päckchen
steriler, entfetteter Watte aufsaugen lässt und dieses im Serum ver-
senkt, so ist die tödtende Wirkung weit geringer; die engen Räume
zwischen den Fasern der Baumwolle erschweren den Zutritt grosserer
Mengen von Serum zu den Keimen, letztere entgehen der tödtendea
Wirkung und können sich nach Erlöschen der bakterienfeindliches
Aktion des Serums, nachdem die labilen Alexine inaktiv geworden
sind, im freien Serum wieder vermehren.
Eine Hauptschwierigkeit, welche der Uebertragung der Blat-
und Serumresultate auf das Immunitätsproblem bisher im Wege stand,
scheint mir durch dieses Beispiel beseitigt. Man konnte nicht be-
greifen, wie es möglich sei, dass auch das Blut empfänglicher
Thiere bakterientüdtend wirkt1); man kam über die Schwierigkeit
nicht hinweg, dass nach Lubarsch das extravaskuläre Blut eines
Kaninchens Hunderttausende, ja Millionen von virulenten Anthrax-
bacillen zu vernichten vermag, während eine relativ geringe Menge
der letzteren ausreicht, um das ganze Thier durch Injektion auf dem
Blutwege zu tödten. Man kann das jetzt erklärlich finden , wenn
man sich das Verhalten der Milzbrandbacillen im Kapillargebiet
wohin sie rasch gelangen, ähnlich vorstellt jenem der in den Watte-
päckchen abgelagerten Bakterien. Mehrere Keime, zufällig an einer
Stelle mit geringerem Serumzufluss gleichzeitig abgelagert, können
einen lokalisirten Infektionsherd erzeugen , der zur allmählichen Ent-
stehung sekundärer derartiger Herde, endlich zur Gesammtinfektioo
führt, unter parallel gehender successiver Zerstörung der im Orga-
nismus vorhandenen Alexine. Der Vorrath an letzteren im Körper
wäre zu Anfange der Infektion weitaus genügend, um die wenigen
Keime zu vernichten. Aber dieser Vorrath kann nie an Ort und
Stelle zur Geltung gebracht werden, wo sich die Schlacht entscheidet:
in Einzelkämpfen wird statt dessen die Armee aufgerieben, einem
Gegner gegenüber, der durch seine Vermehrungsfähigkeit aus jedem
gewonnenen Scharmützel neue Kräfte schöpft Die allein rationelle
Strategik des Zellenstaates, genannt Organismus, seinen Angreifern
gegenüber wäre die sofortige Konzentration aller entbehrlichen Säfte,
des ganzen Alexin vorrathes auf den bedrohten Punkt. Schade, dass
die seit Jahrtausenden wirkende Zweckmässigkeitsanpassung einen
derartig raschen Mechanismus der Mobilisirung nicht ermöglicht hat
Herr Metschnikoff stimmt insofern überein, als er die
Analogisirung der Verhältnisse in den Wattepäckchen mit jenen im
Organismus nicht bestreitet Aber, weit entfernt, hierin eine Auf-
1) Hodx and Metschnikoff finden neuerdings wieder einen unerklärliches
Widerspruch darin v dass das Serum MiUbrand-empfftnglicher Ratten schldigeod
und schützend gegen Anthraxbecülen wirkt. 8. Ref. in dieser Nummer.
bie Forschnngsmethoden in der Tmmnnitfitsfrage. 73 1
klärung zu erblicken, welche ans die „humorale" Theorie annehm-
barer erscheinen lässt, beweisen nach ihm die angeführten Versuche,
indem dieselben die Bedingtheit, die Abhängigkeit der Serumwirkung
von mancherlei besonderen Umständen darthun, nur die Unmög-
lichkeit jener Theorie1). Herr M. übersieht das Ungerechte und
Irrthümliche dieser Folgerung. Allerdings haben wir im lebenden
Organismus keine so massiven Stoffe und Wirkungen gegenüber den
Bakterien, wie etwa in einer chemischen Desinfektionsanstalt. Man
kann nicht verlangen, dass die Alexine im Serum so unverwüstlich
seien, wie manche Metallgifte, von denen möglicherweise jedes Mole-
kül successive auf Millionen von Bakterien einwirkt. Aber das ist
kein Grund, um diese Wirkungen überhaupt zu leugnen, am wenig-
sten für einen Forscher, der die lebenden Leukocyten als Kämpfer
ansieht, die doch ohne allen Zweifel noch viel subtiler, weit abhän-
giger von den verschiedensten Bedingungen in ihrer Wirksamkeit
auf Infektionserreger sind, als die Alexine des Serums. Und wenn
wir einsehen, dass diese Schutzstofle Körper von spezifischen Eigen-
schaften, aber von verschiedenem Energiegrade, bei den verschiedenen
Spezies wie bei den verschiedenen Individuen sind, und dass sie
nach Massgabe ihrer Quantität wirken, indem den Bakterien ihrer-
seits eine Zersetzungsfähigkeit für die labilen Alexine innewohnt,
so entspricht gerade diese Komplizirtheit der Bedingungen dem na-
türlichen Stande der Dinge. Oder wie sollten wir je begreifen, dass
eine junge Ratte dem Milzbrand erliegt, während eine ältere refraktär
bleibt, wie sollten wir den Einfluss von Rasse, von Ernährung, von
zufälligen individuellen Bedingungen auf den Verlauf der Infektion
erklären können, wenn es sich dabei nur um grobe, leicht erkenn-
bare und nicht vielmehr um feine und komplizirte Vorgänge und
Unterschiede handeln dürfte? Zweifelt etwa ein Physiolog an der
Bedeutung der Oxydationsprozesse im Körper, obwohl es sehr schwie-
rig war und ist, den Wegen des Sauerstoffes nachzugehen und die
komplizirten Bedingungen zu enträthseln, unter denen er mit ge-
wissen Bestandteilen der Gewebe zuerst in Verbindung tritt?
Uebrigens dürfen die Versuche mit den Wattepäckchen keines-
wegs so aufgefasst werden, wie dies Metschnikoff thut, als ob
die bakterienfeindliche Wirkung des Serums durch die schützende
Watteumhüllung ganz annullirt worden wäre, Trotz der Watte
zeigte sich in mehreren Versuchen, bei denen besonders wirksames
Serum zur Verwendung kam, dass die eingeschlossenen Keime sämmt-
lich vernichtet wurden. Letztere Versuche wurden, als nichts Neues
lehrend, in meinem Referate nicht angeführt Bei einer ausführ-
licheren Publikation würde der vollen Deutlichkeit halber es nöthig
sein, auch diese zu erwähnen und ferner zur Illustration ver-
gleichende Versuche mit inaktivem (auf 55° erwärmtem) Serum hin-
zuzufügen. Dann würde man deutlich sehen, einen wie grossen bak-
terienfeindlichen Einfluss das Serum auch bei der Watteumhüllung
noch ausüben kann, und dass die Verhältnisse für die Bakterien
immerhin weit ungünstigere sind, als bei Aussaat in inaktives Serum,
1) Ann. de Unat Pasteur. 1881. No. 8. p. 587.
732 fcüclmar,
Ob alles dies Herrn Metschnikoff überzeugen wird, weiss
ich nicht. Ich bezweifle es, denn die Frage nach dem War am,
welche mir bei den verschiedenartigen und so höchst interessanten
Vorgängen im empfänglichen und im immunisirten Thierkörper , die
er beschreibt, immer die wichtigste zu sein scheint, liegt für ihn
im Hintergrunde der Diskussion ; wenigstens erwähnt er sie in seinen
neuesten Abhandlungen nur vorübergehend. Ich meine die Frage, aus
welchem Grunde im einen Falle gar keine, im anderen eine so
starke Leuko- und Phagocytose zu beobachten ist. Eigentlich nur
Herr Roux äussert sich hierüber, indem er die Anlockung der
Leukocyten auf Chemotaxis zurückführt, von einer Wirksamkeit
der Bakterien auf die Leukocyten durch taktile Reizung — wie
sie von Metschnikoff früher angenommen worden war — dage-
gen ganz absieht, ein Standpunkt, den ich vollkommen theile.
Entgegengesetzter Meinung bin ich dagegen bezüglich der Na-
tur der anlockenden Stofle. Der allgemeine Ausdruck „bakterielle
Produkte" oder dgl. genügt uns gegenwärtig nicht mehr. Wir müs-
sen unterscheiden, und Herr Roux spricht denn auch, im direkten
Gegensatz zu meinen Untersuchungsresultaten, die Ansicht aus, dass
die „spezifischen Toxine41 der Bakterien als die anlockenden
Substanzen zu betrachten seien 1). Es ist dies deshalb bemerkens-
wert]), weil Metschnikoff anderseits, und, wie ich glaube, mit viel
grösserer Berechtigung, die Toxine der Bakterien umgekehrt als
negativ chemotaktisch wirkend in Anspruch nimmt and ge-
rade hierdurch das Ausbleiben der Leukocytose bei Inokulation em-
pfänglicher Thiere mit virulenten Infektionserregern zu erklären
sucht').
Möglich wäre nun zwar, dass gewisse Toxine resp. Toxalbumine
positiv, andere dagegen negativ chemotaktisch auf Leukocyten wir«
ken, aber bevor ein Beweis für dieses gegensätzliche Verhalten vor-
liegt, — und bis jetzt ist nicht einmal der Versuch zu einem Be-
weise gemacht worden — kann ich diese Hypothese absolut nicht
gelten lassen. Ich bezweifle durchaus , wenn man Glasröhrchen mit
reinen Toxinlösungen in die Subcutis von Warmblütern einführt,
dass jemals Leukocyten hineinwandern; denn nach meinen Erfahrun-
gen reagiren diese Wanderzellen nur auf Nährstoff-artige Beize,
äussern dagegen nie die Tendenz, zu Giftstoffen hinzuwandern, durch
welche sie beschädigt und getödtet würden — ganz in Analogie zu
dem, was Pfeffer' s Untersuchungen für Flagellaten und Schwärm-
sporen ergeben haben.
Herr Boux wirft mir vor, ich hätte bei meinen Versuchen keine
genügend genauen Methoden angewendet, um die Bakterienproteloe
von beigemengten spezifischen Toxinen zu befreien, aber er scheint
meine Untersuchungen nicht zu kennen. Wenn auch wirklich der
Pneumobacillus von Friedländer, von dem ich zuerst ausging, bei
Eultivirung auf Kartoffeln spezifische Toxine liefern sollte, die bei
mehrstündigem Kochen mit verdünnter Kalilauge Stand halten (da-
8
Ann. de I'InsUtnt Pastaar. 1*01. No. 8 p. 6*1
Ann. PMtanr. 18*1. No. 8. p 472.
Die Forschangsmethoden in der ImmunlUUfrtge. 733
malige Methode der Proteingewinnung), so ist dieser Verdacht doch
ganz sicher ausgeschlossen beim Leim, den ich mir selbst aus fri-
schen dekalzinirten Knochen bereitete, beim Alkalialbumina t,
das aus Muskeln gesunder Thiere gewonnen wurde, und beim Glu-
tenkaseln, das ich mir selbst aus Weizenkleber — um jede
Möglichkeit einer Verunreinigung durch Fäulnissprodukte auszuschlies-
sen — hergestellt habe. Von allen diesen Substanzen aber kon-
statirte ich starke chemotaktische Wirksamkeit auf Leukocyten. Wie
kann man Oberhaupt noch schlagender nachweisen, dass es keiner
spezifischen Bakterien produkte zur Leukocytenanlockung bedarf, und
dass die lokale Leukocytose in der That eine Erscheinung von ganz
anderem Charakter ist, als man bisher dachte, nicht die Folge eines
schädigenden Reizes, sondern eher eines Reizes nach Art der Nah-
rungsstofie?
Wenn man nun annimmt, dass von den Bakterien fortwährend
anlockende Stoffe gleichviel welcher Art gebildet, und daher kon-
tinuirlich Anreize auf Leukocyten ausgeübt werden — und das ist
offenbar die Meinung von Metschnikoff und Roux — so lässt
sich eine mechanische Erklärung für das Fehlen der Leukocytose
bei akut virulenten Blutinfektionen (Milzbrand der Nager, Vibrio M.
bei Meerschweinchen u. s. w.) nur durch die negativ chemotak-
tische Wirkung von spezifischen Toxinen gewinnen. Ich gebe zu,
dass letzteres wahrscheinlich ist, obwohl bis jetzt kein direkter Be-
weis, d.h. kein Versuch mit reinen Toxinen vorliegt. Massart und
Bord et haben die Milchsäure als einen negativ chemotaktisch wir-
kenden Stoff erwiesen, den die Leukocyten fliehen, und bei meinen
Untersuchungen haben sich Ammoniak, Trimetbylamin, buttersaures
und valeriansaures Ammoniak in 1— 2°/0 Lösung ebenso bewährt
Natürlich hängt hier sehr viel vom Konzentrationsgrade ab ; bei stär-
kerer Verdünnung würden die genannten Stoffe gewiss keine abstos-
sende Wirkung erkennen lassen. Dagegen ist es möglich, dass Toxine
auch bei hochgradiger Verdünnung noch lähmend auf Wanderzellen
wirken, ähnlich wie dies beim Ghloral nach Mas sart und Borde t
der Fall zu sein scheint.
Trotzdem genügt diese Annahme nicht zur mechanischen
Erklärung des Unterschiedes zwischen dem empfänglichen
und dem immunisirten Thierkörper, weil auch in letzterem
— wenn der Chemismus der Säfte wirklich in
beiden Fällen der nämliche wäre, wie Metschnikoff
und Roux voraussetzen — sofort nach der Inokulation von den In-
fektionserregern negativ chemotaktische Toxine gebildet werden mtiss-
ten. Die genannten Autoren suchen zwar diese Schwierigkeit zu
umgehen, indem sie wiederholt erklären, der Kampf mit den
Leukocyten entscheide sich schon ganz im Anfang, be-
yornocb die Bakterien Zeit hatten, spezifische Toxine
in grösserer Menge zu bilden. Auf diesem logischen Schleich-
wege zu folgen, ist mir nicht möglich: entweder äussern die Toxine
ihre abschreckende resp. lähmende Wirkung nur in stärkerer Kon«
zentration, dann sind sie überhaupt werthlos für die Erklärung der
Infektionsvorgänge; oder sie wirken schon in sehr geringen Mengen,
734 Bucbntr,
daon müssten sie nothwendig auch beim imraunisirten Thier und
schon gleich Anfangs in Aktion treten. Da der Chemismus der Safte
angeblich immer der nämliche bleibt, da der Infektionserreger auch
im iramuniairten Tbier nach Metschnikoff und Roux sich —
abgesehen von der Intervention der Phagocyten — ganz ungehemmt
vermehren kann, so begreift man absolut nicht, was für ein Unter-
schied sein soll zwischen dem Anfang und dem späteren Stadium
der Infektion ; wenn aber auch ein solcher Unterschied in der Natur
der Dinge begründet wäre, so sieht man wieder nicht ein, weshalb
der gleiche Unterschied mit den gleichen Konsequenzen nicht auch
beim empfänglichen Thierorganismus ßich geltend machen sollte.
Im Gefühle der Schwäche des soeben erwähnten Erklärungsver-
suches haben Roux und Metchnikoff noch eine zweite Hülfs-
hypothese in Bereitschaft, die noch weit mehr als die vorhergehende
jeder sicheren Grundlage ermangelt Die Leukocyten des immuni-
sirten Thieres sollen durch die vorhergehende Schutzimpfung an die
spezifischen Toxine angewöhnt und daher gegen deren abschre-
ckende oder lähmende Wirkung unempfindlich geworden sein. Wir
wissen aber, dass gerade bei Vibrio Metchnikovi die immunisirten
Meerschweinchen gegen die Toxine, d. h. gegen die sterilisirte Kultur,
nicht unempfindlich sind; es mflssten also die Leukocyten gegen-
über den sonstigen Körperorganen und Zellen eine Ausnahme machen,
was besonders bei diesen vergänglichen Wanderzellen recht unwahr-
scheinlich und vor allem durchaus nicht bewiesen ist
Wenn man trotzdem für die künstliche Immunität zugeben
wollte, dass es sich möglicher Weise so verhält, so ist dieses Erklä-
rungsprinzip doch ganz unbrauchbar für die natürliche Immunitat,
bei der von Angewöhnung keine Rede sein kann. Für das ganze
grosse und wichtige Gebiet der natürlichen Immunität fehlt daher
bei der theoretischen Auffassung von Roux und Metschnikoff
jede mechanische Erklärung für das Eintreten der nach ihrer Mei-
nung die Heilung entscheidenden Leuko- und Phagocytose. Die
gelegentlich schüchtern geäusserte Hypothese, man müsse eben eine
natürliche Unempfindlichkeit der betreffenden Leukocyten gegen die
spezifischen Toxine annehmen, bedeutet weiter nichts als eine Um-
schreibung des thatsächlichen Verhaltens, welche die Notwendigkeit
einer erst zu erbringenden Beweisführung nur um so deutlicher
fühlen lässt
Diese ganz ungenügende Auffassung und Würdigung des mecha-
nischen Problems bei der Phagocytose ist es, was mich von der
Phagocyten theorie , der ich von vornherein durchaus sympathisch
gegenüberstand', allmählich mehr und mehr entfernt hat Die
eigentlich wirksamen Ursachen der Vorgänge müssen
aufgesucht werden, und diese können nur chemischer Art sein;
ich glaube, wir vermögen diese Ursachen bereits deutlich zu erkennen:
es sind die bakterienfeindlichen Wirkungen der Säfte, ausgeübt durch
gewisse eiweissartige Bestandteile derselben, anderntheils sind es die
Ausscheidungen plasmatischer Bestandteile des Bakterienzelleninhalts,
welche chemotaktische Wirkungen auf Leukocyten ausüben und da-
durch die Leuko- und Phagocytose direkt veranlassen.
t>le Forschungsmethoden in der ImmunitÄUfrage. 735
Beide Arten von Wirkungen stehen unter sich in kausalem Zu-
sammenhang, insofern die zweite durch die erste bedingt wird und
ohne dieselbe überhaupt nicht eintreten würde. Es ist ein verhäng-
nissvoller lrrthum, anzunehmen, dass die Infektionserreger im immuni-
sirten Thi er kör per Anfangs, d. h. bevor die Leukocyten erscheinen,
sich genau unter den gleichen Bedingungen befinden, wie im empfäng-
lichen Organismus. Ich will nicht bestreiten, dass sie sich in sehr
vielen Fällen Anfangs im immunen Thier vermehren, aber dies beweist
keineswegs die Abwesenheit schädigender Einflüsse und schliesst
nicht aus, dass ein Theil der Individuen bald Erscheinungen von
Schwächung und Degeneration zeigt. Gerade in ihrer neuesten
gemeinschaftlichen Arbeit haben sich Roux und Metchnikoff
davon überzeugen müssen, dass das Rattenserum, im Körper der
Ratte selbst, die gleichzeitig mit ihm injizirten Milzbrandsporen am
Auskeimen verhindert Aber sie gehen über diese wichtigste
Thatsache, die der Ausgangspunkt der Erklärung sein müsste,
hinweg, um ihre Aufmerksamkeit ausschliesslich wieder auf die
sekundär eintretende Erscheinung der Leuko- und Phagocytose zu
richten *).
Hierbei muss ich noch entschiedene Verwahrung einlegen gegen
die von Roux und Metschnikoff in ihren neuen Publikationen
vielfach wiederholte Behauptung, als hätte ich nur den bereits ab-
gestorbenen Bakterien („cadavres des microbes") die Befähigung zur
Ausscheidung chemotaktischer Proteine zugeschrieben. Schon auf
der Naturforscherversammlung zu Heidelberg 1889, wo ich diese
Ideen zuerst an dem speziellen Beispiel des Anthraxbacillus ent-
wickelte, habe ich von einem „schwächeren, zur Involution tendirenden
Zustand" der Milzbrandbakterien gesprochen, der die Ausscheidung
von reizenden Inhaltsbestandtheilen der Bakterienzelle zur Folge
hat; von todten Bakterien war damals überhaupt keine Rede, und
seitdem habe ich keinen Anlass vorübergehen lassen, ohne immer
wieder zu betonen, dass nach meiner Meinung die Ausscheidung von
plasmatischen Inhaltsbestandtheilen sofort beginnt, wenn die Bak-
terien unter ungünstige Lebensbedingungen gerathen. Damit sind
sie aber nicht gleichzeitig schon getödtet. Jener Standpunkt, der
nur lebende und todte Keime kannte und nichts, was dazwischen lag,
ist doch hoffentlich längst überwunden. Gerade bei M e t s c h n i k of f,
der selbst so schöne Beobachtungen über Degenerationserscheinungen
an theilweise gewiss noch lebensfähigen Bakterien innerhalb von
Phagocyten gemacht hat, darf man doch sicher in diesen Dingen
eine richtige Auffassung voraussetzen. Wozu dann also jene Wider-
legungen und Gegengründe, die alle auf die unrichtige Annahme
basirt sind, als ob Ich nur von todten Bakterien gesprochen hätte?
In meinen Augen ist es kein Widerspruch, dass ein Milzbrandbacillus
lebend und vermehrungsfähig sein und doch bereits unter dem be-
ginnenden Einfluss schädlicher Wirkungen stehen kann, die eine
1) Ann. de l'lnjt. Pastear, No. 8, p. 485. S. du betr. Ref.
736 Schor,
theilweise Ausscheidung plasmatischer Inhaltsbestandtbeile aus ihm
zur Folge haben1) i
Herr Metschnikoff und seine SchOler geben sich viele Mähe i
zu beweisen, dass die von Phagocyten aufgefressenen Bakterien in i
deren Innerem schädigenden Einflössen unterliegen und sehr häufig
vernichtet werden. Es ist nach meinem Dafürhalten kaum ein
Zweifel möglich, dass es sich so verhält, und dass die Phagocyten
in der That diese nützliche Funktion ausüben können, während aller-
dings in gewissen anderen Fällen der Phagocyt seinen Raub nicht
zu verdauen vermag, sondern an ihm zu Grunde geht Allein mit
dieser Konstatirung wird nur bewiesen, dass die Phagocytose über-
haupt ein nützlicher Vorgang sei, was ich noch niemals bestritten
habe. Das, was indes die Phagocytentheorie will, ist etwas
ganz anderes; sie begnügt sich nicht mit einer bloss nützlichen Rolle
der amöboiden Zellen, sondern sie spricht den letzteren Oberhaupt
die einzig massgebende Entscheidung beim Infektionsprozesse zu,
und dies muss ich durchaus bestreiten. Nach meiner Auffassung
findet vielmehr die erste und entscheidende Beeinflussung der In-
fektionserreger in ungünstigem Sinne bereits statt vor der Auf-
nahme durch amöboide Zellen; ja es ist diese ungünstige Beein-
flussung, resp. die dadurch bedingte Ausscheidung anlockender
Substanzen sogar die nothwendige Ursache der nachfolgenden Leuko-
und Phagocytose, ohne welche die letzteren Vorgänge gar nicht in
die Erscheinung zu treten vermöchten.
München, 5. Oktober 1891.
Ueber die fragliche Immunisation durch Alkalisation
mittelst Natrium bicarbonicum."
V<m
Dr. Schor
in
Odessa.
Prof. Fodor erklärt in der No. 1 dieses Bandes dieses Central-
blattes die Widersprüche meiner Versuche mit den seinigen dadurch,
dass ich mit stärkerem Virus, als er experimentirte. Darauf muss
ich bemerken, dass es in der That nicht so ist: denn ich bekam
die gleichen Resultate bei Anwendung schwachen und starken Virus.
So in Odessa, wo ich zusammen mit Dr. Diatroptoff Versuche,
1) Wenn ein aufgefressener Bacillus noch ▼ermehrungsflhig ist, so kann ans dem-
selben wieder eine Knitor gewonnen werden, wie dies Metschnikoff wiederholt
gelang. Wenn letitere dann wieder virulente Eigenschaften aufweist, kann mich das
nicht wandern, nachdem bekanntlich karsdanernde schädliche Einwirkungen nur selten
su einem bleibenden Verluste der Viralen« fuhren.
Ueber df« fraglich« Tmmnnfoatloii durch AlkalUatfon ete, 737
auf welche ich mich schon in meiner ersten Abhandlung berufen
habe, mit schwachem Virus angestellt habe, bekam ich folgende Re-
sultate.
Den 15. September 1890 wurden 14 Kaninchen infizirt. Von
diesen wurden dann 11 verschiedenartig nach Prof. Fodor mit
Natrium bicarbonicum behandelt Drei blieben als Kontrollthiere.
Von den Behandelten erlagen einige an Milzbrand schon den 16.
Abends, einige des Nachts, einige den nächsten Tag, den 17. Das
letzte behandelte Kaninchen fiel den 18. Morgens. Von den Kontroll-
thieren fiel eins den 18. am Mittag, Das zweite Nachts vom 19.
und 20. (nach 41/* Tagen). Das dritte überlebte sogar die Impfung
7 Vi Tage, und fiel erst den 22. Nachts. Kann denn hier von
einem starken Virus die Rede sein?
Die zweite Versuchsreihe mit den Milzbrandkulturen, welche von
den Kontrollthieren der ersten Versuchsreihe gewonnen waren, wurde
am 21. September angestellt. Auch hier, mit einer einzigen Aus-
nahme, fielen die behandelten Thiere früher, als die Kontrollthiere,
und zwar einige der behandelten schon nach 28 und 30 Stunden,
die Kontrollthiere erst nach 36 und 40 Stunden. Nur ein Kaninchen
von den behandelten fiel erst nach 72 Stunden.
Was die Bemerkung von Prof. Fodor, dass er positive Re-
sultate bekommen habe, anbetrißt, so muss ich darauf erwiedern,
dass es eine Frage ist, ob seine Resultate positive genannt werden
können. Denn das Nichteintreten des Todes bei Impfung der Thiere
ist eher ein negatives Ergebniss und hängt von einer Menge kora-
plizirter Ursachen ab. Ist doch die Thatsache bekannt, dass Milz-
brandvirus von einer gewissen Stärke (zweite Vaccine) nicht alle Ka-
ninchen tödtet, und auch mit dem echten Virus bekommt man manches
Mal negative Resultate. Ich erinnere mich folgenden Versuchs 1),
welcher in Gegenwart einer Kommission, bestehend aus Professoren
(unter ihnen Prof. Metschnikoff). Aerzten, Thierärzten, im
Sommer 1888 ausgeführt wurde. Von 15 Kontrollschafen, welche mit
demselben Virus, mit derselben Quantität zur selben Zeit infizirt
waren, fielen 6 nach 40 Stunden, 3 nach 48, die übrigen 4 bis zum
6. Tage. Zwei, obwohl erkrankt, blieben am Leben.
Wenn man die 37°/0 bei Prof. Fodor überlebter Thiere (7 von 19)
auf die Behandlung mit Natrium bicarbonicum schieben könnte, so
bleiben doch 63°/0, welche alkalisirt waren und doch der Impfung
erlagen.
1) 8. mein Referat in Bd. IV. No. 19 dietee Centralblattei. 1888 (Gamaleia über
Milibrandimpfang).
*-B*. 47
738 sscbokk«,
Die Parasitenfauna von Trutta salar.
Von
Prof. Dr. F. Zsehokke
in
Basel
(Fortietiang.)
Es ist gewiss kein Zufall , dass alle im Unterlaufe des Rheines,
in Holland, gefangenen Lachse, deren Eingeweide untersucht wurden
(etwa 15 Exemplare), sehr reichlich mit Parasiten besetzt erschienen.
Regelmässig waren mehrere Arten in zahlreichen Individuen zu ver-
zeichnen. Der Schlund beherbergte häufig eine Menge von Disto-
mum varicum, in den Appendices pyloricae lagen fast immer 20
bis 30 Bothriocephalus infundibuliformis, deren Länge
oft bis zu 70 cm ging. Die holländischen Lachse waren auch einzig
die Wirthe von Ascaris angulata, Echinorhynchus agilis
und E. acus. Der Parasitenbestand erinnerte meist noch lebhaft an
denjenigen der Meerlachse.
Ein ganz anderes Bild zeigten die Fische aus den oberen Theilen
des Rheins. Die Bewohner von Schlund und Magen werden immer
seltener. Distomum varicum verschwindet, der Bothrio-
cephalus tritt nur noch in vereinzelten, schwachen, abgemagerten
Exemplaren auf, endlich erscheinen einzig Bruchstücke und Fetzen
des Wurmes, und bei Lachsen aus der Gegend von Basel und Laufen-
burg durchsucht man sehr oft den gesammten Verdauungstraktus,
ohne auf Spuren eines Schmarotzers zu stossen. Die Parasiten-
besetzung beschränkt sich hier auf die allseitig geschlossenen Organe.
Das Protokoll über den Schmarotzerbefund bei drei holländischen
Lachsen lautet z. B.:
3. Mai: Gut genährtes Thier. An Leber und Pyloranhängen
30 lebende Agamonema capsulare. Im Oesopbag 20 vollkom-
men reife Distomum varicum. In den Appendices pyloricae
20 gewaltige Bothriocephalus infundibuliformis, 50 bis
70 cm lang, 7 — 10 mm breit. Im Peritoneum Ascaris clavata.
7. März: Agamonema capsulare zahlreich auf der Leber.
Viele Distomum varicum im Oesophagus. Viele und wohlgenährte
Bothriocephalus infundibuliformis in den Pyloranhängen.
In der Darmwand eingekapselt Tetrarhynchus macrobothrius.
27. Mai: Bothriocephalus infundibuliformis zahlreich
in den Pyloranhängen. Vier Exemplare von Echinorhynchus
agilis im Schlund; in der Darmwand eine Bothriocephalus-
larve.
Wie ärmlich nehmen sich daneben die Aufzeichnungen über
Lachse des Oberrheins aus:
21. November: Ein Tetrarhynchus macrobothrius
eingekapselt in der Darmwand.
22. November: Agamonema capsulare vereinzelt am
Darm eingekapselt
Die Paraaitenfaaaa von Trutta aalar. 739
12. Dezember: Wenige Fragmente von Bothriocephalus
infundibuliformis.
So dürfen wir wohl sagen, dass die Parasitenfauna des Rhein-
lachses in dem Masse verarmt, als der Fisch in die oberen Theile
des Stromes gelangt
In acht aus dem Unterrhein stammenden Lachsen verzeichnet
mein Register die massenhafte Gegenwart von sehr jungen Individuen
von Bothriocephalus infundibuliformis. Die 0,5—3 mm
langen Würmer bestanden nur aus dem charakteristischen Scolex und
der Andeutung von zwei bis drei Proglottiden, waren also noch jugend-
licher, als die von Olsson (32) gezeichneten. Offenbar hatte die
Infektion kurz vorher stattgefunden, vielleicht als der Fisch durch
eine letzte reichliche Nahrungsaufnahme im Meer sich auf die bevor-
stehende Hungerperiode im Süsswasser rüstete. Während dieser
Epoche werden die jungen Bothriocephalen wohl sehr im
Wachsthum zurückbleiben. Ceber die Saisonvertheilung der Rhein-
lachsparasiten mag zunächst die folgende Tabelle Aufschluss geben:
Es wurden untersucht:
tfhe
inlachie:
Diron
Mit Parti
iten:
parasi tenf rei:
I.
II. III.
IV. V.
Im
Arten P
arasiten:
Janaar :
15
0
*
7 4
3 0
Februar :
1
0
1
0 0
0 0
Man:
1
0
0
0 0
1 0
April :
0
0
0
0 0
0 0
Mai:
5
0
1
3 3
0 0
Juni:
3
0
3
0 1
0 0
Juli:
6
0
s
8 0
0 0
Aoguat :
5
0
1
1 8
0 0
September :
4
0
s
1 0
0 0
Oktober:
6
0
3
3 1
0 0
November:
43
0
26
10 4
1 1
Dezember:
tal:
41
4
13
17 5
3 0
To
189
4
55
43 30
6 1
Schon aus dieser Zusammenstellung kann bis zu einem gewissen
Grade herausgelesen werden, dass die Artenzahl der im Rheinlachse
lebenden Würmer in den Wintermonaten zurückgeht. Doch wird
dieses Verhältniss besonders klar, wenn wir, die nur selten vorkom-
menden Parasitenspezies bei Seite lassend, die wirklich häufigen ge-
nauer ins Auge fassen. Wir erhalten folgende Prozentzahlen von
Fischen, die mit den drei gewöhnlichsten Lachsparasiten behaftet sind :
Sind besetzt mit: Bothriocephalus
Im infundibuliformis
Januar 66,6 •/.
Mai: 80 „
Juni: 100 „
Jnli: 100 „
August: 60 „
September: 60 „
Oktober: 38 „
November: 35 „
Detember: 23 „
Die Monate Februar, März, April wurden nicht beachtet, weil in
ihnen keine oder nur vereinzelte Rheinlachse untersucht werden konnten.
47»
Diitomum
Ascaris
varicum
capsularis.
*« 7.
**%
30 „
30 „
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öo „
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ss „
16 „
100 „
M »
76 „
" „
78 „
740 Ztchokk«,
Der Bothriocephalus des Lachses nimmt bei den im Rhein
gefangenen Exemplaren im Frühjahr und Sommer an Häufigkeit ge-
waltig au, um vom August an seltener zu werden und im Dezember
nur noch den fünften Theil sämmtlicher Fische zu infiziren. Im Juni
und Juli sind alle Rheinlachse Träger dieses Bandwurmes. Aehn-
lichen Gesetzen folgt die Saison vertheilung von Distomum vari-
cum, wenn auch für diesen etwas seltener auftretenden Parasiten
noch nicht genügend Material gesammelt werden konnte, um eine
vollständige Tabelle aufzustellen. Um diese Thatsachen noch besser
zu beleuchten, müssen wir beifügen, dass im Winter nicht nur die
Zahl der infizirten Fische, sondern auch die Individuenzahl der
schmarotzenden Würmer auff&llig abnimmt. Im November and De-
zember speziell bevölkern nur vereinzelte schwächliche Exemplare des
Bothriocephalus die Pyloranhänge des Rheinlachses. Oft handelt
es sich um blosse, kaum noch erkennbare Bruchstücke des Parasiten.
Im Frühjahr bis im Juli erscheinen Fische, deren Pyloranhänge von
grossen Massen wohl ausgebildeter Bandwürmer strotzen und die oft
daneben noch Hunderte ganz jugendlicher Grubenköpfe tragen.
Auch für Distomum varicum verzeichnen meine Listen die
reichsten Ernten im Mai, Juni und Juli. Ebenso scheinen die flbrigen
Bewohner von Oesophag und Magen im Rheinlachse am sichersten im
Sommer zu treffen zu sein. Es kommen deren noch sieben in Be-
tracht, und von ihnen wurden fünf — Ascaris adunca. A. angu-
lata, Echinorhynchus agilis, E. acus und Schistocepha-
1u8 dimorphus — überhaupt nur im Mai und August gefunden.
80 dürfen wir wohl den Satz aussprechen, dass die Schmarotzer des
Schlundes und Magens im Rheinlachse nach Zahl von Individuen und
Arten ihr Minimum im November und Dezember, d. h. in den Laich-
monaten, erreichen. Dann hat der Lachs den längsten Theil des
Aufenthalts im Süsswasser hinter sich und ist am weitesten strom-
aufwärts gedrungen; er hat, wie wir dies oben entwickelten, auf der
langen Reise seine ungebetenen Gäste verloren. Das Maximum des
Parasitenreichtbums in den vorderen Theilen des Verdauungstraktus
ist in den Sommermonaten (Mai bis Juli) erreicht, wann zahlreiche
Schaaren von Lachsen, mit Schmarotzern beladen, in den Fluss ziehen.
Ganz anders verhalten sich die Würmer, welche geschlossene Organe
bewohnen. Auf sie hat. die Reise ins Süsswasser keinen Einflus*. Für
die so häufige Ascaris capsularis lässt die vorstehende Tabelle
kein regelmässiges Zu- und Abnehmen erkennen. Das Ansteisren der
Zahlen im Winter ist, wie wir sehen werden, nur ein scheinbares.
Reiche Infektionen wechseln für diesen Nematoden mit sehr spärlichen
ohne jede Gesetzmässigkeit Bothriocephalu s- Larven finden sich
hin und wieder während des ganzen Jahres an und in den verschiede-
nen Organen. Für die Tetrarhynchen schien es, als ob sie im
Winter (November und Dezember) besonders häufig seien. Doch sind
das ja rein marine Formen, die in mancherlei Organe eingebettet, den
Fisch auf seiner Stromwanderung vom ersten bis zum letzten Moment
begleiten müssen. Ihr Bestand kann im Flusse nicht 'vermehrt, son-
dern höchstens — durch Absterben einzelner Exemplare — vermin-
dert werden.
Die Parasitenfauna von fratta salar. 741
Die scheinbare grössere Häufigkeit im Winter mag sich daraus
erklären, dass dann nach längerem Aufenthalte im Wirtbe sämmtliche
Exemplare des Schmarotzers eine Entwicklung uud Grösse erlangt
haben, die sie dem Auge leicht erkennbar machen. Sie sind nicht
häufiger, sondern nur leichter konstatirbar, als im Frühjahr und Som-
mer. Auch die stärkere Vertretung von Ascaris capsularis ist
wohl nur scheinbar und lässt sich auf ähnliche Weise wie die der
Tetrarhy neben deuten.
Doch stellen wir nun die wichtige Frage: Aus welchen Elementen
setzt sich die nachgewiesene Parasitenfauna des Rheinlachses zu-
sammen? Sind es Schmarotzer von See- oder Süsswasserfischen,
die die Hauptmasse der Gäste der im Khein gefangenen Salinen
ausmachen, oder gehören sie indifferent beiderlei Geschöpfen an.
Die Süsswasserfische und ihre marinen Verwandten beherbergen
eine sehr bedeutende Anzahl gänzlich verschiedener, recht typischer
Helminthen, so dass mit vollem Recht von einer speziellen Schma-
rotzerfauna der einen und anderen Gruppe gesprochen werden kann.
Es wird also auch möglich sein, die eben gestellte Frage zu beant-
worten. In eine Tabelle gebracht, lauten die bezüglichen Verhält-
nisse, wie folgt:
Tabelle IL
Findet sich in wie riel SpemieB von :
Name der Parasiten. Wander Aschen ? Meerfischen ? Bfisswasser Äschen ?
1. Ascaris adnnca, Rud., .... 4 0 0
2. Ascaris angulata, Und., .... 1 2 0
3. Ascaris clavata, Und., . . . . 2 10 0
4. Ascaris (Agamonema) capsularis,
Dies., 8 14 1
5. Ascaris (Agamonema) communis,
Dies., 1 13 0
6. Kchinorhynchos agilis, Bad., . . 2 2 0
7. Ecbinorhynchus acas, Rud., . . 1 16 1
8. Kchinorhyncbus proteas, Westrnmb., 6 11 29
9. Distomum reflexam, Zed., ... 1 1 0
10. Ditttoraam varienm, Crepl., ... 8 16 2
11- Distomum Miescheri, Zsch , . . 1 0 0
IS. Schistocephalos dimorphna, Crepl., 12 2
18. Bothriocephalns infandibaliformis,
Bad., 2 0 8
14. Botbriocephalas Osmeri (larra) v.
Linstow 2 0 0
15. Bothriocephalns spec 1 (larra), .1 0 0
16. Bothriocephalns spec. IL (larva), .1 0 0
17. Rbynchobothrium paleacenm, Rud., 1 84 0
18. Tetrarhy nchns solidus, Drammond, 10 0
19. Tetrarhynchas grosses, Rad., . . 1 2 0
20. Tetrarhynchas macrobothrias , von
8ieb 1 8 0
Aus dieser Zusammenstellung ergibt sich auf den ersten Blick
dass der Rheinlachs acht Parasiten beherbergt, die noch nie in Süss-
wasserfischen aufgefunden worden sind und wohl auch kaum sich dort
werden treffen lassen, da sie ihrer Mehrzahl nach die sehr typische
Gestalt mariner Schmarotzer tragen. Es sind die No. 2, 3, 5, 6,
9,17,19,20. *
742 Äsehokk*,
Von ihnen kommen Ascaris clavata und Echinorhynchus
agil i 3 je noch in einem anderen Wanderfische als dem Lachse vor.
Vier der angefahrten Helminthen (No. 11, 15, 16, 18) sind bis jetzt
nur inTrutta salar bekannt geworden; wenigstens zwei davon
tragen marinen Typus. Das bezieht sich auf Tetrarhynchus
solidus und Distomum Mi.escheri, zwei Formen, die zu sehr
wohl umschriebenen kleinen Gruppen von Seefischparasiten zu rechnen
sind. Für Tetrarhynchus ist dieses Verhältniss wohl bekannt,
für Distomum Miescheri werden wir es noch zu besprechen
haben; 11 und 15 gehören nur dem Rheinlachs an. Mit anderen
Wanderfischen theilt der Rheinlachs die Ascaris adunca. Von
den in unserem Fische am häufigsten lebenden Würmern sind Ascaris
capsularis und Distomum varicum weitverbreitete Gäste sehr
zahlreicher mariner Fische; nur selten finden sie sich in ganz wenigen
Arten von Süsswasserbewohnern. Bothriocephalus infundi-
buliformis ist ein typischer Schmarotzer sämmtlicher Salmoniden,
sie mögen nun das süsse Wasser bewohnen, oder auf ihren Wande-
rungen im Meer sich aufhalten. Besonders häufig befällt er die Meer-
forelle (siehe auch Braun (2); im Meerlachs trifft man ihn viel
häufiger, massenhafter und kräftiger entwickelt, als im Rhein lach*.
Schis tocephalus dimorphus ist schon wiederholt in Meerfischen
angetroffen worden, seine gewöhnlichen Zwischenwirthe, die Stichlinge,
sind übrigens nicht reine Süsswasserfische, wie dies auf der Tabelle II
verzeichnet worden ist, sondern bewohnen massenhaft auch die Ostsee,
aus der ßie im Frühjahre in Schwärmen in die Flüsse steigen. Echi-
norhynchus proteus endlich ist wenig wählerisch in Bezug auf
seine Wirthe. Er bewohnt sehr zahlreiche Süsswasserfische, ohne in
manchen Meer- und Wanderfischen zu fehlen. Im Rheinlachse lag er
eingekapselt im Peritoneum, ein Vorkommniss, das wir noch zu be-
sprechen haben werden. Vielleicht wird der Kratzer mit seinem
Zwischenwirth, demGammarus pulex, durch den Wasserstrom in
den Rheinlachs gespült, ohne dass an eine eigentliche Nahrungsaufnahme
gedacht werden muss. Wahrscheinlicher gelangen die embryonenhal-
tigen Eier von E. proteus zufällig in den Fisch. Fassen wir alles
zusammen, so ergibt sich, dass der Rheinlachs in seiner Parasiten-
fauna kein einziges reines Süsswasserelement aufweist Seine häufig-
sten Gäste sind sehr typische marine Schmarotzer. Der Charakter
der gesammten Wurmbevölkerung ist mindestens ebenso marin, wie
bei einem beliebigen grösseren Meerfische. Trotz seines langen und
wiederholten Aufenthalts im Flusse infizirt sich der Rheinlachs mit
keinem einzigen Süsswasserparasiten, eine Thatsache, die stark für die
Annahme spricht, dass Trutta salar im Rhein vollkommen fastet.
Wie ganz anders gestaltet ßich die Zusammensetzung der Para-
sitenfauna anderer Wanderfische I Die marinen Elemente treten hier
mehr oder weniger, oft sogar bis zum vollkommenen Verschwinden,
zurück. Eine Vergleichung der diesbezüglichen Verhältnisse mit dem,
was für den Rheinlachs konstatirt wurde, ist geeignet, die uns be-
schäftigende Frage in viel helleres Licht zu rücken. Zehn der be-
kanntesten Wanderfische beherbergen nach unseren heutigen Kennt-
nissen 117 Spezies parasitischer Würmer (28 Cestoden, 40 Trematoden,
bie ParftsitenÄraoa tob Tratt» saW. 743
34 Nematoden, 15 Acanthocephalen). Die Wirthe sind Trutta
salar, Trutta trutta, Osmerus eperlanus, Coregonus
oxyrhynchus, Alausa vulgaris, Alausa finta, Anguilla
vulgaris, Petromyzon fluviatilis, Acipenser sturio,
Acipenser huso.
Von den 117 Schmarotzerarten kommen 63 überhaupt nur in
Wanderfischen vor, die so eine reiche eigene Parasitenfauna erhalten.
Jeder Wanderfisch bezieht aus dieser Masse wieder eine relativ grosse
Zahl von Gästen, die nur in ihm das Leben fristen. So besitzt der
Stint 12 von 21, der Aal 15 von 38 Parasiten, welche ihm eigen-
tümlich sind. Der Lachs beherbergt 33 Helminthen; 20 davon
haben wir bereits in der Trutta salar aus dem Rheine getroffen.
Elf von 33 gehören ausschliesslich dem Lachse an ; 2 weitere hat er
mit anderen Wanderfischen gemein. Die gesammte Schmarotzerwelt
der Wanderfische zählt 21 rein marine Formen, 19, die sich ausser
in wandernden Fischen nur noch in Bewohnern des süssen Wassers
finden, 14, die in Fischen beider Medien angetroffen worden sind.
Der Lachs allein ernährt neun ganz marine Schmarotzer, so dass
für alle übrigen Wanderfische nur noch zwölf solcher bleiben.
Zur Parasitenfauna der Wanderfische treten somit zusammen 53°/0
ihr eigentümliche Formen, 18,2 °/0 rein mariner Gestalten, 16,5 °10
Süss wasserparasiten, 12,3 °/0 Helminthen des süssen und salzigen
Wassers. Die in den drei verschiedenen Fiscbgruppen gleichzeitig
vorkommenden Formen machen also den kleinsten Bruchtheil der
Parasitenbevölkerung der Wanderfische aus.
Abgesehen von den für Trutta salar in dieser Hinsicht schon
besprochenen (20 Spezies) oder noch zu besprechenden (13 Spezies)
Schmarotzerarten vertheilen sich die übrigen in Wanderfischen leben-
den Würmer (84 Spezies) wie folgt:
Rein marin sind davon 12 Arten: Ascaris constricta,
Ascaris labiata, Echinorhynchus lateralis, Echino-
rhynchus propinquus, Distomum commune, D. grandi-
porum, D. mollissimum, D. rufoviride, D. fasciatum,
Amphiline foliacea, Bothriocephalus fragil is, Bothrio-
cephalus claviceps. (Vom Lachse gehören hierher 9 Arten.)
Reine Süsswasserformen sind 16 Arten: Ascaris obtuso-
caudata, Ascaris dentata, Ancryacanthus cystidicola,
Filaria echinata, Filaria solitaria, Gor dius aqua ticus,
Ichthyonema sanguineum, Echinorhynchus fusiformis,
E* globulosus, Distomum laureatum, D. globiporum,
Tetracotyle ovata, Gasterostomum fimbriatum, Taenia
longicol li 8 , Gyathocephalus truncatus, Bothrioce-
phalus latus. (Vom Lachse sind beizufügen 3 Arten.)
In Meer- und Süss wasserfischen kommen gleichzeitig vor 6 Arten:
Ascaris acus, Cucullanus globosus, Echinorhynchus
angustatus, E. tuberosus, Distomum simplex, Disto-
mum ventricosum. (Vom Lachs hierher 8 Arten.)
Charakteristisch für Wanderfische sind 60 Arten: Ascaris hir-
Buta, Ascaris Osmeri, A. Acipenseris, A. Eperlani,
ascaris Petromyzontis, Ancryacanthus impar, Dac-
tu
&achokke, Di« Paraaitenfaana Ton tratta aaUf .
nitis sphaerocephala, Cucullanus papilliferus, Nema-
toxys tenerrimus, Nematoideum Salmonis Eperlani,
N. Salmonis spirynchi, N.Muraenae anguillae, Agamo-
nema Alausae, Trichina Anguillae, Filaria denticalata,
F. quin que tu bereu lata, F. quadri tuber culata, F. conoura,
Echinorhynchus Eperlani, E. spec., E. subulatus, E
plagicephalus» Distomum conostomum, D. hispiduni,
I). spec, D. Carolinae, D. semiflavum, D. inerme, D.
truttae, D. microphylla, D. macrobothrium, D. tectum,
D. inflatum, D. Bergense, D. polymorphum, D. angu-
latum, D. roseum, Monostomum gracile, Octoplecta-
Dum lanceolatum, Ophiocotyle Fintae, Glossocotyle
Alosae, Nitzschia elegans, Tylodelphis Petromy-
zontis, Taenia dilatata, T. Eperlani, T. macroce-
phala, T. hemisphaerica, Scolex Alosae fintae, S.
Petromyzontis, Crypt obothrium longicolle. (Vom Lachs
hierher 2 Arten, typisch für den Lachs 11, Gesammtzahl 117.)
Gruppiren wir die Parasiten der Wanderfische tabellarisch, so
erhalten wir folgende Vertretung der verschiedenen faunistischen
Elemente in den einzelnen Wirthen:
Tabe
lle HL
•5 o s a '
«ja
th
»H
* s
Auner In Waaderfiacsen
noch in:
Wirth
I SZ
s °
8C
. *
Trntta trotte
16
i
0
1
9
6
OsmeruB eperlanua . . .
81
18
8
1
4
8
CoregonnB oxyrhynchufl . .
10
1
1
0
4
4
Alansa ynlgaris ....
10
8
8
8
0
8
Alansa finta
10
8
8
8
0
8
Angnilla yulgaria . . . •
88
15
0
9
5
9
Petromyion flaviatilis . .
8
6
0
0
1
1
Acipenser sturio ....
12
8
4
4
0
8
Acipenser huso
8
0
1
0
0
1
Die hier eingeschaltete tabellarische Uebersicht lässt ohne
weiteres erkennen, dass im Gegensätze zum Rheinlachse alle übrigen
Wanderfische im Süsswasser mit mehr oder weniger zahlreichen
Parasiten sich infiziren. Speziell die Lachsforelle, die nahe Verwandte
von Trutta salar, birgt fast ausschliesslich Süsswasserschina-
rotzer, obschon gerade dieser Fisch, wie dies jüngst noch von Giard
(12) hervorgehoben worden ist, seinen Aufenthalt im Meere sehr ver-
längert. In anderen Wanderfischen, wie dem Schnäpel, dem Neun-
auge, dem Hausen, verschwinden die rein marinen Elemente der Hel-
minthenbevölkerung vollkommen. Auch der Stint ist beinahe in dem-
selben Falle, während der Aal ziemlich gleichmässig aus den ver-
schiedenen Parasitenquellen schöpft und Stör, Maifisch und Finte
neben verhältnissmässig zahlreichen spezifischen WanderfischwQrmeni
recht deutliche marine Beimengungen aufweisen. Aus allen ange-
fahrten Zahlen läset sich gar manches über die Lebens- respective
Grün« Baktorfai. 745
Ernährungsweise der angefahrten Wanderfische im sQssen und salzigen
Wasser herauslesen. Während der Lachs vor seinem Eintritt in den
Rhein durch gewaltige Nahrungsaufnahme sich auf die nahende
Hungerperiode vorbereitet und sich so im Meer reichlich mit Para-
siten belastet, deren Zahl im Strome in Folge des Aufhörens der
Speisezufuhr nicht vermehrt wird, holen sich die übrigen wandernden
Salmoniden — Trutta trutta, Osmerus eperlanus, Core-
gonus oxyrhynchus — ihre Gäste fast ausnahmslos im Süss-
wasser. Sie scheinen sich im Gegensatze zum Rheinlachse auch im
Flusse recht ausgiebig zu ernähren. Die meisten Wanderfische be-
sitzen eine relativ grosse Zahl spezieller, nur dem betreffenden
Wirthe zukommender Parasiten. Eine Ausnahme machen Lachs-
forelle, Schnäpel, Stör und Hausen. Natürlich ist es schwer zu ent-
scheiden, ob diese für jeden Fisch typischen Würmer im süssen oder
salzigen Wasser erworben werden. Durch eine genaue Prüfung der
einzelnen Parasiten nach ihrem Charakter, ihrer Verwandtschaft, ihrer
Herkunft, ihrer Verbreitung müsste es indessen immerhin möglich sein,
für jeden Wanderfisch ein Spiegelbild der Lebensweise in der Natur
seiner Schmarotzerwelt zu erhalten. Die Parasitenfauna verräth uns,
dass der Lachs im Rheine keine Nahrung aufnimmt, dass dagegen
nahe Verwandte von Trutta salar, vom Meere in den Strom wan-
dernd, im neuen Medium sich reichlich ernähren.
(FortMtaung folgt.)
Rofbrate.
Dangeard, P.A., Contribution &l'6tude des Bact6riac6es
vertes (Eubacillus gen. nov.). (Le Botaniste. 1891. p. 151— 160.
Mit 1 Taf.)
Grün gefärbte Bakterien gehören zu den grössten Seltenheiten
oder wenigstens zu den am seltensten beobachteten Bakterien, zum
Theil wohl deshalb, weil die grüne Farbe bei dünnen Fäden zunächst
nicht an Bakterien denken lässt. In vorliegendem Aufsatze beschreibt
Verf. nach alten Notizen und Zeichnungen einen sehr merkwürdigen
Organismus, den er früher selbst für eine Alge gehalten und als
einen aus sehr feinen verfilzten Fäden bestehenden Wandbelag in
alten, zur Algenkultur benutzten Glasgefässen gefunden hatte. Leider
untersuchte Verf. den erwähnten, nach Art der Bakterien endogene
Sporen bildenden Organismus, für den er in der Litteratur keinerlei
Anknüpfungspunkte fand, seiner Zeit nicht weiter, und erst das Er-
scheinen des kleinen Aufsatzes des Ref. „Ueber einen neuen Typus
der Sporenbildung bei den endosporen Bakterien*4 *) veranlasste die
nachträgliche Publikation, die aus diesem Grunde bedauerlicher Weise
so mancher sehr erwünschter Daten entbehrt, so vor allem genauer
Grtasenangaben; solche sind nur für die ovalen Sporen mitgetheilt,
1) CL dteiN CeotnJbl. Bd. TU. 1890. p. 440.
746 CMne Bakterien.
welche die für Bakteriensporen enorme Grösse von 3 : 6-8 p erreichen
sollen. Soweit die beigefügten Zeichnungen einen Schluss gestatten,
dfirften die vegetativen Fäden kaum 1 /i als Durchmesser überschreiten.
Diese vegetativen Fäden sind durchaus einfach, überall gleich dick,
mit vollkommen hyalinem und gleicbmässig schwach grün gefärbtem
Inhalt Die chlorophyllgrüne Farbe, die nicht (wie bei den Algen;
an ein Chromatophor gebunden ist und an einzelnen Fäden leicht
übersehen werden kann, tritt da, wo jene in Menge untereinander
verfilzt sind, sehr deutlich hervor. Scheidewände sollen in den langen
vegetativen Fäden nicht vorhanden sein; da aber solche an Sporen-
tragenden Fäden und selbst schon während der Sporenbildung viel-
fach deutlich zu erkennen waren, glaubt Ref., nach dem zn urtheQeo,
was man bei anderen fadenbildenden Bakterien über diesen Punkt
weiss, dass sie zwar vorhanden, aber ohne Anwendung von den Zell-
inhalt kontrahirenden Mitteln nicht wahrnehmbar waren, and er hält
darum den gewählten Speziesnamen Eubacillus multisporus
für keinen glücklichen; macrosporus wäre sowohl korrekter wie
charakteristischer. Die sporentragenden Fäden unterscheiden sich
von den vegetativen durch starke, längliche Auftreibungen an den
Stellen, wo die Sporen liegen, wie das bei der Grösse der Sporen ja
auch nicht anders möglich ist; ausserdem tragen sie nicht seit®
kurze, keulenförmige Seitenzweiglein, deren jedes eine
grosse Spore enthält/ sind, also im Gegensatze zu den vegetativen
Fäden manchmal verästelt, oder besser gesagt, die Verästelang tritt
erst bei der Sporenbildung ein. Ein Faden kann bis zu 10 und mehr
Sporen führen, die theils einzeln, theils in Gruppen von 2, 3 und 4
beisammen liegen. Schickt sich ein Faden zur Sporenbildung an, so
schwillt er an einzelnen Stellen zu länglichen, durch dunkler grüne
Farbe ausgezeichneten Knoten an. Aus dem gesammten Inhalt
eines jeden solchen Knotens, der mitunter 1 oder 2 glänzende Körn*
chen führt, bildet sich durch leichte Contraction eine deut-
lich konturirte Spore von ausgesprochen grüner Farbe, gleich als
ob das gesammte Chlorophyll der Fäden hier kondensirt wäre; die
angeblichen Sporen der bisher bekannten grünen Bakterien, Bacillus
viridis und virens, sollen stark glänzend, aber farblos sein!
Zur Gattung Bacillus kann dieser höchst interessante Organismus
der Verzweigung halber nicht gebracht werden, und die Aufstellung
einer neuen Gattung ist darum auch am Platze, wenngleich der
Gattungsname dem Ref. nicht sonderlich gefällt; mit der Vorsilbe
Eu- will man doch sonst etwas für eine grössere Abtheilung (also
hier Bacillus im weiteren Sinne) besonders Typisches bezeichnen,
und das ist hier absolut nicht der Fall. Verf. glaubt ferner die
endosporen Sumpfbakterien des Ref. *), allerdings nur provisorisch,
zur gleichen Gattung ziehen zu können; das ist aber sicher unzulässig,
denn jene unterscheiden sich, wenn sie auch in der Art und
Weise der Sporenbildung mit Eubacillus multisporus
übereinstimmen, doch scharf durch die stets fehlende Verzwei-
gung und vor allem durch den Charakter ihres Farbstoffes : derselbe
ist, wie Ref. hier nochmals betonen möchte, an vegetativen Fädeo,
auch wenn sie in grösserer Menge beisammen sind, nicht wahrzu-
Bakteriologische Untersuchungen der Verbandbinden. 747
nehmen, jene gleichen vollkommen beliebigen anderen farblosen Bak-
terien, er ist ferner sicher kein Chlorophyll, sondern deut-
lich bläulichgrün, was die Nuance, sehr schwach, was die Intensit&t
der Farbe anlangt, und schliesslich muss es Ref. einstweilen noch
durchaus in suspenso lassen, ob der Farbstoff dem Inhalte oder der
Membran der Sporen angehört
Vom botanischen Standpunkte betrachtet, dürfte hier ein höchst
wichtiges und eigenartiges Glied der Bakteriengruppe gefunden sein,
von dem man nur wünschen kann, dass es recht bald aus dem mysteriösen
Dämmerscheine, in dem es zur Zeit noch weilt, hervortreten und
dann, genau bekannt, neues Licht in die noch so dunklen Ver-
wandtschaftsbeziehungen der Bakterien zu anderen Organismen bringen
möge. L. Klein (Freiburg i. B.).
Finkelstein, J. H., mit Nachtrag vonM. J. Reich« Bakterio-
logische Untersuchung von Verband-Binden, nament-
lich der Jahre 1850, 1864 und 1868. (Protokolle d. Verh.
d. Kais. Kaukasisch. Media Gesellsch. 1891. Nr. 19. S. 592).
[Russisch].
Zu diesem Behufe wurde 1 g fein zerschnittener Binden (mittels
geglühter Scheere) in 30 g sterilisirter Fleischbrühe bei Zimmertem-
peratur auf Vs Stunde eingeweicht, durchrührt, und von der etwas
trüben Flüssigkeit V.2 bis */* S mit Nährgelatine auf Platten aus-
gegossen. Hierauf wurden die Kolonien gezählt. Die Pathogenität
wurde durch Einspritzen von 1 ccm der ursprünglichen Einweichungs-
flüssigkeit unter die Haut an Kaninchen und Meerschweinchen geprüft.
Die Resultate waren nun folgende:
Kolonien auf 1 g Ein- folglich in 1 g
weichnngsflÜM. berechnet Gewebe
Binde 1 vom Jahre? 2688 80640 Kol.
„ 2 „ „ 1864 2352 70560 „
„ 3 „ „ 1868 5760 172800 „
„ 4 „ „ 1850 2156 64680 „
„ 5 „ „ 1878 52—150 1560-4500 n
Frisch gewaschene alte Leinewand 10—12 300—660 „
Es war interessant, diese Zahlen mit den Werthen von Hob ein
(Mikroorganismen in Unterkleidern, Zeitschr. f. Hyg. Bd. IX. 1890.)
in Vergleich zu ziehen. Durch geeignete Umrechnungen von Gramm
in Kubikcentimeter ergab sich Folgendes:
A) H.obein: ]
nach 9-monatl. nach dem Tragen
neu Aufbewahr, in Papier auf blosiem Körper
an trocken. Ort: n. lVt Tg. n. 41/, Tg
Leinwand 24 Kol. 3 66 44
Baumwollenes Gewebe 63 „ 4 114 83
Wollenes „ 16 „ 3 273 172
Flanell ,, 43 „ 3 365 465
B) Finkelstein:
Binde 4 vom Jahre 1850 436 Kol.
„ 3 „ n 1868 1393 „
„ 5 „ „ 1878 2895 „
748 Müibrand.
Hieraas ist ersichtlich, dass Finkelstein mehr Mikroorganis-
men in den Binden vorfand, als Hobein in Geweben, die sogar 41;,
Tage lang am blossen Körper getragen waren. Dieses ist um so be-
merkenswerther, als F. nur die Mitte (bis auf 1 cm vom Rande) der
Binden ausschnitt und nur die Touren berücksichtigte, welche tob
etlichen Schichten Binden bedeckt waren.
Pathogene Mikroorganismen konnten nicht nachgewiesen werden
In den Kolonieenkonnten Staphylo coccus, Bacillus subtilis.
ein Bacillus, ähnlich dem B. megaterium, ein anderer dem R
typhi, B. mycoides, 2 Arten von Micrococcus und eine Art
ubiquitärer Schimmelpilze nachgewiesen werden.
L. Heydenreich (WUna).
Goldschmidt, Ein Fall von Anthrax intestinalis beim
Menschen. (Mancher med. Wochenschr. 1891. No. 6.)
Ein Pinselmacher in Nürnberg erkrankte mit einer Anschwellung
am Kinne, welche rasch zunahm. Es traten Fieber, Kopfschmerzen,
Delirien, Blutbrechen und blutige Diarrhöe hinzu; am 4. Tage er-
folgte der Tod. Die Sektion ergab: schlaffe, blutreiche and rer-
grtteserte Milz, Hyperftmie der Nieren, der Leber und des Gehirns,
Ekchymosen in den serösen H&uten, blutige Transsudate in den
serösen Höhlen, Hämorrhagieen in der Magen- und Dannschleim-
haut, endlich starke hftmorrhagisch-ödematöee Schwellang der
Mesenterial- und Halslymphdrüsen. Im Blute und im Gewebesaft
wurden massenhafte Milzbrandbacillen in der gewöhnlichen Anordnung
mikroskopisch nachgewiesen. In den Nierengefässen fanden ach da-
neben auch Eokkenembolieen.
Dem Verf. erscheint es nicht zweifelhaft, dass die Infektion tos
den Borsten, mit welchen der Pinselmacher zu arbeiten hatte, aus-
gegangen ist; vor 2 Jahren wurde einmal (vom Verf.?) in dem Borsten-
rohmaterial einer Pinselfabrik eine St&bchenart gefunden, welche sich
vom Milzbrand nur dadurch unterschied, dass sie nicht virulent war.
Kubier (Berlin).
Boger, GL IL, Gontribution k l'ätude expärimentale du
charbon symptomatique. (Revue de med. 1891. Na 3. et
6. pp. 169, 500.)
Wir müssen es uns leider versagen, die lesenswerthe Arbeit des
Verf. in jenem Umfange wiederzugeben, wie es ihrem Gehalte ent-
sprechen würde, und beschränken uns daher auf die summarische
Anführung der hauptsächlichsten Resultate, zu welchen Verf. im
Laufe seiner ausgedehnten Untersuchungen gelangte.
Die natürliche Immunität der Thiere (Kaninchen, Tauben) gegen
Rauschbrand kann leicht überwunden werden, wenn der Erreger dieser
Krankheit gleichzeitig mit einem anderen Mikroorganismus verimpft
wird, sei es nun ein Saprophyt (B. prodigiosus) oder ein pathogener
Mikroorganismus (Staphylococcus p. aureus, Proteus vul-
gär i 8) in sonst unschädlichen Dosen. Die Wirkung der Hilfsmikroben
ist abhängig von den Stoffen, welche sie ausscheiden. Die wirksame Sub-
stanz des B. prodigiosus ist in Glycerin löslich, in Alkohol unlöslich,
ÜUabrand. — Dysenterie. 749
sie nähert sich demnach dem vom B. prodigiosus produzirten Fer-
mente und unterscheidet sich von diesem durch ihre grosse Widerstands-
fähigkeit gegen Hitze. Die Wirkung dieser Substanz ist nicht eine lokale,
wie jene der Milchsäure; sie bringt eine allgemeine Modifikation des
Organismus zu Wege. Ihre Wirkung tritt besonders hervor, wenn sie
direkt in den Kreislauf eingeführt wird. Ein Tropfen Kultur genügt,
um die Immunität des Kaninchens gegen Rauschbrand aufzuheben,
doch ist diese übertragene Empfänglichkeit eine rasch vorübergehende.
Gewisse vegetabilische Enzyme, wie das Papain, vermögen die Rausch-
brandinfektion in ähnlicher Weise zu begünstigen, ihre Wirksamkeit
wird jedoch durch Hitze zerstört. Die Immunität des Kaninchens
gegen Rauschbrand kann durch wiederholte intravenöse Impfungen
mit Rauschbrand derart erhöht werden, dass das Thier der Ein-
wirkung von Bakterienassoziationen zu widerstehen vermag. Die
natürliche Immunität kann ferner durch Ueberbürdung aufgehoben
und, in einem geringeren Grade, auch durch Temperaturschwankungen
ungünstig beeinflusst werden. Die Verimpfung von Rauschbrand in
die vordere Augenkammer von Kaninchen tödtet die Thiere sehr
rasch; die gesetzte Läsion begünstigt die Entwickelung des gleich-
zeitig an anderen Stellen desselben Thierkörpers verimpften Virus.
Der Rauschbrandbacillus produzirt Stoffe, welche entgegengesetzte
Wirkungen hervorzubringen scheinen. Gleichzeitig mit dem Virus
eingeführt, begünstigen sie dessen Entwickelung; einige Tage nach
der Impfung applizirt, machen sie das Thier refraktär. Diese Er-
scheinungen lassen sich leicht erklären. Die die Infektion begünstigen-
den Stoffe wirken, indem sie momentan die Diapedese verhindern.
Nach einigen Stunden ist ihre Wirkung verschwunden und damit
auch die Neigung zur Erkrankung. Im Gegensatze hierzu resultirt
die übertragene Immunität aus einer Ernährungsmodifikation, die
eine gewisse Zeit zu ihrer Entstehung bedarf und durch eine Ver-
änderung der Konstitution der Körpersäfte und der Gewebe erklärt
werden könnte. Im Serum und in den Geweben von getödteten,
gegen Rauschbrand natürlich refraktären Thieren entwickelt sich der
Rauschbrandbacillus recht gut; unter dem Einflüsse der Schutz-
impfungen ändern sie sich jedoch derart, dass sie für denselben
Mikroorganismus nur mehr einen schlechten Nährboden bilden. Dieses
Resultat ist für die Erklärung des Mechanismus der erworbenen
Immunität von gewisser Wichtigkeit. Das Serum von Thieren, die
gegen Rauschbrand vaccinirt wurden, besitzt ein höheres bakterien-
tödtendes Vermögen nicht nur gegenüber dem Rauschbrandbacillus,
sondern auch gegenüber dem Streptococcus des Erysipels, dagegen
wirkt es manchmal weniger bakterientödtend auf den Milzbrand-
bacillus ein, als das Serum im normalen Zustande. Kräl (Prag).
Stengel, Alfred, Acute dysentery and the Amoeba coli.
(Philadelphia Med. News. No. 931. 1890. p. 600.)
Verf. untersuchte eingehender 3 von 5 näher mitgetheilten
Dysenteriefällen. Er fand in allen Theilen der Stuhlausleerungen,
am zahlreichsten in den blutigen Massen, die von Loesch, Lambl,
Kartulis, Hlava, Massiutin, Osler u. A. beobachteten Arno-
750 Dysenterie. — Krankheit der Engerlinge.
ben vor. Wegen ihrer beträchtlichen Grösse, ihres namhaften Litto-
brechungsvermögen8 and der amöboiden Eigenbewegung lassen sk
sich leicht von den anderen vorhandenen Elementen differenzm
Das scharf konturirte Protoplasma enthält eine grosse Anzahl pig
mentirter Körnchen mit Eigenbewegung. Im Ruhezustände habe:
die Amöben eine runde oder ovoide Form und senden fingerartigt
Fortsätze aus, an deren Enden sich die Pigmentkörnchen vorzugs-
weise anhäufen. Bei einigen wurden Kerne und Vakuolen wahr-
genommen. In einem Falle hatte nach 24 Stunden die Zahl der
Amöben abgenommen , das Protoplasma und die Pigmentkörnck
zeigten eine verzögerte Eigenbewegung, dagegen waren die Vakuole*
häufiger vorhanden und mitunter von erheblicher Grösse. Tinginmgs-
versuche mit Methylenblau und Fuchsin misslangen , desgleichen
Uebertragungsvereuche auf ein Meerschweinchen.
Kräl (Prag).
Le Monlt, Le parasite du hanneton. (CSomptes rendusde
l'Acad. des sc. de Paris. T. CXIIL No. 5. p. 272—274)
Verf. macht Mittheilungen Aber Reinkulturen des Krankheits-
erregers des Maikäferengerlings, die sich wider Erwarten leicht her-
stellen lassen. Von 600 Röhren, welche mit dem Inhalt der kranke
Engerlinge beschickt waren, brachten nur 2 einen anderen Pilz, als dk
anderen, nämlich Penicillium gl au cum, zur Entwicklang. Verl
wird bald 2000 Röhrchen mit Reinkultur zur Verfügung haben und
hat bereits 150 in die verschiedensten Gegenden Frankreichs verschickt
Da das Jahr 1892 für fast ganz Frankreich ein „Maikäferjahr" seit
wird, schlägt der Verf. den Landwirthen vor bereits jetzt den Boden mi;
dem Engerlingspilz zu infiziren. Es werden zweierlei Sporen beschrie-
ben: eiförmige Gonidien und rundliche in den Mycelfiulen gebildete
Sporen. Das Kultursubstrat wurde theils mit den exogenen Sporen
beschickt, theils mit Stücken der bepilzten Larve, theils mit der
(endogene Sporen bildenden) Pilzmasse aus dem Inneren der letz-
teren. In allen 3 Fällen war das Resultat dasselbe. Die Kultur
nimmt bereits in den ersten Tagen eine rosarothe Färbung an, baW
erhebt sich ein Flaum von Mycelfäden Ober die Kulturfläche, <fe
dann bei der Sporenbildung ein mehliges Aussehen annimmt D*
zur Kontrolle gezüchtete Pilz der Muscardine, Botrytis Bassiana
der Seidenraupe, färbt die Bouillon nicht und bildet grosse runde Spo-
ren, ist auch sonst wesentlich von dem Engerlingspilz verschieden,
so dass die Befürchtung unbegründet ist , es möchte mit der Ver-
nichtung der Engerlinge durch den Pilz ein anderer grösserer Scha- |
den, eine Vernichtung der Seidenraupen, herbeigeführt werden.
Ludwig (Grefe).
ftlard, Alired, Sur Pisaria den sa (Link), parasite du Ver
blanc. (CompL rend. de l'Acad. de Paris. T. CXI1I. No. ^
p. 269—272.)
Verf. theilt mit Rücksicht auf einen Aufsatz vonPrillieni «*
Delacroix in den Gompt. rend. vom 20. Juli ein Resum6 seiner be-
reits früher gewonnenen und veröffentlichten Resultate mit:
Krankheit der Engerlinge. 751
1. Der Pilz des Engerlings, auf den Le Moult neuerdings die
Aufmerksamkeit der Landwirthe gelenkt hat, ist zuerst als Urheber
einer Epidemie in der Normandie von J. Reiset 1866 (Compt. rend.
30. d&emb. 1867), später von Bail und de Bary 1869 beobachtet
worden. Seit vorigem Jahr ist er mehr oder weniger häufig im
ganzen Nord-Frankreich, und zwar in dessen ostlichem (Aisne) und mitt-
lerem Theil (Seine-et-Oise), ebenso wie im westlichen gefunden worden.
2. Dieser Pilz ist von Ditmar 1809 entdeckt, darauf 1820 von
Link als Sporotrichum densum beschrieben worden. 1832
erkannte Fries seine Zugehörigkeit zu I s a r i a. Nach dem Prioritäts-
gesetz ist daher der Name Botrytis tenella Sacc. in Isaria
d e n s a (Link) umzuwandeln.
3. Der Pilz wird unter natürlichen Verhältnissen von einem
Engerling auf den anderen übertragen, kann aber auch durch Im-
pfung oder Bestreuung anderer Insekten auf letztere übertragen wer-
den ; jedoch werden auf diesen nur Sporen gebildet , wenn sie unter der
Erde oder an feuchten Orten leben. Sonst erhält man nur dann Sporen,
wenn man die mumifizirten Insekten in einen feuchten Raum bringt.
4. Die Kultur des Pilzes gelingt leicht sowohl auf Fleisch (ad
carnes mucidas, wie schon die alten Beobachter es angeben), als
auch auf den verschiedensten künstlichen, festen und flüssigen Nähr-
böden, und zwar in jeder Jahreszeit. Im Trockenen bewahren die
Sporen ihr Keimvermögen über ein Jahr.
ö. Die 1 saria densa lässt sich zwar auf die Seidenraupe über-
tragen, doch ist es nicht zu befürchten, dass sie Epidemieen in den
Seidenzüchtereien verursacht, da die mumifizirten Seidenraupen in-
dem Sklerotienzustand verharren, bis sie in die feuchte Kammer ge-
bracht werden , während sich der Muscardinepilz auf ihnen unter
gewöhnlichen Verhältnissen entwickelt
6. Bonafous(1829), Turpin (1836), Audouin (1837), Mon-
tagne haben bereits festgestellt, dass sich der Muscardinepilz, Isaria
Bassiana, von der Seidenraupe auf die verschiedensten Insekten im
Larven- oder Imagozustand übertragen lässt. Wenn aber P r i 1 1 i e u x
und Delacroixals Unterschied der I. Bassiana von der I. densa
das Unvermögen des letzteren, die Insektenkörper zu färben, hervor-
heben, so ist das unrichtig. Schon Audouin führt Insekten der
verschiedensten Ordnungen auf, die durch den Muscardinepilz wein-
roth gefärbt werden. Es dürfte sich aber mit ihm verhalten wie z. B.
mit Fusarium aquaeductuum, das, wie wir kürzlich in dieser
Zeitschr. zeigten, z. B. in dem Schleimflusse lebender Bäume (Linden)
häufig völlig farblos auftritt, während es auf Nährgelatine einen leb-
haft rosenrothen Flaum bildet und Moschusgeruch entwickelt.,
7. Verf. hat bereits früher nachgewiesen, dass eine Infektion der
frei lebenden Engerlinge durch im Wasser vertheilte Kulturen des
Pilzes oder durch ein Gemenge seiner Sporen mit Erde sicher
erreicht wird, wenn diese auf die Felder gebracht werden, besonders
zu einer Zeit, wo die Engerlinge zur Oberfläche kommen, und er hat
die grOsste Zuversicht, dass bei Verwendung der Isaria densa die
Verheerungen seitens der Engerlinge auf ein Minimum reduziert
werden. Ludwig (Greiz).
752 KirMhbMm-OnoBOBUb-KnnklMlt
Frank, B«, Ueber den Verlauf der Kirschbaum-Gnch
monia-Krankheit in Deutschland nebst Bemerkungen
über öffentliche Pflanzenschutzmassregeln über-
haupt. (Zeitschrift für Pflanzenkran kheitea I. 1891. 1. p. 17-21
Der durch die im Altenlande hervorgerufene Süßkirschen-Epi-
demie bekannte Pilz, Gno.monia erythrostoma (Pers.) FckL
hat sich an vielen Orten Deutschlands als schädlich auftretend er-
wiesen. Ausser auf der Süsskirsche ist jetzt aber auch vollkommen
übereinstimmend bei Guben der Pilz auf der Sauerkirsche aufgefun-
den worden, welche derselbe im Altenlande etc. vollständig gemiedec
hatte. Die Erkrankung geschieht unter den gleichen Symptomen
und die befallenen Bl&tter bleiben theilweise ebenfalls unter Krüm-
mung des Blattstieles den Winter über an den Zweigen sitzen. Da-
durch erhält sich die Art, welcher ein solches schwer verwesbares
Stroma fehlt, wie es das verwandte auf den Pflaumenblattern wach-
sende Polystigma rubrum D.G. in seinen rothen, festen, der
Verwesung der abgefallenen Bl&tter widerstehenden Blattpolstern be-
sitzt Die Ursache des Haftens des Blattes am Zweige ist nicht
wie bisher angenommen, allein nur das Ausbleiben der Bildung einer
trennenden Korkschicht in dem Blattstiel, sondern der Pilz kittet
durch seine Hyphen dasselbe an den Tragzweig an, indem er den
Stiel mumifizirt und die Entwickelung jener Korkschicht hindert
In das dem Zweige angehörende Blattpolster und in den Zweig geht
das Mycel nicht hinein, so dass von hier aus eine Infektion im
nächsten Jahre nicht stattfinden kann. Das lebende Blattpolster
grenzt sich durch eine Korkschicht gegen das verpilzte Blattstiel-
gewebe ab, hängt aber mit diesem fest zusammen. Es bleiben nun
aber nur diejenigen Blätter am Baume haften, bei denen die G Do-
rn o d i a - Flecken mit den Spermogonien und Perithecien nahe der
Blattbasis sich befinden, von wo eine Einwanderung des Mycels
längs der Blattrippe und des angrenzenden Mesophylls in den Blatt-
stiel leicht möglich ist. Die Blätter, welche die Flecke weit entfernt
vom Blattstiele haben, fallen ab und können nicht zur Verbreitung
des Pilzes beitragen. Die Bevorzugung der basalen Theile der Blatt-
fläche scheint eine von der Gnomonia erworbene, zweckmässige
Anpassung an ihre Lebensbedingungen zu sein.
Verf. plaidirt sodann zur Bekämpfung verbreiteter, parasitärer
Pflanzen-Krankheiten, gegen welche man sicher wirkende und prak-
tisch anwendbare Mittel , deren Ausführung auch kontrollirbar ist,
für die Mithilfe des Staates auf dem Wege polizeilicher Verordnun-
gen, während bei anderen Krankheiten durch verschiedenartige Be-
lehrung der gute Wille der Einzelnen angeregt werden müsse.
Brick (Hamburg).
Schutzimpfung, kttnstl. Infektionskrankheiten, Entwickelungshemmung etc. 753
Schutzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten, Entwick-
lungshemmung und Vernichtung der Bakterien etc.
Enderlen,1 Versuche über die bakterienfeindliche Wir-
kung normalen und pathologischen Blutes. (Münch.
med. Wochenschr. 1891. No. 13.)
Durch Plattenkulturen aus dem Blute von Hunden und Kaninchen,
welches mittelst steriler Glasröhre aus derfcCarotis unter antiseptischen
Kautelen entnommen, bis zur Defibrinirung mit Glasperlen geschüttelt
und endlich mittelst Staphylokokken geimpft worden war, stellte der
Verf. fest, dass die Zahl der genannten Bakterien im Blute anfänglich
abnahm, später dagegen sich vermehrte. Die Zahl der in den un-
mittelbar nach der Impfuug gegossenen Platten aufgegangenen Ko-
lonieen verhielt sich zu denjenigen, welche in den nach 3 und 5
Stunden gegossenen Platten festgestellt wurde, wie 7:5:9.
Auf ähnliche Weise prüfte der Verf. das Verhalten des Blutes
eines durch vorausgegangene Blutentziehungen anämisch gemachten
und eines anderen nach Injektionen von Toluilendiamin ikterisch und
anämisch gewordenen Hundes Typhusbacillen gegenüber ; er gelangte
zu dem Resultate, dass das Blut beider Hunde, solange es frisch
war, die Bacillen zu vernichten vermochte, und schliesst daraus, dass
weder die Zahl der Blutkörperchen noch der Hämoglobingehalt des
Blutes von Einfluss auf dessen bakterienfeindliche Wirkung ist.
Der Verf. injizirte endlich einem Hunde 2 cem einer Typhus-
kultur (1 : 365 der Gesammt-Blutmenge des Versuchstiers) in die
Jugularis und prüfte hierauf das Carotiden-Blut auf seinen Gehalt
an den Bakterien. Auch in diesem Falle wurde durch den Einfluss
des zirkulirenden Blutes die Zahl der Bakterien vermindert.
Sämmtliche Versuche wurden im pathologischen Institut der
Universität München angestellt. Kubier (Berlin).
Trapeznikoff, Du sort des spores de microbes dans l'or-
ganisme animal. [Travail du laboratoire de M. Metsch-
ni kofi, a PInstitut Pasteur.] (Annales de l'Institut Pasteur. 1891.
No. 6. p. 362.)
Durch Untersuchungen an Daphnien, wesentlich in Nachahmung
der früher von Metschnikoff ausgeführten, ferner an Fröschen,
Hühnern, Tauben, grauen Ratten und Kanindien gelangt Verf. zu
einer Reihe von Resultaten, welche er in folgende Schlusssätze zu-
sammenfasse
1. Es gibt Thatsachen, welche beweisen, dass die amöboiden
Zellen in gewissen Fällen fähig sind, die von ihnen aufgenommenen
pathogenen Sporen zu tödten. 2. Die vom Verf. studirten pathogenen
Sporen können im Körper natürlich oder künstlich immuner Thiere
keimen und in vegetative Zustände übergehen. 3. Unmittelbar nach
der Einführung pathogener Sporen in den Körper immuner Thiere
beginnt eine Anhäufung von Leukocyten, welche die Sporen aufnehmen,
xw. 48
754 Schotalmpfong f kttnrfl. InfektUMkrukfciiiM, Bntwidknl— gib— im^ «Ü.
4. Diejenigen Sporen, welche Zeit haben, zu keimen und sich zu ent-
wickeln, ferner ebenso die Stäbchen und die Fäden werden in gleicher
Weise von Leukocyten aufgenommen, welche dieselben vernichten
5. Diejenigen Sporns, welch» bei ihrer Keimuitg von Zelle« aulge-
nommen werden, keimen nicht mehr, solange sie sich im Innern der
Zellen befinden, vorausgesetzt dass letztere lebend und nicht ge-
schwächt sind. 6. Wenn unter dem Einfluss gewisser Omst&ade der
Phagocyt erlahmt oder stirbt, so entwickeln sich die noch lebenden
Sporen, welche er aufgenommen hatte, zu Stäbchen und Fäden. 7.
Diese Stäbchen und Fäden können aufs neue von Leukocyten auf-
gefressen und vernichtet werden. 8. Die in Zellen eingeschlossenes
Sporen können durch letztere in alle Organe des Thieres verschleppt
werden, wo sie dann möglicher Weise sehr lange in lebendem um
virulentem Zustand zurückbleiben. 9. In der Mehrzahl der Falk
werden die pathogenen Sporen durch die Zellen nicht getödtet, son-
dern nur an der Keimung verhindert. 10. Die Säfte eines lebendes
Organismus besitzen keine tödtende Wirkung auf Sporen. 11. Alk
Sporen, die in ein Kulturmedium ausgesäet werden, gelangen nicht
in gleicher Weise zur Keimung; ebenso verhält es sich mit patho-
genen Sporen, die in einen lebenden Organismus eingeführt werden.
12. Die Sporen keimen und liefern Bacillen ebensowohl in der sof
84 — 37° erwärmten Froschlymphe, als in der nicht erwärmten Lymphe.
13. Milzbrandsporen keimen unter der Haut von Fröschen regel-
mässig, auch bei Zimmertemperatur (16— 22*). 14. Bleiben die
Sporen längere Zeit bei niedriger Temperatur im Körper der Frösche,
so entwickeln sie sich nicht und werden von Zellen aufgefressen:
bringt man sie dann in eine genügend hohe Temperatur, so unter-
bleibt trotzdem die Keimung der Sporen, indem die ewscbliessendeo
Zellen dieselbe verhindern. 15. Eine erstmalige Infektion macht des
thierischen Organismus nicht ungeeignet zur Entwickeluog von Milz-
brandsporen im Falle einer neuen Infektion. Die Sporen keimen
vielmehr unter diesen Bedingungen, und das Thier kann an der zwei-
ten Infektion erliegen. 16. Die pathogenen Sporen, welche im Organis-
mus nicht zur Auskeimung gelangen, können dort lange Zeit ihre
Lebensfähigkeit bewahren. 17. Bei empfänglichen Thieceo werdas
die pathogenen Sporen in gleicher Weise von Phagocyten aufgefressen,
nur finden sich letztere in geringer Zahl, die Sporen keimen, geheo
in den vegetativen Zustand über und bewirken den Tod des Thieres.
Büchner (München).
Ogatft, Üeber die lmnmniUtsfrage. (ßtsch. med. Wochenschr.
1891. No. 16.)
In ihrer Mittheilung über das Zusammenkommen der Diphtberi»
und Tetanus-Immunität bei Tfaieren (Dtsch. med. Wochenschr. 189a
No. 49 u. 60) hatten Behring und Kitasato nachgewiesen, dass
das zellenfreie Blut der immunen Tfaiere die Tenne der pathogeiet
Bakterien zu vernichten und diese seine Fähigkeit auch nach
Transfasion in den Organismus anderer Thiere beizubehalten in
Stande ist Sie hatten daran die Bemerkung geknüpft, da»
jene EiWftrung der Immunität als eine Ewritfcung das filnto
fidmtalmpfaog, kttnst). InfektfonikrankhtlUn, ttntwtckfttiinfatttminuiig etc. 765
auf die Toxine von anderer Seite noch nicht in Erwägung gezogen
worden sei.
Ogata macht dem gegenüber darauf aufmerksam, dass er schon
im Jahre 1890 in den Berichten der medizinischen Fakultät der Uni-
versität Tokio einen Aufsatz: Ceber die Einflüsse einiger
Thierblutarten auf Milzbrandbacillen veröffentlicht hat,
in welchem er über therapeutische und prophylaktische Erfolge durch
Transfusion des Blutes von milzbrandimmunen auf milzbrandempfäng-
liche Thiere berichtete und zugleich die Hoffnung aussprach, dass ähn-
liche Resultate sich auch bei anderen Infektionskrankheiten erreichen
lassen dürften. Abdrücke dieses Aufsatzes seien auch R Koch und
Kitasato zugegangen. Ogata glaubt daher bezüglich des Grund-
gedankens der Be hring- Ei tasato'schen Mittheilungen die Priorität
für sich in Anspruch nehmen zu dürfen.
Ref. kann aus den Ausführungen Ogata's nicht entnehmen,
dass er die oben erwähnte Erklärung der Immunität bei Infektions-
krankheiten (Einwirkung des zellenfreien Blutes auf die
Toxine) vor Kitasato und Behring gegeben hat Andererseits
dürfte jedenfalls Behring das Verdienst an der hochwichtigen Ent-
deckung gebühren, durch welche die Gründe der Milzbrandimmunität
der weissen Ratten aufgeklärt sind. Kubier (Berlin).
PetemaflH, Sur la aubstance bactäricide du sang di-
ente par le professeur Ogata. [Travail du laboratoire de
M. Roux k rinstitut Pasteur.] (Annales de lTnstitut Pasteur.
1891. No. 8. p. 506.)
Hunden wurde aus der Carotis Blut entzogen und das Serum
genau nach den Angaben von Ogata auf Glycerinextrakt verarbeitet.
Kontrollimpfungen bestätigten die Immunität der verwendeten Hunde
gegen Milzbrand. Das erhaltene Glycerinextrakt wurde dann bei
Mäusen und Meerschweinchen theils an gleicher Stelle mit Anthrax-
virus, theils in der Nähe oder auf der entgegengesetzten Seite injizirt.
Das angewendete Anthraxvirus war so schwach (L und II. Vaccin),
dass ein Theil der Kontrollthiere am Leben blieb. Trotzdem waren
die Ergebnisse der ziemlich zahlreichen Versuche durchaus negativ.
In analoger Weise wurde aus dem Blute von Hühnern Glycerin*
eztrakt gewonnen und dieses gleichzeitig mit Schweinerothlauf von
verschiedenem Virulenzgrade bei Tauben und weissen Mäusen injizirt
Die Hühner waren vorher auf ihre Unempfänglichkeit für Schweine-
rothlauf geprüft worden. Auch hier wurden nur negative Er-
gebnisse gewonnen. B u c h n e r (München).
Berafini ed Errlque«, Süll1 azione dell sangue di ani-
mali immuni inoeuhato ad animali suscettibili pel
carbonchio. [tstituto d'Igiene sperimentale della R. Univer-
ßitA di Roma.] (Annali dell1 Istituto d'Igiene sperimentale della
R. Universit* di Roma. Kuova serie. Vol. i. Fase. IL 1891.)
Angeregt durch die Arbeiten von Behring und Kitasato
sochten die Verft. zu erforschen, ob auch beim Milzbrand eich ähn-
liche Verhältnisse nachweisen lassen, wie sie von jenen Autoren für
756 8chnt*impfung, kttnstl. Infektionskrankheiten, Entwickelrnngsbemmoii^ etc.
Diphtherie und Tetanus festgestellt worden waren. Als die Arbeite
von Ogata und Jasuhara bekannt wurden, hatten die Verff.
bereits negative Resultate erhalten, welche sie dann weiter ver-
folgten. Blut von Hunden, weissen Ratten, Hühnern, Fröschen,
Kröten, Eidechsen und Schildkröten wurde zum Zwecke der Immo-
nisirung auf Hausmäuse, weisse Mäuse, Meerschweinchen und Ka-
ninchen übertragen. Von 121 in dieser Art behandelten Versuchs-
tieren überstand jedoch kein einziges die Inokulation von Milzbrand;
nur bei einigen intravenös inokulirten Kaninchen wurde eine Ver-
zögerung um 50—60 Stunden beobachtet
Da diese Ergebnisse zu jenen von Ogata und Jasuhara in
direktem Gegensatze stehen, so dachten die Verff. an mögliche Fehler-
quellen und suchten solche auf jede Art zu vermeiden, jedoch ohne
Aenderung des Erfolgs. Angewendet wurde theils Serum, theib
frisch gewonnenes, defibrinirtes Blut, subkutan oder intraperitoneal,
vielfach in wiederholten bis zu 8-maligen Injektionen, in Quantitäten
von 1 Tropfen bis zu 25 ccm auf einmal. Bei einigen Kaninchen
betrug die Quantität des gesammten injizirten Hundeserums sogar
bis 40 ccm. Die Injektionen wurden theils nur gleichzeitig mit der
Milzbrandinokulation ausgeführt, theils wurden dieselben wiederholt,
manchmal 24 Stunden lang bis zum Tode des Tfaieres. Die Virulenz
des angewandten Milzbrandes war eine massige, indem Kontrollthiere
in 40—50 Stunden erlagen. Buchner (München).
Metsehnikoff et Bonx, Sur la propri6t£ bact6ricide da
sang de rat. (Annales de l'Institut Pasteur. 1891. No. 8. p. 479.)
Die von Behring zuerst erwiesene schädigende Wirksamkeit
des Rattenserums auf Milzbraudbacillen ausserhalb des Körpers steht
nach diesem Autor in ursächlicher Beziehung zur Immunität der
Ratten gegen Anthrax. Die Verff. suchen diese Anschauung zu
widerlegen.
Nach ihren Versuchen entwickeln sich Milzbrandbakterien, wenn
man sie als Sporen oder als Stäbchen in Rattenserum aussät, in
manchen Fällen, während in anderen jede Entwickelung ausbleibt
Sicherer zeige sich die Wirkung des Serums, wenn man in Wieder-
holung der Versuche von Ogata und Jasuhara, Behring,
Hankin Milzbrandvirus, mit Rattenserum gemischt, unter die Haut
von Mäusen bringt. Verwendeten die Verff. hierbei Milzbrand Stäb-
chen, so blieben die Mäuse am Leben, während eine Mischung von
Sporen mit Battenserum zwar infizirend wirkte, aber wesentlich
langsamer, als bei Kontrollieren, Die Menge des zugemischten
Rattenserums (einige Tropfen bis 0,5 ccm) erschien dabei gleichgültig.
Das Serum zeigte die schützende Wirkung übrigens nur, wenn es
mit dem Infektionserreger in direkten Kontakt kam, nicht bei ge-
trennter Einspritzung.
Die gegen Milzbrand der Mäuse schützende Wirkung des Ratten-
serums sei nun keineswegs ein Beweis dafür, dass diese Eigenschaft
des Serums auch die natürliche Immunität der Ratten erklären
könne. Erstens seien die von den Verff. verwendeten Ratten ebenso-
wenig refraktär gegen Anthrax gewesen, wie jene von Loefflei
Sehutsimpfung, künstl. Infektionskrankheiten, Entwickelungshemmung etc. 757
u. s. w. Und noch dazu zeigte sich speziell, dass auch das Serum
einzelner besonders empfänglicher Ratten bei Mäusen schützend gegen
Milzbrand wirkte1). Ferner äusserte sich die schützende Wirkung
des Rattenblutes und Serums nicht nur im Organismus der Maus,
sondern auch in jenem der Ratte. Diejenigen Ratten, welche von
den Verff. mit Milzbrand allein inokulirt wurden, erlagen (von
17 Thieren alle bis auf 2), während bei Inokulation von Milzbrand-
virus, gemischt mit Rattenserum, alle am Leben blieben2).
Aus diesen Resultaten gehe hervor, dass die bakterienfeindliche
Wirkung des Rattenblutes und -Serums zur Immunität dieser Thiere
in keiner Beziehung steht (1 ?).
Hierauf suchen sich die Verff. klar zu machen, wodurch die
angeführte schützende Wirkung des Rattenserums zu Stande kommt.
Zu diesem Zwecke wurden wiederum Ratten und Mäuse mit Emul-
sion von Sporen im Rattenserum inokulirt, und von dem entstehenden
Exsudat zeitweilig Proben entnommen; ebenso geschah bei Kontroll-
thieren, die nur mit reinen Sporen geimpft waren. Während nun
bei letzteren Thieren bald die Auskeimung erfolgte, war dieselbe be-
hindert bei den mit 'Emulsion inokulirten, „gerade so wie bei
den Experimenten in vitro"8).
Aber nun trat etwas Neues auf, nämlich Ansammlung von Leuko-
cyten an der Inokulationsstelle, welche später die Sporen aufnahmen.
Da letztere in den Phagocyten wenig günstige Bedingungen zur
Keimung fanden, so blieben die Mäuse gesund. In einer Anzahl
von Fällen dagegen traten nach kürzerer oder längerer Zeit wieder
Stäbchen auf, und die Mäuse erlagen, was die Verff. durch Ruptur
von Leukocyten erklären, wodurch die Sporen wieder frei wurden.
Die eintretende Leuko- und Phagocytose bedingt nun nach An-
sicht der Verff. den Schutz der mit Emulsion inokulirten Thiere.
Die Ursache der Leukocytose erblicken dieselben in einer posi-
tiven chemotaktischen Wirkung des Rattenserums auf
Leukocyten, die durch Einführung von mit Serum gefüllten Kapillaren
anter die Haut von Mäusen leicht nachgewiesen werden könne, indem
die Kapillaren schon nach wenig Stunden sich mit Leukocyten er-
füllt zeigen.
[Obwohl eine chemotaktische Wirksamkeit von Eiweisskörpern
und deren ersten Uniwandlungsprodukten auf Leukocyten thatsäch-
lich existirt und von mir bewiesen wurde (Bakterienproteine, Gluten-
caseln, Alkalialbuminat, Leim u. s. w.), so ist es doch auffallend, zu
sehen, dass die Verff. nun mit einem Male das Serum als eine chemö-
1) Aach Kaninchen sind empfänglich für Milzbrand, und doch wirkt ihr Serum
schädigend auf Milsbrandbacillen ; warum sollte also das Serum empfanglicher Hatten
nicht die analoge Wirkung haben? [Ref.]
2) Dieses, den Verff. gans unbegreifliche Resultat ist leicht erklärlich, nachdem
einmal bewiesen wurde, dass Battenserum überhaupt milsbrandfeindlich wirkt. Die
grössere Quantität von solchem schiltsenden Serum an Ort und Stelle der Inokulation
ist es, was die mit Mischung geimpften Ratten vor der Infektion bewahrt. [Ref.]
3) Trotz dieses Zugeständnisses, womit die Sache für jeden objektiv UrtheUenden
bereits entschieden ist, erklären die Verff. nicht diese von ihnen selbst konstatirte mils-
brandfeindliche Wirkung des Serums für die Ursache des Schutxes, sondern die augleieh
su erwähnende, sekundär eintretende Leuko- und Phagocytose 1 [Ref.]
758 BchaUfaBpfanf, kfa»Ü. Infekttonriurankbeiteii, EntwickeloDgslwiniOTiif «te
taktische Substanz betrachten, nachdem Boax, im gleichen Hefte
der Annales Pasteur an anderer Stelle — S. 531 — im ausge-
sprochenen Gegensatz zu meinen Resultaten die vpoisons micro-
bienB", d. b. Toxine der Bakterien, als die anlockenden Substanzen
erklärt Ich für meinen Theil kann nur konstatiren, dass bei meinen
Untersuchungen über Leukocytose seinerzeit auch intaktes Blut und
Serum von Kaninchen auf ihre anlockende Wirkung im Kaninchen-
körper geprüft, aber gänzlich wirkungslos befunden wurden. Es wäre
also höchstens denkbar, dass Rattenserum im Körper einer anderen
Spezies, der Maus, chemotaktisch wirkt, wie das die Verff. bei
ihren Versuchen fanden. Dagegen halte ich für ausgeschlossen, dass
das Rattenserum im subkutanen Gewebe der Ratte, d. h. auf die
Leukocyten der Ra 1 1 e s el bs t chemotaktisch wirken könne. Letzteres
scheint mir eine biologische Unmöglichkeit, und die Verff. haben
auch nichts über einen derartigen Versuch mitgetheilt In Folge
dessen fehlt im Sinne der Verff. jede Erklärung für den
schützenden Einfluss, welchen das Rattenserum nach ihren eigenen
Versuchen bei Ratten ausübt, die mit Emulsion von Sporen in
Serum inokulirt wurden, und die bei dieser Prozedur regelmässig am
Leben blieben. Ich zweifle gar nicht, dass auch hier Lenko- und
Phagocytose eintritt, aber diese kann unmöglich durch das Serum
an sich bedingt sein, sondern nur durch etwas Sekundäres: durch
den Einfluss nämlich, welchen das Serum auf die Milzbrandsporen
ausübt, und die dabei auftretenden chemotaktischen Produkte, oder
anderseits durch die Rückwirkung der Sporen auf das Serum und
hierdurch erzeugte anlockende Umwandlungsprodukte von Eiweiss-
körpern. In jedem Falle ist das Primäre und Schutzverleihende die
bakterienfeindliche Wirksamkeit des Serums, während die Leuko-
und Phagocytose nur eine Begleiterscheinung darstellt, die niemals
fehlt, wo es sich um Ausheilung eines.Infektionsprozesses handelt. Ref.]
Buchner (München).
Gottstein, A., Zusammenfassende Uebersicht über die
bakterienvernichtende Eigenschaft des Blutserums.
(Therapeutische Monatshefte. 1891. Heft 4.)
Verfasser bespricht in Kürze die neueren Untersuchungen über
die bakterienvernichtende Wirkung des Blutserums, wobei er auf die
Arbeiten von Wyssokowitsch, Fodor, Behring, Nattal
u. A. hinweist
Nach allen diesen Untersuchungen liegt für die bakterientödtende
Kraft des Blutserums beim Menschen die Frage so, dass sie für
jeden einzelnen pathogenen Mikroorganismus im Besonderen erst zu
erweisen ist.
Exsudate und Transsudate wirken ebenso wie defibrinirtes Blut.
Verschiedene Ereignisse allgemeiner Natur, wie Abkühlung, Er-
hitzung, Vergiftung durch verschiedene Stoffe, wie blutkörperchen-
vernicntende Gifte und Fermente bakteriellen Ursprungs, heben die
Immunität des Blutes gewisser Tbiere gegen gewisse Bakterien intra-
vital auf, wodurch sich eine neue Bahn für weitere Konsequenzen
eröffnet
ftcfmtifmpfang, künstl. Infektionskrankheiten, Entwicklungshemmung ete. 759
Es wird dann noch der Untersuchungen von Behring und
Kitas ato Erwähnung gethan über die giftzerstörende, antitoxischo
Wirkung des Blutserums, eine bislang nicht gekannte Eigenschaft
desselben.
Auf Veranlassung Liebreich 's untersuchte Verf. das Verhalten
des Serums gegen Tuberkelbacillen , hat jedoch diese Frage noch
nicht endgültig entschieden. Weiterhin prüfte er, ob das durch Can-
tharidenpflaster gewonnene menschliche Blutwasser sich prinzipiell
gegen Bakterien ebenso verhält, wie das aus defibrinirtem Blute
gewonnene, wobei sich jenes als ebenso bakterienvernichtend er«
wiesen hat.
Zum Schlüsse prüfte der Verf. die gewöhnlich zur Verwendung
kommende Cantharidenlösung (auch solche in stärkerer Konzentration)
auf ihre antiseptische Eigenschaft, und fand, dass sie keine solche
besitzt Kronacber (München).
Gtaertner, GL, und Boemer, Fr., Ueber die Einwirkung von
Bakterienextrakten auf den Lymphstrom. (Wien. Med.
Blätter. 1891. No. 42. p. 654.)
H e i d e n h a i n hat vor kurzem nachgewiesen, dass gewisse Stoffe,
die „Lymphagoga", die theils krystallolder Natur sind, thells aus
Krebsmuskeln, Blutegeln, Flussmuscheln, Darm und Leber von Hunden
gewonnene Substanzen u. a. m., wenn sie in das Blut eingebracht
werden, den Lymphstrom im Ductus thoracicus zu beschleunigen und
die Konstitution der Lymphe zu verändern vermögen, wobei gleich-
zeitig durch die erstere Gruppe von Stoffen der Wassergehalt des
Gesammtblutes erhöht, durch die Einwirkung der letzteren aber ver-
mindert wird.
Aus diesen experimentellen Erfahrungen, sowie aus dem Auf-
treten von Oedemen in der Umgebung entzündlicher Herde, der häufig
vorkommenden Ausscheidung grosser Flüssigkeitsmengen bei Ent-
zündungen seröser Häute und Aehnlichem glaubten Verff., dass die
von Bakterien gebildeten oder in ihnen enthaltenen Stoffe ebenfalls
die Lymphabsonderung beeinflussen könnten, und fanden diese Ver-
muthung durch die Resultate ihrer Versuche bestätigt
Die Bakterienextrakte wurden von Roemer aus Kartoffelkulturen
des B. pyocyaneus und des Friedlaender'schen Pneumo-
bacillus in der folgenden Weise bereitet. Die Kultur wurde mit
10 Theilen destillirten Wassers zu einer feinen Emulsion verrieben,
der Inhalt des Bakterienkörpers durch vielstündiges Kochen oder
mehrwöchentliches Stehenlassen oder durch beides zusammen extrahirt,
hierauf durch eine Chamberlandkerze filtrirt und so das Bakterien-
extrakt, eine klare, bräunliche, neutrale Flüssigkeit mit sehr ausge-
sprochener Eiweissreaktion erhalten. Eine andere Flüssigkeit wurde
derart hergestellt, dass die frisch bereitete 10 °/0 wässerige Bakterien-
emulsion durch eine Chamberlandkerze filtrirt wurde, wobei das Filtrat
niemals länger, als eine Stunde mit den Bakterien in Berührung ge-
blieben war, letzteres dann gekocht und nochmals filtrirt. Diese
Flüssigkeit enthielt demnach vorwiegend die durch Kochen nicht
zerstörbaren Stoffwechselprodukte des betreffenden Mikroorganismus,
760 Schutzimpfung, ktinatl. Infektionskrankheiten, Entwickelangshenrarang etc.
erstere hingegen ausser diesen die aas den Bakterienleibern durch
Kochen und Stehenlassen mit Wasser ausziehbaren Stoffe. Als dritte
Flüssigkeit wurde das Koch'sche Tuberculin verwendet, das eben-
falls als Bakterienextrakt gelten muss.
Die erwähnten Flüssigkeiten wurden tief morphinisirten Hunden
in die V. cruralis injizirt, nachdem vorher die aus den Lymph-
wegen am Halse abfliegende Lymphmenge eine Zeit lang kontrollirt
worden war. Zur Präparation der Lymphgefässe bedienten sich Verf.
eines von einem von ihnen (Gaertner) vorgeschlagenen, im Origi-
nale ausführlicher mitgetheilten Verfahrens, das sich trefflich bewährte
und gegenüber der älteren G. Lud wi g 'sehen Methode unter anderem
auch jenen Vortheil bietet, dass das Ausfliessen der Lymphe jederzeit
unterbrochen und dieselbe wieder auf normalem Wege ins Blut zurück-
geleitet werden kann.
Die Bakterienextrakte vom B. pyoeyaneus und vom Fried-
laender'schen Pneumobacillus als auch Koch's Tuberculin
erwiesen sich als Lymphagoga von mächtiger Wirkung. So sahen
Yerff. z. B. bei ihrem Versuche II die im Verlaufe von 10 Minuten
ausfliessende Lymphmenge unmittelbar nach Einspritzung von 40 cem
Pyoeyaneus -Extrakt von 2 Gramm auf 18 Gramm steigen, und
noch 61/» Stunden später flössen nach vorhergegangener längerer
Unterbrechung des Ausfliessens im gleichen Zeiträume 5,5 g Lymphe
aus. Im V. Versuche betrug die Lymphmenge in 10 Minuten vor der
Injektion 2,5 g, nach der Einspritzung von 40 cem Extrakt 14,5 g
während der gleichen Zeit Im Verlaufe von 7 Stunden lieferte der
11 kg schwere Hund nicht weniger als 360 g Lymphe. Analog ver-
liefen alle übrigen Versuche mit den Extrakten; die Steigerung der
Lymphabsonderung schien mit der Quantität der eingeführten Extrakte
im geraden proportionalen Verhältnisse zu stehen. Bei einem Ver-
suche wurde die Trockensubstanz der Lymphe und die Zahl der
rothen Blutkörperchen im Blute vor und nach der Injektion bestimmt
und gefunden, dass erstere konzentrirter geworden, und die Anzahl
der rothen Blutkörperchen von 6,6 auf 9,8 Millionen pro Kubikmilli-
meter angestiegen war. Demgemäss gehören die injizirten Bakterien-
extrakte in dieselbe Gruppe von Substanzen, wie die Krebsmuskel-
extrakte von Heidenhain.
Hingegen hatten die aus denselben Bakterienkulturen durch
kurz dauerndes Digeriren erhaltenen Flüssigkeiten keinen oder nahm
keinen Einfluss auf die Lymphabsonderung.
Aus den Versuchen der Verfi. geht hervor, dass die aus dem
plasmatischen Inhalte der Bakterienzelle abstammenden Stoffe einen
Reiz hervorbringen, der die Lymphabsonderung in hohem Masse
anzuregen im Stande ist, und dass durch diese Thatsache gewisse
Begleiterscheinungen der Entzündung möglicherweise ihre Erklärung
finden könnten. Eine ausführlichere Publikation ihrer Versuche
stellen Verff. in Aussicht. Kräl (Prag).
Chor, 8., Traitement du charbon par le bicarbonate de
soude d'aprfes la inäthode de M. Fodor. [Travail da
laboratoire deM. Metschnikoffä l'Institut Pasteur.j (Annales
de Tlnstitut Pasteur. 1891. No. 5. p. S37.)
BchaUimpfangt kfinstl. Infektionskrankheiten, &Dtwtokelangshemmiiag etc. 761
Zunächst berichtet Verf. summarisch über Versuche mit Alkali-
satiorr, die von ihm auf der bakteriologischen Station in Odessa mit
negativem Erfolg angestellt worden waren. Ausführlicher werden
die im Institut Paste ur angestellten Versuche mitgetheüt, bei denen
die Behandlung der Kaninchen mit Natriumbicarbonat theils vor,
theils nach der Milzbrandinfektion eingeleitet wurde. Auch diesmal
waren die Resultate negativ, obwohl Verf. durch spezielle Versuche
nachweisen konnte, dass thatsächlich die Alkalioität des Blutes durch
die Behandlung wesentlich erhöht wurde. Beim infizirten Thiere er-
schien die Alkalinität übrigens wieder geringer, was mit dem akuten
Infektionsvorgange selbst zusammenhängen dürfte.
Buchner (München).
Du Cazal et Vaillard, Sur une maladie parasitaire de
Thomme transmissible au lapin. (Annales de l'Institut
Pasteur. 1891. No. 6. p. 353.)
Bei einem, unter eigenthümlichen Erscheinungen letal ver-
laufenen Falle fanden sich bei der Sektion konfluirende, käsig aus-
sehende Knötchen beinahe auf der ganzen Peritonealfläche und
ausserdem eine Infiltration des Pancreas von ähnlicher Beschaffenheit.
Letzteres Organ scheint den Ausgangspunkt gebildet zu haben; die
Leber war nur wenig ergriffen. Die Knötchen enthielten Bacillen,
die sich nach Gram entfärbten und sich leicht auf verschiedenen
Nährböden kultiviren Hessen. Die Wuchsformen waren ungemein
kurz, öfters in Ketten angeordnet, mit lebhafter Eigenbewegung.
Der geschilderte Bacillus ist fakultativer Anaörobier, verflüssigt
langsam die Gelatine, wächst auf Kartoffeln als dichter, etwas schlei-
miger, gelblicher Ueberzug und zeigt in sämmtlichen Kulturen einen
Geruch, der an fauligen Harn erinnert. Derselbe äussert pathogene
Eigenschaften bei Kaninchen und Mäusen, wobei die Thatsache be-
inerkenswerth erscheint, dass intravenöse Injektion beim Kaninchen
in grösseren Dosen fötide Diarrhöe und Parese der Extremitäten
bewirkt, mit rasch tödtlichem Ausgang, während bei mittleren Dosen
an verschiedenen Stellen des Körpers genau die nämlichen, käsig
aussehenden Knötchen zur Entwickelung kommen, wie sie beim
Menschen beobachtet wurden. In diesen Fällen kommt die Krankheit
beim Kaninchen häufig zur Ausheilung.
Allem nach handelt es sich somit um eine neue Art von Pseudo-
tuberculose. Buchner (München).
Fazto, E., Concorrenza vitale fra i bacteri della putre-
fazione e quelli del carbonchio e del tifo. (Rivista
internazionale d'igiene. Anno I. No. 10—11.)
Nach der gleichen Untersuchungsmethode, welche der Verfasser
in einigen seiner früheren Versuche über die Mikroorganismen der
in frischem Zustande gebrauchten Nahrungsmittel aus dem Pflanzen-
^iche angewandt hatte, wo er in denselben die konstante Anwesen-
heit dreier charakteristischer Bakterien dargelegt hat, versuchte er
* auch, vorerst das Schicksal der Typhus- und Milzbrandbacillen
in den Vegetabilien näher zu studiren.
?$g B aktar iologfoehet tom VÜ. infonuttionaUa ttoogreM u LonAoft.
Zu diesem Zwecke wurden zu wiederholten Malen verschiedene
kleine Pflanzen mit Reinkulturen der oben genannten Mikroorganis-
men vier Monate hindurch begossen; allein nach diesem Zeiträume
zeigten die bakteriologischen Untersuchungen nirgends ihre Gegen-
wart , während die Kulturen stets positiv in Bezug auf die drei
charakteristischen Mikroorganismen der Vegetabilien , nämlich Bat
putridus, Bac. fluorescens und Bac. candidus blieben.
In Folge dessen schreibt der Verfasser diesen letztgenannten Bak-
terien das Verschwinden des Typhus- und Milzbrandbacillus zu, in-
dem er die Hypothese eines Kampfes ums Dasein aufstellt und zu
diesem Behufe Versuche mit Reinkulturen vornimmt
Das Ergebniss dieser letzteren war, dass die obgenannten Sapro-
phyten einen augenfälligen Antagonismus, den beiden pathogeoen
Mikroorganismen gegenüber bekunden, und dass dieser Antagonismus
endlich eine schnelle Zerstörung der Typhus- und Milzbrandbacillen
herbeiführe, sobald diese letzteren, wenn auch in sehr bedeutender
Menge, mit den Saprophyten in Kontakt kommen.
Sanarelli (Pisa).
Originalbericfete Ober Kongresse.
Bakteriologisches vom VÜ. internationalen Eongress
für Hygiene und Demographie zu London,
10.— 17. August 1891,
(Fortsettung.)
Sektion Ar Bakteriologie.
Arlolng, Lyon, glaubt, dass die zelligen Elemente die Hauptrolle
bei der Immunität spielen, und dass das Wesen der letzteren in einer
progressiven Angewöhnung, einer Toleranz gegen die Bakteriengifte
besteht Die erbliche Uebertragung der Immunität wäre schwär zu
erklären, wenn man die Betheiligung von Zellen ausschlieft
Kitasato, Tokio, berichtet Ober seine mit Behring ausgeführten,
-später von ihm fortgesetzten Heil- und Im munisirungs versuche bei
Tetanus. Injektion von Blut eines Kaninchens, das mittelst Jod-
trichlorid gegen Tetanus immunisirt worden war, machte Mäuse nicht
nur unempfänglich gegen diese Infektion, sondern heilte dieselben so-
gar, auch wenn bereits die Extremitäten von Starre befallen waren.
Dies erwecke die Hoffnung, dass es gelingen dürfte, mittelst des Blutes
immunisirter Thiere gegen akute Infektionskrankheiten thatsächliche
Heilerfolge zu erzielen«
Adaml, Cambridge, versucht zwischen der Phagocytentheorie und
den Ober die schützende Wirkung der Körpersäfte erlangten tbatsäch-
ftaktettologiaeties vom Vit. Internationalen Kongress an London. ?ß3
liehen Ergebnissen zu vermitteln, indem er darthut, dass beide Auf-
fassungen sich nicht nothwendig gegenseitig ausschliessen.
Prof. Ehrlich, Berlin, hat interessante Versnche angestellt über
die Wirkungen zweier giftiger Eiweisskörper, des Ricins (Toxalbumin
der Ricinussamen) und des Abrins (wirksames Prinzip der Jequirity-
bohne) auf den Thierorganismus. Gegenwärtig berichtet E. haupt-
sächlich über seine Immunisirungs versuche gegen Ricin. Der
letztere Stoff, durch Kohert's Initiative als Handelsprodukt in ge-
nügender Reinheit zu beziehen (Merck, Darmstadt), löst sich in
10% Kochsalzlösung, koagulirt beim Erhitzen und verliert dabei
seine Giftigkeit. Die toxische Wirkung geht in erster Linie aufs
Mut; es entsteht Koagulation der rothen Körperchen und dadurch
Thrombosirung, namentlich der Darmgefässe. Die je nach der Species
sehr verschiedene Giftigkeit ist bei Meerschweinchen so gross, dass
1 g käufliches Ricin genügen würde, um l1/, Millionen Meerschwein-
chen zu tödten. Subkutan bewirkt das Ricin heftige .lokale Entzün-
dung mit Nekrosirung. Mäuse sind weniger empfindlich, als Meer-
schweinchen und lassen sich, am besten durch Verfütterung, durch
langsames Steigen mit den Dosen immunisiren, ricinfest machen.
Die Prüfung der Immunität geschieht dann durch subkutane Injektion.
Wenn ein Thier das 200-fache der Anfangs tödUichen Dosis ohne
Nachtheil erträgt, so bezeichnet E. dies als einen Immunitätsgrad von
200. Bis dahin gelingt die Immunisirung leicht und sicher, während
höhere Immunitätsgrade bis zu 800 nur schwer zu erzielen sind.
Sehr evident zeigt sich die Ricinfestigkeit am Auge, wo sonst Ricin-
lösnngen von 0,5—1,0 °/ö intensive Entzündung hervorrufen, während
bei ricinfesten Thieren hier eine absolute Immunität lokaler Natur
zu beobachten ist
Das Werden der Immunität erfolgt nach E/s Versuchen nicht in
gleichmäßiger Weise, sondern auffallenderweise zeigte sich am 6.
Tage der Ricindarreichung eine ausgesprochene sprungweise Zunahme
der Immunität auf das 13-fache des anfänglichen Grades. Unter
günstigen Umständen kann schon am 21. Behandlungstage der hohe
Resistenzwerth von 400 erreicht werden. Analog den Befunden von
Behring, Kitasato u. A. hat der Vortragende nachzuweisen ver-
mocht, dass das Blut der ricinfesten Thiere ein Antiricin enthält,
das im Stande ist, die Giftwirkung des Ricins völlig aufzuheben.
Dieses Antiricin hält sich im Körper der immunisirten Thiere offenbar
längere Zeit in unverändertem Zustand, und damit sucht E. die von
ihm gefundene Thatsache zu erklären, dass zwar nicht die Jungen
ricinfester Männchen, wohl aber diejenigen immunisirter Weibchen
die Ricinfestigkeit erben, was auf direkter Uebertragung des Anti-
ricius durch das Serum beruhen kann.
ttueppe, Prag: Die Immünitätsfrage bringe den alten Streit
der llumoral- und Solidarpathologie wieder zum Aufleben. Sehr
wichtig seien die Beobachtungen über Chemotaxis, deren Betheili-
gung am Tuberculoseprozess Redner nachgewiesen hat Seitdem
wurde neuestens bewiesen, dass der todte Bacillus auf die zelligen
7ß4 BakteriologtobM vom Vit. internationalen Kongrete tu London.
Elemente die nämlichen Wirkungen aasübt, welche die Tuberculose
im Anfangsstadium charakterisiren. Bei dieser Gelegenheit erinnert
H. daran, dass es ihm 1887 gelang, zu zeigen, wie auch ihrer Virukaz
beraubte Bakterien Immunität zu bewirken im Stande sind, woraas
eine Verschiedenheit der giftigen und der immunisirenden Substanz**
hervorgeht
Klein, Leeds, hat bei gemeinschaftlich mit Dr. Coxwell aus-
geführten Untersuchungen Frösche, die an und für sich gegen Anthrax
immun sind, stets erliegen sehen, wenn dieselben mit einem Stückchen
Milzbrandmilz geimpft und dann chloroformirt wurden. Die Ursache
dieses abnormalen Verhaltens glaubt der Vortragende nicht io irgend
welcher Alteration der zelligen Elemente, sondern in einer chemi-
schen Beeinflussung der Säfte, einer Zerstörung der schützende^
Stoffe erblicken zu sollen, da es nicht gelang, an den Leukocyte:
und ihrer Befähigung zur Aufnahme von Bakterien Veränderungen!
nachzuweisen. .
Prof. Metschnikoff, Institut Pasteur (mit Beifall begrttsst), er-
klärt es für eine Unmöglichkeit, auf alle die vorgebrachten Angriffe
gegen die Phagocytentheorie bei der zugemessenen Zeit im einzelne»!
zu antworten. Statt dessen ziehe er vor, in einem wichtigen speziellen
Falle, der bisher gegen seine Theorie ausgebeutet wurde, die Hin-
fälligkeit dieser Auffassung nachzuweisen und darzuthun, dass gerade
dieser spezielle Fall bei genauer Untersuchung nur Argumente zc
Gunsten der Phagocyteulehre zu liefern im Stande sei. Es handele
sich um den von Behring und Nissen im hygienischen Institut
zu Berlin erbrachten Nachweis, wonach das Serum von Meerschwein-
chen, die gegen Vibrio Metschnikovi immunisirt sind, auf diesen
Infektionserreger rasch tödtend einwirkt, während im Serum normaler
Thiere Vermehrung stattfindet. Diese Uebereinstimmung der bak-
terienfeindlichen Wirksamkeit mit der Thatsache der Immunitat er-
scheint so schlagend, dass man das wohl als die Hauptstütze der
„humoralen" Immunitätstheorie betrachten kann; aber gerade hier
liegen die Verhältnisse in Wirklichkeit ganz anders. Zwar die rasch
tödtende Wirkung des Serums vaccinirter Meerschweinchen
auf den Vibrio M. fand der Vortragende durchaus bestätigt, w&hreod
im Serum intakter Meerschweinchen bald Vermehrung eintrat Allein
diese „in vitrou gewonnenen Ergebnisse dürfen nicht unmittelbar auf
den lebenden Körper übertragen werden, sondern es ist erforderlich,
die Verhältnisse hier direkt zu verfolgen.
Zunächst bei Einimpfung des Vibrio M. in die Vorderkammer
intakter, andererseits immunisirter Meerschweinchen zeigen sich grosse
Verschiedenheiten, indem das Exsudat — das in beiden Fallen gleich-
massig mit Oedem der Conjunctiva und Trübung der Hornhaut io
den ersten Stunden sich bildet — beim normalen Meerschweinchen
nur Vibrionen und fast keine Leukocyten, beim vaccinirten dagegen
letztere reichlich enthält, einige bereits mit aufgenommenen Vibrionen.
Beim normalen Thier entwickeln sich die Vibrionen nun ohne Hinder-
niss, und dasselbe erliegt nach 24 Stunden; das immunisirte dagegen
fiaktoriologbeba» vom VE. international«!! Kongreu zu London. 766
erliegt nie, trotz stärkster Entwickelung der Ophthalmie, in deren
Exsudat noch nach einer Woche lebende Vibrionen nachgewiesen
werden konnten, was einen grossen Unterschied gegenüber dem Ver-
halten „in vitro" bedeute. Ganz ähnlich verlaufen die Dinge bei
subkutaner Injektion, wo ebenfalls ein Exsudat auftritt, das aber
wieder nur beim vaccinirten Thier reichliche Leukocyten enthält; die
letzteren bemächtigen sich der Vibrionen, so dass nach 15 Stunden
keine freien mehr anzutreffen sind, während gleichwohl eine Probe-
kultur dieselben als lebend erweist. Auch nach 48 Stunden sind noch
lebende Vibrionen vorhanden, also jedenfalls viel länger, als bei den
Versuchen „in vitro".
Die Phagocytose sei bei den eben besprochenen Infektionsversuchen
eine sehr ausgedehnte, im Gegensatz zu Pfeiffer's Angaben; bei
normalen Meerschweinchen dagegen fehlt dieselbe. Durch Kultur im
hängenden Tropfen bei 30—39° kann man sich ferner leicht über-
zeugen, dass die im Exsudat enthaltenen Phagocyten die Vibrionen
im lebenden Zustand aufgenommen haben, denn bei einem Theil
derselben bemerkt man später ein Anschwellen, worauf dieselben
schliesslich an einigen peripheren Stellen platzen und Haufen von
Vibrionen austreten lassen, die alsdann ihre Vermehrung in der
Exsudatflüssigkeit fortsetzen.
Nach alledem müsse man den Vibrio M. sogar als ein besonders
geeignetes Objekt zum Studium der Befähigung der Phagocyten zum
Fressen und zur Vernichtung lebender Vibrionen bezeichnen. Die
Erklärung sei ganz einfach: der flüssige Antheil des Exsudates bei
vaccinirten Meerschweinchen besitzt keinerlei bakterienfeindliche Eigen-
schaften (?), die zelligen Elemente allein sind es, die Widerstand
leisten. Wenn man dagegen intakte Meerschweinchen mit dem Vibrio
inokulirt, wobei eine rasch tödtliche Krankheit entsteht, so finden
sich nur wenig Leukocyten im Exsudat, und diese nehmen keine
Vibrionen in sich auf. Diese Abwesenheit von Leukocyten erklärt
sich nicht etwa durch den Mangel an Hyperämie, Ge&sserweiterung
und Transsudation. Alle diese Erscheinungen sind auch bei der
Inokulation intakter Meerschweinchen sehr ausgeprägt, das Exsudat
ist hier sogar oft hämorrhagisch. Dies Fehlen der Leukocyten er-
klärt sich vielmehr durch die negativ chemotaktische Wirkung der
bakteriellen Toxine.
Später kommt der Vortragende auch auf die neuen Versuche
von Buch ner zu sprechen. Derselbe habe mit seinen Mitarbeitern
gezeigt, dass, wenn man einen Tropfen Bakterienflüssigkeit gleich-
massig in einer Serumprobe vertheilt, letzteres seine bakterienfeind-
lichen Eigenschaften in voller Stärke äussert; wenn man dagegen
die Mikroben in gleicher Menge, aber eingeschlossen in ein steriles
Wattepäckchen in das Serum einführt, so zeigt sich die bakterien-
feindliche Wirksamkeit nur sehr unvollständig, und die Bakterien
gelangen leicht wieder zur Vermehrung. Durch diese Experimente
sei zunächst nur bewiesen, dass die bakterienfördernde Wirksamkeit
der Säfte ein sehr subtiles Ding ist, und dass man sich genau von
den Bedingungen Rechenschaft geben muss, unter denen sie in Aktion
tritt; andererseits aber gehe aus denselben auch hervor, wie die ge-
766 BakUriologUdm vom V1L Internationalen KoagftM m
wohnliche Versuchsanordnung „In vitro", wobei man eine kleine Menge
von Kulturflüssigkeit in einer grossen FlQssigkeitsquantit&i vertheilt
mit den Bedingungen der natürlichen oder künstlichen Infektion eines
Thieres durchaus nicht übereinstimmt. Von den beiden, von B u c h n er
und seinen Mitarbeitern angewendeten Methoden entspricht nur die-
jenige mit den Wattepäckchen der Infektion des Organismus ; sie ver-
mag auch die schon öfter erwähnte Thatsache zu erklären, dass die
in vitro so deutlich nachweisbare bakterienfeindliche Wirksamkeit
im lebenden Thiere fehlen kann. Nur die Verhältnisse im lebendes
Organismus aber sind es, die uns interessiren. Bu ebner suche des
Einwand zu entkräften, der darin liegt, dass das Serum der fir
Milzbrand empfänglichen Kaninchen dennoch für Anthraxbacillen
schädlich wirkt; er vergleiche zu diesem Zwecke die in den Kreis-
lauf gerat henen und in den Kapillaren angehäuften Milzbrandbakterien
mit den Mikroben, die bei seinen Versuchen in Wattepäckchen ein-
geschlossen und dadurch dem direkten Einfluss des Blutes entzogen
sind. Diesen Vergleich könne man wohl gelten lassen, denn er be-
weise nur wiederum, wie sehr die Bedingungen im Organismus ver-
schieden sind von denjenigen, die in den gewöhnlichen Versuchen
über die bakterienfeindiiehen Eigenschaften des Serums angewendet
werden, und hieraus ergebe sich zugleich die Bedeutungslosigkeit
der soeben erwähnten Eigenschaften für die Widerstandsfähigkeit des
Organismus gegen einen Infektionserreger.
In einer andern Reihe von Einwänden suche Buchner die An-
lockung der Leukocyten durch Stoffe zu erklären, die aus den todteo
Bakterien eztrahirt werden. Hiergegen führt der Vortragende ver-
schiedene Beobachtungen und Erfahrungen an, welche aeigen, dass
auch bei lebenden Infektionserregern Leukozytose und Phagocytismos
stattfinden können 1).
Nach einigen Bemerkungen gegen Emmerich1 s Auffassung
über die Phagocytose, die letzterer wegen der Verschleppungsgefahr
eher als eine für den Organismus schädliche Einrichtung betrachtet,
schliesst der Vorsitzende: die Phagocytentheorie sei von jeher grossen
Anfeindungen ausgesetzt gewesen, aber sie habe bisher immer triam-
pbirt. Dieselbe behaupte nicht, dass der Schutz des Organismus
ausschliesslich durch die Phagocytose bewirkt wird; man könne die
übrigen werthvollen Unterstützungsmittel recht wohl gelten hissen.
Die Untersuchungen in dieser Richtung, deren Resultate der Sektion
mitgetheilt wurden, besitzen ein hohes Interesse, aber die Phagocyten
sind gleichwohl stets in Thätigkeit und zwar in erster Linie. Wenn
dieselben unwirksam bleiben, so ist dies ein Zeichen entweder von
der Harmlosigkeit des betreffenden Mikroben oder im Gegen theil ton
seiner ausserordentlichen Virulenz. Die Phagocytenlehre steht in
Beziehung zu den Errungenschaften des Darwinismus; sie bedeutet
eine Allianz zwischen Medizin und Biologie, aus der beiden Dis-
ziplinen nur Vortheil erwachsen wird.
l) Von meiner Seite wurde nicht behauptet, des» nar die todten Bakterien ta
Stande seien, anlockende Proteine aneanscheiden, (Anm. d. Befc)
Bakteriologisches vom VII. International«!* Kongres* ia London. 767
r. Fodor, Budapest, erinnert daran, dass es ihm zuerst gelang,
die bakterientödtende Wirkung des Blutes ausserhalb und innerhalb
des Organismus nachzuweisen. Gewisse chemische Substanzen sind
im Stande, diese Wirksamkeit zu steigern; so verlangsamt Natrium -
Bikarbonat die Entwickelung des Milzbrandes im Körper, Säuren jene
der Mäuseseptikämie und vermuthlich jene der Tuberculoso.
Babcs, Bukarest, berichtet über experimentelle Studien betreffend
die Immunität gegen Hundswuth. Es gelang, nach der Methode von
Krieger einen Körper zu extrahiren, der Temperaturerhöhung be-
wirkt. Erwärmung auf über 80 ° zerstört die immunisirende Wirksam-
keit, während andererseits bei Einführung in den Lymphsack eines
Frosches das Virus seine pathogene Wirksamkeit bewahrt. Im Gegen-
satze hierzu wirkte das Serum eines immunisirten Hundes abschwächend
auf das Virus ein.
An der Diskussion betheiligten sich ferner die Herren Cart-
wright-Wood und Wright- London.
Buchner, München, verzichtet Angesichts der vorgerückten Zeit
in seinem Schlussworte auf nochmaliges Eingehen auf die Detailfragen,
erklärt übrigens, um allen Missverständnissen vorzubeugen, ausdrück-
lich seine Hochachtung vor den wissenschaftlichen Verdiensten M e t s c h-
nikoff'8 um die Immunitätsfrage. Es handle sich nur um die
Deutung des Beobachteten, um die Theorie; die letztere Aufgabe sei
wenig dankbar in einer Zeit, die so reich ist an schwerwiegenden
tbatsächlichen Entdeckungen im Gebiete der Immunität. Im Augen-
blicke könne man abweichende theoretische Auffassungen bei der
Komplizirtheit der Erscheinungen ganz wohl begreiflich finden, aber
es sei zu hoffen, dass schon der nächste Kongress uns im Besitze
von Thatsachen antrifft, die mit wesentlich grösserer Klarheit auf
die Bestrebungen des heutigen Tages zurückzublicken gestatten. Die
Entdeckungen über die heilende und immunisirende Wirkung des
zcllenfreien Serums gewährten dazu alle Aussicht.
Boux, Paris, resumirt seine Anschauung dahin, dass die Immu-
nität durch direkte Wirkung von Zellen, nicht durch chemische
Aktion bedingt ist. Behring habe in einem dem Kongresse vor-
gelegten Berichte behauptet, die Vorstellung von der heilenden Thätig-
keit der Phagocytose habe etwas Mysteriöses an sich. Eher könnte
man jedoch sagen, die Wirkung der Körpersäfte gegen Bakterien
gehöre ins Gebiet des Unbegreiflichen. Jedenfalls dürfe man die
letzteren Voststellungen nicht generalisiren.
Der Präsident — Sir J. Lister — schliesst die Sitzung mit
der Bemerkung: Wenn irgend etwas im Stande ist, den Kongress
zu rechtfertigen, so seien es die Verhandlungen dieses Tages. Die
ungeheure Fülle von werthvollem Material, das vorgebracht wurde,
müsse von Seite aller Theilnehmer mit Dank anerkannt werden den-
jenigen gegenüber, welche sich an den Arbeiten betheiligten.
768 Bakteriologische! Tom Tu. internationalen Kongress va Londoo-
Nachtrag1)- *• ** Chrlstmas fitude sur les sobstances
microbicides du s6rum et des organes d'animaux & sang chaud.
[Travail du laboratoire de chimie biologique & rinstitut Pasteor]
(Annales de rinstitut Pasteur. 1891. No. 8. p. 487.)
Die Arbeit von Christmas charakterisirt sich durch die „Ten-
denz", den bakterienfeindlichen Einfluss des Serums als nicht vor-
handen oder wenigstens als bedeutungslos erscheinen zu lassen. Die
Erreichung seines Zieles erleichtert sich Verf. durch Nichtberück-
sichtigung der einschlägigen Litteratur, wie aus Folgendem erhellt
In der Einleitung wird behauptet, die bisherigen Beobachter
hätten den Einfluss der wechselnden Dichtigkeit des Mediums bei
Uebertragung von Bakterien ins Blut oder Serum nicht beachtet
Ohne Zweifel sei darin die Ursache für das Zugrundegehen eines
Theiles der ausgesäten Bakterien zu erblicken. Es ist schwer, sich
dem gegenüber parlamentarischer Ausdrücke zu bedienen, nachdem
schon auf einen früheren analogen Angritt hin von Ref. über diesen
Punkt ein besonderer Aufsatz mit experimentellen Angaben im gegen-
wärtigen Centralblatt publizirt wurde1). Dort wurde gezeigt, dass
sogar Uebertragung von Milzbrandbacillen aus 1 % Peptonbouillon
in 40 °/o Zuckerlösung (mit Blutzusatz) nur eine ganz vorübergehende
Verminderung der Keimzahl bewirkte. Dort wurde aber auch bereits
hervorgehoben, dass der ganze Einwand Metschnikoff's — denn
auf diesen ist die Idee von der Schädlichkeit schroffer Konzentrations-
änderungen des Mediums für Bakterien zurückzuführen — überhaupt
haltlos erscheint, nachdem in meinen Untersuchungen stets Kontroll-
versuche mit auf 55° erwärmtem Serum angestellt wurden. Das
letztere tödtete die Bakterien nicht, vermindert nicht die Keim-
zahl, obwohl die Konzentration die nämliche ist, wie diejenige des nicht
erwärmten Serums. Wie oft wird es noch erforderlich sein, diese
einfache leicht zu kontrollirende Wahrheit der Schule von Metsch-
nikoff entgegenzuhalten 1
Anstatt nun die vorerwähnten Versuche nachzuprüfen, hat Verf.
ueue, sehr wenig zweckmässige angestellt. Im Gegensatz zu dem,
was die Verhältnisse eigentlich verlangen, wurden von ihm die Milz-
brandbacillen durch viele Generationen zuerst in sterilisirtem Rinder-
serum herangezüchtet und alsdann in Bouillon oder in destillirtes
Wasser ausgesät, wobei die kontrollirende Plattenkultur eine alsbaldige
Verminderung der Keimzahl erkennen Hess. Offenbar bedeutet nun
diese Versuchsanordnung etwas ganz Neues, was mit den bisherigen
Versuchen über bakterienfeindliche Wirkung der Säfte zunächst gar
nicht in Beziehung gebracht werden kann. Im letzteren Falle handelt
es sich stets um Uebertragung der aus dem Thierkörper entnommenen
oder künstlich vorgezüchteten Bakterien in's Blut oder Serum. In
Verf.'s Versuchen dagegen werden die Milzbrandbacillen durch 10
Umzücbtungen in Rinderserum kultivirt, und dann plötzlich in eine
l) Die hier referirte Arbeit von Christmas wurde beim Koogreu ■war nicht
tum mündlichen Vortrag gebracht, aber in gedrucktem Aassag an die Mitglieder ver-
theilt, gehört also an den Verhandlungen über Immunität
l) Ueber den Einfluss höherer Konaentration des Nfthrmediuma auf Bakterien.
Eine Antwort an Herrn Metschnikoff. (Centralblatt f. Bakt. n, Paras. Bd. VHL
1890. Ho. 8.)
Bakteriologisches vom VII. loternationalen Kongresa in London. 769
verdünnte Lösung ausgesät. Es wäre wohl möglich und bedarf
erst weiterer Untersuchungen, ob unter diesen ganz besonderen Be-
dingungen eine Verminderung der Keimzahl zu Stande kommen kann.
Mit der bakterienfeindlichen Wirkung des Serums jedenfalls hat diese
Frage nicht das mindeste zu thun.
Nachdem Verf. auf diese Weise seiner Meinung nach bewiesen
hat, d&<* der Einfluss des Serums auf die Keime wesentlich auf
physikalisch- chemische Ursachen zurückgeführt werden müsse *), geht
derselbe merkwürdigerweise zu Versuchen über, die Albuminate des
Serums mittelst Alkohol auszufällen und den Einfluss der wässrigen
Lösung dieses Niederschlags auf Bakterien zu prüfen. Es fand sich,
dass die erwähnte Lösung für pathogene Keime keine assimilirbaren
Stoffe enthielt, weshalb letztere allmählich zu Grunde gingen oder
ßich wenigstens nur langsam entwickelten. Schliesslich versuchte
Verf. aus den Organen von Thieren, die gegen Milzbrand immunisirt
waren, wirksame Stoffe zu extrahiren. Er gewann einen eiweiss-
artigen Körper, der in wässriger Lösung auf den Milzbrandbacillus
schädigend einwirkte. Aus gesunden oder an Milzbrand verendeten
Thieren liess sich eine derartige Substanz nicht gewinnen.
Buchner (München).
Dritte Sitzung, Donnerstag, den 13. August.
Die Verhandlungen betrafen die Tuberculose in allen ihren
Beziehungen, und fand zu diesem Zwecke eine gemeinsame
Sitzung von Sektion II (Bakteriologie) und Sektion III (Beziehungen
zwischen Thier- und Menschenkrankheiten) statt, der Sir J. Lister
präsidirte. Nach einigen einleitenden Worten, in denen dieser be-
merkte, dass die Tuberculose einer der wichtigsten Gegenstände des
Kongresses sei, erhielt das Wort
Prof. Burdon-Sanderson, Oxford, zu dem einleitenden Referat:
„Ich habe zu sprechen über die Aetiologie der Tuberculose, was Sie
nicht so interessiren wird, wie die gestrige Diskussion. Es sind zwei
Richtungen, nach denen hin sich die Forschung bewegen muss : 1) die
Pathologie oder Aetiologie; 2) die Behandlung oder die Nutzanwen-
dungen, die wir aus der durch 1) gewonnenen Erkenntniss zu ziehen
haben. Verschiedene Punkte müssen wir als festgestellt konstatiren,
bevor wir weitergehen, so die Existenz des Tuberkelbacillus, die Identität
der Rinder- und Menschentuberculose und die Gefährlichkeit des Ge-
nusses von tuberculö8em Fleisch. 1 a sind zwei Fragen aufzuwerfen :
1) die der Erblichkeit und ihr Einfluss auf die Entstehung der Tu-
berculose; 2) welches sind die Eingangspforten für den Tuberkel-
bacillus? —
Auf die erste Frage soll jetzt nicht eingegangen werden. Was
die zweite betrifft, so können die Bacillen durch die Lungen oder
l) Es Ist ein seltsamer Widerspruch in dem eben Gesagten, wenn Verf. anderer-
seits die rasche Vergänglichkeit der Wirkung des Serums auf die Bakterien als bekannte
Thaisache anführt,
770 Btkttrloloffabtt vom VII. Inttrofttlocaltii KonfroM tu Letdoa*
durch den Dannkanal eindringen. Man muas darauf rinnen, das
Individuum und die Gesammtheit vor der Ansteckung zu schütz®.
Sprecher ging darauf über zu den Beschlüssen der jüngsten Pariser
Konferenz bezüglich des tuberculösen Fleisches. Arloing zeigte,
dass von je 6 geschlachteten Rindern 1 tuberculös war, so dass also
angenommen werden muss, dass von 1000 zum Genuss zugelassenen
Bindern über 100 die Gefahr der Infektion in sich tragen. Doch
müsste der Beweis geführt werden, dass, wenn wir kein tuberculfces
Fleisch ässen, wir von Tuberculose frei blieben. Chauveaa und
£. Baumgarten waren die Ersten, die die Aufmerksamkeit auf die
Gefahr des Genusses von tuberculösem Fleische hinlenkten. Baum-
garten zeigte, dass die Tuberculose zuerst das Lymphdrüsensystem
befällt. Doch bedürfen wir noch mehr experimentelle Untersuchungen.
Man darf nicht einwerfen, dass die Gefahren der tuberculösen
Ansteckung übertrieben werden. Wenn bewiesen ist, dass sie vor-
banden sind, so können sie gar nicht übertrieben werden. Die Sta-
tistiker haben den Beweis geführt, dass 14% der Todesfälle auf Tu-
berculose kommen. Die Todesfälle kommen am häufigsten im Kindes-
alter unter 5 Jahren und zwischen 20 und 30 Jahren vor. Gewöhnlich
werden die Lungen zuerst befallen, gleichgültig, wo der Krankheits-
keim eingedrungen ist. Bringt man beim Thierexperiment das Impf-
material unter die Haut, so werden zuerst die Lungen befallen [? R t].
So sieht man auch, dass, obwohl die Infektion vom Darmkanale statt-
findet, doch die Lungen zuerst befallen werden. Darmtubercolose
entsteht nicht primär, wohl aber sekundär beim Erwachsenen. Man
kann sie häufig verfolgen von den Lungen längs der Luftröhre zu den
Eingeweiden. In der Kindheit tritt ein verschiedenes Verhalten zo
Tage, doch ist diese Frage noch nicht genügend erforscht. Wo bak-
teriologische Untersuchungen in Kinderkrankenhäusern stattgefunden
haben, haben statistische Berechnungen ergeben, dass fast jeder dritte
Todesfall von tuberculösen Veränderungen begleitet ist Die Lymph-
drüsen werden zuerst befallen, hierauf die Knochen. Der Grund da-
für, dass auf Masern und Keuchhusten so häufig Tuberculose folgt,
liegt wahrscheinlich darin, dass das Kind bereits LymphdrQsentuher-
culose hatte, und die hinzutretende Bronchopneumonie folglich leicht
zur Tuberculose wird. Diese kryptogenetischen tuberculösen Leiden
muss man auf Einflüsse zurückführen, die vor der Geburt in Wirk-
samkeit traten.
Was den Genuss von tuberculösem Fleisch betrifft, so muss fest-
gehalten werden, dass er gefährlich ist, aber wenn wir morgen ein
Gesetz hätten, was den Verkauf tuberculösen Fleisches verbietet so
würde es grosse Ausgaben bedingen, denn wir roüssten wissenschaftlich
geschulte Leute haben, die im Stande wären, die Diagnose sicher za
stellen ; alles hängt von der Diagnose ab. Der Thierarzt ist nicht in
der Lage, das zu machen, was der Franzose eine präzise Diagnose
nennt. Der Sachverständige müsste eine wissenschaftliche Erziehung
und eine spezielle technische Fertigkeit haben, genau so, wie der
Theeprüfer eine spezielle Schulung haben muss.
SchlusBfolgerungen. Es sind noch nicht Thatsachen genug
bekannt, um zu dem Ausspruch zu berechtigen, dass tuberculose
Bakteriofofisobe* vom VII. inttrnfttUraalui Kongren in London« 771
Massen, die in den Darm gelangen, allgemeine Tnberculose hervor-
bringen können; aber da bei Kindern auf Darmtuberculose Drüsen-
und Knochentuberculose foUt, so dürfen wir wohl annehmen, dass dies
auch beim Erwachsenen der Fall ist; doch sind wir einer grössern
Anzahl von Experimentaluntersuchungen dringend bedürftig. Wir
müssen mehr Klarheit haben Ober die Ursachen der Tuberculose im
Kinrie*alter.
Was die Verwaltungsmassregeln betrifft, so ist ein System strenger
Fleischschau zu empfehlen, das sich über das ganze Land zu erstrecken
und gleich massig in Wirksamkeit zu treten hat. Die Tuberculose muss
unter das Gesetz zur Verhütung der Infektionskrankheiten fallen.
Wir bedürfen noch der genauen Kenntniss von der gegenwärtigen
Verbreitung der Tuberculose. Ueber 5 p, m. des Rindviehstandes
wird in der Regel als tuberculös verworfen. Dies erfordert eine Ent-
schädigung, die durch eine Extrasteuer (die ja sehr niedrig sein kann)
aufgebracht werden muss."
Nach diesem mft grossem Beifall aufgenommenen Vortrage des
Referenten erhielt der Korreferent, Prof. Bang, Kopenhagen, das
Wort zu seinem Vortrage: „Ueber die Gefahr des Genusses
von scheinbar gesundem Fleisch und der Milch tuber-
culös er Thiere", dessen Hauptinhalt folgender war:
„Die grosse Mehrzahl der Forscher nimmt an, dass die wesent-
liche Quelle der menschlichen Tuberculose im Menschen selbst zu
suchen sei ; aber nahezu alle geben zu, dass man die Krankheit durch
den Genusa von Fleisch oder Milch tuberculöser Thiere erwerben kann.
Nur über die Ausdehnung dieser Gefahr gehen die Meinungen aus
einander. In Frankreich ist durch Dekret des Präsidenten der Ver-
kauf und Gebrauch der Milch von tuberculösen Kühen verboten wor-
den; aber ich halte die Durchführung dieser Massregel für unmöglich
in Ländern, wo die Tuberculose vorherrschend ist, ausserdem scheint
sie mir auch nicht nothwendig zu sein.
Ich habe in dieser Richtung eine Reibe von Experimenten mit
tuberculösen Kühen angestellt. Unter 58 Kühen, mit deren Milch
Kaninchen und Meerschweinchen geimpft worden waren, war die Milch
bei 9 virulent [15,5%]. Im Ganzen bin ich der Ansicht, dass die
Milch einer Kuh mit augenscheinlich gesundem Euter in der Mehr-
zahl der Fälle nicht gefährlich ist, aber sie ist es zeitweise zweifellos
und ist immer verdächtig.
Bezüglich des Fleisches bin ich der Meinung, dass man nach den
von Andern angestellten Experimenten das Muskelgewebe für einen
80 ungünstigen Nährboden für die Tuberkelbacillen ansehen muss, dass
sie sich in demselben nicht vermehren. Die Zahl der Bacillen, die
im Fleische tuberculöser Thiere sich finden, muss immer sehr be-
schränkt sein.
Eine Reihe von Versuchen, die ich über die Virulenz des Blutes
von 20 im äussereten Grade tuberculösen Kühen angestellt habe,
gaben negative Resultate in 18 und positive nur in 2 Fällen [10%].
Ich meine, die Massregel, das Fleisch jeden tuberculösen Thieres
su beschlagnahmen, ist zu streng. So lange die Tuberculose scharf
lokalisirt ist, ist das Fleisch keine Quelle der Gefahr. Wo die Krank*
4»*
772 BAktorlologitehM rom VII. tnlenwHoiialan Kongress su London.
heit allgemein geworden ist, kann der Genuas des Fleisches gefährlich
sein, ist es jedoch nicht immer. Der Genuas ungekochten Fleisches
sollte unterbleiben, aber der beste Weg, die Gefahr für die mensch-
liche Gesundheit aus dem Wege zu räumen, ist, alle möglichen Mass-
regeln zu ergreifen, um die Ausbreitung der Tuberculose unter unaera
Haussieren zu verhüten."
Prof. Bang fügte noch hinzu, es sei unbedingt nothwendig, die
Milch, die zur Bereitung von Käse oder Butter bestimmt sei, vorher
so stark zu erhitzen, dass die etwa darin befindlichen Tuberkelbadlien
zu Grunde gehen.
Zu Bang 's Vortrage bemerkte Pro! Arlolng, Lyon die Frage
der Cebertragbarkeit der Tuberculose von Thieren auf den Menschen
sei von sehr grosser Wichtigkeit, aber die „präzise Diagnose" sehr
schwierig. Die Milch tuberculöser Kühe zu trinken sei für Kinder
sehr gefährlich. Er sei ganz entschieden der Ansicht, dass das tu-
berculose Fleisch gänzlich verworfen werden müsse, und könne der
entgegengesetzten Meinung Bang 's durchaus nicht beipflichten. Er
hält alle tuberculösen Thiere für gesundheitsgefährlicb, und das Fleisch
wird oft nicht genügend gekocht, so dass die Bacillen virulent bleiben,
eine Anschauung, die er durch einige statistische Angaben bekräftigte.
Zum Schluss befürwortet er eine geordnete Fleischschau, nicht nur für
grosse Städte, sondern auch für alle kleineren Bevölkerungszentren.
Hierauf kam eine Arbeit von Prof. Mc Fadyean und Dr. G.
Sims Woodhead; „Ueber die Uebertragung von Tuber-
culose von Thieren auf Menschen durch Fleisch und
Milch tuberculöser Thiere" zur Verlesung.
„Was die Uebertragung durch das Fleisch tuberculöser Thiere
betrifft, so widersprechen sich die Ansichten sehr, augenscheinlich
weil die angewandten Methoden sehr verschieden und die Bedingungen
nicht gleichmässig sind.
Erwerben die Menschen immer die Tuberculose durch Aufnahme
tuberculösen Materials von niederen Thieren? Nach dem Ergebnis
einer grossen Reihe von Beobachtungen über Tuberculose bei Kindern
kann diese Frage wohl bejahend beantwortet werden.
Ist das Fleisch tuberculöser Thiere im Stande, Tuberculose her-
vorzurufen, a) wenn es in Masse eingeführt; b) wenn nur der aas-
gedrückte Fleischsaft angewendet wird? Unsere Versuche geben den
Beweis, dass der Saft allein in den meisten Fällen nicht die genügende
Anzahl von Bacillen enthält, um Tuberculose hervorzurufen, selbst bei
der Impfung von kleinen Nagethieren ; aber durch die Thatsache, dass
wir tuberculose Massen in den Muskeln am Hintertbeil tuberculösen
Rindviehs beobachtet haben, müssen wir es als erwiesen ansehen, dass
Tuberkelbadlien zuweilen, wenn auch selten, in beträchtlicher Anzahl
in dieser Gegend vorkommen können. Unter 3 an einem Tage und
in einer Schlächterei geschlachteten Kühen fanden wir bei 2 Thieren
Tuberkel in der Muskulatur des Hintertheils; bei einem derselben
fand sich Tuberculose fast aller Organe und theilweise auch der
Knochen ; bei dem anderen waren nur wenige Knötchen in der Lange
und in einigen Drüsen vorhanden, jedenfalls bestand weder Brustfell*
Bakteriologisches vom Vit. internationalen tCongrcss in London. ^?3
noch Bauchfelltuberculose, und alle anderen Organe waren frei — ein
sehr bemerken8werther Fall. Die Berichte verschiedener Beobachter
über eine Anzahl positiver Fütterungsversuche geben weiter den Be-
weis dafür, dass in der That in gewissen Fällen Tuberkelbacillen in
den Muskeln oder im Zwischenmuskelbindegewebe anwesend sind und
hier eine mögliche, wenn auch vergleichsweise seltene Ansteckungs-
quelle abgeben. Ueberblicken wir unsere eigenen und die früheren
Versuche in ihrer Gesammtheit, so ergiebt sich, dass diese Gefahr
nicht häufig vorbanden ist, dass sie jedoch in einem gewissen Ver-
hältniss von Fällen existirt
Milch. — Bisher ist auf diesen Gegenstand in diesem Lande
zu wenig Aufmerksamkeit verwendet worden: dies war die Folge
unserer Unfähigkeit, das Vorbandensein der frühesten tuberculösen Sym-
ptome beim Bindvieh mit Sicherheit zu erkennen. Wir sind der An-
sicht, dass das Verhalten des Euters bei tuberculösen Kühen und die
Bedingungen, unter denen Tuberkelbacillen in der Milch gefanden
werden, sorgfältiger erforscht werden müssen, und dass es nothwendig
ist, alle Milchkühe gründlich und häufig zu untersuchen, wegen der
Schnelligkeit, mit welcher die Tuberculöse auf das Euter übergeht.
Tuberkelbacillen in der Milch. — Je zahlreicher sie in der
Milch zugegen Bind, um so virulenter ist dieselbe für die damit ge-
impften Thiere. Eine bakterienfeindliche Wirksamkeit den Tuberkel-
bacillen gegenüber ist für die Milch nicht bewiesen. Bang legt Ge-
wicht darauf, dass von verschiedenen Beobachtern in verschiedenen
Fällen verschiedene Resultate erlangt worden sind, weil sie an ver-
schiedenen Thieren experimentirt haben.
Es ist nothwendig, diesem Gegenstande spezielle Aufmerksam-
keit angedeihen zu lassen, da man jetzt allgemein annimmt, dass die
tuberculöse Euterentzündung zwar in den letzten Stadien leicht zu
erkennen ist, dass es aber eine Periode gibt, in der es klinisch un-
möglich ist, dieselbe festzustellen (höchstens durch Impfung kleiner
Thiere); in diesem Stadium sind Tuberkelbacillen in sehr kleiner
Anzahl in der Milch zugegen, jedoch in genügender Zahl, um den
Genuss solcher Milch für Wochenkinder gefährlich zu machen.
Die Gefahr tuberculöser Milch wird durch Vermischung mit ge-
sunder Milch verringert. Es ist ausserordentlich nothwendig, dass
die Milchkühe alle 14 Tage thierärztlich besichtigt werden. Kein
Phthisiker darf sich in einer Meierei aufhalten.
Die Frage nach der Gefährlichkeit des Genusses von Fleisch
tuberculöser Kühe muss beantwortet werden, je nachdem man denkt,
dass es sich noch um eine lokale Erkrankung handelt. Die Haupt-
quelle der Tuberculöse bilden jedenfalls die Thiere.44
Wegen Mangel an Zeit musste der Vortrag abgekürzt werden.
Mc Fadyean bemerkte nur noch, dass er in der Hauptsache
Brit Bang übereinstimme, doch sei die Frage, ob das Fleisch gänz-
lich zu beschlagnahmen sei oder nicht, noch nicht spruchreif.
Prof. Hamilton, Aberdeen: „Es gibt zwei Hauptansiedelungs-
punkte für die Tuberkel — den Darmkanal und die Lungen, ausser-
dem örtliche Tuberculöse.
7?4 £w«!t«r TntaculoM-ttongmit
1) Tuberculöse Lungenentzündung, wo die Luftbläßeben der pri-
märe Sitz der wahrscheinlich durch die Athmung vermittelten In-
fektion sind;
^^2) Miliareruption;
3) Lymphgefässe.
Die Darintuberculose ist in der Regel Begleiterscheinung der
Schwindsucht oder sie kann, entgegen der Meinung Burdon-
Sanderson's, primär sein, wie man das bei Kindern sieht Es
kommen auch isolirte Tuberkelherde vor. Dass in den Longen ein
vorbereitender Katarrh vorhanden, ist nicht nothwendig, aber er ist
eine prädisponirende Ursache, insofern als er die schätzende Decke
lockert. Wenn sich Tuberculöse an Keuchhusten anschliesst, so waren
wahrscheinlich schon vorher tuberculöse Uerde vorbanden; oder die
durch die Krankheit erweichten Drüsen fallen der Tuberculöse als
leicht errungene Beute anheim. Dringend bedürftig einer Erklärung
ist die Immunität, deren sich der Herzbeutel und der Magen gegen
Tuberculöse erfreuen."
Prof. Nocard, Paris: „Ich meine, es gibt keine genügenden Be-
weise dafür, dass die Einführung tuberculösen Materials in den Ver-
dauungskanal Tuberculöse erzeugt; ich möchte mehr positive Versuche
sehen, die Mehrzahl derselben ist negativ. Für Kinder ist tuberculfos
Material meiner Ansicht nach gefährlicher als für Erwachsene.44
(SchlOM folgt)
Zweiter Tuberculose-Kongress.
Mach den Berichten der „Semaine m£dicale" und des „Bull m&u
referirt von
Dr. H. T. Schnlrer,
in
Wien.
(Schltia.)
Ueber Bakterienassociationen bei Tuberculöse.
Leloir berichtet über experimentelle Untersuchungen betreffend
die Impfung skrophulös-tuberculöser Produkte na-
mentlich des Lupus vulg. auf Thiere. Die Impfungen w
mehr als 200 Lupusfällen wurden sämmtlich an Meerschweinchen
intraperitoneal oder bei Kaninchen in die vordere Augenkammer
ausgeführt. Die Resultate dieser Versuche sind folgende: Der Lupus
erzeugt bei Kaninchen und Meerschweinchen eine zweifellose Tuber-
culöse. Diese Tuberculöse ist aber von geringer Virulenz, da sie nur
dann auftritt, wenn die Impfung in ein geeignetes Medium vorge-
nommen wird und fehlschlägt, wehn sie subkutan ausgeführt wird.
Trotz des Durchganges durch einen Thierkörper nimmt diese Tuber-
culöse sehr schwer au Virulenz zu. Ausserdem müssen grosse Stück
2 wetter tnbarculoMokongriii. ??6
roxi Lupus eingeimpft werden, um Erfolge zu erzielen, auch ist die
Elitwickelung der durch Lupus hervorgerufenen Tuberculose eine
äusserst langsame. Der Lupus muss daher als eine stark abge-
schwächte, an Tuberkelbacillen sehr arme Hauttuberculose angesehen
werden. Entgegen Arloing ist L. der Ansicht, dass die Differenz
von der Quantität und nicht von der Qualität der Tuberkelbacillen
abhängt, da sich ähnliche Resultate auch durch Impfung sehr ver-
dünnter Reinkulturen von Tuberkelbacillen erzielen lassen. Die skro-
phulös-tuberculösen Gummata sieht L. als tuberculose Produkte an,
die zwar weniger virulent Bind, als die wahren Tuberkelbacillen,
doch mehr als der Lupus. Impft man Partikelchen eines solchen
Gumma in das Peritoneum von Meerschweinchen, so erhält man
rascher eine Tuberculose, als durch Impfung des Lupus.
Noeard bemerkt, dass ähnlich wie beim Lupus auch bei der
Skrophulose des Schweines die Gewebe äusserst wenig Bakterien ent-
halten und nur sehr langsam Meerschweinchen damit getödtet werden
können. Diese Thatsache stützt die Ansicht von Leloir von der
Bedeutung der Quantität in der Frage der Virulenz.
Yerneuil bekämpft diese Ansicht, da doch bei kalten Abscessen
und bei Gelenksfungis fast gar keine Bacillen gefunden werden und
dennoch die mit diesen Produkten geimpften Meerschweinchen alle
tuberculös werden.
Cornil bemerkt hierzu, dass die Abwesenheit von Bacillen noch
nicht jene von Sporen involvirt.
Behandlung der chirurgischen Tuberculose
mittels Wärme.
Clado hat 6 Fälle von Gelenkstuberculose auf der Klinik von
V e r n e u i 1 mittels hoher Temperaturen behandelt und 4 davon voll-
ständig geheilt. Das mit einer feinen Watteschicht bedeckte kranke
Glied wurde in einen ad hoc konstruirten aus heissen Ziegelsteinen
gebauten Ofen gesteckt und eine Stunde darin belassen. Die an der
Haut des erkrankten Gliedes gemessene Temperatur zeigte 110°.
Die Kranken vertragen diese Temperatur ganz gut und klagen nur
anfangs über ein Gefühl von Hitze.
Verbreitung von Tuberculose durch Nahrungsreste
von Phthisikern.
Schonll (Tunis) hat die Entwickelung der Tuberculose bei 2
Katzen beobachtet, die mit Nahrungsresten einer jungen phthisi-
schen Frau gefüttert wurden und durch diese Beobachtung angeregt,
folgende Versuche angestellt: Von 3 jungen Katzen wurden 2 mit
den Nahrungsresten von Phthisikern, die dritte mit solchen von ge-
sunden Personen genährt. Die ersteren gingen an einer allgemeinen
Visceraltuberculose zu Grunde, die letztere blieb gesund. Die daraus
sich ergebenden hygienischen Folgerungen liegen auf der Hand.
Mlgnin und Mosny: Ueber Pseudotuberculose der
Hasen. Verff. haben tuberculose Läsionen in den verschiedensten
Organen bei Hasen beobachtet, die durch eine Epidemie unbestimmter
Art dezimirt wurden. Es handelt sich nicht um eigentliche Tuberkel
776 tf weiter fuberculoM'ttongre**
als vielmehr um rein entzündliche Knötchen ohne Riesen- und Epithelial-
zellen. Auch konnten mit den gewöhnlichen Färbemethoden keine
Tuberkelbacillen nachgewiesen werden, hingegen war es möglich, eine
Bacillus herauszuzüchten, der bei Meerschweinchen genau dieselbe
Erkrankung wie bei den Hasen hervorrief. Dieser Bacillus, dessen
Enden sich sehr gut färben , während das Centrum die Farbstoffe
nur schwer annimmt, ist ein obligater Aerobe, der sehr gut auf Agar
Gelatine und Bouillon gezüchtet werden konnte.
Ueber die relative Häufigkeit der verschiedenen Arten
der Ansteckung mit Tuberculose.
Arthaud stellt auf Grundlage von genauen UnterBuchungen tn
Hunderten von Fällen die Behauptung auf, dass 80 °/0 der acquirirtat
Tuberculosen in infizirten Lokalen Zustandekommen; in Lokalen, wo
viele Arbeiter sich aufhalten, fanden sich 50 °/0 derselben tnberculcs.
wovon 60 °/n durch ihren Aufenthalt in infizirten Lokalen es geworden
sind. Die fortgesetzte Untersuchung hat ergeben, dass mindestens
ein Aufenthalt von einem Monat in einem Lokale nothwendig ist, om
eine Haftung der Tuberculose herbeizuführen. Aus seinen Beobachtun-
gen zieht A. den Schluss, dass es nothwendig ist, energische prophy-
laktische Massregeln gegen die Verbreitung der Tuberculose auf diesem
Wege zu ergreifen und schlägt folgende Resolution vor:
1) Die obligatorische Anzeige aller Todesfälle von Tuberculose.
2) Die obligatorische Desinfektion der suspekten Lokalitäten.
3) Die spezielle Ueberwachung der Hotels in den Städten uod
in Bädern und öftere Desinfektion solcher Lokalitäten.
4) Die Plakatirung der hygienischen Vorschriften in den der
Ueberwachung unterworfenen Lokalen und Desinfektion dieser Lokale
im Falle einer konstatirten Epidemie.
Prophylaxe der menschlichen und thierischen
Tuberculose.
Arlolng (Lyon) bekämpft die von den Thierzüchtern und Land-
wirthen gegen das Verbot des Genusses von Fleisch tuberculöser
Thiere erhobenen Einwände. Der Einwand, dass die Tuberculose
des Rindes nicht identisch ist mit jener des Menschen, ist durch
zahllose Versuche hinlänglich widerlegt worden. Es wurde ferner
behauptet, dass die Virulenz des Fleisches tuberculöser Thiere, bei
Einführung ins subkutane Zellgewebe, eine so minimale ist, dass sie
bei Ingestion in den Darmtractus ausser Betracht kommt. Nun ist aber
der Darmkanal für die Entwicklung der Tuberculose sehr geeignet,
wenngleich in geringerem Masse, als das Peritoneum oder das Binde-
gewebe. Das Kochen des Fleisches ist kein radikales Mittel, wenn
es nicht bis zur Gerinnung des Eiweisses des Saftes in allen Theilen
des Muskels getriebep wird. Nach den diesbezüglichen Erfahrungen
lässt sich berechnen, dass durch Genuss des in gewöhnlicher Weise
gekochten Fleisches tuberculöser Thiere jährlich 163300 Meerschwein-
chen in Baden, 156700 in Paris uud 23000 in Lyon tuberculös ge-
macht werden können. Man kann daraus einen Schluss auf die Ge-
fahr des Genusses eines solchen Fleisches ziehen. Was nun den
Zweitor Tnbercalose-Kongreas. 777
cbaden betrifft, der durch das Verbot tuberculösen Fleisches den
Besitzern desselben erwächst, so könnte derselbe zum Theil dadurch
osgeglichen werden, dass dieses Fleisch durch Hitze sterilisirt und
u Konserven, Fleischextrakt etc. verarbeitet wird. Der noch blei-
ende Schaden könnte durch eine geringe Steuer für jedes geschlach-
&te Thier ersetzt werden.
Nocard (Paris) hält die Zahl der tuberculösen Rinder für viel
löher, als sie Arloing angibt (5°/00).
Trasbot fordert die Auflösung der bestehenden Privatschlacht-
läuser und Ersatz derselben durch öffentliche, einer strengen Eon-
rolle unterworfene Schlachthäuser.
Laquerri&re macht auf die Notwendigkeit behördlicher Deber-
rachung der Meiereien aufmerksam.
Espina y Capo (Madrid) schlägt nächst der individuellen Pro-
)hylaxe folgende allgemeine Massregeln vor:
1. Isolirung armer Tuberculöser in eigenen Etablissements.
2. Möglichste Isolirung der Tuberculösen in Familien.
3. Vernichtung der Produkte von Phthisikern durch Feuer, ins-
besondere der Sputa und Faeces.
4. Vernichtung durch Feuer der Effekten, Wäsche und Kleider
reicher Phthisiker und Desinfektion des Efiektenmateriales der
Spitäler mittelst Wasserdampf; Desinfektion der Wohnungen
mittelst Kalk und Sublimat, wenn möglich auch durch Schwe-
felräucherungen.
5. Verhinderung der Verehelichung Tuberculöser oder, wenn dies
nicht möglich, Verbot des Stillens durch die Mutter, sorg-
fältige Ammenwahl und möglichste Isolirung des Neugeborenen
von den Eltern.
6. Athmungsgymnastik für disponirte oder von tuberculösen
Eltern stammende Kinder.
7. Vernichtung der tuberculösen Thiere und ihrer Produkte.
8. Organisirung internationaler Comitäs zur Realisirung der be-
schlossenen Massnahmen.
Tison macht darauf aufmerksam, dass die geistigen Getränke
den Boden für die Ent Wickelung der Tuberkelbacillen vorbereiten, in-
dem sie Afiektionen verschiedener Organe und Zirkulationsstörungen
verursachen.
Landouzy verliest eine Mittheilung Bouland's (Limoges)
über den Einfluss des Kaoltn-Staubes auf die Tuberculose der
Porzellan-Arbeiter. Schon seit langer Zeit wurde die Häufigkeit
von Lungensklerosen bei Porzellanarbeitern beobachtet. Der Kaolin-
staub ruft in den Lungen einen Reizzustand hervor, der eine Ein-
trittspforte für die Bacillen abgibt. Interessant ist aber der lang-
same Verlauf dieser Erkrankung, indem die Gelegenheitsursache der
Tuberculose auch eine Einschränkung des Prozesses bildet Um den
als Fremdkörper fungirenden Staub findet ein Zufluss von Lympho-
zyten statt, der von einem sklerosirenden Prozess gefolgt ist, welcher
*« Ausdehnung der kleinen bacillären Herde einschränkt.
?78 V«m Lttteraiar
TuberculOse Hydrocelen.
Ttfler (Paris) hat in 4 Fällen tob Hydrocele vaginalis m
Folge von Hodentnbercnkme die Flüssigkeit mikroskopisch untersucht
und keine Tuberkdbadllen gefunden, die Dcfterirapfong der Flftssi?*
heit erzeugte aber bei Meerschweinchen eine allgemeine Tubercokee
Hemilaterale Tabercnlose.
Clmdo (Paris) hat 6 F&Ile von Tnbercnlnse beobachtet, die trotz
langer Daner immer nur auf eine Körperhälfte beschränkt blieb.
Er hat auch 2 Fälle beobachtet, in welchen die hemilaterale Tuber-
culose sich mit Fibrom resp. Adenom der 'Mamma der entgegen-
gesetzten Seite vergesellschaftet hatte.
Von den verschiedenen Mitteilungen Aber die Behandlung der
Tnbercalose ist die von Gtlmbert (Cannes) Ober die Anwendung
subkutaner Injektionen von Kreosot am meisten bemer-
kenswerte. Er gebraucht eine Lftsun* von 1 g Kreosot in 20 e
neutralem Olivenöl. Er beginnt mit 0,50 mid steiet Mb m 3—4 *
Kreosot. Mit dieser Methode will G. zweifellose Heilengen erzielt
haben. Schiirer (Wien). J
Neue Lltteratur
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De. Asraim Wübzbui6,
te IiIwrHchro G«Nindhettsaato Ja ]
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en 1890. (Annal. de l'lnstit Pasteur. 1891. No. 10. p. 649—660.)
Durch ein Versehen beim umbrechen der Kummer 10 Ist die Figur auf der
Seite 668 umgedreht worden , so das* dieselbe auf dem Kopf steht. Obgleich der Irr-
thum beim Jüesan des Textes sofort auffallen wird, mochten wir doch noch ausiritakltan
auf denselben hinweisen und die Nachsicht der geehrten Leser erbitten.
Bio ▼erls^buchjiandluiig.
Inhalt.
Bai**, J.f Apparat Mai AWmnlsn von
Bakterien-Kolonien. (Orig.), p. ff 21.
. . ?ohor, Ueber die fragliche Immunisation
UtiveinlkroWocneniiscks Analyse. (Orig), darch Alkalisation mittelst Natrium M-
P- 728. carbonieum. (Orig.), p: 786.
örtginalmittheiltuigen,
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Inhalt
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logischen Blutes, p. 753.
Faaio, E., Concorrenza vitale fra i bacteri
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e del tifo, p. 761.
Gaertner, 0. und Boemer, Fr., Ueber die
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Ctottsteln, A., Zusammenfassende Ueber-
siebt über die bakterieuvernichtende
Eigenschaft des Blutserums, p. 758.
Xetiehnikoff et Boux, Sur la proprio
bacterieide du sang de rat, p. 756.
Ogata, Ueber die Immunität sfrage, p. 754.
Fetennann, Sur la substance bacterieide du
sang decrite par le professeur Ogata,
p. 755.
Beraflni et Erriquea, Süll1 asione dell
sangue di animali immuni inoculato
ad animali suscettibili pel carbonchio,
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crobes dans l'organisme animal, p. 758.
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Arloing, Ueber erbliche Uebertrsgung :«r
Immunität, p. 762.
Bang, Uebertragbarkeit der TabercBk«
von Thieren auf den Menschen, p. TT:
Bnrdon-Sanderaon , Ueber die Aetio^
der Tuberculosen p. 769.
I de Christina*, J., Etüde sur les subatisca
microbieides du serum et des orgiss?
d'animaux k sang chaud, p. 766.
Xe Fadyean und Sims Woodhead. 6
Ueber die Uebertragung von TubercaLs*
von Thieren auf Menschen durch Flebd
und Milch tuberculöser Thiere, p. TT:
Ehrlich, Versuche über die Wirkungen ft>
I Ricins und des Abrins, p. 765.
1 Hamilton, Ueber swei Hauptansiedelu«>
punkte für die Tuberkel, p. 773.
Hueppe, Die ImmuoitäUfrage, p. 763.
Kitasato, Heil- und Immuiusirungkversed«
bei Tetanus, p. 762.
Klein, Ueber chemische Beeinflussung de
Säfte, p. 764.
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Vibrio Metschnikovi, p. 764.
: Zweiter Tub ercu lose -Kongreß
(Fortsetxung), p. 774.
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tuberculöser Produkte, namentlich dö
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I Megnin und Xoany, Ueber Pseudotub«
culose der Hasen, p. 775.
Sohoull, Verbreitung von Tuberculose dnrd
| Nahrungsreste von Phthisikern, p. «1*
Tuifter, Tuberculose Hydrocelen, p. 778.
Heue Litteratur, p. 778.
Fromnuumsch« Bachdrucker«! (Hermann Fohle) in Jena.
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
Ml M. Prot Dr. Leockart m Professor Dr. Lufler
In Ltfpilff ta OietfrwaM
herausgegeben von
Dr. O. TThlvorm in CasseL
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
X. Band. -©- Jana, den 22. December 1891. -*- No. 84»
PrtU für den Band (86 Hummern) 14 Hark.
Jibrlieb erseheinen swei Binde.
—r|i Zn beziehen dnreb alle Buchhandlungen and Poetanstalten. I«—
Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Parasiten-
kunde" richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wünsche um Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Auf'
*ätze entweder bei der Binsendung der Abhandlungen an die
Redaktion auf das Manuskript schreiben zu wollen oder spä-
testens nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an
den Verleger f Herrn QusUw Fischer in Jena, gelangen zu
lassen* Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
eingehende Wünsche berücksichtigen zu können.
Original - Mittbeilungen.
Ein Fall von Heilung des Tetanns tranmaticns durch
das von Prof. Guido Tizzoni und D™ Oattani
bereitete Antitoxin des Tetanns.
Von
Dr. Rudolf Schwarz,
Assistenten an der chirurgischen Klinik
in
Padua.
In einer Reihe von Aufsätzen, welche im Laufe dieses Jahres er-
schienen sind, haben Prof. Tizzoni und D* Cattani darüber
*•*. 60
786 Schwan,
berichtet, dass es ihnen gelangen sei, zuerst für Tetanus wenig
empfängliche Thiere, und sodann solche gegen denselben immun zu
machen, welche für diese Infektion sehr empfänglich sind, und das
sie gefanden haben, dass das Blutserum derselben eine antitoxische,
immunisirende and heilende Wirkung auf das Tetanusgift ausübe >\
Nachdem sie die Eigenschaften des Stoffes untersucht hatten, wel-
chem das Serum diese Wirkung verdankt, gelang es ihnen, denselben
in festem Zustande zu erhalten, indem sie ihn durch Alkohol nieder-
schlugen und das Präzipitat im leeren Räume austrockneten ; dabei erhielt
es seine antitoxische, immunisirende und heilende Kraft unverändert.
Es blieb noch übrig, zu untersuchen, wie dieser Stoff, den wir
der Kürze wegen „Antitoxin des Tetanus" nennen wölk», sich za
der Heilung dieosr Krankheit beim Menschen verhielte.
In der That, wenn man bedenkt, dass der Tetanus beim Mensches
fast immer viel langsamer verl&uft, als der bei Thieren durch das
Experiment hervorgerufene, und dass eine spontane Heilang desselben
beim Menschen möglich ist, was bei den Thieren niemals oder doch
äusserst selten der Fall ist, so kann man glauben, dass der Mensch
sich gegen das Antitoxin des Tetanus wie die für die Tetanusinfeküon
am wenigsten empfänglichen Thiere verhalten, dass sich also bei ihm
die heilende Wirkung des Antitoxins zeigen werde, wenigstens wenn
man beim ersten Erscheinen der tetanischen Symptome eingreift
Erst vor kurzer Zeit hat Dr. Gagliardi aus Molinella in der
Provinz Bologna in einem schweren Falle von Tetanus mit Vortheü
das ihm von Prof. Tizzoni gelieferte Antitoxin in Gebrauch ge-
nommen, und zwar das aus dem Blutserum eines immunen Hundes
gewonnene. Ein Gramm davon hatte hingereicht, um alle Tetanus-
erscheinungen aufzuhalten und zum Verschwinden zu bringen, und
dem Kranken die volle Gesundheit wiederzugeben. Die Geschichte
dieses Falles ist jedoch noch nicht veröffentlicht worden.
Dagegen mache ich den zweiten Fall von Heilung des Tetanus
durch dasselbe vom Hunde stammende Antitoxin bekannt und thoe
es um so lieber, da ich alle darauf bezüglichen Experimente verfolgt,
und als Assistent beim Lehrstuhl der allgemeinen Pathologie in
Bologna selbst mit Prof. Tizzoni an ähnlichen Untersuchungen über
eine andere Infektionskrankheit gearbeitet habe, wobei ich mich völlig
davon überzeugte, dass man auch in der Praxis günstige Resultate
damit gewinnen würde.
Giansello Luigi aus Villafranca Padovana, ein Bauernknabe
von 15 Jahren. Seine Eltern und Bruder leben und sind gesund.
Nur eine Schwester desselben hatte sich vor einigen Jahren bei der
Feldarbeit verwundet, wurde nach mehreren Tagen von Tetanus be-
fallen und starb daran. Er hatte früher an keinen erwähnenswertheu
Krankheiten gelitten.
1) Tizzoni e Cattani, Sul modo di conferire ad alcuni animali rimmnnit*
contro il tetano. Letta alla R. Accad. delle scienze di Bologna addi 11 gennaio 1891.
(Rif. med. No. 10. Genn. 1891.) — Tizzoni e Cattani, Sülle proprieta deir anti-
tossina del tetano. Letta alla R. Accad. dei Lincei il 5 aprile 1891. (Rif. med. No. 102
Maggio 1891). — T i s so n i e Cattani, Ulteriori ricerche »alla antitoasina dal tetano.
Letta alla R. Accad' dei Lincei addi 10 Maggio 1891. (Rif. med. No. 126. 1891.) —
Tissoni e Cattani, L'immunitä contro il tetano, stndlata negll animali molto
recettWi per qnesta infesione (cavia, conigllo, topo). (Rif. med. No. 188—84. Agosto 1891 1
Ein Fall von Heilang des Tetanus traumaticus durch Antitoxin des Tetanus. 787
Gegen den 20. August d. J. zerschnitt er eine Nuss, welche er
an demselben Orte von der Erde aufgenommen hatte, wo sich vor
Zeiten die Schwester verwundet hatte, und verursachte sich dabei
eine Wunde, ungefähr einen Centimeter lang, in der untern, vordem
Ulnargegend der linken Seite, welche in der Längsrichtung des Glieds
verlief, tief war und wahrscheinlich die Ulnararterie mit betraf1)- ^ur
Blutstillung benutzte man in der Wohnung des Kranken gesammelte
Spinnweben und eine Druckbinde. Nach einigen Tagen, nach Ab-
nahme der letzteren, trat die Hämorrhagie wieder auf, was die Eltern
zwang, den Burschen nach der Klinik des Hospitals in Padua zu bringen,
wo der Blutfluss gestillt, die Wunde nach Vorschrift behandelt und
mit Jodoformpulver bestreut wurde. Dieselbe heilte bald vollständig zu.
Aber am 4. September fing der Kranke an, Zusaromenziehungen
der Muskeln des linken Vorder- und Oberarmes zu zeigen. Am
folgenden Tage trat Erschwerung des Oeflhens der Kinnladen auf,
welche am 6. vollkommen unmöglich wurde, während die Bewegungen
der Beine sich immer schwieriger gestalteten und alle Muskelgruppen
eine gewisse Steifheit angenommen hatten. Der Bursche wurde unter
diesen Umstanden am 7. in das hiesige Hospital aufgenommen, und
zwar in die chirurgische Abtheilung unter Prof. Alessio's Leitung.
Hier beobachtete man Zosammenziehungen aller Muskeln des
Gesichts, besonders der Kaumuskeln, so dass das Gesicht einen be-
sonderen Ausdruck angenommen hatte und das Kauen unmöglich
war ; Pupillen gleich gross, ein wenig mydriatisch ; verhältnissmässige
Starrheit, besonders der Muskelgruppen des Rumpfes und der Glieder,
aber vorzüglich des verwundeten Armes. Keine Uebertreibung der
Reflexe. Untersuchung der inneren Organe negativ. Man diagnosti-
zirte Tetanus traumaticus.
Man unternahm sogleich die Behandlung mit Chloral und warmen
Badern. Der beschriebene Zustand blieb einige Tage lang derselbe
und verschlimmerte sich dann.
Die Starrheit der Muskeln nahm zu, der Mund öffnete sich nur
7 2 Centimeter weit, so dass der Kranke nur flüssige Nahrung
zu sich nehmen konnte. Bisweilen bei Tag, häufiger in der Stille
der Nacht, wenn er ein plötzliches Geräusch hörte, hatte er Anfälle
von stärkerer Muskelspannung, welche sich bald auf den verwundeten
Arm beschränkte, bald eine grössere Zahl von Muskelgruppen einnahm
und Opisthotonus hervorbrachte. Dauernde Erschwerung des Athmens.
Am 16. September wird jede Behandlung ausgesetzt. In der
Nacht hat der Kranke 8—9 Anfälle von tetanischen Kontrakturen, von
kurzer Dauer, von starker Athmungsbeschwerde und leichtem Opistho-
tonus begleitet.
Derselbe Zustand dauerte den 17. fort. Am 18. untersuche ich
den Kranken zugleich mit dem Sekundärarzt Dr. Preto und dem
Praktikanten Dr. Ars! an.
1) Eine kleine Menge von der Erde jenes Feldes wurde unter die Rückenhaut
»oes Kaninchens eingebracht und verursachte nach 3 Tagen das Auftreten der ersten
Symptome des Tetanus und den Tod des Thieres am 5. Tage, nachdem es das klassische
Bild des Tetanus dargeboten hatte. Kulturen derselben Erde in Fleischbrühe gaben
ebenfalls positive Resultate durch das Auftreten des bekannten Tetanusbacillus.
50*
788 8ehwar»f
Der Bursche zeigt einen massigen Ernährungszustand. Die deut-
liche Zusammenziehung aller mimischen Gesichtsmuskelo gibt da
Physiognomie ein ganz besonderes, starres Ansehen. Die Masaetera
zeigen sich bei der Berührung hart, resistent, die Kinnladen öffsca
sich nur 1 Centimeter weit Die Pupillen sind mydriatisch, reagira
aber gut Der Geist ist munter, die Bede etwas schwerfällig. Die
Sterno-cleido-mastoidei und die Nackenmuskeln sind gleicher Weise
zusammengezogen ; der Bauch ist gespannt, die Muskulatur so hart
dass sie sich wie ein Brett anfühlt Die langen Rückenmuskelo
gleichen starren, gespannten Strängen. Die des linken Oberarmes
sind stark kontrahirt, der Vorderarm ist auf den Oberarm zurück-
gebogen, auch die Finger sind eingebogen, die nach der Hand gehe*
den Sehnen drängen sich stark durch die Haut hervor. In der vor-
dem, untern Ulnargegend befindet sich eine schmale, ungefähr eine»
Centimeter lange Narbe, parallel mit der Achse des Glieds. Die
Muskeln des linken Armes sind weniger zusammengezogen.
Die Muskulatur der Beine ist ebenfalls missig starr; alle passiv
ausgeführten Bewegungen sind gehemmt Wenn man den Kranken
aus dem Bette steigen lässt, so kann er nicht allein stehen and
macht mit Mühe einige Schritte, wenn er gehalten wird. Das linke
Bein bewegt sich in einem Stück, das rechte ist etwas beweglicher
Der Puls ist kräftig, ein wenig frequent (96), der Rhythmus des
Athems ziemlich regelmässig; die Temperatur hat während seines
Aufenthalts im Hospitale zwischen 37 ° und 37,6 * geschwankt.
Da die bisherige Behandlung mit Chloral und warmen Baders,
sowie auch Injektionen von Phenylsäure nach der Methode wo
Bacelli unwirksam gewesen waren, so beschloss man, an demselben
Tage (18.) um 3 Ohr Nachmittags, eine erste subkutane Einspritzung
einer wässerigen Lösung von 16 cg Antitoxins zu machen , welches,
wie gesagt, aus dem Blutserum eines gegen Tetanus sehr stark im-
mun gemachten Hundes stammte und mir von Prof. Tizzom
freundlichst übersandt worden war.
Ich hatte diese Substanz in einem durch Hitze sterilisirteo
Mörser zerrieben und sterilisirtes, destillirtes Wasser hinzugefügt
bis ich etwas wie eine massig flüssige Gummiemulsion erhielt, was
durch ungefähr 3 ccm Wasser erreicht wurde. Die so erhaltene
Flüssigkeit wurde vermittelst einer durch Hitze sterilisirten Pra v an-
sehen Spritze unter die Haut injizirt, nachdem deren entsprechende
äussere Oberfläche gut desinfizirt worden war. In Folge der Injek-
tion beklagt sich der Kranke über starkes, örtliches Brennen. Dm
7'/t Uhr bemerkt man noch keine Abnähme der Symptome, aber
der Kranke versichert, er befinde sich besser. Er ist munterer, be-
hauptet freier zu athmen , auch die Gelenke des linken Armes seien
freier. Von 7—10 Dhr liegt er in reichlichem Schweiss. Puls and
Respiration haben nur unmerklich geschwankt, nur die Temperatur
fiel ein wenig gegen 7 Uhr, also 4 Stunden nach der Injektion. Von
37,6 ° ging sie auf 37 ° herab, um dann wieder auf 37,3° anzusteigen*
Während der Nacht hatte er zwei Anfälle von kurz dauernden Kon-
trakturen, welche durch Geräusche im Saal verursacht wurden.
Am 19. um 8 Uhr Morgens finde ich den Kranken ungefähr in
demselben Zustande, wie am vorhergehenden Tage.
Ein Fall Ton Heilung des Tetanol tramnatieus durch Antitoxin des Tetanus. 789
Es wurden wieder 15 cg Antitoxins injizirt.
Man beobachtet keine merkliche Veränderung im Pulse und in
der Temperatur, noch auch in dem allgemeinen Zustande.
Um 3 Uhr Nachmittags wird der Kranke in den Operationssaal
geschafft und in der Chloroformnarkose die Entspannung der Wunde
ausgeführt, ein Stück davon entfernt1), mit Sublimatlösung zu
3% und Höllensteinlösung zu 4°/0 desinfizirt und die Wunde
verbunden. Während der Kranke noch schläft, werden ihm wieder
20 cg Antitoxins injizirt.
Beim Erwachen aus dem Ghloroformschlaf beklagt sich der
Kranke über starke Schmerzen in der Hand, weint lange und beruhigt
sich dann. In der 4. bis 6. Stunde nach der Injektion hat er stark
geschwitzt Die Temperatur von 38,1 °, welche um 4 Uhr Nachmit-
tags gefunden wurde , fiel allmählich auf 36 ° um 7 Uhr und stieg
wieder auf 38,8 ° um 10 Uhr Abends. Während der Nacht ruhiger
Schlaf, kein Anfall
Am folgenden Morgen (20. Sept.) fand ich den Kranken merklich
besser. Das Gesicht ist viel weniger kontrahirt, die Pupillen weniger
erweitert, er öffnet einigermassen den Mund. Die Bewegungen der
Arme, besonders die des verwundeten Gliedes, sind freier. Die ver-
schiedenen Muskelgruppen fühlen sich weniger gespannt an, als an
früheren Tagen. Aufgefordert, das Bett zu verlassen, geht er ein
wenig steif einher, aber ohne zu wanken oder gestüzt zu werden.
Der Patient selbst versichert auf Befragen, er befinde sich viel besser,
was auch die andern Kranken des Saales finden; seine Sprache ist
leichter.
Trotz dieser merklichen Besserung wird um 3 V* Uhr Nachmit-
tags eine neue Einspritzung von 25 cg Antitoxin ausgeführt. Darauf
folgt die gewöhnliche Temperaturerniedrigung von 38,1 ° auf 36,3 °
gegen 10 Uhr Abends, um gegen 2 Uhr Morgens am 21. wieder auf
36,9° zu steigen. Leichter Seh weiss, ruhige Nacht mit ununter-
brochenem Schlaf.
Am 21. bemerkte der Kranke eine auffallende Besserung. Die
Spannung aller Muskelgruppen ist auffallend vermindert, er beugt
die Glieder mit Leichtigkeit, sein Gang ist sicherer, aber ein wenig
krampfhaft.
Um 5 Uhr Nachmittags mache ich wieder eine Injektion mit
25 cg Antitoxins. Ich bemerke die gewöhnliche Temperaturernied-
rigung von 37,6 ° um 5 Uhr Nachmittags auf 36 * um 9 Uhr Abends,
aber keine Schweissabsonderung.
Am 22. ist die Besserung aller Symptome sehr auffallend. Das
Aussehen des Gesichts ist normal, Pat. öffnet den Mund massig und
führt feste Nahrung ein, welche er gut kaut und verschluckt, der Ap-
petit nimmt zu, die Bewegungen aller Glieder sind schnell und aus-
gedehnt, er bewegt mit Leichtigkeit den verwundeten Arm und die
Finger der Hand, welche vorher beständig kontrahirt waren. Er
geht, ohne zu schwanken.
Am 23. befindet sich der Kranke wohl, bringt einige Stunden
1) Es war mir nicht möglich, durch Kultur in Fleischbrühe in dem abgetragenen
Stackchen die Gegenwart Ton TetanoabacUlen nachzuweisen.
790 Schwärs, Ein Fall von HeUnnf des Tetanol tnmnatieiis etc.
ausserhalb des Bettes zu; alle Symptome des Tetanus sind ver-
schwunden, und es besteht nur noch ein gewisses Schwächegeföhl,
besonders in den Beinen.
Der Bursche blieb im Hospital bis zum 1. Oktober. Er wurde
immer besser, und die Kräfte nahmen zu, obgleich das Schwächege-
fühl in den Beinen noch drei oder vier Tage dauerte, nachdem er
das Bett verlassen hatte. Als er das Hospital verliess, konnte er
gehen, laufen und jede Bewegung ohne Schwierigkeit ausführen
Die Wunde wurde am 27. September und wieder am 1. Oktober ver-
bunden und war am 7. Oktober vollkommen vernarbt.
Nun noch einige Betrachtungen. Die Schnelligkeit, mit welcher
die Symptome der Krankheit nach der dritten Antitoxin -lnjektioo
verschwunden sind, beweist schon für sich die hohe Wirksamkeit
desselben in diesem Falle. Da die tetanischen Symptome, wie es bei
den Mäusen der Fall war, nicht nach der Injektion alle auf einmal
verschwanden, sondern allmählich, so ist es wahrscheinlich, dass die
dritte Injektion zur Heilung hinreichte, auch ohne die beiden, welche
später ausgeführt wurden.
Der Entspannung der Wunde und ihrer Desinfektion ist sicher
die darauf folgende Besserung nicht zuzuschreiben, denn wenn diese
auch den örtlichen Infektionsherd zerstören und die Verschlimmerung
der vorhandenen Symptome verhindern konnte, so konnte sie doch
diese nicht aufheben oder zur Rückbildung bringen, da diese, wie
man weiss, ausschliesslich von der allmählichen Absorption des Tetanus-
giftes und der durch dieses bedingten Intoxikation abhängen.
Der Unterschied in den Wirkungen der Behandlung mit Anti-
toxin und der früheren Behandlung spricht ebenfalls für den Werth
der ersteren.
Ich bin dem Prof. Alessio, Oberarzt des Saales für männliche
chirurgische Kranke, welcher die Freundlichkeit hatte, mir den
Kranken anzuvertrauen, und den Doktoren ]Preto und Arslan,
welche mich bei dieser klinischen Probe auf die durch das Experiment
erhaltenen Resultate unterstützt haben, vielen Dank schuldig und
hege das Vertrauen , dass man künftig in anderen Fällen, seien sie
auch schwerer, als der von mir beschriebene, ebenfalls die Heilung
wird erreichen können, sei es durch Anwendung einer grösseren Menge
des Antitoxins vom Hunde, sei es, indem man zu grösserer Sicherheit
das von Thieren bereitete gebraucht, welche für Tetanus empfang-
licher sind, z. B. das des Kaninchens.
Padua, Oktober 1891.
Nachtrag. Durch Privatmittheilung habe ich vor Kurzem er-
fahren, dass in der letzten Zeit noch zwei Tetanuskranke durch Be-
handlung mit Tetanus-Antitoxin geheilt worden sind. — Der eine io
Hospital von Colle di Val d'Elsa (Toscana), welcher von Dott Pacini,
der andere in der chirurgischen Klinik von Innsbruck, welcher von
Prof. N i c o 1 a d o n i behandelt wurde. Hoffentlich werden die Kranken-
geschichten bald veröffentlicht.
December 1891.
Hamann, Die kleineren Sttsswasserfische als Haupt- n. Zwischenwirthe etc. 791
Die kleineren Süsswasserfische als Haupt- und Zwischen-
wirthe des Echinorhynchus proteus Westr.
Von
Dr. Otto Hamann,
Privatdosenten in
Göttingen.
Vor kurzem konnte ich die interessante Thatsache bekannt geben1),
dass Echinorhynchus proteus zwei Zwischenwirthe besitze,
einen Krebs, Gammarus pulex, wie wir durch Leuckart
wissen, und ausserdem die kleineren Fischarten unserer Flüsse, wie
Phoxinus laevis, Gobitis barbatula, Cottus gooio,
Gobio fluviatilis, Gasterosteus aculeatus und G. pun-
gitius. Es ist dieser Wurm der einzige Parasit, der Vertreter
zweier verschiedener Typen, Arthropoden und Vertebraten, zu
Zwischenwirthen besitzt. In der Leber der genannten Fische
trifft man zu jeder Jahreszeit die Larven in vollständig ausgebildetem
Zustande an. Am meisten ist Phoxinus laevis von ihnen heim-
gesucht, und ich habe in den aus dem Leinefluss stammenden Thieren
nicht eins ohne die Larven getroffen.
Wie ich bereits nachgewiesen habe, stimmen diese Larven aus
den Lebern der Fische im Bau mit denen aus der Leibeshöhle von
Gammarus vollständig überein. Nicht nur die Haken, ihre Anzahl
und Gestalt, sondern auch der histologische Bau ist bei beiden
ganz der gleiche.
Das gewöhnliche Vorkommen ist nun, dass diese Fische, neben
den Larven in der Leber, die geschlechtsreife Form des Echino-
rhynchus im Darme beherbergen. Wie die Trichine, die als unreife
Larve uud geschlechtsreife Form in ein und demselben Wirthe lebt,
so auch dieser Kratzer. Ist nun auch für mich jeder Zweifel an der
Identität beider Larvenformen, der aus die Leber des Fisches und
jeuer aus der Leibeshöhle des Krebses, dadurch beseitigt, dass es
mir gelang, aus den Leber-Larven den Debergang in die geschlechts-
reife Form im Darm der Forelle nachzuweisen, so könnte man doch
immer noch den Einwurf machen, dass es sich um ein zufälliges
Verirren der Echinorhynchus -Larven in die Leber der Fische
bandele. Allein ich bin jetzt durch weiteres Untersuchen der Fische,
Monat für Monat, zu dem sicheren Ergebnisse gekommen, dass sich
die grösseren Raubfische, vor allem die Forellen, hauptsächlich durch
die kleinen Fische, die ihnen zur Nahrung dienen, mit den Larven
mfiziren, während die letzteren vom Gammarus, der für sie als
Hauptnahrung dient, Eier und Larven beziehen. Wir haben uns vor-
zustellen, dass Fische, wie Phoxinus und die oben genannten, mit
dem Gammarus Eier des Echinorhynchus in allen Entwicke-
1) Hamann, Die Neinathelminthen. Beitrage sur Kenntnis« ihrer Entwicklung,
tores Baues and ihrer Lebensgeschichte. Erstes Heft: Monographie der Echinorhynchen.
J«na 1891.
792 zsohokk«,
lungsstadien aus seinem Darme, sowie ausgebildete Larven, ans
seiner Leibeshöhle, aufnehmen. Die Eier wie die Larven gelangen
in den Fischdarm; aber nur letztere entwickeln sieh an Ort qd4
Stelle zu geschlechtsreifen Würmern, während aus den Eiern die
jungen Embryonen ausschlüpfen, durch die Darmwand hindurch m
die Leibeshöhle des Fisches gelangen und sich endlich in der Leber
festsetzen und einkapseln. So kommt die Tbatsache zu Stande, dass
derselbe Fisch sowohl die geschlechtslose Form, wie das Geschlechts-
thier beherbergen kann.
Eine Bestätigung, dass das Vorkommen in der Flachleber nicht
ein zufälliges, sondern ein normales ist, finde ich in Folgendem.
Das hiesige zoologische Museum besitzt neben der aus etwa 80C
Nummern bestehenden Mehlis'schen Parasitensammlung, die duret
mich vor kurzem aufgestellt worden ist, Tagebücher und Manuscripte
dieses Forschers, von denen der grösste Theil aus den Jahren 1826
bis 1830 stammt. Herr Dr. von Linstow, der diese unedirt ge-
bliebenen Schriften einer Durchsicht unterzog, machte mich auf eine
kleine beiläufige Bemerkung aufmerksam, die besagte, dass bereits
Mehlis diese in der Leber von Phozinus laevis befindlichen
Echinorhynch us -Larven aufgefallen waren, zumal sie stets in
mehreren Exemplaren, ich fand bis 20, auftreten. Es ist diese
Mehlis'sche Bemerkung deshalb von Wichtigkeit, weil sie das Er-
gebniss meiner dreijährigen Beobachtungen in schöner Weise bestätigt
Das Vorkommen der Larven in der Fischleber, das zu so verschie-
denen Zeiten beobachtet worden ist, ist somit nicht ein zufälliges,
sondern es gehört der kleinere Fisch, als Zwischenwirth und Nahrung
für den Raubfisch, in den normalen Entwickelungskreis des Echino-
rhynchus proteus. Dabei ist es nicht ausgeschlossen, dass die
Raubfische sich ausserdem durch Verzehren der Krebse auch auf
diese zweite Weise mit Würmern infiziren.
Göttingen, 30. Oktober 1891.
Die Parasitenfauna von Trutta salar.
Von
Prof. Dr. F. Zsehokke
in
Basel.
(Fortsetzung.)
Stellen wir dem Bilde der Parasitenfauna aus dem Rheinlachse
nunmehr dasjenige des Helminthenbestandes von im Meere erbeuteten
Exemplaren der Trutta salar entgegen. Aus der Ostsee konnten
34 Lachse untersucht werden. Es waren alles wohlgenährte, fette
Individuen, deren Magen oft noch mehr oder weniger kenntliche Reste
mariner Fische, speziell von H&ringen, enthielt. Einmal fanden sich
auch Spuren eines Insekts.
Sämmtliche Ostseelachse waren Parasitenträger. Folgende
Schmarotzer bewohnten ihre verschiedenen Organe:
Die Parasiten faana* ron Trntta salar.
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§
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e
n
s
794 2sobokke,
Der Reichthum der Ostseelachse an verschiedenen Parasiten ist
ein recht bedeutender ; er übertrifft denjenigen der Rheinlachse. Beim
Bewohner des Baltischen Meeres kommt eine Schmarotzerart je auf
2,8 untersuchte Exemplare des Fisches, beim Rheinsalm erst auf 6,45.
Den Lachsen beider Lokalitäten sind gemeinsam 7 Schmarotzer-
formen, davon beherbergt der Ostseefisch bedeutend häufiger 5
(Ascaris adunca, Ascaris communis, Echinorhynchu*
acus, Bothriocephalus infundibuliformis und Bothrio-
cephaluslarve spec. II). Distomum varicum ist im Rheine
etwas, Ascaris capsularis sehr viel häufiger, als in der Ostsee.
Im Rheinsalm fanden sich nicht: Ascaris Aculeati, Echioo-
rhynchus pachysomus, Distomum appendiculatum und
die Larven von Bothriocephalus spec. IIL und Triaeno-
phorus nodulosus. Echinorhynchus pachysomus ist
ausser im Ostseelachs bis jetzt nur noch in schottischen Exemplaren
von Trutta salar gefunden worden. (Siehe M'Intosh.) Die
Individuenvertretung der einzelnen Schmarotzerarten in der Trutta
salar der Ostsee ist oft eine recht bedeutende, und zwar sind e>
wiederum die häufigen Parasiten, die auch die zahlreichsten Indivi-
duen stellen.
Immer zahlreich, oft in gewaltiger Menge, befällt der Bothrio-
cephalus infundibuliformis den Ostseelachs. Wiederholt
wurden in den prall aufgetriebenen Pyloranhängen 150 — 200 ausge-
wachsene Exemplare des Wurmes gefunden. Auch jüngere und jüngste
Stadien desselben waren oft massenhaft vertreten. Solche Massen-
infektionen blieben uns für den Rheinlachs unbekannt Dagegen war
Ascaris capsularis nicht nur der Häufigkeit des Vorkommens
nach, sondern auch an Zahl der gefundenen Individuen viel seltener
im Ostseelachs, als in dem vom Rheine. Distomum varicum
zeigte sich immer zahlreich, oft sogar massenhaft. In mehreren bis
vielen Exemplaren bewohnten den Ostseelachs : Distomum appen-
diculatum, Ascaris adunca, Ascaris communis, Echino-
rhynchus acus und die zwei Bothriocephalenlarven; in
seltenen oder nur einzelnen Individuen fanden sich: Ascaris Acu-
leati, Echinorhynchus pachysomus und Triaenophoros
nodulosus. Auch der Ostseelachs kann gleichzeitig mehrere Para-
sitenarten beherbergen.
Von 34 untersuchten Exemplaren trugen : keine Parasiten 0, eioe
Parasitenart 17, zwei Parasitenarten 8, drei Arten 6, vier Arten 3 Fische.
Mit den bezüglichen Verhältnissen beim Rheinlachse verglichen,
ergibt sich folgendes Bild:
Parasitenfrei: Infizirt mit: Parasiten:
12 8 4 5 Spesies
Rheinlachs: 8,1% «2,6 % 82,5 0/0 16,5 0/0 4,6 °/0 0,77%
Ostseelachs: 0 „ 50 „ 28,5 „ 17,6 „ 8,8 „ 0 „
Aus Allem geht hervor, dass die Parasitenfauna des Ostsee-
lachses reicher ist an Arten, als die 'des Rheinlachses, und dass die
sie zusammensetzenden Formen im Allgemeinen häufiger und an In-
dividuen reicher sich einstellen. Das gleichzeitige Auftreten zahl-
reicher Parasitenspezies in ein und demselben Wirth ist beim Meer-
Die PmrmaiUnfanna Ton TiutU Mlar. 795
lachse gewöhnlicher zu verzeichnen. Diese Verhältnisse würden natür-
lich besonders klar hervortreten beim Vergleiche von Meerlachsen mit
den parasitenarmen Individuen aus dem Oberlaufe des Rheins. Alles
deutet auf eine reichliche und ununterbrochene Nahrungsaufnahme
des Ostseebewohners im Gegensatze zum Rheinfische hin.
Darauf weist auch der Umstand, dass beim Lachs der Ostsee
die hinter dem Pylor liegenden Abschnitte des Darmrohrs von Wür-
mern besetzt sind, während sie beim Rheinlachs, wie bei einem hun-
gernden Meerfische, parasitenfrei bleiben. Die Ascaris adunca,
in der Trutta salar des Rheins nur im Oesophag gefunden, be-
völkerte den hinteren Darmtheil des Ostseefisches; dort fand sich
auch der Echinorhynchus pachysomus. Sogar der sonst so
streng auf die Pyloranhänge beschränkte Bothriocephalus in-
fundibuliformis setzt sich im Ostseelachse, besonders in Fällen
reichlicher Infektion, hin und wieder unterhalb des pylorischen
Theils an der Darm wand fest, ein Verhalten, das auch Braun (2)
für die Bothriocephalen der Ostseelachse kennt. Sein so über-
aus massenhaftes und regelmässiges Vorkommen in den Meersalmen,
im Gegensatz zu den Rheinlachsen, weist übrigens vielleicht darauf
hin, dass B. infundibuliformis ursprünglich eine marine Form
war, die, von den wandernden Salmoniden ins Süsswasser verschleppt,
dort günstige Lebensbedingungen, einen passenden Zwischenwirth
and in den nicht wandernden Salmoniden die gewünschten Haupt-
wirthe fand.
Die Gegenwart von eigentlichen Darmschmarotzern im Ostsee-
lachse deutet wieder auf seine reichliche Nahrungsaufnahme, die es
wohl ermöglicht, dass die abgehenden Parasiten stets durch neue Zu-
fahr ersetzt werden. Doch ist die Thatsache bezeichnend, dass der
Ostseelachs unter den Darmparasiten keine richtigen Süsswasserformen
zählt. Diese liegen, wie Ascaris Aculeati und Triaenopho-
rus nodu.losus, eingekapselt in parenchymatösen Organen oder
bergen sich, wieCucullanus elegans, in den Pyloranhängen.
Süsswasserparasiten, die das Verdauungsrohr unterhalb des Pylors
bewohnen, gehen im Meer wohl ebenso gut verloren, als marine
Dannschmarotzer im Rheine und, wie wir sehen werden, im Tay.
Die Darmbewohner des Ostseelachses sind für Trutta salar typische
Formen oder Wanderfischparasiten von im ganzen marinem Gepräge.
Gerade dieJAbwesenheit von Süsswasserschmarotzern im Darme des
Ostseelachses spricht für die Annahme, dass die Infektion mit Gucul-
lanus, Triaenophor us und Ascaris Aculeati wirklich in
den Flüssen stattgefunden hat. Es wäre ja denkbar, dass im Bal-
tischen Meer, das wenigstens in gewissen Theilen manche Süsswasser-
elemente in seiner Fauna zählt, der Lachs sich mit Parasiten des
nicht salzigen Wassers behaften könnte. Wäre dies aber wirklich der
Fall, so dürften wir wohl erwarten, hin und wieder einen Süsswasser-
parasiten im offenen Darmrohr zu finden, wie wir dies z. B. im
Lachs des Tay konstatiren werden. Die in den Flüssen stattfin-
dende Infektion deutet aber auf eine Nahrungsaufnahme im süssen
Wasser hin.
Mit vielerlei>Parasiten reich beladen, tritt der Lachs seine Reise
796 Zsehokke,
ins süsse Wasser an, das zeigt uns der parasitologische Befund der
Ostseelachse ebenso gut, als der der im untersten holländischem
Rheinlaufe erbeuteten Individuen. Während aber die Pansitenfanu
des Rheinlachses in dem Masse verarmt, als der Fisch in die höheren
Theile des Stromlaufs gelangt, bereichert sich diejenige der viele
andere Flüsse besuchenden Lachse um zahlreiche Süsswasserelememe
Wir werden dies zu zeigen haben und das sonderbare Verhältnis*
nur durch die Gewohnheit des Rheinlachses erklären können, im
Flusse zu fasten, während seine Verwandten in anderen Strömen die
Nahrungsaufnahme nicht einstellen. Ins Heer zurückgekehrt, verliert
der Ostseelachs die das offene Dannrohr unterhalb des Pylors be-
wohnenden Sü8swa&serparasiten, behält dagegen diejenigen in den
Flüssen erworbenen Gäste, die geschützte und geschlossene Organe
besiedeln.
Die Saisonvertheilung der Parasiten im Ostseelachse scheißt
keine regelmässigen Schwankungen erkennen zu lassen. Allerdings
ist das untersuchte Material etwas zu spärlich, um diese Verhältnisse
definitiv zu beurtheilen, und lagen speziell in den eigentlichen Winter-
monaten (Dezember bis Februar) keinp Lachse aus jener Gegend zur
Prüfung vor. Doch darf bemerkt werden, dass die Parasitenfiinde
sich ohne bestimmte Regel über die ganze Untersuchungsperiode ver-
teilten und reiche mit weniger reichen Ernten ohne erkennbaren
Plan wechselten. Ein allgemeines Gesetz scheint hier nicht zu existiren,
alle Schwankungen im Parasitenstande sind durch individuelle Verhält-
nisse bestimmt. Die Ernährungsweise des Ostseelachses geht offen-
bar während des ganzen Jahres keine grossen Veränderungen eis.
Bothriocephalus infundibuliformis bewohnt unseren Fisch
in allen Monaten in derselben Häufigkeit und Massenhaftigkeit Es
waren von ihm infizirt im:
März: 100 °/o August: 100 0/o
April: 100 „ September: 100 „
Mai: 100 „ Oktober: 100 „
Juni: 87 „ November: 100 „
Juli: 71 M
der untersuchten Fische.
Prüfen wir nun wiederum die Herkunft der verschiedenen Be-
standteile der Parasitenwelt des Ostseelachses, wie das für den
Rheinlachs geschehen ist. Zu den 12 selbst nachgewiesenen Parasiten-
arten gesellen wir als 13. und 14. noch den Cucullanus elegans
Zed. und das Distomum ocreatum Rud. Den ersteren ver-
zeichnet Greplin (4), das letztere Olsson (32) aus Lachsen des
Baltischen Meeres. In eine Tabelle gebracht (s. Seite 797) stellen
sich die Verhältnisse dar wie folgt:
Ein Blick auf die nebenstehende Uebersicht genügt, um uns zu
zeigen, dass die Parasitenfauna des Ostseelachses aus viel bunteren
Elementen zusammengesetzt ist, als die des Rheinlachses. Sie ent-
hält 3 für Trutta salar typische Gestalten — darunter eine
nur im Ostseelachs gefundene Bothriocephaluslarve — einen
Schmarotzer, der sonst nur noch in Wanderfischen vorkommt, je 2
Dia ParuiUofknna von TrntU ular. 797
Tabelle V.
Findet sich in wie viel Spezies von
Name des Parasiten. Wanderfischen? Meerfischen? Sasswasserfischen?
L. Ascaris adunca Bad., 4 0 0
\. Ascaris capsnlaris Dies., .... 3 24 1
L Ascaris commanis Dies., .... 1 13 0
,. Ascaris Aculeati von Linst., . . 2 0 3
>. Cacnllanas elegans Zed., . ... 4 1 11
>. Echinorhynchas ac*s Bad., . . 1 16 1
1. Echinorhynchas pachysomas
Crepl., 1 0 0
J. Distommn varicum Zed., .... 8 16 2
9. Distommn appendicalatam Bad., 8 40 6
}. Distommn ocreatam Bad., ... 8 5 0
1. Bothriocephalns infandibaliformis
Rad., 2 0 8
2. Bothriocephalas spec. II flarva). 1 o 0
3. Bothriocephalas spec. III (larva). 10 0
4. Triaenophorva nodalosos Bad.
(larva) 2 3 15
eine Meer- and SQsswasserformen and 6 in beiden Medien aufge-
ladene Arten. So ist sie sehr gleichmässig aas den verschiedenen
nöglichen Elementen gemischt and schliesst sich etwa an die für
rodere Wanderfische, besonders Aal und Stint, festgestellten Ver-
hältnisse an. Die reinen Meerparasiten sind auf 2 im Lachs zudem
nicht häufig zu findende Arten — Distomum ocreatum und
Ascari s commanis — zurückgegangen, im Gegensatze zum Rhein-
lachs, der 8 marine Formen aufweist Ascaris capsularis,
der Gast so zahlreicher Meerfische, erscheint viel seltener und weniger
massenhaft. Ein reines Süss wasserelemen t , Ascaris Aeuleati,
tritt wiederholt auf. Daneben spielt der Salmonidenparasit Bo-
thriocephalus infundibuliformis eine Hauptrolle. Auf der
einen Seite treffen wir allerdings die stark marinen Echinorhyn-
chus acus, Distomum varicum und D. appendiculatum,
doch wird ihre Gegenwart vollkommen aufgehoben durch die von
Cucullanuß elegans und Triaenophorus nodulosus.
Ereterer ist ein ganz typischer, sehr häufiger Süsswasserschmarotzer,
der nur in einem, zudem nicht genügend verborgten Falle in einem
Meerfische gefunden worden ist. Ebenso gehört der Triaenophorus
nodulosus in den Süsswasserfischen zu den gewöhnlichsten, in den
Meerfischen zu den seltensten Vorkommnissen. Die 3 für den Ost-
seelachs typischen Parasiten, 2 Bothriocephalen -Larven und
Echinorhynchus paehysomus, sowie der Wanderfischbewohner
Ascaris adunca können mit Sicherheit weder der Meer- noch
der Süsswasserfauna definitiv zugetheilt werden.
Sehr auffallend ist der Umstand, dass die rein marinen Tetra -
rhynchen im Rheinlachs häufig gefunden werden, in den Ostsee-
lachsen dagegen noch nicht nachgewiesen werden konnten. Vielleicht
fehlt es diesen Larven von Rhynchobothrien im Baltischen Meere
an den nöthigen Hauptwirthen , in denen sie sich zur geschlechts-
reifen Bandwurmform weiterentwickeln könnten.
Berücksichtigen wir die gesammelten Thatsachen, so sind wir
zur Aufstellung des Satzes berechtigt, dass der Rheinlachs eine fast
798 Zschokke,
rein marine Schmarotzerwelt beherbergt, der Ostseelachs dagegen
viele Süsswabserelemente als parasitirende Gäste zählt Man ist un-
willkürlich versucht, dieses merkwürdige Verhalten dadurch zu er-
klären, dass der Ostseelachs auch im Flusse Nahrung aufnimmt , wie
dies ja nach der brieflichen Mittheilung von Nordquist in manches
Flössen Finlands der Fall sein soll, und in Folge dessen mit einer
um viele SQsswasserformen bereicherten Parasitenwelt ins Meer
zurückkehrt. Wieder wäre der Schmarotzerbestand das treue Spiegel-
bild der Lebensweise des Wirthes.
Ueber die Parasitenbevölkerung der Lachse aus dem Tayfluss in
Schottland besitzen wir eine Anzahl Angaben von M'Intosh (29),
der im Februar bis September über hundert Lachse und Salmlinge
untersuchte, um sich ein Urtheil über die Ernährungsverhältnisse
dieser Fische im Süsswasser zu bilden. Im Darmkanal der ganz
jungen Salme, die das Meer noch nicht bezogen hatten, fand
M'Intosh, auf dessen Arbeit Prof. M. Braun die Gate hatte mich
aufmerksam zu machen, in grösster Menge Käfer, Fliegen, Insekten-
larven und kleine Crustaceen. Der Magen der aus dem Meere zurück-
kehrenden Lachse enthielt den bekannten zähen, gelben Schleim.
Zehn Mal fanden sich Skelettstücke, oft in grosser Zahl und Stärke,
die Stinten und noch grösseren Fischen anzugehören schienen. Auch
Fragmente kleiner Süsswassercrustaceen, ein oder zweimal Fragment«
von Krabben, und ein Stück Insektenhaut wurden getroffen. Der
Darm enthielt häufiger, als der Magen Ueberreste von Knochen und
resistenten Gewebetheilen, Crustacöcnreste, Diatomeen, Sandpartikel,
einmal Bruchstücke eines Insekts u. s. w.
Wie schon einleitend bemerkt wurde, zieht M'Intosh ans diesen
Funden den Schluss, dass die Lachse im Süsswasser nicht gänzlich
fasten, sondern, wenn auch selten und in grossen Zwischenräumen,
Nahrung aufnehmen.
Wie verhalten sich die parasitologischen Befunde des genannten
Autors zu dieser seiner Annahme? Es ist das ein Punkt, den
M'Intosh nicht genügend durchgeführt hat. Soweit seine Angaben
brauchbar sind, sollen sie hier weiter verwerthet werden.
Nur seltene Exemplare der untersuchten Lachse waren voll-
kommen parasitenfrei, viele zeigten eine massenhafte Infektion. Selten
oder nie fehlte im Schleim des Duodenum und der Pyloranhänge ein
kleines gregarinenhaftes Wesen, das M'Intosh als junges Entwicke-
lungsstadium eines höheren Parasiten ansieht.
Vergleicht man Zeichnung und Beschreibung dieses Parasiten
mit den Angaben von v. Linstow (25), so gelangt man sofort zur
Ueberzeugung , dass M'Intosh das später von v. Linstow unter
dem Namen Tetrabothrium minimum beschriebene Gebilde
sah, ohne es richtig zu deuten. Im grösseren Theil der untersuchten
Fische beherbergte der Magen Distomum varicum CrepL, in
2 — 30 Exemplaren. Ein nicht näher bestimmtes Distomum fand
sich einst im Duodenum, D. tereticolle Rud. einmal im Darm.
Ausserdem verzeichnet M'Intosh Tetrarhynchus macro-
Die Parasitenfaina ron Tratte salar.
799
>othriu8 v. Sieb, aas der Magenwandung, Tetrarhynchus
ipec. aus dem Rectum, Echinorhynchus pachysomus
3repl. aus dem Darm, E. proteus Westrumb aus dem Dünn-
larm, Bo th riocephalus infundibuliformis Rud. in Duo-
lenum und Pyloranhängen. Letztere Art fehlte nur in wenigen Fischen
md stellte sich meistens in sehr zahlreichen und grossen Exemplaren
iin. Ad den verschiedensten Organen eingekapselt ruhten fast immer
zahlreiche Individuen von Ascaris capsularis Dies. Auch
indere, nicht näher bestimmte Ascariden wurden gesehen.
Versuchen wir mit diesem Material eine Tabelle zu entwerfen,
so erhalten wir Folgendes.
In mehr als hundert Lachsen aus dem ^ Tay fanden sich:
Tabelle VI.
Name des Parasiten:
Bewohnte Organe:
Häufigkeit des
Vorkommens :
a) Nematoden.
1- Ascaris (Agamonema) capsalaris
Dies.
b) Acan thocephalen.
2. Echinorhynchus proteus Westrumb.
3. Echinorhynchus pachysomus Crepl.
c) Trematode n.
4. Distomum varicum CrepL
5. Distomum tereticolle Rud.
6. Distomum spec.
d) Cestoden.
7. Bothriocephalus infundibuliformis
Rud.
8. Tetrabothrium minimum ▼. Linst.
S. Tetrarhynchus macrobothrius r.
Sieb.
10. Tetrarhynchus spec
Eingekapselt an und in
Leber, Gallenblase, Wan-
dung d. Verdauungstrak-
tos, Peritoneum.
Dünndarm.
Darm.
Magen.
Parm.
Duodenum.
Pyloranh&nge.
Darm, hauptsächlich Pylor-
anbange.
Eingekapselt in Magen-
wand.
Rectum.
In weitaus den
meisten Fäl-
len.
«mal.
Imal.
Ind.meistFäUen.
Imal.
Imal.
Grosse Mehrsahl
der Fälle.
Fast immer.
Imal.
Imal.
Soweit die hier gruppirten Angaben von M'lntosh es erkennen
lassen, scheint auch die Parasitenwelt der schottischen Lachse eine
an Arten und Individuen reiche zu sein. Besonders häufig und
massenhaft sind die 3 überall in Trutta salar verbreiteten Formen:
Ascaris capsularis, Distomum varicum und Bothrio-
cephalus infundibuliformis. Der Reichthum an Bothrio-
cephalus erinnert an die Verhältnisse beim Ostseelachs, die
massenhafte Besetzung mit Ascaris capsularis an ähnliche
Vorkommnisse im Rheinlachs. Distomum varicum ist im Tay
häufiger, als in Ostsee und Rhein. Sehr verbreitet tritt die Form
Tetrabothrium minimum auf, die wir bis jetzt nicht zu ver-
zeichnen hatten. Hit dem Ostseelachse theilt der vom Tay den
Echinorhynchus pachysomus, mit dem vom Rheine Tetra-
800 Zsehokke, Die Parasitenfaiina ron Tratte salar.
rhynchus macrobothrius und Echinorhynchus proteus.
Letztere Art ist indessen im Rheinlachs als im Peritoneum eingekap-
selte Larve, im Taylachs als geschlechtsreifer Darmschmarotzer auf-
gefunden worden. Distomum tereticolle fehlt den Lachsen
anderer Lokalitäten; über die Verbreitung und die Natur von
Distomum spec. und Tetrarhynchus spec. sind, wir unge-
nügend aufgeklärt. So vereinigt der schottische Lachs Elemente der
Parasitenfauna seiner Verwandten vom Rhein und aus der Ostsee.
3 Formen sind ihm speziell eigen, doch neigt er sich in parasito-
logischer Beziehung mehr zum Rheinlachse. Das spricht sich beson-
ders klar aus in dem Auftreten von Tetrar hync he n, Formen, die
ja der Trutta salar aus dem Baltischen Meere ganz fehlen. Es
mag hier passend daran erinnert werden, dass Tetrarhynchos
solidus Drummond und Tetrarhynchus grossus Rad. von
Drummond (10) und Bellingham (1) in irischen Lachsen
unter ähnlichen Umständen wie von mir im Rheinlachs wiederholt
gefunden worden sind. Fast sämmtliche Tetrarhynchen des
Rheinlachses sind also auch für Trutta salar aus Großbritannien
bekannt
Ist die Zusammensetzung der Parasitenfauna der Lachse vom
Rhein und Tay eine sehr ähnliche, so liegt ein scharfer Unterschied
darin, dass beim schottischen lisch der Darm unterhalb des Pylors
stark bevölkert ist 6 von 10 Schmarotzern leben dort, während
dieser Abschnitt des Verdauungsrohrs bei den Rheinlachsen ganz un-
besetzt bleibt. Auch hier wird durch diesen Befund die Annahme
einer ununterbrochenen Nahrungsaufnahme wahrscheinlich gemacht
Ueber die Saisonvertheilung der Schmarotzer im schottischen Süss-
wasserlachs lässt sich leider nichts ermitteln; dagegen können wir
wieder eine Gruppirung der Helminthen nach ihrer Herkunft vor-
nehmen.
Tabelle VH.
Findet sieh in wie viel Spezies ron
Name des Parasiten: Wanderfischen? Meerfischen? Süßwasserfischen?
1. Asearis capsularis Dies. 8 24 1
2. Echinorhynchus proteus Westmmh. 6 11 29
8. Echinorhynchus pachysomus Crepl. 10 0
4. Distomum varicum Crepl. 8 16 *
5. Distomum tereticolle Bad. 2 0 10
6. Distomum spec. 10 0
7. Bothriocephalas infundihuliformis
Bad. 2 0 8
8. Tetrabothrium minimnm von Linst. 10 0
9. Tetrarhynchus macrobothrius von
Sieb. 1 8 0
10. Tetrarhynchus spec 10 0
Abgesehen von 4 nur in Trutta salar vorkommenden Wür-
mern und dem bekannten Salmonidenschmarotzer Bothriocepha-
lus infundihuliformis gibt der schottische Flusslachs einer
reinen Meerform und 2 fast ausschliesslich marinen Parasiten —
Asearis capsularis und Distomum varicum — Nahrung
und Wohnung. 2 der speziellen Lachsparasiten mindestens tragen
rein marinen Charakter (Tetrabothrium minimum und
Gährung. gOl
Tetrarhynchusspec). So schleppt denn der Lachs zahlreiche
Meerschmarotzer in den Tay. Mindestens 50°/0 seiner Gäste im
Süsswa88er sind rein marinen Ursprungs. Zu ihnen gehören die am
häufigsten und massenhaftesten im schottischen Lachs gefundenen
Würmer. Bezeichnend ist der Umstand, dass von diesen Meerformen
2 eingekapselt im Lachs liegen, eine nur Schlund und Magen be-
wohnt, eine weitere hauptsächlich in den Pyloranhängen gefunden
wird, und dass der Darm unterhalb des pylorischen Theiles nur einmal
einen Meerparasiten, einen Tetrarhynchus, barg. Wahrscheinlich
fiel diese eine Cestodenlarve aus einer Cyste der Darmwandung in
das Lumen des Rectum. Alle diese Verhältnisse erinnern lebhaft
an das für den Rheinlachs Besprochene. Die Darmschmarotzer des
Taylachses sind der grossen Mehrzahl nach nicht Meer-, sondern
Süsswasser- oder für den Lachs typische Formen.
(Schlius folgt.)
Referate.
Koch, Alfred, Jahresbericht über die Fortschritte in
der Lehre von den Gährungs-Organismen. Jahr-
gang I. 1890. 8°. 190 p. Braunschweig (Harald Bruhn) 1891.
Wenn ein neues referirendes Organ in unserer mit diesen Ar-
tikeln so reichlich gesegneten Zeit zum ersten Male auf der Bildfläche
erscheint, dann muss die nächste Frage die nach seiner Existenzbe-
rechtigung sein. Diese Bedürfnissfrage ist im vorliegenden Falle
unbedingt zu bejahen und dies um so mehr, als es sich hier zumeist
um Fragen handelt, die sich theils auf den Grenzgebieten zweier
oder gar dreier Wissenschaften, Botanik, Chemie und Medizin, be-
wegen, theils vorwiegend der Gährungsprazis im weitesten Sinne an-
gehören und dabei Dinge pflegen, die referirende Blätter der einzelnen
Wissenschaften doch immer nur stiefmütterlich und unvollkommen
behandeln. Dazu kommt noch als weiteres sehr wesentliches Moment,
dass die zum Theil recht wichtige Originallitteratur in all den Hopfen-,
Brauer- und Brennerzeitungen auch dem sich für solche Fragen in-
teressirenden Chemiker, Botaniker oder Mediziner der Natur der
Sache nach in vielen Fällen so gut wie unzugänglich bleibt oder nicht
einmal dem Namen nach bekannt wird. Der neue Jahresbericht schliesst
sich in Einrichtung und Ausstattung genau dem Bau mg arten' sehen
Jahresbericht an, als dessen Ergänzung er betrachtet werden will
und kann. Die Inhaltsübersicht zeigt, dass der Stoff dem der Kürze
halber gewählten Ausdruck: Gährungsorganismen nicht streng ent-
sprechend abgegrenzt wurde, was jedenfalls aus praktischen Gründen
geschah und nur zu billigen ist, da der Jahresbericht für so ver-
schiedene Interessentenkreise bestimmt ist: „auch die Fragestellung
der Untersuchungen über pathogene Organismen kann nur gewinnen,
Bd. x 61
802 Glhrttng. — Infektion bei Geisteskranken.
wenn die Mediziner die Ergebnisse der Forschungen auf dem Gebiete
der Morphologie und Physiologie der nicht krankheitserregenden, nie-
deren Organismen berücksichtigen", was der vorliegende Bericht zwei-
felsohne sehr erleichtert. Das Material ist mit grossem Fleisse zu-
sammengetragen , auch die Arbeiten aus der Praxis sind eingehend
berücksichtigt.
Was der Bericht alles bringt, davon gibt die folgende Inhalts-
übersicht am klarsten eine Vorstellung, wie er berichtet, davon
möge sich jeder Interessent gefälligst selbst überzeugen, Ref. bemerkt
hier nur, dass er ihn vorzüglich findet.
Der Inhalt gliedert sich in 7 Hauptabschnitte: I. Lehrbücher,
zusammenfassende Darstellungen etc. II. Arbeitsver-
fahren, Apparate etc. III. Morphologie der Bakterien
und Hefen. IV. Allgemeine Physiologie der Bakterien
und Hefen: Ernährung und Zusammensetzung der Bakterien and
Hefen. — Wirkungen der Bakterien und Hefen auf das Substrat —
Bildung von Varietäten. — Wärmeentwickelung. — Mittel zur Hem-
mung der Entwicklung von Bakterien und Hefen. V. Gährungen
im Besonderen: a) Alkoholgährung: Zusammenfassende Dar-
stellungen. — Spezielle Physiologie der alkoholbildenden Hefen. —
Zusammensetzung von Würze im Bier. — Hefereinzucht, Verunrei-
nigung des Bieres durch andere Organismen. — Fluorwasserstoff-
verfahren nach Ef front. — Alkoholgährung durch den Soorpilz. b)
Milchsäuregährung, Käsegährungen und andere Gäh-
rungen in Milch: Bakterien in Milch und Butter; Kefir. Links-
drehende Milchsäure produzirender Bacillus. — Milchsterilisation. —
Käsegährungen. c) Harnsäuregährungen, Nitrifikation,
Wurzelknöllchen der Leguminosen, d) Verschiedene
Gährungen: Cellulosegährung , Essiggährung , Brotgährung etc.
VI. Fermente: a) Allgemeines, b) Diastase, c) Invertin, d) Pepsin,
e) Labferment, f) Harnstofffermen t. VII. Leuchtende Bakterien.
— Referirt sind im Ganzen 251 Nummern. Den Schluss macht ein
Namen- und ein Sachregister.
Zum Schluss möchte der Ref. dem neuen Jahresbericht seine
besten Wünsche für frisches und kräftiges Gedeihen mit auf den
Weg geben ; möge im Allgemeinen stets ein günstiger Stern über ihm
walten und möge er im Besonderen von der mit Recht so gefürch-
teten Kinderkrankheit der Jahresberichte, die leider sich oft als chro-
nisch und unheilbar herausstellt, verschont bleiben, vor der Gefahr,
erst einige Jahre post festum zu erscheinen!
L. Klein (Freiburg i. B.).
Klippel, Des infections microbiennes secondaires an
cours des affections mentales. (Annales de psychiatrie et
d'bvpnologie. 1891. Mai.)
Verf. berichtet über einen 50jährigen Gärtner, der seit 10 Jahren
an Dementia mit leichter Paresie der linken Körperhälfte litt Plötz-
lich trat heftiges Fieber ein, Appetit ganz verschwunden, ausgedehnte
Muskelstarre und konvulsive Erscheinungen. Pat. wird comatös und
stirbt am 3. Tage. Sorgfältige Untersuchungen erwiesen keinerlei
SUphyfokokkeo. — Cholera noctrat. 803
Jlcerationen oder Schorfe, welche als Eintrittsort der wahrscheinlich
tinzugekommenen Infektion angesehen werden könnten.
Bei der Sektion ergab sich da* Bild einer weitausgedehnten
Meningitis purulenta acuta, welche am meisten an dem Erweichungs-
ierd, der Ursache der Dementia, entwickelt war. Die mikroskopische
Untersuchung des Eiters ergab Pneumokokken.
Solche sekundäre Infektionen sind bei Geisteskrankheiten Verf.
rft zur Behandlung gekommen. Daher meint K., dass die pathogenen
Keime, welche durch den Blutstrom getrieben werden, an den krank-
haften Centren einen locus minoris resistentiae finden, wodurch ihre
pathogene Wirkung ermöglicht wird. R. Verhoogen (Brüssel).
Herman, H«, De l'influence de quelques variations du
terrain organique sur l'action des microbes pyo-
gen es. (Annales de l'Institut Pasteur. 1891. No. 4. p. 243.)
Die Versuche wurden mit dem Staphylococcus pyogen es
albus angestellt, der jeden zweiten Tag regelmässig in frische neutrale
Kalbsbouillon mit 2 Proz. Pepton und 1 Proz. Kochsalz bei 37° über-
tragen wurde, um immer gleiche Ausgangskulturen zu haben. Wieder-
holte Zahlungen mit Platten ergaben, dass nach 48 Stunden 1 ccm
dieser Kulturen stets ungefähr gleichviel, im Mittel 520 Millionen,
Keime enthielt
Die erlangten Resultate fasst Verf. in folgende Sätze zusammen :
1. Mindestens eine halbe Milliarde Staphylokokken sind erforderlich
(2-tägige Bouillonkultur bei 37°), um bei Kaninchen subkutan einen
Abscess zu erzeugen. 2. Gewisse chemische Substanzen begünstigen,
ohne selbst eiterer^ugend zusein, die Wirkung des Staph. albus,
z. B. 3°/0 Carbolsäure, wässriges Extrakt von Staphylococcus-
kulturen und l°/oo Sublimat. 3. Die Wirkung einer Inokulation von
Staphylococcus ist sehr verschieden je nach dem gewählten In-
fektionswege; die einzelnen Körpergewebe zeigen in dieser Hinsicht
eine sehr verschiedenartige Widerstandsfähigkeit. Nach dem Em-
pfänglichkeitsgrade ordnen sich dieselben in folgender Weise: Vorder-
kammer des Auges, Gefässsystem des Kaninchens, subkutanes Zell-
gewebe des Hundes, Pleura, Meningen, subkutanes Zellgewebe und
Peritoneum des Kaninchens. 4. Die Durchtrennung des N. ischia-
äicus begünstigt in den verschiedenen Theilen der betreffenden Ex-
tremität (Gelenke, Knochenmark, Schleimhaut, Gewebe der Operations-
narbe) die*Lokalisation der im Blute zirkulirenden Staphylokokken.
Buchner (München).
Mlbert, A., et Glrode, J., Gontribution ä l'ätude chimique
et bactäriologique du cholära nostras. (Le Bulletin
m&L 1891. Nr. 11. p. 119.)
In der Sitzung der Soci6t6 m&iicale des höpitaux zu Paris vom
6. Februar d. J. machten Verff. Mittheilung über 4 Fälle von Cholera
nostras, die sie im Höpital Beaujon im August und September 1890
zu beobachten Gelegenheit hatten. Drei der Fälle wurden auch bak-
teriologisch untersucht und aus den Stühlen von zweien fast Reinkul-
51«
804 Cholera nostras. — Typhus.
turen des Bact. coli commune gewonnen. Beim dritten gaben die
zu verschiedenen Zeitperioden und auch nach dem Tode untersuchtes
Stühle 6 mal Beinkulturen de&elben Mikroorganismus» ebenso wurde
er in Leber- und Milzblut und im Pleura-Exsudat allein vorgefunden,
während in den Kulturen aus dem Lungensafte sich noch ausserdem
Kolonieen des Pneumococcus und des Staphyl. pyog. aureus
entwickelten. Die bei der Autopsie dieses Falles konstatirten patho-
logischen Veränderungen müssen dem Bact coli commune zuge-
schrieben werden und berechtigen zu dem Schlüsse, dass die Mikro-
organismen, welche Cholera nostras verursachen, unter gewisses
Bedingungen die Darmwandungen passiren, die Invasion des Orga-
nismus herbeiführen und somit einen neuen Krankheitstypus, dk
„Cholera nostras infectans", auslösen können. Das Bact coli com-
mune, dieser sonst indifferente Darmbewohner, kann entweder im
Organismus selbst spezielle biologische und pathogene Eigenschaften
annehmen, oder diese Eigenschaften sind bereits ausserhalb des Or-
ganismus, z. B. im Wasser, acquirirt worden. Die letztere Hypothese
steht in gewissem Einklänge mit dem Umstände, dass der betreffende
Patient vor seiner Erkrankung täglich grosse Mengen (3 — 4 Liter)
Seinewasser zu sich genommen hatte.
Durch Einführung von Bouillonkulturen des Bact coli com-
mune, das aus den Reiswasserstühlen des letzten Kranken stammte,
in den Digestionstraktus von Meerschweinchen gelang es ausnahms-
los, typische Cholera nostras zu erzeugen. Dagegen blieben Kulturen
aus normalen Stühlen wirkungslos. (Eine grössere Anzahl von Tier-
versuchen wäre wünschenswerth gewesen. Ref.) Das choleraerzeu-
gende Vermögen besass daher nur das aus Cholerastühlen gezüchtete
Bact. coli commune, und es handelt sich demnach bei Cholera
nostras einfach um eine Virulenzfrage.
Kr 41 (Prag).
Bantl, (J., L'epideniia di tifo in Firenze nei suoi rap-
porti con l'acqua potabile. (Lo Sperimentale. 1891. No. 4
p. 85.)
Bei der jüngsten Typhusepidemie in Florenz gegen das Ende
v. J. konnten vom Verf. bezüglich ihres Ursprungs, trotz des nega-
tiven Resultates der bakteriologischen Untersuchung, mit grosser
Wahrscheinlichkeit enge Wechselbeziehungen zwischen der Epidemie
und dem Trinkwasser als Virusträger festgestellt werden. Die Epi-
demie trat plötzlich und gleichzeitig entlang einer die Stadt von
Nordwest nach Südost durchschneidenden Linie auf, die dem Röhren-
netz der Wasserleitung von Montereggi entspricht. Die Epidemie
blieb auf diese Zone beschränkt, und erst gegen das Ende der
Epidemie entwickelten sich kleine sekundäre Infektionsherde an
anderen Punkten. Sie verschonte die ärmsten Stadttheile mit der
dichtesten Bevölkerung und befiel dagegen die schönsten Strassen
mit vornehmen Privatbauten, wenn diese mit dem Leitungswasser
von Montereggi versorgt wurden. Reiche Familien, die unter den
besten hygienischen Verhältnissen lebten, wurden von der Krankheit
befallen. In derselben Strasse wohnende arme Familien blieben ver-
Gelbfieber (SchuUimpf.) g05
chont, da sie auf Brunnenwasser angewiesen waren, während in den
errschaftlichen Palästen das gut beleumundete Trinkwasser von
lontereggi im Gebrauche stand. In Mietshäusern mit vielen Fand-
en erkrankten jene, welche Leitungswasser genossen, und es blieben
esund diejenigen, welche Brunnenwasser benützten. Bei mehreren
yphusfällen in anderen Stadttheilen stellte es sich heraus, dass die
irkrankten während des Tages in innerhalb der befallenen Zone
elegenen Arbeitsstätten beschäftigt waren. Die Zahl der Erkrank-
ngen nahm rasch ab, als das Wasser von Montereggi durch ein
nderes substituirt wurde.
Die bakteriologische Untersuchung des verdächtigen Wassers
onnte erst einige Zeit nach dem Ausbruche der Epidemie erfolgen
ind gab in Bezug auf das Vorhandensein des Typhubacillus, wie
foen erwähnt, ein negatives Resultat Das Wasser von Montereggi
vird schon in der Auffanggallerie selbst durch Tagwässer verun-
einigt und enthält nach Regentagen bis über 2000 Keime pro ccm.
Kr 41 (Prag).
Freire, Mittheilung über Bakteriologie im Allge-
meinen und über das gelbe Fieber im Besonderen.
(Dtsch. med. Wochenschrift 1891. No 17.)
Die Freire'schen Schutzimpfungen gegen das Gelbfieber sind
mehrfach einer abfälligen Kritik unterzogen worden (vergl. z. B. das
Referat in dieser Zeitschrift über Sternberg: Dr. F r e i r e 's Protecti ve
inoculations, facta versus figures. Bd. IX. S. 805). Man bestritt,
dass der Mikroorganismus des gelben Fiebers überhaupt entdeckt sei,
und erklärte daher die Herstellung einer Vaccine durch Abschwä-
chung seiner Kulturen für ein Unding.
In einem Vortrage vor dem Verein für innere Medizin vertheidigt
nun Freire seine Entdeckung. Er beginnt mit der Darlegung einiger
allgemeiner, bei der bakteriologischen Forschung zu beherzigender
Gesichtspunkte, welche er neu gefunden zu haben glaubt, während
sie doch wohl schon seit sehr langer Zeit von den hervorragenden
Bakteriologen erkannt und beachtet worden sein dürften, z. B. dass
ein gegen bestimmte Bakterienarten immuner Organismus durch ver-
änderte S&fteverhältnisse , wie erhöhte Alkalescenz des Magensaftes,
Beeinflussung des Blutes durch irgend eine Unmässigkeit, plötzlich
ein guter Nährboden für jene Mikroorganismen werden kann, und
dass die physiologischen Bedingungen, die pathologischen Läsionen,
die klinischen Seiten beim Studium der Bakterienkrankheiten nicht
*ie bisher gänzlich vernachlässigt werden dürfen (I).
Dann geht Freire auf das gelbe Fieber selbst über. Der Mi-
kroorganismus desselben gedeiht nach dem Berichte des Verf. nur in
den Tropen (vergl. Pett en kof er, Ueber Gelbfieber. Münchener neueste
Nachrichten. 1889. No. 161, 165) und ist unter den dortigen Ver-
bältnissen durch den Verf. selbst entdeckt worden. Freire beschreibt
ihn als kleinen Goccus, welcher sich bald in häufen-, bald in ketten-
förmiger Anordnung (wo? Ref.) findet. Er färbt sich leicht mit den
gebräuchlichen Anilinfarben und wächst auf allen Nährböden. Im
Agar gedeiht der Impfstich in der Form eines weissen Nagels, dessen
806 Materi*. — Diphtherie.
Kopf sich später auf der Oberfläche wie ein weisser Haken, einer
Ceruse ähnlich, ausdehnt Der Mikroorganismus scheidet ein gelbes
und ein schwarzes Pigment ab; beide werden am deutlichsten in
Gelatinekulturen sichtbar. Das gelbe Pigment ist löslich und bedingt
die gelbe Hautfarbe, das schwarze findet sich im Erbrochenen dar
Kranken. Der Verl will auch Toxine aus seinen Kulturen abge-
schieden und mit jenen sowohl wie mit den Kulturen selbst bei
Meerschweinchen die Krankheit erzeugt haben.
Das abgeschwächte Virus für Schutzimpfungen hat der Verl
einfach durch Ueberpflanzung der Kulturen in neue Gelatine erzeugt
Schon die dritte Oebertragung gab ein brauchbares Vaccin ab. Die
Resultate seiner Schutzimpfungen auf Thiere und Menschen be-
schreibt Verf. als sehr günstig. Die brasilianische Regierung habe
ihm in der Erkenntniss von der Bedeutung seiner Entdeckung die
Vollmacht zur Begründung eines staatlichen Instituts behufs Her-
Stellung des abgeschwächten Virus des Gelbfiebers ertheilt und zu-
gleich gestattet, durch die Zeitungen für seine Schutzimpfungen Pro-
paganda zu machen. Kubier (Berlin).
Bosenbach, 0., Zur Konservirung lebender Malaria-
parasiten. (Berl. klin. Wochenschrift 1891. Nr. 34.)
In einem Falle von typischer Tertiana applizirte R. in der Milz-
gegend dem Kranken einen Blutegel, der nach 48 Stunden starb and
todte „Plasmodien'4 in Menge zeigte; von zwei weiteren, an einem
anderen Tage mehrere Stunden vor dem Beginne des Anfalls appli-
zirten Blutegeln zeigte der eine, 24 Stunden später eröffnet, eine
grosse Zahl von grossen, lebenden „Plasmodien4' mit reichlichem, sehr
lebhaft beweglichem Pigment, eingeschlossen in sehr wohlerhaltenen, nur
etwas blasseren, rothen Blutkörperchen ; auch der andere, der 48 Stan-
den nach dem Saugen eröffnet wurde, zeigte völlig normale rothe Blut-
scheiben und zahlreiche Parasiten mit vielem tanzenden Pigment
Ein am Tage nach einer Chinindosis von 1,0 gesetzter Blutegel zeigte
sehr wenige und geschrumpfte „Plasmodien" mit wenigem unbeweg-
lichem Pigment.
Mit diesen Versuchen von dem positiven Ergebnisse, dass im Ver-
dauungskanale des Blutegels die Parasiten mindestens 48 Stunden am
Leben bleiben, möchte Verf. die Anregung zu weiteren Untersuchungen
geben, die namentlich successive eine Anzahl hinter einander zu ver-
schiedenen Zeiten angesetzter Blutegel betreffen müssen, um so mög-
lichst den ganzen Entwickelungsgang des Parasiten in den Bereich
der Forschung zu ziehen. Es soll ferner der Versuch gemacht werden,
ob eine Impfung mit dem dem Blutegel entnommenen Blute andere
Thiere infiziren kann; endlich empfiehlt er den Versuch, das durch
Blutegelsubstanz künstlich gerinnungsunfähig gemachte Blut eines
Menschen als Nährboden für den Malariaparasiten zu benutzen.
C. Spener (Berlin).
Baginsky, A., Zur Aetiologie der Diphtherie. DerLoeff-
ler'sche Bacillus. [Aus dem Kaiser- und Kaiserin -Friedrich-
Krankenhause zu Berlin.] (Archiv für Kinderheilkunde. Bd. XIV.
Heft 8—5. Festschrift für Rud. Virchow.)
Diphtherie. — Hflhnerdywnterie- 807
B. veröffentlicht eine Methode zur diagnostischen Kultur des
Diphtheriebacillus: Ein Stückchen des Pharynxbelags wird mit aus-
geglühter und abgekühlter Pincette entnommen und behufs Abschwä-
chung der Mikroorganismen, die den Loeffl er 'sehen Bacillus zu
begleiten pflegen, in 2°/0 Borsäurelösung einige Minuten gewaschen
und dann auf Loeffl er' schein Blutserum (das in Reagenzröhren käuf-
lich) ausgestrichen und in den Brütofen gebracht. (Kleine Brütap-
parate bei Lautenschläger, Berlin, zu haben.)
Die Vorzüge der Methode sollen darin bestehen, dass die den
Loeffl er' sehen Bacillus begleitenden Bakterien in ihrem Wachsthum
so gehemmt werden, dass der Diphtheriebacillus für fast 24 Stunden in
Reinkultur wächst und so in dem charakteristischen Wachsthum
schon eine makroskopische Diagnose bei einiger Uebung ermöglicht
ist, oder wenigstens eine mikroskopische Untersuchung oder die An-
stellung eines Thierversuches sehr erleichtert ist.
Mit Hilfe dieser Methode fand B. in 93 Fällen von Diphtheritis
68 mal den Loeff ler' sehen Bacillus; 25 mal wuchsen Strepto-
und Staphylokokken auf den Kulturen. Die Fälle wahrer Di-
phtherie ergaben eine Mortalität von 40 °/0, während die anderen
Kiuder alle (bis auf einen Fall mit erheblichen Komplikationen) geheilt
wurden. Auch hatten die Fälle der Staphylokokken- und Strepto-
kokken-Infektionen einen ausnahmslos glatten und schnellen Heilungs-
verlaaf; schon nach wenigen Tagen konnten die Kinder die Anstalt
verlassen. B. stellt also folgende Sätze auf:
1) Es giebt zwei Krankheitsformen, welche eine für das blosse
Auge des klinischen Beobachters gleichartige Veränderung der
Pharynxschleimhaut bedingen. Das Charakteristische dieser Verän-
derung sind die Einlagerungen grauweisser „Pseudomembranen'4.
Beide Krankheiten gehen mit Fieber, Kräfteverfall und Schwellung
der Submaxillardrüsen einher. Die eine, durch den Loeff ler9 sehen
Bacillus erzeugte, ist hoch lebensgefährlich, in fast 50 °/o todtbringend ;
die andere, von Staphylokokken und Streptokokken erzeugte („wenig-
stens sind diese Mikroorganismen die steten Begleiter der Krankheit41)
ist unschuldig und verläuft ohne Lebensbedrohung.
2) Eine Trennung beider Formen ist mit voller Sicherheit erst
durch die bakterielle Kultur möglich; dieselbe ist nach obiger Me-
thode leicht anzustellen, „erfordert nicht so viel Arbeit als der Nach-
weis des Tuberkelbacillus", ja sie kann sogar makroskopisch nach
dem Kulturbefund bestimmt ausgesprochen werden.
Die Bedeutung der Baginsky 'sehen Mittheilung wird durch
einige treffende Beispiele näher beleuchtet.
C. Spener (Berlin).
Lucet, Dysenterie epizootique des poules et des dindes.
(Annales de llnstitut Pasteur. 1891. No. 5. p. 312.)
Die Hühnercholera wird in der Praxis häufig mit anderen Affektionen
verwechselt, die hinsichtlich der Symptome einige Aehnlichkeit haben.
Verschiedene solche wurden unter der Bezeichnung als Typhus, dys-
enterische Enteritis und Septikämie von Lemaistre, B6nion
808 BftfanerdyMDtorSe. — MmnMnkrftnkheiton.
und M6gnin, zuletzt von Klein beschrieben; wahrscheinlich ist
die vom Verf. geschilderte „epizootische Dysenterie der
HOhner und Truthühner14 mit einer dieser Affektionen identisch.
Dieselbe kommt in Courtenay (Loiret), dem Wohnorte des Verl
alljährlich vom Frühjahr bis Herbst häutig vor, ergreift hauptsäch-
lich die jungen Hühner, verschont Gänse and Tauben, ist jedoch auf
Kaninchen intravenös übertragbar. Der Verlauf ist ein relativ lang-
samer, nicht immer mit ungünstigem Ende. Meist bleibt die Krank-
heit auf ein Gehöft beschränkt, kann sich aber auch weiter aus-
breiten. Die Symptome bestehen hauptsächlich in rnhrartiger
Diarrhöe; die Körpertemperatur steigt in den ersten Tagen, um spater
bedeutend abzusinken.
Die Affektion, deren pathologische Charaktere eingehend ge-
schildert werden, ist von Huhn zu Huhn, von Hühnern auf Truthüh-
ner und umgekehrt übertragbar; sogar auf dem Nahrungswege kann
Infektion bewirkt werden. Blut, Leber, Nieren, Milz und Darm der
an der Infektion erlegenen Hühner enthalten einen Kurzstäbchen
bildenden Bacillus. Im Intestinalschleim findet sich derselbe in
grösster Menge, namentlich bei akutem Verlaut Dieser Bacillus, ein
fakultativer Anaerobe, gedeiht nicht auf der Kartoffel, wohl aber auf
allen sonstigen Nährmedien. Auf Gelatineplatten bildet derselbe kreis-
runde, über die Oberfläche prominirende Kolonieen , ohne jemals zu
verflüssigen. In allen Kulturmedien, auch in Pepton -Kalbsbouillon
bei öfterer Uebertragung verliert der Bacillus rasch seine patholo-
gischen Eigenschaften. Die Virulenz äussert sich bei Hühnern bei
subkutaner Injektion , bei Kaninchen nur auf dem Blutwege. Meer-
schweinchen sind überhaupt refraktär, Tauben können wenigstens
subkutan nicht infizirt werden.
Blosse Veränderung, resp. Verbesserung der Ernährung, überhaupt
grössere Pflege und Reinlichkeit soll nach Verf. genügen, um die
noch intakten Bestände eines Geflügelhofes vor der Affektion zu be-
wahren. Buchner (München).
AtUnson, Ct. F., Anthracnose of Cotton. (Journal of Myoo-
logy. Vol. VI. 1891. No. 4. p. 173-178. Tat XVH— XVIIL)
Colletotrichum Gossypii n. sp. befällt die Baumwollen-
Staude, und zwar nicht nur die Blätter, wo es als eine Art Schorf er-
scheint und dieselben tödtet, sondern tritt ganz besonders schädlich auch
an den Früchten, den Fruchtstielen und Fruchtschalen auf und ruft
auf den grünen Kapseln vertrocknete, vertiefte Flecke anfänglich von
schwarzer, später grauer und dann röthlicher Farbe hervor, wodurch
Hemmung des Wachsthums und vorzeitiges, theilweises Oeffnen der
Kapseln stattfindet. Schliesslich stirbt die ganze Pflanze ab. Der Pili
tritt häufig auch neben Cercospora gossypina Cooke und anderen
Pilzen des schwarzen Rostes auf den Blättern auf. Die Flecke und der
Schorf bestehen aus zusammengedrängten Fruchthaufen, in denen
sich braune Setae, untermischt mit farblosen Basidien, finden. Die
letzteren erzeugen an Grösse und Form variireode, längliche, an der
Basis etwas zugespitzte oder an beiden Enden abgerundete und mit
Schutzimpfung, kBnstL Infektionskrankheiten, EnUrickeltiügihemmang etc. 809
aner seichten Einschnürung in der Mitte versehene, 16—20 /a lange
ind 4,5 — 9 fi breite, einzellige Sporen, welche in Masse eine rosa
Farbe besitzen. Die dankelbraunen, geraden oder gekrümmten, selten
verzweigten, an der hyalinen Spitze ovale Sporen erzeugenden Setae,
welche sich besonders auf hartem Substrat oder den vertrockneten
Theilen der Pflanze zahlreich finden, entspringen von besonderen
sklerotienähnlichen Körpern, welche aus einer oder mehreren dunkel-
braunen Zellen bestehen. Dieselben liegen entweder im Pilzgewebe
oder ragen Aber die Oberfläche des Pflanzentheiles hervor oder sind
zwischen den Epidermiszellen gelegen. Die einzelligen Sklerotien
entstehen aus Hyphenendigungen, während die mehrzelligen, unregel-
mässig gestalteten durch einen der Sprossung ähnlichen Wachsthums-
prozess aus den einzelligen hervorgehen.
In Agarpepton mit Abkochung von Baumwollenblättern kultivirt,
erzeugen die Sporen meist mehrere Keimschläuche. An dem ent-
stehenden Mycel erscheinen einerseits zahlreiche Basidien, welche
wiederum eine Anzahl von Sporen abschnüren, andererseits bilden
sich an gewissen Mycelenden besonders grosse, olivenbraune Zellen.
Dieselben erzeugen entweder normales Mycel oder durch Sprossung
ein mehrzelliges, ovales oder plattes, unvollkommenes Sclerotium. In
Wasser bringt der Keimschlauch der Sporen sofort die dunkelbraunen
Zellen hervor, in schwachen Nährlösungen ausser diesen auch zu-
weilen einige wenige Sporen. Aehnliche Sklerotienbildungen hat Verf.
beobachtet bei Vermicularia circinans auf der Zwiebel. Infek-
tionsversache wurden nur in der Weise angestellt, dass Keimpflanzen
der Baumwolle mit sporenhaltigem Wasser abergossen wurden. Nach
einiger Zeit erkrankten die Kotyledonen und starben ganz oder theil-
weise ab. Brick (Hamburg).
Schutzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten, Entwick-
lungshemmung und Vernichtung der Bakterien etc.
Gtuttmann, P., u. Ehrlich, P., Ueber die Wirkung des
Methylenblau bei Malaria. [Aus dem st&dt. Krankenhause
Moabit bei Berlin.] (Berl. klin. Wocbenschr. 1891. No. 39.)
Die Verff. haben das Methylenblau in chemisch reinem Fabrikat
(von der chemischen Fabrik Meister, Lucius und Brüning) in
2 Fällen versucht, deren einer eine Febris tertiana mit deutlichen „Plas-
modien" war. Hier verschwanden die Parasiten aus den Fingerblut-
präparaten schon nach einer zweimaligen Gabe von 0,5 g Methylen-
blau. In dem zweiten Fall, einer Quotidiana mit unregelmässigem
Temperaturverlauf, wo durch die Blutuntersuchung und den Befund
der Malariaparasiten erst die Diagnose gesichert wurde, verschwanden
im Verlaufe des siebenten Tages nach der ersten Dosis (von 0,5), im
310 Bakteriologisches vom VII. internationalen Kongress an London.
Ganzen nach 3,7 g Methylenblau die Parasiten aus dem Blute. Eben»
verschwanden die Fieberanfälle. — Etwaige Urinbeschwerden sind
mit Muskatnuss zu bekämpfen. G. S pener (Berlin).
Binz, C, Ueber Chinin und die Malariaamöbe. Eine
Erwiderung an Prof. A. Laveran in Paris. (Berl. Hin.
Wochenschrift 1891. No. 43.)
Am Ende einer längeren Auseinandersetzung über Irrthümer,
die sich in Laveran's Abhandlungen hinsichtlich der Behauptung«!
Binz9 Ober das Chinin befinden, stellt Verf. fest, dass durch die
Entdeckung des Parasiten der Malaria der schon lange von ihm auf-
gestellte Satz bewiesen ist: „Das Chinin heilt die Malaria nicht durch
irgend einen Einfluss auf das Nervensystem, sondern durch Lähmung
ihrer Ursache/1 C. Spener (Berlin).
Originalberichte über Kongresse.
Bakteriologisches vom VII. internationalen Kongress
für Hygiene und Demographie zu London,
10.— 17. August 1891.
(Schluas.)
Sektion f&r Bakteriologie.
Dr. Hirne, Bradford: „Es freut mich zu sehen, dass unsere
Freunde von ausserhalb sich nicht verlocken lassen, wenn wir Ver-
suche machen, in der Hauptsache mit uns übereinzustimmen. Es
scheint mir, wir rennen wild auf die gänzliche Beschlagnahme des
tuberculösen Fleisches los. In keinem Lande existirt die Verordnung
der gänzlichen Beschlagnahme, wie sie hier in England zur Annahme
empfohlen ist. Prof. Lingard spricht in seinem amtlichen Bericht
nur von der Uebertragbarkeit der Tuberculose durch käsige Massen
und nicht durch Fleisch einer tuberculösen Kuh. Koch sagt, dass
Gefahr nur vorhanden ist, wenn tuberculöses Fleisch selbst gegessen
wird. Die Infektion durch Milch ist bewiesen. Die Schwindsucht
ist ansteckend und übertragbar von Mensch auf Mensch."
Dr. Barlow, London : „Ich möchte von einem klinischen Gesichts-
punkte aus sprechen und bin nicht im Stande, experimentelle Unter-
suchungen vorzubringen. Auf die Tuberculose im Kindesalter müssen
wir unsere ganze Aufmerksamkeit richten. Die Obduktionen in Kinder-
krankenhäusern beweisen die enorme Häufigkeit der Tuberculose. Der
Einfluss von Milch und Fleisch auf die Erzeugung der Tuberculose
ist gering. Wir dürfen nicht andere sanitäre Vorsichtsmassregeln ver-
Bakteriologische« vom VII. internationalen Kongrese an London. 811
gessen, die mir von hervorragender Wichtigkeit zu sein scheinen.
Der Genuss von rohem Fleischsaft ist gefährlich.1'
Dr. Perroncito: „Beim Schwein kommt spontane Tuberculose
nicht vor."
Dr. Burdon-Sanderson : „Ich bin erfreut, zu sehen, dass die
Verschiedenheit der Ansichten so gering ist. Alle stimmen in der
Notwendigkeit der Inspektion und in der Schwierigkeit der Diagnose
überein.44
Arloing, der mit seinem Vorschlage der totalen Beschlagnahme
allein blieb, empfahl, „Die Aetiologie der Tuberculose des
frühen Kindesalters zwischen 3Monatenund 5 Jahren44
auf dem nächsten Kongress zur Diskussion zu stellen, ein Antrag, der
von Dr. 8. Gibbon unterstützt und von der Versammlung einstimmig
angenommen wurde.
Der Präsident führte an, dass spontane Tuberculose beim
Schaf und Schwein nicht vorkomme, so dass wir deren Fleisch ruhig
gemessen können.
Dr. Metechnikoff verlas nunmehr eine in Gemeinschaft mit Dr.
Roux verfasste Arbeit und begleitete seinen Vortrag durch Demon-
stration einiger Zeichnungen, die den Grund für die Widerstandsfähig-
keit der Tuberkelbacillen erläutern sollten. Es bilden sich nach ihren
Untersuchungen konzentrische Ringe sich verhärtenden entzündlichen
Gewebes rings um die Bacillen, die eventuell dadurch absorbirt wer-
den. Diese Indurationen verkalken mit der Zeit.
Nunmehr erhielt Prof. Ehrlich, Berlin, das Wort zu seinem Vor-
trage: „Ueber die neuere Behandlungsweise derTuber-
culose nach Koch44, dessen Inhalt von Ehrlich selbst dahin
präzisirt wird:
„Nachdem der Vortragende die Bedeutung der Koch9 sehen Ent-
deckung für die Zukunft der Medizin erörtert, geht er an der Hand
des zur Zeit schon vorliegenden Materials auf die praktisch so wichtige
Frage nach der zweckmässigsten Art der Behandlung ein.
Wohl allgemein sieht man das Prinzip der Heilung in der lo-
kalen Beeinflussung, welche das Tuberculin in einzig dastehender
Weise auf das spezifisch erkrankte Gewebe ausübt. Zur Erzielung
heilender Effekte sind stürmische, ausgedehnte Entzündung oder Ne-
krose bedingende Reaktionen weder erforderlich noch wünschenswerth.
Kleinere, aber dafür stets und stets wiederholte Reizungen, die eine
Vernarbung tuberculöser Herde begünstigen, sind das, was jetzt er-
wünscht wird. Der Kernpunkt dieser Behandlungsform besteht also
darin, die spezifische Reizbarkeit des tuberculösen Gewebes möglichst
lange zu erhalten und sie nicht, wie das bei den grossen Dosen und
schnellen Steigerungen der Fall war, vorzeitig zu vernichten. In dieser
Richtung bewegen sich eine Reihe von Methoden, die von Moritz
Schmidt, Biedert, Guttmann und Referenten, Langen-
buch, angegeben sind. Allen diesen Verfahren ist gemeinschaftlich
die Verwendung kleiner, gerade minimale Reaktion hervorbringender
812 Bakteriologisches rom VIL ioterafttioiialen Koogrou ra London.
Dosen. Die Vorzüge derartigen Vorgehens bestehen darin, dass bei
Vermeidung unerwünschter Nebenwirkungen die Heilwirkung ganz
und voll zum Ausdruck kommen kann. In dieser Beziehung ist be-
sonders zu betonen, dass die pathologisch-anatomischen Befunde, die
dem Tuberculin zur Last gelegt wurden, ausschliesslich aus der Zeit
stammen, wo man noch mit grossen Dosen, vielfach auch an zu weit
fortgeschrittenen Patienten, operirte.
Selbstverständlich sollen bei der Behandlung alle therapeuti-
schen Hilfskräfte, die der Hygiene und der Diätetik, der Chirurgie
und der Pharmakologie voll herangezogen werden. Im Vordergrund
dieser Bestrebungen stehen die sogenannten kombinirten Behandlungs-
verfahren; Ziel derselben ist es, in die durch das Tuberculin er-
schlossenen erkrankten Gewebe heilkräftige Potenzen einzuführen.
Auf diesem Wege sind schon von Marigliano und Langenbuch
glänzende Resultate erzielt worden, die eine baldige Verwirklichung
aller Hoffnungen, welche die Koch9 sehe Entdeckung erweckt hat,
in nächste Aussicht stellen.44
Prof. Cornil, Paris, erklärt nach seinen Erfahrungen das Tuber-
culin für ein heroisches und gefährliches Mittel, über das wir bis jetzt
nur wenig wissen, und bei dessen Anwendung wir grosse Gefahr laufen,
eine Katastrophe hervorzurufen. Besonders komme dabei die Gefahr
in Betracht, eine lokalisirte Tuberculose durch Aussaat der Keime
zur allgemeinen zu machen.
Dr. Bardach, Odessa, hat gleichfalls ungünstige Erfahrungen mit
dem Mittel gemacht.
Dr. Hunter weist auf die grossen Unterschiede hin, die zwischen
Koch' 8 und den Untersuchungen Anderer bestehen. Hierauf be-
schreibt er Versuche, die Natur des wirksamen Prinzips im Tuberculin
festzustellen. Es gelang ihm, drei Stoffe zu isoliren : 1) einen, welcher
Fieber, jedoch keine lokale Reaktion hervorrief; 2) einen, welcher
lokale Reaktion, aber kein Fieber erzeugte; 3) einen, welcher keines
von beiden that, aber die Heilwirkung hervorbrachte.
Prof. Ehrlich wies darauf hin, dass ein Patient nach und nach
dahin gebracht werden kann, grosse Gaben ohne jede Gefahr su er-
tragen.
Nachdem noch Dr. Ponflck und Prof. Hueppe ihre Erfahrun-
gen über das Tuberculin mitgetheilt hatten, gab der Präsident in
einigen Schlussworten seiner Hoffnung Ausdruck, „dass wir mit der
Zeit im Stande sein möchten, die wundervollen Resultate zu erlangen,
die Prof. Ehrlich beschrieben habe.14 M. Kirchner (Hannover).
N«m LittoMtar. 813
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rtommMinwiln B— bdnMkwH (ßmMmam ItohU) In Jma.
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
Geh. M Prof. Dr. Leuctart u Professor Dr. Loefler
In Leipxic ,n GieHInrald
herausgegeben von
Dr. O. trhlvorm in Cassel.
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
X. Band. -»- Jena» den 9. Januar 1892. -o- No. 35.
Preif für den Band (86 Hummern) 14 Mark.
Jährlich erscheinen swei Bände.
— r$ Zu beziehen durch alle Bachhandlangen and Postanstalten. jf<—
Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Parasiten'
künde" richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige
Wünsche um Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Auf-
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testens nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an
den Verleger, Herrn Gustav Fischer in Jena, gelangen zu
lassen* Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später
eingehende . Wünsche berücksichtigen zu können.
Original -Mittheilungen.
Der menschliche Speichel und die pathogenen
Mikroorganismen der Mundhöhle.
Von
Dr. Giuseppe Sanarelll
aus
Siena.
(AusiufO
Eine ansehnliche Reihe von Beobachtern hat bereits über die
Mikroorganismen berichtet, die habituell, zufälliger Weise oder von
Zeit zu Zeit gefährliche Oäste unserer Mundhöhle werden können.
Bd. z. 52
818 Sanarelli,
Es ist leicht begreiflich, dass diese Aligaben noch bei weitem
nicht genügen, eine auch nur halbwegs vollständige Klassifikation
aller Bakterien zu liefern, die sich in der Mundhöhle vorfinde
können; diese variiren ohne Zweifel bis ins Unendliche, sie Wechsel;.
mit der Ernährungsweise, der umgebenden Luft, dem Breitengrad
den Lebensgewohnheiten, der Jahreszeit und vielleicht auch mit des
Tagesstunden, weshalb die beachtenswerten Untersuchungen Vig-
nal's1), Netter's»), Miller's3), Biondi's4) und Aller, die
es versuchten , die verschiedenen Bakterienarten der Mundhöhle zu
bestimmen, nicht jene Bedeutung hätten, die sie thatsächlich besitzen,
wenn sie nicht in anerkennenswerther Weise die häufige Anwesenheit
von wirklich pathogenen Mikroorganismen im Munde sonst gaiu
normaler Individuen dargethan hätten.
In der That wurden zu wiederholten Malen in der Mundhöhle
gefunden: Pneumococcus, Streptococcus pyogenes.
Staphy lococcu8 pyogenes, Micrococcus tetragenus,
Diphtheriebacillus, Actinomyces etc.
Wenn wir indess die verhältnissmässig häufige Anwesenheit aller
dieser, dem Menschen direkt schädlichen Mikroorganismen in der
Mundhöhle berücksichtigen, so ist es etwas schwer, sich darüber
Rechenschaft zu geben, dass nicht viel öfters primäre Verletzungen
der Weichtheile der Mundhöhle zur Erscheinung kommen.
Noch schwieriger wird die Erklärung, wenn man bedenkt, wie
leicht und oft sich Kontinuitätsverletzungen in der Mundschleimhaut
bilden, wenn man ferner berücksichtigt, dass diese Kontinuitätsver-
letzungen, weit entfernt, schwere lokale oder allgemeine Störungen
zu erzeugen, trotz der ungünstigsten Bedingungen, in den meisten
Fällen dennoch ausserordentlich rasch zur Heilung gelangen.
Nach Valude5) besässe die Speichelflüssigkeit ein besonderes
chemisches Vermögen, die Thätigkeit der Tuberkelbacillen vernichten
zu können, wie es denn auch möglich wäre, dass diese Bacillen von
verschiedenen im Speichel keimenden Mikroorganismen angegriffen
und zerstört würden; bloss in dieser Weise erklärt sich 'Valude das
seltene Auftreten von Tuberculose in der Mundschleimhaut und in
den Speicheldrüsen, welche andererseits, durch direkte Impfung, der
Tuberculose leicht zugänglich sind.
Auch Miller6) gedenkt in seiner klassischen Abhandlung über
die Mikroorganismen der Mundhöhle der grossen Schwierigkeit, welche
die Mundschleimhaut den parasitären Lokalisationen entgegenstellt,
aber er findet eine Erklärung für diese höchst interessante That-
1) Recherches sur les microorganismes de 1* bouche. (Arcb. de phys. norm. '<
pathol. 1886. Ko. 6.)
2) Microbes pathogenea contenus dans la bouche de sujets sains, maladies qo'iH
provoquent, indications pour l'hygieniste et le mädecin. (Revue d'hyg. et de poli«
sanit. Vol. XI. 1889. Ko. 6. p. 601.)
3) Die Mikroorganismen der Mundhöhle, die Örtlichen und allgemeinen Erkran-
kungen, welche durch dieselben hervorgerufen werden. Leipaig 1890.
4) Die pathogenen Mikroorganismen des Speichels. (Zeitschr. f. Hyg. Vol. II. p 192 <
5) Comptes rendut du congres de la tuberculose. Paris 1888. p. 268.
6) Loc. cit.
Der menschliche Speichel and die pathogenen Mikroorganismen der Mundhöhle. 819
suche nur in dem kräftigen Widerstands- und Regenerationsvennögen
der Gewebe selbst.
In jüngster Zeit will Dittrich1) sogar eine Art von Kampf
ums Dasein zwischen den verschiedenen Bacillen der Mundhöhle ent-
deckt haben, in Folge dessen die pathogenen Bakterien von den
Sapropbyten gleichsam überwunden und neutralisirt würden.
In unseren lagen, wo dem forschenden Blicke der Mechanismus
des organischen Widerstandes gegen die Infektionserreger näher ge-
rückt ist, wo sogar gefunden wurde, dass auch der Urin, sowie die
Milch in frischem Zustande eine hervorragende pilztödtende Kraft
besitzen, wäre es Unrecht, sich nicht genau über die Speichelabson-
derung zu vergewissern und jene immerhin räthselhaften Erschei-
nungen in Betreff der pathogenen Bakterien der Mundhöhle näher
zu erforschen.
Aus diesem Grunde hielt ich es für keine ganz nutzlose Arbeit,
die Art und Weise zu untersuchen, wie sich die am gewöhnlichsten
in der Mundhöhle findenden Mikroben der Speichelsekretion gegen-
über verhalten.
Zu diesem Zwecke filtrirte ich den von verschiedenen gesunden
Individuen genommenen Speichel mittelst des Cham berl and 'sehen
Filters und sammelte ihn so in verschiedenen Reagenzgläsern zu je
10 — 15 cem als eine wasserhelle, neutral oder leicht alkalisch reagi-
rende, pilzfreie Flüssigkeit.
Die weiteren Operationen, um die Einwirkung "der Speichel-
flüssigkeit auf die verschiedenen Mikroorganismen zu studiren, deckten
sich mit denen, welche andere Forscher bei der Untersuchung der pilz-
tödtenden Fähigkeit des Serums, der Milch etc. in Anwendung
brachten.
Ich führte also in jedes dieser Reagenzgläser eine Platinöse ein,
die mit einer frischen Bouillonkultur oder mit der Kondensations-
flüssigkeit einer gleichfalls frischen Agar- oder Serumkultur getränkt
war, und verfertigte hierauf Rollplatten (Esmarch) in verschiedenen
Zwischenräumen, woraus sich erkennen liess, ob die Zahl der Pilze
sich vermehre oder vermindere.
Der eben in den Reagenzgläsern gesammelte und mit den ver-
schiedenen Bakterienarten infizirte Speichel wurde alsbald in den
Brütofen in eine konstante Temperatur von 37 • C gebracht
Ich beschränkte mich darauf, bloss in Bezug auf jene pathogenen
Mikroorganismen Untersuchungen anzustellen, die am gewöhnlichsten
im Munde gesunder oder kranker Individuen angetroffen werden,
nämlich: Staphylococcus pyogenes aureus, Streptococ-
cus pyogenes, Diphtheriebacillus, Micrococcus tetra-
genus und Diplococcus pneumoniae, sowie einige andere,
welche bei ihrem Eintritt in den Organismus gezwungen sind, mit der
Mundschleimhaut selbst in Beziehung zu treten, nämlich: Typhus-
bacillus und Chol eraspirillen.
1) Die Bedeutung der Mikroorganismen der Mundhöhle für den menschlichen Orga«
nismu. (Prager medic. Wochenschr. 1890. Nu. 88. p. 476—477.)
890
SanareIH,
Die Resultate meiner Untersuchungen sind, ganz kurz gefasst
folgende:
Der Speichel besitzt eine pilztödtende Fähigkeit, welche sich in
bestimmter, wenn auch ungleicher Weise, über den grösseren Theil
der dieser vorliegenden Untersuchung als Objekt dienenden Mikro-
organismen ausdehnt.
Doch ist diese pilztftdtende Eigenschaft des Speichels, wie die
des Blutserums, des humor aqueus des Auges etc. nicht unbegrenzt
sondern gewissen Bedingungen unterworfen, welche sie modifiziren
und die Flüssigkeit selbst sogar zu einem sehr guten Nährboden
machen können.
Diese Bedingungen stehen meist in Beziehung zu der Menge
der Pilze, auf welche der Speichel einwirken soll. Wenn die Zahl
derselben eine gewisse Grenze nicht überschreitet, gehen alle PQze
ohne Ausnahme rasch zu Grunde; wenn jedoch im Gegentheile ihre
Menge das püztödtende Vermögen des Speichels augenscheinlich
übersteigt, so zeigt sich bloss anfangs eine Verminderung; alsbald
jedoch beginnt eine rasche und konstante Vermehrung derselben Pilze.
So werden Staphylococcus aureus, Streptococcus
pyogenes, Microc. tetragenus, Typhusbacillus und
Cholerabacillen, wenn sie in nicht sehr bedeutender Menge mit
der Speichelflüssigkeit in Kontakt kommen, mehr oder weniger rasch
zerstört, umgekehrt tritt, wenn ihre Zahl eine gewisse Grenze über-
schreitet, jedesmal reichliche Vermehrung und Weiterentwickelung ein.
Die Ergebnisse der nachfolgenden Tabellen, welche ich aus vielen
von mir erhaltenen heraushebe, werden genügen, um augenblicklich
den Einfluss zu zeigen, den die Anzahl der Pilzkeime auf die püz-
tödtende Fähigkeit des Speichels ausübt:
Staphylococcus pyogenes aureus.
Zwei Reagenzgläser, je 10 ccm (ungefähr) Speichel enthaltend,
werden, das erste mit der Spitze eines dünnen Platindrahtes, und
das zweite mit einer grossen Platinöse, welche mit einer frischen
Bouillonkultur des erwähnten Mikroben getränkt war, geimpft und
werden unmittelbar darauf in den Thermostaten mit einer Temperatur
von 37 ° C gestellt
Ansahl der Kolonieen
1. Glas
S. Glas
1. Platte
8. M
«. V
7. „
Sogleich nach der Impfling.
Nach 18 Standen.
„ I Tafcen.
»t 3 »»
M ^ 1»
»» • »»
*«6
64
0
0
0
0
o
13840
5S65
132
8
165
4900
onsiblbar.
Choleraspirillen.
Zwei Reagenzgläser, enthaltend je ungefähr 10 ccm Speichels,
werden, das erste mit der Spitze eines dünnen Platindrahtes und
Der menschliche Speichel and die pathogenen Mikroorganismen der Mundhöhle. g21
das zweite mit einer grossen Platinöse, welche wie oben in die
Kultur getaucht worden war, geimpft und sogleich in den Thermostaten
bei 37° C gestellt.
Anzahl der Kolonieen
1. Glas | 2. Glas
1. Pleite
Sogleich nach der Impfung,
360 ! 660
*• „
Mach 1 Stunde.
420 ! 800
3- „
„ 6 Standen.
110 1 240
4- „
„ 84 „
0
360
*• „
„ 2 Tagen.
0
4000
6. „
>» 3 »»
0
onaihlig.
V. „
»t 4 ff
0
»»
Aber wenn meine Untersuchungen einerseits dargelegt haben,
dass der menschliche Speichel eine Wirkung ausübt, welche in vielen
Fällen als eine wahrhaft providentielle in Bezug auf die letzterwähn-
ten Mikroorganismen angesehen werden kann, so Hessen sie anderer-
seits auch erkennen, dass in der Speichelflüssigkeit zwei der gefähr-
lichsten Gäste, der Diphtheriebacillus und der Pneumococ-
cus, lange Zeit leben und sogar prosperiren können.
Die bei den Untersuchungen über den Diphtheriebacillus
erhaltenen Resultate haben ergeben, dass derselbe unter der Wirkung
des Speichels nicht sehr leidet, aber dennoch in letzterem nicht leben
und auch sich nicht weiter vermehren kann, sondern thatsächlich
nach 28 — 40 Tagen, auch wenn er in grosser Menge eingeführt wurde,
gänzlich vernichtet war.
Hingegen zeigten mir die bei den Versuchen mit dem Diplo-
coccus pneumoniae erhaltenen Ergebnisse, dass für diesen Pilz
der Speichel einen sehr günstigen Nährboden abgibt In der That
macht sich kurze Zeit nach der Impfung mit einer ganz geringen
Menge desselben eine rapide Vermehrung bemerkbar, die viel reich-
licher ist, als jene, die für gewöhnlich in den Kulturen einzutreten
Pflegt
Indessen bebalten die Pneumokokken im Speichel nicht lange ihre
Virulenz, und der folgende Versuch, den ich als Beispiel heranziehe,
bestätigt dies zur Genüge.
In ein 15 ccm frischen Speichels enthaltendes Reagenzglas giesse
ich 5 Tropfen Blut von einem eben an Speichelseptikämie verendeten
Kaninchen. Gleichzeitig giesse ich 5 Tropfen desselben Blutes in ein
Bouillonglas und stelle dann beide Gläser in den Thermostaten bei
37° C. Die primäre Virulenz des Pneumococcus tödtet ein
Kaninchen innerhalb 24 Stunden.
1. April. Einimpf, vou */, ccm des Speichel* einem 1. Kaninchen (1,000 kg), stirbt
nach 24 Standen an Speicheiseptikimie (Kontrole).
*• April. Eiuimpf. vou '/, ccm des Speichels einem 2. Kaninchen (1,550 kg), bleibt
am Leben.
3. April Einimpf, von '/, ccm des Speichels eiuem 9. Kaninchen (0,900 kg), stirbt
uach 2 Tagen an Speichelseptikämie
*• April. Einimpf, von '/t ccm des Speichels einem 4. Kanincheu (0,720 kg), stirbt
nach 4 Tagen an Speichelseptikämie.
822 Pen»o,
5 April. Einimpf, von */» ccm <*•• Speichels »inem 5. Kaninchen (1,800 k|r), bJeife
am Leben.
7. April. Einimpf, von '/, ccm des Speichels einem 6. Kaninchen (1,0*0 kg), Mei*.j
am Leben.
12. April. Einimpf, von '/, ccm des 8peichels einem 7. Kaninchen (1,000 kg), stiri:
nach 8 Tagen an Speicbelseptikftmie.
15. April. Einimpf, von */» ccm der mit Pneumokokken infisirten Bouillon am selbe-
Tage, wo der Speichel infisirt wurde, bei einem 8. Kaninehen (1,150 kg). «t;rfr-t
nach 84 Standen an Speichelseptikftmie.
Meine bisherigen Versuche gestatten mir noch nicht, eine ent-
scheidende Antwort auf die Frage zu geben, die natürlich auf solche
Ergebnisse hin gestellt werden kann, welcher Substanz nämlich der
Speichel seine pilztödtende Fähigkeit verdankt; für jetzt halte icb
mich bloss berechtigt, anzunehmen:
1) daßs der menschliche Speichel als ein durchaus ungünsti-
ger Nährboden für gewisse pathogene Mikroorganismen betrachtet
werden muss;
2) dass er die Fähigkeit besitzt, mehr oder weniger rasch die-
selben zu zerstören, wenn ihre Zahl nicht zu betrachtlich ist;
3) dass er endlich, auch wenn er die Entwicklung gewisser
Arten (Pneumokokken) zulässt, trotzdem im Stande ist, den normalen
Typus derselben zu ändern, sie abzuschwächen oder auch gänzlich
unwirksam zu machen.
Die Schlussfolgerungen aus diesen Resultaten und ihre Anwendung
bei den verschiedenen normalen und pathologischen Zuständen des
Menschen, in welchen der Speichel, wie so viele andere Sekrete,
tiefen qualitativen und quantitativen Modifikationen unterworfen ist,
könnten daher interessante Beiträge zur Pathologie und nützliche
Indikationen für die Hygiene und die Prophylaxis der Mundhöhlt
liefern.
Siena, 3. November 1891.
Beitrag zum Studium der biologischen Verhältnisse
des Bacillus des malignen Oedems.
Vorläufige Mittheilung
von
Dr. Rudolf Pcnzo,
Assistenten am Laboratorium f allgem. Pathologie der Univer>ünt
sn
Turin.
Aus meinen Untersuchungen, bei welchen die Methode G ruber'«
mit der von Fraenkel kombinirt wurde, und bei welchen, in samnit-
lichen Rezipienten — die nicht nach der gewöhnlichen Weise, <l. h.
durch Gummipfropf und Paraffinumsäumung, sondern Ober der Flamme
verschlossen wurden — ein gleicher Druck von reinem, verdünntem
Stadium der biologischen Verhältnisse des Bacillus des malignen Oedems. 323
WVasserstoff ( 10 cm über 0 der Pumpe von A 1 v e r g n i a 1) in Anwendung
kam, gehen die folgenden Resultate hervor:
Der Bacillus des malignen Oedems entwickelt sich in Agarplat-
ten , bei + 38 °, schon nach 8—10 Stunden zu kleinen Kolonieen,
von denen die oberflächlichen punktförmig, weisslich-opak und von
nassem Aussehen sind und rasch von einem zarten, ebenfalls opaken
Ring mit unregelmässig ausgezacktem Bande umgeben werden. Nach
^20 — 30 Stunden ist die Entwickelung vollständig, und man sieht bei
der mikroskopischen Prüfung (Objekt. 4, Okul. 3 Hartnack), dass die
Kolonieen aus einem dichten Netz fein granulöser Fäden bestehen,
die hier und dort in kleinen Haufen angehäuft sind. An den tiefen
und gut entwickelten Kolonieen entsteht durch Gasbildung ein linsen-
förmiges Bläschen. In Gelatineplatten , bei gewöhnlicher Temperatur,
erfolgt die Entwickelung erst nach 36 — 48 Stunden. Anfangs bieten
•lie Kolonieen auch hier ungefähr dieselben Charaktere wie in Agar,
allein sie verflüssigen rasch die Gelatine.
In den Kulturen durch Einstich in Gelatine (+18° h 22°)
inanifestirt sich die Entwickelung nach ungefähr 30 Stunden durch
eine staubförmige Trübung des oberen Theiles des Impfstreifens;
gleich danach verflüssigt sich die Gelatine, und die Kultur sieht wie
ein Wölkchen von konischer Form aus, deren Basis gegen die Ober-
fläche der Gelatine und die abgerundete Spitze nach unten sieht.
Bei fortschreitender Entwickelung nehmen die Dimensionen, haupt-
sächlich die Höhe des verflüssigten Gelatineconus zu; man sieht in
dieser kleine, w ei sali che Flöckchen herumschwimmen und Bildung
von kleinen Gasbläschen. In einem älteren Stadium klären sich die
oberflächlichen Schichten der Gelatine, während sich in der Tiefe ein
weisslicher, flockiger, zum Theile auch staubförmiger Bodensatz an-
sammelt.
Die Sporenbildung beginnt erst 6 — 8 Tage nach der Impfung
und gebt langsam vor sich.
In den Kulturen durch Einstich in Agar bei + 83° erfolgt
die Entwickelung schon nach 6 — 8 Stunden, und zwar beginnt sie
auch hier als fein granuläre, weissliche, opake Umwandlung des
Impfstreifens, die sich rasch seitlich mit gefransten Rändern fort-
setzt. Nach 12 — 18 Stunden bilden sich längs des Impfstreifens
Gasbläschen, die schnell an Umfang zunehmen und den Agar in
allen Richtungen zerspalten. Diese Gasentwickelung ist so reichlich,
dass dicke Agarschichten gegen den oberen Theil der Eprouvette
geworfen werden, während sich am Grunde derselben eine beträcht-
liche Quantität einer kondensirten, trüben, weisslichen Flüssigkeit an-
sammelt. Nach 48 — 60 Stunden befindet sich die Sporenbildung im
Gange und geht rasch vor sich.
Auf dem klarinett-schnabelförmigen Agar erscheinen die mit der
Platinschlinge gezeichneten Streifen rasch weisslich durch Entwicke-
lung von kleinen Kolonieen, welcHe die Charaktere der an der Ober-
. fläche der Agarplatten beschriebenen haben.
Nach 24—36 Stunden ist die ganze Oberfläche des Agar von
einem dünnen, weissen, opaken Schleier bedeckt, der aus der Ver-
schmelzung der Ringe hervorgeht, welche die einzelnen Kolonieen um-
824 p«b»o,
geben. Auf Erdäpfel geimpft, entwickelt sich der Bacillus rasch bti
der Temperatur der Inkubationsmaschine; diese Kulturen haben je-
doch wenig Charakteristisches, da der Bacillus nur ein leichtes Opak-
werden der glänzenden Oberfläche des Erdapfels verursacht
Die geeignetste Temperatur zur Entwicklung des Bacillus ist
zwischen + 37 ° und + 39 ° ; bei dieser Temperatur erzeugt er
eine grössere Quantität giftigen Stoffes, als bei niederen Temperaturen
Der Bacillus entwickelt sich nicht unter + 16 °.
Auf Fleischbrühe oder Gelatine bildet er oft lange Fäden; dies
erfolgt seltener und in weniger gut ausgesprochener Form in Kul-
turen auf Agar oder Erdäpfeln.
Er färbt sich mit allen bekannten Färbemitteln, auch du
Gram' sehe mit inbegriffen.
Wenn sich der Bacillus zur Sporenbildung anschickt, verdickt
er sich an einem Ende, und in diesem erscheint kurz nachher eine Spore,
welche ovoid und stark lichtbrechend ist Man erhält leicht die
doppelte Färbung der Bacillen mit Sporen durch ZiehTsche>
Fuchsin und Methylenblau in wässeriger Lösung: die Sporen färben
sich roth, der Bacillus blau mit einem Stich ins Violette.
Die Sporen sind sehr resistent; sie gehen nicht zu Grande, auch
wenn sie 10 Minuten lang heissem Wasserdampfe (ungefähr H- 99 ,:>
ausgesetzt sind; und ausgetrocknet, entwickeln sie sich noch, nach-
dem sie mehr als 20 Stunden lang, und zwar 12 Stunden lang fort-
während dem direkten Sonnenlichte ausgesetzt waren.
Der Bacillus des malignen Oedems in Reinkultur bewahrt lange
Zeit alle seine Eigenschaften, wenn er streng mit Ausschluss vol
Sauerstoff kultivirt wurde; ich besitze ihn in der 67. Generation
mit denselben Eigenschaften, die er in der ersten Kultur hatte.
Ich konnte bezüglich des Bacillus des malignen Oedems das-
selbe Faktum konstatiren, welches Vaillard und Vincent für
den Bacillus des Tetanus festgestellt haben, dass nämlich die Thiere.
wenn sie mit der Reinkultur des Bacillus injizirt werden, bloss durch
den Eingriff des schon in der Kultur enthaltenen Giftes — welche
gleichzeitig mit dem Mikroorganismen ihnen einverleibt wird — zu
Grunde gehen, weil einerseits kleine Dosen der Reinkultur nicht
pathogen wirken, und weil man in den Thieren, welche nach Injek-
tion von starken Dosen starben, an der Impfstelle keine Yermehruii:
der eingeimpften Bacillen nachzuweisen vermag. Im Gegentheil erweist
die in verschiedenen Zeiträumen nach der Impfung ausgeführte Prü-
fung der inokulirten Gegend eine beträchtliche und rasche Verminde-
rung der Menge der Bacillen. Bei den Thieren, welche in Folge
der Inokulation von starken Dosen einer Reinkultur zu Grunde gingen,
fehlt vollständig der gewöhnliche pathoL-anatomische Befund (OedeiD
und Gasentwickelung im subkutanen Bindegewebe), den man bei
Thieren antrifft, welche in Folge der subkutanen Inokulation von
Gartenerde starben.
Die verhältnissmässig enorme Menge (4—6 cem) von Reinkultur,
welche zur Tödtung eines Meerschweinchens erforderlich ist, zeigt,
dass die Produkte dieses Bacillus in Reinkultur nicht jenen hohen
Grad von Giftigkeit besitzen, der den Produkten anderer Bariließ
fetodfam der biologischen Verhältnisse des Bacillus des malignen Oedems. 825
eigen ist. Wenn man dagegen die Reinkultur des Bacillus des malignen
Oedems mit der Reinkoltur des Bacillus prodigiosus oder des
Proteus vulgaris mischt, dann wird sie auch in kleinsten Dosen
pathogen, und man findet an der Impfstelle eine starke entzündliche
Reaktion mit beträchtlichem subkutanen Oedem und starker Gasent-
wickelung, als Zeichen der Entwicklung des eingeimpften Bacillus,
wie dies die mikroskopische Prüfung bestätigt
Der Bacillus prodigiosus und der Proteus vulgaris,
vereint mit dem Bacillus des malignen Oedems, ermöglichen also die
Entwickelung des letzteren in den geimpften Thieren. Io Fällen einer
solchen kombinirten Impfung lässt sich durch die mikroskopische
Prüfung und durch Kontrolkulturen nachweisen, dass sich der
Bacillus prodigiosus und der Proteus vulgaris sammt
dem Bacillus des malignen Oedems in den Organen des infizirten
Thieres ausbreiten und vermehren.
Diese Resultate der kombinirten Inokulation machen es erklär-
lich, dass Gartenerde in geringer Quantität (Strassenstaub, Flüssig-
keit in Mistgruben u. s. w. bewirken dasselbe), wenn sie subkutan
einem Meerschweinchen eingeimpft wird, dasselbe! in 24 Stunden unter
den klassischen Symptomen des malignen Oedems tödtet ; und dass es
schwierig ist, den Bacillus des malignen Oedems in Beinkultur da-
durch zu gewinnen, dass man die Milz eines Meerschweinchens, kurz
nach dem Tode in Folge von Einimpfung mit Gartenerde, einfach
auf den Grund eines Röhrchens mit sauerstofffreiem Agar oder
Gelatine gibt.
Wenn man in ein Röhrchen mit von Sauerstoff nicht freiem Agar
oder Gelatine (gewöhnliche Luftkulturen) gleichzeitig den Bacillus
des malignen Oedems und den Bacillus prodigiosus oder den
Proteus vulgaris einimpft, so entwickelt sich mit diesen letzteren
ganz gut auch der Bacillus des malignen Oedems; und die so er-
haltenen gemischten, künstlichen Kulturen tödten — wenn sie in
kleinster Dosis subkutan inokulirt werden — ein Meerschweinchen un-
gefähr nach 24 Stunden, wie Gartenerde, unter den typischen
Symptomen des malignen Oedems.
Dieses Verhalten des Bacillus des malignen Oedems, eines rein
apaärobischen Bacillus, in gemischten, künstlichen, auf von Sauerstoff
nicht freiem Nährboden gemachten Kulturen, in Gegenwart der Luft,
erklärt uns sein verbreitetes Vorkommen in der Natur, in den ober-
flächlichen Schichten der Erde und an vielen anderen von Sauer-
stoff nicht freien Orten.
Padua, 18. Oktober 1891.
826 *»•■!.
Ueber eine neue Karbolmethylenblau -Methode.
[Aus dem Institute für allgemeine und experimentelle Pathologie in Graz.]
Von
Fritz Pregl,
eand. med.
in
Graz.
Mit der Färbung einer grosseren Anzahl von Organschnitten nach
der Kühne1 sehen Methylenblaumethode1) beschäftigt, machte sich
mir die Umständlichkeit dieser Methode in einzelnen Fällen besonders
fühlbar. Ich war deshalb darauf bedacht, eine für meine Zwecke
einfachere Färbemethode zu ersinnen; thatsächlich bin ich theils auf dem
Wege der Ueberlegung, theils auf dem der Empirie zu einem Ver-
fahren gelangt, welches sich in allen von mir untersuchten Fällen
bewährte, und erlaube ich mir dasselbe hiermit der Oeffentlichkeit
zu übergeben.
Um näher darauf eingehen zu können, will ich vorerst die ur-
sprüngliche Methylenblaumethode von Kühne in ganz kurzen Zügen
anführen.
Nach Kühne färbt man den Schnitt durchschnittlich */§ Stunde
in Karbolmethylenblau, spült ihn in Wasser ab und überträgt ihn
behufs Differenzirung in angesäuertes Wasser, woraus er je nach
seiner Dicke und den tinktoriellen Eigenschaften der in ihm enthal-
tenen Bakterien entweder sofort oder nach längerer Einwirkung zu-
erst in reines Wasser und darauf in Lithion carbonicum - Lösung,
behufs Neutralisation der letzten Säurespuren, kommt Nach aber-
maligem Abspülen entwässert man den Schnitt in Alkohol absolutes,
den man zweckmässiger Weise mit Methylenblau färbt, um besonders
bei feinen Objekten ein stärkeres Entfärben zu verhüten. Nun über-
trägt man ihn vorsichtig in mit Methylenblau gefärbtes Anilinöl, auf
dessen Oberfläche er sich schön ausbreitet und auch seines letzten
Wassergehaltes beraubt wird. Das gefärbte Anilinöl entfernt man
aus dem Schnitte durch Einlegen in reines Anilinöl, dieses letztere
wird durch Einlegen in Thymen oder Tereben und dieses wieder mit
Xylol entfernt, worauf der Schnitt in Dammarharz oder Kanada-
balsam eingeschlossen wird.
Schon der Umstand, dass eine so beträchtliche Zeit für das
Färben erforderlich ist, macht diese Methode etwas langwierig; wie
ich später zeigen werde, kann dies leicht umgangen werden.
Die allerheikelste Prozedur ist das Differenziren mit ange-
säuertem Wasser, da das letztere als energisches Entfärbungsmittel
manche Schnitte nach ganz kurzem Verweilen darin schon verblassen
macht; einige Präparate vertragen überhaupt nur ein einmaliges,
kurzdauerndes Eintauchen. Ich suchte daher nach einem schonen-
deren Differenzirungsmittel, und fand es sehr bald in dem 50 °/0 AI- ,
kohol, welcher zwar etwas langsam, dafür aber sehr schonend dif-
1) Dr. H. Kühne, Praktische Anleitung «um mikroekopiaehen Nachweis der Bak-
terien im tfaieriachen Gewebe. Leipalg (Günther) 1888. S. 16. MethjlenblMmethode.
Weber eine neue forbolmewjlenblan-lleuoae. fcj}^
ferenzirt, welcher Umstand einerseits von Anfang her eine schwache
Färbung des Schnittes erheischt, anderseits aber ein fortwährendes
Kontrolliren der Entfärbung zulässt.
Besonders umständlich erschien mir die Behandlung der in ab-
solutem Alkohol entwässerten Schnitte mit gefärbtem, dann mit
reinem Anilinöl und endlich mit Tereben. Offenbar bedient sich
Kühne des Anilinöls erstens, um den Schnitten die letzten Spuren
Wassere zu entziehen (was durch Einlegen in mit geglühtem Kupfer-
sulphat sorgfältig entwässerten Alkohol ebenso gut erreicht werden
kann), und zweitens hauptsächlich, um die Schnitte an der Oberfläche
des letzteren zum Ausbreiten zu bringen. Das Einlegen in Tereben
hat nur eine schonende Aufhellung zum Zweck. Wenn man daher
das zu untersuchende Organstück zuvor in Paraffin einbettet und die
Schnitte aufklebt, so kann man auf alle auf die nachherige Aus-
breitung der Schnitte abzielenden Prozeduren verzichten und nach
erfolgter Färbung und Differenzirung die in Alkohol absol. vollends
entwässerten Schnitte sofort in Xylo! aufhellen, um sie in Dammar-
lack oder Kanadabalsam einzuschliessen.
Diesen einleitenden Betrachtungen will ich nun eine übersichtliche
Darstellung der von mir geübten Karbolmethylenblau -Methode
folgen lassen:
Bei der Anfertigung der Schnitte bediente ich mich hauptsäch-
lich, aber nicht ausschliesslich, der Paraffin -Methode. Ihr Vorzug
liegt erstens darin , dass man ohne Mühe verhältnissmässig sehr
dünne (10 — 5 p) und dabei ganz gleichmässige Schnitte erzielt, und
zweitens, dass man diese in zweckmässiger Weise auf Objektträger
oder Deckgläschen, am besten mit Eiweissglycerin, aufkleben kann;
zwei umstände, welche die geringe Mühe des Einbettens gewiss
lohnen. Die mit den Schnitten beklebten Objektträger oder Deck-
gläschen legt man in der gewöhnlichen Weise zur Lösung des Paraffins
auf kurze Zeit in Xylol , darauf in Alkohol und zur Entfernung des
letzteren in Wasser.
Man kann sich auch einer, in ihrem Prinzipe durchaus nicht
neuen, Aufklebemethode bedienen, die es gestattet, Schnitte aufzu-
kleben, welche nicht mit der Paraffinmethode hergestellt wurden.
Den Schnitt bringt man in der Weise zum Haften , dass man ihn in
Alkohol absol. vollständig entwässert und mit dem Deckgläschen
derart aus dem Alkohol herausfängt, dass er sich schön darauf aus-
breitet. Den überfiiessenden Alkohol saugt man von der Seite mit
Filtrirpapier ab und lässt rasch von einem Olasstabe einen Tropfen
alkoholischer Aceton -Celloidin- Lösung1) zufliessen. Nun schwenkt
1) Man bereite sieb zuerst eine konientrirte Lösung von in kleine Stückeben zer-
»chnHtenem und sorgfältig getrocknetem Celloidin in Aceton (Dimethjlketon CHt CO CHa).
Das im Handel vorkommende Aceton ist stark wasserhaltig und muss suvor mit ge-
glühtem Kapfersulphat vollends entwässert werden. Nach mehreren Tagen wird sieh
•ine grosse Menge Celloidin gelöst haben. Von dieser slhflfissigen, trüben Lösung gibt
man einen dicken Tropfen auf 5 com Alkohol absoluta« und bewahrt diese nun tum
Gebrauche fertige alkoholische Aceton - Celloidin - Lösung in Flascbchen mit gut einge-
riebenem Glasstoppel auf. Mehr als 5 com der alkoholischen Lösung auf einmal anzu-
fertigen, ist unsweckmassig , da sie mit der Zelt Wasser ansieht und verdirbt, daher
Öfter erneuert werden muss.
Pregl, Uebar eine mm tUrbolmethylenblau-ltetWe.
man das so beschickte Deckglischen einige Male in der Luft bin
und her, um den Alkohol oberflächlich zum Verdunsten zu bringen,
und legt es in Wasser. Der Schnitt klebt nun fest nnd kann da
folgenden Manipulationen unterzogen werden, ohne herunterzufallen;
nur ein zu langes Verweilen in Alkohol absolutus vermag das Klebe-
mittel zu lösen.
Die mit den Schnitten beklebten Objektträger oder DeckgUaeheo
nimmt man nun aus dem Wasser, saugt letzteres von der Seite her
ab und lässt aus einer Pipette so viel Karbolmethylenblau1) zutropfen,
dass die Schnitte davon reichlich bedeckt sind-
Nach Vi — 1 Minute spült man sie in Wasser ab und legt sk
behufs Differenzirung in 60 °/0 Alkohol Darin verbleiben die Prä-
parate so lange, bis die Schnitte eine blassblaue Färbung mit einem
Stich ins Grünliche annehmen.
Darauf werden die Präparate in Alk. absoL vollständig ent-
wässert, wobei sie kaum mehr etwas von ihrer Färbung verlieren, in
Xylol aufgehellt und in Harz eingeschlossen.
In der Regel reicht diese Art der Behandlung vollkommen aus;
sollten jedoch die Schnitte aus irgend einem Grunde die Farbe nicht
annehmen, so genügt es, das Präparat mit dem darauf befindlichen
Farbstoffe über einer Flamme sehr vorsichtig zu erwärmen, bis
leichte Dampfwölkchen aufzusteigen beginnen, dann abzuspülen und
wie oben weiter zu behandeln.
Was die Leistungsfähigkeit dieser Methode anbelangt, so hat sie
mich in jeder Hinsicht befriedigt Bezüglich ihrer Anwendbarkeit
wird sie wahrscheinlich ebenso universell sein wie die Kühne 'sehe
Methylenblau -Methode; Bestimmtes kann ich darüber nicht sagen,
da ich Rotz- und Lepra -Schnitte zu untersuchen leider nicht Ge-
legenheit hatte. DafQr wandte ich die beschriebene Methode auf
die meisten der hier im Laboratorium vorhandenen Bakterienarten
mit bestem Erfolge an. So gaben z. B. Organ -Schnitte von Thieren,
die an einer Infektion mit Bac Fasching (Bac. capsulatus
mucosus)*) gefallen waren, sehr hübsche Bilder.
Wie Kühne selbst angibt, gehört der Nachweis der Hühner«
cholerabacillen im Gewebe zu den schwierigeren Färbungen, und stützt
er den Werth seiner Methylenblau -Methode auf die günstigen Re-
sultate, welche sie in diesem Falle liefert. Daher machte ich viel-
fältige Versuche mit Hühnercholera -Schnitten und kann daraufhin
die Einfachheit und Sicherheit dieser Karbolmethylenblau -Methode
hervorheben. Besonders interessant und wichtig ist dabei der Um-
stand, dass es mir sogar gelungen ist, schön gefärbte Pr¶te von
Organen an Hühnercholera gefallener Tauben zu erhalten, welche
1) Kühne gibt für dos Korbolmethylenblan folgende Formel an: „M g Me-
thylenblau werden In einer Beibechole mit 10,0 g absolutem Alkohol nbsrgnooeu, damit
nnter Vermeidung na starken Aufdrucken« nnter eilmlbliehem Zasata to» 100,0 g
fi % Karbolwassers Terrieben nnd geltet. Bei nicht na starkem Gebrauche empfiehlt
es sieh, nur die Hälfte davon herzustellen, well mit der Zeit die Firbekraft dar LSsang
abnehmen könnte."
t)Dr. Morita Fasohing, Uebcr einen neuen KapatlbaciUai (Bac eapsnlatns
maoosas). (Sitanngsbar. d. Kais. Akad. d. Wiss. in Wien, msthem -natarw. Kl. Bd.
0. Abth. III. Jnni 1891.)
Zschokke, Dto Psnuitonfftno* ron TrutU saUr. 829
die Kühne' sehe Methylenblau -Färbung, wahrscheinlich ob des
jahrelangen Iiegens in Alkohol , fast gar nicht oder Oberhaupt nicht
mehr annehmen.
Auffallend ist auch der Unterschied zwischen den nach Kühne
und den nach dieser Karbolmethylenblau-Methode gefärbten Hühner*
cholera-Präparaten. Wahrend man in den ersteren sehr viele Bacillen
bipolar gefärbt findet, sind in den letzteren die Bacillen in der bei
weitem grösseren Mehrzahl der Fälle in toto dunkelblau gefärbt,
wobei die Kerne der Gewebezellen blassblau und das Zellplasma
farblos erscheinen. Dies ist ein Beweis dafür, dass die Färbung
intensiv gewirkt hat, und dass man, ohne die Güte des Präparates
zu schädigen, die Differenziruog -vollkommen zu Stande bringt.
Schliesslich gebe ich hier eine kurze Debersicht des im Vorher*
gehenden geschilderten Ganges dieser Karbolraethylenblau-Methode.
Die auf Objektträger oder Deckgläschen aufgeklebten und in
Wasser liegenden Schnitte werden
1) 1/s— 1 Min. mit Karbolmethylenblau, eventuell unter Zuhilfe-
nahme von Wärme, gefärbt,
2) in Wasser kurz abgespült und
3) in 50 °/o Alkohol so weit entfärbt, bis sie blassblau, mit einem
Stich ins Grünliche, geworden sind.
4) Entwässerung in absolutem Alkohol.
5) Aufhellung in Xylol.
6) Einschlu88 in Harz.
Graz, den 6. November 1891.
Die Parasitenfauna von Tratte salar.
Von
Prof. Dr. F. Zschokke
In
Basel.
(8ohlnM.)
Wie im Rhein, gehen wohl auch im Tay die marinen Darm-
bewohner nach und nach verloren, ohne durch neue Zufuhr ersetzt
zu werden. Wohl aber werden sie, was für die Trutta salar des
Rheines nicht der Fall ist, durch Parasiten vertreten, die offenbaren
Süaswassercharakter tragen. So nähert sich die Parasitenfauna des
Taylachses in ihrer Zusamensetzung derjenigen beliebiger anderer
Wanderfische. (Siehe Tabelle III.) Eine Infektion mit dem im Darm
schmarotzenden, geschlechtsreifen Echinorhynchus proteus ist
nur durch den Genuas des Süsswasserkrebses Gammarus pulez
oder durch die Aufnahme von Süsswasserfischen möglich, die, wie
dies Hamann (13) ausführlich erörtert, gelegentlich eingekapselte
Echinorhynchus-Larven umschliessen. Auch Distomum
tereticolle ist eine reine Süsswasserform, So gelangen wir denn
830
Zschokkft,
auf para8itologischem Wege zu dem Schlüsse, den M'IntoBh, ge-
stützt auf andere Thatsachen, gezogen hat, dass der Lachs im Tay
wenigstens von Zeit zu Zeit Nahrung aufnimmt. Die Parasitenwelt
lehrt uns, was vielfach noch nicht als vollkommen bewiesen galt,
dass der ins Süsswasser wandernde Lachs in verschiedenen Strom-
gebieten eine verschiedene Lebensweise führt. Im Rhein fastet er
vollkommen, im Tay nimmt er wenigstens gelegentlich Nahrung auf,
seine reiche Besetzung mit Süsswasserparasiten in der Ostsee beweist
endlich, dass er sich dort in den Flüssen und wohl auch den bra-
kischen Buchten ununterbrochen weiter ernährt Dafür spricht die
Zusammensetzung der Parasitenfaunen in den verschiedenen Lachsen,
sowie die An- oder Abwesenheit und Natur von Schmarotzern im
Darm unterhalb des Pylors. Eine Vergleichung der Parasitenwelt
der 3 verschiedenen Lachse ergibt folgende, eines weiteren Kommen-
tars nicht bedürftige Tabelle.
Tabelle VIII.
3 'S
3
1
;Ji
"IUI
9 fl 5 •
2 9 * 79
'1*1
Ausser in Wanderfisehen
noch in
Meer-
8fiss-
wasser-
fiscfaeo.
S&ssw
fischen
Rheinisch*:
Ostsselnchs :
Schottischer Lachs:
SO
1
1
1
14
1
1
1
10
8
1
0
Durch Auffinden neuer Arten von Lachsparasiten und neuer
Wirthe für Schmarotzer von Trutta salar, sowie durch genaue
Bestimmung der heute noch ungenQgend bekannten Formen werden
die vorausgehenden Auseinandersetzungen und Tabellen etwelche
Modifikationen erleiden; doch dürften voraussichtlich die für Zusam-
mensetzung und Vertheilung der Parasitenwelt des Lachses heute
festgestellten Thatsachen nicht erschüttert werden. Vielleicht gelingt
es eher, dieselben noch mehr zu festigen und besser zu beleuchten.
Als allgemeines Resultat darf wohl auch hervorgehoben werden,
dass der Lachs eine der reichsten Parasitenherbergen unter den
Fischen ist Ausser den in vorliegender Arbeit schon erwähnten
31 Arten von Schmarotzern sind für Trutta salar noch angeführt
worden Bothriocephalus cordiceps von Leidy und eine
Art Leuckartia von Moniez.' Die Gesammtzahl der für den
Lachst bekannten Helminthen beläuft sich somit auf 33 Spezies , 7
Nematoden, 4 AcanthocephaJen, 7 Trematoden, 15 Cestoden. Ihre
Liste w&re^f olgende :
1) Ascaris adunca Rud., Darm, Magen, Schlund.
2) ABcaris angulata Rud., Schlund.
3) Ascaris clavata Rud., Darm, Peritoneum.
4) Ascaris (Agamonema) capsularis Dies., Darm,
Peritoneum, Leibeshöhle, Leber, Milz, Nieren, Geschlechtsorgane,
Darmwand.
5) Ascaris (Agamonema) communis Dies., Leber.
Die Pansitenfawft von TrntU saUr. 831
6) Aecaris Aculeati v. Linst., Schlundwand, Leber.
7) Gucullanus elegans Zed., Pyloranh&nge.
8) Echinorhynchus proteus Westramb, Peritoneum,
Darm.
9) Echinorhynchus pachysonius Crepl., Magen, Darm.
10) Echinorhynchus acus Rud., Schlund, Magen, Darm.
11) Echinorhynchus agilis Rud., Schlund.
12) Distomum varicum Zed., Schlund, Magen.
13) Distomum reflexum Crepl., Schlund, Magen.
14) Distomum Miescheri Zsch., Schlund.
15) Distomum appendiculatum Rud., Schlund, Darm.
16) Distomum ocreatum Rud., Magen.
17) Distomum tereticolle Rud., Darm.
18) Distomum spec. M'Intosh, Duodenum.
19) Bothriocephalus infundibuliformis Rud., Pylor-
anhänge, Darm.
20) Bothriocephalus cordiceps Leidy, Darm.
21) Bothriocephalus Osmeri (larva) v. Linst., Darmwand.
22) Bothriocephalus spec. I. (larva) Zsch., Darmwand,
Leibeshöhle.
23) Bothriocephalus spec. II. (larva) Zsch., Darmwand,
Leibeshöhle.
24) Bothriocephalus spec. III (larva) Zsch., Darmwand.
25) Schistocephalus dimorphus Grepl., Magen.
26) Triaenophorus nodulosus (larva) Rud., Leber.
27) Leuckartia spec. Moniez, Darm.
28) Tetrabothrium minimum v. Linst, Darm.
29) Rhynchobothrium paleaceum Rud., Darmwand,
Leber, Peritoneum.
30) Te t rar h y n chu s boI i d u s , Darmwand, Rectum, Peritoneum.
31) Tetrarhynchus grossus Rud., Rectum, Peritoneum.
32) Tetrarhynchus macrobothrius v. Sieb. (=Steno-
bothrium appendiculatum Dies.) Darmwand, Leber, Ovarium,
Leibeshöhle.
33) Tetrarhynchus spec. M'Intosh, Rectum.
Nur im Lachs kommen vor 11 Arten.
Ausser im Lachs nur noch in anderen Wanderfischen 2 Arten.
Ausser in anderen Wanderfischen nur noch in Meerfischen 9 Arten.
Ausser in Wanderfischen nur noch in Süsswasserfischen 3 Arten.
Gleichzeitig in Wander-, Meer- und Süsswasserfischen 8 Arten.
Zum Schlüsse mögen noch einige zum Yerständniss des Vorher-
gehenden nöthige systematische und biologische Bemerkungen über
einzelne Lachsparasiten angeführt werden. Ueber das Vorkommen
von Ascaris (Agamonema) capsularis Dies, in Trutta
salar habe ich den früheren Angaben nichts beizufügen (42), ebenso-
wenig der anatomischen Beschreibung v. Li n stow 's (21, 23, 24),
der wohl mit vollstem Recht die beiden Formen Agamonema
capsulare Dies, und Ascaris capsularis Dies, vereinigt.
832 fcsehokk«,
Im Lachs war der Parasit meistens in nissiger Zahl, seltener sehr
zahlreich in und an den verschiedensten Organen zu finden. Schon
Rudolphi (34) und Wedl (40) ist es aufgefallen, dass die aus
ihrer Kapsel befreiten Nematoden sich noch lange Zeit im Wasser
lebhaft bewegen. Ueber diese Eigenschaft des Agamonemen wurde
eine Reihe Versuche augestellt mit folgenden Resultaten: Es gelingt,
die Warmer in Wasser von gewöhnlicher Zimmertemperatur 18 — 21
Tage lebend zu erhalten. Schon Wedl (40) glückte es übrigens, die
Tbiere 8 Tage lang ausserhalb des Wirthes leben zu lassen. Bei
siukender Temperatur erlischt das Leben viel früher. Während im
August Bewegungen noch während 21 Tagen beobachtet werden
konnten, trat der Tod Ende Oktober und im November in 6—12
Tagen ein. Agamonemen, die man langsam vollständig eintrocknen
lässt, sind weder durch neue Wasserzufuhr, noch durch Temperatur-
erhöhung in's Leben zurückzurufen, v. L instow (24) betrachtet
Ascaris incurva aus Xiphias gladius als Geschlechtsform
der A. caps ularis; ich traf freilebende Exemplare des Warmes
im Magen von Galeus canis, neben Ueberresten von Conger,
der häufig mit Agamonema capsularia besetzt ist (42). Ein-
mal barg auch der Magen eines Rheinlachses 2 freie Exemplare
des Parasiten. Ascaris communis Dies, und A. Acileati
v Linst, entsprachen den durch v. Li n stow gegebenen Schilde-
rungen (21, 24); letztere Art bewohnte die befallenen Organe,
Schlundwand und Leber, sowohl in der Embryonal- als Larvenform.
Dass im Peritoneum von Barben gelegentlich eingekapselte
Echinorhynchen vorkommen, hat bereits Köhler (17) bemerkt
Hamann (13) stellt nun in seiner schönen Acanthocephalenarbeit
fest, dass Kratzerlarven in grosser Menge in der Leibeshöhle von
Phoxinus laevis liegen. Weniger h&ufig fand er die vollkommen
ausgebildeten Larven in Gasterosteus aculeatus, G. pun-
gitius, Gobitis barbatula, Gottus gobio und Gobio
fluviatilis. Die Würmer liegen hauptsächlich in Cysten an der
Oberfläche der Leber. Im Peritoneum des Rheinlachses begegnet
man ähnlichen Gebilden, die bis in die kleinste Einzelheit mit der
von Hamann (13) gegebenen Beschreibung und seinen Zeichnungen
übereinstimmen und somit als junge Stadien von Echino-
rhynchus proteus zu betrachten sind. Hamann zog aus den
von ihm gefundenen Larven in Forellen den typischen E. proteus
gross. So dienen denn neben dem Gammarus pul ex diesem
Parasiten gelegentlich auch manche Fische, unter anderen der Lachs,
als Zwischen wirthe. In Trutta salar allerdings gehören die er-
wähnten Larven nicht zu den häufigen Vorkommnissen ; von den hier
allein in Betracht kommenden Rheinlachsen waren nur 3,12 °/# damit
infizirt. Doch ist ihr Auftreten vollkommen festgestellt, und da E.
p r oteu 8 geschlechtsreif im Darm von schottischen Lachsen gefunden
worden ist, darf behauptet werden, dass der Lachs, wie andere
Fische, dem E. proteus als Haupt- und Zwischen wirth dient
Hamann erklärt das Vorkommen von Echinorhyncbus-Larven
in Fischen dadurch, dass von Gammarus pul ex frisch aufgenom-
mene Eier des Parasiten mit dem Krebs in den Fischdarm gelangen
Die Parasitonfauis von Tratte baIät. 833
und, nachdem derGammarus pul ex verdaut ist, dort ihre Larven
entlassen. Diese durchbohren die Darmwand der Fische und ge-
langen in der Leber und den Mesenterien der neuen Zwischenwirthe
zur Ruhe.
Für den Rheinlachs wird es wohl besser sein, anzunehmen, dass
zufällig Eier von E. proteus mit dem Wasserstrom in. den Darm-
kanal gelangen, wo die Larven ausschlüpfen und ihre Wanderung
beginnen. Nur einmal trafen wir ja im Darm des Lachses einen,
zudem kaum oberflächlich verdauten, Flohkrebs. Die Erwerbung einer
grösseren Zahl von Zwischenwirthen wird für die Verbreitung von
E. proteus nicht ohne Bedeutung sein.
Ueber die systematische Stellung des seltenen Distomum
Miescheri kann jetzt genügende Auskunft gegeben werden. Wenn
wir der Klassifikation von Stossich (37. 38) folgen, so gehört der
Parasit zu der kleinen Gruppe von Diatomeen, die der soeben ge-
nannte Autor unter dem Namen Gladocoelium zusammenfasse Sie
vereinigt die 3 Formen D. Paget li Beneden, D. veliporum Grepl.
und D. macrocotyle Dies. Alle sind durch die Verzweigung der
Darmschenkel ausgezeichnet und gehören ausschliesslich Meerfischen an,
eine Thatsache, die auch für den marinen Charakter von D. Miescheri
spricht. Unsere Form ist nahe verwandt mit dem D. veliporum
Crepl. sowohl, als mit dem D. macrocotyle Dies. Immerhin
unterscheidet sie sich scharf von beiden nicht nur durch äussere
Form- und Grössenverhältnisse, sondern durch den inneren Bau, so
dass ihre Artberechtigung nicht anfechtbar ist Es geht unserem
Trematoden der eigenthümliche Bau des Bauchnapfes, das „aceta-
bulum velatumu ab, das dem Distomum veliporum seinen
Namen eingebracht hat (Siehe Crepl in (5).) Von D. macro-
cotyle (siehe Diesing (8), Bellingham (1), Olsson (32)
unterscheidet sich D. Miescheri scharf durch den Bau des Darmes,
indem die Eingeweideschenkel, die sich bis in die hintere Leibesspitze
fortsetzen, bis über die Mitte ganz unverzweigt sind und erst nach
Beginn der zweiten Hälfte ihres Verlaufs kurze ventrale und dorsale
Blindsäcke abgeben. Dies steht sehr im Gegensatz zu D. macro-
cotyle, dessen Darmverhältnisse von den genannten Autoren, wie
folgt, charakterisirt werden: „Crura tractus intestini nigrofusca, in
collo ramis numerosis elongatis, exterioribus tantum instrueta, deinde
per plurimos angulos, singulos ramos alternatim emittentes, corpus
percurrentia." Die Verzweigung der Darmschenkel konnte in der
früheren Arbeit (42) wegen des ungenügenden Materials nicht ver-
zeichnet werden, es wäre das der dort gegebenen Beschreibung bei-
zufügen. Ebenso kann erwähnt werden, dass die Guticula an leben-
den Exemplaren eng und schwach geringelt ist. Die eigenthümlichen
äusseren Form Verhältnisse, die das D. Miescheri scharf von den
nächst verwandten Formen unterscheiden, traten in der früher ge-
schilderten Weiße auch bei den frisch gefundenen Exemplaren hervor;
ebenso die Gestalt, Lage und relative Grösse der Saugnäpfe. Das
grOsste, übrigens noch nicht geschlechtsreife Individuum mass 15 mm.
Ausgezeichnet sind die Thiere durch ihre Lebhaftigkeit, hauptsäch-
884 Z.chokk«,
lieh tasten sie fortwährend mit der vorderen , den Mundnapf lippen-
artig überragenden Leibesspitze.
Die im Lachs gefundenen Exemplare von Distomum appen-
diculatum Rud. schliessen sich in der inneren Organisation eng
an die von Monticelli (31) neuerdings gegebene Diagnose an.
Doch bleiben sie kleiner und sind nur in den seltensten Fällen deut-
lich geringelt, auch ist der Grössenunterschied der beiden Saugnäpfe
meistens nicht so bedeutend, wie er von Monticelli geschildert
wird. Sonst treffen die kleinsten Einzelheiten zu; es herrscht ferner
Uebereinstimmung mit dem D. oereatum, das Olsson (32) be-
schreibt, und dem D. ventricosum Wagener's (39). Beide
Formen aber sind identisch mit D. appendiculatum Rud. So
können denn die fraglichen Lachsdistomeen sicher zu letzterem ge-
zählt werden.
Ueber die Bothriocephalen-Larven aus Trutta salar ist
schon früher berichtet worden, so dass heute nur noch wenig beizu-
fügen bleibt. Noch einmal fand sich im Rheinlachs die schon früher
in erster Linie abgebildete und beschriebene Finne (42, 44). Sie
scheint, wie das vermuthet wurde (43), mit den Bothriocephalus-
Larven übereinzustimmen, die v. Li n stow (21) als Bothrioce-
phalus Oameri aus dem Stint beschreibt. Unter diesem Namen
ist der Wurm auch in vorliegende Arbeit aufgenommen worden.
Leuckart(18) erwähnt ähnliche Finnen aus Osmerus, Kerbert
(15) fand sie dort ebenfalls häufig in verschiedenen Entwickelungs-
stadien in Darm- und Magenwand, im Mesenterium, in der Leibes-
höhle und unter dem parietalen Blatt des Peritoneum. Die kleinsten
(0,75 bis 1 mm) lagen in der Wandung des Darmrohrs noch ohne
Kapseln, ähnlich wie die von mir zu B. Osmeri v. Linst ge-
rechneten Parasiten. Aeltere, 8 bis 15 mm lange Exemplare fanden
sich in Kapseln der Darmwand. Kerbert nimmt an, dass die
Plerocercoiden , nachdem sie an Grösse zugenommen, ihre Kapseln
verlassen und nach der Leibeshöhle und endlich in die Muskulatur
wandern. Zum En twickelungscyklus vonBothriocephalus latus
rechnet Kerbert die Larven aus dem Stint wegen ihrer Erschei-
nung und ihres Baues nicht; auch glückte es ihm nicht, aus ihnen
den breiten Bandwurm in Hunden gross zu ziehen. In 10 Lachsen
fand Kerbert keine Jugendstadien von Bothriocephalen.
Nicht auf die eben besprochene Finne lässt sich die zweite Form
aus dem Lachs (44, Fig. II) beziehen. Sie wurde nur einmal massig
häufig gefunden. Nach Art des Vorkommens, nach Gestalt und Bau
ist sie scharf charakterisirt (siehe 44) und weicht so in jeder Hinsicht
von allen anderen Larvenzuständen aus Trutta salar ab. In vor-
liegender Arbeit figurirt sie unter dem Namen Bothriocephalus
Bpec. I (larva). Als B. spec II (larva) sind die früher als III
und IV beschriebenen Formen zusammengefaßt worden, indem wieder-
holte neue Funde theils freier, theils eingekapselter Plerocerken sich
zwischen die zuerst isolirten Gebilde (III und IV) einschoben. Be-
sonders wurden für Grösse und Gestalt des Körpers, sowie für Zahl,
Form und Anordnung der Kalkkörper alle wünschenswerthen Deber-
gänge zwischen den früher getrennten Arten entdeckt Vielleicht ge-
Die Pantsitenfauna tod Tratte galar.
lingt es später, auf genügendes Material gestützt, auch diese Form II
an den Bothriocephalus Osmeri v. Linst, anzuknüpfen. Die
Angaben Kerbe rt's (15) lassen das als nicht unwahrscheinlich be-
trachten; einstweilen aber fehlen uns die zu einer solchen Verknü-
pfung nöthigen Anhaltpunkte. Ebensowenig wissen wir, ob die letzte
zu besprechende Larve mit den übrigen vereinigt werden kann. Von
dieser früher als V beschriebenen Larvenform, die in vorliegender
Abhandlung mit Bothriocephalus spec III (larva) bezeichnet
worden ist, fanden sich keine neuen Exemplare. Ihrer Beschreibung
ist nichts beizufügen. Mit II und III wurden, wie berichtet, Ueber-
tragungsvereuche auf den Menschen ohne Resultat gemacht. Es ge-
hören die Würmer also kaum zum Entwickelungsgang von Bothrio-
cephalus latus; auch Gestalt und Bau spricht dagegen. Trutta
salar scheint zufälliger oder richtiger Zwischen wirth mehrerer Bo-
thriocephalen zu sein, ohne dass die Bandwurmlarven als häufige
Gäste des Lachses bezeichnet werden könnten. K'e r b e r t (15), Lö n n -
b er g (26, 27), M'Intosh (29), Braun (2) fanden nie ähnliche
Gebilde.
Zufällig und selten wird der Lachs auch Larvenwirth von
Triaenophorus nodulosus. Die so typische Finne des in
manchen Süsswasserfischen häufigen Bandwurms fand sich einmal in
einem 24 mm langen Exemplare in der Leber eines Ostseelachses
eingekapselt Als zufälliger Gast darf auch der einmal in 2 Exem-
plaren im Magen einer Trutta salar aus der Ostsee gefundene
Schistocephalus dimorphus gedeutet werden. Offenbar infi-
zirte sich der Lachs mit dem Parasiten durch Genuss eines damit
bereits behafteten Stichlings. Einen ganz analogen Fall verzeichnet
übrigens Rudolphi (34, 35).
Von 2 grossen Tetrarhynchen wurde der eine als Tetra-
rhynchus solidus Drummond, der andere als T. grossus
Rud. bestimmt Die beiden Formen wurden bei früherer Gelegen-
heit (42) einlässlich besprochen. Das neue Material war geeignet,
mich in der Ansicht, dass die beiden Arten vereinigt werden sollten,
zu bestärken. Die etwa existirenden und von den Autoren (1, 10)
hervorgehobenen Unterschiede sind so geringfügig und scheinen so
wenig konstant, dass sie eine Trennung in zwei Spezies kaum recht-
fertigen. Beide Exemplare lagen, wie die 2 früher gefundenen, ohne
spezielle Kapsel im Peritoneum.
In Cysten der Darmwand, hin und wieder auch frei in der
Leibeshöhle und im Ovarium, wohnte wiederholt und oft in ansehn-
licher Zahl eine eigentümliche Gestodenlarve, die sich indessen bald
als identisch mit dem Tetrarhvnchus macrobothrius, wie
ihn v. Siebold schildert (36), und Bremser (3), wenn auch etwas
undeutlich, abbildet, herausstellte. Schon v. Siebold machte es
wahrscheinlich, dass der fragliche Tet rar hynchus die Jugendform
des Bothriocephalus bicolor Nordmann aus dem Darmkanal
von Pelamys sarda sei. Diesen Bothriocephalus beschreibt D i e-
sing (7, 9) unter dem richtigeren Namen Tetrar hynch ob othrium
bicolor und zieht als Jugendstadium definitiv einen Theil des
Tetrarhynchus macrobothrius v. Sieb. dazu. Die Larve
886 Eachokk«,
wird, wie folgt charakterisirt: „Caput longissimum, tetragouum, in-
crassatum , antice attenuaturo , apice truncatum , transverse rugosnm,
bothriis quatoor lateralibus, binis oppositis parallelis linearibus, capite
immersis, subaequilongis. Trypanorhynchi breves subcylradrici. Col-
lum breve obconicum depressiusculum. Articalus corporis brerö-
simus depressus, in Collum retractilis. Long. 2—3'", long, colli et
capitis llU—llU"\ latit. */,— Vt'". Blastocystis ignota.44
Ans dem übrigen Theil des Tetrarhynchus macrobo-
thrius v. Sieb, macht Diesing das nach ihm nur in Muskeln
und Leber des Lachses vorkommende Stenobothrium appen-
d i c u 1 a t u m. Die geschlecb tsreife Form ist unbekannt D i e 8 i n g 's
(9) Diagnose der Larve lautet: „Caput longissimum incrassatum, sab-
cylindricum apice rotundaturn, bothriis quatuor lateralibus, binis
oppositis parallelis linearibus, capiti immersis, subaequilongis. Try-
panorhynchi breves subcylindricL Collum breve, cylindricum, basi
rotundaturn. Articulus corporis ovalis. Blastocystis ignota. Longit.
tot 3'"; longit. capitis cum collo 2/"; lat V4'"; lat corp. V*"'*
Diese Diagnose gibt zu, dass Stenobothrium appendicu-
latum mit der Larvenform von Tetrarhy nchobothrium bi-
color in allen wirklich entscheidenden Punkten, speziell in Form
und Anordnung der Sauggruben und Rüssel vollkommen überein-
stimmt Alle angeführten Unterschiede beschränken sich auf geringe
Abweichungen der Masse und der Gestalt, die sich als verschiedene
Kontraktionszustände leicht erklären. Im Lachs finden sich nun
neben einander Larven, die theil weise dem Stenobothrium ap-
pendiculatum zugetheilt werden können, theilweise als Jugend-
form von Tetrarhynchobothrium bicolor betrachtet werden
müssen. Zahlreiche Exemplare aber der Würmer lassen sich end-
gültig weder der einen noch der anderen Form anschliessen. Sie
bilden alle möglichen Zwischenstufen , die sich je nach ihrer Zusam-
menziehung der einen oder der anderen Diesing'schen Diagnose
mehr n&hern. So kann kaum daran gedacht werden, Stenobothrium
appendiculatum aufrecht zu erhalten. Es ist diese Form iden-
tisch mit dem Tetrarhy nchus macrobothrius, der seine alte,
ihm durch v. Siebold gegebene Begrenzung wieder erhält Wie
dieser in zahlreichen Meerfischen wohnende Parasit ist Stenobo-
thrium appendiculatum des Lachses die Jugendform von
Tetrarhynchobothrium bicolor Dies.
Bothriocephalus infundibuliformis Rud. besitzt rand-
ständige und nicht flächenständige Geschlechtsöffnungen , wie ich
früher unrichtig annahm (41). Damit fällt die von Lönnberg (26)
geschaffene Art B. suecicus dahin. Das Missverständniss meiner-
seits rührte offenbar von einem ungenügenden Präparat her und ist
nunmehr durch Vergleich zahlreicher Exemplare des Bandwurms aus
Lachsen und aus Fischen des Genfer Sees gehoben worden.
Basel, 9. Oktober 1891.
Litteratur.
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Referate.
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of poisonous mussels. (British Med. Journ. 1890. No. 1550
p. 628.)
Verf. unterwarf Muscheln, die aus Seapoint bei Dublin stammten,
und deren Genuss den Tod einiger Personen durch Vergiftung her-
beigeführt hatte, einer bakteriologischen Untersuchung. Die Byssus-
ftden und das zwischen den Schalen eingeschlossene Wasser ent-
hielten eine grosse Anzahl von Mikroorganismen, deren weitere
Untersuchung mit Recht unterblieb. Aus der Leber isolirte der Verl
5 verschiedene Bakterienarten, von welchen ein kommaähnlicher
Bacillus identisch mit jenem zu sein scheint, welchen Lustig ans
der Leber von Mytilus edulis rein züchtete. Die Frage, ob
einer der Mikroorganismen Toxine produzire, lässt Verf., da Thier-
versuche bisher nicht angestellt wurden, vorläufig offen.
Kr41 (Prag).
Koch, Drei Fälle von Actinomycosis hominis. (München,
med. Wochenschr. 1891. No. 12 und 13.)
Ueber die Beobachtung von Strahlenpilzerkrankungen in Süd-
deutschland liegen nach den Ausführungen des Verf. bisher nur
wenige Mittheilungen vor. Er selbst hat während einer 8-jährigen
Praxis in Nürnberg nur 3 bezügliche Fälle zu behandeln gehabt,
deren ausführliche Krankengeschichten er nebst Epikrise veröffentlicht
Einmal war das subkutane Zellgewebe der linken Halsseite dicht
neben dem Kehlkopf, am vorderen Rande des Sternocleidomastoideos
der Sitz der Affektion gewesen, im zweiten Falle hatte die Erkran-
kung im hinteren Mediastinum begonnen und sich auf die linke
Lungenspitze, später auf die linke Hals- und Gesichtsseite ausge-
dehnt, im dritten Falle handelte es sich um Oberkiefererkrankung.
Bei dem ersten Patienten konnte der oberflächliche, dem Messer
leicht zugängliche Herd durch Operation entfernt werden, so dass es
zu recidivfreier Heilung kam ; in den beiden anderen Fällen trat trotz
gründlicher Operationen nach längerem Siechthum der Tod ein.
Die Diagnose war alle 3 Mal aus den Aktinomyceskörnern, welche
sich in griesähnlicher Form im Wundsekret, im Eiter und bei dem
zweiten Falle auch im Auswurf fanden, leicht hergeleitet worden.
dchatarimpfang, kön»tl. Infektioiukrmnkheitoii, EntwickelaogshemnaUng fttc 8$9
In keinem Falle wurde Metastasenbildung beobachtet; die Krank*
heit verbreitete sich vielmehr per continuitatem und vernichtete
dabei alle ihr im Wege liegenden Gewebe, selbst die Knochen.
Charakteristisch für die aktinomykotischen Herde war ihre
grosse Derbheit, welche von einer festen Verwachsung der verschie-
denartigsten Weichtheile unter einander herrührte, die starke ödema-
töse Schwellung ihrer Umgebung und nach dem Aufbruch, beziehent-
lich nach der operativen Eröffnung die schmierige Beschaffenheit
der durch Einlagerung vieler gelblicher Knötchen ausgezeichneten
Wundfläche.
Eine Eingangspforte der Pilze hat sich im ersten Falle gar nicht
nachweisen lassen, im dritten Falle sind dieselben wahrscheinlich
von kariösen Zähnen aus eingedrungen, während im zweiten eine
durch die Sektion festgestellte Perforation im Oesophagus, welche
mit dem Eiterherd im Mediastinum posticum kommunizirte, den
Gedanken an die Möglichkeit nahe legte, dass die Pilze mit der
Nahrung aufgenommen waren, sich zuerst im Oesophagus angesiedelt
und nach dessen Durchbohrung im hinteren Mittelfellraum Gelegen-
heit zur Ausbreitung gefunden hatten. Kubier (Berlin).
Schutzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten, Entwick-
lungshemmung und Vernichtung der Bakterien etc.
Bernhelm, Ueber die Desinfektionsgemische. (Dtsch.
med. Wochenschr. 1891. No. 8—9.)
Die Beispiele des Rotterin, der Karbolschwefelsäure und anderer
Präparate haben bewiesen, dass unter Umständen durch Mischung
verschiedener antiseptischer Mittel ein Desinfektionswerth erreicht
werden kann, welcher denjenigen jedes einzelnen Mittels übertrifft.
Der durch diese Erfahrung erreichte praktische Vortheil besteht
darin, dass sich Mischpräparate (z. B. das Rotterin) herstellen lassen,
welche bei hoher antiseptischer Wirkung dennoch die einzelnen Mittel
in äusserst geringer, dem Organismus unschädlicher Menge enthalten.
Der Verf. glaubt diese letzteren Eigenschaften vom Arthmann-
schen Kreolin rühmen zu können. Nach seinen Ausführungen sind
die Kreoline, welche bekanntlich durch Destillation aus dem Theeröl
gewonnen werden und durch Zusatz eines in den verschiedenen
Präparaten wechselnden Mittels die Emulsionsfähigkeit in Wasser
erbalten, Gemische von Kohlenwasserstoffen, Phenolen, Säuren und
dem Emulgens. Die Präparate von Hauff, Frank and Brock-
mann enthalten die Phenole in Gestalt von Karbolsäure und sind
daher nicht ungiftig; auch das Pearson'sche Kreolin, bei welchem
die Karbolsäure durch einige weniger giftige Kresole ersetzt wird,
kann nicht als unschädlich angesehen werden, nachdem He nie einen
durch das Präparat bewirkten Vergiftungsfall veröffentlicht hat.
Das Arth mann 'sehe Präparat enthält nur sehr wenig Phenole
§40 Bakteriologisch« AoMtoilang 4m Vll. InUrnAtioiuüea ttoagntMs ra London«
0,78:30,6 °/# Pearson) und ersetzt dieselben durch Theerölkehlen-
wasseretoffe, welche durch Sulfonirung mittelst konzentrirter Schwefel-
säure emulsionsfähig gemacht worden sind und erhöhte Desinfektkms-
kraft gewonnen haben. (Verf. theiit das Herstellungsverfahren aus
der Arth mann 'sehen Patentschrift mit)
Bernheim empfiehlt das Arthmann'sche Kreolin besonders
für die Dermatologie and für Fälle von voraussichtlich langwieriger
Behandlung alter Geschwüre, Fistelg&uge u. dergl. Dem durch die
bakteriologische Forschung geführten Nachweis einer sehr geringes
antiseptischen Wirkung des Präparates gegenüber beruft er sich auf
die günstigen Erfolge der Praktiker, besonders der Veterinäre.
Kubier (Berlin).
Ausstellungen.
Die bakteriologische Ausstellung des VTL internatio-
nalen Kongresses für Hygiene nnd Demographie
zn London, 10. — 17. August 189L
Unter der Benennung „Bakteriologisches Museum und
Laboratorium4' war im engen Zusammenhange mit der bakterio-
logischen Sektion des vom 10. bis zum 17. August v. J. zu London
tagenden VII. internationalen Kongresses für Hygiene und Demo-
graphie eine bakteriologische Ausstellung in den Bäumen der Lon-
doner Universität veranstaltet worden, die in der That als eine sehr
gelungene bezeichnet werden kann. Sie unterschied sich von ähn-
lichen Fachausstellungen vortheilhaft dadurch, dass nicht solche
Gegenstände Zulass gefunden hatten, welche zur Disziplin in keiner
oder nur in loser Beziehung stehen. Die Betheiligung an der Aus-
stellung von Seite des nicht-englischen Auslandes und bedauerlicher
Weise auch von Seiten Deutschlands und Oesterreich-Ungarns blieb
eine ziemlich massige. Um das Zustandekommen der Ausstellung und
die systematische Anordnung des Ganzen hat sich der Sekretär der
bakteriologischen Sektion, Armand Buffer, viele Verdienste er-
worben.
Das Studium der pathogenen Mikroorganismen, insoweit es durch
mikroskopische Präparate und durch Kulturen, sowie durch Photo- l
gramme und Zeichnungen von denselben etc. zur Darstellung gebracht I
werden kann, trat naturgemäss durch eine besonders grosse Anzahl j
von Ausstellungsobjekten hervor, unter welchen manches neue oder
doch weniger bekannte geeignet war, das fachmännische Interesse zu j
erregen. Crookshank (King's College, London) hatte eine Serie ;
von Schnitt- und Ausstrichpräparaten ausgestellt von Milzbrand beim ;
Pferde und beim Schweine, Streptococcus pyogenes beim
Menschen und Rind, Tuberkelbacillen in käuflichem Rahm, Tuberkel- i
Bakteriologische AoMtoUung d« VII, inUnuUioaalen Kongraaes sa London. 841
bacillen and Phagocyten, der Uebertragung der menschlichen Tuber -
cuioBe auf das Rind, Aktinomykose beim Menschen und beim Rind;
ferner Reinkulturen des Streptococcus pyogenes und Ery-
sipel, und von Tuberkelbacillen, dann Puotogramnie von denselben.
Die von Crookshank zur Besichtigung aufgelegten alten, mitunter
kostbaren Werke präbakteriologischer Forschung bildeten einen Mittel-
punkt allgemeinen Interesses. Wir brauchen hiervon nur zu nennen
Athanasius Kircher (1646), welcher schon vor mehr als 2 Jahr-
hunderten der Yermuthung Ausdruck gab, dass Krankheiten durch
kleinste Lebewesen hervorgerufen werden könnten, Leuwenhoek,
Nicolas Andry (1701), Lancisi (1718), R6aumur (1737),
Lesser (1742), Hill (1752), Pleuciz (1762), Bonnet (1768),
Spallanzani (1769), Baron Gleichen (1778) u. v. a. m. Die
reichhaltigste Sammlung von Tuberkelbacillenkulturen brachte No-
card (Alfort). Sie umfasste Kulturen von menschlicher, Pferde-,
Schweine-, Geflügel- und Fasanentuberculose. Letztere stammt von
einer 1886 angelegten und seither fortgeführten Kultur, dieselbe,
welche auch Rivolta und Maffucci zu ihren ersten Unter-
suchungen benützten. Erwähnenswerth sind die von einer spontanen
Taubentuberculose erhaltenen Kulturen. Der Bacillus der Tauben-
tuberculose ist leicht kultivirbar, die Kulturen haben ein trockneres,
schuppigeres Aussehen, als jene der Fasanentuberculose, besitzen,
jedoch den gleichen Virulenzgrad. Eine grössere Anzahl von Kul-
turen der Streptothrix des Rinderhautrotzes auf verschiedenen
Nährböden, ein Fragment von der Lunge eines experimentell hautrotz-
krank gemachten Hammels, Präparate vom Eiter und Schnitte von
Pseudotuberkeln mit schöner Doppelfärbung geben ein instruktives
Bild des farcin du boeuf. Die ausgestellten Stücke von mit rotz-
knotenartigen Geschwüren bedeckten Nasensepta von Maulthieren, die
von farcin d'Afrique befallen waren, sind ihrer Seltenheit wegen be-
merkenswert; ihnen schliessen sich die nach Weigert gefärbten
Schnitte von den Nasengeschwüren an, dann Präparate aus dem Eiter
und Photographieen. Der Parasit dieser Aflektion, der Crypto-
coccus farciminosus, ist ein sehr kleiner Saccharomy ces,
welcher, wie aus den ausgestellten Kulturen zu sehen war, am üppig-
sten und schönsten auf der Rübe gedeiht. Eine in den Gebirgs-
gegenden Frankreichs häufig auftretende, durch Coccidien bedingte
Hammel-Enteritis ist durch Weingeistpräparate, Zeichnungen und
mikroskopische Präparate dargestellt. Die Tumoren des Dünndarmes
enthalten Coccidien in überaus reichlicher Menge. Tuberkelbacillen-
kulturen auf verschiedenen Nährböden brachte auch Sir Beevor
(London). Das Bureau of Aniinal Industry (Washington) stellte
eine Anzahl Kulturen der Mikroorganismen von Hogcholera und
hämorrhagischer Septikämie, mikroskopische Präparate von Texas-
fieber und Mikrophotogramme aus. Klein (London) führte Kul-
turen von Diphtheriebacillen vor, die er vom Menschen, Rind
und Meerschweinchen gezüchtet hatte, ferner verschiedene Arten von
Streptokokken und eine Anzahl von Kulturen anderer pathogener
Mikroorganismen. Deläpine (St. George's Hospital, London) stu-
dirte den Einfluss der Temperatur, des Nährbodens und der Raum-
842 Bakteriologische Ausstellung des VII. internationalen Kongresses sa London.
konkurrenz auf die Wachsthumsenergie and die Formkonstanz von
Schimmelpilzen und brachte die Resultate in gelungenen Rein- und
Doppelkulturen zur Ansicht. Man sah den Aspergillus niger
und fumigatus und ein dem Oidium lactis nahestehendes, bei
einem Falle von Bronchopneumonie isolirtes Oidium einzeln oder
neben einander oder gleichzeitig mit Penicillium gl au cum auf
den üblichen Nährböden und auf Amylum, Cellulose, Gummischleim,
Paraffin , Hühnereiweiss , Hydroceleflüssigkeit und auf Muskel , Fett
und Epidermis von Menschen gezüchtet. Eine Reihe von Schnitt-
präparaten aus verschiedenen Organen eines Falles von Lepra
tuberosa zeigte die Formverschiedenheiten des Leprabacillus je
nach dem Orte seiner Ansiedelung und die Schwierigkeit der tinkto-
riellen Differential-Diagnose des Lepra- und des Tuberkelbacillus-
Eine Serie topographischer Schnitte durch ganze Organe, zumeist
Infektionskrankheiten betreffend, ein improvisirter Brütofen, welcher
auch als Dampfsterilisator benützt werden kann, und das von Del 6-
pine (1880) konstruirte automatische Mikrotom wären noch zu er-
wähnen. Mac Weeney (Dublin) brachte Kulturen von 23 Arten
von Mikroorganismen, die er aus dem Dubliner Trinkwasser isolirt
hatte. Elf Arten hiervon konnten mit bereits bekannten Mikroorga-
nismen identifizirt werden, 3 erwiesen sich als fakultative Ana&roben,
die Kaninchen innerhalb 48 Stunden tödten. Hankin (St. John's
College, Cambridge) stellte Kulturen seines Ascococcus Canta-
bridgiensis aus, welchen er im Munde eines Studenten gefunden
hatte. Dieser Ascococcus bedeckt schräg erstarrten Agar rasch mit
einem durchscheinenden, schleimigen, sehr zähen Ueberzuge von gelb-
lich weisser Farbe, wächst aber ziemlich langsam in Bouillon und
Gelatine. Vom Ascococcus Billrothi unterscheidet sich dieser
Ascococcus durch die längliche Gestalt seiner Individuengruppen
und die weniger deutlich sichtbare Kapsel. Washbourne (Guy's Hospi-
tal, London) zeigte eine hübsche Sammlung von Kulturen des Fried-
laender'schen Pneumobacillus, des Milzbrandbacillus und des
Fraenkel'schen Diplococcus auf verschiedenen Nährböden und
in verschiedenen Kulturformen, ferner gut gefärbte mikroskopische
Präparate der erwähnten Mikroorganismen, die aus Kulturen, Blut
und verschiedenen Organen, event. auch aus Sputum angefertigt
waren. Reichhaltig an Zahl und Arten war die Ausstellung von
Kulturen pathogener und nicht pathogener Mikroorganismen von
Heiige (Oxford), zum grösseren Theile auf schräg erstarrtem Agar,
theils als gewöhnliche Gelatine- und als Rollröhrchenkulturen , die
Anaeroben in hochgeschichtetem Traubenzuckeragar. Neben den be-
kannten Arten war auch ein noch nicht beschriebener Micrococcus
(agilis citreus) vorhanden. Aehnliche Bakterienkulturen hatten
noch Westhered (London) und Adaml (Jesus9 College, Cambridge)
ausgestellt, letzterer vorwiegend chromogene Arten, an welchen er
die Veränderung des pigmenterzeugenden Vermögens unter verschie-
denen Lebensbedingungen zeigte. Bokenham (St. ßartholoraew's
Hospital, London) führte ebenfalls Pigmentbakterienkulturen neben
Diphtherie- uiid Erysipelkulturen und Schnitten von einem Lepra-
knoten vor, desgleichen Boyee (London), welcher ausser Kulturen
Bakteriologische Ausstellung des VII. internationalen Kongresses in London. 343
ron chromogenen und pathogenen Mikroorganismen noch solche von
^äulnisserregern ausstellte; Dowdeswell (London) brachte Hefe-
Kulturen und Shattock (St. Thomas1 Medical School, London) Kul-
turen von Eiterkokken und von Proteus vulgaris, dann mikro-
skopische Präparate, welche die Impfwirkung derselben, wenn sie in
gewissen Körpersekreten gezüchtet werden, darstellen. HUlais
London) stellte Kulturen und Ausstrichpräparate des Erregers der
Hundestaupe aus, als welchen er einen die Gelatine unter Häutchen-
bildung verflüssigenden, nach Gram färbbaren Bacillus betrachtet,
dann Kulturen von 2 Mikrokokkenarten , die bei einfacher Hunde-
staupe nicht vorkommen, dagegen bei der pneumonischen Form ge-
funden werden, ferner eine Anzahl zugeschmolzener Glasröhrchen,
die verflüssigte Gelatinekulturen 5. Generation des ersterwähnten
Bacillus enthalten. Sie werden zum Immunisiren von Hunden gegen
Staupe verwendet, bei welchen durch Verimpfung des Röhrchen-
inhaltes eine milde Form nicht pneumonischer Staupe ausgelöst wird.
Murray (Newcastle - on - Tyne) brachte mehrere Tetanuskulturen,
unter welchen eine Traubenzuckergelatinekultur in flachem Fläschchen
durch besonders schöne charakteristische Entwicklung hervorragte.
Weiters wurden mikroskopische Präparate von Tetanusbacillen mit
Sporenfärbung und Präparate von Endocarditis beim Schweine (mit
violett gefärbten Bacillen auf blassrothem Grunde) vorgeführt. Kräl
(Prag) hatte sein „bakteriologisches Museum" ausgestellt, das durch
einige neue Dauerpräparate (Cladoth rix asterioi'des Eppinger,
Achorion Seh oenleinii Kräl u. a. m.) auf verschiedenen Nähr-
boden eine weitere Vervollständigung erfahren hat. Da in diesem
Centralblatte über die Kräl' sehen Dauerpräparate schon früher
(VI. p. 251 und X. p. 203) ausführlicher berichtet worden ist, be-
schränken wir uns auf die Anführung einer Verbesserung des Ver-
schlusses an den Dauerplatten, welche nun, anstatt des früheren
Paraffinverschlusses, ebenso wie die Reagenzglaskulturen zugeschmol-
zen werden. Vaughan (Michigan University, Ann Arbor) zeigte
Kulturen und die aus ihnen dargestellten Toxine eines von ihm aus
Wasser isolirten Bacillus, Hunter (London) Ptomalne und Toxal-
bumosen von Fäulnissbakterien. Woodhead (London) hatte 150
nach seinem Verfahren (Brit. Med. Journ. 7. April 1888, s. auch d.
Centralbl. DL p. 145) angefertigte Lungenschnitte ausgestellt, die
die verschiedenen Formen von Phthise, die Tuberkel- und die Kaver-
nenbildung veranschaulichen , dann Schnitte von Milz , Leber und
Nieren mit verschiedenen pathologischen Veränderungen, ferner eine
Anzahl von Zeichnungen und Photogrammen, die von diesen Schnitten
angefertigt wurden. Sewill (London) und Pound (Loudon) er-
zeugten experimentelle Zahnkaries dadurch, dass sie extrahirte ge-
sunde Zähne der Einwirkung von nicht sterilisirtem Speichel und
organischen Substanzen eine längere Zeit hindurch bei 37 ° über-
liessen und so, wie an den ausgestellten Zahnschliffen und Mikro-
photographieen schön zu sehen war, eine durch Mikroorganismen be-
dingte extensive Karies erzeugten, die mit der spontanen Zahnkaries
identisch ist. Die mikroskopischen Präparate von Karg (Leipzig)
demonstrirten die Einwirkung des Koch1 sehen Tuberculins auf Lupus
844 Bakteriologische Ausstellung des VIL internationalen Kongresses an London.
verschiedener Lokalisation. Parkes (London) zeigte, Schnitte von
Aktinomykose des Rindes, ans Australien stammend, Lodge (Brad-
ford) Präparate von Anthrax beim Menschen. Sir Roseoe und
Lunt hatten sich mit schönen Photogrammen von Bakterien ao*
Kanalwasser und ihrer Kolonien eingefunden, die mittelst eines von
ihnen improvisirten mikrophotographischen Apparates angefertigt
worden waren, Pringle und Bousfleld brachten ebenfalls zahl-
reiche Photogramme, unter andern auch von 8 Varietäten des Cholera-
bacillus. Die von Pound (London) angefertigten und ausgestellter
Zeichnungen und Diagramme von verschiedenen Mikroorganismen und
der von ihnen gebildeten Kolonieen in enormen Vergrösserungen ver-
folgen ähnliche didaktische Zwecke, wie die Eberth' sehen Wand-
tafeln. Hueppe (Prag) gelang es, wasserunlösliche Theerprodnkte
in wasserlösliche umzuwandeln und so aus Eresol, Natriumsalicjlat
und Wasser eine neutrale Lösung, das Salveol, darzustellen, die
unter gleichen Verhältnissen rascher auf die Virulenz von Mikroorga-
nismen einwirkt, als die Phenole. Eine Anzahl dieser Präparate war
zur Besichtigung aufgestellt worden.
Unter den bakteriologischen Hilfsapparaten und -Geräthen fielen
vor allen die Mikroskope durch ihre überaus reiche Anzahl ins Auge.
Die deutschen und österreichischen Fabrikate waren durch Mikroskope
von Zeiss, Leitz und Reichert würdig reprasen tirt , die C
Baker (London) neben seinen eigenen Mikroskopen und einem mikro-
photographischen Apparate ausgestellt hatte. Die meisten Mikro-
skope, mehr als 150 Stück, hatten R. und J. Beck (London) auf-
gestellt, und da sie der freien Benützung zur Verfügung Standes,
konnte sich der Besucher selbst ein Urtheil über das Verhältnis
zwischen Leistungsfähigkeit, technischer Ausführung und Preis bilden.
Es dürfte wohl in den meisten Fällen günstig gelautet haben.
Dieselbe Firma brachte auch Nebenapparate zum Mikroskop, Ein-
bettungsmateriale und Tinktionsmittel für mikroskopische Zwecke.
Mit Mikroskopen und deren Accessorien, Beleuchtungsapparaten etc
betheiligten sich noch Powell und Lealand, Swift, Crouch.
mit einer grösseren Kollektion von Farbstoffen für Bakterienfarbung
6|r übler (Leipzig), mit Materiale zum Härten, Fixiren, Einbetten.
Farbstoffen für Kern- und Plasmafärbungen und mit einer Reihe von
Desinfizientien Squire und Sons (London) an der Ausstellung.
Ausser dem an anderer Stelle erwähnten Mikrotome von Del 6p ine
mögen noch die Mikrotome von Bousfield, R. und J. Beck and
der Cambridge Scientific Instrument Co. hervorgehoben
werden. tiabritechewsky (München) zeigte seine vor kurzem in
diesem Centralblatte (Bd. X. p. 248) beschriebene graduirte Kapillar-
pipette zum Abmessen sehr kleiner Flüssigkeitsmengen und seine
Kulturschalen für Anaeroben vor. Die strebsame Firma F. und M.
Lautenschläger (Berlin) hatte sich mit mehreren Thermostaten,
worunter auch einer mit elektrischem Thermoregulator, mit Dampf-
sterilisatoren für Kleider, SterUisirungsapparaten für Instrument*
mittelst Natriumkarbonatlösung und mit verschiedenen bakterio-
logischen Utensilien und Glasgeräthen eingefunden. Thermostate
brachten ferner Orlffln und Frazer (Edinburgh) und Hearson,
Neue 'Litteratur. 845
letzterer auch einen solchen mit Eiskammer für konstante Tempera-
taren in heissen Elimaten. Arlolng (Lyon) stellte seinen Apparat
für bakteriologische Wasseruntersuchungen (s. d. Central!)]. Bd. V.
p. 257) aus, Despelgnes den von ihm konstruirten Thermoregu-
lator für Brütöfen mit Petroleumheizung (s. d. Centralbl. Bd. IX.
p. 24). Aus der reichen Sammlung bakteriologischer Geräthe der
P a st eur' sehen Schule, die Alvergniat Frferes (V.. Chabaud,
Paris) vorgefahrt hatten, möge ein Autoklav nach Ghamberland
und der Kuriosität halber der Gayon und Dupetit' sehe Apparat
zur Reinzucht aus Bakteriengemischen auf kapillarem Wege Erwäh-
nung finden. Kulturgefässe, Gläser zur Luftuntersuchung und andere
Behelfe hatten auch Baird und Lothian (Edinburgh) ausgestellt.
Kr AI (Prag).
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rÄ"TXÄS£Ä *"***?> «*-«■.»-"«*«■■•-"*
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f romnuuuuouo Bucbdrnokcrtl (Hermann Fohl«) in J«n&.
Bakteriologie und Parasitenkunde.
In Verbindung mit
Geb. Hofr. Prof. Dr. Leackart um Professor Dr. Loefller
In Lelpzif In GreUswald
herausgegeben von
Dr. O. TJhlworm in Cassel.
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
X. Band.
Jena, den 31. Dezember 1891.
No. 86.
Frei« für den Band (26 Nummern) 14 Mark.
Jährlich erscheinen zwei Bände.
— »f Zn beliehen durch alle BuchbandluDgen und Postanstalten. f<—
Systematisches Inhaltsverzeichniss.
L Original-Mittheüungen.
AmtUmoff, Ueber die Natur des Fisch-
giftes. 113
Babc$y Erklärende Bemerkungen über
„natürliche Varietäten'4 des Typhusba-
cillos. 281
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mikro biochemische Analyse. 733
BordonirüffreduMai, Ueber die Widerstands-
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den Auswürfen. 805
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Ei weisskÖrper. 699
— , Die Forschungsmethoden in der Im-
munitätsfrage. 737
Cappareüi, Beitrag sum Studium der Phago-
cyten. 377
G>An, Zur Geschichte der Leguminosen-
knb'Uchen. 190
Favrat und Chriitmann, Ueber eine ein-
fache Methode zur Gewinnung bacillen-
X. Bd.
reichen Lepramaterials zu Versuchs«
«wecken. 119
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tryptischen Enzyme der Mikroorganismen.
401
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LandgestUte und über den Krankheits-
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454
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Untersuchungen. Mit 3 Figuren. 348
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die Ursachen der angeborenen und er-
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Stern, Erwiderung. 74
Ludwig, Der Milch- und Rothfluss der
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pilses im Saftfluss der Bäume. 214
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Maggiora und Oradenigo, Beitrag sur Aero-
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inermis fenestrata. (Orig.) 145
Marpmann, Mittheilungen aus der Praxis.
122
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458
Martmotti und Tedetehi, Untersuchungen
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Milsbrandes in die Nerreuentra. 645.
693. 635
MoeUer, Ueber eine neue Methode der
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logischen Verhältnisse des Bacillus des
malignen Oedems. 822
Pregi, Ueber eine neue Karbolmethylenblau-
Methode. 826
FodbuUbg, Erklärung. €05
Bemech, Zur bakteriologischen Untersuchuar
des Trinkwassers. 415
Bothert, Bemerkung su der „Erklärung*-
des Herrn Dr. A. Podbielsky. 607
Sonorem, Weitere Mittheilungen über Gift-
tbeorie und Phagozytose. 513
— , Der menschliche Speichel und die patho*
genen Mikroorganismen der Mundbohle
81?
Schäl, Beiträge sur bakteriologischen
Technik. Mit 8 Figuren. 657
Scher y Ueber die fragliche Immunisatk»
durch Alkalisation mittelst Natrium bi-
carbonicum. 73$
Schult», Zur Frage von der BerettoBg
einiger Nährsubstrate. 5!
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traumatieus durch das ron Prof. Guide
Tissoni und D^n Gattani bereitete Anti-
toxin des Tetanus. 785
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Wyeeohowie», Zw Frage ron der Lokati-
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der Thiere. 45
Zettnow, Ueber den Bau der Bakterie*
Mit 1 Tafel. 689
Zsehokhe, Die Parasitenfanna von TretU
salar. 694. 738. 782 8??
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Braun, Bericht über die Fortschritte in der
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421. 465. 498. 524
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der bakteriologischen Untersuchungsme-
thoden seit dem Jahre 1887. (Orig.)
260. 288. 323. 356. 393. 430. 471.
499. 5»
Heim, Nachträge tu: Die Neuerungen ml
dem Gebiete der bakteriologischen Unter
suchungsmethoden seit dem Jahre 1887
(Orig.) 575
Register.
851
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— , Bakteriologische Untersuchungsmetho-
den. 284
— , Grundriss der Militirgesundheitspflege.
669
Maefadgen, Nenehi und Bieber, Unter-
suchungen Über die chemischen Vorginge
im menschlichen Dünndarm. 82
Marpmann, Mittbeilungen aus der Praxis.
(Orig.) 122
— , Praktische Mittheilangen. Mit 2 Fi-
guren. (Orig.) 458
Migula, Die Bakterien. 701
MoeÜer , Ueber eine neue Methode der
Sporenfftrbung. (Orig.) 273
Naunyn, Ueber das Vorkommen von Spalt-
pilzen in der Gallenblase. 92
Ogniannikow, Ein modifisirter d'Arsonval-
scher Thermostat mit Benzinheizung. 182
Parkes, A mannal of practical hygiene. 559
Pregi, Ueber eine neue Karbolmethylenblan-
Methode. (Orig.) 826
Prudden, Mitchell and Hodenbyl, 8tudies
on the action of dead bacteria in the
living body. 708
Reimer; Ueber den Gehalt des Bodens an
Bakterien. 489
Rekueh, Zur bakteriologischen Untersuchung
des Trinkwassers. (Orig.) 415
SchtUtm, Zur Frage von der Bereitung
einiger Nfthrsubstrate. (Orig.) 52
Zettnote, Ueber den Bau der Bakterien.
Mit 1 Tafel. (Orig.) 689
Geschichte.
Buchner, Kurse Uebersicht Aber die Ent-
wicklung der Bakterienforschung seit
Naegeli's Eingreifen in dieselbe. 849
Cohn, Zur Geschichte der Leguminosen-
knöllcben. (Orig.) 190
Schriften zur Systematik und Bio-
logie der Bakterien and anderer
pflanzlicher Mikroorganismen.
Almquitt, Pemphigus neonatorum, bakte-
riologisch und epidemiologisch beleuchtet.
492
Amthor, Beobachtungen Aber den Saccbaro-
myces apiculatus. 157
Arustamof, Ueber die Natur des Fisch-
giftes. (Orig.) 118
Athinson, Anthracnose of Gotton. 808
Babet , Erklärende Bemerkungen Aber
„natürliche Varietäten" des Typhusba-
dllus. (Orig,) 281
Bagmekff, Zur Aetiologie der Diphtherie.
Der Loeffler'sohe Bacillus. 806
Bardt Les selles des fäbricitants au point
de vue bacteriologique. 105
Beyerinck, Kulturversuche mit Zoochlorellen,
Lichenengonidien und anderen niederen
Algen. 75
— , Qualitative und quantitative mikrobio-
chemische Analyse. (Orig.) 723
Biemacki, Ueber die Eigenschaft der Anti-
septica, die Alkoholgfthrung su be-
schleunigen und Aber gewisse Abhängig-
keit Ihrer Kraft von der chemischen
Baustruktur, der Fermentmenge und der
Vereinigung miteinander. 296
Bombieei, Della disinfesione degli ambienti
infetti da virus tetanico. 22
Bocker, A study of some of the Bakterie
54*
852
Register.
(band in the faeces of Infant» affected
witb sammer diarrhoea. 384
Bordonirüfredmi, üeber die Widerstands-
fähigkeit des pneumonischen Virus in
den Auswürfen. (Orig.) 805
Braat», Die Bedeutung der Anaärobiose
für die Wundheilung and für die allge-
meine Pathologie. 868
Brummer, Ueber Ausscheidung pathogener
Mikroorganismen durch den Scbweiss. 368
BrunUnctki, Zur Frage über die Bolle der
Mikroorganismen bei der Bildung des
Limanschlammes. 194
Büchner, Kurse üebersicht Ober die Knt-
wickelung der Bakterienforschung seit
Naegeli's Eingreifen in dieselbe. 849
— , Zur Nomenklatur der schfitsenden Ei-
weisskörper. {Orig.) 699
— . Die Forschungsmethoden in der Im-
munitätsfrage. {Orig.) 727
du Camal et VaiBard, 8or une maladie
parasitaire de l'homme transmissible au
lapin. 761
Cazemeuve, 8ur le traitement des vignes
phylloxerees par le sulfare de earbone
melange de raseline. 855
Chor, Traitement du charbon par le bi-
carbonate de soude d'apres la methode
de M. Podor. 760
de Chrittmae, Etüde sur les substanees
microbicides du slrum et des organes
d'animaux a sang chaud. 766
Com», Bacteria in the dairy. 858
Qrookehank, On Streptococcus pyogenes. 648
— , On the question of the identity of
Streptococcus pyogenes with Strepto-
coccus erysipelatosus. 648
Dangeard, Contribution a l'etude des Bac-
teriacees vertes (EubacUlus gen. nov.).
745
David, Les microbes de la bouche. 609
Denmig, Ueber septische Erkrankungen mit
besonderer Berücksichtigung der krypto-
genetischen Septixopyänfle. 643
Detpeigne*, Ktude experimentale sur les
microbes des eaux avec applications
k l'bygifene sanitaire de la ville de Lyon.
563
Eberth, Wandtafeln für Bakterienkunde fttr
den Gebrauch bei Vorlesungen. 951
EtseUberg. von, Nachweis von Eiterkokken
im 8ch weisse eines Pyämiscben. 492
Eilt* and Anderton, A new Ustilago from
Florida. 103
Eüi* and EverhaH, New species of Ure-
dineae and Ustilagineae. 104
Enderlen, Primäre infektiöse Pyelonephritis
beim Rind. 94
— , Versuche über die bakterienfeindliche
Wirkung normalen und pathologischen
Blutes. 753
Eraud und Hugounenq, Action de certaines
couleurs d'aniline sur le deVeloppemea:
et la virulence de quelques microbes. 615
Famio, Concorrensa ritale fira i bacteri
della patrefasione, e quelli de carbonchic
e del tifo. 761
Fermi, Weitere Untersuchungen Aber die
trjptischen Ensyme der MikroorganismeiL
401
Fiedeler, Ueber die Brustseuche im Koseier
Landgestfite und Aber den Krankheits-
erreger derselben. (Orig.) 810. 841. 880
408. 464
FinbeltUm, mit Nachtrag von Brich, Bak-
teriologische Untersuchungen von Ver-
band-Binden namentlich der Jahre 1850.
1864 und 1868. 747
Fischer, Die Plasmolyse der Bakterien. 158
Fodor, Zur Frage der Immuniaation dnreb
Alkalisation. (Orig.) 7
Frank, Ueber den* Verlauf der Kirschbaum-
Gnomonia - Krankheit in Deutschland
nebst Bemerkungen Aber fiflentfehe
PflanaenschuUmassregeln8berhaa.pt. 752
Fraenhet, Ueber peritoneale Infektion. 160
FranHand, Stanley and Frew , Fennes-
tations induced by the Pneumococcus of
Friedländer. 222
Gabritsehemhy, Ein Beitrag aar Frage der
Immunität und der Heilung von Infek-
tionskrankheiten. (Orig.) 151
Gaertner und Roemer, Üeber die Einwirkung
ron Bakterienextrakten auf den Lympb-
strom. 759
Gamaleia, De Timmunit^ pour le vibrioc
de Metschnikoff. 133
Giard, Lisaria, parasite de la larre de
hanneton. 230
— , Sur Tlsaria densa (Link), parasite da
Ver blanc. 750
Gilbert et Girode, Contribution k V&n&t
chimique et bacteriologique du choltrs
nostras. 80S
Gottttem , Zusammenfassende Üebersicht
fiber die bakterienvernichtende Eigen-
schaft des Blutserums. 753
Gruber, Micromyces Hoffmanni. 64S
Guinard, Sur un mode possible de tran*-
mission de la tuberculose chea les asi-
568
Hanhin, Ueber die Nomenklatur der
schütsenden Eiweisskörper. (Orig.) 337,
377
Hansen, Qu'est-ce que la levüre pure d«
M. Pasteur? 557
Heim, Die Neuerungen auf dem Gebiete
der bakteriologischen Untersuchungsme-
thoden seit dem Jahre 1887. [Orig.) 260.
288. 323. 356. 393. 430. 471. 499
529. 575
Herman, De l'influence de quelques va*
riations du terrain organxque sur 1'actioc
des microbes pyogenes. 803
Register.
853
Hotfa, Weitere Beiträge rar Kenntnis» der
Fäulniaebakterien. 522
Höflich, Die Pyelonephritis bacillosa des
Rindes. 94
Hueppe, Ueber asiatische Cholera and Un-
tersuchungen über den Kommabaeillas.
619. 647
KarUkski, Znr Kenntniss der pyoseptikä-
mischen Allgemeininfektionen. 491
Kaufmann, Ueber einen neuen Nährboden
für Bakterien. (Orig.) 65
Kayeer, Contribution ä Tetude physiologique
des levüres alcooliqnes dn lactose. 418
— , Note sur les formen ts de l'ananas. 489
KijanoweJd, Znr Frage Aber die antimikro-
biellen Eigenschaften des Hagensaftes. 235
Kirchner, Braun fleckigkeit der Gersten -
blÄtter. 259
Kitasato , Experimentelle Untersuchungen
über das Tetanusgift. 438
Klein, Ein neuer Bacillus des malignen
Oedems. (Orig.) 186
Kluge, Chemotaktische Wirkungen des Tu-
ber culins auf Bakterien (Orig) 661
Koch, Jahresbericht über die Fortschritte
in der Lehre von den Gährungs-Orga-
uismen. I. 801
Kolb, Zur Aetiologie der idiopathischen Blut-
fleckenkrankheit (Purpura haemorrhagica,
Morbus maculosns Werlhofii). 17
Kostjurin und Krahuky, Ueber Heilung
des Milzbrandes durch Fäulnisstoxine
(Extrakte) bei Thieren. (Orig.) 658. 599
Krämer, Ueber einen rothgefärbten, bei der
Verg&brung des Mostes mitwirkenden
Sprosspilz. 124
— , Bakteriologische Untersuchungen Über
die Nassflule der Kartoffelknollen. 164
Kratter, Ueber die Bedeutung der Ptoma'ine
für die gerichtliche Medicin. 26
I^aechij Die Mycoderma und die Praxis 192
Le Mouli, Le parasite dn hanneton 163. 750
Lcroy, A biological study of the microbe
of erysipelas. 255
Levy, Ueber die Mikroorganismen der Eite-
rung. Ihre Spezifität , Virulenz , ihre
diagnostische und prognostische Bedeu-
tung. 642
Letoandowsky, Ueber Indol- und Phenol-
bildung durch Bakterien. 220
Lingelsheim, t>. , Experimentelle Untersu-
chungen Über morphologische, kulturelle
und pathogene Eigenschaften verschie-
dener Streptokokken. 460
Linoeeier, Action de l'acide sulfureux sur
quelques Champignons inferieurs et en
particnlier sur les levüres alcooliqnes. 23
Loch, Ueber einen bei Keratomalacia in-
fantum beobachteten Kapselbacillus.
(Orig.) 869
Lortet, Mierobes pathogenes des vases de
la mer Morte. 567
Ludwig, Der Milch- und Rothfluss der
Bäume und ihre Urheber. (Orig.). 10
— , Ueber das Vorkommen des Moschus-
pilses im Saftfluss der Bäume. (Orig.)
214
Maejadyen, Nencki und Sieber, Untersu-
chungen über die chemischen Vorgänge
im menschlichen Dünndarm. 82
Maggiora und Oradenigo, Beitrag sur Aetio-
logie der katarrhalischen Ohrentsün-
dungen. (Orig.) 625
Magnus, Verzeichniss der am 16. Mai und
1. Juni 1890 bei Freienwalde a. O. be-
obachteten Pilse. 108
Martmand itRicUch, Des microorganismes
que Ton rencontre sur les raisins mürs
et de leur developpement pendant la
fermentation. 99
MartmotH und Tedeechi, Untersuchungen
Über die Wirkungen der Inokulation des
Milzbrandes in die Nervenzentra. (Orig.)
545. 593. 635
Me Weeney, Preliminary note on the bac-
teria of poisonous mussels. 838
MeUehmkoff et Roux, Sur la proprio
bactericide du sang de rat. 756
Modler, Ueber eine neue Methode der
Sporenfärbung. (Orig.) 278
Oertel, Ueber das diphtherische Gift und
seine Wirkungsweise. 220
Ogata, Ueber die Immunitätsfrage. 754
Paeternaeki, Eine neue Methode der Er-
haltung und Kultur der Obermeyer 'sehen
Spirochaeten in Blutegeln (Hirudo medi-
cinalis). 198
Penao, Beitrag zum Studium der biologischen
Verhältnisse des Bacillus des malignen
Oedems. (Orig.) 822
Betermann, Sur la substance bactericide du
sang decrite par le professeur Ogata. 755
Petri, Versuche über das Verhalten der
Bükterien des Milzbrands, der Cholera,
des Typhus und der Tuberculose in be-
erdigten Thierleichen. 125
— , Ueber die Widerstandsfähigkeit der
Bakterien des Schweinerothlaufs in Rein-
kulturen und im Fleisch rothlaufkranker
Schweine gegen Kochen , Schmoren,
Braten, Salzen, Einpökeln und Räuchern.
135
Podbieltky, Erklärung. (Orig.) 606
Rothert, Bemerkung zu der „Erklärung" des
Herrn Dr. A. Podbielsky. (Orig.) 607
PoirauÜ, Les Ureclinäes et leurs plante»
nourricieres. 104
Pokrowiky, Mikroorganismen aus dem
Wasser des Kura-Flusses und der Tifliser
Wasserleitung im Zeitraum Tom Februar
bis Mai 1891. 566
Premdetberger, Znr Kenntniss der Bakte-
rien des Unternagelraumes und zur Des-
infektion der Hände. 184
854
Register.
PHUimm, Le Seigle euivrant 100
Prillitm* et Ddamm, Le Champignon para-
site de U Unre da hanneton. 163
Protopopof, Bor U questton de U streetare
des baeteric*. 70t
Baum, Zur Morphologie and Biologie der
Sprosspilse. 79
Betneeh, Zur bakteriologischen Unterem-
chong des Trinkwassers, ((big.) 415
ßanarelU, Der menschliche 8pcichel und
die pathogenen Mikroorganismen der
Mundhöhle. (Orig.) 817
SdmUm, Zur Frage Ton der Bereitung
einiger Nihrsubstrate. (Orig.) 6t
Sera/Uü et Erriquem, 8ttlT aaione dell sangne
di animali immoni inocalato ad animali
snscetübili del carbonchio. 765
Smith, Tkeobald, Kleine bakteriologische
Mittheilungen. Mitt Figuren. {Orig.) 177
— , The Peach Rosette. 192
Sorokm, Ueber einige Krankheiten der
Knltnrpflauaen im Sfid-Ussurischen Ge-
biet. 288
SemVtwarth, Ripe rot of grapes and apples
(Oloeosporiam frnctigennm Berk). 612
Sproneh, Zar Kenntniss der pathogenen
Bedeutung des Klebs-Loeffler'schen Diph-
theriebacillas. 419
Tangl, Ueber das Verhalten der Tuberkel-
bacillen an der Eingangspforte der In-
fektion. 320
Thümen, ron, Ueber einige besonders be-
achtenswertbe, dnrch parasitische Pilse
hervorgerufene Krankheiten der Apfel«
baumblfttter. 675
Trapeznikoff, Da sort des spores de mi-
crobes dans l'organisme animal. 768
TrombeUa, Die Ftulnissbakterien and die
Organe and das Blat gern gesund ge-
töteter Thiere. {Orig.) 664
Tvrrö, Contribacion ad estadio de la espo-
rulacion del bacillas anthracis. 91
Vaülard et Vincent, 8nr le poison tdta-
niqae. 14
Wasiermann and Protkamer, Ueber die an
den Diphtheriebacillen ansagten Tox-
albnmine. 645
Werihem, Zur Lehre ron der Gonorrhoe.
886
Weyl, Zar Chemie und Toxikologie des
Taberkelbacillas. 819
Hill, Zwei Hefearten, welche abnorme Ver-
änderungen im Bier veranlassen. 621
Wolf, Ueber Aktinomykose. 188
Woronm, Ueber das „Taumelgetreide" in
Sild-Ussurieu. 281
Wortmann, Ueber die neuesten Unter-
suchungen bezüglich der Organismen der
Nitrifikation und ihre physiologische Be-
dentang. 76
Zacharias, Die Thier- and Pflamenwelt
des SUtswassers. 562
Ueber den Bau der Bakterien
Mit 1 TafaL (Orig) 68?
Zweiter Taberculose-KoDgress. 43*
FlalniM.
Bombied, Salin resistenza alle, pvcrefiuione
del virus tetanico. 21
Famo, Coacorreaaa vitale fitm i bectari delis
potrefasione, e quelli de carbonehio e del
tifo. 7S1
Uofa, Weitere Beitrage aar Kenntniss der
Faulnissbakterien. 522
Komjwrm und AVusnacy, Ueber Heilang de»
Milzbrandes durch Flulnititoxine (Ex-
trakte) bei Thieren. (Orig) 663. 59$
TrombeUa, Die Ffinlnissbekterien und die
Organe und das Blut ganz gesund ge-
testeter Thiere. (Orig.) 6*4
GähniDg.
Amtkor, Beobachtongen über den Saecharo-
myces apicolatns. 157
Biemacki, Ueber die Eigenschaft der Antx-
septica, die Alkoholganrung an be-
schleunigen und Über gewisse Abhängig-
keit ihrer Kraft von der chemischen Beo-
struktur, der Fermentmenge and der Ver-
einigung miteinander. 296
Fermi, Weitere Untersuchungen ober die
tryptiseben Enzyme der Mihroorganismcc.
(Orig.) 401
Franiiamd, Stanley and Frew, Farmentarioni
induced by the Pneumoeoceus of Fried-
lftnder. 22S
Hansen, Qu'est-ce que la lerüre pure de
M. Pasteur ? 557
Kayer, Contribution a l'ltude phyaiologiqce
des levüres alcooHques da Uctoee. 41*
— , Note sur les ferments de l'ananas. 48?
Koch, Jahresbericht Ober die Fortschritt«
in der Lehre von den Gthrungs-Orgs-
nismen. I. SGI
Kramer, Ueber einen rothgeflrbten, bei der
Verg&hraog des Mostes mitwirkende;
8prosspils. 114
Latoki, Die Mycoderma und die Praxis. 192
Lmouier, Action de l'acide solforenx ser
quelques Champignons Interieurs et es
partteulier sur les levüres aleoolique* 23 I
Maefadyen, Neneki and Sieber, Untersc
chungen über die chemischen Vorging |
im menschlichen Dünndarm 8: |
Marünand et BieUek, Des mieroorganismö
que Ton renoontre sur les ralains mar»
et de lear developpement pendant U j
fermentation. tf I
Baum, Zar Morphologie und Biologie der
Sprosspilse. 7! ;
ViUiert, Sur la fermentation de la fec^l« |
par l'action du ferment butyrique. 2S3
Register.
855
I l sl£p Zwei Hefearten, welche abnorme Ver-
änderungen im Bier veranlassen. 521
Nitrifikation«
SUeJkm, Die Kieselsäuregallerte als Nänr-
snbatrat. {Orig) 209
HbrtauM», Ueber die neuesten Unter-
suchungen bezüglich der Organismen der
Nitrifikation und ihre physiologische Be-
deutung. 76
Beziehungen der Bakterien und
anderer pflanzlicher Parasiten
zur unbelebten Natur.
Bakterien etc. und Wasser.
Hanti, L'epidemia di tifo in Firense nei
»uoi rapporti con l'acqua potabile. 804
IJcyeHnck, Qualitative und quantitative
xnikrobiochemische Analyse. (Orig.) 723
Jirtuüowihi, Zur Frage Über die Rolle der
Mikroorganismen bei der Bildung des
Limanschlammes. 194
Z>cspeigne$, Etüde expenmentale aar les
microbes des eauz avec applications
& l'bygiene sanitaire de la ville de Lyon.
568
Gxrinard, Sur un mode possible de trans-
znisaion de la tuberculose ches les ani-
maux. 568
Lcrtet, Microbes pathogenes des vases de
la mer Morte. 567
Malvoz, Quelques r&sultats d'analyses mi-
crobiologiqaes d'eaax de Liege. 197
Pokrotesky , Mikroorganismen aus dem
Wasser des Kura- Flusses und der Tifliser
Wasserleitung im Zeitraum vom Februar
bis Mai 1891. 566
Bettuch, Zar bakteriologischen Untersu-
chung des Trinkwassers. (Orig.) 415
Zachariae, Die Thier- und Pflanzenwelt
des Süss wassers. 562
Bakterien etc. und Boden.
Bombicei, Sulla resistensa alla putrefaiione
del virus tetanieo. 21
BrusHowthy, Zur Frage über die Bolle der
Mikroorganismen bei der Bildung des
Limanschlammes. 194
Hemzdmatm, Ueber die Verbreitung des
Tetanuserregers In Fehlbodenfullungen
Münchner Häuser. 646
Reimers, Ueber den Gehalt des Bodens an
Bakterien. 489
Wortmann, Ueber die neuesten Untersu-
chungen besüglich der Organismen der
Nitrifikation und ihre physiologische Be-
deutung. 76
Bakterien etc. in Nahrungs- und
Genussmitteln.
Amthor, Beobachtungen Über den Saccharo-
mycoe apiculatus. 157
Arloing, Prophylaxe der menschlichen und
thierischen Tuberculose. 776
Aruetamoff, Ueber die Natur des Fisch-
giftes. (Orig.) 118
Bang, Uebertragbarkeit der Tuberculose
von Thieren auf den Menschen. 771
Burdon- Sander son, Ueber die Aetiologie
der Tuberculose. 769
Ctmn, Bacteria in the dairy. 252
Eicherieh, Ueber Milchsterilisirung aum
Zweck der Säuglingsernährung mit De-
monstration eines neuen Apparates. 26
Hansen, Qu'est-ce qae la levüre pure de
M. Pasteur? 557
Hippins, Ein Apparat zum Sterilisiren der
Milch im Hause. 20
Kayser, Contribution a l'etude physiologique
des levüres alcooliques du lactose. 418
Kramer , Ueber einen rothgefirbten, bei
der Vergährung des Mostes mitwirkenden
Sprosspilz. 124
KuqUt, Worin sind die Hauptursachen für
die starke, immer noch wachsende Ver-
breitung der Tuberculose zu suchen und
was kann und soll der Staat zur Aus-
rottung beaw. Eindämmung dieser ver-
derblichen Krankheit thun? 528
Laeehi, Die Mycoderma und die Praxis. 192
Maefadyen, Neneki und Sieber, Untersu-
chungen über die chemischen Vorgänge
im menschlichen Dünndarm. 82
Mae Fadyean und Sims Woodhead, Ueber
die Uebertragung von Tuberculose von
Thieren auf Menschen durch Fleisch und
Milch tuberculöser Thiere. 772
Martinand et RieUeh, Des microorganismes
que Ton rencontre sur les raisins mürs
et de leur dlveloppement pendant la
formen tation. 99
Mo Weeney, Prelimiuary note on the bac-
teria of poisonous mussels. 858
Pttri, Ueber die Widerstandsfähigkeit der
Bakterien des Schweinerothlaufs in Bein-
kulturen und im Fleisch rothlaufkranker
Schweine gegen Kochen t Schmoren,
Braten, Salzen, Einpökeln und Bäuchern.
185
Frühe**, Le Seigle enivrant 200
Renk, Ueber Marktmilch in Halle. 193
SchouU, Verbreitung von Tuberculose durch
Nahrungsreste von Phthisikern. 775
Sorobm, Ueber einige Krankheiten der
Kulturpflanzen im Süd-Ussurischen Ge-
biet. 28S
Soxhlet, Ein verbessertes Verfahren der
Milchsterilisirung. 203
856
Register.
Wut, Zwei Hefearten, welche abnorme Ver-
Änderungen im Bier veranlassen. 521
Wcronin, Ueber das „Tanmelgetreide" in
Süd-Ussurien. 231
Bakterien eto. in Gebrauchsgegen-
ständen.
Finkelttem, mit Nachtrag von Räch, Bak-
teriologische Untersuchungen von Ver-
band-Binden, namentlich der Jahre 1850,
1864 und 1868. 747
Klemm, Ueber Catgatinfektion bei troekner
Wundbehandlung. 128
Bakterien eto. in Wohnungen.
Hemmelmann, Ueber die Verbreitung des
Tetanuserregers in Fehlbodenfullungen
Münchner Häuser. 646
IV. Thieriäohe Parasiten;
Bergmann, Ueber den Befund eines Ascaris
lumbricoides in der Peritonealhöhle. 259
Bignami, Solle febbri intermittenti mala-
riebe a lunghi Intervall!. 570
Bin*, Ueber Chinin und die Malariaamöbe.
810
Braun, Die sogenannte „freischwimmende
Sporocyste". (Orig.) 215
— , Bericht über die Fortsehritte in der
thierischen Parasitenkunde. (Orig.) 889.
421. 465. 498. 524
Celli, Die Parasiten der rothen Blutkörper-
chen. 588
DtUpinc, Psorospermosis and ita relation
to malignant epithelial tumours. 649
Di MatUi, Contributo allo studio dell' in-
fezione malarica sperimentale nell' uomo
e negli animali. 162
Doch, Observations on the Amoeba coli in
dyssentory and abscess of the liver. 227
— , Studies in the etiology of malarial in-
fection and of the haematosoa of Laveran.
254
Fajarnis, Nuevos estudios sobre los hema-
tosoarios del palndismo. 254
Graut und FeletU, Weiteres aur Malaria-
frage. {Orig.) 449. 481. 517
Guttmann und Ehrlieh, Ueber die Wirkung
des Methylenblau bei Malaria. 809
Hainann, Die kleineren Sflsswasserflsche
als Haupt- und Zwischenwirthe des Echi-
norhynchus proteus Westr. (Orig.) 791
HaeeaU, A new species of Trematode in-
festing Cattle (Fasciola carnosa). 464
Hocheinger, Zur Diagnose der Malaria in-
fantilis. 253
Langer, Ueber die Häufigkeit der Ento-
parasiten bei Kindern. 575
Laveran, Die Aetiologie der Malaria. 586
lAtcet, Dysenterie epliootique des poules
et des dindes. 807
Lustgarten, On Psorospermosis follicularis.
229
Lutz, Zur Kenntnis* der Amöben- Enteritis
und -Hepatitis. {Orig) 241
Maggiora, Ueber einen Fall von Taeeis
inermis fenestrata. (Orig) 145
Mdlaehowehi, Zur Morphologie des Plas-
modium malariae. 706
Mannaberg, Beitrage tur Morphologie und
Biologie des Plasmodium malariae. 705
Ortmann, Ueber Balantidium coli. 498
Otbum, The Pediculi und Mallophag»
affecting man and the lower animals. 675
PUhn, Aetiologische und klinische Malaria-
studien. 572
Richter, Ueber einen Fall von raeemosen
Cysticerken in den inneren Meningen
des Gehirnes und Rückenmarkes. 612
Ritoema Bot, Zwei neue Nematodenkrank-
heiten der ErdbeerpAauae. 528
Romanototky, Zur Frage Über den Bau der
Malariaparasiten. 163
Rosenbach, Zur Konservirung lebender
Malariuparasiten. 806
Saeharow, Erhaltung der Malaria - Plas-
modien in lebendem Zustande in Blut-
egeln. 199
Bahharoff, Recherche* sur le parasite des
tievrea paludeennes irregulieres, 706
Scheüong, Die Malariakrankheiten unter
spesieller Berücksichtigung tropenklima-
tischer Gesichtspunkte. 570
Smith, The Peaeh Rosette. 392
Spener, Ueber den Krankheitserreger der
Malaria. 574
Stengel, Acute dysentery and the Amoeba
coli. 749
Thäohan, Sur la Constitution des spores des
Myxosporidies. S54
— , Rechercbes sur le deVeloppement des
spores chez les Myxosporidies. 854
Totti ed Angelini, Infesione malarica cro-
nica coi sintomi della sclerosi a placche.
254
Zechokke, Die Parasitenfauna von Trntts
salar. {Orig.) 694. 738. 782. 829
Register.
857
Bakterien und andere Parasiten als Krankheitserreger
bei Mensehen und Thieren.
a. Infektiöse Krankheiten im Allgemeinen.
Adam* 9 Ueber schätzend« Wirkung der
Körpersäfte. 762
Arloing, Ueber erbliche Uebertragung der
Immunität. 762
Bakteriologisches von der medisinisch-
wissenschaftlicben Ausstellung des X.
internationalen medizinischen Kongresses
zu Berlin, 4.-9. August 1890. 166
Bakteriologisches vom VII. internationalen
Kongress für Hygiene and Demographie
zu London, 10—17. August 1891. 506
Bernheim, Ueber die Desinfektionsgemische.
839
BHHngt, Preventiye inocnlation. 24
Bireh-Hirecfydd , Ueber die Pforten der
placentaren Infektion des Fötus. 85
Braun, Bericht Über die Fortschritte in der
thierischen Parasitenkunde. (Orig.) 889.
421. 465. 493. 524
Booker, A study of some of the Bakterie
found in the faeces of infants affected
with sammer diarrhoea. 284
Braatz, Ueber das Verhältnis» der klini-
schen Chirurgie aar chirurgischen Bak-
teriologie and die Bedeutung der Anaero-
biose für beide. 188
— , Die Bedeutung der Anaerobiose für die
Wundheilung and für die allgemeine
Pathologie. 363
Brunner, Ueber Ausscheidung pathogener
Mikroorganismen durch den Schweiss.
172. 862
— , Betrachtangen über Antiseptik und
Aseptik mit Beziehung auf Lister's Vor-
trag in Berlin. 297
Büchner, Kurse Uebersicht über die Ent-
wickelung der Bakterienforschung seit
Naegeli's Eingreifen in dieselbe. 849
— , Zur Nomenklatur der schützenden Ei-
weisskdrper. (Orig.) 699
— , Ueber den gegenwärtigen Stand der
Immunitätsfrage. 709
— , Die Forschungsmethoden in der Im-
manltätsfrage. (Orig.) 727
Cabadi, Lecons sur les maladies micro-
biennes professees ä l'ecole de mddecine
de Toulouse. 561
Christmai, de, ätude sur les substances
microbicides du seram et des organes
d'animaux k sang chaud. 766
Qitfer, Recherches cliniqnes sur la periode
d'incubation des maladies infectieuses en
geneVal et en particulier sur la periode
d'incubation de la tuberculose. 567
David, Les mlcrobes de la boucbe. 609
Deepeignet, Etüde experimentell sur les
microbes des eaux arec applications
a l'hygiene sanitaire de la ville de Lyon.
563
Emmerich, Die Ursache der Immunität, die
Heilung Ton Infektionskrankheiten, spe-
ziell des Rothlaufs der Schweine, und
ein neues SchutsimpfungsTerfahren gegen
diese Krankheit 265
Enderlen, Versuche über die bakterien-
feindliche Wirkung normalen und patho-
logischen Blutes. 753
Faulhaber, Ueber das Vorkommen ron
Bakterien in den Nieren bei akuten In-
fektionskrankheiten. 257
Freirt, Mittheilnng über Bakteriologie im
Allgemeinen und über das gelbe Fieber
im Besonderen. 805
OabriUchemhy, Ein Beitrag sur Frage der
Immunität und der Heilung Ton In-
fektionskrankheiten. (Orig.) 151
Gamaleia, De l'immunitö pour le ribrion
de Metschnikoff. 133
OoUttein , Zusammenfassende Uebersicht
Über die bakterienvernichtende Eigen-
schaft des Blutserums. 758
Hanhin, Ueber die Nomenklatur der schützen-
den Eiweisskörper. (Orig.) 337. 877
— , Cures of infectious diseases. 896
— , Die antibakterielle Wirkung des Serums.
714
Heim, Die Neuerungen auf dem Gebiete
der bakteriologischen Untersuchungsme-
thoden seit dem Jahre 1887. (Orig.)
260. 288. 823. 356. 398. 430. 471. 499.
529. 575
Holet, Uebersicht über die Bakteriologie
für Aerste und Studirende. 219
Hueppe, Die Immunitätsfrage. 763
Kijanowski, Zur Frage über die anti-
mikrobiellen Eigenschaften des Hagen-
saftes. 285
Kirchner, Die Bedeutung der Bakteriologie
für die öffentliche Gesundheitspflege. 125
— , Grundriss der Militärgesundheitspflege.
669
Klemm, Ueber Catgutinfektion bei trockner
Wundbehandlung. 128
Klippel, Des infections microbiennes secon-
daires au cours des affections mentales.
802
Kurz, Ueber trockene aseptische Opera-
tions- und Verbandsmethode. 268
858
freister.
MHttknkqf et Boux, 8ur la proprio bec-
tlricide da sang de rat. 766
— , lieber die Wirkung des Vibrio Metaehni-
kori. 764
Mipda, Die Bakterien. 701
JfiBsr, The Month as a focos of infeetion.
647
Ogata, Ueber die Immanit&tsfrage. 754
AwiM, A mannt] of practical hyglene. 559
PtUrmann, 8ur ia sabstaoee bactlricide da
sang dlcrite par le professeor Ogata. 756
Fttriy Versuche Über das Verhalten der
Bakterien des Mütbrands, der Cholera,
des Typhös und der Tuberculose in be-
erdigten Thierleichen. 126
— , Bin neuer Apparat sam 8terilisiren
mit strömendem Wasserdampf von Atmo-
sphirendnick. 181
ftvmdeibtrger, Zar Kenntnis« der Bakterien
des Unternagelraomes and zur Desinfek-
tion der Hände. 184
Prwidtn and Hodnpyl, 8tadies on tbe
action of dead bacteria in the liring body.
708
Bafwumd, Une Observation de syphills con-
ceptionelle. 86
Reimer; Ueber den Gehalt des Hodens an
Bakterien. 489
Btm$ch, Zur bakteriologischen Unter»-
chung des Trinkwassers. (Orig.) 415
Rokndmädtr , Experimentelle Untere-
ehangen Über die bei Fröschen dareh
Verweilen in höherer Temperatur er-
zeugt* Disposition für Müsbrand. 17'.'
BouXy Ueber Immunität, deren natürikb*»
Vorkommen and künstliche Erzeuguc?
649. «s*
Rufer, Notes on the destraction of mkro-
organismas by amoeboid cell*. 232
ßcmareüi, Der menschliche 8peJchel and dl*
pathogenen Mikroorganismen der Xsnd-
höhle. (Orig.) 817
Schimmelkuch , Die Durchführung der
Asepsis in der Klinik des Herrn Gehehx-
rath von Bergmann in Berlin. 865
ScMetcJu, Infektion and Geaehwalstbildenc
Schmort and Btrch-Büruskjeld, Cebergaag
▼on Taberkelbecillen ans dem matter-
liehen Blute aal die Fracht. 68
Serqfimiet Errique*, Sali' asione delT sangsc
dl animall immani inocalato ad anhc*!'.
soseettibili pel earbonchio. 75 1
Trapewmkof, Da sort des spores de mi-
crobes dans l'organisme animal. 753
b. EinBeine durch Bakterien und andere Paraalten hervorgerufene
Krankheiten.
Absoesse.
l>X$chert Bakteriologische and anatomische
Untersuchungen Über die Lymphangitis
der Extremitäten. 172
Btützzart, Der Diplococcus von Neisser in
den periurethralen blennorrhd'ischen Ab-
scessen. 886
Aktinomykose.
Jacher, Beitrag sur Aetiologie der Aktino-
mykose. 16
Koch, Drei Fälle von Actinomycosis ho-
minis. 888
Protopopoff, Sur la question de la struetore
les bscte>ies. 708
Wolf, Ueber Aktinomykose. 188
monie arec presenee da pneamocoq^
dans le pus. 3&s
Blennorrhoe.
BeUvmari, Der Diplococcus von Neisser in
den periurethralen blennorrhöiseben AH-
Brustseuohe.
Fiedeler, Ueber die Bnutsencbe im Kostier
Landgestfite and Über den Krankheits-
erreger derselben. (Orig.) 310. 341
SSO. 408. 4M
Caroinom (s. Krebe!)
Aneurysma.
Buday, Ein Fall von Aneurysma arteriae
iliacse communis, verursacht durch einen
septischen Embolus. 856
Arthritis.
PicqtU et Veiäon, Note sur an cas d'ar-
thride purulente conseentire k ane pneu-
Caries.
BewiU, Dental Caries.
Cholera.
648
Güberi et Girode, Contribation k l'etade
chimique et bacteriologiqoe da cnolera
nostras. 803
Register.
859
Hueppey Ueber asiatische Cholera und Un-
tersuchungen über den Kommabacillus.
619. 647
Pttri, Versuche Über das Verhalten der
Bakterien des Milzbrands, der Cholera,
des Typhus und der Tnbercnlose in be-
erdigten Thierleichen. 125
ScLTuzreZli, Der menschliche Speichel und
die pathogenen Mikroorganismen der
Mundhöhle. (Orig.) 817
Cholelithiasis.
Aaimyn, Ueber das Vorkommen von Spalt-
pilzen in der Gallenblase. 92
Chorea.
IHanese, Ricerche batteriologiche e speri-
mentali in an caso di corea da Sydenhan.
888
Diarrhoe.
Hochsinger , Ueber Indicanurie im Säug-
lingsalter. 90
Ortmann, Ueber Balantidiam coli. 498
Diphtherie.
Baginshy, Zur Aetiologie der Diphtherie.
Der Loeffler'sche Bacillus. 806
Barbier, De la transmissibilite1 de la diph-
therie aviaire a l'homme. 93
Cantani, Cara della difteria. 134
Moos, Histologische and bakteriologische
Untersuchungen über Mittelohrerkran-
kungen bei den verschiedenen Formen
der Diphtherie. 19
Oertel, Ueber das diphtherische Gift and
seine Wirkungsweise. 220
Sproneb, Zar Kenntniss der pathogenen Be-
deutung des Klebs-Loeffler'schen Diph-
theriebacillos. 419
Tangl, Znr Frage der 8charlachdiphtheritis.
(Orig.) 1
Wassermann nnd Protkauer, Ueber die an
den Diphtheriebacillen erzeugten Tox-
alhamine. 645
Dysenterie.
Dock, Obsenrations on the Amoeba coli in
dyssentery and abscess of the liver. 227
Lucet, Dysenterie epizootique des poales et
des dindes. 807
Lutz, Zar Kenntniss der Amöben-Enteritis
und -Hepatitis. {Orig.) 241
Stengel, Acute dysentery and the Amoeba
coli. 749
Dyspepsie.
Stocquart, De l'ichthyol dans le traitement
de la dyspepsie et des troables cepha-
liques et nenreaz qai en dependent. 862
Eiterung.
Boulloche, Note sur un cas de polyarthrite
suppuree et de myosites de'termine'es par
le pneumocoque. 674
Orookshank, On Streptococcus pyogenes. 648
— , On the question of the identity of
Streptococcus pyogenes with Strepto-
coccus erysipelatosus. 648
Dennig, Ueber septische Erkrankungen mit
besonderer Berücksichtigung der krypto-
genetischen Septikopyämie. 648
Dcstrie, A propos de quelques cas de sup-
puration compliquant la fievre typhoide.
567
von Eiselsberg, Nachweis ron Eiterkokken
im Schweisse eines Pyämi sehen. 492
Eraud und Hugounenq, Actlon de certaines
couleurs d'aniline sur le d6veloppement
et la virulence de quelques microbes. 615
Fischer, Bakteriologische und anatomische
Untersuchungen Über die Lymphangitis
der Extremitäten. 172
Eraenkel, Ueber peritoneale Infektion. 160
Herman, De l'influence de quelques va-
riations du terrain organique sur l'action
des microbes pyogenes. 803
KarUnakiy Zur Kenntniss der pyoseptikä-
miachen Allgenieininfektionen. 491
Levy, Ueber die Mikroorganismen der Eite-
rung. Ihre Spezifität, Virulenz, ihre
diagnostische und prognostische Bedeu-
tung 642
Reichet, Ueber Immunität gegen das Virus
▼on Eiterkokken. 189
Sanartlliy Der menschliche Speichel und
die pathogenen Mikroorganismen der
Mundhöhle. {Orig.) 817
Ekzem.
Unna, Natur und Behandlung des Ekzems.
674
Endocarditis.
Paulus, Ueber septische Allgemein erkran-
kung nach chronischer Endocarditis. 672
Endometritis.
Kötschau, Kurzer Beitrag zur Ichthyolthe-
rapie bei Frauenkrankheiten. 362
Enteritis.
Lutz, Zur Kenntniss der Amöben-Enteritis
und -Hepatitis. (Orig.) 241
860
Register.
Erysipel.
Crookihanh, Od the qoestion of the identity of
Streptococcus pyogenes with Streptococcus
erysipelatosus. 648
Hang, Das Lysol und du Naphthol (ß)
in der Therapie der Ohrenkrankheiten.
707
Horwitz, Apparent antagonism between the
Streptococci of Erysipelas and Syphilis. 21
Jordan, üeber die Aetiologie des Erysipels.
172
Leroy, A biological study of the microbe
of erysipelas. 265
Ulrich, Die Resultate von 8 verschiedenen
Behandlungsweisen des Erysipelas faciei.
268
Favus.
Morris, An extensive case of farus. 18
Behwewmger und Biuzi, Notizen über Favus
lupinosus am Rumpfe. 675
Wickham, A rare case of favus of the limbs
enormous patches of favus covering al-
most the whole of the lower limbs. 129
Fischgift.
Ärustamoff, Ueber die Natur des Fisch-
giftes. (Orig.) 118
Gelbfieber.
Fre&re, Mittheilung über Bakteriologie im
Allgemeinen und über das gelbe Fieber
im Besonderen. 805
Gelenkentzündung.
Buday, Beiträge zur Kenntniss der Ent-
wickelang der metastatischen Gelenkent-
zündungen und zur Aetiologie der Poly-
arthritis rheumatica. 286
Qoüy üeber die Häufigkeit des Vorkom-
mens von Gonokokken bei chronischer
Urethritis. 853
Peüizzari, Der Diplococcus von Ne&sser in
den periurethralen blennorrhöischen Ab-
scessen. 386
Botmtki, Ueber gonorrhoische Erkrankung
der Mundhöhle Neugeborener. 129
Wertheim, Zur Lehre von der Gonorrhoe.
885
Hepatitis.
Lutz, Zur Kenntniss der Amdben-Enteritb
und -Hepatitis. (Orig.) 241
Hospitalbrand.
von Eerf, Ein Fall von Hospitalbrand an
der Vulva nebst Bemerkungen über die
Behandlung dieser Krankheit. 227
Hühnercholera.
Lueet, Dysenterie epizootique des poules
et des dindes. 807
Pregl, Ueber eine neue Karbolmethylenblau-
Methode. (Orig.) 826
Icterus.
Meinen, Ergebnisse der Sammelforscbung
Über den im Königreich Sachsen 1889/90
beobachteten epidemischen Icterus. 887
Indioanurie.
Hocheinger, Ueber Indicanurie im Sf uglings-
alter. 90
Keratomalacie.
Loeb, Ueber einen bei Keratomalacia infan-
tum beobachteten Kapselbacillus. {Orig.)
369
Geschwülste.
Schleich, Infektion und Geschwulstbildung.
462
Gonorrhöe.
van Dort, Gonokokken infectie bij een twee-
jaarig meisje. 129
Eraud und Hugounena, Action de certaines
couleurs d'aniline sur le deVeloppement
et la virulence de quelques microbes. 615
Keratosis.
White, Keratosis follicularis (Paorospermose
folliculaire vege taute). 130
Krebs.
Baüance, Consideratious printing to Cancer
as an infective disease. 648
Bibbert, Neuere Arbeiten zur Aetiologie
des Carcinoma. 237
Register.
861
Lepra.
Uoifut^ La Lepre a Hanoi (Tonkin). 15
Faxrrat und Christmann, üeber eine einfache
Methode zur Gewinnung bacillenreichen
Leprsunaterials zu Versuchszwecken.
(Orig.) 119
Leukämie.
Brentano und TYuigrf, Beitrag zur Aetio-
logie der Pseudoleukämie. 673
Spener, Ueber den Krankheitserreger der
Malaria. 074
Torti ed AngeUni, Infesione malarica cro-
nica coi sintomi doli* sclerosi a placche.
254
Malignes Oedem.
Klein , Ein neuer Bacillus des malignen
Oedems. (Orig.) 186
Penxo, Beitrag zum Studium der biologischen
Verhältnisse des Bacillus des malignen
Oedems. (Orig.) 822
Lymphangitis.
Fischer, Bakteriologische and anatomische
Untersuchungen über die Lymphangitis
der Extremitäten. 172
Malaria.
Bignami, 8ulle febbri intermittenti mala-
riche a lunghi intervalli. 570
Bin», Ueber Chinin und die Malariaamöbe.
810
Celli, Die Parasiten der rothen Blutkörper-
chen 588
Di MatUi, Contributo allo studio dell' in-
fezione malarica sperimentale nell' uomo
e negli animali. 162
Dock, Studies in the etiology of malarial
infection and of the haematozoa of La«
▼eran. 254
Fajesmes, Nuevos estudios sobre los he-
matosoarios del paludismo. 254
Orassi und Feletti, Weiteres zur Malaria-
frage. (Orig.) 449. 481. 517
Gi4tmann und Ehrlich, Ueber die Wirkung
des Methylenblau bei Malaria. 809
Hochsinger, Zur Diagnose der Malaria in-
fantilis. 253
Laveran, Die Aetiologie der Malaria. 686
Malachowiki, Zur Morphologie des Plas-
modium malariae. 706
Mannaberg) Beitrage zur Morphologie und
Biologie des Plasmodium malariae. 705
FUhn, Aetiologische und klinische Malaria-
studien. 572
Romanotciky, Zur Frage über den Bau der
Malariaparasiten. 163
Rosenbach , Zur Konservirung lebender
Malariaparasiten. 806
Sacharaw, Erhaltung der Malaria - Plas-
modien in lebendem Zustande in Blut-
egeln. 199
Bahharof, Recherche s sur le parasite des
fievres paludeennes irregulieres. 706
SchcUong, Die Malariakrankheiten unter spe-
zieller Berücksichtigung tropenklima-
tischer Gesichtspunkte. 570
Meningitis.
Klippel, Des infections microbiennes secon-
ditires au cours des affections mentales.
802
Milzbrand.
Birch- Hirschfeld, Ueber die Pforten der
placentären Infektion des Fötus. 85
Chor, Traitement du charbon par le bi-
carbonate de soude d'apres la me'thode
de M. Fodor. 760
de Christmas, Etüde sur les substances
microbieides du slrum et des organes
d'animaux a sang chaud. 766
Eraud und Hugowienq, Action de certaines
conleurs d'aniline sur le developpement
et la yirulence de quelques microbes. 615
Faxio, Concorrenza vitale fra i bacteri della
putrefasione, e quelli de carbonchio e del
tifo. 761
Fodor, Zur Frage der Immunisation durch
Alkalisation. {Orig.) 7
Qabritschcwsky, Ein Beitrag sur Frage der
Immunität und der Heilung von In-
fektionskrankheiten. (Orig.) 151
Goldsehmidt , Ein Fall von Anthrax in-
testinalis beim Menschen. 748
Hankin, Cures of infectious diseases. 396
— , Die antibakterielle Wirkung des
Serums. 714
Klein, Ueber chemische Beeinflussung der
Säfte. 764
Kostjurin und Krainsky, Ueber Heilung des
Milzbrandes durch Fäulnisstoxine (Ex-
trakte) bei Thieren. (Orig) 553. 599
Latis, Ueber den Uebergang des Milzbran-
des von der Mutter auf den Fötus und
über die Veränderungen in den Gef&ssen,
welche der Milzbrand hervorbringt. 225
Lubarich, Bemerkungen zu R. Stern*» Re-
ferat über meine „Untersuchungen über
die Ursachen der angeborenen und er-
worbenen Immunität". (Orig.) 69
Stern, Erwiderung. (Orig.) 74
MartmotÜ und Barbacci, Ueber die Physio-
pathologie des Milzbrandes. 224
862
Register.
MartmoUi und Tedeechi, Untersuchungen
über die Wirkungen der Inokulation des
Milzbrandes in die Nervensentra. (Orig.)
545. 595. 635
MeUehmikoff et Boux, Sur la proprilte'
bactericide du sang de rat 756
Ogata, Ueber die Immunit&tsfrage. 754
JFeUrwuum, Sur la substanee bactericide du
sang decrite par le professeur Ogata. 755
Petri, Versuche Aber das Verhalten der
Bakterien des Milzbrands, der Cholera,
des Typhus und der Tuberculose in be-
erdigten Thierleichen. 125
Boger, Contribution a l'eiude experimentale
du charbon symptomatiqae. 748
Rohrschneider , Experimentelle Untersu-
chungen über die bei Fröschen durch
Verweilen in höherer Temperatur er-
zeugte Disposition für Milzbrand. 170
Rouxy Ueber Immunität, deren natürliches
Vorkommen und künstliche Erzeugung.
649
Sanartüi, Weitere Mittheilungen über Gift-
theorie und Phagocytose. (Orig.) 513
Schor, Ueber die fragliche Immunisation
durch Alkalisation mittelst Natrium bi-
carbonicum. (Orig.) 736
Serafini et Erriquex, Süll' azione dell'
ssngue di animali immuni inoculato ad
animali suscettibili pel carbonchio. 755
Turrd, Contribution ad estudio de la espo-
rulacion del bacillus anthracis. 91
Otitis.
Maggiora und Gradenigo, Beitrag sur Aetio-
logie der katarrhalischen Ohrentsün-
dungen. (Orig.) 625
Mooi, Histologische und bakteriologische
Untersuchungen über Mittelohrerkran-
kungen bei den verschiedenen Formen
der Diphtherie. 19
Paralyse.
Kuppel, Paralysie generale et tuberculose
pulmonaire. 568
Parotitis.
Dittrich, Ueber einen Fall von eiteriger
Parotitis und deren etwaigen Zusammen-
hang mit Süsseren Verletzungen. 491
Pemphigus.
Almquist, Pemphigus neonatorum, bakte-
riologisch und epidemiologisch beleuchtet.
492
Faber, Ueber den akuten kontagfäsen Pem-
phigus. 18
Peritonitis.
Fraemkel, Ueber peritoneale Infektion. 160
Phthisis.
Aberg, De la curabilite' de la phthiale pul-
monaire et de quelques autres «v^pi«««
chroniques de la poitrine par l'eau d'une
basse temperature. 614
Pneumonie.
Bordoni^üffrtduazi, Ueber die Widerstands-
fähigkeit des pneumonischen Virus in den
Auswürfen. (Orig.) 305
BouOoche, Note sur un cas de polyarthrite
suppuree et de myosites däterminees par
le pneumoeoque. 674
Clause, Note sur un cas de purpura k pneu-
moeoque. 674
Dütrieh, Ueber einen Fall von eiteriger
Parotitis und deren etwaigen Zusammen-
hang mit Äusseren Verletzungen. 491
Emmerich, Ueber die künstliche Erzeugung
von ImmunitAt gegen kroupdse Pneu-
monie und die Heilung dieser Krankheit
714
Faulhaber, Ueber das Vorkommen von
Bakterien in den Nieren bei akuten In-
fektionskrankheiten. 257
Foä e Oarbone, 8tudi sul prooesso pneu-
monico. 223
Frankland, Stanley and Frewy Fermentation»
induced by the Pneumococcus of Fried-
lander. 3*2
Piequi et Ve&on, Note sur un cas d'ar-
thride purulente consecutive k une Pneu-
monie avec presence du pneumoeoque
dans le pus. 568
Polyarthritis.
Bouüoehe, Note sur un cas de polyarthride
suppuree et de myosites dltenninees par
le pneumoeoque. 674
Polyarthritis rheumatioa.
Buday, Beitrage sur Kenntniss der Ent-
wicklung der metastatischen Gelenkent-
zündungen und sur Aetiologie der Poly-
arthritis rheumatica. 286
Register.
863
Waybet, Aetiologische Beobachtungen Über
akuten Gelenkrheumatismus. 285
Pseudotuberculose.
MegmtM und Jfosny, Ueber Pseudotuber-
culose der Hasen. 776
Frei**, Ueber einen Fall von Pseudotuber-
culose beim Schafe und Über Pseudo-
tuberculose im Allgemeinen. 668
Purpura.
CZause, Note sur an cas de purpura a pneu-
mocoque. 674
Purpura haemorrhagioa.
Kolb, Zur Aetiologie der idiopathischen Blut-
fleckenkrankheit (Purpura haemorrhaglca,
Morbus maculosus Werlhofll). 17
Psorospermose.
Lustgarten, On Psorospermosis follicularis.
229
Pyämie.
Brunner, Ueber Ausscheidung pathogener
Mikroorganismen durch den Schweiss. 362
Buday, Ein Fall von Aneurysma arteriae
iliacae communis, verursacht durch einen
septischen Embolus. 266
Dornig, Ueber septische Erkrankungen mit
besonderer Berücksichtigung der krypto-
genetischen Septikopyftmie. 648
von EütUberg, Machweis von Eiterkokken
im Seh weisse eines Py tauschen. 492
EarUntki, 8ur Kenntniss der pyoseptikl-
mischen Allgemeininfektionen. 491
Paulus, Ueber septische Allgemeinerkran-
kuog nach chronischer Endocarditis. 672
Zmtgrodshi, Ein kasuistischer Beitrag sur
Heilbarkeit der Pyämie. 882
Bauachbrand.
Qabrütchewtky, Ein Beitrag sur Frage der
Immunität und der Heilung von Infek-
tionskrankheiten. (Orig.) 151
Boger, Contribution a Katode experimentale
du charbon symptomatique. 748
Beourrens.
Pa*temachiy Eine neue Methode der Er-
haltung and Kultur der Obermeyer'schen
Spirocbaeten in Blutegeln (Hlrndo medi-
cioalis). 198
Scharlach.
Bakteriologisches von der medisintsch-
wissenschaftlichen Aasstellung des X.
internationalen medizinischen Kongresses
sn Berlin, 4.-9. August 1890. 166
Tangl, Zur Frage der Scharlachdiphtheritis.
(Orig.) 1
Schweinerothlaut
Emmerich, Die Ursache der Immunität, die
Heilung von Infektionskrankheiten, spe-
ziell des Rotblaufs der Schweine, und
ein neues Schutsimpfungsverfahren gegen
diese Krankheit 266
Petri, Ueber die Widerstandsfähigkeit der
Bakterien des Schweinerothlaufs in Bein-
kulturen und im Fleisch rothlaufkranker
ochweine gegen Kochen, Schmoren,
Braten, Salsen, Einpökeln und Räuchern.
186
Schweineseuche.
LetoatuUnoiky, Ueber Iodol- und Phenol-
bildang durch Bakterien. 220
Smith, Kleine bakteriologische Mittheilungen.
Mit 2 Figuren. (Orig.) 177
Skorbut
Wieriuzkjj, Untersuchung des Blutes Skor-
butkranker anf Mikroorganismen. 862
Pyelonephritis.
Enderlen, Primare infektiöse Pyelonephritis
beim Rind. 94
Höflich, Die Pyelonephritis bacillosa des
Rindes. 94
Skrophulose.
Leloir, Ueber die Impfung skrophulös*
tnbercalöser Produkte, namentlich des
Lupus vulg. 774
864
Register.
Sommerdiarrhöe.
Booker, A study of some of the Bakterie
found in the faeces of infants effected
witb summer diarrhoea. 884
Sykosie.
Babraxlt, Sycosis generalis*. 257
Syphilis.
OtaUz, Ueber die Chromwasserbehandlung
der Syphilis. 579
Horwüa, Apparent antagonism between the
Streptococci of Erysipels* and Syphilis. 2 1
Raymond, Une Observation de syphilis con-
ceptionelle. 89
Taubenmästerkraukheit
Potain, Un cas de tuberculose aspergillaire
(maladie des gaveurs de pigeons). 822
Tetanus.
Bombiert, O., Sulla resistensa alla putrefa-
lione del virus tetanico. 21
— , L.t Della desinfesione dogli ambienti
infetti da virus tetanico. 22
BruscheUini, Sulla diflusione nell' organismo
del veleno del tetano. 15
Eeinzdmann, Ueber die Verbreitung des
Tetanuserregers in Fehlboden fttllungen
Münchner Häuser. 646
Eüatato , Experimentelle Untersuchungen
Aber das Tetanusgift. 488
— , Heil- und Immunisirungsversuche bei
Tetanus. 762
hortet, Hicrobes pathogenes des vases de
la mer Morte. 567
Ha, De los adelantos que en la patogenia
del tätanos ha realisado la teoria para-
sitaria. 14
Sehtoar», Ein Fall von Hellung des Tetanus
tranmaticus durch das von Prof. Guido
TSzzonl und D^n CatUni bereitete Anti-
toxin des Tetanus. (Orig.) 785
Tizzoni und CaUani, Fernere Untersu-
chungen über das Antitoxin des Tetanus.
(Oriy.) 88
, L'immunith contro il tetano studiata
negli animali molto recettivi per questa
infesione (cavia, coniglio, topo). 576
VaSUard et Vincent, Sur le poison teta-
niqne. 14
Tollwuth.
FmkeUtem, Bericht für das Jahr 1890 über
die Pasteur'sche antirabische Station am
Militär - medizinischen Laboratorium des
kaukasischen Militirkreises zu Tiflia. 679
Perdrix, Les vaccinations antirabiques k
llnstitut Pasteur. 681
Wpaokowicz, Zur Frage von der Lokali-
sation des Tollwnthvirus im Organismus
der Tbiere. (Orig.) 45
Zagari, Sul meccanismo dell' attenuasione
del virus rabico. 615
Triehomykosis.
PatUton, Trichomycosis nodosa: A cor-
rectlon and a note. ISO
Tuberculose.
Abtrg, De la curabilite de la phtbisie pul-
monaire et de quelques autres maladie«
chroniques de la poitrine par 1'eaa d'unc
basse temp6rature. 614
Jriomg, Prophylaxe der menschlichen and
thierisehen Tuberculose. 776
— , Die Aetiologie der Tuberculose des
frühen Kindesalters twischen 8 Monaten
und 5 Jahren. 811
Arthaud, Ueber die relative Häufigkeit der
verschiedenen Arten der Ansteckung mit
Tubereulose. 776
Bang, Uebertragbarkeit der Tuberculose
von Thieren auf den Menschen. 771
Bord, Les selles des flbricitants an point
de vue hacteriologique. 105
Barloto, Ueber Tuberculose im Kindesalter.
810
Borgherini, Die ersten Resultate der Koch-
schen Behandlungsmethode bei tober-
culösen Erkrankungen innerer Organe.
107
Bouland, Einfluss des Kaolin-S taubes auf
die Tuberculose der Porzellan-Arbeiter.
777
Brentano und Tangl, Beitrag zur Aetiologie
der Pseudoleukamie. 678
e. Brunn - Lippspringe, Ueber die progno-
stische Bedeutung des Tuberkelbacülus.
518
Buohner, Kurse Uebersicht Aber die Ent-
wickelang der Bakterienforschung seit
Naegeli's Eingreifen in dieselbe. 549
Burdon-Sanderton, Ueber die Aetiologie der
Tuberculose. 769
Cabadi, Lecons sur les maladies micro-
biennes professles k l'eeole de medeeine
de Toulouse. 561
Register.
865
Chehnongki, Ueber den Einfluss akuter
fieberhafter Erkrankungen auf den Ver-
lauf der chronischen Lungentnhercnlose.
579
Chiari, Ueber den pathologisch - anato-
mischen Befand in drei mit Koch'schen
Injektionen behandelten Fällen von schwe-
rer Lungentuberculose. 380
— , Weitere pathologisch-anatomische Mit-
tbeilungen über mit Koch'schen Injek-
tionen behandelte Fälle von Tuberculose.
831
Clado, Hemilaterale Tuberculose. 778
— , Behandlung der chirurgischen Tuber-
culose mittels Wärme. 775
CrUafulüy Modineaxioni de 11' uriua e potere
urotossico negU injettati con la linfa
Koch. 170
Cuffer, Becherches cliniques sur la Periode
d'incubation des maladies infectieuses en
general et en particulier sur la päriode
d'incubation de la tuberculose. 567
de Vo$, Ueber den diagnostischen Werth
des ImpfVersuchs bei Tuberculose und
ein neues Verfahren zum mikroskopischen
Nachweis von Tuberkelbacillen im Harn.
105
Ehrlich, Ueber die neuere Behandlungs-
weise der Tuberculose nach Koch. 811
Eisenhardt, Ueber Häufigkeit und Vor-
kommen der Damituberculose. 610
Espina y Capo , Massregeln gegen die
Uebertragung der Tuberculose. 777
Foa , Una esperienza negativa sulla im-
munita per la tuberculosi. 330
Fraenkel, Die Qabbet'sche Färbung der
Tuberkelbacillen, eine ,, unwesentliche"
Modifikation meiner Methode. 284
v. Fritch, Zur Diagnose der tubercn lösen
Erkrankungen des Urogenitalsystems. 610
Oottstein , Zusammenfassende Uebersicht
Aber die bakterienvernichtende Eigen-
schaft des Blutserums. 758
Oraneher et Ledoux- Lebard, Stades sur la
tuberculose explrimentale du lapin. 611
Oraneher et Martin, Ueber antituberculöse
Schutzimpfungen. 298
Ouinard, 8ur un mode possible de trana-
mission de la tuberculose ches les ani-
maux. 568
Hamilton, Ueber zwei Hauptansiedelungs-
punkte für die Tuberkel. 773
Jensen, Tuberculose beim Hund und bei
der Katze. 611
Klippel, Paralysie g6ne*rale et tuberculose
pulmonaire. 568
Kluge, Chemotaktische Wirkungen des Tu-
berculins auf Bakterien. (Orig.) 661
Kostjurin und Krahuky, Ueber Heilung
des Milzbrandes durch Fäulnisstoxine
(Extrakte) bei Thieren. {Orig.) 553. 599
Bd. XI.
Kraeke, Ueber einen Fall von tuberculö'ser
Erkrankung der Glans penis nebst Be-
merkungen über die Ueber tragbar keit
der Tuberculose durch den geschlecht-
lichen Verkehr. 822
Kryntki, Beitrag sur Kenotniss des Ver-
haltens der Tuberkelbacillen bei Lupus
unter dem Einflüsse der Koch'schen
Lymphe. 107
Kugler, Worin sind die Hauptursachen für
die starke, immer noch wachsende Ver-
breitung der Tuberculose zu suchen und
was kann und soll der Staat zur Aus-
rottung bezw. Eindämmung dieser ver-
derblichen Krankheit thun? 523
Langlois, Le traitement de la tuberculose
du Dr. B Koch. 618
Ldoir y Ueber die Impfung skrophulös-
tuberculö'ser Produkte, namentlich des
Lupus vulg. 774
Litten, Die Centrifuge im Dienste der kli-
nischen Medicin. 20
Lublintr, Fünf neue Fälle der Tuberculose
nach Circumcision. 89
Me Fadyean und Sims Woodhead, Ueber
die Uebertragung von Tuberculose von
Thieren auf Menschen durch Fleisch und
Milch tuberculöser Tbiere. 772
Mignin und Motny , Ueber Pseudotuber-
culose der Hasen. 775
Mordhorst, Ist die Lunge Schwindsüchtiger
grösser als diejenige Gesunder? 821
Petri, Versuche Über das Verhalten der
Bakterien des Milzbrands, der Cholera,
des Typhus und der Tuberculose in be-
erdigten Thlerleichen. 125
Pleteer, Ein neues wirksames Heilverfahren
bei progressiver Lungen- und Organ-
tuberculose. 330
Potain, Un cas de tuberculose aspergillaire
(maladie des gaveurs de pigeons). 322
Prautnitz, Ueber die Verbreitung der Tu-
berculose durch den Personenverkehr
auf Eisenbahnen. 320
Preisx, Ueber einen Fall von Pseudotuber-
culose beim Schafe und über Pseudo-
tuberculose im Allgemeinen. 568
Prudden and Hodenpyl, Studies on the
action of dead bacteria in the living
body. 708
Puffer, Notes on the destruction of micro-
organisms by amoeboid cells. 182
Schmort und Birch-Hir$chfeld, Uebergang
von Tuberkelbacillen aus dem mütter-
lichen Blute auf die Fracht 88
Schoutt, Verbreitung von Tuberculose durch
Nahrungsreste von Phthisikern. 775
Sehrwald, Die Krull'iche Methode der Tu-
berculosenbehandlung in ihrer thermi-
schen Einwirkung auf die Lunge. 828
Stone, Why the sputa of tuberculous patients
should be destroyed. 106
65
866
Register.
Tangl, Ueber das Verhalten der Tuberkel-
bacillen an der Eingangspforte der In-
fektion. 320
Ttyfier, Tubercnlöse Hydrocelen. 778
Weyl, Znr Chemie und Toxikologie des
Tuberkelbaeillus. 319
Zweiter Tuberculose-Kongress. 489. 585
Typhus.
Babei, Erklärende Bemerkungen über „na-
türliche Varietäten" des Typhusbacillus.
(Chig.) 281
BanÜ, L'epidemia di tifo in Flrense nei
suoi rapporti con l'aequa potabile. 804
DeMrte, A propos de quelques cas de sup-
puration compliquant la fierre typhoide.
567
Enderlen, Versuche Aber die bakterien-
feindliche Wirkung normalen und patho-
logischen Blutes. 753
Fauthaber, Ueber das Vorkommen Ton Bak-
terien in den Nieren bei akuten Infek-
tionskrankheiten. 257
Famo, Concorrensa vitale fra i bacteri
della putrefasione, e quelli de carbonchio
e del tifo. 761
Fächer, Die Plasmolyse der Bakterien. 158
Heim, Die Neuerungen auf dem Gebiete
der bakteriologischen Untersnchungsine-
thoden seit dem Jahre 1887. (Orig.) 356
HöUcher, Ueber die Komplikationen bei
2000 Fällen von letalem Abdominal-
typhus. 384
Petri, Versuche über das Verhalten der
Bakterien des Milsbrands, der Cholera,
des Typhus und der Tubercnlöse in be-
erdigten Thierleichen. 125
Stepp, Ueber die Chloroformbehandlung des
Typhus. 24
Urethritis.
Goü, Ueber die Häufigkeit des Vorkom-
mens Ton Gonokokken bei chronischer
Urethritis. 353
Variola,
Janeon, Versuche aur Erlangung künst-
licher Immunität bei Variola vaccina
(Orig.) 40
o. Durch Bakterien und andere Parasiten hervorgerufen©
Krankheiten einselner Organe«
Augen.
Loebt Ueber einen bei Eeratomalacia infan-
tum beobachteten Kapselbacillus. (Orig.)
369
Blut.
de Chrietmat, &ude sur les substances
microbieides du slrum et des organes
d'animauz k sang chaud. 706
Enderlen, Versuche Aber die bakterien-
feindliche Wirkung normalen und patho-
logischen Blutes. 753
Qaertner und Roemer, Ueber die Einwir-
kung von Bakterienextrakten auf den
Lymphstrom. 759
Oottetem , Zusammenfassende Uebersicht
über die bakterienvernichtende Eigen-
schaft des Blutserums. 758
MeUehnücof et Boux, 8ur la propriete* bac-
tlricide du sang de rat 756
Ogata, Ueber die Immunitätsfrage. 754
Petermann, Sur la substance bacteneide du
sang decrite par le professeur Ogata. 755
Sera/ini et Errique*, Süll' aslone dell1
sangue dl animali immuni inoculato ad
animali suscettibili pel carbonchio. 755
Trapeznikoff, Du sort des spores de mi-
crobes dans l'organisme animal. 753
Trombetta, Die Fäulnissbakterien und die
Organe und das Blut gans gesund ge-
tödteter Thiere. (Orig.) 664
Wieriuzkij, Untersuchung des Blutes Skor-
butkranker auf Mikroorganismen. 352
Darm.
Cantani, Süll' antisepsi intestinale. 22
Eüenhardt, Ueber Häufigkeit und Vor-
kommen der Darmtuberculose. 610
Fraenhd, Ueber peritoneale Infektion. 160
Gilbert et Girode, Contribution k l'etude
chimique et bacteriologique du cholera
nostras. 803
Hamilton, Ueber swei Hauptansiedelungs-
punkte für die Tuberkel. 773
Hochsinger, Ueber Indicanurie im Säug-
lingsalter. 90
Lutz, Zur Kenntnis« der AmÖben-Enteriti*
und -Hepatitis. (Orig.) «41
Macfddyen, NencJri und Sieber, Untersu-
BagUtor.
867
chungen Über die chemischen Vorgänge
im menschlichen Dünndarm. 82
Me Fadyen, The behaviour of bacterla in
the small intestine. 648
Ortmann, Ueber Balantidium coli. 498
Fötus.
Btrch - Wrichftld , Ueber die Pforten der
pl¢aren Infektion des Fötus. 86
Raymond, Une Observation de Syphilis con-
ceptionelle. 89
Schmort und Birch-Hir$ch/eld, Uebergang
von Tnberkelbacillen ans dem mütter-
lichen Blute auf die Frucht. 88
Galle.
Naunyn, Ueber das Vorkommen von Spalt-
pilzen in der Gallenblase. 92
Gehirn.
Klippel* Desinfections microbiennes secon-
dairee au cours des affections mentales.
802
Richter y Ueber einen Fall von racemosen
Cysticerken in den inneren Meningen
des Gehirnes und Rückenmarkes. 012
Gelenke.
Buday, Beitrage zur Kenntniss der Ent-
wickelung der metastatischen Gelenkent-
zündungen und zur Aetiologie der Poly-
arthritis rheumatica. 286
Geschlechtsorgane.
v. Fritch, Zar Diagnose der tuberculösen
Erkrankungen des Urogenitalsystems. 610
OoUy Ueber die Häufigkeit des Vorkom-
mens von Gonokokken bei chronischer
Urethritis. 858
Kötschau, Kurser Beitrag zur Ichthyol-
therapie bei Frauenkrankheiten. 862
Kraskc, Ueber einen Fall von tuberculöser
Erkrankung der Glans penis nebst Be-
merkungen über die Uebertragbarkeit
der Tuberculose durch den geschlecht-
lichen Verkehr. 822
Lu&liner, Fünf neue Fälle der Tuberculose
nach Circumcision. 89
PeUizzari, Der Diplococcus von Neisser in
den periurethralen blennorrhöischen Ab-
scessen. 886
Tufficr, Tuberculose Hydrocelen. 778
Harn.
OrisafuUi, Modificazioni dell' urina e potere
urotossico negli injettati con la linfa di
Koch. 170
v. Frisch, Zur Diagnose der tuberculösen
Erkrankungen des Urogenitalsystems.
610
Hochtinger, Ueber Indioanurie im Slug-
üngsalter. 90
Litten, Die Centrifuge im Dienste der kli-
nischen Medicin. 20
de Vo$, Ueber den diagnostischen Werth
des Impfversuchs bei Tuberculose und
ein neues Verfahren zum mikroskopischen
Nachweis von Tnberkelbacillen im Harn.
105
Haut.
Bernheim, Ueber die Desinfektionsgemische.
839
Clause, Note sur an eis de purpurn a
pneumocoque. 674
Lustgarten, On Psorospermosis follicularis.
229
PaUeson, Trichomycosis nodosa: A cor-
rection and a note. 180
Preindeeberatr, Zur Kenntniss der Bakterien
des Unternagelraumes und zur Desinfek-
tion der Hände. 184
Sabraze», Sycosis gäneralise*. 257
Sehwemnger und Butzi, Notizen Über Favus
lupinosus am Rumpfe. 675
Unna, Natur und Behandlung des Ekzems.
674
White, Keratosis follicularis (Psorospermose
folliculaire vegitante). 180
Wickham, A rare case of favus of the
limbs enormous patches of favus co-
vering almost the whole of the lower
limbs. 129
Lange.
Hamilton, Ueber zwei Hauptansiedelungs-
punkte für die Tuberkel. 778
Mordhortt, Ist die Lunge ßchwindsüchtiger
grösser als diejenige Gesunder? 321
Sehrtcald, Die Krull'sche Methode der Tu-
berculosenbehandlung in ihrer thermi-
schen Einwirkung auf die Lunge. 828
Magen.
Kijanotciki, Zur Frage Über die antimikro-
biellen Eigenschaften des Magensaftes.
285
55»
868
Register.
Mond.
David, Las microbes de U booche. 609
Miller, The Mooth as a focus of infection. 647
Podbielsky, Erklärung. (Orig.) 606
Boewuki, Ueber gonorrhoische Erkrankung
der Mundhöhle Neugeborener. 129
Rothtrt, Bemerkung su der „Erklärung"
des Herrn Dr. A. PodbieUky. (Orig.) 607
Banareüi, Der menschliche Speichel und
die psthogenen Mikroorganismen der
Mundhöhle. {Orig.), 817
Ohren.
Saug, Das Lysol und das Naphthol <£)
in der Therapie der Ohrenkrankbeiten.
707
Maggiora und Oradenigo, Beitrag sur Aetio-
logie der katarrhalischen Obreotzüs-
dungen. {Orig.) 625
Jfoos, Histologische und bakteriologisch*
Untersuchungen über Mittelobrerkran-
kungen bei den verschiedenen Formen
der Diphtherie. 19
Nieren.
Enderlen, Primäre infektiöse Pyelonephritis
beim Rind. 94
FauOtaber , Ueber das Vorkommen von
Bakterien in den Nieren bei akuten In-
fektionskrankheiten . 257
BC/lieh, Die Pyelonephritis bacillosa des
Rindes. 94
Peritoneum.
Fraenhel, Ueber peritoneale Infektion. 160
Backenmark.
Bichter, Ueber einen Fall ron rmcemoseo
Cysticerken in den inneren Meningen
des Gehirnes und Rückenmarkes. 612
VI. Durch pflansliohe und thierische Parasiten verursachte
Krankheiten der Thiere.
Arloing, Prophylaxe der menschlichen und
thierischen Tuberculose. 776
Aruttamoff, Ueber die Natur des Fischgiftes.
(Orig.) 118
Bang , Uebertragbarkeit der Tuberculose
Ton Thieren auf den Menschen. 771
Barbier, De la transmissibilite de la diph-
therie aviaire ä l'homme. 98
Braun, Die sogenannte „freischwimmende
Sporocyste". (Orig.) 915
— , Bericht über die Fortschritte in der
thierischen Parasitenkunde. (Orig.) 889
491. 465. 498. 524
Burdon - Sonderten , Ueber die Aetiologie
der Tuberculose. 769
Capparelli, Beitrag cum Studium der Phago-
cyten. (Orig.) 877
Celli, Die Parasiten der rothen Blutkörper-
chen. 538
Di Mattei, Contributo allo studio dell' in-
fezione malarica speri mentale nell' uomo
e negli animali. 169
du Camal et Vaiüard, Sur une maladie'
parasitaire de l'homme transmissible au
lapin. 761
Enderlen, Primäre infektiöse Pyelonephritis
beim Rind. 94
Fiedeler, Ueber die Brustseuche im Koseier
Landgestüte und über den Krankheits-
erreger derselben. (Orig.) 310. 841
380. 408. 454
Gabrüachewtky, Ein Beitrag sur Frage der
Immunität und der Heilung ron Infek-
tionskrankheiten. (Orig.) 151
Oaertner und Roemer, Ueber die Einwir-
kung von Bakterienextrakten auf des
Lymphstrom. 759
Giard, L'Isaria, parasite de la larve du
Hanneton. 930
— , Sur Tlsaria den&a (Link), parasite du
Ver blanc. , 750
Oraneher et Ledoux-Lebard, Etudes sur la
tuberculose expeVimentale du lapin. 611
Oraneher et Martin, Ueber antitoberculöse
Schiitsimpfungen. 998
Orasti und Feletti, Weiteres sur Malaria-
frage. (Orig.) 449. 4SI. 517
Hamann, Die kleineren Susswasserfische
als Haupt- und Zwischenwirthe des
Echinorhynchus proteus Westr. (Orig.)
791
Hankin, Cures of infectious diseases. 396
Hanau, A new species of Trematode in-
festing Cattle (Fasciola carnosa). 464
Herman, De l'influence de quelques ts-
riations du terrain organique sur I'action
des microbes pyogenes. 803
Höflich, Die Pyelonephritis bacillosa det
Rindes. 94
Jensen, Tuberculose beim Hund und bei
der Katse. 611
Kitasato, Experimentelle Untersuchung««
über das Tetanusgift. 438
Ko$tjvrin und Kramaky, Ueber Heilung de»
Register.
869
Milzbrandes durch Fftulnisstoxine (Ex*
trakte) bei Thieren. (Orig.) 553. 599
Xotii, üeber den Uebergang des Milzbran-
des von der Mutter auf den Fötus und
über die Veränderungen in den Gefassen,
welche der Milzbrand hervorbringt. 225
Laveran, Die Aetiologie der Malaria. 536
Le ManU, Le parasite du Hanneton. 168
lAtcet, Dysenterie episootique des poules
et des dindes. 807
Marttnotä und Barbaeci, Ueber die Physio-
pathologie des Milzbrandes. 224
Martinotti und Tedeschi, Untersuchungen
über die Wirkungen der Inokulation des
Milzbrandes in die Nervenzentra. (Orig.)
545. 598. 685
Metschnikoff et Roux, Sur la propriäte* bac-
tlricide du sang de rat 756
Mc Fadyean und Sims Wbodhead, Ueber
die Uebertragung von Tuberculose von
Thieren auf Menschen durch Fleisch und
Milch tuberculöser Thiere. 772
Mignin und Motny , Ueber Pseudotabes
culose der Hasen. 775
Otbum, The Pediculi und Mallophsga
affecting man and the Lower animals.
675
Pasternacki, Eine neue Methode der Er-
haltung und Kultur der Obermeyer'schen
Spirochaeten in Blutegeln (Hirudo medi-
cinalis). 198
Potain, Un cas de tuberculose aspergillaire
(maladie des gaveurs de pigeons). 822
Preiez, Ueber einen Fall von Pseudotuber-
culose beim Schafe und über Pseudo-
tuberculose im Allgemeinen. 568
Prülieux et Deiaeroix, Le Champignon para-
site de la larve du Hanneton. 163
Reichet, Ueber Immunität gegen das Virus
von Eiterkokken. 189
Baffer, Contribution a l'etude expenmentale
du charbon symptomatique. 748
Rohrachneider , Experimentelle Untersu-
chungen über die bei Fröschen durch
Verweilen in höherer Temperatur erzeugte
Disposition für Milzbrand. 170
Rosenbach , Zur Konservirung lebender
Malariaparasiten. 806
Saeharow, Erhaltung der Malaria - Plas-
modien in lebendem Zustande in Blut-
egeln. 199
SanareUi, Weitere Mittheilungen aber Gift-
theorie und Phagocytose. (Orig.) 518
Serafini et Erriquez, Süll' azione dell'
sangue di animali immuni inoculato ad
animali suscettibili pel carbonchio. 755
Smith, Kleine bakteriologische Mittheilungen.
Mit 2 Figuren. (Orig.) 177
Thüohan, Sur la Constitution des spores
des Myzosporidies. 854
— , Recherches sur le developpement des
spores ches les Myzosporidies. 854
Tivzoni und Oattani, Fernere Untersu-
chungen über das Antitoxin des Tetanus.
(Orig.) 38
, L'immunita contro il tetano studiata
negli animali molto recettivi per questa
infezione (cavia, coniglio, topo). 576
Traptznikof, Du sort des spores de mi-
crobes dans Torganisme animal. 758
Trombetta, Die Fäulnissbakterien und die
Organe und das Blut ganz gesund ge-
tödteter Thiere. (Orig.) 664
WyasokowieM, Zur Frage von der Lokali-
sation des Tollwuthvirus im Organismus
der Thiere. (Orig.) 45
Zogari, Sul meccanismo dell' attenuazione
del virus rabico. 615
Zeehokke, Die Parasitenfauna von Trutta
salar. (Orig.) 694. 788. 792. 829
VII Durch pflanzliche und thierizohe Parasiten verursachte
Krankheiten der Pflanzen.
Atkinaon, Anthracnose of Cotton. 808
Btytrwcky Kulturversuche mit Zoochlorellen,
Lichenengonidien und anderen niederen
Algen. 75
Caxeneuve, Sur le traitement des vignes
phylloxerees par le sulfure de carbone
ml lange de Vaseline. 355
Cohn, Zur Geschichte der Leguminosen-
knöllchen. (Orig.) 190
EM* and Anderton, A new Ustilago from
Florida. 103
Ettis and Everhart, New species of Ure-
dineae and Ustilagineae. 104
Frank, Ueber den Verlauf der Kirschbaum-
Gnomonia- Krankheit in Deutschland
nebst Bemerkungen Über öffentliche
Pflanseoschutzmassregeln überhaupt. 752
Oaüoway and Fairchäd, Experiments in
the treatment of plant diseases: Treat-
ment of pear leafblight and scab in the
orchard. 471
Kirchner y Braunfleckigkeit der Gersten-
blätter. 259
Kramer, Bakteriologische Untersuchungen
über die Nassfaule der Kartoffelknollen.
164
Ludteig y Der Milch- und Rothflusa der
Bäume und ihre Urheber. (Orig,) 10
— , Ueber das Vorkommen des Moschus-
pilses im Saftfluss der Baume. (Orig.) 2 14
870
Register.
Magmn, Sur la castration parasitaire de
l'Anemone ranunculoides par l'Aecidium
leucospermum. 101
Magnus, Verzeichnis der am 16. Mai and
1. Juni 1890 bei Freienwalde a. O. be-
obachteten Pilze. 108
Herce, Tuberculosis of the Olive. 855
Poirault, Les Urödinees et leurs plantes
nourricieres. 104
JMOieux, Le seigle enivrant. 200
Bämema Bob, Zwei neue Nematodenkrank-
heiten der Erdbeerpflanze. 528
Smith, The Peach Rosette. 392
Sorohin, Ueber einige Krankheiten der
Kulturpflanzen im Süd-Ussurischen Ge-
biet 233
Southtoorth, Ripe rot of grapes and appies
(Gloeosporium fructigenum Berk.). 812
von Thümen, Ueber eine besonders be-
achtenswerthe, durch parasitische Pilze
hervorgerufene Krankheiten der Apfel-
baumblätter. 675
Woronin, Ueber das „Taumelgetreide -• in
Süd-Üssurien. 231
VIII. Untersuchungsmethoden, Instrumente etc.
Amthor, Beobachtungen über den Saccharo-
mjces apiculatus. 157
Die bakteriologische Ausstellung des VII.
internationalen Kongresses für Hygiene
und Demographie zu London, 10. — 17.
August 1891. 840
Baginsky, Zur Aetiologie der Diphtherie.
Der Loeffler'sche Bacillus. 806
Bakteriologisches von der medizinisch-
wissenschaftlichen Ausstellung des X.
internationalen medizinischen Kongresses
zu Berlin, 4.-9. August 1890. 166. 201
Bernheim, Taschenbuch für den bakterio-
logischen Praktikanten. 284
Beyermch, Qualitative -und quantitative
mikrobiochemische Analyse. (Orig.) 723
Buchner, Die Forschungsmethoden in der
Immunitätsfrage. (Orig.) 727
Cabadi, Lecons sur les maladies micro-
biennes profess6es a l'lcole de m£decine
de Toulouse. 561
de Vo8, Ueber den diagnostischen Werth
des Impfversuchs bei Tuberculose und
ein neues Verfahren zum mikroskopischen
Nachweis von Tuberkel bacillen im Harn.
105
Despeignes, Etüde experimentale sur les
microbes des eaux avec applications
ä l'hygiene sanitaire de la viile de Lyon.
563
Dock, Observations on the Amoeba coli
in dysentery and abscess of the liver.
227
Escherich, Ueber Milchsterilisirung zum
Zweck der Säuglingsernährung mit De-
monstration eines neuen Apparates. 26
Favrat und Christmann, Ueber eine ein-
fache Methode zur Gewinnung bacillen-
reichen Lepramaterials zu Versuchs-
zwecken. {Orig.) 119
Ftrmi, Weitere Untersuchungen Ober die
tryptischen Enzyme der Mikroorganismen.
{Orig.) 401
Fodor, Apparat zum Abimpfen von Bak-
terien-Kolonien. (Orig.) 721
Fraenhel, Die Gabbet'sche Färbung der
Tuberkelbacillen , eine „unwesentliche44
Modifikation meiner Methode. 234
v. Frisch, Zur Diagnose der tuberculösen
Erkrankungen des Urogenitalsystems.
610
Gabrittchewsky, Zur Technik der bakterio-
logischen Untersuchungen. Mit 2 Fi-
guren. (Orig.) 248
Oraeti und Felctti, Weiteres zur Malaria-
frage. (Orig) 449. 481. 517
Hansen, Qu'est-ce que la levüre pure de
M. Pasteur? 557
Heim, Die Neuerungen auf dem Gebiete
der bakteriologischen Untersuchungsme-
thoden seit dem Jahre 1887. (Orig.) 260
288. 823. 856. 893.430. 471. 499. 529.
575
Hippins, Ein Apparat zum Sterilisiren der
Milch im Hause. 20
Janton, Versuche zur Erlangung künstlicher
Immunität bei Variola vaccina. (Orig.) 40
Kaufmann, Ueber einen neuen Nährboden
für Bakterien. (Orig.) 65
Kirchner, Bakteriologische Untersuchungs-
methoden. 234
Kirchner, Grundriss der Militärgesundheits-
pflege. Heft 1. 669
Knauer, Eine bewährte Methode zur Rei-
nigung gebrauchter Objektträger und
Deckgläschen. (Orig.) 8
Leroy, A biological study of the microbe
of erysipelas. 255
Litten, Die Centrifuge im Dienste der kli-
nischen Medicin. 20
Marpmann, Mittheilungen aus der Praxis.
(Orig.) 122
— , Praktische Mittheilungen. Mit 2 Fi-
guren. (Orig.) 458
MoelUr, Ueber eine neue Methode der
Sporenfärbung. (Orig.) 273
Ogniannikow, Ein modifizirter d'Arsonval-
scher Thermostat mit BenEinheizung. 132
Pasternachi, Eine neue Methode der Er-
haltung und Kultur der Obermeyer'schen
Eegi&ter.
871
Spirochaeten in Blutegeln (Hirado medi-
cinaiis). 198
Pttri^ Ein neuer Apparat cum Sterilisiren
mit strömendem Wasserdampf von Atmo-
sphftrendruck. 181
Pleha, Aetiologische und klinische Malaria-
stadien. 572
Pregl, Ueber eine neue Karbolmethylen-
blau-Methode. (Orig.) 826
Reimer^ Ueber den Gehalt des Bodens an
Bakterien. 489
Reinsch, Zur bakteriologischen Untersu-
chung des Trinkwassers. (Orig.) 415
Renk* Ueber Marktmilch in Halle. 198
Rosenback, Zur Konservirung lebender
Malariaparasiten. 806
SanareUi, Der menschliche Speichel und
die pathogenen Mikroorganismen der
Mundhöhle. (Orig.) 817
Schill, Beiträge cur bakteriologischen
Technik. Mit 8 Figuren. (Orig.) 657
Schimmelbusch, Die Durchführung der
Asepsis in der Klinik des Herrn Geheim-
rath von Bergmann in Berlin. 266
Schultz, Zur Frage von der Bereitung
einiger Nährsubstrate. (Orig.) 52
Meskm, Die Kieselsäuregallerte als Nähr-
substrat (Orig.) 209
Smith, Kleine bakteriologische Mittheilungen.
Mit 2 Figuren. (Orig.) 177
Soxhlety Bin verbessertes Verfahren der
Milchsterilisirung. 203
Tisszoni und Cattani, Fernere Untersu-
chungen über das Antitoxin des Tetanus.
(Orig.) 83
Turrö, Contribucion ad estadio de la espo-
rulaeion del bacillus anthracis. 91
Wassermann und Proskauer, Ueber die an
den Diphtheriebacillen erseugten Tox-
albumine. 645
Wertheim, Zur Lehre von der Gonorrhöe.
385
Wortmann, Ueber die neuesten Untersu-
chungen bezüglich der Organismen der
Nitrifikation und ihre physiologische Be-
deutung. 76
IX. Schutzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten,
Entwickelongshemmung und Vernichtung der Bakterien und
Parasiten.
Aberg, De la curabilite de la phthisie
pulmonaire et de quelques autres mala-
dies chroniques de la poitrine par l'eau
d'une basse temperature. 614
Adami, Ueber schützende Wirkung der
Korpersäfte. 762
Alm<pä*t, Pemphigus neonatorum, bakte-
riologisch und epidemiologisch beleuchtet.
492
Arlomg, Ueber erbliche Uebertragung der
ImmunitÄt. 762
— , Prophylaxe der menschlichen und thie-
rischen Tuberculose. 776
Arthand, Ueber die relative Häufigkeit der
verschiedenen Arten der Ansteckung mit
Tuberculose. 776
Arustamoff, Ueber die Natur des Fisch-
giftes. (Orig.) 113
Bord, Les selles des febricitants au point
de vue bacte'riologique. 105
Bernheim, Ueber die Desinfektionsgemische.
889
Biernachi, Ueber die Eigenschaft der Anti-
septica, die Alkoholgährung zu beschleu-
nigen und über gewisse Abhängigkeit
ihrer Kraft von der chemischen Bau-
struktur , der Fermentmenge und der
Vereinigung miteinander. 296
Bütings, Preventive inoculation. 24
Bin*, Ueber Chinin und die Malariaamöbe.
810
Btrch-IHrsehfeld, Ueber die Pforten der
plazentaren Infektion des Fötus. 85
Bombicci, G.y Sulla resistenaa alla putrefa-
sione del virus tetanico. 21
— , L., Della disinfezione degli ambienti
infetti da virus tetanico. 22
Bordoni-Ufreduvri, Ueber die Widerstands-
fähigkeit des pneumonischen Virus in
den Auswürfen. (Orig.) 805
Borgherini, Die ersten Resultate der Koch-
schen Behandlungsmethode bei tuber-
culösen Erkrankungen innerer Organe.
107
Braotx, Ueber das Verhältniss der klini-
schen Chirurgie zur chirurgischen Bak-
teriologie und die Bedeutung der Anaero-
biose für beide. 188
— , Die Bedeutung der Anaerobiose für
die Wundheilung und für die allgemeine
Pathologie. 363
Brunner, Ueber Ausscheidung pathogener
Mikroorganismen durch denSchweiss. 172
362
— , Betrachtungen über die Antiseptik und
Aseptik mit Beziehung auf Lister's Vor-
trag in Berlin. 297
BruscheUmi, Sulla diffusione nell' organismo
del veleno del tetano. 15
Buchner, Kurze Uebersicht Über die Ent-
wicklung der Bakterienforschung seit
Naegeli's Eingreifen in dieselbe. 849
872
Register.
Buchner, Zur Nomenklatur der schützenden
Eiweisskörper. (Orig.) 699
— , Ueber den gegenwärtigen Stand der
Immunitätsfrage. 709
— , Die Forschungsmethoden in der Im-
munitätsfrage. (Orig.) 727
Cabadi, Lecons sur les maladies micro-
btennes professöes ä l'ecole de medecine
de Toulouse. 561
Cantani, Süll' sntisepsi intestinale. 22
— , Cura della difteria. 134
CappareÜi, Beitrag aum Studium der Phago-
cyten. (Orig.) 277
Caneneuve, Sur le traitement des vignes
phylloxerees par le sulfüre de carbone
mllangö de vaseline. 865
Chclmonttiy Ueber den Einfluss akuter
fieberhafter Erkrankungen auf den Ver-
lauf der chronischen Lungentuberculose.
579
Chor, Traitement du charbon par le bi-
carbonate de soude d'apres la methode
de M. Fodor, 760
Chiari, Ueber den pathologisch-anatomischen
Befund in drei mit Koch'schen Injek-
tionen behandelten Fällen von schwerer
Lungentuberculose. 880
— , Weitere pathologisch-anatomische Mit-
theilungen über mit Koch'schen Injek-
tionen behandelte Fälle von Tuberculose.
831
Clado, Behandlung der chirurgischen Tuber-
culose mittels Warme. 775
Criea/ulli, Modificasioni dell' urina e potere
urotossico negli injettati con la linfa
Koch. 170
David, Les microbes de la bouche. 609
de Christmai, llitude sur les substances mi-
crobicides du slrum et des organes
d'animaux ä sang chaud. 766
de Vos, Ueber den diagnostischen Werth
des Impfversuchs bei Tuberculose und
ein neues Verfahren sum mikroskopischen
Nachweis von Tuberkelbacillen im Harn.
105
du Cazal et Vaülard, Sur une maladie
parasitaire de l'homme transmissible au
lapin. 761
Ehrlich^ Ueber die neuere Behandlungs-
weise der Tuberculose nach Koch. 811
Emmerich, Die Ursache der Immunität, die
Heilung von Infektionskrankheiten, spe-
ziell des Rothlaufs der Schweine, und ein
neues Schutzimpfungsverfahren gegen
diese Krankheit. 265
— , Ueber die künstliche Eraeugung von
Immunität gegen kroupose Pneumonie
und die Heilung dieser Krankheit. 714
Enderlen, Versuche über die bakterien-
feindliche Wirkung normalen und patho-
logischen Blutes. 758
Eraud und Hugounenq, Action de certaines
couleurs d'aniline sur le developpemeni
et la virulence de quelques microbes. 615
Eicherich, Ueber MilchsterilUixung zum
Zweck der Säuglingsernährung mit De-
monstration eines neuen Apparates. 26
Etpina y Capo , Massregeln gegen die
Uebertragung der Tuberculose. 777
Famio , Concorrenaa vitale fra i bacferi
della putrefasione, e quelli de carbonchio
e del tifo. 761
Fermi, Weitere Untersuchungen über die
tryptischen Enzyme der Mikroorganismen.
(Orig.) 401
Finheletem, Bericht für das Jahr 1890 über
die Pasteur'sche antirabische Station am
Militär -medizinischen Laboratorium des
kaukasischen Militärkreises zu Tiflis. 679
Fiedeler, Ueber die Brustseuche im Koseier
Landgestüte und über den Krankheits-
erreger derselben. (Orig.) 310. 341.
380. 408. 454
Fischer, Die Plasmolyse der Bakterien. 1 58
Foh, Una esperiensa negativa sulla im-
munita per la tuberculosi. 330
Foh e Carbone, Studi sul processo pneu-
monico. 223
Fodor, Zur Frage der Immunisation durch
Alkalisation. (Orig.) 7
Freirt, Mittheilung über Bakteriologie im
Allgemeinen und über das gelbe Fieber
im Besonderen. 805
Gabrütehewehy, Ein Beitrag sur Frage der
Immunität und der Heilung von Infek-
tionskrankheiten. (Orig.) 151
Gaettner und Boemer, Ueber die Einwir-
wirkung von Bakterienextrakten auf den
Lymphstrom. 759
Galloway and Fctirchüd, Experiments in
the treatment of plant diseases : Treat-
ment of pear leafblight and scab in the
orchard. 471
Gamaleia, De Timmunite pour le vibrion
de Metschnikoff. 133
Gottstem , Zusammenfassende Uebersicht
über die bakterienvernichtende Eigen-
schaft des Blutserums. 758
Grancher et Ledoux-Lebard, Etudes aar la
tuberculose experimentale du lapin. 611
Grancher et Martin, Ueber antitubercuiöse
Schutzimpfungen* 298
Graset und FeletU, Weiteres sur Malaria-
frage. (Orig.) 449. 481. 517
Guntz, Ueber die Chromwasserbehandlang
der Syphilis. 579
Guttmann und Ehrlich, Ueber die Wirkung
des Methylenblau bei Malaria. 809
Hanhm, Ueber die Nomenklatur der
schützenden Eiweisskörper. (Orig.) 337
377
— , Cures of infectious diseases. 396
— , Die antibakterielle Wirkung des Serums.
714
Register.
873
Haug, Das Lysol und das Naphthol (ß)
in der Therapie der Obrenkrankheiten.
707
vor* Iforf, Ein Fall von Hospitalbrand an
der VulTa nebst Bemerkungen Aber die
Behandlung dieser Krankheit. SS 7
Hertman, De l'influence de quelques va-
risvtions du terraiu organique aar l*action
des mkrobes pyogenes. 808
HipptMy Ein Apparat mm Sterilislren der
Milch im Hanse. 80
üönmtet, Apparent antagoniam between the
Streptococci of Erysipel» and Syphilis. 8 1
Huepptj Die Immunititsfrage. 768
Janton, Versuche zur Erlangung künstlicher
Immunität bei Variola vaccina. (Orig.) 40
Kt/amotoeki, Zur Frage über die antimikro-
biellen Eigenschaften des Ifagensaftes. 285
Kirchner, Die Bedeutung der Bakteriologie
für die Öffentliche Gesundheitspflege. 186
KiUuato, Experimentelle Untersuchungen
über das Tetanusgift. 488
— , Heil- und Immunisirungs versuche bei
Tetanus. 762
KUin, Ein neuer Bacillus des malignen
Oedems. (Orig.) 186
— , Ueber chemische Beeinflussung der
Slfte. 764
Klemm, Ueber Catgutinfektion bei trockner
Wundbehandlung. 128
Kluge, Chemotaktische Wirkungen des Tu-
berculins auf Bakterien. (Orig.) 661
Kolb, Zur Aetiologie der idiopathischen
Blutfleckenkrankheit (Purpura haemor-
rhagtca, Morbus maculosus Werlhofii). 17
KöUehau, Kuraer Beitrag sur Ichthyolthe-
rapie bei Frauenkrankheiten. 862
Kotfrarin und Krameky, Ueber Heilung des
Milabrandes durch Fäulnisstozine (Ex-
trakte) bei Thieren. (Orig.) 668. 599
Krynalci, Beitrag sur Kenntniss des Ver-
haltens der Tuberkelbacillen bei Lupus
unter dem Einflüsse der Koch'schen
Lymphe. 107
Kugler, Worin sind die Hauptursachen ffir
die starke, immer noch wachsende Ver-
breitung der Tuberculose su suchen und
was kann und soll der Staat zur Aus-
rottung beaw. Eindämmung dieser ver-
derblichen Krankheit thnn? 628
Kur» , Ueber trockene aseptische Opera-
tions- und Verbandsmethode. 268
Langioie, Le traitement de ia tuberculose
dn Dr. B. Koch. 618
LatU, Ueber den Uebergang des Milabran-
des von der Mutter auf den Fötus und
über die Veränderungen in den Gefässen,
welche der Milzbrand hervorbringt. 225
LeZoir, Ueber die Impfung skrophulös-
tuberculöser Produkte, namentlich des
Lup. vulg. 774
9. Lingdeheim, Experimentelle Untersu-
chungen über morphologische, kulturelle
und pathogene Eigenschaften verschiede-
ner Streptokokken. 460
Lmotrier, Action de l'acide sulfureux sur
quelques Champignons inferieurs et en
particulier sur les levftres alcooliques. 28
Loeb, Ueber einen bei Keratomalacia infan-
tum beobachteten Kapselbacillus. (Orig.)
869
Lubarach, Bemerkungen su R. Stern's Re-
ferat Über meine „Untersuchungen über
die Ursachen der angeborenen und er-
worbenen Immunität14. (Orig.) 69
Stern, Erwiderung. (Orig.) 74
Martmotti und Tedeaehi, Untersuchungen
über die Wirkungen der Inokulation des
Milsbrandes in die Nervensentra. (Orig.)
646. 698. 688
Metsckfiikof, Ueber die Wirkung des Vibrio
Metschnikovi. 764
MeUchnikoff et Btm», Sur la propriete* bac-
tericide du sang de rat. 766
Oertd, Ueber das diphtherische Gift und
seine Wirkungsweise. 220
Ogata, Ueber die Immunitätsfrage. 764
Berdrix, Les vaccinations antirabiques k
Tlnstitut Pasteur. 681
PeUrmann, Sur la sabstance bactencide du
sang decrite par le professeur Ogata. 766
Petri, Ein neuer Apparat tum Sterilislren
mit strömendem Wasserdampf von Atmo-
sphärendruck. 181
— , Ueber die Widerstandsfähigkeit der
Bakterien des 8chweinerothlaufs in Rein-
kulturen und im Fleisch rothlaufkranker
Schweine gegen Kochen , Schmoren,
Braten, Saison, Einpökeln und Räuchern.
186
Piamu, Ricerche batteriologiehe e speri-
mentali in un caso di corea dn Syden-
han. 888
PUseer, Ein neues wirksames Heilverfahren
bei progressiver Lungen- und Organ-
tuberculose. 880
Preindesberger, Zur Kenntniss der Bakte-
rien des Unternagelraumes und sur Des-
infektion der Hände. 184
iVsis«, Ueber einen Fall von Pseudotuber-
culose beim Schafe und über Pseudo-
tuberculose im Allgemeinen. 668
Raum, Zur Morphologie und Biologie der
Sprosspilse. 79
Reiche!, Ueber Immunität gegen das Virus
von Eiterkokken. 189
Rein, Asepsis oder Antisepsis bei Lapara-
tomieen? 26
Roger, Contribution e l'etnde expcrimentale
dn charbon symptomatique. 748
Rohrschneider , Experimentelle Untersu-
chungen über die bei Fröschen durch
Verweilen in höherer Temperatur er-
zeugte Disposition für Milzbrand. 170
874
Register.
Boux, Ueber Immnnitil, deren natürliches
Vorkommen und künstliche Eraeugaag.
649. 682
Buffer, Notes on the destruetion of miero-
organlsms by mmoeboid eellt. 18t
SamarcUi, Weiten MittbeUaiigeii Aber Gift-
tbeorie and Pbagoeytoee. (Orig.) 618
— , Der menschliche 8pelchel und die
pethogenen Mikroorganismen der Mund-
höhle. {Orig,) 817
Schmmfibmtük , Die Durchführung der
Asepsis in der Klinik des Herrn Ge-
heimrath ron Bergmann in Berlin. 886
Sckor, Ueber die fragliebe Tmmnnisstion
durch Alkalisation mittelst Natrium bi-
carbonieum. (Orig.) 786
Schwan, Ein Fall ron Heilung des Tetanus
traumatieus dureb das ron Prof. Guido
Tissoni und Drin Cattani bereitete Anti-
toxin des Tetanus. (Orig.) 786
Sthncald, Die Krull'sche Methode der Tu-
berculosenbebandlung in ihrer thermi-
schen Einwirkung auf die Lunge. 828
Scrafini et Erriquez, Soll' asione delT
sangue di animali immuni inoculato ad
animali suseettibili pel carbonchio. 755
Southworth, Bipe rot of grapes and apples
(Gloeosporium fruetigenum Berk.). 612
Sozhlct, Ein verbessertes Verfahren der
Milchsterilisirung. 208
Spronck, Zur Kenntniss der pathogenen Be-
deutung des Klebs-Loenler'schen Diph-
theriebacillus. 419
An*?, Ueber die ChJoroformbehandhuig des
Typhus. 24
atoeqmmt, De ftchthyol dans le trsJsnment
de la dyspepsie et des troubles edpha-
liques et nerveux qul en depeadent. 862
Stent, Why the Sputa of tabercalous
patients sbould be destroyed. 106
Tixmoni und CattoiM, Pernere Untersu-
chungen über das Antitoxin des Tetanus.
(Orig.) 33
, L'immunita eontro il tetano srndiafi
negli animali molto reeettrri per qoasts
infeuione (envia, eoniglio9 topo). 576
Traptmukof, Du sort des sporea de mi-
erobes dans l'organisme snimal 753
Zweiter Tuberculose-Kongress. 439
Ulrich, Die Resultate ron 8 verschiedenen
Bebandlungsweisen des Erysipel«* fiatieL
268
Unna, Natur und Behandlung des Ekzems.
674
VatOard et Vmocnt, Sur le poison teu-
nique. 14
Wolf, Ueber Aktinomykose. 138
IVyssokouxe*, Zur Frage ron der L*okali-
sation des Tollwuthvirus im Orgmnlsmiu
der Thiere. (Orig.) 45
Zagari, 8ul meccanismo delT attenuaaione
del virus rabieo. 615
Zmigrodskij Ein kasuistischer Beitrag zur
Heilbarkeit der Pyimie. 833
X. Kongresse.
Bakteriologisches vom X. internationalen
medizinischen Kongresse su Berlin, 4.
—9. August 1890. 26
Bakteriologisches von der medizinisch-
wissenschaftlichen Ausstellung des X.
internationalen medizinischen Kongresses
su Berlin, 4.-9. August 1890. 166. 201
Bakteriologisches vom VIL internationalen
Kongress für Hygiene und Demographie
su London, 10.— 17. August 1891. 605
580. 647. 682. 708. 762. 810
Die bakteriologische Ausstellung des VII.
internationalen Kongresses für Hygiene
und Demographie su London, 10. — 17.
August 1891. 840
Bakteriologisches vom XX. Kongress der
deutschen Gesellschaft Ar Chirurgie, ab-
gehalten vom 1.— 4. April 1891 an Berlin
188. 173
Zweiter Tuberculose-Kongress.
489. 565
774
XI. Institute.
FinkeUtem, Bericht über das Jahr 1890
Ober die Pasteur'sehe antirabische Station
am Militär - medisinischen Laboratorium
des kaukasischen Milit&rkreiaes su Tiflis.
67*
Perdrix, Les vaccinations antirabique« »
rinatitut Pasteur. 681
XII. Neue Litteratur.
28. 108. 140. 173. 204. 287. 269 301. 882. 364. 397. 444. 476. 540. 588. 620.
656. 684. 716. 778. 813. 845.
Autorenverseichaifts.
875
XIII. Autorenveraeichnifls.
Aberg, E. 614
Adami 762 842
Almqnist 492
Alvergniat 846
Amthor, Carl 157
Anderson, F. W. 103. 617
Angetan, A 254
Arloing 448. 586. 762. 772. 776. 811. 845
Arthaud 776
AniBtamoff; M. 118
Atkinaon, G. F. 808
Babee, V. 169 281. 443. 585. 767
Baginsky, A 806
BaSd 846
Bailance 648
Bang 772
Bantt G. 804
Barbacci 224
Barbier, A. 93
Bard 105
Bardach 812
Barlow 810
Barrois, Th. 527
Beevor 841
Bereite 586
Bergmann, v. 137.
Bergmann, W. 259
Bernheim, 234. 441. 442. 839
Bert in 442
Beyerinck, M. W. 75. 723
Biernacki, E. 296
Bignami 570
BiDings, Frank S. 24
Binz, C. 810
Birch-Hirschfeld 85. 88
Blanchard, R. 525. 526. 527
Boinet, Edouard 15
Bokenham 842
Bombicci, Q. 21
Bombicci L. 22
Booker, William D. 284
Bordoni-Uffreduizi 305
Borgherini, A 107
Bouland 777
Boulloche 674
Bonsfield 844
Boyce 842
Braati 138. 363
Brandes, G. 526
Braun, M 215. 389. 421. 465. 493. 524.
626
Brentano 678
Bruce 647
Brunn, t. 318
Brunner, Conrad 172. 297. 362
Brnschettini, A. 15
Brnsilowski, E. 194
Bachner, H. 349. 699. 709. 727. 767
Baday 256.. 286
Burdon-Sanderson 769. 811
Buiii 675
Cabadd 561
Cadiot 300
Cantani, A 22. 134
Capparelli. Andrea 277
Carbone, T. 223
Cartwright-Wood 767
Cattani Gioseppina 83. 576
Cazeneuve, P. 355
Celli 538, 617
Chauveau 269
Chantemease 442
Chelmonski 579
Chevreau, P. 527
Chiari, H. 330. 331
Christmann, F. 1191
Christmas Dirckinck-Holmfeld, J. de 768
CUdo 775. 778
Claisse 674
Cohn, Ferd. 190
Conn, H. W. 252
Cornü 587. 776. 812
Conrmont 300. 442
Crety, C. 627
Crisafulli, S. 170
Crookshank 616. 648. 840
Cuenot, L. 526
Cuffer, P. 567
Dangeard, P. A 745
Dand, Th. 609
Delacroiz 163
Delepine, Sheridan 649. 841
Dennig. Adolf 643
Despeignes. V. 563. 845
Destree 567
De Voe 105
Di Mattei. E. 162
Dittrich 491
Dock, George 227. 254
Dör 300. 442
Dowdeswell 843
Du Cazal 761
Eberth, C. J. 251
Ehrlich, P. 763. 809. 811. 812
Eiseisberg, A r. 138. 492
Eisenhardt E. 610
Ellie, J. B. 108. 104
Emmerich 265. 714
876
Autor enTerseichniss.
Enderlen. E. 94. 753
Erand 615
Erriqaes 756
Escherieh 26
Espina y Capo 777
Ererhart B. M. 104
Faber, Knud 18
Fairchild, D. G. 471
Fajarnei, E 254
Faulhaber, E. 258
Favrat. A. 119
Faxio, E. 761
Feletti. R. 449. 481. 517
Permi, Claudio 401
Fiedeler 310. 341. 380. 408. 454
Finkelstein, J. M. 679. 747
Fischer 168. 172
Fischer, A. 158
Fischer, W. 16
Flügge 169
Foa, P. 223. 330
Fodor, J. t. 7. 721. 767
ForeL F. A. 562
FraenkeL A. 160
Fraenkel B. 234.
Frank, B. 752
Frankland, Percy F. 222
Fraier 8U
Freire 805
Frew, W. 222
Frisch. A. r. 610
Gabritschewsky. G. 151. 248. 844
Gaertner. G. 759
Gaffky 168
Galloway, B. T. 471
Gamalela. M. 133. 300
Giard, Alfred 230. 750
Gibbon, S. 811
Gilbert 300. 803
Gimbert 778
Girode, J. 803
Goldschmidt 748
Goll 353
Goto, S. 526
Gottstein, A. 758
Graber, A. 563
Gradenigo,
Grancher, J.
Grassi, B. 449. 481. 517
Griffln 844
Graber. Max 619. 648
Gninard, M. 668
Gunts, J. 579
Gattmann, P. 809
Haase, E. 552
Hallopeau 586. 587
Hamann, Otto 527. 791
Hamilton 773
Hankin, E. H. 337. 377. 3J>6. 714. 842
Hansen, Em. Chr. 557
Hassall. Albert 464
Hang 707
Hearson 844
Heim, L. 260. 288. 323. 356. 393. 43* > 47:
499. 529. 575
Heinseimann 646
Herff; v. 227
Hencourt 441
Herman, M. 808
Hirne 810
Hippins 20
Hochßinger, C. 90. 263
HodenpyL Eng. 703
Höflich, C. 94
Hftlseher 384
Hofe 522
Hogg, J. 526
Hobt, A. 219
Horwits, Orville 21
Hneppe 617. 619. 647. 763. 811 844
Hngoonenq. 615
Hunter 812. 843
Hntinel 440
Jacobi 440
Janselme 587
Janson, Carl 40
Jensen, C. O. 611
Jordan 172
Kaiser, Job. 527
Karg 13a 843
Karfinski 491
Kaufmann, P. 65
Kayser, E. 418. 489
Kifanowski. W. 235
Kirchner, Martin 126. 234. 670
Kirchner, O. 259
Kirmisson 441
Kitasato 167. 438. 762
Klein 841
Klein, A. 619. 647. 764
Klein, E. 186
Klemm, Panl 128
Kuppel 66a 802
Klage, R f 61
Knaaer, Friedr. 8
Koch, Alfred 801. 838
König 137
Kttschaa 362
Kolb, M 17
Kostjarin, S. 568. 599
Kralnsky, N. 668. 699
Kral, F. 201. 848
Kramer, E. 124. 164
Kraske 322
Kratter 26
Krynski, L. 107
Küflter 137
Kogler 523
Kan 268
Lagaerriere 777
Landoasy 441. 777
Langer 676
Langloie, P. 613
Lasch*, A. 192
Autorenrerseichniss .
877
Laos 225
l*&uenstein 137
^utenschlftger 844
^averan 636. 617
Le Dantec 442
[^edonz-Lebard 611
Leloir 587. 774
Le Monlt 193. 750
Leroy, C. 255
Leuckart, R 527
Levy, E. 642
Lewandowsky 220
Lingelaheim, v. 460
Ldnosaier, G. 23
Ldnstow, t. 626. 627
Lister 535. 648. 767
Latten, M. 20
Loeb 369
Loeffler, F. 167
Lftnnberg, E. 526
Lodge 844
Lortet, M 567
Lothian 845
Lubarsch, 0. 69
Lubliner, L. 89
Lucet 807
Ludwig, Fr. 10. 214. 563
Lustgarten, Sigismund 229
Lutz, A. 241
Maggiora, Arnaldo 145. 625
Magnin, Ant 101
Magnus, P. 103
Malachowaki. E. 706
MalTOz, E. 197
Mannaberg, J. 705
Marpmann 122. 458
Martin, H. 298
Martinaud, V. 99
Martinotti, Giovanni 224. 545. 593. 636
Me Fadyen, A. 82. 648. 772
Mc Weeuey, E. J. 838. 842
Megnin, P. 526. 527. 775
Meinert 387
Menge 842
Metecbnikoff 756. 764. 811
Migula, W. 563. 701
Millaiß 843
Miller 647
Moeller, H. 273
Moniez, R. 526. 527
Monticelli F. S. 526. 527.
Moos, S. 19
Mordhorst 321
Morris, Malcolm 18
Mosny 775
Mräzek, M. 527
Murray 843
Naunyn 92
Nencki, M. 82
Netter, J. L. 559
Neuhauss 168
Nocard 299. 774. 776. 777. 841
North, W. 617
Oertel 220
Ogata 754
Oguiannikow, S. 132
Ortmann, E. 498
Osburn, Herbert 675
Parkes, E. A. 559. 844
Parona, C. 527
Pasternacki, Th. 198
Patteson, B. Glasgow 130
Paulos 672
Pellizzari, Celso 886
Peozo, Rudolf 822
Perdrix 681
Perroncito 911
Perugia, A. 525
Petermann 755
Petri, R. J. 126. 131. 135
Pfeiffer, L. 525
Pianese. G. 388
Picq 442
Picque 388
Pierce, N. B. 355
Pinard 441
Pia, E. F. 14
Plate, H. 563
Plehn, F. 672
Plesser 330
Podbielsky, A. 605
Poehl 168
Poirault Georges 104
Pokrowsky, M. A. 566
Ponfick 812
Potain 322
Pound 843. 844
Prausnitz, W. 820
Prep], Fritz 825
PreFndesborger 184
Preist, H. 568
Prillieux 163. 2(K)
Pringle 844
Proskauer 645
Protopopoff 702
Pruddeo, T. Mitchell 703
Railliet, A. 525. 526
Raum, Johannes 79
Raymond, M. P. 89
Reich, M. J. 747
Reiche], P. 139
Reiher. Oskar 219
Reimers, J. 480
Rein 25
Reinach, A. 415
Renk 193
Ribbert 287
Richter, Max 612
Rietsch, M. 99
Ritzema Bos. J. 528
Rohmann 168
Roemer, Fr. 759
Roger, G. H. 300. 748
Rohrschneider 170
878
AutorenversclchnUc.
Romanowsky, D. 163
Rotcoe 844
Rosenbaeh, 0. 806
Boriniki 189
Eothert 607
Rom 649. 756. 767. 811
Buffer. B. Armand 182
Sabrases, M. 257
Sacharow, N. 199
äagarra, V. 526
Samt-Joseph, de 528
Saint-Remy, G. 526
Sakharoff 706
Sanarelli, Giuseppe 513. 817
Schede 137. 138
Schellong, 0. 570
Schill 657
Schimmelbusch, C. 266
Schleich 462
Schmorl 88
Schnirer, M T. 439
Scher 736. 760
Schooll 775
Schulte, N. K 52
Schwan, Rudolf 785
Schweninger 675
Scott, Th. 527
Sehrwald 828
Semmola 441
Serafilii 755
Setti E. 526
SewiU, Henry 64a 843
Shattock 843
Sieber, N. 82
Sleskin, P. 209
Smith, £. F. 892
Smith, Theobald 177
Solger, B. 525
Solles 441
Sonsino, P. 525. 526. 527
SoroUn, N. 233
Southworth 612
Soxhlet 203
Spener, C. 574
Spronck 419
Stanley, Arthur 222
Stengel, Alfred 749
Stepp 24
Stern, Richard 74
Stiles, W. 526. 527. 528
Stocquart 862
Stone, K. Arthur 106
Stossidi, H. 526
Straus 300
Tangi, F. 1. 820. 673
Tavernier 687 §•-•'-■•
Tedeschi, Alessandro 545. 593. 635
Thelohan, M. P. 353. 354. 525
Thiersch 137
Jhflmen, Felix v. 675
Tison 777
Tinoni. Guido 33. 576
Tortf, A 254
Trapeznikoff 753
Trasbot 777
Trombetta, Sergi 664
Tuffler 778
Turrö, R 91
Ulrich, Ch. 268
Unna 674
Vaillard 14. 761
Van Dort, Broes T. 129
Vaughan 843
Veülon 388
Yerneuil 586. 776
Vignal489
YiDeneuTe 626
Yilliers, A. 283
Vincent 14
Voeltikow, A. 528
Votseier, J. 563
Waahbourne 842
Wassermann 645
Waybel 285
Weathered 842
Weltner, W. 563
Wernicke, O. 626
Wertheim, E. 385
Weyl 167. 319
White, James C. 130
Wickhain, Louis 129
Wieriuzskij, D. 352
Wieraejski, A. 525
Will, Et. 621
Wollt M.ix 138
Woodhead, G. Sims 772. 843
Woronin, M. 231
Wortmann, J. 76
Wyssokowics, W. 46
Zacharias, O. 562. 563
Zagari, G. 615
Zettnow, & 689
Zmigradski 332
Zschokke, F. 694. 738, 792. 829
Frommannsche Buchdruckerei (Hermann Po hie) in Jen*.
Stoxt
FOR REFERENCE
NOT TO BE TAKEN FROM THE ROOM
m DAT. NO. n 011 M*°
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